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Die Gerbereichemie 1915.

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Aufsatzteil.
269
Fahrion: Die Gerbereichemie 191.5.
29. Jahrgang 19161
Zeitschrift ftir angewandte Chemie
Aufsatzt eil
I. Band, Seite 269-280
-
Die Gerbereichemie 1915.
Von Dr. W. FAHRION.
(Eingeg.
%./a. 1916.)
Das Kriegsjahr 1915 war fur die deutsche Lederindustrie
ein gutes Geschaftsjahr, in erster Linie natiirlich wegen der
nndauernden Heereslieferungen. Die Aktiengesellschaften
konnten gute, zum Teil sehr gute Abschliisse aufzeigen, und
manchen notleidenden Betrieb hat der Krieg wieder zur
Bliite gebracht. Auch die fur die Lederindustrie thtigen
Kriegsausschiisse erzielten hohe Gewinne, und es wurde vorgeschlagen, einen Teil dieser Gewinne zur Griindung eines
go13 angelegten, gerbereiwissenschaftlichen F o r s c h u n g s i n s t i t u t s zu verwenden.
Auch in N o r cl a ni e r i k a ist eiri derartiges Institut
geplant, das durch Beitrage cler Lederindustriellen unterhalten werden soll. Nach W. H. Teas1) ist der Plan seiner
Ausfiihrung nahe; Teas weist auf die wachsende Zahl der
GeI bereichemiker und auf die grol3en Verdienste hin,
welche sich der Chemiker in den letzten 25 Jahren um die
Lederindustrie erworben hat.
In F r a n k r e i c h hat die S o c i h t h d ' E n c o u ragement pour I'Industrie nationale
Pr ei s e von 1000 und 2000 Frs. fur die Losung der folgenden
drei Fragen ausgesetzt2):
1. Warum liefert eine zur Gerbunq vorbereitete BloBe
mit einem Trockengewicht P nach Aufnahme von p Gramm
Gerbstoff ein Leder, dessen Gesamtgewicht kleiner ist als
die Summe P p ?
2. Es soll ein Enthaarungsmittel gefunden werden, das
nicht nur die Haare, sondern auch die Hautsubstanz schont,
so daB die aus den Abfallen gewonnene Gelatine zu Speisezwecken Verwendung finden kann.
3. Es soll ein einfaches Verfahren zum Nachweis von
Sulfitcelluloseabfalauge in allen Gerbstoffausziigen gelunden werden.
+
1. D i e t i e r i s c h e H a u t .
Fur die Beurteilung des Haut- oder Kollagenmol kiils
sjnd naturgemal3 auch die Forschungsergebnisse beziiglich
der chemischen Natur der W o 11 e und S e i d e von Interesse, urid es mogen daher einige Einzelheiten aus dem Fortschrittsbericht von W. M a s s o t3) iiber Faser- und Spinnstoffe herausgegriffen werden. Die Wole enthalt eine
primare Aminogruppe und ist ganz besonders der Anthranilsjure sehr ahnlich (K. G e b h a r d t). Die Wolle bildet
mit Siiuren additive Salze (F o r t und L 1 o y d). Formaldehyd schiitzt die Wolle gegen Alkalien (A. K a n n). Die Seide
bildet mit Zinnchlorid eine cheniische Verbindung (F i c h t e r und M i i l l e r ) .
Andererseits kam V. K u b e 1 k aa) bei Versuchen uber
die E i n w i r k u n g v o n B m e i s e n - , E s s i g - , P r o pion- und Buttersaure auf H s u t p u l v e r
zii dem Resilltat, daB die quantitativen Verhaltnisse bei
dem rasch erzielten Gleichgewicht sich durch die A cl s o r p t i o n s f o r m e 1 befriedigend ausdriicken lassen.
E. K u d l a c e k 5 ) weist, wie schon manche vor ihm,
auf die Verschiedenheit von Haut m d Hautpulver hin.
In treffendem Bilde vergleicht er die Haut rnit einem Topf,
das Hautpulver mit den Scherben des Topfes, welche kein
,,Fassungsvermogen" mehr haben. Stucke der Haut eines
1) Vortrae in der American Chemical Society,
- vgl.
- Angew. Chem.
3,111, 337119151.)
2) Colleg.ium 1915. 239 nach Le C'uir.
3j Ange';v. Chem. i s , I, 69 [1915].
4) Collegium 1915, 389.
6 ) Collegium 1915, 1; Angew. Chem. 88, 11, 313 [1915].
Angew. Chem. 1916. AnfsatEteil (L Bd.)
su Rr. 67.
18. Juli 1916
Kalbskopfes ergaben nur 17,24% Stickstoff an Stelle des
v. S c h r 6 d e r schen Durchschrlittswertes von 17,8%.
P. K. K o p e c k y6) veroffentlichte eine ausfiihrliche
Abhandlung iiber die o s t i n d i q c h e n K i p s e , d. h.
die Haut des Buckelochsen, Bos indicus, welche .vor dem
Kriege in grol3en Mengen nach Deutschland und Osterreich
eingefuhrt wurden.
G . J. L a e m in 1 e7) berichtet uber eine neuerdings von
amerikanischen Hautehandlern ausgeiibte B e s c h w e r u n g d e r R o h h a u t e i n i t T o n e r d e s n l f a t und
schildert die dadurch entstehenden Nachteile.
J. H. Y o c u me) berechnet den Schaden, der im vorigen
Jahre in den Vereinigten Staaten dadurch verursacht wurde,
daB zahlreiches, mit cler M a u 1 - u n d K 1 a u e n s e u c h e
behaftetes Vieh ohne Verwertung der Haute getiitet wurde,
auf 11/, Mill. Dollar.
M. L u c e te)hat eingehende Versuche iiber die Biologie
der D a s s e I f 1 i e g e (1914) angestellt. Die Larven ergaben ausschliefilich Hypoderma bovis. Die Fliege lebt
hochstens 8 Tage, weil sie nicht fril3t. Die Behandlung mit
Jodtinktur ist dem A b d a s s e 1 n vorzuziehen. - Auch
ein Ungenannterlo) spricht sich gegen das Abdasseln aus,
weil es Locher gibt, die man doch vermeiden sollte. E r
empfiehlt (vor dem Krieq!) fur die beste Lijsung der Prage,
einen internationalen Preis von 25 000 Frs. auszuschreiben.
Zum K o n s e r v i e r e n d e r R o h f e l l e empfiehlt
ein Ungenannterll), sie zuerst 1-2 Stunden mit einer
wasserigen Losung von
Ameisensaure und 0,02y0 Sublimat, dann 1/2-1 Stnnde rnit einer gesattigten Kochsalzlosung zu behandeln. Die - nicht an der Some! - getrockneten Haute sincl vollig steril und ergeben bei der Verarbeitung keinerlei Schwierigkeiten. - C. S c b i f f k o r n l 2 ) schlagt vor, zum V e r g i i l l e n d e s K o c h s a l z e s a l t e B s c h e r b r i i h e zu verwenden. I m
Freien lagernde Haute sollen zwecks Desinfizierung mit einer
3 4 % i g e n Losung von R o h k r e s o 1 bespritzt werden
oder mit, einer Kalkmilch, welcher bis zu 4% Kreolin oder
Rohkresol beigernischt werden. - Nach 0. R o h m13) ist
Kochsalz rnit 2% A r a s o 1 , d. h. einer Kresolseife, an Stelle
von Soda, ein ptes Konservierungsmittel ; Salzflecken und
unerwunschte Haarliissigkeit werden vermieden, ebenso bei
langem Liegen im Wasser der sog. ,,Wasserfra13". 1[4-2 1
pro Kubikmeter des Weichwassers geniigen, aber mlt dem
unverdiinnten Mittel darf man die Haut nicht in Beriihrung
bringen. - E. H a i 1 e rl4) findet bestltigt, dal3 die M i 1 z b r a n d s p o r e n durch eine Losung von 2% Salzsaure
und 10% Kochsalz bei 20 oder 40" abgetotet werden.
Nach P. K a u s c h k el5)kann beiT o r n i s t e r k a 1 b F e l l e n Haar, daa zwar noch fest sitzt, aber doch nicht
inehr so widerstandsfahig ist wie im normalen Zustand,
durch Behandlung rnit Formaldehyd wieder etwas mehr
befestigt werden.
11. D i e v o r b e r e i t e n d e n O p e r a t i o n e n .
Nach 0. R 8 h m16) lassen sich die E n z y m e d e r
B a u c h s p e i c h e 1 cl r ii s e auch zum W e i c h e n von
Der Gerber 41, 3 [1915].
J. Am. Leath. Chem. Assoc. 10, 351 [1915]; h g e m . Chem. 28,
II, 648 [1915].
8) Collegium 1915, 285, nach J. Am. Leath. Chem. Assoc.
9 ) Collegium 1915, 344, nach Le Cub.
16) Collegium 1915, 238, nach Le Cuir.
11) Collegium 1915, 344, nach Le Cuir.
1 2 ) Der Gerber 41, 279 [1915].
13) Der Gerber 41, 133 [1915].
14) Arb. Kais. Gesundheitsanit 41, 69 [1914].
15) Der Gerber 41, 231 [1915].
16) D. R. P. 288 095; Angew. Chem. 28; 11, 648 [1915].
6)
7)
44
270
Fahrion: Die Gerbereichemie 1915.
Hiiuten und Fellen verwenden. - Ein Ungenannterl')
beschreibt, wie die A m e i s e n s u r e mit Vorteil zum
W e i c h e n , Entkalken, Schwellen und Pickeln verwendet
wird. - Auch M. A r m a n d18) empfiehlt Ameisen- oder
B u t t e r s a u r e an Stelle der Schwefelsaure zum P i k k e l n . - P. M. R a n d a l l l e ) hat den V e r l a u f d e s
P i c k e 1 p r o z e s s e s eingehend chemisch untersucht,
besonders im Rinblick auf den Feuchtigkeitsverlust der
Haut und deren Absorption von SO- und Cl-Ionen.
J. T. W o o d 2 0 ) gibe zu, daB das E n t h a a r e n der
Haute auch ohne Kalk erfolgen kann, er glaubt aber, daB
das Haut-Kalksalz bei der Gerbung eine gewisse Rolle
spielt. Ferner wirkt der Kalk losend auf die Interfibrillarsubstanz. - Die ,,Rii h r s c h e r" haben sich nicht bewahrt21), die Kosten stehen zu den zu erreichenden Vorteilen in keinem Verhaltnis. Durch das R&rqn kommt viel
Luft in den h c h e r , es bildet sich kohlensaurer Kalk, der
weiterhin Ascherschatten und Kalkflecken verursacht. Eine
Beschleunigung der Haarlockerung ist auch durch die bekannten Anscharfungsmittel moglich.
