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Die Entwicklung der Kaliindustrie.

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Zeitschrift fur angewandteChemie.
XIX. Jahrgang.
Heft 1.
5.
Januar lBO6.
Alleinige Annahme von Inseraten bei den Annoncenexpeditionen von August Scherl 0.m. b. H.,
und Danbe & Co., G. m. b. H., Berlin SW. 12, Zimmerstr. 37-41
sowie i n deren Filialen: Bredan, Sohweidnitzerstr. Ecke Karlstr. 1. Dresden, Seestr. 1. Elberfeld, Herzog
strade 38. Frankfurt a. M. Kaiaerstr. 10. Hamburg, Alter Wall 76. Haanover, Georgstr. 39. Kassel, Obere
KBnigstr. 27. K6ln a. Rh., dohestr. 146. Leiprig, Petersstr. 19 I. MagdebBreiteweg 184, I. MUnchen,
KaufingerstraEe 25 (Domfreiheit). NUrnberQ Kaiserstrahe hcke Fleischbrllcg. Btuttgart Kanigstr. 11, 1.
ten I, Graben 28.
Der Inaertionspreis betr&@ pro mm H6he bei 4S mm Breite (3 gespalten) 16 Pfennige, auf den beiden
tiuQeren Umschlagwiten 20 Pfenmge. Bei Wiederholun en tritt entaprechender RaGatt ein. Beila en werden pro
1000 Sttick mit 8.- M fllr 6 Gramm Gewicht bereehnet;
schwere Beilagen tritt besondere Verein%arung ein.
,
hr
I NHALT:
H. P r e c h t : Die Entwicklung der Kaliindustrie 1.
E. J B n e c k e : Uber die Theorit. des Entstehens der Kalilager aus dem Meerwasser 7.
M. B o d e n s t e i n : Die Gewinnung der Salpetersaure a m Luft 14.
G. L u n g e und R. S t i e r l i n : Zur Bestimmung des Schwrfelu in zinkhaltigen Abbrtinden und analogen Fallen 21.
Fr. K r u l l : Die Goldgewinnung in den letzten zwanzig Jahren 28.
Bekanntmachung betr. Sammlung chemischer Analysen yon Gesteinen, Bodenarten und Grundwllssern 30.
Referate:
Anordnung der Referate 31; - Chemie der Kahrungs. und GeniiBmittel, Wasserversorgung und Hygiene 32; - Me.
tallurgie und Hiittenfach, Elektrometallurgie, Metallbearbeitung 35.
Wirtsohaftlich-gewerblicher Teil :
Tagesgeschichtliche und Handelsruudbchau : Kristinnia: Gewinnung von Salpetersllure und Nitrateu aus Luft nach
B i r k e l a n d und E y d e 37; - Wien; - Berlin; - Hamburg; - Wittenberg; - Kijuighberg; - Handelsnotizen 39;
- Dividenden; - Personalnotizen: - Neue Bticher 40; - Biicherbesprechungen: A. v. Baeyers gesamaelte Werke
41; - Patentlisten 12.
V e r e i n deutscher Chemiker:
Mittelfrtinkischer Bezirksverein: Dr. L e i d e l : Uber Metallfiirbung; - Prof. Dr. B u s c b : Eine.neue Synthese von
Endiminotriazolen: - Dr. H e n r i c h : Uber Marckwalds Radiotellur 46: - Bezirksverein Belgien: C. W. S t a c h o w :
o b e r Wilventile 48.
Die Entwicklung der Kaliindustrie.
Zur Erinnerung an die
vor 60 Jahren erfolgte bergmtinniache ErschlieBung des
Stalfui ter Kalisalzlagers.
VOll
H. P R E C H T - NeIlStaflf U r t .
(Eingeg. d. 9.112. Is0.i.)
Vor etwa 4 Jahren veranstaltete die
Koniglich-preuDischeBerginspektion zu StaDfurt im Auftrage Seiner Exzellenz des Herrn
Ministers fur Handel und Gewerbe aus AnlaB
des fiinfzigjahrigen Bestehens des StaDfurter
Salzbergbaues eine Feier, bei welcher die
Vertreter der verschiedenen Behorden und
aamtlicher Kaliwerke anwesend waren. Diese
Feier galt der Erinnerung an den Tag St.
Barbara (Schutzpatronin des Bergbaues), den
4. Dezember, an welchem im Jahre 1851 das
Abteufen des ersten Schachtes in der Stadt
StaBfurt in der Nahe der Bode begonnen und
derselbe zu Ehren des Handelsministers v o n
d e r H e y d t auf dessen Namen getauft wurde.
Es wareii etwa 4 Jahre erforderlich, um den
Schacht bis an das Kalisalzlager abzuteufen.
Bei einer Teufe von 1221/* Lachtern =
255,5 m erreichte man Anfang J a n u a r
1856 unter dem Salztone das Kalisalzlager,
und zur Erinnerung an dieses Ereignis,
welches man wohl als das wichtigste in der
Geschichte des deutschen Kalisalzbergbaues
c 1m.
betrachten kann, erlaube ich mir, den Vereinsmitgliedern und Freimden des Vereins zum
50jahrigen Jubilaum der ErschlieSung des
Kalisalzlagers folgendes Gedenkblatt zu
widmen.
