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Die Spectren der chemischen Verbindungen.

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1877.
a$'
2.
A N N A L E N
DER PHYSIK UND CHEMIE..
B A N D CLX.
I.
Die Spechen cler chemischen Verbindungen;
won J u m e s .Hoser.
1 s t die Spectralanalyse in der That direct eine qualitative
Analyse ?
1st das Spectrum einer Verbindung gleich der Summe
der Spectren ihrer Elemente?
Kann man also aus dem Spectrum einer Verbindung
einfach ablesen, aus welchen Elementen sie besteht?
Oder aber hat jede chemische Verbindung ihr eigenes
sie charakterisirendes Spectrnm?
Zur Entscheidring dieser Frage , von fundamentaler
Bedeutung fiir die Spectralanalyse, wo moglicli Beitrage
zii licfern, forderte rnicli Hr. Geheirnrath H e 1m h o l t z
iin Winter-Semester 1874(75auf.
Ich will versuchen in Folgendein den gegenwiirtigen
Stand cler Frage auseinanderzosetzen und hinzufugen, was
meine eigenen darauf beziiglichen Versuche an Ergebnissen
geliefert haben.
Angeregt wurde die Frage von K i r c h h o f f nnd B u n s e n in der letzten ihrer gemeinsanien Abhandlungen.
Zwar waren die Entdecker der Spectralanalyse noch in
ihren ersten Veroffentlichungen der Ansicht,
,,dais die Verschiedenheit der Verbindungen, in denen
die Metalle angewandt wnrden, ... keinen Einflub auf
die Lage der den einzelnen Metallen entsprechenden
Spectrallinien ausiibt", ') eine Ansicht, die noch heute die herrschende ist. Allein
am Schlusse ihrer Veriiffentlichungen ziehen sie diese
1) Pogg. Ann. CX, 164.
Poggondorffs Annal. Bd.
CLX.
12
178
Meinung in Frage und stellen ihr die Moglichkeit gegenfiber, dafs jede chemische Verbindung ihr eigenes Spectrum besitzt.
Ihre letzten gemeinsamen Worte, mit denen sie der
weiteren Forschung den Weg bezeichneten, lauten :
,,Es ist immerhin mogliah, dafs die voii uns verfliichtigten Salze bei der Temperatur der Flamme nieht
bestehen blieben, soiidern zerfielen, so dafs es immer
die Dampfe des freien Metalls waren, welqhe die
Liiiieii desselben erzeugten ; und dann erscheiiit es
ebenso denkbar, dals eine chemische Verbindung stets
andere Linien zeigt, als die Elemente, aus welchen
sie besteht.' ')
Die Aufgabe meiner vorliegenden Abhandlung ist es,
nachzuweisen, dab die Eingangs gestellte Frage in dpin
Siiine dieser letzteii Worte von K i r c h h o f f und B u n s e n zu beantworten ist, dafs also jede chemische Verbindung ihr eignes Spectrum besitst.
Und mit dieser Entscheidung der Frage sind die GrLnzeii des durch K i r c h h o f f und B u n s e n der Forschiiiig
erschlosseneu Gebiets nicht etwa enger gezogen ; nein durclibrochen uud weite, neue Tlieile eriiffnet.
Die Griinzrn sind nicht enger gezogen: denn immer
erkennen wir noch aus dein Spectrum, welches wir erhalten, wenn wir ein Snlz in eine Flamme bringen, was fur
ein Metal1 in ihni enthaltcn. Nur wissen wir, dafa dann,
wenn die Linien der Metalle erscheinen, nicht die Verbindungen, sondcrn die Eleniente leuchten.
E s siiid weite neiie Theile eroffnet: denn - ich will
vorgreifend nur auf eiia Beispiel hinweisen - die gesauimte
organisolie Chemie wird der spectralanalytischen Forschung
zugiinglich. Die Spectren der organischen Verbindungrn
zeigen iiicht unterschiedslos die Linien des Kohlenstofh,
Wasserstoffs, Swerstoffs, Stickstaffs ; sondern jeder dicser
Zehntausende von Kiirpern bietet sein eignes, ihm eigenthiimliches Spectrum, das durch geeignete Methoden (Ab1) Pogg. Ann. CXIII, 351.
179
sorptionsmethode), auf die ich weiter unten eingehe, sichtbar gemaclit werden knnn.
E h e ich den strengeren Nachweis antrete, dafs wir
annehmen mussen, d d s jede Verbindung ihr eignes Spectrum besitzt, will ich einige Gruude anfiihren, die erwarten lassen, dafs die gestellte Frage eben in diesem Sinne
beantwortet werden mufs.
Eine chemische Verbindung wird definirt durch
, die Verschiedenheit ihrer Eigenschaften von den
Eigenschaften ihrer Elemente.. . . I n der chemischen
Verbindung sind die Eigenschaften der Elemente erloschen, ihre Individualitat ist in der Bildung eines
neuen Korpcrs mit neuen Eigenschaften untergegangen. ')
Dnrch dieselbe Definition charakterisiren wir eine
chemische Verbindung gegenuber ciner andern. Die Farbe
aber ist eiue der Haupteigenschaften dcs Korpers, in ihren
Aenderungen werden uns andere, wesentlichere , die der
Korper erfahren hat, wahrnehmbar. Wir konnen - und
die Erfahrnng bestatigt dies ebenfdls - riickwiirts schliefsen,
dals weseiitliche Aenderungen , die ein KBrper erfahrt,
Aenderungen in seiner Farbe bedingen werden. Und konnen wir diese Aenderungen auch nicht bis in die kleinsten Einzelheiten mit blolsem Auge unterscheiden, so ist
doch zu erwarten, dafs sie mit dem Spectroskop wahrgenommen werden konnen. Denn, wenn wir, wie K i r c h h o f f ' ) es that, die Spectrallinien mit den Tonen eines
tijnenden Kijrpws vergleichen, tlann ist das Spectroskop
fur die Wahrnehmung der Korperf'arbe, was der Resonator
fur die Wahrnehmung des Klanges.
Dies die Griinde, die ich einleitend andeuten wollte.
Der Beweis des Satzes, dafs jede chemigche Verbindung ihr eigenea Spectrum hat, ist bisher noch nicht geftihrt worden. Diejenigen Physiker, welche den Satz behaupteten, wie A. M i t s c h e r l i c h , D i a c o n , A n g s t r o m
1) H o f m a n n : Einleitung in d. mod. Chemie, Cap. 111.
