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Die Statik der Netzhaut und die pseudoskopischen Erscheinungen.

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mir, dafs der Maximum-Durchmesser anfangs mit dem Coocentrationsgrade zunahni, docli nur bis zu einer gewissen
Granze und darauf wieder abnahm. Ich habe mir vorgenommen, diels naher zu untersuchen.
VI. Die Statik der Netdiaut und die pseudoskopisc hen Ers cheinungen j
von Dr. H e r r n a n n S c h e f f l e r .
I n der .physioZogischen Optik w, welche ich vor Kurzem
veraffentlicht habe, sind auch die Grundlagen nachgewiesen,
auf welchen die optischen Ttiuschungen in Beziehung auf
die Grofse, Form, Lichtstarke, Farbe und die sonstigen
optischen Eigenschaften der Objecte beruhen. Eine interessante Klasse hieher gehoriger Erscheinungen sind die
zuerst voii Z o l l n e r beobachteten und spater von H e r i n g
und K u n d t vervollstandigtei~pseudoskopischen Erscheinungen, welclie sich im Jahrgange 1860 und 1861 dieser Annalen beschrieben finden. Die Erklarung dieser. Erscheinungen ist sehr verschiedenartig versucht worden. Z o 11 n e r
glaubt, die Tauschung seg psychischen Ursprungs; H e r i n g
und K u n d t haben eine besondere Theorie (die Sehnentheorie) auf die Hypothese gegriindet, dafs das Auge die
Grofse eines Winkels nicht nach dein Bogen, sondern nach
der Sehne scha tze ; B a c a 1 o g 1 o ( P o g g. Ann. Jahrgang 186 1)
schreibt der Vergleichung der Sehnenwinkel fur die verschiedenen Theile einer Figur eine besondere Wirkung zu;
A u b e r t bekennt in dem neusten Werke uber die Pbysiologie der Netzhaut, S. 272, indem er alle diese Erklarungen verwirft, dafs er keine Erklarung von dem Phanomen zu geben wisse. Aus diesen Umstanden kann man
schliefsen, dafs eine befriedigende Erklarung der fraglichen
Erscbeinungen noch nicht vorliegt, uud dafs eine Zuriick-
fiihruug derselben auf positive physiologische Vorgange erwiinscht sey.
Die Empfindung, welche mit der Erschiitterung eines
Sfdbchens tlurcli eiiien ein fall c n den Lichtstrahl verbunden
ist, also die Empfindung der Stellung des nfficirten Stubchens, ist die Gruiid1;ige fur iincer Urtlieil iiber die Richlung des Lichtstrahles cider der nach deui leuchtendrn Ohjccte fiihrenden Visirlinie (§. 18 uiid 22 der physiologischcn
Optik). Fur die scheinbnve Richtung ist also zunachst die
Richtung der Axe des getroffeiien Stabchens maafsgebehd.
Hieraiis folgt, dak AIIrs, was die Richtung eines Stabrhens uin eiiien bcstilninteri Winkel andert, die scheinbare
Richtung dcs aiif dieses Stabchen fallcuden Lichtstraliles
urn densellen Winkel k d e r t . Eine solclie Aenderuug der
Richtung eines St%bcliens tritt ein, weiin die Netahaut an
der Stelle dieses Stabrhens ihre Kriimnaung Sndert, wahrend das Stlbclieii normal darauf stehen bleibt ; sie kann
aher aucb durch selbstzndige Ueberneigung des Stibchens
oder durch Abweichung won der Normalen der Netzhaot hervorgebracht werden.
AuIserdeln wird die Richtung eiries Stabchens durch
Yerschiebung in der Ketzhaiit verandert (5. 21 der physioIogischeH Optik ).
Erwsgt man, dafs durch Verschiebung der Netzhaut ein
Stabchen, desseu iiatiirliche Lage einem von dein Netzhautbildc dcs Objectcs abweicliciitleu Ort einniinint, in dieaes
Bild eintritt, so folgt, dals das Object dein nerriickten Stabchen in derjenigen Kichtung ersclieint, welche der naliirlichen Stellung dieses Stlbcheiis in der Netzhaut entspricht.
Hiernach kniipft sich also bei gegebeiier Convergenz der
Augeuaxen eine bestiminte scheinbare Richtung an die Affection eines bestiinmten individuellen Stiibchens, mag dieses Stahchen sich in novmaler Stellung auf der Netzhaut
nach innen oder nach aufsen verschieben.
Eine Hauptveranlassung zur Verschiebung der Stzbchen
ist das Streben iiach Eitrfachsehen. Aus diesem Streben
entspringt iiii ,411gc111ci1ienuur eine Vcrsrhiebung der Stabchen nach innen oder nach aursen. Wenngleich hiernach
107
Verschiebuugen nach oben, nach unten oder in einer beliebigen Richtung nicht so haufig iiiducirt werden und die
Netzhaut auch in Folge dieser Ungewohnheit keine so
grofge I!ewegIichkeit in deli von der horizontaIcn Richtung
abweiclienden Riclituiigeu besitzt; so kommen doch auch solclie Verschiehtingeir vor. Wir miissen aniielimen, dafs Verschiebuogen in verticaler Kichtung such Abweichungen der
scheiobaren Richtung in eerticaler Ebeiie nach sich ziclren,
dafs iiberhaupt irgend cine Bewegung eines Stabchens iiin
deli Mittelpunkt des Auges eine Drehiing der srheinbaren
Richtung des auf dieses Stahrlien fallenden Strahles gegeii die ohne Verschiehung der Stabchen stattfindende
Richtung iiach entgegengeselater Seite nach sich zieht; so
dafs ein Strahl immer in derjenigen Richtung z u liegen
scheint, welche das getroffene .Stiibche?b aneeigt , wenn man
sich dasselbe in seine Ruhelage werselat und dort afbcirt
denkt.
Aufser dieser aus dern Strebeii nacli Vereiniguiig der
Doppelbilder entstehenden uud einein Principe des Sehens
dieneiideii Ve1,schiebiing dcr Stabcheii kanii eine solcbe
auch aus anderen Affectionen hervorgehen. W e n n diese
Affectionen niclit deln normalen Verlaufe der Sehthatiglieiteii entspr~echen, hildeii sie Sfurungen desselben und
die darous entspringendeii Abweichuiigen der scheinbaren
liichtuiig verleiheir deli Objecteu eiiie fabche Form, fiihren
also optische Tuuschuugen herhei, welche inail uiiter dein
Naineu der pseudoskopischen Ersclieiiiuiigen begreift.
