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Eine einfache methode zur bestimmung der haftbestndigkeit von polymeren.

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Die Angewandte Makromolekulare Chemie 26 (1972) 1-13 (Nr. 368)
Aus der Abteilung fur Angewandte Physik der Farbenfabriken Bayer AG,
Leverkusen
Eine einfache Methode zur Bestimmung der
Haftbestandigkeit von Polymeren
Von RICHARD
MENOLDund BENNOBURCHERT
Hewn Professor Dr. Dr. h. c. mult. Dr. E . h. mult. OTTOBAYERzum 70. Geburtstag
gewidmet
(Eingegangen am 10. Marz 1972)
ZUSAMMENFASSUNG :
Es wird eine MeBmethode beschrieben, die es erlaubt, die Haftbestandigkeit von
Polymeren auf Festkorpern unter verschiedenen Umweltbedingungen zu ermitteln.
Das MeRprinzip beruht darauf, daB bei der Loslosung des Kunststoffes von seiner
Unterlage zwei neue Grenzflachen gegen Luft entstehen, die das auftreffende Licht
wesentlich starker reflektieren als die urspriingliche Grenzflache Kunststoff-Festkorper. Das Fortschreiten der Ablosung kann mit Hilfe einer Kamera verfolgt werden. Das beschriebene Verfahren hat sich bei der Untersuchung der Haftbestgndigkeit von ABS-Polymeren auf Glas, Quarz und Graphit bewahrt.
SUMMARY:
A method is described, which enables the stability of the adhesion of polymers to
solids under various ambient conditions to be determined. The principle of the
method is based on the fact that, when the plastic is separated from its substrate,
two new interfaces with air are formed, which reflect the incident light to a considerably greater extent than the original plastic/solid interface does. The progress
of separation can be recorded photographically. The method described has proved
suitable for investigating the stability of the adhesion of ABS polymers to glass,
quartz, and graphite.
1. Einleitung
Ein faserverstarkter Kunststoff besitzt nur dann optimale mechanische Eigenschaften, wenn der Kunststoff entlang der gesamten Faseroberflache haftet. Die Haftfestigkeit ist dann voll ausreichend, wenn sie die Eigenfestigkeit
des Kunststoffes erreicht. Eine Steigerung dariiber hinaus wurde keine Verbesserung der mechanischen Eigenschaften des Verbundwerkstoffes bewirken.
1
It. MENOLDund B. BURCHERT
HAMAKER
hat die LONDON
-VAN DEB WAALsschen Anziehungskrafte zwischen
zwei Festkorpern berechnetl. Auf Grund der von ihm gefundenen Beziehungen
1aBt sich die GroBe der Adhasionskrafte zwischen Faser und Kunststoff abschltzen. Sie liegt - guten Kontakt vorausgesetzt - bei einigen 100 kp/cm2.
Dieser Wert ist vergleichbar mit der Eigenfestigkeit der Kunststoffe. Mit anderen Worten : Zur Erziclung hinreichender Haftkrafte zwischen Faser und
Kunststoff sollte es keiner chemischen Bindung bediirfen ; die Adhasionskrafte
sollten hierfiir ausreichend sein. Trotzdem wird immer wieder, insbesondere
bei glasfaserverstarkten Thermoplasten, eine nur geringe Haftung zwischen
Faser und Kunststoff beobachtetz. Zur Erklarung dieser Beobachtung gibt es
drei prinzipielle Moglichkeiten :
1. Die Einarbeitung der Fasern in den Kunststoff erfolgt so, daB zwischen
Kunststoff und Faser nur ein ungeniigender Kontakt zustande kommt.
2. Zwischen Faser und Kunststoff befindet sich eine mechanisch schwache
Zwischenschicht.
3. Unmittelbar nach dem EinarbeitungsprozeB ist die Haftung gut. AnschlieBend wird sie aber durch Sekundlreffekte zerstort.
