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Die Untersuchungsanstalten fr Nahrungs- und Genussmittel sowie Gebrauchsgegenstnde deren Organisation und Wirkungskreis.

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78
Untersuchungsanstalten für Nahrungs- und Genussmittel etc.
nischer Mischung vorhandene Schwefel die
Ursache mancher unangenehmen Eigenschaften
und nachtheiligen Veränderungen der Kautschuksachen ist.
Der Zusatz von Mineralstoffen verschiedenster Art erfolgt, abgesehen vom Zwecke
der Färbung, um den Fabrikaten eine grössere Festigkeit und Härte zu verleihen.
Aus den über die Menge dieser Zusätze
gemachten Mittheilungen und den weiter
unten angeführten eigenen Untersuchungen
ist mit Bestimmtheit anzunehmen, dass in
dieser Richtung die zulässige Grenze bei
den meisten Fabrikaten weitaus überschritten
wird. Bei den vulkanisirten Artikeln kann
man wohl nicht eine allgemein giltige Grenze
festsetzen, da mehrere eine grössere Menge
von mineralischen Zusätzen geradezu bedürfen um gewissen Anforderungen zu entsprechen, andere wieder für ihre Verwendung
möglichst wenig mineralische Beimengungen
enthalten sollten. Bei den Fabrikaten aus
Hartgummi spielt die Kautschuksubstanz
gegenüber den härtenden Zusätzen, von
Schwefel und Mineralsubstanzen bereits eine
untergeordnete Rolle und dient hier nicht
mehr als elastischer, sondern höchstens noch
als flexibler Bestandtheil, in vielen Fällen
nur als zweckmässiges Bindemittel dieser
Zusätze, das anderen wohlfeileren Bindemitteln
nur wegen der Widerstandsfähigkeit gegen
Lösungsmittel und chemische Stoffe vorgezogen wird. Gewisse Beimengungen organischer Abstammung, wie: Korkmehl, Lederabfälle u. dgl. sind entschieden als werth•vermindernde Zusätze anzusehen. Die in
letzterer Zeit häufig vorkommenden Zusätze
von eingedicktem Leinöl und anderen fettigen
und ähnlichen Präparaten sind für gewisse
Artikel, wie Gas- und Wasserleitungsröhren
wegen der geringen Durchlässigkeit von gewissem Vortheil. Auch scheinen die so behandelten Artikel nach eigenen Erfahrungen
sich länger zu conserviren, vielleicht deshalb
weil der Kautschuk vor dem verändernden Einfluss der Atmosphäre theilweise geschützt wird.
Aus dem Vorhergegangenen können wir
wohl mit ziemlicher Berechtigung sohliessen,
dass der Werth der technischen Kautschukfabrikate wesentlich abhängig ist von der
Menge der in derselben enthaltenen organischen Kautschuksubstanz und dem Verhältniss derselben zu dem vorhandenen vulkanisirenden Schwefel, beziehungsweise dem der
vulkanisirenden Schwefelmetalle. Je grösser
dieses letztere Verliältniss ist, einen desto
grösseren Werth können wir dein betreffenden Fabrikate beimessen und können demnach für den Werth desselben die Formel
aufstellen:
r
Zeitschrift füf
| rlie Chemische Industrie.
100 - (S + B)
S
in welcher S den Schwefelgehalt und B die
Menge der fremden Beimengungen, sowohl
mineralischer als organischer Natur ausgedrückt in °/0, bezeichnen. Die Wertlibestinimung der vulkanisirten Kautschukartikel
würde daher wesentlich blos in einer chemischen Untersuchung bestehen und nur in
besonderen Fällen, etwa zur Ermittlung der
Elasticität und Zugfestigkeit eine eigene
mechanische Prüfung nothwendig machen. —
[SeMuss folgt.]
Die Untersuchungsanstalten für Nahrungsund Genussmittel sowie Gebrauchsgegenstände, deren Organisation und Wirkungskreis.
Prof. A. Hilger stellte hierfür auf der
13. Versammlung des d e u t s c h e n V e r e i n s
für ö f f e n t l i c h e G e s u n d h e i t s p f l e g e 1 ) folgende S c h l u s s s ä t z e auf:
1. Die Errichtung öf f e n t l iclier Un tevs u c h u n g s a n s t a l t e n zum Zwecke der Ausübung der Controle der Nahrungs- und Genussmittel sowie der Gebrauchsgegenstände
ist ein dringendes Bedürfuiss.
Diese Controle muss eine regelmässige,
(1. h. in bestimmten Zwisclienräumen stattfindende sein.
2. Die öffentlichen Untersuchungsanstalten sollen theils s t a a t l i c h e , theils
s t ä d t i s c h e sein. Die ersteren sind womöglich
mit Universitäten, technischen Hochschulen
oder sonstigen höheren technischen Lehranstalten zu vereinigen und haben ihre Thätigkeit vor Allem in den kleinen Städteii und
Landgemeinden zu entfalten, während die
letzteren zunächst für den betreffenden Stadtbezirk errichtet werden.
Es sollte daher jede Provinz, jeder Kreis
(je nach der politischen Eintlieilung, der
Ausdehnung, der Grosse der Bevölkerung)
eine oder mehrere Staatsanstalten besitzen.
3. Die Untersuchungsanstalten, staatliehe wie städtische, sind vom Staate als
ö f f e n t l i c h e Anstalten anzuerkennen.
