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Die neuen Arzneimittel im Jahre 1900.

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Zeitschrift fur angewandte Chemie.
1901. Heft 11.
_____-
Die neuen Arzneimittel im Jahre 1900.*)
Von Dr. A. Eichengriin.
Wenn unier Bericht fiber die F o r t d r i t t e
ant' dem Grbiete der neucren Arzueimittel
sich diesnial <her einen bedeutend langcrcn
Zeitabschnitt erstreckt, \vie die friiheren, so
l i r g t der Grund fiir diese Anderung nicht in
ririem Mangel an Material an sich, sondern
in den1 grossen Missverhaltnisse, welches sich
besonders bei den pharmaceutischen Neuheiten des zweiten Semesters 1899 zwischen
der Anzahl der wirklichen Arzneimittel und
derjenigen der Neu benennungen, Nachahmungen, Rlischungen und Geheimmittel bemerkbar
iiiachte. llirses Missverhaltniss war so gross,
dabs eine eingehende Besprechung menig angezeigt erscheinen musste und leicht als eine
Bestltigung der eigenthumliclien , an iinsere
Adresre gerichteten, jetloch aus naheliegenden
Griinden von uns nicht beantworteten Beliauptruigen Rosenberg's ') hatte aufgefssst
werdcn kijunen , dass die chcmische Arzneimittel-Indiistrie am Ende ihres Kijnnens angelangt sei und die Arzteschaft sich deshalb
\ o n den ,,therapeutisch ganz werthlosen, fiir
s i e ein Greuel bildenden", synthetischen Verbindimgen a h und den Geniischen, die nach
besonderem (!) Verfahren dargestellt seien,
zuwenden miisse.
Erfreulicher Weise hat sich im Laufe
dieses Jahres das Verhlltniss zu Gunsten der
synthetischen Heilmittel bedeutend geLndert,
so dass wir in der Lage sind, uber eine
ganze Anzahl neuer, zum Theil recht aussichtsreicher Praparate z u berichten.
An erster Stelle stehen unter diesen, wie
fast stets der Zahl nach, d i e A n t i s e p t i c a ,
uiid zwar bilden bei den extern anzuwendenden, trotz der grossen Zahl bereits vorhandener , immer noch das IIauptcontingent die
Jodoform-Ersatzmittel, deren Charakter sich
allerdings insofern geandert hat, als es sich
im Wesentlichen nicht mehr um Jod-Substitutionsproducte organischer Kijrper , sondern
uni Wismuthsalze vom Typus des Airols
handelt. Doch sind auch d i e ersteren vertreten mit einer Eiweissverbindung des Jodols,
d e i ~J o d o l e n (Laquer) der Firma Kalle & Go.,
*) Das Manuscript ist der Redaction am 10. Januar zugegangen.
l) Pharmaceutische Zeitung 12, 1900.
Ch. 1901,
fiir desscn Einfiilirung ein Grund sicli brhwer
erkennen lasst , dil zur kisserliclien ,4nmendung das altbewahrte Jodol Toil koinmen geniigt , m r intrrnrn Darreicl~ung aber iiacli
Soinnterfeld Jodolen vollkonimen ringeeignet
crsclwinen m u \ . Dem Kamen nach nur
wenig unterscheiden sich ron ihm dab J o d y liii (Stephan), eine Jodverbinduiig unbekannter Zusainmensetzung, das J o d o z e n
(Merrel) , eine amerikanische Nachahmung
des Sanoforms , des jodirten Gaultheriaiils,
welches nur deshalb bemerkenswerth ist ,
weil es unseres Wissenb das erst? ameriksnische synthetische Arzneirnittel ist, dem
seine wirklichr Constitutionsformel statt der
typischen Bezcichnung ,,a coal tar derivatim:" als I<mpfchhuig init iinf den Weg
gegehen wird. Als solche wird Seitens der
Baseler chemischen Fabrik dem V i o f o r m ,
dem Jodchloroxychinolin, die bescheidene Bezeichnung ,,bestes Ersatzrnittel des J odoforms" beigelegt, welche jcdoch von Doyen
nuf Grund seines in der Academic de hfedecine am 13. 2. 1900 gehaltenen Vortrages
fyir sein im ijbrigen getieim gehaltenes P r l parat Proteo12) beanspriic.lit wird. Von den
airolnrtigen Kiirpern ist zunachst das A i r o g e n
zu nennen, welches rbenso n i e das im vorigen
Bericht
iihntr Airoform lediglich eine
Nachahmung cleq Airols selbst bildet. Diesma1 jst es eine Schweizer Firma, welclie deni
Sehweizer Antisepticitin dieses neue Concurrenzprapnrat schafft, ebenso v i e n u c l i sein
neues Analogon I b i t 3 ) , das WismuthoxgjodidTannat der Gesellschaft fur chemische Industrie Basel. Schweizer Ursprungs ist. In
dem C r u r i n (Edinger) hegegnen wir einem
alten Belcannten , dein ChinolinwismuthrhoS . HS CN)2 Ei (S CN)J4), weldanat (C, H, I
ches neuerdings vom pharmacentisrhen Institut
Ludwig Gans als Specialmittel gegcn UIcus
cruris anf den Markt gebriicht wird, \\ahrend
ein nnderes WismuthprZparat h l a r c a s o l Ton
a)
Proteol scheint ein Analogon der vielen
Formaldehyd-Eiweissverbindungen zu sein , welche
vor einigen Jahren auf Grund ihrer angoblichen
Fornialdehydabspaltung im Contact mit den Vundsecreten als Antiseptica empfohlen morden sind,
jedoch lreine Bedeutung erlangt haben.
3, Rirol ist
bekanntlich Wismuthoxyjodid-
GaUat.
4) Das Handelsproduct scheint jedocll schwankender Busaniniensetzung zu sein.
21
262
EichsngrUn: Nsue Arzneimittel im Jabre 1900.
___--
Kress & Owen, bezeichnet als Bismut - borophenat, also vermuthlicli cine Mischung, als
allgemeines Trockenantisepticnm dienen 5011.
Ebenso wie dies letztere Praparat aiiierikanischrn Urspriings ist das spcciell als
Antigonorrhoicum rinpfohlene hJ e r c u r o 1
(Schwickerath) \ o n Parkc Davis h Co., in
welrhem clas erste, nicht eine directe Nachahmung deutscher Priiparate darstellcnde,
synthatische Arzneimittcxl Amerilras T orlicgen
diirftc. Dirs Jtercurol ist das Quccksilbersalz tler XiicleXnsaure und cntbklt, wie das
Peptouquecksilbcr Pahl's, das Xetall in fester
Bindung und in iiiaskirter Form. Dss Gleiche
i s t zu sagen von dein entsprechenden Kupfcrsalze C u p r o l , \\elches jedoch, ebenso H i e das
Kupferprote'inst, das C u p r a g o l der V:trbenfabriken Term. Friedr. Bajer cY: ("o., sich
noch in1 Versuchsstadium zu befinden schrint.
Aiich das Silbersalz drr n'ucle'insiinre. dns
N a r g o 1, gleichen Urhpriiiigs, entliiilt analog
den cleutschcn Praparaten Argoniu und Protargo1 das Sillier in fester Bindung niit dern
Eiwei~smolekiil; dagegeii ltehrt die IchtliyolGesellsc.lr:~ftCordes. C1erni:inni & Co. mit c l t w
Ichthyoliilber, Iclitlinrq:tn, nieder ZLI tlm
eigentliclien. durch S:ilzsLurc und Chloride
It~icht syaltbaren, eiaei,sfiillenden S i l h r s a l L e n zuriick.
Eiri weiteres Iclithyolprlparnt bringt die gleiche Gesellscliaft in dt.m
durcb l h w i r k u n g ~ o i iForinaldehyd anf die
IclitEiyol~ulfosiiure erlialtenen I c h t h o f o r m ,
welchrs somohl iusserlich als Strenpulver,
wie irincrlich ali Darniuntisepticuni An-\\endung &den soll, analog dein Ichtlialbin Knoll.
Den berrits friiher erwlhnten Lijsungen von
Phenolen in Iclithpl, dell Anytolen, hat die
gleiche Gesellschaft jetzt Einzelnamen gegeben , y o n denen 11e t a >01 fiir m-KresolAnytol und der in Riicksiclit auf die nahelirgende Verwechslung init dem Nihnnittel
ELKit sin s chl ec.1it gemhhlt i>Kame R u c ns o 1
fiir Eucalqptuduiytol erwlhnt seien. Als
n e w (:oncurrrnzproducte des Ichthyols trcten
auf das I t l i t h y d r i n , anscheinend ein Kebenproduct der TclitliyoldarstelIm~~,
das I l l y r i n ,
desscu Gewinnungsort durch den Namen bereits angedeutet ist, das S p h u g n o l oder
Corbad, eine schmarze theerartige Substnnz,
ein Destillationsproduct des Torfs, und P i x
s o l u b i l i s , ein dnrch Sulfuriren in lijsliche
Form iibergefulirter Theer tlrr Firinal<noll&Co.