I m ersten Vierteljahre 1856 wurde der
Schacht v. d. Heydt durch das Kalisalzlager
bis zu dem darunter liegenden Steinsalz
weiter abgeteuft und dabei ca. 6000 dz Kali
als wertloser Abraum auf die Halde gestiirzt.
Das Ziel, welches damals von der Bergwerksverwaltung verfolgt wurde, war auf die Gewinnung des Steinsalzes gerichtet, und daher
bemiihte man sich, irn Steinsalzlager so
schnell wie moglich einen Bergbau zu betreiben. Auch trug man sowohl bei der Bergund Salineninspektion wie bei dem Oberbergamte Bedenken, die leicht loslichen Kalisalze durch Bergbau zu gewinnen; erst
die Bemiihungen des damaligen Chefs der
preuBischen Bergverwaltung, K r u g v o n
N i d d a , erwirkten die Ermachtigung des
Handelsministers (ErlaB vom 13. November
1858); die Abraumsalze durch einen Querschlag aufzuschliefien. Als man jedoch in
diesem Querschlage eine gesattigte Lauge
und Schlagwetter antraf, stellte man den Betrieb wieder ein: und dadurch wurden die
AufschluBarbeiten um etwa 11/, Jahre hinaus1
2
Pracht : Die Entwicklung der Kaliindustrie.
geschoben. Nachdem die Laugenzuflusse sich
nach und nach verlaufen hatten, entschlol)
man sich ini M k z 1860 dazu, den angefangenen Querschlag fortzusetzen und die Kalisslzlagerstitte naher zu untersuchen. TXese
Arbeit lieferte eine groIje Menge explosiver
Gase.
Inzwisclien waren mit deni im Jahre 1856
beim Abteufen des Schachtes gewoniienen
Kalisalze Versuche angestellt, dasselbe sowohl zur Fabrikation als auch in der Landwirtschaft zii verwenden. Besonders zeigte
der Oberberghauptmann K r u g v o n N i d d a
Interesse fur die Nutzbarmachung der Kalisalze und aucli der damalige Cheniiker der
Zuckerfabrik in StaBfurt, Dr. A d o 1 f
I? r a n k , bemuhte sich s&hr m i die Verwertung des Carnallits zur Darstellung von
Chlorkalium, aber erst im Jahre 1861 gelang
es ihm, von einem Hamburger Hause, Philippi & Speier, das fur eine Fabrikanlage
erforderliche Kapital zu erhalten. Er begann
mit dem Bau der Fabrikanlage im Mai 1861
und eroffnete den Betrieb am 1. Oktober desselberi Jahres. Gleichzeitig befai3te sich auch
die Firma Vorster & Gruneberg in Kolri, die
in Kalk bereits eine Fabrik fur Kalisalpeter
und Pottasche besaB, mit dem Bau eincr in
grofierem MaBstabe angelegten Fabrik, welche im Januar 1862 unter M i c h e l s in Betrieb kani. I n deniselben Jahre wurdeii noch
zwei weitere Fabriken in StaBfurt begrundet,
welche samtlich aus Kalirohsalz, eineni Gemenge von Carnallit, Kieserit und Steinsalz,
Chlorkaliuiii darstellten.
Die weitere Entwicklung der Chlorkaliumfabrikation fand vorzugsweise in unmittelbarer Nahe von StaBfurt ini Herzogtuni
Anhalt statt, wo die anhaltisclie Regierung
infolge der auf preuBischer Seite erzielten
gunstigen Aufschlusse zwei Schachte abteufen lie0 und dadurcli die Repiindung der
Gemeinde ,,Leopoldshall" herbeifuhrte. Der
Ausgangspunkt fur diese beiden Schachte,
deren Bau am 1. Juli 1858 auf freiern Felde,
etwa 2000 in siidostlich von den StaSfurter
Schachten begonnen wurde, war so gliicklich gewahlt, da15 man in verlialtnismaBig
kurzer Zeit das Salzlager erreichte. I n der
Umgegend dieser Scliachte wurden in wenigen
Jahren zalilreiche Fabriken erbaut, und bereits 1870 liatte die Fabrikation von Clilorkaliuni eine solche Ausdehnung angenoninien,
daB daniit der Bedarf fur die Industrie zur
Darstellung von Kalisalpeter und Pottasche
sowie anderer Kalisalze vollkommen gedcckt werden konnte. Bis 1870 stieg die
Zalil der Fabriken auf etwa 30, von denen
mehrere unter Bildung von Aktiengesellschaften vereinigt wurden.
[
Zeitschrift fiir
angewandte Chemic.
Das gewonnene Chlorkalium wurde fast
ausschlieBlkli fur die Weiterverarbeitung in
andercn chemischen Fahriken verwendet.,
denn gleichzeitig mit dem Bau der Stal3furter CMorkaliumfabriken wurden an der
unteren Elbe und am Rhein Salpctcrfabrikcn
begrundet, , und auch die T)arstellung der
Pottasche nach dem Le Blancschen Prozel)
wurde bereits in dieser Zeit in verschiedenen
Gegenden Deutschlands aufgenommeii. Der
Absatz von Kalisalzen fur landwirtschaftliche Zwecke niaclite dagegen nur selir lmgsame Fortschritte. Die Clilorkaliumfabrilien
versuchten zwar, die Abfallprodukte der
Chlorkaliumfabrikation zu trocknen und als
geinahlenes Kalidungesalz in den Handel zu
bringen, aber die Einfuhrung desselben in
die Landwirtschaft ging nur selir langsam
von statten. Besonders bemuhte sich Dr.
