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Ein neues Verfahren zur Prfung der Festigkeit von Tuchen.

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AufriatztefL
21. Jahrgang 1914.1
501
Kertess: Neues Verfahren zur Priifung der Festigkeit von Tuchen.
zwecken zu verwenden. Dieser Vorschlag ist auch in der
Patentliteratur wiederholt aufgetaucht. Ich habe dieses
Verfahren gepriift und bin zu dem Resultat gekommen,
daB es nicht gelingt, mit kolloidalen Lijsungen von Zinn
oder Zirkon die Seide in geniigender Weise zu beschweren.
Nach der meinen Ausfuhrungen zugrunde gelegten Auffassung des Beschwerungsvorganges ist dieses auch nicht
wahrscheinlich, denn die kolloide Lijsung besitzt nicht mehr
die Fiihigkeit, in die Faser hinein zu diffundieren, und nach
allem, was wir uber Beschwerungsvorgange wissen, vollzieht sich die Ablagerung des Beschwerungssalzes innerhalb
der Faser und nicht auf der Faser. Mit dem Aufhoren der
Diffusionsfahigkeit wird daher auch die Fahigkeit erloschen,
die Faser zu beschweren, ganz gleichgultig, ob wir eine
rein physikalische oder eine chemisch-physikalische Auffassung annehmen wollen.
Auf die Moglichkeit des Ersatzes der Salzsaure durch
andere Anionen ist bereits bei der Besprechung der Zirkonbeschwerung hingewiesen worden. I n der deutschen Patentschrift 179 498 ist ein Verfahren beschrieben worden, das
Chlor im Zinnchlorid durch Zugabe von Natriumbisulfitlosung teilweise durch Sulfit zu ersetzen. Ich habe mich
damit beschaftigt, die Salzsaure in den Beschwerungssalzen durch organische bzw. gemischt organisch-anorganische
Salze zu ersetzen. Z. B. bildet das Zirkon und Zinn Acetate,
die sich zu Beschwerungszwecken recht gut eignen. Ebenso
gelingt es leicht, im Titanchlorid Chlor durch Acetylreste
zu ersetzen. Das Titanchloracetat besitzt vor dem Titanchlorid den groBen Vorzug, die Faser viel weniger anzugreifen als das Titanchlorid, und gerade fur Titan hat diese
Arbeitsreichung Bedeutung , weil die Beschwerung mit
Titanchlorid leicht zu Schiidigungen der Faser fuhrt.
Durch die Verwendung von organischen Salzen gewinnt
man den groBen Vorzug, daB die Hydrolyse in einer Waaserdampfatmosphare vorgenommen werden kann. Hierdurch
kann der Beschwerungsvorgang sehr viel rationeller ausgefiihrt werden, denn die Kosten des heutigen Beschwerungsvorganges erhohen sich ja dadurch ganz erheblich, daB ein
grol3er Teil des in die Faser eingedrungenen Beschwerungssalzes bei der nachfolgenden Hydrolyse wieder aus der
Faser herausgespiilt wird und nur durch ein kostspieliges
Regenerationsverfahren dem Betrieb wieder zugefuhrt werden kann. Eine Vermeidung der Regeneration wurde eine
Verbilligung des Beschwerungsverfahrens darstellen, die
auch einen hoheren Preis fiir die Beschwerungssalze selbst
rechtfertigt, und darin scheint mir die Bedeutung dieser
Arbeitsrichtung zu liegen. Allerdings handelt es sich vorIaufig nur um eine Anregung und kann von einer in der
Praxis erprobten Arbeitsrichtung nicht. gesprochen werden.
Es ist keinesfalls gleichgiiltig, mit welchen Stoffen und
in welcher Weise unsere edelste Faaer beschwert wird; diese
Frage wird auch nicht durch eine Einzeluntersuchung entschieden werden konnen ; hier miissen die Erfahrungen der
gesamten Industrie fordernd eingreifen.
