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Ein und zwanzigste Reihe von Experimental - Untersuchungen ber Elektricitt.

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24
,u"+,u-")
der Kettenlinie z=a--b(
alsdann :
anweiidet.
Man hat
und dieser Gleichung geniigt man, wenn man
x'=a'-b'(
p+p-x)
setzt, wobei p iiicht verandert ist. Wenii man dieseii Werth
in das erste Glied substituirt, wird es nach Integration zwisclien bestimmten Granzen :
2a'-b
'-')(i'L"fp--
,(/1'
-
14$P
woraus folgt :
2n'=a
b' ( ,tk -p-1)
tc
oder :
fl'=
=b.
- , h ' b=
108d
fl
- i(1-'
--
11. €?in und zawrlzigste Reihe c'on EqwrirneirtcdUri iersuchu ngcn iiI er E fekLiGdiii:
von M i c h a e l F n r n d a y .
(Mitgetheilt
tj. 27.
V.
Hrn. Verfasser in eincrn besonderen Abdruck aus
den Phil. Trrrnsuet. J: 1846, p t . I.)
vcrn
U e b e r n e u e magnetische W i r k u n g e i i und
iiber d e n magnetischen Zustand a l l c r S u b s t a n z e n ; F o r t s e t z u i i g ').
W i r k u n g v o n M a g n e t e n auf inagnetische Metalle
und de r e n Verbindungen.
2343) D i e magnetischen Charaktere des Eisens , Nikkels und Kobalts sind wohl bekannt; eben so we& man,
dafs sie bei gewissen Temperaturen ihren gewbhnlichen Magnetismus verlieren , und fur die gebrguchlichen Priifmittcl
1) S. hnnalca, Bd. LXIX, S..289.
25
uiid Beobachtungen uninagnetisch werdeii ; sie treteii dann
in die Liste der diainagrietischeii Kiirper und wirken ahnlich wie diese. Eine niihere Uiitersucliung hat inir hiders
gezeigt , dafs sie dennocli sehr verscliieden voii auderen
Kiirpern &id; dafs sie, obwohl in der Hitze iinwirksam
gegeii gewiihnliche Magnete oder gewihliclie Prufinittel,
es doch nicht absolut siiid, sondcrii bei jeglicher Temperatur einen gewissen Betrag T. 011 Magnetkraft behalteii : und
dals auch diese Kraft voii gleicliein Cliaraliter init der ist,
welche sie gewiihiilich besitzen.
2344) Ein Stuck Eisendraht, etwa eiiieii Zoll lang und
0,05 Zoll dick, vollkoini~en gcsiinbert, wurde in der Mitte
dorch einen fcinen Platindraht init dcm Aufhkgedraht (3249)
verkiiiipft , uin zwischen deli Poleii des Elektromagnets
schwingen zu konnen, Durch eine Weingeistlampe erhitzt,
erlangte er bald eine Teinperatur , welche ihii gegen eineii
guten gewohnlichen Magneteii ganz unempfindlich mnchte,
obwohl dieser ihm sehr nahe gebracht ward. Durch Ajustirung der Flamme ward nun die Tempcratur cles Eisendrahts bedeutend crliiilit und dcr Elektromagiict in Tl~itigkeit gesetzt. Soglcich wurde das hei€se Eisen inagnctisch
und zwischen deli Polen gerichtet. Die Kraft war iudefs
schwach, und in dieser Hinsiclit stand der Zustand des Eisens in auffalleiidcm Contrast mit dem, welclien es iii der
Kalte besitzt; allein im Charakter war die Iiraft diesclbe.
23-15) Das Eisen wurde nun langsain erkaltcii gclasseu,
so dafs sein hi5lierer magnetischer Zustand beobachtet werden miichte. Die Stiirke der Krnft schicn nicht elier ZII
wachsen, als bis die Temperatur zu eineiii gewisscii Puiikt
gelangt war, uiid als nun die Hitze fortfuhr abzunehmen,
erlangte das Eiseii rasch, obwohl nicht instantan, seine hoht:
Magnetkraft ; jetzt liefs es sich niclit vom Magnet entfernt
halten, soiidern flog zii ihm, bog den Aufl~Bngedraht und
zitterte gleichsam init magnetischer Kraft als es mit eineni
Elide an dem Kerne haftete.
2346) Auf dieselbe Weise wurde ein kleiner Nickelstab experimentell untersucht. Diefs Metall, wie icli ge-
zeigt habe I ) , verliert seineii Magnetisinus fur die gewbhnlichen Priifinittel bei einer unter dein Siedpunkt des Oels
liegeiideii Hitze, und daher ist er sehr gut geeignet zu zeigeii,
ob die inagnetischen Metalle ihre Kraft durch Hitze ganzlich verlieren konnen oder iiicht , und ob das Verschwinden der ganzeii Kraft oder eines grbteren Theils plbtzlich
oder allinalig geschieht. Die Kleiiiheit der zu untersuchenden Masse unterstiitzt sehr die Bestimmuiig des letztereii
Funkts. Bci Erhitzung wurde das Nickel bald indifferent
gegen gewiihnlichc Magiiete; allein wie hoch auch die Temperatur war, wurd; es doch vom Elektromagnet gerichtct
iind angezogen, die Kraft war zwar schwach, abcr unzweifclhaft. Sie war kaum hinlhglich das Gewicht des Nickels
durch die inagnctischc Wirkung allein zu tragen; war aber
sehr sichtbar, weiiii dns Metall beschriebenerinafsen ( 23.44)
aufgehdngt ward.
2347) Bei sorgfsltiger Senkung der Teinperatur des
Nickels ergab sich, d a t der TJebergaiig von eineni Grad
der Mngiietkraft zu ciiiem andcren allmalig war, und nicht
instantan. Beim Eisen ist cs schwierig, sowohl beim Erhitzen als beiin Abkiihlcii, a11c Theile so nahc in dcrselbeii Teinpcratur zu hnlten, d d s inan sichcr scyn kiinne,
cs sey nicht die Verciiiigung von heifseren und kdteren
Theilen , welche das Auseheii eines intermediaren Grades
voii Magnetismus bewirke; allein beiin Nickel ist diefs nicht
so schwer, denn der Fortgang ist allmaliger, so dafs, wenti
beim Erkalten die Kraft zu wachseii beginnt, das Erkalteii
cinige Zeit fortdauern kann, ehe die volle Kraft auftritt;
zu jeder Zeit in dieser Periode koniite die Temperatur ein
wenig erhiiht werden, und obwohl dann die Kraft etwas
abnahm, lids sic sich doch auf eiiier Stufe, die stiirker als
die schwschste war, erhalten. In der That war es leicht,
das Nickel auf viele intermedisre Kraftgrade zu halten, und
soinit jeden Zweifel an der allineligen Annahme dcr vollen
Kraft zit entferncn.
2348) Gestiitzt auf die verschiedenen Temperaturen, bei
J ) Ptd, ~?lu,g&rie, 1836, Y o l . r’fZl, p. 179. (Ann. Bd. 37, S. 423.)
27
welchen die inagnetischen Metalle ihre besondere Kraft zii
verlieren scheinen , hab ich die Meiiiung aosgesprochen I ) ,
dafs alle Metalle wahrscheinlich einen gleichen inagnetischeii
Charakter besitzeii wiirden, wenii inan ihre Teinperatur hinreichend erniedrigen kdnnte. Die eben beschricbeneu Thatsachcn scheinen inir aber dieser Ansicht ganz zu widersprechen.
Die Metalle, welche magnetisch sind, halten eineii Theil
ihrer Kraft nach Uebergaiig der grofsen henderung oder in
das, was inan ihren diarnagnctisclien Zustand iieiiiien kann,
zuriiclr; allein andere Metalle, wie Wisinuth, Zinn 11. S. w.,
zcigeii keine Spur dieser Kraft, uud sind daher iiicht in
dein Zustand des heifseii Eisens , Nickels oder Kobnlts ;
dcnn wiihrend diese sich axial stellcn odcr angezogeii werden, stellen die anderen sich acyuatorial oder werdeii abgestol'sen. Ich hoffe daher, es wird erlaubt seyn, die dainals aufgestellte Ansicht znruckzuuehinen.
23.19) Ich schritt nun zunachst zur Untersuchung dcr
Eiscnoxyde; in Uebereinstiinmun;;~~~~
init den Beobaclitungcn
von Hrn. B e c q u e r c l ') und hndcren fand ich, dafs sic
alle, natiirliche wie liiinstliche, inagnetisch sind bci gewiiliiilichen Temperaturen. Ich erliitzte sie daranf in Kobrcn,
fand sie aber noch magnetisch, und sah keine Abnahiiie der
Kraft bei den Temperaturen, die ich ihnen zu gcben verinochte.
2350) Verschiedene Yroben von Nickeloxyd z,eigten diesclben Erscheinungen : sic waren, kalt und ~ v a n n ,magnetisch. Dars die Hitze in dieser Beziehung keine Aendcruni;
bewirkte, ist um so auffallendcr, weil ich dcin heirsen Oxytl
cine Temperatur gegeben hatte, die weit hijhcr war als die,
welchc niithig ist, in dem Metalle selbst ('2346) die grofsle
inagnetische Aenderung hervorzubringen.
2351 ) Kobaltoxyd war auch magnetisch, und zwar glcich
1 ) Phil. illug.. 1836, V o l . VlII, p . 177; ibid. 1839, 701. XLfr,
p . 161. (Annalen, Bd. 35, S. 423 und Bd. 47, S. 218..)
2 ) Arm. clc chirn. et deplrys., 1827, T 5 1 . X X X V I , p. 337. (.Annal.
Bd. 12, S. 632.) Curnpt. rend., 1846, Yo[. XX, p . Ii08.
28
stark, es inochte heifs oder kalt seyn. Blaues Kobaltglas
ist wegeii des Gehalts an Kobaltoxyd magnetisch, sowohl
hei€s wie kalt. In allen diesen Fdlen war die zuriickgehaltene Kraft sehr schwach gegen die des reinen Metalls.
2362) Zu den Eisensalzen iibergehend, fand ich auch
cliese magnctisch. Eiseiivitriol in lrlaren Krystnlleii wurde
angezogen und sehr gut axial gestellt; S O auch das trockne
Salz. Bei meiterem Fortgnng fand ich, dafs jedes Eisensalz uiid jede Verbinduog, die Eisen als Basis enthalt,
inagnetisch ist. Alle dem Versiich unterworfenen Substanzen aufzuzahlen wiirde erniiidend seyn, die folgenden sind
n l s Beispiele ihrer Mannigfaltiglreit ausgewahlt:
Chlorur
Chlorid
Jodid
Oxydulsulplia t
Oxydsulpha t
Oxydulphospliat
Oxydphosphat
Nitrnt
Carbonat
B erlinerb I au.