Iu 5. 48 der pliysiologischen Optik habe ich bereits den
Einfluls untersucht , welchen die Affection der Netzhaut in
einzelntw Punkten ~ i i dLinien auf dereu Kriimmung und
deinzufolge auf die Richtung der Stiibchen aufsert, und die
daraus sich ergebendeii Tauschuiigeii iiber die Forin der
Objecte abgeleitet. Gegeiiwartig wolleu wir uns damit
beschaltigen , die aus solchen Affectionen entspringenden
Verschiebungen der Stiibchen und die liierluit zusammenhangenden Tauschungen zu ermitteln.
Bei diesen Untersuchungen gehe ich Ton dem Salze
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aus (welcheu ich in einem nlchstens erscheinenden Supplemente zur physiologischen Optik naher begriinden werde),
dafs sich bei dem Bestreben, mehrere Punkte oder eine Reihe
von Punkfen su fixiren oder in ihren gegenseitigen raumlichen Yerhdtnissen aufsufassen, eine Tendena su gegenseitiger Annaherung und in Folge dessen auch wirklich eine
gegenseitige Annaherung mit entsprechmder Spannung in
der Stabchenmaase erseugt.
Die Annaherung awischen den Birenden Stabchen wird
um so erheblicher, je mehr derselben in einer Linie afficirt
werden; sie roird also am starksten, wenn sich die Lichtpunkte au einem zusamnaenhangenden Linienauge an einander reihen.
Sehen wir den vorstehenden Satz als die Grundlage
fiir die Sfatik der Netshaut an, so ergebeu sich daraus zuvarderst folgeude Verschiebungen der Stabchenschicht und
pseudoskopischen Erscheinungen.
W e n u die beiden Objectpunkte a, b die Stebchen c, d,
afficireii (Fig. 12 Taf. II), so drangen sich die Stabchen in
der Linie cd zusammen und es treten die entfernteren Stabchen c', d in die Lichtstrahlen ac, bd ein. In Folge dessen erscheiueu die Objecte bei a', b' also weiter auseinander, als sie sind.
Je mehr Punkte zwischen a und b das Auge afficiren,
desto Zanger erscheint die Strecke a b. Hiermit ist die Beobachtuug erklart, welche H e r i n g in P o g g e n d o r f f ' s Annalen beschrieben hat. Aufserdem geht daraus hervor, dafs
eine gerade Linie a b verlidngert erscheint.
. W e n n die leuchtenden Punkte im Kreise liegen, wird
die Zusammendrangung der Sfiibchen nicht ohne Verkleinerung des Radius des afficirten Netzhautkreises moglich
seyn. Es werden also Stabchen, welche einem grfifsern
Netzhautkreise angeharen , in die Lichtstrahlen eintreten
und die Tauschuog eines vergrofserten Kreises hervorbringen.
W e n n die beiden sich durchschneidenden leuchtenden
Linien ab, de (Fig. 13 T a t 11) das Netzhautbild g k , i k ha-
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bell, so werden die Sttibcheu in der Litiie g h und i k fur
sich auf einander drlngen. Wird nun die Stiibchenlinie g h
in Folge besonderer Anstrengung m8glichst steif gehalten ;
so wird der Theil if der Linie i k , indem er gegen den
Theil k f derselben Linie drengt, etwas kings der Linie f h
hingleiten, und ehenso wird das Liuienstiick kf kings der
Linie f g gleiten. In die Stelle der geraden Liuie i k der
StZLbchenschicbt werden also Sthbchen riicken, welche im
Ruhezustande die punktirt gezeichnete gebrochenene Linie
einnehmen. Diefs hat zur Folge, dafs die Linie d e nicht
gerade, rondern gebrochen in der Form CF c', d' e' erscbeint,
indem die beiden Stiicke d c und e c gegen den spifsen
Winkel, welchen sie mit a b bilden, surilckrilcken.
Wenn sich die Linie a b nicht durch besondere Krhftigkeit auszeichnet, wird die ihr entsprecheude Stlbchenreihe g h sich gegen die Keihe i k in sbnlicher Weise verriicken. Das Resultat hiervon ist, dafs die sich kreuzenden
Linien a b , c d (Fig. l d Taf. 11) in der Gestalt der beiden
Winkel a ' d d , b'c"e' mit der Verbindungslinie c' d' ihrer
Scheitel erscheinen.
D a die Verriickung der einen Stabchenreihe langs der
anderen in der Nahe dieser zweiten Reihe stlrker seyn wird,
als in weiterem Abstande davon; so wird jenes Linienstuck
wie a'c' bei c' am meisten von der wahren Richtung ao
abweichen, nach a' bin aber sich mehr und mehr der Linie ca
niihern. Die Linien a c b uiid d c e werden rnithin als Curaen a'c'c''b' und 6c'c''e' erscheinen, deren Winkel bei c'
und d' grofser ist als der Neigungswinkel der Linien a b, d e
und welche die gegebeneu beiden geraden Linien zu Asymptoten haben.
Hiernach wird eine gerade Linie a b (Fig. 15), welche
mehrere Parallellinien durchschneidet , in der Form der
Linie as' b' erscheiuen.
Wenn die Stabchenreihe gh, sey es in Folge subjectiver Anstrengung oder starken objectiven Reizes mbglichst
steif gehalten uud vor der Zerreifsuug geschiitzt ist, werden die Sttibchenreihen i f ' und k f ' (Fig. IS), welche im
Ruhezustande in der geraden Linie i k liegen, indem sie
110
vermiige des Znsaminciiriirkeiis der Sttibchcii 15ngs der starreu Reihe g h gleiten und sicli trrnnen, auf die Reihe g h
iioch eine besondere Wirkung ausiibeii. Der Druck namlich, wdcher zmischen drii Stabchen der Rcihe i f ’ und f ” k
herrscht, wird bei der Treniiiing jeiler heiden Stiicke eine
Pressung gegen die Reihe g h in den Puiikten f ’ und f ” hervorhriiigen, also ein Kriiftepa,ar erzeugen, welches die Reilie
g h in die Riclitung dcr Pfcilc zu drehen strebt. In Folge
dessen werden die Stabcheo aus der Linic! g’h‘ i n die Linie g R eintreten, melche das Netzhautbild der Liuie a b
(Fig. 1 3 Taf. 11) ist nnd die Linie a b wird ihre Kichtong
i n die Linie a’b’ also so uiiizriandern sclieinen, nls wenn
sie den Neigungswinkel gegen die Liiiie d e sergro/’sern
WOlltP.