C h. R. 0 b e r f e 1 122) berichtet ausfiihrlich uber die
Analyse der in der W a s s e r w e r k s t a t t verwendeten
Materialien.
Zum B e i z e II kombiniert 0. R; o h m23) die Wirkung
der P a n k r e a s e n z y m e mit derjenigen einer in Garung oder Faulnis befindlichen, Salze enthaltenden Fliissigkeit.
Zur A b k i i r z u n g d e r G e r b e d a u e r ohne Verminderunq der Qualitat und dea Rendements kann, wie
ein Ungenannter24) ausfiihrt, eine rationelle Vorbereitung
der Haute fiir die Gerbung sehr viel beitragen. Beim
Weichen sollten organische Sauren vermieden werden, weil
sonst beim nachherigen Aschern eine gewisse Menge Kalksalz gebildet wird und in der Haut verbleiben kann. AuBerdem bewirkt die Saure eine starke Schwellung der Haut,
die im fertigen Leder einen losen Narben verursachen kann.
Zusatz einer geringen Menge Alkali zum Weichwasser ist
daher vorzuziehen. Auch als Anscharfmittel im Ascher ist
Atznatron besser als Schwefelnatrium oder Schwefelarsen. Letzteres sol1 zwar einen feinen Narben geben. ist
aber teuer. Alte Ascher sollten iiberhaupt nicht verwendet
werden, sie bedingen immer Hautverluste. Dasselbe gilt
fiir das Beizen, welches iiberfliissig wird, wenn das Enthaaren und das Entkalken so griindlich wie moglich ausgefiihrt werden.
den in einem geschlossenen Wagen mit Dampf behandelt,
worauf sie sich leicht schiilen lassen. In einem zweiten
Wagen w i d die Rinde durch indirekten Dampf getrocknet
und schliefllich an dritter Stelle gebiindelt und gepreBt.
W. M o e l l e r 8 0 ) wies i m einzelnen nach. daB a u s
E i c h e n b 1 ii t t e r n , F i c h t e n z a p f e n nnd F i c h t e n r e i s i g (s. 0.) brauchbare Gerbextrakte nicht herstellbar sind. I m ersteren Falle verteuert das geringe Raumgewicht den Transport, im zweiten und dritten wirkt hauptsachlich das Ham, bzw. das Fichtennadelol hinderlich ;
durch eine Sulfitierung wird nichts erreicht, und in allen drei
Fallen ist der Gerbstoffgehalt zu gering. - Nach L. P o 1
1 a k3l) enthalt das F i c h t e n r e i s i g zuviel Nichtgerbstoffe, hauptsachlich Zucker, so daB die Ausziige rasch
sauern. Immerhin wiirden derartige Extrakte wenigstens
einen echten Gerbstoff und keine Salze enthalten und waren
dadurch zum mindesten den Sulfitcelluloseextrakten iiberlegen. Zu wiinschen ware eine vermehrte Herstellung von
F i c h t e n r i n d e n e x t r a k t . Er fiihrte sich seinerzeit
schwer ein, weil seine Gerbewirkung eine andere ist als diejenige der frischen Rinde. Die Eichenrinde eignet sich aus
dem Grunde nicht zur Extraktfabrikation, weil der Gerbstoff durch das heiBe Wasser stark zersetzt wird; trotzdem
SOU neuerdings in Amerika Eichenrindenextrakt im Handel
sein.
Als Ersatzgerbmaterialien wurden ferner die W e i d e n r i n d e und die Bhtter des w i l d e n S u m a c h s
(Perriickenstrauch, Rhus cortinus) vorgeschlagen. Weniger
Aussicht diirften die H e i d e l b e e r - und P r e i B e l b e e r p f l a n z e , das H e i d e k r a u t und der G i n s t e r
haben.
I n den t ii r k i s c h e n G a 1 1 a p f e 1 n (Aleppogallen)
fanden F i s c h e r mid F r e u d e n b e r g s z ) aul3er T a n n i n auch G a l l u s s i i u r e und ferner E l l a g s a u r e i n
Form einer wasserloslichen Verbindung. Sie konnten BP e n t a - ( t r i m e t h y l g a 11 o y l - ) g 1 u c o s e , mit dein
Molekulargewicht 1150, krystallisiert erhalten.
H. G. B e n n e t t33) konnte durch einige n e u e G e r b s t o f f r e a k t i o n e n die Pyrogallolgerbstoffe (1. V a l o n e a , K a s t a n i e n h o l z , E i c h e n h o l z . 2. S u mach, Myrobalanen, Algarobilla, Tannin)
von den Brenzcatechingerbstoffen (3. Q u e b r a c h o ,
M i m o s a , G a m b i r) unterscheiden und dabei die ersteren noch in zwei Gruppen trennen. Das Hauptreagens ist
Wasserstoffsuperoxyd + Kobaltnitrat ; Gruppe 1 gibt eine
purpurrote, 2 eine orange und 3 eine hellrote Farbung.
IiI. L o h g e, r b u n g .
i
Weitere Gruppenreagenzien sind Natriumsulfit, Kalkwasser,
Ammoniak, Essigsaure
Bleiacetat, Jod,
Zur Herstellung VonlGerbextrakt wurden auch E i c h e n - Kupfersulfat
Jodkalium, Ferricyankalium, Natriumarsenat. Ferner
blatter26)mitetwa7, F i c h t e n z a p f e n m i t e t w a B
und F i c h t e n r e i s i g26) mit etwa S1/,% Gerbstoff vor- lassen sich die Gerbstoffe der V a 1 o n e a , des E i c h e n geschlagen, doch fanden diese Vorschlage wenig AnMang. und K a s t a n i e n h o l z e s durch B r o m w a s s e r unJ. P a I3 1 e 1 2 ' ) bespricht die t e c h n i s c h e G e w i n - terscheiden. Valonea gibt einen gelben Niederschlag von
unter Zern u n g d e r E i c h e n - u n d F i c h t e n r i n d e , ,,ein Tetrabromphenol, C,H,Br,OBr, bei 139-141
alter Gerber aus der Eife1"Z8) die T r o c k n u n g der Loh- setzung schmelzend und beim Krystallisieren aus sehr verrinden im Walde. Das S c h a l e n erfolgte seither aus- diinntem Alkohol in Tribromphenol vom Schmelzpunkt 92"
schliel3lich im Fnihjahr, wenn die Baume im Saft stehen. iibergehend. Eichenholz liefert anscheinend denselben
Das Verfahren von G ii t s c h o wZ9)ermoglicht die Ge- Niederschlag, aber in sehr geringer Menge und stark verunwinnung der Rinden zu jeder Jahreszeit. Die Holzer wer- reinigt. Valonea gibt keinen Niederschlag. - Anstatt die
Molbydanzahl (vgl. L a u f f m a n n 1914) bestimmt A. T.
17) Collegium 1915, 343, nach Le Cuir.
H o u g h34) in ahnlicher Weise die W o 1 f r a m z a h 1 der
18) Ledertechu. Rundschau 7, 139 [1915]; Angew. Chem. 28,!11,
Gerbstoffe; sie sol1 besonders zur Erkennung des M a 11 408
rigifii.
~ .
g
r o v e e s t r a k t e s geeignet sein. - J. J e d 1 i 15 k as6)
19) J. Am. Leath. Chem. Assoc. 10, 171 [1915]; Angew. Chem. 28,
findet
die Essigsaure-Bleiacetatprobe (nach S t i st s n y) zur
11, 403 [1915].
Unterscheidung von Eichen- und Kasta2 0 ) Collegium 1915, 387, nach J. Am. Chem. Leath. Assoc.
n i e n h o 1 z e x t r a k ta nicht immer zuverlassig. Ver21) Der Gerber 41, 127 [1915].
setzt man das Filtrat mit Eisenalaun, so tritt bei Eiche eine
22) J. Am. Leath. Chem. Assoc. 10,252 [1915]; Angew. Chem. 28,
11, 480.
MiBfBrbung, bei Kastnnie eine blauviolette Farbung ein.
23) D. R. P. 281 717;Zusatz zu D.R. P. 200 519; Angew. Chem.
EinKastanienholzextraktgab keine Farbung, und ein Eichen28, 11, 87 1-19151.
holzextrakt gab die Farbung erst, wenn anstatt 5%iger
.%). Collegium 1915, 313, nach Ledertechn. Rundschau.
25) C. S c h i f f k o r n , Collegium 1915, 145; Angew. Chem. 28,
8 0 ) Der Gerber 41, 134 [1915].
-
+
+
+
O
L----J-
11, 315 [1915].
26) R. R i e d e r , Ledertechn. Rundschau 6, 345 [1914]; Angew.
Chem. 28, 11, 155 [1915].
27) Vgl. dessen Jahresbericht uber die Tatigkeit der Freiberger
Versuchsanstalt im Jahre 1915.
28) Die Lederindustrie 1915, Nr. 69.
29) Der Gerber 41, 86, 127 [1915].
Collegium 1915, 261; Angew. Chem. 28, 11, 478 [1915].
Ber. 46, 2485. [1913].
J. Am. Leath. Chem. Assoc. 9, 436 [1914]; 10, 147 [1915J;
Collegium 1915, 279, 428; Angew. Chem. 28, 11, 146, 403 [1915].
34) J. SOC.Chem. Ind. 33, 847 [1914]; Angew. Chem. 28, II, 315
[1915].
35) Der Gerber 41, 85 [1915].
31)
32)
33)
Aufsatetetl.
10xige Bleiacetatlijsung verwendet wurde. Charakteristisch fiir Kastanienholzextrakt ist der niedrige Aschengehalt voii 0,7-l,l, durchschnittlich 0,9% gegeniiber 1,2
bis 1,8, durchschnittlich 1,5% beim Eichenholzextrakt. D e r s e 1 b ea6) erhielt mit einem wasserigen Auszug von
morschem, in Staub zerfallenem E i c h e n h o 1 z eine
starkeg P r o c t e r - H i r s t r e a k t i o n.