W i i h r c d die vorgenannten Producte
wcsenthli zum husseren G ebrauche bestiinnit
sind. eigiicn sich die Brompriiparatr B r o m r i g o n (Dieterich) der cIicmiscIien Fabrik
Helfabcrg, ein dein bereits frbher 1x1schrie1)enc.n Jodejgon analogrs Bromeiwciw
melchcs wie diesc.; in liislicher und unldslicher
Form, d. 11. XIS Pepton- itnd a14 i l b ~ u l i i n -
[angeivrndte
Zeitschriff ftir
Chemb.
lerivat in den Handel kommt, s o w i c daz
3 r o m 0 c o 11 (Britt) dcr Actiengesellschnft
iir Aniliiif;lbril~ation, eine brornirte Tannin;&tine (Tanocoll), sowohl zu externer n i t .
nterner Verwendung. Knr zu letzterer jtiin,egen dienen die Guajacolderivxte, \vie daz
f u a j a k i n o l (Cnstell), das I)ilroinguaj:tcolat5)
les Chinins, wclches jrdoch srhwerlicli.
beuso wenig w i c andere Substitutionsprolucte des Giiajjacols, noch desscn typischc
Wirkung besitzen diirfte , clie derri Thiocoll
talicverwundten e o s 01s a u r e n s ;ilz e(Wendt).
mgeblich die Salze der Acctylkreosottrisulfoanre, yon clenen d;ti Calciumsalz \-on Stern
ogar gegcii D i i h r t e ~empfohlen wircl. Ferner
L i s G u a i a n i a r (Endeniann) der hlallincbrodt
>hem. Works, der, ubrigcns sclion Tor Jaliren
,011 Altscliul dargestellte'),
Glycerinester de9
hajacols, unil TTor Allem das G u a j a s;inol
liinhorn) der Hijchster Fnrbnerkc, d a >
~iiitliylglycocollguajacol') drr Formel
0 CH,
'GH*
< 0 OC . CH, . N (C,
Wie diese Xlittrl zur Uelinndlung von Phthiht~,
rxirtl attch ~ o i i Stepp, welchcr zar Z r j t
iuch das Bromoforin -in der Therapie einge'&rt hat, das E l u o r o f o r n i , welches nach
\leslans*) durrh ISinwirkiing V C J ~ Pluorhilher
mf Jodoform crhalten mird, in wiisseriger
Liisung enipfohlen, ohne dass seine Beobiclitungen bis jetzt von nnderer Scitr Brstiitigung gefunden hiitten. Das Gleiche ist.
wenightens
in Deutschland. 1-on dem in der
"
medicinischen w i e der Tagespresse des Inand Auslandes nit grosser Reclxme aielbevpoclienen I g a z 01 (Cervello) zu sagcn, we1ches in vcrgastcm Zustande eingcathmet w r den und so die Tuberkelbacillen an ihrein
Sitze bekampfen soll. Das Priiparat wird in
den Therapentischen hlonatsheften als einc
,,Verbindung" aus Formaldehyd mit Trioxymctliylen und einem Jodkiirper brzeidinet,
nach unseren Untersuchiineen stellt es dagegen nichts Anderes dar, mie ein Gemisch
nus Paraform, Jodoform und Terpinhydrat.
Trotz der Besprechung dieses ,,neuen" Heilmittels auf dem Tuberculoaecongress und in
medicinischen Gesellschaften wird man gut
thun, sich demselben gegcniiber vor der Hand
skeptisch zii verhalten. Noch mehr oder
vielinehr n i c h t mehr diirfte ditbs niithig sein
bei den m%rchenhsften Slagncsiumsuperoxjd_
_
_
I
~
7
Dem Guajakinol wird nach der Union pharm.
12. 1900. eine Formel heigelegt, nelche rnit tler
Bezeichuung Dibrornguajacolnt nicht in Einklang
steht. sondern auf ein broinwasserstoffsaures Salz
hindeutet:
C 2 0 H , , N , 0 2 . 2 H B r . C,IIIOH.OC€I,.
') Americ. l'atcnt 112 775.
7> Einhorn. Munch. med. Wochenschr. 1. 1900.
XIY. Jahrgang.
m t 11. 18.MPrz mx.3
ElchengrUn: Neue Arzneimittel im Jahre 1900.
priiparaten, von denen das O x y d o l der
Oxydol Co. Limited, welches ,,nascirenden
Sanerstoff in Contact mit Eiweisssubstanzen
uricl Schleimhauten entwickel t ", somie das
O z a l i n w a s s e r der ,,chemisclien Heilanstalt
durcli Sauerstoff" Berlin angeblich s i c l i e r e
IIrilinittel gegen Lungentuberculose, Typhus,
Dim-hiien etc. etc. darstellen, das be-riihmte
\'it nf p r der Vitafer-Gesellschaft aber ,,eine
Sanerstofft.rnB1irimg zur Heilung a l l e r unheilbnren Lciden. wie Diabetes, Gicht, Lupus
11. 5 . w. bildet" nnd im Stande ist, die Harnsiiure im Organismus zu IIarnstoff zii o x y d i r e , (sic!!) und die normale a l k a l i s c h c (!)
Rexction des Harns wieder herzustellen. Ob
d a i Sj-nonyniuin cles ersteren Productes, das
O s y d o l Denaycr, cine Mschung von 3 verschiedenen Fermenten, bei Diabetes sich besser
bewahrt hat wie das aiigeblichr Magnesiumsuperoxyd , konnte noch nicht in Erfahrung
gebracht werden.
Kehren wir nach dieser Abschweifung in
das Gebiet der Gehrimmittel, zu den neuen
Antisepticis zuriick, so seien zunachst die
neuen Foriiialdeliydpraparate erwahnt . von
dencn dns C a r b o f o r n i a l (ICrell & Elb), das
T h c r i n o f o rrnol (Socidtd anonyme, Bruxelles)
zur Zimmerdesinfection, das A n i o d o l und
L y s o f o r m zur chirurgischen und nllgemeinen
Antisepsis dienen. Wahrend das T h e r m o f o r m 01 nur eine neue Form des Scheringwhen I'araform-Ueainfectionsapparates bildet,
stellt das C a r b o f o r m a l eine praktische und
handliche Neuerung dar, bei welcher die Vergasnng des Paraforms durch hnziinden und
Vergluhen der demsclben als Unterlage
dienenden Iiohlennapfchen resp. Briketts bemirkt mird. Ob auch das franziisische PrBparat A n i o d o l (SQdan) einen Fortschritt bedeiitet, diirftc trotz der grossen von Seiten
meciicinischer Autoritiiten und unter Beihiilfe
rcrschiedener Ministerien fur dieses ,.ganz
franziisische " Praparat entwickelten Reclame
sehr zn bezmeifeln sein. Dieses als ,,solution
de trimn6thanal" und r i m s Kiirpers d w Allylrejlie bezeichnete, lediglich aus einer Losung
on Paraforin jn Glycerin. die mit SenfsanientincturY) versctzt ist, bestehencle und angeblicli e m i n e n t bactericide Wirkung h e d z e n d e
Product bildet naeh unyeren Untersuchungen
nichts \vie einr mit Seiifiil parfiimirte, sehr
scliwache Formaldehydlasung. Diese ist vermuthlich durch die h i m Auflijsen des in
Glycerin nur schwerlijslichen Paraforms eintretende Spaltung des letzteren cntstanden, und
entsprechen ihre Eigenschaften insofern nicht
9) Diese wird nach A n p l o e cles Erfinders z u r
Verhinderune cler, wold n i x in dessen Idee bestehenden, giigenschaft des Paraforms, Eiweiss zu
co:igdiren, zugesetzt.
263
den Angaben, als die Sociktd FranCaise de
DQsinfection anscheinend die Begriffe ,,bactericid" und ,,entwickelungshemmenci" verwechselt hat. Aiwh das zweite Formaldehydpraparat L y s o f o r i n , \Tom Lysoform-Versandt
Berlin als ,,idealstes " Drsinfectionsniittel der
Gcgenrvart bezeichnet, durfte liaum als solchcs
zu betrachtcn sein, da es, \vie schon drr Name
andeutet, nur eine dem Lysol analoge parfumirte Seiferiliisung des Formaldcliyds darstellt.
Die Nothwendigkeit seiner durch
Patent (Dr. Stephan) geschiitzten Darstellungsweise im Autoclaven muss um so eher
bezwrifelt werden, als ihxn bereits in den]
- ohne cine solche Coniplicirung dargestelltca - Acyninol eine Kaelial~niungentstanden ist.
