close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Einige physikalische und chemische Beobachtungen in den Schweizer Alpen.

код для вставкиСкачать
111. Einigc physikalische und chcmische Riwhachtungim in den Schweizcr Alpen;
von Gustav B i s c h o f i
I n der zweiten HYlfte Augusts und der ersten Septembers des verflosseneo Jnbres babe ich fur mein in dicsen Annalrn (Hd. XXXV s. 209) angefiihrtes Werk, welrhcs unter der Presse ist, mehrere Beobachtungen in den
Alpen des Bertrer Obcrlundes und von Wallis aogcstellt,
von deoen ich cinige, die dort iiur k u n oder gar uicht
beriihrt werden koiiuteo , hier iiiitzutheileu mir erlaube.
I. U e b e r die V e r d u n s t u n g s t ~ l l ein d e r N i l i e v o o W a r serfillen.
In der Nahe des bekannten S t u d - Baches im LairZerbrunn-'l'hal, der sich, nacb E b e l , 800 Furs hocli
frei herabstGrzt , beobaclitcte ich folgende Temperaturcn
am 25. August:
Luft in der NVhe des Wasserfalls um 4
6O,8 R.
Ubr Nachinittag
Luft vor dcm Wirthshause, urn 5 Ubr Nachm.
I) ,S Beide Beobachtungen im Schatten.
Staubbach, 50 Schritte vom Fall
7
Benachbarte, von derselben Hiihe, aber nicht
in Cascaden herahkornrnende Bacbe
8",9; 9 O und 11
Es war also die Luft in der Nshe des Wasserfalles
urn 2" kalter, als ungef;ihr f Stuiide davon entfernt, obgleich die letztere Beohachtung eioe Stunde spater gemacht wurde, FIO die Temperafur schon abgenommen
haben mufste. Eben so zeigte sicli das Wasser des Staiibbachcs nach seinem Fall urn 2 O bis do kalter, als das
benacbbarter Riicbe, von deiien man annebinen kann,
18 *
-
261)
d a h sie nut dcm Gcbirge wohl nahc gleichc Temperatur
mit deln des Staubbaches gebabt haben milgen. Die
Wirkung der Verdunstung des Wassers w:ihrend des
Herabfallens aus so bedeutender Hijlie zeigte sic11 also
in cinem ziemlich bedeutenden Grade, und diefs ist urn
so aulfallender, da es den ganzen Tag, init kurzen Unterbrechungen, und noch kurz vor jeiicn Beobachtungen geregoet hatte, mithin die Luft ihrem Ssttigtingspunkte mit Wasserdampf scbon nahe war. Unmittelbar
unter dem Wasserfall war eio sehr heftiger Wind: zum
'l'heil eine Folge der localen Erkaltung, aber gcwifs bei
weitem inchr des herabsthenden, wie in einer Wasscrtrommel wirkenden Wassers I ) .
Bei aufrncrksainer Beobachtiing des herabfitlleudeo
Wassers fand ich, i n Uehercinstim~nimg init iiieineiii Rcisegef;ihrteii, Jlrn. Oberbncrinspector A I t h a n g , dnfs die
Gescbwindigkeit des Falles in seinein erstcn Viertel am
grOfsten ist, dafs sie aber dann bedcutend abnimmt, oliiie
Zweilel in Folge des wachsenden Widerstandes der Luft,
und dals hierarif ein Theil des Wnssers sich in Xebel
zerth~ilt, der, nach den Seiten ausweichend, sich ganz
deutlicli in Wasserdampf auflost ').
1 ) Die heftigcn M'irbclwinde am Fufse der VVarserf3le sind lekannt. S. W e l d in G i l b . Ann. Bd.111 S. 133, und E l l i c o t
ebend. Bd. XXXlI S. 331, fiber die a m Nuguru.
