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Die Verarbeitung der bei der Elektrolyse der Kali-Endlaugen gewonnenen Stoffe.

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Aufsatzteil.
27. Jahrgang 19141
669
Dietz: Die Verarbeitung der bei der Elektrolyse der KaE-Endlaugen gewonnenen Stoffe.
-
Zeitschrift fth angewandte Chemie
I. Band, Seite 669 - 676
I
Aufsatzteil
Die Verarbeitung der bei der Elektrolyse der
Hali-Endlaugen gewonnenen Stoffe.
Von Bergassessor Dr. DIETZ~).
(Eingeg. 19.p. 1914.)
Bei der Elektrolyse der Endlaugen entstehen im Anodenraum Brom und Chlor, und im Kathodenraum fallt, sei es
unmittelbar durch Abscheidung an der Kathode, sei es
mittelbar durch Umsetzung des MgCl, rnit den Kationen KOH
und NaOH, Magnesiumoxyd, das je nach Temperatur und
Verdiinnung in Mg(0H) oder Magnesiumoxychlorid iibergeht.
Das an der Kathode zur Abscheidung gelangende Mg(OH),
ubenieht diese in Form von Schilverchen, welche mittels
eines Stromwenders bequem entfernt werden konnen. Das
sich im Elektrolyten selbst aus der Wechselwirkung mit
NaOH und KOH bildende Mg(OH), erfiillt jedoch in feinster Verteilung den Kathodenraum uncl fiihrt, wenn etwa
12% der Mg-Ionen zur Abscheidung gckommen sind, nach
dem Erkalten zur Erst,arrung des Zelleninhaltes, zu einem
Oxychlorid.
Uber die Elektrolyse selbst wird an anderer Stelle berichtet werden. Hier soll lediglich nur die Verarbeitung der
bei der Elektrolyse fallenden Stoffe behandelt werden, wobei
von der allgemein bekannten Gewinnung und Verarbeitung
des Broms und Wasserstoffes abgesehen werden soll.
Die Verarbeitung der sich an der Kathode ausscheidenden
Schilverchen.
Bei richtiger Fuhrung dcr Elektrolyse 9011, abgesehen
von dem bei der Zersetzung des Brommagnesiums entstehenden Magnesiumhydroxyd, die Kathode vollig frei von
jedem Niederschlag bleiben, das Magnesiumhydroxyd also
nur im Elektrolyten selbst durch Wechselwirkung mit dem
Natriumhydroxyd entstehen. Hieraus ergibt sich, daB, abgesehen von den Zellen,in denen die Bromgewinnung vor sich
geht, nennenswerte Verkrustungen nicht stattfinden. AUerdings setzt dieses voraus, daB geniigend NaCl vorhanden ist,
um die Stromuberfuhrung zur Kabhode allein zu bewerkstelligen. Da nun die sich an der Kathode abscheidenden
Schilverchen im wesentlichen aus Mg(OH), bestehen, das
erst auf dem Boden der Zelle mit dem MgCl, des Elektrolyten unter Bildung von Magnesiumoxychlorid in Wechselwirkung tritt , so empfiehlt sich ihre gesonderte Behandlung. Nach der Betatigung des Stromwenders sind daher die
Schilverchen fur sich abzuziehen und mittels eines Gerinnes auf kiirzestem Wege einer Piltcrpresse oder Zentrifuge
zuzufuhren. Hier werden sie, wenn moglich noch warm,
von der anhaftenden Lauge befreit. Denn eine zu starke
Abkiihlung wiirde zur Folge haben, daB sich das in Lijsung
befindliche MgO ausscheidet und unter Bindung von MgCl,
in Oxychlorid ubergeht, welches die Schilverchen schlieBlich
umhiillt und ihre Reinigung erschwert.
Fiir die weitere Behandlung ist der Zweck entscheidend,
dem das MgO dienen soll.
Soll es in dem Kunststeingewerbe Verwendung finden,
so ist eine vollstandige Beseitigung des Magnesiumchlorids
nicht erforderlich. Die Schilverchen werden bei einer Hitze,
die 700" nicht ubersteigt, schwach gegluht, wobei etwa die
Halfte des MgC1, unter Abspaltung von HC1 in MgO ubergeht. Die Salzsaure wird niedergeschlagen und, wie weiter
unten angegeben, weiter verarbeitet, Der Gliihriickstand
wird gemahlen und rnit genauer Angabe des MgC1,-Gehaltes
in den Handel gebracht. Das auf diese Weise gewonnene
MgO bindet gut ab und ist frei von MgSO,, welches beim
1)
land.