2353) Unter den natiirlicheii Verbindungen waren :
Sumpferz
Bluts tein
Chromcis enst ein
Schwefelkies
hrseiiihkies
Kupferkies
uiid viele andere magnetisch.
2354) Griines Bouteillenglas ist wegen des dnrin enthaltenen Eiseiis verhaltnifsmii€sig sehr magnetisch, uiid kann
deshalb nicht als Rohren zuin Einschlii€s anderer Substanzcn angewaiidt werden. Aus derselben Ursache ist Kronglas magnetisch. Flintglas ist dagegen nicht magnetisch, und
stellt sich aequatorial.
2355) Krystalle von gelbem Blutlaugensalz sind nicht
magnetisch, sodern werden abgestoken uiid aequatorial gestellt ; dasselbe ist der Fall init rothein Blutlaugensalz.
2356 ) Meinen Hoffnungen gemafs, waren selbst Lasungen von Eisensalzen , gleichviel in Wasser oder Alkohol,
magnetisch. Eine Riibre, gefullt mit einer klaren Lasung
von Oxydul- oder Oxydsulphat, oder Chloriir oder Chlo-
rid oder tinctura ferri muriatici, ward voii deli Polen angezogen uiid zwischen ihneii selir gut axial gestellt.
2337) Diese L6sungen liefern uns ein schr wichtiges
Mittel Zuni Fortschreiten in magnetischen Untersuchungen,
denn sie setzen uns in den Stand, einen Magnet darzustellen, der zugleich flussig , klar und , innerlialb gcwisser
Grsnzen, zu jeglicher Stzrke ajustirbar ist. W i r haben cs
also in unserer Macht, einen Magnet optisch zii untersnch en, kiinnen auch Port ion en inagnc t is cher Subst a nz in ciiiandcr bringen, uiid somit dynamische und nndere Erschcinungen innerhalb inagnetischer Media beobachtcn. In der That
kiiiiiien diese Substanzen nicht blofs als Mngncle in das
inagiietische Feld gebracht werden, sondern das Feld kanii
init ihnen gefullt werden, uiid dann lassen sich andere Kiirper und andere Magnete hinsichtlich ihrer vereinten odcr
getrennten Wirkung in denselben untersuclien (2361 ctc.).
2358) Unter den Nickel- und Iiobaltsaben wurdcn rcinc
Krystalle von schwefelsaurem Nickeloxyd, und ebcii so
solche von schwefelsaurem Kobaltoxyd gut iiiagnclisch befunden. Auch L6sungcn voii Nickclsulplint , Nick clchloritl
und Kobaltchlorid waren magnetisch. Damit icli in diesrn
Schlussen vollkoinmen sicher sey, wandte ich micli an Hru.
A s k i n von Birmingham, dessen Geschicklichkeit in Trcnnung des Nickel und Kobnlts von einander und voii den
ubrigen Metallen eben so bekannt ist, als der Maafsstab in
welchem er diese Operationcn ausfuhrt ; er versali mich mit
einer Liisung von Nickelchlorid uiid eiiier von Kobalkhlorid, beide vollkomincn rein ; beide erwiesen sicli zwischen
den Polen eines Magnets gut magnetisch.
2359) Durcli Erhitzung wurde die Kraft dieser Losung
nicht verringert oder verandert.
2360) Diese Resultate mit den Salzen magnetischer Metalle, vereint mit den zuvor angefuhrten , scheinen zu zeigen, dafs die nicht -magnetkchen Metalle bei keinem Temperaturwechsel magnetisch werden (2398), sondern als eine
von Eisen, Nickel und Kobalt verschiedene Klassc betrachtet werdeu mussen ; .denn keine Verbindung der nicht-mag-
30
netischen Metalle giebt bis jetzt irgend eine Anzeige von
gewbhnlicher Magnetkraft, wahrend diese sich in allen Verbindungen der drei letzten Metalle vorfindet.
2561 ) Zur Erlauterung der Hiilfe, welche das Eisen Imd
andere Zhnliche Lbsungen bei Untersuchung der magnetischen Phanomene darbietet (2357), so wie auch wegen des
allgemeinen Schlusses, der sich aus allen in diesem Aufsatz
beschriebenen Thatsachen ergiebt, will ich gewisse anticipirte Resultate beschreiben , welche bei Anwendung dieser
Lbsungen im magnetischen Felde erhalten wurden.
2362) Es wurde eine klare Lbsung von Eisenvitriol bereitet, die in einer Unze 74 Gran der wasserhaltigen Krystalle enthielt. Eine zweite Losung bestand aus einem Volum der ersteren und drei Voliimen Wasser; eine dritte
Lbsung enthielt ein Volum der stzrkeren und funfzehn Volume Wasser. Diese Liisungen will ich mit No. 1, 2 und
3 bezeichnen; die Menge der darin enthaltenen Krystallc
des Eisensalzes betrug respective 16, 4 und 1 Procent.
Diese Zahlen kbnnen daher als Ansdriicke (nur allgemeiii
(2423)) fur die Stiirke des magnetischen Theils der Flussigkeit angesehen werden.
2363) Riihren , wie die zuvor beschriebenen (2279),
wurden zubereitet , respective mit diesen Lbsungen gefiillt
und d a m hermetisch versiegelt, dabei mbglichst wenig Luft
darin gelassen. Auch wurden Glaser mit den Lbsungeii
gefiillt, grofs genug, urn eine freie Bewegung der Rohren
darin zu erlauben, und doch von solcher Ausdehnung und
Gestalt, da€s man sie zwischen die Magnete bringen konnte.
Auf diese Weise konnte die Wirkung der Magnetkrafte
auf die in den Rohren enthaltenen Substanzen untersncht
und beobachtet werden, sowohl wenn die Rohren sich in
diamagnetischen Mitteln , wie Luft , Wasser, Alkohol etc.
befanden, als auch in magnetischen Mitteln von starkerer
oder schwacherer Magnetkraft als die Substanzen in den
Rbhren.
2364) Als diese Rbhren iu Luft zwischen den Polen
aufgehangt wurden , stellten sie sich alle, wie zu erwarten,
31
axial oder wie Magnete, und anscheineiid iiiit Kraften, die
den Starken der Losungen proportional waren. Auch wenu
sie sich in Alkohol oder Wasser eingetaucht bcfanden, nahinen sic noch dieselbe Richtung a n ; die starkste Liisung
sehr gut, auch noch die zweite, aber die verdunnteste Liisung war von schwacher, obwohl in ihrein Charakter sehr
deutlicher Wirkung.
2365) Sehr interessant waren die Resultate, wenn die
Riihren in die verschiedenen Eisenliisungen getaucht wurden, Die Riihre No. 1 (die stlrkst inagnetische) hattc,
innerlialb der Losung No. 1, keine Neigung unter clem Einflurs der Magnetkraft irgend eiue besondere Lage anzunehmen, sonderii blieb iiberall, wo sie war. In No. 2 gebracht,
stellte sie sich gut axial, und in der Losung No. 3 nalnri
sie dieselbe Richtung mit noch griiherer Kraft an.
2366) Die Riihre No. 2 , iunerhalb der Liisung No. 1
befindlich, stellte sich aequatorial, d. 11. w:e schweres Glas,
Wismuth odes iiberhauyt ein diamagnctischer Kiirper in
der Luft. In der Liisung No. 2 war sic indifferent, richtete sich nirgends hin, und in der Liisung No. 3 stellte sie
sich axial oder wie ein magnetischer Kiirper. Die R6hre
No.3 mit der schwaclisten Lbsung stellte sich aequatorial
in den Liisungen No. 1 und 2, aber gar nicht in der Liisung No. 3.
2367 ) Es wurden mehre anderc Eisenlasuiigen von verschiedener Starkc bereitct, und als allgemeines und constantes Resultat ergab sich, daL jede Rblire sich axial stelltc,
wenn die in ihr enthaltene Liisung concentrirter war als
die umgebende, nnd aequatorial, wenn die Liisuiig in der
Riihre die schwachere von beiden ausmachte.
2368) Die Riihren wurdeu nun senkrecht aufgehangt,
so daQ sie, innerhalb der verschiedeneu Losungen, dem einen der Magnetpole nahe gebracht und wie der anzeigeiidc
Wiirfel oder die Kugel von Wismuth oder schwerem Glase
(2266) angewandt werden konnte. Das constante Resultat war, da€s weiin die Rbhre eine starkere Losung als die
umgebende enthielt, sie von dem Pole angezogen ward, dafs
32
sic dilgegen eine Abstofsung erfuhr, wenn ihre Liisung die
schwlchcre war. Die letzteren Erscheinungen machten sich
in jeder Beziehung eben so wie die Abstofsung des schweren Glases, des Wismuths oder irgend eines diamagnetischen Kiirpers in Luft.
2369 ) Nachdcm ich diese Erscheinungen beschrieben, will
ich bis zum letzten Abschnitt dieses Aufsatzes voii ihrcr
weitercn Betrachtung abstehcn, wid zu gewissen Rcsultnten iibergehcn, die speciellcr zum gegenwartigen Theil dieser Uiitcrsuchungeii gehoren.
2370) Da die magnetischen Metalle, Eisen, Nickel und
Kobalt , in ihren Verbinduiigen ebenfalls Substanzen von
magnetischen Eigenscliaften darstellen (2360), so schien es
selir wahrscheinlich, dds nnderc Metallc, hinsichtlich deren
magnctischen Charaktcrs, wcgen eiiics iriiiglichcn Eisengehnlts
der untersuchten Probcn, Zweifel obwalten, auf diese Wcisc
in Bezug auf ihren magnetischen Charakter gepruft werden
konnten ; denn der Analogie nach schien es wahrscheinlich,
d a t jedes an sich magnetische Metal1 auch in seinen Verbindungen magnetisch seyn wurde, und, nach dcni Charakter der grofsen Klasse von diamagnetischen Kiirperii zu
urtheilen (227.i), dafs keine magnetische Verbindung voii
einem nicht an sich inagnetischen Mctalle zu erhalten ware.
DemgemaCs schritt icli dazu, die Verbindungen vieler Mctalle auf diese Weise zu prufen, und somit erhielt ich die
folgenden Resultate.
2 3 i l ) Titan.
W o 11a s t o n hat die magnetischen Wir kungeii von Titankrystallen beschrieben, und zugleich die
Meiiiung ausgesprochen , daCs dieselben voii Eisen herruhren '). Ich nahin eine Probe Titanoxyd, welche ich fiir
vollkominen eiscnfrei hake, schlok sie in eine Rohre ciii
( 2279) nnd nnterwarf sie der Wirkuiig dcs Elektrornagncten (2946. 2247). Sie envies sich dabei uugezwungen magnetisch. Eine andere von Hrn. J o h n s o n erhaltene Probe,
die er fiir v6llig eisenfrei hielt, war ebenfalls magiietisch.