2 ) Zur \l'ornnog fiir Andcre, die etwa ibnliche therrnometrische
Bcbbachtiingea a n den1 Strubbach anstellen mtichten , bcmerke
ich, dafs wilircnd ich am Fulse dcr Wasserfalter die Lufttemperatur beobrcktete, vor mcinen Fifsen ein Stein von der Grofse
cines Hiihnereis t i t f in den ruit Shnlichern Steiogcr6lIe bedcckten Boden einschlug. Dafs dieser Stein fur mich, wenn cr mich
gctrorfen, hitte lcbearpelihrlich werdcn Lanoen, ist klar; denn
rngenomrncn, die Hahe der senkrecbten Falls sty 800 F u r s , so
dnrehficl der Stein, ohne den Widerrtaud d c r Luft LU rechnen,
i n d c r letaten Sccunde 205 Furs. Die Gcschwindigkcit ciner
Biiehrenkugel in eincr Secundc schligt man IrBchstens ouf I500
Furs an. Das Hcrabrtiirzcn von Steinen mit dem Staubbach muk,
!26l
A m Gjefs-Buch beim Brienzer S e e zeigten sich and e r e Tempcraturverbaltnisse. Die Menge des hier herabstiinenden Wassere ist viel bedeutender, end der ganza
F a l l theilt sich in sieben einzehe Falle, wovon der hoclrstc nicbt viel liber 50 Fufs Hdhe haben mag. Die Verdampfung dcs Wassers ist daher bier viel meniger bedeutend. Die Temperatur des G i e j - B a c h e s unterhalb
d e r Schwund, auf dem W e g e vom Faulhorn nach dem
Bn'enrer-See, faiid ich am 31. Airgust 5O,5. Nachdem
e r von bier bis zum zweiten Fall iingcfahr eioe starke
Stunde W e g e s gcflossen, war seiue Temperatur bis zu
7",2 gestiegeri. A m F u L c des fiinften Falles war sic
7",5 und am Fufs des sechsten 7 O , 6 .
Die Lufttemperatur fern von Wasserfallen war l d 0 , 6 iin Schatten u r ~ d
1 8 O in der Sonlie; am Fufse des fiinlten Falles, da, \YO
inan zwischen den Fall und den Felsen treten kaan,
!lo,&
Man sieht, wie bcdcuteud erkiilteod das herabstiirzende Wnsser auf die umgebeodc Luft wirkte, und
\vie sich natiirlicherweise das Wasser, nach Abzrig der
Verdampfuugskiilte, nur weoig dadurch erwsrmte.
11. U s b e r d i e E n t r t e h u n g d e r E i r l i i c h e r a u f d e n
G l e t s chern.
Es ist eine bekaonte Erschcinmg auf den Gletscheru,
daTs da, w o sie wcnig gegen den Horizont geoeigt sind,
mehr odcr weniger weite und t i d e Lijclier im Eise sich
l i l d c n , die ganz niit Wnsser angefullt sind. Der Graf
v o n R u m f o r d I ) , welcher die Auhnerksainkeit der Physiker auf diese Erschcioung lenkte, erkllirte die Entstehung dieser Eislijchcr und ihr Tiefwcrden wahrend d e r
warmen Jahreszeit aus dem Niedersinken der durch die
warmen W i d e erwiirmten, specifisch schwerer werden-
2652
driiden uiid hi die 'I'iefe liinabsinkeiidcu Wassertbeilchen,
n odurch das Ausfresseu uach seiikrechter Riclituug herbeigefiilirt wird. Ich fand auf dem sogeiiaiinten Eismeer
cles uuteren Gletschers bei Grindelrvald iiiehrere solcber
Eisldcber: cines schieii inir besonders geciguet zur Austellung eines directeu Veisucbs. Es war S t Fufs tief,
fast senkrccht, und die W e i t e betrrig oben ungefiihr 24
OuadrailuCs. In dassclbe flol's, in cincr etwa 1 2011 tiefvii Spalle, auf der Oberflache des Eises ein etwa fiogerdicker Wasserstrabl, und eben so vie1 floh an dcr
untgcgciigesetzten Seite wiieder ab. Die Temperatur des
"in: uiid ablliefseriden Wassers war - O o , l ,
die des
Wassers an der Obc-rfllclre des Baches genau 0". Icfi
fiill1e eine Glasbouteille iiiit Wasser von der O b e r 5 ~ c h e ,
gofs es einigemal aus, daiuil das Glas die Temperatur
dcs Wasscrs annabm. Hicrauf senkte ich sie bis nahe
auf den Gruud dcs Loches, und erliiell sie in dieser
Stellung, an cine Schiiur bufestigt, 65 Minuten lang. Uin
die alienfalsige uiirniltrlbare Beruhrung der Seitenflliclie
der Bouteille mit dcin Eise zii verbindern, uingab icli
sic init einern Kranz von IIolzsp~ii~en.Als icli sic, n i ~ c l i
Verlauf jener Zeit, sclinell heraufgczogen hatte, fand ich
dic Temperatur des Wasscrs +0",2.
