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Einige Bemerkungen ber den unterirdischen Lauf des Wassers und ber die Absorption von Gasarten durch dasselbe im Innern der Erde.

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1834.
AN N A TJEN
30.
16.
DER PHYSIK UND CEEMIE.
B A N D XXXII.
XXV. Einige Bemerkungen ubzr den unterirdischen L a u . des 7P-msers und iiber die Absorption -van Gasarten (lurch dasselbe inr Innern der-Erde;
oon G u s t a v B i s c h o f :
I n Beziehung auf den unterirdischen Lauf des Wassers
sind folgeude denkbare Falle zu unterecheiden:
1) Meteorwasser filtriren durch wasserdurchlassende
Erd- und Steinschichten,' und kommen auf wasserdichte.
Gehen diese Schichten an irgend einem tiefer gelegenen
Orte zu Tage aus, so werden die Wasser daselhst als
Quellen zum -Vorschein kouimen.
In diesem Falle braucht das Wasser den Kana1 niclrt
gaiiz auszufiillen, sondern es kann , gleichwie ein unterirdischer Bach, in Berubruug wit atmospharischer Luft
herabfliefsen. Dieb h d e t vonugsweise in den Kalkund Quadersandstein - Gebirgen, iiberhaupt in denjenigen Gebirgsformationen statt, die sehr zerkluftet sind.
So kommen z. B. aus dem Kreidegebirge der westphaL
schen Flotzfrmaiion Quellen hervor, die eigenhch unterirdische Eliisse sind, wie die Quelleu des J o r d m ,
der Lkpe, der Fader etc ).
2) Meteorwasser dringen durch Gebirgsspalten inehr
oder weniger tief in das Innere der Erde, fullen alle damit in Communication stehende Spallen an, steigen in
denselben nach bydrostatischen Gesetzen wieder in die
H i h e und kommen an irgend einem Orte oder zugleich
an mehreren Stellen, die in k t n a s niederem Niveau mit
der Einflufssiilfnong Iiegen, als Quellen zu Tage.
1) Vcrgl. meinen Aufsatz in dem ncuen Jahrb. der Chemie und
Pliys. 1833, H. 13 S . 272.
Poggendorff's Annal. Bd. XXXII.
16
242
Dieser Fall knnn nur stattfinden, wenn alle communicirende Spalten gleich hydraulischeu Robren durchaus
mit Wasser angefiillt sind. Es kbnnen jedoch die Wasser erst eine Zeit lang in nicht geschlossenen Kanaleo,
wie im vorhergeknden Falle, flielen, ehe sie in geschlossene Spalten kommen. Die Druckliilhe wird dann nur
von diesem Puukte an wirken. Bis dahin wird das Wasser in vielfache Beriihrung mit atmospharischer Luft kommen und davon absorbiren. Es kann z. B. folgender
Fall stattfinden. Das Wasser flielst, Fig. 1 Taf. V, von.
u bis b in einem iiicht geschlossenen Kanal, VOQ b bis
c in einem geschlossenen, der sich bei c in eine Kluft
erweitert, die in I mit Luft angefiillt ist. Vermilge der
Druckbhe b c absorbirt das Wasser mehr atmosphlrische '
Luft, als es unter dew gew6hnlichen Luftdrucke absorbiren kaon, flieist hierauf in geschlossenen Kanalen bis
d, steigt bis e wieder in die Hbhe und kolnmt hier a h
Quelle zum Ausflufs. Unter diesen Urnstanden ist es begreiflich, d a k das Wasser die durch den Wasserdruck
b c aufgenomrnene Luft nacb und nach wieder fahren Iiifst,
so wie es sich der Austlufs6Ffnung nabert, und das ausflieiseode Wasser selbst wird nur so vie1 Luft zuriickhalten, als es unter dein gewbhnlichen Luftdrucke absorbirt halten kana. Dahcr riihrt die, nainentlich bei Quelleo im Kalkgebirge , haufige Erscheinung einer Luftentwicklung aus dern Wasser bei e. Mehrere solcher Gasexhalationen, welche ich zu untersuchen Gelegenheit hatte,
zeigten einen geringeren Sauerstoffgehalt , wie die atrnospharische Luft, ja manchmal bestanden sie blofs aus Stickgas L).
Diefs ist leicht zu begreifen, wenn man erwagt,
dafs durch Oxydation verscbiedener, theils unorganischer
Substanzen ( kohlensaures Eisenoxydul, Schwefelleber ),
t heils organischer ( orgaoisclie Ueberreste, Quellslure ')
1 ) Neuer Jabrb. der Chernie und Pbys., 1533, Heft 13 S. 257 u. fg.
2 ) Diese Anna]. Bd. XXIX S. 3 u. fg., und S. 238 u. fg.
243
u. 6. w.), welche das mit atmosphdrischer Luft geschwiingerte Wasser auf seinem Laiife antrifft, Sauerstoffgas verloren gehen kann. Aid diese Weise kann, wenn kohlenstoffhaltige organische Substanzcn oxydirt wcrden, Kohleusaure entstehen, die wegen leichterer Verschluckbarkeit zuriickgehalten wird, und dasselbe zu eiuem angenchmen Trinkwasser macht.
Wenn die oben angenommenen Verhaltnisse stets
dieselben bleiben, so wird die in I eingeschlossene Luft
nach und nach vallig von dem Wasser absorbirt werden.
W e n n aber bei trocliner Jahreszeit die Meteorwasser nicht
hiureichen, den Kanal b c ganz auszufiillen, so tritt nach .
und nach in die vom Wasser entleerte Kluft c neue atmosphsrische Luft von oben ein, die spzter, wenu bei
nasser Jahreszeit der Kanal b c sich wieder fiillt, abermnls von dem Wasser nach und nach absorbirt werden
wird u. a w.
Wenn die Meteorwasser in grofse Tiefe dringen und
daselbst eine hiihere Temperatur annehmen , so verlieren
sie die Fahigkeit, selbst die in gewfihnlicher Temperatur
und unter gewiihulichem Luftdriicke absorbirte Luft zuriickzuhalten, und deshalb werden sie, wenn sie zu Tage
kommen, dieselbe grafstentheils yieder faliren lassen. Daher die bei warmen Quellen so haufige Erscheinung eioer Luftentwicklung, wie z. B. in Aachen, Burtscheid,
Wiesbaden, aus den warmen Paderquellen in Paderborn etc. Zu Gunsten dieser Ansicht ist es eiu sehr bemerkenswerther Urnstand, d d s die letzteren urn so mehr
Luft entwickcln, je warmer sie siod '1.
Gemzfs der vorhin entwickelten Griinde wird a i d
die aus warmen Quellen sicb entbindende Luft stets weniger Sauerstoffgas, wie die atmospliiirische, ja hiiufig blofs
Stickgas mit oder ohne Kolilcnsauregas eiithaltcn; den11
je Iiiiher die Temperatur des Wassers, clesto leichter dic
Oxydation der orydationsfihigen Substanzeu. SO fandeu
1) S . meinen Aufsatz a. a. 0. S-265.
