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Entwicklung und Stand der deutschen Nickelindustrie.

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Zeitschrift filr angewandk Chernie
En+wicklung und Stand der deufschen
Nickelindustrie.
Von Dr. H. SIMMICH,
Berlin.
( Vorgetragen mi Beriiner Hezirksverein des Vereins deutscher
Chemiker am 12. 6. 1925.)
(Eigeg. 19.p. 1925.)
Die Nickelindustrie ist I00 Jahre alt. Es war im
Jahre 1824, als der Chemiker und Naturforscher Dr. E.
A. G e i t n e r in Schneeberg im Erzgebirge zuerst technische Anwendung von den1 con C r o n s t e d t in
Schweden 1751 entdeclrten Nickelmetall machte. Er war
dazu angeregt worden durch ein Preisausschreiben des
Vereins zur Reforderung des Gewerbefleifies, in dem die
Ilerstellung des aus China importierten Packfongs im
lnlaiid ge-iviinscht wurde. Die Zusammensetzung desselben war hekannt, jedoch war es der damaligen Hiittentechnik bis dahin nicht moglich gewesen, den wesentlichen Bestandteil desselben, das Nickel, in einer SO reinen
Form darzustellen, dai.3 es zu Legierungszwecken verwendet werden konnte. G e i t n e r loste diese Aufgabe,
indem e r sein Ausgangsmaterial, die Kobaltspeise der
Blaufarbenwerke in Oberschlema, weitgehend von Arsen
befreite, und die Legierung unter Vermeidung von Oxydation herstellte. Er nannte dieselbe Neusilber. Ein ihm
fur seine Fabrikation erteiltes sachsisches Privileg, wir
wiirden heute sagen Patent, behielt jedoch die Herstellung der Vorlegierung aus Kupfer und Nickel, einen
wesentlichen Teil seiner Erfindung, den Koniglichen Blaufarhhwerken vor, und eine Folge d$s damals mangelhaften Patentwesens war es, daij alsbald auDerhalb Sachsens Konkurrensunternehmen auftauchten, wie H e n n i g e r in Berlin I.& J'. G e h r s d o r f f s Fabrik in
Wien, der sein Produkt Aipakka nannte. Gehrsdorff erbaute
eine Hiitte in Keichenau nahe Gloggnitz in Niederosterreich, kaufte spater eine alte Kobaltgrube bei Schladming
in Steiermark und stellte 1832 zuerst reines Nickel in
Wiirlelform dar. Sein Werk erlag aber 1875 der ausldndischen Konkurrenz. Dagegen bluhte die von H. K r u p p ,
einem Rruder des Essener Krupp, 1843 bei Wien gegriindete Fabrik bald auhrordentlich auf, und wir werden von ihr noch niehrfach zu sprecben haben.
Auch andere Blaufarbenwerke, von denen besonders die
yon B i e 1) e r und R i e c h e 1 s d o r f in Hessen-Nassau
zu neiinen sind, nahmen die Erzeugung von Nickellegierungen auf, zunachst als Nebenprodukt, spater, aIs
da; kunstliche Ultramarin die blaue Srnalte fast ganz
verdrangte -- diese wird heute nur noch in der Porzellanrrialerei gebraucht - als Haupterzeugnis. Bis gegen
hlitte des 19. Jahrhunderts hatte Deutschland in der
Nitkelerzengung die Fiihrung, dann aber setzte der Wettbeweri-, skandinavischer Gruben ein, da B e r z e 1 i u s
den Nickelgehalt der dortigen Magnetkiese erkannt hatte.
1'01: den altberuhriiten Gruben Bammle, Erteli und Modum befand sich die letztere eine Zeitlang im Besitze
der sachsischen Blaufarbenwerke. Bis in die achtziger
Jahre hinein bestritten Deutsrhland und Slrandinavien
den Weltbedarf etwa zur IIalfte. Urn einen Begriff von
den danialigen geringen Produktionen im Gegensatz zu
heute zu geben, mijchte ich erwahnen, daij 1876 in
Schweden und Norwegen 3 0 t Nickel erzeugt wurden, in
Deutsrhland im gleichen Jahre 200 t, von denen 50 t auf
die sachsischen Blaufarbenwerke entfielen und 60 t auf
die 1852 gegruiidete Nickelhutte von F 1 e i t m a n n ,
XV i t t e Xr C 0. in Iserlohn, die in unseren weiteren AusAngew. Chemie 1925
Nr. 52.
fitbungen e h e n f d b nach kine gm& Rolle spielen wird,
und &ten Griinder, dem Weutertden B i l t k t l m a n Th.
F'1 e i t m a n R ,-wir die erste D'arstellung von >walebarem
Nickel verdahken, ' wiiSlrk?ad bis dahin das Metall nur
durch Giefjen in Form gebracht werden konnte. Er erreichte dies' durch ein besonderes Desoxydationsverfahren mit H l f e von Magnesium.
Inzwischen waren jed6ch zwei groPe a d e r e u r o piiische Lagerstiitten erschlossen worden, die bald den
Weltmarkt ausschliefilich beherrschten. Auf N e u k a 1e d o n i e 11, einer Insel der Siidsee, die friiher als fransosische Strafkolonie dieute, hatte der franzosische
Marineminister G a r n i e r bei einer lnspektionsreise ein
nickellialtiges silicatisches Erz entdeckt, das spater ihm
zu Ehren Gariiierit genannt wurde. Die groDen Lager
wurden alsbald von Unternehmern, zum Teil ehemaligen
Strafgefangenen, ausgebeutet. Spater wurde eine SOC.
an. L e N i k k e l gegriindet. Zuerst versuchte man auf der
Insel selbst wenigstens Rohnickel zu erschmelzen, das
dann in Frankreich raffiniert wurde. Beide Hiitten
mufiten jedoch bald ihren Betrieb einstellen, und die
Erze wurden seitdem nach Europa verschifft. Sie
gingen teilweise nach England, vorzugsweise aher
nach Deutschland in die Hiitten von F l e i t m a n n
und die 1874 gegriindete Hiitte von B a s s e & S e 1v e
in Altena, die darnals eine der grol3ten der Welt darstellte. Sie besal3 217 Arbeiter. Auch eine eigene
Grube in Neukaledonien wurde gekauft. Einige Jahre
spater entdeckte man eine Lagerstatte von silicatischem
Nickelerz, das dem aus Neukaledonien sehr ahnlich,
nur wesentlich armer a n Metall ist, in Frankenstein
in Schlesien. Wahrend in Neukaledonien der Gehalt etwa
7 "10, anfangs sogar bis 20
betrug, enthielt das Frankensteiner Mineral nur etwa 2 o/o. 1899 wurde mit franzosischem Kapital die G e w e r k s c h a f t S c h l e s i s c h e N i c k e 1 w e r k e gegriindet, fiinf Schkhte
und zwei Tagebaue niedergebracht und eine Hiitte geh u t , die l Million Francs kostete. Das deutsche Erz
wurde mit dem reicheren importierten neukaledonischen
Erz gemischt und auf Wiirfelnickel verarbeitet. Erst spater
im Weltkriege lernte man, ohne lettteres auszukommen
und Erz von nur 1 O/O Nickel noch nutzbar zu verarbeiten.