Bei den Sekundareffekten konnen Umwelteinfliisse, wie z. B. die Luftfeuchtigkeit, eine wesentliche Rolle spielen. Um die Haftbestandigkeit zwischen
Kunststoff und Verstarkungsmaterial unter verschiedenen Umweltbedingungen studieren zu konnen, haben wir eine MeBmethode ausgearbeitet, die einfach ist und doch zu quantitativen Aussagen fiihrt. uber diese Methode, die
sich bei der Untersuchung der Haftbestandigkeit von ABS-Polymeren auf
Glas, Quarz und Graphit gut bewahrt hat, sol1 nachstehend berichtet werden.
2. Dus Mepprinzip
Eine MeBmethode zur Bestimmung der Haftbestandigkeit muB so beschaffen
sein, daB moglichst eindeutige Ausgangsbedingungen herrschen, und daB die
Ergebnisse nicht durch unkontrollierbare Nebeneffekte beeinfluBt werden. Diese Bedingungen sind am fertigen faserverstarkten Kunststoff u. E. z. Z. nicht
realisierbar. Wir haben uns deshalb fur die Messung a n einem Makromodell
entschieden. Das Makromodell wurde so gewahlt, daB die an ihm erhaltenen
MeBergebnisse wichtige und eindeutige Hinweise auf die Haftbestandigkeit im
Mikrobereich des faserverstarkten Kunststoffes geben.
Bei dem von uns ausgearbeiteten MeBprinzip w i d der Kunststoff zunachst
auf einer aus dem Verstiirkungsmaterial bestehenden Unterlage (z. B. einer
Glasplatte) zum Haften gebracht. Die Ablosung des Kunststoffes wird optisch
verfolgt. Dies hat den Vorteil, daB kein mechanischer Kontakt mit der zu
untersuchenden Probe notwendig ist. Dadurch ist es moglich, die Haftbestiindigkeit eines Kunststoffes auf einem vorgegebenen Material unter den ver2
Bestimmung der Haftbestandigkeit von Polymeren
schiedensten Umweltbedingungen in einfacher Weise zu ermitteln. Sol1 etwa
die Haftbestandigkeit eines Kunststoffes bei verschieden hohen Luftfeuchtigkeiten gemessen werden, so bedarf es nur eines lichtdurchlassigen klimatisierten
Kastens, einer geeigneten Lichtquelle und einer Kamera. Als Ma13 der Haftbestandigkeit kann z. B. die Zeit dienen, die vergeht, bis sich die Halfte der urspriinglich haftenden Flache abgelost hat.
a) Messung mittels Teilreflexion
Das Prinzip, das bei der optischen Ermittlung der noch haftenden und der
bereits losgelosten Flache angewandt wurde, ist in den Abb. 1 und 2 schematisch dargestellt. Dabei ist vorausgesetzt, daf3 sowohl die Glasplatte als auch
der Kunststoff lichtdurchlassig sind. Die Glasplatte, auf der sich der Kunststoff
befindet, wird von der kunststofffreien Glasseite her beleuchtet. Solange der
Kunststoff auf der Glasplatte haftet, wird ein Teil des einfallenden Lichtes an
den Grenzflachen Luft-Glas, Glas-Kunststoff und Kunststoff-Luft reflektiert
(Abb. 1). Sobald sich jedoch der Kunststoff um groflenordnungsmafiig eine
Lichtwellenliinge von der Glasplatte abhebt, hort die optische Wirksamkeit der
Grenzflache Glas-Kunststoff auf. An ihre Stelle treten zwei neue Grenzflachen:
die Grenzflache Glas-Luft und die Grenzfliiche Luft-Kunststoff (Abb. 2). Die
beiden neu entstandenen Grenzflachen haben ein wesentlich gro13eres Reflexionsvermogen als die urspriingliche Grenzflache Glas-Kunststoff. Auf Grund
ihres gro13eren Reflexionsvermogens lassen sich die abgelosten Bereiche von
den noch haftenden Bereichen unterscheiden.