A. F r a n k , die Kalidungung einzufuhreii,
und liatte sicli zu diesem Zwecke auch an
den Altnieister der Chemie, J u s t u s v o n
L i e b i g , gewandt. I n einem Rriefe, den
L i e b i g am 26. Februar 1865 voti Miinchen
aus an Dr. F r a n k in StaDfurt schrieb, lieifit
es : ,,l)as Kalisalzlager in StaBfurt ist ein
groRes Gluck fur unsere Landwirte und
Ruben bauer LL.
Im Jahre 1865 wurde i m anhaltinischeii
Rergwerke zu Leopoldshall das neue Mineral,
der Kainit, in ausgedehnter Lagerst.&tteentdeckt, und es zeigte sich, daB dasselbe fiir
landwirtschaftliche Zwecke besser verwendbar war, als das in 'Fabriken aus Abfallprodukten dargestel1t.e Diingesalz.
Die
Gewinnung von Kainit entwickelte sicli in
den ersten Jahren derartig, dall 1871 ca.
326 000 dz gefordert wurden; die Forderung
zeigte aber alsdann wieder einen erhebliclien
Riickgang, und erst durch die Aufschliehng
dieses Minerals im Salzbergwerk Neu-StaBfurt nahm die Verwendung des Kainits RIR
Dungemittel einen erneuten Aufscliwung.
Durch eine geschickte kaufniannische Tatigkeit und durch eine neue Untersuchungsmethode, welche gestattete, den Kaligehalt
ini Kainit schnell zu bestimmen und soinit
eine scharfe Kontrolle iiber die geforderten
Produkte auszuuben, stieg der Absatz selir
rasch. Im dritten ,Jahre der Kainitforderung
(1880) betrug der Absatz in Neu-StaWfurt
bereits 822000 dz. Ich habe diesen Aufscliwung in der Kalidungung niiterlebt wid
noch in freudiger Erinnerung.
Die Kalidungung nalim jetzt niit €tiesenschritten zu. Sie wurde wescntlicli gefordert
durch zwei Iiervorragencle Landwirte in der
Altmark, R i ni p a u in Cunrau und S c h u 1 t z
in Lupitz. R i m p a u , der Begrunder der
Moorkultur, erzielte auf den Moord"aninieii
HefF!x*~
,
a ,906.
~
]
~
3
fPrecht:
~
Die
~
Entwicklung
~
der Kaliindustrie.
und S c h u 1 t z auf leichtem Sandboden die
grol3artigsten Resultate durch die Kainitdungung. Reide erhielten infolge ihrer Verdienste fur die Landwirtschaft die goldene
Medaille. Durch scharfsinnige Beobachtungen in seinem landwirtschaftlichen Betriebe kam S c h u 1 t z-Lupitz zu der Ansicht,
daD die Pflanzen, insbesondere die Leguminosen, durch eine intensive Dungung init
Kainit und Phosphorsaure den Luftstickstoff aufnehmen und fur das Pflanzenwachstum nutzbar machen konnen. Er berichtete
uber seine Reobaclitungen zuerst am 3. Februar 1882 im landwirtschaftlichen Verein
zu Gardelegen und veroffentlichte sie in
einer Schrift : ,,Die Kalidiingung auf leichtem
Boden, ein Wort der Erfahrung an seine
Rerufsgenossen", welclie 1884 bereits in
dritter Auflage erschien. Aus dieser Schrift
mochte ich hier an dieser Stelle zwei Satze
mitteilen, um zu zeigen, mit welcher Scharfe
S c h u 1 t z-Lupitz die Bedeutung der Kalidungung erkannte. Es hei8t Seite 25 : ,,Der
Kainit ist das Hauptmittel, um den Stickstoff,
diesen vagabondierenden Luftstoff und groBen
Lebenstrager, festzuhalten und fur das Pflanzenwachstuni nutzbar zu machen", und
Seite 81 : ,,Die Kalifrage ist heute nicht mehr
allein eine Frage des Ersatzes des Kallistoffes
im Boden, sondern sie ist ini eminenten
Sinne lieute eine Stickstofffrage, eine Frage
geworden, wie nian uberall, in jeglicher Wirtschaft, sich diesen teuersten aller Pflanzennahrstoffe, diesen Lebenstrager , selbst erarbeiten und zu Rate zu lidten vermag",
Das von S c 11 u 1 t z-Lupitz verfolgte Wirtschaftssystem wurde aber von seiten der
Agrikulturchemiker stark angegriffen: z. B.
veroffentlichte der Direktor des landwirtschaftlichen Instituts der Universitat Gottingen, Prof. Dr. G. D r e c h s 1 e r , uber das
Wirtscliaftssystem in Lupitz 1884 eine umfangreiche Schrift, in welcher dasselbe angegriffen und fur die Dauer als niclit anwendbar bezeichnet wurde. Er hielt an der
damals allgemein giiltigen Ansicht fest, daR
Pflanzen Luftstickstoff nicht aufzunehmen
vermogen. Aber nur wenige Jahre vergingen,
bis die Erfahrungen von S c h u 1 t z-Lupitz
in seiner praktischen Landwirtscliaft durch
die Vertreter der Wissenschaft bestatigt.
