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Doppelt-Chlorcyan eine neue Verbindung des Chlors mit dem Cyan und Cyansure.

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I. D o p p e 1 t - C 11 1o r c y a n (Perchlorum de Cymogt?ne).
I n einer friihereii Abhaudlung *) habe ich beilaufig
~ o ~ i
der Wirkung zwischen Clilor und Cyanwasserstoffs:iiIr.e
gesprochen, und beinerkt , dafs die Producte verschiedcn
sind, je nachdeni man Wasser otler einen Ueberschufs
von Chlor hinzutrcten 1Yfst. Besoiiders biu ich auf deli
K6rpcr aufmerksam gewesen, welcher bci der Beriihrung
von trockner CyatirvasserstoffsYore und trockuein Chlor
entsteht. Schon in der e m h t e n Abliandlung liabe ich
einige physikalische Eigenschafkn dcsselben beschriebcn:
weiterhin werde ich aiif die h t u r desselben zuriiclikommen.
Man erhdt die ncue Substanz dadurcli, dafs man
reine, nach Hrn. G a y - L u s s a c ' s Vorsclirift bereitete,
Cyani\asserstoffsiiure in eine mit trocknem Chlorps gcfiillte Flasche schiittet , diese darauf wohl verscliliefst
und dem Liclite aussetzt **). Urn ein Liter Chlor in
Chloi7vasserstoffsaure und Doppelt - Chlorcpn zu verwnndeln , sind , der Rechnung nach , O,82 Grin. trockne
Cyan~vasserstoffs:iure erfwderlich ; rind in der That geliugt der Versucli aucli imwer, wcun man auf e h e so-
444
genaniite Liter-Flasclie, die aber allemal e t n s mehr
als eiii Liter fafst, cin Grm. Cyanwasserstoffsliure niinmt:
So wie die Cyanwasserstoffstiure mit dew Chlor in
Beriihrung kommt, niinmt sie Gasgestalt an; die Farbe
verscliwiiidet allindig, und nach einigen Stunden erbliclit
inan an den Wandeli des Gefilses einc farblose Fliissigkeit, welchc wie Wasser aussieht, sich nach wid nncli
verdickt, und endlich erstarrt, als eine weilse, an den
Wiiiidcn sitzendc Substanz, die gcmengt ist init Iirjstallen vou gleicher Pu’atur mit denen, welclie man, wie man
weiter untcn ersehen wird, durch Sublimation der weiisen Substanz erbiilt.
11-ahrschciiilicli sind die drei Verbindungen voii
Chlor uiid Cyan, die gasige, fliissigc und starre, nach
cinander entstaiiden, und gleichzeitig in der Flaeche ziigegen; allein diels ist von geriiiger Bedeutiing fur dic
Keinheit des Doppelt-Chlorcyaus, dcnn da dieses minder
fliichtig ist, 01s die andern, so kann man letztere lciclit
durch cine Destillation yon ilim trenncu ; auch entweicht
das gaslijrinige von selbst.
Each 2.1 Stunden ist der grafste Thcil des DoppeltChlorcyans fertig. Man erkeniit diels a n der inelir odcr
neniger vorgeruckten Gestarrung der Substaiiz, doch inuk
inan uielirere Tage abwarten, UIII die Wirkung vollstiindig werden zu lassen. Danu iiffnet inan die Flascheo,
jagt das Chlor~vasserstoflsYure-Gas mittelst eines Blasebalgs liiiiaus, bringt ein wenig Wasser nebst einer betr9chtlichen Anzalil von Glasstucken hinein , sucht durcli
Schiitteln die Substanz von den Wiindcn abzulssen, und
giekt diese nun zur hbsonderung von den (;lasstucken
in eiiie Schale. Man zerdriickt sie mit eineni %be, wiischt
sic inehrrnals auf eiiiem Filtruin, bis das Waschwasscr
nicht mchr das Lacliiuus ralhet und salzsaures Silber
nicht inchr fallt. Das Waschwasser wird zur nachherigeii Benutzung einstwcileii bei Seite gesctzt.
Die so gervaschene Substanz muls zwisclicn Joscplispa-
445
papier ausgedriiclit und geliude envzrmt iverden, bis sie
vijllig trocken und zu eineni weifsen Pulver zerfnllen ist.
K u n bririgt inan sic in cine kleinc Retorte und erliitzt sie,
his sie scll~iiilztrind siedct; sic dcstillirt in Gestalt einer
fai.blosen, tlurcllsiclrtigeri FlussiSkcit, uiid krystallisirt iln
Zlalse der Hetorte oder in dein l\ecipicnten, welcheri man
niittelst feuchlcr Leinwand soi.gfiiltig kalt erhAt. Um sie
rcclrt rein zu eihaltcn, muEs inan sic abermnls destilliren.
Wenn die angewandten Substanzcn W a s s c r entbalten, so bckoiiiuit inan, wie schon gcsagt, statt der Chlorwasserstoffssurc rind des D o p l ~ l-tChlorcyans, clilonrasserstoffsnures tud cyan,vasserstoffjairres Ainnioniali und
Iiolilci~siirire.
hucli wenn die Cyan~vasserstoff.jiirirein Bezrig auf dis
Clilor in Ucberschufs a i i g e ~antlt ist, 1 s ird dennocli das
Canze absorbirt. Man crhiilt einc melir oder weniger
ziihe und gelbe E’liissiglieit, welche, wenn inan eineri
grofscn Ueberscbufs yo11 C:ynnwasscr~toff~iiol.e,
z. U. das
Doppelte oder giir das Urcifaclie d e r oben aiigcgebenen
Qiiantitlit, genoi~imcnhat, sehr fest, durclisich~ig,und eiiiem
hyazin~hrothcn Laclic iilirilicli 11 ird. M-enn nian abcr
die Flasclie iiffiiet, so gicbt die Substaiiz a n dcr Luft
ihre iiberschussige Cyaiiwosscr~toff~~ure
iiiit eiiier Art
\-on Sietleii nL; sic wird weirs untl gclit in DoppeltChlorcjan iibur. Dick letztcre bcwiikt man auch, wen11
uinn in die Flxcbe, welche die zjihe oder starrc Substanz cntli~ilt, C:lilor hineinleitct uiid sic vcrschliefst. Die
Absorpliou des Chlors, die 1angs;ini geschielit, ergiinzt,
was der Vei biiidiiiig fehlt , uui Lbppclt - Clilorcjaii zu
SCJU.
Selzt man cine Flasche, \relche scliwacli befeuchtctes Cjaiiquccksilber uiid eiiieu U c b e r s c l d s 311 Clilor
enthiilt, dcn Sonncnstrahlen airs, so biltlet sicli ebcnfalls
I)oppelt - C h l o r c p i . Durch .4ufliisung des zrigleich entstandenen Dopl)elt- Chlo~quccbsilLei~s
in W a s s e r , crhiilt
man das Boppelt - Clilorcyan isolirt. Diefs ’C-erfahren ist
Annal. d. Pliysik. B.90.St.3. J. 1&28. St. 11.
Ff
446
etwas unsicher, denn es giebt verschiedenc Producte, da
iiinii init dciii Wasser nicht iiber die Umstinde gebietcn
kniiii , wclclie bestandig und alleinig Doppelt-Chlorcynn
zu geben veriniigen.
Bringt inan Clvan.crasserstoffslirire mit dein Dreifachen
ilires Gewichts a11 Brom ztisainmen, so erlidt man eiric
starre Verbindung yon Broiii und Cyan, welche VOII dcr,
die icli vor einiger Zcit ketinen gelelirt habe *), verschieden
ist. Ilicse letztere, welche einen Mausegerucli besitzt,
ist wahrscheinlicli dein Doppclt- Clilorcyan analog.
