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Die Entwickelung der Industrie von Oberschlesien.

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Zeitsehrift fur angewandte Chemie.
1899. Heft 25.
Die Entwickelung der Industrie von
Oberschlesien.
Vortrag, gelialten am 25, Mai 1899 atif der
Hauptversammlung in Kijnigshitte.
Von
Edmund Jensch, Runigundehiltte.
Hochgeehrte Herren ! Es ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden, der Hauptversammlung des V e r e i n s d e u t s c h e r C h e m i k e r ,
die uns heut zum ersten Male die Ehre erweist, in Oberschlesien zu tagen, ein umfassendes, iibersichtliches Bild der oberschlesischen Industrie vorzufChren. Bei der
Kiirze, die ein solcher Voitrag zu wahren
hat, muss die Schilderung vieler interessanten
Einzelheiten in Fortfall gelangen. Es ist
daher meine Pflicht und Aufgabe, h e n die
Verhiiltnisse der hiesigen Industrie in beschriinktem Maasse darzulegen. Die hier
anwesenden Herren des oberschlesischen
Iodustriebezirkes bitte ich um freundliche
Nachsicht, wenn ich im Interesse der auswiirtigen Mitglieder und Giigte vielfach Bekanntes berichte.
Die Mineralreichthiimer unseres oberschlesischen Landes bilden den Grundstock
unserer umfangreichen Industrien. Vornehmlich sind dies die reichen Zink- und Bleierzlagerstiitten, ferner die Erzlager von Brauneisenstein, Thoneisenstein, Kohleneisenstein
und Rasenerz, sowie das gewaltige Steinkohlenvorkommen, das unter den mineralischen Schiitzen in allererster Linie von Bedeutung ist. Ohne diese reichen und leicht
erreichbaren Steinkohlenlagerstitten wiire
nicht nur die hier so hochentwickelte Eiseniodustrie, sondern auch die gesammte Metallindustrie, sowie die Fabrikation yon Ammoniumsulfat, von Benzol und einer griisseren
Reihe anderer organischer Verbindungen ganz
ohne Belang.
Das Steinkohlenvorkommen in O b e r
schlesien erstreckt sich iiber ein Gebiet von
iiber 4000 qkm. Die Ausliiufer dieses grossartigen Kohlenbeckens umfassen im OstrauKarwinergebiete in Osterreich, Schlesien und
Miihren, sowie an der Westgrenze von Galizien, bei Jaworzno, ein Gebiet von rund
1000 qkm. h e r 600 qkm liegen ausserdem
noch davon auf russischem Boden, anch.99.
schliessend an die oberschlesischen Kohlenfelder.
Die i n Preussen-Oberschlesien liegenden
Kohlenflijtze erstrecken sich iiber die Kreise
Kattowitz, Beuthen , Zabrze, Tarnowitz,
Gleiwitz, Rybnik, Ratibor und Pleas und
sollen einer eingebenden Betrachtung unterzogen werden. Die in unserem Gebiete betriebenen hiittenindustriellen Anlagen befinden sich dagegen meistentheils in enger
Verbindung mit dem Erzbergbau und dem
Kohlenbergbau in den Kreiseo Beutben,
Kattowitz und Zabrze, ausserdem auch i n j e
einer Ecke des Tarnowitzer und Gleiwitzer
Kreises.
Das productive Steinkohlengebirge erstreckt sich von der russischen Grenze bei
Myslowitz nach Norden bis iiber Tarnowitz
hinaus, im Westen fiber Gleiwitz bis Ratibor
und weit iiber das links der Oder gelegene
Gelinde hinaus bis in die Niihe von Leobschiitz. Im Siidwesten ist das Steinkohlengebirge zum Theil von Tertiiirschichten iiberlagert; im Norden dagegen wird es begrenzt
durch eine Bedeckung von Buntsandatein
und Muschelkalk, deren siidliche Erstreckung
etwa in der Richtung der Orte Bobrek,
Reuthen, Chorzow, Laurabiitte sich hinzieht.
Diese Formation gehijrt dem T n a s an. Der
Muschelkalk ist iibrigens gerade der Triiger
der oberschlesischen Zink- und Bleierzlagerstiitten, ebenso auch der Eisenerzvorkommen,
die einzig hier von Wichtigkeit sind.
I n Bezug auf die Miichtigkeit der Steinkohlenfltitze steht Oberschlesien wohl mit an
erster Stelle von den Kohlenbezirken des
europiiischen Festlandes. Denn Kohlenschiit ze,
wie solche in dem kleinen Gebiete von
Oberschlesien sich vorfinden, treten anderswo
schwerlich in gleicher Miichtigkeit - und
was von ganz besonderer Bedeutung ist in gleicher Reinheit auf.
Denn FlBtze von 1 bis 1,5 m Miichtigkeit, welche in anderen Kohlenbezirken als
besonders miichtig angesehen werden , wurden hier bis vor Kurzem noch nicht abbauwiirdig befunden, heute jedoch werden auch
diese abgebaut. Es betriigt die Miichtigkeit
der in Oberschlesien abgebauten Fliitze 3 bis
8 rn; es sind aber auch solche Plijtze nicht
selten, deren S t l r k e auf 9 bis 12, j a 16 m
steigt. Hiiufig ziehen sich diese schwnct:en
49
586
Jensch: Industrie von Oberrchlesien.
Flijtze zu Tage, sodass sie friiher als ,,schwarzer
Lehm" gefiirdert wurden und zur Ziegelfabrikation dienten.
Zu dieser gtnstigen Miichtigkeit treten
i n Oberschlesien noch weitere Vortheile,
welche die Lagerung der Kohlenfliitze bietet.