16 *
244
L. G m e l i n und L a d e das aus dem Kochbrzuznen zu
Wiesbaden sich entwickelnde Gas, zusaminengesetzt rru~
82,3 Kohlensauregas und 17,7 Stickgas ). M o n h e i m
fand iu dem ads der Aachner &aiserquelle sich entwikkelnden Gas blofs Stickgas, Koblengluregas und 0,5 Proc.
Schwefelwasserstoffgas. Ich fand aber noch 7 Proc. Sauerstoffgas. In dem Pockenbriinncllen zu Burischeid fand
Jeuer blofs Stickgas, Kohlensauregas und 0,i Proc. Schwefelwasserstoffgas. Nach. ideiner Analyse sind aber nocli
2 Proc. Sauerstoffgas vorhanden. Von nalie gleicher Zusammensetzung, wie das Gas aus dem Pocktnbriinnchen,
fand M o n h e i m aach das aus der Burtscheider Trinkquelle. In dem Gas aus den KocMrmnen und aus der
heibesten aller Bwisdez'der Thermen falid derselbe neben Stickgas und Kohlensluregas 0,l bis 0,15 Proc. Sauerstoffgas * ). Nacli mciiier Untersuchung besteht jenes im
Mittel aus -drei nahe oiit einander iibereinstilnmenden Analysen aus 47,3 Kohlensiiuregas, 52,l Stickgas und 0,6
Sauerstoffgas ".
EnJlich fand A n g l a d a das aus den
Schwefelquellen der Pyrentien sich entwickelnde Gas aus
reiriem Stickgas bestehend ).
3) Meteorwasser dringec in Spalten ein, die nit Kohlenssuregas, das sic11 durch eigenthiimliche Processe irn
Iniiern der Erde entwickelt, erfiillt sind. In diesem Fall,
I ) Dirse Anna!. Bd. VII S. 467. Dafs die bedeutende Mengc Hohleiissuregas im VerlGltnifs zum Stickgas nur dem kleinsten Theile
nach rnijgliclrer W e i s e von rtmasphjrischcr Luft hcrrlihren LBnnc,
ist von selbst Llar.
Bier miissen also noch Strijme von Kohlenssuregar linzukommen.
2 ) D i e IIeilquellen
zig 1829.
3) Es gilt
YOU
S. 209. 232
Aachcn, Burtscheid etc. Aachen und Leipfg.
U.
hier dasselbe, was ich rorhin von dem Gas
bemerkt habe.
PUS
dern
Kodrlrunnen in Wk&m!en
4 ) >&+noires p o u r servir a YJristoirc ginhrule des e a r n minhral a J U ~ J U ~ E U S C Set des euux lhdrrnalrs. A Puris 1020, uad Ann.
de d i m . et de phys. T.XX p . 246.
245
der vonugswiise in Gegenden einer erloscbcnen volkanischeu l'hatigkeit stattfindet, wird dieses Gas voui Wasser ebsorbirt, und es bilden sicb SYuerlinge.
Da das Kohlenssuregas nicht b l d s in vie1 griifserem
Verhlltnisse wie atmospbrische Luft vom Wasser absorbirt, sondern aucb bei 00 R. durch einen Druck voo
36 htmosphareq tropfbar w i d , so durfte unter diesen
Umstandeu die -Kohlensaurc in jeclem VerhiltniCs voin
Wasser aufgenoiniiien werden. Kohlensaure in eioer Tiefe
von 36.32=1153 Furs unter der Erdoberflacbe, unter
dem Drucke einer Wassersaule von dieser Hiibe kiinnte
also DUE tropfbar bestehen. Da aber in einer solchen
Tiefe, nach den bisberigen Beobacbtungen, eiue, die mittlere Temperatur auf der Erdoberflacbe urn iiugekhr 11"
bis 12" R. iibersteigende Wsrme herrscht, so kann daselbst die Kohlenshre noch nicht tropfbar seyn. Weiio,
nach D a v y und F a r a d a y , die KoblcnSure bei --Sol<.
durch 20, bei Ou durcli 36 und bei b0,6 R. durch 40
htmospkiren condensirt wird I ), so ergiebt sich daraiis,
d d s die Erhiihung dcr Teinperatur des Kohlenskuregases
I I I ~ l o R. cine Steigerung des Drucks urn ungefalir 13
htmospbsre fordcrt. Da nun nacb den bisherigcn Beobachtungen die Zunabrne der Temperatur nacb dern Innern
der Ercle fur jeden Reaumur'schen Grad iu rundcr Zalil
96 Fofs betrsgt, mithin dime Tiefe, als Wassersgule gedacbt, cinein D F U C ~
von
C 3 Atniosphzren gleich koinuit,
so wiichst dic Zu~iahme des liydrostatischm Drticks mit
der Tiefe in einem vie1 griifseren Verhaltnifs, als der ziir
Condensation des Kolrlensiiuregases erforderliche Druck
bei Zunalririe der Temperatur. Unter diesen Voraussetztlugen wird also stets in einer gcwissen Tiefe der bydrostalische h i c k die durch WTrnic gesteigerte Expansivkraft
der K0blens:ure uberwinden, uiid in dieser Tiefe kanin
daher die Kohlenssnre n u r tropfbar existiren. Wasser,
$1elches niit tropfbarer Kohleiisaure sicli veriiiisclit , wird
1) L. G s ~ c l i n ' silaudb.
dcr thcor. Clieinie,
3. AuU. S . 121.
246
eine die mittlcre Temperatur des Orts auf der Erdoberflache wenigstens urn 1l0 bis 1 2 O R. iibersteigende W a r m e
'annehmen. Da aber bei weitem die meisten Sauerlingc
die mittlere Temperatur des Orts nur um wenige Grade
iibertreffen, so kiinnen diese nicht dwch Yermischung
mit tropparer Kohlensaure enlsianden seyn.