U;is Doppelt - Clilorcyan, welches, wie angcgeheo,
gcwnscheii, gut getrochnct und dararif destillirt w i d e n
ist, besilzt eiiic gl~ilizeiitl \I cifse Farbe, krjsta1lisii.t in
Satlclii, riecht stcclieiitl iind erregt l'lirhen, besoiidcrs
bei Erwiii~mung. Scin Gerucli hat eiiiige Aehnlichkeit
luit dein des Chlors, allcin die Aehnlichlieit mit dem nach
bIiiuseil ist selir auffallcnd. Seiii Geschiiiacli ist stechend,
aber wegen der gciiiigeii Liislichbcit nur scliwach, und
erinnert an den Gerlich. Sein specilisclies Gewicht ist
unsefAlir 1,320;sein Schuiclzpunlit bei 140" C, und sein
Sidepunlit bei 190° C.
- N c h t destillirt, i n einer Flasche aufbewahrt, stijlst
es, wenn man die E'lasclie nach einigcr Zeit iiffnet, Ujiinpfe
voii (;lilor~vasserstoffs~~ire
aus ; diek m f s voii der allniiiligen Zerlegung eincr gewissen, nocli in ihm enthalteneu Meiige Wasser hcn~iiliren**).
Das Doppelt - Clilorcyan, wclclies uns ein neues Beispiel von eiiiciii atis zwci Gasen cntstandcuen starren
K;iirper giebt , ist in lialteui kyasser wenig liislich, aber
stiii-ber in wnrnien, wohci es sich bald zersclzt. hlholiol
') Dies. Ann. Bd. 85. S. 343.
'*) Im Falle das Doppelt- Clilorcyan bei der crsten Austrocknung
zum l l t e i l auf da3 W a s s e r wirkt, und bri nacllhcriger Destillatioii, w i e es such geschehen murs , sich in Clrlorwossers t ( J f L u r e und Cyanssure r e r w a n d c l t , gelrt die Clrlorwasscratolkiure zurrst iiber, und die Cyansjure, welclre nrelir aIs
350' C. zur Subliin.ition .erlbrdert, blcibt ruriick; das DopprltClilorcIan, wclcher bci 190' C. sicdct, sondcrt rich dsvon ab.
447
und Aether Itisen es gut; d u d Wasser wird es ac1:
diesen Lasungen niedcrgeschlagen.
LPngere Zeit bei gewbhnlicher Temperatur mit Wasser in Beriihrung gelassen, zersetzt es dasselbe langsam, und
dieses wird dabei immer mehr und mehr sauer. Durch
ein nicht gar langes Sieden verschwindet das DoppeltChlorcyan glnzlich ; es findet dabei keine Gasentwicklung statt, sondern Bildung von Chlo~~asserstoffsaure
und CyansSure, welche letztere in diesem FalIe aus
1 Atome Cyan und 2 Atomen Sauerstoff bestehen mufs.
Das Doppelt - Chlorcyan wirlit auf das thierische Leben sehr tiidtlich; ein Grail desselben, in Alkohol geliist,
einem Kaninchen in den Schlund gebracht, tiidtete dieses augenblichlich. 30 Grammeu Wasscr , worin man
einen Gran Doppelt - Chlorcyan eingerulirt hatte, wurden
zu Absonderung des griifseren nicht gelbsten Theils filtrirt; dieses Wasser tiidtete ein anderes Kaninchen, dem
man es eingegeben hatte, innerhalb 2.5 Minuten.
Die wafsrige Losung des Doppelt - Chlorcyans, mit
Kali behandelt, giebt, nacli Verdampfiing, einen salinischen
Ruckstand von Chlorkalium und cyansaurem Kali. Diese
Salze sind durch Krystallisation leicht von einander ZLI
trennen, da das cyansaure Kali vie1 weniger lbslich ist,
als das Chlorkalium.
W e n n man die nzmliche Liisung, welche ein Gemenge von Chlorwasserstoffslure und CyansSure ist, mit
salpetersaureiii SiIberorryd behandelt , SO bildet sich ein
Niederschlag von Cblorsilber, und das cyansaure Silber
bleibt , wegen der freigewordenen Salpeterszure, griifstentheils aufgeliist. W e n n man aber die Fliissigkeit vorsiclitig mit Ammoniak neutralisirt, SO schlagt sich das
qansaure Salz nieder, und wenn man einen groken
Ueberschufs von Ammoniak hinzusetzt , so wird dasselbe
zersetzt, indem sich cyansaures Ammoniak bildet und das
Silberoxyd in dem iiberschiissigen Ammoniak gelost bleibt.
Das Kaliuin verbindet sich zieinlich rasch mit dem
Ff 2
448
Doppelt -Chlorcyan. Mischt mail diese beidrn SubstanZen in cincm Glasrohre ziisamiiieii, so tritt eine Entziindung ein, und es hilden sich Chlorkalium und Cyanhaliuin.
Bas letztere giebt sich durcli das Berlinerblan
zu erkennen , welches auf Zusatz von schwefelsaurcm
Eisenoxydul und einer Siiure entsteht ; das erstere hillgegen durch den Niednrschlag, melchen Ealpetcrsaures
Silberovyd her%-orbringt.
Uin das VerliGltnifs der Eestandtheile des DoppeltChlorcpns zu erfahren, wurdc dieses in mehreren Versriclien tlieils durch Alltalien, theils durch Iiupferoxj-d
zersctzt.
1. Vcrszrch 0,I Grin. in concentrirter Losong niit
kaustischein Kali beliandelt wid daraiif uiit einein TJeberschufs voii SalpetersZure erhifzt, gab, niit salpetersaurein
Silberoxpd: Chlorsilber =0,308 Grm. =0,07520 Grin.
Chlor.
Die Rechnuiig giebt, in der Annahine von 2 Atomen Chlor: Chlorsilber =0,298 Grrn. =0,07346 Grm.
Chlor.
2. Yersuch. 0,15 Grm. auf gleiche Weise behandelt, lieferten: Chlorsilber =0,417 Grm. =0,1103 Gnu.
Chlor. Die Rechnung giebt sehr genau tlieselben Zahlen.
Ein dritter Versuch liefertc gleiche Kesultate.
Rei dem ersten Versiiche riihrt der Genichtsiibersrh& von etwas Kieselerde her, welche das K a 1'1 nus
den zur Erhitziing gebraiichten Schalen aufgenomrnen hatte.
Bei den. iibrigeii Versuclien worde das erhaltene Chlorsilber , nachdein es gew aschen worden, iederim in Ammoniak aufgeliist, und nochdem die Liisung einige Zcit
Terdampft worden, von Keueni in Salpetersaure geliist,
darauf gewaschen und gctroclinct, bis es nichts mchr an
Gewicht verlor, wie bei dem ersten Versiich.
4. Yersuch. 0,530 Grrn. mit einem sehr grofsc TJeberschufs von Ainruoniak in einein langhalsigen Kolben war111
behandeIt, und darauf mit salpeteisaurein Silberoxyd und
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SalI)etersfure, gabeii: Clilorsilber =1,520 Grm. =0,3747
Gramrnen Cltlor. Es hitte liefern miissen: 1,5915 G r u .
Chlorsilber =0,3908 Grm. Chlor.
. ~ Ivurden
s
nun auf die gewiihtiliche W e i s e zwei
Zerleguiigen iiiitcriioiiiineii , iind dabci das Kiipferosyd
litit IiitpfcrspSlincn geniisclit, von dcnen auch nocli eiiic
klciiie Siiitle lioch darnuf gcschiittct wiirde. 0,l Grammt
\velchcs bei jedem dicser Vcrsuclic angewandt wurde, gab
utiter sen iilinlichcm DIiicli und bei gewiihnliclicr Temp era t ur :
I
1. Versucli.
I
3. Versuch.
Kolt IensZure
O'".,O3O17
O"'.,O3ON
Stickgas
0 ,01202
0 ,01320.
Dicsc (;astuenpn n-urden gcfuntlen durch die voin
Knli ycrscliluclitcn \-alumina, iincl durcli Bercchnung der
Uittcrscliictlc i i i i Drucli i i n t l i n tlcr Tetitpctatur, welche
,v!.l
,I it .eiitl clcr Vcrsitclie leobaclitct w o r h waren.
Die l'tecltnuiiy gicbt:
Kolilcns~iure
0"'.,0126
SIicLgos
0 ,OL IS.