4. Die Vorstände der öffentlichen Untersuchungsanstalten, nicht minder die Mitarbeiter, müssen vollkommen unabhängig
und selbstständig gestellt sein, damit die') Nach dem soeben an die Vereinsmitglieder
versandten stenographischen Sitzungs-Berichte; derselbe wird in der Deutsoll. Viertel), f. off. Gos. 1887
Hft. l erscheinen.
Jahrgang 1887. 1
wo. o. i. j*eoruar isoi.j
Untersuchungsanstalten für Nahrungs- und Genussmiittel etc.
selben ihren Wirkungskreis frei von jedwelcher Beeinflussung entfalten können.
Jede öffentliche Untersuchungsansalt soll
einen Vorstand und die entsprechende Anzahl Assistenten besitzen, von welch letzteren
Einer stets als stellvertretender Vorstand
zu fungiren hat. Es bedarf kaum der Erwähnung, dass das gesammte Personal die
entsprechende Ausbildung auf dem Gebiete
der Naturwissenschaften besitzt, vor Allein
Chemie, Physik, Botanik (Waarenkunde),
nicht minder Hygiene, Mineralogie, Geologie
und Zoologie, wobei die Tüchtigkeit in
chemisch-analytischen Arbeiten, sowie mikroskopischen und bacteriologischen Untersuchungen ausser Frage stellt.
5. Ein Vertreter der Medicin, am besten
ein Medicinalbeamter ist einer jeden öffentlichen Untersuchungsanstalt als Sachverständiger und Berather zur Seite zu stellen.
6. Jede öffentliche Untersuchungsanstalt soll neben den zu chemischen Arbeiten
n othwendigen Räumen getrennte Abtheilungen für optische und spectralanalytische
Untersuchungen, Gasanalysen, mikroskopische
und bacteriologische Arbeiten besitzen.
7. Der Wirkungskreis (lerUiitersiichungsaustaltcn soll sich nur auf das Gebiet der
Nahrungs- und Genussmittel, sowie Gebrauchsgegenstände erstrecken, welch letztere einschliesseii: g e f ä r b t e Gegenstände
aus Holz, Metall, K a u t s c h u k , P a p i e r ,
S p i e l w a a r e n überhaupt, B u n t p a p i e r e ,
B e i z e n , L e d e r , Haus- u n d K ü c h e n gerätlie, U m h ü l l u n g s - , V e r p a c k u n g s - ,
Aufbewahrungsmaterialien, Oblaten,
Petroleum und Beleuchtungsmaterialien, T e x t i l f a b r i k a t e , S e i f e n und.Kosmetika, Geheimmittel, Zündmaterialien, W a s s e r .
8. Die Qualification zum Eintritte in
eine öffentliche Untersuclmngsanstalt verlangt vor Allem eine bestandene Staatsp r ü f u n g , welche speciell für den Dienst
an den genannten Anstalten zu organisiren ist.
9. Soll die Thätigkeit der öffentlichen
Untersuchuugsanstalten, besonders der staatlichen, welche ihren Wirkungskreis in kleineren Städten, auf dem -Lande mehr entfalten sollen, wirklieh erfolgreich sein, so
ist die sogenannte ambulante Thätigkeit
durchzuführen, welche darin besteht, dass
die Vertreter der Anstalt die Gemeinden besuchen, die Verkaufshallen, Werkstätten etc.
in Begleitung eines Polizeibeamteu besichtigen, Proben entnehmen, Auskunft ertheilen,
event. Untersuchungen an Ort und Stelle vornehmen.
10. Die Erhaltung der Staatsanstalten
hat aus Staatsmitteln, Zuschüssen von Seiten
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der Provinzial- (Kreis-, Districts-) Vertretung
zu erfolgen.
11. Es sind für ganz Deutschland gültige, e i n h e i t l i c h e B e s t i m m u n g e n über
die Ausübung der Controle auf dem Gebiete
der Nahrungs- und Genussmittel sowie Gebrauchsgegenstände in Betreff der Probeentnahme, der Betlieiliguiig der TJntersuchungsanstalteu bei der Ausübung der Lebensmittelpolizei festzustellen, ebenso muss auf
das Energischste angestrebt werden, e i n h e i t liche U n t e r s u c h u n g s - u n d B e u r t h e i l u n g s n o r m e n durchzuführen.
In seiner Begründung dieser Sätze, hebt er
bei Satz 4 bez. der P e r s o n e n f r a g e hervor:
„Das gesammte Personal einer Untersuchungsanstalt, mag es eine städtische oder staatliche sein,
muss sich in vollkommen unabhängiger Stellung
befinden, muss vollkommen selbständig sein. Die
Vorstände wie die Hülfsarbeiter müssen in einer
solchen Weise, auch mit Berücksichtigung der pecuniären Seite, gestellt sein, dass dieselben der
Anstalt auf längere Zeit erhalten bleiben; ja es ist
dringend \vunschenswerth, dass die beiden Vorstände
lebenslänglich angestellt werden. Eben&o wäre es
im Interesse der erfolgreichen Wirksamkeit der
Untersuchuugsanstalten wünschenswerth, dass die
Vorstände, namentlich der staatlichen Untersuchungsanstalten, pragmatische Rechte besitzen, gewissermassen als Staatsdieiier betrachtet werden. In Bayern
werden die Assistenten der Anstalten von dem Ministerium ernannt und in eine bestimmte Rangclasse
eingereiht.
r üass in einer Untersuchungsanstalt das nöthige
Personal zur Erledigung der Anträge vorhanden
sein muss, ist selbstverständlich, und zwar muss
ich in dieser Beziehung hervorheben, dass natürlich der Vorstand das Ganze zu leiten hat, ihm zur
Seite aber ein sogenannter stellvertretender Vorstand
stehen muss, da ja der Vorstand niemals in der
Lage ist, seine Thätigkeit nach allen Richtungen
hin zu entfalten, namentlich auch die Vertretung
nach aussen, bei gerichtlichen Verhandlungen u. s. w.
