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Elektrizittsdurchgang durch feste Dielektrika.

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A
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~ DE
A R PHYSTK
~ ~ N
S.FOLGE, 1930, B A N D 5 , HEFT 4
El ekt&%&&ts
dupchg ang dur c h fest e D i e Zektrika
Von 1).N a s l e d o w t m d P.S c h a r a w s k g
(Mit 9 Fignren)
5 1. Einleitung
Der Mechanismus des Strijmungsdurchganges durch feste
Dielektrika 1aBt sich von verschiedenen Gesichtspunkten aus
betrachten. Die erste und alteste Theorie dieser Erscheinung
fa& jedes Dielektrikum als eine Gesamtheit der sogenannten
festen Dipole auf, die ganz unregelmaBig angeordnet sind, falls
sich das Dielektrikum nicht in einem elektrischen Felde befindet.
Beim Vorhandensein eines elektrischen Feldes orientieren sich
dagegen diese Dipole, die bestimmte elektrische Momente besitzen, entsprechend dem Felde. Diese Orientation wird durch
die Warmebewegung der Molekiile gestort ; als Resultat der
Wirkung beider Faktoren ergibt sich aber ein bestimmter
Gleichgewichtseustand, der selbstversthndlich von der Starke
des Feldes und der Temperatur der Substanz abhangen muB.
Die Theorie der festen Dipole setzt die Moglichkeit hochgradiger
Polarisationen des Dielektrikums und einer wesentlichen Temperaturabhangigkeit der Leitfahigkeit des Dielektrikums voraus.
AuBerdem fuhrt sie auch zu dem Schlusse, da13 die Polarisation
nach einem bestimmten Punkte unabhangig von der Starke des
elektrischen Feldes werden muB. Dann mu13 ein Sattigungszustand im Dielektrikum entstehen. Fiir eine Reihe von Substanzen lieB sich dies experimentell beobachten.
Eine gewisse Modifikation der Theorie fester Dipole stellt
die Theorie der quasielastischen Dipole dar, welche annimint,
daB die Molekiile des Dielektrikums nur in Anwesenheit der
Feldkrifte elektrische Momente erhalten. Als erste Anniiherung
diirfte angenommen werden, daB diese Momente proportional
der Spannurig des elektrischen Feldes sind.
Es liegt aber eine Reihe von Erscheinungen vor, die sich
durch diese kurz geschilderte Dipoltheorie nicht erklaren lassen.
Annalen der Physik. 5. Folge. 5.
29
430
D. Nasledozu
u. P. Scharawsky
Diese Erscheinungen finden hauptsachlich statt, wenn das Dielektrikurn van einer Strahlung irgendwelcher Art gstroffen
wird. E s entstehen dann Vorgknge, die gevissermaljen a n
solche in Gasen erinnern, und zwar von solcher Art, &aB man
sie als Erscheinungen rein ionaleri Charakters auffassen kann.
Dieser Standpunkt wird besonders von J o f f 6 und seiner Schule
vertreten; die Forscher stutzen ihre Auffassung durch sehr beweisende experimentelle Ergebnisse. I n einem jeden Dielektrikum soll immer eine bestimmte Menge dissoziierter Ionen
sowohl des Dielektrikums selbst als auch der verschiedenen
Beimengungen vorhanden sein; unter der Wirkung der Krafte
eines elektrischen Peldes wandern die Ionen, urodurch der elektrische i3trom in der Kette erzeugt wird.
Die Ionen, die sich an den Elektroden anhiiufen, mussen
ein elektrisches Feld ereeugen, das dein aufs Dielektrikum einwirlienden entgegengesetzt ist. Es entsteht also die sogenannte
Polarisation des Dielektrikurns, (lie sehr groat! Werte erreichen
kann.
Indem Joff61) die Leitfiihigkeit voii Quarz und Kalcit
untersuchte, maB er unrnittelbar die in diesen Dielektriken entstehenden elektromotorisclien Krafte der Polariaation. E s ergab
sich, dalj die Polarisationswerte nach einiger Zeit so grolj werden,
daB sie nur urn einigt! Prozent von der einwirkenden Spannung
am Dielektrikum clifferieren. Dabei kam J o f f 6 zum Schlusse,
dab das Ohmsche Gesetz in jederri hugenblick gultig ist fur
das Dielektrikuni, welches sich im elelrtrischen Felde befindet.
Urn sich van der Richtigkeit dieses Satzes zu Bberzeugen, soll
man nur die in1 Ilielektrikum wirksame Spannung in Ret,raclit,
xiehen, d. h. die Ilifferenz zwischen der erteilten Spannung und
der Polarisationsspannung. Die Versuche von J of f e zeigen
E-P
gliinzend, daB das Verhiiltnis
(wo E die erteilte Spannung,
P die Polarisationsspannung und i die Stromstarke im Dielekt,rikuni im Augenblick der Polarisation P bedeutet) eins konstante Griilje ist und den Widerstand des Dielektrikums darst,ellt,.
Das Vorhantlensein von Raurnladuiigen im Dielektrikum
wird bewiesen dnrch die drbeiten von JoffB, f i i n j e l n i k o w
und W a l t e r 2 ) uber die Verteilung des Potentials in Quarz und
P
i
y
1) A. JoffC., Ann. d. Phys. 7% S.461. 1923.
2) S i n j e l n i k o w 11. W a l t e r , Zeitschr. f . Phys. 40. S. 786. 1927.
Etektrizitafsdurchgang durch fesie Dielekfrika.
431
Glas beim Stromdurchgang (ausgefiihrt unter Anwendung von
Sonden). Es ergab sich, dafi in den Schichten des Dielelitrikums
in der Nahe von Elektroden sehr grofie Werte des P o t e n h l gradienten vorliegen, wahrend die entsprechenden Werte im
mittleren Teil ganz gering sind.
Eine Bufierst wichtige Tatsache, welche den ionalen Charakter der Leitfahigkeit fester Dielektrika bestatigt, ist die
Elektrolyse von Kristallen, die im Fall der Steinsalzkristalle
von L u k i r s k y und S h u k a r e f f l ) beobachtet wurde. Die
Autoren erhielten Mikrophotogramme der NaC1-Kristalle nach
Stromdurchgang: man sieht ganz deutlich Ablagerungen des
metallischen Natriums an der Kathode (in Form von Dendriten).
