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Die Liebig-Whler-Feier in Darmstadt am 7. Juli 1928. Besuch des Liebig-Museums in Gieen

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Es war nicht ganz einfach, einwandfrei den Verlauf dieser Dreisalzkurven festzustellen, weil ein
mehrfacher Wechsel der Bodenkorper eintritt. An die
Dreisalzkurven sind in der Abbiidung die zugehorigen
Salze in romischen Zahlen vermerkt. Die Dreisalzkurven 11, IIIa und IVa beziehen sich nach den vorhergehendeii Untersuchungen auf die Salze Chlorkalium,
Chloraminon und Kaliumnitrat, die beiden letzten bezogen auf die bei niedriger Temperatur stabileri Formen.
Im Punkte c f tritt eine Anderung ein durch Auftreteri
eines anderen Bodenkorpers. Der Punkt G entspricht
einer Viersalzlosung. Von ihm aus erstrecken sich nach
den verschiedenen Temperaturen hin vier ,Dreisalzkurven, von denen eine, namlich die Dreisalzkurve GH,
nach dem Schmelzpunkt H hinlauft. Die andere Dreisalzkurve AC, die sich auf die Bodenkorper la, IIIa und IVn
bezieht, erfahrt ini Viersalzpunkte C eine Veranderung:
im Punkte D eine weitere urid in1 Punkte E trifft sie
dann die von G ausgehende Dreisalzkurve. Von hier
verlauft sie bis zu den1 Schmelzpunkt F. Von jedem
Viersalzpunkt erstrecken sich vier Dreisalzkurven. Diese
Viersalzpunkte sind invariant0 Punkte. Die vier Salze
sind in1 Gleichgewicht mit Mutterlauge und Dampf, so
daD also sechs Phasen gleichzeitig vorhanden sind, die
bei einem Vierstoffsystem, wie es in der Auflosung
eines reziproken Salzes in Wasser vorliegt, nur bei konstantem Druck und konstanter Temperatur bestandig
sind. Aus Abb. 14 endlich ist die Abb. 15 konstruiert
worden, die ein raumliches Bild der Gleichgewichte angibt, wenn die Temperatur als Ordinate gewahlt ist.
Die Darstellung ist in sogenannter Militarperspektive
gemacht. Sie zeigt, wie sich fur die einzelnen Formen
der Salze kastennrtige Gebilde ergeben, die sich von 0"
an, bis zu den Schinelztemperaturen in der gezeichneten
Art verschieben. Man ist so imstande, das Verhalteii
von 00 bis zu den Schmelzpunkten qualitativ und quantitativ genau zu verfolgen.
Diese Untersuchung ist wohl die erste, die die
Loslichkeit eines reziproken Salzes von Ou bia zu den
Schmelzen verfolgt. Sie ist dadurch verhaltnismaijig
einfach, dai3 keine Hydrate und Doppelsalze auftreten,
wird aber durch die vielen verschiedenen Formen der
Salze kompliziert. Auch die Loslichkeitsuntersuchung
reziproker Salzpaare mit Hydraten und Doppelsalzen
llijt sich in gleicher Weise angeben. Ininier erhalt man
ein vierseitiges Prisma, das die Veranderungen des
Mischungsverhaltnisses niit der Ternperatur arigibt uiid
eine zugehorige Loslichkeitsbeziehung von Wassergehalt
zur Temperatur.
[A. 167.1
VERSAMMLUNGSBERICHTE
L i e b i g s das Studiuni der Cheniie ergriffen hatten, wie
A. W. H o f m a n n , S t r e c k e r , H e u m a n n , K n a p p ,
S c h o r 1 e m m e r , V o 1h a r d u. a. m., untergebracht werden.
Ilariiber hinaus sol1 das L i e b i g - Haus mit einem spater anzuschliefienden L i e b i g - Museum die Entwicklung aller derjenigen Industrien, welche von L i e b i g begrundet oder entscheidend beeinflufit wurden, wie die Stickstoff-, Kali- und
Phosphordunger-Industrie, die pharniazeutische, die Spiegelund Fleischextrakt- und Ernahrungsindustrie, dann die Wirkungen seiner Fiitterungslehre, aufzeigen. Dieses L i e b i g Haus wird als Stiftung der chemischen Industrie und der
deutschen Chemiker neu entstehen und soll im Juli 1928 eingeweiht werden, dem groijen Forscher zuni Dank, den
lebenden und den kiinftigen Generationen zur Nacheiferung."
Die Liebig-Wohler-Feier in Darmsfadt
am 7. Juli 1928.
Besuch d e s Liebig-Museums in GieRen.
Etwa vor Jahresfrist, in der neunten Hauptversammlurig
der Vereinigung vou Freunden der Technischen Hochschule
Darmstadt, E. V. (Ernst-Ludwigs-Hochschul-Gesellschau),a111
25. Juni 1927, sagte der Vorsitzende, Prof. Dr. E. B e r l , bei
Gelegenheit der Einweihung des K e k u 16 - Zimmersi) :
,,Der Nochschulgesellschait gereicht es zur ganz besonderen
Freude, an der Errichtung des K e k u 1 E - Zirnmersz) werktiitigeii
Anteil genommen zu haben. In unserer schnellebigen Zeit vergiijt
man zu leicht das Wirken und die Bedeutung groijer Miinner.
Sporterfolge gelten heute vie1 mehr als wissenschaftliche Verdienste, welche aber nicht fur den Augenblick geboren sind,
sondern, wie die Arbeiten August K e k u 1 6 s erweisen, eineni
Jahrhundert ihren Stenipel aufdrucken, und einem Lande, das
wie Deutschland rechtzeitig die technischen Folgerungen aus
diesen Forschungen gezogen hat, zu Wohlstand und EinfluB verhelfen. Wir hielten es fur notwendig, wiederum zur Verinnerlichung der alteren Zeit zuruckzukehren, und einen ersten
Schritt zu tun in der Errichtung von Ehrenstatten fur unsere
groijen Landsleute. Der zweite Schritt wird im nachsten Jahre
getan werden. Er ist bereits vorbereitet. Es handelt sich uin
die Wiedererrichtung des Gebnrtshauses L ie b i g s . . ."
Dieser Plan ging seiner Erfiillung entgegen, als vor einiger
Zeit folgender Aufruf veroffentlicht wurde: ,,Das in der Altstadt Darmstadts befindliche Geburtshaus L i e b i g s , das 192c
wegen Baufalligkeit niedergelegt werden mufite, soll unter Beniitzung der vorhandenen Materialien wiederum neu erstehen. ES
soll durch seine innereEinrichtung ein Spiegelbild eines einfachen
Biirgerhauses zu Beginn des 19. Jahrhunderts geben. In ihm
sollen noch vorhandene Erinnerungen an den groijen Chemiker
und an andere hessische Chemiker, welche unter dem Einfluij
1) Vgl. Niederschrift iiber die neunte Hauptversammlung
der Vereinigung von Freunden der Technischen Hochschule
Darinstadt, E. Bekkersche Buchdruckerei, Darmstadt, S. 35.
2 ) Hierzu wird der Schriftleitung mitgeteilt,
daij ein im
Kekulk-Zimmer befindliches Collegheft von August Kekule
uach Vorlesungen von Liebig aus dem Jahre 1848 von der Agfa
in nieisterhafter Weise reproduziert wurde, und daij die wenigen
Exemplare dieser bibliophilen Seltenheit je zu eineni Mindestpreis von 100,- M. zugunsten der Liebig-Haus-Stiftung verkauft werden.
Bei der Ausfiihrung dieses Programmes hat der ArbeitsausschuB, bestehend aus E. B e r 1, K. M e r c k , Biirgernieister
l3 u x b a u m nnd H. R o e fi 1e r , unter Fiihrung des zuerst Genaunten Mustergultiges geleistet. Eine Feier von besonderer
Ychonheit und Harmonie vereinigte etwa 200 Teilnehmer, deren
Dank den1 Arbeitsausschui3 gewii3 ist. Am Abend von Freitag, dem 6. Juli, war man Gast des
Ausschusses
zur
Wiederherstellung
des
L i e b i g - H a u s e s im Hotel Traube. K. M e r c k sprach
herzliche Worte der BegriiBung. Am nachsten Morgen,
urn 9.30 Uhr, fand in der 0 t t o - B e r n d t - Halle der Technischen Hochschule die akademische Feier statt. Sie wurde
eroffnet mit folgender B e g r i i B u n g s a n s p r a c h e d e s
V o r s i t z e n d e n d e r V e r e i n i g u n g v o n F r e 11 n d e 11
d e r T e c h n i s c h e n Hochschule Darmstadt, ErnstLudwigs-Hochschul-Gesellschaft,
P r o f . D r . E. B e r l :
,,Ehe vor 100 Jahren die innige Freundschaft zwischen
L i e b i g und W o h 1 e r begann, war ihr gegenseitiger Verkehr
durch Fehler und MiBverstandnisse getriibt gewesen. Nach
deren Beseitigung aber bliihte eine Freundschaft auf, welche
diese beiden Geistesheroen fast ein halbes Jahrhundert aneinanderschloij. Sollte es nicht moglich sein, hieraus zu lernen?
Sollten wir uns nicht bemiihen, Mifiverstandnisse zwischen
Personen und Volkern zu beseitigen und Freundschaft an Stelle
der Gegnerschaft zu setzen?
L i e b i g und W o h 1e r , diese beiden kongenialeri
Manner, obgleich oder weil grundsatzlich in ihren Anlagell
verschieden, waren vom friihen Mannesalter bis zum Tode in
unausloschlicher Freundschaft verbunden. Der vierte Brief
von L i e b i g s chemischen Briefen ist mit folgendem schonen
Ausspruch eingeleitet :
Zeittchr. Ifat mura.
Chemle. 41. J. 1-
1
VenammluPgsberichte
,,UnzBhlige Keime des geistigen Lebens erfIUlen den
Weltenraum. Aber nur in einzelnen seltenen Geistern finden
sie den Boden zu ihrer Entwicklung. In ihnen wird die Idee,
von der niemand wei0, von wo sie stammt, in der schaffenden
Tat lebendig."
FUr jeden der beiden groBen Manner gilt dieses Wort
L i e b i gs.
Vor 125 Jahren wurde Justus L i e b i g in dieser Stadt
geboren. 100 Jahre sind vergangen, seit W 6 h 1 e r durch Herstellung des Harnstoffs aus sozusagen unorganischem Material
die Vorstellung einer wirkenden Lebenskraft beseitigte. Berufenster Mund wird splter d i e ungeheure Bedeutung der
1,ebenstHtigkeit dieser beiden entgegengesetzt veranlagten
Miinner schildern.
,,Wlhrend bei mir" - so sagt L i e b i g in seinen kurzen
Lebenserinnerungen - ,,die Neigung vorwaltet, die Ahnlichkeiten in dem Verhalten der Ktirper oder ihrer Verbindungen
aufzusuchen, besaB e r (W 6 h 1 e r) ein unvergleichliches Wahrnehmungsvermagen fur Verschiedenheiten ; eine Schllrfe der
Reobachtung vereinigte sich in ihm mit einer klhstlerischen
Geschicklichkeit und einer Genialitiit in der Auffindung neuer
Mittel und Wege der Untersuchung oder Analyse, wie sie
wenige Menschen besitzen."
Mit diesen kennzeichnenden Worten L i e b i g s aind in
untibertrefflicher Weise die Geistesrichtung beider Heroen und
gleichzeitig damit auch die beiden grundslltzlichen Wege,
welche die wissenschaftliche Forschung ein.schlllgt, geschildert.
Als das K e k u l 6 - Z i m m e r bei der vorjlhrigen Hauptversammlung der Vereinigung von Freunden der Technischen
Hochschule Darmstadt dank der Munifizenz des Herrn Geheimrats Dr. A n s c h I!t z und Kammerherrn Dr.K e k u l e v o n
S t r a d o n i t z , welche wir unter den Erschienenen begriithn
diirfen, einpeweiht werden konnte, wurde von dem Plane gesprochen, zur Erinnerung an die GroDtaten L i e b i gs dessen
(ieburtshaus aufzubauen und es nebst der Schilderung eines
kleinbnrgerlichen Milieus zu L i e b i g s Geburtszeit auszubauen
als Liebig-Museum.