Es ware hier jedoch der Fall auszunehmen, wenn
etwa warrne Quellen wahrend ihres Aufsteigens aus der
Ticfe sich mit kalten vermischten und dadurch abgekuhlt
werden sollten. Es ist nicht zu bezweifeln, dafs durch
wenigstens ein Jahr laiig fortgesetzte Beobachtungen ein
solcher Fall sich errnitteln liefse. J e tiefer i i W i c h die
Quellen hervorkoinmen, desto constanter ist ihre Tcmperatur und ihre Wasserergiebigkeit. W e n n daher solche Quellen beim Aufsteigen sich mikanderen vermischen,
die in ihrer Temperatur und Ergiebigkeit veranderlich
sind, so wird das Gemisch an dieser Veriinderlkhkeit
Theil nehrnen. So weit aber meine bishcrigen Beobachtungen reichen, so zeigen Quellen, deren Temperatur die
lniltlere der Erdkruste des Orts urn 2 O bis 4 O B. ubersteigt, eine groke Besthdigkeit in ihrer Temperatur iind
Ergiebigkeit. Ich beobachte seit eioer Reihe von Jahren
drei Quellen, wovon die eine von den anderen urn ungefahr 50 Schritte entfernt entspringt. Seit langer als einem Jahre beobachte ich ibre Temperatur und Ergiebigkeit wenigstens einmal monatlicb. Zwei davon sind an
Kohlendure sehr reiche Mineralquellen, die dritte ist eine
sufsc Qoelle. Das Maximum der Temperatur von jenen
ist 11°,6 und 9",5 R., das Miniaium 11°,4 uud 9",3, die
ganze jzhrliche Differknz also nur 0°,2 R., dagegen das
Masimum der siifsen S o , das Minimum 6 O , 4 ; also die
jihrliclie Differenz 1°,6 R. ' In der Ergiebigkeit der Minernlquellen ist ushrend des ganzen Jahres keine Veranderlichkeit wabrzunchuicn; dagegen variirt sie bei der
siiCscu Qiielle inehr als uin das Uoppelte.
Man ueliue uiiti bcispielsweise a n , die w;irucre je-
247
ner bcidcn Mineralquellen entstche durch Vermischung
eines coilstant 24",4 R. warmen Wassers mit der 6",4
bis 8 O R. warmen stifsen Quelle, SO iniifste I Theil
Wasser von 24O,4 mit 3 Theilen Wasser von 6",4 his
So sich vermischen, urn Wasser von 1l0,4 bis 11",6 zii
erhahen. Allein unter dieser Vorausselzung wiirde die
Tempcratur jener Mineralquelle zwischen 10°,9 und 12",1
schwanken, und es wiirde sich also eiue jiihrlichc Temperaturclifferenz von 1 O , 2 ergeben, wlhreod die wirkliclie nur Oo,2 ist. Diese Differenz wurde noch gr6fser
werden, wenn, wie es wirklich oalre der Fall ist, das
Maximum dcr Ergiebigkeit der siifsen Quelle mit dein
Minimum der Temperatur zusammentriife und umgekehrf.
Aus dieser einfnchen Beobachtung ergiebt sich also,
dafs jene Mineralquelle von 11°,5 nicht durch Verniischung aus Wasser von 24",4 lnit Wasser, dns in seiner jlbrlichen Temperatur wie jene siifse Quellc variirt.
cntstehen klinne. Wasscr von 2.L0,4 R. wiirde abcr deiir
Obigen geinsfs ungeftihr aus einer Tiefe komrneii; wu
die Kohlenslure tropfbar w3re ; so vermindcrt sich dewiisch, auch von dieser Seite bctrachtet, die Wabrscheinlichkeit, dak diejcnigen Slucrlinge, deren Temperatnr
die mittlere des Orts nur urn wenige Grade iibertrerfen,
durch Vcrinischung mit tropfbarer KohleosSure entstehen
kbnnen.
Unter dem gewohnlicben Liiftdrucke absorbirt, naclr
S a u s s u r e , 1 MaaEs Wasser 1,07 Maafs Kohleosauregas;
unter erhlihtem Luftdruck k6nnen wir diese Absorption
bis ziim 2- bis 3fachen Voluinen steigern. Im Innern
der Erde stcigt sic unter stets wachsendem Wasserdrucli
ohne Zweifel bis zu eiuem noch vie1 grbfseren Volumeu.
So wie aber solches unter h611erem Druck mit Koblens:iure geschwangerte Wasser nacb und nach auf die OberflYclie kommt, reifst sich eiri Theil dcs Gases wieder los,
und koinint in mehr odcr weniger starken Striimen aus
d e n hervoryuellenden Wasser zum Vorschein. B e r -
248
t b i e r ' ) ist der Meinung, dafs, diese Gasentnicklung
(in den ineisten gasbaltigen heifsen Miiieralwassern) haupts5clilich voh einem Stroine Koh~ens;iuregasherriihre, der
gleicbzeitig mit dem Mineralwasser eneugt werde, und vie1
zu betrschtlich sey, als dafs er von diesem absorbirt werdeli konue; ja e r halt es fur sehr wahrscheinlich, dafs
das Wasser nur durch die Wirkuiig des Druckes, den
cs von dein in den unterirdischen Laboratorien erzeugten Kohlensauregas erleidet , aiif die Oberflrche komme.
Obglcich mir jene Meinuiig fruherhiq als wahrscheinlicli
vorliain z-j,
so kanii ich ihr doch, naclidern ich unterdesscn
Gelegcnheit gehabt habe mehrere Beobachtuugen iiber
Gaseatwicklungen aus Prlineralquellen 211 maclien, jetzt
niclit inehr unbedingt huldigen; wenigstens glaube ich,
dafs Gasstrame, welche die Quellen b l o t begleiten uiid
uoabhangig voii ihnen sind, zii deii Seltenheiteu geliilreii.
Ob dieser Fall stattlhdet oder niclit, riihrt von deii relativen Verhaltnii'smengcn des Wassers und dcs Gases,
von der Hiihe des Wasserdrucks uad V O U der Tempcratur des Wassers her. J e mehr nalnlich das Wasscr
betrigt im Verhaltnifs zum KolilensSurcgas , welches sich
aus dem Inneru der Erde entwickclt, und j e hiiher die
druckende Wassersgule uud je kilter das Wasser ist,
desto leichter wird das Gas verschluckt. W e n n dabcr
das Gas mit d e n Wasser in der tiersten Stelle seiner hydrostatischeii Leitung zusammehtrifft, und diese Kanlile
sicli sehr tief in die Erde hinabziehen, SO finden die giinstigsteii Verhaltnissc filr gaozliche Absorption des Gases
statt. W e u n dagegen das Gas in die Wasserkanale niiher der Erdoberfliiche eindringt, SO kanii es nohl geschelieii, dafs nur ein Theil davon absorbirt wird, dcr
grbfsere aber frei durch das W a s s e r hindurchstriimt. Da
1)
Anna(. de chim. ef dc phys.
T.X I X p. 27.
2 ) Die vulkanischen Mincralquelleo DeutscLlands
etc.