Der Verfasser fie1 am 17. September im Kempf fur das VaterDie Red.
Angew. Chem. 1914 A u f n a t h l (L Rand) zu Nr. 64.
I
23, Oktober 1914
I
Filtrieren mit der Lauge entfernt worden ist. Soll Mg(OH),,
und zwar chlorfreies, erhalten werden, so wird der Gliihriickstand im Gegenstrom ausgewaschen. Da jedoch mit dem
MgC1, auch betrachtliche Mengen MgO in das Waschwasser
iibergehen, so empfiehlt es sich nicht, namentlich wenn der
Gliihriickstand noch sehr reich an Chlor ist, dem endgiiltigen
Auswaschen ein zweimaliges Gluhen vorhergehen zu lassen.
Die dritte M-oglichkeit, namlich die Behandlung mit einer
Lijsung von Atzkalk, kommt nur da in Frage, wo einer Ableitung der entstehenden Chlorcalciumlaugen nichts im
Wege steht, oder wo diese zur Staubbekampfung unmittelbar Verwendung finden konnen.
Die Verarbeitung auf chlorfreies Magnesiumoxyd ergibt
sich unmittelbar aus der Gewinnung des Hydroxyds. Da
sich das Wasser schon oberhalb 100" abspaltet und bei 400'
vollig beseitigt ist, so bedarf es nur eines sehr schwachen
Gluhens des Hydroxydes.
Die in den Zentrifugen und den Filterpressen wiedergewonnene MgS0,-haltige Lauge kehrt in die Kathodenraume
zuruck. Die Waschlaugen werden, soweit sie nicht zum
Verdunnen eingeengter Lauge der Carnallitgewinnung oder
sonstwie verwendet werden, preisgegeben oder beim Fehlen
einer Abwassererlaubnis eingeengt (vgl. im ubrigen den
Stammbaum der Endlaugenverarbeitung S. 670).
W eiterverarbeitung des sich &us dem Elektrolyten ausscheidenden Magnesiiimoxychlorids.
Im Gegensatz zur Behandlung der sich an der Kathode
absetzenden Schilverchen empfiehlt es sich nicht, das sich im
Elektrolyten infolge der Wechselwirkung zwischen demNaOH
und MgC1, ausscheidende Mg (OH), auf chlorfreiesMagnesiumoxyd oder Hydroxyd zu verarbeiten. Wie wir sahen, bildet
es mit dem MgC1,nach dem Abfiltrieren und Erkalten ein Magnesiumoxychlorid, so daB rnit einem Auswaschen zu groBe
Verluste an MgO verbunden sein wiirden. Selbstverstandlich
kann man aber das Oxychlorid nach Art des Verfahrens von
Leopoldshall auf MgO und Salzsaure verarbeiten, indem man
es, sei es im Schachtofen oder besser im Muffelofen, unter
Zufuhrung von Wasserdampf gluht, nachdem durch Abnutschen oder Filtrieren dafiir gesorgt ist, daB das in der Lauge
enthaltende Magnesiumsulfat nicht in den Gliihriickstand
ubergeht. Statt dessen geniigt es aber auch, den Riickstand,
gegebenenfalls rnit Kondenswasser angeriihrt, auf eine heil3e
Unterlagetropfen zu lassen, von welcher der Gluhruckstand
selbsttatig entfernt wird.
GroBeren Vorteil a h die Verarbeitung auf MgO und HC1
bietet die Verarbeitung auf Magnesiazement.
Die Magnesiazemente werden zurzeit ausschlieBlich erst
an Ort und Stelle aus den beiden Rohstoffen, dem MgO und
dem krystallisierten Magnesiumchlorid hergestellt. Sind die
Frachtverhaltnisse dazu angetan, so wird an Stelle des krystallisierten Mapnesiumchlorids auch die Endlauqe unmittelbar verwendet. Die unmittelbare Verwendung der Endlauge
hat jedoch den Nachteil, daB das gesamte Magnesiumsulfat in
den Zement ubergeht, wodurch dieser, namentlich wenn er
zu Kunststeinen oder Steinholz verwendet werden SOU, an
Brauchbarkeit und Haltbarkeit einbiiBt. Das Magnesiumsulfat ist also auch bei der Endlauge. mindestens vor dem
Gebrauche durch Ausfallen mittels Atzkalk zu entfernen.
