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Ein Wort zur Wertung geschichtlich-chemischer Arbeiten.

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~ XXW.
f iNovember
Jlhrgang. 1911] D.: Ein Wort
BUT
Wertung geaohiohtI.-ohem. Arbeften.
Ein Wort zur Wertung
geschichtlich-chemischer Arbeiten.
Von D.
(Eingeg.7.19. 1911.)
Kiirzlich habc ich cinc Unterredung gehabt,
die so eine Art typischcn Charakter hatte und auf
Veranlassung von C;csinnuiigsgenosscn eincni breiteren chemischen Publikuni vorgetragcn Jverden
niochte.
I n der besten Gcscllschaft h e r wcstfilisclicn
Stadt fragte nuch ein feingehildrtt,r ,Jurist nacli
dcr B e d e u t u n g d e r G e s c h i c h t e d e r
c' h e in i c. Ein zuhorcnder C(1ieinikcr bcantwortcte
die Fragc sofort mit tlcn Rortcn: ,.Die Gcschichte
der Chcmic hat gar kcinrn Zwcck. W'as niitzt cs
z. 13. zu missen, ob cin pcrsischcs, niittclnltrrliclies
h d e b c k e n atis %inkodcr AUS Kupfer gtwcscn ist').
Auch spricht jn dic Tatsache, daU cs kcine dicsbeziigliclien Lehrstiihle und Vorlesungcn aibt und verschwindend wenig auf diesem Gebietc. gearbcitet
wird, sehr gegen ihre ZneckniaBigkeit." So ctwas
a us den1 Mundc eincs in hervorragcrider sozialer
Stellung befindlichcn, promovierten c'lieinikcrs zu
horen, gibt bcsondcrs clcslialb zu clcnken, wcil diese
Worte zutlcni den Gedanktngang von rielen praktisch stark bcnnspruchtcw Chcniikern witlcrspiegeln.
I n niciner Antwort auf die obipv :ti1 niich gerichtete Fragc bcnierktc ich v-oral), daB die C 11 e m i c g c s c h i r h t e , u i i i ilirer selbst Rillen betrieben diesrlbc Iklcutung wic jede andcre Wissenschaft in sich tragt. Fiir j d e n Kulturhistoriker
ferner sind ihrc Ergebnissc im wcitestcn Sinne wahre
Fundgrubcn. Auf die Chcmic angewandt, wirkt ihre
Gcscliiclite suBerordcntlicli fruchtbringend. Sic
rermag Clem heutigcn c'lieniiker, der zugleicli feinsinniger Kenncr seiner Fachgcschichtc ist, bedeutendc und wertvolle h r e g u n g e n zu geben. Uni nur
ein Beispic1 zu nennen, wic niirdcn sich vicle iiberlieferte Idccn unscrer Vorderen mit dcr heutigen
Apparalur ausgefiihrt gcstaltcn ? 4 n die Jahrzehnte
langm, mit den groBtrn Geldopfern gefiihrten
Kampfe uni die Wicdcrciitdcckung wertvoller und
wichtigcr, abcr rerloren gcgangcncr Tcchniken
(Geigenlack, Terra sigillata u. v. a.) will ich nur erinncrn. Dic Chcmicgeschichte lehrt, wic man Irrwege vrrniriden kann, und vor allem lehrt sie die
wahren I~ortsclirittr:i n der cheniischen Wissenschaft
feststellen, was ohne die C'hcinicgcschichte underikbar ist. Es ist docli auch eine Pflicht der Nachwclt,
den FleiR und Scharfsinn ihrer Porganger zu ermitteln und daraus zu Icrncn.
Auf die Unriclitigkcit dcr I~cliaupt.ung,daB cs
keinc Lehrstiihle oder Vorlesungcn dcr Chemicgeschichte gibt, was vielfach grglaubt wird, brauche
ich wohl nicht nahcr cinzugehcn. Aber ich rufe diejenigen in Ikrlin, Wicn, Hcidclbcrg, Erlangen, Dresden, Bascl, Rhm, Riga, Christiania ins Gedachtnis
zuriick, dieIniir schon bei schnellrr Orientierung einfallen.