Er glaubt,
daB das Eichenholz G 1u c u r o n s u r e enthalt, welche
bei der Destillation mit Salzsaure wie die Pentosane (vgl.
v a n G i j n u n d v a n d e r W a e r d e n , 1914) F u r f u r o l liefert : C,Hl0O, = C6H40, 3H,O
CO,. Ferner
konnen sich bei Gegenwart von me1 Furfurol und wenig
Methylfurfurol komplexe Phloroglucide bilden, welche sowohl Furfurol als Methylfurfurol enthalten und in Alkohol
loslich sind. Zur Unterscheidung und quantitativen T r e n nung von Furfurol und Methylfurfurol
empfiehlt J e d 1 i E k a die Methode von V o t o E e k ,
welche auf der verschiedenen Farbung beider mit Xylidin
i n Gegenwart von Essigsaure beruht. - J . S. R o g e r sa7)
wjll den Gerbstoff der ,,I< a s t a n i e n e i c h ecc und
der ,,we i 13 e n E i c h e" in anderen Extrakten und im
Leder dadurch nachweisen, daB seine Losung nach Abscheidung des eigeiitlichen Gerbstoffs durch Hautpulver oder
Bleiessig im Licht der Bogenlampe eine b 1 a u e F 1 u o r e s c e n z zeigt. - L. P o 11 a. k38) hat in der quantitativen
Bestimmung des L i g n i n s bzw. des P h 1 o r o g 1u c i n a b s o r p t i o n s w e r t e s ein neues Mittel zur Unterscheidnng der Gerbextrakte gefunden. Die in einigen Punkten abgeanderte Methode von C r o s s , B e v a n und
B r i g g s (Chem.-Ztg. 31, 725 [1907]) ergab fiir 100 Teile
Trockensubstanz : Eichenholzextrakt 4,29-4,86, Kastanienholzextrakt 4,17-5,06, Quebrachoextrakt 0-1,32, Sulfitcelluloseextrakt 7,88, Celluloseextrakt 4,07-4,53. Die Methode kann also einstweilen zum N a c h w e i s V o n S u 1 f i t c e l 1u 1 o s e e x t r a k t i m
Qu eb r a ch oe x t r a k t Verwendung finden. - L. A 1 1 e ,a0) extrahierte
kernfaules Quebrachoholz (vgl. B e c k e r , 1914) rnit destilliertein Wasser unter gewohillichem und unter erhohtem
Druck, in beiden Fallen blieb die Reaktion nach P r o c t e r H i r s t aus. - Nach C. S c h i f f k o r n4O) verwendet man
zum S u l f i t i e r e n d e r Q u e b r a c h o e x t r a k t e
entweder 4% Bisulfit oder 4% Bisulfit und 2% Sulfit. Wenn
also - durch Uberdestillieren in Jodlosung - insgesamt
mehr als 2.5% SO, gefunden werden, so spricht dies fur die
zweite Methode. Der Vorgang des Sulfitierens besteht
wahrscheinlich darin, daB G 1 u c o s e frei gemacht wird,
welche sich rnit Bisulfit verbindet. Durch Wasser wird
diese Verbindung hydrolytisch gespalten. Mit organischen
Sauren gibt das abgespaltene Bisulfit freie schweflige Saure.
Zu deren quantitativer Bestimmung destilliert man am
besten rnit Methylalkohol und oxycliert mit Wasserstoffsuperoxyd; die Methode von T h u a u (1914) ist nicht einwandsfrei. Die sulfitierten Extrakte enthalten stets Natriumsulfat, herriihrend von Verunreinigungen des Sulfits
und Bisulfits oder von einer Oxydation des hydrolytisch
abgespaltenen Bisulfits, manchmal auch Magnesiumsulfat,
zugesetzt zur Erhohung des spzifischen Gewichtes.
E. G i u s i a n a41) empfiehlt an Stelle des bekannten
K o c h schen A p p a r a t es zur Extraktion von Gerbinaterialien einen einfacheren, im wesentlichen aus einem
U-Rohr bestehenden Apparat, der sich auch fur das Ausziehen des Leders eignet. - H. G. B e n n e t t 4 2 ) ist der
Meinung, daB bei der heutigen j n t e r n a t i o n a 1 e n
G e r b s t o f f b e s t i m m u n g s m e t h o d e immer noch
zuviel Nichtgerbstoff als Gerbstoff bestimmt wird, und
niochte dieselbe daher in verschiedenen Punkten abgeandert
wissen. Das Hautpulver sol1 vor dem Chromieren genau
neutralisiert werden, anstatt 6,5 g werden nur 5 g desselben
+
+
Der Gerber 41, 233 [1915].
J. Am. Chem. Leath. Assoc. 9, 325 [1915]; Collegium 1915,
311; Angew. Chem. 28, II, 155 [1914].
38) Collegium 1915, 435.
39) Collegium 1915, 37, 130; Angew. Chem. $8, 11, 156 [1915].
40) Collegium 1915, 101; Angew. Chem. 28, 11, 315 [1915].
41) Collegium 1915, 464, nach Le Cub.
42) J. A m . Leath. Chem. Assoc. 10, 87 [1915]; Collegium 1915,
349; Angew. Chem. $8, 11, 314 [1915].
36)
37)
27 I
Fahrion: Die Gerbereichemie 1915.
29. Jahrgang 1916.1
benutzt. Zuin Chrornieren dient das Salz B,(OH),Cl,.. anitatt des Cr,(OH),CI,. Die Entgerbung findet in verdunnh e r %sung statt, zu 100 ccm der seither verwendeten Lorung kommen noch 100 ccm Wasser. Die Methode ergibt
weniger Gerbstoff und zwar bei Sumach 1,6, Myrobalanen 1,7,
Uyrobalanenextrakt 4,0,Kastanienholz 3,1, Eichenholz 3,2,
Quebrachoextrakt sulfitiert 123, Quebrachoextrakt gebleicht 8,0, Wiirfelqambir 9,4, Blockgambir 7,2y0. Zur
Anal yse der Gerbbriihen werden noch besondere Vorschlage
;emacht. - Nach J . J e d 1 i 6 k a43) besteht das ,,Unlosliche" des Eichenholzextraktes zu 80% aus Gerbstoff. Er
wendet sich ferner gegen die von P a B l e r gebrauchten
Ausdriicke: ,,t r a u b e n z u c k e r a r t i g e " und ,,r o h r E u c k e r a r t i g err Stoffe. Das Eichenholz e n t h d t nicht
nur Hexosen, sondern auch eine Pentose, die Xylose. Die
,,rohrzuckerartigen Stoffe" sind nur selten Disaccharide,
dagegen zumeist hydrolysierte Polysaccharide. Es ' ware
daher besser, von ,,zuckerartigen Stoffen vor und nach der
Hydrolyse" zu sprechen. - R. L a u f f m a n n44) hat das
von L e v i und 0 r t h m a n n (1913) vorgeschlagene VerEahren der Gerbstoffbestimmung mit ,,Reagens Nr. 33"
rnit folgendem Resukat nachgepriift. Es stellt keine Verbesserung des Hautpulververfahrens dar, kann sich aber
ahnlich cler Methode L o w e n t h a 1 zur Fabrikkontrolle
eignen, wenn es sich imnier um dieselben Gerbstoffe handelt.
- R. K Ob e r t45)hat seine interessanten Versuche iiber
den biologischen Nachweis und die Bewertung von Gerbstoffen (1914) fortgesetzt. Die C h e b u 1i n s ii u r e (E u t a n n i n) wirkt schwiicher als alle anderen Gerbstoffe.
G a l l a p f e 1 t a n n i n solltenachM o e 11 e r s Auffassung
gar nicht oder nur schwach wirken, wirkt aber erheblich stark.
Der M a n g r o v e g e r b s t o f f ist an Starke der Wirkung
allen anderen Gerbstoffen uberlegen. Auch T r i 1 1o , M y r o b a l a n e n , V a l o n e a , D i v i d i v i zeigen, in ubereinstimmung rnit der Praxis, eine starke Wirkung. Die Priifung erfordert nur sehr wenig Substanz. - R. L a u f f m a n n 4 6 ) hat eine Methode zum N a c h w e i s v o n
M i l c h s a u r e i n G e r b b r i i h e n ausgearbeitet. Die
Losung wird - bei Gegenwart von Mineralsauren nach vorheriger Neutralisation durch Soda- rnit Bleisuperoxyd gekocht, dann - wenn notig nach schwachem Ansauern
durch Schwefelsaure - destilliert und das Destillat entweder mit Diathylamin und Nitroprussidnatrium oder
mittels der Jodoformprobe auf Acetaldehyd geprdt.
G. G r a s s e r4') macht eingehende Mitteilungen iiber
die r a t i o n e l l e G e w i n n u n g d e r G e r b b r i i h e n und iiber die technische Gestaltung der Extraktionsanlagen. Vollkonimen ausgezehrte Briihen eignen sich nicht
zur ersteri Extraktion, aul3er ihrem hohen Gehalt an Nichtgerbstoffen kann auch ein Kalkgehalt schadlich wirken. Die
Anwendung von Druck ist zii verwerfen, sie bringt nur
Gerbstoffverluste. Auch die Warme mu13 vorsichtiq anqewendet werden; immerhin ist sie das einzige Mittel zur Beschleunigung der Extraktion. Die Bewegung der Briihen,
z. B. durch Pumpen, bringt eine nachfeilige Autoxydation,
welche bis zur Bildung unloslicher Gerbstoffe gehen kann.
Deshalb sind geschlossene Extraktionsbatterien am besten.
Zur Filtration triiber Briihen darf man niemals ausgelaugte
Lohe verwenden, sie nimmt Gerbstoff auf, und die Brthe
wird wasseriger. - Eine sehr miihe- und verdienstvolle
Arbeit: U b e r d a s A d s o r p t i o n s v e r m o g e n d e r
HautbloBe gegeniiber einigen vegetabil i s c h e n G e r b s t o f f e n hat E. K ~ d l a 6 e k ~ ~ )
geliefert. Es m r d e eine sehr g r o h Anzahl von Gerbversuchen mit Hautstiicken und sterilisierten Briihen ausgefiihrt; als Gerbmaterialien wurden verwendet : M y r o b a lanen, Mangrovenrinde, Fichtenrinde,
E i c h 0 n r i n d e. Die Briihen wurden' vor und nach dem
Versuch analysiert, von dem erhaltenen Leder wurden bestimmt : das spezifische Gewicht, die ZerreiBfestigkeit, die
Der Gerber 41, 264 [1915].
Collegium 1915, 457.
45) Collegium 1915, 321; Angew. Chem. 28, 11, 155 [1915].
46) Ledertechn. Rundschau 7, 105 [1915]; Angew. Chem. 28, 11,
315
rigi51.
.~~
45) Dlr Gerber 41, 101 [1915].
48) Collegium 1915, 1; Angew. Chern. $8, 11, 313 [1915].
