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Ernehrung. Die deutsche Ernhrungsbilanz

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Angewandfe Chemie
47. Jahrg. 1931, Nr. 20
--
1
Aufgaben der Chemie im neuen Deukhland
323
-
.
I
I
_
-
Aufgaben der Chemie im neuen Deutschland.
V o r b e in e r k u n g d e r S c h r i f t I e i t u n g. Die im ersten Heft des Jahres unter diesem Titel erschienenen
Aufsatze werden im folgenden rnit einer Reihe fortgesetzt, die sich rnit dem gesamten Gebiet der E r n a h r u 11 g
befaat. Dabei mui3 rnit der ,,Deutschen Ernahrungsbilanz" bcgonnen werden, in der durch (;egenubcrstelluiig dor
heimischen Erzeugung und des Verbrauchs gezeigt wird, wo und warum ,,Lucken" bestehen. - Weshalb sie durch
eigene Erzeugung geschlossen werden mussen, wurde bereits in dem Beitrag ,.Zur Frage der Rohstoffversorgung
1)eutschlands"") dargestellt. - Eine demuachst erscheinende Arbeit wird zeigen, inwieweit diese ,.ErnHhrungslucken"
durch bloi3e o r g a n i s a t o r i s c h e M a i3 n a h m e n , Marktregelung usw., geschlossen werden konnen. Dann erst
wird zu schildern sein, an welcher Stelle die Arbeit des C h e m i k e r s einsetzen kann. Entsprechende BeitrHge
werden sich in zwangloser Folge anschlieDen, der erste, ,,Kampf den Tierseuchen", erscheint bereits in diesem Heft.
Ernahrung.
Die deutsche Ernlhrungsbilanz.
Von Dr. WII.I.YBAUER,
Institut fur Konjunkturforschung, Berlin.
Im folgenden wird fur die wichtigsten Gebiete der
Erniihrungswirtschaft im einzelnen gezeigt werden, in
welchem Umfang bisher schon der Verbrauch in Ileutscbland durch die Produktion der deutschen Landwirtschaft
gedeckt worden ist und welche Mengen eingefuhrt werden mufiten.
Die Entwicklung der Vergangenheit war nicht allein
das Produkt der natiirlichen Erzeugungsbedingungen, die
der deutschen Iaidwirtschaft mdurch Klima und Bodenbeschaffenheit gegeben sind. Sie war ebensosehr auch
die Folge der Agrarpolitik, die man seit Jahrzehnten getrieben hatte, und die seit Bismarcks Zeiten bis zuin
Jahre 1932 in der Hauptsache nichts anderes kannte als
hobe Getreidezolle. M i t einem Wort gesagt: das Orundubel, woran die Entwicklung krankte, war die einseitige
Stutzung der Getreidewirtschaft, die durch die hohen
Zolle zu einer Uberbewertung des Getreides
Oberbewertung gegeniiber den ubrigcn landwirtschaftlichen
Erxeugnissen - fiihrte, mit dem Erfolg, da8 sich die
ganze Landwirtschaft, soweit es moglich war, auf Getreideproduktion einstellte und alle ubrigen Produktionszweige vernachlassigte.
Wenn trotzdem, wie wir gleich sehen werden, der
Grad der Autarkisierung in den letzten ,Jahren gestiegen
ist, so hat dies seinen Grund darin, dai3 die Landwirtschaft auf einen Ruckgang der Preise anders als die Industrie reagiert. Sinken in der Tndustriewirtschaft die
Preise und der Absatz, so versuchen die Unternehmungen,
so gut es geht, ihre Produktion den sinkenden Absatzmoglichkeiten anzupassen; sie schranken ihre Produklion ein, vermindern dadurch das Angebot und verhindern so, dai3 die Preise allzu stark abgleiten. Der
Landwirt kann das nicht. Fiir ihn ist es immer
noch rentabler, selbst bei niedrigen Preisen zu produzieren. Er versucht im Gegenteil, den Ruckgang
der Preise durch maglichst hohe Produktion auszugleichen. So kam es, dai3 in den lctzten Jahren trotz
Krisis und schwindender Kaufkraft der Industriebevolkerung die landwirtschaftliche I'roduktion der Menge nach
gestiegen ist - und damit auch der Anteil, den die heimische Erzeugung an der Versorgung des Marktes hatte.