2) Untersuchungen uber das Sonnenspectrum, S. 8 unten.
12
180
u. A. stiitzten sich auf die Beobachtung von Emissionsspectren. Auf diesem Wege ist aber der Beweis nicht zii
fiihren, denn , wie ich unten eingehender erijrtern werde,
weirs eine auf Beobachtungen von Emissionsspectren sich
stiitzende Behauptung des fraglichen Satzes Nichts zu
erwiderii aiif einen von K i r c h h off I) erhobeiien Einwaiid.
Der Beweis, den ich bringen werde, stiitzt sich auf
die Beobachtongeii von Absorptionsspectren, die Versuche,
welche ich angestellt habe, sollen zeigen , dafs letztere
Methode, gegen deren Resultate der K i r c h hoff’sche Einwand nicht erhoben werden knnn, zur Erbringung des
Beweises geeignet ist.
Die Literatur iiber die Spectren der chemischen Verbindungen ist aufserordentlich reich.
Aus der grofsen Zahl von Beobachtern heben sich ziinachst zwei Reihen heraus. Beide beobachten Emissionsspectra, die eine die der Metalle, die andre die der Metalloide.
Die erste Reilie sch1iefb;t sicli im Wesentlichen unrnittelbar an K i r c h h o f f uiid B u n s e n an niid wird vertreterr
durch A. M i t s o h e r l i c h , D i a c o n , L e c o q d e B o i s b a u d r a n und L o c k y e r .
Die zweite, dieser parallel laufende Reihe, welche die
Mctalloide untersuclit, entliiilt die Namen S w a n , A t t f i e l d , P l i i c k e r und H i t t o r f , D i b b i t s , M o r r e n ,
Lielegg, Deville, Wiillner, F r a n k l a n d , W a t t s ,
A n g s t r i j m und T h a l B n .
Es ist interessant zu verfolgen, wie in beiden Reihen
die verschiedeneu Ansichten der Beobachter sich mehr
und mehr von der urspriinglich K i r c h h off-Bunsenschen entfernen und sich derjenigen zuneigen, deren Richtigkeit zu erweisen Aufgabe dieser Abhandlung ist.
Der Ansicht K i r c h h o ff und B u n s e n’s widersprauli
xuerst Hr. A. M i ts c h e r l i c h , der Oxyde und Chloride von
Metallen in die Flamnie brachte und dann andre Spectren
als die durch elcktrische Entladung von den reinen Me1) Eben da, S . 8 oben.
181
tallen erzeugten erhielt. Seine Uuters~ichunger~wurden
in einigen Punkten von D i a c o n bericlitigt, im Hauptpnnkte abcr sowohl von diesem, wie spater namentlich
duroh L e c o q d e B o i s b a u d r a n und durch L o c k y e r
bestatigt.
In der zweiten Reihe wird der Standpunkt K i r c h h o f f und B u n s e n ’ s durch P l i i c k e r und H i t t o r f , der
entgegengesetzte A. Mi tsc h e r 1 i c h ‘s durch A n g s t ro m
und T h a l h n hnuptsiichlich vertreteii. *) P l u c k e r und
H i t t o r f haben von einer Reihe von Elemehten, Metalloiden, wie Stickstoff, Sahwefel, Selen, Kohleristoff unter verschiedenen Bedingungen rerscliiedene elektrische Spectren
erzeugt : Bandenspectren - oder Spectren erstcr Ordnung
uud Linienspectren oder Spectren zweiter Ordnung. So
hatten sie vom Stickstoff awei Spectren erstfer und eines
zweiter Ordnung erhslten und Verbindungen des Kohlenstoffs mit Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff hatten ihnen
theils durch Verbrennen theils durch elektrische Entladung 5 verschiedene Spectren geliefert, die-sie im Sinne
K i r c h h o f f und B u n s e n ’ s alle dem Element Kohlenstoff
zuschrieben und deren Verschiedenheiten sie durch die
Verschiedenheit der Temperatur erklarten.
Hiergegen erhoben A n g s t r o m und ,Th a l En ‘) Widerspruch. Nach einer erst im vorigen Jahre veroffentlichten
Abhandlung dieser Forscher sind die Verschiedenheiten
der Spectren auf die Verschiedenheit der chemischen Beschaffenheit der erzeugenden Korper zuriick zu fiihren.
So sind die verschiedenen Kohlenstoffspectren P 1 iic k e r
und H i t t o r f ’ s dem Cyan, dem Kohlenoiyd und der
Kohlensaure, dem Acetylen, das nach B e r t h e l o t durch
die elektrische Zersetzung der Kohlenwasserstoffe entsteht,
sowie dem Element Kohlenstoff zuzuschreiben. - Das
Spectrum zweiter Ordnung des Stickstoffs gehort diesem
Elemente selbst, das eine erster Ordnung Pl’ticker’s dem
,
I ) Die Hauptabhandlung P l u c k e r nnd H i t t o r f ’ s in den Phil. Trans.
1865 I, die A n g s t r o m und ThalBn’s in den Nova Acts soc. scient.
Upsaliensis 1875.
-
Stickoxyd an.
Das zweite Bandenspectrum indessen
wissen sie nicht zu deuten.
Ich mochte hier darauf hinweisen, dafs dieses zweite
Bandenspectrum im Sinne einer Annahme, welche Herr
H e l m h o 1t z vermuthungsweise aussprach, erklart werden
kann, wie es andererseits diese Annahme bestatigt: eine
Annahme, auf die ich am Ende meiner Abhandliing zuriickkommen werde und welche besagt, dal's den Atomen
der modernen Chemie eines Elementes Linienspectren,
den Molektilen d. h. den Atomcomplexen desselben Elementes Bandenspectren entsprechen. Hiernach wiirde das
P1 ii c k er'sche Stickstoffspectrum zweiter Orduung durch
Stickstoffatome, und das eine der beiden Spectren erster
Ordnung, welches eben A n g s t r o m und T h a l G n nicht
ZU erklaren wissen, diirch Molekiile des Stickstoffs erzeugt seyn.
Gegen die Behauptung dafs die Verschiedenheit der
Spectren der Verschiedenheit der chemischen Verbindungen ihren Ursprung verdanke, erhebt Herr K i r c h ho ff
Widerspruch und macht , wie ich d o n oben andeutete,
einen Einwand geltend, der von den Vertretern der entgegenstehenden, eben angeffihrten Ansicht nicht widerlegt
worden ist.