G r o b Manner sterben nicht, nur was k6rperlich an ihnen
ist. last sich auf. Ihre Ideen aber Rind unsterblich und wirken
a e i t e r fort. Hiervon sol1 das L i e b i g - H a u s Kunde geben,
das Rich weiter entwickeln 4011, gleich wie die Ideen L i e b i g s ,
die seit der Zeit, in der sie ausgesprochen worden sind, eine
ungeahnte Entwicklung und Ausbreitung gefunden haben.
Zu dem Plane, eine I. i e b i g - Feier in Darmstadt zu veranstalten, fUde Herr H a b e r die Anregung, diese Feier 211
einer L i e b i g - W 6 h 1 e r Feier zu erweitern. Wir sincl
Herrn H a b e r , wie fiir so vieles, auch hierftlr herzlich dankbar. Diem Anregung wurde in dankenswertester Weise von
der Deutschen Chemischen Gesellschaft, von ihrem damaligen
Prlsidenten, Herrn Kollegen S c h 1 e n k , ihrem Generalsekretilr, Herrn M a r c k w a 1 d , aufgenommen, und so kbnnen
wir heute eine chemische Feier begehen, zu der die drei
gr6Bten chemischen Gesellschaften Deutschlands und das Darnistiidter Arbeitskomitee eingeladen haben.
Trh habe die Ehre, Mitglieder der Familie L i e b i g und
Mitglieder der Familie W 8 h 1 e r hier auf das herzlichste willkonimen heiDen zu ktinnen. Es ist mir eine besondere Freude,
die Redner des heutigen Tages, Herrn H a b e r . Triiger des
Nobelpreises, und Herrn W a h 1 der sozusagen in der letzten
Stunde fur den leider erkrankten Presidenten der Deutschen
Chemischen Gesellschaft. Herrn Kollegen W i e 1 a n d , den
Festvortrag Uber ,,W 6 h 1 e r" Ubernommen hat, zu beqrUBen.
Wir sind erfreut und geehrt. daB eine Reihe ausllndischer Gesellschaften ihre Priisidenten zur TA i e b i g - W 6 h l e. r - Feier
entsandt haben, um damit damutun, wie eng verbunden die
Wissenschaft aller U n d e r i d . Ich begrUBe Herrn Prof.
T h a r p e , den Prilsidenten der Chemical Society of London.
I am glad to thank you for all your interest and the
kindness you have shown towards the L i e b i g - W 6 h I e r
memorial. L i e h i g has found the support greatest of his
ideaR in England. Members of the Muspratt family of Liverpool and others of your countrymen have been among his
nearest friends.
Wir verdanken das wundervolle Trautscholdsche Bild.
welchL i e b i g seiner Pflegetochter Emma Muspratt
schenkte, die er von schwersfer Krankheit errettete, der GUfe
der Chemical Society o! London und ihres van uns 'hoch-
-
.
925
--.
geschatzten Prbidenten. Das sch6ne Bild W 6 h 1e r s wurde
uns in dankenswertester Weise von der Deutschen Chemischen
Gesellschaft liberlassen.
Es ist rnir eine groDe Freude, die Vertreter der .SociBtC.
chimique d e France sowie der Academie d'Agriculture und der
Societ6 d e Chiniie Industrielle, die Herren B e r t r a n d voni
Institut Pasteur und Herrn Prlsidenten G a 1 I begriiBen zu
konnen.
Messieurs! Vous avez eu la bonte d e venir h Darmstadt
pour reprbsenter vos socibt6s. L i e b i g , qui a fait sea etudes
II Paris sous la direction d e Gay-Lussac, Thenard, Dulong, Biot.
Arago, Clement-Desormes et d'autres grands savants frantpir,
n eu toujours un profond sentiment d e gratitude envers 8es
maitree, qui ont 616 les grands reprbentants d e notre belle
science.
Wir begrUBen in Herrn Prof. R e e s e den Vertreter der
American Chemical Society. Wir sehen unter uns Herrn
0 R a k a , den Vertreter der Japanischen Chemischen Omellschaft. Wir begrllBen in Herrn V e i b e l den Vertreter der
Diinischen Chemischen Gesellschaft, in Herrn Q a r r i a R a n u s den Abgesandten der Spanischen, in Herrn B a c k e r
den Delegierten der Holllndischen Chemischen Gesellschafl.
Schweden, das Land des groBen B e r z e 1i u s , hat Herrn
Kollegen v o n E 11 1 e r , die Schweiz Herrn Kollegen K a r r e r
hierher gesendet. Herr KOlleg8 K 1 e m e n c vertritt den
Verein Okterreichischer Chemiker.
Eine besondere Ehre und Freude ist es mir, den Vorcitzenden der Justus - L i e b i g - Gesellschaft zur Fbrderung des
chemischen IJnterrichtes, Herrn Geheimrat D u i s b e r g, zu begrliBen. Tch sehe ferner unter den Erschieiienen mehrere
Trlger der L i e b i g - Qedenkmllnze, welche gewiesermaflen
zu den Unsrigen ziihlen.
I n Herrn Geheimrat H a b e r und Herrn Dr. 1, u c a s v o n
(: r a n a c h begrUthn wir die Vertreter der Kaiser WilhelmGesellschaft zur Fbrderung der Wissenschafl.
Die eingeladenen Reichsminister sind durch den RegierungRwechsel am Erscheinen verhindert. Tch habe die Ehre, die Verlreter der Hessischen Regierung, an ihrer Spitze Herrn StaatRprlsidenten A d e 1 u n g, begriiBen zu k6nnen. Die Hessische Regierung liiBt es sich zur vornehmen Pflicht gereichen, die Wissenschaft nach MaBgabe der vorhandenen Mittel in weitestem
MaBe zu unterstlitzen. Der R e k t o r d e r b e f r e u n d e t e n
L a n d o s - U n i v e r s i t i l t G i e f 3 e n ist zu unserer Freude
zu unserer Feier erschienen.
Die Stadt Darmstadt,
welche mit uns diese Feier veranstaltet, hat Herrn
Oberbiirgermeister Dr. G 1 ii s s i n g und die Burgermeister
Herren
Ruxbaum
iind
Ritzert
entsendet. Trh begrtiBe ferner die Vertreter einer Reihe von
staatlichen, industriellen und kulturellen Organisationen, die
Mitglieder der Vereinigung von Freunden der Technischen
Hochschule narmsladt und schlieBlich unsere Fachgenwen.
welehe teilneise aus a e i t e r Ferne gekommen sind, um mit uns
der beiden Dioskuren L i e b i g und W ti h 1 e r zu gedenken.
Tm wcileren Verlauf unserer Feier wird das T, i e b i g TTaun eingeweiht werdcn. Seiner Kbniglichan Hoheit. dem
friiheren G r a f 3 h e r z o g v o n H e s s e n , i d der ergebenste
Dank zu sagen fIlr die oberlassung des Briefwechsels von
L i e b i g iind S c h l t - i e r m a c h e r , ebenm dem H e s s .
S t n a t s a r c h i v und der L a n d e s b i b l i o t h e k fIir die
Oberlassung wertroller Schriffen und Rocher.
Es ist mir ein RedUrfnis, den groRen industriellen llnternehniungen zu danken. Wir sind zu Dank verpflichtet der LO.
F a r b e n i n d u s t r i e , deren Vorsitzender ini Aufdchtsrate,
Herr Geh. Rat Dr. D u i s b e r g , ferner die Aufsiehtsratsmifglieder, die Herren Geh. Rat 0 p p e n h e i m und Cieh. Rat
v o n W e i n b e r g . uns die Ehre ihrer Anwesenheit geben.
Wir begrullen von dieser machtigen Vereinigung norh mehrere
leilende Direkloren. Zu unserem groBen Redauern muB Herr
Geheimrat B o s c h , der Voroitzende des Direktoriums, a m
GesundheitsrIlcksichten diesar Feier fernbleiben.
DaR K a l i s y n d i k a t , die K a l k s t i c k s t o f f i n d u s t r i e , welche durch unseren Ehrendoktor, Herrn Dr. F r a n k
hier vertreten ist, die A m m o n i a k - V e r k a u f s v e r e i n i R u n g , die L i e b i g F l e i s c h e x t r a k t - C o m p a n i e , die
Internationale Vereinigung der Superphoap h a t - F a b r i k a n t e n , die D ti n g e r k o r p o r a t 1 o n e,n
und vor allem die Firma M e r c k haben sich bei der EinricQtung
des Liebig-Hausea ilberaus verdient geniacht. Der Stadt Darmstadt, ihrem Oberblirgermeister, lierrn Dr. (i 1 a s 8 i n g , und
bt-sonders Iferrn Diirgermeister R u x b a u ni sowie seinem
Mitarbeiter, Hewn Stadtbaurat H o f f ni a n n , den Herren
Dr. M u I 1 6 r und F i s e h e r , ferner einer groDen Reihe hier
nirtit im einzelnen genannter Donatoren sei der innigste Dank
ausgesprochen.
.So moge denn die Feier vor sic11 gelieii, zuni Gedenkcn und
zum .Dank an die grol3en Forscher
L i e b i g untl W o h 1 e r."
Slnalspriisitlri~t.4 tl r 1 u n g :
.,Die Iicssische IIeimat feiert mil Stolz dau Gedachtnis
zaeier ihrer bederitendsten Sohne: Jiistun von L i e b i g und
Friedrit4i W 6 11 1e r. Das Gebiirtshaus des groaen Forsrhers
Liebig is1 in Darmslndt iieii rrstellt untl sol1 eine Sttitte sein
tler Erittiierung itrtd Aiireguttg flir kommende Gewhlechter.
Aber ciiin Feier fiir . J i i s l u ~ von Liebig und Friedrirh WBhler
itnti ihr Wirken ist Iirine interne Aiigelegetiheit rler ITeimat.
sontlcrii eine solche aller Kulluriiationen. Und so begrilBeii
wir heutc! hier mit herzlicher Freutle Vertreter der Wisaen%:haft atis der ganzen Welt, die gekommen sind, der groflen
Gelehrten zu gedenken.
Die Wisaenschaft kennt keinc 1.nndesgrenzen.
Der
forsvhende Gelst, der din geheimeri Krilfte und Gesetze
tler Natur entriltRelt rind sie in den Dienst der Mensrhheit
zwingt, erhebt sich und sein Wirken iiber alle Staatlirhkeit und
itationale Regrenzung hinaun untl wird Eigentum der
ganxen Welt. Das lleimatland zwar, dem er entuprosuen,
tlas Volk, dent e r angvhort, ist und bleibt die Quelle seiner
Kraft, aus dessen Eigenarl r r seinc Energie schbpft. Sein Werk
nber gehort der gesamten Kiiltiirwelt. Die Grollen im Reiche
tler WiPsensrhaft und Technik sind die ragenden T.eurhtlilrmr,
iiarh clrnrn tlie Volker der Erde - ob sie nollrn oder nicht ihrn Wege orientieren mussen, und die ihnen die innere Verbuntlenheit nllen Menschentums zum Rewul3lsein bringen.
Justus von Liebig wiirde in seiner Geburtsstadt narmstadt
hereits i i n jugendlichen Alter yon klugen Eltern, y t e n Freundm
irnd riner einsichtigen Regierung groBe FSrderung zuteil. Tn
Paris Iioltc e r sirh bei bedeutenden Chemikern Rein grundlegendrs Wissen und eine Falle fruchtbringender Anregungen.
Mit den nnmhaftesten Fnrhgelehrten aller Lander unterhielt
cr untl w i n Freund Wohler s t e b einen lebhaften Gedankennustnnwh.
Die internationalen neziehungen. die damals
die Farhwelt verbanden. waren recht innipc und brarhten der
Wissrnsrhaft und, von ihr nusgehend. der Tndustrie eine hohe
Illfile. Insbesondere aber war das Hessenland, an deanen
1,andesuniversitlit GieBen Liebig lehrte. iahrzehntelang der
Mittelpunkt der rhemischen Wissensrhaft. Eine grol3e Anzahl
dcr bedeutenden Srhlller Liebigs sind Hessen.