Das ruliig stelicnde Wasser eines andereu, 6 Furs ticfcu Eisloclies
hatte schon an der Oberfliiche die l'emperatur +O0,2;
walirend das in aiidereii Eislilcbern, stehcnde Wasser au
der O b e r 5 k b e stets O o , und die auf dem Gletscher zusaminenfliefsenden und in die Eisspalten sturzendcn Wasser --Oo,l
bis 0" waren.. Die hijchste Lurtteinperatur,
welche ich vor diesen Beobachtungen um 12 Ulir in uuiiiiltelbarer NYhe des Eismeers beobachlet hatte, war +8",8.
Zu eioer warmercn Jahreszcit mag wolil die Differcnz zwischen dcr Teinperatur d r s Wasscrs in der 'I'iefe uiid aiif
der Oberflacbe der Eislijclier elwas gr6fser gcful;dcn wtrden, als icb sie gcfuiiden babe.
Auf drm Larnmern(;lcLscher auf der Geinnri fand icli die 'I'cinperatur dcs
263
auf dem Eise zusammeufliefsenden, SO vie des in deo
Eislbchern stehenden Wassers auf der Oberflvche durcham 00. Die Iditemperatur auf dem Gletscher war 3O.
Jene Beobachtungen auf dem Eismeer liefern einen
experimentalen Beweis von der Richtigkeit der Erkllrung
v o n R u m f o r d s. D e r Anfang zur 'Hilduiig der Eisldcher scheiiit iibrigeus, wie sclion E b e l ) bemerkt, von
Steinen Iienuriihren, welche starker als das umgehende
Eis voa der Soiiiie erwgrint werden, daa Eis ringsumher
schinelzen uud dadurcli einsinken. Ich habe auch in alleu
Eisltkhcrn, in deneii ich his aiif den Grund hioabselicn
kounte, eiueii gr61seren oder mehrere kleiliere Steine erblickt. v. K u m f o r d sah i n d e l keine Steine in eineiu
vier Furs tiefell Loch auf dem sogeuanuten Eisnieer in
Chomouni.
Kine Scliwierigkeit scheiut noch iu jener Erklzruui;
von der Bildung der Eisl6cher ohzriwalten. Da iiYinlicli
die a u k e r e Wiinne, welche das Wirsscr auf d r r Oberfl:iche der Eislikher erwaniit , auch das Eis ringsumlicr
schuiilzt uud (leu Stand ertiirdrigt, so sollte man glauben, dafs dirtse Eriiiedriguiig dcs Eisraiides uud cfas husfresseu dcs Eises auf dein Giuiide der Ldcller gleiclr vie1
betragen miifsteu. Iu diesem Falle \%&redas relative
Tiefcrwerden dcr Eisliiclicr gegeii die .Oberflache dcr
Gletscher nicht zu begreifen. Sollle dieses 'l'ieferwerden wirklich eiiizig und alleiii von den nicdersinkenden Wasserlheilchen licrriiliren, so liekc sich das ungleiche Abschmelzeii aui Raude und auf dem Grunde
nur ~IUS der Annahine erklaren, d a k die Luftwdrme voii
dem Eise schwieriger, als voii dern Wasser aufgenoinmen werdc; otler iuit aiideren W o r t e n , dafs das Eis
cin aoch schlecliterer WBrineleiter als das Wasser sey.
D a l t o n ') glaubtc bekauiitlich dicscs aus seiuen Versu-
264
chcri rolgern zu kllnuen. H o m e r l ) macbte aber Einwcndungen dagegen.
I)a das W a s s e r in den, wshrend des Sommers entstaiidenen Eisll)cherti zu Aofauge des Wiiitere wieder
gcfriert : so kann sich das Tieferwerden derselben im
n ~ c h s t e u Sommer niclit fortsetzeii, uud ihre Existenz ist
also stets nur auf die Uauer eines Sommen beschrankt.
