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Die Neuordnung des preuischen hheren Schulwesens.

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kommt. Die in erster Linie auf Wissen gerichtete intellektualistische Einstellung der hoheren Schulbildung lehnt die
Denkschrift ab, denn sie sei ,,durch die Kulturbewegung
der Gegenwart, durch die Psychologie der Wertgebiete,
durch die Ziele der Jugendbewegung, durch das neuere
Personlichkeitsideal iiberwunden, das a 11e Anlagen im
Menschen, auch seinen Korper, den Willen, das Gefiihl,
das Irrationale im Leben zu einer H a r m o n i e d e r
G e s a m t p e r s o n 1 i c h k e i t ausgestalten will''.
Die harmonische Personlichkeitsbildung mui3 in Einklang gebracht werden mit der E r z i e h u n g z u m G e in e i n s c h a f t s s i n n. Dieses Bildungs- und Erziehungsziel fordert aber auch andere Arbeitsmethoden und Umwertungen in der Rangordnung mancher Unterrichtsgebiete.
Der auf Selbsttatigkeit, auf freiwillige Betatigung und auf
SelbstandigeLeistungen derschiiler gerichtete A r b e i t s u n t e r r i c h t wird zu einer Grundforderung erhoben;
ferner sollen Werkunterricht, Kunsterziehung (Zeichnen
und Musik), staatsbiirgerliche Erziehung und Korperkultur starker beriicksichtigt und bewertet werden. Eine
Vertiefung der Bildungs- und Erziehungsarbeit in diesem
Sinne ist aber nur moglich, w e n n j e d e S c h u l e
ihre besondere Bildungsaufgabe erhalt
und so die Schiiler auch zu einer allgemeinen wissenschaftlichen Leistungsfahigkeit fuhrt, die ihnen den Zutritt zu den Hochschulen und zu allen hoheren Berufen
ermoglicht. ,,Doch soll keine der verschiedenen hoheren
Schulen als Vorschule fur besondere Berufe oder Fachgebiete angesehen werden, und keine darf sich ihr inneres
Gesetz weder von einer Berufsgruppe, noch von der Universitat, noch von der technischen Hochschule vorschreiben lassen."
Die vier Schularten der preuijischen Neuordnung
sind: 1. D a s a l t s p r a c h l i c h e G y m n a s i u m ,
dessen Zoglinge ein v e r t i e f t e s V e r s t a n d n i s d e r
A n t i k e aus den Quellen gewinnen sollen. 2. D a s
R e a I g y m n a s i u m , welches in ein n e u s p r a c h 1i c h e s G y m n a s i u m unigewandelt wird, in eine
Schule, die ihr Bildungsgut aus dem modernen E u r o p a i s m u s schopfen soll. Die Geschichte des modernen
deutschen Geistes seit der Reformation und Renaissance
in ihrem Kampf und Ausgleich mit Frankreich und England stellt das Hauptbildungsgut dieser Schulart dar. Demgemaij werden Franzosisch und Englisch die fiihrenden
Sprachen; das Lateinische sol1 starker zuriicktreten; Mathematik und Naturwissenschaften werden erheblich eingeschrankt. Neben das Realgymnasium mit grundstandigeni, also in Sexta beginnendem Latein tritt noch das
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f o r m g y m n a s i u ni niit denselben Zielen, mit einer
neueren Sprache als grundstiindiger Fremdsprache und
Latein von Untersekunda an. 3. D i e 0 b e r r e a l s c h u 1e , die zum m a t h e m a t i s c h - n a t u r w i s s e n s c h a f t l i c h e n G y m n a s i u m wird; Mathematik
und Naturwissenschaften werden die fiihrenden Unterrichtsfacher; die neueren Fremdsprachen treten etwas
mehr zuriick und erhalten die Aufgabe, mehr in die
Gegenwartskultur der fremden Volker aus modernen
Quellen einzufiihren. 4. D i e d e u t s c h e 0 b e r s c h u 1e. Sie soll ihr Hauptarbeitsgebiet dem d e u t s c h e n B i l d u n g s g u t entnehmen und eine Fremdsprache griindlicher, die andere mehr peripherisch betreiben. Gymnasium und Realgymnasium einerseits, Reformrealgymnasium, Oberrealschule und deutsche Oberschule anderseits erhalten von Sexta bis Quarta,
Oberrealschule und Reformrealgymnasium von Sexta bis
Unterseklinda einschlieDlich gleichen Unterbau, um den
Obergang von einer Schule zur andern zu erleichtern.