Zuniichst vervollsthdigt Herr Ki r c h h o ff deren Experimente, indem er findet '):
,,dab, w e n man in den Schlielsungsbogen der Leidner
Flasche, welche den Fiinken liefert, eine mit Wasser
befenchtete Schnur oder eine enge mit Wasser gefiillte Rohre einschaltet uud auf die Elektroden Chlorcalciumliisuug bringt, man ein Spectrum erhalt, welches
vollsthdig mit dem iibereinstimmt, welches Chlorcalcium in der Gasflamme giebt. Es fehlen in ihm die
Linien, welohe bei metallischem Schliefsungsbogen der
Flasche die starksten sind. Ersetzt man die diinne
Wassersiiule durch eine Wssserschicht von grofserem
,
1) Unterauchungen iiber das Sonnenspectrum
die folgenden Citato.
s. 8.
Anf dorselben Seite
183
Querschnitt und kleinerer Lange, so bekommt man
ein Spectrum, in welchem in gleicher Deutlichkeit die
Linien, welche die Flammen und diejeiiigen, welche
der ungeschwachte Funke hervorriift , sichtbar sind.'
Im Sinne der Gegner der Ansicht des Herrn K i r c h h o f f wiirden diese durch drei elektrische Strome von verschiedener Intensitat (1. befeuchtete Schnur 2. Wasserschicht von kleinerer Lange 3. ungeschwiicht) erzeugten
Spectren auf folgende Weise zu erklaren seyn:
Nach den ersten der soeben angeftihrten Worte des
Berrn K i r c h h o f f stimmt das Spectrum, wdches der elektrische Strom son geringster lntensitat ereeugt, mit demjenigen, welches Chlorcalcium in der Flamme giebt, tiberein.
Von diesem durch die Flamme erzeugten Spectrum sagt
aber Herr A. M i t s c h e r l i c h ' ) :
,,Das Spectrum dee Calciums habe ich nie ganz rein
VOII denen des Oxyds oder der Haloidsalze durch die
Flamme darstellen konnen.'
Das Spectrum des Oxyds hatte derselbe erhalten, indem
er das salpetersaure Salz des Calciums, gemischt mit salpetersaurem Ammoniak in der Leuchtgas - Luft - oder
Wnsserstoff-Luft-Flamme verbrannte ( P o g g . Ann. Bd. 121,
S. 466) und das Spectrum des Chlorids hatte er hergestellt,
indem er das Chlorid in der Chlor Wasserstoff -Flalnme
erhitzte (S. 467).
Verfltichtigt man aber das Chlorid in der LeuchtgasLuft-Flamme oder der Luft ausgesetzt in dem elektrischen
Strom geringster Intentitat, so kommt das Chlorid zunachst
zum Gltihen und erzeugt sein eigenes Spectrum, verbrennt
d a m aber auch theilweise zum Oxyd und ruft dessen
Spectrum gleichzeitig hervor, so dafs Herr E. D i a c o n ,
in Bestatigung des Wesentlichen der Versuche Mi t s c h e r l i c h's , aussprechen konnte:
,,Lee spectres donnes par MM. K i r c h h o f f et B u n s e n
pour les metaux alcalinoterreux sont un melange du
spectre que l'on obtient avec l'oxyde dans line flamme
,
,
-
1) Pogg. Ann. CXXI, 466.
184
oxydante et de celui que l'on observe avec le chlorure
dans une flamme chlorurante.' I )
Wiihrend also das Spectrum, das der Strom geringster
Intensitiit hervorruft , Chlor- iind Sauerstoffverbindungen
des Calciums angehiirt, werden diese Verbindungen durch
den Strom mittlerer Intensitiit theilweise zersetzt, so dal's
man im Spectrum, das dieser erzeugt, sowohl die Linien
der Verbindungen wie der Elemente sieht.
Im Strom stcirkster Intensitut ist die Zersetzung eine
vbllige, in dem durch ihn erzeugten Spectrum nur noch
Linien der freien Elemente sichtbar.
Dieser Ansicht steht die des Herrn K i rc h h o ff gegeniiber. Nach ihm handelt es sich hier nur urn ein einziges
Spectrum :
,Es zeigt sich hier der Weg, auf dem das Calciumspectrum, welches die Flamme giebt, iibergeht in das,
welches der gliinzende elektrische Funke hervorruft.
Und er erkliirt diesen Uebergang dadurch, dafs
,,das Ansehen des Spectrums desselben Dampfes unter
verschiedenen Umstlinden ein sehr verschiedenes seyn
kann. Die Aenderung der Masse des gliihenden
Dampfes allein kann hinreichen , seinem Spectrum
einen anderen Charakter zu verleihen . . Einen iihnlichen Einflufs auf das Spectrum, wie die Masse des
gliihenden Dampfes, scheint seine Temperatur auszuuben, . Dieser Einflufs der Masse und der Temperatur erklart es vollstandig, dafs bei vielen Metallspectren die a m meisten charakteristischen Linien
andere sind, wenn das Metall in der Gasflamme, andere, wenn es im elektrischen Funken untersucht wird.'
Dieser Einspruch muL von den genannten Vertretern
der Meinung, dafs jede chemische Verbindung ihr eigenes
Spectrum hat, zugegeben werden. Denn, da sie selbst
angeben durch Aenderung der Temperatur, das eine Ma1
hei niedriger, in der Lage gewesen zu seyn, die Verbindungen unzersetzt, das andere Ma1 bei mehr oder minder
. .
..
1) Ann. chim.
et
pbye. (4) VI. 25.
185
hbherer Temperatur, die Zwischen- oder Endprodukte
(Elemente) der Zersetzung beobachtet zu haben, so beststigen sie sogar dessen Einwand. Denn dieser Einwand
ist dann iinter der Voraussetzung der Temperaturiinderung
eine unmittelbare Folgerung aus dem K i r c h h o ff'schen
Fundamentalsatxe iiber das VerhiiltnXs des Emissions- zum
Absorptionevermdgen.
Auf diesem Wege, der Beobachtung von Emissionsspeotren, kann die vorliegende Prage aber iiberhaupt nicht
entschiedcn werden.