Rs ist nirht meine Aufgabe, im einzelnen zu srhildern, was
die Forschungen L i e b i p und Wbhlers der Welt bedeuten. Es
lirgt aber for uns. die wir noch nicht die Srhrecken des ents4zlichsten nller Kriege nberwunden haben. nahe, daran zu
tlenken, welche unpeheuren Werke des Todes und der Vernichtung sich nus den Forschungen der rhemischen Wissensrhntt ersinnen lassen; wie die bisher unbeknnnten, wohltfitigen
Kriiftn der Natur, wio die Erfindungen der Technik dazu mil3hraucht n c r d e n kbnnen. Unheil untl Zerstarung zu verbreiten
rind T,eben und Kultur zu erstirken. Wie tlagepen die Olemic,
wie keine nndere Wissenschaft, imstande ist, der Mensrhheit
unendlichen Segen zu stiften tind t e b e n und Gedeihen zii
vervfelfarhen.
Liebig und Wbhler haben der Welt GrbDteu gegebeii.
Ohno ihr Werk konnte die Volkswirtsrhaft in ihrem
heutigen Ausma%e nicht bestehen, ohne das Ergebnis der
Forschungrn Liebigs konnte der Landwirt seinen Feldern nicht
den Ertrag abgewinnen, den c r erzielt, ohne Liebigs Fonrhungen
lciinnte der Roden nirht alle Mensrhen ernflhren, ohne sie w h e n
unziihlige Menschen frUhem Siechtum verfallen.
So war Liebig einer der grbl3ten Wohlttiter, dessen Namen
die Menschheit noch in den fernsten Tagen segnen a i r d .
Es folgten Ansprachen des Oberbilrgernieisters Dr. G 1 l s s i n g a n d des Rektors der Technischen Hochschule, Prof.
Dr. E. K a m m e r.
'
Ilofrd Prof. Dr. W. S c h 1 e ti k sprat-h i i i i Namen der
1)eutschen C'hetnischen Gesellschaft, d r s Vereins deulscher
('heniiker und der Bunseiigeeell~chaftdie Freude dariiber RUP,
dal3 die Darmstldter Kollegen die genannlrri Gesellsrhaftrn zri
Mitveranstaltrrn utid dadurch das Fest ZII eineni solrhen dcr
ganzen cheniischen Welt in Deulsrhland gemwht haberi. I+
ilnnkte dern ArbeitsausschuD zur Wieclerlierslellriiig des LiebigIIauses in Darmstadt fIir die Hingebuiig untl Ilnisirhl, mil
welrher dieser Aussehul3 alle Vorbereitungen getroffen hiit.
Der Priisicient der Chemical Society of London, ProO. Dr.
R. T h o r p P , verlas nach kurzer deritsrhrr IlrgriiBiitig rim.
rnglisrhe Danliadresse:
<The Chcmirnl Socie/!r
lo
(;prmiin Chemical Sncidy, 7'kr .4raorin/ioti i>f f ; p r n i n t t
Chemialn, The Ricnsen Sociely, nnd 7'hr Ihirnizlndt I,ipbi!/
'/'/if!
Il01cae Cnmmillpc.
We, tho President, Council, and Fellows or tlic ('hemiciil
Society, offer to our German ('ollecigiies our sitirerest rongrtilirlations on the aitspicious orrasioii ol' the Liebig-W'bhlei
celebrations at Darmetadt and Gieflrn.
The great names of Liebig and Wiihlcr are known m i l l
revered throughout the civilized world as the founders of
Organic Cheniistry. 'The debt whir11 Iiuntanily owes to .lustrts
Liebig. the pioneer of ngrirulturitl rlirmislry and of tlie employment of artificial fertilizers in the riiltivation of the soil. ran
not be over-estimated. We in England owe lo him tlie i ( k w
which inspired the great work of 1,nwes :iml Gilbert a1
Rothanisted. The labours of the rheinist in supplying artifirinl
fertilizers to the farniers are of fundaniental iinportance to-day.
since without them prosperity would decline aiid famine Rooti
fare the vast and ever-growing popiilation of t h e world.
We welcome with the liveliest satisfarlion Itre preservntioii
airid restoration of the house in Darmstadt where 1,iehig was
born. It will become one of the holy plares of our srienre,
whirh all chemists will visit.
Who can think of Liebig without rerallinp the name of his
great collaborator, Wohler? And who ran think of Wbhler
without recalling that it was he who first demonstrated thc
power of man to rival the operations of nature? Physiology.
Rimhemistry, Chemotherapy and Medicine, as we itnderstand
these sciences to-day, became possible only after the work of
Wtjhler, who thus transcended Hipporratm and Galen and madr
Chemical Scienre the corner stone of the edifire of Life.
The ro-operation of tiebig and Wbhler. who, heginniw :I<
rivals. won became friends and rollaboralors, forms one of t h o
happiest examples of good sense and just partnership k n o w
in srienre. In common with rheniists troiiphout the world w
of the Chemiral Sorietp unite in wishing our German fellow
scientists a very happy and surcessful meeting at Darmsladl.
Signed on behalf of the Chemiral Society.
T. Plater Pricr. Treasurer.
Evelyn Thorpe, President.
C . A. Gibson, T. S. Moore,
Perretnrirs.
F. G. Donnnn. Foreign Secretary.
(Stempel) :
Chemical Society.
Ccaled in Council this Twenty-First Day of J u i i c .
One Thousnntl Nine IIundred and Tn'cnty-Eight n
Pro:. Gabriel I3 e r t r a n tl vcrlas folgentlc zaei .4tlressrn:
t<.ldressr prcJsrnl6e nil iiom de In FPt1Crntio;i nalionnlr rlcs
soci@lr:sckimiques de France.
Entretenir le culte d e ceux qui se sont rdv6li.a comme des
tvuitres et dont I'muvrc n et6 profitable il l'huntnnitd n'est pa.
swlement payer il leur memoire un jusle tribut de recoilnnissanre, c'est aitssi exalter leur esrniplc rt rnpendrer, par lii.
tle nouvclles et utilcs vorations.
Les chiiiiietes alleniands et, iivec cux, les chiniistcs t l i i
nionde entier l'ont compris en Tenant inangurer, d'une ninnii.rt.
solennelle, la maison dans latluelle naquit .Justus Liebig.
L'oeuvre d e ce savant illustre a Bt6 immense, par I'btendue
et par la portbe: il u transform6 la chimie, l'agriculture et la
physiologie; il a eclair6 d'un magnifique M a t le domaine de la
philoeophie naturelle; il a mis A la disposition des hommes des
reasources insoupqonnbees d e bien-We.
En ui1 demi-n&Ie, c'est-Mire depuis I'ann6e 1823 05 il
public' son prcniier travail sup l'ncide fulminique, exCcut6
clans Ic lnbornloirr tlc Quesnevillc 5 Paris. jusqu'h sa mort,
siirvciiiio :I 3Iunic:h I'II 187.7, 1, i c b i g n concu rt r6n1isiS. nvrp
iinn rnrc innitrise, iinr suite ininterronipue de reninrquablcs
tl~caiivrrtrs, Ilic'oriqiics ou prntiques; il n perfectionnd I'nnnlysc
61Cmeiilnire, modific! d'unc hcon dbcisive In notion des rndicnux,
tVi~bli sur tles tspbrienres nombreuses relle des acides polyhasiques; il a fond4 h Girssen un lahorntoire d'enseigncnicnt
d'oh est sorlie line IPgion tfe vhirnistes cc'1Pbres; il n rr6E des
iiitliistrics; il :I edifib, enfiii. sur des bases originales et solidea,
t-cs admirable; nioiiuments scientifiques et IittCraires qiii sont
ses ouvraqes fondamentnux et ses lettres sur les applirations dr
la rhimio A I';igrirulture, h In physiologie et h la patholofie.
('onme PrEsident d e la Fhdhration nationnle des Soci4tfis
t,hiiiiiqucs de nion pays ct comme dF1CguuB d e In Soeibte
t~himiqric do France, j'npporte A In mimoire immortelle de
1, i o b i g et A velle d e son ins6parable nmi et rollabornteur
W 6111 c r tlui renlisn, il y a juste Iin siPt-le, In premiPrr
s y n t h h e d'iiii prinripc orgnnique naturel. le t6moip;nngc
r~'ndiiiirntion et dr rcrannnissnnre des rhimistes frnnynis.m
;I
~~:ltlrrn.sc
d c I':lcndi~mir d'Agric~rllitrsde Frcrnrc.
1hiis sn sP;inrc t l i i 80 juin 1928. l':\radt!mie
d'llgrirulturc
I l ~ . I:r:iiirc n npprouve B I'unnnimitc I'ndresse suivnnte:
.\ I'orrnsion d c I'inaugurntion d e In Maison rbnovee de
.lustus I, i r b i I ! . L'AratlCmie tl'Agric-ulture de France s'nssocir
nux IEiiioiyiinges tl'ndmirnliori dont on cntourc la memoire till
rand rhimistc disparrt rt recoilnail r n l i i i 1111 tlcs plus illiistrrs
fnndnteiirs tle In Chiniie ngrico1r.r
Der Rektor der Terhnisrhen Ilorhacliule Darmsfndt, Prof.
Dr. K n m ni c r . verkiindctr dnrnuf die Elir~iiprnmotionenun(l
(lie Ernennungrii zii Ehrrnsrnaforen:
..hnliIfilirh der heutigen 1,iebig-Wiililer-Feier haben Rektor
iind GroGr Sennt der Terhnischen 1Tochschule Dnrnislndt bcschlassen, nuf (iriind der ihr vrrliehenen Rechte die folgenden
nkndeniisrhen Wurdcn zii verleihen :
Herrn Geh. Kommrrzienrnt Prof. Dr.-lnn. E. h. Dr. d. Landairtsrhaft E. h. Dr. pliil. Knrl R o s e h in Heidelbere. ~ 1 9besondere Ancrkcnnunp der zrofiC\n Vrrdienste urn Tcrhnik und
Wirtschaft. durrh die fiir die Volksernahrung hochbedeutsnmr
Ausbildung tlcr ferhnisrhen Ammoninksynthese, ihren weittragenden Aiisbnu und die \k.altwirtsrhnftlirlien Aiiswirkungen
dieser Cirofltat. in dcren Ciefolge nirht nur neben der t a n d wirtsrhaft die physikalisrhe und trchnische Chemie gro(3tP
Viir(1criing crfnhren hahrn. sondern direkt oder indirekt auch
nlln nnderrn Farhrichtiinqen der Tcrhnischen TIochschule,
\lnsrhinenbnii und Elek1ro:cchnik. Ingenieurwesen und Architckliir. Nntiirwissennrhnft und Volkswirfschnft, die ,,Wiir$c
cines Doklor-Tnqcnieura chrenhnlber".
clrs weitercn:
IIerrn Grli. Reg.-Rat ProF. Dr.-Itig. E. h. Dr. d. Landwirtsehaft E. h. Dr. phil. Fritz IT a b e r 1.11 Berlin als besondere
Ancrkenniing drr grofien Verdienste uin Technik und Wirtsrhnft durrh din fiir dip Volkserniihrung hochbedeutsnme Erfindung der hmmoniaksynlhesn untl ihren wissensrhnftlirhen
husbnu. dank welchcr Kiiltrrrtnt hijchster Dedeutung nirht nur
nehen der 1.nntlwirfschnft die physiknlische untl trchnische
Chemio priifilc Fiirdcrung rrfnhren hnben. sondern direkt oder
indirekt nrirh allc nndercn Fnrhrichfungcn drr Terhnisrhen
IIochschuk, Mnsrhinenbau und Elekfroterhnik, Ingenieurwesen
iind Architektrir, Nnturwissenschnft und Volkswirtsrhaft, die
.,Wiirdn cines Dnkfnr-Ingenieurs ehrenhnlber".