Das Vorhandensein hochgradiger Polarisationen in festen
Dielektriken mu6 eine Stromentstehung zur Folge haben, wenn
man das Dielektrikum kurz schlieBt. I n dem idealen Fall (beim
Ausbleiben jeder Verluste) mu8 dabei das Dielektrikum dieselbe
Elektrizitatsmenge abgeben, die beim Aufladungsstrom absorbiert worden ist. Ilerartige Entladungsstriime wurden tatsachlich von einer Reihe verschiedener Autoren beobachtet, ein
besonders klares Bild dieser Erscheiniingen liefern aber die
Arbeiten von Jo ff6 . I n einer seiner griiBeren Arbeiten iiber
dieses Thenia fuhrt J o f f e Kurven des Aufladungs- und Entladungsstromes fur Quarz an.
E s wurde bereits erwahnt, dafi bei der Bestrahlung des
Dielektrikums - beispielsweise mit R6ntgenstrahlen - Vorgange stattfinden, die etwas Geineinsames mit den Erscheinungen
in Gasen bei deren Ionisation haben. I n unserer vorhergehenden
Arbeit2), die sich mit den Erscheinungen im Ceresin bei deren
Rontgenbestrahlung befaBte, wiesen wir auf eine Reihe von
Erscheinungen hin, die ziemlich bestimmt zugunsten einer
ionalen Natur d i e m Vorgangs sprechen. Besonders wichtig ist
der Umstand, daB die Werte des Ionisationsstromes eine Unabhangigkeit von der GriiBe des Dunkelstromes im Augenblick
der Einschaltung der Riintgenriihre, d. h. beim Beginn der Bestrahlung zeigen. Dime Tatsache liiBt sich nur durch die Annahme erkliiren, daB sowohl der Dunkrlstrom als auch derjenige
Strom, welcher ini 1)ielektrikurn bei dessen Bestrahlung ent1 ) Lukirsky, Situkareff u. Trapesnikowa, Zeitschr. f . Phys.
31. S. 525. 1925.
2) Nasledow 11. Scharawskg, Ann. d . Phys. [5] 3. S. 63. 1929.
29 *
432
D.Nasledoui u. P. Scharawsky
steht, durch Ionenwanderung bedingt wird. Unabhlingig von
der GroBe des erstgenannten Htromes mu13 dabei ein bestimmter
Gleichgewichtszustand eintreten, der unter gleichbleibenden
sonstigen Bedingungen nur von der Intensitlit und der spektralen Zusammensetzung der ionisierenderi Strahlung abhiingig ist. Die Unabhiingiglreit des Ionisationsstromes vom
Dunkelstrom wird nur auf diese Weise verstandlich.
Nach dem Ende der Bestrahlung kehrte die Stromstarke
nicht sofort, sondern nur ziemlich langsain z u dem ursprunglichen Wert zuriic'li, was sich durch die allmahliche Resorption
der Ionen im Innern des Dielektrikums, durch die allmahliche
Ruckkehr zum normalen llunkelzustand erklaren 1iiBt.
Einige von unseren Versuchsergebnissen weisen aucli auf
gewisse Besonderheiten der Ionisation des fest,en Dielektrikums
im Vergleich zu der Ionisation von Gasen hin. I m allgemeinen
zeigt die Mehrzahl der betreffenden Erscheinungen solche Besonderheiten. Der Unterschied besteht darin, da13 in1 festen
Dielektriknm die samtlichen Vorgange zienilich langsam verlaufen, wahrscheinlich infolge der geringen Ionenbeweglichkeit.
Von solcher Art sind die bereits erwiihnten Nachwirkungserscheinungen; hierher gehiiren auch die Ermudungserscheinungen, Abhangigkeit der Ionisat,ion von der Intensitat der
Strahlung, Giiltigkeit des 0 hmschen Gesetzes fur die Ionisationsstriime und einige andwen Tatsachen.
Wie stellen wir uns den Vorgang der Ionenwanderung im
Dielektrikurn vor ?
S m e k a l sprach die Verinutung Bus, da13 die Ionen im festen
Dielektrikum liings den Spalten der Bubstanz unter Einwirkung
elektrischer Kriifte wandern. Einige Tat sachen widersprechen
aber dieser Deutung. So stellten z. B. B. K u r t s c h a t o w und
J. K u r t s c h a t o w l ) das Ahnlichkeitsprinzip der LeitfahigBeitI
dieser Dielektrika fest : nach dieseni Prinzip hangt die Stromstarke im Dielektrikum nur vom Potentialgradienten ab, und
ist unabhangig von der Dicke des Dielektrikums. Die Abhangigkeit wnrde fiir den Fall von Reststromen ausgefiihrt. Nur
im Gebiete sehr groljer Gradienten, bereits in der Nahe der
Diirchschlagsspannung, gilt diese OesetzmiiBigkeit nicht mehr.
1) B. R u r t s c h a t o w u. J. K u r t s c h a t o w , Journ. cl. russischen
phys.-chem. Cesellschaft 61. S. 321. 1929 (r1issisc.h).
Elektrixitatsdurchgnng durch feste Dielektrika
433
Diese Messungsergebnisse der genannten But oren berechtigen
sie zum Schlusse, dalj die Potentialverteilung im Innern eines
festen Dielektrikums fur beliebige Zeitabstande vom Augenblick
der Einschaltung der Spannung ahnlich ist in Dielektriken
versohiedener Dicke, nnd nur vom Gradient des Feldes abhangt.
Nach der Meinung der hutoren stehen diese Tatsachen in Widerspruch zu der Theorie von S m e k a l , da im Fall von geringeren
Dicken die Zahl der 8palten zunehmen muB: gleichzeitig hatte
aber auch die Stromstarke zunehmen sollen, da dabei die Zahl
der Wege fur die Wanderung der Ionen groBer wird.
Die vorliegende Arbeit behandelt die Erscheinungen beim
Stromdurchgang durch Ceresin, hauptsiichlich die Polarisationserscheinungen, und bildet eine Fortsetzung der vorhergehenden
Mit teilung.
s 2 . Beschreibung der Versuchsanordnung
In1 wesentlichen blieb das Schema der Versuchsanordnnng
bei dieser Untersuchung dieselbe, wie bei den fruheren Versuchen,
die wir bereits eingehend beschrieben haben. Der Unterschied
bestand nur darin, daf3 sich diesmal die Ionisationskammer in
einer Asbestschicht im Zwischenraum der beiden Wandungen
befand. I n der Mitte dieser Bammer befand sich eine zweite
Bammer und erst darin die Ionisationsliammer mit Ceresin.