Die Mischungen, in denen das MgO und das MgC1, zur
Verwendung kommt, sind nun sehr verschieden; sie sind
abhangig von dem Zwecke, den Fiillstoffen, der besonderen
Erfahrung usw. Ein allgemein giiltiges Mischungsverhiiltnis
kann daher nicht angegeben werden. Ein haufig wiederkehrendes Verhaltnis ist 1 Mol MgCl, auf 4 -5 Mol MgO.
Die harteste Mischung zeigt ein Mischungsverhaltnis von
rund 1 Mol MgCl, auf 6 Mol MgO. Fiir die folgenden Betrachtungen wird nun in Ermanglung einer Durchschnittszahl das
72
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Dietz: Die Verarbeitung der bei der Elektrolyse der Kali-Endlaugen gewonnenen Stoffe.
[augewandte
zeitschriftChemie.
zweifellos fur die vorliegenden Zwecke zu ungunstige Mischungsverhkiltnis l MgCl, 6 MgO angenommen. Es entfallen dann, da das krystallisierte Salz nur zu 43% aus MgCl,
91
= 0,88 dz kryst. MgC1,
besteht, auf 1dz MgO rund
.6 H,O.
242 * 0,43
Bei einem Preise von 5 M und 12 M fiir den Doppelzentner Salz und gebrannte Magnesia, Satze, die fur Leipzig
Giiltigkeit haben, entstehen bei der Verarbeitung von 1 dz
lo0 yoMgO auf Steinholz, ungerechnet der Platzkosten, 18 M
Rohstoffkosten, deren Hohe bedingt ist durch die kaum
90yoige gebrannte Magnesia und das nur 43yoige Salz.
Der Vorteil, den die Verarbeitung eines 100%igen MgO
und eines loOyoigen MgC1, rnit sich bringen wiirde, kann
kaum deutlicher als durch diese Zahlen belegt werden.
Die Elektrolyse gestattet nun ohne weiteres die Erreichung dieses Zieles, und zwar dadurch, daB das Oxychlorid von der anhaftenden Lauge in den Zentrifugen nur so
weit befreit wird, daB beim nachfolgenden Gluhen ein wasserfreies Oxychlorid zuriickbleibt, das jeweilig dem ge-
des jetzt zum Versand kommenden Gewichts von 2 dz;
die Ersparnis ist um so groBer, je chlorreicher der Zement
ist. So betragt sie bei einem Mischungsverhaltnis von
1MgCI2.7,5Mg0 z. B.
wiinschten Verhaltnis entspricht. Dieses wird gemahlen
und braucht an Ort und Stelle nur mit Wasser angeriihrt
zu werden, urn verwendungsfahig zu sein.
Die Durchfuhrbarkeit dieses im Kleinen bestatigt gefundenen Verfahrens im GroBen ergibt sich aus der Tatsache,
daB das sich beim Abkiihlen aus dem Elektrolyten abscheidende Oxychlorid die Zusammensetzung 1 MgCl,. 5 MgO
hat, also schon im gewunschten Verhiiltnis steht. Indem aber
die volle Beseitigung der anhaftenden MgC1,-Lauge auf dem
Filter nicht gelingt, mu13 der Anteil des MgC1, im Ruckstand groBer sein, als dem angegebenen Verhaltnis entspricht.
Den UberschuB unter gleichzeitiger Entfernung des Krystallwassers wieder zu beseitigen, bezweckt das nachfolgende
Gluhen, bei dem, sofern die Temperaturen 700" nicht wesentlich uberschreiten, die Halfte des MgCl, unter Abspaltung
von HC1 in MgO iibergeht. Wiirde nun 2MgC1,. 5MgO derart verarbeitet, so wiirde ein wasserfreies Oxychlorid von
der Zusammensetzung MgCI, .6 MgO zuruckbleiben.
Man hat es also durch das Ma13 der Filtration, durch
die Temperatur und die Dauer des Gluhens in der Hand,
einen wasserfreicn Magnesiazement von einer fur Kunststeinzement gewunschtcn Zusammensetzung zu erhalten.