Denn die Vertreter des Satzes, dafs jede chemische
Verbindung ihr eigenes Spectrum hat, kbnnen so nicht
mehr zeigen, als dafs das Element, dessen Linien wir
sehen, sioh das eine Ma1 in chemisch gebundenem, das
andere Ma1 in freiem Zustande befand, und alle Gegner
der Kirchhoff'schen Ansicht beschriinken sich darauf,
sind zufrieden, diesem Ziel nahe zu kommen. Aber selbst
wenn sie es erreicht hatten, so miifsten sie immer zugeben,
d a b sie bei einer Temperatur die eine Verbindung, bei
anderer eine andere Verbindung I), bei einer dritten Temperatur die Elemente beobacbteten; denn eben, weil sie
die Temperatur steigerten, gelang es h e n , die Verbindung
zu zersetzen und die Elemente unverbunden zu erhalten.
Wenn aber wiederum die Temperatur, bei welcher sie beobachteten, gesndert ist, dann ist nach dem K i r c h h o f f schen Fundamentalsatae gar nicht zu erwarten, dafa die
Spectren gleich seyn werden. Im Gegentheil - es miifste
ein Element ftir verschiedene Temperaturen verschiedene
1) Um bei dem schon oben angeftihrten Beispiel den Calciums zu bleiben, so beobachtete Herr M i t s c h e r l i c h die Sauerstoffverbindung,
in der Leuchtgss- Luft-Flamme , die Chlorverbindung i? der ChlorWasserstoff-Flamnie - Flammen YOU ganz verschiedener Temperatur,
und giebt d a m selbst an, die der letzteren Flamme erhoht zu haben:
,,Rein erhalt man die Spectren dieser Verbindungen (Ca Cl,,
Ba Cll, Sr ClJ, wenn etwas mehr Wasserstoff, ale zur Verbindung mit Chlor nothig 'ist, hinsustromt, der in Lnft verbrennend
eine h6hers Tempsratur ereeugt." ( P o g g . Ann. CXXI, 467.)
186
'
Spectren zeigen und letzteres wiirde dann durch die Versuche P 1ii c k e r und H i t t o r f's erwiesen werden.
So haben wir wieder, wie siif der ersten Seite meiner
Abhandlung, zwischen den beiden von K i r c hhoff und
B u n s e n a19 rnoglich dargestellten Ansichten zu entscheiden. Die Frsge : ,,Hat jede chemische Verbindung
ibr eigenes Spectrum?" ist wiederuni eine offene.
Ich hoffe nun, nachweisen zu konnen, dais sie durch
Beobachtung von Al~sorptionsspectreiigelost wcrden kann
und dafs sie in den1 Sinne: ,,Jedc chemische Verbindung
hat ihr eigenes Spectrum" beantwortet werden m u k .
Denn, gegen die Methode der Beobachtang der Absorptionsspectren kann der Einwand des Herrn I< i r c h h o f f
nicht erhobeii werden. Die Frage, oh die Verschiedenheit
der Absorptionsspectren durch die Verschiedenheit der
chemischen Verbindungen erzeugt ist, oder ob sie nicht
durch Veranderungen der Masse und der Temperatur erklart werden konnte - diese Frage liegt hier gar nicht
vor, denn, wie aiich meine nachher beschriebenen Versuche zeigen, bringen selbst Aenderungen der Masse und
der Temperatur, die weit iiber die Griinzen hinausgehen,
iniierhalb derer die verschiedenen Reobachtungen der Absorptionsspectren gemacht sind, keine wesentlichen Aenderuugen im Ansehen des Absorptionsspeotrums hervor und
lassen dasselbe auf den ersten Blick wieder erkennen.
Es tritt aber die Frage an uns heran, ob wir berechtigt sind, die Absorptionsspectreii auch noch in dem Falle,
wo keine gleichzeitige Ernission mehr wehrgenommen, das
K i r c h h off'sche Fundamentalgesetz also nicht mehr direkt
durch die Erfahrung bestatigt werden kann - ob wir
auch dann noch die Absorptionsspectren als ebeneo charakteristisch far die chemische Beschaffenheit aufzufassen
berechtigt sind, als wir es sind, wenn Emission zu beobachten ist.
Diese Frage 1aht sic11 - wie ich zeigen werde - bejahen:
Denkt inan sich einen und denselben Korper (z. B. Jod),
187
von dem man gleichzeitig Emissions- und Absorptionsspectrum beobachtet ; stellt man sich also schwingende Molekale vor, die einerseits eine wahrnehnibare Lichtbewegung
erzeugen, andererseits aber auoh gewisse Theile sie durchstrahlenden weifsen Lichtes durch ihre Bewegung vernichten und nimmt nun an, dafs die Temperatur der
schwingenden Molekule stetig sinkt, so mufs ein Temperaturpunkt eintreten, bei welchem die Intensitat dcr Schwingungen der (Jod-) Molekule nicht niehr hinreicht, urn eine
Gesichtsempfindung hervorzurufen. Mit anderen Worten,
es wird niit sinkender Temperatur ein Punkt eintreten, bei
welchem noch Absorption, aber nicht mehr Emission wahrzunehmen ist. Sollte nun gerade au diesem Temperaturpunkt, dessen Lage durch die SchwBche des menschlichen
Auges bedingt ist, das Kirchhoff’sche Fundamentalgesetz aufhoren giltig zu bleiben? Das ist doch nicht
anzunehmen.
Im Folgenden theile ich Versuche mit, die eine Analogie der Absorptionsspectren mit den Emissionsspectren
zeigen sollen : Die Absorptionsspectren verhalten sich,
selbst wenn keine Emission zu beobachten ist, bei niederer
Temperatur analog den Emissionsspectren bei hoherer
Temperatur. Es lassen sich Aenderungen in der Intensitat
der Absorptionslinien in Folge Aenderungen der Masse
und der Temperatur beobachten.
Ich beobachtete die Aenderangen, die die Spectren des
Broms, des Jods und der Untersalpetcrsaurc clurch Aenderung der Masse uud der Temperatur erfahren.
Ich heschreibe zuerst die Aenderungen, die in Folge
Aenderung der Masse eintrcten.
Urn die Veranderongen des Bromspectrums festzustellen,
entwarf ich mir zuerst eine Zeichnung dieses Absorptionsspectrums. Ich bediente niich bei allen Versuchen eines
Goniometers von P i s t o r und M a r t i n s mit stark losenden Fernriihren und gebrauchte zwei Prismen, deren
brechende Winkel 60 beziehlich 45 Grad waren. Vor
188
dem Spalt des Apparats brachte ich ein Vergleichsprisma
an, so d a k ich das Spectrum eines absorbirenden Mediums
direkt im oberen Theil des Gesichtsfeldes, das Spectrum
eines anderen gleicbzeitig durch das Vergleichsprisma im
unteren Theil des Gesichtsfeldes beobachten konnte.