Der Gesamtverbrauch Deutschlands an Nahrungsmitteln
ist durch die heimische Erzeugung gedeckt worden') :
-
*) Diese Ztschr. 47, 2 [1934].
1) Diese Zahlen und alle folgenden des Aufsatzes sind der
wertvollen Untersuchung von Dr. Ifnns von dcr Decken, ,,Die
Selbstversorgung Deutschlands rnit Nahrungsmitteln", Berichte
iiber Landwirtschaft, Neue Folge, 88. Sonderheft, Berlin 1933,
zu vedanken.
(Eiogeg. 9. Mai 1934.)
iin
,,
J a r 1925 zu 81 %
1926 ,, 77 ,.
1927 3, 78 o
5,
1928 I t 80
0
1929 ,, 83
,, 1930 ,, 85 ,,
1931 I, 86 ,,
,, 1932 ,, 87 ,.
9,
(3
19
7,
,I
79
,,
1,
I,
,,
Die Ergebnisse f u r das Jahr 1933 liegen noch nicht vor.
Sie sind aber sicher holier als 90%.
Diese hohen Zahlen tiiuschen aber. Sie tauschen insofern, als in die Berechnung, die ihnen zugrunde liegt,
die eingefuhrten Futtermittel nicht einbezogen worden
sind, die zu der Produktion einer ganzen Reihe von Erzeugnissen notwendig sind. Eine der ubelsten Folgen
der hohen Getreidepreise in Deutschland war namlich,
dafi die Landwirte zur Fiitterung des Viehs billige ausIandische Futtermittel, vor allem Ulkuchen, Kleie, Futterpetreide und Hulsenfruchte, einfiihren mufiten, um auf
dein deutschen Markt rnit den billigen auslandischen Erzeugnissen konkurrieren zu konnen. Stellt man die eingefiihrtcn Futtermittel in die Berechnung ein, dann bekommt die Selbstversorgung Deu tschlands ein anderes
Gesicht. Der Anteil der heimischen Erzeugung an der
Gesamtversorgung betrug dann nur noch:
im Jahr 19%
,. (, 1926
,. ,( 1927
,, ,, 1923
1929
1,
,,
(.
.,
.,
?,
(.,.
1930
1931
.
.
.
.
.
.
.
1932 .
.
.
.
.
.
.
.
.
. 75%
70 ,,
. 67 ,,
. 71 ,,
. 75
.
.
(,
78 ,,
. 80
. 79 ,,
17
Die deutsche Landwirtschaft aus der
Einseitigkeit d e r Getreidewirtschaft zu
befreien, Moglichkeiten fur eine Ausdehnung der Produktion an Veredlungsp r o d u k t e n zu s c h a f f e n u n d d a m i t d i e g e samte Produktion, einschlie5lich der
F u t t e r m i t t el p r o d u k t i on, d e m h e i m i s ch e n
Verbranch anzupnssen, ist die Aufgabe
der nachsten Jahre.
Es handelt sich dabei urn eine Aufgabe auf Jahrzehnte hinaus. Denn es liegt im Wesen des landwirtschaftlichen Produktionsprozesses, da8 er sich nur sehr
langsam umstellen Ia8t. DaO sich in solchen Zeitabschnitten auch der V e r b r a u c h e r h o h e n wird, liegt
auf der Hand. Der Verbrauch an landwirtschaftlichen
Erzeugnissen wird in seiner Grundrichtung bestimmt
durch das Wachstum der Bevolkerung. Die deutsche
Bevolkerung ist in den letzten Jahnehnten vor dem Krieg
Chemie
I47.Anf ewandte
ahrg. 1934. Nr. P
Aufgakn der Chemie im neuen Deutschland
324
jahrlich um etwa 1,4% gewachsen. In den Jahren nach
dem Krieg bis 1933 hat diese Wachstumsquote ganz erheblich nachgelassen. Es ist aber anzunehmen, daD in
Zukunft die Bevtjlkerung wieder rascher steigen wird,
wenn auch zunachst die hohe Fortschrittsquote der Vorkriegszeit kaum wieder erreicht werden wird. Es kommt
hinzu, dai3 uber das MaD hinaus, das durch das Wachstum der Bevolkerung gegeben ist, der Verbrauch auch
weiter mit zunehmendem Wohlstand steigen wird, vor
allem wenn sich die Einkom~nensverhaltnisseder stadtiwhen Bevolkerung bessern.