Das Unternehmen rentierte sich aber nicht und wurde
dalier VOR der franzosischen Gesellschaft a n K r u p p in
Essen 1 erkauft, der zur Sicherung der Versorgung seiner
Stahlwerke mit Nickel aufierdem auch niit Fleitmann ein
Abkon,inen traf, das ihm ein gewisses Kontipgent fur
alle Falie sicherte. 1888 war inzwischen in Sudbury in
Kanada eine noch grofiere Nickelerzlagerstatte bekannt
geworden. Es findet sich dort dasselbe Erz wie in S k u dinavien, namlich nickel- und kupferhaltiger Magnetkies, der etwa 3--4O/0
Nickel fiihrt. Aus einer Reihe von
kleineren Firmen, deren bedeutendste die C a n a d i a n
C o p p e r C o m p . war, entstand 1915 der groije Konzern der I a t e r n a t i o n a 1 N i c k e 1 C o m p. mit einem
Kapital von 130 Mill. M, der allmahlich seinen Einflut3 auch auf Neukaledonien und teilweise auch auf
Europa ausgedehnt hat, und dessen Produktion die aller
anderen Fundorte bald iiberflugelte. Da die Gestehungskosten in Neukaledonien sich stark erhohten, stellten sich
die westfalischen Hiittenwerke um die Jahrhundertwende
in steigendem MaDe auf das kanadische Rohmrtterial urn,
das in Form von teilweise abgerostetem Erz, der s e e nannten ,,Matte", von Sudbury ' her importiert wurde.
Dort selbst bestanden keine Hiitten, vielmehr rnuGte die
52
1182
Simmich: Entwicklung und Stand der deutschen Nickelindustrie
~.e_a.oPte
ZetbchrlltChemle
fur
Reinnickeldarstellung teilweise in Europa und teilweise lytischem Wege, der Rest wurde in anderen Hiittenin den Vereinigten Staaten vorgenommen werden, bis betrieben, z. B. in Mansfeld, als Nebenprodukt gewonnen.
dann im Kriege eigene Anlagen geschaffen wurden. Je- Die Einfuhr a n metallischem Nickel belief sich auf
dcch hat die franzosische Gesellschaft L e N i k k e 1 den 1300 t, uud die Ausfuhr an Roh- und Halbmaterial auf
Kampf innerhalb Europas nicht aufgegeben. Sie kaufte 1700t. In den Kriegsjahren wurden durch Einfuhr aus
1885 das Fleitmannsche Hiittenwerk fur ihre Zwecke Skandinavien durch die Firma B e e r , S o n d h e i m e r
auf, das den Namen N i c k e l - A k t i e n - G e s e l l - & C 0. 1915: 600 t, 1916: 814 t, 1917: 264 t, ferner durch
s c h a f t erhielt, jedoch bis heute im Verhaltnis zu Basse das Handels-U-Boot ,,Deutschland" zweimal 376 t Nickel& Selve das kleinere geblieben ist. Auch versuchte metall, sowie durch gesteigerte heimische Erzforderung
sie, wie bereits erwahnt, allerdings vergeblich in Fran- jahrlich etwas iiber lOOOt fur die Riistungsindustrie bekenstein F d zu fassen. In den letzten Jahren ist aber schafft. In der Nachkriegszeit ging die Hiittenproin Neukaledonien die Forderung adierordentlich ge- duktion zunachst in etwa derselben Hohe (1000t)
sunken, so daD Frankreich als Nickellieferant fur uns weiter. AuBer den hierfiir benotigten Erzen muijten zur
kaum mehr in Frage kommt. Ein Teil der Fleitmann- Deckung des Bedarfs steigende Mengen von Nickelmetall
schen Betriebe, namlich das Raffinier- und Walzwerk in eingefiihrt werden, die 1922 bereits 2600 t erreicht hatten.
Schwerte, blieb selbstandig und stellt seitdem grbi3ten- In. den letzten Jahren stieg dann die deutsche Hiittenteils Walzwerkprodukte her, aber auch Fertigwaren, fer- produktion wieder annahernd auf Friedenshohe, o h m
ner Apparate und Maschinenteile. Durch Kauf wurden aber den Bedarf decken zu konnen.
Zweigwerke in Letrnathe in Westfalen sowie in ParuVon den Handelsformen des Nickels ist neben dem
schowitz und Laband in Oberschlesien erworben, so daf3 Wiirfelnickel, das einen Reingehalt von 98-99 "Io besitzt,
sich die Firma 1902 in eine Alitiengesellschaft mit dem noch das Mond-Nickel zu erwahnen, das von der M o n d Narnen V e r e i n i g t e D e u t s c h e N i c k e l w e r k e N i c k e 1- C o m p. in Clydach bei Swansea (Wales) nach
urnwandeln konnte. Es war ein grof3er Verlust fur die einem bekannten Verfahren mit Hilfe des fliichtigen
deutsche Nickelindustrie, als am Pfingstsonntag dieses Niclteltetracarbonyls, Ni(CO), , in der hohen Reinheit von
Jahres das Stammwerk fast bis auf die Mauern nieder- 99,7
erhalten wird, sowie das Elektrolytnickel rnit
brannte, und es wird unter den heutigen schweren Ver- 99,9O/" Ni. Diese Qualitaten sind es, die zur Herstellung
haltnissen wohl nicht ganz leicht sein, den Schaden yon Walzwerkprodukten ausschlieBlich Verwendung
wieder auszugleichen. Basse & Selve wandelten sich 1921 f inden konnen. Dagegen stellen die NickelgranaBen, die
ebenfalls in eine Aktiengesellschaft urn, und heiDen durch AusgieDen des geschmolzenen Metalls in Wasser
heute S e 1 v e - A.-G. Der Konzern verlegte sein Schwer- erzeugt werden, und das G d n i c k e l weniger reine Sorten
gewicht in der Nachkriegszeit auf die Automobilfabrika- dar. Letzteres wird meist in Form von G d a n o d e n f i r die
tion. 1923 konnte die Nickelhutte etwa im Umfange wie Galvanoindustrie verwendet.