Hieinit .rerglichen, zeigt die hnnl>sc durch Kupferosj-d zicinlich l~etr~iclitliclte
Vcrscliicdciilieitcii in der Mcnge
tler Koltlcitsiiure uiitl tlcs SIickgascs; nllciii cs i t . i i ~ s t e ~ ~
sich Iiiebci inehrcre Fi!ltlertluclIeti ciiilintlcn. I'iitcr andern land eiiic I-rzcttgrrng voii .EiiI1)cIl,igsatueinGnsc
r d h f ) s h t l , die sicli, titigc;iclitct tlct. belrliclitlichcii
nIensc \ O I L Kupfcrosj-tl untl ~ul)I't.rsl)iilittcii,tiie dns (:as
zii durclisti~ciclicii Itiitte, nidit rcrliiittlcrti l i e k
Diefs
Ycrfahrcn I\ iitdc also nicht sestntlcii, die \-crltiilInisse zii
be re (:It ne 11 , w cii 11 ni cli t tl ie s u cccst:i v c TI el t an d I u ii s d es
Ihppclt - (:ltlorcpis uiit kniistisclicni L l i i t n t l snlpetcrsaurc~iiSilberosjtl gczcligt hiittc, dids tlariii wirlilich zwei
A I O l l l C (1Llor Yol~lrantlcll \\ 'Ircn.
:'
Die l\ccIiitrtns gitiht fiir jcdcs Cratnm dieses drtrcli
Kupfcro\ytl zcdeg~ctiKiirpers, i i i tlcr AnnaLtne, t l ; i I i e r
aus 1 h t o m e Cyan und 2 Atotnen Ctilor zusamnengesctzt sey:
450
Volumen.
Gewicht.
Kohlensaure 0,02260 =Kohlenstoff
Stickgas
0,01133 =Stickstoff
0,01225
0,01429
Gewicht.
Chlorsilber 0,2980 =Chlor
0,07346
Das Doppelt-Chlorcyan besteht also aus:
Chlor
0,7316 =2 Atomen
Cyan
0,2654 =1 Atom.
11. C y a n s a u r e .
Ehe ich von der Cyansaure spreche, mufs ich kiinlich das in Erinnerung briiigen, was bereits von mehreren Chemikern uber dieselbe gesagt worden ist.
Durch das Studium der Veriinderuiigen, welche das
Cyan in Wasser erleidet, wurde Hr. V a u q u e l i n *)
unter andern zu folgenden Schliissen gefiihrt: 1) dafs
dieser Kiirper das Wasser zersetze, und dafs daraus entstehen: Kohlensaure, Cyanwasserstoffsiiure, einc kohlige Substanz, Ammoniak und eine eigenthiimliche Slure,
fur die er den &men: Cyansiiiire vorschlug, und welche, gemeinschaftlich mit den andern SSuren das Ammoniak szttigend, ein losliches Ammoniaksalz bilde.
2) Dafs die Alkalien eine ahnliche Urnwandlung des
Cyans bewirken, namlich, dafs sie die Bildung von Cyanmasserstoffsaure, Kohlenssure, und mahrscheinlich von
Cyanssure, ferner von kohliger Substanz und Ammoniak
veranlafsen, welches letztere durch die Gegenwart der
iibrigen Alkalien frei werde.
Hr. W o h l e r *+) machte ahnliche Beobachtungen
an einer besondern Saure, die bei Verbindung des Cyaus
init Alkalien gebildet wurde; allein es gelang ihm nicht,
diese S u r e , welche er Cyansiiiire nannte, fur sich darzustellen, da sie sich augenblichlich zersetzte, sobald die
*) Annales de c h i d e et de physique, T. IX. p . 113. et T. XXIL
p. 132.
*') Daselbst T. XX p . 3 3 . (dies. Ann. Bd. 71. S. 95.)
451
Verbindungen, in denen sie entbalten mar, der W i r k u n S
e h e r Siiure ausgesefzt oder mit W a s s e r gekocht wurden.
SplterIiin glaubte Hr. L i e b i g *) bci UntersiicIiiingen fiber die Katur des Knallsilbers und Knallqiiecksilbers, den Satz atifstellen zii kiinneri, dafs diese Vei.biiidiinsen eine starre, in sicdcndein M'nsser sehr liisliche,
und beim Erkalfen daraiis kr~stallisirende Siiiirc cnflialten, weIcIie er Knallsaure IiiiillttC, i i m I wcIcIie, analog
dcr Eiscnblnusliure , aus Cgaii, Sauerstoff und eiiiciii Metallosjd zusammengcsetzt sey, und sich niit aridern Osyden zur Bildiing voii kiiallsaurcn Salzen verbinde.
Kun darauf analysirte dcrselbe Cliciniker gemcinschafilich xnit Hrn. G a y - L u s s a c **) das Ii~iallailber.
Aus den viclcn iriid wichtigen Versiichen, wclche sie anstellten, schlosscn sic, dars diesc Verbindung cine besondere SYure ( h a l l s i i i i r e oder cvansliure) enthalte,
welche aus einein k o i n e C y a n und eimrn Atonic Snuerstoff gebildet , und irnnier mit eiiier gewissen QuanlitZt
cines Metalloxjds rerbunden sey.
Hr. W ii h 1e r ***) beschlhigte sich spiiter abermals
mit diesein Gegenstande. Mit dcln h a m e n Cyansaure
bezeichncte e r die Sliure, welchc e r mit Iiali vcrbundcn
erhielt, als e r ein Geinenge von Cyan-Eisen-Kaliuiu und
Manganhyperoxyd , iiiit den von ihrn angezeigtcn Vorsichtsmafsregeln, erhitzte. Er bctrachtete diese SYure, die
e r ebenfalls nicht isolirte, nach der rnit ihren Verbiiitlungen angcsteIIten Analyse, als zusaIii~nengesctztaus eiiiern
Atome Cyan und einern Atomc Sauerstoff.
Uei Wiedcrholung dieses lctzteren Versuches fand
Elr. L i c b i g t ) , dafs die CyansGure des Hrn. W i i l i l e r
wenigcr Sauerstoff enthalte, nlimlicli 3 Atolue Saucrstoff
') Annales de clrim. et dc ph2s. T.XXIY. p . 294. (dies. Ann.
Bd. i5. S. 393.)
**) Daselbst T.XXF'. p . 285. (dies. Ann. BJ. 77. S. 87.)
*'*) Dsrclbst T. X-YF'I?. p . 196. (dies. Ann. Bd. 7 .S. 11'7.)
4-1 Daselbst T.,YX,rI. p. 334.
452
auf 2 Atomen Cyan, und d a t man sie daher als cyanichte Siiirre bctrachten mufse *).
Endlicli hat Hr. TVij 11 1 e r a+), drirch Verbindung
seiner Cyanslitire mit hminoniak, I-Inmstolf eizeugt, tler
niit dcm, welchen man aus dein Harne erhlilt, g a ~ z
idcntisch ist.