-
ICll
I ) Pbilosoph. Trunsuct., 1823, p . 400
33
Ich schliefse hieraus, dafs das Titan wirklich ein magnetisches Metall ist.
2372) Mangan.
B e r t h i e r hat mcines Wissens zuerst angegeben, dafs diefs Metall in sehr niedrigen Temperaturcii magnetisch sey I ) . Als ich Proben der verschiedenen Oxyde, welche fur rein gehalten wurden, der Magnetkraft unterwarf, erwiesen alle sich als inagnetisch, besonders das Oxydul. Auch waren es die folgenden Manganvcrbindungen im reinen und trocknen oder krystallisirten Zustandc: Chlorid , Sulphat, Aininonio-Sulphat, Phosphat, Carbonat und Borat; ferner die Liisungen vom Chlorid, Nitrat, Sulphat und Ainmonio - Sulpbat. Eine Probe
des Ainmonio -Sulphats wurde dnrch Zusatz von etwas kohlensaurem Ammoniak alkalisch gemacht, gekoclit und d a m
drei Ma1 sorgfdtig umkrystallisirt. Auch jetzt noch waren
die Krystalle, so wie die Losung des gereinigten Salzes,
vollkommen und gut inngnetisch. Ich zweifle deslialb nicht,
dafs das Mangan: wie I3 e r t 11 i e r sagt, cin magnetischcs
Metall ist. W e n n aus dein Gradc dcs Magnetismus dcr
Verbindungen ein Sclilurs gezogen werden kann hinsichtlich der Magnetkraft dcs Metalls, so wurde icli glauben,
dafs das Mangan bei hinreichend niedriger Temperatur diese
Kraft in bedeutendeln Maafsc besitzt ’).
2373) Cerium. - Ich weirs nicht, d a k man bis jetzt
das Cerium zu den magnetischen Metallen gezahlt habe.
Versuche mit dein Hydrat des Oxyduls, dein Carbonat uiid
dem Chlorid dieses Metalls, so wie mit dein Doppelsulphat von Oxyd und Kali zeigten mir, dafs diese Verbindungen alle magnetisch sind, cben so die Losungen derer,
die liislich sind. Da nun alle diese Verbindungen unzweifelhaft magnetisch sind, so ist jeder Gruiid da zu glauben,
dafs auch das Cerium magnetisch seyn werde (2370).
2374 ) Chrom.
Die magnetischen Erscheinungen der
-
-
I ) TrailP drs Essuis par lu wit. ~ & h
T.,I, p. 533. - Phif. Hug.
1545, Yol. X X Y i I , p . 2. (Annalen, Bd. 6 5 , S. 643.)
2) Phil. RIog., 1845, Y o l . X X V I f , p . 2. (Ann. Bd. 45, S. 643.)
Poggendorfl’s Annil. Bd. LXIX.
3
34
Chromverbindungen sind sehr interessant. Portionen von
chroinsaurem und doppelchromsaurem Kali wurden durch drei
sorgfaltige Umkrystallisirungen gereinigt , dann wurde ein
Theil des Bichromats in einem Platintiegel erhitzt, bis das
zweite Aequivalent Chromsaure in krystallisirtes Chromoxydul verwandelt war, und dieses nun gewaschen und getrocknet; es zeigte sich gut magnetisch. Alle iibrigen Proben von
Chromoxydul , die un tersucht wurden, waren es ebenfalls.
Eine Probe von W a r i 11g t o 11’s Chromsaure erwies sicli
sehr scliwach magnetisch.
2375) Chroinsaures Bleioxyd, dem Magnet unterworfen, stellte sich aequatorial und ward abgestofsen. Dasselbe war dcr Fall mit Krystallen von chromsaurem Kali.
Krystalle von doppelt - chromsaurem Kali wirkten jedocli
nicht so; denn wenn sic iiberhaupt afficirt wurden, waren
sie in sehr geringem Grade magnetisch, als Beweis vom Eiuflufs des veimehrten Antheils der Chromsaure. Lijsungen
von beiden Salzen stellten sich gut aequatorial und wurdcn abgestoben , dadurcli den dialnagnetischen Einflufs des
anwesenden Wassers darthuend (2422).
2376) W i e schon angegeben, ward eine Liisung des
Bichromats, in einer Kiihre entlialtcn, aequatorial gestcllt
und abgestofscn. W u r d c aber dieselbe Liisung init etwas
Alkohol und etwas Salzsaure oder Schwefelsaure versetzt
uud einige Minuten erhitzt, urn die Chromsaure in Oxydul
oder Chlorur zu verwandeln, so fand sie sich, innerhalb
der RBhre dem Magnet unterworfen, stark maguetisch.
2377) Ich glaube, es ist fruher gesagt worden, das
Chrom sey ein magnetisches Metall. Da obige Resultate
mit reinen Verbindungen desselben erhalten wurden, so ist
meiner Meinung nach daran nicht mehr zu zweifeln.
2370) Blei.
Die Verbindungen des Bleis werden
aequatorial gestellt und abgestofsen. Die untersuchten Substauzeii waren. das Chlorid , Jodid, SuIphuret, Sulphat,
Phosphat, Carbonat, Acetat und das geschinolzene Oxyd.
Eine Portion von sehr sorgfaltig krystallisirtem Nitrat wurde
gelast, durch reines Zink gefallt und das erhaltene Blei mit
-
35
verdiiiinter Salpetersaure gewaschen, urn basische Salze zu
entfernen. Ein solches Blei war frei von Magiletismus ;
und folglich gehort diefs Metall zu den diamagnetischeii
Kiirpern , sowohl direct als wegen seiner Verbindungen.
Gewohnliches Blei ist magnetisch; es ist nicht leicht, dasselbe in dem reinen diaiiiagiietischen Zustand zu erltalten.
2379) Platin. - Bis jetzt habe ich noch kein bearbeitetes Stuck dieses Metalls frei voii Magnetismus gefunden,
nicht eininal das voii W o l l a s t o n selbst bereitete uiid der
K. Gesellschaft hinterlassene. Proben des reinsten Platins
voii Hrn. J o h n s o 11 wurden auch schwach magnetisch befunden.
2380) Sauberes l'latin (Blech iind Schnitzel) wurde in
reiiiein Kijnigswasser geliist und die Lijsung zur Trockne
verdunstet. Sowohl das trockne Chlorid als die Lijsung
desselben wurde aequatorial gestellt und abgestolen vom
Magnet. Ein Theil des Chlorids wurde geliist und sauer
gcmacht, danii durch eine saure Lijsung voii salzsaurem Ammoniak gefallt und Jas trockne Platinchlorid- Ammoniak gewascheii uiid getrocknet. Aucli dieses wurde vom Magnet
aequatorial gestellt iind abgestoken. Platinschwamm dagegen, aus diesem Chloridaminoniak durch Erhitzung in einer
Rlihre von Flintglas dargestellt und zu einem Kuchen zusammengeprefst, ward axial gestellt und an der Seite des
Magneten angezogen, war also magnetisch.
2381) Fur jetzt glaube ich, d a b das Platin ein magnetisches Metall ist, obwohl in selir geringem Grade, und dak
in den Verbindungen die Aenderung des Aggregatzustands
und die Gegenwart anderer Siibstanzen von diamagnetischem
Charakter hinreichend sind, den Magnetismus zu verdecken
und das Ganze diamagnetisch zu machen (2422).
2382) Palladium.
Alles im Besitz der K. Gesellschaft befindliche, von W o 1l a s t o n bereitete Palladium,
zusammen zehn Stangeii und gewalzte Bleche, ist magnetisch. Proben dieses Metalls von Hm. J o h n s o n , fur rein
gehalten , waren ebenfalls schwach magnetisch. Das Chlorid, das Bichlorid-Ammoniak und das Cyanid des Palla-
-
3"
36
diums wurdeii durch den Magneten aeyuatorial gestellt uiid
abgestofsen. Dasselbe Cyanid, durch Erhitzung entweder
in offenen Platintiegeln oder in verschlossenen Glasrohren
reducirt, gab ein Palladium, das in schwachein Grade magnetisch war. Einiges von W o 11a s t on’s Palladium wurde
in reinem Kiinigswasser gelost, und die Lasung langsam
durch reines , eiseiifreies, nicht magiietisches Zink gefallt.
Fiinf successiv gefallte Portionen des Metalls waren alle
magnetisch. Aus derselben Losung wurde durch reines salzsaures Ammoniak Palladiiimbichlorid-Ammoniak bereitet und
rnit Kiinigswasser digerirt. Das Salz selbst wurde abgcstofsen, war also diamagnetisch; das daraus durch Erhitzung
in Glasrbliren oder Kapseln von Berliner Porcellan dargestellte Palladium war aber magnetisch. Nach allen diesen
Resultaten glaube ich, dafs das Palladium, obwohl schwach,
doch wahrhaft magnetisch ist.
2363) Amen. - Dick Metall erforderte eine sehr eigenthiiinliclie Untersuchung ; selbst wenn es zwei bis drci
Ma1 nach einander sorgfaltig subliinirt worden, zeigte es
Erscheinungen, die mich es manchmal zu den magnetischen,
manchmal zu den diamagnetischen KGrpern stellen liefsen.
Aus Allem bin ich zu glauben geneigt, dafs es zu den letzteren Substanzeii gehiirt, aber nur wenig vom Null- oder
Mittelpunkt entfernt liegt. Reiner weifser Arsenik wird
durch einen Magnetpol ohne weiteres aequatorial gestellt
und abgestofsen.
2384) In Bezug auf die Stcllung knrzer Stabe zwischen
Magnetpolen voii breiten flachen Seiten mufs ich bemerken,
daL solche Stsbe sich zuweilen axial stellen und magnetisch zu seyn scheinen (when they do not belong to that
cZu[s), und dafs sie von einem einzeliieii Pol abgestofsen
werden. Die Ursacbe dieser Wirkung ist bereits (2296.
2299) gegeben; man entfernt sie durch Anwendung keilf6rmiger oder kegelfirriniger Pole.
2385 ) Osmium.
Osmiumsgure, von Hrn. J o h n s o n ,
in feinen durchsichtigen Krystallen war deutlich diamagnetisch, da es abgestofsen ward. Proben von dem Metall
-
37
uiid dein Oxydul wareii schwach magnetisch. Das Oxydul
war erhalten durch Wirkung von Alkoliol auf eine Lbsung
von Osiniumsaure, die zwei Ma1 mit Wasser destillirt worden; das Metall wurde fur vollkommen frei von anderen
Substanzen gehalten. Wahrscheinlich also gehbrt das Osmium zu der magnetischen Klasse.
2386) Iridium.