Die Vorteile, die sich hieraus ergeben, sind kurz die Ersparnisse an Verpackung, Fracht- und Platzkosten fur im
ganzen 1.0,l 0,88.0,57 = 0,6 dz entsprechend
wobei zu beachtenlist,tdaB der Ubergang von der krumeligen
schmierigen Masselin den Brei ziemlich unmittelbar erfolgt.
Die Zugabe von Wasser hat daher nur in kleinen Mengen
zu erfolgen. Irgendeine Gefahr des Mifilingens, z. B. infolge
nicht geniigender Mischung, gibt es aber dabei nicht mehr
fur ihn. Diese Gefahr auch fur die weiteren Krcise auszuschlieBen, bedarf es nur einer Gebrauchsanweisung, welche
angibt, wieviel Wasser auf 1 kg zu verwenden ist.
Aus 1 cbm Endlauge mit 350 kg MgCI, konnen verlustlos
1,77 dz wasserfreien Magnesiazementes von der Zusammensetzung 1 MgC1,. 6 MgO gewonnen werden, wozu bei
3 Volt Zellenspannung und 90% Stromausbeute fur den
Doppelzentner Zement zu MgCl,. 6 MgO 314 Kilowattstunden aufzuwenden sind.
Die beim Gluhen des Oxychlorids entweichende Salzsaure
wird in der ublichen Weise niedergeschlagen und auf hochwertige Saure verarbeitet (vgl. den obenstehenden Stammbaum der Endlaugenverarbeitung).
Zum Versand kommen wohl nur Fasser in Frage.
+
-
0 3 + 182 0,43
Dabei wird ein leicht von jedermann zu handhabender
Stoff erhalten, der wie gebrannter Gips nur mit Wasser angeriihrt zu werden braucht. Ferner bedarf es der vielen
Handgriffe nicht mehr, namentlich fallt die Wiederauflosung
oder Verdiinnung der Endlauge fort, die gerade fiir den
kleinen Handwerker mit manchen Unbequemlichkeiten verkniipft ist. Die Masse des wasserfreien Oxychlorids hat
er jetzt unter allmahlichem Zusatz von Wasser und standigem Umriihren nur so weit anzuriihren, daB gerade ein
dicker Brei entsteht, welcher sich bequem auftragen laBt,
Die Weiterverarbeitung des Chlors.
Nach der Abscheidung des Broms an der Anode folgt
als das Ion mit nachst hoherem Potential das Chlor, und
zwar fallen auf 1 dz MgO 74,74 kg. h i d e r ist fur die bei
der Elektrolyse der Endlauge entstehenden Chlormengen unmittelbar kein Markt vorhanden. Mag es auch im Einzelfalle
moglich sein, eineii Teil des Chlors unmittelbar sbzusetzen
ocler im Eigenbetriebe niitzbar zu machen, der weitaus uber-
Auf88tZteil.
27. Jshrgang 1914.1
wiegende Teil mu0 jedoch zu anderen Stoffen verwendet
werden.
Zunachst kame hier die Verarbeitung auf Chlorkalk in
Frage. Doch ist fur diesen Stoff der Mandsmarkt vollig
gesattigt. Abgesehen also von kleinen in der Umgebung des
Werkes absetzbaren Mengen mu13 fiir die Ausfuhr gearbeitet
werden. Voraussetzung dafiir bleibt aber auch hier eine
giinstige Lage zum Kalk und zu den WasserstraBen.
Nachstdem ware die Verarbeitung zu Salzsaure zu nennen, die bisher in Deutschland infolge der Vormachtstellung
der Sulfatsalzsaure nicht ausgeubt worden ist.
Drei Verfahren koinmen hier vornehmlich in Frage :
Das des franz. Patentes 352 419, das des D. R. P. 114 129
und das Verfahren nach N a g e l .
Das Verfahren des franzosischen, von dem Deutschen
H o p p e genommenen Patentes besteht darin, daB Metallchloride mit geringem Krystallwassergehalt , wie die von
Aluminium, Zink und Zinn, in Gegenwart von H,O erhitzt
werden, wobei sie unter Abspaltung von Salzsaure in basische Salze ubergehen. Durch die Zufiihrung eines Chlorund Wasserstoffgemischeswerden darauf die neutralen Salze
wieder zuruckgebildet.