Das Lysol selbst i y t diesmal wiederum
durch zwei auslandische Nachehmungen vertreten, bei n elchen der Name anscheinend
auf das Kationalgefuhl wirken 5011, das
P h e n o l y a o l u r n h u n g a r i c u m und das
B a s 01 der Baselcr Fabrik Boliny Hollingrr
& Co. Die gleiclie Pirma bringt auch den
Vasogenersatz V a s a p on in den IIandel, der
als ,,Verseifungsproduct" von Iiohlenwnsserstoffen bezeiclinet wird. Lcider fehlen alle
Angaben uber den Chemisnius dieses g a n L
eigenartigen ,,Verbeifuigsprocesses ". Auch
das dem L j s o l so nahe verwandte Creolin
ist durcli zwei Prtiparate, das N e g r o l i n und
das K r e s o s o l v i n ,,Ahens" vertreten. W i i a
diese zur Grobdesinfection, insbesondere jedoch z a der auf Grund der neueren hlalariaforschungen besonders bedeutsamcn Yernichtung d er Bloskitolar \-en a i d Wassertiimp eln.
dient das S LL p r o 1 der cliemisrlien Fabrik
Niirdlinger, \\ ahrend fiir die in Anbetracht
der Pestgefahr ebenfalls
ichtige Vertilgung
vierbeinigen Ungcziefers, wie Ratten iind
hlausen in Sehiffs- und LagerrGumen, neuerdings das P i c t o l i n von Raoul Pictet & Go.,
ein Gemenge fliissiger Gase, vermuthlich C 0,
und S 0,, vielfach Anwendung findet.
In directem Zusammenhange mit den Antisepticis stelicn auch die Mittel zur Bekiimpfung parasitlrer Ilauterlcrankungen, von
3enen zwei neue geruclilose Scahiesmittel z u
iennen siud, day J? p i c a r in'") cler Farben'abrikm T-orm. Frietirich Rayer tk G O . , die
3 - 0 nnphtyl-o-oxj
~~
-m-toluylyiiure
/OH
C, H,LC 0 0 B
\CH, - C,, H, . OH '
nelchr iliren physiologiselien Eigcnschafttin
inch ala entgiftetes Naphtolderivat anzuseheii
st lint1 das, in BicinusiillSsung P e r u s c n b i n
pnanntc, P c r u o l der Actiengrsellscltaft fiir
10)
Eicliengrtin, Pharrn. Centr.-€Idle No. 7, 1900.
21 '-
264
_______
Eichengrlln: Neue Arzneimittel im Jabre 1900.
Anilirifabrikation, der von E. Erclmann") ali
wirksanier Bestandthoil drs Perubalsams
nebcii dem Cinnamei'n, Styraciii und der
Zimmtsiiure erkannte BenzoBsiiurebenzylester
C, H, C O O . C H 2 . C, H5. Beide Priiparate
werdeii ~ i c l f a r hin Salbenforni, geliist in einem
Arzncimitteltriigrr :tnqen an&, derrn miederum
eine ganze Reihe, zum Theil direct rnit eincin
incorporirten Arzneiuiittel nen erschicnrn 5incl.
Von tliescn srien crwHhnt das dem Vaselin
nnhcstehende L i p o g e n i n , russiscbcn Urs p r u n p , die naphtalannrtigen Producte P e t r o l a n (Hell) und V a s c l i n u m a d u s t u m
s a p o r i a t u n i (Unna), ciii ciurch ErhitLen von
Vasrlin dargestclltrs, Imnzliches Prodiict, gemiaclil, mit stearins:tnrein Nntron. mclches in
H e m g auf physikalisclie Reschnffenheit und
theraprutiiche Wirkung d(1m Naphtdan voll\tRnindi g qleiclikommen 3011. Ein wciterrs
nnphtalanartiges Prodnct, das I d o n a p h t a n
(Brantlt), enth!ilt noch Jod, ebenso \vie tlns
clcni Joclvazogcii nachgcbildete Jodosolvin.
Das Vasogen sclbit .ivnrclc Ton Roch und
Bedall durcli rinc iiiit ihrn in ihrrn Eigenstlinften iiberrinstiinmc.nde Mischung von Vaselin, Vaseliniil oder Olei'n, mit Unguentum
Parnffini uncl alkoholischem Ammoniak rrsetzt, welche V a s o l i r n e n t genannt wurtlc.
Den Seifen naliestehende Salbcngrundlagen sind S a p o l a n (Zibell), dargcstellt ails
cincin Saplitaproduct iuibekamter Zu samiiirn5etLung. Laiiolin niitl Seife. weiterhin S a p o
i i a t r i i p c r o x j clati, mrlclie von Urina 1)ei
Alrne 7md iihnlichen Hnutkranltheiten warm
cmpfohlrn nircl, so\iie dici ca. 3 Proc. Querkdbercareinat m t h n l t c d e u Scifenpiip:irite:
S np o d e r n i i n id L : t ~ o(1c r niin. Als ncue
Pflastermassc client V i s c i n , cler aiii cler
eiisiw AJistcl hergestrlltc Vogclleim, n elclier
\ich n a c l i Itiebl als billiger lhsatz drs ICriittscliuks bewGhrt.
Z i i Shnlichen Zwec-ken
(+el
,ich P e r l c o l l o c l i u m (Dr. Per1 & Co.),
(bin Btherfrcies, unbescliriinkt fliissig b1eiljc.ntles Ckdlocliuin, wihrend das ebenfdls elastischc' Hkutclien bilclende C h i r o 1 t k r Firiiin
1. D. Ricdel, eine Aiher:Llkohol-Liisunf von
IIarzcBn uiicl fetten iilen, specie11 als rteriler
Ubermg i k r IIRnde des Operateurs dirnen
5011.
Gelien n i r jetzt zii den neuen z u inntlrI i cli E in G c 11 r a n cli e bestirnmten Arzneimittcln
iiber, 7 on denen wir die interiien Antiseptics lwreit.: aufgefiihrt haben, so b i n d zuiiiichbt, z\v(ai iieue Sclrlafmittcl zu erwiihnrn,
tlas 11 e d o 11 a 112) dcr Farbenfabriken vorm.
Friedrich Bxyer & Co., tlar Sfethylpropylcarbiiioluretlian
~~
XErdmann, diese Zeitschr. 1900, S.987.
Ureser, Vortrag, gehalten a. d. 71. Vcrs.
Deatscher Naturf. u. Arzte.
N H,C 0 . 0 . I3C
[angewnndte
Zeitschrift Air
Chemie.
E3%7,
wrlches iiifolge seiner Ungiftigkeit sicli insbesondere als ungefihrliches Schlafmittel Lei
leichter Agrypnie eignet, und (Ins auch als
Antisepticuiii und AnBrtlieticnm empfohlme
C h l o r e t o n von Parke Davi, & Co.. Letzteres ist nichts Anderes, \vie das bercits 1888
von Willgerodt dargestelltr Acetonchloroform,
we1 ches schon ~ o i ilicwmi.
i
sl'riter von ICcissak
und nciirrdings von Rudolf seiner uberxus
starkrn, Blutdrnck hernbsetzrnden Eigcnschaften 7%egen als rech t gefiilirlic~hbezeichnet
wurtle. Von dieser Tlratsaclic findet sicli in
den amerikanisclien meclicinisclren Publicationen iiber dirses n e w Nittcl el~rnsovenig
rinr Angabe, wic i i h r den Unistand, dass
das Chloreton unter dcm Knrnen Aneson bereits seit Jalireii a k Angstheticurn ther:tpeuTon nnderen
tischc Anwrnching findet 13).
Anlistlieticis ist in dicscr Rrriclitsperiode
n i c k zu erwiihncn, trotz der intensil en. diirch
das Interesse, welches das 0rt)hoform gefunden
hat, verursacliten Thatigkeit nnf diesem Gebietc. :ihmsehen yon eincr :i,iisl%ndis;clien
Naclialtinung des lrtzteren linter dein Nanicn
Mannin.
Von iicuen Fieberiiiittelii erscliien das
E u p ) r i n (Ziniiner R: Co.), das Athjlcarbonat
des bereits vor liingerer Zeit'*) von Goldsclimidt dargest elltcn Vanillinplienetidids :
wrlclies ron Orcrlach , seiner stiniulirentlen
Wirkung wegen, cinpfohlcn wird. W e i t r r hin sind zu beinrrken das :t c (x t v 1s :I I i c Y 1s a u r e imd k a r n p h e r s a u r e Salz des Fyraniitloiis clcr Hiichster Farbxwlie, sowie
das acetylsalicylsnure Antip? rin, m-clches trotz
seiner Unliestkndigkeit - in Folge drr
leichten Alispaltbarkcit der Acetj lgriippc voii Hell & Co. linter tleni Kamen h c e t o p y r i n in den ISaadcl gebracht nird. %-ie
dicses Praparat z i i (leu ejnfaclieii Salzen zu
rechncn ist das S i d o n a l von Jaffk R: Darmstldter, das chinasaure Piprraziu, welches
cbenso, \vie in1 voriqen Jalir d:~b Urosin,
clas chinamure Lithium, mif Grimd rler friilier
erwahnten Wcizs'srhcn Theoric iibcr die Wirkuiig der Chinas5urr ituf die H a r
dimg gegen Gicht rinpfolilci~ TT iril.