Auf einer Linie, welche die Orte Zabrze,
Kiinigshiitte , Laurahiitte und Rosdzin verbindet und weiterhin sich nach Russland
erstreckt, bilden die Schicbten des productiven Steinkohlengebirges eine Reihe von
Siitteln (Fliitzbergen), die unter der Bezeichnung Zabrze Myslowitzer Fliitzzug weithin
bekannt sind. In diesem F16tzzug befinden
sich eine grosse Anzahl liegender Fliitze,
welche sich durch ganz besondere Rcinbeit
und Miichtigkeit auszeichnen.
Von den Flijtzen des Zabrze-Myslowitzer
Zuges i s t die unter dem Namen ,,Sattelfliitze"
bekannte untere Gruppe, zu welcher im
Westen des Reviers die Fliitze ,,Pochhammer"
(6 m miichtig), Reden (3 m), Heinitz (3 bis
4 m), Schuckmann (6 bis 10 m) gezhhlt
werden, und in welcher man im Osten Sattelflijtz Oberbank und Niederbank, Oberflijtz
und Niederfliitz unterscheidet, fiir den oberschlesischen Hiittenmann und Werkleiter die
interessanteste wegen der Vorziiglichkeit
ihrer Kohle, weshalb auch dort der alteste
und ausgedehnteste Bergbau umgeht. Dem
Bergbau werden durch die Erhebung der
Fliitzpartie in den Siitteln die griissten Vortheile geboten, d a dadurch die Gewinnung
der in nur miissiger Tiefe lagernden Kohle
bedeutend erleichtert wird.
Von dem von Westen nach Osten sich
verlaufenden Sattelzuge senken sich die Fl6tze
nach beiden Richtungen ein, um sich im
Norden, niirdlich von Beuthen, das iiber dem
Muldentiefsten liegt, unter den Triasschichten wieder emporzuheben. Nach Siiden und
Siidwesten bilden diese Fliitze wahrscheinlich einen zweiten Sattel, dem der Bergbau
um Rybnik sein Entstehen verdankt.
Das ganze Schichtensystem des ZabrzeMyslowitzer Flijtzzuges erf5hrt.. aber insofern
von Westen nach Osten eine Anderung, als
die Zwischenmittel der F16tze sich im Allgemeinen abschwiichen und das ganze System
ostwiirts zu einer Abnahme der Miichtigkeit
fiihrt. Die Verschwachung dieser Zwischenmittel bewirkt oftmals ihr Aufhiiren und
veranlasst das Aneinanderlegen der F16tze.
So z. B. vereinigen sich viillig im iistlichen
Bezirke die ganz von einander getrennt
laufenden Sattelfliitze Pochhammer (6 m
miichtig)und Reden (3 m), indemdas Zwischenmittel zerdriickt und dadurch ein Kohlenfliitz
von 9 bis 12 m Miichtigkeit geschaffen wird.
Im iiussersten Osten, auf russischem Gebiete,
-
[mgewaiidte
Zeitsclirift fiir
Chemie.
finden derartige Vereinigungen der Fliitze zu
ganz bedeutender Miichtigkeit statt, sodass dieselben durch grosseTagebaue abgebautwurden.
Besondere Erwiihnung verdient die iiberraschende Reinheit der im oberschlesischen
Hauptgebiet gefiirderten Kohle. Ihr Aschengehalt ist meistentheils so gering, dass nasse
Aufbereitung auf der Mehrzahl der Gruben
viillig iiberflussig ist. Der Schwefelgehalt
steigt auch nur iiusserst selten iiber 1Proc. So
giinstig nun auch die Verhiiltnisse hier liegen
infolge der Reinheit des Materials und wegen
der gliicklichen Lagerung der Flijtze, die
wegen der geringen Hiihe ihres Abbaues nur
verhiiltnissmiissig niedrige Fiirderkosten verursachen, so ungiinstig steht es docb fiir
den Eisenhiittenmann um die ihn ganz besonders interessirende V e r k o k b a r k e i t . Der
vorwiegende Theil der i n Oberschlesien zur
Zeit ausgebeuteten Fliitze besteht aus magerer,
langflammig brennender Kohle, die allerdings
fiir directe Feuerungen sich ausserordentlich
bewiihrt, indessen zur Herstellung von Koks
nahezu untauglich ist, d a nur sehr wenig
Sinterkohle, die in tieferen Lagen der Fettund Backkohle immer mehr iibnelt, gefiirdert
wird. Es ist hier eine aufflillige Erscheinung, dass die Koblenfliitze vom Liegenden
zum Hangenden, sowie vom Westen zum
Osten des Fliitzzuges eine abnehmende Backfahigkeit aufweisen. Die beste Kohle des
Landes liefert desbalh die Kiinigin-Luisegrube
zu Zabrze, welohe die liegendsten FlBtze,
die hier die Namen Pochhammer und Reden
fiihren, abbaut. Zwar ist es richtig, dass
auch einzelne hangendere FlBtze, namentlich
wenn sie an den Abhiingen der Siittel stiirker
und durch undurchliissige Schichten iiberdeckt sind, an einzelnen Strecken noch
miissig verkokbare Kohle fihren. Imrnerhin
ist die Hauptmasse der erzeugten Kokskohle
aus den westlichen Aufschliissen.
Der Gesammtbetrag der oberschlesischen
Kohlenfiirderung betrug
1896
18 063 906 t
1896
19 586 152
1897
20 636 653
1898
22 502 199
nach der bewiihrten Statistik des Oberschlesischen Berg- und Hiittenmiinnischen
Vereins zu Kattowitz. Dies entspricht einer
Steigerung 1896 von 8,3 Proc., 1897 von
6,4 Proc., 1898 von 9 , l Proc. Von diesen
Mengen waren aber h u m 52 Proc. als verkokbare Back- oder Sinterkohle zu betrachten.