vielfach den Vorstand in einer solchen Weise in
Anspruch nehmen kann, dass eine Vertretung nöthig
wird. Also es muss mit einem Worte ein zweiter
Beamter vorhanden sein, der in Bezug auf seine
Qualification den Vorstand in würdiger Weise vertreten kann. Dass die nöthige Ausbildung erforderlich ist, bedarf ja hier kaum einer weiteren Erörterung. — Wie muss diese A u s b i l d u n g beschaffen sein? In der That eine wichtige, bisher
viel zu w e n i g g e w ü r d i g t e Frage. Das Personal der Untersuchungsanstalten darf nicht einseitig naturwissenschaftlich ausgebildet sein, sondern
muss gerade mit Berücksichtigung des "Wirkungskreises der Untersuchungsanstalten eine viel weitergehendere und gründlichere naturwissenschaftliche
Ausbildung besitzen. Mit Bedauern — ich kann
es nicht verhehlen — haben wir, die wir an unseren
Untersuchungsanstalten beschäftigt sind, zu constatiren, dass es unter Umständen sehr schwierig ist,
eine brauchbare Persönlichkeit als Mitarbeiter einer
Untersuchungsanstalt zu erhalten, und zwar aus dem
einfachen Grunde, weil das S t u d i u m der Naturwissenschaften auf unseren Universitäten
a u g e n b l i c k l i c h in vielen B e z i e h u n g e n ein
sehr einseitiges ist. Der sogenannte junge
Chemiker, der auf die Universität kommt, glaubt
vollkommen seine Schuldigkeit gethan zu haben,
wenn er seine Vorlesungen über Chemie in der
11*
80
Untersuchungsanstalten für Nahrungs- und Genussmittel etc.
eingehendsten Weise hört, höchstens sich noch mit
Phjsik beschäftigt, im Laboratnum arbeitet und
dann promovirt Genügt eine solche Ausbildung''
Verdient ein solcher Studiengang den Namen natmwissenschafthche Ausbildung 5 Wahrlich nicht'
Junge Leute mit solcher einseitigen Bildung können
wir an unseren Untersuchungsanstalten mcht ge
brauchen Dieselben werden auch m dei c h e m i
sehen Praxis, der I n d u s t r i e wohl k a u m Erfolge erringen
Es wird heutzutage gerade von
Seiten unserer jungen Chemiker vergessen, dass
die allgemeine naturwissenschaftliche Ausbildung
die Grundlage sein muss Dei junge Chemiker
sowohl wie der sogenannte Studirende der Naturwissenschaften, auch der Philosophie hat nicht allein
Chemie und Phjsik auf unseren Universitäten zu
treiben, um sich als tüchtiger Chemikei auszubilden,
sondern sich auf dem Gesammtgebiete dei Natur
Wissenschaften umzusehen Vor allen Dingen ist
ein gründliches Studium dei B o t a n i k , der M i n e r a l o g i e , ebenso der Z o o l o g i e und G e o l o g i e
uothig — Der Vorstand, das gesammte Personal
emei Untersuchungsanstalt muss nicht bloss tuch
tig sein in der chemisch analjt.schen Praxis, sondern
es muss auch vor Allem tüchtig sein in der Bota
nik ( \ V a a r e n k u n d e )
Vor allen Dingen wird
Derjenige, dei nicht m i k r o s k o p i r e n kann, der
sich nicht auf b a k t e r i o l o g i s c h e m Gebiete umge
sehen hat, nicht 7U beobachten versteht, in einer
Unteisuchungsanstalt eine traunge Rolle spielen,
eben unbrauchbar sein Es kommen aber noch
andeie Fragen in Betracht
Die Beurtheilung der
Wassei als T r i n k \ \ a s s e i , zum t e c h n i s c h e n
G e b r a u c h e , \eilangt Kenntnisse in der Geologie,
weswegen auch die Ausbildung in dieser Richtung
dringend notk\v endig ist Ja, wir sind noch nicht
zu Ende, wir haben auch \or allen Dingen /u -seilangen, dass das Personal einer Untersuchungsin
stalt mehr odei 'weniger t e c h n i s c h gebildet ist,
d h e i n e n E i n b l i c k in die t e c h n i s c h e P r a x i s
besit/t Derjenige bachveiständige, der ein Gutachten ubei Wein oder Bier, Branntwein, abzugeben
hat, muss auch die Praxis des Bierbrauens, der
S p i r i t u s f a b r i k a t i o n und der W e i n b e r e i t u n g
kennen, auf dem Gebiete der G a h r u n g s g e w e r b e
onentut sein Auf den Universitäten wird vielfach
auf diese Bedürfnisse gar kern \\erth gelegt- ja,
wir können unter Umstanden auf u n s e r e n deutschen Umveisit iton vergeblich suchen nach
Vorlesungen über chemische Technologie
oder bestimmte Zweige derselben Man denkt nicht
daran, dem Studuenden Rathschlage in dieser
Richtung ?u eitheilen, -.einen Studiengang entsprechend zu leiten Ich verlange nicht, da<-s ein Assistent einer Untersuchungsanstalt einen Curs in einer
Bierbrauerei durchgemacht oder sich eine Zeit lang
auf dorn Wemgebiete herumgetrieben und selbst
Wem bereitet hat Ich verlange aber, dass er ganz
genau über die I abnkahon onentirt ist und sich