Das gilt weniger fur den Verbrauch an Brotgetreide,
der unter den gegenwartigen Verhaltnissen ziemlich starr
ist, es gilt mehr fur den Verbrauch an Veredlungsprodukten, also an Fleisch, Fetten, Eiern usw. Der Verbrauch an diesen Erzeugnissen ist noch auDerordentlich
ausdehnungsfahig, wie sich leich t zeigen la& wenn man
etwa die Verbrauchsverhaltnisse in Deutschland rnit
denen der Vereinigten Stanten auf diesen Gebieten vergleicht.
Die letzten Jahre sind Jahre der Entbehrung und
der Not gewesen. Um diese auszugleichen und um zugleich auch Zufalligkeiten eines Jahres, die durch die
Ernteschwankungen usw. entstehen, zu verwischen, sind
in allen folgenden Obersicliteu neben dem Jahr 1932 (das
letzte Jahr, fur das Daten vorliegen) auch die Jahre 1928
und 1929, die Jahre der letzten Hochkonjunktur, und das
Jahr 1925 als das Ausgangsjahr der Wirtschaft in der
Zeit nach dem Krieg und der Inflation gegeben.
Die Brotgetreideversorguiig Deutschlands hat im
ganzen nach der gewaltigen Steigerung des Weizenanbaus in den letzten Jahren verhaltnismafiig geringe
Liicken.
R o g g e n (in 1000 t ) :
Inlandische Produktion
. .
Einfuhriiberschufll) . . . .
Gesarntverbrauch . . . . .
davon inland. Prod. (in %)
1925
1928
19'29
1932
5350
-150
5200
103
5010
-410
4600
109
5530
-430
5100
108
4820
180
5000
96
W e i z e n (in 1000 t):
Inlandische Produklion . . . 2920
EinfuhriiberschuO . . . . . 1580
Gesamtverbrauch . . . . . 4500
aavon inland. Prod. (in %)
65
1)
3080
2120
5200
59
3300
1300
4600
72
3870
130
4000
97
Die Minuszeichen bedeuten Aurluhruberschull
Man sieht: bei Roggen reicht die heimische Erzeugung
aus, den Bedarf zu decken, ja, in Jahren mit hohen Ernten
ist sogar so vie1 Roggen vorhanden, dai3 er nicht vollstandig im Inland abgesetzt werden kann. Er mui3, wie
1925, 1928 und 1929, exportiert werden.
Anders ist es beim Weizen. Die Weizenerzeugung ist
zwar aui3erordentlich stark ausgedehnt worden. Der Einfuhrbedarf im Jahre 1932 konnte aber nur deshalb so
stark sinken und die Selbstversorgungsquote nur deshalb auf 97% steigen, weil der Verbrauch abgenommen
hat. Beim Weizen ist mit anderen Worten der hohe Grad
der Selbstversorgung, den wir erreicht haben, eine Krisenfolge, die wisder schwinden wird, wenn die heimische
Produktion nicht im gleichen Umfang wie der Verbrauch
zunimmt. Der Weizenverbrauch wird wieder steigen, es
sei denn, es gelingt durch Propaganda, Verfeinerunq der
Brotproduktion usw., den Verbrauch von Weizen auf
Roggen umzulenken.
Weniger wichtig sinld dem Brotgetreide gegenuber
die iibrigen Getreidearten ( G e r s t e , H a f e r , M a i s ,
B u c h w e i z e n , H i r s e , S a g o , R e i s ) . Der Oerste-
verbrauch wird neuerdings ziemlich vollstandig durch
die heimische Landwirtschaft gedeckt. Dabei gilt freilich zum Teil, so etwa bei der Braugerste, das gleiche wie
beim Weizen: Der Bedarf ist wegen des steten Ruckgangs des Bierverbrauchs erheblich gesunken, und es
ist durchaus, moglich, dai3 bei steigendem Konsum auch
die vorhandene Braugerste nicht ausreichen wird. Denn
man darf nicht vergessen, daij die gewaltige ,,Webenhausse" (gemeint ist die r e 1 a t i v e Steigerung der
Weizenpreise gegenuber den iibrigen Preisen) viele
Landwirte veranlaDt hat, ihre Boden nun mit Weizen zu
bewirtschaften, daD also die Anbauflache fur die iibrigen
Getreidearten zuriickgegangen ist.