Wic! nus ( k i n Worthut der Urkunde hcrvorgeht, habcii
s ii rn t 1 i c h o Xbfeilunqen unserer Terhnisrhen Horhschiile
dieso Ehrung beantrngt, mit der Mnfigabe, dn8 die Ehrenpromotion bei der heutiprn Liebig-Wiihler-Feier vorgenommen
werden solltr. Dip Horhschiilr! will dnmit ziim Ausdriirlc
hringen. dnf3 d i w e beiden MHnner, die nu? den Spuren
1, i c b i g s untl W iih 1 e r s wnndeln, wiasenschnftlichc und
terhnischn Leistungm von ungewijhnlichem Ausmafl vollbrachf
hnbcn, T.eistunpen, die wcit uber den Rnhmrn eines Fnrhgebietes hinniisgehen, Leistungen. die zum Sejien fflr unser
pnnzes Vnlk iind Vaterlnnd Reworden sind. Und indem irh Sie,
TIerr Ceh.-Rnt 11 n b c r , bitte, ails meinen HSnden die
Trrktrnde l h r w Ernennung zum Fhrendoktor entgegenzunehrnen,
miirhte ich hier zum Ausdruck bringen, daB unsere D a m stiidter Technische Hochschule stolz darauf let, Sie von nun
zu den Thrigen zilhlen zu dltrfen. I r h heiSe Sie henlich h
unserer Civitns ncademicn willkommen und spreche h e n
gleichzeilig dio besten GlOekwltnsche aus. Und weiterhin dar!
irh dio Ditto an Herrn Direktor Dr. S c h w a r z richten, dime
Urkiinde IIerrn Geheimraf R o s c h , der fa zu unser aller
groflem netlauern am heutigen Erscheinen verhindert ht, flbergeben und ihm dabei zum Ausdruck bringen zu wollen, daO
wir von der Technisrhen Horhschule Darmstadt von nun an
ihn mit groflem Stolz und gro8er Freude zu den Unedgeu
d h l e n . Trh bilte Sie, ihm die herzlichen GlUckwOnache unserer
1Tochsrhule llberinitteln zu wollen."
Geh. Rat I1 a b e r tlankte in herzlichen Worten, und der
Rektor fuhr fort:
,,Des weitereii hnben Rektor und GroBer Senat der T&iiischen Horhschule Darmstadt beschloesen, die Wnrde einm
,,Ehrensenators" zu erteilen Herrn 0 b e r b fl r g e r m e Is t e r
D r. G 1 ii s s i n g in Anerkennung der Forderung der Interessen der Technisrhen Ilochschule, im Hinblick auf die Wiedercrrirhtung des Liebig-Hauses und weiterhin Herrn B r g e r
ni A i s t e r B u x b a u m in Anerkennung seiner hingebenden
Tiitigkeit bci der Wiedererrirhtung des Liebig-Haueea.
l r h gebo der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck, dab
din nunmchr gekntlpften engen neziehungen zwischen den
Mlnncrn, d i e die Gesrhicke der Ptadt Darmstadt lenken, and
iinserer Terhnisrhen Tlochschule fflr die Zukunft ein treundsrhnftliches Zusnrnmeiiarbeiten ergeben mbgen, zum Woble und
ztim Secen der Stadt Darmstadt und auch unserer Alma ciater.
lndem icli Pie, Herr OberbUrgermeister Dr. G 1 It s a i n g, und
ebenso Sie, Herr Riirgermeister R u x b a u m ,bitte, diem Ehrenitrkundo und das iIuBere Zeirhen Ihrer neuen WUrde aus
rneinen ITBnden entgegenzunehmen, h e i b ich Sie herzlich in
dem Verbande unsercr Hochsrhule willkommen und spreehe
lhneti rlir besten Glltckwnnsche RUB."
RS folgten die VortrItge von F. H a b e r und A. W o b l ,
Cieren Wortlatit in diesem Hefte wiedergegeben ist.
Nnch der Feier in der Otto-Rerndt-Halle begab man slch
iii die Knplnncigasse zur
Einwoihung von Liebigs Geburtahaus,
wo niirgermeisler D u x b a u m den SehlUesel des Hauses mit
folgrnder Ansprnrhc nn Geheimrat nr. A. v. W e i n b e r g
iihrrgnh:
,,Am I!?. &fni 1809 x u r d e Justus von Liebig In dem
IInuso G r o h T<nplaneicnsse 30 geboren. Rei dem damaligen
Umfnng dcr Stndt wnr d i e GroRe Kaplaneigasse bewohnt von
drm gewerblirh tiitigen Burgerturn. Die hltetadt, da# id der
Tcil dcr Stndt, der von der ersten Ringmauer umgeben war,
war dnmals noch der wesentlichste Teil von Darmstadt. Die
Znnm Stndt hnttc 11 OOO Einwohner und hatte noch das Geprllge
ciner Stndt, wio sic uns Spitzweg so reizend geschildert hat.
Durrh die enge Knplnneignsse mag zur Qeburtastunde des
qroflen Porsrhers der Nnchtwiichter mit Horn und Spie6 gerpnien win. urn dio Stundo auszurufen. Kurium, e% war dar
kleinbtircerlirhe Milieu, in dem der Vater Georg .Tohaan Liebig
iind die Mutter Karolint! Furha am 7.Dezember I800 heirateten,
dns Milieit. in dern der nachmdige Freiherr Justus von Liebig
zur Welt knm.
Der GroBvnter Ludwig Liebig betrieb in dem Hause no&
sein Hnndwerk, der Vnter Johann Georg Liebig das OeschHit
cines Drogistcn. Er bereitete selbst in der Farbknche im
Ilofo seinc Farben iind seine Firnisse. Nebenan betrieben
IInndwerkcr, Weber, Fuhrleute, Schneider, Bgcker, ZinngIefler,
Seifcnsietler und Schmiede, ihr Geschilft. Das vatertfche G a
srhlft miif3 gut g e p n g e n sein, denn schon 1804 e r n a r b der
Vnter von .Tiistiis dns Anwesen GroBe Ochsengasee 16 nnd
Gektbcrz 7. irrn sein Gesrhflft dorthin zu verlegen. Wae gab
cs in tlrr Altstndt flir unseren Justus alles zu sehen und zu
hcobachten! Mit welchem Interesse verfolgte d e r Knabe das
hnndnerkliche Leben, das sich vielfach auf der StraOe abspiclte. Das Geburtshaus Liebigs war urspranglich eln Doppelhnus mit einrm Eingnng, wie es heute noch vielfach mrhandsn
ist. Es stnmnit nus dem 10. Jahrhundert. Der GroSvater erwarb
das Anwesen durch Einheirat im Jahre 1774 von seinem
Pchwiegervntcr Johann Grorg Abel. A,n dem Anwesen waren
aber norh mehrere Resitzer beteiligt. 1838 wurde .der Vatet
-
828
Versamrnlungsberichte
teltschr. far anucw.
J. lozB
ICh d 41.
-
___-
-- -
,Iohann Georg Liebig alleiniger EigentUmer des Hauses. Er
hat es noch besessen bis zum Jahre 1845. Dann wurde das
Geburlshaus vertiuoert. Als Besitzer folgten Hohlfeld bis 1877
und Allendorfer bis 1920. Unter diesen Desitzern verfiel das
.Haus immer mehr und mehr. Schon 1874 war es so baufallig,
dall (lie Reharde einschreiten und eine AbPprieBung anordnen
mul3te.
Die Stadtverwaltung war schon vor dem Weltkrieg bestrebt,
dau Anwesen zu erwerben, um es aus Grilnden der Pietiit zu
erhalten; jedoch ohne Erfolg. Erst im Jahre 1920 konnte es
&inn narh deni Tode des letzten Besitzers in einem hoffnungsJpsen Zustand von seiner Witwe, Frau Allendbrfer, filr
10000 Mark erworben werden. ,Schon vorher war es zwangsweise geraumt worden, weil Lebensgefahr fur die Rewohner
'des Vorderhauses bestand. Die Stadt lie6 das Anwesen soforl
bjldlich ,und zeichnerisch genau aufnehmen und schritt dann
ium Abbruch mit der Absicht, den Wiederaufbau unter Verwendung der brauchbaren Materialien zu betreiben.
Nu,n steht das Haus wieder vor uns in den gleichen BnuiIi,&en und der gleichen Einteilung, wie es zur Geburtsstunde
Liebigr gewesen war, geftlllt mit Erinnerungen an ihn, dessen
Name heute hinausschallt in alle Welt. Ein Museum ist es
geworden und soll es bleiben, liebevoll gepflegt von der Nachwelt, .die dem Forscher Justus van Liebig so vieles verdankt.
DaB es so werden konnte und der Stadt zur Ehre gereicht,
daiiken wir Darnisttidter vor alleni unsereni Mitbflrger Herrn
Prof. Dr. B e r l . der es zuwege brachte, das Interesse zu
wecken und die Liebig-Haus-Stiftung ins Leben zu rufen.
Die Liebig-Haus-Stiftung hat es Ubernommen, das Geburlshaus Liebigs wiederhenustellen und e8 dauernd ale Museum
zu.erhalten. Ihr und allen Stiftern filr Haus und Einrichtung
.eei der zweite Dank gebracht. Dann danke ich allen meinen
Mitnrbeitern, insbesondere Herrn Stadtbaurat Ci e o r g H o f f *i-n 91 n fur ihre treue Pflirhterfullung, ich danke allen Meistern
unti (iesellen far ihre tiirhtige Leistung. Srhliefilich sei der letzte
Dank'gesagt der Stadt Darmstadt, die sich als Mitglied an der
Stiftung betetligte und den Hauptantell getragen hat. Als Stadth u m e i s t e r habe ich die ehrenvolle pflicht, das fertige Werk
iiieinen Auftraggebern zu ubergeben. Ich tue das, indem ich
den !+*hliissel des Hauses dem ersten PriIsidenten der LiebigJlnus-Stiftuiig, Herrn Geh. Rat Dr. Arthur von Weinberg,
li brrreiche".
111 seiner nun folgenden Ansprache sagte A. v. W e i n .hDrg:
,,lm Namen der Liebig-Haus-Sliftung nehme ich den
Schliissel LU diesem Hause entgegen, auf dessen Errichlung
Dqrmstadt stolz sein kann. Die Behorden von Staal und Stadt
und qPdere Forderer haben zusammengewirkt, um dies Denk.ma1 a n einen Helden des Geistes wiedererstehen zu lassen, und
sie haben sich damit den Dank der Wissenschaft erworben.
Gestatten Sie mir, an eine personliche Erinnerung anziiknilplen. Es war im August 1883, als ich der Enthiillung des
Liebigdenkmals in MUnchen im Gefolge meines unvergeBlicheii
Aehrers Adolf v o n B a e y e r beiwohnte. Dns schone Bild is1
.niir. noch in lebhafter Erinnerung. Vor dem Denkmal stnnderi
damals-A. W. H o f m n n n , K e k u l B , K o p p , F r e s e n i u n
und. andere .SchUler L i e b i gs. A. W. H o f m a n n hielt iii
'begeisterlen Worten die Festrede. Es folgte dann der er.hebende Moment, ale sich die Fahnen senkten, nls die HUlle
von der Marmorstalue fiel, und der Chor mit einer von
L a c h n e r neu komponierten Hymne einfiel. 1st auch unsere
.Feier heute nach 45 Jahren bescheidener, so hat sie doch den
gleirhen Sinn und Inhalt wie damals, denn wiederum stehen
wvir vor einem Denkmal, einer Sttitte der Erinnerung, die zukilnftigen Gwhlechtern von dem groBen Manne Justus
van Liebig enilhlen soll. In diesem bescheidenen engen Hause
.uerliefen die Jugendjahre eines Geistes, dessen Ideen den Erdb l l .umspannen sollten. Sie beschrankten sich nicht etwa aur
Chemie. Seine alle Wissenschaften umfassenden Gedankengange uod damit ein Testament seiner Weltanschauung ha1
Lkbig 1866 in einer denkwiirdigen Abhandlung Uber ,,Die Entkicklung der Ideen in der Naturwissenschaft" niedergelegt. Sie
is! die einzige Abhandlung nicht-chemischen Inhalts geblieben,
die jemals in den Annalen abgedruekt wurde. Der Schlufi lautete:
,Die Geschichte der VUlker gibt uns Kunde von den
o h n w i g e n 'BemUhungen der politischen und kirchlichen
Gewalten um Erhaltuag des kbrperlichen und geistigeii
Sklaventums der Menschen. Die kUnftige Geschichte wirtl
die Siege der Freiheit beschreiben, welche die Merischcir
durch die Erforschung des Grundes der Dinge rind tler Wahrheit errangen; Siege mit Waffen, an denen kein nlut klebt,
und in einem Kampf, in welchem Moral und Religion sich
nur nls schwache Bundesgenossen beteiligen.'