B u n sollte man abcr erwarteti, an den entbhsten Wanden, am untercn Elide der Gletscher, Steine im Eke zu
iinden, welche in jenen Eislocbern eingesunken und tnit
dcm Gletscher vorwarts geschohen worden sind. Wcdcr ich, noch Andere, welche Gelegeuheit hatten, die
Gletscher anbaltender, wie ich, zu beobachten, haben
aber jcinals solche Steine in der inneren Masse des Eises gesehen. Sehr gute Gelegenheit hierzu bietet das unterc Eiide des oberen Grindclwnld- Gletscliers dar, wo
selir hohe Eiswznde anstelren.
Es ist auch gauz allgeiuein die Mcinuog dort verbreitet, clafs die Gletscher
iiiclits Frenides in sich lciden ’). Dds nicht blofs jeiie
Steiiie, soudcrn aucli die, welchc in Gletscherspalten fall e n , eber den Griiiid, auf dein der Gletscher gclegt ist,
niclit erreiclien, sotidern eiiigeklemmt stecken bleiben,
inch Verlauf nielirerer Jahrc wiedeium auf der OberflUd i e des Gletscliers sich zeigeti, jcdoch weiter l’hal- abwirts, als sie eingesunkcn siiid, ist cine schoii von S a u s s u r e gcmnchte Wabrnehmuag, und die Folge des h b schmelzciis dcs Eises auf dcr oberen Flache der c l e t scher. Die wicder zutn Vorschein gekommenen Steine
konnen natiirlicli unter gunstigen UinstBndcn walireud des
Sominers wiedcr ciasinken, iind so knnn sich das W i e derlierrorkommen und Niedersinken so oft wiederliolen,
bis sie enlwedcr in eine durrhgehende Spalte stiirzen,
oder (ibcr das uiiterc E n d c Iierabglciten. Sonacb kan1) G e h l e r ’ r V‘6rtcrb. h’. A. Bd. I l l . S. 124.
1 ) S. auch B i r e l x
in
Gilb.
Annd.
Bd. L X I V S. 198.
265
Den solche Steine d a r e l i d des Vorrtlckens d e r Glefscher
eiilen treppenf"rlnigei1 W e g beschreiben. Eben SO WCDig a]s.mall in der iiineren Masse des Eises, an den entblofsten W s n d e n am uutern Eude der Gletscher, Stcine
wabrnimmt, kanu man auch das in den Eislilchern gefrorne Wasser daselbst wieder finden. Dieses Eis miifste
sich aber durch seine Klarheit ; Dichtigkeit und muschligen Bruch von dem kilrnigen und undurchsichtigen Gletschercis nierklich unterscheiden ' ).
.4uffallend war es mir, lhnlicbes Steingerblle, wic
man t.s auf dein Grunde der Eislbcher findet, an auderen Stellen als Uebcrzrig von Eiskegeln aozutrellcn. Ich
meine hier nicht die bekannten Gletschertische, die mit
eiucm grofsen Steine bedeckt siud, von dencn unter And e w n K a t n t z * j ehen so grlindlich, wie von den niihereu Utnstiinden des Einsinkcns dcr Steine handelt. Ich
fand ii~inlichauf dcm Eistncer ctes unteren Gletschers zu
Grindclwafd mehrerc Eiskegef von ganz regelinarsiger
Kegelform; welche von der unteren Flrchc bis zur Spitzc
so ganz mit Steiiiger~llc,etma 2 Zoll dick, bedeckt waren, dafs ich sie nnfangs fur Scliuttliiigel hielt. Der hikhste dieser Kegel hatte ungefahr 3 Furs IIbhe und Durchmesscr. lcli niufs gestehen, dafs ich inir oicht deiiketi
kann, mie hier das Stcingerblle die darunter befiiidlichen
Eiskcgel vor dem Sclimelzen schiitzen konnte, wlhrend im
entgcgengcsetzten Falle an arideren Stellen es sich in das
Eis einfrifst. Indefs war ich aucli wtibrend meiues Aufe n t l d l s auf dem Gletscher zu sehr mit den Eislbchern
bcschSfligt, als dais ich jenen Eiskcgeln cine n3here Aufmcrksalukeit htitte stheilken kijunen.
1 ) E s c h e r in C i l b . Annal. LXlX S. 118.
2) Schwcigger-Seidel'r
n.
Jalirb.
BJ. VII S. 233.
266
111.