Fiir die Zeichnung des Absorptionsspectrums des Broms
diente mir das von T h a l k n gezeichnete in Fig. 1 Taf. I V
copirte Absorptionsspectrum des Jods als Scala. Ich beobachtete das Bromspectrum direkt, durch das Vergleichsprisma das Jodspectram und trug die Linien des Broms
in die Zeichnung, Fig. 2 Taf. JV, ein.
In der folgenden Tabelle gebe ich die Wellenliingen
der Absorptionslinien des Broms. Um eine W iederholung
der Versuche zu erleichtern, habe ich in der ersten Colonne die Reihenfolge der Linien von D an durch die
Zahlenreihe, nach dem blauen Ende mit dem positiven,
nach dem rothen Init dem negativen Vorzeichen versehen,
angegeben. Die D-Linien wurden, wie gewijhnlich, durch
eine Natronperle erzeugt.
Differenz.
- 15
- 14
- 13
~-
12
- 11
- 10
- 9
--
8
- 7
- 6
- 5
4
- 3
-- 2
- 1
t l
t 2
t 3
t
4
t
5
625,6
624,2
617,s
616,3
61 1,7
610,O
606,s
605,l
602,6
600,2
598,8
595,4
594,l
591,4
590,s
587,5
583,5
580,l
576,5
573,O
189
Differeoz.
573,O
569,l
565,8
562,2
558,8
555,5
552,8
550,4
547,6
545,2
543,O
541,O
589,4
535,8
533,8
532,2
529,2
527,8
Die Zeichnung des Spectrums ist insofern ideell, als
schon, um nur alle diese Linien zu beobachten, die Masse
des Broms d. h. die Dicke dcr absorbirenden Schicht geandert werden muls. Um im Roth Absorption zu erzielen , mufs die absorbirende Schicht verdickt, um im Blau
nicht vollige Ausliischung zu erhalten , dunner geniacht
werden. Um die Dicke der absorbirenden Schicbt beliebig andern zu kiinnen, bediente ich mich eines dunnwandigen kegelformigen Kochglases, wie es in der quantitativen Analyse , urn eiu Verspritzen zu vermeiden,
angewandt wird und zog den oberen Theil zu einer Spitze
am, die ich, nachdem die Flasche mit Bromdampf gefullt
war, abschmolz. Um im Roth zu beobachten, liefs ich
das Licht am Boden, urn im Blau Absorptionslinien zu
erkennen, an der Spitze durchgehen.
Bei gewbhnlicher Zimmertemperatur, etwa 20 Centigrad, waren bei einer Dicke der Bromschicht von 10 Millimetern die Linien von
1 bei D , bis + 22 im Blau zu
crkennen. Wurde die Dicke vermshrt, so blieb der Gesamrnteindruck des Spectrums erhalten, alle Linien ohne
-
190
Ausnahme wurden intensiver, so dafs im Roth nach und
nach die Linien
2, - 3, - 4 u. s. f. bis - 14 auftraten.
Ebenso wurden von den Linien, die die Schattirung
der Banden im Blau bildeten, die hereits sichtbaren intensiver, kaum wahrnehmbare deutlich erkennbar , an der
Seite der letzteren immer nach dem Roth zu nocli nicht
wahrgenommene wahrnehmbar bis schlieIblich der Zwisclienraum ewischen zwei Banden (.. B. von + 21 bis + 22)
gleichmalsig dunkel erschien. So erstreckte sich die continuirliche Absorptiou vom Blau immer mehr und mehr
nach dem Both zu, indeni sie zuerst den Raiini zwischen
Linie + 21 und
22, daun den zwischen 20 und 21
und dann die folgenden ergriff, so dafs zwischen dem
continuirlichen Spectrum im Roth und der Absorption im
Hlau bei einer Schicht
von 10"'" Dicka d. Spectrum zwisch. d. Linien - 1 u. + 22
- 6"" - - - - 6-+13
fjmm
- - - - - -11- + 8
(- 15?)
beobachtet werden konnte.
Noch einmal hervorheben will ich, dafs die Vermehrung
der Dicke auf die Linien aller Theile des Spectrnnis
gleichmiirsig verstarkend wirkt , nicht eine einzige Linie
verschwinden macht, und so das Aussehen des Spectrums
nur insofern andert als dasselbe ausdrucksvoller intensiver wird.
Beobachtungen die ich am Absorptionsspectrum des
Joddampfes und an dem der gasfbrmigen Untersalpetersaure , machte, sind den eben bescliriebenen analog und
bestiitigen diejenigen B r e w s t e r 's an der Untersalpetersaure. I)
Unrichtig aber ist es, wenn B r e w s t e r in Folge von
Beobachtungen am Spectrum der Untersalpetersaure ausspricht :
,,dafs Em&mmg die Absorption ebenso verstiirkte,
wie die Vermehrung der Dicke; durch Erhitrung
-
,
+
-
-
,
,
1 ) Pogg. Ann. 28, p. 385. P o g g . Ann. 38, p. 50.
,
191
einer Robre mit Gas von 0,5 2011 Dicke erhielt ich
in den rothen Strahlen jede Linie und Zone ganz
deutliA'
Ebenso nnbegriindet ist es, wenn Hr. Prof A d. W e i r s ')
davon spricht , d a b Aendernngen in demselben Spectrum
der Untersalpetersaure mit der Dicke (auch m i t der Dichte)
also auch n i t der Temperatur" eintreten.
Denn grade das Gegentheil zeigen die Versuche, die
ich wieder am Spectrnrn des Broms, des Jods, der Untrrsalpetersaure austellte um den Einfl@s der Temperalur
zu bestimmen.
Wahrend eine Vermehrung der Dicke auf siiinmtliche
Linien des Spectrums gleichmiilsig verstiirkend wirkte,
wirkt die Aenderung der Temperatnr auf verschiedene
TheiIe des Spectrums verschieden, die Intensitiit allerdings
der Mehrzahl der Linien erhohend, die Intensitiit einzelner
jedoch, wie ich bei allen genannten drei Spectren beobachten konnte, herabmindornd.