Es wurden als Bezugsquellen fiir Kokereikohlen angegeben
1895 11 Gruben mit 1619078 t
1896 16
1743390
1897 18
1906818
1898 12
1979721
Jahrgang 1899.
Heft 25.
80. Juui 1899.l
Jensch: Industris von Oberechlesien.
mithin war der Kohlenverbrauch in dem
kurzen Zeitraum von 3 Jabren fiir den Kokereibetrieb um 22 Proc. gewachsen. Von
diesen Mengen wurden rund 80 Proc. als
sog. Fettkohlen dem Betriebe der Koksanstalten uberwiesen, wiihrend der Rest dieser
Fiirderung von den Gasanstalten verarbeitet
wird.
Die nichtbackende Kohle hat in ihren
griiberen Marken als Hausbrand ihr Absatzgebiet in Ostdeutschland bis Berlin, in h e r reich-Ungarn und zum kleinen Theile in
Ruseland. Ale Abnehmer der nicht backenden,
minderwerthigen und staubfiirmigen Marken,
als Staub-, Schiefer- und Kleinkohle, treten
die einbeimiechen Walz und Puddelwerke,
sowie die Zinkhijtten willig ein. So haben
z. B. die Feuerungen der Eisenwerke verbraucht an Kohlen
18%
1HO? 576 t
1896
2011 771
1897
2225213
1898
2248103
d. h. der Kohlenbedarf der Eiseninduatrie hat
seit 1895 eine Steigerung um 12 Proc. erfahren.
I n den Zinkhiitten stellte sich der Kohlenbedarf auf:
1836 1027913 t bei 23 Ilitten
1896 1W5063
1897 10i4805
24
1898 1075966
Das reiche Vorhandensein dieses billigen,
wohlfeilen Heizmateriales ist fiir die oberechlesische Biittenindustrie eine Lebensbedingung. Ohne diesen billigen Brennstoff
wiirde es den Zinkhiitten unmoglich sein,
die ihnen zur Verfiigung stehenden Zinkerze,
deren Gehalt im grossen Durchschnitt nicht
18 Proc. iiberschreitet, zu verarbeiten.
Die nichtbackende Staubkohle wird neuerdings in einer besonderen Fabrik in Zabrze
in Brikettform gesetzt. Diese Fabrik hatte
ebenfalls bereitwilligst Ihnen den Zutritt
zwecks eingehender Besichtigung gestattet.
Die Elementar-Analyse der allerbesten
oberschlesischen Kokskohle und Pochhammerfltitzee ergab nach den Ausfiihrungen des
H e r m Generaldirektors B r e m m e
79,57 Proc. C
5,01
H
9.48
0
1,lO
li
0,80
S
4:a
Asclie
100,80 Proc.
Das dusbringen aus dieser Kohle im Laboratonum bezifferte eich auf 72,55 Proc. Koks.
Koke, aue dieser Kohle allein gewonnen,
wiirde ein recht gut verwendbares Material
liefern, das dem westfiilischen an Giite und
Pestigkeit ebenbiirtig wiire. Leider aber
587
diirfen aus bergtechnischen und wirthschaftlichen Griinden diese Flotze nicht so sturmisch abgebaut werden, um die Nachfrage
nach Koks- und Gaskohlen zu befriedigen.
E s mussen daher i n den Koksiifen Mischungen
von Kohlen geringerer Backfiihigkeit mit
solchen der Sattelflotze aufgegeben werden.
Bus diesem Grunde hat die hiesige Koksindustrie grosse Schwierigkeiten zu bekiimpfen.
Die Ktinigin-Luisegrube, welche die Sattelfltitze auf dem Betlichen und siidlichen Abhange des Zabrzer Sattels baut, hat die
gr6sste Gewinnung von fiir Kokereien und
Gasanstalten verwendbarer Kohle. Von den
Kohlen, welche die Kokereien gebraucht, entstammten dieser Grube
1895 942512 t
62,2 P ~ o c .
1896 1004694 -=51,3
1897 1038568 =-50,3
18% 1040961 -- 46,3
Die iibrigen Gruben, die noch backfiibige
Kohlen erzeugten, waren 1. die Concordiagrube i n Zabrze, welche, mit der KiiniginLuisegrube markscheidend, auch die liegenden
FlBtze abbaut. Ibre Production in
18%
133981 t
1896
141681
1X!)7
173333
189s
179345
2. und 3. die Deutschland- und Schlesiengrube,
beide im Besitze des Grafen Guido Henckel
yon Donnersmarck auf Neudeck, 0.4.lieferten
zusammen
1S)!;.
1.i9649 t
1896:
136083
1497
1.49176
1898
163180
4. die Hedwigwunscbgrube f i r die Kokerei
von Borsigwerk, leider so bekannt geworden
durch den schweren Unfall am 1. April 1897,
bei dem auch der Besitzer Herr B o r s i g uod
unser Vorsitzender, Herr M a t z u r k e , den
giftigen Kohlengasen zum Opfer delen, hatte
eine Erzeugung von Kokskohlen :
1895
71931 t
189ti
77436
1897
48099
1898
(i4886
5. die consolidirte Florentinsgrube bei Hubertushiitte, dem Grafen von T i e l e - W i n c k l e r ,
jetzt Kattowitzer A. G. gehcrig, wies folgende Produation auf:
1895
111750 t
1896
109241
1897
113622
1898
110794
6. die Griiflich Ballenatrem'sche Brandenburggrube zu Ruda:
1895
100;SOO t
1896
157743
1897
269471
1898
2!)8076
49*
[angewaiidte
Zeitschrift PUr
Chemie.