Hr. J o h n s o n versah mich mit verschiedenen Iridiumpraparaten. Das Oxyd, Chlorid und Ammoniochlorid waren magnetisch; cben so verliielt sich eine
Probe Metall. Ein anderes Stuck des Metalls, das fur s e h
rein gehalten wurde, war gar iiicht inagnetisch; nach alle
dem bin ich zu glauben geneigt, dafs das Iridium iiicht zur
magnetischen Klasse gehiirt.
2387) Rhodium.
Ein wohl geflossenes Stuck dieses
Metalls, von W o 11a s t o n dargestellt, war magnetisch; allein Krystalle vom Chlorid und vom Natriumchlorid des
Rhodiums, vou demselben Physikcr dargestellt, und andere
voii Hrn. J o h n s o n, waren nicht magnetiscli, sondern wurden gut aequatorial gestellt. Ich schliefse deshalb, dafs das
Metall wahrscheinlich nicht magnetisch ist, oder wenn es
magnetisch ist, wenig vom Nullpunkt entfernt liegt.
2388) Uran. - Uranoxyd war nicht magnetisch, Uranoxydul schwach magnetisch. Fur jetzt habe ich die& Metall in die diamagnetische Klasse gestellt.
2389) Wolfram. - Das Oxyd uud die Slure dieses
Metalls mwrden der Untersuchung unterworfen; beide stell-.
ten sich gut aequatorial. Die SBure wurde deutlich von
einem einzigen Pole abgesto€sen; das Oxyd schien beinahe
neutral zu seyn. Hienach betrachte ich fur jetzt das Wolfram als ein diamagnetisches Metall.
2390) Silber
ist nicht magnetisch (2291), eben s o
wenig eine seiner Verbindungen.
2391) Antimon - ist nicht magnetisch (2291), auch
nicht eine seiner Verbindungen.
2393) Wisnauth - ist nicht maguetisch (2291), aucli
nicht eine seiner Verbindungen. Da ich von jedem dieser
drei Metalle viele Verbindungen untersucht habe, so halte
-
-
-
icli es fur gut, a n den Zusammenhang zwischeii ihneii und
ihren metallischen Basen zu erinnerii (2370).
2393) Natrium.,- Eine schone grofse Kugel, einen halben Kubikzoll grofs, wurde gut abgestofsen, war also diamagnetisch.
2394 ) Magnesiuvb.
Alle Verbindungen oder Salze
dieses Metalls siud nicht inagnetisch.
2395 ) Dasselbe gilt voin Calcium, Strontium, Barium,
Natrium , Kalizcm und Ammonium.
2396) Aus dein Verhalten der Verbindungen sowohl
als aus den directen Ergebnissen bei einigen der Metalle
scheint es demnach, dafs, aufser Eisen, Nickel wid Kobalt,
folgende magnetisch sind : Titan, JIangan , Cerium, Chrom,
Palladium und Platin. Es ist jedoch inoglich, d a k es Metalle giebt, welche magaetisclie Kraft besitzen, aber in so
schwachem Grade, wie Platin und Palladium, dafs sie in
ihren Verbindungen keine Spur davon zeigen. Diei's kann
der Fall seyn mit Wol[rnm, Uran, Rhodium etc.
2397 ) Ich liabe melire der diamagnetischen Metalle erhitzt, selbst bis zu ihrein Schmelzpunkt, aber weder in dem
C h a r a k t e ~noch in deiri Grade ihres magnetischen Verhaltens irgend cine Aenderong zu beobacliten vermocht.
2398) Viclleicht mag bei einigen Mctalleu , deren Verbindungen gleich denen vom Eisen, Nickel und Kobalt magnetisch sind, das Erkalten einen weit h6heren Grad von
Kraft in ihnen erregen, als man bis jetzt von ihnen kennt.
Mangan, Chrom, Cer, Titan sind in dieser Beziehung Metalle von vielem Interesse. Osmium, Iridium, Rhodium und
Uran miissen mit ihnen demselben Versuch unterworfen
w erden.
2399) Folgendes ist ein Versuch, einige der Metalle
hinsichtlich ihrer magnetischen Kraft zu ordnen. Als Nulloder Mittelpunkt ist derjenige Zustand angenonimen, wo
ein Metal1 oder eine Substanz, was Anziehung oder Abstofsung in Luft oder im Vacuo betrifft, sich indifferelit verlialt. J e weiter eine Substaiiz von diesem Punkt gestellt ist,
desto entschiedener tritt seine Anziehung oder Abstofsung
-
39
gegen einen Magnet hervor. Nichts destoweniger wird diese
Ordnung sehr wahrscheinlich bei fernerer sorgfaltiger Beobachtung unrichtig befunden werden.
Mngnctisclr.
Diarnagnetisch.
Eiscn
Nickel
Kobalt
Mangan
Chroin
C er
Titan
Palladium
Platin
Osinium
Wisinuth
Antimon
Zink
Zillll
Kadmiuln
Natrium
Quecksilber
Blei
Silber
Kupfer
Goid
Arsen
Uran
Rho diuni
Iridium
W olfrain
*
$
3
-
VI.
W i r k r i n g v o n M a g n e t e n n u f L u f t u n d Gase.
2400) Es war unmijglich in einer Untersuchung wie die
eben beschriebene vorzurucken , ohne nicht verschiedene
theoretische hnsichtcn iiber die Wirkungsweise der die Erscheinungcn hervorbringenden Kijrper zu fassen. Bei Ueberlegang dieser Ansichten war der nnscheineiide Mittelzustand,
welchen die Lzcft zwischen magnetischen und diamagnetischen Substanzen einnahm, vom grijfsten Interesse, und es
fuhrte inich hinsichtlich ihres wahrscheinlichen Einflusses zu
vielen Versuchen , welche ich jetzt kurz beschreiben will.
2401) Ein diinnes Flintglasrohr, in welches gemeine
Luft hermetisch, eingeschlossen war, wurde, umgeben von
Luft , zwischen die Magnetpole gebracht (2249) und die
Wirkung der Magnetkra€t auf sie beobachtet. Die Rahrg
40
zcigte eine schwache Neigung zur aequatorialen Stellimg,
herriilirend von der Substanz der Rahre, in welche die
Luft eingeschlossen war.
2402) Nun wurde die die Rbhre uingebende Luft mehr
oder weniger fortgenommeii, zuletzt bis zu dem Grade als
es eine gute Luftpumpe zu thun iin Stande war; allein wie
weit auch die Verdunnung geheii mochte, so schien doch die
Rbhre mit Luft genau in derselben Weise afficirt zu werden,
wie wenn sie von Luft von derselben Dichte uingeben war.
2403) Nun uingab ich die Luftriihre folgweise mit Wasserstoff und Kohlenssure; allein in beiden Gasen, bei verschicdenen Graden der Verdunnuog, blieb die Luft - Riihre
so indifferent wie zuvor.
2404) Hieraus erhellt also, dafs zwischen dichter uiid
lockercr Luft, auch, so weit die Vcrsuchc gehen, zwischen
einein Gasc oder Dampfe wid cincin anderen, kcin inerklichcr Untcrschicd vorhandcn ist.
2405) Da cs nicht ganz unwahrscheinlich schien, dafs
die aequatoriale und aiiale Kiirperreihe oder deren Absto€sungen und Anziehungcn von umgekehrten (conweme) Wirkungcn der die Kiirper uingebenden Mitteln abhlngen miichten (2361), so begann icli nun zu untcrsuchen, was bei
diainagnctischcii Substanzen erfolgen wurde, wenn man das
Gas oder die Luft ihrer Umgebung an Dichte oder Natur
verandere, oder was gescheheii wiirde, wenn man die Luft
init solcheii Korpern umgebe.
2406) Die Luft-Rbhre (2401) wurde in Wnsser aufgehsngt, gehalten unter der Oberflache, durch einen Wisiiiuthwurfel, der dicht unter dem Drehpulikt daran befestigt war, also derselben keiiie Richtung zu geben im Stande
war; dann den lnagnetischen Kraften ausgesetzt, nahm sie
sogleich eine asiale Richtung an, wie es ein Magnet gethan
haben wurde. Dem einen dcr Pole genzhcrt, bewegte sie
sich, als die Magnetkraft entwickelt ward, und schieii nach
Art eines inaguetischen Karpers angezogen zu werden ; diefs
dauerte so lange, als man die Maguetkraft in Thetigkeit
erhielt.
41
2407) In gleicher Weise wurde die Luftrbhre der MTirkung der magnetischen Kraft ausgesetzt, als sie von Alkohol oder Terpenthinol umgeben war; die Resultate waren
genau dieselben wie beiin Wasser. In allen diesen Fallen
war die Wirkung der Luft in den Flussigkeiten genau dieselbe wie die Wirkung eiiies magnetischen Kbrpers in Luft.
Die Luftriihre wurde auch der Wirkung des Magnets uuterworfen als sie sich unter Quecksilber befand, und auch
hier stellte sie sich axial.
2408) Um die Versuche iiber Luft und Gase noch weitcr auszudehnen , brachte ich nun diamagnetische Substanzen in dieselben. So wurde ein Stab vom schweren Glase
(2253) in einer Flasche mit Luft aufgehangt und letztere
mehr oder weniger verdunnt; allein, wie zuvor bei der
Luftrohre (2402), hatten diese Veranderungen keinen Erfolg. Der Stab inochte in Luft von gewohnlicher Dichtigkeit oder von solcher Lockerheit, als die Luftpuinpe ihr
geben konnte, aufgehlngt werden: sic stellte sich dennoch
aequatorial, und anscheinend imnier mit demsclbeii %radc
von Starke.
2409) Die Wisinuthstange (2296) wurde in derselben
Flasche aufgehlngt, und die Dichtigkeit der Luft wie zuvor geandert; allein diefs brachte weder in der Art, noch
der Starke nach, irgend einen Untcrscliied in der Wirkung des Wismuths hervor. Es wurden hierauf successiv
Kohlensaure und Wasserstoffgas in die Flasche gebraclit,
und dieselben in verschiedenen Graden der Dichtigkeit angewandt; allein die Resultate waren dieselben. Die Wirkung des Wismuths zeigte sich nicht verandert.
2410) Ein Wismuthwiirfel ward unter gewohiilichem
Drock in Luft und verschiedenen Gasen aufgehlngt, inbglichste Verdiinnung hervorgebracht, alsdann dem einen Magnetpol genahert und seine Abstofsung beobachtet; seine Wirkung war in allen dieseii Fallen genau dieselbe wie'in der
Atmosphare.
241 I ) Der Kupferstab (2323) ward senkrecht neberi
dem Magnetpol irn Vacuo aufgehangt; allein sein Stellen,
42
trages Bewegen und Zuruckgehen war genau so wie mvor
in der Luft (2324).