Wir wenden uns jetzt den einzelnen n i c k e 1v e r vor dem Kriege wieder in Betrieb genommen werden,
wahrend die Nickel-A.-G. in Iserlohn bereits seit 1919 a r b e i t e n d e n I n d u s t r i e z w e i g e n zu und komarbeitet. Dagegen ist leider in F r a n k e ns t e i n die men zuerst zu der Anwendung des reinen Metalls. Die
Lage nicht so giinstig gewesen. Nachdem man im Kriege meisten der besprochenen Hiitten- und Walzwerke in
aus dem Werk soviel herausgeholt hatte, wie irgend Deutschland, besonders die V e r e i n i g t e n D e u t
maglich war, gleichgtiltig mit welchen Kosten, muate es s c h e n N i c k e 1w e r k e stellen Reinnickelgerate und
Ende 1920 geschlossen werden, da der geringe Gehalt Apparateteile her. Das grof3te Spezialwerk hierfur und
das Erzes ein rentables Arbeiten nicht mehr gestattete. wohl das groDte Nickelwerk Europas ist aber die B e r n
Die etwa 200 Arbeiter, die noch beschaftigt waren, wur- d o r f e r M e t a l l w a r e n f a b r i k A r t h u r K r u p p
den in das Waldenburger Kohlenrevier abgeleitet. Die A.-G. in Berndorf bei Wien. Die Griindung des Werkes
S a c h s i s c h e n B l a u f a r b e n we r k e , die eben- im Jahre 1843 wurde bereits erwahnt. 1913 wandelte
falls im Kriege aus ihren Gruben alles irgend Abbau- sich die Firma in eine Aktiengesellschaft um, deren Anwiirdige gefordert hatten - sie arbeiteten schon seit teile aber - ebenso iibrigens bei Basse & Selve - zum
langerer Zeit zum groDten Teil ebenfalls mit fremden grof3ten Teil in den Handen der Farnilie blieben. Das
Werk besitzt eine eigene Braunkohlengrube (GrillenErzen - fiihrten den Betrieb ziemlich ungestort weiter.
In den letzten Jahren wurde sogar ein Walzwerk errich- berg) und eine Kupfergrube (Mitterberg). Die 5000 Artet, um nicht nur Wiirfelnickel, sondern auch Halbfabri- beiter und Angestellten sind in Werkwohnungen untergebracht, die mit den ebenfalls von der Firma erbauten
kate selbst herzustellen.
Die T e c h n o 1 o g i e d e r N i c k e 1 v e r h ii t t u n g Kirchen, Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen zusamist recht verwickelt und lihnelt teilweise der des Kupfers. men heute ein stattliches Gemeindewesen bilden. Neben
Die verwendeten Ofen, fur die Rohsteinarbeit Schacht- dem reinen Nickel werden auch seine Legierungen, ferbfen mit Kiihlung, sogenannte Wassermantelofen, fur die ner Messing, Kupfer und Aluminium verarbeitet. SowohI
weitere Arbeit Konverter, haben in Deutschland nicht Walzwerkprodukte als Fertigwaren bilden das Fabrikadie GraBe, die in Nordamerika ublich ist. Unsere Kon- tionsprogramm. Fertigprodukte aus Reinnickel sind beverter sind nur etwa 1,5 m hoch, wahrend dort Riesen sonders Kiichengeschirr, Laboratoriumsgerate und Appadieser Art von 6 m HShe in Betrieb sind. Seit einiger raturen fur die chemische Industrie.
In einem Kreise von Chemikern lie@ es nahe, nach
Zeit verwendet man in den Vereinigten Staaten auch
Flammbfen statt der Schachtofen. Ob diese Neuerung der Verwendung des Nickels zu chemischen Zwecken zu
schon in Deutschland Eingang gefunden hat, ist nicht fragen. Diese Verwendung beschrankt sich auf die Verbekannt, da die Werke iiber derartige Betriebseinzel- arbeitung des Nickels zu einigen wenigen Salzen. Neben
dem Nickelformiat, das als Katalysator zur Fetthartung
heiten nach Mbglichkeit Schweigen bewahren.
Die Nickelerzeugung der deutschen Hutten betrug 1913 dient, und nach seiner Ermiidung oder Vergiftung durch
rund 5200t, wovon kaum ein Zehntel a m heimischen Erzen Verbrennen der Olreste und A u f l k n des Riickstandes in
gewonnen wurde. Die wstfalischen Werke erzeugten Schwefelsaure ebenfalls zu Sulfat verarbeitet wird, ist es
rund 4400 t, Frankenstein 270 t, Oberschlema 400 t, die fast ausschliei3lich das Nickelammonsulfat, das darA l l g e m e i n e e l e k t r o m e t a l l u r g i s c h e G e - gestellt wird. Es dient in Verbindung mit sogenannten
Leitsalzen als Bad fiir die galvanische Vernickelung. Die
8 e l l s c h a f t m. b. H. in Papenburg 70 t auf elektro-
-
88. Jahrgang lOS]
Simmich: Entwicklung und Stand der deubchen Nickelindustrie
Anoden hierfiir, einstmals aus Kohle bestehend, wobei
sich das h d rasch erschopfte, sind heute ebenfalls a m
Nickel. Gu& und Walzanoden in bestimmtem Verhaltnis
werden verwandt. Die hierzu verbrauchten Metallmengen
sind nicht gering. Die groi3en Werke der Fahrrad- und
Schreibmaschinenindustrie, die die groaten Vernickelungsanlagen besitzen, verarbeiten mehrere Tonnen im
Jahre, einige andere Werke, die vernickelte Bleche
herstellen, sogar an 10 t Anoden, so daD uber
200 t hierfiir gerechnet werden miissen.