Mit Hilfe der FREsNELschen Gleichungen lassen sich die Verhaltnisse quantitativ erfassen. Bei senkrechtem Lichteinfall (d. h.: a = = 0') ergibt sich
fur das Gesamtreflexionsvermogen RH der Probe an den Stellen, an denen der
Kunststoff noch am Glas haftet, folgender Ausdruck :
An den Stellen, an denen sich der Kunststoff von der Unterlage gelost hat,
findet man fur das Gesamtreflexionsvermogen RL der Probe die Beziehung :
Dabei ist 10die Intensitat des einfallenden Lichtes. 11bzw. 11 sind die Intensitaten der an den verschiedenen Grenzflachen reflektierten Lichtbundel (siehe
Abb. 1 und Abb. 2 ) . p, q und v sind jeweils das Reflexionsvermogen an den
Einzelgrenzflachen Luft-Glas, Luft-Kunststoff und Kunststoff-Glas. Die drei
Gro13en hangen von den Brechungsindices des Glases n und des Kunststoffes m
wie folgt ab:
3
R. MENOLDund B. BURCHERT
n-1
m-1
m -n
n+ 1
m+ 1
m+n
Fensterglas hat einen Brechungsindex von etwa 1,51; Poly-Styrol-Acrylnitril
hat einen Brechungsindex von etwa 1,56. Werden diese Werte in die Gleichungen (3),(2)und (1) eingesetzt, so ergibt sich, da13 an den Stellen der Probe, an denen
der Kunststoff noch haftet, etwa 8,2% des auftreffenden Lichtes reflektiert
wird. An den Stellen, an denen sich der Kunststoff vom Glas gelost hat, werden
etwa 15,6% des einfallenden Lichtes reflektiert. Mit anderen Worten: Das Gesamtreflexionsvermogen der Probe hat sich an den Stellen, an denen sich der
Kunststoff von der Unterlage gelost hat, etwa verdoppelt.
Abb. 1. Reflexionsverhiiltnisse fur den Fall, daB beide Komponenten lichtdurchlassig sind und dor Kunststoff noch haftet.
Abb. 2.
4
Reflexionsverhiiltnisse fur den Fall, daB beide Komponenten lichtdurohliissig sind und der Kunststoff nicht mehr haftet.
Bestintmung der Haftbestandigkeit von Polymeren
Der dadurch bewirkte Helligkeitsunterschied lBBt sich mit dem bloBen Auge
gut erkennen (Abb. 3). Die den Berechnungen zugrunde liegende Annahme
des senkrechten Lichteinfalls fiihrt zu dem geringsten Reflexionsvermogen. Bei
schragem Lichteinfall nimmt - wie aus den FREsNELschen Gleichungen hervorgeht - das Reflexionsvermogen zu. Der benutzte Reflexionswinkel ist also
unkritisch. Eine objektive Messung kann dadurch erreicht werden, daB an die
Stelle des Beobachters eine Kamera tritt, mit der in regelmaBigen Zeitabstanden Aufnahmen gemacht werden. Aus den Aufnahmen kann dann der Bruchteil der noch haftenden Flache als Funktion der Zeit ermittelt werden.
Abb. 3.
Teilweise von der Unterlage losgeloste Kunststoffpliittchen ;
links: Unterlage = Graphit;
rechts: Unterlage = Glas.