2412) Rohren (2401), elithaltend respective ein Vacuum,
Luft, Wasserstoff, Kohlensauregas, schwefligsaures Gas und
Aetherdampf, wurden mit Wasser umgeben und d a m der
Magnetkraft ausgesetzt; sie alle stellten sich axial, und SO
weit ich wahrnehmen konnte mit gleicher Kraft. In Alkohol gebracht trat derselbe Erfolg ein.
2413) Dieselben Praparate, von Luft oder Kohlcnsauregas umgeben, stellten sich aequatorial.
2414) Die axiale Stellung der Rohren in der Fliissigkeit (2412) hangt ohne Zweifel von der Beziehung des Inhalts der Rolire zum umgebenden Medium ab; denn was
die Substnnz der Riilire betrifft, so wiirde sic allein eine
aequatoriale Lage zu geben getrachtct haben. Bei den andercn Versuchen (2413), wo die init Gasen gefiillten Rdhren von Gasen umgeben waren, riihrt die acquatoriale Stellung von diesem Effect des Glases der Rbhrc her, und dafs
dieses Seine schwache Wirkung , ungestbrt von allen Variationen der Gase und Dzmpfe, constant ausiibt, ist ein
Beweis, mie gleich und wie indifferent die letzteren zu einander sind.
2415) Ich hing eine Rohre voll fliissiger schwefliger
Saure in schwefligsaurem Gase auf; unter dem Einflu€s des
Magneten stellte sich die Fliissigkeit gut aequatorial. Ich
umgab flussige salpetrige Saure mit gasformiger salpetriger
Saure; die Fliissigkeit stellte sich ebenfalls aequatorial. Ich
brachte fliissigen Aether in Aetherdampf, und auch hier
stellte sich die Flussigkeit aequatorial. Als dagegen eine
Rohre mit Aetherdampf in fliissigem Aether aufgehangt ward,
stellte der Dampf sich axial.
2416) Bei jeder Art und Form des Versuchs nehmeii
also die Gase und Dainpfe eine mittlere Lage zwischen
den magnetischen und diamagnetischen Kbrpern ein. W a s
fur chemische oder andere Eigenschaften die Gase auch
haben mbgen , wie verschieden im specifischen Gewichte
oder im Grade der Verdiinnung sie auch seyn mbgen, so
)
43
sind sie doch alle in ihrem magnetischen Verhalten einaiider
gleich, und anscheinend einein vollkoiiimeneu Vacuum aequivalent. Korper , welclie ausgezeichnet diamagnetischi sind,
verlieren sogleich alle Spuren dieser Eigenschaft , so wie
sie dainpfforinig werden (2415 ). Es wiirde ungemein interessant seyn zu wissen, ob ein Kilrper aus der magnetischen Klasse, z. B. Eisenchlorid, dieselbe Veranderung erleide.
1-11.
Allgemeine Betrrchtungen.
2417) D i e t sind die Thatsachen, welclie nebst denen
beiin Licht eine fur uns neue inagnetische Wirkung oder
Beschaffenheit der Materie darthun. Unter dieser Wirkung
stellt sich ein langliches Stuck einer solchen Materie gew6hnlich (2253. 2384) winkelrecht gegeti die Linien der
Magnetkraft , und diese Erscheinung kaiiii auf die einfachere einer Abstofsung der Materic durch beide Magnetpole zuriickgefuhrt werden. Die Stellung des lhglichen
Stiicks oder die Abstofsung der ganzen Masse dauert so
lange als die Magnetkraft iinterhalteii wird, und liilrt mit
deren Verschwinden auf.
2418) Bei Wirkung diescr Kraft kann der bewegte
Kbrper entmeder langs den magnetkchen Linien oder quer
gegen dieselben fortgefiihrt werden, langs und quer in beiden Richtungen. So lafst sich bewirken, dafs zwei Stiicke
der Materie, die gleichzeitig dieser Kraft unterworfen werden, einander naheren, wie wenn sic sich anzilgen, oder
voii einander entfernen, wie wenn sie sich abstielsen. Alle
Erscheinungen kominen darauf zuriick , daL ein Stuck solcher Materie, wenn es der magnetischen Wirkung unterliegt, von starkeren zu schwacheren Orten oder Punkten
zu gehen sucht. 1st die Substanz auf allen Seiten von
magnetischen Liiiien gleicher Kraft umgeben, so bewegt sie
sich nicht, in auffallendem Gegeiisatz zu einein linearen elektrischen Stroin unter denselben Umstanden.
2419) Diese Erscheinung ist neu, nicht nur in sofern
als der Magnet auf fruher fur indifferent gegen seineii Ein-
44
flufs gehaltcne Korper einwirkt, sondern sie ist neu, weil
sie uns eine zweite Art der Wirkungsweise der Magnetkraft kennen lehrt. Diese bcideii Arten stehen in derselben allgemeinen antithetischen Relation zu einander, wie
das Positive und Negative bei der Elektricitat, wie Nordheit und Sudheit (northers and southers ) bei der Polaritat, oder wie elektrische und magnetische Linien bei der
Magneto - Elektricitlt. Die diamagnetischen Phanomene sind
um SO wichtiger, als sie den Cliarakter von Dualitat, welcher im gewissen Grade schon von der Magnetkraft bekannt war, bedeutend und in neuer Richtung erweitern.
2420) Die Materie scheint der Magnetkraft eben so
allgemein unterworfen zu seyii, als sie es der Schwerkraft,
den elektrischen, den cheinischen oder cohlsiven Kraften
ist. Denn, was nicht in der Weise der gewohnlichcn magnetischen Wirkung von ihr ergriffen wird, wird es in der
zuvor von inir beschriebeuen Weise, sobald die Materic
den starren oder flussigen Zustand besitzt. Hienach scheilien die Substanzen in zwei grofse Abtheilungen zu zerfallen, in die magnetischen uiid in die, welche ich diamagnetische genannt habe. Zwischen diesen beiden Klassen ist
der Contrast, obwohl iin Grade vcrschieden, so grofs und
direct, dafs wenn eine Substanz aus der eineu Klasse angezogen wird, eine aus der anderen abgestofsen wird, und
dafs wenn ein Stab aus der einen eine gewisse Lage annimmt, eiii Stab aus der andcren sich rechtwinklich darauf
stellt.
2421) Bis jetzt habe ich noch keinen einfachen starren
oder flussigen Korper gefuiiden , der vollkommen neutral
wgre, d. h. in der Luft weder angezogen noch abgestoLen
wurde. Far die Bctrachtung der magnetischen Wirkung
wurde es wahrscheinlich wichtig seyn zu wissen, ob eine
in der Natur vorkommende einfache Substanz diese Neutralitlt im starren oder fliissigen Zustand besitze. Unter
den zusammengesetzten oder gemischten Korpern kann es
deren viele geben; und da es fiir den Fortschritt der Experimental-Untersuchung wichtig seyn kann, will ich die
45
Principien beschreiben, nach welchen ich eille solche Substanz bereitet habe, wenn sie als umgebendes Mittel erforderlich wurde.
2422) Es ist klar, dafs die Eigenschaften der magnetischen und diamagnetischen Kiirper hiiisichtlich ihrer dynamischen Wirkungcn einander entgegengesetzt sind, und dafs
deshalb durch eine geharige Mischung von Kiirperii aus beiden Klassen cine Snbstanz von jedem intermediiiren Grad
von Beschaffenheit erlial ten werden kann. Schmefelsaures
Eisenoxydul gehart zu der magnetischen Klasse , Wasscr
zu der diamagnetischen. Bei Anwendong dieser Substanzen faiid ich, d a k es leicht sey, eine Liisung darzustellen,
die, in der Luft, weder angezogen, noch abgestofsen, nocli
gerichtet ward. W i r d sie in Bezug auf das Eisen etwas
verdiinnter gemacht, so stellt sie sich axial im Wasser, aber
aequatorial in der Luft; und durch Zusatz von mehr Eisenvitrio1 oder mehr Wasser lafst sie sich mehr und mchr in die
magnetische oder in die diamagnetische Klasse bringen.
2423) So erhiilt man ein flussips Medium, welclies
practisch, so weit ich sehen kann, jeden magnetischen Charakter besitzt, und als ein Gas, selbst als ein Vacuum wirkt.
D a wir sowohl magnetisches als diamagnetisches Glas haben (2354), so ist es offenbar moglich, eiiie starre Substanz zu bereiten, welche deitselben neutralen magnetischeii
Charakter besitzt.
2424 ) Beim gegenwgrtigen uiivollkommenen Zustand tinserer Kenntnisse wurde die Aufstellung einer allgemeinen
Liste der Substanzen etwas sehr Voreiliges seyn. Die untenstehende hat daher blofs den Zweck, eine Idee zu geben , welche sonderbare Anordnung die Korper hinsichtlich der magnetischen Kraft erhalten, und urn mich spater darauf zu beziehen:
Eisen
Nickel
Kobalt
Mangan
Palladium
46
Kronglas
Platin
Osmium
00 Luft uiid Vacuum
Arsen
Aeth er
Alkohol
Gold
Wasser
Quecksilb er
Flintglas
Zinn
Schweres Glas
Antimon
Phosphor
Wismuth.
2425) Sehr interessant ist es zu bemerken, dafs die
Metalle an den Endeii der Reihen stehen, und uiiter allen
Kiirpern eiiiaiider hinsichtlich ihrer magnetischen Beschaffenlieit am entgegengesetzten sind. Auch ist es eiii sehr
merkwurdiger Umstand, dafs diese Abweichungen (differences and departures) vom Mittelzustand in den Metallen an
beiden Enden, Eisen und Wismuth, mit einem geringen
Leitungsvermiigen fur Elektricitat verknupft sind. Zugleich
mu& sich der Contrast beider Metalle rucksichtlich ihrer
faserigen uiid kiirnigeii Beschaffeiiheit , ihrer Schmiedbarkeit und S p a d e , aufdrangen, wenn man iiber den mdglichen Zustnnd ihrer Molecule w ~ h r e n dder Einwirkung der
Magnetkraft nachdenkt.
2426) In Bezug auf die Metalle und die nicht zu dieser Klasse gehiirigen diamagnetischen Kiirper (2286) ist es
befriedigend, auf die Frage wegen der Meinung, daL alle
Kbrper magnetisch seyen wie das Eisen, eiiie nicht blofs
negative Antwort geben zu brauchen, sondern positive Beweise zu haben, dafs sie sich in einein anderen und entgegengesetzten Zustand befinden, und im Stande sind, einen sehr bedeutenden Grad von Magnetkraft aufzuwagen
(2448).