Solche und tihnliche AuBerungen zogen dem Jreigeist"
Liebig manche Feindschaft zu. Und so knm es, clnU kurz nnrli
der EnthUllung die Schreckenskunde ertonte, tlaD frevelntlc
Hande das Denkmal besudelt hatten.
Der gemeinsamen Arbeit dreier Professoren, \on P e I t e iik o f e r , B a e y e r und Z i m m e r m a n n und ihrer Assislenten,
gelang es schlie6lich, eine Methode aufzufinden, narh der dic
Farbe zum Verschwinden gebracht werden konnte, ohne d;10
der Marmor angegriffen wurdeq). Das Denkmal, das wir vor
uns sehen, hat in unserer Zeit solche Angriffe nicht mehr m i
fUrchten. - Jenes Streben nach universeller Erkennlnis, dan
aus jener Abhandlung spricht, war es aurh, das Liebig ZII deni
Studium der Lebensvorgtinge fWlrte. Aber glnubcii Sie nirhl.
daB ihm diese Entfernung von dem Boden der ('heniie, i n i l
der e r seit jungen Jahren so eng verwnchsen wnr, leielit geworden ist. Es klingt wie Verzweiflunp, wenn e r 1 R 7 nii
W B h l e r schreibt:
,Ich komme mir vor wie ein Abtrihniger, wic eiii
Renegat, der seine Religion aulgegeben und keine mehr hill.
Ich habe die Bahn der Wksenschaft verloren, und in rneineiii
RemUhen, in der Landwirtschaft und Physiologie etwns Z I I
niltzen, wtilze ich den Stein des Sisyphus.'
Zu langsam fUr seinen Feuergeist brarhen girh seine Itlecii
in Deutschland Bahn, wenn er auch auf den sirheren Sieg d w
Wahrheit vertraute. Er hoffte, dalj mnn ihn i n England
schneller verstehe und wandte sich 1859 nach London niit deiii
Vorschlage, den Inhalt der Kloaken auf Rieselfeldern auszuniitzen, worauf er dann 1864 den Rescheid erhielt, man intererrsiere sich sehr fur die Sache. Unsere Stadtverwaltuogen
arbeiten heute rascher. Hier an diesem Hause sehen wir eiii
Beispiel, wie in denkbar kurzer Zeit, nachdem die Tdee gefafil
war, dieses historische Haus neu, deni allen gleich zu erbauen,
dio Verwirklichung folgte.
Man hat oft behauptet, daD Liebig, in kleiner Ilmgebung
aufgewachsen und bald zur WeltberUhmtheit gelangt, slolz und
herrisch geworden sei. Wie irrig diese Meinung ist und welch
tiefe Bescheidenheit ihm eigen war, mag man HUS den Worteri
enlnehmen. mit denen er 1865 einem Freunde mitteilt : ,,Da6 man
in Berlin die Absicht hatte, mich zu berufen als ein Rokokostock zum Venieren, hast dii vielleicht gehBrt". Wie wenig
Wert e r auf Ehrungen legte, bezeugen die Worte, d i e er nirderwhrieb, als ihm das GroBkreuz des Ordens Della corona d'llalia
verliehen wurde:
,Es sollte ein Zeichen sein voii der Syiiipnthic cles ilnlicnischen Volkes filr Deutschland. Wenn man sirh niir n i i t
diesen Dingen von einem Zahnweh laskaufen oder einci!
gesunden Zahn erkaufen kunnte!'
Noch viele ZUge lieBen sich anfiihrcn, die zeigen, daO
Liebig stets der einfach denkende Mann blieb, dcin nur das
Wesen der Dinge etwas galt. In besonderer Wcisc zeigt dies
auch der Freundeskreis, in dem e r lebte, sein Verhtiltnis mi
S c h l o i o r m a c h e r und vor allem zu W o h l e r . Wenn wir
heute zugleich des groDen W o h 1 e r gedenken, so gesrhieht es
im Hinblick a u l jene klassische Freundschnft, \vie sie in den
Worten zum Ausdruck kommt, mit deneii Liebig 1872 zrini
letztenmal WBhler einen Neujahrsglflckwunsrh iibrrsnndtc:
,Lange werden wir uns Gliickwiinsche Zuni neuen Jnhrc
nicht mehr senden; aber auch, wenn wir tot und liingst verwest sind, werden die Bande, die uns ini Leben vereinigteii,
uns beide in der Erinnerung der Menschen stets zusarnnierihalten als ein nicht htiufiges Reispiel von zwei Miinnerti,
die ohne Neid und MiDgunsl in demselben Gebiel rangen
und stritten und stets in Freundschaft eng verbuntlen w r e n . '
. .
.
Es hatte sich ergeben, da8 eine U s u n g von Silbernitrat
und von Kaliumperrnanganat benutzt worden war. Die Reinigungsmethode beetand in aufeinanderfolgender Behandlung mil
Sehwefelammonium und Cyankali.
8)
Und so sol1 denn dieses Haus zugleich der Erinnerung an
WBhler, an andere Freunde und Nachfolger geweiht sein, die
im Geiste Liebigs die Wissenschaft gefbrdert haben.
Es ist zwar nicht mehr das alte Haw selbet, das wir vor
uns sehen, sondern nur eine genaue Nachbildung des alten,
daruni aber nicht weniger ehrwlirdig. Wir massen hier dem
Geiste Liebigs folgen und die physischen Erscheinungen der
Zersttirung nicht mit der Ewigkeit des geistigen Aufbaus gleichstellen. Erinnern wir uns daran, daB Liebig es war, der einst
ini Examen die Frage stellte: ,,Herr Kandidat, was ist der
Zahn der Zeit im Auge des Chemikers?"
Den Dank an alle, die bisher zu diesem Werke beigetragen,
haben Sie, Herr BUrgermeister, zum Ausdruck gebracht. Mein
Dank gilt iin voraus denen, die in Zukunft dazu beitragen
werden, das Begonnene auszubauen und zu ftirdern, und wir
hoffen, daB es recht viele sein werden, die mit uns dem
schonen Spruche folgen: Ehrt eure Meisterl"
Ein R u n d g a n g d u r c h d a s L i e b i g h a u s zeigte, wie
iiiit baulicher Geschicklichkeit und hietorisehem Veretehen eine
Statte wiederhergestellt und eingerichtet worden ist, die sich
von nun an wilrdig den Geburts- und Wohnhllusern anderer
groDer Miinner anreihen und zu einem Wallfahrtsort aller
Chemiker und darilber hinaus aller derjenigen werden wird,
welche innere Beziehung zu Liebigs kulturgeschichtlichem
Wirken haben. Die bUrgerliche Eigenart jener Zeit wird in
den Zimmern und in einer KUche veranschaulicht, die aus
Mtibeln und Gegenstiinden jener Epoche zusammengestellt sind.
TUren und Beschlilge stammen ebenfalle aw der Zeit Liebigs.
Schriftstilcke aus dem Briefwechsel Liebigs mit E. Merck sind
zu sehen, ferner Liebigs Eingaben an Ludwig I. Ein BUcherschrank enthiilt die chemischen Werke, die der junge Justus
aus der Hofbibliothek entlieh. A u k diesen und anderen persfinlichen Erinnerungen an Liebig enthalten die Rilume die
Bilder hervorragender Chemiker und vortrefflich auageeuchte
.Schauprilparate fUhrender deutscher Firmen, deren Schaffen in
Liebigs Lebensarbeit wunelt. Am Abend rand ein
F o s t k o n s e r t im ,,Kleinen Haus" d e s H e s s i s c h e n
Landestheatere
Das P r o g r a m besagle: Solisten: Frl. G i s e l a
statt.
B i n a , Berlin, Klavier; dae D r u m m - Q u a r t e t t (Konzertnieister 0 t t o D r u ni m , Kanimermusiker M. B u d d e n h a g e n , R u d o l f S p r e n g e r , H u g o A n d r e a e ) . Vortragsfolge: L. v. Beethoven, Streichquartett op. 59, Nr. 3, C-Dur.
Frans Schubert, Sonate far Kiavier op. 129, A-Dur. FrMdBric
('hopin, Solostiicke fur Klavier (Berceuse, Valse As-Dur, Etude,
Polonaise As-Dur). Anton DvofBk, Streichquartett op. 96, F-Dur.
Reicher Beifall lohnte die vortrefflichen Darbietungen. Nach dem Konzert traf man sich beim
Festessen im Hause d e s Orangeriegartens.
Von den Tischreden seien die folgenden im Wortlaut
wiedergegeben:
Prof. Dr. A. S t o c k :
,,Namens der einladenden Vereinigungen habe ich die Ehre,
Sie herzlich zu b e g r W n und Ihnen filr Ihr Erscheinen bei der
heutigen Feier zu danken, deren BuDerer Anlai3 die Synthese
des L i e b i g - Hauses war, der nach guter chemiacher Art und
gans in1 Geiste L i e b i g s eine Elementaranalyse voraufging.
Uei uriseren deutschen Kollegen ist allerdings die Beteiligung
kaum ein besonderes Verdienst. Wie sollten sie nicht das Andenkeri zweier unserer grbf3ten dentschen Fachgenossen ehren,
denen wir die Schaffung eines leistungefllhigen deutschen
('hemikeretandes und die ErschlieBung fruchtbarster Arbeitsgebiete verdanken I
Um so dankbarer mhsen wir den Gilsten sein, die aus
anderen Liindern kamen. Wir sehen Vertreter Amerikas,
Hollands, Japans,
Dilnemarks, Englands,
Frankreichs,
Schwedens, der Schweiz und Spaniens unter uns, natUrlich
auch Osterreichs, das ist ja selbetveretllndlich. Ihr Erscheinen
bedeutet nicht allein eine Huldigung vor zwei Meistern
unserer Wissenschaft, sondern zugleich ein Bekenntnis zur Genieinsamkeit wissenschaftlichen Strebens Uber die Grenzen
der V6lker hinaue.
L i e b i g und W (I h 1e r Bind ]a fUr urn Deuteche geradezu
ein Symbol der Ciemeinschaftlichkeit. Wie eich die zwei
Forscher ergllnzten, L i e b i g s sprudelnde Unbekllmmertheit,
W b h l e r s wiigende Bedilchtigkeit, davon gibt une ihr rknfangreicher Briefwechsel Kunde, ein wahres Hohes Lied.
menschlicher und wissenschaftlicher Freundschaft.
Als B e r z e 1i u s den Schiller und Freund mahnte: ,,Willst
Du, d d die Welt einmal Deinen Wert kennen lernen 3011, so
IUhre Deine Untersuchungen allein aus, ohne Mithilfe von
L i e b i f , antwortete ihm W 6 h 1e r (16. September 1842)
,,Was liegt daran, wenn die Sache an sich dadurch gewinat.
und dae ist ganz gewif3 der Fall. Wir beide, L i e b i g und ich,,
haben ungleiche Arten von Talent, die, zusammenwirkend, einander ergilnzen und etwas zu leisten verm6gen."
DreiDig Jahre spilter (31. Dezember 1871) schrieb dw,
68jlihrige L i e b i g an W b h l e r , wie heute frllh schon Herr
Geheimrat v o n W e i n b e r g zitierte: ,Aber wenn wir aucb
tot und l b g s t verweat sind, werden die Bande, die uns im
Leben vereinigten, une beide in der Erinnerung der Menschen
stets zusammenhalten, als ein nicht Uufiges Beispiel von zwei
Mllnnern, die treu, ohne Neid und Mii3gunet, in demeelben
Gebiete rangen und stritten und stet8 in Freundschaft eug verbunden blieben."