S. 215.
uncl Frankrcichs
249
im Innern der Erde mit der bydrostatischen Druckh6h.e
die Temperatur des Wassers zuuimmt, so nimmt desseu
Absorptionsfihigkeit fur Kohlensauregas mit der Tiefe ab,
aber in einem viel geringeren Verhsltuifs, als sie durch
den gesteigerten Wasscrdruck zunimmt. Nach Henry’s,
vou S a u s s u r e nameutlicli fur das KohlensSnregns erprobten, Versucheu wiirde Wasser .uuler einem hydrostatischeu Druck von 96 Fufs drei Ma1 so viel Gas, als unter dem einfachen Luftdruck absorbiren. Nach dem Objgen nimmt aber mit 96 Furs Ticfe die Temperatur im
Iunern der Erde urn uugefahr 1“ R. ZU. Bun nimmt,
nach gleichfalls von H e u r y angestelltcu Versuchen, wenn
uian das Absorptiousvcrmiige~~des Wassers fur Kohlensaure bei 100,22 K. gleich 1 selzt, dasselbe bis 23”,56 1%.
fur jeden Reaumur’schen Grad uui 0,068 ab ’). Bath
1) G i l b . Annal. Bd. XX S. 155. Reducirt man nirnliclr daselbst
d i e k’ahrenheit’scheh Grade in Reaurour’sche, so ergicbt siclr b e i
Vergleichung rler Versuche 1 u n d 2 fiir 1” Tempcraturzunalrnic
--84
0,058 Abnahme des Absorpdonsvermiigens der W’asr
108.13,34iers f i r KuhlensSuregas. B e i Vergleichung der Verruche 6 u n a
u n d 7 erlrilt man
--‘O
-0,062,
108.13,M
45
untl l e i Verglciehung d e r
Versuche 7 u n d 9 --=0,058.
Diese W e r t h e stimmen
i0,11,11
selrr n a h e mit einander iibcrein, u n d man kann daher wohl, w c n n
m a n das AbsorptionsverruBgcn des W’assers fiir K o l r l r n s ~ u r eb e i
10°,22 u n d 23O.56 1%.als Einheit annimnrt, innerhalb dieser Ternperaturen die Abnalime fur jeden Reaumur’schen G r a d Tenlperaturzunahme gleicli 0,06 setzen. In d e r neuen Aullage von G elll e r ’ s physikal. W B r t e r b u c h , Bd. I Art. Absorption S. 50, siod
Llrnliche Vergleichuogen zwisclien jr zwei der eben angefilrrtcii
V r r s u c h e , i n denen stets glaiche Quantititen W’asser u n d Kolrlens5urcgas m i t einander in Beriihrung karnen, angestellt, a b c r
selrr ungleiclre Absorptionsabnahme des W’assers fiir Kolilensiuregas gerunden w o r d r n . Dirl‘s r u h r t davon’ her, dars dort die Diffrrcnzen d e r absorbirten Gasquantititrn, bei ungleichen absoluten Mengen des i n nirclerer Tcmpcratur absorbirten Gases, m i t
cinnnder vcrglichcn wurdcn. H e n r y ’ s Versuche 1, 3 und 4 zci-
250
n n 1t o n wiirde d i m Abnahme des Absorptionsvermii
gens des Wasscrs fur jedcn Grad von 00 bis SOo l<.
noch vie1 weniger betragen, wenn mamlich das Wasser
bei jeder Temperitrir dnsselbe Gasvolumen absorbirt. So
wiirde z. B. das Absorptionsverm6gen des Wassers von
1
= 0,0045 abnehnien.
10n bis 1l0 R. nur urn
213 +10
Es ist fiir den gegenwgrtigen Zweck ganz einerlei, ob
H e n r y ’ s oder I t a l t o n ’ s Angaben dcr Wahrbeit am niichsten kommen, genug es ergiebt sich, dafs die Abnahme
des AbsorptionsvermBgens des Wassers lnit der im Innern der Erde zunehincnden Teinperatur gar nicht in Aoschlag komme gegen die bedeutende Zunahme dieses Vernillgens mit dein erhahten Wasserdruck, und jene Abnahme kann daher bei Berechnungen ganz vernachlbsigt
werden.
Es hat sich mir die seltene Gelegenheit dargeboten,
die Qriantitaten Kohlenduregas und Wasser, welche einige Mineralquellen hergeben, za messen. So fand ich
dic Menge des Gases, welche BUS einem Sluerling ausslrtirnt, der vohl zu den an Kohlensaure reichsten gehiircn mag, 4237 Kiibikfufs in 24 Stunden, und die des
Wassers, welche er in diesem Zeitraum giebt, 1157 Kubikfufs. Da das Wasser das 1,65fache Volumen freies
und halbgebundeoes Xohlensauregas enthllt , so betrzgt
gen aber, dars das Wasser bei gleiehen Temperrtnren, selbst
wenn so riel KnhlensBuregrs vorhanden ist, als zu seiner Sittigong erfordert wird,.dcnnoch nngleiche Gasquantititen absorbirte,
und die Vcrsuche 5 und 6 , dals wenn weniger Kohlensiuregas
als zur Sittigung erforderlich vorhanden ist, doch niclrt rlle, Gas
absorbirt wird. W e n n daher untcr diesen UmsGnden, h i gleicL
aiederen Temperaturen , ungleielrs Gasquantititen absorbirt werden, so w i r d diefs auch bei erhtihten Temperaturen der Fall
seyn. Es kiinnen daher nicht die Di//rrcnrm der bei verschiedenen Temperaturen absorbirten Gnsquantitjten rnit einander r e r gliclien werden , soodern es sind die Ycrlriiltnisse derselben bei
verseliiedenen Tempcraturcn N i t rinander zu vergleiehen.
251
d i e ganze Menge des absorbirten und des entwickelten
Gases 6146 Kubikfufs in 24 Stunden, folglich das 5,3fa
che Volrimen des Wassers. Die Teruperatur dieser Mineralquelle iibersteigt die inittlere des Orts um ungefdw
4 O R.; sie wird daher aus einer Tiele kommen, wo ein
hydrostatiseher Druck von ungerihr 12 Atmospharen stattfiudet l ) . Angenommen, dafs in dieser Tiefe das KohIensaiiregas zurn Wasser tritt, so wiirde dieses daselbst
mehr als das 12fache Volumen von jenem, also mehr
als das Doppelte.von dem, welches es wirklich halt, und
arif der Oberfllche von sich giebt, absorbiren kdnnen.
W e n n daher noch nicht einmal in der halben Tiefe des
Wasserlaufs dieser Quelle, in 170 Furs Tiefe unter der
Erdoberflache, das Kohlensauregas in den Wasserlaiif tretcn sollte, so wiirde der dort stattfindende bgdrostatische
Druck immer noch hinreichen, das 5,3fache Volumen Gas
aufzunehmen.
Eine andere MineralquelIe, aus der ebenfalls eine
sebr bedeutende Gasausstrdmung stattfindet, und in welcher, wegen der eigenthiimlichen Construction der Quellenfassung, die relativen Quantitaten Gas und Wasser, welche sie liefert, mit noch grdfserer Genauigkeit gemessen
werden konnten, giebt in 26 Stunden 3063 Kubikfufs
Gas und 3645 Kubikfufs Wasser. Da das Wasser das
1,55 fache Volumen freies und ha1bg:biindenes Kohlenssuregas entbllt, so betragt die ganze Menge des absorbirten und des entwickelten Gases 5713 Kubikfufs in 24
Stunden, folglich das 2,4 facbe Volumen des Wassers.