Die Ablrnkuiig der Liuie a’b‘ von a b wird durcli das
Moment des in den Punkten f ‘ und f ” (Fig. 16) wirkenden
Kraftepaares bedingt scyn. Rezeichnet p die Spannung
zwischen den Stabchen tler Reihe ik, rind a den Neigungsqiiikel der sicli kreuzenden Linien a b und e d ; so wird
man den norinalen Drnck der Reihe if‘ und k f “ gegen
die Rcihe g h nahezii gleicli psin n, und die Entfernung f ‘ f ” ,
u111 welchen die beideii Stiicke der Reihc iH auseinanderriicken, nahezu der Componente p cos CL proportional setzen
kijnnen. Hiernach wird das gesuchte Molneiit nnhezu dein
Producte p sin a .p cos u oder der Griifse p 2 siiia cos a oder
pZsin2u proportional s e p . Da diese Grofse fur a = Go
ein Maximum erreicht; so folgt, daCs die pseudoskopiache
Ablenkung der Linie o b (lurch die Linie d e ein von dein
Neigungswinkel der letztercn abhangiges Maximum besitzt
und dafs der diesem Maxiinuin entsprechende Winkel ungefahr den W e r t h von 45O hat.
Niinmt mau die Saclien genau uiid erwagt, dafs, wenn
man sich eine elastische Linie Iangs des Zuges i f ’ f ” k denkt,
welche sich bei f ‘ und f ” allm2hlich uiubiegt, die Wirkung
der Stiibchen dieser Reihe gegen die Reihe g h in einern
Winkel erfolgen wird, welcher grii/‘ser ist als a. Angenommeli, d i e m Winkel seg = n u , warin n > l ist. Als-
ill
dann wird das Moment des frnglicheii Krlftepaares proportional p2sinncu cosna odcr proportional p 2 s i n 2 n a seyn;
450
das Maximum wird also fur 2 n n = 90° oder fur a = n
eintreten. Setzt man n = 1,6, so wird a = 30°, wie es
nach den sogleich anzuiYihrenden Beobachtungcn der V'irklichkeit entspricht.
Wenngleich die pseudoskopische Ablcnkung der Linie
a b , welche im Zusammenhange bleibt, ein Maximum hat
fur einen bestimmten Neigungswinhel der durchkreuzenden
Linie de, welche zerrissen wird; so hat doch die Verschiebung c'd' der beiden Theile der letzteren Linie, welche
proportional zu p cosn a ist, keiii Maxiinum fur jenen Winkel, sondern wird nin so griifser, je kleiner der Neigungsminkel a wird. Voii der GriiCse diescr Verschiebung und
zugleich vou dem Neigungswinkel a selbst h n g t der W i n kel y ab, uin welcheii in Fig. 11 Taf. I1 die Stucke der
Linie a b zwischeri den Parallelen von ihrer wahren Richtung abgelenkt erscheinen. Diese Ablenkuug wird fur einen
gewisseii W e r t h des Wiiikels a , welchen wir jedoch hier
auf sic11 beruhen lassen, ein Maximum haben, d. h. weder
eine die Parallelen ganz steil, noch eine dieselben ganz
p a d , sondern eine die Pariillelen linter einem besfimmten
Winkel durchschneidende Link a 6 wird in den Zwischenstiicken am in eist en a bg e1 enh t ersclieiiien.
Hieraus folgt, dafs eine gerade Linie a b (Fig. 17), welche
concentrische Kreise durchschneidet, in der Form a' b' gekrulnmt erscheint. Uenn indem sich die Kreislinien bei der
Durclineidung der geraden Lioie a b auf dieser nach Fig. 16
verschieben , erzerigen sie zugleich dnrch die entstehendeu
Krzftepaare eine Drehung der zwischeu ihnen liegeliden
Stucke dieser geraden Linie und zwar a n einer bestiininten
Stelle am st8rksten. Betrachtet man nun a b wie eine elastische inaterielle Linie; so mnfs sich dieselbe unter der
Wirkung der gedachten Kraftepaare in der Form a'b' krummen. Dieser Einflufs inacht sich sogar geltend, wenn die
Gerade nur einen einzigen Kreis schneidet, ja sogar, wenn
i 12
sie den Kreis nur beriihrt, weil sichtbare Linien doch immer eine gewisse Dicke hahen und die Reruhrung solcher
Objecte nach Fig. 18 ‘l’af. I1 den Charakter einer Durchschneidung an sich tragt, aufserdem aber die durch Verschiebung erzeugte Spannung zwischen den Stabchen wegen des Zusalnmenhanges der Netzhaut selbst auf einige
Entfernung voii den gespannten Reihen hin wirkt.
Was die Ablenkung der von einer Geraden durchschnittenen Kreislinien betrifft; so leuchtet ein , dafs dieselben
indem sie sich an der Durchschnittsstelle steiler gegeu die
Gerade stellen, starker gekriimmt erscheinen werden.
W i r gehen jetzt zur Erklarung der von Z o l l n e r beobachteten und in P o g g e n d o r f f ’ s Annalen 1860 beschriebenen pseudoskopischen Erscheinungen fiber.
Werden in Fig. 19 mehrere starke Parallellinien, welche
wir Streifen nennen wollen, von feineren und ziemlich nahe
liegenden kurzen Parallelen, welche wir Striche nennen
wollen, schrag und zwar der erste, dritte, funfte Streifen
von links nach rechts, der zweite, vierte, sechste Streifen
dagegen von rechts nach links durchschnitten, so miissen
nach Vorstehendem folgende optische Tauschungen entsteben.
Die Querstriche erscheinen nach Fig. 20 Iangs der Streifen t7erscho6en. Die Langenstreifen, deren correspondirende
Netzhautliuien von ebenso vielen gleich starken Kraftepaaren angegriffen werden , als Querstriche vorhanden sind,
erscheinen nicht mehr parallel, sondern so gegeneinander
geneigt, dafs sie die Querstriche steiler durcbdringen. Die
pseudoskopiscbe Ablenkung der Streifen mufs fur eine gewisse Neigung der Striche ein Maximum werden: dasselbe
entspricht der Neigung von 30°. Die Tauschung findet
SO gut beim monocularen, wie beim binocularen Blicke statt.
Ich fuge jetzt den fruhereii Betrachtungen iiber die Verschiebung der Stzbchen hinzu, dafs die Bezoeglichkeit der
Stabchenschicht nicht in allen Richtungen der Netzhaut
gleich grofs ist, dafs dieselbe von dem Accomnaodationszustande des Auges uiid von dem Wettstreite der correspon-
113
direnden Stzbchen des andereii Auges init abhangt (Ueber
das Wesen des Welfsfreites vergl. 4. 13 der physiologischen Optik).