Der Anreiz, nach Zinnersatzmitteln zu suchen, steigt
und fiillt mit den Zinnpreisen. Bei den augenblicklich
herrschenden niedrigen Preisen fiir Zinn ist die Moglichkeit,
Zinnersatzstoffe in die Beschwerungsindustrie einzufiihren,
naturgemaB geringer. Hinzu kommt, daB ein volliger Ersatz des Zinns durch die Salze der seltenen Erden wohl
als ausgeschlossen betrachtet werden kann. Hingegen
scheint es erreichbar, der Beschwerun sindustrie Hilfsstoffe
zuzufiihren, die in Verbindung mit 8 n n einwandfreie Beschwerungen ergeben. Die Zinnersatzstoffe stellen also nach
dem gegenwartigen Stand der Untersuchungen ein Preisregulativ fiir Zinnsalze insoweit dar, als sie in Zeiten, in
denen die Zinnpreise sehr hoch sein sollten, mit Vorteil
Verwendung finden konnten, und als sie wiederum einen
Anstieg des Zinnpreises iiber gewisse Grenzen wirksam
verhiiten.
Das Ideal der Seidenbeschwerung ist zweifellos durch
die Beschwerung mit Metallsalzen iiberhaupt nicht erreichbar14),sondern nur mit Stoffen, die der Seidensubstanz moglichst wesensverwandt sind, also z. B. mit diffusions- oder
14) Vgl. hierzu: Anmeldung von D
r. K u 1 p , Verfahren zur
Verdickung der Natur- und Kunstseidenfiiden ohne Beschwerung.
adsorptionsfahigen EiweiB- oder Celluloseverbindungen. Die
Metallverbindungen kommen hierbei hochstens als Transporteure in Frage. Mit der Verfolgung dieser Arbeitsrichtung wiirde man sich dem Ausgangspunkt der Kunstseidenindsutrie niihern. Ich habe in dieser Richtung ebenfalls Versuche angestellt, die aber noch nicht zu einem
AbschluB gelangt sind. Ich werde vielleicht spater hieriiber
berichten.
[A. 142.1
Ein neues Verfahren zur Priifung der Festigkeit
von Tuchen.l) 2,
-
Y
Von A. KERTESB,
Mainkur.
(Eingeg. 9.& 1914.)
Die Priifung der Tuche auf ihre Festigkeit oder Haltbarkeit erfolgt bisher auf dem Dynamometer. Die so gewonnenen Zahlen stellen die Ergebnisse der Kontrolle dar.
So z. B. ist bei den Militarstoffen festgesetzt, wie hoch
die Festigkeit und Dehnbarkeit bei den einzelnen Tuchen
sein soll, und jeder Tuchfabrikant wie jedes Bekleidungsamt priift die Lieferungen in dieser Weise.
Das System an sich funktioniert tadellos, und eine gewisse Kontrolle bietet das Verfahren auch, aber die Eingaweihten sind dariiber nicht im Zweifel, daB die Dynamometerpriifung, die bei Garnen einwandsfrei ist, bei fertigen
Tuchen nur quasi eine Art Beruhigungsmittel ist und einen
AufschluB, wie sich die Tuche beirn Tragen verhalten, nicht
gibt.
Ein Beweis, daB diese Auffassung zutreffend ist, ergibt
sich aus dem Umstande, daB die Bekleidungsamter, die
samtliche Tuche in dieser Weise priifen und den grol3ten
Teil fur einwandsfrei erklaren, doch dabei auch gleichzeitig
klagen, daB einzelne Tuche sich beim Tragen sehr ungiinstig verhalten, eine Klage, die in letzter Zeit besonders
bei den neuen feldgrauen Uniformen erhoben worden ist.
Aber auch experimentell laBt sich die Ungenauigkeit
des Dynamometers fur die Priifung der Tuche beweisen.
Wir brauchen ein Tuch nur mit etwas verdiinnter Schwefelsaure zu behandeln, und die Starke und Dehnbarkeit nimmt
zu, wahrend ein solches Tuch bei langerem Lagern direkt
entzwei geht.
Um sich vor ahnlichen Sachbehandlungen zu schiitzen,
hat die deutsche Militarverwaltung vor ca. 3 Jahren angeordnet, daB streng darauf zu sehen ist, daB die Tuche
nicht sauer oder alkalisch zur Ablieferung gelangen. Damit
war dieser Fehler ausgeschaltet, aber die Ungenauigkeit
des MeBapparates hlieb bestehen.
Dieser Mange1 der Dynamometerpriifung veranlafite bereits vor einigen Jahren einzelne Militarverwaltungen, ihre
Zuflucht zu einer weiteren Priifung zu nehmen, indem sie
die Tuche auf rotierenden Schabrnaschinen priiften, von
der richtigen Ansicht ausgehend, daB diese einen besseren
Anhaltspunkt fur die Tragfestigkeit der Tuche ergeben
miifiten.