Das angegebene MeBprinzip la& sich auch dann anwenden, wenn nur eine der
beiden Komponenten, entweder der Kunststoff oder das Verstarkungsmaterial,
lichtdurchlassig ist. Handelt es sich z. B. bei dem Verstarkungsmaterial um
Graphit, so wird die Probe von der kunststoffbeschichteten Seite her beleuchtet. An den Stellen, an denen der Kunststoff am Graphit haftet, wird das Licht
praktisch nur an der Oberseite des Kunststoffes (ubergang Luft-Kunststoff)
reflektiert. Dort wo sich der Kunststoff von seiner Unterlage abgehoben hat,
wird auch an der neu entstandenen Grenzflache Kunststoff-Luft ein Teil des
einfallenden Lichtes reflektiert. Auf Grund des erhohten Reflexionsvermogens
lassen sich auch hier die losgelosten von den noch haftenden Bereichen unterscheiden.
Wird senkrechter Lichteinfall vorausgesetzt und absorbiert die Unterlage
das Licht praktisch vollstandig wie Graphit, so ergibt sich zufolge der FRESNELschen Gleichungen fur das Reflexionsvermogen rH der Probe an den Stellen, an
denen der Kunststoff noch haftet, der Ausdruck :
5
R. MENOLDund B. BURCHERT
1'H = q.
(4)
An den Stellen, an denen sich der Kunststoff von der Unterlage losgelost hat,
ergibt sich fur das Reflexionsvermogen:
rw[1
+ ( l - ~ ) ~q.l .
(5)
Hat der Kunststoff einen Brechungsindex von etwa 1,56, so liefern die G1. (3),
(4)und (5) die Werte rH = 0,048 und rL = 0,092; d. h., es werden 4,8% bzw.
9,2% des einfallenden Lichtes reflektiert. Auch in dem Fall, in dem nur eine
Komponente lichtdurchlassig ist, ist also das Reflexionsvermogen in den Bereichen, in denen sich der Kunststoff von der Unterlage losgelost hat, etwa
doppelt so grol3 wie in den Bereichen, in denen er noch haftet. Auch hier 1a13t
sich der Unterschied mit dem Auge noch gut erkennen (s. Abb. 3).
Die Beziehungen ( l ) ,(2), (4) und (5) gelten nur an den Stellen, a n denen
keine Interferenzen auftreten. Interferenzstreifen werden jedoch dann beobachtet, wenn sich ein lichtdurchlassiger Kunststoff von einer Glas- oder
Quarzplatte abhebt. Diese Interferenzstreifen storen aber nicht bei der Bestimmung der Bereiche, in denen sich der Kunststoff von der Unterlage gelost
hat. Sie geben vielmehr einen Hinweis auf die Dicke der Luftschicht zwischen
Glas und Kunststoff.
b) Messung rnittels Totalreflexion
Der mittels Teilreflexion erzielbare Kontrast zwischen haftenden und abgelosten Bereichen ist in den meisten Fallen ausreichend. Falls jedoch ein starkerer Kontrast erwunscht ist, laat er sich dadurch erreichen, da13 im Gebiet der
Totalreflexion gearbeitet wird.
Befindet sich der Kunststoff aufeiner Glasplatte, so mu13 diese von der kunststofffreien Seite her so beleuchtet werden, da13 der Lichtstrahl auf die Grenzflache Glas-Kunststoff unter einem Winkel auftritt, der im Totalreflexionsbereich der Grenzflache Glas-Luft liegt. Solange der Kunststoff auf der Glasplatte aufliegt, kann das Licht in den Kunststoff ubertreten. Dem in Reflexion
beobachtenden Betrachter erscheinen alle Bereiche, in denen der Kunststoff
auf der Glasplatte haftet, relativ dunkel. In dem Augenblick, in dem sich der
Kunststoff urn etwa eine Lichtwellenlange von der Glasunterlage abhebt, tritt
an der neu entstandenen Grenzflache Glas-Luft Totalreflexion ein. Die Bereiche,
in denen eine Ablosung erfolgt ist, erscheinen dem Betrachter nunmehr spiegelnd hell.