U e b e r d a a G a s , w e l c h c s r i c h .us d e n E i s l B c l i c r n
c o t w i c k e l t , u n d iiber d i e U r s a c h c d e r B e s c h w e r l i c h k e i t i m A t l i m e n b e i m E r J t e i g t n g r o f s c r HBhen.
Auf dem Eismeer sah ich viele Luftblasen aus den
Eislikheru eniporsteig,en, als ich mit meinem Alpeustocke
in das Eis stiefs. lch mar begierig die Zusalnlnensetzung
dieses Gases kenoen zu lerneu, und versah mich daher
bei meinein Besuche des h r n m e r n - G l e t s c h e r s init einem
Glas mit eiogescbliffenem Stapse1 und init einem Trichter. Es gelaag mir aucb, jedoch mit einiger Beschwerlichkeit, iu einem solchcn eiskalten pneiiinatischeii Apparat Gas zu sammeln, welches, iui Schwefelleber-Eudiometer untersucht, im Mittel BUS Versuchen bestand aus:
10,22
89,58
Sauerstoffgas
Stickgas
100,OO.
Dieser Sauerstoffgehalt ist aber n o c h zii hoch bestimlnt; d e m beitn Fiillcu jciies Glases gescbah es, dafs
auch einige Blasen atmospbarisclier Luft eintraten. B o uss i n g a u l t * ) fiihrt cine altere Erfahrung von S a u s s u r e
an, dafs die PUS deu Poreii von Schuee (welcben e r auf
d e n Col du Geaut gesainuielt hattc) eutnickelte Luft vie1
weoiger Sauerstoff enthalte als die Atmosph5re, uud stellte,
dadurch veranlal’st, bei seiner Ersteigung des Chimborazo
eigene Versuche hieriiber au. Obgleich er iu der durcli
Scliruelzen voui Schnec erbalteiieu Luft uur 17 Proccnt
Sauerstoff fand, so beiucrkt er doch selbst, dafs dieser
geringere Sauerstoffgehelt, in1 Verhaltuifs zu dem der Atmospkire, eine Folge der grolseren Absorption dcs Saucrdoffs als des Stickstoffs aus der in der Flasche befindlichen attnosphiirischeu Luft durch das geschmolzeue Schncewasser segn kiroue. Ohiie Zweifcl ist diefs auch die wabrc
TJrsache, uiid dassclhc fiiidet auch iu deu uiit W a s s e r gel ) Diese Aooalcn, UJ. XXXlV S. 209.
2fi7
fiillten Eislbchern atif den Gletschern statt. Indem n;?mlich dieses W a s s e t ill das Gletscbcreis eiudringt, verdr:jngt eb die in den Poren dessclben enlhaltene afmospbariscbe Luft und absorbirt davon mehr Sauerstoff als
Stjckstoff. Ich sah diese Luft in grbfscren uiid kleincren
Elasen, oft in grofscr Zahl, ringsumber an dem Eise baftcu, und sie, bci der Beriihruug mit meincm Stocke, in
grorser Mriige emporsteigen. Obne Zweifel sleigen sie
auch von selbst, ncun sich nach und nach lnchrere zu
grbfsercn Ulascu vereinigen, empor, und dadurch gclarigt
allerdiug eiue an Sauerstoff lrinere Luft in die Atnosphare auf den Glctsclicrn. Unlnbglicli kann ich mir aber
denken, dafs dadurch, n i e B o u s s i i i g a u l t zu vcrinutlieu
geueigt ist, diese AtinospbYre SO verdorben werden kbnne,
Jars daraus die Schwierigkeit des Athmcns auf den Gletschern erklgrt werdun k h i i t e . W c n o auch alles durcb das
ScLiiielzc~~des Gletschereises eiilstehcude W a s s e r diese
Wirbuog hervorbringt, und die Menge des US den GIetschern ablliekenden Wassers allerdiiig oft sehr Sedeutend
ist: so vcrthcilt sich doch diesc V-irkiiiig auf einc schr
grofsc Fliiche, iu welcher das h b ~ ~ l i o i c l ~der
e i ~Gle~scficr
crfolgt. W a s ist aber dicse geriiige Mcnge unreiner Luft
gegen das g r o k I.uftmeer, wclches dcn Gletscher umIn dcr That nur eine verschwindeiide GrijTsc.
giebt?