Dicse kurze Auscinandersetzung zeigt, dafs dic Cyan.) H r . S e r u l l a s sclieint
das E n d e d c r v o n ilim so e b e n aus d e n
d r i n u k s de chimic et dr plrysiyrrr citirten S t e l l c iiberschen zu
Iraben.
l i r . Dr. W i ; I r l e r l i n t , w a s frcilicti' d o r t niir nngedeu-
t e t w o r d e n i s t , d i e E i n w i i r f e gcgcn die von ilim geniarlite AnaIjse d e r C y a n s j u r c durcli nbcriiialige Vtrsiiclie vollkoninien Leseitigt ( M a r l sche dies. Airin. n d . 81. S. 3 5 . ) ; iind w e n n aiicli
diese S i u r e j e t z t , n a c h d e m wir durcli 1Irn. S e r u l l a s r r i i r e i i i t l r
Iii;lieren O x j d a t i o n s s t u l e des Cyans belianut g e w o r d r n siiitl, cyaliiclite S i u r c genannt w e r d c n riiurs, so erleidct dcnnoclr die voni
Dr. 7vT'iiIi I e r a l l r b c s t c l l t c Ziisanirncnsctziiri; clcrselben dadurcli
Leincn E i n l r a g , in, (;egcntIiciI c r l ~ r i g t sic dirrch d a s V o r h a n d e n s c y n z w e i r r d r n Leiglen C y a n - S i u r c n enlspreclicri(lcn Cyan-Cliloriden n u r nocti einvn Iiiilicren G r a d v o ~ i%ii\erlii,sigkeit. L'cbcrdiefs lint sicli 1Ir. l'roress. L i e b i g sp:itcrliiii scltiht yon d e r
Riclitigkcit der \ o m D r . W ii Ii 1 c r a n g r g c b r r r e i i Ziibariiriii.n~etziin~
iiberzeugt ( S c l i w e i g g . J o u r n . nd. 48. S. 376.). Sclir wiins c b e n s w e r t h w 5 r e cs, w e n n d i e au~gei.eicl~riereii
Claeniihcr, d e n e n
w i r d i e n s h e r c Kenntnirs d c r I i n a l l G u r c v.crdaieihen, sicli vci.:iii1aTst 1iilalt:n durclr n e u e Versuclie zu eiitscliriden, o b w i r kiinttigliin a u c h diese S i u r e 01s cyaniclite SIiiri.1: 7.11 bctreclttcn Ilabcn,
w i e es d i e ncsultate i h r e r 'l'riilrcren Uiitcrsuchungen niit sirli
b r i n g e n wiirden.
D i e Tlcst;itigiiiig w 5 r e urn S O wiclitigrr, 21s
scit(1c.m b e i den r u n H r n . F a r a J a y und I I r n . S e r u l l a s dargestellten Jodverbindiingen (dies. Ann. Bd. 81.
325.) d i e Vcrsclaictlcuhcit ilirer clieinisrlien Zusairimensetrung e r w i r s e n ist
(clics. . i n n . Bd. 87. S. 16.1.). rind w i r a l s o n u r nocli arri Z i n n o x y i l , u n d , wenii die hiiJ1jst.n rirliti; sincl, a m 1)oppclt -KoIileuwasserstol'f (dies. 'inn. Lid. S l . S. 324.) Ucispiclc von solcllcr Vcrsrliicdcnli~.it in d c n I:igcnscll.irtcu bci GIcicIbIteit dcr
s.
Zu~nrriineosetrun(;besitren wiirdcii.
6.
) .4nn. dr rh'm. rt de phyu..
Bd. 88. S. 233.)
T.XXXYIZ. p. 33. (diec.
P.
And.
453
ssure, welche ich keiincn lehren wcrde, in iliren Verb i n d u g e n nicht gleicbe Eigenscliaften uiit dcr besitzt,
5, elche die aiigefiilirten Chcmilrcr untersucht liaben, iind
dafs es noth~rcndigiiiclircrc Vcrbititluii~c~ii
yon (:Jan und
&tierstoff geben iiiiik, dcren zu bewegliclie Ucschaffenheit vicllcicht die Isolirriiig dcrselbeii iiiclit erlaubt.
Rlnii liat vorhiu gcsclien, dais riiiter den chnrakteristisclieu Eigeiischnlten des l h p p c l t - Clilorcpns cine d e r
merliwurdigsten die ist, dnfs es dns Wasser zerlcgt, und
dabei C:lilortrakscr8tofrs~iure und Cjansliurc herror.bringt.
Allcs, w a s wir LiSlier iibcr die Cjansztire \\ul'steii,
IniiCste glnuben Iiisseii, clafs ilirc Ziisainiiiensctzul,,niIi~
selir
locker sc:, und sic niir in VcrbiiidaiiScn bestclieii k6iine.
Snclidciii icli nbcr ilirc Kildiiiig iiiitcr tleii aiigefiilirten,
bishcr unhckanntcii Viiistiiiidcii beobacbtet hatte, war es
nnturlicli, dais icli versiiclite, sic von dcr beigcinengteii
C:lilor\\nsscrstoTf~~i~irc
zii treiiricii.
Die Eiii\\~irkuiigeiiier
1%-asscrstolfsiiurc auf einc Saucrstoffsiiurc befiirclitencl,
wngte icli aiiCiii$icli iiiclit, sic abzudainpfcn, iind icli
suclite dnher sic in einer Vcrbindiiiig zii bekoininen, indcm ich, wie voidiin, bei dcr Einwirkung dcs M i ' s auf
<]as l)oppelt - C l i l o r c p n , die Ylussigkcit iiiit vcidiicdeneii k e n sittigte. L)er Erfolg inciiier ersteii Versuclie,
welclie mir zwci wohl clinralitcrisirtc Salze zeigten , lids
midi lioffen, dnk die Eleiiiciite dicscr S u r e fester, wie
mail m v o r gcglnubt , init cinniitler vcrbnntlen sc-jen. Icli
wiirdc hicriii tlurcli die Ucobiiclitung bestiirht, dafs das
ncutralc \\ie clas siwre I;alisnlz v ciiig liisliclr war.
Als ich die 'l'eiitlcnz clcr C:jans;iiirc, eiii satires iind
w w i g lijsliclies S d z zii gebon, l)ciiierhte, ging icli weitcr,
und sclilol's, dilfs sic i n ilirciii freieii Zustandc starr s e y i
iniissc. 1)enn seit 1;tnScr Zcit Iiabc icli die Meiiiiing gclicgt. dafs nur dicjcniscii Siiireri solclic stabile saure
h l z c . y i e clic v einstciiisarirca , osnlsairrcii. pliosphorsaurcn und jodsauren liilden liiinnen, wclchc fhhig siiid eine
454
Form anzunehmen. Das Kali bildet rnit der JodEliUre ein saures Salz, welches ich beschrieben habe *).
Uiese meine Vermuthung hat sich nun vollkommen bestatigt.
Die Cyansaure ist starr, sehr weirs, und krystallisirt , aiu concentrirten Losungen, in glanzenden , durchsichtigen ahomben, bei Sublimation aber, in zarten Nndeln. Obgleich sie wenig liislich, und deshalb ohne recht
bezeichnenden Geschmack ist, so riithet sie dcnnoch das
Lackmuspapier, und zwar ziemlich stark, wenn die Liisung heirs und concentrirt ist Ihre Dichte ist ein w n i g
geriiiger als die der Schwefelsaure, da sie in dieser
scliwirnmen bleibt, aber darin zu Boden f ~ l l t , sobald
dieselbe nur ein wenig verdiinnt i s t
Sie verfluchtigt sich ein nenig uber dem Siedepiinkt
des Quccksilbers; stiirker erhitzt, n i r d ein Theil unter
Abscheidung von Kohle zersetzt. Wenn sie niclit recht
trocken gewesen ist, bilden sich Ammoniak und Iiolllensaure, in Quantitaten, die der vorhanden gewcseneo
Feuchtigkeit entsprechen.
Salpeters%ire hat nicht die gcringste Wirkung n i i f
die Cyansaure, weder in der Kzlte, noch in dcr Wsrine;
doch lost sie in der Warme dieselbe auf. Siedet m a n
die Liisung zwei oder drci Mal, bis die Salpeterssure
gznzlich verdampft ist, mas ohne Entwicklung von salpetrichter Saure geschicht, so bleibt die Cpnsiiure ohne
die geringste Veriindcrung, vollkoininenen in setw weifsen
Blsttchen krystallisirt, zuruck.
Eben 60 liist sie sich beim Kochen in concentrirter
Sch\vefelsaure, imd es wird dahei weder schwcfligsaurcs
noch sonst ein Gas entwickelt, noch Kohle abgeschieden ; die Schwefelsaure bleibt fnrblos, und liifst, bci Verdiinnung mit einer gewissen Mciige Wasser, die Cyan4 u r e fallen.
stnrre
*) Annul. de chim. el de phys.
T.X.rfZ. p . 1i9.
455
Diese beidcn Versuche sind als Proben von der
Stabilitvt der Cyansaure recht merkwiirdig.