Einfache optische Oberlegungen zeigen, da13 es nicht moglich ist, die Oberseite einer planparallelen Glasplatte so anzuleuchten, da13 das Licht an der
Unterseite ( = Grenzflache Glas-Luft) totalreflektiert wird. Zur Einhaltung der
oben formulierten Bedingung sind also bei Benutzung planparalleler Glas6
Bestiinmung der Haftbestandigkeit yon Polymeren
platten zusatzliche MaBnahmen erforderlich. Eine Moglichkeit besteht darin,
auf die Oberseite ein Glasprisma aufzusetzen (s. Abb. 4).Um zwischen Glasplatte und Prisma einen einwandfreien optischen Kontakt herzustellen, muB
die Grenzflache Glasplatte-Prisma mit einem Flussigkeitsfilm versehen werden.
Die benutzte Flussigkeit sollte einen Brechungsindex haben, der moglichst
nahe beim Brechungsindex des Glases liegt. Beispielsweise eignet sich Zedernholzol sehr gut. Eine Aufnahme, die unter Ausnutzung der Totalreflexion entstanden ist, ist in Abb. 5 wiedergegeben.
Abb. 4. Sichtbarma-
chung der von
Glas losgelosten
Bereiche eines
truben Kunststoffes mittels
Totalreflexion.
Oben : haftender Kunststoff;
unten : losgeloster Kunststoff.
Der Brechungsindex der meisten Kunststoffe ist von dem der Glaser nicht sehr
verschieden. Es kann daher auch an der Grenzflache Kunststoff-Luft zur Totalreflexion kommen (Abb. 4 oben). Falls der Kunststoff schwach trub oder
gefarbt ist, stort dies nicht. 1st der Kunststoff jedoch vollig klar, ist es zur Erzielung eines guten Kontrastes zwischen den losgelosten und den haftenden
Bereichen zweckmaBig, die an Luft grenzende Kunststoffflache vor Versuchsbeginn mit einer lichtabsorbierenden Schicht, zu versehen.
7
R. MENOLD
und B. BURCHERT
Abb. 5.
Teilweise von der
Unterlage losgelostes
Kunststoffplattchen.
Ausnutzung der Totalreflexion.
3. Die Herstellung der Proben
Um zu reprasentativen und reproduzierbaren MeBergebnissen zu kommen, mu13
dafiir gesorgt werden, daB die Flachen, auf welche der Kunststoff aufgebracht werden soll, moglichst rein sind. I m Falle von Glasoberflachen, die normalerweise mi0
Wasserhauten bedeckt sind, haben wir dies auf folgende Weise zu erreichen versucht : Quadratisch zurechtgeschnittene Glasplatten mit einer Kantenllinge von
23 mm wurden zunachst mit Chromschwefelsaure behandelt und anschlie13end mit
destilliertem Wasser gewaschen. Danach wurden sie in einem SIMON-MULLER-Ofen
auf etwa 500°C erhitzt. Auf dieser Temperatur blieben die Platten ungefahr 1 Std.
Dann wurden sie aus dem Ofen genommen und in hei13em Zustand in einen durchsichtigen Plexiglaskasten eingebracht, dessen hitzegefahrdete Stellen mit Asbest
abgedeckt waren. AuBerdem enthielt der Plexiglaskasten zwei Schalen mit Phosphorpentoxid, die fur eine extrem niedrige, mit einem Haarhygrometer nicht mehr
meBbare Luftfeuchtigkeit sorgten. Nachdem sich die Glasplatten auf Zimmertemperatur abgekuhlt hatten, wurden sie rnit Kunststoff beschichtet.
Um zu verhindern, daB sich die Glasoberflachen erneut rnit Fremdschichten bedecken, wurde die Beschichtung bei geschlossenem Plexiglaskasten vorgenommen.
Dazu war der Plexiglaskasten als Handschuhbox ausgebildet ; d. h., alle im Kasten
vorzunehmenden Handgriffe konnten von auBen mittels eines in den Plexiglaskasten
hineinragenden und mit ihm fest verbundenen Gummihandschuhpaares vorgenommen werden. Ferner wurden bereits vor dem Einbringen der Glasplatten alle fur
die Beschichtung notwendigen Materialien in dem Plexiglaskasten untergebracht.