Jensch: Industtie von Oberschlesien.
7. die Griiflich Schaffgotsch'sche Hohenzollerngrube zu Beuthen, 0.-S.:
1895
30178 t
1896
19261
1897
21710
1898
32452
8. die staatliche Kiinigsgrube zu Kiinigshiitte
1895
8010 t
1896
32777
1897
48099
1898
45061
9. die consolidirte Gieschegrube zu RosdzinSchoppinitz, den G e o r g v. G i e s c h e ' s
E r b e n gehiirig, lieferte
1895
109241 t
1896
64053
1897
402689
1x98
46977
10. die Lauragrube, im Besitze der Vereinigten Kiinigs- und Laurahiitte, lieferte an
verkokbarer Kohle:
1895
1896
988 t
1897
-1898
11. die Kleophasgrube bei Zalenze, ebenfalls
im Besitze der G e o r g v. Giesche's E r b e n ,
1895
1896
'10t
1897
40289
1898
12. die Gottessegengrube bei Antonienhiitte,
den Grafen H u g o , L a z y und A r t h u r Henc k e l v. D o n n e r s m a r c k gehiirig,
1895
1896
1897
1898
333 t
13. die Ludwigsgliickgrube, der Donnersmarckhiitte A. G. gehiirig,
1895
1896
1897
2588 t
1898 13058
14, die Vereinigte Mathildegrube, im Besitze
der Schlesischen A. G. fiir Bergbau und
Zinkhiittenbetrieb in Lipine,
1895
29472 t
1896
19251
1897
9 W
1898
Kleinere Mengen Kokskohle kamen a m
dem Karwiner Becken hierher. In geschlossenen Koksiifen ergibt die oberschlesische
Kohle
60 Proc. Stiickkoks
4
Wiirfelkoks
3 bis 4
Kleinkoks
4 bis 6
Ztintler (Cyndre).
Ersterer wird ausschlieselich fur den
Hochofenbetrieb ,verwendet. Wiirfel- und
Kleinkoks dienen als Hausbrand und Ziinder als Reductionsmittel in den Zinkmuffeln.
Ein Schmelzkoks, welcher dern .niederschlesischen, westfiilischen oder dem Ostrauer
gleichwerthig ist, kann in Oberschlesien noch
nicht dargestellt werden. Noch vor einigen
Jahren war die Production verkokbarer
Kohlen gegen die heutige verschwindend gering. Es wurde daher fiir den Koksbedarf
der Hochiifen aus Stiickkohle M e i l e r k o k s
erzeugt. Dies Verfahren war aber wenig
wirthschaftlich
betrug doch das Ausbringen an benutzbarem Hochofenbrennmaterial selten iiber 40 bis 46 Proc. Diese
Gewinnungsweise ist heut verlassen und wird
einzig im Falle hiichster Noth noch. angewendet.
Auf den Werken urn Zabrze fand die
Verkokung der backenden Kohle von KiiniginLuisegrube durch viele Jahrzehnte in dem
einen zwar vorzsglichen Koks liefernden,
aber mit sehr hohen Gestehungskosten arbeitenden B i e n e n k o r b o f e n etatt. Erst seit
Anfang der achtziger Jahre ist in der Kokerei
ein erfreulicher Aufschwnng eingetreten. I n
bester Weise wird jetzt die in so beschriinktem Yaasse auftretende backfiihige Kohle
ausgenutzt unter Gewinnung von Nebenproducten ale A m m o n i u m e u l f a t , B e n z o l ,
T h e e r p r i i p a r a t e n , L y s o l u. s. w. Herr
Fritz F r i e d l i i n d e r in Gleiwitz und die
Direction der Friedenshiitte hatten den Muth,
a h erste diese Nebenproductenindustrie aus
Westfalen nach Oberschlesien zu iibertragen.
Fast siimmtliche oberscblesischen Koksiifen,
deren Zahl i n
1896
18 Systenie
1896
20
1897
25
1898
23
betrug, die zusammen 1897 iiber 860 EinzelZifen ziihlten, waren mit Nebenproductengewinnung eingerichtet. Dieselben waren
vorwiegend erbaut nach dem System von
Dr. O t t o - H o f f m s n n , andere nach dem
System A p p o l t , C o l l i n , CoppBe, D u l a i t , S a l l e n , W i n t z e k u. a.
Die Zahl der in den Kokaanstalten beschiiftigten Arbeiter betrug
1895 2337 m8nnl. 1024 weibl. 2057549 Yk. R e t r w
1896 2808
872
2228075
lder
1897 3514
603
2809208
1898 3561
525
2 896 794
Daraus ist ersichtlich, dass die Verwendung weiblicher Arbeitskriifte im Kokereibetrieb erhebliche Abnahme erfahren hat.
Der Materialverbrauch fiir die Kokereien
belief sich in
1895
1619078 t
1896
1743390
1897
1808818
1898
1979721
ist also seit 1 8 9 5 um 18,6 Proc. gestiegen.
-
Jahrgang 1999.
Heft 25. 20. Juni 1899.3
589
Jensch: Industrie von Oberschlesien.
~.
~-
Aus diesen Kohlenmengen wurden erzielt
an Koks
1895 1113706 t im Wertlie r o n 10 409 388 Mk.
1896 1188342
1 1 190083
1897 1302596
13 715 007
1898. 1 3 7 820
15 353 120
Dazu kommen noch an Ausbeute von
Nebenproducten
1895- 75 890 t im Worthe von 2 614 768 Mk.