47
2.427 ) W i e schoii angegeben, ist die Maglietkraft in
ihrer Wirkung auf K6rper der inagiietischeii und diamagnetischen Klasse so schlagend verschieden, da€s sie die eiiien
anzieht, w-enn sie die anderen abstiifst; iind dieb wissen
wir nicht anders zu erkleren, als durch eiiie Wirlcung aof
die Theilcheii oder die Masse der Substanzen, welche sie
in einen anderen Zustaud versetzt. Unter diesein Gesichtspunkt ist es sehr auffallend, die Resultate rnit denen, welche ein polarisirter Lichtstrahl clarbietet , zu vergleichen,
besonders da sich d a m eiiie merkwiirdige Verschiedenheit
herausstellt. Denn wenn aus beidcn Klassen durchsichtige
KiZrper genoiiiiiieii werden , z. B. schweres Glas oder Wasser aus der diainagnetischen, griines Glas oder EisenvitriolLosung aus der magnetischen, so wird eine gegebene Magiietkraftlinie die Abstofsuiig der einen und die Anziehuiig
der anderen veranlassen ; allein diese selbe Kraftlinie, welche die Theilchen so verschiedenartig afficirt, wirkt auf den
durch sie gehenden polarisirten Strald genan auf gleiche
Weise in beiden Fallen; denn die beiden Kiirper drehen
ilia in derselberi Richtung (2160. 2199. 2244).
2.428) Diese Betrachtuiig wird noch wichtiger, wenn
wir sie verknupfen mit den diamaguetischen und den optischen Eigenschaften der Korper, welche einen polarisirten
Strahl drehen. So merdeii eine EisenlBsung uiid eiii Quarzstuck, welches auf einen Lichtstrahl drehend wirkt, beide
durch den Eiufliik einer selben Magnetkraftlinie gerichtet,
die erstere axial, der andere aequatorial; allein die Drehung,
welche diesc zwei Kiirper dein Lichtstrahl einpragen, SO
weit sie linter dem Eiiifluh derselben Magnetkraft stelien,
ist dieselbe fur beide. Ferner ist diese Drehung ganz unabhangig von der des Quarzes uiid ihr in einem sehr wesentlichen Punkt ganz unahnlich; denn fur sic11 kann der Quarz
den Strahl iiur in Einer Richtung drehen; alleiii uiiter dein
Einflub der Maguetkraft verinag er ihn sowohl rechts als
links zu drehen, je nach dein Lauf des Strahls (2231. 2232).
Nimint man zwei Stiicke Quarz (oder zwei Kijhren mit Terpenthindl), welche den Lichtstrahl entgegengesetat drehen,
so wirkt die zusatzliche Drehkraft , welche sie linter der
Herrschaft des Magnetismus erlangen , immer in gleicher
Richtung, uiid diese Richtung kann in beiden Quarzen nacli
der Rechten oder Linken gehen. Wahrend alle defs bleibt
aber der Contrast zwischen dem Quarz; als diamagnetischem
Kijrper , und der Eisenliisung, als einem magnetischen, ungestbrt bestehen. Gewisse, aus diesen Contrasten entsprungene Betrachtungen in Bctreff eines Lichtstrahls, die sich
mir aufgedrangt haben, hoffe ich der K. Gesellschaft vorzulegen, wenn es die Zeit inir erlaubt haben wird, sie dem
Experiment zu unterwerfen.
2429 ) Eine Erklsrung der Rewegungen diamagnetischer
Kiirper und all der dynamischen Erscheinungen, die aus
der Wirkung der Magnete auf sic entspriugen, inochte sich
in der Annahme darbieten, dafs die magnetische Induction
in ihnen einen entgegengesetzten Zostand hervorruft, wie
er in magnetischen Kiirpern erzeust wird, d. h. dafs wenn
man von jeder Kiirpcrart ein Thcilchen in das magnetische
Feld brachte, beide magnetisch wiirden , und jedes seine
Axe parallel der durch sie hingehenden magnetischen Resultante stellte, doch mit dem Unterschied, dafs die Theilchen des magnetischen Kiirpers ihre Nord- und Siidpolc
den entgegengesetzten Polen des inducirenden Magneten
zuwendeten, die Theilchcn des diamagnetischen aber es umgekehrt machten. Daraus wiirde dann eine Naherung des einen Kiirpers und ein Zuriickweichen des anderen erfolgen.
2430) Nach A m p d r e’s Theorie wurde diese Annahme
damit ubereinkommen, da€s, wahrend in Eisen und dergleichen inagnetischen Kiirpern Strome parallel mit den im
inducirenden Magnet oder galvanischen Apparat vorhandenen inducirt werden , im Wismuth, schweren Glase und
den ubrigen diamagnetischen Kiirpern Sfrome von entgegengesetzter Richtung auftraten. Diefs wiirde den Strdmen
in diamagnetischen Karpern gleiche Richtung geben mit denen, welche zu Anfange des inducirenden Stroms in diamagnetischen Leitern inducirt werden, und den in magnetischen Karpern gleiche mit denen, welche beim Aufhoren
desselben indukirenden Stromes entstehen. Hinsichtlich nichtlei-
49
leitender magnetischer und diamagnetischer Substaiizeii wurde
keine Schwierigkeit entspringen , weil die hypothetischeii
Striiine iiicht in der Masse, sondern ringsuni die Theilcheii
der Substanz angenommcn werden.
2431) So weit die Erfahrung bis jetzt reicht, scheint
es, dafs die bekannten Inductions-Effecte auf Massen von
inagnetischen und diamagnetischen Metallen dieselben sind.
W e n n ein gerader Eisenstab quer darcli die Magnetkraftlinien gefiihrt , oder ein gerader oder schraubeiifiirmiger
Stab oder Draht vor einein in Thatiglieit gcrathenden (Elektro -) Magnet gehalten wird , so werden elektrische Striime
inducirt, welche sich durch den Stab odcr Schraubendraht
in gewissen bestimmten Riclitungen bewegen (38. 114 etc.).
Wendet man unter denselbeu Umstandeii einen Stab oder
Schraubendraht von Wismuth an, so werden ebenfalls Striiine
inducirt, und genau in derselben Richtung wie im Eisen.
Es ist also hier in der Richtung des inducirten Stronis kein
Unterschied vorhanden , und kein sehr grofser i n seiner
Kraft, kein solcher in der That als zwischen den in einem
dieser Metalle und einem nahe vom Neutralpunkt (2399)
inducirten Striilnen existirt. Dennoch ist zwischen den Bedingungen des Expcriments und des hypothesischen Falls
der Unterschied geblieben, dafs in dein ersteren die Induction durch Striime in der Masse auftritt, wahrend in
den letztercn, d. h. in den specie11 magnetischen und diamagnetischen Effecten, die Striime, weiin sie existiren, wahrscheinlich die Theilchen der Materie umkreisen.
2432) Das magnetische Verhalten der luftfiirmigen Kiirper ist ungemein merkwurdig. Dafs Sauerstoff oder Stickstoff in der Mitte zwischen der magnetischen und diamagnetischen Klasse steht; dafs er die Stelle einnimmt, die
kein starrer oder fliissiger Kijrper einiiehmen kann; dafs
er sein Verhalten bei keinem miiglichen Grade von Verdunnung Indert , selbst wenn der von ihnen eingenoinmene
PoggcodorrPs Annal. Bd. LXX.
4
50
Rauni in ein Vacuum ubergeht; dafs dasselbe :nit allen
ubrigen Gasen oder Dampfen der Fall ist; dafs sie iiicht
an einem Ende, sondern gerade in der Mitte der grofsen
Karperreihe stehen, und dafs sie alle, von dem Iockersten,
dem Wasserstoff, bis zum dichtesten, der Kohlensaure, dem
schwefligsauren Gas und dem Aetherdampf, sich gleich verhalten , sind so auffallende Erscheinungen, dafs sie glauben lassen, die Luft musse in der phjsikalischen und terrestrischen Anordnung der Magnetkrafte eine grofse und
vielleicht thatige Rolle spielen.
2433) Einst glaubte ich, Luft und Gase, als Karper,
die sich ohne Zusatz verdiinnen lassen, warden dabci entsprechende Veranderungen in ihren inagnetischen Eigenschnften zeigen, allein nun scheint die Verdunnung all solche Kraft
verloren zu haben. Es ist zwar leicht ein flussiges Medium danustellen, welches mit andcren Kiirpern nach Art
der Luft wirkt (2422), allein es verhzlt sich doch nicht mahrhaft wie diese; es erlaubt keine Verdunnung, denn setzt
man Wasser oder irgend eine solche Substanz hinzu, SO
fiigt man diamagnetische Kraft zu der Flussiglreit; und wenn
es m6glich ware, dasselbe in Dampf zu verwandeln und
somit durch Wiinne auszudehncn, so wurde es in die Klasse
der Gase ubergehen und magnetisch nicht von dem Ucbrigen zu unterscheiden seyn.
2434) Sehr merkwiirdig ist anch das anscheinende Verschwinden des magnetischen Zustands und Effects beim
Uebergange der Kbrper in den Dampf- oder Gaszustand,
verglichen init dcm gleichzeitigen Verhalten zum Licht ; denn
bis jetzt ist noch von keinem Gase oder Dainpf ein magnetischer Einflufs auf den polarisirten Lichtstrahl nachgewiesen, selbst nicht :nit Hulfe von Kraften, die mehr als
hinreichten eine solche Wirkung bei flussigen und starren
Karpern darzuthun.
2435) Zu entscheiden, o b die negativen Resultdte bei
Gasen und Dampfen davon herruhren, dafs in eineni gegebenen Volum- eine kleinere Menge Materie vorhanden
ist, oder ob sie directe Folgen des gednderten physischen
51
Zustandes der Substanz seyen, ist eiii Punkt von g r o t e r
Wichtigkeit fur die Theorie des Magnetisinus. Ich habe
hiezu einen Versuch mit Hrn. C a g n i a r d d e 1a T o u r ' s
Aether - Riilireii erdacht, fiirchte aber bei seiner Ausfuhrung
gro fse Schwierigkeiten aiizutreffen, hauptsachlich wegeii der
Starke, uiid also cler Masse, welche fur die Rohre niithig
ist, uin der Expansion des eingeschlossenen erhitzten Acthers
zu widerstehen.
2436) Vermiige ihres mcrkmurdigen Zustandes uiid ihres
Verhaltens zu Kiirpern der magnetischen uiid diamagnetischeii Klasse stellt die Luft sich aequatorial in den ersteren
und axial in den letzteren. Wenii dcr Versuch diese Resultate uiitcr dcr Form von Aiiziehung und Abstofsung darstellt, bewegt sich die Luft, wie wenn sie in einem magiietischen Medium abgestofseii uiid i ~ ]eiiiem diamagiietischen angezogeii wurde. Hienach scheint es, wie wenn die
Luft verglichen mit diamagiietischen Kiirpern magnetisch, uiid
verglichen mit magiietischeii Kiirpcrn diamagnetisch wiire.