1) Gemeint ist eine Untersuchung des Vf. mit
dem Gottinger Persiologen F. C. A n d r e a s iiber
,,das Scheinzink bei Muwaffao aus Herat" in den
,,Mitt. z. Gesch. d. Med. u. d. N&urw." Bd. 11, 1903,
S. 147-157.
2103
Die Ansicht, daB geschichtlich-chemisch verschwindend nenig gearbeitet wird, steht, so irrig
sie aucli ist, nicht vereinzelt da. Bringt doch allein
die ,,Chemiker-Zeitung" als solche und ihr ,,Chem.Techn. Repertorium" in scinen vorziiglichen Saninielrubriken: ,,Geschichte dcr Cheiiiie," sowie auch
die ,,Zeitschr. f. angcw. Cheniie", die ,,Chem. Novitiiten" und andtrre deutsche und iistcrreichische
Fachblatter, Tageszeitungen, namentlich in den Ietzten Jahrcn, so viel, daR der Historikcr nur schwer
folgcn kann und froh ist, wenn ihm das treffliche,
von dahrzelint zii Jahrzrhnt wertvoller werdende
Saininelorgan, die ,,Blittcilungen der D e u t s c 11 c n
G e s c l l s c h a f t fiir G c s c h i c h t e d e r M e d i z i n u n d d r r Xn t u r w i s s c n s c li af t.c n "
(Hambnrg bci Leopold Vo13) xu Hilfe kouimeii.
Fragt nian nach der Ursachc obiger lcider nicht
vereinzelteii Erschrinung, so ist zii beriicksichtigen.
da13 das Intercssc dcr Chcinikcr a n der Geschichte
ihrer Wisscnschaft. das ja cigentlich so natiirlich sein
miiBte wic bci tlcn nnderen uns rera-andten Disziplincn, erst im Irtzten ha.lbcn Jahrzchnt sich ctwas
gestcigert hat. Und wofiir man sich niclit intercssiert, dtiu iibcrsicht nian Ifsiclitin drn Zeitschriften,
dahcr dir Meinung, gcschiclitlicli-clicniisclieStudien
seicn selir selten, abgesehcn davon, daB diese sich
nicht ininicr schon durch ihrc Titcliihcrschriftcn zu
dokniiienticrcn brauchen. 13s ist ferner zu beriicksichtigen, daB dcr Regriff ,,Gcschichte der Cheniie"
von viclen Cheniikcrn zu cng aufgefaBt wird. Beispiclswcise ist jedrr Xachruf eincs bedeutcnden Chemikers ein Reitrag zur Chemicgeschichte, da sein
W'crk von scineni Tode ab selhstvtrstandlich der
Gcschichtc angeliiirt. I~ibliograpliiriibersiclitenund
Arbciten iiber Fortsclirittv p n z e r Sonderdisziplinen
und ini allgcnicincn iibcr Jnhrzchntc oder weniger
sind cbcnfalls hicrhcr zu ziihlen, gleich wie Denkrnalsentliiillunpen wid sonstige Ehrungen vrrstorbener Chcmikcr. Es ist nicht bloB dasjcnige C h e m i c g e s c h i c h t. e , was Altcrtum und Mittelalter IieiRt, rielinchr ist d i e n e u r r e Z e i t f u r
die c li c in i s c 11 c A 11 g e m e i n h e i t v i e 1
intercssanter und fur die moderne
C h e ni i e c 11 t w i c k 1 u n g v o n g r u n d 1 e g e n d e in W c r t e , was auch van jcdem ernst
denkenden Cheniiker ohne wcitrrcs zugegebcn werFs
den wird.
Eincn grol3en Teil der Schuld an dem niangelhaften yeschiclitlichen Interesse dcr Chemiker tragti
neben dcr Eigenart dicscr Rissenschaft ohne Zweifel der S t a a t , der in den Priifungsvorschriften
Kenntnisse in der Chemirgeschichte nicht verlangt.
Und doch hat mir so manchcr chemische Examinator bei Gelegenheit berichtet, daB er sich fleiBig a n
Hand der vorhandenen Sammelliteratur niit der Geschichte seiner Wisscnschaft beschaftigt habe, denn
nur so kiinne nian ins richtigc Bild komnien, die
geschichtliche Forschung aber bleibc gleich wie die
anderen Sontlcrzwcige der Chemic den jcweiligen,
befahigtcn Spczialintcrcssenten iiberlassen. Die
G e s c I1 i c h t c d c r 13' i s s e n s c h a f t i s t ,
um das bekannte Wort zu wiederholen, d i e W i s s c n s c h a f t s e 1 b s t , und nicht nur dies, sondern z u g l c i c l i d i e e r s t , e u n d d i e v n r jeder
S o n d e r d i s z i p 1i n
n e 11 m s t e
W i s s e n s c h a f t. Ob wir es noch erleben werden,
daB in den Fakultats- und Staatspriifungen der
2 104
Bockenhagen Nechflg.: Neuerung an Rektszier-Apparaten.