Diese Anlage gestatte es, das Dielektrikum bei einer konstanten
Temperatur zu untersuchen. Dem letzteren Umstand kommt
eine sehr groBe Bedeutung zu, da die Temperaturschwankungen
irnstande sind, den Charakter der Erscheinung ziemlich bedeutend zu verandern. Die Ionisationskammer blieb dieselbe wie bei
der fruheren Untersuchung. Der Abstand zwischen den Platten
des Kondensators betrug 5 mm. Ein Thermometer, das sich
ini Innern des Thermostaten befand, ermoglichte die Reobachtung der Temperatur des Dielektrikums.
Die sonstigen Teilr der hnlage blieben unverandert.
$ 3. Der allgemeine Charakter
des Aufladungs- und Entladungsstromee im Ceresin
Es sei aunachst der allgemeine Charakter des seitlichen
Verlaufs der Aufladungs- und Entladungsstrome im Ceresin
betrachtet.
I).Nasledow u. P. Bcharazcsky
434
Zu diesem Zwecke wurde der Ionisationskammer die Sgannung von 767 Volt von einer Batterie aus Bleinen LQclanch6elementen erteilt. Die Temperatur des Dielektrikums betrug
17,2O C. Die Versuche gestalteten sich folgendermaBen. Zuerst
wurde dem Dielektrikum eine Spannung erteilt, die darin einen
bestimmten Aufladungsstrom erzeugte; der letztere wurde nach
verschiedenen Zeitabstanden gemessen. Dann wurde diese
Spannung mittels des Kommutators ausgeschaltet, und die
Elektrode cler Ionisationskammer, der die Spannung erteilt
worden war, geerdet. Dabei wurde clas Dielektrikum kurz geschlossen : infolge der Polarisation entstand ein Entladungsstroni
von entgegengesetzter Richtung; dieser Strom wurde ebenfalls
so lange gemesaen, bis die Werte sehr klein wurden.
Fur die Messung, deren Resultate in der nachstehenden
Tab. 1 angefuhrt werden, haben wir das elektrische Yeld in1
Laufe von z = 44 Min. auf das Dielektrikum einwirken lassen.
+
Tabelle 1
V
= f-767 Volt;
I
0' 00"
1' 00"
2' 00"
3' 07"
5' 09"
7' 10"
12' 13"
17' 16"
22' 19"
27' 20"
32' 31"
t = 17,2O C!.
Zeit Tom Augenblick der Einschaltnng des
Feldes
-t
-
ein
46,8
78
11,o
13.4
17,4
20,2
26,8
32,4
37,O
39,2
42,2
aus
11,8
17,2
26,O
36,6
3,73
2,70
2,55
53'
57'
61'
87'
30''
40"
45"
00"
I
53,O
76,4
89,6
118,O
184,6
2,14
-
8,48
5.81
335
3,73
1,X9
1,31
1,12
0,85
0,54
Die erste Spalte der Tabelle zeigt die voni Augenbliclr cler
Einschaltung des Peldes verflossene Zeit, die zweite die Zeit,
die das Elel~trometerbliittchengebrauchte, um eine bextimnite
Zahl der Teilstriche an der Rkala zu passieren die dritte, dici
Starke des Stromes im Dielektrikum in rt3lativen Einheiten.
Die Fig. 1 enthiilt eine graphische Darstellung derselben
Messungsergebnisse und zeigt den zeitlichen Verlauf des Auf-
E’lelitriN.itatsdusdya?iy durch feste Dielektrika
435
Iadungs- und Entladungsstromes. Der obere Teil der Figur
entspricht dern Aufladungs-, der untere dem Entladungsstrom.
Die Betrachtung dieser Kurven eeigt, da13 der Aufladungsstrom mit der Zeit schnell abnimmt, was durch die steigende
Polarisation im Ceresin bedingt wird. Bei der Ausschaltung des
Feldes in der 44. Minute nnd dem KurzschlieBen des Dielektrikums andert sich die Stromrichtung sofort, wobei die Strom-
Dcr allgcmeine Charakter des Aufladungs- und Entladungsstromes
im Ceresin
Fig. 1
stiirke auniichst hohe Werte erreicht. Bereits nach
Stunde
sinkt, aber der Strorn zu geringen Werten. 60 Min. nach der
Ausschaltung des Feldes war der Entladungsstrom bereits so
schwach, daB er sich bei dem Empfindlichlieitsgrad unseres
Elelitrometers nicht mehr messen IieB. Man kann sich unschwer
iiberzeunen, dab die bei der Entladung abgegebene Elektrizitatsb
menge sich nur wenig von der absorbierten unterscheidet. Derartigen Kurven fur einen bestimmten Zritbetrag (z = 44 Min.)
wurden an verschiedenen Tagen erhalten. E s ergab sich, da13
die Werte der Stromstiirken, die bestimmten Zeitpunkten bei
D.Nusledow
436
u.
P. Scharutusky
konstanten sonstigen Bedingungen entsprachen, in allen FBllen
beinahe die gleichen waren. Dieser Umstand zeigt, daB sie
durch keine aufiilligen Schwankungen mitbedingt sind.
3 4. Abhangigkeit des Entladungsstromes
von der Einwirkungadauer des elektrischen Feldes
Nach der Schilderung des allgemeinen Charakters des ,4ufladangs- und Entladungsstromes gehen wir nun uber zum Studium der Abhangigkeit der bei der Entladung abgegebenen
Elektriaittitsmenge von der Dauer der vorhergegangenen Einwirlrung des elektrischen Feldes auf das Dielektrikurn.
0
70
.a 30
M
50 60
m
80 90 100
7
2
3
4
IV t=60m
5
V t=7ZOm
tl Z-525"
6
Die Abhangigkeit des Entladungsstromes von der Einwirkungsdauer
des clektrischen Feldes
Fig. 2
Zur Yeststellung dieser -4bhangigkeit wurden Versnchc
sowohl mit kleinen als auch rnit xiernlich groBen Zeitbetriigen z
mgestellt. Die z-Werte wurden in den Grenzen von 1 Min.
his 535 Min. variiert. Die Bpannung wurde dabei bei allen
Messungen konutant gelialten nnd hetrug
80'3 Volt. Die
Pausen xwischen den Versuchen betrugen rnehrere Tagc oder
wenigstens mehrere Stunden, uni das Dielektrikum i m Laufe
der Pause vollstiindig ,,ausruhen", d. h. ursprunglic2ien norinalen Zustand wiedergeminnen zu lessen. Auch die Ternperatur des Dielektrikums war bei allen Messungen anntihernd die
gleiche.