Am wenigsten beweglich scheint die Wetzhaut in oerticaler und i n horizontaler Richtung zu seyn; in erstercr
jedoch noch etwas weniger
in letzterer: am grbfsten
ist ihre Beweglirhkeit in echrugen Richtungen und es mufs
eine der Neigung Ton 45O naheliegeode Richtung gebeh,
in welcher die Beweglichkeit ein Maximum erreicht. Demzufolge erschrint die pseudoskopische Ablenkring der Streifen
am schwBchsten, wenn sie vertical stehen, etwas stiirker,
wenn sie horizontal laufen, am starksten jedoch, wenn sie
sich etwa linter einen Winkrl von 45O nrigen.
Interessant ist die Wirkung des Wettstreifes. W e n n
man beim binocularen Anblicke der Fig. 19 Taf. I1 die Augen
auf eiiien nahereu Punkt ronvergiren lYFst, so dafs das
rechte Doppelbild des ersten Streifens arif das linke Doppelbild des zweiten Streifens fallt, so werdeii correspondirende Stabchen der heiden Augen dnrch die Querstriche
nach enfgegengesetsfen Seitcn nbgeleukt. Diefs hat ZUT
Folge, dafs sie gar nicht abgelenkt werden, sondern parallel
erscheinen. A n der Stelle der Querstriche sieht m a n keine
vollsthdigrn Kreuze, sondern theils Striche, welche von
rechts nach links, theils solche, welche von links nach rechts
laufen, theils abgebrochene Stiicke der einen, theils abgebrochene StUcke der anderen Art, wie es dem Effecte des
Wettstreites vollkominen entspricht.
Nimmt man den Convergenzpunkt der Augen so nahe,
dafs sich die Doppelhilder des ersten und dritten Streifens,
welche einander gleich siiid, decken, so entsteht wieder die
pseudoskopische Ablenkung.
W e n n man das Auge auf eiiieii liii~reichendnahen Punkt
accommodirt, hdrt die pseudoskopische Ablenliung der Streifen auf: ich nehme daher an, daL durch Accommodation
auf die Nuhe die Beweglichkeit der Stabchen oermindert wird.
Beriicksirhtigt man hierbei noch, dafs sich bei jeder falschen Accommodation die Aufmerksamkeit auf das Object
Poggendorfl'r Annal. Ed. CXXVII.
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114
vermindert und dals die Details desselben uiideutlicbar
und deuzufolge weniger effectual1 werden; so leuchtet ein,
dafa mit der Kaheaccommodation eine erhebliohe Vermioderung der pseudoakopischen hblenkung verbunden seyn
mufa. Wenn wan das Aiige euf einep hinreichend entfemten Punkt accommodirt, z. €5. indem man in die Figw eip
Loch macht und d w h dieser Loch auf ein e d e t n t e r e s
Objert blickt, wird die pseudoskopische Ablenkung ebpnfulls sckroiicher, jedocli nicht in dein Maafae, wie bei der
Acco~nmodationa d die N81ie: ich nehdaher an, dab
zwar die Bewegliohkeit der St2bchenschicht mit der ACcom~nodationauf die Ferne zunimmt, daCs jedoch der a t gegengesetzte E&ct der verminderten Aufinerksanrkeit wd
Deutlichkeit uberwiegt, so d d s trotz der gr6kereo Beweglichkeit der Sttihhenschicht, eine schwachere Aldenkung zu
Stande kommt, welche indessen immer gr6fser bleiben wird,
als die durch Naheaccommodation erzeugte.
Wenn man die Fig. I I Taf. I1 dern Auge hinreichend
niiihcrt oder von dem Auge hinreicbend entfernt; 80 verliert sich die pseudoskopische Ablenkung allmahlicb bis orurn
endlichen Verscliwinderi, weil die Querstriche sowohl bei
der geniigenden Anukiherung in Folge uagenauer Accommodation, als aucb bei der geniigenden Entfernung in Folge
der Abnahme ihrer Iuteasitat und ihree Netzhautbildes ipemer mehr uud mehr ihre ablenkende Wirkung einbiilen.
Die mit der Versnderung der Accommodation verbundene VariabiIitiit der Beweglichkeit der StPbc.henschicht erzeugt gewisse pseudoskopische Bmegungen, auf welche
noch nicht aufrnerksam gmacbt worden isf Indem man
beim monocularen Aiiblicke der Fig. 19 mit aertical stehenden Streifen mittelst des rechten Auges ctieses Aoge entfern& accoinmodirt, riicken die Querstrichc am ersten und
dritten Streifen abrourts und am zweiten und vierteu Skeifen azrfwiirts; iiidem man das rechte A q e niiirer accommodirt, riicken die Querstriche am ersten und dritten Strcifen anfwarts und am zweiten und vierten Streifen abroiirtn.
Beim monocularen Rlicke mit dem linken Auge e r g e b n
sich die entgegengcsetzteii Bewegungen.
I15
Halt man die Figur so, dafs die Streifcn horizontal lieg e ~ ~so, erzeugt eine Veidnderung der Accommodation
diese Bewegung der Querstriche nicbt. Wohl aber ergiebt sich jetzt ein sehr lebendiges Luufen der Querstriche,
wenn man die Figur mit sehr hochgehobenem oder mit sehr
tief gesenktem Kopfe monocular oder binocular anblickt.
Betrachtet man mit sehr gehobenem Kopfe, also von oben
herab, indem man die Figur so vor sirh halt, dafs der Streifen U B oben und g h unten liegt; so laufen die Querstriche,
indem man den Kopf haher hebt, so, wie weno ihre unteTen Stucke a n den Streifeu ausglitten, also wie die Pfeile
bei b, d, f, h anzeigen. Betrachtet man dasegen mit sehr
tief gesenktem Kopfe, also voii unten herauf; so laufen
die Querstriche, indein inan den Kopf tiefer scnkt, so, wie
wenn ibre oberen Stiicke an den Streifen ausglitten, also
wie die Pfeile bei a, c, e, g andeuten.
Um die Querstriche bei serticuler Lage der Llngenstreifen ohnc Accominodationsr crgnderuog in Bewegong zu
bringen, mufs man den H i c k stark seitwarts wenden. Betrachtet niaii die Fig. 19 Taf. I1 mit einem oder mit beiden
Augen, so verriicken sich die Querstriche nach den Pfeilen a, c, e, g , wenn inan die Nase weit mch rechts dreht;
und sie rerriicken sich nach den Pfeilen b, d, f , k, wenu
man die Natle weit nach links dreht.