Die geistige Einheit aller vier Schula r t e n sol1 gewahrt werden durch die Einordnung der
Doermer: Die Neuordnung des predischen hBheren Schulwesens
38. Jahrgang I X I ]
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Im Betriebe mu6 natiirlich die Losung in der Flasche
etwa jede Woche erneuert werden, wenn sie sich zu stark
mit den Oxpdationsprodukten angereichert hat.
AuBer Leuchtgasfabriken diirften vielleicht auch
andere Fabriken, die dauernd einen kleinen Sauerstoffgehalt in ihren Gasen kontrollieren miissen, Verwendung
fur die Methode haben. Bei kleineren Gehalten als etwa
0,s :b wiirde das Durchleiten unbequem lange Zeit erfordern. Man kann d a m natiirlich einfach durch Verwendung hellerer blaugriiner Farbfolien das zu durchschreitende Farbintervall abkiirzen, mu6 dann aber den
Xpparat eichen, was leicht durch Beobachtung eines
Gases geschehen kann, das nach L u b b e r g e r analysiert ist.
[A. 193.1
Die Neuordnung des preufiischen hoheren
Schu 1w esens ').
Von Prof. Dr. L. DOERMER,Hamburg.
(Eingeg. S . / l ? . 1924.)
Den Schul- und Erziehungsfragen wird heute weit
mehr Interesse entgegengebracht als friiher, denn ihre
Bedeutung fur die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes darf nicht mehr unterschatzt werden.
Demgemaij hat der Verein deutscher Chemiker schon
niehr als 20 Jahre an den Arbeiten teilgenommen, die
eine Verbesserung des Unterrichts erstrebten. Die grundlegende Reform des hoheren Schulwesens in PreuBen will
,,im geschichtlichen Zusammenhang der bisherigen Entwicklung" die Reforrnbestrebungen zum Abschluij bringen.
Eine kurze Wiedergabe des wesentlichen Inhaltes der
preuijischen Reforniplane an der Hand der Denkschrift
des preuijischen Ministeriums fur Wissenschaft, Kunst
und Volksbildung kann daher auch an dieser Stelle ebenso
sehr auf Interesse rechnen wie die Beantwortung der
Frage, ob die Reform wirklich den heutigen padagogischen
und kulturellen Bestrebungen in1 allgemeinen und den
vom Verein deutscher Chemiker wiederholt geauijerten
Wiinschen im besonderen gerecht wird.
Die Idee der sogenannten A l l g e m e i n b i l d u n g ,
d. h. einer allseitigen Bildung, war im Grunde schon bei
der preuijischen Schulreform im Jahre 1901 - f o r m e 11
wenigstens - aufgegeben, als die Gleichberechtigung fur
Gymnasium, Realgymnasium und Oberrealschule ausgesprochen wurde. Die Differenzierung des kulturellen,
\\ issenschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, die seitdem noch stark fortgeschritten ist, hat zur volligen Aufgabe der Vorstellung gefiihrt, dat3 es eine gleiche Allgemeinbildwig fur alle gibt. Trotzdem aber suchten in die
Schule - vielfach mit Erfolg - immer neue Kultur- und
Fachgebiete einzudringen, teils ihres vermeintlichen allgenieinbildenden Wertes wegen, teils wegen ihrer Bedeutung
fur das praktische Leben. Dadurch entstand eine ,,stillose Uberfiille unausgeglichener Fachinteressen" und eine
,,Buntheit unserer hoheren Bildung", die zur ,,Verflachung,
Oberflachlichkeit und zum Dilettantismus", statt zur Vertiefung und Griindlichkeit fiihren niuDte. Daher gibt der
preufiische Reformplan das alte Ziel der Allgemeinbildung
bewuDt und endgiiltig auf und stellt v i e r v e r s c h i e d e n e S c h u 1t y p e n auf, von denen jeder einen besonderen Kulturbezirk als Hauptarbeitsgebiet zugewiesen beI ) N x h der Denkschrift des preuljischen Ministeriums fur
Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und den Stundentafeln
zur Neuordnung des hoheren Schulwesens vom 31. 10. 1924.
lieide Srhriften sind verlegt yon der Weidmannschen Buchhandlung, Berlin.