einen Einblick in diesen Industriezweig verschafft hat
Leider alleidmgs,, wir dürfen es uns nicht verhehlen, f e h l t an den m e i s t e n d e u t s c h e n Uni
v e r s i t a t e n d i e G e l e g e n h e i t , sich K e n n t n i s s e
in der e r w ä h n t e n R i c h t u n g a n z u e i g n e n Es
fehlen Vortrage über landwirtschaftliche Isebengewerbe ( G a h r u n g s g e w e r b e ) . über die c h e m i s c h e G r o s s i n d u s t r i e , es fehlen die Sachv e r s t ä n d i g e n , welche die erwähnten Gebiete in
einer Weise behandeln, dass sie m der Lage sind,
dem Studirenden die nothigen Einblicke und Kenntnisse beizubringen Es muss daher das d r i n g e n d e
B e d ü r f m s s anerkannt werden, dass auf unsereD H o c h s c h u l e n L e h r s t u h l e u n d I n s t i t u t e e n t s t e h e n , welche die erwähnte Lücke
ausfüllen, dem Vertreter der theoietischen Chemie
J~ fll(> ohenmche'indnitrir
ergänzend zur Seite stehen, Vortrage und Curse
über t e c h n i s c h e G e b i e t e , P r ü f u n g d e r
L e b e n s r n i t t e l , f o r e n s i s c h e C h e m i e , Ga.hi u n g s g e w e r b e u s w abhalten
„Mit der Frage der Befähigung des Peisonals
der Untersuchungsanstalten »teht selbstverständlich
im innigen Zusammenhange der Satz 8, \\elcher
sagt
Die Quahfication zum Eintritte in eine
öffentliche Untersuchungsanstalt verlangt MJI
Allem eine bestandene S t a a t s p i u f u n g ,
welche specioll für den Dienst an den ge
nannten Anstalten zu orgamsiren ist
r ln diesem Satze wollte ich aussprechen und
betonen, wie wichtig 6s ist, dass m der That eine
gewisse Quahfication für alle jene \erlangt werden
muss, welche an Untersuchungsanstalten thatig sind,
und ich glaube, gerade hier darauf hinweisen zu
sollen — womit meine verehrten Herren Collegen,
die hier anwesend sind, ja gewiss übereinstimmen
— welch grosse M i s s g r i f f e vielfach von
Seiten sogenannter Sachverständiger in
j e n e r Z e i t g e m a c h t w u r d e n , als das Reichsnahrungsmittelgesetz zur Einfuhrung gelangte2)
Eine ganze Reihe sogenannter Sachverständiger hat
sich mit der Untersuchung von Lebensmitteln beschäftigt, welche — ich muss es hier unumwunden
aussprechen — meiner Ansicht nach nicht das
Recht dazu hatten Zur Beurtheilung aller hieiher
gehörigen Fragen gehört vor illen Dingen die
nothige Erfahrung Diese mubs vorhanden sein,
und diese Erfahrung kann man sich nui in der
Praxis aneignen \V 11 können die Untersuchung
dei Lebensrnittel nicht aus den Buchern lernen,
durchaus nicht' Die Methoden dei Untersuchung
sind veihdltmssmassig einfach, die Bourtheilung dei
Untersuclmngsiesultate bleibt »bei die Hauptsache,
und diese ist selbstverständlich nur aus dei Praxis
7U holen Die Einfuhrung einer S t a a t s p i u f u n g
als Qualifieationsnachweis für das Personal dei
Untersuchungsanstalten ist daher von der giossten
Bedeutung und der ei lieblichsten Tragweite Es
wird ja schwierig sein, meine Heiren, — dessen
bin ich mn bewusst, — ein allgemeines Reglement
für das ganze Reicli festzustellen Auch kann es
meine Absicht nicht sein, Ihnen hiei direct Vorschlage zu machen Ich mochte abei nui in allgemeinen Uranssen hier der Frage naher treten
und besonders hinsichtlich der Art und dei Dutch
fuhruug einer solchen Prüfung meine Ansicht hiei
zui Geltung bringen
„Wir weiden, wenn wn diese Fiage dei Olga
msirung einer Staatspi ufung nahei behandeln wollen,
zwei Gesichtspunkte festhalten müssen In eistei
Linie wird Jemand, der beieits das Studium dei
Naturwissenschaften ibsolvnt hat, ein Candidat
fui eine solche Piufung sein, al&o ein junger Mann,
der beieits sein diei odei vieijalniges Umveisitats
studmm hmtei sich hat, dei also vielleicht m dei
philosophischen Facultat oder m emei naturwissenschaftlichen FaculUt als Doctor der Philosophie
promovirt und einen gewissen Abschluss erreicht
hat \\ir werden andererseits, was ich betonen
muss, unter Umstanden einen absolvirten M e d i c i n e r oder wenigstens einen Doctor dei Medicm
als Candidaten kennen lernen, welcher sich |speciell hygienisch ausgebildet hat, der m dieser Richtung sich weitet fortbilden will Wn werden drittens aber auch einen L e h n m t s c a n d i d a t e n veiwenden können, also einen jungen Mann, der seine
Staatsprüfung für den künftigen Dienst in unseren
Mittelschulen als Vertreter dei Natui wis&enschaften
Vgl Jahres!> 1882, 937
Jahrgang 1887. "l
Xo. 3. 1. Februar 1887.J
Untersuchungsanstalten für Nahrungs- und Genussmittel etc.