A uch mechaniscirer Druck oder vielmehr mechanische
Drchuag des Auges durch aufseren Druck erzeugt ein Gleiten der Querstriche. Driickt man das .4uge so, dafs es
in einer acif den Laogemtreiferi normal stohenden Ebene
rollt, so laufefi die Querstriche langs den Laogenstreifen,
also normal zur Drehuiigsebene des Auges, und zwar nach
den Pfeilen a, c, e, g, weiin sich die Augenaxe in der Richtung des Pfeiles A dreht, wad nach deli Pfeibn b, d, f, k,
wenn sieh die Augenaxe in der Richkung des Pfeiles B
dreht.
Zur Erklarung dieser pseudoskopischen Beweguqyo sey
ab, cd (Fig. 21 Taf. 11) das Netzkaaslbild zweier Llngenstreifeu und in diesern Streifen seyen zwei Stabchenreihen
8*
ii6
starr a n ilirea Ort gefcsselt. W i r d jetzt die gesarniute
St~ibchenniasse der Netzliaut in der Richtung des Pfeiles B
gedrangt; so werdeu Stiibchen, welche i u einer schragen
Linie wie ih ziisaiaiiieiihafteii, langs a b in der Richtung
des Pfeiles b gleiten, wahrend Stabcheu, welche in der
Linie Ztn zusammenhaften, Iangs d c in der Hichtung des
Pfeiles' d , also in entgegengesetzter Richtung gleiten. In
Folge dieser Bewegungen treteri die Stabchen i' k' und I'm'
aii die Stelle von i k uiid Lm. Wird die Sttibchenlnasse
in der Richtung des Pfeiles A gedraiigt; so kehren sich
Bewegungeii nach den Pfeileii a, c urn.
Diese Bewegungen der Stabchenreihen i k , Ins haben
ent.sprechende scheinbare Gleitbewegnngen der Qiierstriche
an den Z b 11n e r ' scheii Streifen zur Folge. Der Eintritt
der Stghchen i'k' in das 1,ithtbild ih. hat die Wirkung,, wie
wenn sich d e s dein Bildc i k rntsprechende Object an deli
Ort des dem Bilde i'k' eiitsprecheiideii Objectes bewegte.
Diese Bewegung ist der Kichtung i i' entgegengesetzt, also
der Richtung i'i oder der Gleitbeweguiig der Stabchen i k
lings a b , wie sie der Pfeil b angiebt, gleich. Den Bewegungen in der Netzhaut, welche durch die Pfeile a, b,
c, d . , angegebeii sind und welche durch die Schubkrafte
A oder B erzeugt werden, entsprmhen daher scheinbare
Bewegungen, welche in Fig. 19 Taf. I1 mit den gleichnamigen Pfeilen a, b, c, d . . . angedeutet sind. I)a nun die letzteren scheinbaren Bewegungen bei der Urehung der Augeiiaxe uach den Pfeileii A, B erzeugt werden, so miissen
mit diesen Urehuogen der A4ugenaze die durch die gleichnainigeu Buchstaben A, B in Fig. 21 Taf. I1 angedeuteten
Tendenzen zur Verschiebung der Stabchen verbunden seyo.
Das ganze Bewee;ungspbaaoiiien erklart sich biernach
durch die Anoahme, dafs weun sich das Auge nach irgend
einer Seite, also in der beliebigeu Richtung des Pfeiles C
in Fig. 22 verrnilge der W i r k m g der Augentnuskeln .drebt
und zwar bis an die GrBnze, welche diese Muskeln zulassen, die Nef5haut etwas zuriickbleibt, sich also nach dem
Pfeile C' in der Kugelschale verschiebt. Diese Anuahme
.
117
ist deshalb sehr plausibel, weil bei starken Drehungen der
starke Sehnere,, in welchcm die Fasern der Netzhaut zusammeufliefsen, einen Widerstand erzeugen wird, welcher
die Netzhaut etwafi zuriickhslt.
Wfirde nun das Auge, iodetn es eine feste Stellung zu
behaupten sucht, durch eineti aufseren mechanischen Drucli
aus dieser Lage getrieben, so dafs seine Axe sich in der
Richtung des Pfeiles A i n Fig. 23 und 19 dreht; so mub,
weil jetzt die Augenmuskeln entgegengesetzt wirken , eine
Verschiebung der Netzhaut nach der Kichtuirg des Pfeiles A'
erfolgen.
Hicrdurch siiid alle diejenigen vorstehenden Bewegungen erklart, welche auf einer starken Drehung des Auges
durrh die Augenmuskek oder durch aufseren Druck beruhen. Hinsichtlich der init Nahe - und Fernaccommodation
verbundenen Bewegongen braurhen wir dann nur noch die
mit der letzteren Aniiahme harmonirende Hypothese hinzuzufiigen, dars bei der Naheaccommodation, eoo sich dus
Auge nach innen dreht, eine Yerschiebuug der Netshaut
nach innen (Fig. 2 2 ) und dafs bei der Fernaccommodation,
mo sich das Auge nach aufsen dreht, eine Verschiebung
der Netshaut nach aufsen stattpndet.
Ich erlaube mir jetzt, einige aiif der Verschiebung der
Stabchen beruhenden stereoskopischen Tauschungen zu besprechen. In Fig. 24 Taf. I1 ist eine Zickziacklinie a b c d e
parallel mit sich selbst mehrmals tibereinander gezeichuet.
W e n n man diese Figur vertical halt, so erscheint sie eben.
Sowie man dieselbe aber nach hinten iiberneigt, erscheint c h als vorspringender, b g und d i a18 zurllckspringender Riicken, und die Tkiuschung verstarkt sich, je flacher die Ebene der Figur gehalteii wird, wiewohl sich
die scheinbare E r h i h n g und Vertiefung der Rficketi vermindert. Neigt man die Figur nach born iiber, so erscheint
c h als zurtickfipringender , bg und d i als vorspringender
Riicken. Allgemein, wenn man der Ebene der Figur irgend eine beliehige Richtung und Stellung im Raume
giebt, so erscheinen die Linie bg, d i als crhobeiie Riicken
118
und die Linien c h als vertiefte Rinnen, sobald die Linie
f g h i k weiter vom Auge entfernt ist, als die Liaie cabdcde,
und umgekehrt erscheinen die Linien b g , d i als vertiefte
Rinnen iind die Linien c h als erhobene Riicken, sobald
die Linie f g h i k dem Auge naher liegt, als die Linie a b c d e.