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Doermer: Die Neuordnung des preudischen h6heren Schulwesens
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hoheren Schule in die E i n h e i t s s c h u 1e. Das soll erreicht werden durch starkere B e t o n u n g d e r s p e z i f i s c h n a t i o n a l e n B i l d u n g s s t o f f e fur alle
hoheren Schulen im organischen Zusammenhange mit der
Bildungsarbeit und den Bildungsstoffen der Volksschule.
Jede hohere Schule ,,wird ihre Hauptaufgabe darin erblicken, die besonderen Bildungsziele, deren Pflege ihr
iibertragen ist, nicht mehr um dieser selbst willen, sondern
wegen ihrer Zusammenhiinge niit dem deutschen Bildungsleben zu betreiben". Im Mittelpunkte der Schularbeit sollen daher Deutsch, Geschichte, Erdkunde, philosophische Lektiire und Religion stehen, die als k u 1 t u r k u n d 1 i c h e F a c h e r bezeichnet werden, und denen
etwa ein Drittel der Gesamtstundenzahl zugebilligt wird.
Einen breiten Raum nimmt die Auseinandersetzung
der Denkschrift mit der sogenannten e 1a s t i s c h e n
E i n h e i t s s c h u 1e ein, die ihre Schiiler nur in einigen
K e r n f a c h e r n zusammenhalt, daneben aber mit steigendem Alter der Schiiler eine steigende Zahl von K u r s e n einrichtet, an denen die Schiiler nach ihrer individuellen Begabung und nach praktischen Bediirfnissen der
Berufsvorbereitung teilnehmen. Im extremsten Falle soll
bei der Einrichtung solcher Kurse jeder Begabung Rechnung getragen werden. Eine solche Schulform wiirde die
verschiedenen Schularten, wie sie die preufiische Reform
vorsieht, iiberfliissig machen, weil jeder Schiiler alle Bildungsmoglichkeiten in den Kursen findet. Die Denkschrift befiirchtet eine zu starke Zersplitterung der Interessen der Schiiler durch eine groijere Zahl von Wahlfachern, die meist ohne innere Beziehung zueinander und
zu den Kernfachern bleiben. Altgeheiligte Schulformen,
wie das Gymnasium, waren in dieser Weise iiberhaupt
nicht mehr zu erhalten. ,,Eine Verkiirzung des Schulunterrichts in einem zur Einheit und Harmonie abgestimmten Bildungsgange, der dem Schuler Lust, Kraft und
Mui3e zum eigenen freien Bildungsstreben laat, diirfte der
Personlichkeitsbildung meist zutraglicher sein als die
Uberfiille der Anregungen in Kern und Kursen."
Die preuijische Unterrichtsverwaltung will den Schulen, den Schiilern und den Lehrern auf andere Weise die
F r e i h e i t schaffen, die zu erspriealicher Arbeit unentbehrlich sei, indem sie verspricht, das B e r e c h t i g u n g s - und P r i i f u n g s w e s e n , die S t a r r h e i t
d e r L e h r p 1a n e und die durch Priifungen sicherzustellenden U n t e r r i c h t s z i e 1e , vor allem auch die
R e i f e p r ii f u n g s b e s t i m m u n g e n zu reformieren.
Die Lehrplhe sollen nur Richtlinien und Anregungen darstellen fur die einzelne Schule, die ihr Arbeitsgebiet, ihre
Stoff auswahl, ihre Besonderheit und Eigenart selbst bestimmen soll. An die Stelle behordlicher Regelung soll
jedoch nicht die Laune des Fachlehrers, sondern die Arbeitsgemeinschaft der Lehrerschaft treten. Diese soll die
innere Einheitlichkeit des Unterrichts schaffen und dem
Einzelfach seine Aufgaben im Rahmen des Gesamtunterrichts zuweisen. Auch die S t a r r h e i t d e r S t u n d e n t a f e 1n soll gelockert werden konnen durch Stundentausch von Lehrern, durch Zuweisung einer geschlossenen
Stundenzahl an einen Lehrer fur einen bestimmten
Zweck u. a.