Dargestellt wird das Verfahren durch die Gleichungen :
+
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Dietz: Die Verarbeitung der bei der Elektrolyse der Kali-Endlaugen gewonnenen Stoffe.
Einen ahnlichen auf derselben Gleichung beruhenden
Vorschlag hatte vor N a g e 1 schon L o r e n z gemacht. Da
dieser jedoch mit Koks beschickte Retorten verwendet,
welche von a d e n geheizt werden miissen, so diirfte er fur
den vorliegenden Fall nicht in Betracht zu ziehen sein.
Welchem von diesen Verfahren ist wohl der Vorzug zu
geben Z
Am schnellsten und ohne besonderen Warmeaufwand
fuhrt unstreitig das Verfahren von P a t a c k y zum Ziel.
Aber, da es dauernde Kuhlung der Gerate erfordert, so ist
bei einem Versagen die Moglichkeit von Explosionen gegeben. Aus Griinden der allgemeinen Sicherheit mu13 es
daher hier zuriickgestellt werden.
Ebenfalls nicht ganz gefahrlos ist das Verfahren von
N a g e 1. Ausschlaggebend ist hier jedoch, dalJ ein nicht unbetrachtlicher Warmeaufwand erforderlich ist, der zur Bildung von CO fuhrt, das bei den groBen Mengen zurzeit noch
nicht nutzbar gemacht werden kann.
Allerdings geht es auch bei dem Verfahren von H o p p e
nicht ohne Brennstoffaufwand ab, doch kann dieser hier
ungleich geringer angesetzt werden als bei dem Nagelschen
Verfahren. Uberdies ist es frei von jeglichen Gefahren.
ZnC1,
H,O = ZnClOH + HC1
ZnCl(0H) H,O = Zn(OH), HCl
2H
2 C1= ZnC1,
2 H,O.
Zn(OH),
+
+ +
+
+
Each dem ,,Auskunftsbuch fiir die chemische Industrie"
von B l u c h e r steht oder stand das Verfahren in Anwendung.
Statt mit den Salzen unmittelbar zu arbeiten, kann man
auch andere Korper mit den genannten Salzen uberziehen
oder das H - C1-Gemisch durch Losungen der betreffenden
Salze hindurchleiten. Die Zersetzungstemperatur liegt bei
100".
Den Vorschlag des D. R. P. 114 129 kleidet der Erfinder
P a t a c k y in die folgenden Worte:
,,Ein Apparatesystem aus Ton, daB sich in einem zum
Heizen und Kuhlen eingerichteten Wasserbade befindet,
wird mit grob pulverisierter Holzkohle beschickt und in
dieses dann gleichzeitig C1 und H in molekularen Mengen
oder unter Vorwalten von H eingefuhrt.
Auf der Oberflache der Kohle verbindet sich dann das
C1 und H zu HC1-Gas, das durch die Kohle absorbiert wird.
Im Anfang ist es vorteilhaft, den Apparat durch das Wasserbad etwas anzuwiirmen. Spater, wenn die Salzsaurebildung
lebhafter im Gange iist, erubrigt sich diese Erwarmung, ja
bei lebhafter Entwicklung ist es sogar angezeigt, durch das
Wasserbad den Apparat zeitweilig zu kuhlen. Sobald das
Maximum der Absorption des HC1 durch die Kohle erreicht
ist, wird durch die weitere Bildung des HC1-Gases aus neu
eingefiihrtem C1 und H die gebundene HCl in dem MaBe abgegeben, als sich neue Salzsaure bildet. Es findet so eine
regelmaBige Entwicklung von HCl statt, wobei eine chemisch reine, vor allem chlorfreie Salzsaure entsteht."
Das Patent ist erloschen. I n Anwendung scheint es
demnach nicht gestanden zu haben. Es beruht auf der Beobachtung, da13 molekulare Mischungen von C1 und H vornehmlich bei Gegenwart von Wasserdampf, sich sehr leicht
zu Salzsauregas verbinden. Die Verbindung geht z. B. bei
Sonnenlicht augenblicklich unter Feuerschein und Verpuf fung vor sich. Bei Verwendung von dunkelbraunem Glas
vollzieht sich die Umsetzung allmahlich ohne Explosion.