])as
PrRparat lint iii medicinischcn Iirciseii gro3ses
Interesse crregt, oline dass clir lehliafte Di5cussion iibcr seine lT\TTirliLmgrinc. tlcfinitiw
Anfkliirung iiber seincri Wrrtli otlvr UnTFertli
and vor Allcin fiber (lit. n ~ e r l miri1ict.r T'tTrize
ld) Dewar.
The Therap. Gazette 2, 1900.
,,Cliloretone first brought to the notice of the me:lien1 profession by lioughton & Altlerich.'. (!)
D.lZ.1'. ,I, v. 23.5. 1896.
XIV Jahrgmg.
Hen 11. 1% MLrz 1901J
Elchengriin: Neue Arzneimittel im Jahre 1900.
gar niclit T-entilirte Frage gebracht hatte, ob
die erzielten Erfolge nicht lediglich anf den
Piperazingehalt zuriickzufiihren sind, mas bei
den ungewohnlich hohen Dosen, in denen
das Priiparat gereicht wird, sehr nalieliegend
erscheint. Trotzdem durfte, \vie ails vorliegenden Pateiitanmeldungen zu schliessen
ist, dem Sidonal noch mancher Concurrent
in Form anderer chinasauren Salze entstehen.
Auch die ubrigen zum innerlichen Gebrauch empfohlenen neuen Arzneimittel gehiiren in die Reihe der Salze, so das K i n e u r i n , das glycerinphosphorsaure Chinin,
das E u c h i n i n u m t a n n i c n m , ein viillig geschmackl oses, gerbsaures Salz des Ellchinins,
und das eigenthiimliche Priiparat B a s i c i n
(Kreidmann), eine Nischung von salzsaurem
Chinin und Coffek, cigenthumlich durch den
Umstand, dass diese Mischung, die des, fur
den Chemiker selbstverstandlichen, niedrigen
Schmelzpunctes wegen, vom arztlichen Erfinder als c h e m i s c h e V e r b i n d ~ n g ' ~erklart
)
wird, ausserst leicht wasserliislich ist, noch
eigenthiimlicher aber durch die ihm zngeschriebenen therapeutischen Eigenschaften.
E s stellt niimlich das nach Ansicht Kreidmann's ,,einzig in unsereni Srzneischatz dastehende Prapsrat" ein pflanzliches Antitoxin
dar, welches mit Alkaloiden, wie Atropin
oder Strychnin, gemischt, edit antitoxische
oder bindende Eigenschaften annimmt (!) mid
d a n n bei fast allen acuten Infectionskrankheiten ein Specificum bildet.
Zur Klasse der Alkaloide gehiirt ferner
noch das Y o h i m b i n der Chemischen Fabrik
Gustrow, die von Spiegel aus der Yohimbeherinde, einem Producte unserer WestafBkanischen Colonieen, isolirte Pflanzenbase, welche
ein wirksames Aphrodisiacum clarzustellen
scheint.
Gleichfalls nus einer Rinde gewomen wird das F o r t o i n von Zimmer &
Go., die Methylenverbindung des Cotoi'ns, und
wie dieses als Stypticum bei Darmerkrankungen angewandt, jedoch ohne ersichtlichen
Vorzug vor den bewiihrten Tanninpraparaten.
Zu letxteren gesellt sich neuerdings das
H o n t h i n (v. Sztankay) der Firma Hell & Go.,
eine ungarische Nnchahmung des Tannalbins,
diesem nach ungariscben medicinischen Publicatioiien angeblich bedeutend uberlegen,
beim Felilen ,,niancher " Nnchtheile. Ebenfalls cin Tanninderivat ist das L a c t a n i n
(Schmoll) der Usines du RhGne, das Bismutum lacto-tannicum, dargestellt durch Einwirkung von hlilchsaure anf Wismuthtannat,
wahrend das B i s m u t h a n yon Kalle & Go.
Dr. med. Kreidmann stellt die merkwurdige
Behauptung auf, dass statt Basicin ebensowenig
Chinin und Coffern angewandt werden konne, wio
statt Salicylsaure Carbol- und Xohlensaure (!).
15)
--__
eine Eiwcissverbindung letzteren Netalles darstellt. Eine wcitere Eiweissverbindung mit
adstringirenden Eigenschaften ist das A 1u m i n i um c a s e i n a t u m (Me Iey er), melches j edoch wegen der von Kobert constatirten
schadlichen Wirkung interner Aluminiumgaben scliwerlicli Beachtung finden durfte.
Interessanter ist das pflanzliche Stypticum
K O - sa m , ein Extract der Brucea Sumatrana,
mit welcliem Mougeot 16) in Sai'gon besonders
bei Dysenterie bemerkenswerthe Resultate
erzielt hat. Die entgegengesetzte Wirkung
dieses Praparates hat der wirksame Bestandtheil der Cascara sagrada, welcher schoii
1872 von Leprince isolirt, jetzt unter den1
Namen C a s c a r i n in den Handel kommt.
Ebenso erscheint das altehrwurdige Ricinus61 in neuem Gewande unter dem Namen
R i c i n o s e. Von weiteren Producten vegetabilischen Ursprungs seien erwahnt das G o m e n o l (Prevet & Go.), ein aus einer neukaledonischen Pflanze hergestelltes und gegen
Krankheiten der Respirationsorgane empfohlenes, und K a l a g u a , ein belgisches, von
eineni Botaniker entdecktes und von einem
Zoologen in die Therapie eingefthrtes Praparat, anscheinend ein coffei'nhaltiges Tonicum, das von der Theobroma Kalagua, einer
Verwandten der Theobroma Cacao, abznstammen schejnt. Uber die Indication scheinen
sich die Fabrikanten noch nicht gmz einig z i i
sein, da in der Broschure die ursprungliche
Bezeichnung: RemBde contre la Tuberculose
Pulmonaire iiberklebt ist mit einem Aufdruck :
Contre la DBchQance nutritive").
Einen immer breiteren Platz unter den
Pflanzenproducten nehmen die Hefepraparate
ein, von denen P u r u n c u l i n , S t a p h y l a s e
und M y c o d e r m i n e , nach Art des Leyurins
als EIeilmittel, letzteres sogar gegen Diabetes,
S i t o g e n (von rsicoq, das Getreide?), sowie
F o r c e , ebenso \+ie die altercn Priiparate
Carnos, Bios, Eurostose etc., als Ersatz des
Liebig'schen Fleischextractes dienen sollen.
Letzterer hat iibrigens selbst neuerdings den
Namen L e m c o erhalten, wahrend sein Concurrenzproduct Tori1 in verdiinnter Form
unter dem Namen B u f f o , und ein neuer
Fleischextract unter dem sehr unpassend gcrvahlten Namen N e r v i n in den Handrl
kommt. Einen Fleischsnft in fester loslicher
Form bildet das Ztimol, Plasma musculaire
lenQchQyon Rigand & Chapoteaut. Derselbe
st franziisischen Ursprungs, ebenso wie ein
Pflanzenextract , auf dessen Heilwirkung in
Frankreich grosse Hoffnungen gesetzt wer_____
'6)
Nouveaux rembdes 19. 1900.
'7In
neucster Zeit wird das PrLparat jedocli
tuch in Deutschland als Tuborculose -Heilmittel
tnnoncirt.
266
Eicheagriia: Neue Arzneimittel im Jabra 1900.
den'*), das N e c t r i a n i n , ein von Bra auc
der Xrctria clitissima, dcm Krebsparasiten
cler Apfel- und Birnbkune dargestelltes Praparat. Bra hat dasselbe, wegen der Ahnlichkeit clcs letzteren mit dem von ihm a u k
Sarkoruen und Carcinonieri isolirten Pilze, bei
mit K eubildnng behafteten Personen sitbetitan
mit b islter ermuthigenden Rrfolgen angemancit.