Der Gedanke an sich erscheint ganz richtig, denn wir
konnen annehmen, daB durch das Schaben ein ahnlicher
Effekt wie beim Tragen erreicht wird, aber die Ergebnisse
waren bislang alle negativer, Natur.
Die erste Militarverwaltung, die mittels Schabmaschinen
die Priifung der Tuche vornahm, war die holliindische, und
zwar arbeitete sie mit rotierenden Schmirgelwalzen; sie
gab die Methode spater wieder auf, und als ich mich vor
einigen Jahren in Holland erkundigte, wurde erwahnt, daB
die Methode weniger zur Bestimmung der Tragbarkeit
dienen sollte, als vielmehr um zu sehen, wie die Tuche
abrei ben .
Spater folgte die Schweizer Militarbehorde mit ahnlichen Versuchen, die auf dem sogenannten H a 8 1e r ’ schen
Apparat, der mit Schabmessern versehen ist, vorgenommen
wurden, aber auch diese stellte die Priifung mit diesem
1) Mitteilung aus der Venuchsabteilung der Farbenfabrik Leopold Casella &, &., Frankfurt a. M.
2 ) Vortrag, gehalten auf der Hauptvenammlung des Vereins
deutacher Chemiker zu Bonn.
502
Kertess: Neues Verfahren zur Priifung der Festigkeit von Tuchen.
wieder ein, weil gefunden wurde, daB der Apparat ganz
falsche Zahlen ergebe.
Nach einiger Zeit unternahm Prof. K a p f f in Aachen, der
wohl von der Unbrauchbarkeit der H a s 1e r ' schen Schabmaschine, bzw. deren Resultate keine Kenntnis hatte, ebenfalls Versuche rnit dieser, und in der Annahme, daB die
so gewonnenen Zahlen doch eine Bedeutung haben miissen,
zog er aus diesen die weitgehendsten Schliisse, die in einer
eingehenden Veroffentlichung3) wiedergegeben sind. Bei
den von mir vorgenommenen Kontrollversuchen zeigte es
sich dann, daB den von K a p f f erhaltenen Zahlen ein
Wert nicht zukommen kann, da ein und dasselbeTuch je nachdem, wie es gepreBt wird, bzw. welche zufallige Oberflache es
besitzt, andere Festigkeitszahlen ergab, und ebenso auch, daB
einzelne Lieferungen der gleichen Ware auf dem Haslerschen Apparat Schwankungen von iiber 100% ergaben 4).
Da der Apparat trotzdem weiter benutzt wurde, ubernahm auf Ansuchen das Konigl. Materialpriifungsamt in
Grol3-Lichterfeldeeine Uberpriifung desselben und kam auch
zu dem Ergebnis, daB die auf dem Apparat erhaltenen Zahlen
fiir die Tragfestigkeit nicht in Betracht kommen konnen5).
Ich beschaftigte mich seitdem mit dieser Frage, und
zwar ging ich von der Ansicht aus, die ich auch seinerzeit
in meiner Veroffentlichung ausgesprochen habe, daB, wenn
es uns gelingen wiirde, den zu priifenden Tuchen allemal
die gleiche physikalische Oberflache zu geben, dann zutreffende Zahlen zu erreichen sein miiBten.
Leider erwies sich dieser einfach erscheinende Weg nicht
gangbar, denn alle Versuche, um mittels Rauhen, Einweichen, Pressen usw. eine entsprechende Oberflache zii
eizielen, schlugen fehl.
Dagegen zeigte es sich, daB das gesuchte Ziel vie1 leichter
auf chemischem Wege zu erreichen ist. Werden die Tuche
erst mit Salzsiiure, dann rnit Alkohol vorbehandelt, so da13
einerseits die den Tuchen anhaftenden Salze und Fette
entfernt, andererseits ein volliges Durchtranken der Tuche
bewirkt wird, so erzielen wir eine Neubildung der Oberflache,
die die erforderliche GleichmaBigkeit besitzt. Wennwir solche
Tuchedann der Priifung auf einer Schabmaschine unterziehen,
dann bekommen wir sehr gute Vergleichsresultate.
