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Dr. Otto Sch0nherr zum Gedchtnis. 1861Ц1926

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Zeitschrift fur angewandte Chemie
393
I
40. Jahrgang: S. 393-420
Inhaltsverzeiehnis Anzeigenteil S. 15
I
7. April 1927, Nr. 14
Dr. Otto Schonherr zurn Gedachtnis.
1861-1 926.
I n heinern Citi. Lebensjahre verschied plotzlich und
unerwartet an den Folgen einer Operation an1 Morgen
des Wei hnachtsheiligenal~ends1926 Dr. 0 t t o S c h o n h e r r , weit uber die Cirenzen Deutschlands und den
K reis sc>iner engeren Yachgenossen hinaus bekannt als
einer der Mlinner, die das Stickstoffproblem mit Erfolg
angepaclit uiid zii seiner Losung mit beigetragen haben.
111 Xnerkeniiung dieser Tatsache hat ihm der Verein
deutscher Chemiker bei seiner Hauptversammlung 1908
die hochste Xuszeichnung, die e r zu vergeben hatte, die
I,iebig-I)enktiiunz(:, verliehen.
Wetin aucli jetzt andere technisch wertvolle Wege
zur Bindung des Luftstickstoffs in den Vordergrund getreten sind, so wird docli durch
diese Entwicklung dor
Dingc
S c h o n h e r r s Verdienst nicht geschinalert.
0 t Io S c 11 6 t i h e r r w i r d e am
1. Dezeinber 1861 in Chemnitz geboren. Kach Absolvierung des Realgymnasiums seiner Vaterstadt bezog
cr 1880 die teclinische IIochschule
i n Dresden, wo
linter W a 1 t e r
H e m p (3 1 und I3 u d o 1 f 3 c 11 ni i t t
sicli deni Studiuni der Cheniie widmete. h'ach abgcschlossenem ITochschulstudiuni war c'r 9 .Jalire bei der
Firnia €1. J. M c r c k & C o., Hamburg, ziiniiclist a15 Laboratoriumschemiker, dann als Betriebsleiter
von dereti
Diingerfabriken in
Vienenhurg und spater in Oker und
liierauf ein Jahr lang als Leiter der
Ludwigshafener Dungerfabrik von
F. €3. S i I b e r m a n n , Augsburg,
tatig.
Im Winter 18!)4;95 wid Sonimer
1895 beschiiftigte er eich unter
K. E 11) s init elektrochemischen
Studien an cler Universitlt GieBen
und promovierte 1895 mit einer Arbeit ,,fiber die
Bildung von Cberschwefelsaure".
Nach vorubergehender l'atiglteit in Turgi (Schweiz) trat er
im Juni 1896 in die Dienste der B a d i s c h e n A n i l i n - 8: S o d a - F a h r i k , bei welcher er zunachst
seine Kenntnisse und Fahigkeiten beim Ausbau der von
der C h e m i s c h e n F ;i b r i k G r i e s h e i m - E 1 e k t r o n ubernomnienen Alkalielektrolyse anzuwenden Gelegenheit hatte, bis e r 1699 auf Anregung von R u d o l f
K n i e t 5 c h anfing, sich mit der Gewinnung von Salp e t e r d u r e aus tler Luft mit Hilfe elektrischer Entladungeti zu beschiiftigen.
Diesel, Aufgabe widniete er sich mit groi3em Eifer
und der ihni eigenen Zahigkeit. Kach vielen muhsamen
Vorversuchen g e h g es, im Jahre 1905 ein Verfahren zu
finden, das nuf ganz neuem Wege eine Losung des Problems ergal). Hatte nian sich anfanglich bemuht, die
elektrische Energie in moglichst viele kleine Teile zu
zerlegen und recht vie1 Luft auf ganz kurze Zeit mit den
kleinen elektrischen Lichtbogen oder sogar Funken in
c h r
Angew. Cheniie 1927,
Nr. 14.
Beriihrung zu bringen (B r a d 1 e y und L o v e j o y), ein
Hemiihen, das wirtschaftlich schon daran scheitern mufite,
dai3 es technisch ungeheuer schwierig ist, groDe elektrische Energiemengen in viele kleine Lichtbogen zu
verteilen, so war man, als man einen Schritt weiter ging
und auf die starke Unterteilung verzichtete und Lichtbogen mit groi3em Energieinhalt benutzte, doch bei dem
Hestreben geblieben, die Luft im wesentlichen quer zur
Hauptausdehnung des Lichtbogens, d. h. moglichst durch
diesen selbst hindurch zu blasen ( B i r k e l a n d und
Eyde, Pauling).