2437) Diese Resultalc habe ich als erklart angescheii
durch dic Annaliine, dafs Wisinutli und seine Gefihrten
absolut abgestol'sen merden von den Magnetpolen, und dafs
sie eben so abgestohen werdeii wurden, wenn nichts anderes als der Magnet uiid das Wismuth an den Erscheinungcn Thcil nlhmc. So ist auch bei dein Eisen uiid 21111lichen Metallen die Anzichung als das directe Resultat der
gegenseitigeii Anzicliiing zwischen ihnen und dem Magnete
angesehen; fcrner sind dicse Wirkungen als hinreicliend crachtet, um das axiale uiid aequatoriale Stelleii der Luft, so
wie die scheinbare Anzieliong und Abstofsung derselben zu
erklareii; und der Effect in dicsen Fallen wurde RIS Folge
davon angesehen, d a b die Luft in die Lagen wandert,
welche die magnetischen uiid diainagnetischen Karpcr zu
verlasseii trachten.
2438) Die Erscheinungeii bei der Luft sind jedoch in
allen diesen Fallen genau dieselben , welche mit Eiscnlosungen von verschiedener Starke (2365) erhalten wurden,
wo alle KOrper zu den magnetischen gehiirten, und der
4"
52
Effect offenbar von dem grofseren oder geringeren Grade
von Magnetkraft der Losungen herriihrte. Eine verdiinnte
Losung stellte sich in einer concentrirten aequatorial, und
ward gleich einein diainagnetischen Korper abgastofsen, nicht
weil er nicht durch Aiiziehung zu einer axialen Stellung
strebte, sondern weil er zu dieser Stellung init geringerer Kraft strebte als die umgebende Materie; demnach draugt
sich die Frage auf, ob die inagnetischen ICiirper innerhalb
Luft die Abstofsung und die Neigung zu der aequatorialen
Stellung aus einem anderen Gruiide erfahren, als dafs die
Luft magnetischer als sie ist und eine axiale Stellung einzunehmen sucht. Leicht begreiflich ist, d a b wenn alle Kiirper in verschiedenein Grade magnetisch waren, sie eine einzige Reihe bildeten, in dcren Mitte die Luft stande, die
Erscheinuugen gerade so seyn wiirden wie sie sind. J e der Kbrper aus dem mittleren Theil der Keihe wiirde sich
in Kbrpern iiber ihin aequatorial, uud in Kiirpern unter
ihm axial stellen; denn eine Substanz, die, wie Wismuth,
von einem starken Punkt der Wirliung zu einem schwlcheren geht, kann es nur thun, weil die aiidere Substanz, welche schon an dein Ort der schwachen Wirknng ist, an den
O r t der stdrkereii Wirkung zu koinmen trachtet ; gerade
wie bei der elektrisclien Induction die Kbrper, die am geeignetsten sind die Kraft fortzufiihren, in die kiirzeste W i r kungslinie gezogen werden. Und so wird Luft in Wasser
und selbst unter Qiiecksilber zuin Magnetpol gezogen, oder
scheint es zu werden.
2439) W e n n aber diefs die richtige Ansiclit ist, die Luft
wirklich unter den Kiirpern in der Mitte steht, so ware
zu envarten, dafs sie bei Verdiinnung ihre Stelle anderte,
mehr diainagnetisch wiirde. W e n n diefs der Fall ware,
iniikten Kbrper, die bei eincin Grade von Verdunnung der
Luft sich in ihr aequatorial stellten, bei einem anderen
Grad auch ihren Ort andern und zaletzt sich axial stellen; allein diefs thun sic nicbt ; die verdiinnte Luft niag mit
magnetischen oder diamagiietischen Kbrpern, oder selbst mit
dichterer Luft verglichen werden: sie bleibt auf ihrer Stelle.
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2440) Einc solclic Ansicht wiirde auch deli blofsen Raum
inagnetisch machen, und zwar genau in deinselben Grade
wie Luft oder Gase. Nun kann es zwar ganz wohl seyn,
dafs der Rauiii, die Luft und die Gase eine gleiche allgemeine Relation ziir magnetischen Kraft besitzen ; allein es
scheint mir docli eine neue starke Voraussetzung, sie lieber alle als absolut magnctisch und in der Mitte der Kiirperreihe stehend zu betrachen, als anzunehmen, sie befinden sich im Normal- oder Nullzustand. Fur jetzt bin ich
daher zu der friiheren Ansicht geiieigt, als zu der, dafs die
diainagnetischeii Kiirper eine specifische, von der gewiihnlichen magnetischen anti~hetischverschiedene Wirkung besitzen, und dafs sie inis deshalb eiiie neue inagnetische Eigenschaft offenbart haben.
2441 ) Die Starke dieser Kraft in diamagnetischen K6rpern scheint sehr gering zu seyii, wenn wir sie nach ilirem
dynamischen Effect beurtheilen ; allein die Bewegung, welche diese Kraft erzeugen kann, ist vielleiclit nicht das auffallendste M a d s derselben, vielmehr ist es wahrscheinlich,
dafs wenn wir sie naher lrciinen lernen, auch andere Effecte,
dnzeigen und Maabe, als die in diesem Aufsatz so unvollkommen beschriebenen, zii unserer Kenntnifs gelnngen, und
dafs selbst neue Klassen von Erscheinongen dazu dienen
werden, sie und ihre Thatigkcit zu offenbaren. W i e auffallend ist nicht die schwache Kraft cines leeren Schrauhendrahts im Vergleich zu der aufserordentlichen , die sie
einern Stuck meichen Eisens verleiht.
So k611nen wir
auch hier uns Hoffnung machen auf eine nnaloge Entfaltung dieser bis jetzt noch so neuen Kraft. Da sie Naturkiirpern gegeben ist, so kann nicht einen Augenblick
angenoinmen werden, dafs sie iiberflussig, oder unzubnglich oder unniithig sey. Ohne Zweifel hat sie ihren angewiesenen Zweck, und zwar in Bezug auf die gesammte Erdkugel ; uud wahrsclieinlich ist wegen ihrer Beziehung zu
der gesammten Erde ihrc Stiirke nothwendig so gering (um
so zu sagen) in den Portionen der Materie, die wir handhaben und dein Versuch unterwerfen. Obschoii klein, wie
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vie1 griiCser ist doch nicht diese Kraft, selbst in ihren cly
namischen Effecten, als z. B. die machtige Gravitationskraft,
welche das Universum zusammenhiilt, wenn sie sich in Massen von derselbeii GroCse aufsert !
2442) Mit der vollen Ueberzeugung, dafs der Nutzen
dieser Kraft in der Natur spaterhin dargethan, und sie sich
nicht nur als wichtig, sondern auch wcsentlich eriveisen
werdcii wird, will ich einige fluchtige Bemerkungen aussprechen.
2443) Die Mnterie knnn nicht von den magnetischen
Kraften ergriffen werden , ohne nicht ihrerseits einen Einflufs auf diese Krafte auszuuben. Die bloke Beobachtung
kanii uns iiberzeugen, dafs wenn ein Magnet auf ein Stuck
weiclien Eisens wirkt, dns Eisen sclbst verinbge des Zustands, in den seine Theilclicn gerathen, die Kraft zu cntfernten Punkten fortfiihrt, und derselben in der auffnllendsten
W e i se Riclituiig uiid Concentration verleiht. So mag aucli
hier der Zustand, welchen die Theilchen der dazwischenliegenden diamagnetischen Substanzen annehmen, gerade das
seyn, was die Kraft fortfiihrt und durch sie hinleitet. In
friihcren Aufsatzen (1161 ctc.) I ) habe ich eine auf die W i r kung anliegender Theilchcn gegriindete Theorie der elektrischen Vertheilung aufgestellt, init welcher ich gegenwartig
zufriedener bin als damals ; ich w a g e damals zu vermuthen,
dafs wahrscheinlich die Seitenwirkung der elektrischen Strbme,
welche der elcktrodynamischen oder rnagnetischen Action
aequivalent ist, auch in ahnlicher Weise auswarts gefiihrt
werde (1663. 1710.1729. 1735). Damals konnte ich keinen besonderen Zustand der Zwischensubstanz oder diamagnetischen Materie entdecken; allein jetzt, da wir im
Stande sind eine solche Wirkuiig zu erkennen, eine Wirkung, die in Kihpern von so zcngleicher Beschaffenheit so
gteicla in ihrer Natur ist, und dadurch im Charakter so
gleich der Weise, in welcher die Magnetkraft alle Artcii
von Kbrpern durchdringt , und die zugleich in ihrein Daseyn
1) Philosnph. Trunsact., 1838, Pt. I. (Annalen, Bd. 46,
S. 1.)
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ebeii so universell als in ihrer Wirkuiig ist, jetzt, da gezeigt worden, dafs diamagnetische Kiirper keine indifferente sincl, setze icli inehr Vertrauen in jene Vermuthung,
und inochte fragen, o b es nicht die Wirkung der anliegenden oder zunlchst folgenden Theilchen sey , wodurcl:
die Maguetkraft fortgefuhrt wird, und ob nicht der eigenthuinliche Zustand, welchen die diauiiagnetisclien Korper unter Einflufs der inagnetischen Kraft erlangen, eben das sey,
durcli welches die Fortpflanzung dieser Kraft geschieht?
2114) W a s fur eine Ansicht wir von den starren und
fliissigen Substanzen fassen, ob wir sic als zwei Klassen
oder eine einzige grofse magnetische Klasse bildend ( 2k2-1.
2437) ansehen, wird, so weit icli sehen kann, die Frage
iiicht beriihren. Sie alle sind dein Einflufs der durch sie
hingehenden Magnetkraftlinien unterworfen; und der virtuelle Uiiterschied in der Eigenscliaft und dein Charakter
wird bei zwei von verschiedenen Orten der Reihe (2424)
genorninenen Substanzen dersclbe scyn ; denn es ist die differentielle Relation dieser beiden, was ihre gegcnseitige
Effecte bedingt.
2445) Es ist nur die Gruppe, welche Luft, Gase, Dampfe
und selbst ein Vacuum einschliefst , die eine Schwierigkeit.
darbietet ; allein hier ist solch eine wundervolle Aenderung;
in der physischen Constitution der Kiirper, und in gewisser Beziehung sind so hohe Krafte in ihnen enthalten (retained by them:, wahrend andere zu verschwinden scheinen,
dafs wir fast vermuthen miichten, es werdc in Bezug auf
eine so universelle Kraft wie die inagnetische ein besonderer Zustand angenommen. Die elektrische Vertheilung, eine
Wirkung in die Ferne, lndert sich genugsain unter starreu
und fliissigen Kiirpern; allein wenn sie in Luft oder Gasen
zur Ausiibung komint, wo sie sich am deutliclisten zeigt,
ist sie in allen von gleichem Betrage (1292), auch andert sie
sich nicht dem Grade nach in der Luft, wie dicht oder locker
diese auch sey (1284).