Zieht man durch die parallelen Querlinien ab, f g und
b c , g h usw. parallel zu a f Lsngenlinien nach Figur 25,
so verlieren dieselben bei der Ueberneigung der Flache
ihre pseudoskopische Ablenkung und erscheinen urn S O
befiser parallel, je mehr die QuerIinien gmeigte Ebenen
zu bilden scheinen.
W i r sehen, pseudoskopische Ablenkung in der Ebene
der Figur und pseudostereoskopische Abweichung von der
Ebene dieser Figur stehen einander entgegen. Die Erklarung beider Effecte liegt in Folgendern.
Wenn a b c d e in Fig. 26 das Netzhautbild einer Zickzacklinie ist, so werden die darin liegenden Stabchen nach
Obigem langs der Linie a b , b c , c d , d e znsammenriicken.
Eine solche Zusemmenruckung wird, da die jenseits a rind e
liesende Stabcheninasse, besonders bei pwalleler Wiederholung dcr Zicbacklinie einen gewisseu Widerstand leistet,
eine Abweichung der Stabchenreihe a b c d e in die Lage
a’b’c’d’e’zur Folge haben, wobei sich die einzelnen Strecken
verkunen, ohne die Endpuukte a und e so wesenblich zu
verriicken, wie es ohne den Widerstand bei a und e gescheheu wlirde. Die Stabcheu verschieben sich also in der
Richtung der Pfeile, d. h. gegeib die Spitzela der Z i c h a c b
im Netahautbflde. Die Figur a’b’c’de’ hat stumpfere Winkel, als die Figur a b c d e : da sber in Folge dieser Verruckung Sttibchen, welche auf der entgegengesetzten Seite
des Netzkautbildes a bcdc liegen, i n dasselbe hineinriicken;
so wird das Zickzack mit spifsereta Wiiikeln erscheinen,
a h es wirhlich hat. Letzteres gilt jedocb nur fur den Fall,
dafs die Sehlinie normal auf der Ebene der Figur steht:
sobald sich diese Ebcne gegen dic Sehlinie neiggt, combinirt sicb mit der eben bezcichneten Verschiebnng der S u b -
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cben ein zweiter Effect, welcher folgendes Gesetz zur
Grundlage hat.
Die Bmeglichkeit der Stdbchen ist m so grofser, j e
schlaffer die Accommodation i s t , sie Cst daher groper bei
der Pernucoommodation, als be?: der Nuheaccommodation.
Wenn das Auge oon Lichtstrahlen getroffen wird, welche
ms versobdedenen Entfemngen stamnaen, so i s t , weil s i d
jede Nemenfa8er fiir sich XIU accomrrsodiren strebt, die Bctoeglichkeit an denjenigen Stellen groper, wo die Lichtbilder der ertfmnteren Objecte liegen, als in den Stellen der
Lichtbilder deer niiheren Objek€e.
Halten wir nun die Ebene der Figur 21 normal zur
Sehlinie, so sind von einein Zickzack wfe f g h i k alle Punkte
gleichtoeit vom Auge entfernt; es findet also in allen Ecken
g, h, i eine gleiohe Bezoegdichkelt der entsprechenden Stabchen statt und cs liegt kein Griind zu stereoskopischer
Tkiuschung vor. Neigen wir aber die Ebene der Figur
gegen die Sehlinie so, dafs sich das Zickzack f g h i k weitet entfernt, als das Zickzhck abode; so lie@ jede Ecke
wie g, i vom Auge entferntbr, als jede Ecke wie h ; es
findet also in den Ecken g eine grtjfsere Beweglichkeit der
Stabchen statt, als in den Ecken ?a. Da sich im Netzhautbilde die Stsbchen gegeii die Spitzen der 2ickzacke bewegen, SO tritt fiir die Ecke g ein weiter Uber dieselbe hinau6 liegendes Stabchen in das Netzhautbild eio, als fur die
Ecke la. Dieses weiter iiber die Ecke g des Netzhautbildes hinaus liegende Stabchen entspriobt aber einer Visirlinie, welche die Ebene der Figur jenseitb g , etwa in g’
triB. Da nun rlas Auge in diesem Stabchen auf die Entfemung des Punktes g, uicht auf die Entferuung des weiter entfernt llegenden Punktes g’ aceornmodirt ist, so erscheint der Punkt g zwar in der Ilichtung, in welcher der
Punkt g’ liegt, aber in der Entfernung drs Punktes g , rnithin vor det Ebene der Figur, wie es durch Fig. 27 Taf. I1
erliutert ist. Hieraus folgt, dafs bg einen srhobenen RQcken
ZB bilden acheint. Die Ptrnktc h erscheinrn aus dein namM e n Gruude hinlcr der Ebeue der Figuc; die Linie oh
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erscheint also als sertieffe Rinne. Ncigt man dagegen die
Ebene der Figur so, dafs sich das Zickzack f g h i k dem
Aiige niihert, so tritt das Umgekehrte ein, die Linieu bg
erscheinen als Rinnen urid die Linien c h ah Riicken.
W a s nun den Widerstreit zwischen diesem pseudostereoskopisrhen Erscheinungen und drr pseudoskopischen
Ablenkung der Z 6 11 n e r'schen Linien bei geneigter Lage
der Ebene der Figur betrifi, so verschieben sich, wenn
Fig. 28 Tar. I1 das Nctzhautbild unserer Zickzackfigur mit
Z a l l n er'schen Linien darstellt, die Stabchen gegen die
Lingenstreifen parallel zu deli Pfeilen uud trennen sich
dabei an den Langenstreifen, so dals also a b c die Lage
a'b'c' annimmt. Diese Bewegung waltet urn so mehr vor,
je mebr die geraden Lzngenstreifen dominirrn und demzufolge steife Stiibchenreihen bilden. Wenn die Zicksackfigur
dominirt, fiudet keine Parallelverschiebung der hurzeu
Querreihen zwischen drn Langpnstreifcn , sondern eine
Drehung derselben dergestalt statt, dafs an den Langenstreifen keine Trennung stattfiiidet, folglich a b c in die Lage
ab"c iihergeht. Durch jene Treiinung der Querreihen an
den Langenstreifen sind aber alleiii die Kreftepaaie bedingt, welche die Langenstreifen drehen und dereu pseildoskopische Ablenkung erzeugen. J e melir also die Zickzacke ztir Geltung kommrn, desto mehr wird die Ablenkung der Langenstreifeii erschwert, desto mehr tritt dieselbe mithin gegen den stereoskopischen Effect zuruck.