Chemie geschiehtlich-cheniische K r n n t n i s r nachzuweisen sind, ist allcrdings wohl schr fraglich,
trotzdem Stamm und Nachwuchs unserer Hoclischullchrer, durch besonders cifrige und fleillige
Historiker angcrcgt., hicr und dort geschichtliches
Intcresse in ihren Kollegs erwccken und fordern.
Manche Chemiker haben, o h n e r e c h t z u
w i s s e n w a r u 111, fur die Fachgcnossen, wclche
sich mit der Gcschiclitc ihres Faches befassen, nur
ein unvcrstandliches Liacheln iibrig und sprechcn
dieser grundlegcnden Disziplin ihrer Wissenschaft
geradezu ihre Existenzberechtigung ab, derart, wie
man es in andcren naturwissenschaftlichen Fiichern
nicht bemcrkt. Sie halten die Ikschiiftigung mit
fachgeschichtlichen Dingen fiir unniitze Liebhaberci
oder gar fur Zeitverschwendung. Ich meinc doch,
waa z. R. der analytischen odcr der physikalischen
Chemie recht ist, s o h der G c s c h i c h t e d c r
C h e m i e billig srin, um so mchr, als die Grschichte
der Chemic gewissermalJen die Fahne ist, uin die
sich die Sondcrdisziplinen der Cheniie scharen miiBten, und diese vor dcm chernrn Griffcl der Geschichte
Biimtlieh ihre Revercnz zu erweiscn haben. Die
Forderung dcr Chemiegescliichte ist fur die
Chemie selbst unbedingt nur von allergroBtem Nutzen. Auch b e g c p e t man zuwcilcn ausgcsprochener
Abneigung gegcn allrs, was fachgeschichtlich ist.
Ich denke, i n solchcn Fiillcn handclt es sich um
einen Haupt- und Kardinalfchlcr in dcr wissenschaftlichen Selbsterziehung. Ein Urteil iiber Wert und
Zweck dcr Fachgeschichtsforschung hat doch natiirlich nur der, welcher sich zum mindestrn mit
dem Wcscn dcrselbcn bekannt gcmacht hat. Und
gerade dcr Mange1 hieran IiiBt die oft vollends unverstiindlichen Ansichten mancher Chemiker iiber
ihrc Fachgeschichte entstehen. Warum soll das,
waa fiir die andcren Disziplinen gilt, nicht auch fur
die Chemie zur Gcltung kommen, und weshalb soll
diese cine unriihmlichr Ausnahme bilden ?
Eigentlich ist doch der Chcmiehistoriker des
D a n k a drr Chemiker wert, daB er die Fortschritte in dcr langen Entmicklungsgcschichte dcr
Chemic logisch fixicrt und jedem Forscher, ob
Deutacher, Franzose, Italiener, Russe, Schwcde
oder andcren Stanimcs nach Gebiihr die Stelle in
der Wisscnschaft euschreibt,, die er sich durch seine
Leistungcn crrungcn hat, und auBerdem in noch dazu
meist ungeahnt sclbstloser Weise ohnc Aussicht auf
jedwcde nennenswcrtc geldliche Bcwcrtung tlieses
sprachlich und kulturgeschichtlich grollc Vorstudien
erfordcrnden Sonderstudiumsunter seltcnrr Aufopferung seiner ganzen freicn Zeit. Man hort mcist dic
irrige Ansicht., dal3 die Historiker uber ungewiihnlich
freie Zeit verfiigen, die es ihnen leicht gestattct, h i spielsweise die Werke cines bedeutcndcn Chrmikers
auf ihre Selbstiindigkeit und auf ihrc Anlehnung an
Vorgiinger zu priifen. Dem ist durchaus nicht so.