Die B e w e g u n g s f r e i h e i t d e s S c h i i l e r s
nach seinerbesonderenBegabungistdanach
durch die von der preuDischen Unterrichtsverwaltung geschaffenen starren Schultypen stark eingeschrankt. Wo
alle vier Schularten in einer Stadt vorhanden seien, bestehe nach der Denkschrift diese Bewegungsfreiheit in
ausreichendem MaBe, insbesondere auch durch die schon
erwahnte Angleichung der Schularten im Unterbau. An
kleineren Orten mit nur einer hoheren Schule dagegen
stellen sich groije Schwierigkeiten ein, weshalb empfohlen
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Zeitschrift ftn
angewandte
Chemie
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wird, dort Schultypen wie das Realgymnasium und die
deutsche Oberschule zu wahlen, die nicht so sehr auf besondere Begabungen eingestellt sind, wie das Gymnasium
und die Oberrealschule. Da die preuBische Unterrichtsverwaltung jedoch diesen Mange1 in der Bewegungsfreiheit selbst empfkdet, will sie in beschrhktem Umfange
Gabelung in Prima nach bestimmten Fachgruppen zulassen und jeder Schule fur die Oberstufe sechs Stunden
zur Verfiigung stellen fur Zusatzunterricht und Arbeitsgemeinschaften, die den besonderen Begabungen zugute
kommen sollen. Sonst aber soll aller w a h 1 f r e i e U n t e r r i c h t wegfallen, falls die Schiiler nicht selbst die
Kosten dafiir aufbringen.
Um der O b e r b i i r d u n g d e r S c h i i l e r zu begegnen, wird die Gesamtstundenzahl auf 30 herabgesetzt;
ferner aber soll im Zusammenhang mit der Vereinfachung
und Vereinheitlichung der Lehrpliine die Art der Arbeit
der Schiiler in der Schule wie im Hause reformiert werden. D i e h a u s l i c h e A r b e i t SOU aus dem Arbeitsunterricht herauswachsen; alle Arbeiten, die nicht mit der
Klassenarbeit zusammenhhgen und ihr dienstbar gemacht
werden, werden als wertlos bezeichnet. ,,Je individueller
die Hausaufgabe ist, je mehr selbstandiges Arbeiten und
Nachdenken sie erfordert, desto wertvoller ist sie." Die
nioralischen Schadigungen durch die Mogeleien sollen dadurch eingeschrankt werden, die Arbeit soll versittlicht
werden. Die Einiibung, Wiederholung und Befestigung
miissen mehr als bisher dem Klassenunterricht zufallen.
Besonders auf der Oberstufe ist dafiir Sorge zu tragen, daij
die Schiiler an arbeitsfreien Nachmittagen hinreichend
MuDe finden fur groBere selbstandige Arbeiten. Es mu0
auch geniigend Zeit bleiben fur korperliche Ertiichtigung;
die tagliche Turnstunde ist anzustreben.
Es ware ungerecht, wollte man nicht anerkennen, dai3
die Denkschrift eine Fiille von wertvollen Gedanken und
Anregungen zusammenfaBt, und daij sie ernstlich bemiiht
ist, das sehr schwierige Reformproblem zu meistern. Dem
ganzen Reformplan gibt jedoch e i n e s t a r k e E i n s e i t i g k e i t d e s V e r f a s s e r s das Geprage, die
leider nur noch eine geringe Abschwachung und Milderung erfahren konnte, nachdem die Reform einmal ohne
vorheriges Befragen der a m meisten interessierten Kreise
mit diktatorischen Absichten herausgekommen war. Die
Bemerkung, daB das w i r t s c h a f t s p o 1 i t i s c h e ,
technische und positivistische Zeitalter
hinter uns liegt, und daD unser Zeitalter als wesentlich
g e s c h i c h t s - p h i l o s o p h i s c h gerichtet bezeichnet
werden miisse, zeigt das deutlich und erklart die sonst unverstandliche Z u r ii c k d r Hng u n g d e s m a t h e m a t i s c h - n a t u r w i s s e n s c h a f t l i c h e n B i l d u n g sg u t e s. Der historische Sinn des Verfassers der Denkschrift hatte ihn eigentlich davor bewahren mussen, auf
Grund von Beobachtungen an einer noch gar nicht wieder
aus den Kriegserschiitterungen zur Ruhe und Besinnung