Mit K a l i m in Beriihrung gebracht, bildet sie Kali
und Cyankalium , welches letztere, wit schwefelsaurcm
Eisen und einer SYure, Berlinerblau gicbt.
Die Cyansiiure vcrbindet sich mit Basen, und giebt
mit ihnen Salze, von dencn einige durch ihre Krystallform und chemischen Eigenschaften vollkommeii charakterisirt sind.
Auf das thierische Leben schcint sie keiuc hervorstechende Wirkung auszuiiben; denn ein Kaninchcn, dem
ein oder zwei Gran mit etwas Wasscr angeriihrt in den
Schlund gebracht worden, erlitt keine bemerkenswerihen
Zu fi 1le.
Man erhiilt die CyansYure dadurch, d a k inan das
1)oppelt -Chlorcyan mit vielem Wasser einem gelinden
Sieden untentirlt. Ija sich cin Theil dcsselben, For seiner Vcrwandlung in Clilor~\.asserstoffs~urcuritl Cyans h r e , wit den Wasscrtliiinpfen verlluchtigt, SO mufs man, ziir
Verdichtung und Zuruckfliefsung des etwa Verfliichtigten,
einen Kolben niit lnngem Hake anwenden, uiid ihn oft
umschutteln, bis das Chlorcynn und der ihm eigene Geruch gsnzlich verschwunden sind. Die Flussigkeit , welche alsdann nur eiii Gemenge von Chlor~~asserstoffsiiure
und Cyansiiiire ist, wird in eiuer l’orcellanscliale laogsam bis zur Trocliiie vcrdalnpft, um deli griiGercn Theil
der Chlorwasserstoffsliure auszutreiben. Von den ersten
Augenblicken der Verdainpfung an, krJstallisirt die C p n saure mitten in der ClilorwasserslolfsEure. Um die letzten hnthcile von C:lilor\\asserstoff~aure forlzuschnffen,
wzscht man nun die Cyansaure wiederliolt auf eincm Filtruiu nus, und zwar jedes iVal mit ciuer geringen Menge
kaltcn Wassers, bis das W-aschrsasser mit snlpetersaiirem
Silber nur noch eineil geringen Bicderschlag Sicbt, der
in Salpetersaure ldslich &d in Aminoniak iinliislich ist,
von einem IJeberschufs des letztcrn aber vermelirt w i d .
456
Man last niin die Cyansaure durcli Ermlrniung aberinals inWasscr, filtrirt und verdampft bis zu eincrn gemissen
Puiikt, wo sich dann dicselbe beim Erliallen in Gestalt
klcincr durchsichtiger, sehr reiner, rhomboidaler Krystalle absclieiden.
Man hiitte anlsnglich diesen krystallinischen Kiirper,
\vclclier sich inittcii in der Chlors~nsserstoffsiurcbildete,
fur clilor~vasscrs~off~sures
, oder vielmehr, wcycn seiner
griikeren UiiIi)slichkcit, fur cyansaures hmmoniali Iialtcn
kiiunen ; allein die Vcrsuchc, welclic ich init dciiisclbeli
anstcllte, bewicsen, dafs cr wirklich rcinc C j a n s i u r c war,
vorausgesclzt, dafs iuan die Verdainpfung iiicht zii weit
gctriebcii Iiatte, dcnn alsdann bildeten sich die Productc,
wclclic, wic gcsngt, durcli starhe Erhitzung iind bei Gcgcuirart von W:asser aus seiner Zcrsctzung. hervorgchcn.
Aus ilirer Verbindung iuit Biiryt kanu iuan dic Cyans h - e absclieideii, weon inaii den c p u s a u r c n h r j t init
Schivefclsaure behandclt, \vie bci anderll S i u r e n iiblicli ist.
Das ziiiii hussufseu dcs Doppelt - Chlorcyniis gebranclite Wasser, welclies vorliin bei Seite gesetzt warden ist, e n M t Chlorn.asscrstoffsliiirc, C:yansiurc, ctwas
Doppelt - Clilorcyan und cineu gclben iiligen Kiirper,
wnhrschcinlicli denselben, init deui wir uns weiterhin bcscliiiftigcn werden. Uicses 1Vasser mufs ninn zur Trockne
vcrdunsteo. D c r gclbliche Riickstaud, welcher Cjanszure,
rerunreinigt mit dic:cr gclben fcttcn Materie, ist, niufs
mit starkein Alkoliol geliiidc erwiirmt werden; dicser liist
die Cirbeiide Materie auf, oline dic C j a n s i u r e anzugreifen, welche man darauf uiit eirier gesvissen Wciige \Yassers erhitzt und sicdeiid filtrirt.
Diese Cyansiiure ist, obglcich in wohl ausgcbildclen
prisinatischcn Krystallen angeschosscn , deniioch g,elblicli ;
nllciu wegcii ilircr, schon erw~ilintcu, grofsen Stabilitiit,
braucht man sic nur z w i bis drei Male wit Salpetersiiure
zii kochen, urn sie viillig zu entfirben. Mali dampft sie
nun, bis zur $nzlichen T’erjagung der Salpctershre, vor-
457
jchtig zur Trocknc, likt sic in warmen Wasser und filtrirt, M O dam die entstehenden Krystalle ihre friihere
rhoinboidalc Gestalt wieder annehmen. Diek ist (]as
beslc Verlnhren; inan ; \ a m es aber aucL geradezu, ohnc
An~renchngyon ,41kohoI, bcfolgen.
Dic Aoalyse der Cjanszure hat das alis der Zusainmensetzung des Doppelt -Chlorcyans vcmuthete Bestaiidth~iJsvcrlilillni~s
derselben in aller Slrenge bestzligt.
0,1 (;nu. Cyaiisaurc, in dem iibliclien Apparate mit
Kupferosld uiid Kupfersplihncn belial;dclt, gaben, nnc11
Rcdriction der Temperatur auf 0' C. und des Uruclis
auf 0'",76:
I. Versuch. 2.
I
I
Versuch. lm>
~i~,~l.
K.ohlcns:jurc, Cubikccntimckr 5+1;20
W,.! 5 3 3 )
Stichgas
2'i,00 I 26,2
26,65
Der Rechoung nach wiirde man habcn:
53,20 Vol.
KolileiisZure
26,60
Sticligas
Worin enthalteii:
Kohlenstoff
0,02556 Gewichtstheile
St icksio Cf
0,03330
Sauerstoff
O,O3S11
1,00000.
Dcninscli bestelit dic Cj-aiis:iwc aus:
Cpn
0,61S9 = I Atom
Saiicrstoff
0,3511 =2 Atome +)
1,0000.
') Kach den neucrlicli r o n B e r z e l i u s a n g c o o m m e n e n , iind in
dies. r\nn. Ud. 66. 5. 339. mitgeilrcilten Aiorncngewieliten, wsre
dic Zusarnnicnrcirung:
Jcs
~)c,pprIt-CIiIorcjaos = 3 S C + - t C I i
a l s o d;e d c r Cjans2ul.c
Ferut-r:
= 2 s c+2 0.
c I i c d c s E i n f . ~ c l i - C l i I o r c ~=
~n
2~S C+? CIi
u n d d i c dcr cyJnichten S.iurc
= ' Z S C + l 0,
I)ic c ! a i i ~ c t i t e S . ; u r e w i i i d e a l s o , w i e e.c a u c h wirklicl, d z r
Fall z u s e r o scheint, ehun so mittelst \ ~ r s s e r r e r s e t z u u g aus dern
458
Aus dem Obigen gcht hervor, dafs das Cblorcyan
auf das Wasser eine abnliche Wirkung hat wie die iibrigen Chloriire, die Jodiire und Bromiire; dafs dassclbe
sich durch Wassenersetzung in Chlorwasserstoffsaure und
CyansSure umwandelt, und dafs die letztere S u r e , w g c n
ihrcr geringeren Fluchtigkeit und sehr grofsen Festigkeit,
durch Verdampfimg, von der ersten sehr fliichtigen Saure
getrennt werden kann.