Vergleiclit man daniit die uiigclieuren KolilensPuregasEutwicklungcn in Gegciidcii ciner vormaligen vulcaiiischen Tbstigkeit: so miifste, wenii schon durch jene sparsamen Entwickluugen uiireincr Luft aus Gletschcru das
Athmeu merklich erscbwert wcrden kiinnte, cs iiber Fhcheii, wo Kohlenszure aus allcn l’uiiliten ringsumher sich
entrTickclt, guiz unmbglich werden. Ich babe aber auf
solchen Stellen, wic z. B. auf dew sogeonnnten W e b rer-Bruch, eine Stuiide VOII Laacher-See ’), wo an eiiicr Stel!e, auf eincr FlVche von eiiiigen hundert Furs
iiii Quadrat eioe Gaseiitwicklung an dic andere sicb rcliht,
-
1 ) 5 c l 1 w e i g g s r ’ s Ja!irL. der Chrm. und Phyr. Bd.LVI S. 146.
268
und die Kohlensgure in k o p f g r o t w Blasen das W a s s c r
der Saucrquellen ununtcrbrochen fort ein bis zwei Furs
hocli emporwirft, nie die mindeste Beschwernils im Athincn bemcrken k h n e n . Man riecht n u r eben die Kohleiiszure. Man knnn sageii, so wie solclie Gascntwick1un;cii nur cben der E r d e entbtrdmt siud, so werdeu sie
soglcich Eigenthnm des grolsen Luflmeeres, und gegcn
dieses verschwinden sie, so betrtichtlich sie auch an sich
seyn k6nnen. Anders verhslt sich’s freilich in eingcsclilosseiicii Rlumeo, z. B. in Orten, wo die KohlensHure niis
Vertiefungen, aiis gefalsten Sniierquelleo, sich eutwikkelt. Hier erfolgt dic Gasentwicklung schncller, als
die Verbreitung tles eiitvvickelten Gases in die Attnosplisre, und diese Verbreitung firidet n u r in Folge einer
allmiiligcn Vcrinengung mit almosphkirischer LuFt stntt.
Die Mengong der Gasartrii erfolgt aber bekanntlich da,
w o keine Luf~bewegnngstntt hat, sehr I a i i p m , und dnhcr koinmt die locale Aiillliulung d e r KoL1ens:iure in Vertiefungen. Ucbersteigt die Tiefe eiiier solchcn Kolileiiszurt-grube nicht Manneshdbc, so kaon man obne allc
Gefahr in sic Iiinabnlcigen; denn so lange, als die Respirationsorgane iiber dem obereu Rand der Grube sich
befinden, spurt man kaurn das mephihche Gas. Biickt
inan sich aber uoter den Rand d e r Vertiefung, so stcllen sich sogleich die naclitheiligen Wirkuagcn auf die
Respirationsorgane ein, und man m u k sehr vorsiclitig
seyn, wain nian sicli nicht einer augenscheinlichen LeGanz gefilirlich ist es, i ~ ]
hensgefahr aussctzcn will.
eine mehr als Mannstiefe Kohlcnsauregrube hiuabzusteigcn. hlles dieses kaun nber nicht cintrcten, wenn die
Entwicklungcn aus ebencm, oder wenigstens nicht eingeschlossenem, Hodeu erlolgen, wo die geringste L u f l b e ~ e p u g in der Atrnospbare schon hinreicht, das entwickelte
(>as von d e n Orte seines Ursprungs forizutreiben, untl
wo liuchsteus klciiiere ‘l’hiere, wie Hunde, die mit ihrcr
2GY
S a s e d e r Entwicklung ganz nahe kommen, betlubt odcr
todt niederfallen.
Unml)glicIi kaon daher die Beschwerlichkcit des Athulens auf Gletscliern von jener Ursache abbangen, da
die Menge der an Saucrstoff doch u u r etwas Inneren
Lult, welche sich aiis Glctscbern entwickelt , g e d s vie1
geringer ist, als die des ganz irrespirnblen Kohlenssuregases in jencn Gcgcoden. Auch fand B e r g e r ' ) kcinen
Uoterschied in dem Sauerstoffgehalte dcr atmospharischen
Luft auf Gletschern; so wie iiberhaupt nach den, bisherigen Unlersucbungcn , besoiidcrs nacli dein sorgfiltigpn
von B r u n n e r auf dem 6178 Furs Lohcu Faulhorn '1,
cs nicht im Mindesten wahrscheinlich ist, dafs die Luft
auf den von Menschen erreichbaren Hiihcn weuiger Snuerstoff, als in den uiiteren Scbiclitcn beaitze.