Die Vorbehandlung erfolgt, wie nachstehend beschrieben :
Tuchabschnitte in der Hohe von 23 cm (Kettenrichtung)
und 32 cm Breite (Schuhichtung) werden mit 10% Salzskure 21" BB (auf das Gewicht der Ware berechnet) in
40 facher Flottenmenge wahrend 314 Stunden bei 94" C behandelt. Die Abschnitte sind wahrend der Behandlung
nicht zu knicken. Dann werden sie mit destilliertem Wasser
gespiilt, bis die Stoffe nahezu neutral sind, hierauf abgepreBt und mit Alkohol extrahiert
Das Extrahieren erfolgt im Soxhlet-Extraktionsapparat.
Derselbe wird auf einen
Liter fassenden Stehkolben aufgesetzt und mit einem Kugelkiihler versehen. Der Apparat
kommt auf ein Wasserbad, dessen Wasser mit Chlorcalcium
oder einem anderen Salz gesattigt ist. so daB wahrend der
Extraktion eine Temperatur von 125"C erreicht werden kann.
Der Soxhlet wird mit dem abgesauerten Tuchabschnitt,
der sich gefaltet in ganzer Lange im Apparat befindet und
ca. 400 ccm Alkohol rein 96% beschickt.
Die Extraktion wird so geleitet, daB sich in der untersten
Kugel des Kiihlers keine groBeren Mengen von Alkohol
ansammeln, sondern der fortwahrend kondc nsierte Alkohol
schlank ablauft, was leicht durch etwm mehr oder weniger
tiefes Einsenken des unteren KolbL.:s i:i das Wasser reguliert
werden kann.
Die Extraktion dauert 1'I2 Stunden, wobei zu beachten
ist, daB je nach 3/4 Stunden die Stoffe umgekehrt werden
mussen, damit jeder Teil des Tuchabschnittes moglichst
gleich lang dem Alkohol ausgesetzt ist.
Nach dem Extrahieren werden die Proben abgepreot,
leicht gespult, auf 100% Feuchtigkeitsgehalt abgeprel3t und
wahrend 2 Stunden bei 65-70" C getrocknet.
Nach dem Trocknen sind die Stoffe in einem 25" C warmen
Trockenschrank zu lagern (mindestens
Stunde), worauf
das Schaben erfolgt
3)
4)
6)
Siehe Lehnes Farberzeitung 1908, 49 u. 66.
Siehe Lehnes Farberzeitung 1908, 213.
Siehe Lehnes Farberzeitung 1911, 117.
rw. :;:dYmTdc.
Zur Ausfiihrung des Schabens teilt man den Stoff in
6 Streifen von je 5 cm Breite, spannt die einzelnen Streifen
ganz gleichmaBig in den Backen der Schabmaschine und
beginnt mit dem Schaben. Es werden 3 Proben auf der
rechten und 3 auf der linken Seite geschabt. Zur Vermeidung atmospharischer Einfliisse bleiben die einzelnen Proben
bis zur Angriffnahme des Schabens immer im Trockenschrank,
dessen Temperatur auf 25" C gehalten wird, aufbewahrt.
Die Priifung hat stets vergleichend gegen einen bekannten Typstoff zu erfolgen, und die Giite der Tuche ist
an der Hohe der Umdrehungszahlen bis zum ReiBen der
Tuche zu bemessen.
Die groBte Schwierigkeit bereitete die Beschaffung der
geeigneten Schabwalzen.
Die Haslersche Walze muBte ausscheiden, weil sie gleichzeitig eine schlagende Wirkung ausiibt.
Die ersten Versuche wurden mit Schabwalzen vorgenommen, die ahnlich wie die Feilen wirkten und nachdem
diese sich zu rasch abnutzten, kamen solche zur Verwendung, die den Scheerwalzen nachgebildet waren. Aucb bei
diesen war die Abnutzung eine zu rasche, auBerdem zeigten
diese nicht nur die Qualitat, sondern auch die Dicke der Tuche.
Als am besten geeignet haben sich Schabwalzen erwiesen,
die mit scharfen gravierten Riffeln, welche die Schabung
bewirkten, versehen waren. Diese wurden von der Gravuranstalt J a n o v s k i & S c h w a r z , B e r l i n , geliefert.
AuBerdrm wurden speziell angefertigte Carborundwalzen der
Firma F r i e d r i c h S c h m a l t z , G. m. b. H., O f f e n b a c h
a. M., die selbst nach 4-5 monatlicher Benutzung noch
intakt waren, benutzt.