GroDe
Verdienste urn die Vernickelungsindustrie erwarben
sich zwei altberuhmte Firmen, die an der Wiege
derselben gestanden haben , W. P f a n h a u s e r in
Wien, gegriindet 1873, und G. L a n g b e i n in Leipzig,
gegriindet 1881. In jener Zeit nach 1870 begann
die Galvanoindustrie namlich erst zu antstehen. Wahrend
man bis dahin als Stromquellen nur Elemente und Thermosaulen kannte, die heute nur noch in ganz kleinen
Betrieben gebraucht werden, schuf G r a m m e 1872 die
erste Niederspannungsdynamomaschine, deren Herstellung bald von Langbein und Pfanhauser in Verbindung
mit Siemens aufgenommen wurde. Auch die geeigneten
Badzusammensetzungen fur verschiedene Zwecke, die
notwendigen Hilfsmaschinen und noch heute anerkannte
Lehrbiicher wurden von Langbein und Pfanhauser geschaffen. 1907 vereinigten sich die beiden Firmen 7u
einer Aktiengesellschaft, die heute 400 Arbeiter und Angestellte und Filialen in mehreren Stadten Deutscblands,
Usterreichs und der Schweiz besitzt. Urspriinglirh hat
man nur Zinkbleche vernickelt. Die Metallwarenfabriken,
die bis dahin nur Messing- und Weii3blech kannten,
griffen das neue Material lebhaft a d , und bald entstanden
groi3e Industrien einerseits im Rheinland und in Westfalen, anderseits in Niirnberg, das durch seine Blechwaren, den ,,Niirnberger Tand" schon seit altersher bekannt ist. Bald kam man dann auch dazu, das billigere
Eisenblech und Messingblech zu galvanisieren. Wahrend
auf dem letzteren Material die Vernickelung aui3erordentlich gut haftet, schlagt bei vernickeltem Eisenblech,
besonders wenn es mit Feuchtigkeit in Beriihrung kommt,
sehr bald der Rost durch, namlich dann, wenn die kleinste
Verletzung der Nickelschicht stattfindet, bekanntlich eine
Folge der Stellung der beiden Metalle in der elektrischen
Spannungsreihe. Daher miissen Versuche, EDgerat
(Loffel) aus vernickeltem Eisen herzustellen, wie sie in
der Kriegszeit gemacht wurden, scheitern. Wesentlich
rostsicherer ist das neuerdings aufgekommene Nickelweifiblech, d. h. vernickeltes Weifiblech, da das Zinn sich
elektrochemisch giinstiger verhalt.
Die wichtigste Firma, die vernickelte Bleche herstellt, ist heute H i l l e & M i i l l e r in Porschdorf bei
Schandau. Sie hat zahlreiche Fortschritte auf diesem
Gebiete gemacht, die durch Patente geschutzt sind. So
besitzt sie ein Verfahren, Bleche erst leicht zu verkupfern, dann zu vernickeln$ und die Metalle schliefilich
durch Erhitzen auf 70O0 innig zu verbinden. Auch die
Langbein-Pfanhauser-Werke besitzen iibrigens eine groDe
Abteilung fur die Herstellung vernickelter Bleche.
Die Verarbeitung der Bleche zu den im Handel als
,,Nickelwaren" bezeichneten Artikeln (Tischgerate und
Galanteriewaren) erfolgt durch Stanzen, Drucken, Ziehen,
Falzen und Loten. Die Fortschritte im Arbeitsmaschinenbau haben dahin gefiihrt, daD das Ausstanzen der Massenartikel auf automatischen Exzenterpressen vor sich geht,
die mit endlosen Bandern arbeiten. Es gelang der Firma
W i n k h a u s ik S c h i i r m a n n in Oeckinghausen in
Westfalen 1911, zuerst vernickelte Bleche in Form solcher
Bander herzustellen.
Die Vernickelung verschiedengeformter Teile fiihrte
1183
sich erst etwa uni 1890 ein. Neben dem groi3en Gebiet der
vernickelten Beachliige, Armaturen fiir Wasserleitungen
und ahnlichem, trat damals zuerst die Fahrradindustrie
auf den Plan - die bekannte Fahrradfirma A d l e r
wurde 1888 gegriindet - und diese gliederte sich spater
die Fabrikation von Nah-, Schreib- und Rechenmaschinen
an. Viele Teile dieser Apparate wurden des guten Amsehens und der Haltbarkeit halber vernickelt, bis der
Krieg kam. Da alles Nickel beschlagnahmt war, griff
man dazu, falls man nicht, wie vielfach, zu der wenig
schon aussehenden Verzinkung iibergehen wollte, Kobalt
als Ersatzmaterial zu verwenden. Leider hat die Verwendung dieses einheimischen Metalls, das sich fur den
vorliegenden Zweck sehr gut eignet, mit Friedensschlui3
wieder aufgehort. Hauptsachlich wohl aus Preisgriinden,
denn die geringen Schwierigkeiten, die das Einarbeiten
auf dieses Material mit sich bringt, sind von tiichtigen
Betriebsleitern leicht zu iiberwinden. Es ware Sache der
deutschen Hiittenwerke, das Kobalt zu billigem Preise
auf den Markt zu bringen; der hiittenmafiige Darstellungsprozei3 ist ganz analog dem des Nickels und kann
daher nicht wesentlich teurer sein.
Bekanntlich bemiiht man sich jetzt in Deutschland
allenthalben, a m e r i k a n i s c h e A r b e i t s v e r f a h r e n einzufiihren, besonders das laufende Transportband
der Fordschen Automobilfabriken hat viel von sich reden
gemacht. Auch die Galvanotechnik scheint jetzt ein iihnliches Verfahren einfiihren zu wollen. Die L a n g b e i n P f a n h a u s e r - W e r k e haben einen Apparat konstruiert, den sie ,,Wanderbad" nennen. Hier werden von
einem Arbeiter kontinuierlich die Gegenstande eingehangt, durchwandern das Bad, und kehren nach 10-15
Minuten wieder an den Platz des Arbeiters zuriick, der
die vernickelten Waren herausnimmt. Eine wesentliche
Voraussetzung fur diese Arbeitsweise war allerdings eine
Badzusammensetzung, die in weit kiirzerer Zeit und rnit
viel hoheren Stromdichten als bisher - 2,5-4 Amp. auf
1 qdm Warenflache - zu arbeiten gestattet. Diese Aufgabe ist von den Langbein-Pfanhauser-Werken gel6st
worden.
Trotz aller Modifikationen sind aber die galvanischen
Nickeluberzuge sehr dunn. Wenn starkere Nickelschichten
als etwa 1 mm verlangt werden, wahlt man in der Technik lieber die Methode des Plattierens durch Aufwalzen,
nach dem von F 1 e i t m a n n erfundenen, Verfahren.
Dieser Prozefi kann naturgemai3 nur bei Blechen und
den daraus herstellbaren Waren Verwendung finden.
Diese Gegenstande aus nickelplattiertem FluBstahlblech
bilden einen brauchbaren und hauptsachlich billigeren
Ersatz fur die Reinnickelwaren der Berndorfer Metallwarenfabrik, die sich prinzipiell nicht mit solchen plattierten Gegenstiinden befai3t. Fleitmann erzeugt Kochgeschirr, Badewannen, Farbereikessel und andere Gefai3e fiir die chemische Industrie. In neuerer Zeit haben
mehrere andere Firmen die Fertigwarenfabrikation aufgenommen, so daD Fleitmann jetzt hauptsachlich nur die
Bleche liefert. In ahnlicher Art stellt die S e 1v e A. - G.