Ich fiillte eine etwa 80'"" lange und 15"" weite Glasrohre so init Bromdampf, dafs sie bei gewijhnlicher Tamprratur liein fliissiges Brom entbielt. Durch Abschmelzen
der ausgezogenen Enden wurde die Rohre geschlossen.
Ich boobachtete das Spectrum dieser %lire direct, dss
des kegelformigen Kochglases dnrch das Vergleichsprisma ;
ich erwarmte die Rohre mit einem Bunsen'schen Brenner. Vor dem Erwlirmen waren sichtbar die Linien von
- 1 bei D his + 23 im Griinblan.
Beim Erwiirmeii wnrden nach und iiach siclitbar die
3, - 4 bis - 6; dagegen schritt vom
Linien - 2,
blauen Ende aus die totale Absorption weiter vor iind
erstreckte sich bis Linie + 12.
Um die Temperatur zii bestimmen, brachte ich in die
Glasrohre vor dern Fiillen eine kleinere von 2"" Weite,
die Stiickchen vetschiedener Metalle enthielt und verschlossen war. Beirn Erwlirmen war das Blei in der
Rohre geschmolzen, das Zink nicht. Die Temperatur, bis
,
-
1) Wien. Ak. Ber. 1561, I, 208.
192
zu welcher erwiirmt wurde, war also etwa 350 Centigrad.
Ich hatte durch Erwarmen die Linien von - 2 bis - 6
sichtbar gemacht und da ich dies auch durch Verdickung
der absorbirenden Schicht konnte, wollte icb sehen, welche
Aenderung der Masse dieser Erhohung der Temperatur
cntspriiche. Zu dem Ende hob ich das kegelfijrmige Kochglas und fand, d a b in Bezug auf die fragliclie Wirkung
einer Temperaturerhiihung von 20 auf 350 Centigrad eine
Verdickung der absorbirenden Schicht von 15 auf 60""
entsprach.
Analoge Erscheinungen konnte ich am Jod- und am
Untersalpetersaurespectrum beobachten.
Wiihrend die bisher beschriebenen Aenderungen , die
bei Steigerung der Temperatur zu beobachten sind, auch
rnit Vermehruug der Dicke der Schicht eintraten, lassen
sich die folgenden, die ich beobachten konnte, nicht durch
eine Vermehrung der Dicke erreichen.
Sie betreffen einzelne Linien der drei Spectren, deren
Intensitiit beim Erwarmen bis zum Verschwinden abnahm,
im Gegensatze zu ihrer Unigebung, die wie das ganze
Spectrum an Intensitat gewann.
Ich erwlrmte wieder Brom, Jod, Untersalpetersiiure in
der oben beschriehenen Weise ih 80"" langen 15"" weiten, abgeschmolzenen Glasrohren.
Es verschwanden folgende Linien:
1) Im Bromspectrum:
a) die Linie 12, wahrend sich der Raum zwischen
11
:md + 13 gleichmiifsig mit schraffirten Linien fiillt
und dann wie der auf der Tafel gezeichnete zwischen
17 und 18 erschien;
b) die Linie
15. Der Raum zwischen
14 und
1G
zeigt dieselbe Erscheinung, die ich eben fur den
Raum von +- 11 bis
13 beschrieb.
2) Im Jodspectrum:
eine Linie etwa an derselben Stelle, wo im Bromspectrum die Linie 15. Auch hier fiillt sich der
+
+
+
+
+
193
Raum zwischen den beiden Nachbarlinien mit feineren Linien aus.
3) Im Spectrum der Untersalpetersiiure:
drei gleich weit von einander abstehende Linien dicht
bei C. Gerade in Folge der Beobachtungen an diesem Spectrum gelangten Br e w s t e r und Hr. Prof.
W e i r s eu dem oben citirten Ausspruch.
Unrichtig ist e; aber ferner, wenn Hr. Prof. Weirs
eine Entdeckung der Wanderung der Spectrallinien in
der Untersalpetersiiure mittheilt, ') welche Wanderung in
Folge der Veririehrung der Dicke oder der Erhiihung der
Temperatur eintreten 8011:
Es ergab sich ganz unxweifelhaft, dafs mit der
Dicke der durchlaufenen Gasschicht sich die Distanz
der Linien verringert."
Er fand ferner:
,,dais das Dickerwerden der Linien .. nur nach einer
Seite hin stattfindet und dadurch eben die ganze Linie
gegen das violette Ende des Spectrums aich verschiebt, so dafs dieselbe nun z. B. mit einer gana
andern F r a u n h o f er'schen Linie coincidirte.'
Hr. Prof. Ad. W e i r s theilt in den Berichten der Wiener Akademie (1861, I, 208) genaue Messungen der Wellenlangen und der Verschiebungen sowie eine Zeichnung
des Spectrums der Untersalpetersiiure von A bis D mit.
Diese Wanderung jedoch findet, wie ich gleich zeigen
werde, nicht statt; sondern auf folgende Weise sind diese
Beobachtungen zu erkliiren.
Wie ich schon oben beim Bromspectrum beschrieb,
beobachtete ich auch hier, dals die bereits wahrnehmbaren
Linien, welche die Schattirung einer Bande bilden, intensiver, noch nicht wahrgenommene Linien an der Seite der
schwacheren wahrnehmbar werden und sich dadurch die
Banden verbreitern. (Fig. 3.)
Beobachtete ich an einem gewijhnlichen Spectralapparate,
.
,
,
1) Pogg. Ann. CXII, 155 nnten und Wien. Ak. Ber. 1861, I. Abth. 208.
Poggendorff's Annal. IJd. CLX.
13
194
dann konnte ich die dicht neben einander stehenden Linicln
der Schattirung eiiicr Bande nicht mehr iintersclieiden;
ich erhielt dann denselben Eindrnck, den Ilr. Prof. W e i fs
beschreibt, dcr B r e w s t e r gegeniiber vollstiindig Becht
hat, wenn er sagt:
,,eine specifisclie Alisorption dehnt sich nicht, wir
E r r w s te r meint, an jeder Scitr der Linirn nus, sondern niir in ciner Richtung und zwar nach dem violetten Ende des Qpectriirris hin."
Anoh ich sah dann eine dicke Linie, dercn Mitte natiirlich an nndercr Stclle lag, als die zucrst beobachtcte
rliinnc Linie. (Fig. 4.)