gekommenen Volksseele biindige Schliisse zu ziehen und
die Reform eines ganzen hochentwickelten Schulsystems
auf seine Einstellung zu griinden. Aber folgen wir einmal
dem Verfasser und nehmen wir an, unser Zeitalter sei
geschichtlich-philosophisch orientiert, so bleibt doch
die historisch gewordene T a t s a c h e bestehen, d a D
Deutschland stark industrialisiert word e n i s t , und daB die Forderung seiner Bodenschatze,
die Steigerung seines landwirtschaftlichen Ertrages, die
Veredelung seiner eigenen und auslhdischer Erzeugnisse
durch eine hochentwickelte Industrie und der Export
dieser Erzeugnisse geradezu die Lebensfrage geworden
ist, ohne deren Losung der Hunger an die Tiir klopft und
alle Kultur zunichte macht. Freudig mu8 man der Denkschrift zustimmen, wenn sie d i e-u n e r w ii n s c h t e n
Doermer: Die Neuordoung dee preufjischen h6heren Schulwesens
38. Jahrgang 19%]
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Geradezu als e i n e n a t i o n a l e G e f a h r aber erH e g l e i t e r s c h e i n u n g e n eine'r s o l c h e n E n t w i c k l u n g schon bei der Erziehung der jungen Men- scheint diese Zuriickdrhgung der Mathematik und der
schen zu bekampfen strebt, indem sie auf die Pflege des Naturwissenschaften auf der Schule vom Standpunkte d e r
Gemiits, der Empfanglichkeit fur alles Schone und Hohe I n d u s t r i e u n d d e s W i r t s c h a f t s l e b e n s aus
und des G e i s t e s d e r H i n g a b e a n d a s G a n z e gesehen. Mit der Industrialisierung unseres Landes, mit
dringt; sie kann auf die Unterstiitzung weitester Volks- der Intensivierung unserer Wirtschaft ist naturgemafi das
kreise rechnen, wenn sie unsere Jugend z u m a l t e n Bediirfnis nach fiihrenden Miinnern relativ viel starker ged e u t s c h e n I d e a l i s m u s hinfuhren will, der eine wachsen als die Bevolkerungszahl. Darum miissen wir
Sache um ihrer selbst willen und nicht um des eigenen heute schon dafiir Sorge tragen, dai3 keine fur diese StelVorteils willen zu tun fur seine edelste Aufgabe halt. Die lungen geeigneten Personlichkeiten verlorengehen, nur
Verwirklichung dieses Zieles hangt aber viel weniger von weil sie auf der Schule keine Moglichkeit gehabt haben,
der Aufstellung noch so idealer Bildungsgrundsatze oder ihre besonderen Begabungen zu entdecken und ihre Fiihigkeiten zu entwickeln. Man denke nur daran, daD auf dem
gar Lehrplane ab als v o n d e m G e i s t u n s e r e r
Z e i t u n d d e r E r z i e h e r. Von diesen beiden Haupt- Gymnasium die alte Forderung, in einer Oberklasse
faktoren fur die Erziehung kann eine Unterrichtsverwal- wenigstens etwas Chemie zu treiben, jetzt erst recht nicht
tung nur den letzteren beeinflussen; von der H e r a n - mehr erfiillt werden soll. V i e 1 w i c h t i g e r a b e r i s t ,
b i l d u n g d e s L e h r e r n a c h w u c h s e s ist aber in d a i 3 d i e A b i t u r i e n t e n d e r h o h e r e n s c h u l e n ,
der Denkschrift kaum die Rede, und doch erscheint sie d i e d o c h v i e l f a c h i n f i i h r e n d e S t e l l u n g e n
wichtiger als vieles andere, denn sie ist gerade nach der k o m m e n , d e n B e d i i r f n i s s e n d e s Wi r t s c h a f t s Seite der Erzieherqualitaten verbesserungsbediirftig. Die l e b e n s , d e r T e c h n i k u n d d e r I n d u s t r i e d a s
w e r t v o l l s t e n M e n s c h e n fur die menschliche Ge- n o t i g e V e r s t a n d n i s e n t g e g e n b r i n g e n. ,,Wir
nieinschaft sind jedoch, wenn man einmal einen Wert- brauchen nicht schongeistige Genufifiihigkeit, sondern
niaDstab anlegen will, d i e , w e l c h e m i t e c h t e m stahlharten Arbeitswillen im Interesse der Gesamtheit.