43)
44)
44'
272
[
Zeihchrift flir
angewandte Chemie.
Fahrion: Die Gerbereichemie 1915.
freie und gebundene Hautsubstanz, der Auswaschverlust,
die Durchgerbungszahl, die Rendementszahl. Von den erhaltenen Resultaten mogen hier nur die folgenden angefiihrt
sein. Der Nichtgerbstoff ist spezifisch leichter als der Gerbstoff. Die Geschwindigkeit der Adsorption sinkt gemaB der
Reihe : Eiche, Myrobalane, Mangrove, Fichte. Der Verlust
an Hautsubstnnz ist bei Myrobalane und Fichte groBer als
bei Mangrove und Eiche. Die ZerreiSfestigkeit wird durch
die LKonzentration der Ausgerbebruhe nur wenig beeinflufit, mehr durch die Art des Gerbstoffs und den dem Leder
noch innewohnenden ,,Rohhautcharakter". Beim Eichenund Fichtenleder ist der Auslaugverlust geringer, und daher
die Hitzebestandigkeit groBer als beim Mangrove- und
Myrobalanenleder. - Die L o h g e r b u n g d e r K i p s e
hat F. K. K o p e c k y49) ausfiihrlich beschrieben. - Eine
Beschwerung des Leders mit Gerbstoff
hat, Fcrie J. V.5O) ausfiihrt, auch schon bei den alten Gerbemethoden stattgefunden, nur wurde der uberschiissige Gerbstoff hier infolge der langen Gerbedauer unloslich. Es wird
ferner das Vorurteil des Konsumenten erwahnt, daB das
hellere Leder das bessere sei, und es werden im AnschluB
hieran die verschiedenen A u f h e 11u n g s m e t h o d e n
besprochen.'! - In einigen, der Elektroosmose A,-G. (Graf
Schwerin-Gesellschaft) patentierten Verfahrensl), wird erneut der elektrische Strom als Hilfsmittel fiir die Gerbung
herangezogen.
Der Verbrauch an Z e 11 s t o f f a u s z ii g e n - die
Bezeichnung ist ganz treffend - und an kiinstlichen
N e r a d o 1 g e r b s t o f f e n stieg in der Berichtszeit.
Was die ersteren betrifft, so bleibt W. Mo e l 1 er52) dabei, daS sie niemals an die Stelle der pflanzlichen Gerbextrakte treten konnen, weil sie ein geringes Rendement
geben, und weil beim Mischen mit richtigen Extrakten Gerbstoffverluste eintreten. - Dagegen fand W. H. D i c k e r t o n S 8 ) , dal3 in einem derartigen Gemisch der Gerbstoffgehalt steigt, wenn man es vor der Analyse mit etwas Essigsaure versetzt. - Ferner wurde aus Amerika berichtetsa),
daB die FaBgerbung mit Mischungen von G a m b i r u n d
Z e 11s t o f f a u s z u g gute Resultate liefere, auch hinsichtlich Farbe und Gewicht. In Hemlockgerbereien soll
sogar eine FaBgerbung n i t unvermischtem Zellstoffauszug
ablich sein. - A. G r o t h e55) entfernt aus der Z e 11 s t o f f 1a u g e zunachst die schweflige Siiure und hierauf
durch Behandeln rnit Cyanverbindungen unter Druck organisch gebundenen Schwefel, Gummiarten und Kohlenhydrate. - M. H o n i gSs) reinigt die Zellstofflauge dadurch,
da13 er ihr genau soviel von einer Saure mit unloslichem
Kalksab (Schwefelsaure, Oxalsaure) zusetzt, daB der an
Ligninsulfosaure und fliichtige Sauren gebundene Kalk
ausgefiillt, und die Sauren in Freilieit gesetzt werden.
E. G 1u c k s m a n n57) beschreibt, wie N e r a d o 1 II
mit Vorteil als Gerb- und Bleichmittel zu verwenden ist.
Wichtig ist eine gute Entkalkung der Haute, weil sonst die
Skure des Gerbstoffs neutralisiert wird und ihre GerbewirBung einbiiot. Kombinationsgerbungen mit Neradol I1 und
pflanzlichen Gerbstoffen bringen den Vorteil, daB das betreffende Leder mehr Fett aufnimmt. - Die B a d i s c h e
A n i l i n - u n d S o d a f a b r i k hat a d die Herstellung
und Verwendung k i i n s t l i c h e r G e r b s t o f f e weitere Patente erhalten. In einem ,,Verfahren zum Gerben
tierischer
dienen als Gerbmittel ,,wasserlosliche,
aromatische, hydroxylhaltige Verbindungen nichtkrystallinischen Charakters, in denen im Molekiil zwei oder mehr
aromatische Kerne, welche pro Kern hochstens eine Hydroxylgruppe enthalten, durch eine oder mehrere Atomgrup-
pen oder mehrwertige Atome mitejnander verbunden sind,
und die auSer Hydroxyl eine oder mehrere andere salzbildende saure Gruppen enthalten und h i m - oder Gelatinelosvng zu fallen vermogen." - Ein weiteres Verfahrenss)
betrifft die Darstellung von Kondensationsprodukten aus
Phenolen und Formaldehyd, dadurch gekennzeichnet, daB
man aromatische Oxyverbindungen oder deren Derivate
bzw. die Salze dieser Korper mit schwefligsauren Salzen und
Formaldehyd unter Druck bei Temperaturen iiber loo",
zweckmafiig unter Innehaltung einer alkalischen Reaktion,
behandelt. - D. R. P. 284 11gS0)schutzt die ttberfiihrung
schwerloslicher Gerbextrakte in leichtlosliche Praparate
durch Behandlung mit den gemaB friiheren Patenten erhaltlichen kiinstlichen Gerbstoffen. - Im D. R. P. 288 12g61}
werden zum Gerben der Haute an Stelle der nach D. R. P.
262 558 (1913) und 280 233 (1914) erhkltlichen Kondensationsprodukte die ksungen der Komponenten benutzt.
Verschiedene weitere Verfahren sind zum Patent angemeldet.
- Die G e s e l l s c h a f t f u r c h e m i s c h e I n d u s t r i e i n B a s e 1e2) fiihrt Phenol oder dessen HomoIoge
durch Behandlung mit A c e t a 1 d e h y d in Dioxydiaryl%thane und die letzteren durch Behandlung mit F o r m a 1d e h y d und neutralen Sulfiten in wasserloslicbe, gerbstoffartige Verbindungen iiber.
IV. M i n e r a 1g e r b u n g.
Als Ersatz fur Chromalaun empfiehlt eine Hamburger
Fabrik C h r o m f o r m i a t. Der Zentralverein der Deutschen Lederindustrie befiirwortete die Aufnahme des Artikels in den Spezialtarif 63).
Schon langere Zeit bekannt ist das C h r o m a l i n ,
erhalten durch Reduktion von Kaliumbichromat mittela
priifte es mit Hilfe seiner bioloGlycerin. R. K o b e r t64)
gischen Methode auf seine Gerbwirkung und fand dieselbe
noch etwas hoher als diejenige des Neradols.
F. K. K o p e c k y66)beschrieb eingehend die C h r o m g e r b u n g d e r K i p s e (Boxkipsfabrikation). - Das
fiir T r e i b r i e m e n bestimmte Chromleders6) soll satt
gegerbt sein, um ein Maximum von Hitzebestiindigkeit aufzuweisen, andererseits soll es aber nicht ubergerbt sein, weil
sonst die Zug- und ReiBfestigkeit leiden. (Wieviel Prozent
Chromoxyd so11 es denn enthalten? D. Ref.) - Nach P.
K a u s c h k e67)istauch bei HerstellungderT o r n i s t e r k a l b f e l l e die E i n b a d c h r o m g e r b u n g der Alaungerbung vorzuziehen. Die alaungaren Felle trocknen bei
ofterem Durchnassen schwer aus und werden teilweise entgerbt. - D. N.68) empfiehlt die Einbadchromgerbung auch
zur Herstellung der N l h - u n d B i n d e r i e m e n ,
welche friiher nur fettgar gemacht wurden. - Auch fur
P n e u m a t i k 1e d e r eignet sich die Chromgerbung; das
fertige Leder wird mit einer Lijsung von Kautschuk und
Fischleim ('1) in einem Gemisch von Benzin, Benzol und
Naphtha impragnierts9).
Eine Gerbmethode fiir W a t e r p r 0 o f l e d e r 7 ~ )
stellt sich als eine Kombination des Zwei- und Einbadverfahrens dar. Die Haute werden zuerst mit Schwefelsaure
und Kochsalz gepickelt, dann im Fa13 rnit Natriumbichromat und Schwefelsaure behandelt, mit Natriumbisulfit reduziert und dann im Haspelgeschirr mit einer Briihe aus
Natriumbichromat, Schwefelsaure, Natriumbisulfit und
Kochsalz nachgegerbt. (Ob sich dieses umstandliche Verfahren nicht vereinfachen lieSe? D. Ref.) - ScblieBlich
erweist sich ein neues amerikanisches Verfahren zur H e-r stellung von Sohl-, Vache- und Riemen69) D. R. P. 282 850; Angew. Chem. 28, 11,212 [1915].
Angew. Chem. 27, 11, 103 [1914]; 88, 11, 314 [1915].
Angew. Chem. 28, 11, 648 [1915].
62) D. R. P. 285 772; Angew. Chem. 88, 11, 479 [1915].
68) Angew. Chem. 28, 111, 650 [1915).
64) Collegium 1915, 322.
65) Der Gerber 41, 183 [1915].
68) Ledertechn. Rundschau 7, 150, [1915]; Collegium 1915, 427.
6 7 ) Der Gerber 41, 231 [1915].
68) Ledertechn. Rundschau 7, 129 [1915]; Angew. Chem. 28, 11,
403 [1915].
69) Ledertechn. Rundschau 7. 169 r19151: bneew.
Chem. t 8 .
"
11, 479 [1915].
70) Der Gerber 41, 149 [1915].
60)
Der Gerber 41, 150 [1915].
60) Ledertechn. Rundschau 6, 329 [1914].
61) D. R. P. 283285, 286678; Angew. Chem. 28, 11, 252,
479 [1915].
62) Der Gerber 41, 358 [1915].
6 5 ) J. Am. Leath. Chem. Assoc. 9, 489 [1914]; Angew. Chem. 28,
11, 156 [1915].
a)Der Gerber 41, 326 [1915].
6 6 ) D. R. P. 280 330; Angew. Chem. 28, 11, 30 [1915].