Oh solche auch die iieuen t h i e r i s c h e n
Organextracte aiifzu\i &sen hnben, dcirfte bei
einigcn rlerwlben mindrstens zweifelhaft wscheinen. Insbesondere gilt dies \Ton dern
mrrk\riirtligsten aller bisher dargestellten
Organprlparnte, das unsere friiher aufgestellte
Behauptung , es sei liein extractionsfaliiges
Orgall des thierischen Xiirprrs mehr aufzufinden, glHnzend widerlegt, dem P I a c e n t a E x t r a c t zur Erzeugung \ o n Fettansatz tmd
Milchprotluction voii Riclixrd Richards Harvey "). Sicht \veniger skeptiscli niiiss man sich
vorlaufig gegenitber clen iieiien franziisischen
Organopr3iparaten verhalten, wie G a s t e r i n
(FrQmont), dern ails hfngenfisteln von Himden
gcmonnrnen Magensaft mit angeblich 4 Proc.
freier Siinre: dem I x o d i n (Sabbatani), drm
\\irksamen, mittels pliyriologischer Iiochsalzliisung c,xtrahirten Bestaiidthcile cler Holzzecken, wclchrr iihnlith dt.m Blutegelrxtractr
die Blntgcrinnung verhindern und d e n Bluttzen soll: clem A n t i Q t h y l i n
em Serum gc'gen Tninlrsucht (!),
gem oiincn voii allioholisirten Thieren, mit
~velchen :iuffdlender Weisc namhafte Lrzte
Erfolge clrzielt haben iiollrn2"). Weit n ertlivoller dagegen erscheincn die lieiten deutschen
Npluertniercn-Praparate, dns S u p r a r e n i n der
Hiichater Farbit erke, das brenzcatechinartige,
von T Fiirth isolirte"), \Toni Epinephrin Abels,
[welcltei verniuthlicli seine Wirksamkeit tiur
\eineni Suprareningehalt~ verdimkt ,] verschiedene, wirksame Princip , sowie ~ l a s
d t r a h i l i n , ein haltbarer Extract der Nebcunieren.
Itt,c.ht v ~ ~ t l i v o l l eFortschritte sind in
tlieseni Jalire nuf dem Gebiete der Tuberculinuiii Kocliii zu verzeichnen, welch letzteres ielhst \ o n Unna in die neue, auch extern
bei I ~ i p i i s ctc. anzuwendende Form der
T u b e r c u l i n - S e i f e gebracht wurde. Eineryeits liat Behring in Gemeinschaft mit Ruppel
:tiis drm niittels EssigsBure aus dem Tuberkelbacillc.n-Extr:wt gewonnenen tuberculinsaiiren
Tiihcrcwlosamin die freie T n b e r c u l i n s B u r e
clargwtellt, welche er fur d a s Priipiparat hBlt,
melcht~sauch olinr Glycrrinzusatz am 1angstt.n
\&en specifiachen Gjftwerth behalt. AndererBra 13Mongour. Revue rnhdicale 28.2.1900.
Franzos. Patent No. 290 877.
zo) Conf. Deutsche med. Wochenschr. 1900. 32.
21) Siehe diese Zeitschrift 1899, Heft 48.
Is)
19)
[
Zeibehrift fir
angewrrndte Cheniie.
seits stellte Lanclniann aiis der Bouillon rowohl wie aus den Bacterienleibern se1h.t
dnrch fractionirte Extraction bei ateigendeii
Teniperatnren einen Auszug dar, in welcheni
alle in den ersteren enthaltenen Gifte unveriindert resp. unabgescliwacht entlialten
sind, \\ ahrend nach dern bisherigen Trrfahren
dnrch die hohere Temperatnr eiiiige abgeschn iicht oder ganz uimirksam gemacht wurden. Die 50 erhaltenen, vcreinigten ond concentrirtcn Extracte bringt E. hlerck linter
den1 Namen T u b e r c a l o l in den Handel.
Wie stets sind aurh einige neue Schilddrusenpraparate zii verzeichncn, niinilich d:i\
T h y r e o g 1o b u l i n (Osw ald) iintl &is 0 i o T h y r e o i d i n (Lamhotte und Clcrfeyt). In
die Klasse der Fermente dagegen gehiiren
schon die OrgmprIparnte P c g n i n der
Hiiclister Farbmerke, ein Labpriparnt, melches
die Gerinnung der Knhmilch in solch' feiinertheilter Forin ermbglicht, mie dies bei clcr
Frauenmilch der Fall ist, P a n k r c o n (Tliontas
& Weber) der chemischen Fabrik Rhenanin,
ein der peptischen Magen\wdauung lnnge
widerstehendes und Eimeiss sehr schnell ~ e r datiendes Pankreas-Priiparat, feriier R o b 0 1 .
ein angeblich aniylolj tischm iin d protcolj tisclies Verdauungsferment, welclies jedocli
vorllufig trotz der obligaten Irztlichen Einfiihrungrarbeit in die Klasse der Geheimmittel zii verweisen ist. Dem Namen nach
verwandt sind ihm dn 5 spiter zii erwlhnende
R o b o r i n nnd clas R o b o r a t . welches schon
zu den eigentlichen K i i , h r p r I p a r a t e n gchiirt, deren Zahl sicli in dirser Renchtsperiofie wieder beileutentl 7 ermehrt hat.
Das R o b o r a t (Samson) der Firma Kivmiillcr, uber welches wir bereits an anderer
StcIIc berichtet 1iattenZ2), hat seitdem anscheinend wine 1i:igrnschaftcn piintlert und
stellt jetzt ein dem Aleuronat sehr Ihnlichrs
Klehrrprkparat dar, dessen in clen Annoncen
behauptete LGslichkeit in Wasser wohl niir
von deui Erfinder nnd der fabricirenden
Firm;iZ3) constatirt merden kann, da Roborat
ebenso wie Aleuronat nur quellbar ist. Ganz
unlii slich sind die Fleischeiweisspri p ar ate
S o s o n drr Torilgesellschaft, ein diirch Alkoholcxtraction gereinigtes Fleischmehl, S a l v a t o s r , ein angeblich aus kalt getrocknetem
roliem Pleisch clargestelltes frnnziisisches
Nahrpriiparat der StQ. de Conservation e t
Fabrication de Produits Alimentaires e t
Suralimentaires (!) zu Paris, ferner das ebcnfalls franz6sische Product p o u d r e d e bifteclk
Adrian, sowie dar seinen Narnen mit Unrecht
____
- _.
Diese Zeitschrift 1900.
23) Dieselbe nracht die rnerkwhrdige Angabe:
Roborat ist loslich und quellbar in dern Maasse wie
a s die Eiweisslrorper der Natur sind.
22)
XIV.Janrgang.
Heft 11. 12. MHrz 1901.1
EichengrUn: Neue Arzneirnitrel im Jahre 1900.
267
tragende, aus geronnenem Milcheily
steliende L a c t o - E i p u l v e r (Bernstein) cler
vereinigten Sterilisatoren-Werke Kleeinann
C% Co.,
als Ersatz fiir Hiihnereier zii Backzwecken empfohlen. Von liislichen NahrprLparaten ist zii nclnnrn A r m o n r s s o l i i b l e
b e e f , ein Albuniosenpriiparat, welches jedoch
ziir HSlfte aus den wrrthlosen Leimalbumoscn
bestrht, fcrncr N a o , vclchcs stolz ,,Food of
Life" genannt x i r d und ungeblich nus dm
,,gall z en", enthaiiteten undgereinigtenKiirpcrn
von Ochsen, Viigeln oder Fischen dargestellt
v,ird. wahrmd es iiach dem Pateiite von Timmi
lecliglicli ails Abfallprodncten. Xnochen nnd
Selinen, durch Auskochen erhalten wird, also
iin Wescntlichen a i l s fiir die Ernahrung
nicht in Bctracht kommenden Leimsubstanzen
bestellen cfiirfte. Von liislichen Cas?'inproducten vom Typns der Kutrose ist neii erschicnen das G a l a c t o g e n , ejn stark alkalisch
reagirciidcs Case'insalz der Chokoladenfabrik
Thiele & Holtzhause, Belches eng mit dem
famoPen Magnesiomsuperosyd der Vitafergesellschaft zusanimenh~ngt, dessen Krfinder
%her die erstaunliche Entdeckung berichtet,
dasz es i h n ,,sogar" gelungm sei, Case'in in ein
Eiweiss Ciberznfiihren, welches in kochendem
Waiser geliist bleibe ! Recht einfach diirfte
wolil die Fabrikation des nenen JIilc1ic.i~ve i s s der Rheinischen NShrmittelmerk~sich
gestalten, welches lecliglicli iiu5 einer mechanisclien Mischnng von C a s e k nnd trockener
Soda besteht, also ein verschlechtertes Plasmon
darstellt. Ein letzterem sehr lihnliches Casei'npraparat ist cler H iinia t 01-N a h r s t off (Nicmann) der ,,Gesellschaft fiir sero- und orgtnotherapeutische Producte ", dessen Namen ohne
ersic.htlichcn Gruncl in Anlehnung an die Blutpriiparate gewlihlt ist").