Weiln ich indessen nn eiiiem bessereii Appnrat h o b nchtete, d:inn konnte ich die ,,gewnnderte" Linit? in die
urspriingliche iiiid cine Rcihe nehen sic getrctrner anfliiscn. (Fig. 3.) Allcrdiugs reiclite mein A p p r a t nictit
ails, dics hei allen Linien ansfilhrcn zii lassen, zber docli
hei so vielen, iim den Schluk mi gestattcn, dafs mit
hessrren Apparatcn icli dic iioch iinaufgeliisten wiinle
zrrlegen kiinneii.
Es licniht diese ,,Wandrruiig drr Spectmllinien n u f
ni&s Andcreni als der Tliatsacltr , clds man in citirm
schlechtcren Spectralapparat eine D -Linie, i n eineni hesseren naehrere sieht.
Hervorheben will icli noch , dafs meine Versuclie den
Satz des Hrn. K i r c h h o f f :
,,Wenn diese (die Temperntnr) gesteigert wird, so
tritt keine Verschiebung der Lichtmnxima ein" ')
bestiitigen, wiilireiid demselGen die Erscheinungen, 80 wie
sir Hr. Prof. W cifs niiff'asst, widersprechcn wiirden.
Insofern die beobachteten Erscheinungen optisches Intrresse haben, hoffe ich sie experimentell, wie theoretisch
weiter verfolgen mi kiinnen.
Hier geniigt es, dafs iins diese Erscheiniingen die
Analogie in der Befolgiing des K i P c 11 h o ff'schen Fiindamentalgesetzes zwischen den Absorptionslinien bei niederer
1) Untersuchungen iiber d r s Sonnenspectmm, S. 5.
,
195
Temperatur (ohne gegeniiberstehende wahrnehmbare Emission) cinerseits und den Spectrallinien bei hoherer Temperatur andrerseits erkennen lassen.
Die Atiffassung der Gleichwerthigkeit der Absorptionsspectren bei niederer und der Spectren bei hijherer Temperatur fiir die Erkenntnifs der chemischen Beechaffenheit, gewinnen wir a m der Gleichartigkeit des Charakters
eines solclien Absorptionsspectrums, und eines bei niederer
Teinperatur durch eine chemische Verbindung erzeugten,
ebenfalls ans einer Reihe von Banden bestehenden Emissionsspectrums - ein Umstand, den ich hier nur kurz
erwahnen, aber betonen will. Wir werden in dieser Auffassung bestarkt diirch die Erscheinungen, die meine Versuche zeigen. I n der That, dieses Schwinden und Auftreten von Linien ist ganz dem analog, wie es Hr. K i r c h 11off fur die Ernissionsspectren zuerst nachgewiesen hat.
Wenn wir tins aber der Absorptionsmethode mit gleichcm Rechte fur die Beantwortnng der Frage: ,,Haben
die chemischen Verbindungen eigene Spectren?" bedieiien
diirfen, so treten jetzt die Fragen an iins heran: Was
ergeben die Beobachtungen ? Sind diese s q zahlreich bestehen keine Ausnahmen, so dafs das Naturgesetz: Jede
chemische Verbindung hat ihr eigenes Spectrum, inducirt
werden kann?
Die Absorptionsspectren einer grofsen Zahl von Verbindungen sind untersucht worden. Hervorheben will ich
die Beobachtnngen von G e r n e z , der 1872 die Spectren
starker absorbirender gasfbrmiger Metalloidverbindungen
beobachtete , dann die Untersuchungen von M o r t o n und
B o l t o n , denen es 1873 gelang durch die Absorptionsspectren der Losungen eine grofse Reihe von Uransalzen
zu unterscheiden.
Aber die Frage ist der Art, dafs zu ihrer Beantwortung ein Material vorliegt, wogegen dasjenige, das die
systematischen Untersuchungen liefern, dessen Vermehrung
um so wunschenswerther ist, verscbwindet. Wenn wir
13 *
,
196
aus der Reihe der unorganischen Korper nur an die Verbindungen des Nickels, Kobalts, Eisens, Chroms denken,
weiin wir uns aus der Zahl organischer nur der Anilin-,
Carbolsiiure-, Naphtalin-, Anthracen- Cinchonin -Farben
erinnern, so bietet sich uns mit einem Male eine Reihe
von Korpern die selbst, wie ihre Losungen verschiedene
Absorptionsspectren zeigen miissen, da hier schon dits
menschliche Auge die Mannigfaltigkeit der Absorptionsersoheinnngen erkennen kann.
Auch die Frage, ob vielleicht Verbindungen derselben
Elemente aber nach verschiedenen Proportionen zusammengesetzt, gleiche Spectren zeigen , wird sofort verneint,
wenn wir nns die verschiedeiierr Farlien der Oxydul- und
Oxyd-, der Chloriir- und Chlorid-, der Jodur- und JodidVerbindungen und ihrer Losungen vergegenwiirtigen, wen ~1
wir iins die verschiedeneia Farhen allein derjenigen organiscrlien F;rrlistoft'e vor Angen rufen, die nur aus Kohlenstotf; WaswrstofT, Sauerstoff uiid Stickstoff bestehen.
K i i r ~ , es 1iieti.t sicli ein Material, clns so reichhaltig
ist, wic irgeiid eins, aus dcm pi11 Nsturgesetz induoirt
wurde.
Wir werden das Gesetz : ,,Jcde cliemische Vrrhindung
hat. ihr eigeiies Spectrum
aber erst ansslirccheii diirfen,
wenil sic:li keine Austiahmen zeigen.
Aumalimen hestehcn wesentlich noch zwei : Saiicrstoffverbindungen sowohl das Stickstoffs, als des Chlors.
Von ersteren zeigen die salpetrige Siiure und die Untersalpetersiiure in gasformigem Zustande gleiches Spectrum. In einer Abhandlung, die ich unmittelbar nach der
vorliegenden xu veroffeiitlichen beabsiohtige, habe ich dies
festgestellt, *) zugleich aber auch nachzuweisen gesucht,
did's die gasformige Stickstoff Sauerstoffverbindung von
rothbrauner Farbe Untersalpetersiiure (dissociirt N 0,) ist.
Es wiire, falls mir dieser Nachweis gelungen, diese Ausnahme beseitigt.
,
,
,
-
1) Vor mir schon 18G9 Herr E. Luck.