1896 79280
1997 672
2 771 996
1897
96400
3 288 717
1898 107710
so dass der Gesammtwerth der Kokereiproducte sich belief auf
1895
12924156 MIi.
1896
1 8 18'i 725
,1897
16487003
1898
18641837
Es ist also in dieser kurzen Friet eine
Werthsteigerung von 44,4 Proc. eingetreten,
worm 14 Kokereianlagen betheiligt waren.
Leider ist es in Oberschlesien ziemlich
unmiiglich, einen Koks herzustellen, der an
Tragfiihigkeit und Festigkeit demjenigen anderer Industriegebiete gleichwerthig ist trotz
der, groasen Reinheit und des niedrigen
Schwefelgehaltes der Kohlen. In Folge dessen
sind die Erzeugungsziffern in Oberscblesien
weit geringer als bei den Hochofenbetrieben
Westfalens. Dessenungeachtet ist aber eine
Besserung dieses Zustandes in Aussicht, wenn
die Gruben die liegenden Fliitze in gr6sserem
Maassstabe als bisher zur Versorgung der
Kokereien heranziehen und die hangenden ,
ihre Production in 1 8 9 7 ganz bedeutend exhiiht - um 16 Proc. gegen das Vorjahr und
erzeugten 1 8 9 8 103 3 9 5 t.
Im Jahre 1 8 9 3 betrug die Zinkproduction
der Welt 3 7 8 0 9 3 t; davon entfielen damals
auf Rheinland und Relgien 152 146 t = 42,4 Proc.
Schlesien
!I1 755 = 23,8
Grossbritannien
28829 = 7,6
&ankreich und Spanien 20914 = 5,5
Osterreicli
7681 = 2.0
Knssland
4602 = 1;2
dieVer.Staat.r.Kord-Am. 72200 = 17.6
-3~8131
t lorn
Die reichen Lageretiitten an Bleiglane
und Weisableierx haben schon vor mehr als
100 Jahren zur Griindung der weitbekannten
Friedrichsgrube und des Kiiniglichen Hiittenwerkes zu Friedrichshiitte bei Tarnowitz,
sowie der Walter-Croneckhiitte zu Rosdzin
den Anlass gegeben.
Bei dieser Gelegenheit sei noch darauf
bingewiesen, dass auch i n friiheren Jshrhunderten in Oberschlesien ein reger Bergbau betrieben wurde. Der gewonnene Galmei wurde damals zu Wasser nach Danzig
zur Messingfabrikation gesandt.
Bekannt
ist die iiussere Ahnlichkeit von Rrauneisenerz und Galmei. Wenn Jemand vor der
Eriiffnung der Schmalspurbahn einen Erzbauer fragte, wohin er den ,,Lehm" fiihre,
so antwortete derselbe entweder: ,auf das
Eisenwerk" oder ,,in die Zinkhiitte". Das
war die einfachste Entscheidung fir diese
Erkennungsfrage.
liefern.
Die einheimischen, der Hiittenindustrie
zur Verfiigung stehenden Erze finden sich
selbst nur ein einziges Erz heute z u r Verffigung, niimlich das Brauneisenerz, das wohl
durch Verwitterung von Schwefelkies und
Steinkohlenfliitzzug ist iiberlagert von werthlosem Buntsandstein und von Muschelkalk,
welcher dichtere Massen a h jener bildet.
Als liegendstes Glied deR Muschelkalks
ist der sog. Sohlenkalk von Bedeutung, denn
e r bezeichnet den untersten Horizont der
werthvollen und reichen Lagerstiitteh von
Zink-, Blei- und Eisenerzen. Unmittelbar
auf dem Sohlenkalk und in den dariiber
gelagerten Dolomitschichten eingebettet, finden sich reiche Vorkommen von geschwefelten,
sowie oxydischen Zink- uod Bleierzen, sowie von Schwefelkies und von Brauneisenerzen. Die reichen Zinkerze, Galmei in
rother und weisser Abart, und Zinkblende
lomite entstanden ist. Die friiher verwendeten Materialien, Kohleneieenatein und Thoneisenstein , beide der Steinkohlenformation
entstammend, sind nahezu abgebaut und
kiinnen wegen ihres seltenen Vorkommens
als Erz nicht mehr geziihlt werden. Ahnliches gilt von dem friiher im Rosenberger
Kreise so vielfach gewonnenen Eisenetein,
der ein Erzeugniss der Juraformation war.
Im ganzen Revier kommen die Eisenerzlagerstiitten i n unregelmiissigen Nestern
und Lagern vor, und zwar von der Siidgrenze der Muschelkalkformation bis niirdlich von Georgenberg und iietlich bis Wieschowa. Zumeist werden sie durch Tagebau
I
L a
induatrie des Landes, welche anniihernd 4 0 m gewonnen.
23,8 Proc. der gesammten Weltindustrie
Der Bergbau auf Brauneisenerz, der ganz
daran ausmacht. Die oberschlesischen Zink- , besonders im Bereiche des Tarnowitzer Bleihiitten stellten dar an Rohzink 1 8 9 7 95 647 t, erzbergbaues hiiufig ein Wiederholungsbau
nach der Herausnrhme der Blei- und Zink1898 99011 t.
590
____--
mitteln ausgefihrt. Durch den voraufgegangenen Metallbergbau ist zwar das Gebirge trocken geworden, sodass der Erzbergbau auch in ziemlich erheblicher Tiefe ohne
Wasserhaltung vor sich gehen kann. Hiiugg
aber ist seine Gewinnung schwierig, da durch
Zubruchegehen der anstehenden Erzmassen
dieselben mit Nebengesteinen sehr vermengt sind.