Letztere bilden in
Folge ihre riiberaus einfachen Darstellungsweise
clas Hanptcontingent der neuen Nahrmitte125)
iind sind im Grosseii und Ganzen in nichts yon
den Llterrn Priiparaten vom Typns des 11"
am atogens und des Hiimalbuniins verschieden. Neu
zu nennen sind yon den liislichen Bluttrockenpraparaten H a m of e r r u m (Stearns), H a m o f o r m (Libbertz), H a m of e r r o g e n (Smeek),
E n b i o l (Schweitzer), Si cco (Schneider),
R u b i n (Sauer), T r i f u s i a etc.; wahrend yon
inliislicheii F e r a l b o i d , O r g a n o - F e r r i n
:Wiegand) und R o b o r i n (Dieterich) der deutxhen Roborinmrrke, sowie H k m a z o n e Delestre, ,,die durch chemisehe SjntEiPse ! ! dar;estellten Prinzipien cles Hiimoglohins ", zii
nennen sincl.
Ebenfalls cin BlutprSparat. jcdoch scdion
in die Iilasse der Jlartia1iaz6) gerechnet, ist
dns F e r s a n , eiiie von Jolles durch Einwirkung von Salzsiiure auf die rothen Elutkiirperchen gewonnene wasserliisliche Verbindung nit einern Gehalt von ca. SOProc. Eiweiss,
0,25 Proc. Eisen und 0,12 Proc. Phosphorsaure.
Da dieser Gehalt den der meisten Hamoglobintrockenprlparate in keiner Weise iibertrifft. ist
weder die Angahe der iisterreichischen Fersanwerke, dass Fersan clas e i n z i g e Praparat
sei, welchcs nicht allein den Charakter eines
Eisenprgparates, sonderii auch den cines
N l h r p r a p r a t e s habe, ebenso 17 enig zu w r stehen, wie die Behauptung. eb enthielte
Eisen und Phosphor in organischer, hochmoleciilarer Form27). Kine gleiche Bngabe
machen Dr. Fritz und Dr. Sachs.;e. W e n , \*on
ihreiii :mscheiiiend dem Fersan nahe 1 erwandten Eisen- resp. Blutpraparat S l b o f e r i n . Ebenfalls in organischer, doch in
weniger fester Riiidung \\ ie in den Hiimoglobinpraparaten findet sich dm Eisen in cler F e r r a t o s e Koehringer , welche lediglich eine fliissige Form des bekannten Ferratins darstcllt.
Einen ebenso hohen Eisengehalt wie letzteres, niimlich 6 Proc.. besitzt das V e r r i n o l
(Schwickerath) von Parke D m i s L" Co., ein
den oben erwLhnten Silber-, Kupfer- und Quecksilbersalzen der NucleFnsiiure entsprechendes
Eisensalz. Wlhrend das Ferrinol aus der
Hefe-Nuclei'nsiiare dargestellt wird, hat Salkowski aus der durch Pepsinverdauung von Casei'n gewonnenen Parnnucleinsiiure eine rsisen'
verbindung erhalten, welche nicht weniger
als 22 Proc. Fe enthiilt. Vom Nucle'in selbst
leitet sich d:ts F e r r a t o g e n (Schnioll) clcr
Baseler chernjscheii Fabrik :rb , dargestellt
durch Cultivirung yon Hefe auf eisenhaltigrn
Nahrbiiden mit nachfolgender Pepsinverdauung.
Dasselbe enthalt jedoch nur 1 Proc. Eisen
in wenig fester Bindung. Noch loser ist
Hamatol Niemann der gleichen Gesellschaft
Conf. diese Zeitschrift 1899,
is t ein Blutpriparat.
.
Heft 10.
25) Dem abfilligen Urtheile Rosenstein's iiber
diese Klasse von Nahrmittcln schliesst sich jetzt
auch L. Lewin an, der den Blutpraparaten nur eine
vorubergehendc Wirkung zuspricht, da sie ebenso \vie
j e d er dem Organismus zugefuhrte fremde Eiweiss'stoff im Stande sein, auf den irgendwo und irgendmi0 in demselben gestorten Eiweissstoffwechsel zeitweilig a n d e r d einzuwirken. (Rosenstein. Deutche
medic. Wochenschrift 1899, No. 17. Lewin, ibidem
1900, No. 48.)
berg versucht, die Eisenpraparate durch die eisen-
26)
24)
Als Curiosum sei hier emahnt, class Bufs-
haltigen Eier mit Eisensalzen gefutterter Huhner
zu ersetzen. Doch enthalten dieselben nur oin Mehr
von 0,00205 g Fe pro Ei, so dass nach Loges und
Pingelerst durch ca. 100 Eier pro die die gleiche
Eisenzufuhr wie durch die ublichen Gaben cler
neueren Eisenpraparate erreiclit wurde.
27) Die Form der Bindung cturfte doch wohl
dieselbe sein wie die in jedem anderen Hamoglobinpraparat, und d a diese ebenfalls keine Schwarzfarbung des Stuhles bemirken, ist auch die Behauptung,
dass Fersan das einzige ,,Eisen"prwpsrat sei, welches
dies nicht thue, unberechtigt.
268
Eichengriln: Neuo Arsneimittel im Jahre lgoo,
diese bei dem Ferrichthol, welches lediglich
ein Eisensalz des Ichthyols darstellt. Recht
beyuern haben sich die Troponwerke die Darstellung eines Eisenpraparates gemacht, indem
sie einfach Tropon mit Eisenzucker mischen
und das ,,neue" PrHperat als E i s e n t r o p o n
,,mit und ohne" Mangan in den Handel
bringen. Noch hdher stehend vom chemischen
Standpunkte ist das S p l e n i f e r r i n (Claaiz),
ein angeblich zu Patent angemeldetes (?) hIilzeisenpriiparat (auf Neu-Latein ,,Perrum S p k natum", mit Hhnlich kiihner Wortbildung wie
das Spinateisen oder Spinolum liquidum carnosum). Das Spleniferrin enthiilt nach den
Angaben des chemisch-pharmxceutischen Laboratoriums Claasz das Eisen nn die Fermente (! !)
der Mjlz (Flcischeiweiss und Nucleoalbumin!)
chemisch gebunden, vorsichtiger Weise wurde
aber seine Wirknng durch Zumischung van
Eisencarbonat verstiirkt. I:in weiteres Eisenpraparst, das 0 s t e o g e n , ein Kallreisensyrup,
gehdrt ebenso wie G a d o l , eine neue Lebcrthranemulsion, schon in das Gebiet der Specialitiit en, wiihrend einige anclere zit diHtetischen Zwecken lieu eingefiihrte Producte, wie
V e g e t a l i n , eine dem Palmin anitloge Kokosbutter, S a n a , eine tuberkelbacillenfreie2*), mit
Hiilfe yon hfandelmilch statt Kuhniilch bereitete Margarine der Sana-Gesellschaft Clew
und C ( . r e b o s , ein Phosphate als ,,Niihrsalze"
enthaltendes Tafelsalz, schon mehr denLebensmitteln zuzuziihlen sind trotz Empfehlung in
mediciiiischen Zeitschriftrn. In letztmen v i r d
auch einhfalzextract, dasCermly1, als ,,Arznciniittel" gegen Ncurastlienie, Aniimie etc. angeprirsen, mit dem eine neue Klasse yon
pharmacentischen Fabrilrantcn auf der Bildflache erscheint, nLinlich ditl It. R.P. P. Trapistes h Chambarand. I3in Zeichen der Zeit!
Kehrrn mir jetzt LU den neuen Arzneimittelit zuriick, so sind zuniichst ausser den
bereits vorstehend genannten noch eine game
Anzahl solcher zu erwiihnen, welche lediglich
durchIkd egung cines neuen Namens entstanden
sind. bo wurde beispiclsn eise das bereits antm
dem Naiiien I~rlriiinethyl Andsthyle und
Bfetitbyl eingefiihrte Gemisc h am Athyl- und
Mcthylchlorid, welches zur localen AnHsthesie
benutzt mird, \ o n Spc4t.r A n H s t h o l l,enannt,
das Aim1 crhielt, n i e bertlits gesagt, den
Nameu A i r o g e n , Orthoform den Namm
hfann in, Krcolin dic Uaineii N r g r o l i n mid
K r e s o s o lviii , Migraniu") w i d e Ph e n a z on
.
-____~_
-
as) Die Voraussetzung, dass Sana tuberkelbacillenfrci bleibe, hat sich nicht erfdlt. Lydia
Rabinowitsch, Zeitschrift f u i Uutersuciiung der
Nahrungs- und Genussmittel 1900, Heft 12.