Bleche her, die mit Kupfer-Nickel von nur 15-20%
Nickelgehalt plattiert sind. Diese Gegenstande, die nur
einen schwach rosa Schein aufweisen, sind noch wesentlich billiger als die nickelplattierten, was bei dem heutigen hohen Nickelpreise nicht unwesentlich ist. Besonders Kiichengeschirr dieser Art hat sich gegeniiber dem
teuren Reinnickelgeschirr stark in dem verarmten
Deutschland eingefiihrt.
Wir wenden uns jetzt dem Gebiete der N i c k e l 1e g i e r u n g e n verarbeitenden Industrie zu. Es handelt sich hierbei fast nur um die Legierungen mit Kupfer,
eventuell auch noch mit einem anderen Metall, also urn
62 *
1184
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Sirnmich : Entwickluag und Stand der deutschen Nickelindustrie
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binare oder ternare Legierungen. Eine ternare Legierung
aus Nickel, Kupfer und Zink bestehend, stellt das Neusilber
dar, ja dies kann sogar als das Prototyp einer ternaren
Legiernng bezeichnet werden, da wohl bei ihrn allein
unter den bekannteren und technisch gebrauchten Legierungen alle drei Kornponenten wesensnotwendig sind.
Der Nickelgehalt ist sehr verschieden, irn allgerneinen
trifft man heute ini Handel selten Qualitaten rnit uber
80% , ineist unter 15% Ni, die sich auch zuweilen, bei
ganz schIechten Sorten, durch ihren gelblichgraulichen
Farbton zu erkennen geben. Der Norrnenausschuij der
deutschen Industrie hat nach Vorschlagen von Dr. Selve
und Kornmerzienrat Fleitrnann eine Legierung von 63 %,
Cu, 22 yo Zn, 15
Ni als Standard festgesetzt, die sich
in gleicher Weise fur mechanische Bearbeitung auf der
Ziehpresse und zurn Versilbern eignet. Doch durften
die wenigen Spezialfirrnen, die Neusilber herstellen, wohl
ineist ihre eigenen Mischungsverhaltnisse beibehalten.
Es ist schon erwahnt worden, dai3 die Anfange der
Neusilberindustrie auf Geitner zuruckgehen. Die Firrna
1) r. G e i t n e r s A r g e n t a n f a b r i k besteht noch
heute. Sie hat inzwischen den Besitzer gewechselt und
gehort heute der Farnilie des Komnierzienrats F. A. Lange.
Noch inirner ist sie eine der fiihreiidenFirrnen der Branche.
Jedoch h a k n sich nach Xblauf des Geitnerschen Privilegs
in Aue noch mehrere Firrnen gebildet, die alle dadurch
entstanden sind, daD Werkrneister das bei Geitner Gelernte benutzten, uni sich selbstandig zu rnachen. Es
waren die Firinen: C. A. W e 1 1 n e r (gegrundet 1840),
Q. C. W e 1 1 n e r (gegrundet 1845 durch einen Sohn des
vorigen) und C . F. H u t s c h e n r e u t e r (gegrundet 1852
durch einen Schwiegersohn des ersteren). Von diesen
ztellte allerdings nur C. A. Wellner selbst Neusilber her,
wahrend G. C. Wellner und Hutschenreuter Fertigwaren
erzeugten, damals vorzugsweise I3eschlage aller Art. Den
grofiten Aufschwung hat C. A. Wellner genornrnen, und
wir konnen hier einen inteoessanten wirtschaftlichen IntegrationsprozeD beobachten. 1900 niachte sich die Firrna
durch Einrichtung einer eigenen Giefierei voni Rohniaterialbezug unabhangig und vergrofierte sich in der
Folgezeit trotz eines groi3en Brandes 1912, der nur die
Mauern ubrig lieD, unter der geschickten Leitung des
Generaldirektors Gaedt so, dai3 .sic jetzt mit 4000 Arbeitern das grol3te Werk dieser Art in Deutschland darAellt. 1914 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft
init dem Narnen S a c h s i s c h e M e t a l l w a r e n f a b r 1 k A. W e 11 n e r S o h n e umgewandelt. Umgeltehrt kaufte Geitner 1014 eine eigene Metallwarenfabrik
in Pforzheirn auf (Gebr. Hepp), und auch C. A. Wellner
gliederte 1920 eine Besteckfabrik seinein Betriebe an.
Xuch Basse & Selve folgten diesem Beispiel durch Aufnahnie der Metallwarenfabrik B a s s e & F i s c h e r in
jhren Konzern.
In Osterreich hatte der Beriidorfer Krupp den franzosischen Chemiker H a 1p h e n kennengekrnt, der ein
Patent fur die galvanische Versilberung von Neusilber
besai3. Krupp fuhrte dieses Verfahren in seinern Betriebe
tGn, und Langbein lieferte die Apparate dazu. Das Produkt erhielt den Narnen Alfenide, unter dern es spater
allgeniein hergestellt wurde. Heute werden etwa 80 %
aller Neusilbererzeugnisse versilbert. Die Starke der
.lullage wird nach der Anzahl Gramrn berechnet, die ein
Dubend der betreffenden Gegenstande irn Bade schwerer
wird. Zur geiiauen Bemessung derselben haben die
Langbein - Pfaiihauser - Werke sinnreiche Einrichtungen
geschaffen. Einen Fortschritt auf dern Gebiete der Neusilberherstellung rnachten 1916 die D ii r e n e r M e t a 11w e r k e A.-G. Ausgehend yon der Entdeckung von
Mu n t z , nach der Messinglegierungen von bestimmter Zu-
_-_
Le1bclrrrIt IUr
ntigewnndte
Chemie
~~
sanimensetzung besonders bei Anwesenheit einigerprozent
von Metallen der Eisengruppe irn Gegensatz Zuni gewohnlichen Messing schrniedbar sind, schufen sie durch ZusatiL
von 10 '% Nickel ein schrniedbares Neusilber, das trotz
des Narnens ,,Nickelmessing" infolge der starken Farbekraft des Nickels eine schon weiDe Farbe aufweist und
sehr hart ist. Es kann bei schwacher Rotglut bearbeitet
werden, wahrend gewohnliches Neusilber bei 500 bereits
durch eineii schwachen Harnrnerschlag in Stucke springt.