hinter sich hat, und diese Lehramtscandidaten sind
in der That, wie ja auch die Erfahrung gezeigt hat,
brauchbare Persönlichkeiten Dieselben haben nur
eine Schattenseite, die aber mit der ganzen Organisation unserer Prüfung zusammenhängt: entweder
sind sie Chemiker oder sie sind keine Chemiker,
sondern mehr Botaniker, haben mehr beschreibende
Naturwissenschaften getrieben. Das ist eine eigenthümliche Thatsache, aber ein Factum, das in
"Wirklichkeit existirt. Wir haben aber auch eine
vierte Classe von Candidaten, wir haben auch —
was wir wohl berücksichtigen müssen — P l i a r m a ceuten, welche ihre Staatsprüfung bestanden h a b e n , und sich dieser Branche zuwenden
wollen, und ich betone, die ganze Ausbildung des
Pharmaceuten ist entschieden geeignet, später in
dieser Branche zu wirken, aus dem einfachen Grunde,
weil eben der Pharmaceut doch eine gewisse allgemeine naturwissenschaftliche Vorbildung auf die
Universität bringt, und wenn er seine Zeit auf der
Universität gut benutzt, sich weiter ausbildet, er
sich ja gewiss vortrefflich für den Dienst der Untersuchungsanstalten qualificiren wird. Also wir haben
nach den vier Richtungen hin, die ich hier entwickelt habe, jedenfalls ein Personal, das als ausbildungsfähig für unsere Untersuchungsanstalten in
Betracht zu ziehen ist, und icli wünschte auch, dass
das gerade bei der Organisation einer Staatsprüfung
festgehalten wird. Ist also ein Doctor der Philosophie vorhanden, um mich so auszudrücken, ein
ahsolvirter Lehramtscandidat, oder ein absolvirter
Mediciner, endlich ein Pharmaceut, der sein Staatsexamen hinter sich hat, und der sich nun durch
eine drei- bis vierjährige Universitätszeit auf dem
Gebiete der Naturwissenschaften ausgebildet hat,
so glaube ich, dürfte eine Staatsprüfung für solche
Candidaten, wie ich sie eben erwähnt "habe, darin
bestehen, dass der betreffende von vornherein in
das Laboratorium der Untersuchungsanstalt eingeführt wird, und dass ihm entsprechende Gegenstände zur Bearbeitung vorgelegt werden, und zwar
so, dass einerseits die chemisch-analytische Praxis,
resp. die chemisch-analytische Tüchtigkeit, andererseits die Tüchtigkeit im Mikroskopiren, in bakteriologischen Untersuchungen u. s. w. erkannt werden
kann. Es ist das Resultat niederzuschreiben, es
ist ein Gutachten abzugeben, und nachdem dies
vorüber ist, reiht sich ein Colloquium mit dem Betreffenden an, welches hauptsächlich den Zweck
hat, zu erforschen, ob der Candidat über die Hülfsgebiete der Chemie, vor allen Dingen also über
diejenigen naturwissenschaftlichen Gebiete orientirt
ist, deren Kenntniss für unser Personal in den
Untersuchungsanstalten unumgänglich nöthig ist;
dieses Colloquium dürfte sich speciell auf das Gebiet der analytischen Chemie, auf das Gebiet der
Gährungsgewerbe erstrecken, also jene c h e m i s c h t e c h n o l o g i s c h e n Abschnitte, die den Untersuchungsanstalten direct nahe stehen; ferner auf
das Gebiet der Botanik, speciell Waarenkunde
(Pharmacognubie), auhserdem Hygiene ferner allgemeine Kenntnisse in der Geologie. Selbstverständlich kann ich nur die allgemeinen Umrisse
angeben, da ja diese Frage hier nicht zur Entscheidung gebracht werden kann. Jedoch glaube
ich, da ich einmal von der Staatsprüfung spreche,
hier noch speciell darauf hinweisen zu sollen, dass
Jeder, der zur Staatsprüfung zugelassen wird oder
werden soll, mindestens einen einjährigen Cursus
in einer bereits bestehenden Untersuchungsanstalt
nachweisen muss, eine Anforderung, die wohl als
selbstverständlich zu betrachten ist.
„Wir haben dann endlich noch einen zweiten
Fall zu unterscheiden, nämlich den, dass sich Candidaten zu einer solchen Staatsprüfung melden,
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welche weder promovirt haben, noch Lehramtscandidaten sind, noch die pharmaceutische Staatsprüfung bestanden haben. In diesem Falle werden die
Bedingungen ziemlich allgemein zusammen zu fassen
sein. Wir werden hier jedenfalls ein zurückgelegtes
dreijähriges Universitätsstudium und ein Jahr Praxis
in einer Untersuchungsanstalt verlangen müssen,
und dann wird sich selbstverständlich in diesem
Falle eine rigorosere Prüfung anzureihen haben,
nicht bloss ein Colloquium in allen bereits vorhin von mir näher bezeichneten Hülfsfächern, sondern auch eine Hauptprüfung in der Chemie und
Physik.