56) D. R. P. 281 453; Angew. Chem. 88, 11, 87 [1915].
67) Der Gerber 41, 197 [1915].
6 8 ) D. R. P. 281 484; Angew. Chem. 28, 11, 87 119151.
49)
61)
c
..-
Aufsatzteil.
?9. Jehrgang 1916.1
273
Bucherer: Abhandlungen auf dem Gebiete des gewerblichen Rechtsschutzes.
1 e d e r71) als eine Kombination von Alaun- undizweibadchromgerbun * die Reduktion des Natriumbichromats e r
foIgt durch & h o s e .
En
Schnellverfahren
zur
Chromb e s t i m m u i i g im Chromleder hat R. V. T a r s h i ~ 7
angegeben. Das Leder wird mit Salpeter im Nickeltiegel
geschmolzen, die Schmelze in Wasser gelost, die Lijsung
mit einer Brechweinsteinlosung von bekanntem Wirkungswert versetzt und mit Jod titriert.
V. S a m i s c h g e r b u n g u s w .
0. R 6 h m73) ersetzt bei Herstellung des G 1 a c B 1 e d e r s das E i g e l b durch s u l f o n i e r t e O l e , aus
denen die Seifen entfernt und deren sulfonierter Anteil
durch Verdiinnung mit unverandertem 01 tunlichst herabgesetzt wurden. Gegebenenfalls werden noch fluchtige o1loslicbe Stoffe, wie Toluol, Essigester u. dgl. zugefugt,
deren Wirkung in einer feinen Verteilung des Fettes besteht. Das sulfonierte 01 und den Alaun 1aBt man nacheinander auf die BloDen einwirken. Dadurch, wie auch
schon durch die Abwesenheit von Seifen, wird eine Gerinnung des Gerbemittels infolge Bildung von Tonerdeseife
vermieden. AuBerdem eignen sich die seifenfreien, sulfonierten Ole auch zum Fetten anderer Lederarten.
VI. T h e o r i e d e r L e d e r b i l d u n g .
E. 0. S o m m e r h o f f , der sich schon vielfachymit
den Vorgangen bei der Lederbildung beschaftigt (1913,
1914) und dabei seine Ansichten auch schon des ofteren
geiindert hat, ist jetzt bei der ,,D e h y d r a t a t i o n s h y p o t h e s e"74) angekommen. Er nimmt an, daB bei
der Gerbung das chemisch gebundene Hydratwasser des
Hautalbumins die Hauptrolle spiele, indem es unter dem
EinfluB des Gerbstoffs in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werde, welche beide mit dem Gerbstoff reagieren.
Bei der Lohgerbung werden die eigentlichen Gerbskuren
oxydiert, die Phlobaphene reduziert, bei der Samischgerbung werden die ungesattigten Fettsauren teilweise oxydiert und teilweise reduziert. Da13 diese Hypothese, besonders i n ihrer Anwendung auf die Samiscbgerbung, durchaus
unhaltbar ist, hat W. F a h r i o 1175) gezeigt.
I m Gegensatz zu S o m m e r h o f f lehnt W. M o e l 1e
in seiner ,,P e p t i s a t i o n s t h e o r i eL' jeden
chemischen Vorgang bei der Gerbung glatt ab. Diese Theorie lautet, ganz kurz zusammengefafit, folgendermallen : Eine
echte Lijsung wirkt iiberhaupt nicht gerbend. Jeder Gerbstoff mu13 einen dem T a n n i n entsprechenden P e p t i s a t o r und eine dem P h 1 o b o p h e n entsprechende
p e p t i s i e r t e S u b s t a n z enthalten. Die Gerbung
beruht auf einer ,,D e p e p t i s a t i o n". Der Gerbstoff,
die Haut, adsorbiert den Peptisator, wodurch die peptisierte
Substanz unloslich wird und sich in mikrokrystallinischer
Form auf der Oberflache der Hautfaser niederschlagt.
Gegen diese Theorie wandte W. F a h r i o 1177) hauptsachlich ein, daB sie die Wasserbesthdigkeit des Leders nicht
zu erklliren vermag, und da13 sie zu sehr auf die Lohgerbung
zugeschnitten, dagegen z. B. fiir die Chromgerbung vollkommen uberflussig ist. Gerade die Lohgerbung ist aber in
der Hauptsache keine echte Gerbung, da die Phlobaphene
nicht imstande sind, die Hautfaser vollig wasserunloslich
zu machen. I m ubrigen waren die umfangreichen Erorterungen M o e 11 e r s zur Begrundung seiner neuen Theorie
Ende 1915 noch nicht abgeschlossen.
Auch R. K ~ b e r t hat
~ ~ aus
) seinen Versuchen uber clas
Verhaltan der Gerbstoffe gegen die Blutkorperchen interessante Schliisse auf das Wesen der Gerbung gezogen. Das
Verhalten des Tannins steht rnit der M o e 1 1e r schen Theo71) Ledertechn. Rundschau 7, 154 [1915]; Angew. Chem. 28, LI,
478 [1915].
7 9 J. Am. Leath. Chem. Assoc. 9, 258 [1915]; Angea. Chem. 28,
11, 30 [1915].
7 8 ) D. R. P.286437; Angew. Chem. 28,11, 479[1915].
74) Collegium 1915. 26: Aneem. Chem. Z8., 11.
, 252 r19151.
7 6 j Collegium 1915, 332. "
7 6 ) Collegium 1915, 49, 193; Angew. Chem. 28, 11, 252 [1915].
77) Collegium 1915, 333, 409.
78) Collegium 1915, 330.
L
.
rie nicht im Einklang. Die Gerbewirkungikann nicht auf die
langsame Bildung von Zersetzungsprodukten zuriickgefiihrt werden, auch nur gezwungen auf die Beimischung
praformierter unloslicher Stoffe. Es mu13 sich um eine
~ R) e a k t i o n p h y s i k a l i s c h - c h e m i s c h e r N a t u r an der Oberflache der Blutkorperchen handeln; dieser
Oberflache entspricht bei gewohnlichen Gerbversuchen die
Oberflache der BloBenfasern. Der Gerbstoff wird an der
Oberflache der roten, Blutkorperchen e r s t a d s o r b i e r t
u n d d a n n c h e m i s c h g e b u n d e n . I n dem frisch
hergestellten Gemisch von Blutkorperchen, isotonischer
Zwischenfliissigkeit und Gerbstoff handelt es sich um elektrolytische Dissoziation, und a n der Oberflache der Blutkorperchen entstehen Molekularaggregate (M o 1 a t e) , wobei die
Eigenschaften der Grenzschicht sich denjenigen in heterogenen Systemen nahern. Diese Molatbildung bringt es mit,
sich, da13 manche Teile derselben wie innere Molekiile, andere
wie Molekiile a n einer Oberflache: mit ungesattigten ValenZen reagieren. Derartige Vorgange bilden im wesentlichen
die kolloidchemische Seite der EiweiBreaktionen.
R. L a u f f mann7D) spricht sich a m Schlusse eines
Aufsatzes : ,,Die neueren Gerbtheorien," iiber die Vorgange
bei der Lederbildung etwa folgendermaBen aus. Die Vereinigung des Gerbstoffs mit der Haut ist ein reiner Adsorptionsvorgang. Chemische Prozesse kommen bei der Gerbung
nur insofern in Betracht, als durch dieselben niedrig molekulare Bestandteile des Gerbemittels in hochmolekulare
ubergefihrt werden; nur die letzteren wirken gerbend. Bei
den chemischen Vorgangen wirkt die Haut katalytisch mit,
Irgendwelche Beweise fur diese Behauptungen werden nicht
beigebracht.
Ref. hat den Versuch gemacht, die Entwicklung der verschiedenen Gerbetheorien bis Ende 1914 moglicbst ubersichtlich und moglichst unparteiisch darzustellen*O).
(schluo folgt.)
Abhandlungen auf dem Gebiete des gewerb
lichen Rechtsschutzes (2. Hdbjahr 1915).
~
Zusammengestellt von HANS
TH. BUCEERER.
(Eingeg. 17./6. 1916.)
W i 1 d h a g e n : Die Voraussetzungen der Patenterteilung..
Vf. weist in seinem im Mai 1915 gehaltenen Vortrage
darauf hin, daB eine befriedigende Losung der R a g e nach
den Voraussetzungen der Patenterteilung noch mcht erreicht ist trotz der vielen auf sie verwandten Muhe. Nach
seineni Dafiirhalten ist es fur das geltende Recht bezeichnend, da13 es keine Vorauesetzung der Patenterteilung ist,
daB derjenige, dem ein Patent erteilt werden soll, eine Erfindung gemacht hat. Andererseits knupft es a n die Tatsache, daB eine Erfindung gemacht wurde, fiir den Erfinder
zwar nicht die Rechtsfolge des Patentschutzes, wohl aber
andere weitere und wertvolle Rechtsfolgen. - Auf diese
Weise wenigstens sorgt unser Recht fiir den Schutz der Interessen des Erfinders. Alle die vom geltenden Recht an die
Tatsache der Erfindung geknupften Rechtsfolgen bezeichnet
Verfasser als urheberrechtliche Wirkungen der Erfindung.
Der Patentsucher mu13, und das ist die erste wirkliche Voraussetzung der Patenterteilung, A n m e 1d e r oder Rechtsnachfolger eines Anmelders sein. Diese Voraussetzung ist
so bedeutsam, da13 es wichtig erscheint, genau zu untersuchen, welchen Inhalt die Anmeldung haben mu13, damit.
sie zur Patenterteilung fuhren kann. Nicht jeder Gedanke,
mag er a n und fiir sich noch so hoch zu bewerten sein, ist
des Patentschutzes fahig; sondern der Gedanke mu13 anf
dem Gebiete der Technik liegen, und dabei wird gefordert
ein Gedanke, der dem technischen Konnen angehort. Dae
technische Konnen aber besteht nach Verfassers Ansicht
in dem Eneugen und Schaffen von Gegenstanden, soferrn
diese iiicht lediglich rnit Hilfe der menschlichen GliedmaBen
und einfachster Werkzeuge zu beschaffen sind. Fiir die Ge-
4
Kolloid-Ztschr. 17, 37 [1915].
W. F a h r i o n , N e u e r e G e r b e m e t h o d e n u n d
G e r b e t h e o r i e n. Heft 28 der ,,Sammlung Vieweg". Vgl.
Angew. Chem. 29, 111, 210 [lOl6].