Das dritte Verfahren ist von Dr. N a g e 1 ausgebildet
worden (vgl. Chem.-Ztg. 1912, 54). Es beruht auf den Gleichungen :
C1,
und
+ 3 H,O + 2 C = CO, + CO + 2HC1+
C1, + H,O + C = CO + 2HC1,
H20
wobei sich die zweite Gleichung auf eine Temperatur von
etwa 1000" bezieht.
Zur technischen Durchfiihrung benutzt er ,,einen vertikalen Schacht, der eigentlich nichts anderes ist als ein
primitiver Generator. " Als Brennmaterial und Reaktionskohlenstoff dient Koks.
Der Nachteil gegenuber dem Verfahren von P a t a c k y ,
daB die HC1-Gase wesentlich mehr Feuchtigkeit enthalten,
ist nicht von Bedeutung, da die Trocknung durch Kuhlung
und die vollige Entfeuchtung durch Eisenspane zu erreichen
ist. Das Verfahren von H o p p e ist fiir Deutschland frei.
Es verdient daher furs erste den Vorzug.
Stehen hiernach einer Verarbeitung von Chlor auf Salzsame technische Bedenken nicht entgegen, so veraag die
aus dem Chlormagnesium gewinnbare Salzsaure nur insoweit
die Leblanc-Salzsaure zu verdrangen, als es sich um die
Herstellung von Emaille oder WeiBblech handelt, wobei noch
vorausgesetzt werden muB, daB die Verarbeitung im Schlagkreis gelegen ist. Es steht also auBer Frage, daB die Auffindung neuer Verwendungszwecke fiir Chlor oder Salzsaure
nicht entbehrt werden kann, wenn nicht die Nutzbarmachung auf einige wenige Werke beschrankt bleiben soll.
Wir wollen hier nicht auf die wohl kaum erheblich ins
Gewicht fallende Verarbeitung von Zink und Zinnabfallen
oder auf die Herstellung von Magnesiableichmasse verweisen,
wo z. B. bei metallurgischen Verfahren ganz andere Mengen
in Frage kommen. Wichtig dagegen diirfte sein, das bei
der Koksdarstellung gewonnene Ammoniak in Chlorammonium statt in schwefelsaures Ammoniak uberzufiihren. Bedenken diirften dagegen kaum zu erheben sein.
Im Hinblick auf die Frachtkosten besteht sogar noch
der Vorteil, daB beim Chlorammonium rund 26% aus Stickstoff bestehen, wahrend das in den Handel kommende schwefelsaure Ammoniak nur zu 20-20,8%
Stickstoff enthalt.
Allerdings eignet sich das Chlorammonium nicht, wie der
Chilesalpeter, zur Darstellung von Mischdiinger, da bei Beriihrung mit Phosphat Salzsaure zur Abspaltung gelangt,
52'
572
Reclaire: Fortschritte a d dern Gebiete der atherischen Ole und Riechstoffe.
die die Siicke in kurzer Frist zersert. Ferner ist es da
nicht anwendbar, wo zur Vermeidung der Zufiihrung von
Chlor, statt KC1 K,SO, vorgezogen wird, wie bei der Diingung von Ruben-, Kartoffel- und Tabakfeldern.
Immerhin bleiben noch fur die Verwendung von NH,C1
Anwendungsgebiete genug, da auch seine diingende Wirkung
sehr g u t ist.
Der Verbrauch an Ammoniumsulfat hat in Deutschland,
wie nachstehende Tabelle zeigt, auBerordentlich zugenommen. Um zu zeigen, was fiir Chlormengen auf diesem Wege
untergebracht werden konnten, sind darunter die Salzsauremengen angegeben, welche man zur Verarbeitung des Ammoniaks verbrauchen wiirde.
in1OOOt
[
Zeitsohrift far
angewandte Chemie.
Trotz dieser sehr erheblichen Ersparnis an Frachtgewicht
bietet die Verfliissigung zunachst keinen Vorteil, da die
Frachtsatze fiir das verfliissigte HC1-Gas hoher sind als f i i r
lie Salzsaure. Diese geht nach Sp. T. I1 (bei der Ausfuhr
nach Sp. T. 111), jene aber nach der allgemeinen Wagenladungsklasse B, und beide verhalten sich bei den Entfernungen 1,100 und 1000 km wie 1,5, 1,6 und 1,7. Bei
sehr grol3en Entfernungen werden also iiberhaupt keine Ersparnisse erzielt, und bei den kleineren sind sie nur gering.