197
Es blieben als einzige Aiisnahme Sauerstoffverbindungen des Chlors. Hier hatte schon W. A. M i l l e r 1846
die Gleichheit der Spectren der chlorigen, der UnterchlorSatire und des Euchlorins beobachtet. Aber wie das
Euchlorin inzwischen als Gemenge ') erkannt ist, so dafs
1872 G e r n e z nur die Gleichbeit der Spectren der chlorigen iiud der Unterchlorsaure LesGtigen konnte, werden
wohl auch dirse aum Theil als Gemenge, die nur eine
fsrbcndc Verbindung cnthaltcn, erkannt werden. Uebrigens
diirfte diese einzige Ausnahme um so weniger ins Qewicht
hllen, a19 die Untersiichungen iiber diese Korper, die zum
Theil ihrw explosiven Natur wegm schwer zuganglich
sind , nicht als abgeschlossen betrachtet werden konnen.
(Eine Aufnahme dcrselben liegt in meiner Absicht.)
Unter der Voraussetzung der Richtigkeit des vorhin
bewiesenen Schlusses von den Eigonschaften der Spectrallinien bei hiiherer Temperatiir auf die derselben bei niederer Temperatur I)konnte jetzt, nachdem auch die verschwindende Znhl der Ausnahmen beseitigt ist, das Gesetz
ausgesprochen werden : ,,Jede chemische Verbindung hat
ihr eigenes Spectrum.
Wenn wir uns noch einmal der bisher gegeniiber
stehenden oben geschilderten Ansichten, der ersten K i r c h hoff-Bunsen'schen, vertreten durch diese Forscher, wie
durch P l i i c k e r und H i t t o r f u. A. und der zweiten
K i r c h hoff- B u n sen'schen vertheidigt von M i t s c h e r l i c h , Angstriirn u. A. erinnern, so sehen wir, dafs wir
jetzt einen zwischen beiden befindlichen Standpunkt einnehmen, der die wesentlichen Aenderungen des Spectrums
der Aenderung der chemischen Beschdenheit, die unbe-
,
+
1) M i l l o n betrachtete ea ah Chlorochlorsiiure (C1, O I s )
Chlor.
2) Nichts spricht gegen die MBglichkeit, "dafs ein iihnlicher Einflufa der
chemiachen Verbindung auf die Absorptionslinien, wie er in diesen
Beispielen (Jod wasserstoffaiiure, salpetrige Siiure) aich hei niederen
Temperaltrren bemerkbar macht, auch in der Gliihhitze stnttfinden
konne.' ( K i r c h h o f f iind B u n s e n , Pogg. Ann. CXIII, S. 381.)
198
deutenderen Aenderungen des Spectrums denen der Masse
und Temperatur zuschreibt.
Mit dieser Entscheidung der Frage ist aber nicht verneint, dafs ein Element verschiedene Spectren haben kann.
Solche sind fiir den Stickstoff von P l u c k e r und H i t t o r f , f i r eine Reihe von Metallen von L o c k y e r (Lond.
Proceedings Marz 1875) beobwhtet. Xm Sinne der ohen
erwiihnten Hypothese waren sie so zu erklaren, dafs hei
niederer Temperatur die noch bestehenden Molekiile der
Elemente das Bandenspectrum erzeugen, dals bei hoherer
Temperatur dagegen jene in die Atome zerfallen welche
das Linienspectrum hervorrufen. Diese Ansicht ist iiii
Einklang mit der Bnnahme, dafs in Folge der elektrischen Entladungen die Molekiile gespalten, die Spannkrafte der Atome wirksam werden und nun chemische
Reactionen eintreten.
Zum Schlufs mijchte ich noch nuf die Vorziige aufmerksam machen, die die Untersuchung der Absorptionsspectren vor der der Emissionsspectren hat.
Sobald man den elektrischen Funken durch eine chemische Verbindung schlagen liifst, wird diese zersetzt. Wie
weit jedoch die Zersetziing vorgeschritten ist weifs man
in den meisten Fallen nicht. Ein Theil der Irinien, die
man im Spectralapparat erblickt, gehoren den die Verbindung zusammensetzenden Elementen, also den Endproducten der Zersetzung an. Von dem amderen Theile wissen
wir aber nicht, ob er ausschliefslich der urspriinglichcn
Verbindung oder ausschliel'slich Zwischenproducten oder
endlich der Verbindung und Zwischenproducten gemeinSam angeh8rt. Nicht in diesem Maafse fur alle, a.ber doch
fiir viele chemische Verbindungen gilt das ebm Gesagte
auch fur die durch Flammen erzeugten Emissionsspectren.
Ein zweiter Uebelstand ist, dafs die Spectren mit der
Temperatur sich andern. Da ee tins nicht miiglich ist,
hohe Temperaturen nach Willkuhr zu beherrschen oder
auch nur zu bestimmen, so ist hierdurch eine Wieder-
,
,
199
holung erschwert, eine Vergleichung fast verhindert, endlich aber keine Grundlage fur eine theoretische Behitndlung gegeben.
Beide Schwierigkeiten fallen fort, wenn man Absorptionsspectren beobachtet. Wahrend, um Ernissionsspectren
zu erzielen, die chemische Verbindung auf eine Temperatur
gebracht werden muls, bei der sie selbst leuchtend, aber
gleiclizeitig auch zersetzt wird, wird bei der Beobachtung
der Absorptionsspectrei~der Zustand der Verbindung nicht
geiindert und kann in jedein Augenbliok durch chemische
Analyse festgestellt werden. Ein Uebelstaud, die Anwendung langer ltohren, ware wohl dnrch geeignete Beflexion
des zu absorbirenden Lichtes zu heben.
Eine systematische Untersuchung der Absorptionsspectren mit besonderer Rucksicht auf den Gang chemisuher Processe in Liisuugen (wie solche beim Hamatin
und Chlorophyll und diesen bexw. verwandten Korpern
beobachtet sind), wie in Gasgemengen diirfte nicht nur
Endzustande chemischer Vorgange, sondern auch Zwischenlagen erkennen lassen und miilste die Chemie auf ihrem
Wege, eine Mechanik der Atome zu werden, wesentlich
firdern.
11. Untersuchungen iiber die I.'ol~i~~constitr~tion
f e s t e r Korper ;von 11. 8 c h m* o d e I'.
VII. Die rhombischeu Sulfate.
250. D i e rhombisch isomorphen Sulfate habe ich
(diese Ann. Erganzungsbd. VI, S. 81 und 82) in der Hauptsache schon richtig aufgefafst, nur sind wohl, wie ich
nun motivirt ha.be, die Blei- und Stroutium-Verbindungen
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