Nun kaiiii die magnetische W i r kung als eine bloke Function der elektrischen Kraft belrachtet werden, und es sollte mich nicht wundern, wenn
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es sicli finde, dafs sie der letzteren in ihrer besondereii
Beziehung zu Luft , Gasen etc. entsprache.
2446) En Bezug auf die Art, in welcher die elektrische
Kraft, die statische wie die dynamische, von Theilcheii zu
Theilchen, wenn diese von einander entfernt sind, oder
durch ein Vacuum gefiihrt zu werden verinag, habe ich dein
fruher Gesagten ( 1614 etc.) nichts hinzuzufugen. Die Aniiahme, dafs diefs moglich sey, kann fur die, welche sich
bemuht haben die Strahlung uiid Leitung der W % n n c uiiter ein Princip der Wirkung zusainmenzufiisseu, niclits Redenkliches haben.
2447) Betrachteii wir den magnetischen Zustand der
Erde als Ganzes, ohne Riicksicht auf ihre inbgliche Beziehung zur Soniic, und crwageii, welche ungeheure Massen
von diainagnetischeii Substnnzeii ihre Kruste bilden ; bedenken wir ferner, dafs magiietische Curvcn von gewissein
Kraftbetrage uiid aniversellem Daseyn durch diese Substanzen gehen, und sie bestzndig i n dein Zustand von Spaniiung uiid deshalb voii Wirkiiiig erhalten, welchen ich geniigend dargelegt zu haben hoffe, so diirfen wir nicht zweifeln, dafs dadurch fur dieses System und fur UIIS, seine
Bewohner, eiii grofser Zweck dcs Nutzens erfullt ist, den
zu ergriinden wir nun das Vergniigen haben werden.
2448) Von den Substanzen, aus deiien die Erdkruste
besteht, gehisrt bei weitein der grisfste Theil zu der diamagnetischen Klasse ; wid obwohl eisenhaltige uiid aiidere
inagnetische Suhstanzen , als krzftiger in ihreu Wirkungen,
auch auffallendere Erscheinuiigen hervorbringen , so wiirde
es doch ubereilt seyn anzunehmen, dafs sie deshalb die
Wirkuiig der ersteren Korper ganzlich iiberwiiltigten. W a s
das Weltineer, die Seen iind Flusse, so wie die Atmosphiire betrifft , so wird deren eigenthumliche Wirkung fast
durch keinc der in ihnen enthaltene magnetische Substanz
abgeandert werden, und, was Felsen und Gebirge anlangt,
so ist deren diamagnetischer Eillflufs vielleicht grafser als
inan vermuthet. Ich erwahnte, dafs ich durch Ajustirung
von Wasser und einem Eisensalz eine in der Luft unwirk-
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same L6sung erhielt (2422), d. h. es wurde durch gehiirige Verkiiupfung der Krafte eiiies Kiirpers van jeder Klasse,
Wasser und Eisensalz , die iiiagiietische Kraft des letzteren
durch die diamagnetische des ersteren ganzlich aufgehoben,
11nd die Mischung ward weder angezogen, iioch abgestoisen. Um diese Wirkung hervorzubringen, war ein Zusatz
von inelir als 48,6 Grail krystallisirten Eisenvitriols zu zehii
Kubikzoll Wasscr erforderlich ( dcnn dieses Vcrhaltiiifs
giebt noch eiiie Liisung, die sich acquatorial stellt) , eine
so bedeutende Mengc, dafs icli sehr erstaunte, als ich die
Kraft des Wassers diesclbe iibenvaltigen sah. Es ist daher nicht ganz unwalirscheinlich, dafs viele der Massen, aus
denen die Erdkruste besteht, eincn Ueberschufs von diamagnetischer Kraft besitzen und deingeinafs wirkcn.
2449) Obgleicli die allgemeine Anordiiung der magnetischcn Curveil, welche unsere Erdkugel durchdringen und
umgehen, denen eiiies sehr kurzen Magnets ahnclt, und deshalb Kraftlinicn von rasclier Divergenz in ihrer allgenieinen
Form erzeugt, so verhindert iins doch die Gralse des Systenis irgend eine Abnahme der Kraft innerhalb kleiner
Granzen zu beobachten, so dafs ein Versuch, das Streben
der Substanzen von starkeren zu schwacheren Wirkungsstellcn iibcrzugehen, an der Erdoberflache sichtbar zu inachen, wahrscheinlich fehlschlagen wurde. Der Theorie nacli
und anf den ersteii Blick diinkt mich, iiiufs ein Pfund Wisinuth oder Wasser, gewagt am Aequator, wo die magnetische Neigung Xu11 ist , an Gewicht verlieren, wenn sie
in Breiten versetzt wird , wo eine betrlchtliche Neigung
herrscht; dagegen ein Pfund Eisen, Nickel oder Kobalt unter demselben Wechsel, von Umstanden an Gewicbt zunehmen. Sollte diefs wirklich der Fall seyn, so wurde der
Balken einer empfindlichen Wage, an dessen beiden Enden
eine Eisen - und eine Wismuthkugel hangen , verschiedene
Neigungen an der Erdoberflache annehmen; und es scheint
nicht ganz unwahrscheinlich, da€s nach solch einem Princip
ein Instrument zur Messung einer der Bedingungen der erdmagnetischen Kraft construirt werden k6nnte.
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2450) Weiin man uber die Wirkung des ganzen Curvensgsterns auf sehr grot'se Massen von Gestalt eiiier Plattc
oder eines Ringes nachdenkt, so ergiebt sich aus der Analogie rnit dem maguetischen Feld, dafs sie sich aequatorial
stellen werden. W a r e der Saturn eiii Magnet, wie es die
Erde ist, und sein Ring bestande aus diamagnetischen Substanzen , so wurdeii die magnetischcn Krafte ilin diejenige
Lage zu geben suchen, welche er ~virlrlichbesitzt.
2451) Es ist ein sonderbarer Aiiblick, eiri Stuck Holz
oder Fleisch, einen .4pfel odcr eine Flasche mit Wasser
voin Magneten abgestofsen oder ein zwischen den Polen
aufgeh~ngtes Baumblatt sich aequatorial stellen zu sehen.
O b in der Natur unter den Myriadeu von Gestalten, die
an allen Theilen der Erdoberfliiche von Luft umgeben und
den Maguetkraftlinicn ausgesetzt sind, ahnliclie Wirkungcn
vorkoininen, ist eine Fragc, die iiur dwch kunftige Beobnch tun gen b en 11two r t e t w crd en kann.
2452) Vom Innern der Erde wisseii wir nicks, aber
mir haben viele Griinde zu glauben, d a b es eine hohe Temperatur besitze. In dieser Vermuthung habe ich neuerlich
bemerkt, dafs in einer gewissen Tiefe uiitcr der Erdoberfliche die inagnetischen Substanzen ihres Vermiigens, Magnetismus zu behalten oder mittelst Induction durch Striime
in der Kruste oder sonst wie magnetisch zu werden, ganzlich beraubt seyn miissen I ) . Diefs ist offenbar ein Irrthum. Zwar ist vermuthlich richtig, dafs das Eisen u. s. w.
von selbst keinen magnetischen Zustand behalten kann; allein es ist nun bewiesen, dafs die magnetischen Metalle
und alle ihre Verbindungen bis zu einem gewissen Grad
bei jeder Temperatur die Fahigkeii, durch Induction magnetisch zu werden, behalteu (12344 etc). Die in der Tiefe
liegendeii magnetischen Massen der Erde sind, obwohl sie
wahrscheiiilich fur sich keinen Centralmagnet bilden, doch
gerade in dem Zustand, urn als ein Kern voii weichem Eisen gegen die sie umkreiseuden Strbme oder gegen andere
inducirende Actionen zu wirken , und sehr wahrscheinlich
1) Phil. Mugcine, 1840, Yd XXVU, p . 3. (Ann., Bd. 65, S. 643.)
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sind sie in diesel- Beziehung liiichst wichtig. w a s Linter
dem Einflufs solcher inductiver Krafte der Effect des diainagnctischen Theils seyn moge, liifst sich niclit sagen; allein so weit ineine Betrnclitungen reichen, wird die Kraft
solcher Substanzen nicht durch Hitze geschwacht ( 2397 1.
2453) W e n n die Soniie irgendwie init dcin Magnetisinus der Erde zu schaffeii hat, SO wird wahrscheinlich ein
Theil ihrer Wirkung durch das Licht bedingt, welchcs wir
von ihr empfaiigen. In dieser Verinuthung scheint die Luff,
welche unsere Erdc uingiebt , eine hiichst beachtenswerthe
Stellung einzunehmen, indem sic eine durchsichtige diamagnetische Hulle bildet , die zugleich fur die Strahlen durchganglich ist, und sich quer gegen sie init grofser Schnelligkeit bewegt. Solche Bedingungen scheinen die Moglichkeit
einer Erzeugung von Magnetisinus daselbst einzuschliefsen.
Allein ich werde besser thun, diese rohen Gedaiiken noch
zuriickzuhalten ( obwohl sie sich sehr aufdrangen ) und durch
strenge Versuche zu priifen, o b sic wurdig seyen, der K.
Gesellschaft kunftig vorgelegt zu werden.
R o y a l I n s t i t u t i o n , 1845, Dec. 22 I).
1) 1846, Febr. 2.
-
Iuli fiige diesen Untersuchnngen Folgende Nachweisungen liinmu:
B r u g m a n s bcobnchtete zuerst die Abstofsung des Wisinutlis durcll
einen Magnet i. J. 1578. A n t o n i i B r u g m a n s filugnrtisintls sctt rlr
ufjnitutibus rnognrfieis obscrcwiiones nlugnrticnc. Lugd. Butuv.
1758.
41. (Sielre dicse Annalen, Bd. 10, S. 293.)
I. e B a i 1I i f iiber die Abstofsung cines Magnets durclr Wismutlr und
Xntimon, Bulletin uniccrsel, 1827, F'ol. 711, p. 371; 7 0 1 . VlII,
pp. 87, 91 , 94. (Annalen, Bd. 10, S. 507.)
S a i g e y , iiber den RIagnctiwnus gewisser netiirliclier Verbindungen
von Eisen, und iiber die wccliselseitige Abstofsung der Korper im Allgemeinen. lbid. 1828, Y o I . IX, pp. 89, 167, 239.
S e e b e c k , iiber die maguetische Polarit6t vtrscliiedener Metalle, Legirungen und Oxyde. Ibid. 18'28, V o l . ZX, p. 173. ( A u s diesen
Annalen, Bd. 10, S. 203,
wobei aueh an die Beobacblungen von
M o n c k e , Annalen, Bd. 6, S. 361, zu erinnern ist. P . )
5.
-
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