So stehen sie noch heute vor unal Und W i c h e Bande
verknupften sie mit anderen deutschen und auf3erdeutschen
Fachgenossen. Wie rUhmt W t i h l e r die freundliche Aufnahme, die er in Paris und London fand, und die Bekanntschaft
mit den bedeutenden MQnern, die er dort traf. Wieviel verdankte er der gemeinsamen Arbeit mit B e r z e 1 i u s I In der
Rede, die L i e b i g am 28. Marz 1871 nach dem FriedensschluD
in der Mbchener Akademie hielt, sagte er: ,Vor 48 J a h ~ e a
kam ich nach Paris, um Chemie zu studieren; ein zufillligee Ereignis lenkte die Aufmerkeamkeit A 1e x a n d e r v. H u m b o 1 d t s auf mich, und ein empfehlendes Wort von ihni veranlaate G a y - L u s s a c , einen der gr6Dten Chemiker und
Physiker seiner Zeit, mir, dem Knaben von 20 Jahren, den
VoFschlag zu machen, eine von mir begonnene Untersuchung
rnit seiner Beihilfe fortzusetzen und zu vollenden; er nahm
inich zu seinem Mitarbeiter und ScbUler in sein Privatlaboratorium a d . Mein gamer Lebendauf iet dadurch bestimmt worden."
Wae damals galt, gilt heute unverllndert. Perdnliohe Bekanntschaft, mUndlicher Gedankenaustausch haben ihren hohen
Wert behalten. Sie nRtzen nicht nur der Wkenschaft, sondern
dem Fortschritte der Menschheit. Irrttlmer verflUchtigen sich.
Einander kennen, heiBt ja so oft einander verstehen. In
P a s t e u r s bekanntem Wort: ,,C'est l'ignorance qui &pare les
hommea, et la science qui les rapproche" SOU ,,la science" nicM
eng ale ,,Wissensrhaft", sondern allgemein als ,das Wiseen" urn
Menschen und Dinge aufgefdt werden. Dee Wiseenechaftlere
Aufgabe in der Welt ist es, vorurteileloeer Betrachtung, wi8888e
schaftlicher Log& zum Siege zu verhelien, 80 schwer es aucb
im Einzelfalle manchmal ist. Wenn man den Vertretern dep
Wissemhaft vorwirft, daft sie bei den Ereignisaen, die wir
durchlebten, ihrer hohen Aufgabe der Aufklllrung und KlHrung
nicht immer gerecht wurden, so liegt dies groPenteils daran,
dal3 sie die T a t s a c h e n zu wenig aus eigener Anschauung
kannten, daB eie geneigt waren, vielen VerMfentlichungen
ein l h l i c h e s Vertrauen zu schenken wie ihren wiseenschaftlichen.
Der Geist der Wissenschaft muD die Menschheit emporfllhren. Ich denke an die schbnen Worte, die der Prlhident der
franzbischen Akademie der Medizin, Q 1 e y , kllrzlich bei der
B e r t h e 1 o t - Feier spraeh: ,,Et peutatre, comme Berthelot l'a
dit un jour, r6ussirons-nous ainsi A conjurer les vastea conflits
interieurs et internationaux, dont sont menaces lea peuplee
modernes . . . rendua solidaires par la sainte loi du travail!
Tel est l'id6al que la science moderne enseigne h la race
humaine."
Bei derselben Feier pries A m 6 P i c t e t , der Vertreter
der Schweiz, den Wert der gemeinsamen wissenschaftlichen
Arbeit: ,,Le travail du chercheur devient d'annbe en annee plus
difficile. Pour en venir A bout, il faut h collaboration de toas:
il est necessaire de pouvoir compter lee uns Bur lea autres, de
supprimer les doubles emplol, d e faciliter la transmission des
rhsultats, bref, d e mettre
profit toutes les energies. & ce
prix-18 seulement I'avenir sera maitre du passe."
Lassen Sie una auf dae Wohl uneerer auslhdischen QQte
trinken und dabei auf e h e n soldm Sieg der Zukunft holfbn.
MUge auch unsere heutige Liebighaus-Synthese ein Uaustein
rehi in der weit g r o b r e n uud schwierigeren Synthese der
Yeaechheit I"
-
Oberbllrgermeister Dr. G 1 l s s i 11 g :
&i unserer der Chemie gewidnieten Feier darf die Stadt
At Stolz bekennen, wie die Namen grol3er Manner, Forscher
und Gelehrten mit ihr verbunden sind. Liebig konnte hier
werden und gedeihen, untersttitzt durch den Scharfblick und
die Gute seines Landesfiirsten GroUherzog Ludwig I. und dessen
Kabiiettoeekretiir Schleiermacher. Dieser, von Hause nus
Jurist, aber das starke naturwissenschaftliche Iuteresse schon
aui der Schule verratend und im Leben durch die Grilndung
dea DarmeUdtes Museums, insbesondere des antediluvianisclien
Kabinetts betlltigend, hat Liebigs Laufbahn in der fur ihn
echwemten Zeit geetUtzt. Wo die Staatskasse nicht helfen kounte,
trat die Kabinettskascie ein. Alexander von Huiuboldt, iru
Bunde mit Schleiermachcr, ebnete ihm den Weg zur Habilitierung an der Landesuniversitlt GieUen, obwohl e r dort weder
etudiert noch promoviert hatle. Ehrenvolle Lierufungen nncli
Wien, Petersburg und Heidelberg schlug e r aus, weil e r nach
winen Worten nicht vou GieUen weg kounte, ohue sich mil dem
Flecken der Undankbarkeit zu beschmutzen. So herzlich daclite
Liebig von seiner Heimat bis an sein Lebensende.
Ferner wollen wir uns stets bewuDt bleibeii, was wir bei
der Auebildung von Liebig einem Gay-Lussac verdanken, was
d i e chemische Industrie im Anfange des 19. Jahrhunderts
einern Leblanc verdankt.
Auf Liebig folgten weitere bedeutende Forscher, wie die
DarmeULdter Chemiker Kekulb, Anschutz, Volhard, Strecker,
Staedel, Heumann, Schorlenimer u. a.
Wir wissen, wie alle Wissens- und Arbeilsgebiete miichtig
befruchtet wurden, wie Liebig auch das Eiitstelien der
chemieehen Industrie bei H. Enianuel Merck beeinfluflte, wie
Liebig und Merck durch freundschaltliche Ueziehungen verbunden waren und da9 letzterer selbst lebhdte naturwissenochaftliche Interessen halte. Was dns Mercksche Uuternehnieri
seit der Apothekengrllndung der Cheinie und der Medizin gegeben hat, das wissen wir seit der Vierteljahrtausendfeier des
Stammhauses mit dem weltbekanuten Naiiien. Die schwarze
Kunrt b t in der Tat in Darmstadt vie1 iilter als die neuzeitliche
Kunet, wie einnial unser verelirter Herr Prof. Wohler in humorvoller Rede zur 30. Hauptversaiunilung der Buusengesellschaft
1926 hier feststellen konnte.
Unsere Universitiiten und Hochschulen wareii zu allen
Zeiten Kulturstltten von eigeneni Geprlge. Jeder Lehrstulil,
jede Arbeitsatiitte auf den1 unendlichen Ciebiet der Natur- uiid
Geisteewhenschaften ist Saninielstiitte, Autriebskralt und Ausgangepunkt erllstester Bemuhung, dus Erforderliche zu erf o m h e n und eigene Wege zu geheu in das geistig noch nicht
aufgeachlmene Land.
Wenn noch ein Liebig fur seine Forschuiig kiinipfen iiiullte,
cu einer Zeit, d a die Cheiiiiewissenschaft noch ini Werden war,
wie sind doch heute die Forschungsinstitute die unentbehrlichslen Einrichtungen fllr die exakte Wisseuschaft, wie erGeugen sie jenen Geist gestallender Synthese, der stets nacli
neuen Priigungen verlangtl Der iudividuelle Grundzug iui
deutschen Wesen, in der Yolitik eiii Unheil, aber in der
F o m h u n g vielleicht mit ein Faktor Pur das Vorauseilen der
chemiachen Industrie vor deni Kriege, kaiiu Leistungen der
Nachahmung nicht zulassen. Er zieht die Cieisleskrafte herau,
die dem Ziele der Erfiillung des Bedarfs zueileu und grolle
Pionierdienste leisten. Gerade ini Gebiete der Chemie, als der
neuzeitlichen Vereinigung von Wissenschaft und Wirtschaft, von
Gebt und Hmdarbeit sind neue gewaltige Organisat ionen eutstanden, die mit ihren eigenen iieuzeitlicheu Problenien der
Gemeinaamkeit, der Konzentration uiid der weitsichtigen Ausleee, der Verarbeitung der Substaiiz und iliren VerHnderungsarten stets neue Aufgaben stellt. Miigen diese Institule mil
ihrem Erfindergeist, dem Wageinut und der exakten wisseuschaftlichen Arbeit in Deutschland und in allen Liindern bluhen,
wachaen und gedeihenl
Der ArbeitsaueschuD zur Wiederherstcllung des Liebighausee, Prof. Berl, Dr. Karl Merck, Burgernieister Buxbaum,
Prof. Dr. RGOler, hat das Werk zu eiriem guten Gelingen gefllhrt. Dae Geburtshaus Liebigs is1 zu neueni Leben gelangt im
Wege einer hochherzigen StiXtung, fur die die Stadtverwaltung
herzlichen Dank aussprichl. Der Stadt ist es nuninehr moglicli,
durcli dio Sniiimlung weiterer bedeutungsvoller Dokumentc,
insbesolidere nus der Jugendzeit Liebigs, ein Museum zu
schaffen uud den Werdegaiig eiues hlaiilies vorzufuhren, der
sich als Wohltiiter fur die Menschheit auswirkeii konnte."
Die Rede schlol3 illit eineui llocli aul Prof. liuber uud
Prof. Wohl, Prof. Berl uud alle seine treuen llelfer.
Fur das hessische Ministerium far Arbeit und Wirlschdt
sprach Ministerialdirektor U e b e 1 in Vertreluiig des zu seineiii
Bedauern verhinderten Ministers K o r e 11.
l'rof. G a b r i e l U e r t r a n d
uAu nom des ddldguks dtrangers qui se sout joints aujourd'hui A leurs colkgues allemnuds pour Iioiiorer la memoire
iiiiiiiorlelle de L i t) b i g el d e W ii 11 I e r , j'ni I'agrduble iiiissiou
de reuiercier le Conlit6 d e la Maison de Liebig de son aimable
invitation el do sa cordiale rBceptiori.
Do boiis rapports out exist6 depuis louyteilips eulre les
chimistes allemauds el les chimistes dlraiigers. 11s dtaient particulii.reiiient actils h I'dpoque d e Liebig et de Wiihler, coinnie
on en trouve la preuve dnns leur correspondance.
J*:ii la boniie forlune d e possdder uiie vingtaiiie de lettres
adressdes par ces illustres chimistes Gaultier de Claubry, A
Gay-Lussac, ii Cirahaui, A Pelouze, h Barreswill, etc. La pluparl
sout euipreintes d e marques d'arnitik, plusieurs nieme d e
touchante affection. C'est ainsi qu'oii pcut lire, iioii saus une
certaiue Bmotion, A la fin de lettres de Liebig ti son cher
I'elouze: aJ0 t'aime de toutes mes forcesu, ou bieu: aJe t ' a h e
et jo t'eiiibrusse.a
Mais il u'y a pas que des chimisles sur la terre et, plus
d'uue fois, les bonues relatious que je vietis d'kvoquer ont eu
h subir d e terribles Gpreuves. On alldguera peut-Ctre qu'entraiiiCs par les artifices de la civilisitiou tnoderne, certairis 0111
siinpleinerit renipli co qui paraissait alors le devoir. Mais qui
n'apercoit aujourd'hui qu'il y a pour I'intelligeiice humaine des
efforts plus utiles A accomplir que ccux de s'eiitredCchirer?
Est-ce-clue, par ereiiiple, tous leu hoitiitics tie science, ir
queliluu pays el h tpelque discipliue qu'ils appartiennenl, I W
devraient pas dbjA s'associer pour nicttre i I'ktude, dans i t i i
but d'intBrkt general, I'exploitation ratioiielle du globe?
L'avenir d e l'hunianitd me semble 6trc daiis cette direction.
1,orsqu'elle y sera eugagee, preiiaut iliod(yle des peuples qui,
autrefois divisks, sont maintenant unis, elle formera uue vaste
f6d6ration universelle; au lieu de s'enliser daiis UII systeme
(lo cotwurretico et d e disseiisiors laiiientables, elk s'app1iquer;I
k tirer Ie parti le plus fructueux, le plus i.coiioiiiique des
ressources d e la iiature.