„ Anknüpfend an diese Frage komme ich nochmals
zurück zu Satz 2, in welchem es heisst: ,die s t a a t l i c h e n A n s t a l t e n sind w o m ö g l i c h m i t U n i v e r sitäten, technischen Hochschulen odersonstigen höheren t e c h n i s c h e n Lehranstalten
zu vereinigen.' Gerade die Möglichkeit der
Durchführung dieser Idee könnte ja vielleicht einige
Bedenken bei Ihnen erregen. Wir haben im Auge
zu behalten, dass derjenige, der sich dem Dienste
der "Untersuchungsanstalten zuwendet, vor allen
Dingen verlangt, dass er an der Universität Gelegenheit hat, die entsprechenden Curse und Vorlesungen zu hören. Wir haben, wie Ihnen wohl
bekannt, nicht an allen deutschen Universitäten
und auch technischen Hochschulen Vorlesungen,
die geeignet sind, den betreffenden Candidaten die
nöthigen Kenntnisse zu verschaffen. Vorlesungen
über Untersuchung der Lebensrnittel, ja sogar leider
über forensische Chemie u. s. w. existiren vielfach
an unseren deutschen Universitäten nicht. Es ist
aber ein dringendes Bedürfniss, dass diese Vorlesungen gehalten werden, und dass man die entsprechenden Einrichtungen auf unseren Universitäten trifft. Werden an unseren Universitäten
Lehrstühle speciell für a n g e w a n d t e C h e m i e geschaffen, so sind die Inhaber dieser Lehrstähle
meiner Ansicht nach am besten qualificirt, die staatliche Untersuchungsanstalt aufzunehmen. Ebenso
sind die Vorstände der hygienischen Institute geeignet, die Untersuchungsanstalten als Nebenzweig
gewissermassen, jedoch als s e l b s t ä n d i g e Abt h e i l u n g aufzunehmen. Nicht minder geeignet zu
diesem Zwecke werden die pharmaceutischen Institute, entsprechende Laboratorien an technischen
Hochschulen und h ö h e r e n Gewerbe- oder Realschulen sein. Die Laboratorien der Institute sind
also jedenfalls vorhanden, darüber ist kein Zweifel,
und es handelt sich blos darum, olme grosson
Kostenaufwand in einem dieser genannten Institute,
sei es in dem chemischen Laboratorium, in einem
hygienischen Laboratorium eine selbständige Abtheilung zu schaffen, in der die Assistenten der
Untersuchungsanstalten thätig sind, wo aber gleichzeitig noch etwas Raum gelassen wird, um den
Studirenden Gelegenheit zu geben, in der Untersuchungsan&talt selbst thätig zu sein. Wir müssen
dem Studirenden, der nach dieser Richtung hin
. sich entwickeln will, Gelegenheit geben, die facti! sehen Verhältnisse kennen zu lernen. Es ist eine
ganz andere Sachö, meine Herren, wenn wir einen
Wein mit Fuchsinzusatz u. s. w. verfälschen oder
mit Heidelbeersaft vermischen oder irgend eine
andere Verfälsclmngsmanipulation ähnlicher Art ausführen und dann die Untersuchung vornehmen
lassen, als wenn wir irgend eine Handelswaare vor
uns haben, an welcher sich auffallende Verhältnisse,
Verfälschungen nachweisen lassen.
„Die Möglichkeit der Durchführung des soeben
Entwickelten unterliegt keinerlei Schwierigkeit.
Man wird den jungen Studirenden nicht als Sachverständigen in einer solchen Anstalt benutzen und
aus seinen Untersuchungen das Resultat ohne jede
82
Untersuchungsanstalten für Nahrungs- und Genussmittel etc.
Controle ziehen, man wird ihm nur das Material
geben, wenn es vorliegt.
„Es könnte hier jedoch die Frage aufgeworfen
werden: das Institut ist da, die specielle Einrichtung ist vorhanden, aber der betreffende Vorstand,
dem die Leitung der Anstalt zu seinen Berufspflichten als Lehrer übertragen wird, wird zu sehr
mit Arbeiten überbürdet. — Die bis jetzt gemachten
Erfahrungen beseitigen diese Befürchtung, sobald
einmal die Organisation der Anstalt vollendet ist,
und das nöthige Personal, vor Allem der stellvertretende Vorstand vorhanden ist. Die Erfahrung
hat bei uns in Bayern gezeigt, dass die Vorstände
der Untersuchungsanstalten wohl Beschäftigung
haben, aber nicht mit Arbeiten überbürdet sind,
dass dieselben sehr leicht die Untersuchungsanstalten zu leiten im Stande sind, wenn die Organisation einmal besteht. Ich wünschte daher, dass
die Untersuchungsanstalten, und zwar im Wesentlichen die staatlichen, die meines Erachtens mit
Untersuchungen für das Publicum nichts zu schaffen
haben sollten, aus dem Grunde mit höheren Lehranstalten vereinigt werden, damit der Studirende
Gelegenheit findet, sich in zweckentsprechender
Weise für den Dienst in der Untersuchiingsanstalt
selbst auszubilden." —
Zu Satz 7 bemerkt Hilger:
„Das Gesetz wendet den Ausdruck ,Gebrauchsg e g e n s t ä n d e ' an. Darunter lässt sich vieles verstehen. Es tritt an uns die Frage heran: wollen
wir nur jene Gegenstände hineinziehen, welche wirklich in den Rahmen des Gesetzes gehören, oder
wollen wir etwas weiter gehen ? An die Untersuchungsanstalten treten, ,wie die Erfahrung gezeigt
hat, die verschiedensten Fragen heran. Ein städtisches Untersuchungsamt wird vielfach nicht blos
zu Gutachten über Nahrungs- und Genussmittel