M e n s c h e n t u m t i i c h t i g e s K o n n e n v e r e i n i - Erziehung zu strengster Pflichterfullung mit Erkenntnis
g e n. So ergibt sich als weitere H a u p t f o r d e r u n g volkswirtschaftlicher Notwendigkeiten", sagt der Lehrkorf u r d i e H e r a n b i l d u n g d e r J u g e n d a u f d e n per der technischen Hochschule zu Hannover. Die preui3ih o h e r e n S c h u l e n , d i e F a h i g k e i t e n u n d sche Schulreform wird die Zahl dieser Menschen erhebK r a f t e z u e n t w i c k e l n , d i e i h n e n a u c h lich vermindern, denn nicht weniger als 289 Realgyms p a t e r i h r e L e b e n s s t e l l u n g s i c h e r n u n d nasien und Reformrealgymnasien sollen in reine Sprachs i e f u r d i e B e h e r r s c h u n g d e r s a c h l i c h e n schulen umgewandelt werden, an denen Mathematik und
A u f g a b e n d e r G e m e i n s c h a f t b e f a h i g e n . Naturwissenschaften nur noch eine ,,Randstellung"
Diese sachlichen Belange ergeben sich aus der wirt- haben.
schaftlichen Lage eines Landes und ihrer VerbunSehr zu begrui3en ist, dai3 die Denkschrift dem
denheit mit der Weltwirtschaft. Diese abzuandern wird A r b e i t s u n t e r r i c h t auf allen Unterrichtsgebieten
lieiner Unterrichtsverwaltung gelingen; sie in der Bil- das Wort redet. Am altesten ist der Arbeitsunterricht im
dung der Jugend nicht beriicksichtigen, h e a t den Kopf modernen Sinne im naturwissenschaftlichen Unterricht,
in deli Sand stecken und unbewui3t die Gesamtheit insbesondere in den Schiileriibungen, wo e r wohl auch a m
schadigen oder sie sogar in ihrem Bestand gefahrden. weitesten fortentwickelt sein diirfte. 1st es da zu verEs erscheint daher fast unverantwortlich, wenn die hohere stehen, dai3 der naturwissenschaftliche Unterricht, selbst
Schulbildung einen Weg geht, der die Mehrzahl der jungen an der mathematisch-naturwissenschaftlichenSchule, namLeute, welche die hohere Schule besuchen, nicht mit dem lich der Oberrealschule, vermindert werden soll, daD d i e
geistigen Riistzeug versieht, das fur ihre Aufgaben im mo- n a t u r w i s s e n s c h a f t 1 i c h e n U b u n g e n als wahldernen wirtschaftlichen und kulturellen Leben als allge- frei bezeichnet werden und demgemai3 von den Schiilern
meine Grundlage erforderlich ist, d. h. wenn sie sie nicht noch besonders bezahlt werden miissen, wenn das Lehrerauch mit dem Mai3 grundlegenden mathematisch-natur- kollegium nicht die sechs Stunden, die fur wahlfreien Unwissenschaftlichen Konnens ausriistet, ohne das die Mehr- terricht und Kurse auf der Oberstufe zur Verfiigung stehen,
zahl der Abiturienten in den von ihnen gewalten Be- dafiir hergibt. Und woher sollen die Ubungsstunden auf
rufen bei den heutigen Anforderungen sich nicht zurecht- der Mittelstufe genommen werden, wo die praktische Befinden kann. Hier handelt es sich in erster Linie um tatigung der Schuler einem anerkannten padagogischen
diejenigen, die keine weitere mathematisch-naturwissenBedurfnis entspricht. Weit3 das Unterrichtsministerium
schaftlich gerichtete Fachbildung geniei3en und nicht von nichts davon, d a 13 d i e n a t u r w i s s e n s c h a f t l i c h e n
der Oberrealschule kommen. Ich erinnere an die Juristen, U b u n g e n h e u t e g e r a d e z u d i e G r u n d l a g e
die die Ausfiihrungen von Sachverstiindigen nicht ver- f u r d e n n a t u r w i s s e n s c h a f t l i c h e n U n t e r stehen und Fehlurteile fallen, obwohl nur etwas mehr r i c h t s i n d u n d s e i n m u s s e n . Da hat die Reform
naturwissenschaftliches Anschauungs- und Denkvermogen vollig versagt und einen unhaltbaren Zustand geschaff en,
zum Verstandnis notwendig gewesen ware.
der die geschichtliche Kontinuitat, von der die Denkschrift
Diese Forderung, allen hoheren Schiilern eine aus- spricht, in grelle Beleuchtung ruckt. ,,Man totet, was man
reichende mathematisch-naturwissenschaftlicheBildung ZLI zum Leben erwecken will!"