Die Pig. 2 stlellt die Kurvrn des Polnrisationsstromeu bei
t =lMin., 3 Min., 39 %in., GO Min., 129 Min. und 525 Min. zusammen. Man sieht, da13 bei t = 1 Min. die Kurve sehr schnell
+
ElektrizitatsdurchgaIzg d z d L feste Dielekiriku
437
zu Null sinkt. Die im Laufe einer Minute absorbierte Elektrizitatsmenge ist nicht grolj, und die bei der Entladung abgegebene
Nenge ist ebenfalls sehr gering. &lit steigendem z verlaufen die
Kurven immer weniger steil. ZunBchst haben aber geringe
Anderungen des t bedeutende Anderungen im Verlauf der Kurven
dcs Entladungsstromes zur Yolge. Fur groljere z-Werte werden
die Differenzen bedeutend geringer, wie es besonders ein Verh
oleich der Kurven V und V I zeigt. Die Kurve V entspricht
z = 120 Min., die Kurve V I z = 525 hhn. Der Unterschied
xmischen den beiden Zeitbetragen ist sehr grolj, die Kurven
I l k Abhiingigkeit des Entladungsstromes von der Einwirkungsdauer
des elektrischen Feldes
Fig. 3
verlau€en aber sehr nahe aneinander. 1)iese %'atsaclie weist
darauf hin, (la13 die vom Dielektrikum absorbierte Elekt,rixit&tsmenge zu einem bestinimten Grenzwert strebt, der bei genugend
grol3en t-Werten erreichhar ist. Irn letztgenannten Fall, bei
z = 525 Wn., la,Bt sich der Ent,ladungssfroni noch anderthdb
Stunden nach der _4usachaltung des Feldes gut messen. Zu deni
gleichen Ergebnis gelangt man auf Grmd der Betrachtung clrr
Kurven des Aufladungsstromes (vgl. die Kurve Pig. 1). ZunBelist,
sehen wir ein steiles Rinlien der Kurve, dann wird die Abnahrnc.
tier Stromwerte imrner langsamer, nnch groljeren Zeitabstiinden
verliiuft die Kurve beinalie parallel der Sbszissenachse. nieser
Umetand berechtigt zuni Schlusse, daB die weitere Elektrizitatsabsorption durch das Dielelrt,rikuni nur BuBerst langsam stattfindet .
Eesonders Mar werden die geschiltlerten Tat sachen durcli
die Fig. 3 illustriert, die folgendermaaen aufgebaut ist: die Ab-
I ) . LnJadedow
438
ti.
P.Scharnrisky
szissen sind die 7-Werte, d. h. die Einwirkungsdauer des elektrischen Feldes ; die Ordinaten sind Stiirken des Entladungsstronies, die einem bestimniten Zeitpunkt nach der dussuhaltung
des Feldes entspreclien. So betrBgt der Zeitabstand von cler
,\usschaltung 5 Min. fur die Kurve 1 dieser Figur und 10 Min.
fur die Kurve 11. Die Kurven steigen aunachst steil, dann immer
langsamer, bei groBeren s-Werten verlauferi sie beinahe parallel
der Abszissenachse.
Die Tab. 2 enthlilt die Werte des Entlaclungsstrornes fur
die Zeitabstiinde t = 5 Min. und t = 10 Min, auf dereri Gmnd
die zwei genannten Kurven aufgebaiit worderi sind.
Tabelle 2
v = + 809 Volt
10’
20‘
270’
525’
4,4
2,7
2,8
0 5. Wirkung der Rcntgenstrahlen auf den Entladungsstrom
Die Erscheinungen im Dielektrikum, dem eine Spannung
erteilt wurde, bei dessen Belichtung mit Rontgenstrahlen wurden
bereits in unserer vorhergehenden i\rbeit e.ingehend geschildert.
Erteilt man dem Dielektrikum eine bestimmte Spannung
und bestrahlt man es gleichaeitig mit einer Rontgenrohre, so
findet (lie Abnahrrie des passierenden Stromes bedeutend langsamer statt, nls ohne 13estrahlung. Nach einiger Zeit wird ein
stationiirer Zustand erreicht, hei dem die St,&rkedieses Stromes
anniiherrid konstant wird und clas Mehrfache jenes Dunkelstrornwertes betrzgt;, der in Abwesenheit des ionisierenden &ens
an demselben Zeitpunkt vorliegen wurde.
R i r stellten uns nun die aufgabe? die Wirkung solcher
Ionisation ties Uielektrikunis auf den Entladungsstrom, und also
auch auf die bei der Ent,ladung abgegebene Elektrizitiitsmenge
xu untersuchen. Diese Aufgahe wurde folgendermafien gelost.
Zuerst wurde der Aufladungs- und Entladungsstrom im Dunkeln
beohachtet, ganx wie es irn § 3 besclirieben worden ist. Die
Spannung am Uielektrikum betrug dabei 880 Volt, die Ein-
439
Tabelle 3
I.' = + 880 Volt; z = 20'
Zeit vom $ugenb1ick der Einschaltung des
Feldes
t
0' 00"
0' 33"
ein
1' 04"
2' 06"
3' 08"
5' 10"
7' 12"
10' 13"
12' 15"
15' 17"
17' 20"
19' 20"
20' 00"
WJ
--
Zeit vom Augenblick der Einschaltung des
Feldes
t
I
64
12,2
20,4
28,6
36,8
55,O
69,2
84,O
114,O
131,O
177,O
231,O
15,63
8,20
4,9Q
3,50
2,72
1,82
1,45
1,19
0,88
0,76
0,557
0,43
6,4
12,4
15,s
20,o
23,6
26,6
30,4
33,3
35,6
38,8
12.50
8:07
6,33
5,oo
4,24
3,76
3.29
3;OO
2,81
2,58
20'
21'
22'
23'
24'
26'
28'
30'
34'
37'
41'
48'
33"
06"
10"
15"
20"
30"
35"
40"
00''
05"
30"
00''
all9
Tabelle 4
b7 = 880 Volt; r
Zeit vom Augenblick der Einschaltung des
Feldes
t
= 20'; 70 kV
I
1' 04"
2' 06"
3' 07"
4' 07"
5' 08"
6' 08"
7' 09"
10' 09"
12' 10"
13' 10"
15' 10"
16' 10"
17' 10"
18' 10"
18' 40"
19' 10"
Zeit vom Augenblick der Einschaltung des
Feldes
20' 00''
0' 00"
0' 33"
(max); 2 mA
der
des u.
ohre
6,4
8,4
11,s
13,s
14,s
15,4
16,s
17,2
18,4
19,2
19,8
20,4
20.2
20,6
20,4
20,2
20,2
15,63
11,91
8,48
7,25
6.76
6,49
5,95
5.81
5,44
5,2l
5,05
4,90
4,95
4,85
4.90
4,95
4,95
+
20' 33"
21' 04"
22' 0s"
23' 10"
24' 13''
25' 16"
26' 18"
28' 23"
30' 30"
33' 37"
3G' 44"
38' 48"
40' 55"
44' 00"
47' 11"
51' 21."