I m einzelnen wurde bci der Beschichtung folgendermaBen vorgegangen : Auf die
Glasplatten wurde ein Messingring mit einem Innendurchmesser von 18 mm und
einer Hohe von 1,4 mm gelegt. I n diesen Ring wurde die Kunststofflosung gegossen. Handelte es sich dabei um das ABS-Polymer Novodur*, so wurde eine 10-proz.
* Hersteller : Farbenfabriken Bayer, Leverkusen.
8
Bestimniung der Haftbeskhdigkeit von Polymeren
Losung dieses Kunststoffes in Methylenchlorid oder Athylmethylketon benutzt.
Die Losung befand sich in einer dicht verschlossenen Flasche, die erst unmittelbar
vor dem VerguB geoffnet wurde. Nach dem VergieBen blieben die Proben so lange
im Plexiglaskasten, bis sie trocken waren. In der Regel war dies nach etwa 24 Stdn.
der Fall. An den so hergestellten Proben wurden dann die Haftversuche vorgenommen. Die Dicke der Novodurplattchen lag bei etwa 0,3-0,4mm.
Zugversuche ergaben, daB die von uns hergestellten Proben Zugspannungen aushielten, die zwischen 150 und 200 kp/cm2 lagen. Bei hoheren Zugspannungen
brachen die Proben. Die Bruchfliiche verlief aber d a nicht
~
entlang der Grenzflache Glas-Kunststoff, sondern quer durch Glas und Kunststoff. Dies zeigt, daB
das angewandte Verfahren zu einem guten Kontakt zwischen Kunststoff und Glas
und damit auch zu hinreichenden Haftkriiften fuhrt.
4. Die Messung der Haftbestandigkeit
Werden Proben, die aus Novodur und Fensterglas bestehen, nach dem
Trocknen aus dem VerguSkasten herausgenommen und in feuchtigkeitsfreier
Luft aufbewahrt, so ist keine Bnderung der Haftkraft zwischen Glas und Kunststoff meobar. Noch nach Jahren werden dieselben Haftkrafte gemessen Wie
unmittelbar nach Fertigstellung der Proben. Werden die trockenen Proben
hingegen in Luft mit einer relativen Feuchtigkeit von 78% eingebracht, so
lost sich das Novodur innerhalb weniger Stunden vollstandig von der Unterlage. Bhnliche Ergebnisse - wenn auch mit unterschiedlicher Haftbestandigkeit - werden erhalten, wenn an die Stelle des Fensterglases ein alkaliarmes
Glas oder Quarz tritt.
Zur Messung der Haftbestandigkeit bei verschiedenen Luftfeuchtigkeiten
wurden zwischen 5 und 10 Proben in einen durchsichtigen, abgeschlossenen
Kasten eingebracht, in dem mit Hilfe einer Salzlosung eine bestimmte Luftfeuchtigkeit aufrechterhalten wurde. Die Proben lagen auf einer schwarz mattierten Metallunterlage. Sie wurden von der Glasseite her mit einer breitflachigen Lichtquelle angestrahlt. Diese bestand aus mehreren Neonrohren, vor die
eine mattierte, diffus streuende Glasplatte gesetzt wurde. Die so angeleuchteten
Proben lassen gut erkennen, in welchen Bereichen noch Haftung vorhanden ist,
und in welchen Bereichen sich der Kunststoff von der Unterlage gelost hat
(vgl. Abb. 3). Die fortschreitende Ablosung wurde mit Hilfe einer Spiegelreflexkamera registriert. Die fertigen Aufnahmen wurden ausplanimetriert und
der Anteil der losgelosten Flache als Funktion der Zeit aufgetragen*. Ein von
uns zur Ermittlung der Haftbestandigkeit von Polymeren aufgebauter MeBplatz ist in Abb. 6 wiedergegeben,
*
Die Aufnahmen mussen fur genauere Auswertungen entzerrt werden. Dam ist es
nur erforderlich, eine solche Projektion vorzunehmen, daB die Metdlringe der
Proben auf dem Positivbild als Kreise erscheinen.