79)
80)
288
r
Fahrion: Die Gerbereichemie 1915.
soll
g krystalljsiertes Chlorcalcium enthalten. Als besonderer Vorzug werden vollkommene Haltbarkeit und wenig
hervortretender Geschmack angegeben ; Chlorcalcium
schmeckt bekanntlich sehr schlecht.
C h 1o r c a 1 c i u m b r a u s e s a 1z , Glycalcium effervescens Ritsert (Dr. E. Ritsert in Frankfurt a. M.), enthalt
ebenfalls Chlorcalcium in einer Brausemischung.
U n g e z i ef e r m i t t e l .
In direktem Zusammenhange mit den Bedurfnissen des
Krieges steht die Produktion einer ungeheuren Menge von
Ungeziefermitteln. Es ist ganz unmoglich, alle Spezialpraparate, die geschaffen worden sind, hier aufzuzahlen. Im
allgemeinen scheinen die Erfahrungen, die man im Felde
gesammelt hat, dahin zu gehen, daB die thermischen Methoden (Hitze, Dampf) bei der Bekampfung der Liuseplage
wirksamer sind, a h die chemischen Mittel. Immerhin kommt
auch den letzteren eine hohe Bedeutung zu, schon deswegen
weil sie fiir die direkte Anwendung am menschlichen Korper
allein in Frage kommen. Die chemischen St.offe, welche
sich a19 wirksam erwiesen haben und demgemLB den.verschiedenen Spezialpraparaten zugrunde liegen, sind recht
zahlreich. Noch zahlreicher sind freilich die mehr oder
minder geschmackvollen Namen, welche die Fabrikanten
zur Bezeichnung ihrer Produkte erfunden haben. Hier eine
kleine Auswahl : Mene-laus, Niko-laus, Lausifutsch, Lausofan, Parasitin, Plagin, Petrograd, Juca-Juca usw.
Als wirksame Mittel haben sich erwiesen: Kresol, p-Dichlorbenzol, Cyclohexanon, Naphthalin, Anisol, Fenchelund Anisol, Kienol u. a. m. Zum Teil sind diese Stoffe als
Ungeziefermittel liingst bekannt, zum Teil ist ihre Wirksamkeit aber erst wahrend des Krieges entdeckt worden.
Das A n i s o l , dessen Wirkung der Pharmakologe
F r i i n k e l entdeckt hat, scheint im ganzen doch nicht
das zu halten, was man sich im Anfang davon versprach.
Nach D i e t 0 r i c h ist seine Wirkung auf die Haut nicht ganz
harmlos, zudem ist sein Geruch unertraglich, weniger in
konzentriertem Zustande, als in seinen Verdiinnungen.
Immerhin sind zahlreiche anisolhaltige Ungeziefermittel in
Verkehr gekommen, z. B. Queissers Anisol-Lausehilfe, Trikanol, Ungezieferschutzpuder von Merz & Co.; RadikalLausetod ,,Feldgrau" ; Alineu-Salbe usw.
C y c 1 o h e x a n o n ist der wirksame Bestandteil des
L a u s o f a n s ,eines Ungeziefermittels der Farbenfabriken
vorm. Friedr. Bayer & Co. Es gelangt als Lausofan-Liisung
und Lausofan-Puder in den Verkehr.
p - D i c h l o r b e n z o l w i r d u n t e r demNamen G l o b o l von Fritz Schulz jun. A. G. in Leipzig als wirksames
Mittel zur Beklimpfung der Lauseplage empfohlen. Das
p-Dichlorbenzol ist ferner der wirksame Bestandteil der
Alineu-Salbe.
K r e s o l b z w . K r e s o l g e m i s c h e sind als wirksame Ungeziefermittel lange bekannt. Die meisten Lausemittel des Handels diirften Kresol enthalten (Anikresol;
Blattan Cresol-Puder ; ,,JKA"Trikresolpuder ; Leukasol ;
Niko-Laus-Puder usw.). Ferner ist auch N a p h t h a 1i n
vielfach in Gebrauch. Unangenehmes Aufsehen erregt
hat das P.1 a g i n , bei dessen Anwendung gegen Ungeziefer
schwere Atzungen der Haut und Geschwiirbildungen beobachtet worden sind, so daB Ankiindigungund Vertrieb des
Mittels von den Militarbehordenverboten wurde. Nach mehrfach vorgenommenen Analysen bestand das Plagin im
wesentlichen aus kieselfluorwasserstoffsauren Salzen.
SchlieBlich sei noch der Bestrebungen gedacht,
auslandische Spezialitiiten
durch einheimische Ersatzprodukte zu verdriingen. Die pharmazeutische Industrie sowohl wie die Apotheker bemiihen
sich an Stelle der ohnehin jetzt nicht erhiiltlichen franzosischen und englischen Spezialitakn deutsche Produkte einzufiihren. So ist das E n e s o 1 der Firma Clin in Paris von
Dr. H a n s S c h m i d t im Laboratorium von H e y d e n analysiert worden, wobei festgestellt wurde, daB es vollig falsch
deklariert wurde. In Wirklichkeit ist dieses bei Nervedues
vie1 angewendete PrLparat eine alkalische Lijsung von
Mercurisalicylsaure und Methylarsinsaure. Als Ersatz des
Enesols kommen nunmehr unter den Bezeichnungen
aaE~&mch:m*e.
HyrgarsoI oder Modenol deutsche Produkte in den Handel.
Noch ehe der Weltkrieg zu Ende ist, diirfte es fiir jede
gangbare Spezialitat des feindlichen Auslandes ein vollwertiges deutsches Ersatzprodukt geben. Bei unseren Gegnern diirfte es freilich an gleichen Bestrebungen nicht
fehlen; nur diirfte auf der anderen Seite die Fahigkeit zur
Schaffung v o 1 1w e r t i g e r Ersatzpraparate nicht in
dem MaBe vorhanden sein.
[A. 75.1
Die Gerbereichemie 1916.
Von Dr. W. FAFIRION.
VII. Z u r i c h t u n g.
(SoblnO von 8. 2%)
Es ist ein von den Gerbern oft: beklagtes Vorurteil der
Lederverbraucher, daB sie das hellere Leder immer fiir das
bessere halten. Dadurch wird der Gerber sehr haufig genotigt, sein Leder nach der Gerbung noch aufzuhellen. In
dieser Hinsicht interessiert ein Aufsatz : D i e n e u e r e 1p
Verfahren zur Aufhellung der Farbe des
L e d e r s81). Eine Dunkelfarbung kann auch durch starke
Fettung eintreten. Mit dieser Rage befaBt sich ein Aufsatz :
W i e e r h a l t man eine helle F a r b e auf s t a r k
g e f e t t e t e n L e d e r n z e 2 ) Wenn der verwendete Gerbstoff hell war, und das Leder gut durchgegerbt ist, so kann
es mit 36% Fett noch hell, anderenfalls mit 25% schon
dunkel sein. Ferner sind notwendig eine vollige Entkalkung,
die Abwesenheit freier Skure und eine gute Leitung des
Trockenprozesses. Auch die Art des Fettes ist von EinfluS.
Tran allein gibt ein dunkles, mit Wasser gut emulgierter
Tran ein helles Leder. Der Wassergehalt des zu fettenden
M e r s und die Temperatur beim Fetten durfen nicht zu
hoch und nicht zu niedrig sein. Das gefettete M e r m u 8
vollig getrocknet, aber vor dem AusstoBen wieder angefeuchtet, ein etwaiger FettuberschuB auf der Narbenseite
sorgfaltig entfernt werden. Eine Nachbleichung des gefetteten Leders ist moglich; behandelt man es z. B. zuerst mit
3%iger Natronlauge und hierauf mit 5%iger Salzsaure, so
wird es zuerst sehr dunkel, aber nachher wieder hell.
Infolge der Fettknappheit wurde naturgemiiB das.
F e t t e n d e s O b e r l e d e r s ein immer schwierigeres
Kapitel der Gerberei. Auf einen Aufsatz: A 11g e m e i n e
G r u n d s a t z e f i i r d a s S c h m i e r e n d e s Le.d e r ,383) sei verwiesen. Ein weiterer Aufsatz: W i n k e
ftir d i e sachgemiil3e E i n f e t t u n g d e s L e d e r sea) behandelt das Nachfetten alter, verlegener Leder,
wobei ein vorheriges Anfeuchten unerliiBlich ist. From,
KriegsausschuB fiir pflanzliche und tierische ole und Fette
wurde ein N e u t r a l f e t t v e r b o t , wie es fiir die
Seifenindustrie ausgesprochen wurde, auch fiir die Lederindustrie erwogen. W. F a h r i o d 5 )erorterte die Grunde,
welche gegen ein solches Verbot sprechen. Eine Folge der
Fettknappheit war es natiirlich auch, daB die M i n e r a 1 0 1 e mehr als seither zum Fetten der Leder herangezogen
wurden. D. N.SS)weist darauf hin, da13 bei gleichzeitiger
Verwendung von S t e a r i n ein Ausschlagen des letzteren
verhindert wird, und empfiehlt auch k o n s i s t e n t e
M i n e r a 1f e t t e zum Schmieren des Leders. - D e r s e I b ea7)bespricht die Zurichtung des braunen und schwarzen Wichskalbleders. - U. J. T h u a ue8) untersuchte die
Enwirkung verschiedener Arten von C r e m e auf das Leder. Es handelt sich um Liisungen von Wachs, Paraffin,
Ozokerit, Lanolin u. dgl. in Mineralol, Terpentinol, Benzin,
61) Ledertechn. Rundschau 7, 187 [1915]; Angew. Chem. 28, 11,
480 [1915].
82) Collegium 1915, 345, nach Le Cuir.
83) Ledertechn. Rundschau 7, 201 [1915]; Angew. Chem. R8, 11,
480 [1915].
84) Collegium 1915,387, nach Ledertechn. Rundschau.
8 5 ) Chem. Revue 22, 77 [1915]; Angew. Chem. 28,II, 626 [1915].
86) Ledertechn. Rundschau 7, 90 [1915]; Angew. Chem. 28, 11,
~ i f risiFii.
i
--I.----,.
Ledertechn. Rundschau 7, 153 [1915]; Angem. Chem. 28, 11,
480 [1915].
88) Ledertechn. Rundschau 7, 181. nach Le Cuir; Angew. Chem,
28, II, 486 [1915].
87)
Anfsatzteil.
29. Jahraana
I~ILLI
289.
Fahrion: Die Cerbereichemie 1915.