Die 'l'emperatur dieser Mioeralqiielle iibersteigt ebenfalls
die inittlere der dortigen siifsen Quellen urn ungefahr
4 O R., sie wird daher ebenfalls aus einer Tiefe kommen,
wo ein hydrostaliscber Druck von ungefahr 12 Atino1 ) Iclr nellme hier stillschweigend an, und werde an eiaem andereo Orte es zu bewcisen midi lcrnuheo, dafs die erhahte Temperatiir der n I i n ~ ~ n l q gegen
~ ~ l l die
~ ~ der siifsen Quellen Iraupts.'icliliclr v on der Tief'e des Herrorkommens hcrriilrrr.
252
spb5ren stattfndet. Tritt in dieser Tiefe das Kohlcnsauregas zum Wasser, so kiinnte dieses sogar das 12fache Volumen von jenern, also mehr als das 4fache vou
dem, welches es wirklich h d t und auf der OberflYclie
von sich egiebt, absorhircn kiinnen u. s. m.
Es ist lnir nicht bekannt, dafs irgendwo ahnliche
Messungen, die natiirlich eiue luftdicbte Fassung dcr
Quelle voraussetzcn, angestellt worden sind. T r o m m sd o r f f ) hat zwar die Menge des Kohlensiiuregases, we!ches sicli aus der Gasqiielle zu Kuiser-I;i.anterisbart entwickelt, iind ebcn so die des Wassers der dortigen vicr
Miucralquellcn iind dcr freien und halbgebundenen Kohl e n s h r e desselben gcmessen; nicht aber konnte er das
Gas des frei aus den Quellen ausstriimeuden Kolilens~iurcgases messen. Die Mcnge des Gases aus der Gasqiielle,
5760 W i e n m Kubikfufs in 24 Stunden, scheint sehr g d s ;
vergleicht man sie abcr mit der Quantitiit Wasser, welche die vier Mineralquellen geben, 25926 Kuhi k f u b in
24 Stunden, so ist wolil anzunehincn, dafs diese Wasscrmenge nicht nur das Gas, welches sie enlbZlt und von
sich giebt, sondern such das Gas der Gasquelle in tlcr
Tiefe absorbirt lialtcii kiinne, iind dafs lelzteres niihcr
an der Oberflache, bei verrnindcrtem Wasserdriick, sich
von dem Wasser losreifsen und durch einen Seitenkaual
als Gasquelle zum Vorschein lrornrnen werde.
Arif solclie Weise durften w o d die meisten Kolilcns%nregas-Quellen, d. h. Gascntwicklungen ohne Wasserabflufs, entstehen. Die vulkanisclie Eqel und die Uingebungen des Laacher Sees zeigen viele solcber (hsqiielIcu; eine davon, den sogenannten Bmdeldreis bei Birresborn habe ich sclion vor 10 Jaliren g~~ncinschaftlicli
mit Prof. N o g g e r a t h bcscliriehen '). Manchmal kom1 ) K a i s e r f r a n z c n s l d bci E g e r . voo O s a n n und l'romrnsdo, f l .
2. Aun. s. 134.
I ) S c l r w e i g g e r ' s Journ. fiir Clrcmie u n J Pliysik, BJ. XLlIl S.2Y
u. folg.
253
men diese Gasquellcn aus aufgeschwemnltem Erdreich oder
aus der Dammerde zum Vorschein, und man erkenht ihr
Daseyu nur an der unterdruckten Vegetation oder an erstickten kleinen Thieren an diesen Stellen. Man hbrt
kein Zisch-en, und riecht die Kohlensiiure nur, wenn man
das Gesicht ganz auf die Erde ncigt. An anderen Stellen konimen diese Gasquellen mit zischendem Gerlusch
aus Spalten und Kluften des Gebirges. Wieder an anderen Stellen kommen diese Gasstrlirne aus kleinen Vertiefungen, die mit atinospharischem Wasser angefullt sind,
uud wo die Gasquelle ganz die Erscheinung einer Mineralquelle mit reichlicher Gasentwicklung darbietet. Leiclit
lassen sich indeCs solchc Gasquellen von Mineralquelleu
unterscheiden, indem es ntimlich jenen an Wasserabflufs
gebricht, und in dem Boden kein oder doch nur schr
wenig Eisenocher- Absatz sich fiudet, wlbrend in den
meisten Fallen die an Kohlensauregas reichen Mincralquellen auch reich an Eisen sind.
Dafs in der That diese Gasquellen nicbts anderes
sind, als Gasentwicklungen aus tiefer in der Erde fliefsenden Mineralquellen, lafst sich dnrcli mehrere Erscheinungen bewahrhciten.
In der Regel findeu sie sich in
eiuein hgheren, und oft vie1 hiiheren, Niveau, als die
vorbeifliekenden Bache, wahrend die Mineralquellen gembhnlich in demselbeu Niveau' oder doch nur sehr wenig hbher als die Bache entspringen. Aus bydrostatischen Gesetzen ist es leicht begreiflich, daCs in Thllern,
in der Nlhe von Bachen, Quellen nicht wohl in einem
bedeutend iiber dieselben erliiihten Niveau entspringen
klinnen, wenn nicht das Rachbette, so wie der QuellenUrsprung Felsengrnnd haben. Es ist auch bekannt, dafs
es grofse Schwierigkeiten hat, den Quellenspiegel mehrere Fufs uber den Bachspiegel in die Hahe zu treiben,
urn jenen vor Ueberschweinlnungen zu sichern: Stcigt
nun eine au Kohlcnstiuregis reiclic Miiieralquelle schriig
aus der Tiefe herauf, und mulitlet sich dieser Kana1 an
254
der tiefsten Stelle des Thales im Bachbette, so kann es
geschehen, dafs dort gar keis Gas oder doch nur wenig
zum Vorschein kommt, wenn dasselbe' schon an einer
friiheren Stelle des Quellenlaufes durch lockeres Erdreich
einen Ausweg gefunden hat. 'So kenne ich eiue an Wasser aufserordentlich ergiebige Mineralquelle , die einige
Furs iiber deln Bacb aus dem Abhange des Ufers abfliefst, ohne dafs die mindeste Gasentwickluog bemerkbar
wird. Die bedeutende Ocherablagerung dieser Quelle
lsfst aber auf einen reichen Gasgehalt schliefsen, und
dieser-ist gar nicht fern zu suchen; denh einige huiidert
Fufs oberhalb des Quellenausflusses, in einem etwa 20
Fufs htiheren Niveau, ist eine Grube so mit Kohlensauregas erfiillt, dafs man sich nur.lnit Lebensgefahr hineinwagen k a n a Wahrscbeinlich ist eben so der vorhin erwahnte sogenannte Brudeldreis Dichts anderes als eine
Gasentwicklung aus der Quellenader , welcher der ganz
in der Nihe des KyZ&'mses
und in fast gleichelu Nireau
mit ihm entspringende Bbresborner Mineralquelle ihren
Ursprung verdankt, und eben so mag die sogenannte
Diinsthbhle zu Pyrmont (die Gasentwicklung aus dem
buuten Sandstein, welche 66 P u t iiber dem Spiegel der
Trinkquelle liegt) blofs ein GasausfluL aus den Quellenadern dieser Mineralquellen seyn.