I1 m e serait facile de dCvelopper ce theiiie; je le livrc
I J ~ Uaujourd'hui
~
ii vos iiidditations, je vous laisse iiiiaginer,
notamment, la grandeur du r61e qui revieudra nux chimistes,
I'iniportauco el I'iiiIiniitC des rapports qui les utiiront. C'onforidus daucl la recherche tl'uii IiiCme ideal, iiiiionibrables devieiidroiit :ilors ceux d'entre eux qui, Cchangt~iiit leurs idties avec
des collGgues, pourront errire en terniiiinnt leurs lettres, coninie
Liebig A Pelouze: aJe t'ainie de toutes nies forces et je
l'em brasse.a
Au iioiii (lev dCl6guCs Clriiiigers, jr IGve nioti verre aii
ddveloppement d e la Chimie pure el appliquee, suivant les
leqons d e Liebig, A I'industrie, ti I'ngriculture el h la physiologie;
jo bois au rapprocheiiieril d e tous les chi~iiislea el au succ&s
do leurs elforts pour nrriver ii I'enteiile tles peuples et h la
paix universelle., I~egrul3ungstelcgratiiiiillo wurdeii verleseti, die eiugegangeii
waren vou Pro!. Dr. E c k s t e i II , Berliii, Prof. Dr. 11 o 1 m b e r g
voii der S E 11 w o d i s c h c i i ('11 e n i i s t * h (1 ii ( ; c s c 1 1 s c h a f 1,
voii der B o r l i n e r C i e s e l l s c l i ; i f t f u r G e s c h i c h t e
dor Naturwisseuscliaft, Medizin und Teclinik,
voiii 1) o u t s c I1 o 11 K a 1 i s y u d i.k ;I t , voii Minister K o r e 1 1 ,
von Prop. Dr. I<. U o s c h , Lud\vigshnfen ;I. Rh. '
Be)eJuchdee Liebig-Museutiis in GieBeo,
Sonntag, den 8. Juli 1928.
Die Stadt GieUen hatte Flaggeuschmuck augelegl, a19 niuii
iliu Tage nach der 1)armstiidter Feier hinuberfuhr. Es war eiir
E m p f a n g s a u s s c h u 13 gebildet worden, besteheud a u : Geh.
Rat Pro!. Dr. S o m m e r , Voraitzeuder der G e s e l l e c h a f t
%t&.
far angca.
C
b d c . 41
J. 1-1
Versammlungsberichte
L i e b i g - M u s e u m , G i e f i e n ; den stellvertretenden Vorsitzenden Dr. F. M e r c k , Darmstadt, und Prof. Dr.K. B r a n d ,
G i e h n ; den Voratandsmitgliedern der Gasellechait LiebigMuseum, Gief3en: Bthgermeister A. F r e y (Vertreter dee Herrn
Oberbtlrgermeisters) ; Prof. Dr. B tl r k e r , Geh. Rat Prof. Dr.
E l b s , Prof. Dr. B e r l , Prof. Dr. M e i g e n , Prof, Dr.
S c h a u m ; Apotheker A d o 1 p h , Gie&n, SchrifltIlhrer; Se.
Magnificenz Prof. Dr. R o s e n b e r g , Rektor der Universitat
G i e h n ; Dr. A. L 6 h r , Mitglied des Vorstandes des Bezirksvereins Oberhessen des Vereins deutscher Chemiker ; Amtsgerichtsrat F. G r o s , GieUen.
Der A r b e i t s a u s s c h u f i bestand aus: Geh. Rat Prof.
Dr. S o m n i e r , Burgermeister Dr. F r e y , Prof. Dr. B r a n d ,
Apotheker A d o 1p h.
Es ist das Verdienst des Psychiaters Geh. Rat Prof. Dr.
S o m m e r , daftir gesorgt zu haben, daD Liebigs Institut in
seinem ursprtinglichen Zustande wiederhergeatellt wurde. Was
im Laufe der Jahre verfallen war, hat man mit liebevoller Sorgfalt und unter Benutzung aller irgendwie zugtlnglichen Zeichnungen, Plane und Notizen restauriert, so daf3 man in die
Illusion versetzt wird, der grof3e Meister kbnne hereintreten
und den Unterricht beginnen.
Geh. Rat Prof. Dr. E 1 b s begriiote die Giiste. Unter
Prof. S o rn m e r s FUhrung wurden die Einzelheiten besichtigt,
und mit Ergriffenheit erkannte man an Ofen, Abztigen
und Apparalen, wie Liebig hier in systematischer Arbeit
die Technik des Unterrichts aufgebaut hat, der seither
Generationen von Chemikern zuteil geworden ist. I m Hbrsaal
erlluterte der Fuhrer in fesselndem Vortrag die Entstehung des
Museums. V o 1 h a r d s Liebig-Biographie gewhnt neues und
erhohtes lnteresse, wenn man dieses Liebig-Museum gesehen
hat, und wenn man bedenkt, wie Liebig und seine Schtller in
diesen Raumen, die nichts von dem wissenschaftlichen Luxus
splterer chemiseher Institute hnben, die schwierigsten Probleme
angriffen, so schaut man mit Ehrfurcht auf dieees Bild aus der
deutschen Vergangenheit.
Nach Beaichtigung des Liebig-Museums ging man zum
,,Gie&ner Geeellschaftsverein". Der Weg filhrte an dem Hause
vorbei, in dem A. W. v. H o f m a n n gewohnt hat, und das mit
Inschrift und Bildnis geschmtickt ist.
Bei Tisch begrtiBte Se. Magnificenz Prof. Dr. R o a e n b e r g
die G b t e . Es wurden viele anregende Tafelreden gehalten,
von denen zwei wiedergegeben seien, weil sie ftir die Geschichte des Liebig-Museums wesentlich sind:
Direktor Dr. phil. Dr.-Ing. E. h. A. M i t t a s c h :
,,Die erhebende Liebig-W8hler-Feier, in der wir seit zwei
Tagen stehen, konnte keinen schbneren AbschluD finden als
durch den Ausflug, den wir heute bei strahlendem Himmel
unter der bewllMen Obhut von Herrn Prof. B e r 1 nach GieDen
unternommen haben: einen Aueflug an den .Ort, wo sich der
Genius Liebigs zu seiner Uberragenden GMile entfaltet hat,
und wo aueh der denkwtirdige Freundschafbbund mit Wbhler
zur Entwicklung gelangt ist. Von Darmstadt nach GieUen,
80 hat der Lebensweg unseren Justus Liebig geftihrt, und von
Darrnetadt nach Giei3en hat auch uns heute der Weg geftihrt,
indem wir einer freundlichen Einladung dahin gefolgt sind,
wo vor hundert Jahten aus bescheidenen AnfiLngen eine
chemisehe Fomhungs- und Lehretlltte allerersten Ranges entstanden ist, eine StlItte, nach der durch Jahrzehnte vlhlreiche
wiI3begierige junge Chemiebeflkene gepilgert slnd und die
zu eiser Chemieechule ftir die g a m Welt geworden ist.
DaD wir heute hier in Giel3en weilen dUrfen, ist uns eine
groh Freude, und 88 bedeutet fur mich eine hohe Ehre, in1
Nameo der hier Anwesenden, die die grol3en chemischen
Organisationen nicht nur Deubchlands, eondern auch die
nnderer grokr Kulturnationen vertreten, Worte herzlichtm
Dank- sagen zu dUrfea. Ieh spreche vor allem im Namen der
D e u t s c h e n C h e m i s c h e n G e s e l l s c h a f t , dee V e r eins deutscher Chemiker, der Deutschen
Buneengesellschnft fUr angewandte phyaikal i s c h e C h e m i e und der D e u t s c h e n P h a r m a z e u t i s c h e n G e s e l l s c h a i t eowie ferner fur den A r b e i t s ausschuD zur Wiederherstellung des Liebigh a u s e s , Darmstadt, w e n n i c h d e r G e s e I I s c h a f t L i e b i g M u s e u m , G i e f38 n , far die freundliche Einladung zum Besuch des Liebig-Laboratoriums den verbindlichsten Dank sage
931
Wlr danken weiter der Stadtverwaltung ftir den festlichen
Empfang mit Flaggen und Wimpeln und Herrn Btirgermeister
Dr. F r e y fUr die warmen BegrUungsworte, desgleichen Herrn
Geheimrat Prof. Dr. E l b s ftir die freundlichen Worte, mit
denen er uns vor dem Liebig-Laboratorium empfangen hat, und
Herrn Geheimrat Prof. Dr. S o m In e r ftir,die eachkundige und
lehrreiche FIihrung durch Liebig-Laboratoriuni und LiebigMuseum.
Ea ist eine wahre Freude, zu sehen, wie hier in Qieflen in
pietlltvoller Weise das Andenken Liebigs geehrt und gepflegt
worden iet und gepflegt wird. Ich kann auf die Oeschichte
dieser Bestrebtngen, die in der Gesellschaft Liebig-Museum
ihren Mittelpunkt haben, und von denen unser 1iebenswIirdiger
FUhrer uns allerhand mitgeteilt hat, nicht nlher eingehen, nur
der Name eines Verstorbenen, des Herrn Geheimrat E m a n u e 1
A u g u e t M e r c k , sei rtlhmend genannt. Auf alle Flllle aber
gebllhrt ein besonderes Wort allerhenlichaten Dankes dern
Iangjllhrigen Leiter der Gesellschaft, Herrn Geheimrat
S o m m e r , den1 es immer unvergessen bleiben soll, wie e r
sich in zielbewdter, unermtidlicher Ttttigkeit, unter Uberwindung der grbBten Schwierigkeiten und in geradezu genialer
Weiso erfolgreich bemtlht hat, das alte Liebig-Laboratoriuni
wieder erstehen zu lassen. in welchem Justus Liebig seine
grundlegenden Arbeilen ausgeMhrt und damit der cheniischen
Wissenschaft und der chemischen Industrie sowie der PhysioIogie und der Landwirtschaft neue Bahnen gewiesen hat. DaI3 wir an dieseni vom Genius selbst geweihten Orte
Liebigs Andenken unsere Huldigung darbringen konnten, in
von ihni ausgestntteten und benutzten Rttumen und augesichts
von Gegenstanden, die sein Wille geschaffen, sein Auge gesehen, seine Hand gebrnucht hat, das war der schonste Ausklang unserer Feier. Dabei darf ich \\oh1 in dcr Tatsache,
tlaD ich als deneitiger erster Vorsitzender der D e u t s c ii e n
I3 u n s e n g e s e I 1 s c h a f t ftlr die hier rertretenen chemischen
Gesellschaften und Kbrperschaften sprechen darf, e;?en besonderen Sinn sehen, den ich in die Worte kleiden rn&hte:
Liebig und Bunsen, Bunsen und Liebig vertreten filr uns nicht
getrennte Welten, sondern gehbren zusammen, so wie allgemeine und spezielle, anorganische und organische, praktische
und theoretische Chemie zusammengehoren und die Chemie
eine einheitliche, im Gtunde unteilbare Wiaeenschaft ist.