Ich kenne kcinen namhaften Chemiehistorikcr, der
nicht am Tage im aufreibenden Berufe steht. Aber
sie widmen in beneidenswertem Idealisnius meist
ihre ganze frcic Bit ihrcm fachgeschiclitlichen
hteresse und kommen im Durchschnitt auf
3-4 Arbeitsstunden tiaglich a u k r dcr bcruflichen
Arbeit.
Nach allc dem hat der Historiker alle U r w h e ,
einen seines sehr verantwortungsvollen, nur mit
allerhijchstem Tdeali~iiniis und zuglrich eisernem
[a
n ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ f ~ ~
Dauerflrifi zu behauptenden Postens wiirdigen Platz
untcr den Fachgenossen zu beanspruchen.
Der Historiker stellt mit Freudc frst, daB nicht
nur in allen naturwissenschaftlichcn Wisscnsgebicten, sondern auch in den technischen und medizinischen Fachern, welche friiher teilweibe sich uni
dire Geschichte iiberhaupt nicht gekiimmcrt haben,
ilas g c s c h i c h t l i c h e I n t e r c s s e g c w e c k t i s t u n d s i c h b e t a t i g c n w i l l . Kein
Wunder, nach den poDartigen Portachrittcn unscres trchnischrn und naturwisscnsehaftlichcn Jahrliunderts gcbietet sich drr menschlichr Geist von
aclbst Riickblick und geschichtliche Verarbeitung
des Emorbenen. Die in den l e t ~ t e n10 Jahrrn in
Deutschland begriindcten G c s c 1 1 s c h a f t e n
zur P i i r d e r u n g f a c h g e s c h i c h t l i c h r r
F o r s c h u n g 2) entwickeln sich ungeahnt, und
immer neue Freunde stellcn sich cin, um durch Vermittlung ihrer Fachgeschichtr ihre Wissenschaft
besscr kennen und im Rahmen des Ganzen cinschatzen zu lernen. Schon manchcr mit wenig Interesse
ist dort gekommcn, um spater sogar brauchbare
und gutr Spczialstudicn zur Fachgeschichte zu
licfern.
D i e z i e l b r w u l3 t e F o r s c h u n g s m e thode
der
Baturwisscnschaften
griindct s i c h auf die K c n n t n i s i h r e r
13 e g c b e n h e i t e n .
g e s c h i c h t 1i c h e n
Dessen sollte auch jeder Chemiker
e i n g e d c n k s e i n und sich bemiihen, dem
Geist und dcr Methodc des unvcrgcBlichcn M a r c c 1 1 i n B e r t h e 1 o t nachzustreben.
Ich mochte hoffcn und wiinschen, mit dieser
kurzen Ausfuhrung besondcrs allen denjcnigen zu
Herzen gesprochcn zu haben, uelche als Chemikcr
der Chemiegcschichte bm-uDt oder unbewullt fern
standen, und 11 a 1 t r d c n Z w c c k d i e s e r
Z e i l e n fiir erfiillt, wrnn sic zur notwrndigen Kliirung dcr Ansichten
u n d A n n a h c r u n g ~ h r e rV e r t r e t e r
et\sas beitragen und der fachges c h i c h t 1 i e h e n F o r s c h u n g n c 11c F r e u n d e
[A. 158.1
b r i n g c n.
-
Neuerung an Rektifizier Apparaten
fiir die Regeneration von Spiritus,
Ather usw., fur Sprengstoff-, Tannin-,
Farbenfabriken, Seidenspinnereien usw.
Von W. B~CKENHAQEN
Nachflg., AUQ.BOHSTEDT
& SOHIV,
Giistrow i. M.
(Einqegangen 4.10. 1911.)
Die Fortschritte, welche in den lekten Jahren
die Dcstillationsbranche zu verzeichnen hat, veranlnl3te weiter, daB auch die sehr vie1 in der che2 ) ,,Deute.che Gesellschaft fiir Geschichte der
Medizin und dcr Naturwissenschaften" (1901) und
,,Berliner Gesellschaft fiir Geschichte der Naturwissenschaften und Medizin" (1906). Nahcres siehe
in den ,,Mi t t. z. G e s c h. d. M c d. u. d. N a t u r w.
(Verlag Leopold VoD in Hamburg), die von a 11 e r
g r 6 D t e m W e r t e sind, d a sie iiber alle in R a g e
kommenden Vorarbciten Aufklarung geben.
-
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