Dafs solche Gasentwicklungen aus Quellenadern, die
ihren Wasserausflufs an tieferen Stellen haben, am leichtesten an htiher gelegenen Punkten zum Vorschein kommen werden, wenn die Quellmiindung im Bache oder
Flusse selbst sich befindet und das Wasser dort sehr tie€
ist, is1 leicht einzusehen. Denn da alle in der vulkanischen E@e( und in den Umgebungen des Laacher Sees
bis jetzt von mir beobachtetcn Kohlensauregas-Entwicklungen aus Mineralquellen nur eine schwache Spannung
zeigen, .so daL sie hiichstens den Druck einer 3 bis 5
Zoll hohen Wassersaule uberwindeu kiinnen , so kann
natiirlich eine in einem #Bathe oder Flusse von mebreren
255
Furs Tiefc sich mtindende Mineralquelle dort gar keitle
Gaseiitwicklung zeigen, sonderu das auf ihrem Laufe aus
dem Wasser sicb eritwickelnde Gas wird da, wo es keinen Wasserdruck zu iiberwiiiden bat, also gerade auf
trocknen Anhbhen durch Spalten und Risse des Gesteius
oder durch lockeren Erdbodeu hervordringen, und so das
Ansehen gebeu, als sey diese Gaseiitwicklung e h e von
Wasserquelleu ganz unabhaugige Gasquelle.
Bei Beobachtung des senkrechten Aufsteigens der
Gasblasen aus Mineralquelleu wird man so leicht versucht zur Annahrne, dais es,aus der grbfsten Tiefe, wo
die Kohlensaure-Entwicklung ihren Ursprung nimlnt, iu
senkrechter Richtung erfolge. Dab dieses nur selteti der
Fall seyn klinne, lehrt schon der innere Bau der Erdc,
so weit er aus entbliifsten Felswlnden, so wie durch dcu
Bergbau bekannt ist; denn die Gebirgsspalten , welclre
die Kanale fiir die Quellen bilden, ziehen sich ip deu
verschiedensten Ricbtuugen aus der Tiefe auf die Oberflache. Bei Fassung inehrerer Mioeralquellen init reiclicr
Gasentwicklung, wobei ich gegenwartig war, zum Theil
selbst die Arbeiten leitete, habe ich mehrere Male bcmerkt, wie sich die Wasser- und Gaskauale oft sehr weit
in fast horizontaler oder doch in nur weuig geueigtcr
Richtuug fortziehen. Eine sehr reiche Gasentwicklung,
die sich beim Ausgraben des Terraius verlor, rand sich
erst in einer horizontalen Entfernung von 20 und einigen Fufs wieder. An einer anderen Stelle bemerkte man
in einer kleinen Vertiefung Kohlensaure-Entwicklung,uud
zwar mit Blasenwerfen, wenn jene mit Regenwasser gefiillt war, sonst bei trockner Jahreszeit nur durch den
Geruch und an erstickten in der Vertiefung liegendeu
kleinen Thieren erkennbar. Man teufte an dieser Slelle
eineu kleineu. Schacht ab, und kam 9 Fufs tief auf cine
sehr wasser- und gasreiche Mineralquelle. Da das Wasser mit seiuer Gasentwickluug nicht senkrecbt BUS' der
Tiefe beraufslieg, sondern seitwarts aLis einer Spalte im
256
Trafs bervorkam, so verfolgte man die Quellenader eine
Strccke weit; allein bie bebielt 'in einer Lange V O 10
~
bis 12 Furs ihre fast horizontale Richtung bei, und wahrscheiulich mag sie sich in dieser Richtung noch weit fortgezogen habcn. Hier h;itte man leicht versucht werden
kiinnen, die Gasentwicklung in jetier kleinen Vertiefung
fur eine Gasquelle zu balten, wenn nicht das Nachgraben gezeigt hatte, dak sie eine Gasexhalation aus einer
Jarunter befindlichen Mineralquelle ist.
W e n n ea nun nach allem diesen sehr wahrscheinlich ist, dafs die meisten Kohlenssuregas - Entwicklungen aus dcr Erde nichts anderes, als Exhalationen aus
tiefer fliersenden Mineralquellea sind, so will ich doch
nicht dainit die Behauptung aufstellen, dafs es gar keine
Gasquellen geben kirone. In einern durch friihere vulkanische Eruptionen, durch Hcbungen halbgeschmolzener
Massen, und nachherige Erkaltung -uod Erhartung derselben zerkliifteten Gebirge, ist es nicht wobl -denkbar, d a k
Spalten, die sich von der Erdoberflsche bis zu griikerer
oder geringerer Tiefe hinabziehen, blok mit Gas gefiillt
seyn und sonach Gaskanale bilden kilnnen, sondern sie
werden stets mit Wasser erfiillt seyn, welclies das Koh1ens:iuregas in der )l'iefe unter starkem hydrostatischen
Druck absorbirt und auf der Oberflache grBltentheils
wieder von sich giebt. Dagegen in einem nicht so sehr
zerkliifteten Gebirge mirgh sich mohl die Gaskanale, die
in der Tiefe doch nothwendig gedaclit werden miissen,
sehr nahe an die Oberflache heraufziehen und dort in
mit Wasser gefiillte weitere Spalten einmiinden. Es ist
denkbar, dafs in dieser geringen Tiefe nur eiu Theil des
Koldenshregases vom Wasser absorbirt wird, dcr g r b
fsere dagegen unabsorbirt durch das sperrende Wasser
hcrauftritt und auf der Oberflache als eigeutliche Gasquelle zum Vorschein konimt. Solche Verhgltnisse seheinen namentlich zu Meinberg in Lippe- Detmold statt zu
fiuden. Die dortigen Mineralquellell zeichnen sich nam-
1834.
ANNALEN
no.
17.
DER PHYSIK UND CHEMIE.
B A N D XXXII.
lich durch eine sehr veriindcrliche Temperatur aus, die
wahrend des Jabres awischen 5 O uod 1 l 0 R. schwankt.