wurden, denn im Jahre 1886 veroffentlichte
Prof. Dr. H e l l r i e g e l in Bernburg auf
der Naturforscherversammlung in Berlin
seine epochemachende Forschung der Assimilation von Luftsti'ckstoff durch die Knollchen der Leguminosen. Die H e 1 1 r i e g e 1 schen Untersuchungen fanden unter den
Agrikulturchcmikern bald Anerkennung, und
wenige Monate nach der Naturforscherver-
sammlung veriiffentlichte Prof. Dr. J. K o n i g in Munster i. Westf. seine preisgekronte
Arbeit iiber die Frage : ,,Wie kann der Landwirt den Stickstoffvorrat in seiner Wirtschaft erhalten und vermehren?", in welcher
er auf Seite 43-50 iiber die H e 11 r i e g e 1 schen Versuclte berichtete. Er schlieBt
diesen Rericht mit folgenden Worten : .,Aus
diesen hochst interessanten und bedeutsamen Versuchen H e 11 r i e g e 1 s ergaben
sich folgende SchluBfolgerungen :
Die Papilionaceen sind mit ihrem Bezug
an Stickstoffnalirung nicht einzig auf den
Boden angewiesen; die Stickstoffquellen,
welche die Atmosphare bietet, haben fiir
diese Pflanzenfamilie die allerhochste Bedeutung ; sie konnen allein schon geniigen,
dieselbe zu einer normnlen und uppigen Entwicklung zu bringen.
I n der geringen Menge gebundenen Stickstoffes, welche sich in der Luft vorfindet, ist
die Nahrquelle nicht - oder wenigstens bei
weitem nicht allein - zu suchen. Die Papilionaceen besitzen vielmehr die Fahigkeit,
sich den freien Stickstoff der Luft fur ihre
Lebenszwecke nutzbar zu machen, und bestehen die sog. Leguminosenknollchen und
die dieselben bewohnenden Mikroorganismen
zu der Ernahrung der Papilionaceen, insbesondere zu der Assimilation des Stickstoffes
in enger, tatiger Beziehung".
Das Wirtschaftssystem von S c h u 1 t z Lupitz, welches darin besteht, daB man nur
mit Kali und Phosphorsaure dungt und
kunstlichen Stickstoffdunger nicht verwendet,
ist also durch H e 11 r i e g e 1 wissenschaftlich bestiitigt worden und hat zur Ausdehnung der Kalidiingung auf leichtem Boden
erheblich beigetragen. Fur den Bezirksverein Sachsen-Anhalt des Vereins deutscher Cheniiker durfte es wohl angemessen
sein, daB man sich A n f a n g 0 k t o b e r
1911 d e s 2 5 j a h r i g e n J u b i l a u m s
d e r H e 1 l r i e g e 1 s c h e n V e r o f f e n t1 i c h u n g e n erinnert und daniit gleichzeitig auch d a s 50 j a 11 r i g e J u b i laum derlnbetriebsetzungder
e r s t e n I< a 1 i f a b r i k verbindet.
Trotz der Assimilation des freien Stickstoffes aus der Luft durch die Pflanzen behalt die kunstliche Dungung inittels Salpeter, Ammoniaksalz, Kalkstickstoff und
anderer stickstoffhaltiger Diingemittel seine
volle Becleutung, und die Kaliindustrie wird
jede neue Erfindung zur Uberfiihrung des
atmospharischen Stickstoffes in Stickstoffverbindungen rnit Preuden begriiaen, wenn
es gelingt, den kunstliclien Stickstoffduuger
zu billigem Preise herzustellen. Ebenso ist
es selbstverstandlich, da13 jede Zunahme der
I*
4
Precht : Die Entwicklung der Kaliindustrie.
Diingung mittels Phosphorsaure fur die Kalidungung fordernd wirkt. Die Kalidungung
wiirde nicht die Bedeutung erlangt haben,
wenn nicht die Phosphorsauredungung erhebliche Fortschritte gemacht hatte, und die
Berichte uber die Feier des 25jahrigen Bestehens des Vereins deutscher Diingerfabrikanten am 26.Januar 1905 gaben ein getreues Bild
uber die Zunahme der Superphosphatfabrikation in den letzten 25 Jahren. Ferner hat die
groBartige Erfindung der Entphosphorung
des Eisens zur Entwicklung der Kalidiingung
erheblich beigetragen, denn das Thomasphosphatmehl ist diejenige Phosphorsaurequelle, welche bei der Kalidungung am meisten verwendet, wird.