Ausschalt ung
des Feldes u.
der Rohre
574
898
15,2
21,o
26,8
32,4
35,8
45,6
59.4
73,s
88.0
95,o
Ill$
121,o
142,O
l62,O
18,52
11,36
6,58
4,76
3,73
3,09
2,70
2,19
1,68
1,36
1,14
1,05
0,90
0,83
0,70
0,62
T' =
+ 880 Volt;
Tabelle 5
Zeit vom Augenblick der Einschaltung des
Feldes
Zeit vom Augenhlick der EinFchaNung des
Feldes
0' 00"
6' 06"
8' 06"
9' 06"
10' 06"
11' 06"
12' 06"
14' 06"
16' 06"
17' 07"
17' 36"
18' 06"
18' 36"
19' 07"
19' 36''
20' 00"
--
r = 20'; 70 kV (max.); 4 mA.
Einschaltung
des Feldes u.
der Rohre
8,77
11,4
11,s
8,48
8,20
12,2
8,33
12,o
8,20
12,o
12,2
8,20
12,6
7,94
12,s
7,81
13,O
7,69
12,8
7,81
7,81
12,s
12,8
13,O
12,s
7,81
7.69
7,81
Aussc ,ltung.
des Feldes
der Rohre
t
I
20' 32"
33
31,26
03"
06"
64
11,o
15,6
16,67
9,09
6,41
5,16
4,27
3,73
2,84
2,32
1,89
1,59
1,23
0,97
0,86
0,76
21'
22'
23'
24'
25'
26'
28'
30'
33'
36'
40'
57'
08"
10"
12"
13"
20"
22"
26"
32''
41"
00"
51' 00"
56' 07"
19,4
23,4
26,s
35,2
43,2
53,O
63,O
81,6
103,O
116,O
133,O
u".
nirliungsdaner des Feldes war T = 20 Min. In einer xweiten
Versuclisserie wurde gleichzeitig mit cler Einschalt#ungdes Felcles
die Rijntgenbestrahlung des Dielelitrikunis begonnen, die ebenfalls 20 Nin. dauerte. Nach 20 Ifin. wurde sow-ohl das elektrische
Feld als auch die R6ntgenrohre a,usgeschaltet und das Dielektrihum liurxgeschlossen. Es entstand dabei wieder der Entladungsstroni, welcher gemessen wurde.
Das Dielektrikum wurde rnithels einer HbntgenrGhre vom
'l'ypus ,.GroBmetro" der Firma Muller mit Wolfrarnantikat,lioclr
mn Troclrentransformator der Firrna Siemens-Halske bestrahlt.
Die Stromstarlre in der Riihre betrug in einigen FBllen 2 mA,
in anderen 4 mh, bei 70 kV (Max.). Auf diesc Weise wurden
xwei Typen von Kurven fur die Aufladungs- und Entladungsstriirne im bestrahlten Dielelitrikum erhalten. Die Versuche
xeigten, dalj die 80 Minuten lange Bestrahlung vdlig geniigt,
tin1 die Konstanx des Ionisationsstromes xu erreiclien.
Die Ergehnisse der Messungen des Aufladungs- und Entladungsst,romes im Dunkeln werden in der vorstehenden Tab. 3
sngefiihrt .
Elektrixitatsdurchgan.g dtbrch fesfe Dielektrika
441
Die Tabellen 4 und 5 zeigen die Veriinderungen dieser Strome
bei der Rontgenbestrahlung des Dielelitrikums bei der St'romstarke 2 mA und 4 m h in der Rohre.
Die Messungsergebnisse dieser Tabellen werden in der Fig. 4
in Kurvenform da,rgestellt. Die Abszissen sind, wie bei den
fruheren Kurven, die Zeitabsfande von der Einschaltung des
EinflnB der Bestrahlung auf den Entladungsstrorn
Fig. 4
Feldes, die Ordinatenstromstiirke in relativen Einheiten. Die
Kurve ,,a"im oberen und unteren Teil dieser Figur entspriclit
dem Dunkelstrom, die Kurven ,,b" und ,,c" dem ionisierten
Dielektrilrum; im ersteren Fall betrug die StromstBrke in der
Rohre 2 mA, im letzteren 4 inL\.
Ohne die Kurven des oberen Teiles der Figur, die sich aiif
die Aufladungsstriiine beziehen. naher zu betrachten, niixht PI)
wir auf die Form der Entladungsstromlinrven hinweisen.
Die Tatsache, daB clas ionisierte nielektrikum griiBpre Elek-
D.Nnsledow u. P. Scharaiosky
442
trizitiitsmenge abgibt, als das nicht ionisierte, ist aufierst beweisend. Mit steigender Intensitat der Rontgenstrahlung
ninimt diese abgegebene Elektrizitatsmenge zu. Rei der Ionisation absorbiert also das Dielektrikum groBere Elektrixitiitsniengen als ohne Eestrahlung. wodurch die hiiheren Wert,e des
Entlndnngsstromes bedingt werden.
5 6.