Alle besprochenen Neusilberfabriken stellen jedoch
auch reine Kupfer-Nickellegierungen her, die hauptsachlich als Widerstandsrnaterialien fur die Elektrotechnik
dienen. Bis gegen die Jahrhundertwende verwandte man
fur diesen Zweck nur Neusilber, das ebenfalls schon einen
hohen elektrischen Leitwiderstand besitzt. Mit Ausnahrne
des Hheotans von Geitner, das von den grofien Elektrizitatsfirmen zum Bau von Regulier- und Anlaijwiderstanden noch stark benutzt wird, sind jedoch heute die
zinkhaltigen Materialien groijtenteils verlassen, da sie
einen zu hohen Temperaturkoeffizienten besitzen, d. h.
ihr Widerstand rnit der Ternperatur verhaltnisrnai3ig stark
schwankt. Die Ursache zur Einfiihrung besserer Legierungen waren die Untersuchungen von F e u 13 n e r und
L i n d e c k von der Physikalisch - Technischen Reichsanstalt, die zeigten, dai3 bei einer Zusarnrnensetzung von
60% Cu und 40% Ni der Leitwiderstand fast sein Maximum erreicht, wahrend der Ternperaturkoeffizient = 0
wird. Diese Iieue Legierung wurde von Basse & Selve
hergestellt und unter dern Narnen ,,Konstantan" in den
Handel gebracht. Auch die Vereinigten Deutschen Nickelwerke in Schwerte sowie Wellner und Geitner in h e
und Krupp in Berndorf nahrnen die Fabrihation auf,
wahlten aber fur ihre Produkte andere ;ihnliche Nanien.
Fast alle Werke liefern das Material nicht in unrnittelbar
verwendbarern Zustande, sondern in Form von Draht
inittleren Durchrnessers, der nach seiner Herstellungsart Walzdraht oder auch Vorzugsdraht heifit, d. h. ein
Draht, der noch einem Ziehprozef3 unterworfen werden
mufi. Dieses Feinziehen, Bespinnen rnit Isolierniaterial,
teilweise auch Lackieren wird narnlich von Spezialfirrnen
ausgefuhrt, die das Fertigprodukt dann vertreiben. Neben
den groi3en Elektrizitiitskonzernen, die natiirlich auch
solche Anlagen besitzen, sind besonders zwei Namen zu
nennen, das D r a h t w e r k E l i s e n t h a l , vorrnals
C. Schniewindt in Neuenrade in Westfalen, das hauptsachlich die von Basse & Selve und Wellner gelieferten Rohrnaterialieii verarbeitet, und die L e o n i s c h e n W e r k e R o t h A. - G . in Niirnberg, die 1917
durcli Zu~ammenschluD rnehrerer kleinerer Werke entstanden, von denen fruher J. 0 b e r rn a y e r sehr bekaiint war. Die Firrna verwendet wesentlich die Produkte von Geitner und den Vereinigten Deutschen
Nickelwerken. Das Konstantan besitzt jedoch einen
liohen Thernioeffekt gegen Kupfer und ist daher fur den
Prazisionsapparatebau nicht verwendbar. F e u 13 n e r
und L i n d e c k fanden, daD Legierungen von etwa 85 Yo
Kupfer und 12% Mangan, in denen nur noch wenige
Prozent Nickel enthalten sind, diesen Ubelstand nicht
besitzen. Derartige Legierungen waren bereits friiher
von der I s a b e 11 e n h u t t e bei Dillenburg fur Zwecke
des Maschinenbaues hergestellt worden, jetzt fuhrte die
Firma sie unter dern Narnen ,,Manganin" in die Elektrotechnik ein. Irn Kriege gelang es ihr ubrigens, ein allseitig verwendbares nickelfreies Material, das ,,Resistin",
zu sehaffen. Fur Heizwiderstande in elektrischen Ufen
hat sich - nach Verlassen des Platins und Reinnickels in neuerer Zeit eine Chrom-Nickellegierung mit 20 %
Chrorn bewahrt, die gegen hohe Temperaturen sehr bestandig ist, und von den Vereinigten Deutschen Nickel-
38. Jargang 19251
Simmich: Entwicklung und Stand der deutschen Nickelindustrie
1185
werken unter dem Nanien ,,Chronin" geliefert wird. In munzen bevorzugt, die hauptsachlich von Krupp in Bernden letzten Jahren hat schliei3lich ein Kruppscher Chrom- dorf geliefert werden.
nickelstahl, den die Firma C. K u h b i e r in Dahlebriick
Hiermit sind wir wieder am Ausgangspunkte unseres
in Westfalen als ,,Cekas" vertreibt, fur Heizzwecke sei- Kundganges durch die nickelverarbeitenden Industrien
nles, den anderen Materialien ukrlegemn, hohen spezi- angelangt und haben scheinbar die wichtigsten Verfischen Widerstandes halber (e = 1 0)alle diese ver- wendungsgebiete besprochen. End doch ist dies nicht
drangt.
zutneff end. Dar Hauptabnehmer des Nickels ist namlich
Wenn wir von den Widerstandsmaterialien absehen, die S t a h 1i n d u s t r i e. Wir sahen, daf3 die Galvanofinden noch zwei andere Gruppen von Kupfer-Nick&- technik nur einen Bedarf von etwa 200 t Anodenlegilerungen technische Anwendung. Einmal solahe mit material im Jahre hat, und fur die Legierungen werden
15-25 yo Nickel, die mit erheblicher Zugfestigkeit grof3e wir nicht viel mehr als lo00 t rechnen diirfen, wenn wir
Harte und hohe Bestandigkeit gegen mechanische Kor- horen, dai3 das jetzt groate Werk, die Sachsische
rosion verbinden, anderseits . diejenigen mit 60-75 yo Metallwarenfabrik A. Wellner Sohne A.-G. etwa 300 t
Nickel, deren Zugfestigkeit an die der Nickelstahle her- jahrlich verbraucht. Es bleiben dann nach Abzug der
anreicht, im Gegensatz zu diesen aber bis zu beginnender zu Reinnickelwaren und zu chemischen Praparaten verRotglut (583 O ) fast unvermindert bleibt, und die hoch- arbeiteten Metallmengen noch rund 5000 t iibrig, die
gradig saurefest sind. Die letztgenannten Legierungen ihren Weg in die Stahlindustrie nehmen, wenn wir fur
werden unter dem Namen ,,Monell-Metall" in Amerika diese Schatzung die insgesamt in Deutschland verbrauchte
sehr stark verwendet, dagegen beschaftigen sich in Nickelmenge des letzten Friedensjahres zugrunde legen.