Die sich aufdrangende Frage, wieweit die Anwendung
des Verfahrens, das zum Patent angemeldet ist, moglich
erscheint, mochte ich dahin beantworten, daB vorliiufig
nur gewalkte Tuche, wie sie fur Militarstoffe meist Verwendung finden, in Frage kommen. Es ist jedoch wahrscheinlich, daB es spater mit einigen h d e r u n g e n gelingen
wird, auch die diinneren Stoffe einzubeziehen.
Es wurde auch versucht, ob daa Verfahren vielleicht
als Priifung fur die Wirkung der einzelnen Substanzen auf
die Wolle benutzt werden kann, aber es zeigte sich, daB
dies auf Stiickware im Kleinen ausgefiihrt nicht moglich ist. Einerseits ist die gleichmaaige Hantierung der
kleinen Stucke auBerst schwierig, andererseits wirkt die
Praparation auf die Wolle je nach der Vorbehandlung in
differierender Weise ein.
Zur Priifung der Wirkung der einzelnen Substanzen, bzw.
der verschiedenen Farbemethoden halte ich nach wie vor
das Verfahren am geeignetsten, daB diese auf die Wolle in
aufgewickeltem Zustande, also in Kopsform, zur Einwirkung
gebracht werden. Dadurch, daB dabei die Wolle absolut
ruhend der Einwirkung ausgesetzt ist, kommen die sonst
so storenden mechanischen Nebenwirkungen nicht zur Geltung. Durch Priifung auf dem Dynamometer kann dann
die ReiBfestigkeit und Dehnbarkeit der Fiiden gepriift
werden und mu6 dann, meinen friiheren Ausfiihrungen entsprechends), nur noch eine dritte Eigenschaft, die Walkfiihigkeit der Wolle, einer Priifung unterzogen werden.
Vorlaufig soll das neue Verfahren nur zur vergleichenden
Priifung der Militartuche dienen. Die Anwendung desselben kann durch nachstehenden Versuch erhutert werden.
Wir erhielten auf Ansuchen von der Militarverwaltung
im November vorigen Jahres 12 verschiedene Tuche, bei
welchen die Provenienz der einzelnen Tuche angegeben
war. Diese wurden neben zwei anderen vorratigen feldgrauen Tuchen (Nr. 9 und 14) erst auf dem Dynamometer,
d a m auf der Schabmaschine gepriift, und zwar ohne und
mit Vorbehandlung.
Die Ergebnisse sind aus nachstehender Tebelle S. 503
zu ersehen:
Die Folgerungen, die wir aus der Zahlentabelle ziehen
konnen, sind folgende :
a) Die bisherige Priifung auf dem Dynamometer ergibt,
daB samtliche Tuche den Anforderungen der Dynamometerpriifung vollkommen entsprechen. Die Differenzen
zwischen den einzelnen Tuchen sind nicht weiter auffallend
und liegen in der Natur der Fabrikation.
6)
Lehnes Farberzeitung 1919, 137.
. .
..
.
. .
...
Sch.
I
76,3
1 Sch.
__I
111,7
E.
6 cm
1 Sch.
101
I
1
56 kg
Sch.
69,2
1
102
K.
K.
69,7
I
Dunkelblau
Rocktuch
Indigo
1
1
825
750
.....
........
I
L~
I
K.
Sch.
1 Sch.
69,1
PO1
1
1
I
E.
1 Sch. 1
1
~
1 Sch. 1
6 cm
63,9
93,5
I Sch. 1
60 kg
s c g K.
80,2
117,4
K.
Kiipenfarhen
K.
1 Sch.
~
I Sch. I
72,7
106,4
K.
Chromfarben
Feldgrau Hosentuch
1 Sch.
K.
1 Sch.
64,O
93,6
K.
.... . ...
Gramm
Gramm
185
45
R.
V.
1
R. I V.
~
R.
V.
70
288
I
R.
13,4
114,5
K.
-1
V.
55
I
R.
14,l
120,5
j
I
V.
105
1
106
R.
12,4
1 Bch.
217
53
x
1 207
i 215
231
207
R.
1
V.
3 2,3
105,l
K.
I
1
1 Sch. I
64,5
94,4
1 Sch.
1
R . I V . 1 R . I V . I
R . / V . I R . ' V . / R . I V . l R . I V . 1
R.
376 394
385 408
393 410
1
R . I V . 1
86
352
R.1V.