In Schlesien gebiiren die Eisenerze nicht
zu den den Grubenberechtigten vorbehaltenen Regalmineralien, sondern gehiiren ausschliesslich den Grundbesitzern, Namentlich der Grund und Boden des Tarnowitzer
Landes, in dem die meisten und besten
Eisenerze auftreten, gehiirt den Grossgrundbesitzern, vorwiegend den beiden griiflichen
Hiiusern H e n c k e l v o n D o n n e r s m a r c k ,
welche theils eigenen Bergbau betreiben,
theiIs denselben pachtweise an die Oberschlesische Eisenindustrie A,-G. abgetreten
haben. Die oberschlesischen Hochofenwerke
baben sich zwar durch Ankauf oder Pachtung biiuerlicher , eisenerzhaltiger Grundstiicke diese als Erzbezugsquellen gesichert,
aber der Verbrauch an Brauneisenerzen ist
SO gewaltig gestiegen, dass sie zur Deckuug
desBedarfes von den Henckel’schen Gruben
Erz ankaufen.
Im ganzen Revier wurden gefiirdert an
Erzen
1895 in 45 Grub. m. 1984 m. 1158 w,A. 467 774 t
1896
1897
1898
I]angewandte
Zeitsclirift Kir
Cheiiiic.
Jensch: Industrie von Oberschlesien.
47
44
42
1924
1995
1748
1195
1200
1138
451 939
401 857
407 077
Der Werth dieser Production betrug
1895
2 427 590 Mlr.
1896
2432416
1897
2526386
1898
2544362
Der Riickgang in der oberschlesischen
Erzgewinnung hat seit 1892, in welchem
Jahre noch 636 486 t gefiirdert wurden,
37 Proc. betragen. Die Muschelkalkformation liefert ausserdem noch eisenschtissige
Dolomite, die rnit Vorliebe als Zuschlag bei
den HochSfen verwendet werden. Ausserdem gibt es vorziiglichen Zuschlagskalk,
wie z. B. den von Laband, der eine Reinheit von 98 Proc. CaCO, besitzt. I n Bezug
auf eigene Eisenerze steht Oberschlesien
heut ungiinstig da. Selten sind die Erze
stufig, rnit einem Gehalt von 50 Proc. F e
und dariiber, zumeist sind sie mulmig und
enthalten dann getrocknet 35 bis 40Proc. Fe,
im naturfeuchten Zustande dagegen nur 20
bis 30 Proc. F e bei 25 bis 35 Proc. Wasser.
Peinlich ist dem Hochofner der Zinkgehalt
dieser Erze, der oftmals bis zu 5 Proc. betragt und im Hocbofen einen grossen Uberschuss an Brennstoffen verlangt.
Dieser
~~~
cinkgehalt liefert allerdings den gut besahlten Ofenbruch (Gichtschwamm), der als
rester Schwamm mit 60 bis 70 Proc. Zn
3ich unter der Gicht ansetzt, und auch i n
tlen Kanalleitungen und Flugstaubsammlern
wird ein zinkreicher Staub gefangen, den
3ie Zinkhiitten gern kaufen. Immerhin sind
aber diese . zinkischen Nebenproducte kein
Gegenwerth fiir die dadurch nothwendig
werdenden hiiheren Brennkosten und Reinigungsarbeiten. Vie1 lieber gesehen wird von
den HochSfnern der silberhaltige Bleiglanz,
den auch die Eisenerze stlndig fiihren.
Eigenthiimlicherweise ist der den oberschlesischen Zinkerzen beigeordnete Bleiglanz zumeist ganz silberfrei. Das silberhaltige Werkblei der Hochiifen findet
schnellen Absatz nach den beiden Bleihiitten des Bezirkes. Die Gewinnung von
Flugstaub mit Zinkgehalt hat sich seit Aufbau der Cowperapparate und von verbesserten
Flugstaubfiingern ins Vielfache gehoben,
namentlich werden die reicheren Sorten rnit
40 Proc. Zn in weit grgsserem Maasse als
vor 10 bis 15 Jabren gewonnen.
Grosser Wechsel zeigt sich i n dem Mangangehalte unserer Eisenerze.
Derselbe
schwankt von wenigen Hundertsteln bis zu
5 Proc. Der Schwefelgehalt der Brauneisenerze ist stets so gering, dass er keinen
schiidlichen Einfluss auf das bei gutem Ofengauge sich ergebende Roheisen ausiibt. Das
Roheisen von Oberschlesien ist bekanntlich
rothbruchfrei und liefert ein durch grosse
Schweissbarkeit ausgezeicbnetes Puddeleisen.
Der Phosphorgehalt der Eisenerze betragt
0,02 bis 0,3 Proc. Fiir Herstellung von
Schweisseisen ist derselbe ganz unschiidlich,
allein fur die ausschliessliche Herstellung
von Roheisen fiir den sauren Bessemerbetrieb ist das Material untauglich und zur
Erzeugung von Thomaseisen leider zu niedrig,
wenn nicht andere phosphorreiche Erze und
Schlacken zur Verfiigung stehen. Es kiinnen
deshalb die hiesigen Brauneisenerze wegen
der geschilderten Eigenschaften auch nicht
als Grundlage fiir die so hoch entwickelte
Eisenindustrie dienen angesichts der vielfachen Converter-Frischprocesse und des
Herdstahlschmelzens. Dessenungeachtet haben
die oberschlesischen Hochiifen, obwohl ihnen
Revier und Nachbarschaft keine Auswahl gut
geeigneter Erze bietet und trotz der. so geringen Festigkeit des hier erzeugten Koks
doch ihre Erzeugung alljiihrlich gesteigert
und sich allen Verbesserungen, welohe der
Anfschwung der Hochofenindustrie rnit sich
brachte, angepasst. Dies ist aber nur gelungen durch Aufnahme anderer Schmelzmaterialien dee In- und Auslandes, so aus
Jahrgsng 1899.