Allerdings sind die Ersparnisse in Wirklichkeit doch gro0er.
Es beruht dies darauf, daB bei 32% HCl das Ladegewicht
nicht voll ausgenutzt werden kann, so daB die Berechnung
der Fracht nicht nach Sp. T. 11, sondern nach Sp. T. & erfolgt, deren Sitze denen der allgemeinen Wagenladungsklasse schon sehr nahe stehen. Immerhin sind die sich hieraus ergebenden Ersparnisse noch nicht groB genug ; sie werden zum betrachtlichen Teile wieder aufgezehrt durch die
Kosten fiir die Verfliissigung, die nach den Auskiinften der
Gesellschaft fiir L i n d e s Eismaschinen fiir den GroBbetrieb wohl mit 4 Pf. fiir das Kilogramm angesetzt werden konnen und sich sicherlich bei groBen Mengen, etwa
36 tl24 Std. noch vermindern lassen, wenn neben der Kiihlung noch ein Umschlag auf etwa 6-7 Atm. einhergeht,
wodurch die Kiihltemperatur von -92" auf 4 5 " heraufgesetzt wird. Ferner darf bei der Beurteilung nicht unberiicksichtigt bleiben, daB auch die Absorption und Reinigung
bei der Sulfatsalzsaure nicht kostenlos erfolgt. Jene erfordert unter sinngemaBer Verwendung der von T h. M a y e r
angegebenen Zahlen allein etwa 50-70 Pf. f i i r den Doppelzentner 32%iger Saure. Fur die meisten Entfernungen diirften daher schon jetzt beide Wege mindestens wirtschaftlich
gleichwertig sein.
Mittelbar diirfte aber wohl der Verfliissigung der Vorzug
zu geben sein, und zwar trotz des hoheren Preises der Verpackung, da der Versand und die Handhabung und Lagerung
wesentlich leichter sind. Aller Wahrscheinlichkeit nach diirfte
das fl .HCl-Gas auch einen hoheren Preis gegeniiber der
Salzsaure erreichen.
Vollstandig zugunsten der Verfliissigung ware jedoch
die Frage erst entschieden, wenn man den Kaliwerken ah
Entgelt fur die Versagung der Abwassererlaubnis fiir das
verfliissigte HC1-Gas den Sp. T. I1 oder I11 im Falle der
Ausfuhr gewahrte. I n diesem Falle wiirde ohne die Beriicksichtigung der Verfliissigungskosten der Schlagkreis auf das
5'12' 'j30 = 2,7fache steigen.
3.62.0.79
' Ein' Teil der hochwertigen HC1-Gase kann dazu verwendet werden, die diinne, beim Gliihen des Oxychlorids
oder der Schilverchen entstehende wasserige HC1 zu marktfahiger Ware aufzubessern.
I n welcher Weise sich die Verarbeitung vollziehen diirfte,
sucht der beigefiigte Stammbaum zu zeigen.
[A. 90.:
Ammonium- 1% 1 9 0 ~ 1906 1906 1905 1908 1909 is10 is11 1912
sulfat.
. 79 126 210 220 240 260 275 350 370 425
32% Salzsaure 164 262 436 457 499 540 572 727 769 885
Abgesehen hiervon bietet nur noch die Erzaufbereitung
die Moglichkeit, die in Betracht kommenden Mengen unterzubringen.
Mindestens ebenso wichtig wie die Auffindung neuer
Verwendungszwecke erscheint uns jedoch die Aufgabe, hochwertige, d. h. hochprozentige Salzsiiure darzustellen, um
die lktigen Frachtausgaben fiir die annahernd 68% Losungswasser zu umgehen, womit natiirlich gegebenenfalls bei voller
Ausnutzung des Ladegewichts unter Erweiterung des
Schlagkreises erhebliche Ersparnisse erzielt werden konnten.