Auch gegen die s t a r r e n S c h u 1t y p e n sind manvermitteln, hat gar nichts mit direkter Berufsvorbildung zu
tun, sie zielt auf eine geistige Schulung im Rationalen hin, cherlei Bedenken erhoben worden, weil die oben aufgedie ein notwendiges Gegengewicht bildet gegeniiber den fiihrten Zugestbdnisse im ganzen doch die wiinschenssprachlich historischen, mehr auf das Irrationale weisen- werte Bewegungsfreiheit fur die Betatigung der verschieden Bildungsgutern; sie will Fahigkeiten erzielen und denartigen Begabungen auf der Oberstufe zu sehr beKrafte wachsen lassen, wie der Schreiber dieser Zeilen schrankt und den Ubergang von einer Schule zur anderen
in einem Bericht uber den mathematisch-naturwissenaui3erordentlich erschwert. Im Rahmen der geschichtschaftlichen Unterricht am Beispiel der Chemie in dieser lichen Entwicklung stellen die starren Schultypen in der
Zeitschrift *) ausgefiihrt hat.
preui3ischen Auspragung sicherlich nicht die befriedigende
Losung des Problems dar, denn die Bestrebungen, den Unterricht auf der Oberstufe freier zu gestalten, haben lange
?) Z. ang. Ch. 37, 262 [1924].
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Zeitschrrft fur
angewandte Chemic
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vor dem Kriege begonnen und haben iniiner weitere Fortschritte gemacht, vielfach gerade an den Schulen, an denen
das erfreulichste Leben herrschte und an denen dem
jugendlichen Geist am meisten Verstandnis entgegengebracht wurde. Wenn die Denkschrift sagt : ,,Die Tatsache,
dal3 die meisten Schulen von der ihnen zugestandenen Bewegungsfreiheit keinen Gebrauch gemacht haben, beweist,
dai3 im Rahmen der alten Schulformen sich die meisten
Schiiler haben organisch entfalten konnen", so ist das eine
Beweisfiihrung seltsamer Art. Denn wenn die S c h u 1 e n
von der Moglichkeit der Bewegungsfreiheit keinen Gebrauch gemacht haben, so beweist das noch lange nicht,
daB die S c h ii 1e r sich haben organisch entfalten konnen.
S o n d e r k u r s e auf der Oberstufe konnen natiirlich
nicht so eingerichtet werden, dai3 die Schiiler an einer beliebigen Zahl teilnehmen konnen, denn dadurch wiirde
allerdings jene Zersplitterung der Interessen und der
Arbeit eintreten, von der die Denkschrift spricht. Sie
sollen besonderen Begabungen zugute kommen, die mehr
leisten, als im Klassenunterricht wegen der immer vorhandenen, dem Gegenstande gegeniiber Gleichgiiltigen
oder Minderbegabten, geleistet und geforderl werden
kann; oder sie sollen die Moglichkeit schaffen, besonders
Interessierte in Arbeitsgebiete einzufiihren, die im Lehrplan der Schule nicht auftreten. Der freien Betatigung der
Schiiler mit den Hilfsmitteln der Schule und unter Anleitung durch einen geeigneten Lehrer sollen sie dienen.
Die ganze Kunst des Lehrers mui3 darin bestehen, dai3 aus
durch inneren Antrieb freudig geleisteter Arbeit ein
immer ernsterer A r b e i t s w i 11 e entsteht, der im
Kampfe mit den ganz von selbst sich tiirmenden Schwierigkeiten zu einer V e r s i t t l i c h u n g d e r A r b e i t
fuhrt, die von den1 ,.heilsamen Zwang" niemals erreicht
wird. Vom griinen Tische aus kann man das nicht beurteilen, man muB selbst erlebt haben, was das in erziehlicher Hinsicht fiir die jungen Menschen bedeutet.