Was die Besclia crliclikcit des Atl~mens in grofscn
Hiihen betrifft, so siiid wolil allc Naturrorscher dariii eiuig, dofs sie haupts:iclilicli in der vcrdiinnten Luft liege.
Aulser dieser Hauplursnche scliciiieii abcr noch andcre locale Ursaclien uod der ineteorologisclie Zustand der Atmosphare einzuwirkcn. W c n u es als gcgriindet aoztinehlnen
ist, dafs es bei gleiclier Hithe iinuicr weit Iastiger ist, cine
uiit Schoee bedeckte Aiiliiilie zu ersteigcn, als eiuen nackten Felsen: so kitnnte diels wolil voii der grijlseren Anstreogung des Geheus in lockerein Scbuee, als auf festem Boden herriihren. W e n n aber dasselbe auf Gletschern, deren Schuee ganz lest ist, der Fall s ~ y nsollte: so
kann dieser Umstaiid eio beschrverlicheres Atlimen iiicht
verursachen. AIlein auch dann ist cs wohI immer lastiger auf geneigten Gletsclicrn anzusteigcn, als aul Felsen
won gleicher Ncigwng, da jene doch rneistens glatter, als
diese sind. Treten die Beklemmungen beim Ersteigen
I)
Journ. dc
phys. T. X V I p . 373.
2 ) Dicse Aanrl. Bd. XXXI S. 7.
270
der Gletscher bcsooders dann ein, wenn sie voii drr
Soone beschienen werden: so kaun auch der vie1 6 1 % ~
kere Reflex der WSrme und des Lichts von den weifsen Schneeflachen, als von dunlilem Gesteio, und als
Folge davon die oft driickende Sounenhirze Antheil an
dem unbebaglichen Zustande nchnicii. SO klinneri also
allerdings zu den allgemeioen Wirktinscn der verdiinnteii Luft auf Gletschern noch besondere, bald diese, bald
jene hinzukomnicii, n elcbe dco unhehaglichcn Zustand
strigern, und da der Mensch in sehr verdiinnter I d
tiberliaript in einem sehr gereiztcn Zustande sich befiu.
det, so kfiaiien geringe Eiiifliisse odrr hnstreiigringeii
noch Wirkungen hervorbriiigen , die im norinalen Ziistande verschwioden. Alle Besteiger von grolsen Hi)heu
Blngen einstimmig iiber grohe Mattigkeit ), die indefrt
nach einer Rulie von wenigen Augenblicken wieder vers c h n iudet. R o iis s i n g a u I t fand sogar, dafs in diesen
HiMien nicbts mehr angreift?, als eine anlialtende Unlerhaltung, und e r schreibt seiner Vorsicht, nur beiin Slillstchen W o r t e zu wecbseln, und aurh dann our mit leiser Stimme, es zu, daTs er bci allen seinen Bestcigungen von Vulcanen sich bestandig einer guten Gesundheit
erfreut habe.
D e r meteorologische Zustaud der Atmosphare scheint
in jenen Hohen einen sehr bedeutenden Einfluls auf das
ALhriien ariszuiiben. S a r i s s u r e faiid sich vou deu arif
dem Mont Blaiic verspihten Uiibehaglichkeiten erleichtert,
wenn ein schwacher Sordostw ind einfrat.
Boussi n g a u l t berichtet, d a k Reisende, wie Maulesel, auf den
1)
W e o n nach Prof. W e b e r ' r , in dcr vorjshrigen Verramnilting
dcr Naturforscher und hcrttc zu Bonn gehalteorm interessanteri
Vortrage die Gelcnke haupts~cliliclr durch den Druck der I.iiTt
eurammengcltrltcn a e r d e n , so wird man fast verrucht mzunchnelrmcn, dals die .\lattigkcit in mrdiinnter Luft zum Tlieil v o i i
dcm geringeren Druck, womit die Gelcoke auf hoheo Bcrgen
rusammcogehalteo aerdcn lterrirhrco cn3ge.