sowie Gebrauchsgegenstände, sondern auch zu solchen über t e c h n i s c h e Fragen in Anspruch genommen und mit vollem Recht. Aber trotzdem,
meine Herren, wünschte ich nicht, dass das, was
ich Untersuchungsanstalt nenne, ein t e c h n i s c h e s
A u s k u n f t s b u r e a u für das grosse Publicum, für
Fabrikanten u. s. w. werden soll. Das muss vollkommen getrennt werden. Unsere Untersuchungsanstalten können nicht in diesem Sinne technische
Auskunftsbureaus sein, wie sie in der That zahlreich existiren und mit Erfolg unter Leitung der
tüchtigsten Sachverständigen vielfach als Privatinstitute thätig sind. Die Gebrauchsgegenstände
schließen allerdings eine Menge technischer Gegenstände ein; ich meine aber, dass der Vorstand der
Untersuchungsanstalt nicht dieser Seite besondere
Aufmerksamkeit zuwenden soll. Seine erste Aufgabe muss es immer sein, als Vorstand dieser Anstalt in erster Linie ausschliesslich den Nahrungsund Genussmitteln und den Gebrauchsgegenständen
in einer gewissen Begrenzung seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ich habe mir erlaubt, eine Reihe
von Gegenständen zusammenzufassen, allerdings in
dem Bewusstsein, dass ich nicht alles in diesen
Rahmen in detaillirter Fassung eingeschlossen habe,
und ich darf vielleicht gerade an dieser Stelle die
betreffenden Materialien einmal bezeichnen, da es
mir wichtig erscheint, den Ausdruck „Gebrauchsgegenstände'' in irgend einer Weise präcisirt zu
wissen. Ich möchte in den Wirkungskreis der
Untersuchungsanstalten mit dem Namen Gebrauchsgegenstände eingeschlossen wissen: Gefärbte Gegenstände aus Holz, Metall, Kautschuk, Papier, Spielwaaren überhaupt. Also ich habe eigentlich hier
im Grossen und Ganzen zunächst die Spielwaaren
im Auge, mit Berücksichtigung der verschiedenen
F a r b e n , die eben bezüglich ihrer Gesundlieits-
P
Zeitschrift für
Ldie Chemische Industrie.
schädlichkeit ja stets näher in Berücksichtigung gezogen werden müssen. Die Buntpapiere reihen
sich an, die ja allerdings mit den Spielwaaren
mehr oder weniger in Zusammenhang stehen, dann
gehören hierher die Anstrichfarben, die Beizen,
Leder, Haus- und Küchengeräthe, Umhüllungs-,
Verpackungs-, Aufbewahrungsmaterialien. Oblaten
sind auch wohl zu nennen, P e t r o l e u m und Beleuchtungsmaterialien, selbstverständlich L e u c h t gas mit eingeschlossen.
Begreiflicher Weise
müssen auch die T e x t i l f a b r i k a t e hier mit aufgeführt werden, unter allen Verhältnissen S e i f e n
und Kosmetika, Geheimmittel, Z ü n d m a t e r i a l i e n ,
endlich das W a s s e r als Nahrungsmittel, wie zu
technischen Zwecken. — Vielleicht dürfen wir hier
noch der C o n s e r v i r u n g s - und D e s i n f e c t i o n s m a t e r i a l i e n gedenken, die ich bis jetzt nicht aufgenommen habe, die aber jedenfalls in unseren
Untersuchungsanstalten vielfach Gegenstand näherer
Untersuchung und Prüfung sind." —
E r a s stellt noch folgenden Zusatzantrag:
,,Man sollte nicht länger zögern, auf
Grund des §. 5 des Gesetzes vom 14. Mai
1879 mittelst besonderer Verordnung festzustellen, welche Arten der H e r s t e l l u n g
der g e b r ä u c h l i c h e r e n N a h r u n g s - \ind
Gemissmittel zulässig resp. verboten sind
und in welchen Maximal- resp. Minimalmengen die hauptsächlich in Betracht kommenden chemischen Stoffe darin enthalten
sein dürfen, resp. vorhanden sein müssen."
E r a s bemerkt dazu u. A.:
Die Frage, was Bier, was Wein sei, welche
Beschaffenheit ein T r i n k b r a n n t w e i n haben müsse
und dergleichen, sei fast so schwer zu beantworten,
wie die schon im Alterthum aufgeworfene Frage,
was Wahrheit sei, und die Ansichten der verschiedenen Gelehrten gehen darin oft sehr weit auseinander. So dürfe z.B. eine gewisse Art T a p e t e n
in Preussen nicht hergestellt werden, die in Württemberg noch heute fortgesetzt gearbeitet werde,
weil man dort der Ansicht sei, dass durch das sehr
geringe Quantum einer giftigen F a r b e die Tapete
an sich noch nicht zu einem verbotenen Gebrauchsgegenstände werde. Wie schwer diese Verschiedenheit der Ausschlag gebenden Ansichten mitunter
der Kaufmannstand empfinde, zeige ein Beispiel,
das sich neuerdings in Breslau zugetragen habe:
Ein Specereihändler habe vor etwa zwei Jahren
von einem Obstweinfabrikanten in der Provinz ein
Fass A p f e l w e i n bezogen, der als er angekommen,
noch nicht einmal zum Abfüllen reif gewesen sei.
Von diesem Apfelwein habe ein Polizeibeamter
Probe entnommen und die chemische Untersuchung
habe ergeben, dass der Wein ungefähr 15 Proc.
Alkohol und ausserdem auch noch etwas Fuselöl
enthalte. Daraufhin sei dem Kaufmann untersagt
worden, den Apfelwein zu verkaufen, dieser habe
ihn dem Fabrikanten wegen nicht vertragsmässiger
Beschaffenheit zur Verfügung gestellt, der Fabrikant
aber habe den Kaufmann auf Abnahme verklagt.