68
277
695
I
740
I
I
1
820
1
1
765
492
86
680
755
367
64
I
I
~
500
88
I
474
83
1
~
507
89
395
69
770
I
750
~
740
1
750
710
690
1
700
I
685
I
660
1
672
I
640
F. G e w i c h t d e r v o r b e h a n d e l t e n W a r e p e r M e t e r .
762
E. G e w i c h t d e r a b g e l i e f e r t e n W a r e p e r M e t e r .
740-760 g
484
85
I
1
660
730
88
I
Sch.
E.
12,3
1 Sch.
63,7
9392
E.
I
I
396
96
R . l V . 1
910 1 1 3 8 3 7 z
---
380 264 284
402 281 273
423 290 273
470 500 510 519 399
501 498 505 512 392
531 512 -500 510 414
V . I R . I V . 1
10,6
1 Sch. I
1
1 Sch. I
66,7
97,6
K.
K.
Chrornfarben
640
720
700-720
509
89
g
I
1
,
~
660
730
411
72
1
1
630
710
87
496
1515 1541 11205 1262 1482 I15r16
R.
R . / V . I R . I V . / R . / V . j R .
EirjxiT
267
65
13,8
1 Sch.
1l7,9
E.
6 cm
6if
~
I Sch. 1
56 kg
K.
256 281 252
269 273 300
275 j 254 328
V.1
14,7
125,C
E.
K.
D. P r i i f u n g d e r W a r e i n v o r b e h a n d e l t e m Z u s t a n d e n a c h d e r n e u e n M e t h o d e .
1
1
V.
13,7
I l7,l
12,2
104,3
E.
1 Sch.
65,3
95,6
E.
Kupenfarben
Feldgrau Rocktuch
10
11
13
1
14
IL
1
I
i i
V.1
254
62
1
1
R.
I
760 g
553
97
360
88
V.
11,4
97,4
Sch
90,6
10,6
K.
830 g
1
100
571
1
410
100
Vorgeschrieben
10 cm
1
1
I
1 Sch.
-
Hellblau
Rocktuch
9
1 I
3,:::;
100
68,3
K.
60 kg
KetteISchuBl
..
.
. . .
Durchschnitt : Vorder- nnd
. . .
Rtickseite
Verhaltniszahl
. .
... .
....
Durchschnitt: Vorder- und
.
Riickseite .
Verhaltniszahl .
....
Durchschnitt: Ketteu. SchuR
.
Verhaltniszahl
Vorgeschriehen
Durchschnitt: Kette u. SchuR
Verhtiltniszahl . . . . .
Vorgeschrieben
Chromfarben
Dunkelblau meliertes
Hosentuch
8
Priifung der Lieferungstuche nach den verschiedenen Methoden.
5 04
Systerne der Messung und Benennung von Farbtonen.
b) Die Priifung auf der Schabmaschine nach der bisherigen Methode ergibt ganz irrefihende Zahlen. Wir
sehen beispielsweise, daB Nr. 9 fast doppelt so gut ist als
Nr. 8 und eine Moglichkeit, tlaB bei zwei Lieferungstuchen
gleicher Art das eine doppelt so gut sei, ist ausgeschlossen.
Auch die anderen Zahlen entsprechen dieser Auffassung.
c) Die Priifung in vorbehandeltem Zustande nach der
neuen Methode ergibt sehr gut iibereinstimmende Zahlen.
Es ist aus diesen zu ersehen:
1. DaB die alten, dunkelblau melierten Hosentuche
Nr. 1 und 2 in ReiBfestigkeit den feldgrauen Rock- und
Hosentuchen iiberlegen sind, was mit den bisherigen Erfahrungen auch iibereinstimmt.
2. DaB drei Tuche Nr. 4,lO und 13 durch ihre niedrigeren
Zahlen auffallen Wir miissen annehmen, daB es sich hier
um Tuche handelt, die in der Fabrikation gelitten haben,
und ich komme auf diesen Punkt noch zuriick.
3. DaB im vorliegenden Falle die Unterschiede zwischen
den Chromfarben und Kupenfarben ganz unbeutend sind.
A d diesen Punkt ist insofern ein groI3eres Gewicht zu legen,
als leider in dieser Richtung mit Schlagwortern zu wirken
gesucht wurde, die zu unrichtigen Ansichten fiihren muBten.