Deutschland nur die V e r e i n i g t e n D e u t s c h e n Es mogen daher noch einige Ausfuhrungen uber das
N i c k e l w e r k e und besonders die C. H e c k m a n n Nickel in der Stahlindustrie hier Platz finden, obwohl
A. - G. in Duisburg mit ihrer Herstellung. Die Ursache dies mit unserem Thema nur lose zusammenhangt.
Die Verwendung der nickellegierten Stahle ist erst
des geringen Interesses, das in Deutschland fur dieses
vorzugliche Material besteht, liegt wahrscheinlich in den jungeren Datums. Zwar stellte schon W o l f f in
viel weniger guten Eigenschaften des deutschen Pro- Schweinfurth 1832 einen solchen her, den er ,,Meteorduktes begrundet, was wiederum daher riihrt, dai3 dieses stahl" nannte, und brachte B e s s e m e r 1858 einen
durch Zusammenschmelzen der einzelnen Komponenten 3 yoigen Nickelstahl heraus, allein diese Versuche hatten
hergestellt wird, wahrend man es in Amerika direkt aus noch keine praktische Bedeutung. Einerseits stand noch
dem Nickelrohstein durch einen besonders geleiteten nicht geniigend reines Nickel zur Verfugung, anderseits
Hiittenprozei3 gewinnt, wobei ein Eisengehalt von etwa war uber die Eigenschaften solcher Stahle in der Allge5 % darin belassen wird. Dieses, sowie vielleicht noch meinheit wenig bekannt. Die Aufmerksamkeit wurde erst
die Spuren anderer Stoffe, scheint fur die von den Ame- durch einen Vortrag auf sie gelenkt, den der englische
rikanern geruhmte hohe Saurebestandigkeit, die die Hiittenmann R i 1e y 1889 im ,,Iron and Steel Institute" in
deutschen Legierungen nicht aufweisen sollen, wichtig Glasgow hielt. Er wies darauf hin, dai3 die Nickelstahle
zu sein. Auch stellt sich die amerikanische Original- einer anderen Klasse der legierten Spezialstahle anlfgrerung infolge des Herstellunghverfahrens billiger als gehoren, als die bis dahin bekannten. Wahrend namlich
tl ie aus den Komponenten zusammengeschnlolzene. Sie Mangan und Chrom vorzugsweise die Harte steigere,
wird in letzter Zeit in Deutschland von der I s o 1a t i o n Wolfram diese auch bei hoher Temperatur aufrecht erA. - G. in Mannheim vertrieben, die die Vertretung der halte, weshalb diese Metalle zu Werkzeugstahlen verwendet wiirden, bewirke das Nickel eine vorzugliche Festigkeit
I n t e r n a t i o n a 1 N i c k e 1 Corn p. besitzt.
Kupfer-Nickellegierungen niit 15-25 Yo Nickel haben und ZBhe, und stelle daher einen Konstruktionsstahl dagegen als ,,Eknediktnickel" oder ,,Blankornetall" bis oder, wie man heute oft sagt - Baustahl dar, der bezum Kriege bei uns eine grofle Rolle gespielt. Ihre erste deutend geringere Dimensionierung der aut Festigkeit
Anwendung fanden sie in der Munitionsfabrikation. Bei beanspruchten Teile gestatte. Es waren die Marineder Einfiihrung des Gewehrmodells 71 wurde fur das behorden der Vereinigten Staaten, die zuerst Schiffe rnit
InfanteriegeschoD statt des bis dahin iiblichen Mantels Nickelstahlplatten panzern lieBen und durch beriihmt geaus Messing ein solcher aus Kupfer-Nickel vorgeschrieben, wordene Schiefiversuche deren Eignung hierzu bewiesen.
der aber spater durch einen solchen aus kupfer-nickel- Bereits im folgenden Jahre (1892) begann in Deutschland
plattierteni Fluastahlblech ersetzt und 1916 ganz verlassen K r u p p ebenfalls Panzerplatten und spater auch Gewurde. Auch die Fiihrungsringe der Artilleriegeschosse schiitze aus Nickelstahl anzufertigen. Auch die Friedensbestanden aus dieser Legierung. Es gelang zuerst industrie bediente sich bald rnit Vorteil des neuen MaBasse & Selre, dieselbe in brauchbarer Form dar- terials und 1899 wurde ebenfalls von Krupp die erste
zustellen und so wurde das Kupfer-Nickel zu einem Kurbelwelle fur den. Schnelldampfer ,,Deutschland" darSpezialprodukt der Firma. Es lag daher nahe, daf3 ihr aus hergestellt. Ubrigens besitzen auch die modernen
1873 auch die Lieferung der ,,Munzplattchen", des Roh- Panzergeldschranke richtige Panzer aus Nickelstahl.
materials der damals neu eingefiihrten deutschen %heidle- Heute haben fast alle groi3en Stahlwerke die Erzeugung
munzen iibertragen wurde. Fur diesen Auftrag baute sie aufgenommen, so daf3 uber die einzelnen Produzenten
dann ihre Nickelhutte, von der im Anfang die Rede war. und ebenso uber Produktionszahlen kaum etwas zu er380 t Nickel, hauptsachlich aus der Grube Bieber in mitbeln ist. In den ersten Friedenejahren wirkten die erHessen - Nassau stammend, wurden von der deutschen zwungenen Spar- und Streckungsmahahmen der KriegsRegierung zu diesem Zweck angekauft, und diese heute zeit uberall noch nach, - denn auch das Ausland hat teilgering scheinende Menge geniigte, um den Nickelpreis weise unter Nickelknappheit gelitten -, so dai3 geradezu
fur einige Zeit stark in die Hohe zu treiben. Wahrend eine Absatzlirise eintrat, die auch eine Einschrankung
des Krieges sind bekanntlich diese Munzen wieder ein- der Produktion zur Folge hatte. In den letzten Jahren
gezogen morden. Sie brachten einen ZuschuD von nur haben infolge des groflen Aufschwunges der Flugzeugetwa 100 t zu der knappen Produktion. In der Nach- und Automobilindustrie die Chromnickelstahle als Konkriegszeit wurden einige Auftrage auf Munzplattchen struktionsmaterial fur hochstbeanspruchte Teile eine
\'om Auslande erteilt, jedoch ist inzwischen die Prage- immer grof3ere Bedeutuag erhalten. Sie heiDen auch
technik soweit fortgeschritten, dai3 man meist Reinnickel- geradezu Automobilstahle und verbinden mit hoher
1186
_--_--
_.
-
Festiglieit gleichzeitig eine groi3e Hiirte, wlhrend trotzdern
ihre ZBhigkeit der der Nickelstahle kauni nachsteht.