20. Junl 1999.1
Heft 25.
591
Jensch: Industrie von Oberrchleslen.
Ungarn, Schweden, England und selbst
Spanien.
Abgesehen von den gcringen Mengen von
Thoneiseneteinen hat man durch Abbruch
von Flussufern, Einreissen von Strassen und
Mauern, sowie von Gebiiuden aller Art die
friiber dazu verwendeten Frischfeuerschlacken
wiedergewonnen und mitPudde1- undSchweissschlacke im Hochofen wieder verschmolzen.
Die Beigabe dieser Materialien zum Miiller
bezweckte nicht nur eine Anreicherung desselben an Eisen, sondern ganz besonders
eine Auflockerung des Miillera. Die Verarbeitung dieser eisenreicheu Schlacken i s t in
Oberechlesien vie1 friiher als anderswo betrieben wordeo. Schon zu Beginn des vorigen
Jahrzehn ts kamen grbsse Nassen von Schlacken,
die in Steiermark Jahrhunderte lang zum
Strassenbau gedient hatten, nach den oberschleeischen HochBfen, um in ihnen verschmolzen zu werden. Die einheimischen
Puddel- und Frischschlacken wurden von
besonderer Bedeutung nach Einfiibrung des
Entpbosphorungsverfabrens von T h o m a s G i l c h r i s t wegen ihres weit hiiheren Phosphorgehaltes, und die Frischfeuerschlacken
der alten Hiimmer der Nark, von Posen,
Westpreussen und Pommern, sie alle wanderten in den unergrfindlichen Schlund der
oberschlesischen Hochijfen, ebenso englische
und schottische Puddelechlacken. Neuerdings finden auch zahlreiche Spateisensteine
BUS Steiermark und Ungarn, vor Allem aber
schwedische Msgneteisensteine aue Griingeeberg und Gellivara, Magnet- und Rotheisensteine aus dem Riesengebirge (bei Schmiedeberg) sowie aus Sachsen, ebenso Thoneiseneteine aus Polen reichliche Verwendung zur
Anreicherung der Brauneisenerze und Erhijhung des M6llergehaltes.
Die Kiinigs-Laurahiitte hat in KBnigehiitte zur Entkupferung von Kiesabbriinden
eine Ku p f e r g e w i n n u n g s a n l a g e errichtet,
die jiihrlich etwa 1 2 000 t Purple Ore darstellt.
Auch dieses verschwindet wegen
seines hohen Eiseogebaltes von mehr als
6 4 Proc. als Erz besonderer Gate ebenfalls
in Hochofen.
Fiir die oberschlesiscbe Industrie eind
die schwedischen Magnete aber ganz hervorragend wichtig. Der Wunech des Landes
nach Schaffung einer leistungafiihigen Wasserstrnsse von Stettin nach Kosel bez. nach
Gleiwitz ist leider immer noch nicht in ErWllung gegangen. Auch der Oder-Donaukanal, der als Ausgangsthor Deutschlands
und namentlich Oberscblesiens nach der
Levante, dem neuen Zukunftslande fiir deutaches Wirken, von ganz erheblicher Wichtigkeit ist, ruht noch im Schoosse der Nach-
barregierung. Der erste regelmiissige Bezug
von schwedischen Magneten zwecks dauernder Verarbeitung ist in Dentschland durch
die Friedenshiitte zuerst aufgenommen worden. Der Bedarf der Hochiifen an ausliindischen Erzen betrug
1895
325762 t
1S96
408664
1897
451643
1898
509647
Es ist daher der Bedarf an ausliindischen
Erzen seit Ende 1 8 9 5 um 56,6 Proc. gestiegen.
Hergestellt wurden in dieser Zeit an
Roheisen
1895 531 677 t im Werthe von 26 477 957 Mk.
31 886 657
1896 615419
35 ‘242315
1897 668761
1898 678849
38 721 510
Fiir die Nebensroducte wurden im gleichen Zeitraum erzielt :
102 517 t
578 075 Mk.
1895
94516
436940
1896
132483
345786
1897
124975
483150
1898
Die Kupferextractionsanstalt der KBnigshiitte gewann
100proc. Cementkupfer
Silber
Gold
Blri
1895 938300 k 545,41 k 1,2424 k
597,669
1,2926
1430 k
1896 980300
2077
573,368
1,6968
1897 1030000
615,Ol
1,64 Goldschlamm
1898 1068 600
Der Werth der gesammten Hochofenproduction belief sich demnach auf
1895
27 051 033 Mk.
1896
32 323 597
1897
35 688 091
1898
39104660
Der Werth der in der Kiinigshiitter
Kupfergewinnung erhaltenen Producte betrug
1895
820 167 Mk.
1896
930 294
1897
1OOO 249
1898
1lo5 950
An der Roheisenerzeugung sind in Oberschlesien 11Werke betheiligt, die zueammen
37 Hochiifen besitzen, aber 32 nur betreiben.
Die Jahresleistung eines solchen Ofene
betriigt 21 900 t, die Tagesleistung zumeist
60 t ; die hiichste Production mit 110 t fiir Tag
und Ofen war auf der Friedenshiitte ermittelt.
Die grijssere Leistungsfiihigkeit beruht
auf der Verwendung von mehr stiickigem
Erze und der dadurch bedingten griisseren
Hiihe der Ofen, und damit in Verbindung
wurde die Benutzung stiirkerer Gebliise und
die Erzielung hijherer Windtemperaturen ermiiglicht.