Bei der bisherigen Gewinnungsweise wird eine 32% iibersteigende Salzsaure im allgemeinen nicht erhalten, und selbst
bei einem 90%igen Gasgemisch und einer Wassertemperatur
von +5" gelangt man hochstens zu einer 44%igen Saure,
womit natiirlich noch nicht viel gewonnen ist. Sollen also
die Ersparnisse wirklich von Belang sein, so muB man mit
fliissigem Salzsauregas rechnen, das erst an Ort und Stelle
des Gebrauches in Salzsaure von gewiinschter Starke iibergefiihrt wird. Tafel 1 zeigt die Spannungen des HC1Gases fiir verschiedene Temperaturen. Sie 1aBt erkennen,
daB die Dampfdrucke zwischen 20 und 30" 44 und 55 Atm.
betragen, woraus hervorgeht, daB die Verfliissigungund Versendung durchaus keinen technischen Schwierigkeiten begegnet. Eine Einwirkung des verfliissigten HC1-Gases auf Eisen
besteht nicht, sofern es frei von Feuchtigkeit erhalten werden
kann. DaB dieses auch in Gasen moglich ist, dariiber kann
kein Zweifel bestehen. Allerdings reicht bloBe Abkiihlung
allein und konz. Schwefelsaure nicht aus, auch wenn man
unterhalb der iiblichen Wassertemperatur bleibt: Vielmehr
ist es notwendig, auch Filter aus Eisenspanen einzuschalten,
durch welche die letzten Reste beseitigt werden. Grundsatzliche Bedenken hat das Reichseisenbahnamt gegen die
Beforderung in Stahlflaschen und Kesselwagen nicht.
Doch verfolgen wir die Frage noch etwas nlher.
Die. Tara macht bei der Versendung in Tonzeug oder
GlasgefaBen fiir 100 kg 32xiges HCl etwa 30 kg aus. Um also
32 kg 100%iger HCI zu befordern, sind vollig nutzlos
100 30 - 32 = 98 kg zu verfrachten. Die Kosten der
Verpackung sind in beiden Fallen, bezogen auf 1 dz, die Fortschritte auf dem Gebiete der atherischen Ole
gleichen und betragen etwa 10 M.
und Riechstoffe.
Es fragt sich nun, wie stellen sich diese Zahlen, wenn
(Juli 1913 bis August 1914.)
flussige HC1 zum Versand gelangt?
Das fliissige HC1-Gas besitzt eine erhebliche WiirmeausVon A. RECLAIRE.
dehnungszahl, die zur Folge hat, daB das spez. Gewicht der
Fliissigkeit bei 33" nur noch 0,748 betriigt gegeniiber 0,808 bei
(Elngeg. 2449. 1914.)
22,7" und 0,908 bei 0"(vgl. Tafel2). Zum Versand erfordern
also 32 kg Stahlflaschen von rund 401 Rauminhalt, fur die
Das Geschaft der atherischen 61e und kiinstlichen Riechin Ermanglung einer behordlichen Vorschrift ein Priifungs- stoffe verlief im Jahre 1913 nicht gerade giinstig. Wahrend
druck von 100 Atm. angenommen wird. Aller Wahrschein- der lange andauernden Balkanwirren ruhte die Ausfuhr
lichkeit nach diirfte der endgultige Priifungsdruck nur aus dem Orient, wodurch eine bedeutende EinbuBe an
rund 89 Atm. betragen. Ihr Leergewicht betragt nach Warenumsatz verursacht wurde ; nach dem Friedensschlusse
der Auskunft des deutschen Stahlflaschenherstellungs- machte sich zwar der Bedarf dort in verstarktem MaBe
verbandes 47 kg, ihr Preis je nach der Zahl der bezogenen geltend, aber die Zahlungsverhaltnisse waren laut Bericht
Flaschen rund 30 M. Zum Versand kommen also bei der Handelskammer zu Leipzig') sehr unsicher. Abgesehen
fliissigem HCI-Gas 32 47 = 79 kg, und demgemiCB betragt von diesen allgemeinen ungiinstigen Bedingungen, hatten
die Ersparnis an Frachtgewicht 130-79 = 51 kg ent- die Fabriken atherischer 61e im Anfang des Berichtsjahres
sprechend rund 40%; bei 32%iger SalzsBure ist an Masse
1) Chem.-Ztg. 38, 1035 [1914].
130 : 79 = 1,7mal so viel zu befordern wie bei fl.HC1.
..
~~
+
+
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