9
R . MENOLDuud B. BURCHERT
Abb. 6.
MeBplatz zur Ermittlung der Haftbestgndigkeit von Kunststoffen.
Oben : Lichtquelle.
Mitte : Kamera.
Unten und an den Seiten: mit Proben beschickte Klimakasten.
Das Beispiel einer Messung an funf Novodur-Glas-Proben, die sich in einer
Atmosphare mit 78% relativer Luftfeuchtigkeit befanden, ist in Abb. 7 dargestellt. Daraus ist ersichtlich, daB die MeBwerte stark streuen. Um zu reprasentativen Menwerten zu kommen, ist es notwendig, 5-10 Proben gleichzeitig
zu messen und aus den so erhaltenen MeBwerten den Mittelwert zu bilden. Ein
weiteres Beispiel fur die Ergebnisse, welche die beschriebene MeBmethode zu
liefern vermag, ist in Abb. 8 dargestellt. Dort ist die Loslosung von NovodurFensterglas, von Novodur-Tempax ( = alkaliarmes Glas) und von NovodurQuarz bei 75 yorelativer Luftfeuchtigkeit dargestellt. Die MeBkurven zeigen, daB
die Haftbestandigkeit des Polymeren auf dem stark alkalihaltigen Fensterglas
sehr vie1 geringer ist als aufdem alkaliarmen Tempax oder Quarz. Die in Abb. 9
10
Bestinmung der Hajtbestandigkeit won Polymeren
wiedergegebenen MeBkurven im Vergleich zu Abb. 8 demonstrieren, daB sich
auch der EinfluB der Luftfeuchtigkeit auf die Loslosung des Novodurs in den
MeBergebnissen widerspiegelt.
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1
2
3
4
5
6
7
8
tb?
Abb. 7. Die Loslosung Novodur-Fensterglas als Funktion der Zeit bei 78% relativer Luftfeuchtigkeit ( 5 verschiedene Proben).
Die beschriebene MeBmethode wurde von uns bei eingehenden Untersuchungen
der Haftbestlindigkeit von ABS-Polymeren auf Glas, Quarz und Graphit herangezogen und hat sich dort bewahrt. Am Beispiel von Celluloseacetat hat sich
gezeigt, daB sie sich auch beider Untersuchung anderer Polymerer anwenden liiBt.
Zum SchluB sei noch darauf hingewiesen, daB sich mit Hilfe der beschriebenen
MeBmethode auch priifen lliBt, wie sich die Vorbehandlung von Verstarkungsmaterialien (2.B. mit sog. Haftvermittlern) auf die Haftbestlindigkeit von
Polymeren auswirkt.
Die Verfasser danken Herrn Dr. H. ROHRfur kritische Bemerkungen und
Hinweise.
11
R. MENOLD und B. BURCHERT
Abb. 8.
Die Loslosung
Novodur-Fensterglas; Novodur-Tempax;
Novodur-Quarz
als
Funktion
der Zeit bei 75 yo
relativer Luftfeucht,igkeit.
-t/zffg.q7
Abb. 9.
Die Loslosung Novodur-Fensterglas; Novodur-Tempax; Novodur-Quarz
als Funktion der Zeit bei 35% relativer Luftfeuchtigkeit.
Bestimmung der Haftbestiindigkeit von PoZyrneren
1
2
H. C. HAMAKER,
Physica 4 (1937) 1058.
W. FISCHER
und L. MORBITZER,Angew. mekromolekulare Chem. 9 (1969) 47.
13
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