Diese unrnittelbarc Trennung der Chlowasserstoffs k r e und Cyansgure bestGtigt , meiner Meinung nach,
auf's Keiie die Atisicht dcs Hrn. G a y - L u s s a c , dafs die
Liisuiig des Chlojods als ein Geiuenge von Chlomasserstolfszure und Jodssure zu betrachtcn sey, und widerlcgt die Ansicht des Hrn. D a v y , dafs diese Cmwandlung erst bci Sjittigung init cinem Alkali durch dessen
Wirkung eintretc. W c n n illan aus der Liisung des Clilorjods in Wasscr kciiie Jodsliure erhalten kanii, so rhhrt
diefs daher, d a k sich die Jodsliure iind Clilorwasserstoifsiiure in der \Wirmc wiedcrum gegcnseitig zersetzen.
Ich eriiinere noch bei dicser Gelcgenheit, dafs ich
schon einen Beweis zu Gunsten der Meiiiung des I I r n
G a p - L u s s a c angab, als ich sagte, dak die alkoholische
Liisung des Chlojods die Eigenschaft besitze, bei Vermischung mit einer alkoholischen Liisung von Kali in
zwecliin:ifsigcr Menge, augenblicklich saures jodsaures Kali
zii gebeii *).
Die Entdeckung des Doppelt-Chlorcyans wird, aufser
dein Interesse, welches sie fur sicli darbictet, noch wiclitiger durch die Entdcckung dcr Cynnsiiiire, weil diese
der Chemie eine neue Gattuug von Salzen verscliafft.
Ich habe die CpansYure mit verschicdenen Oxyden
Einfach-Chlorcjan (S. dies. Ann. Bd. 87. S. 87.) entstelien,
w i e die Cyanriure aus dern Doppelt Chlorcyan; ein Un~stand,
der gewirs sehr zu Gunsten der v o m Dr. W ii Ii I e r ausgemittcltrn
Zusarnrnctnsetrung dicser mindcr oxjdirten SSurr spriclit.
P.
-
') Annul. dr chim. #t de physiyuc, T. XXII. p . 179
459
verbundeii, und schon einige ibrer Verbindungen untersucht, wie 2. B. die mit Kali, Baryt, Ammoniak, Silber.
AUe diese Salze verpuffen nicht; dagegen geben sie sammtlich,. mit Kalium behandelt, auf Zusatz von schwefelsaurem Eisen und einer SYure, Berlinerblau, was sie vorher
nicht thaten.
Da die cynnsaoren Salze zahlreich seyn kbnnen, und
ein sorgfGltiges Studiuin verlangen, SO behalte ich sie mir
fur eiric besondcre Abhandlung vor.
Ich beincrke nur, dafs die von mir dargestellten
cyansauren Salze nicht die Kennzeichen dejenigen beEitzen, w e l c h Hr. W ii h 1e r mit diesen Namen belegt
hat. Sie lassen sich aufliisen, durch Sieden abdampfen,
wiedcr aufliisen und mehrinals umkrystallisiren, o h m dabci eine Versnderung zu erlciden.
Die voii inir zuvor erwlhntc Verbindung der Cyanslure mit hmlnoniak bat in ihren Eigenschafren keine
Xehnliclikeit mit der , welche dieser geschickte Clieiniker
bei Verbindung seiner Slure mit demselben Alkali erhalten hat, und melche, was eine recht merkwiirdige Thatsache ist, dem aus den Urin abscheidbaren Harnstoff
durchaus Ihnlich ist.
Ich habe Ouch, wie Hr. L i c b i g , bei der Bereitung
des cyansaiireii Kali’s nach Hrn. W ii b 1er’s Vorschrift,
aiis cinein Gemcnge von Cyan-Eisen-Kalium, und Maiiganhgperoxgd , beinerkt , dafs dieses Gemenge, ebe die
Tculperatur bis zur Rothgluth gesteigert wordcn, wie ein
Pyrophor brennt , und dabei vie1 Aminoniak entwickelt.
Ich habe diese Feucrerscheinung schon frtiher gesehen,
jcdesmal wenn ich Gclegenheit hntle Cyan-Eisen-Kalium
zur Zerstiirulig des Cynneisens zu erhitzen; die geschmolzene Masse erhielt sicli, selbst voin Feuer gcnominen,
sehr lange rothgliihend.
Die Cynnslurc, yon der hier die Rcde ist, unterscheidct sich also, \vie inan geseheii, durch ihre Stabilitzt von
der des Hlrii. M’iililer. Eben so weicht sic yon dieser
460
durch das Verhdtnifs ibrer Bestandtlicilc ab; dcnn dieser Ciiemiker findet die letztere S u r e , zufolgc dcr h a lysen ilirer Verbindungen , zusauimengesetzt ails eiiieiii
Atom Cyan und eincm Atom Saiierstolf, welclies -VerhAtnils irahrscheinlich ciiier wcniger osydirtcn SYurc., dcr
cyanichtcn SGure, entspricht , die viclleiclit mittelst \Vasserzersetzung nus deln (gasigen) Einfach - Clilorcyan dargestellt werden kann.
Da das Salz (cynnt'chlsnures Kale'), welclies ails dcr
Verbinduiig der weniger osydirteii C p i s z u r e niit Knli
cntstelit, in der Sictlhike durch Wasser leicht zersctzt
w i r d , so mufs es 2 Atoinc Ko1ilens:icire und 1 Atom
Amnioniak geben , woraus 1 htoiii kohlcnsaures Aminoniak und 1 Atom kolilcnsaures Kali, odcr 1 Atom Ainmoniak und 1 Atom cloppelt - kohlensaurcs Iinli entspringen.
Hr. W- ii h 1 e r hat diese Uinrvandlung jn
liohlensaures Kali und Aininoniak beststigt gefunden *>;
wshrend die Verbiudung dcs Kali mit der liiilier osydirten Cyansiiure , das cyaiisuure K d , uiitcr gleichcn Uiustanden liohlcnsaures Kali und liolilensaures hinnioniak,
in dcnselben Yerli~llnissen,untI iibertliefs nocli ein Atoin
des lctztereii
Saucrsloff gcbeii lviil.de. L)ic Ent~veicl~ung
wird durch keine Reaction betrieben, und dicCs ist \valirschcinlicli die Ursache , d d s diese Siure der Zersetzurig
widersteht oder eine solche Stabititst besitzt.
III. B e t r a c h t u n g e n i i b e r d i e g e l b e Fliissigkejt,
m e l c h e inan d u r c h E i n w i r k u n g d e s C h l o r s
a u f e i n c Liisiin,o d c s C y a n q u e c l i s i 1 L c r . s u n t e r
dein E i n f l u s s e d e s S o n n e n l i c h t e s crli:ilt *+).
Die Entdeckung ciner ncricn \'erbinclung von CLlor
und C p u mufste Inir nalurlicli deli Getlanken einfliiken,
dafs es yon derselben noch eine andcre Fliissigkeit giibe.
M'enn
*) Ann. de clrirn. r: dr phys. T.XXP-II. p . 197. (dies. Ann. Bd. ii.
s. 117.)
**) RIan rchc dic,e Ann. Bd. 97. S. 94.
P.
4G1
Wenn die obige h a l p e dcs Doppelt. Chlorcyans,
nach zvclcher dasselbe gerade doppelt so vie1 Chlor als
das gasige (Einfach-) Ch!orcyan enthalt, genau ist, so
lsfst sich schwcrlich cine Verbindungsstufe zmischen Jcr
gasigen und sfarren anneliiiicn; obgleich diefs die ge\viihnliche Reilicnfolge bei T‘erbindungcn ist; darnach
wiirdc diesc Pliissigkeit aus 2 Atomcn Cyan und 3 Atomen Chlor bcstchen.
I n d e b bin ich auf die Untersuchung der gelbcn
Fliissigkeit , .rvelche sich i i n Soniienscheiii bei Einwirkung
dcs Chlors niif cine Eiisuns VOII C:j-aiiquecksilber bildet,
zuriicligckommcu ; anfangs gloubte ich , dieselbe sey cine
Vcrbindung von Clilor und C y a n , allein Griinde, die
ich dninals ntilier entwiclielte, bewogcn mich, sie fur ein
Gemenge vou Clilorsticlistoff und Einfnch- Cblorliohlenstoff zu haltcn.