Von 1861-1880 wurde die Produktion
der Kalibergwerke und Kalifabriken in freier
Konkurrenz verkauft. Als aber neben den
beiden
fiskalischen
zwei Privat-Bergwerke, Douglashall bei Westeregeln und
Neu-StaSfurt, in Betrieb gekomrrien waren,
stellte sich die Notwendigkeit heraus, die
Absatz- und Preisverhaltnisse durch ein
Syndikat zu regeln, um einer Preisschleuderung mit dem wertvollen Naturprodukte,
woriiber nur Deutschland verfugt, vorzubeugen. Es wurden verschiedene Syndikate,
1880 auf 4, 1884 auf 5, 1888 auf 10, 1899
auf 3, 1902 auf 3 und 1905 auf 5 Jahre abgeschlossen. Durch die Bildung der Syndibate war die Rentabilitat der Kaliwerke
bisher eine gunstige und immer weitere Kreise
der Kapitalisten und Spekulanten befaaten
sich mit der Grundung neuer Bergwerke. Die
Anzahl der Kaliwerke ist rapide gewachsen,
und es mul3te daher vom Kalisyndikat stets
fur erneuten Absatz gesorgt werden. Da die
Anwendung der Kalisalze in der Industrie
beschrankt ist und, wie schon hervorgehoben,
der Bedarf durch die Ende der 70er Jahre
bestehenden Fabriken bereits gedeckt werden
konnte, so mul3te ein erhohter Absatz in der
Landwirtschaft gesucht werden. Die Verwendung des Chlorkaliums fur die Darstellung von Pottasche und Kalihydrat hat
zwar in den letzten 10 Jahren zugenommen,
aber dagegen ist der Absatz fur andere Produkte, wie z. B. Kalisalpeter, Kaliumchromat usw. zuriickgegangen, so da13 die
Industrie nur einen maWigen Mehrverbrauch
a n Kalisalzen zu verzeichnen hat. Der landwirtschaftliche Konsum stieg dagegen bedeutend, wie aus den jahrlich mitgeteilten
Zahlen des Kalisyndikats (diese Z. 1905,
S. 875) zu ersehen ist. Vergleicht man den
Absatz aller Kaliprodukte nach ihrem Gehalt an reinem Kali, so ergibt sich, da13 etwa
80% in der Landwirtschaft und 20% in der
Industrie verbraucht werden. Der absoluten
[
Zeitschrift filr
angewandte Chemio.
Menge nach aber finden mehr als 90% fur
landwirtschaftliche Zwecke Verwendung, da
man erhebliche Mengen Kalirohsalze mit
niedrigerem Kaligehalt als Kalidunger ausjtreut. Dieser groWe Aufschwung in dem
Verbrauch an Kali als Pflanzennahrstoff ist
auBer den bereits erwahnten IJmstanden
zuruckzufiihren auf die Tatigkeit der Agrikulturabteilung des Kalisyndikats in Verbindung mit den landwirtschaftlichcn Versuchsstationen. Die hervorragendsten Agrikulturchemiker (ich nenne nur die Namen
H e l l r i e g e l , M a e r c k e r , F l e i s c h e r und
W a g n e r) haben mit groliem Erfolge die Wirkung des Kalidungers auf die Kulturgewachse studiert und ihre Beobachtungen in
zahlreichen Schriften veroffentlicht. Auch der
deutschen Landwirtschaftsgesellschaft gebiihrt ein grol3es Verdienst an der Einfuhrung
und dem Vertrieb der Kalisalze, wodurch sie
erhebliche Einnahmen erzielte, welche fur
Dungungsversuche und fur die grolicn landwirtschaftlichen Wanderausstellu~igeriVerwendung fanden. I n der Agrikulturabteilung des
Kalisyndikates sind viele Agrikulturcliemiker
tatig, welche in allen Landern die erzielten
Resultate der Diingungsversuche zusammenstellen und in den Sprachen der meisten
Kulturliinder veroffentlichen. Es Rind bis
jetzt 1034 Schriften bearbeitet und zum
gro13ten Teil mit vorziiglichen Abbildungen
iiber die Wirkung der Kalisalze ausgestattet worden, die zur Belehrung der
Landwirte dienen.
Nachdem ich in vorstehendem die Grundlagen fur die Entwicklung der Kaliindustrie
dargelegt habe, komme ich jetzt auf die
weitere Entstehurig der Kaliwerke zuriick.
Von der ursprunglichen Kalifundstatte ging
man zur weiteren AufschlieWung der Kalisalzlager am Nordrande des Harzes entlang,
1883 kam das Kalisalzbergwerk Aschersleben in Betrieb, und 1886 wurde zuerst in
der Provinz Hannover bei Vienenburg von
der Gewerkschaft Hercynia Kalisalz gefordert. Die deutschen Solvaywerke errichteten im Herzogtum Anhalt cin neues
Kalisalzbergwerk, welches sie 1889 fertig
stellten, und 1891 wurde im Herzogtum
Braunschweig das erste Kalisalzbergwerk
Thiederhall bei Wolfenbiittel betriebsfertig.
Die weiteren Begrundungen der Kaliwerke
fanden vorzugsweise nordlich und westlich
vom Harze statt, und siidlich vom Harze
wurde zu jener Zeit, vor 10 Jahren, nur ein
Werk betriebsfertig, die Gewerkschaft Gluckauf bei Sondershausen, und zwar in einem
Gebiete, wo sich in neuester Zeit eine rapide
Entwicklung der Kaliindustrie gezeigt hat.
Auch siidwestlich vom Thiiringer Walde, an
der Werra, wurden Kalisalze erbohrt und
eine Anzahl Werke begriindet, die aber erst in
diesem Jahrhundert den Betrieb eroffnet haben. Das Gebiet der Kalisalzablagerungen
hat sich somit als ein sehr umfangreiches erwiesen und erstreckt sich gegenwartig von
der Werra bis Mecklenburg, wo neben dem
Kalisalzbergwerk in Jessenitz ein zweites
Werk in Liibtheen in Betrieb gekommen ist.