S c h o n h e r r zeigte nun, dai3 es, ganz im Gegensatz
zu den bisherigen Anschauungen, nicht notig ist, die Luft
durch die Flaninie xu blasen. Er
lehrte, Lichtbogen von bis dahin unbekannter Lange und Stetigkeit zu
erzeugen, an denen die Luft in Form
eines Wirbels, in dessen Achse die
Flamme brennt, entlang gefuhrt
wird, und erhielt auf diese Weise
bei Verwendung von Apparaten,
wie sie einfacher nicht gedacht werden konnen, Ausbeuten an Stickoxyden, die allen anderen bekannten
Verfahren
miridestens
gleichkanien, wobei aber noch der
groi3e Vorteil erreiclit wurde, daD
die erhaltenen Gase einen erheblich
hohereti Gehalt an Stickoxyden aufwiesen, als bis dahin erzielt worden
war. Das neue Verfahren war, wie
S c h 8 n h e r r selbst in seinein Vortrag in der Hauptversammlung des
Vereins deutscher Chemiker in Jena
am 11. Juni 1908 ausfuhrte, ,,ein so
vollstandiges Brechen niit dem Hergebrachten, dai3 es nicht an Stimmen
gefehlt hat, welche glaubten, die gewerbliche Verwendbarkeit dieses
Verfahrens glattweg bestreiten zu
durfen, und zwar merkwiirdigerweise unter Anfuhrung diametral sich gegenuberstehender Grunde. Die
einen sagten, bei dieser Art der Luftfiihrung komnie
die Luft nicht geniigend mit dem Lichtbogen in Beruhrung, nach Meinung der anderen dagegeii bleibt sie zu
lange mit ihm in Beriihrung".
Das grundlegende deutsche Patent 201 279 ist datiert
vom 24. Juni 1905.
Da die Ausnutzung der elektrischen Energie bei der
Bildung von Stickstoff-Sauerstoffverbindungen bei allen
Lichtbogenverfahren eine recht geringe ist - nur etwa
3 % werden im gunstigsten Falle zur Stickoxydbildung
nutzbar geniacht -, ist die wirtschaftliche Herstellungsnioglichkeit von Stickstoffverbindungen in der Hochspannungsflamme an ganz niedrige Strompreise gebunden, wie sie damals nur bei billigen Wasserkriften
moglich waren, die ihrerseits nur ausgebaut werden
konnten, wenn ein Abnehmer fur sehr groi3e Energiemengen vorhanden war.
14
[anaewandte
Zeitschrift fat
Chemie
Lothar Weid: tffber neue Arweiniittel
$94
In Ludwigshafen standen S c h o n h e r r nur etwa
300KW zur Verfiigung. Als es galt, groilere Einheiten
auszuarbeiten, wurden die Versuche 1907 nach dem
Land der billigen Wasserkrafte, nach Norwegen verlegt,
und es entstand zuniichst eine Versuchsfabrik bei
Kristianssand und spiiter: als auch die dort verfiigbare
Energie nicht mohr ausreichte, 1909 eine weitere Versuchsanlape i n Sotodden i n Telemarken.
An dieseni Orte hattc: die Inhaberin der BirkelnndEyde PiltentF:, die S 83 r s k H y d I’ o e 1 e k t r i s k I< v a e 1 s t o f A. ‘3. seit 1908 eine groDe Luftsalpeterfnbrik in Betrieb, und init dieser Firnia hatte sich die
daninlige Badische ilnilin- 8r Soda-Fabrik, Ludwigshafen ;I. Rh. Lzw. die aus dieser, den F a r b e n f a b r i k e i i v o r n i . F r i e d r i c h B a y e r & Co., Leverkusen uiid ( le i A k l i e u g e s e l l s c h a f t f u r A n i 1 i n f a b r i k a t i ( I n Berlin bestehende I. G. zum gemeinsanien Ausb;tu grotier norwegisclier Wasserkrafte
und zum Bau von Salpetei.fabriken zusainmengeschlossen.
A l s erste dieser Xnlagm kam die groDe Anlage am
lijukan-Fos in ‘Tc!leniarken, teils niit S c h o n h e r r - ,
teils mit B i r k e 1 a n d - E y d e - Ofen, 1912 in Betrieb.
Die Jahre dtts Ausbaus des S c l t o n h e r r - Ofens
zunl Apparat der Groiiiridustrie brachten eine so fiberreiche FiUe voii Arbeit und Schwierigkeiten aller Art
mit sich, dnij die kBrperlichen Krafte des Erfinders mehr
als einni;il ZII versagen drohten, und wenn auch verschiedentliclier Li tigerer Xufenthalt an Erholungsstatten
des Siitleiis voriil)ergehende Besserung brachte, war
S c 11 o n h e I’ r z u seinem groijen Schmerze doch genotigt,
sich ku I’Z nach Inbetriebsetzung der Iijukanfabrik von
der Leitung dei Gescliafte zuriickziiziehen und den
weiteren husbau nnderen zu uberlassen, wenn e r nicht
Getahr Iaufen wollte, 1.ollstandig zusammenzubrechen.
Rein HuBerlich und zuiallig traf dieser Riicktritt zusammen niit der Losung der Beziehungen zwischen der
I. G. und Norsk Hydro, wonach erstere aus den norwegischen Stickstoffunternehmungen ausschied.
Inzwischen hatte sich nanilich noch ein Weg zur Bezwingung des Stickstoff problems als technisch gangbar
erwiesen, die direkte Synthese des Animoniaks aus
seinen Elementen, und da dieser Weg g:inz andere
Grundbedingungen stellte, insbesondere in hohem MaDe
unabhiingig von besonders billigen Kraftquellen war,
lronnte er auch innerhalb der deutschen G renzen ausgebaut werden. Mit welchein Isrfolg dies geschehen ist, ist
weltbekannt.
S c h o 11 h e r r hatte sich riach Dresden zuruckgezogen und konnte, was er wahrend langer Jahre
schmerzlichst vermiDt hatte, nach Wiederherstellung
seiner Gesundheit sich ganz seiner gelieliten Frau widinen, mit der er seit 1887 in kinderloser Ehe rerheiratet
war, bis sein ‘rod das iiberaus gluckliche und harnionische Zusammenleberi trennte.
Aber nicht nur bei sei tien nachsten Fnrnilienangehorigen hat das unerwartet friihe Hinscheiden 0 t t o
S c h o n h e r r s eine schmerzliche Liicke gerissen, auch
seinen zahlreichen Freunden wurde er vie1 zu friih dahingerafft. Alle, die jenials das Gluck hatten, rnit ihni in
nBhere Beriihrung zu konimen, lernten in ihnl eineii
liebenswurdigen, ehrlichen Charakter, einen intelligenten, stets sachlichen Mann von aufierordentlicher
Klarheit des Denkens schiitzen und lieben. Ihnen alleii
[A. 19.1
wird er unvergei3lich bleiben.
Ludwigshafen a. Nh., Februar 1927.
T)r. M. S c h a r f f.
o b e r neue Arzneimittel
von LOTHARWEISS, Darmstadt.
(Eingeg. I Sept 1828.)
Im AnwhluD an die schon friiher in dieser Zeitsclirift erschienenen Aufsatze iiber neuere Arzneiinittel sol1 aucli im folgenden wieder ein derartiger Bericht gttgeben werden. :L)aseit den1 Erscheinen der letzten Arbeit beinahe 4 Jahre vergangen sind, und die Zahl
d t r neuerschienenen hlittel nicht gering war, m d t e n
wveniger wichtige Arzneimittel sehr kurz behandelt werden oder auch unbesprochen bleiben, urn die Arbeit
nicht gar ZII unifangreich zu niachen. Was die Einteilung
des Stcd’ftrsanlaiigt, so sind die einzelnen Priiparate so
weit als niiigljch in Gruppen eingeordnet, wobei aber
nicht einheitlich die niedizinische, sondern auch die chemische %us;ini~n~!ngehorigkeit
maijgebend war.
A.nasthetika.
A d d ~ i nGebiete der A n 2 s t h e t i k a haben die
.\rbeiten ; i n der Synthese des Cocains I) zu einem greifh r e n Erfolg geliihrt, insofern als die synthetische Herstellung eines therapeutisch wertvollen Isomeren des
natiirlicheii Coc;iins gelang. Es ist dieses das d-pseudoCocain, das als doppelt-weinsaures Salz unter dem
Namen 1’s i c a j n in den Handel kornmt. Es besitzt die
Strukturformel:
C H2- C H- C< L‘c’u
’ L‘n;
CH.OH--COOH
1
\H
CH,
I
H-C-O-OG-
I
rw
I
I-u
I
CH:,
/
CIU
Arch. exp. Pathol. Pharmakol. 106, 58 [1925].
C o p e l a n d u. N o t t o 1 1 . Rrit. med. Journ. 1925,
11, S. 547; 1926, I, S. 82.
2)
\ \ ’ i I I s t i i t t e r . W o l f e v u. M a e d e r . Lir.M?S Ann.
434. 111 119%); hlercks Ber. 1922, S. 1.
I)
’-
\-._
)NH.
H-C-CH,-N(CH,),-HCI
NaCH, C < i -
I
CH*OH-COOH
Aui3er diesem Priiparat, das sauer reagiert, ist jetzt
auch das neutral reagierende d-y-Cocain-Natriumtartrat,
genannt Psicain-N, hergestellt worden. Neben der kriiftigeren und noch rascher einsetzenden Wirkung hat da6
Psicain vor dem Cocain vor alleni den Vorteil, keine
Euphorie zu erzeugen; die Gefahr einer AngewFhnung
besteht mithin nicht.
Von Cocainabkomlnlingen besitzen das U e n z y 1 b e n z o y l e c g o n i n und das . X l I y l b e n z o y l e c g o n i n nach P o u l s s o n und W e i d e m a n n ’ )
sehr gute anasthetische Eigenschaften. In der Giftigkeit
iinterscheiden sie sich von Cocain nicht wesentlich.
Als vorteilhaft fur die anasthetische Wirkung hat
sich englischen Autoren “) zufolge die Bindung von Borsaure an p-Eucain erwiesen; das Praparat wird in dieser
Form B o r o c a i n oder B - B o r o c a i n genannt.
Ein neues Anasthetikum aus der Gruppe des Novocains ist das T u t o c a i n , es ist p-Aminobenzofla-dimethyla~nino-~-ii~ethyl-;l-butan~l-~lllorl~~drat.
3)
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