Zufolge der neiicn Untersuchnng , welclie ich angeskllt habe, wird tliese Ansiclit, w e i i i ~niclit giinzIich unigcwan~lclt, docli schr abgeiiridcrt, da icli hci dicser ge‘lbcn Fliissigkeit iuirncr I3geuscliaftcn gcfunden habc, die
schr verschieden sind voii dciien dcr beidcn andern Chlorvcrbiuclimgen des Cyans, unter andern die, dafs es, bei
der geriiigsten Erwiiruiung , augcwbliclilich riel Stickgas,
et\vas Kohleiisiiure , C hlorwassei.stoffsliiire und zrigleich
lhppclt - Chlorbolilcnstoff liefcrt. Die beitlen a,nderii Verbintiiiiigen von CIilor uiid Cyan, die gasflijrrnige und starrc,
lassen sicli dagrren aus dem t\-nsscr, weiiii sic auch lniige
in deinsclben gclast odcr aiifbcn.ahrt worden, zlim gio€sen ‘tticil unvcriin(Ityt wieder absclicitlen. S i i r cin 1,Iciiier ‘l’heil ~ c nniidclt
i
sich, u i e gesast, durch W-nsscrzcrsclzuiig langsaiii und ohlie G a s e i i ! ick~urig
~
in (Jiforwasscrstoffsiiure uud starre Cyansiiure , otler , beilu gasigen
Chlorcjan , wahrschcinlich in cyaniclitc S5ure.
I l a i d e k dicse eelbe E’lussigkeit, iiaclideiii sic zuvor init Knliurn vcrburideu \I orr!cn, aiif Ziisatz voIi schwcfelsnurew Eisenosydul lrnd eiiicr S:iurc Zerliiicrblau u i d ,
Arina1.J. l’liysik. B.9O.Si.3. J. 1623. S t . 11.
G5
46’2
init
Silbcrsalzen, Chlorsilber giebt ; so ist einzusehen.
d& sie Chlorcynn enthlilt, aber geniischt iiiit anderei:
KiZrpern, welche die Eisenschaften desselben auf einc.
sonderbare %Veise abiiiidern.
Man kiiiinte aiinelimen.
dafs es eiii Gcinciige von Chloretickstoff und EinfachCblorkol~lcnstdlwsre, wclches Doppclt-Chlorcyan aufselost enthicltv: clcriii der letztere Kiirpcr liist sich nacli
meiiicn Versriclreii schr gti[ iu dcr gelben Fliissigkeit.
1Jliterdek will ich von einer Eigenschaft dicser g d ben Fliissigkeit rcden, welche ich nenlich aiifgefuudcu
habe, untl cine ilircr ~iici.k~viirtligstcii
ist.
UTeiiii nian kleinc t’ortioneu dicser gelben Fliissigkeit init Kx!iriiii, inillelst cines Glasstabes, ziisaminenkiietet, rind darauf gelinclc erw;iiint, SO tritt cine starlie Verpuffung eiu.
\Venn i n m Kaliuui n u f cinciii I’orzellanscherbeii gelintlc erniirnit, uiid iitiii c i i i i p ‘I’ropftm voil der gelbcn
Fliissigkeit rlarauf hriiigt, SO erfolgt eiiic rtihige Verbi-ttuiiiing init eiiier e;ruiilichweiken Fliriiiiuc.
111 dieaeiii Zustniitle braucht inaii i i w inittelst cines St;rbes cine neue
I’oi’tioii von der gelbeii Yliissigkcit dai~iirt’
211 biingen iind
zu driiclien, iiin soglcictr eiric I)elonatioii lien oi.zurtifeii.
V-ciiii inau den Classtab uiit ciiieiii ycliideii Uruckc auf
dcr Sribstniiz heiwinfiihrt, so erfolpcn fortwiihrcntle Verpriffungeii . i l l i t einer 1 iilhliclicn Fl;iinine, dorjenigcii lihillich, welche bei cler Zcrsclzuiig voii linallsaureii Salzcll
oder .Jotl.;.licl\stoff eutstcheii. M ; i n beiiierlit zusleich, dars
in dcr Liift eiii 11 eilser Kihper, wnhrscheiiilich C:hlorkalitiin, erstarrt, alleiri tliel‘s wird von eineui stechcutlcn (;eructi he$citet , der tlciii cles C:hlorcjaiis ~ilirilich ist.
Diese Eigenschaft dcr gclbeii Fliissiglicit Iijitte ich
z \ \ . ~ I\. 0 1 1 deli1 (:Iilorstichstoff, d c s c n Stabilitlit ich scjlier
i i i t i i p i Yeruiiscliuns mit ChlorkohlcnstoTf zusclirieb, herleitcii Aiinneii ; alltiii tlcnrioch \ cr>i;chtc icli zii crweiseli,
ob i i i der Fliissigl\eit eiii C:lilorcJ.an, oder, in Folge ihrer
4G3
Berfihrung mit Wasser, eine CyansPure oder cyanichte
Siure vorhanden ware.
z u deln Eode, und UUI das etwa entweichende Gas
aufzufangen, braclite ich vier bis fiinf Tropfen yon der
gelben Flussigkeit in eiu durch Quecksilber abgesperrtes
Rohr. Dicse Fliissigkeit hatte ich seit deln Aufang meiner Versuche, d. h. seit lenger als einem J a h r , uiiter
W a s s e r aufbewahrt, und seit d e r Zeit hatte sie bestandig, rvie sic es jetzt noch tliut, Stickgas iiud K ~ h l e n s ~ i n r c
entwickelt, und Chlorkohlenstoff abgesetzt. &achdern die
vier oder fiinf 'I'ropfen dicser so lange bewahrten Fliissigkeit in das Robr gebrnclit waren, steckte ich ein kleiries
Stiiclr Kaliuiu hinein. So \vie beide in Beriihrung kaineu,
wurde augenblicklich einc geringe Mcngc Gas entwiclielt,
was ich cinem etwa nocli vorhandenen geringen Wassergelialt der gclben Fliissigkeit zuschrieb.
S a c h inehrstiiiidiger Iieriihrung, die ich a b untl zu
durch Uinschiittelc nocli zu befiirdern suchte, wollte ich
die K o h l e n s ~ u r e ,die sirh iiieiner Meiniing nach durch
successive Wirliung des Kaliums und eiiier S u r e gcbildet haben mufste, aulsaiiimeln, und brachte daher, iiriiiitir
das Daseyii ciner Cyanverbindung' voraussetzcnd , einigc
l r o p f e n Clilonvasserstoffsaure hinein.
Diese bewirliten eine aberiiialige Gasentwicklung, und als ich diefs
Geincnge nielirinals umschuttelte, zersprang dabei tlas
Robr durch eine beftige Detonation unter meinen Hlinden.
Die gclbe Fliissigkeit (welche, wie ich erinnern mul's,
von Hrn. G a y - L u s s a c, in seiner scbiiiien Arbeit iiber
die C.yan~asserstoffsiiiire,fur cine Vcrbinciung ron Chlor
und Cyan ausgegeben ist), ist k u n nacli ihrer Biltlutig
tlorcbsiclitig; alleiii sic triibt sich bald uud cnt\vjcLclt
eine sehr betrzchtliche Mcnge Gas. \-on der Lijsiiiig, i n
\\clclier sie eritstandeii, getrennt, und, entweder fur sich
odcr mit Chlorcalciuin, einer f)estilIation unterworfta,
Gg 2
464
gcrlith sic bci dcr schm~chstcnEnvSrmung in ein iebhaftcs Sicdcn, ond giebt abeivlals eine sclir grofse Meiige
Gas, bestehcntl atis Stickgas iind nicht voll cincin Viertel
Icwiiure, 1% obei zugleich aiich I ) h i p f e vou Chlorwassersloffs:i~irezuin Vorscliein koiniticn.