Die hoher legierten Nickel- und Chrornnickelstahle bebitzen eine Heihe interessanter Eigenschaften, wegen
deren sie neuerdings vielfach .Inwendung finden. Besonders Krupp in Essen hat eine Heihe von Stahlrnarken
dieser Art fur Sonderzwecke geschaffen. Der 25 % ige
Nickelstahl ,,Kruppin" wird allerdings heute nicht rnehr
viel als Widerstandsmaterial fur elektrische Heizkorper
gebraucht. Ein 26 yi, iger Nickelstahl ist bei gewohnlicher
'I'eniperatur unrnagnetisch und dient z. B. zur Herstellung
yon Uhrenteilen, die auch durch starke niagnetische
Felder keine Storung erleiden. Die Marke W T 4 mit
36'$ Nickel und einigen Prozent Chrom hat denselben
husdehnungskceffizienten wie Platin und Glas und dient
daher Zuni Einschmelzen in letzteres. Wahrend friiher
25 ",, iger h'ickelstahl als das saurebestandigste Material
galt, iibertreffen die neuen Kruppschen Stahlmarken V l M
und besonders V 2 h ihn hierin bedeutend. Beide wurden
- nachdern allerdings schon wahrend des Krieges
13 r e a r 1 y ill Sheffield mit seinern ,,Messerstahl" ahnIiches geschafren hatte - von Krupp 1921 herausgebracht.
V I M enthllt weiilige Prozent Nickel und 10-15 ;i) Chroni
und ist rost- und seewasserbestaiidig. V2A besitzt einen
hoheren Nickel- und Chromgehalt (5-20 7; Ni, 18-40 %
Cr) und ist auch bei Gliihtemperatur gegen Luft und
oxydierende Sauren vollkoninien unenlpfindlich, wahrend
die nichtoxydiereiiden Mineralsluren wie HCl und H,SO,
auf die Dauer angreifen. In letrter Zeit ist hierzu noch
die Legierung V4A gekornmen, die noch andere Bestandteile enthalt und besonders gegen schweflige Saure und
Sulfitlaugen widerstandsfahig ist. Leider steht der hohe
Preis und die schwere Bearbeitbarkeit dieser Edelstahle,
die sich bereits in nianchen Industrien praktisch bewahrt
haben, ihrer allgenieinen Verwendung hinderlich irn
Wege.
[A. 184.1
Von F. A. HENGLEIN
und M. GRZENKOWSKI.
(Eineeg. 9.18. 19'5.5.3
D i e nachstehenden Messungen wurden hauptsachlich
w n technischen Gesichtspunliten aus durchgefuhrt; da
jedoch in der Literatur iiber Adsorption von Gasen bei
Drucken iiber 1 Atni. fast keine Untersuchungen vorliegen, sind sie aurh in theoretischer Hinsicht belangreirh I).
I. Apparatiir.
In Fig. 1 wird in Iil eine aligewogene Menge HolzIiohle gebracht; K1 wird alsdann unter Erwarrnung auf
etwa 300 O hochevakuiert und bei B (Abschmelzstelle) geschlossen. Durch C wird in A, einer graduierten Hohre,
das Gas verfliissigt; wiederholt werden A und Kz mit dem
Gas ausgespiilt und schlieBlich wird bei C abgeschrnolzen.
Die Menge des verfliissigten Gases wird in der graduierten Rohre abgelesen, und zwar be! den Temperaturen,
die sphter bei der Adsorptionsrnessung angewandt werden. Durch Hebung des in KZ in Glas eingeschrnoljlenen
Eisenkerns mittels elektrischer Spule wird die kleine
Kugel 0 zertrurnrnert, so dai3 das Gas Zutritt zu K1 erhalt.
111 A verdanipft das kondensierte Gas, je nach der Ternperatur, auf der K, durch ein Becherglas mit konzentrierter
Schwefelsaure gehalten wird. Die adsorbierte Menge Gas
wird aus den1 verdarnpften Fliissigkeitsvolurnen und
dein spezifischen Gewicht der Fliissigkeit berechnet.
Von dern auf diese Weise errnittelten Gewicht ist ein
worin bedeuten: p = Druck des Gases; v = Gasvolurnen
in K1;R = Gaskonstante; T = 273 t O; (t = Temperatur
in Celsiusgraden von v ) ; P k :
krit. Ternperatur.
+
n=
Grammzahl - - _
Molekulargew&ht des Gases
Fig. 1 .
Der Druck p wird der Darnpfdruckkurve des verfliissigten Gases entnommen; wiihrend der Adsorptionsmessung wird A auf konstanter Ternperatur gehalten.
11. Messungen.
Die angewandte Kohle war Gasadsorptionskohle der
Firma ,,Chemische Fabrik Dr. Hugo Stolzenberg" Marke:
A mittelkornig; die Kohleteilchen hatten etwa halbe
ErbsengroBe. 1 g Holzltohle nahm ein Volurnen von
3 ccrn ein; das wahre spezifische Volurnen war rund 03,
so daf3 fur je ein Gramrn Kohle v = 2,5 ccm gesetzt wurde.
In den nachfolgenden Tabellen bedeuten: t = Temperatur
von Ki; g = die in A verdarnpfte Menge verfliissigten
Gases; g'=die irn Gasraum von K, befindliche Menge Gas;
G = g - g' (adsorbierte Menge Gas in g ) ; a die pro 1 g
Kohle adsorbierte Menge Gas.
Die Messungen wurden ausgefiihrt niit Amnioniak,
schwefliger Saure und Chlor; sie wurden als beendigt angesehen, wenn sich in der MeDrohre A der Stand
des Meniskus 30 Minuten lang nicht rnehr anderte.
Bei Ammoniak und Schwefeldioxyd beobachteten wir,
daD sich das Adsorptionsgleichgewicht bei hoheren Temperaturen der Kohle rascher einstellte, als bei niederen.
Rei Temperaturen von 15-70''
wurden etwa 70 % des
Gases innerhalb einiger Minuten adsorbiert, wahrend der
Rest viel langsarner von der Kohle aufgenonimen wurde;
__
-
Das Gesetz gilt angenahert und geniigt fiir die erforderliche Genauigkeit.
2)
Vgl. F r e u n d 1 i c h , Kapillarchemie.
zcltsciirlft fur
anpraandte
Chemie
_ --_-_
kleiner Bruchteil abzuziehen, der in Wirklichkeit nicht
adsorbiert wurdce, sond'ern sich nunrnehr als Gas in K1
befindet; diese Menge ergibt sich aus dern Gesetz
Die Adsorption von Gasen an Holzkohle
bei Drucken iiber 1 Atm.
1)
1
Heoglein, Grzenkowski: Die Adsorption von Gasen an Holzkohle usw.
~ -- _~
-
_
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