Nachdem die feldgrauen Tuche zuerst mit Chromfarben
gefiirbt wurden, und die Tragfestigkeit zu wiinschen iibrig
lieB, hied es, es liege amchromieren, und die Kiipenfarben
wiirden sich viel besser verhalten. Das Kriegsministerium
lieB nun als stark interessierte Partei Versuche im GroBen
machen, indem genau die gleiche Wolle nach den zugelassenen 3 Verfahren gefarbt und in gleicher Weise weiterverarbeitet wurden.
Das Ergebnis der Tragversuche, die sich auf ca. 2 Jahre
ausdehnten, war, daB alleTuche stark gelitten haben, und
daB, soweit Unterschiede vorhanden waren, diese eher zugunsten der Chromfarbstoffe sprachen.
Die Folgerung, die der Dezernent der Bekleidungsabteilung im Kriegsministerium dann zog, war die, daB er
erklarte, es sei ganz egal, ob die Wolle mit Chromfarben
oder mit Kupenfarben gefarbt werde, die graue Farbe greife
die Tuche an, denn nur dadurch konne der Ubelstand seine
Erklarung finden.
So uberraschend diese Auffassung im ersten Moment
wirken muB, so finde ich sie doch vom Standpunkt der
Verwaltung ganz erklarlich, als Folge der uberwiegenden
Bedeutung, welche den Farbstoffen zugeschrieben wurde.
Statt den Fehler an den sonstigen vielen Moglichkeiten,
die bei der Tuchfabrikation in Frage kommen, zu suchen,
wird auf die Farbstoffe und die Zusatze das groBte Gewicht
gelegt, ohne zu beriicksichtigen, daB mit allen Farbstoffen
gut und auch schlecht gefarbt werden kann, und d a 13 d i e
mechanische B e h a n d l u n g , d i e die Wolle erfahrt, sehr erheblich in Betracht kommt.
Auch bei den feldgrauen Tuchen diirfte die geringere
Haltbarkeit darauf zuriickzufuhren sein, daD zur Herstellung der feinen Melange ein viel zu starkes Karden der
Wolle erforderlich ist und da die Bekleidungsamter vielfach eine weniger innige Melange beanstanden, ist es naturgemaB, daB so stark gekardet wird, bis eine moglichst
glatte Melange erreicht ist.
1st die Wolle dabei vielleicht etwas geringerer Qualitat.
oder - was auch sehr wesentlich ist - verfilzt und unegal, so geht dies dann immer auf Kosten des Stapels. bzw.
der Haltbarkeit der Stucke.
Hier ist es auch, wo die bisherige Priifungsmethode
mittels des Dynamometers versagt, und wo das neue Priifun sverfahren einsetzen kann.
t o n den drei Stiicken, die durch h e niedrigere Zahl
auffallen, interessiert uns das eine - Indigo gefiirbtes
Rocktuch - weniger, wed es alterer Fabrikation ist. Nr. 10
und 13 entstammen einer Tuchfabrik und gehoren wahrscheinlich zu einer und derselben Ablieferung, die eine geringere Tragfestigkeit aufweist.
Die Annahme, daB vielleicht das Priifungsverfahren
ungenau ist, ist nicht zulassig, weil die anderen ebenfalls
in gleicher Weise mit Kupenfarben hergestellten Tuche
eine viel hohere Zahl aufweisen.
Wir konnen nur annehmen, daI3 diese Stiicke entweder
durch die zur Verwendung gelangte Wolle oder durch
Verlag von O t t o S p a m e r .
[ang%Edykl?&ie.
die Fabrikation gelitten haben, und da das Kriegsministerium Material von den beiden Stiicken hat, kann durch vergleichende Tragversuche leicht gepriift werden, wieweit die
beiden Stucke sich nun beim Tragen ungiinstiger verhalten.
Von den sonstigen Versuchen, die auf Wunsch einzelner
Interessenten angestellt worden sind, kann ich Ihnen eine
Priifung, die vor einigen Tagen vorgenommen m d e , vorlegen. Es handelt sich um zwei neue Lieferungstuche die
als Normalgrau bezeichnet sind.
Das eine Probestiick war 7% besser a h normales Feldgrau, also annahernd so gut wie das alte dunkelblau melierte Tuch, wahrend das zweite in genau gleicher Nuance
und Aussehen 19% besser war.