Bestimmung der Polarisation des Dielektrikums
Wie es bereits in der Einleitung erwahnt wurde, zeigt,e
J o f f 6 in seinen Untersuchungen uber liristtallinische Dielelrtrika,
dafi fiir diese Kiirper das Ohmsche Geset,z gilt, unter der Voraussetzung, daR die wirksame Potentialdifferenz am Dielektrikuni sowohl durch die ihm erteilte Spnnnung V als auch durch
die entgegengesetzte elektromotorische Kraft der Polarisation P
bedingt wird. Das Ohmsche Gesetx muB also in diesem Fall
folgenderrna#Bengeschrieben werden:
I=-. v - Y
R
Die Ahnlichkeit der Vorgange, die wir im Ceresin beohnchten, mit denjenigen in Iiristallen berechtigt zu der Verrnutung, daB aucli in unserem Fall die Abnahme des Dunkelstromes mit der Zeit durch die allmahliche Steigerung der entgegengerichteten elektromotorischen Kraft der Polarisation bedingt wird, melche die wirlrsamc Spannung vermindcrt und eine
Abnahme der Stromstarlre zur Folge hat. Yon groatem Interesse ware es, die GroBe dieser Polarisa.tion nnd deren Veranderungen sowohl mit der Zeit als auch mit St#eigerungder dem
Dielektrikum erteilten Spannung zu eriirtern. Eine unmittelbare Messung der Polarisation, wie sie von J o f f 6 ausgefuhrt.
murde, war unter unseren Bedingungen ziemlich schwierig : (la
wir aber vor allem die Gro.Benordnung bestimmen sollten, haben
wir eine andere, etwas indirektere Methocle gewBhlt. Nehmen
wir an, daB dem Dielektrikum die Spannung l’, erteilt sei;
nach &em bestiminten Zeita,hst.and t sei die entgegengerichtetp
elelitromot,orische Eiraft. gleich 1’. Dann wird die wirkende
Spannung T’, - 1j einen gewiusen St.ron-i von der StBrke I, bedingen. Ert8eiltman nun anstath der Spannung I’, eine solche
gleich I T 2wobei
,
T‘, > Ti,, so mu6 die wirkende Spannung am
Dielektrikum irn ersten Augenbliclr nach der Umschalt8ung
gleich T’, - P sein und den fitrom J , bedingen.
Ek7ctrizitatsdurchgnng dureh feste nielektrikn
443
War die fiir die Umschaltung der Spannung von T',
erforderliche Zeit kurz genng, so lafit sich schreiben
s; - P
4 =-
v,--P
I,
Es folgt, daraus
p=
n V, - Tr,
n-1
zu T',
*
'
WO
I;
4
yl s-.
Den allgemeinen Charakter der Stromveranderung bei einer
solchen Umschaltung zeigt die Tab. 6. Hier ist, I-, = 385 Volt;
I', = 530 Volt; t = 5 Min.
Tabelle 6
Zeit vom Augenblick der Einschaltung des
Feldes
0'
6"
24"
52"
87"
131"
189"
t
I
I
Zeit vom Augenblick der Einschaltung des
Feldes
I
1
Einschaltung
des Feldes
5,6
17,86
250"
52,2
300"
Umschaltung
des Feldes
13,8
22,o
29,4
37,8
44.0
306"
327"
355"
391"
7,25
455
3,40
2,65
237
1,92
Die auf Grund dieser Daten aufgebaute Kurve wird in der
Vig. 5 dargextellt. Die Extrapolierung der Versuchsergehnisse
awischen 250" und 306" gestattet es, die der 300 Sek., d. h. dem
Zeitpunkt der Umschaltung des Feldes entsprechenden wirlilichen Werte von I , und I , init einiger Crenauigkeit zu bestimnien. Fur den gegebenen Fall erhalteri wir au€ diese Weiw
folgende Werte: 1,= 1,80; I , = 16,OO.
Diesem Verfahren zur 13estimmung tier Polarisation lie@
die Vermutung zugrunde, daB sich die Polerisation nicht augenblicklich einstelle, sondern ein gewisser endlicher Zeitbetrag
dazu erforderlich sei : es existiere also keine derartige intramolekulare Ladungsverschiebung, die es gestat,ten wurde, die siimtlichen beobachteten Erscheinungen zu erkliiren. WBre cliese Annahme nnrichtig, so miifitc die von uns gemessene GriiBe P einc
deutliche Abhangigkeit von I’, zeigen. T h e Moglichkeit wiirde
rxperinientell nacligepruft. Rs wurde die Polarisation 1’ bei deiurspr~inglic.lien Spannang IT, = 325 Volt iind T
5 Rlin. ge-
Messung der Polarisation des Dielektrikums
Fig 5
messen, wobri die Spannung T’, in den Grenzen von 530 bis
1033 Volt variiert wurde.
Die in der Tab. 7 angefuhrten Resultate dieser llessungen
zeigen, daI3 trotz den so bedeutenden Veranderungen der T’, rlir
gemessenen P - K e r t e innrrhalb enger Grenzen scbm-nnken.
Tabelle 7
J’I
Volt
325
325
325
325
325
I
T’,
Volt
650
1033
530
530
1
P
Volt
298
299
I
A t
325
325
325
I
Yz
Volt
I
P
Volt
299
530
29s
530
303
Mittelwert 302 Volt
Es iet zii ersehen, daI3 die Fehlergrenze der also gemessenen
P-Tl’erte nur etwas griifier ist als 1 Proz.., was sich als durchaus
mfrirtlenstelleiid bez~i(~11neri
liiRt. 1)adurch wird die Frage nacli
tler Richtigkeit iinserer Voranrsetzungen entsohieden.
Ele~trixitutsdzcrchyunydzirch fustc Uiclekirika
445
hlittels der geschilderten Methode liann also die GroBe 1'
ziemlich genau gemessen werden, fur die Bestirnmung der wirlrsamen Spannung ,'P - I-' reicht aber diese Genauigkeit wegen
der Kleinlieit der betreffenden GriiBe nicht mehr aus. Deswegen
war es schwierig, unter unseren Bedingungeri die Gultigkeit des
0 h mschen Gesetzes in der von J o f f P vorgeschlagenen Form
nachzuprufen.
AuBerst wichtig ist dennoch die Peststellung, daB die Polarisation im Ceresin binnen kmzer E'rist sehr erhebliche Werte
erreicht, indem sie sich bereits fiir t = 5 Min. um 33 Volt von
der erteilten Spannung nnterscheidet.
Das Vorhandensein derartiger hochgradiger Polarisationen
ist es eben, das die siimtlichen von uns beobachteten Erscheiriungen beim Stromdnrchgang durch Ceresin erkliirt.
Um diese SchIuBfolgerung nachzupriifen, versuchten wir
noch, die GriiBe der Polarisation I-' unmittelbar mittels der
folgenden Methode abzuschatzen. Stellen wir uns vor, daB
dem Dielektrikum irgendeine Spannung I', erteilt wurde, wiihTabelle 8
I
+
0,50'
1,25'
1,75'
3,OO'
4,25'
7,00'
470
6,2
73
9.8
12,o
15,2
Zeit vom Augenblick der Einschaltung des
Feldes
38,46
19,OO'
20,OO'
25,OO
l6,13
12,82
10,20
8,33
6,58
20,05'
20,25'
20,50'
21.00'
22.25'
25,00'
t,r
1,i
4,s
11,o
26,O
71,O
I
71,43
20,83
9,09
3,85
1,41
ande: seine
Ric ung.