Die nebenstehende Tabelle gibt an, in welcher Reihenfolge
die gegenwartig
zum Kalisyndikat
gehorenden Werke
demselben beigetreten sind, und
die mit den laufenden Nummern
versehene Kstrte
zeigt die geographische Lage
der 28 dtesten
Kali werke.
1. Konig1.-preuDisches Salzbergwerk zu
StaBfurt und
Bleicherode.
2. Herzogl. - anhaltisch. Salzbergwerk zu
Leopoldshall.
3. Aktiengesellschaft konsol.
Alkaliwerke z.
Westeregeln .
4. Gewerkschaft
Neu -Stal3furt
bei StaDfurt.
5. Aktien - Ges.
Kaliwerke
Aschersleben
zu Aschersleben.
6. Gewerkschaft
Ludwig11 zu
StaBfurt.
7. Gewerkschaft Heroynia zu Vienenburg.
8. Aktiengesellschaft Deutsche Solvaywerke zu Bernburg.
9. Aktiengesellschaft Thiederhall zuThiede.
10. Gewerkschaft Wilhelmshall zu Anderbeck.
11. Gewerkschaft Gliickauf bei Sondershausen.
12. Gewerkschaft Hedwigsburg bei Hedwigsburg.
13. Gewerkschaft Burbach zu Beendorf bei
Helrnstedt.
14. Gewerkschaft Carlsfund zu GroW-Rhiiden.
15. Gewerkschaft Beienrode bei Konigslutter.
16. Gewerkschaft Kalisalzbergwerk Asse
zu Wittmar.
17. Aktiengesellschaft Kaliwerke Salzdetfurth zu Salzdetfurth.
18. Aktiengesellschaft Mecklenburgische
Kali-Salzwerke Jessenitz zu Jessenitz.
19. GewerkschaftHohenzollern beiFreden.
20. Gewerksch. Justus I zuVolpriehausen.
21. Gewerkschaft Kaiseroda zu Tiefenort.
22. Gewerkschaft Einigkeit zu Ehmen.
23. Gewerkschaft Hohenfels zu Hohen-
fels.
24. Kalisalzbergwerk der Mansfeldschen
Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft.
25. Gewerkschaft Alexandershall zu Berka
a. d. Werra.
26. Gewerkschaft Wintershall zu Heringen
a. d. Werra.
27. Gewerkschaft Johannashall bei Beesenstedt.
28. Gewerkschaft Heldburg b. Salzungen.
6
Precht : Die Entwicklung der Kaliindustrie.
GegenwBrtig herrscht in der Kaliindustrie
eine solclie Griinderperiode, wie sie in anderen
Industriezweigen wohl kaum vorgekommen ist,
und wenn auch durcli die Grundungen bereits
manches verfehlte Unt'ernehmen entstanden
ist und nocli enhtehen wird, so kann man
aber schon jetzt annehmen, daW die Anzahl
der Kaliwerke innerhalb 10 Jaliren sich
mindestens verdoppelt,. Schon jetzt sind
mehrere Werke betriebsfertig, die die Forderung im nachsten Jahrc aufnelimen werden.
Es ist wohl kauni denkbar, daW der Verbrauch der Kalisalze in der Landwirtschaft
in gleichem Mafie steigt, und wenn die Porderung der einzclncn Werke so gering wird, da13
sich der Betrieb kauin lohnt, und eine Verstandigung bei der groBeren Anzahl der
Werke immer schwieriger wird, so ist wohl
die Befurchtung vorhanden, dall eine freie
Konkurrenz eintreten und damit vielleieht
der Ruin der Kaliindustrie herbeigefiihrt
wird. In welcher Weise dann die Entwicklung
der Kaliindustrie verlaufen wird, la Lit sich
gegenwartig nocli nicht ubersehen.
Das bei derri ersten AufschluW der Kalisalze irri Jahre 1856 geforderte Rohsalz, der
Carnallit, ist auch gegenwartig noch das
Hauptprodukt der meisten Kaliwerke, und
nur in wenigen Rergwerken sind die durch
Zerset,zung des Carnallits entstandenen sekundaren Salze ausschlieWlich vorhanden.
Der Carnallit) bildet seit Anfang der Kaliindustric das hauptsachlichste Rohmaterial
fiir die Verarbeitung der Kalisalze zu reineren Produkten, und nur in einigen Fabriken
wird das sekundare Hartsalz verarbeitet.