Der Fabrikant,, dem die Abweichung beim zweiten
Tuch als auffallig mitgeteilt wurde, klarte die Sache dahin auf,
daI3 zu letzterem Tuch 10% mehr Wolle verwendet wurden.
Auch diese Bestimmung zeigt, daB wir durch das neue
Verfahren sehr genaue Anhaltspunkte uber die Giite der
Tuche erlangen, und so ist die Erwartung berechtigt, daB
damelbe sich besonders fur die vergleichende Qualititsbestimmung der Tuche gut einfiihren wird.
[A. 122.1
Syst.eme der Messung und Benennung von
Farbtonen.
(Einpep. 16./6. 1914.)
Die unter dieser Vberschrift in Nr. 46 dieser Zeitschrift
vom 9./6. d. J. Seite 328 enthaltene Erklarung des Dr. G.
A. B e c k e r erweckt den Glauben, als stutzte sich seine abfallige Kritik uber meinen Farbenanalysator auf praktischea
Arbeiten mit diesem Apparat. Dem gegeniiber erklare ich
hiermit, daB die Feststellung samtlicher in seiner 1910 erschienenen Dissertation besprochenen vierzig Pyridinfarbstoffe nur von mir allein (und zwar aus besonderer Gefalligkeit) durchgefiihrt worden ist. Dies geht schon daraus hervor, daI3 damals dem Doktoranden B e c k e r mein Apparat
gar nicht zur Verfugung gestanden hat. Da Dr. B e c k e r
selbst erklart, daB meine Bestimmungen mit den Absorptionskurven in ubereinstimmung waren, so ist damit der
Beweis erbracht, daB sich mit meinem Apparat (der sich
ja auch zu anderen Zwecken auf dem Farbengebiet als
brauchbar erwiesen hat) gute Ergebnisse erzielen lassen.
I m iibrigen moge Dr. B e c k e r eine wissenschaftliche
Arbeit nennen, bei welcher ,,ein anderer und besserer Weg zur
Festlegung von Farbtijnen" zur *4nwendung gekommen ist.
Offenbach a. M., den 14. Juni 1914. Ferd. Vict. Kallab.
Hierzu habe ich zu bemerken, daB ich personlich mit
zwei verschiedenen Ausfiihrungen des Kallabschen Apparates gearbeitet habe, welche beide dem Institut fiir Farbenchemie der Dresdener Hochschule gehorten. Mit dem alteren,
kleineren Modell waren brauchbare Resultate iiberhaupt
nicht zu erzielen, was ich F. V. K a I 1 a b damals mundlich
mitteilte. Er vertrostete mich auf ein in Arbeit befindliches
Modell und bestimmte selbst rnit einem Probeapparat etwa
50 'Ausfarbungen, wobei ich nahezu 2 volle Tage in seinem
Offenbacher Laboratorium arbeitete. Weder damals, nmh
nach Erhalt des verbesserten und vergrol3erten Apparates
in Dresden lionnte ich eine genugende Sicherheit in der
Handhabung des Apparates erlangen, aber auch der Erfinder erhielt manchmal verschiedene Zahlenwerte f iir die
gleiche Ausfarbung. Die von mir angegebenen Werte sind
zum Teil die von mir, zum Teil die von F. V. K a 11 a b gefundenen, was auch in der Dissertation bernerkt ist.
Ich muD es zuriickweisen, wenn F. V. K a 1 1 a b auf
S. 240 Angew. Chem. I , 1914 mein Zeugnis anruft und den
Leser unter den Eindruck bringt, ich hatte als unparteiischer
Beobachter mit seinem Apparat Erfolge erzielt, dann aber
in obigen Zeilen mein Urteil mit der unrichtigen Bemerkung
ablehnt, ich habe nicht mit dem Apparat gearbeitet.
Der Wert meiner Dissertation wird ubrigens durch die
Angabe der ungenauen Kallabschen Zahlen , die auf
seine Bitte geschah, nicht gemindert. Die genaue Festlegung der Tone der erhaltenen Farbstoffe erfolgte durch
Ermittlung der Absorptionskurven, auf welche sich auch
die wissenschaftliche Deutung griindete.
hjchenbach, 0.-L. den 5.17. 1914.
Dr. G. A . Beckzr.
- Verantwortllcher Eedakteur: Prof. Dr. B. I la s s o w , Lelpzlg. - Spamerache Buchdmckerei in Lelpzig.
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