Ziu griifsereu Geltung gdangen die Zickzacke aber durch
die Neigung ihier Ebene gegen die Sehlinie in solchen
Rirhtungen, wo die Zickzacke am einen Endc sich nahern
und die am anderen Ende sich entfernen, weil sich hierdurch das Netzhautbild der Langenstreifen oerkiirst, wahrend das der Zickzacke nahezu dieselbe Ausdehnung bebelt.
Neigt mail die Ebene der Figur so, dafs alle Zickzacke
gZGichc Entfernung vom Auge behalten, indem man aho
die Linien af (Fig. 2-1) normal sur Sehlinie erhhlt, so bebalten die Lsngeustreifen ihre nattirliche Ausdehnung im
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h’etzhautbilde ; aulserdem findet auf die einzelnen Theile
eiiies Zickzackes niclit mehr die fruhere Argumentation Anwendung, indein sic11 alsdann die von einer Ecke wie g
ausgeheuden Tlieile g f uiid g h niclit in gleicher Weise
voin Auge entfernen, sondern g f sich nghert, whhrend g h
sich entfernt. Deiiizufolge erscheint die Zickzackfigirr in
dieseni Falle iiicht stereoskopisch und die Lhgenstreifen
bebalten ihre pseudoskopiscli~!Ablenkung.
Indem sich die Stabchen aus irgend einer Ursache vwschieben, h d e r t sich auch inehr oder weniger ihre Neigung
gegen die Netzhaut und die Kriimmung der letzteren Haut.
Hierin liegt eiiie Uuterstiitzung der pseudoskopischeii Erscbeinungen, welche ich in 5. 48 der physiologiscben Optik betrachtet habe.
Aufserdem ist init dieser Verschiebung eine Veraiiderung der Wirkung der Stkibchen aiif den Accommodationszustaiid der Linse, iosbesondere auf die Aberration und
die allgemeiiie Zerstreuung drs Lichtes in den Durchgangsrichrungen, welche voii den betreffeiiden Stabchen beherrscht
wordeii, verblinden. Hieraus entspringen die in 5. 56 der
physiologischeii Optik beschriebenen Ir,-cadiationserscheinPmgen und Lichtsiiurne in gemusterten Fllchen, deren starkere und schwachere Eiitwicklrlng init der fraglichen Affection der Stabchen iiii innigsten Zusammenhange steheo.
Die starkerr und schwachere Zerstreuung dcs Lichtes
ruft aulserdem eine Tauschung iiber die Helligkeif des Objectes in gewissen Linien bervor oder erzeugt pseudoskopiache Lichfer und Schatten. Solche Zusthde bieten zuweilen kein sehr stabiles Gleichgewicht dar, indem sich die
Stiibchen unter mancherlei Einfliissen hin und her bewegen. Hieraus entspringt das Wallen und Sfrahlen gemusterter FlSchen, wie es z. B. eiue init engen concentriscben
Kreisen bezogeiie Flache zeigt.
Schlielslich siiid nehen den schoii vorhin bezeichneten
pseudoskopischcn Bewegungen noch diejenigen zu erwah:
nep, welcbe daraus entstehen, dafs Stlbcbeo, welche Iangere
Zeit in einem abormen Spannungs - oder. Rewegnngszu-
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stande erhrlteii sind, in diesem Zustande noch eine Zeit
lang nach dem ErlBschen der objectiven Uraache verharreo, wahrend sie gleichzeitig *on anderen Objecten bestrahlt
werden. Hieraus entspringeii Nachwirkungen , welche den
NadbiMern in Folge starker Intensitiitsivirkung analog siiid.
Weiin inan z. B. lange und aiigestrengt auf eiiie bewcgte
Flache, etwa auf einen Flufs gcseben hat, und abdanu den
Blick a d eiue feste Flache wendet, ohne dieselbe jedoch scharf
zh fixireti; so scheint diese Flache in eine der frtiheren entgegeugesetze Bewegung zu geratheu. #lit der Bewegung
des Lichtstrables auf der Nctzhaiit ist namlich die Neiguog
jedes berbhrten Stabchena zuin Nachfolgen rerbunden. Vermbge der Fixation wird das wirklicbe Nachfolgen verhittet,
indem beiln Fortriicken des Strahlcs das benachbarte Stabchen die Fixatiou aufnimmt und in dem fraher getrofknen
Sabchen nur die Tendens zum Nachfolgen zurUcklaht. Hart
nun die Bewegung des Lichtstrahles auf, so dauert doch
die Neiguog der Stlibcheii zur Fortrilckuug in der frfihercn
Beweguogsrichtung des Netzhautbildes fort und gelaagt
jetzt auch uir Ausftibrung, wenn diese Stiibchen in Folge
eiam gewissen Errnitdung des Auges nicht durch scharfe
Fixation an das neue Object gefesselt werden % t h e n . Sowie sich h e r die Stabchen in dieser Richtung verschieben,
tritt in eioem spateren Momente ein rllckwllrts liegendes
Stlibahen in einen vorderen Platz oder in das Netzbautbild des neuen Objectes, dieses Object scbeint also in entgegeogesetzter Richtung des frtiheren Objectes zu wandern.
W e n n irgend Etwas geeignet ist, die vie1 verbreitete
Ansicbt , d a b das rtiulnliche Sehen wesentlicb auf Ueberlcgung und auf ErfoAP-Yng beruhe, zu widerlegen, so sind
es die im Vorstebenden betrachteteo pseudushopi~benErscheinuagen. Wir kennen die Unwdrheit der Etscheinung
unser Yersfand sagt uus, d a k das Object eine gem eadere
Gestalt habe, aber das Auge kiimmert sicb urn keine Reflexion und keine Abstraction; 9s sisbt nicht auf &und
inWlsotudler, sondern auf Grund ssnstdlcr Processe und
reigt uns demtnfolge des Object genau nech MahLgabe
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der physiologischen Affectitma. Dieselbe pseudoskopische
Erscheinong i n Beziehung auf Form, ktfernung und Betbcgung stelh sich jedem Auge, sowohl dem Auge des kltigsten Deakers, als deln Auge des dtimmsten ldioten dar;
sie entsteht auch rofurt und ganc berlirnmt beim Anblicke
der Figu, bedarf also keiner Erfahmag und keiner Ueb~ryr
zu ibrer Verwirklichung.