Das gemahlene Rolisalz, welches ohne cheniische Verarheitung fur die Landwirtschaft
in einer Menge von jahrlich etwa 18 000 OOOdz
in den Handel kommt, besteht gegenwartig
zum griiljten Teil aus Hartsalz, wahrend der
in den friilieren Jahren ausschlieBlich gelieferte Kainit, welcher an dem Ausgelienden
der Kalisalzlagerstatten vorkommt, jetzt in
geringerer Merige abgebaut wird. Der Kainit
ist nur niit Steinsalz verunreinigt, wahrend
das Hartsalz aus drei Mineralien, Sylvin,
Kieserit und Steinsalz besteht. Der Kaligehalt ist in den meisten Fallen der gleiche,
etwa 121/2(3, reines Kali. I n der chemischen Zusammensetzung unterscheiden sich
die beiden Prohukte nur im Wasser- und
Chlornatriumgehalt. Der Wassergehalt im
Kainit ist etwa 10% hoher als im Hartsalz;
dafur hat das Hartsalz einen um 10% hbheren
Chlornatriumgehalt. AuWer dem Kalirohsalz wird selbstverstandlich fur die Landwirtschaft eine groI3e Menge fabrikatoriscli
gewonnener hocliprozentiger Kalisalze geliefert,. Es kommen Dungesalze mit 20, 30
[
Zcltschrlft fiir
mgewandte Chemie.
md 40% Kali in den Handel, iind ferner
werden in erheblichem Umfange Chlorkalium,
Kaliummagnesiumsulfat nnd Kaliurnsdfat
cerwendet. Die Agriltulturabteiluiig des
Kalisyndikates gibt dariiber -4ufscliluW, wel:hes von den genannten Kalidiingesalzen
*ni besteri Verwendurig findet, wobei die
A r t dor Kulturpflanzcn, die Bodenvcrhaltnisse, Preise und Transportkosteri zii beruckkAitigen sind.
Der gemahlene Carnallit wird Infolge
3eines hohen Chloriiiagnesiuiiigeli~ltes und
ler hygroskopischen Eigenschaften als Dunged z nur wenig vernendet. Da er im Vergleieh
zum Kainit und Hartsalz nls minderwertig
betrachtet wird, so ist im Syndikatsvertrage
vorgesehen, wann ein Salzgemiscli als Carnallitsalz oder als Nichtcarnallitsalz anzuSprechen ist.
Zu diesem Zweck ist i n
den Syndikatsvertragen seit 1899 eine
Wntersuchungsmethode vorgeschrieben, die
ieh bereits 1879 in F r e s e n i u s ' Zeitjchrift fur analytische Chemie veroffentlicht
hatte, und die darauf begrundet ist, daW man
das Chlormagnesium des Carnallits i n absolutem Alkohol losen kann, walirend samtliche in den Handel kommeride Nichtkarnallitsalze kein in Alkoliol losliches Chlormagnesium enthlten. Durch Titrierung des
in Alkohol loslichen Chlors LaIJt, sich diese
durch das Byndikat vorgescliriebene Untersuchungsmethode rascli ausfiihren. Fur die
Bestinitriung des Kaligehaltes gibt es bisher
keine Titriermethode, sondern sam tliclie
Kalibestimmungen miissen gcwichtsanalytisch ausgefiihrt werden. Man verwendet
aber gegenwartig zur Fallung des Kalis in
den meisten Fallen Uberchlorsaure an Stelle
des fruher verwendeten Platinchlorids.
Fiir die Verarbeitung cler Kalisalze sind
die chemischen Grundlagen seit 1861 kauni
verandert worden, und nur die dazu verwendeten mechanischen Einrichtungen zeigen
gegenwartig ein ganz anderes Bild als die der
von 1860-1870 erbauten Clilorkaliumfabriken. ERwiirde aber zu weit fuhren, die Einzelheiten a n dieser Stelle zu beschreiben. Das
Kaliumsulfat, welches jetzt zu Dungungszwecken in erlieblichem MaWe verwendet
wird, stellt man ausschliesWlich durch Wechselzersetzung von Chlorkalium mit Magnesiumsulfat in wasseriger Losung dar, wiihrcnd
es fruher in den naeh dem L e B 1 a n c schen
ProzeR arbeitenden Pottaschefabriken durch
Zersetzung des Chlorkaliums mittels 8chwefelsaure gewonnen wurde. Die in mehrcren
Fabriken betriebene Pottaschefabrikation
nach dem L e BlancschenProzeW ist fast vollstandig eingestellt worden und dafur der
Magnesia - Pottasche - ProzeR des Salzberg-
IIef~~X
~ .n ~ ~ $ ~ ~] fJiinecke:
, w 6 . Theorie des Entstehens d e r Kalilager aus dem Meerwasaer.
werkes Neu-StaBfurt an die Stelle getreten,
welcher es ermoglicht, das Kaliunicarbonat
direkt aus Chlorkalium in wasseriger Lijsung
in groBer Reinheit darzustellen.
Von den wissenschaftlichen Arbeiten auf
dem Gebiete der Haliindustrie sind die
umfangreichen Untersuchungen iiber die
Rildungsverhaltnisse der ozeanischen Salzablagerungen, insbesondere des StaL3furt.er
Salzlagers von Prof. Dr. J. H. v a n 't H o f f ,
welche in den Sitzungsberichten der Honiglich preuBischen Akademie der Wissenschaft.en zu Berlin veroffentlicht wurden, an erster
St,elle zu erwahnen. v a n 't H o f f begann
diese Arbeiten 3896, und das erste Heft
erscliien am 11. Febrnnr 1897, ISeite 69 der
genannten Herichta.