7.75'
9,50'
11,00'
12,50'
14,50'
15,75'
16,75'
18,25'
17,2
18,6
20,o
22,4
23,4
24,2
25,4
254
5,81
5,38
5,OO
4,46
437
4,13
3,94
3,94
Annalen der Physik. 5 . Folge. 5 .
27.50'
30.25'
32.50'
35.00'
37.50'
39.50'
41.75'
47,75'
167,O
115,O
102,o
106,O
100.0
97,o
101,o
97,o
30
+
0,60
0,87
0,98
0,94
1,oo
1,03
0,99
1,03
11. Nnsledow u. P. 19charnzosky
446
rend deren Einwirkung die Polarisation den Wert
erreichte.
Wenn wir nun anstatt der Spannung I‘, solche von I’, einschalten, wobei I’, kleinrr ist als I’, und als P I , so ist im Laufe
einiger Zeit das Voriiandensein eines entgegengerichteten
Stromes zu erw-arten. Dieser entgegengerichtete Strom wird so
lange hestehen, bis die Polarisation P kleiner wird als I F 2 ; von
dieseni Zeitpunkte an wird wieder ein dii-ekter Strom fliel3en.
Ferner mid3 dieser Strom so lange zunehmen, bis sich (lie drr
m
8
6
4
2
0
2
4
6
8
70
Messung der Polarisation des Dielektrikums
Fig. 6
Spannung T’, ain Dielektrilium entsprechende Polarisation einstellt. Indem man die Spannung I’, immer groBer nimmt, gela,ngt man eu einer Abschiitzung der Grol3e der Polarisation 1).
Jedenfalls lafit sich auf dirse Weise die untere Grenze ihres
wahrscheinlichen Rertes angeben.
Messungen dieser Art werden in der Tab. 8 angefiihrt. Dabei war I’, = 882 Volt, und TT2 = 413 Volt: der Wert t hetrug
20 >fin.
Die Pig. 6 zeigt die Kurve der eeitlichen Veriinderungen
der Stromstiirke. Man sieht, daB sich der vorausgesagte Verlauf
der Kurve vollstLndig bestiitigen 1aBt. Der entgegengerichtete
Elektri,.itulstl~irchynr,y d u d i feste Lliplektrika
447
Stroni, bedingt durch den Unistand, dLtB in dieseni Fall P groaer
war als IT2,erreichte ziemlich hohe Werte und dauerte 5 Min.
Der folgende Versuch wurde bei demselben Wert T', =
882 Volt, jedoch bereits rnit Ir2 = 770 Volt angestellt; t betrug
auch diesmal 20 Min. Die Tab. 9 enthiilt die Ergebnisse dieser
Messung .
Tabelle 9
-
Zeit vom Augenbliclr der Einschaltung des
Feldes
t"
I
0'
ein
+
10"
2,O
50,OO
45"
5,0
2,OO'
4,OO'
6,15'
9,OO'
11,50'
14,50'
16,75'
18,50'
823
124
15,O
18,8
21,8
24,O
25,2
26,O
20,OO'
Umschaltung
des Feldes
20,oo
2(1,50'
Der Strorn
andert seine
Richtung
11.36
8,06
6,67
5.32
21,50'
23,OO'
24,30'
26.00'
27,75'
28,75'
34.20'
38,80'
58,s
45,6
43,6
43,8
40,4
43,2
47.4
44,2
439
4.17
337
3,85
+
1,70
2,19
2.29
2.28
2,47
%31
2,11
2,25
Die graphische Darstellung derselben l\lessungsei ebnisse
wird in Fig. 7 angefuhrt. Der entgegengerichtete Btrom ist bereits bedeutend geringer und dauert nur 30 Sek.
Der letate Versuch wurcle ausgefiihrt bei IT, = 882 Volt ;
I', = 828 Volt und T = 20 Min. 9uch in diesem Falle lie0 sich
ein entgegengerichteter Strorn beobacht-en. er dauerte aber nur
9 Sek. Diese letzte Messung berechtigt uns zu der Behauptung,
da13 P grol3er ist als 828 Volt bei der erteilten Spannung von
888 Volt. Die Versuche bringen einen unmit,telbaren Reweis des
Vorhandenseins sehr grol3er Polarisationen im Ceresin.
Sehr interessanf war es, die Polarisation im ionisierten
C'eresin zu messen. Wir haben derartige Messungen ausgefiihrt ,
wobei sich ergab. da13 iin ionisierten Melektrikum die elektrornotorische Kraft der Polarisation geringer ist. als in] unbestrahlten. Es erscheint nunlchst sonderbar, daB das DielektriBurn hei geringer Polarisation groBere Elektrizitiitsmengen bei
30 *
seiner Entladung abzugeben verrnag. llas ?vliBverstandnis 1iiE;t
Rich aber unschwer erkliiren, wenn man in Retracht zielit. dafJ
im ionisierten Dielelitrikum bei grofierer Ionenmenge eine andere
Verteilung der Ionen in der Tiefe des T)ielelitriliimis vorliegt ,
als im unbeskrahlten.
70
8
6
4
2
0
2
4
Messung der Polarisation des Dielcktrikums
Fig. 7
7. AbhZingigkeit der Polarisation Y
von der erteilten Spannung
I l k Frage nacli dern Zusaninienhang xwisclien der ert,rilten
Hyannung T’ iiritl tler dadurch erzeugten Polarisation 1’ gehiirt
zweifelsohne zu F’ragen von fundarnentaler Bedeutung. J o f f P
und dessen Rlitarhciter haben diesen Zusamrnenhang fiir eine
Reihe von Dielektriken, sowohl 1iristalliriisc.hf.n als auch nicht.
Bristallinischen festgestellt. Es mgab sich. dalS da,bei dir Polarisation zunachst parallel der erteilten Spannung zunirnmt, d a m
wird aber die Zunalime langsanier und hiirt endlich beinahe
giinzlich auf. In dieseni E’alle wircl bereits der Siittigungszixstand irri Dielelitrikum erreicht,. Fiir Qiiarz uncl Kalcit lii,Bt
sic11 diesr Siittigung bci verhiiltnismiiflig nirdrigen Spannungrn
errrichen. TYir liahrn uns ebenfalls eine a n a l o p ;2ufgahe gestellt,.
Die XZessungen cler P fanden nach den) irii vorhergehenden
Paragraph beschriehenen Verfalireii st att. 1I)ie Einwirliangsdauer des elrktrischen Peldrs Iletrug in allen Piillen 20 Rrin.