Tetrachlorkohlenstoff usw., oder, wenn das Wachs teilweise
verseift ist, auch in Wasser. T h u a u untersuchte das Verhalten des Leders bei liingerem Liegen in den oben genannten
Liisungsmitteln und fand, daB Wasser und Amylacetat unschiidlich sind, die iibrigen Losungsmittel aber und besonders
das Terpentinol das Leder nachteilig beeinflussen. Mit Recht
weist A 11e rise) auf das Verkehrte dieser Versuchsanordnung hin, da doch in Wirklichkeit die Lijsungsmittel rasch
rerdunsten, und nur die festen Korper zuriickbleiben.
Auf einen ausfuhrlichen Aufsatz : H i n w e i s e f ii r
d i e p r a k t i s c h e L e d e r f a r b e r e i von F . K o h l g o )
kann nur verwiesen werden, ebenso auf einen solchen uber
das F a r b e n d e r P e l z e g l ) . W e i l e r und H e u b 1e i ng2):erhielten ein Patent auf ein Verfahren zum Farben
von Leder. Geeignete Farbstoffe werden in Penta- oder
Hexachlorathan, gegebenenfallsin Verbindung mit Spiritus,
gelost. Diese Lijsungsmittel sollen vor Benzin den Vorzug
haben, daB das Leder weich bleibt und ganz gleichmaBig
durchgefarbt wird.
C o r n e l i u s H e y l g 3 ) trocknet das L a c k l e d e r
unter gleichzeitiger Einwirkung von Licht und von Ammoniakdampfen (vgl. D o e r r und R e i n h a r t , 1913). 0. B o R m a n ng4)will das Springen und Brechen des Lacks
dadurch verhiiten, daS er seiner L a c k 1e d e r g 1ti n z
p a s t e Zinnoxyd oder Natriumbenzoat und Natriumperborat zusetzt. - T h. C a 11a ng5) belehrt iiber die Zusammensetzung der Kollodionlacke fur Leder.
Sodalosung, Einfetten mit reinem, geschmolzenem Talg
oder mit einem Gemisch von 213 Talg und 'Is Degras.
Neuerdings findet man ofters L e d e r m i t a b g e b u f f t e m N a r b e n100). Nur die oberste diinne Schicht
der Oberhaut wird durch Blanchieren oder Abschleifen mit
Sandpapier beseitigt. Die Oberflache erscheint trotzdea
weich und samtartig, weil nicht, wie beim Spalt, das Fasergewebe durchschnitten ist, und die Faserbiindel direkt sichtbar sind. Das Verfahren ist besonders zu empfehlen, wenn
der Narben stellenweise beschiidigt ist, die Haltbarkeit des
Leders wird nicht beeintrachtigt, und der Narben kann nicht.
mehr brechen.
Wiemandie Q u a l i t a t e i n e s L e c l e r s o h n e c h e mische Analyse beurteilen kann, legt ein UngenannterlO')
dar. Eine helle F a r b e ist infolge der modernen Bleichverfahren heute kein Beweis mehr fiir die Giite des Leders.
Wichtiger ist die Farbe des Q u e r s c h n i t t s , sie muB
vor allen Dingen gleichmafiig, dann dunkel und glanzend
sein. Ungegerbte Partien im Innern lassen sich durch die
Essigsaureprobe nachweisen. Die Struktur des Schnittes
SOU kurzfaserig sein. Wichtig ist der G r i f f , d. h. der
Widerstand beim Biegen. Die Anspriiche an den Griff
wechseln natiirlich mit den Anspriichen an das Leder. Im
allgemeinen sind kleine Spriinge des Narbens weniger bedenklich als Falten beim Zuriickbiegen.
Im iibrigen gewinnt aber die c h e m i s c h e A n a 1 y s e
d e s L e d e r s mehr und mehr an Bedeutung. R. L a u f f m a n n102)untersuchte den E i n f 1u R d e r Z e r k l e i n e
r u n g s f o r m des Leders auf die Analysenergebnisse,
VIII. L e d e r .
Fiir dieHeeresausriistung werden ungeheureMengenLeder Bei Bestimmung der Feuchtigkeit, des Fettes und des Stickverbraucht. Es ist begreiflich, daB aus AnlaB des Krieges stoffs ist es gleichgiiltig, ob das Leder gemahlen oder nur
iiber die Vor- und Nachteile des lohgaren und des Chromleders geschnitten wird. Dagegen findet man in gemahlenem Leder
erneut diskutiert wurde. Dem Chromleder werden folgende mehr auswaschbare organische Stoffe als in geschnittenem.
Fehler nachgesagt: Es ist nicht so poros wie das lohgare Die Bestimmung der Mineralstoffe, der freien Saure, beLeder, infolge dessen behindert es als Schuhoberleder die sonders freier Schwefelsaure, und die Priifung auf ZellstoffAusdiinstung des FuBes und ist im Sommer zu heiB und im auszug konnen bei gemahlenem Leder unrichtige Resultate
Winter zu kalt. Auf steinigen Wegen stoBt sich der Narben liefern, wed das Leder aus der Mbhle Eisen aufnimmt. Am.
leicht ab, und wenn es durch Regen oder Schnee na13 gewor- besten diirfte es sein, das Leder allgemein in Stuckchen rnit
den ist, so trocknet es nur langsam und wird leicht hart und quadratischer Oberflache zu zerschneiden, und es sol1an der
briichig. Es hat allgemein weniger ,,StandLL
als das lohgare Freiberger Versuchsanstalt ein Zerkleinerungswerkzeug ausLeder und ist daher mehr der Deformation, dem ,,Verziehen" probiert werden, mit dessen Hilfe das Zerschneiden immer
untenvorfen. Chromsohlen lassen sich nicht nageln und gleichmhBig erfolgt.
W. K. A 1 s o p103) macht darauf aufmerksam, da13 das
gleiten auf feuchtem Boden.
a g n e s i u m s u 1 f a t beim Trocknen sein KrystallAber ,,e i n N e u t r a 1e r"g6)meint, alle diese Nachteile
werden im Lauf der Zeit behoben werden, und das Chrom- wasser nicht vollstandig abgibt. Dieser Umstand kann bei
Ieder sei das Militiirleder der Zukunft. Den Nachteilen Bestimmung der Asche und der Schwefelsaure eine Fehlerstehen auch Vorteile gegeniiber. Seine Zugkraft sei doppelt quelle bilden.
L e v i und 0 r t h mann104) teilen eine einfache Meao groB wie diejenige des lohgaren Leders, sein spezifisches
Gewicht geringer, seine Widerstandsfahigkeit gegen Hitze, thode zur F e t t b e s t i m m u n g i m L e d e r unter VerKalte, Niisse, InsektenfraB groBer, seine Herstellung meidung des Soxhlet mit. 10 g zerkleinertes Leder werden
rascher und billiger. - Auch A. S e y m o u r - J o n e s97) mit 200 ccm Petroliither in einer gut verschloasenen Flasche
nimmt sich des Chromleders an und betant besonders, da13 unter ofterem Umschutteln 24-72 Stunden stehen gelassen.
ein richtig gegerbtes Chromleder die genannten Msngel nicht Dann werden 100 ccm abpipettiert, das Lijsungsmittel wird
verdunstet, der Ruckstand getrocknet und gewogen und das
mige.
DaB das Chromleder gegen die K ti 1t e widerstands- Gewicht mit 2 multipliziert. [Das Prinzip dieser Methode ist
fahiger ist als lohgares Leder, wird auch von anderer Seite keineswegs neu. Sie hat zwei Fehlerquellen, die sich allerbest&tigt98). Vberhaupt wirkt die U l t e beim Lagern nur dings zum Teil gegenseitig aufheben. Einmal wird durch
dann nachteilig, wenn das Leder zuviel Wasser oder zu- das Fett das Volumen des Petrolathers vermehrt, in zweiter
viel Fett enthalt. Im ersten Fall bilden sich Eiskrystalle, Linie ist beim Abpipettieren eine geringe Verdunstung des
welche das Fasergewebe sprengen, im zweiten entstehen leichtfliissigen Liisungamittels nicht zu vermeiden. Es ist
fettige Ausschwitzungen. Beim Lackleder springt der Lack, daher vorzuziehen, die erste Losung (ev. durch ein Filter)
abzugieBen und die Extraktion mit geringeren Petrolatherbei Chromlackleder weniger als beim lohgaren.
Zur I n s t a n d h a l t u n g v o n L e d e r t r e i b - mengen noch zweimal zu wiederholen. Dann geniigt eine
~
a19 24 Stunden, und man hat
r i e m e n empfiehlt ein Ungenannterg9) Abbiirsten oder Extraktionsdauer V O weniger
Abkratzen mit stumpfem Messer, Reinigen mit Seifen- oder noch den Vorteil, das entfettete Leder zur weiteren Analyse
benutzen zu konnen. D. Ref.]
89) G e m . Revue 22, 93 [1915].
E. N i h o u 11°6) bespricht Einzelheiten der S t i c I<
90) Collegium 1915, 307, nach The Leather World.
s t o f f b e s t i m m u n g im Leder.
-
-
-
91)
oe)
9 9
94)
CoIlegium 1915, 240, nach The Leather Trades Review.
D. R. P. 286 341; Angew. Chem. as, 11, 468 [1915].
D. R. P. 284605; Collegium 1915, 336.
D. R. P. 286 269; Angew. Chem. 28, 11, 460 [1915].
Collegium 1915, 217, nach The Leather World.
w) Der Gerber 41, 119 [1915].
9 9 J. Am. k a t h . Chem. Assoc. 10, 321 [1915]; Angem. Chem.
28, II, 479 [1915].
98) Collegium 1915, 315, nach Ledertechn. Rundschau.
99) Ledertechn. Rundschau 7
, 53 [1915]; Collegium 1915, 315.
96)
Angew. Chem. 1916. AnfnatEteil (
I
Bd.)
. m
Nr. 69.
Ledertechn. Rundschau 7, 82 [1915]; Collegium 1915, 427.
Ledertechn. Rundschau 7, 84 [1915]; Collegium 1915, 385.
Ledertechn. Rundschau 7, 101 [1915]; Angew. Chem. 28,
11, 480 [1915].
108) J. Am. Leath. Chem. Assoc. 10, 78 [1915]; Angew. Chem. 28,
IT, 314 [1915].
104) Collegium 1915, 433 nach J. Am. Leath. Chem. Assoc. '
105) J. Am. Leath. Chem. Assoc. 10, 187 [1915]; Angew. Chem.
28, 11, 403 [1915].
100)
101)
102)
47
290
Fahrion: Die Gerbereichemie 1915.