Von dieser Arbeit
wurden \'on 1897-1905 42 Hefte veroffentlicht.. Die Untersuchungen, bei denen Herr
Prof. v a n 't H o f f von einer grolleren
Anzahl seiner Schiiler, insbesondere von
Herrn Prof. Dr. W. M e y e r h o f f e r
unterstutzt, wurde, werden etwa noch 11/2
Jnhrc fortgesetzt. Der erste Teil derselben
ist in dem Werke : ,,Die Bildung der ozeanischen Salzablagerungen von J. H. v a n 't
H o f f , Braunschweig 1905", zusammenhangend erschienen, und die Fortsetzung
wird im zweiten Bande veroffentlicht, in
welchem auch die KeLlkEalze uiid borsauren
Salze beriicksichtigt werden. Ein eingehendcr
Bericht iiber die v a n 't H o f f schen Arbeiten wurde hier zu weit fiihren. Auch
werden diese Untersuchungen voraussicht,lich
in einem Referate uber den Vort.rag : ,,Die
Theorie des Entstehens der Kalilager aus
dem Meerwasser", den Herr Privatdozent
Dr. E r n s t J a e n e c k e in dem Rezirksverein Hannover des Vereins deutscher
Chemiker am 10. Dezember gellaken hat,
be,rucksichtigt. Ich mochte nicht unterlassen, an dieser St,elle darauf hinzuweisen,
claB die Mitglieder des Bezirksvereins SachsenAnhalt bereits die Freude hatten, den ersten
Teil der unifangreichen Untersuchungen von
Herrn Prof. v a n ' t H o f f selbst durch
einen Vortrag in StaBfurt am 17. Marz 1901
zu horen.
N e u s t a B f u r t , d e n 1 2 . D e z b r . 1905.
7
wasser zu berichten. Es steht wohl auBer
dlem Zweifel, dao die Salzlager wirklicli
durch Verdunsten von Meerwasser entstanden sind. Die Salzmenge jedoch, welche im
Meerwasser enthalten ist, ist verhaltnismaBig
30 gering, daB es nicht moglich erscheint, daB
die Salzlager durch einfaches Austrocknen
der Meere entstanden sind. Ein Meer von
5000 m Tiefe wiircle beispielsweise durch Austrocknen zu einem Salzlager von noch nicht
100 m Machtigkeit Veranlassung geben. Man
erklart sich daher die Bildung der Salzlager
nach 0 c h s e n i u s so, daD in Buchten ein
jtarkeres Verdunsten vor sich ging, und diesen
Buchten durch das Meer stets neue Mengen
Salz zugefiihrt wurden. Eine Barre verhinderte das ZuriickflieBen der konzentrierten
Laugen in das Meer, und dadurch war es moglich, daB sich derartig grol3e Salzlager haben
bilden konnen, wie wir sie jetzt vorfinden.
Einen ahnlichen Vorgang kann man noch
jetzt an der Rucht Karabugas im Kaspischen
Meere beobachten. Nach Berechnung von
v. B a e r werden dieser taglich 350 000 t Salze
zugefuhrt. Ich mochte nun aber inehr den
inneren Vorgang beim Verdunsten betrachten
und meine Aufgabe zunachst dahin
formulieren : wie ist es niijglich, daD aus einer
Losung, welche auf 1000 g 27 g Koclisalz 0,7 g
Chlorkalium, 3,4 g Chlormagnesium, 2,5 g
schwefelsaures Magnesium und 1,4 g schwefelsauren Kalk enthalt, beim Verdunsten bei
25 O Salzlager haben entstehen konnen, und
welcher Art sind dieselben '1 Ich lasse also die
anderen Salze, welche in noch geringerem
MaBe im Meerwasser enthalten sind, wie beispielsweise die borsauren Salze und die Bromide, auBer acht, besonders auch deshalb,
weil die Untersuchungen hieriiber noch nicht
abgeschlossen sind. Ich mochte die Untersuchung derart durchfuhren, daB ich nacheinander das Verhalten von Losungen untersuche, welche zunachst nurKoclisalz enthalten,
darauf solche, welche auch Chlorkalium, d a m
diejenigen, welche Chlorkalium und Magnesiuniclilorid enthalten, schlieBlich nehme
ich das scliwefelsaure Magnesium hinzu und
endlich auch den schwefelsauren Kalk. Man
kann zuniichst die Zusammensetzung des
Meerwassers nacli dem Beispiele von v a n't
H o f f etwas anders ausdrucken, namlich
daD man dieselbe auf 1000 g-Mol.,
Uber die Theorie des Entstehens der derartig,
d. i. auf 1000 Y 18 g Wasser bezieht. Man
Kalilager aus dcm Meerwasser.
erhalt fur das Meerwasser alsdann eine Formel
Vortrog, gehalten arn 10.112. 1905.
der Zusammensetzung 1000 H,O, 4,33Na2(&,
Voii Dr. ERNST
J ~ N E CPrivatdozent.
KE,
0,10K,C1,,0,67MgC12, 0,37MgS04,0,19CaSO,.
(Eingeg. d. 16.112. 1905,
Setzt man an Stelle von Na,Cl, 117 g, K2CIg
Meine Herren! Es ist mir der sehr ehren- 149 g, MgCl, 95 g, MgSOa 120 g, CaS04 138 g
volle Auftrag zu teil geworden, hier iiber dae dieser Salze, so berechnet sich dieselbe ZusamEntstehen der Kalilager aus dem Meer- mensetzung wie vorher. Betrachtet man zu-
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