29) Der Curiositat wegen sei erwalmt, dass in
dem ,,Ileum'' Mittel Cephalin die Zusammensetzung
des hfigrdnin insofern gehndert wurde, als statt
Coffein gebrannter Iiaffee genomnien w i d
henannt und das Saccharin erhielt zu seinen
vielen Namen neiierdings die Benennungen
S y c o r i n , G l y c o s i n und G l y c o p h e n o l ,
wahrend sein Methylester wahrscheinlich zur
Verriiigerung der Zollgebiihren unter den1
Namen A m e r o l in Amerika eingefiihrt wird,
um dort durch Verseifung in das freie Sac:harin iibergefiihrt zu werden. Eine Umtaufe
,eitens der Fabrikanten s e l b s t haben sich
msser dem bereits erwiihnten Anytolen auch
Theurer's Hknoglobin-Albuminat in P e r d y n a m i n , der bisher linter dem Namen Nutrol vertriebene StLrkesyrup wegen seiner Ahnlichkeit
mit dem Wortzeichen Nutrose in N u r a l , sowie
aus ahnlichem Grund das friiher beschriebene
Mercurial in M e r c u r a l g a m gefallen lassen
miissen. Unter neuem Namen, jedoch ohne
jede neue Indication wurden ferner von bekannten chemischen KBrpern ,,mueingefiihrt"
die kakodylsauren Salze, welche jetzt in
Prankreich niit sehr zwcifelhafter Berechtigung dieselbe Rolle als Allheilmittel spielen,
wie vor Kurzem die glycerinphosphorsauren
Verbindungen unter dem Namen A r sy k o d 7I e,
ein Gemisch von Ammonium- und Kaliumpersulfat als Appetit anregendes Mittel als
P e r s o d i n e und das Saligenin unter dem
Ferner erhielt das
Namen D i a t h e s i n .
Hexainethylentetramin, welches bereits iiber
eine stattliche Anzahl neuer Namen verfiigt,
den Namen C y s t a m i n (Squire &j Sons,
London) und C y s t o g e n seitens der Cystogen
Chemical Co. in St. Louis, welche sich das
Verdienst zumisst, gegeniiber den t h e u r e n
deutqchen Priiparaten jetzt ein b i l l i g e s Product ,,manufactured in America by Americans"
auf den Narkt zu bringen, dasselbe aber
trotz dieser eigenthiirnlichen Begriindung Zuni
fiinffachen des deutschen Preises verkauft.
Ebenfalls sritens einer amerikanischen Firma
Parke Davis & Go. wird das Nitroglycerin
unter der alten Bezeichnung der Homdopathen
G l o n o i n ,,neu 'Leingcfuhrt. Die iibrigen neucn
Mittel amerikanischen Ursprungs stellen lediglicli willkiirliche Mischungen meist reclrt
zweifelhaften Werthes Tor, auf w e l c h wir
an anderer Stelle zuriickkomnien werden.
Aucli an derartigen Gemischen deutsclier
Provenienz besteht kein Mangcl, doch seien
aus ihrer grossen %ah1 nur wenige herrorgchoben. Wahrend bei einigen dieser ,,neum
llfittel", wie beispiels\+ rise bci dem, lediglich
aus einem Alkoholextracte bekannter, zum
Theil officineller Pflanzen bestchendcn, ,,inneren" Mittel gegen Gonorrhoe, Idocher's
Antineon3'), bei C a l m i n , Clem iron einem
Arzte als Specificum gegcn Reuchhusten dar_ _ _ _ _ ~
30) Dasselbe wurde yon einem Arzte als ,,epochemachende Umwblzung.' bezeichnet, als ob es c l a i
erste interne Gonorrhoemittel ware.
XIV. Jrhrgang.
Heft 11. I8.MPrz 1901.l
Elchengrtln: Neua Arznaimittel im Jahre 1900.
289
gestelltcn Gemisch von Antipyrin und Heroin, Paraffin, Carhol. " Sollte der sauerstoffreiche
dcm A n t i r h i n o l , einem solchen aus Tannin, Kohlenwasserstoff niit dem destillirten unbeSalol und Sandelol u. s. w., wenigstens die kannten Alkaloid nicht doch ein Geheimeinzclnen Componenten der Mischung wahr- mittel sein? Allerdings ein Geheimmittel,
heitsgemass genannt sind , ist bei anderen dessen Darsteller in die Lage gesetzt worden
trotz anscheinend genauer Angaben der Be- ist , mit einem Bestatigungsschreiben des
Kaiserlichen Gesundheitsamtes Reklame z u
standtheilr ihre w i r k l i ch e Zusammensetzung
mit eineni dichten Schleier des Geheimnisses machen.
Sellsstverstiindlich fehlen anch unter den
umgeben.
Daliin gehiiren in erster Linie
das schon vorher erwghnte V i t a f e r , uelches neiien Geheimmitteln die Keilmittel fur Diaam reineiii J1agnesinmsnperoxj d hestrhm betes nicht, und zwar enthalten sie nach be5011, iiach den Untersiichungen von Janke, riihniten Mustern als unfehlbares wirksames
&layer, Vertun, Spiegel, Aufrecht u. A. aber Agens entweder Pankreatin oder Syzygiuni
nicht nur kein solches, sondern uberhanpt nur Jambolanum. Zu ersterer Kategorie gehiirt das
Spuren activrn Sanerstoffes enthalt, dagegen sclion erwahntc O x y d o l und das S a c c h a r o neben Magnesiumcarbonat griissere Mengen s a l v o 1(Meissner), ,,ein organo-therapeutisches
Natriumsulfat, dessen Bildung, wenn die Dar- Praparat, hergestellt dnrch E i n w i r k u n g !
stellung nach dem eigenartigen Patente 107 231 von ,,OrthooxybenzoEsaure" auf das ( P ) diaDr. Oppermanii's'') Tor sich ginge, ganz uner- statische Ferment des pankreatischen Saftes
ldarlich n are.
Trotz dieser nachweislich und auf Riickenmarksubstanz ". Die Lorbeeren
~)
Herrn Meissner
fnlschen Angaben der Zusammensetzung und des G l y ~ o s o l v o l s ~scheinen
tlcr in Hinsicht auf letztere selbstverstandlich nicht rnhen gelassen zu haben, ebenso wie diefalschen Behauptungen uber die eminente jenigen des - neuerdings auch aus der GoldHeil~irkung~'),darf das ,,Heil"mittel unge- scheider'schen Klinik3') desavouirten - A n t i straft in den Tagesblattern annoncirt werden. m e 1 1 i n s (Biirsch), des Glycosids ") aus
Wohl auf glcicher \\ issenschaftlicher Hiihe Syzygium Jambolanum, Frau Rosa Bauer,
stelit Roscnberg mit seiner als Gonorrhoe- Inhaberin des Instituts fur Diabetikerheilung
mittel empfohlenen S o l u t i o K o r e s t o l i , be- auf dem (Fabel -)Schlosse Wettinerh6he bei
steheinl aus : forniamidsiIlfosaurem Zink (?), Zitschewitz, welche das Diabetesmittel D j o e a t
jodphenolsiilfosa~~rem
Zink , Jodverbindungen zum Preise von 30 M. die Flasche, nach dem
.
Mittel
Lingesiittigter Rohlenwasserstoffe, sowie unge- Auslande z a 50 M. ~ e r k a u f t ~ ~ )Das
Gttigten gasfiirmigenKohlenwasserstoffen. Der besteht nach Aufrecht aus einer Abkochung
erste Bestandtheil zerfallt (warum?) in der von Syzj giimfruchten, Leinsainen und anderen
Harnr6hre nach Riigitbe tles Erfinclers in indifferenten Stoffen. gemischt mit Kochsalz
schwefelsanres Zink , Ammoniak iind Form- uncl Diuretin, nach Angaben des ,,Instituts"
aldehyd. Hat Rosenberg niemals etwas yon atis Djoeatfruchtsaft, Ballutrindentinctur, BergHexamethylcnamin gehiirt und von der Fall- fieberwurzel und Lorbeerblattersalz! D a hierbarkeit des Zinks aim scinen Salzen durcli nach die Bestandtheile ,,gemeinverstandlich'
angegeben sind, ist das Mixtum k e i n Gednimoniak ?
Ebenso klar nntl gcmeinverstandlich, wie heimmittel und steht einer Reklame in clen
Tageszeitungen etc. nichts entgegen.
die Angaben fiber cliez n e w Antigonorrhoicum
Einen neuen Gesichtspunkt in die Diabetessind diejenigen, welche R. Spicgler iiber sein
,,Schutz- nnd I-leilmittel bei Tul)c.rculose,T;liund- behandlung bringt die Pharmacie Moulins
mtisepticum, Ersatz fiir Jodoform, Verhincle- Paris mit cler Solution permanganique arsQnirnngsniittel von Kiterungen, Blutvergiftun- cale oder M a n g a n e s i a , zu deutsch einer
Mischung von Kaliumpermangaiiat und arseniggcn, Wiindfiel.)er, Maul- und Iilauenseuche,
Gefliigelkranklieiten, H e i s e r k e i t d e r saurem Kali, welche sich bei einer NachKa n a r i e n v 6 g e l u.s . ~",. genanntpr o p o l i s in, prufung durch B1omquist selbstverstandlich
macht. Die braune, iilige Flussigkeit , dem als viillig werthlos erwies, dagegen aber dem
Oleum cerae des Handels sehr ahnlich, hcsteht Djoeat im Preise kaum nachsteht. Nicht
nach dem Erfinder im Wesentlichen ails s a LI e r 33) Diese Zeitschr. 1900, S. 58.
s t o f f r e i c h e n !! ! Iiohlenwasserstoffen und
34) Hirsehfeid, Verein f. innere Medicin. Berlin
cinem noch nicht &her erforschten Alkaloid.