Das Amtsgericht habe verschiedene Gutachten eingeholt und daraufhin erkannt, dass der betreffende
Kaufmann zur Abnahme des Obstweins verpflichtet
sei, weil nach Ansicht der maassgeblichsten Sachverständigen ein Alkoholgehalt von 15 Proc. bei
Apfelwein keineswegs zu gross sei und weil allerdings wohl Spuren von Fuselöl vorhanden seien,
aber nach Ansicht der Medicinaibehörde nicht in
solchem Maasse, dass dadurch der Apfelwein nicht
mehr zum Genuss tauglich sei. Der Kaufmann nun
Jahrgang 1887. T
Xo 3. 1. Februar 1887.J
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Alkalien und Säuren.
habe den Apfelwein und die Processkosten bezahlt
und dann bei der Polizeibehörde den Antrag gestellt, sie möge nunmehr den Apfelwein zum Verkauf frei geben. Der Polizeipräsident aber habe
rescribirt: da in dem fraglichen Apfelwein nach
dem Ergebniss der chemischen Untersuchung fuselhaltiger Alkohol enthalten und derselbe daher gesundheitsschädlich sei, mache sich der Kaufmann
durch Verkauf desselben nach §. 12 des Nahrungsmittelgesetzes strafbar! Der Bezirkscommissarius
aber — nur als Curiosum sei dies beigefügt —,
der dem Kaufmann die betreffende Verfügung überbracht habe, habe ihm den guten Rath gegeben,
er möge noch etwas Alkohol zu dem Obstwein
giessen und ihn dann als Branntwein verkaufen!'' —
Nach längeren Verhandlungen wird
schliesslich folgender Antrag von der Versammlung fast einstimmig angenommen;
„Die Versammlung nimmt mit Befriedigung von den seitens des Herrn Referenten
aufgestellten Schlusssätzen Kenntniss und
erklärt sich im Princip mit den bezüglich
der Organisation der Untersuchungsanstalten,
sowie der Qualification des Personals aufgestellten Grundsätzen einverstanden.
.,Sie erklärt es deshalb im Anschluss an
die vom Niederrheinischen Verein für öffentliche Gesundheitspflege am 10. October 1884
gefassten Beschlüsse für dringend wünschenswerth:
1. dass in jedem Regierungsbezirk mindestens ein Untersuchungsamt für Lebensmittel und für physiologisch-chemische und baeteriologisch- hygienische
Arbeiten gegründet wird;
2. dass die zur Leitung und Arbeit an
diesen Ämtern berufenen Personen in
Staatsanstalten (Universitäten, Hochschulen, Akademieen) vorgebildet und
staatlich qualificirt erklärt werden
müssen;
3. dass ausser diesem Bezirksamt möglichst
zahlreiche örtliche Untersuchungsämter
eingerichtet werden.''
7. Alkalien und Säuren.
Beim S ä u r e c o n c e n t r a t o r des I n t e r n a tionalen V a c u u m e i s m a s c h i n e n v e r ein s in
Berlin (*D.R.P. No. 38015) ist die aus Hartblei hergestellte Abdampfschale S (Fig. 53)
mit Wärmeschutzmasse umgeben und mit
einem Standglase C versehen. In dem aus
Eisen- oder Kupferblech hergestellten Dampfgefäss E sind die von Säure durchflossenen
Bleirohrschlangen MM' auf eisernen Gestellen
NN' eingesetzt. Der Heizdampf tritt bei a
ein, während das Dampfwasser bei d abfliesst.
Die zu concentrirende Säure geht durch den
Austauschapparat F, durch die von Dampf
umgebene Schlange T des Vorwärmers V und
tritt bei c in die Pfanne. Die durch Entfernung der Wasserdäinpfe kältere 'und somit schwere Säure tritt in der Pfeilrichtung
b nach dem tiefer als die Abdampfschale
stellenden Erhitzer E, wird da von neuem.
Fig. 53.
erhitzt und macht hiernach, ähnlich wie bei
einer gewöhnlichen Wasserheizung, einen beständigen Kreislauf. Der Wasserdampf wird
durch Stutzen D abgesaugt, die concentrirte
Säure durch Rohr / abgelassen.
Bei ununterbrochenem Betriebe, wie dies
gewöhnlich bei Verwendung dieses Apparates
für Vacuum-Eismaschinen geschieht, wird
die verdünnte Säure durch den Austatischapparat F, in welchem dieselbe schon vorgewärmt wird, und hierauf durch den Vorwärmer V in der Pfeilrichtimg c in den Abdampfer gepumpt, während die entsprechende
Menge concentrirter Säure in der Pfeilrichtung e abfliesst. Durch Hahnstellung wird
Zu- und Abfluss der Säure so geregelt, dass
der Stand derselben im Abdampfer gleich
bleibt.
Der A b d a m p f a p p a r a t für S c h w e f e l säure von C. K u r t z in Cöln (*D.R.P. No.
38 018) soll zum Concentriren verdünnter
Schwefelsäure auf 66° B. dienen. Die zur
Heizung verwendeten sog. Field' sehen Rohre
bestehen aus einem äusseren Bleirohr und einem Einlagerohr aus Eisen. Letztere stehen
an dem offenen Ende des Bleirohres ein Stück
vor und reichen mit dem anderen Ende nahe
bis auf den geschlossenen Boden desselben
(Fig. 55). Das ursprünglich runde, eiserne
Einlagerohr ist, so weit es im Bleirohr liegt,
elliptisch zusammengedrückt, so dass der
grössere Durchmesser der Ellipse gleich dem
inneren Rohrdurchmesser ist, wie es Fig. 55
zeigt, und das Einlagerohr gleichsam als
Stütze dient. Ausserdem sind Träger s vorgesehen. Die Bleirohre münden, mit ihrem
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