I n tler nacliatelientlen Tahelle werden die Messungsergebnisse mgefiilirt. Die erste Spalte mt2iWlt die Werte der Spannung Jrl, der die gemessene Polarisation entsprach, die zweite
Il’wt8etler Spannung V2 und die dritte M-erte der Polarisation P.
Fur einige I’, wurtlrn rnehrcre Hestimrrinngen ausgefiihrt. daa
endgiiltige Resultat atellen dir ?Ilittelwerte dar:
‘l’abelle 10
1.1
1’2
P
v2
P
Volt
Volt
Volt
Volt
Volt
Volt
.545
.El45
545
31 5
317
314
1214
1214
1588
1436
1436
1811
1189
325
335
325
1186
1542
Die Zalilen der lrtzten Spite zeigtin, daB die Polarisation
irri C’eresin iiuflerst liohe TTrrte erreiuht. Jhc Yig. 8 zeigt tlir
Die Abhzugigkeit der Polarisation P von der erteilten Spannang
Fig. 8
Bbhiingiglieit xwischen I-’ und IFl: dit. AbhBngigkeit x-wischen
diesrn C+riiBen ist eine streng lineare. -4uf Grund dieser Mes-
450
I.). N n s l e h o u. 1’. Schumiosky
sungen lCbilSt sich fiir das untersuchte (khiet der Spannungen
die folgende Hesiehung feststellen:
P=aT’,
d. h. die elelitromotorische Kraft der Polarisation ist proportional der polarisierentlcm Spannung.
Selbstverstiindlich sind wir keineswegs bereclitigt, diese
(-+esetzmii,Biglteitauch fiir grbl3ere Spannunpen anzunehmen : es
hpsteht liein Zweifel, daB die Zuna,hrne drr Pohrisation meiter
laiigsainer werden rnuB.
3 8.
SchluBbetrachtung
E’assen wir nun die gexcliilderten Ergebnisse zusammen.
Es liel3en sich folgende Tatsachen feststellen:
1. M-lhrend der Einwirlmng des elektrischen Feldes auf
das <!eresin entst,eht ini Iet,zteren eine Pola,risation, dadnrch
wird der Umstand bedingt, dal3 bei derii KurzschlielSen der
Ioriisationskamnirr ein entgegengerichteter Entladungsstrorn auftrite. Das Dielelitrilwrn gibt dahei eirie liestirnmte Elektrizit5tsmenge ab.
8. Die abgegebene Elektrizit~atsmengeIdngt von der Ikiuer
der vorhergegangmen Einwirkung des elektrischen E’eldes auf
das Dielektriliurn ab. Mit steigender Einwirbungsdhner niihrrt,
sich aber die abgegebene Elekt,rizit8,t,sinen~e
asympt,otisch eineni
best immt en IVert’.
3. Das ionisierte C‘eresin gibt hei seiner Entladung rnehr
Elelitrizitiit a,b. als das nicht ionisierte.
4. Es wurde eine Methode zur Messung cler Polarisation irti
Ceresin ausgearbeitrt : die Messungen xeigten, dal3 die entstehentlen Polarisat,ionsspitnnan#en sehr hoch sind. Es ergah
sicli dabei, da13 d m ionisiert,e Dielekt.riliuin rine geringere Polarisation besitzt,, als das nictht. ionisierte.
5 . Die G r d k drr Polarisation lie6 sich auch niittels einer
unrnittelbaren Metlio de ahschiitzen. Die Messnngen ergaberi
eine jibereinstimniung mit. den Ergelmissrn der 2’-Mrssung
nach clem errtgenannt en Verfahren.
6. Im Gebiet,e der Spannungen von 35’5-1600 T’olt mirde
pine Proportionalitst zwischen der erteil ten Spannung untl cler
Polarisa,tionsspannung lconstatiert.
Elekfrl:~iftif~du~rchyn~ng
cl,urch festc Dielektrika
451
Die siimtliohen beobachteten Tatsachen lassen sich am
besten auf Grund der Theorie der ionalen Leitfahigkeit fester
Uielelrtrika erlrliiren.
Um die Entstehung von Ionen im C'eresin bei dessen
Rontgenbestrahlung unmi tte1ba.r nachauweisen, stellten wir den
folgenden abschlieBenden Versuch an. Das Dielektrikum wurde
im Laufe von 20 Min. unter Erdung der Elektroden der Ionisationskammer rnit Itijntge,nstrahlen belichtet. Die Bestrahlung fand also in Abwesenheit eines elektrischen Feldes statt.
Nacb den1 Ende der Bestrahlung wurde nach einigen Sekunden
ein Feld von cler Spannung 977 Volt eingewhaltet. Die Ytroni22
20
rg
16
r4
rz
I0
8
6
4
2
5
2 4 6 8 10 72 74 16 I8 20
EinfluB der vorhergehenden Bestrahlung auf den Aufladungsstrom
Fig. 9
starke in der Riihre betrug 2 mA bei der Spannung von 80 kV
(Max.). Es lie5 sich auf diese Weise eine Verznderung des Aufladungsstromes beobachten.
Die Messungen zeigten. da13 das vorher hestrahlte Dielektrikum ein langsameres Sinken der Kurve des bufladungsstromes
ergibt, als das unbestrahlte. Die Ergehnisse werden in der Fig. 9
dargestellt ; die Kurve I entspricht tler VerRnderung des Aufladungsstrornes ohne vorhergehende Bestrahlung, die Kurvr I1
derjenigen nacli der Bestrahlung.
Diese Messungen uberwugen uns unniittelbar, da5 im Dielektrikum bei dessen Riintgenbestrahlung Ionen entstehen, die
durch ihre Kanderung clrn elektrischen Strom im Dielektrikurn
bedingen. Selbstverrtiindlich ist zur endgultigen Reantwortung
dieser $’rage das Studium der Potentialverteilung im Dielektrikuni erforderlich. Diese Aufgabe wird nun in unserem Laboratorium in Angriff genommen.
TT’ir mocliten Much an dieser Stelle urisprn tiefsten Dank
aussprechen dem Hrn. Prof. Dr. R. K. R o c h 4 fur die wertvollen Hinwrise, die uns seinerseits hei tlru Ausfuhrung clieser
Arbeit auteil murden.
ICie w , Riintg~n-physiknliscliesLabolstorium des StaatsrBntgminstibut,s, Februar 1930.
(Eingegangen 26 Marz 1930)
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