Setzt man die Destillatioti so lange fort, bis alles
in c!cii Iiccipienten ubcrgehj, so entwickclt sicli Segen das
Elide fast wetlcr Gas iioch Chlonvassersioff~4iire, id
tlic uberdestillirte k'lirssigkeit setzt beini Erkaltcn cine
1ciyt;illisirtc Materic ab, die noch den ungelnein siechcndcii Gerucli tlcr gelbcn Flksigkeit besitzt ; diesen Geruclr
veidicrt sic aber durch uiclirinaliges husdruchen zwischcn
Joseplisppier, und sic bclialt alsdanu nur noch cinen
iiroiiiatisclicn , dein Cauiplicr :ilinliclieii Geruch.
\\-cnii inan die bci eits tleslillirte tind farbIose Flussigbeit , naclidcin sic tlic lirjstailisirtc Substniiz abgesctzt
11i11, alcruinls deslillirt, so erliiilt man keiu Gas mclir,
soiideiu wicderiiui eine hrystallisirte Siibsiaiiz, ~velclie
i n x i , wic die erste, durcli gelintlc Erniirniutig in der
Flussigkcit, aus welclrcr sie sich abgcsetzt hat, aufliiscn
uliit durcli Abliuhleii von neuetn aus dcrselben Leraus
lirpstnllisireii lassen kaiiii *).
W i r d die gelbe €liissigkeit, vor odcr nach der Dcslillatioii, niit r~mtiioiiiahtlussiglceit 0de.r knusliscliem Kali
hliaiidclt, SO zersetzt sic sich allindig, iiiid es blcibt
eine unliislichc Substanz z u r u c l , welche noch etwas von
dcr steclieiidcn Pliissislieit zuriickbelidt, aber, iiacli . h s prex~cii zccisclicii Jo$ephspapier, diescii ~[echentlcn(;eruch vcrlicrt, uiitl daiiii iiur nocli n i e Caiiiphcr riecht.
l h l l i c l i giebt die Fliissighcit , sic iiing liun noch
gelb, odcr durch Destillatiou entfiirbt urid dabei ihres
') DIi-se 1 i r ~ s t ; t I l cg c l w ~ , w i c die dcr n o p p e l t - Clllorcyanr,
LU-
w'cilcn Lei \'cieinigcn: mit Kalium hloiirc E'uliuiriationen; Jiefs
kairn, bei d e n e n t e r e n , d a w n hcrrulrren. dafr sic m ; t eiricr
k l c i n e n ;\Tcubc d c r iingerncin stark w r p f f c r i d e i i Fliirsigkcit durciirogeo geblicbeii h i l i d .
465
Ueberschiisses von der krystallisirteu Substanz, welchcn
Fie nicllt ttiehr aofgcIi)st lialten kann, beraubt worden
seyn, bei Ikrulirutig tiiit KaIiutn cine Verbindun;, welclie
(lurch Druck otler ErwSrinung mit der griilstcn Iieftip
h i t verpiifft.
Uie Licraus zii zichenden Sclilussc sind folgendc:
I)ic gclbe Fliissigkcit, welclic iiiiin imter dcin Fintlufs tlcs Sonitcnlichts cliirch Eiiwirhtiiis dcs Clilors aiif
cine L i i s i i i i ~yon Cyanquecclisilber crhiilt , ist, nniiiittcllnr
nacli ihrcr liildung, cine Vereiiiigung \-on Chlorstichstoff,
einem flussigcn Cltlorcpan, und c h i n aiifgclusteii Doppelt- Clilorhoh1cnsioff.f.
D e r Chlol.stickstoff zcrsetzt sicli lciclit, und, \vegeit
seiiicr Vereinigiing mit Chlorkolilcnstoff utid C:hlorcyan,
oline Dctonlrtioit, iind es entstchen in Foljic ditser Zcisetzung, tlcr dcs Wasscrs uiitl walirschcinlicli nucli dcr
eiiicr grofsen Menge yon fliissigcin Clilorcj-an: Clilorrvasserstoffs:iure, Sticlistoff untl iiohleus~iure. Uie unscincin
grolse Eneugung voii Stickgas in Ileziig auf dic d w Kohlenszure, 1 3 3 sich nicht allcin durcli ZersctziiiiS voii Chlorc j n n erkljircn, detin diese n-iirde vcnniige dcs Cj-niis geben: l Vol. Stickgas und 2 Vol. KolileiisSure, w:ihreiid
inan dngcgeii in \V-irklichlicit 3 Vol. Stickstoff nuf 1 h-01.
KohlcnsSure hat.
Die Zerselzung des Chlorstickstoffs und C h l o r c p n s
mi& notlirvciidiS die .4ussclicidun,o ciiier grofsen Mengc \-on
dciii in ihiicn aufseliisteti Clilorliolilcnstoff Iwrbcifuhi.cli.
Die gelbc Flusjiglieit ist, naclt dcr Uestillation, also
nacli cler Zersetzung des C:lilorsiickstolfs, drirdisichtig u n c l
fnrblos, ricclit abcr iiiiincr iiocli w l i r sttclicd. Sie hn111i
als fliissigcs Chlorcyan, dns Thppclt - Cl~l(,r~olilcii.~roff
aitrgrliist hiilt, betiaclitct w eidcii ; tllwii iiiait linl gcschen,
diifs bci Ilchandlung dicscr
cirscii Fliissighcit i i i i t h i moniali, (;IilorlioIilens~off zuriickllcibt , \\ clclier voii dcil
Alknlicn, dic bcidc .-\rtcn om ( :Iilorcvaii nbsorbircn uutl
zcrsliirw , iiiclit angcgrilft.n wirtl.
466
Man sielit, dafs die Frage fiber die Natur der Flussigkcit, wclche unter dew EinUusse des Lichtes aus d e r
W'irkung zwischen Chlor und einer CyanquecltsilberLiisring hervorgeht, nicht erledigt ist, soiidern neue Untersuchungen erfordcrlich uinclit. Ich habe lnir vorgeiioiitinen , diese TJntcrsuchungen fortzusetzcn, allein sic
kiiiiiien nur unterbrochen vorgeiiommen wertlcn; tlenn au€ser der Gefahr vor Iletoiiationcn, lint man sich auch
vor den Dunsten, dieses Iiiirpers zu hiiten, die sclitticnhnfte T h r h e n erregen , uud die Kespirationsorgaue in
dem Grade angreifen, dafs die Beobachtung sehr schwierig wird.
VII. C'ebcr die Dars/eiiung con
Saipetersiiiire
aus der Kohler~tickstoSSsuure
(Aur cinem Schreiben des H m . F-of. L i e b i g an den Hcrausgebcr.)
-
V o r nieiner hbreise nacb Paris hatte ich iiiclit
Zeit, die Versuclie des Hrn. Dr. Wii h l e r (d. Ann. lid.
Jill]. p. 488.) zu wiederliolen; allein in Hrn. G a y - L t i s s a c's Laboratorium benutzte ich einige freie hiigenbliche
Itiezu, und, wie sich vorausschen lick, die Erzeiipiig
tler Salpetcrssure bestitigte sich vollliominen. Irli t;ii$u
Erzeugung, weil viele, ~ v e n i in i c k alle, siickstolfli;llii;e
liiiiiycr sich oline Zweifel ebcii so rcrhallcn. Wciiigstsiis gab uns H a r i i s h - e , niit Schwefel&iiire und Bratitistein clestillirt, cine bedeutcnde Metige Salpetersiiure. Uicee
Harnsiure war Schlangcuescreiiie~i~
und iiic niit Snlpelersatire in I3eruhrung gckominet~. I j c r SclduCs, d n h die
Kol~lensticks1ofl~s;iiurecine A-crbindung roil Snlpclers:iure
i i i i i l Iiolilcnstoff scy, schcint inir Iiictiacli iiicltt nnnehiiibar: (!ilgegclt ist jsncr Vcrsticli offeiibar \on holieiii Intcrcsce liir die kiinstliche ErLeugung der Salpetcrsaure. -
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