W i e das Denken, no ijt auch das Sehen einc! selbatsthdige, unabhsngige organische Thetigkcit : der V e r s t d
mit seinern materiellen Processe im grofsen G&mS und
des (Ieuiehf mit aeinem rnateriellen Procease im Auge und
im 8ensorium siud die selbststiindigen Y e d g e n und Organe filr jene Thltigkeiteu. Sie bedingen principiell cinander nicht; aber sie stchen als Eigeiischaftcn eines und
desselben einheitlichen Organismus in einein gesutslichm
Zwaamrmhange, in eiiier Wechrebirbug und gegenreitigen Beeinflussung. Die le tztere Beziehung zu einander hebt
ihre priodpielle Uoabhtingigkeit nicht auf; vermBge des
Verstandes bilden wir aus den Gesichtseindrilcken Begriffe
U Q vcruage
~
des Gesichtes tleideu wir reine B4griffe in
rikcsliehe Formen. Der h u m ist ein subjectiver Zuetand
unseter Sirrnlichkeit, specie11 des Gmkhtes, nicht ein subjectiver Zuatand unieres Denkvwdgens. W i e der Veratand den abstracten Begriff in die Sfrmererschdnmng, M)
trtigt das Auge die Vorstellung des Raumer hinaus in die
objecth e Wirklichkeif (vergl. 5. 83 der phybiologischrii
Optili.)
Ich beschliefse diese Untersuchungen fiber die pseudoskopischen Eracheiirungen mit der Bkmerkung, dafs dieselben vorziiglich geeignet siod, Licht iiber das Wmen dcr
optirehen Tauschungen uud der SinnertdaseAungm iiberhaupt zu verbreiten.
Die meiateu Objecte, wie namentlich die optischen uod
akustisehen, wirken nicht tcnmiflelbw, sondern durch Vermittlung eincs Mediums, z. B. der Luft, des Wassem, dek
Brille, des geftirbtetl Glases usw. auf nrmr Sinnesorgan
cin. Ein solches Medium kann den objeetirea Stmhl mo-
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dificiren, so dafs derselbe in der Wrise, wie er das Sinnesorgan trifft, nicht dem normalen Ausgange von dem wirklichen Objecte, sondern von dem scheinbaren Objecte entspicht. Diese Sribstitrition des scheinhareii Objectes fiir
des wirkliche, wie sie z. B. bei der Fatamorgana in Folge
der Spiegelung, bei der Vergrafserung durch die Lupe, bri
der Farbung durch ein farbiges Glas usw. eiutritt, ist zwar
anch eine TiuFchnng; allein diese Klasse voii Erscheinungen, hei welchen nur der bursere oder objectiae Procefs
abnorm, der innere oder subjectiae Procef.; aber normal ist,
so dafs die Sinneserschcinzing dem physiologischen Sinnesprocesse adsquat ist, gleichviel, ob dicse Ersclieinuug dem
wirklichen oder einem andern , scheinbaren Objecte entspricht, bietet keine Schwirrigkeit der Erhlarung dar, eondern nur diejenige Klasse, wo die Erscheiniing oder das
scheinbare Object dem in das Sinnesorgan eintreteiiden
Strahlensystenie nicht entspricht.
Die gewohnliche Ansicht geht dahin, dafs eine Sinnestauschung der letzteren Art, m a g sie die Form, die Farbr,
die Intensitat oder irgend eine Eigenschaft des sinnenftilligen Objectes betreffen, auf einem psychischen Vorgcmge,
auf einem Irrthume der Seele uber deli SimesproceTs, also
auf einer Abnormitat swischm dern geistigen und dem phgsiologischen Processe beruhe. Ich halte diese Ansicht fur
entschieden falsch. Adser der vorhin erwahnten abnormen
Beeinflussung des. objectiveti Processes durch ein iiufseres
Medium giebt es eine zweite Art von Abnormitaten, welcbe
auf einer Beeinflussung des Processes durch das Sinnesorgan selbst, durch die Linse, durrh den Glaskbrper, durch
die Stabchen, durch die iibrigen Scliichten der Netzhaut,
durch die Nervenfasern usw., iiberliaupt durch die Organe,
welche den objrctiven Prorefs in den physiologischen umwandelu, und welche zwischen dem aufsersten peripherischen Punkte des Sinnesorganes (der Hornhaut) und dem
Sensorium lirgen, beruht. Diefs ist die Klasse der eigentlichen Sinnestiiurchungen. W i e eine solchr! Tauschung auch
beschaffen seyn mage, immer pntspricht die Erscheinung dem
I25
physiologkchew Processe; es handelt sich dabei nicht um
eine TQuschuiig oder fehlerhafte Thatigkeit der Seete, sondern uui eine gaiiz normale Seelenthitigkeif , welche nur
deshalb eine falwhe Vorstellung erweckt, weil der physiologische R’eraenproce[s nicht in uoriiialer Weise dem objective~~
Processe entspritht. Die falsche Vorstellung ist
immer durch den physiologischerz Procers nach den G e s e t ~ e n
des Sinnesorganes 5u construiren.
AuLer dieser Klasse -der eigentlichen Sinnestuuschungen
komint die .Klasse vou Erscheinuiigen in Betracht, welche
iiberall iiicht durch uursere Objecte oder objectiwe Processe,
sondern durch subjectiae Thiitigkeiten erweckt werden.
Hienu gehbren die Productionen der Phantasie, welche
durch die auf Freiheit gegriindete . Geistesthatigkeit hervorgerufen werden , uud die subjectiven Sinneserscheinungen,
welche durch animalische Lebensprocesse (veranlafst durch
Rlut , durch Nerventhatigkeit , durch Stoffwechsel usw.)
theils im peripherischen . Sinncsorgane (wie die Nnchbilder)
theils im Sensorium , theils im Gehirne uberhaupt, erzeugt
werden. Die Traumgestalten und die Visionen in der
Krankheit sirid Combiiiationcn dieaer letzten beiden That@keiten ; der urspriingliche Erreger ist jedoch die VitalitBt
oder der animnlifiche Lebensprocek, welcher thcils direct
auf .das Gehirn, also die Seelenthitigkeit, theils direct auf
dns Sensorium , theils direct auf das Sinnesorgan wirkt.
Im Traume findet die directe Wirkung vornehmlich aaf
das Sinnesorgan, in der Krankheit dagcgen vornehmlich auf
das Gehirn statt. In allen diesen Fallen, wo kein objecfioer Process vorhanden ist, wird meines Erachteus doch
immer der sensuelle oder phgsiologiscLe ProceL , w e l d e r
der Erscheiiiuiig entspricht, vow Gehirne her im Sensorium
und von da aus in der Richtung der sensuellen Nerven
bis in das Sinnesorgan (soweit dasselbe vorhaiiden ist)
hervorgerufen, in sofern dersulbe iiicht schon in einem dem
peripherischen Sinnesorgane naher gelegenen Puukte der
Nervenleitung erzeugt wird.
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