Diese Veranderlichkeit lakt mit Bestimintheit vermuthen,
daL die BiIdung jener Mineralquellen, d. h. die Absorption
des Kohlens3uregases durch das Wasser, sehr nahe der
Erdoberflache erfolgen miisse. Approximativ kann inan
sogar diese Tiefe angeben. Alle Quellen n l d i c b , die
aus einer geringeren Tiefe kommen, als die ist, bis zu
welcher die Einfliisse der lufseren Lufttemperatur &ingen, werden natiirlich keine constante Temperatur zeigen. Die Tiefe.aber, in welcber die Erdtemperatur anf;iogt constant zu' werden, kann nicht an allen Orten unserer Erde dieselbe seyn, iodein sie offenbar eine Function
des Utnfangs der thennometrischen Variationen der Lufttemperatur des Orts ist, je geringer dieser Umfang, desto
kleiner jene Tiefe, und umgekehrt. Daher wird diese
Tiefe in niederen Breiten griifser als in hijheren seyo.
So fand auch B o u s s i n g a ul t l ), -dafs diese Tiefe in den
Tropen zwischen dem l l t e n Grade nordlicher und dem
5ten siidlicher Breite kaum 1 Fufsbetrggt, indem Thermometer, in ein 6 bis 12 Zoll iiefes Loch unter Bedachung versenkt, entweder gar nicht, oder doch nur hechstens um einige Zehntheile eines Grades variirten. A r a go
faod dagegen den Stand eines Thermometers, -25 F u h
unter der Oberfliiche von Pa&, noch nicht constant.
D ' A u b i s s o n setzt diese Tiefe zwischen 46 und 61 F.,
und K u p f f e r 77 Fufs unter der Erdoberflsche. In dem
nijrdficheo Sibinken scheidt sich diese Tiefe bis Uber 90
Furs herabzuziehen I),indem selbst noch in dieser Tiefe
1) Annal.
de d i m . ct dc phys.
T. LIII p. 2' %
2 ) Dicsc Annilen, Bd. XXVIII S. 631.
Poggendorff'a Aosal. Bd. XXXII.
ct suiv.
17
258
clas Erdreich gcfrorcn gdunden wurdc.
Diescn llcobachlungen gemafs cliirftc dic Tiefe, in welcher das Kolilensauregas zu Meinberg in' die Wiisserkauile tritt,
tiyyfahr 50 Furs unter der Erdoberflache zu suclreil
seyn I ) .
F u r die Bildung dieser Mineralquellen in so geringer Tiefe spricht auch noch der Umstand, dais das Kohleuszuregas, welches sich aus densulben entwickelt, einc
bei weitem g r i h e r e Expansivkraft besitzt, als irgend einc
(hsexhalatioii aus den vielen Miueralquellen, die ich in
den Ulngebiiogen des Luucher Sees untersucht habe.
Keine dieser letzteren kann mehr als den Druck eiqer
hochstens 5 Zoll hohen. Wassersgule tiberwinden, walreud, wie ich fand, das zu Meiriberg ausstr6mendc (;as
den Druck eioer 12 Zoll hohen Wasserslule loit Leichtigkeit iiberwand, uud ohne Zweifel den Widerstand ciiier eiriigc Furs hohen WassersYule iiberwunden haben
wurde. I)iese verhaltuilsma~sigbedeutende Expausivhraft
des ausstrijmenden Gases M s t aber vermuthen, dafs es
Es ist indrfs zu bemerken, dafs selbst d i e Temperatur von Quell e n , die cnnstant die mittlcre des Orb iibertrilrt, dennnclt w j h r e n d des J a h r s einige Scbwankungen reigen und d r m Gangc dcr
iufscren Lufiiemperatur folgen kaon. So ist die aus 12mooatliclicn Ilrubarlltungrn abgeleitete mittlere T e m p e n c u r eiuer Soole
z u W t r l in Wcstplrultn 9",6753 R., alas Msrimum im J u l i
10',32, das Minimurn irn December 9'. G l e i c h w o l ~ lmGssen w i r
annehmen, dafs diese Soole aos einer Tiere knmnit, MO schon
cine d i e mittlere Lufttcntpcratur tiberrteigende Vl'Prme lierrscltt ;
d e n n diess w i r d i n W e d rwirchen 7" und 8' R. fallen.
Es
Ifnoen also selbst bis daliin W a s s c r dringcn, obne dafs ilrre
vnn aufseo mitgebrachte T e m p e r a t u r ganz aufgrhoben wird. Da
a b e r die mittlere T e m p e r a t u r d e r Jftinbuger Mineralquellen
riemlieh nahe d e r mittleren d e r doriigen siifsen Quellen nder d e r
dieser eotsprecheoden mittleren von N e h b e r g Lomrnt, so L B O nen die W a s s e r diescr Mineralquellen n n c l ~nicht dabin gelangen wo die l'enipcraiurzunnlme im Jnocrn d e r E r d e anfjngt.
1)
259
von seinem Ursprunge her als Gas ausstromt, ohne vorhorher von Wasser absorbirt gewesen zu seyn; denn Gas,
welches sich au8 Wasser, von dem es absorbirt war, in
Folge des sich beini Heraufsteigen desselbeo vermindernden hydrostatischeu Drucks entwickelt , kann natiirlich
nur eine den1 auf6eren Luftdrucke gleichkomrnende oder
doch nur sehr wenig deuselben ubertreffende Expausivkraft haben.
Diejenigen, welcbe. das Emporsteigen der Mineralquellen aus einer Wirkung des Druckes, den das Wasser von dem iu dem unterirdischen Laboratorium erzeiigten KohlensBuregas erleidet , erkllreu, bedenken wohl
nicht, d a t damit die Regelinlfsigkeit in dem Hervorquellen derselben unvereinbar ist. Ich babe viele an Kohlensaure reiche Mineralquellen ZLI verschiedeiien 'ragesund Jahreszeiten anhaltend zu beobachten Gelegenheit
gehnbt, und stels eine ungeueine Regelmafsigkeit in dein
Hervorquellen und Abfliefsen des Wassers und in der
Entwicklung des Kohlenssuregases bemerkt. Die letztere
erfolgt aus den an Kohlensaure sehr reichen Mineralquellen in ununterbrochenen Strbrnen, so dafs die gauze Quelle
zu liocben scheint; aus den hingegen minder reichen steigt
das Gas entweder in zahllosen kleiiien Bllschen, oder
periodisch in einzelnen grblsereii Blasen auf. Uebrigens
riclitet sich die Grirte der Blase11 auch narh der Besclinffenheit des Terrains; komuit die Quelle aus grfifserea
Spalten des Gebirges, so sind die Blasen grofs, kommt
sie aus vielen kleinen Oeffnungen einer porbsen Steinart, z. B. aus Trafs, so sind sie oft nicht gr8lber als die
Gasperlen aus Chainpagner Wein. IJnter niehreren neispielen einer lnerkwurdigen Regdinlfsigkeit in der Fiitwicklung des KohlensBuregases fiihre ich nur folgeiides
an. Vor 8 Jahren sah ich in einer Mineralqiielle neben
vielen kleinen ununterbrochen aufsteigenden Gasbl3sclicn
einzelne @[sere sich erheben, die in regelmiilbigen Zeit17
*
260
intervallen von 1:. Secunde ohne Unterbrechung a$ einander folgten, und 7 Jahre spster, als ich diese Qnelle
wieder besuchte, zeigte sich genau noch dasselbe Verhalten. Erfolgte das Aufsteigen des Wassers nach Art
eines Heroesballes, so mtifste Wasser und Gas mit eioander abwechsein , wie diels beim stolsweifseu Hervortreten des Sprudeh und des Neubnuinens zu Carlsbad I ) ,
so wie in einem vie1 grofsartigeren Sty1 beim Geyser und
Strok auf Island * ) der Fall ist. Bei allen Mineralquelten hitrgegeo, wo ein periodisches Aufsteigen des Kohleusiiuregases stattfiodet , zeigt sich durchaiis keiiie UnregelmgLigteit in dein Hervorquellen des Wassers. Dafs
die Art dcr Kohlensfure-Entwicklung abhznge von der
verschiedcnen Richtung und von ungleicher Weite der
Quellenadern, von kleinen Hi)liliingen an Stellen, wo
dieselben wenig geneigt sich forhiehen, und in welcben
locale Aohaufongen von Gas sich bilden und von anderen forinellen Verscliedenheiten in dein unterirdischen
Wasserlaufe, ist leicht einzuseben. Dafs hier uud da sogar grgfsere Klufte wit comprimirtern Kohlensauregas und
auch mit arideren Gasarten angefullt im lunern der Ercle
vorhanden sind , zeigen mehrere, beim Bohren nach Mineralquellen uud artesischen Brunnen , beobachtete Erscbeioungen ).