,,Es ist kein Gehcimmittel, sondern ein 1900.35) Dasselbe wird in den Annonoen des ,,lnTrockenrlestillationsproduct, mie (! ! !) Glycerin, stituts fur Zuckerkranko, Berlin" neuerdings einfach
______
als Methylhydrochinon bezeichnet, ohne dass W r
diese Angabe der goringste Beweis erbracht ware.
31) Das Patent ist ubrigenb auf den Namen
36) Das Mittel ist ebenso wie die vorgenannten
lleinhsrd Wagnitz aubgestellt.
nach den nenesten Untersachungen v. Noordeqpoll38) Die therapeutische Wirkung durfte wohl
standig werthlos, conf. Zeitschrift fur pact. Arztc
auf Grund der factischen Zusammensetzung in einer
10. 1.1901.
starken Abfuhrwirkung bestehen.
22
Ch. 1901.
270
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[sngewandte
Zeitsehrift fUr
Chemle.
Prior: Zur biologischen Bierpriifung.
~
I
mindcr wirksaln diirfte das neue i h l a r i a mittel A n t i - F B b r i f u g c (also dem Namen
nach eirentlich
fiebercrhaltend!). trotz seiner
"
Empfahlung durch in chrerc ti-anziisische TropenKrzte, Rich erweisen, derin es besteht nncli
Linsertv Uiitersuchung ledigliclr aus ge1)ulvertern Etroiitiumcarbori~~t,
wiihrend un5 clie ZIP
smimensetzung des allernruesten Lldariaund Gichtmittels B e r t o l i n , trotz der Angabc
.,cnthilt weder Colchicin noch Salicylszure ",
noch cbeiiso unl)elianiit ist, \vie seine ,,:mmknnnten Erfolge ".
IDas die rneisten dieser untl tlcr vielcn
nicht irufgezlhltrii neueii Geheiiiiniittel arhtliclie Anerkennungsscl-ireiben untl Gutacliten
aufzuweiscn halien. kmii Lei tier schoii :in
anderw Stelle") betonteii irztlichen lndalgenz
niclit vern underlicii rrscheiuen , v ( m i dicsc
auch selten so z u Tage tritt \vie in tlem
Urtlieile cines fr:inziisischcIn ArLtes iil)cJr das
T':s:inofCle. eiue RIischiiug \on Cliinin wid
arsensaurem Kisen, welclier riicht nur (Lies
I'riiparat iiberaus lobt, soiidcrn s o g n y o weit
geht, dcssen fiir ein , , n e w s Arzrieirnittel"
nieht gernde \ertrfiuener\\,eckende l'illenform
fur iiberuus gliicklich gewiihlt , , p o ~ vne pas
dire inspirdc " xu clrkliiren.
steht aber zu hoffcn, dass xenjgstens
in Deutschlantl die ofieiie hnssprache fiber
diese F r a g e :iuf der N:Lturforscherversammlung i n Aac hens8) wenigstens d i e Folge haheii
wird, dass sirli die Iirztlichen Prufer rnehr
mit dtbr Provenienz uncl deiii Chemisrnus ncucr
Psiparate LLI beschiiftigeii anfangen ~verden~').
ehe sic an clie klinische Prcifung und Tor
hllem an d i e Publication der l+;iiifiihrungsarbeit herangehen. 13s \iiirdc da.; iiur i i i i
beiderseitigeii Tnteresse lienen, denii die auch
bei mehreren der oben bcsc~1iriel)ciiennencii
Praparate sic11 \vjcderuni zeigenclt. Krschcinung, dass die iii der Kinfiihrungsarbc4
hervtor gehobenen Vorhiige uiid Wirkungcn clrr
ersteren von andcrer b e i t c nlsbald direct bebtritteii imcl sogar widerlegt mcrdrn, gcreichr,n
wedrr dem einfiihreiiden Arzte LUP Elire,
nocli idem Frtbrikaiiteu zur Freude.
,
13;s
~
Diese Zeitschr. 1900, S. 60.
38) Conf. Arztliches Vereinsblatt 1900, No. 433,
43-2, 435, 436.
39) In dieser BeLiehung verdient das in No. 103
tler Apothclrer-Zeitung beschriebene Vorgehen eines
Brztes Nachahmung, welclier das ihm augesandte
l'raparat E k z e m i n (dommer), welches ,,fast alle
Hautausschlage, selbst nassende, auch Schupprn
und B:irtflechtcn" heilen SOH, dern Ph:Lmi.- Cheni.
Labordtorium der Universitat Berlin v o r cler Anwend~ingzur Untersuchung einsandte, dorch welclic
festgestellt wurcle, dass das ,,neiie" Mittel ein gefnrbtes Gcniisch aus Fett und Scliwefel sei.
37)
Zar biologischen Bierpriifung.
\'on E, Prior.
(Mittlieilnng ail5 der ~ u u kgl.
i
bayer. Staate
sabv. Versuchsstation f u r Bierbrauerei zu Nurnberg.)
Es gclwiigcn nicht selten in den giihrungsphpsiologisclien Lahoratorien der Versuchsstatioiien Biere zur Untersnchung, welche neben
Hefen dcr rcrschiedensten Arten auch hfikroorganisnwn entlialten , die in steriler Wiirze
bci unbeschranktein Luftzutritt vornehmlich
an cler Oberflkhe der Niihrflfissigkeit wachsen und die anwesenden Hcfen derart iiberwucliern, dass es unrnbglich ist, diese rein
zu cnltiviren und zu charnkterisiren.
Zu tlieseii liier in Eetraclit kommcnclen
Mikroorganismen geh6ren die M j codermaarten
uiicl Saurebakterien.
Nun kann man zwar durcli Zusiitze zur
Nzhrfliissigkeit d i e I'htwickelung der angefiihrten hIikroorgmisnieii hemmuen. ohne diejenige der Iiefeii erlieblich LLI beeinflussen,
doc11 habe icli gefuntleii, tlass der Erfolg
niclit in :1llc11 Fiillen siL'her ist und gewisse
I1cft~:irtc.n (lurch solclic, Zusktze ebeiifalls
in der Kntwickclung zur<ickgehalten erden.
Es spielcn hierbei dir Hefcart, drr Vegetation\zust:md der verscliiedrnen Hefezellen
iind llIikroorgaiiisrrien, das VerliLltniss der
1Iefe:trten z u einander und z u den iibrigen
Ilikroorganismen cine Kolle.
Diese Nachtheile lazseii sich in der Kegel
vcrmeidcn, weiin iiiuii dic Ncihrliisung, BierwkLe 11. dgl.. in welclier d i e Bier:tbsltze
caltioirt werdeii. iuit rciiieiii, in striirnendern
Wasserdampf zuvor sterilisirteiii Vaselinol
2 - 3 mm hoch nach cter hussaat der Zellen
iib ers chiclitet .
Dicae ieit Ironaten IU tleui giihrungsp h j siologischen 1,aboratoriuni dcr Station in
Niiriiberg angewaiidtc schr einfache Vethock
hat in den meisten Fiillrn sehr gnte Dienste
geleistct , iudein es hei Anwesenlieit tier er\\ iihuten
Xlikroorganismen imnier gelungen
ist. die vorhandenen Hefen vor Gberv ucherung z u scliiitzeii uiid zur I<ntnickelang zit
bringen, uiii sie alsciann n:tcEi den Mrtbodcn
von I - I ~ n s e n\\ eiter cultil irrn id anal) siren
z u kiinntm.
Wir i n ; ~ l r c i i jetzt b t e t b z\\ 6.i Criltru.c:ii.
ciiic niit iiiid cine oline Vasrliniilschicl~t.
Aurli ziir Trcnniuiq :rndercir ;r&rober und
:tnaFrobvr hIikroorgiiiibmen ctiirftc die beschricbcnc eiafitche hlethode , wenn Bcschriinkuiig cles T,uftLiitrittei geniigt, giltti
1XeLirte leistcn und die bckannten, sonst zn
li :iiiqei~antlten, nieist unistiind1iclit.n Verfahrcii ersetLcri kiinnca.
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