,
271
Gebirgen von Peru und in den Andes von Quito zuweiIcn und fast plijtzlich eine sehr grofse Schwierigkeit im
Athmcn verspiiren, und zwar Iiauptslchlich dann, weun
vie1 Scbnee auf den Bergen liegt und das W e t t e r ruhig
ist. Nach meinen Erfahrungen ist ebenfalls vonugsweise
Windstille, besonders wenn sie mit R’ebel begleitet ist,
dcrjellige Zustand der Atmosphzre, welclier das Athmen
nuf hoben Bergen auherordentlich ersrhwert. Als ich
init meinem Begleiter das Faulhorn bcstieg, waren wir
Gcnblhigt unsere Maulthiere einige hundcrt Furs unter
dcr. Spitze zuriickzusenden, und diesen krirzen W e g zu
Fufs’ zu macben. Ein undurchdringlicher Nebel bedeckte
dcn Berg, es schneite stark, und wir mrilsten, mil Manteln behangen, durch einen Furs tiefen Schnee wnten.
Niemals habe ich aber aiich eine @[sere Bcschwerlichkeit im Athrnen gefuhlt, als auf dieser k u n e n Strecke.
Kaum kounten wir mchr a h 20 Schritte, oline uns einige Augenblicke Ruhe zu gbnnen, zurhcklegen. Am
andern l’age, k u n nach Sonnenanfgang, vermelirte sich
noch der Nebel bei gsnzlicher Windstille. Meiner B e o b
aclitungen wcgen bcsticg ich in jeder halben Stunde von
dein Wirthshause aus die uber demselben befindliche
Spitze von nur 37 F. senkrechter Hahe. D e r W e g war auf
dieser Stelle von dem grilfstentheils aufgethauten Schnee
sclir schlilpfrig und dadurcb das CJehcn etwas erschwert ;
ich war indefs ganz leicht gekleidet. Kaum wird man
es mir glauben, dafs ich nicht im Stande war, diese kurze
Strecke, ohne unterwcgs rinige Augenblicke Halt zu machcn, zuruckzulcgen, rind als ich auf die Spitze kam,
m u k e ich abermals etwas aiisruhen, ehe ich m e h e Beobachtungen machen konnte. So p i s war die Bescbwerlichkeit im Atbrnen. Dagegen wanderte ich bei heiterem,
oder wenigstcns gonz nebellosen W e t t e r auf dcm 5129
Furs holien Eismeer des unteren Crindelwaldgletschers
berum, iiberstieg einigemal eioen s e h beschwerlich zu
crhliinmenden, etwa 100 Furs hohen, mit Steinblijckeii
252
bcdecktcn Eiskamm (Gufferlinie), obne die mindeste Bescbwerlichkeit im Atlimen. Eben so wenig fiihlte icli
eine solche Beschwerlichkeit bei dem Ersteigen des 7244
Fuie hoben und elwas ansteigendcn Lammern-Gletsclicrs.
Das Wetter war aber nebellos, obgleich trube. Bei einem ganz beiteren Soinrnertage im August 1R22 bestieg
ich von der Grimsel aus das 8580 Furs holie Seidclhorn.
D e r W e g war selir beschwerlicb, steil anstcigend uber
Felsblbcke, aber frei von Schnee, selbst auf der Spitze,
obgleich eeitwlrte in einer Schlucbt eine bedeutende
Schneemasse sich berabzog. Ich fiihlte dabei keine gril€sere Anstrengung, als beim Ersteigen niedriger , jedoch
mit gleicher Beschwerliclikeit zu ersteigenden, Hugd.
W e n n nun gleich meine Erfabrungen sich nur auf
H6hen von hikhstens 8580 Fufs erstrecken: so scheinen
sie doch zu beweisen, dafs der nieteorologische Zustand
der Atmospbare auf griJfseren Haben einen sehr wichtigen Eiiifluis auf das Athmen babe. Uebrigens ist es heknnnt, dais sehr dicke Pr’ebel selbst bei Wanderungcn im
ebenen Lande, in unseren Gegenden, nacbtheilig auf das
Athnien wirken.
(Fo r t r c txu n E f 0 1 gt.);
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
3
Размер файла
528 Кб
Теги
physikalischen, schweizer, den, chemische, einigen, beobachtungen, und, alpek
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа