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Dr. Wilhelm Herzberg

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Zeitschrift fur angewandte Chernie
I
43. Jahrgang, S. 839-854
Inhaltsverzeichnis: Siehe Anzeigenteil S. 8Z3
Mit dem 87jahrigen Paul W a g n e r, d e r nach eineni
uberaus tatigeu unid fruohtbaren Leben a m 25. August
versohied, ist der letzte Uberlebende aus der klassisohell
Wendezeit der landwirtschaftlichen Wissenschaft dahingegangen. Die exakten Methoden, die Paul W a g n e 1'
in die landwirtschaftliche Porschung einfuhrte, hlabeu
wesentlich dazu higetragen, die Duiigerlehre aufwklaren tund sie zur Wissensahaft nu entwickeln. Paul
W a g n e r s Arbeiten, beginnend rnit seiner Dissertation
vom Jahre 1869 iiber die Stickstolfernahrung der PflanZen, d e r in nascher Folge zahlreiche Abhandlungen
uber Diingerforschung folgten, gehoren nu den Grundsteinen, a u f denen iiber dem von L i e b i g , L a w e s ,
M a e r c k e r umd anderen gebauten Fundament das
feste Gebazlde unserer heutigen Dungerlehre steht. Die
landwirtschaftliche Versuchsstation Darmstadt, die e r
von 1872 bis 1923 leitete, und aus der die Mehrzahl
seiner besten Arbeiten hervorgegangen ist, ist eines der
Denkmaler, die von seinem Wirken zeugen.
Als Paul W a g n e r im Friihling 1923 aeinen 80. Geburtstag feierte, d a fehlte es nicht an ausfuhrlichen
Wurdigungen seiner Tatigkeit in allen fuhrenden Fachzeitschriften; aber wer idanials glaubte, daB die Arbeiten
W a g n e r s init dem Erreichen des biblischen Alters
abgeschlossen waren, 'den hat dieser fruchtbare Forscher
eines Besseren belehrt. In anserer Zeit der rasch verbrauchten Nerven ist es eine besondere Freude, konstntieren nu konnen, 1da5 bis zu seinem Tode Paul
W a g n e r die lanldwirtschaftliche Literatur und insbesondere die Dungerlehre niit wertvollen Arbeiten bereicherte, die e r noch nach dem Aufhoren seiner
Forschertatigkeit aus der Fiille seines angehauften
Wissens schopfte.
W a g n e r s grundlegende Arbeiten liegen fast eiii
halbes Jahrhandert zuruck, aber was jeder, der sie verfolgte und ihn personlich kannte, besonders schatzeii
muBte, ist die Tatsache, daB er im hiichsten Alter noch
dem Geist von heute volles Verstiindnis entgegenbrachte
und den jungen und jungsten Forschern alle Hilfe angedeihen lieB, die in seinen Kraften stand.
Auf einem Vortrag, den der 85jahrige Paul
W a g 11 e r fur den 7. Kalitag im Jahre 1928 verfai3te und
in den1 er sein Lebensprogramm in einer temperamentvollen Weise niederlegte, sagte er: ,,Wir leben heute in
einer ungeniein versuchsfreudigen Zeit. Das ist in
hohem MaBe schatzenswert. Ich preise den Geist dieser
Zeit, ioh wiiride rnit noch mehr Begeisterung ihn preisen,
wenii rnit der Steigerung d er Versuchsfreudigkeit a u h
I
20. September 1930, Nr. 38
die KampFfreudigkeit sich steigern wurde. Es gibt ein
groaes Naturgesetz, das Gesetz heifit Kampf, es gibt keiii
Werden ohne Kampf. Dieses Gesetz gilt in der materiellen und in der geistigen Welt. Auch in iunserer Forschung. Ich meine, es sei so stille geworden ant den
Schlaohtfeldern von. ehedem. Was war's doch fur eine
frohliohe Zeit, als Freiherr v. D a e 1- K o t h , K o n i g ,
Hermann v. L i e b i g , Julius K u h n , Max M a e r c k e r ,
viel tapfere Landwirte luntd kriegstuchtige Vertreter der
Dungerindustrie mit Paul W a g n e r in Fehde lagen!
Das war ein munterer Kmampf, ein Werdekampf, rnit
ritterlichen Wcaffen ausgefochten. Giftbomben kannte
man nicht, man h n n diese ja a,uch nicht enipfehlen, sie
haben sich nioht bewahrt. Aber so stille ist es heute, so
friedlich stille auf den Statten der frilheren Turniere!
Die heutige Arbeitsfreudigkeit aber gruBe ich. Und wir
haben ja auch noch nicht alles weggeforscht, es ist noch
viel ubriggeblieben, und es konimt immer Neues hinnu.
Die Natjur gibt, soweit sie irgend Idamit durohkommt,
eine ausweichende Antwort auf unsere Fragen, und auf
dumme Fragen gibt sie eine nichtssagende, auf verstandge Fragen eine verstanldige Antwort, also wiirden
diese fur die Regel am meisten zu empfehlen sein. Furwahr, wir mussen d ie Natur in die Enge treiben durch
wohlgeplantes, strenges, beharrliohes Verhor, durch klare
Fragestell'ung, durch um+assende, kritische, hingebende
Forschlung. Und ich sage wieder und immer wieder:
n u r d e r e n g s t e Zusamnienschlui3 VOII
wissenschaftlicher Forschung und prakt i s c h e r E r f a h r u n g kann uns weiterfuhren, hinauf
zu h6hergesteckten Zielen und uns helfen, die Quellen
reicher iflieBen zu machen, aus denen ein Segen sioh ergiei3t iiber die L a d e , aus denen Kraft uns wird zum
Wieder,aufbau d e r GroBe des deutschen Volkes."
Paul W a g n e r bedarf keiner Phrasen der Wurdigung. Die Landwirtschaft verdankt ihm die Sohlafiffang
wissenschaftlicher Grandlagen d e r Pflanzenernahrung,
die wesentlich zur Erhohung der enielten Ernten beitragen. Damit ist sein Werk auoh fur die Kunsbdungerindustrie von gewaltiger praktischer Bedeutung geworden. Die wissenschlaftliche Methodik W a g n e r s spielt
heute noch in d e r landwirtschaftlichen Wissenschaft, im
Feld- und Vegetationsversuch, eine u b e r r a g e d e Rolle.
Die Liebenswurdigkeit W a g n e r s , in der sioh die
Weisheit des Alters rnit einer selten jugendlichen geistigen Elastizitit p r t e , wird in der Erinnerung aller
derer weiterleben, (die das Cluck hatten, ihn zu kennen.
0. Eckstein, Berlin-Riehen. [A. 124.1
Dr. Wilhelm Herzberg t
Am 24. Juni verschied in &#d Oeynhausen an den
Folgen eines Unfalles im noch nicht volledeten 70. Lebensjahre Dr. Wilhelm H e r z b e r g , der ehemalige
lmgjahrige Leiter dm wissmschaftlichen Laboratoriums
der in der I. G. Farbenindustrie aufgegangenen Aktiengesellschaft fur Anilinlabrikation, Berlin.
Er wurde am 19. Januar 1861 als S o h des Sohruhmachermeisters Fritz H e r z b e r g in Gottingea geAngew. Chemie 1930, Nr. 38
bonen. An der Univerdtat seinser Vaterstadt s t d i e r t e
er Chemie und promorvierte unter Viktor M e y e r
zum Dr. phil. Nach kiirzerer Tatigkeit auf thermochemisscheni Gebiete, als Mitarbeiter S t o h m a n n s in
Leipzig, wurde H e r z b e r g Assistent N o 1 t i n g s an
der Chemiescbule in Miilhausen im ElsaB. Dort legte
er den Grund zu den Kenntnissen auf dem Gebiet der
organischen Farbstoffe, ,deren Ve r m r tu ng seine sp;itere
L ebensaufgabe w erd en sol1t e.
1
840
eitschr. firr angew.
43. J. 19%
'
Kauffmann: Zur Kinetik d e r Chlorbleiche
Im Jahre 1893 erhielt H e r z b e r g auf Enipfehlung
N o l t i n g s eine Anstellung als Chemiker im Laboratorium der Patentabteilung d er Agfa.
Schon 1895 wunde ihm als Nachfolger von Prof.
G. S c h u 1 z die Leitung des wissenschaftlichen Laboratoriums ubertragen. Im Jmahre 1902 wurde ihm Prokura erteilt, u d 1918 taat er in den Vorstand der Gesellschaft als stellvertretendfes Mitglied ein. Am Ende
des Jahres 1924 trat H e r z b e r g in 'den Ruhestand,
doch behielt er bis Ende 1927 Einflui3 auf die Arbeiteii
des wissenschaftlichen Laboratoriums, dm zu dieseni
Zeitpunkte infolge van Unistellungen in der I. G. Farben:
industrie A.-G. aufgelost wunde.
Gleich nach Aufnahme seiner Tatigkeit als Laboratoriumsleiter wandte sich H e r z b e r g vor allem Farbstoffgruppen zu, deren Fortentwicklung nicht die erforderliche Beachtung gefunden hatte, d a die Beschaftigung rnit den erst kurz zuvor entdeckten und von der
Agfa zuerst in den Handel gebrachten substantive11
Baumwollflarbstofifen im Vordergrund des Interesses
stand. Es entstantden binnen kurzem eiiie gro5e Anzahl
Farbstoffe der verschiedensten Klassen. So ist aus der
Gpuppe der sauer farbenden Wollfarbstoffe vor lallem
das N e r o 1 zu nennen, ein schwfarzer Farbstoff voii
avfierordentlicher Waschechtheit, der als Spezialitat d e r
Agfa in grofiem Mjafistabe hergestellt wurde. Ferner
sind erwahnenswert von Siiurefarbstoffen der Triphenylmethanreihe die W o 11b 1 a 21 - Marken und das
G u i n e a e c h t g r u n , sowie auf dem Gebiet der
Chinoniminfarbstoffe die I n d o c y a n i n e , die sich erfolgreich in die Farbereipraxis einfiihrten. Auch Saure
Wollfarbstofife d er Anthrachinonreihe, wie dns A 1 i
z a r i n d i r e k t b 1a u , v ed an k en dem Bestreben nach
Erweiterung der Farbenauswahl ihre Entstehung. Ebenfalls gingen viele Beizentarbstoffe fur Wolle aus dem
Laboratorium hervor, insbesondere entstammt von den
sogenannten M e t a c h r o m f a r b s t o f f e n ein nicht
-
schwer zu erbringenden Nachweis, daD das H y p o chlorit uberhaupt keine Bleichwirkung
ausubt.
In allen Fallen richtet sich der Bleicheffekt nach
dem zugleich vorhandenen Alkaligehalt und nimmt in
dem MaBe ab, wie man die Flotte alkalischer macht.
Der Alkalizusatz andert die Menge des Hypochlorits
nicht, und d a dennoch die Bleichwirkung sehr stark
sinkt, so kann weder das Hypochlorit noch sein Ion die
bleichende Substanz sein. Dies 1a5t sich rnit Hilfe von
Farbstoffen genau verfolgen. Man stellt sich Bleich-
[zChemie,
kleiner Teil der Tatigkeit H e r z b e r g s umd seiner
hlitarbeiter. Von den Schwefelfarben waren es verschiedene S c h w e f e 1b 1 a u s , durch die eine langere Zeit
bestehende Lucke in der Farbskala ausgefiillt wurde.
Auf deni Gebiete d e r lichtechten Lackfarbstoffe ist es
H e r z b e r g s Initiative zu danken, d a5 die Agfa mit
ihren P )e r m a n e n t Pa r b e n bald den Prcrdukten der
a d diesem Gebiet schon erfolgreichen Firmen Ebenbiirtiges a n die Seite stellen konnte.
Von Anfang an hatte H e r z b e r g die Wichtigkeit
organischer Chlorverbindungen, sei es zum Aufbau
halogenhaltiger Farbstoffe, sei es zur Darstellung sonst
schwer zuganglicher Zwischenprodukte, erkannt. Dieser
Erkenntnis verdankt er eirien g r o h n Teil seiner Erfolge. Die nur kurze und unvollstiindige AufGhlung
der Arbeitsgebiete la5t doch schon die Vielseitigkeit in
H e r z b e r g s Schaffen un,d den Wert seiner Tatigkeit
fur die Entwicklung der Agfa erkennen.
H e r z b e r g war ein Mann von einfachem, aufrechtem Chamkter, der stolz darauf war, aus kleinen
Verhaltnissen heraus, die er gern in humorvoller Weise
in d e r Erinnerung wieder lebendig werden lie5, 0us
eigenser Kraft au seiner Stellung gelangt zu sein. Seinen
Mitarbeitern war er, nicht nur in beruflichen Angeliegenheiten, immer ein hilfsbereiter Ratgeber. Sie w e d e n
seiner stets gern in Anhanglichkeit gedenken.
Der ungliickliche Ausgang des Krieges rnit seinen
Folgen lastete schwer auf seiner Seele. Wenn er auch
in seinem Schaffenudrang kaum dadurch beeinflufit
wurde, litt doch seine Lebensfreudigkeit sehr darunter,
zumal seine rnit dem Alter zunehmende Schwerhorigkeit ihm die Freude an d e r Geselligkeit raubte, die er
ehedem gern pflegte. Seine letzteh Lebensjahre wurden
durch ein schmerzhaftes Exzem vepbittert, das, der
Kunst d e r Arzte trotzend, nicht ausheilen wollte. So
mag ihm schliefilich der Tod als Erloser erschienen sein.
Dr. 0. Schnrfenberg. [A. 123.1
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