Bei der Analyse des lohgaren Leders bezeichnet man den
Quotienten : 100 x gebundener Gerbstoff durch Hautsubstanz als D u r c h g e r b u n g s z a h 1. W. J a m e s l o 6 )
weist darauf j hin, daB hierbei auch unlosliche organische
Substanzen, z. B. die bekannte ,,Blume" als gebundener
Gerbstoff gerechnet werden. Er schlagt daher vor, den auswaschbaren Gerbstoff nicht zu filtrieren.
Zum N a c h w e i s v o n Z e l l s t o f f a u s z u g i m
L e d e r (1914) wird letzteres nach W. M o e 11 e Go') grob
zerkleinert ,und mit heiBer alkoholischer Lauge (absoluter
Alkohol mit 10% Normallauge) in der Wirme behandelt.
Daa Filtrat wird eingedampft, der Ruckstand mit Wasser
aufgenommen, die Liisung angesauert, filtriert und nach
P r o c t e r - H i r s t gepriift. Auch N e r a d o l I1 laBt
eich in der Fliissigkeit mittels der von S t i a s n y angegebenen Reaktion (1913) nachweisen. - A p p e l i u s und
S c h m i d tloa)schneiden das Leder in kleine Wiirfel und
kochen 5-10 g rnit 100 ccm Wasser einmd auf. Das Fdtrat wird mit 25 ccm 25%iger Salzsiiure nochmals aufgekocht. Vom nunmehr klaren Filtrat werden 50 ccm rnit
20 ccm C i n c h o n i n l o s u n g (1914) und ganz wenig
Tanninlosung versetzt und nochmals ohne Umschutteln
zum Sieden erhitzt. Bei Gegenwart von Zellstoffauszug
tritt der klumpige, schwarze Niederschlag deutlich ein. Auch R. L a u f f m a n ,Ios) gibt zu, da13 man das Leder
besser nur fein zerschneidet. Dann ist aber ein Ausziehen
mit Lauge uberfliissig; heil3es Wasser geniigt, sowohl die
Anilin- als die Cinchoninreaktion treten sicher ein, wenn
Zellstoffauszug vorhanden ist.
W. J. K e 11 e ~ 1 1 0 )erhielt mit der M e t h o cl e v o n
R e h b e i n (1913) zur B e s t i m m u n g d e r S c h w e f e 1s ii u r e i m L e d e r keine guten Resultate; gegenuber
der D e n n s t e d t schen Verbrennungsmethode ist die
Substanzmenge zu hoch. - M. J a 1a d ell1) fiihrt bei der
Methode B a 1 1a n d - M a 1j e a n (1914) die Bestimmung
der Gesamtschwefelsaure in folgender Weise aus. 5 g des
mit Hilfe eines Hobels zerkleinerten und rnit Chloroform
entfetteten Leders werden mit 40 ccm 1 %iger Pottaschelosung griindlich durchtrankt, auf dem Wasserbad eingedampft, bei 110" getrocknet und alsdann im Muffelofen
bei reichlicher Luftzufuhr verascht. Die Asche wird mit
Salzsaure aufgenommen, die Kieselsiiure in ublicher Weise
entfernt und das Filtrat mit Chlorbarium gefallt. Der EinfluB des Heizgases kann vernachlassigt werden. - P. N i c o 1a r d o t112)bemangelt bei dieser Methode, daB die
Schwefelsaure etwa vorhandenen Ammoniumsulfats als
freie Schwefelsaure mit bestimmt wird. Er schlagt vor, das
entfettete Leder 3 Stunden mit Wasser auszukochen und im
filtiierten Auszug einerseits die freie S&ure zu titrieren,
andererseits die Schwefelsaure durch Chlorbarium zu fallen.
Derselbe Versuch wird gleichzeitigunter Zusatz von Bariumcarbonat ausgefiihrt; aus beiden erfahrt man die Menge der
gesamten und der freien Schwefelsaure. F r e i e r S c h w e f e l kommt nur im Zweibadchromleder vor, er kann bestimmt werden durch Ausziehen des Leders mit Chloroform
und des Verdunstungsriickstandes mit Petrollit,her. Zur
Bestimmung des Gesamtschwefels verbrennt man das Leder
in der Bombe mit uberschiissigem Sauerstoff unter 10 Atm.
Druck. - Nach R. L a u f f m a n n113) treten bei dem von
P li B 1e r vorgeschlagenen D i a 1 y s i e r v e r f a h r e n
(1914) geringe Mengen freier organischer Saure uberhaupt
nicht in Erscheinung. Am besten dialysiert man 10
bis 20 g des in Wiirfelchen zerschnittenen Ledera unmittelbar. Wenn das Dialysat sauer reagiert, so wird eine weitere
up
108)
J. Am. Leath. Chem. Assoc. 10, 316 [1915]; Collegium 1915,
352.
Collegium 1915, 99; Angew. Chem. 28, 11, 315 /1915].
Collegium 1915, 80.
109) Ledertechn. Rundschau 7, 121 [1915]; Collegium 1915, 227;
Angew. Chem. 28,11,403 [1915].
110) J. Am. Leath. Chem. Assoc. 9. 340 r19141:
Aneew.
Chem. 28.
.
"
11, 31'[1915].
1111 Collegium 1915. 385. nach Le Cub.
1 1 2 j Colle&m 1915,'384,nach Le Cuir; vgl. Angew. Chem. 28, II,
87 [1915].
113) Ledertechn. Rundschau 7, 105 [1915]; Collegium 1915, 292;
Angew. Chem. 28,II, 315 [1915].
107)
108)
~
A.
~I
Probe Leder zur Verjagung fluchtiger Sauren 8-Stunden bei
60-65" getrocknet und dann dialysiert. Wenn auch dieses
Dialysat sauer reagiert, wird eine weitere Probe Leder
mit heil3em Wasser ausgezogen und der Auszug auf Schwefelsaure und Chlor gepriift. Sind sie vorhanden, so wird
noch auf O x a l s a u r e geprfift. 1st diese zugegen, so
kann die Rage, ob das Leder freie Mineraleaure enthiilt,
uberhaupt nicht entschieden werden. 1st keine Oxalsaure
zugegen, so wird auf M i 1 c h s ii, u r e gepriift (vgl. unter 111).
1st diese vorhanden, so kann der Nachweis freier Mineralsaure wiederum nicht erbracht werden. Wenn aber keine
Milchsaure vorhanden ist, so mu13 das! Leder f r e i e
M i n e r a 1 s ii u r e enthalten, und diese kann alsdann
auch nach dem Vorschlag von P 13 1 e r quantitativ bestimmt werden.
V e i t c h und R o g e r s114) weisen darauf hin, daB man
bei der Z u . c k e r b e s t i m m u n g i m L e d e r keinen
zu grol3en UberschuB an basischem Bleiacetat zur Beseitigung des Gerbstoffs anwenden darf. Sie verteidigen zwar
die amerikanische Methode (1913), geben aber zu, dai3 bei
manchen Ledern die alte v. S c h r o d e r s c h e Methode
vorteilhafter ist.
IX. H i l f s s t o f f e , A b f a l l s t o f f e.
Durch ubereinstimmeiide, experimentell begriindete
Gutachten von J. P P D l e r , Freiberg, L. A l l e n ,
Hamburg, D u n b a r , Hamburg, W. M o e 11e r , Hamburg erscheint einwandfrei bewiesen115), daB bei der
Gerbung von V. a c h e 1 e d e r eine Verunreinigung des
Gebrauchswassers durch Kaliendlaugen schwere Schadigungen hervorrufen kann. Sie auBern sich vorwiegend in
einem eigentiimlichen, harten Griff, in einer ungiinstigen
Farbe und in einer anscheinend ungenugenden Durchgerbung des Leders.
A. R o t h1l6) bespricht die Ergebnisse von Versuchen,
welche auf Veranlassung des Gesundheitsamtes des Staates
Massachusetts unter seiner Mitwirkung in einer groBen amerikanischen Gerberei beziiglich der B e h a n d 1u n g u n d
V e r w e r t u n g d e r G e r b e r e i a b w i i s s e r ausgefuhrt wurden.
Auch die Mitteilungen von C. C. S m o o t 1 1 7 ) uber die
Verarbeitung und Nutzbarmachung der Gerbereiabfalle
beruhen auf Betriebserfahrungen, und zwar in einer kleineren
Sohlledergerberei.
Aus g e b r a u c h t e n , a l k a l i s c h e n b s c h e r b r u h e n wird nach J. H e 1f r i c h118) durch T o n e r d e s u 1f a t ein stickstoffhaltiger Schlamm gefkllt, der, auf
15% Wasser gebracht, als Diingemittel verwendbar ist.
M. F i s c h e 1 9 behandelt das L e i m 1e d e r vor
demkKalken mit Salzsaure oder Schwefelsaure, um eine
Verhiirtung zu verhuten.
AnlaBlich der Gerbstoffknappheit war auch vorgeschlagen worden, den G e r b s t o f f a u s l o h g a r e n L e d e r a b f ii 11 e n wieder zu gewinnen. Nach W. M o e 11 e r
fallt aber dieser regenerierte Gerbstoff seiner Menge nach
kaum ins Gewicht und hat aul3erdem nur eine sehr geringe
Gerbekraft.
W. Prager12O) hat sein Verfahren zur E n t g e r b u n g v o n C h r o m l e d e r a b f a l l e n mit Hilfe saurer
Salze (1913) dadurch verbessert, dal3 er zur Erzielung
hellerer Gerbbriihen den Losungen obiger Salze reduzierend
wirkende Substanzen, z. B. schweflige S&ure zusetzt.
[A. 64.1
114)
J. Am. Leath. Chem. Assoc. 9,421 [1915]; Angew. Chem. 28,
II, 154 [1915].
.
116) Vel. .
'%1 M o e 1 1 e r Kaliabwiisser und Lederindustrie.
Colleg~um"1915,373.
116) J. Am. Leath. Chem. Assoc. 9, 512 [1914]; Collegium 1915,
241; Angew. Chem. 28, 11, 316 [1915].
1 1 7 ) J. Am. Leath. Chem. Assoc. 9, 523 [1914]; Collegium 1915,
277; Angew. Chem. 28, 11, 316 [1915].
118) J. Am. Leath. Chem. Assoc. 10, 367 [1915]; Collegium 1915,
426; Aneew. Chem. 28, 11, 648 r19151.
119) D. R. P. 278 110;~Collegium-1915, 39.
1 2 0 ) D. R. P. 287 288, Zus. zu D. R. P. 257 286; Angem. Chem. 28,
11, 648 [1915].
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