Seit etwa 10 Jahren sind nicht nur die
Hochiifen griindlich umgebaut, sondern auch
die Gebliisemaschinen und die Winderhitzer
haben durchgreifende Verbesserungen er-
592
[
Jensch: Industrie von Oberschlesien.
____--__-
fabren. Wegen der mulmigen Erze und
ihres Zinkgehaltes hielt man bis dahin eine
Reinigung der Gase von den mitgefiihrten
Metalldiimpfen fiir unausfiihrbar, bis B o k e r Friedenshiitte durch den Bau steinerner
Winderhitzer nach System C o w p e r und
seinen eigenen Verbesserungen das Gegentheil bewies.
Die meisten der oberschlesischen Hochiifen sind mit freistehendem Schacht unter
besonders gestiitztem Plateau gebaut. Alle
weisen 6 Liirmann'sche Windformen auf
und sind mit einer Lange'schen Glocke
versehen, weil deren Form ganz besonders
geeignet ist zum Abbrechen des Zinkschwammes. Die Gebliisemaschinen haben
sachgemiissen Umbau erfahren; die Dampfkesselanlagen der Hochofenwerke sind nunmehr alle auf Beheizung mit Gichtgasen
sehr wirthschaftlich eingerichtet. Neuerdings
hat die Friedenshiitte mit grossem Erfolge
die Umwandlung der Heizkraft der Gichtgase i n elektromotorische Kraft ausgefiihrt.
Im Betriebe befinden sich z. Z. 2 Maschinen
von je 200 Pf., es sol1 indessen in Biilde
die benutzbare Anzahl der aus den Gasen
gewonnenen Pferdestiirken auf 1000 erhiiht
werden.
Die Abfuhr der Hochofenschlacken auf
die Balde fand bis vor kurzem noch durch
Menschenkraft und durch Pferde statt heut wird eie aber allseitig durch Locomotiven befiirdert. Auf der Gleiwitzer Hiitte
ist eine griissere Anlage im Bou fiir eine
Privatfirma, welche die Herstellung von
Ziegelsteinen aus Gemischen von Hochofenschlacke und Kalk in grossem Maassstabe
plant. In Witkowitz wird die Hochofenschlacke auch in Verbindung mit Cement
und Parbstoffen zu schiin polirten Tischplatten, Denkmiilern und praktischen Gegenstiinden als Krippen verwendet. Bemerkenswerth ist noch, dass die Kiinigs- und die
Falvahiitte ihre grossen Mengen von Hochofenschlacken vorwiegend als Versatzmaterial
in die Kohlengruben geben. In getempertem,
langsam erkaltetem Zustande dient sie auch
ale wohlfeiles Pflaster- und Schottermaterial.
Dann miichte ich noch darauf hinweisen,
daes vor mehr als 100 Jahren Dank der
Willenskraft des Grafen R e d e n der erste
Kokaofen Europas dem Betriebe in Gleiwitz
iibergeben wurde.
Die Erzeugung der bestehenden Hochiifen besteht zur Zeit aus
60 Proc. Piitldeleisrn
23
Thomaseisen
s
Gicuscreieiseii
2
Spiogeleiscn
r
_ _ -
100 €'roc.
Bcsseniereiscii
_
_
_
Zeitsclirift fiir
angewmrite Chemie.
~_ _ _ _ -
Fiir den Giitervexkehr im Innern des
3ezirks ist die Industrie ausser dem engnaschigen Vollbahnnetz auf eine Schmalspuriahn von 786 mm Spurweite angewiesen, die
,lsEigenthum des Staates an den Unternehmer
' r i n g s h e i m verpachtet ist. Mit dieser ge,ingen Spurweite ist es miiglich, alle Gruben,
liitten und Fabriken, wenn diese wegen
hrer Lage nicht nn die Vollbahn angechloesen werden kiinnen, dennoch zu den
Jollbahnhiifen zu fiihren. Dieses Netz umasst uber 125 km, hat gegen 45 Locomo(iven und fast 3800 Stiick Giiterwagen, auch
)ewiiltigt sie jiihrlich iiber 40 Millionen
ronnenkilometer und zeichnet sich durch
iiinktliche, rasche Giiterbefiirderung und
lurch genaueste Wagenausnutzung am.
[Schluss .folgt.]
Zur Calcinmcarbidfabrikation.
VOll
G. Hanekop. .
1. E l e k t r i s c h e s L e i t u n g s v e r m i i g e n
d e s geschmolzenen Calciumcarbides.
Uber diesen Gegenstand findet man keine
Angaben in der Litteratur, es ist deshalb
wohl nicht ohne Interesse, die vom Schreiber
aieses bei Gelegenheit gewiaser Untersuchungen gefundenen Zahlen bier anzufiihren.
zudcre ~
~
c
~
o
a
k
Fig. 137.
Die erforderlichen Messungen wurden in
der Weise ausgefiihrt, dass man die untere
Elektrode, auf welcher der Calciumcarbidblock ruht, mit einem Kupferdraht verband
und ferner an zwei Stellen (2 und 3) des
Carbidblockes starre Eisenstiibe durch die
erstarrte iiussere Kruste hindurch bis in die
geschmolzene Carbidmasse einschob. An die
freien Enden der Eisenstiibe waren Kupferdriihte angel6thet, um die Verbindung rnit
einem Voltmeter zu erm6glichen. E s wurde
nun sowohl der Spannungsabfall zwischen
i und 2, also in den untersten Schichten
(etwa 8 bis 10 cm hoch) der Carbidbliicke als
auch zwischen 2 und 3, deren Entfernungen
variirten, ermittelt (vergl. Fig. 137).
Von den in griisserer Anzahl angestellten
Messungen sind nachstehend einige verzeichnet. Die angefiihrten Zahlen far Strom-
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