Und einen besonderen Sinn m&hte ioh auch darin erblicken, dafi ich als Angehariger einer g r o h n chemischen
Fabrik an dieser Stelle spreche. Auch die Praxis, die angewandte und die technische Chernie, hat in Dnrritstadt und hier
in GieDen Liebig gehuldigt, dem groDen Chemiker und dem
Apostel des Fortschrittes, von dem der Ausspruch stammt,
dafi an Stelle der alten Praxis, die auf bloBe Regeln
sich sttitzte, eine neue wissenschaftliche Praxis zu treten habe,
die auf feststehende wissenschaftliche Wahrheiten gegrtindet
ist. Beruhen ja nach Liebig die Kulturfortwhritte der
Menschheit in dem sotgfaltigen Aufsuchen der Ursachen, die die Naturerscheinungen bedingen: und die Kunst,
die Naturkriifte in der besten Art bnd W e b e in Bewegung zu
setzen, ist nach ihm die wahre Praxis. Da8 die Wisaenschaft
irnmer mehr praktiach werde und die Praxis immer wissenschaftlicher, das war Liebigs Ziel, und das ist, wie ich glaube
sagen zu konnen, auch unser alter Wunsch und Ideal. %
,
wollen wir denn von GieUen scheiden nicht nur mit den angenehmsten und nachhaltigsten Erinnerungen, sondern auch
mit dem Gelbbnis, daD uns der Name ,Liebig' in der chemiechen
Wissenschaft und in der chemischen Industrie auch in einem
zweiten Jahrhundert weiter als Leitstern strahlen so11; sein
Geist, sein Wahrheitsdrang, seine Methodik, sein Feuereifer,
sein Idealismus soll in uns lebendig bleiben, heute, morgen
und immerdar I
Sie aber, hochverehrter Herr Geheimrat Sommer nebst
Ihren Helfern von der Gesellschaft Liebig-Museum, nehmen
Sie nochmals unseren henlichsten Dank daftlr, daS Sle uns
die Mbglichkeit gegeben haben, unsere Liebig-W(lhler-Feier in
so angenehmer, anregender und bedeutungavoller Weise zii
beschlieflen I
Ich bin ilberzeugt, die Zustimmung aller Hiethergekommenen zu haben, wenn ich Sie bfite, lbr QIaa zu erheben und auf das weitere Gedeihen der Oesellschaft LiebigMuseum rnit ihren schbnen und weitreichellden Zielen und auf
das Wohl ihreS verdienstvollen Leiters, Herrn Geheimrat
S o m e r , den wir Chemiker nach seinen Leistungen ja such als
einen der Unaeren ansehen ktjnnen, zu trinken.
Die Gesellschaft Liebig-Museum GieOen und an ihrer Spitze
Herr Geheimrat Sommer, sie leben hoch!"
Direktor Dr. phil. Dr.-Ing. E. h. M. B u c h n e r fiihrte aw,
man habe mit Recht Geheimrat S o ni m e r s g r o k wissensehaftliche Verdienste urn die Erhaltung des Liebig-Laboratoriun~s
gewlirdigt. Aber was U t t e Sommer seine g r o h Intelligenz
genlitzt, wenn sich nicht mit ihr seine hingebende
Liebe zur Sache verbunden hltte. Nur- dadurch iei
es ihm gelungen, die sich zwei Jahrzehnte hindurch ungeheuerlich auftiirmenden Hindernisse zu beseitigen. Dann sprach
Dr. B. dem idyllisch gelegenen GieBen, seiner verstllndnisvollen
Stadtverwaltung untl seinen opferwilligen BUrgern warme Aiierkennung und herzlichen Dank aus. Von GieBen aus sei von
Liebig und seinen Schlilern die experimentelle cheniische
Forschung und das chemische Unterrichtswesen Uber die ganze
Welt verbreitet worden. Das sei ein Glanzpunkt in GieBens
Geschichte als Stiltte der Wissenschaft. Nimmermehr diirfe
das Gedhhtnis an cliese groDe Tat verblassen. So m6ge endlich, was er when vor inehr als auderthalb Jahrzehnten angeregt habe, in G i e h n ein L e h r s t u h l f l i r G e s c h i c h t e
d e r C h e m i e zur Ehrung des unsterblichen VerdiensteR
Liebigs errkhlet werden. Auch sollten in GieBen von Zeit
zu Zeit von namhaften Vertretern der internationalen Wissenschaft und Technik groBe Vortriige Uber alle mit dem Werke
Liebigs in Zusammenhang stehenden Fragen gehalten werden.
ZUIU SchluD gedachte Dr. B. der Damen, die durch emsige
Mitarbeit ihre Manner in der Erreichung ihrer Ziele in Wissenschaft und Technik liebevoll unterstiitzen, nach dem Reisplel
der klugen Gemahlin Liebigs, von der er otters in dankbarer
Anerkennung erwlhnt,, daB sie alles von ihm fernzuhalten verstand, was ihn von der Vollendung seiner wissenschaftllchen
Arbeiten hltte abziehen ktinnen. Am Nachmittag beendete ein Gang zuni L i e b i g - D e n k ni n 1 und dann eine Wanderung zur L i e b i g - H 6 h e die eindrueksvolle Tagung.
Jubillumstagung der HolMndischen chemischen
Oesellschaft und Tagungder Union internationale
de la Chimie pure et appliqude.
Dic Ntvlerlundsche Chemische Vereeiiiging feierte unter
dem Vorsita ihres derzeitigen Prlsidenten Prof. 0 1 i v i e r ihr
hjahriges
r.Bestehen in Cegenwart vieler nuswiirtiger G&te VOIII
15. bis 17. Juli d. J. im Haag. Deutschhnd war dabei durch die
Herreu B o d e n s t e i n , l i a b e r , M n r c k w a l d und S t o c k
verlreten. Aus dein reichen Progranini seien erwiihnt der Vorti-g vmi Generaldirektor B e r g i u s : ,,Knhle und Holz" an]
16. in einer allgemeirien Sitzung der Gesellschnft und der
Vortrug von Prof. S t o c k : ,,Die Beslimmung kleinsler Quecksilbermengen" a111 17. in der Fachgruppe fur analytische
Chemie. Am 17. fand eine Festsitzung staff, in der u. a. die
Herren H a b e r und W i 1 1 s t ii t t e r zu Ehrenmitgliederil
eriiannt wurden. Eine groUe Zahl von BegrikBungsadressen untl
-ansprachen bezeugte, welcher Achtung sich die hollandischen
Chemiker heute wie friiher in der Fachwelt erfreuen. Namens
des Vereins deutscher Chemiker, der Deutschen rhemischen
(iesellschaft und der Deutschen Bunsen-GesellschaIt uberbrachtcb
Prof. S t o c k eine Gluckwunsohadresse und Icniiplle claran die
folgenden Siitze:
,,Diesem offiziellen Gliickwunsch niiichte ich iioch einige
W o r k hinzuliigen. Wieviel die Naturwissenschaften und die
('lieniic! iiii besonderen hollandisrhen Forschern verdanken,
hiirteii wir soebeii sclioii von den Herren Vorrednern. Es sei
mir gestutlet, iiocli an eiue Tatsache zu erinnern, daD iiiimlicli
s i n besonders wichtiges Gebiet der Chemie fast ganz von
hollllndiechen Gelehrten entwickelt und, man darf slrgeri, rum
Abschlul3 gebracht ist: Die Lehre vorn vollstlndigen cheiiiischen
Gleichgewirlit. Di10 dies gerade hier geschah, scheint mir ltein
Zufall zu sein. Gleichgewicht, EbenmaB, Ordnung sind ja
besondere Kennzeiohen Ihres Landes. Gleichgewicht zwischen
Wissensehaft, Industrie, Landwirtschaft und Handel im Leben
des Volkes, Gleichgewicht zwischen den Ansprllchen des Geistes
und des Kbrpers in1 Leben des einzelnen.
4
Kauni ein underes, uicht unmittelbar an1 Karnpre beteiligtes
Volk hat darum wohl die furchtbare Sttirung im Gleichgewichte
der Menschheit durch den Weltkrieg starker und innerlicher
emphilden als das hollandische. So ist es auch begreiflich, da0
sich gerade die hollhndischen Kollegen besonders bemnhten, das
Gleichgewicht in der aus den Fugen geratenen wissenschaftlichen chemischen Welt wiederherzustellen. An der Spitze
unser verehrter Kollege und Freund, der derzeitige P r b i d e n t
der Union internationale de la Chimie pure et appliqube, Ernest
C o h e n , fur solche Aufgaben besonders berufen, weil ihni
nicht nur die Sprachen, sondern auch die H e n e n der VBlker
wohlvertraut sind. Er ging nicht die Wege cler Theorie und
guchfe durch Fragen und Antworten beider .%iten eine KllIrur~g
herbeizufohren, sondern e r packte clas Problem ills Experimentalfoncher praktisch an, indem e r in IItrecht 1922 die Spallstiicke im harmonischen Milieu der von ihni geleiteten Versaminlung unmittelbar zur Reaktion brachte. IJnd siehe da:
Sogleich entstand der Keim des Veretehens und der Verstllndigung. Geschickterweise geAhrdete inan dessen Entwicklung
nicht durch gewaltsanie Treibversuche, sondern lien den zarten
Wurzeln Zeit, nach allen Seiten in die Tlefe zu dringen. Jetzt
hat sich dieser Keim zu einer Pflanze mil verheiBungsvollei~
Knospen entwickelt. DaD es geschehen konnte, ist zuni sehr
grdOen Teil das 'Verdienst unserer hollllndischen Kollegen.
Ihnen heute auch Iiierfllr zu dnnken, gereicht m i r zu besonderer Freude!"
Dieser Sitzung folgten an denrselben Tage eiii Eiripfang
durch die Ciesellsehaft und ein Festessen, das, voii vieleri Redeii
gewurzt, einen sehr herzlichen und freunclsrl~nTllicheri
f'harakter hatte.
An die hollllndische Feier schloU sich die Taguuy tler Union
internationale d e la Chimie pure et appliqube an, a& der
19 U n d e r durch etwa 60 Chemiker vertreten waren. Auch w1
deren a 1 1 g e m e i n e n Veranstaltungen nahmeu die genannten
cleutsehen Heren teil, nie einige Fachgenasseii ails anclereri
Liindern als Giiste geladen. Auch diese Tagung nnhni eineri i n
jeder Hinsicht befriedisendan uud harmonischen Verlauf. Sie
war von Anfang bis zu Ende vom Geist internationaler Zusainrnenarbeit getragen. Benierkenswert iet, dub die Lliiicwr
verschiedene Anderungen ihrer Satzungen einstirnniig a n u a h ~ t ~ ,
tlaruiiter eine sehr wesentliehe, indem jetzt der Beitrilt niciit
niehr voii denijenigen zum C'onseil international de Recherches
abhiiiigig ist. In der SchluDeitzung kani der Wuusch nacli
Wiederherstellung der a 11 e Vtilker unifassenden Geineinschaftlichkeit in der folgenden, vom Prilsidenten Prof. C o h e n auch iii
deutecher Spraehe verlesenen EntschlieDung zu officiellem Ausctruek: ,,Die Union internationale de la Chimie pure et
;ippliqui.e ist glIlckllch, die deubchen, listerreichischen.
ungarischen und russischen Faehgenoesen zu begrUSen, die a b
Gllste an der Haager Vermmmlung teilnehmen. Sie hofft, daD
die chemisehen Vereinigungen dieser U n d e r sich bald Zuni Beitritt zur Union cueammenschlieDen werden." Aueh die beini
Festessen, das d i e olficielle Tagung am 21. Juli abschloD, gehaltenen Reden btmeten ausnahmslos besondere Henliehkeit
und betonten erneut den Wunsch, da% die Union recht bald
auch die noch aubnstehenden U n d e r umfassen mtige. Ini
gleichen Sinne dankte der BOjllhrige Prof. H. E. A r m s t r o 11 g ,
London, fur d i e 'Mitglieder, Prof. I p a t i e f f , Moskau, fur die
Gllste, dieser in deutscher Sprache, die Uberhaupt im Verlaufe
der Versammlung vie1 cu htiren war. Fast alle offiziellen Reden,
auch die der hollilndischen Minister, flochten deutsche Teile
ein ; von den beiden wiesensehaftliohen Vortragenden sprach
der eine (R u z i c k a) deutsch, der andere (K r u y 1) englisch.
Dio deutsehen Teilnehmer mu0ten den Haag, da ja die Ferien
in Deutechlmd noch nicht begonnen hatten, schon am 22. Juli
verlassen und auf die far die kommenden Tage vorgeeehenen
interessanten Bedchtigungen verzichten. Darunter leider auch
auf den Besuch der Arbeiten in der Zuidersee, durch deren
Trockenlegung 225000 ha fruchtbaren Laades, d. h. etwa ein
Zehntel der jetzlgen nutabaren Fllche Hollands, in] Laufe eineP
Menschenalters gewonnen werden sollen.
Zuni kUnftigen Prllsldenten der Union wurde Prof. B i i 1 m a ti 11, Kopenhagen, gewahlt, unter dessen Vorsitz die nlchste
Tagung 1930 in LUttich erfolgen soll. Flir 1932 ist ein internationaler ChemikerkongreB, der e n t e nach dem Kriege, in
Madrid vorgesehen.
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