Die Anforderungen, die an Kursteilnehmer gestellt
werden, miissen, nach den von den Landern seinerzeit
vereinbarten Richtlinien, hoher sein als die im Klassenunterricht, wenn sie auch keineswegs Hochschulziele haben
sollen; d a m kann auch eine Entlastung auf einem anderen
Gebiete fur den betreffenden Schiiler eintreten. Beschrankt man die Teilnahme des einzelnen Schiilers auf
einen einzigen Kursus und lafit die Entlastung nur in
einem Fache eintreten, durch dessen Wegfall der Charakter der Schulform nicht beeintrachtigt wird, so diirfte man
allen billigen Anforderungen gerecht werden und dabei
die Schule doch in ihrer Eigenart erhalten. Dazu hatte die
Rereitstellung von etwa sechs zwei- bis dreistiindigen Kursen fur die Oberstufe der Vollanstalten ausgereicht. Man
hat aber auch hier einer erfreulichen Entwicklung durch
zu einseitige Einstellung unter Nichtbeachtung der geschichtlichen Entwicklung den Lebensnerv durchschnitten.
Wenn man von wenigen zustimmenden AuBerungen,
vorwiegend aus den Kreisen der deutsch-geschichtlichen
Fachlehrer, absieht, mui3 man d i e G e sch 1 o s s e n h e i t
d e r A b 1 e h n u 11 g bewundern, die der preui3ische Reformplan in weitesten Kreisen Deutschlands gefunden hat.
Die groi3en technisch-wissenschaftlichenVereine, die Vereinigungen samtlicher Universitaten und Hochschulen,
viele wissenschaftliche und wirtschaftliche Verbande, sowie nanihafte Hochschullehrer und Padagogen lehnen
diese Neuordnung ab, nicht zum wenigsten wegen
ihrer einseitigen Stellungnahme gegen Mathematik und
Naturwissenschaften. Das geht so weit, dai3 selbst zahlreiche Altphilologen gegen die zu starke Beschneidung der
exakten Wissenschaften, z. B. am Gymnasium, Stellung
nehmen 7 . Inzwischen hat das preui3ische Ministerium
fur Kunst, Wissenschaft und Volksbildung durch V e r 6 f f e n t 1i c h u n g n e u e r S t u n d e n t a f e I n voni
31. Oktober d. J. bereits bewiesen, daB es bestimmten Forderungen des praktischen Lebens in dem oben ausgefiihrten Sinne Rechnung tragen mui3, indem es beispielsweise
am Gymnasium den mathematischen Unterricht fast
wieder in dem friiheren Umfange hergestellt hat, indeni
es den Unterricht in einer neueren Fremdsprache am
Gymnasium wieder von Quarta ab zulaflt, statt von Untersekunda. Das alles nur, weil das Gymnasium sonst eingegangen ware, denn es hatte in der von der Denkschrift
zuerst vorgeschlagenen Form jeden AnschluB an die praktischen Bediirfnisse des Lebens verloren gehabt. Auch
beim Realgymnasium sind noch einige Zugestandnisse gemacht worden, wahrend man bei der Oberrealschule den
mathematischen Unterricht noch weiter gekiirzt hat. Nach
wie vor bleibt aber die Reform bewui3t einseitig gegen die
mathematisch-naturwissenschaftlichen Facher gerichtet.
Die Forderungen, die der V e r e i n d e u t s c h e r C h e m i k e r in bezug auf den naturwissenschaftlichen Unterricht an hoheren Schulen wiederholt gestellt hat, sind
nicht nur nicht erfiillt, sondern man hat den chemischen
Unterricht so weit beschrhkt, dai3 er auch auf dem Realgymnasium kaum noch lebensfahig bleiben diirfte, ganz
zu schweigen vom Gymnasium. Daher gilt es, mit unverminderter Kraft weiterzukampfen gegen diese Umordnung im Sinne der R e s o 1u t i o n , die der Verein deutscher Chemiker am 14. Juni d. J. auf der Hauptversammlung in Rostock gefafit hat ').
[A. 264.1
I
Neue Apparate.
I
Ein praktischer Gasentwickler.
Von 0. W i t t s t o c k , Godesberg.
Der nachfolgend beschriebene Gasentwickler eignet sicli
besonders zur Darstellung von Chlorwasserstoff. Er besteht
aus dem eigentlichen Entwicklungsgefal3 (A), auf dem sich ein
abnehmbarer Glasaufsatz befindet, der die Form einer Woulff3, Eine Zusammenstellung der Stimmen gegen die Neuordnung des preudischen Schulwesens ist unter dem Titel ,,Das
hohere Schulwesen" im VDI-Verlag G . m. b. H., Berlin PW 19,
erschiemn und fur 90 Pfg. von dort zu beziehen.
4 ) Z. ang. Ch. 37, 382 [1924].
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preuische, die, schulwesen, neuordnung, des, hheren
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