W e a n deinnach das Hervonpnngen der Qubllen, wit
sebr wenigcn husirahmeo, eine Wirkuog des hydrostatischea Drucks hbher gelegener Wasserbehiilter ist, M) mufs
man no& die Frase aulwerfen, wie in einen gescblossenen unterirdischen Wasserlauf ein Gas treten kijnne,
1) G i l b . A ~ I I J Bd.
. LXXlV S. 126.
2) Ebend. Bd. XLlli S.'50.
3) S. unter anderen B e a n d c s , dk Minerrlpurllen ttc. zu Meiaberg. Lemgo 1832. S. 231 U. fg.
Die artesiscben Brumacn
-
in und'um W i e n , voo Y . J a c q u i n und P a r t s c h . W i e n 1931.
H e r i c a r t d e T l i u r y in Ann. d e c k er dephys. T LZZZ
-
p . 208.
261
ohne dafs jener EestUrt werde. Denn es lassen sicb kaum
Prwesse im I n m der Erde denken, in denen durch
blofses Zusammentreffeo des Wassers n i t Steinmassen,
etwa mit koblensaurem Kalk, KohlensPure aufgenommeii
werden k&onte, obne dafs dieselbe vorher ausgeschieden
wordeo whe. Selbst wenn wir dem Obigen entgegeu
aonebmen wollten, dafs die von den eindringenden Meteorwassern aufgenommene Koblensaure stet6 im liquiden
Zustande vorbanden wiire, so wiirden dieselben doch bald
iiacb Aufnahme dieses Liquidums bis zum Orte seiner
Entstebung gelangen. Da aber der verh%lteifsmafsiggeringe Gebalt der Suerlinge an fixen Beslandtheilen keine
Spuren energiscber Processe in und mit deli1 Wasser zeigt,
so diirften dieselben dumb die Gegenwart yon Wasser
eher gestart als bd6rdert werden.
Urn zu erfabren, welchen E i n h f s das Hinzutreteu
eines Gases zu eioem hydrostatiscben Wasserlaufe babe,
verbaod ich zwei 4 Fufs Iwge Glasrahren mit einer messingenen Riihre, so dafs sie einen umgekehrten Heber bildeten. An der messingenen Hbhre befand sicb, unter eincm rechten Winkel abstebend, ein zweites Rohr mit
eiiiem Hahn von enger Oeffnung des Habmchliissels. In
dieses Seitenrohr wurde eine kleiue Tubulatretorte gekittet. War der Habn versclilossen, so bildete der Apparat
eine uuunterbrochene Wasserleitung. Selbst, wenn er un%escblossen war, lief Wasser oben aus dem ktirzeren Schenkel so lange ununterbrochen aus, als in den ljingeren eingegosseo wurde; denn die in der Retorte eingeschlossene
Luft wurde blot etwas comprimirt, ohne d d s aber wegen
der engen Oeffnung des Hahnschkissels Wasser ein- und
austreten kountc. Wurde endtich in der Retorte Kohlensauregas entwickeh und der Hahn geoffnet, SO trat
das Gas in den Wasserlauf in eiuzelnen Blaseq stieg in
den kuneren Schenkel Oherwf und eutwickelte sich ails
dein Wasser eines oben angebracbten kleiuen Bassius.
Wahrend dieser IiohlensauFe-Ent~~icklung
in diesem, das
26'2
lraue Bild einer Mineralquelle darstellenden Apparate lief
diis Wasser ohnc Unterbrechung aus dem Bassin ab, und
niir in detn langeren Scbeukel oscillirte die Wassersaule
wenig. Wenn nun unter diesen UmstBnden, wo jede
in den Wasserlauf einlreteode Gasblase die Rlihre ganz
ausfiillte, und beim Heraustreten eine augenblickliche Unterhrecbung des Wassehaufes berbeifiibren inufste, dennocb keine merklicbe Sturung in dem Abflusse wahnunclinien war, so kann d i e t in der Natur um so weniger
geschehen, da bier wolil selten die Gasblasen die MTasserkaniile ganz ausfiillen. Wenn endlich das Zutreten
des Kohlensauregases zum Wasserlaufe in der Tiefe unter starkem bydrostatischen Drucke erfolgt, so wird das
Gas sogleicb absorbirt, kann daher nocb weniger stiirend
auf denselben einwirken, und kommt erst wieder nach
und nach zum Vorschsin, wenn der Wasserdruck in den
hfiheren Punkten aer Leitriug abnimmt.
W i r brauchen demnach, um die Absorption des Kohlenslaregases durch das Wasser und die mchherige Aufliisung der Bestandtheiie in diesem KohlensBure-Wasser, mit
einem Worte, urn die Bildung einer gasreichen Mineralqrielle zu erklaren, blofs anzunehmen, dafs enge Kanale
im Inuern der Erde, aus der Tiefe kommend, in weitere
sich mtinden, jene Kohlensiluregas zufiihren, und diese
mit Wasser erfUllt sind.
XXVI. Betrachtungen iiber die hefj'sen Quellen
der CordilZeren; von Hrn. B o u s s i n g a u l t .
(Ann. de d i m . et de phys.
T.LII p. 181.)
D i e Geologen sind noch getheilter Meinung iiber die
Ursache der Warme heiter Quellen. Die einen leiten
diese Warme von der hohen Temperatur des Innern der
Erde ab, die anderen dagegen von einer localeq cheini-
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