DaD der gesamte Bedarf an Mais, Hirse, Sago und
Reis eingefuhrt werden muG, versteht sich von selbst.
Urn welche Mengen es sich bei diesen Getreidearten handelt, geht aus der folgenden Obersicht hervor:
G e r s t e f i i r G r a u p e n usw.:
Gesamtverbrauch rund 200000 t im Jahr, slammt zu 100%
aus einheimischer Erzeugung.
G e r s t e z u r V e r r n a l z u n g (in 1000 t ) :
1925
1928
1929
1912
Inlandische Produktion . .
984
Einfuhriiberschufl . . . . . 238
Gesamtverbrauch . . . .
1222
davon inland. Prod. (in %)
81
1204
181
1385
87
1184
278
1462
81
810
-
810
100
Hafer:
Gesamtverbrauch rund 70000 I ini Jahr, sfammt zu 100% aus
einheimischer Erzeugung.
Mais:
Gesamtverbrmch (in 1000 I).
75
100
90
5L
B u c h w e i z e n (in 1000 t ) :
Inlandisclhe Produlrtion . . .
EinfuhrubersehuB . . . . .
Gesamtverbrauch . . . . .
davon inland. Prod. (in % )
20
8
28
72
17
11
28
61
15
13
28
54
14
14
28
50
c
11
19
10
3
6
4
2
330
2i3
182
337
Hirse:
Gesamtverbrauch (in 1000 I) .
Sago:
Gesamtverbrauch (in 1006 I) .
Heis:
Gesaiiitverbrauch (in 1000 t)
.
Gerste, Hafer, Mais, Buchweizen, Hirse, Sago,
R e i s , zusamrnen (in 1000 t):
Tnlandische Produktion .
EinfuhruberschuO . . .
Gesarntverbrauch . . .
davon inland. Prod. (in
. . 1274
. . 661
. . 1935
%)
66
1491
582
2073
72
1469
586
2055
71
1094
413
1507
73
Ein verhliltnismafiig groDer Einfuhrbedarf besteht
bei den Hiilsentriiphten (Gesamtverbrauch 160 000 bis
180 000 t im Jahr), obwohl die Produktionsbedingungen
in Deutschland fur diese Erzeugnisse durchaus gegeben
waren.
E r b s e n (in 1000 t ) :
1925
1928
Inlandische Produktion . . .
Einfuhriibersehuij . . . . .
Gesamtverbrauch . . . . .
davon inI3nd. Prod. (in %)
72
31
103
70
72
39
111
U o h n e n (in loo0 t ) :
Inliindische Produktion . .
Einfuhruberechuij . .
. .
Gesamtverbrauch . . . . .
davon inliind. Prod. (in %)
13
30
43
30
9
17
26
86
35
1929
70
42
112
63
10
26
36
28
1932
74
14
88
84
9
28
27
24
.\ngewandte Chemie
47 Jahrg. 1934. Nr. 20
1
Aufgaben der Chemie im neuen Deutschland
Mit den Linsen verhiilt es sich ahnlich wie mit den
Bohnen: auch bier wird noch nicht ein Drittel des Gesamtverbrauchs in Deutschland selbst hergestellt.
Kein Problem fu r 'die Selbstversorgung bietet der
Verbrauch an Kartoffeln und Bucker. Dank der reichlichen Ernten in den letzten Jahren konnte Deutschland
bei stabilem, ja sogar leicht steigendem Verbrauch an
Kartoffeln (hoher Kartoffelverbrauch ist Symptom fur
niedrigen Lebensstandard) exportieren. Zucker wiederum
gehort seit langer Zeit zu den deutschen Exportwaren.
Die deutsche Fleischproduktion ist wahrend der
letzten Jahre mehr und mehr in den Verbrauch hineingewachsen. Die Fleischmengen, die eingefiihrt werden
miisseu, sind minimal. Allerdings wird man bei zunehmendem Wohlstand mit einer Steigerung des Verbrauchs, vor allem an Rindfleisch, rechnen mussen, und
dann ist es fraglich, ob die heimische Produktion damit
wird Schritt halten konnen. Dai3 bis 1932 die Fleischproduktion in Deutschland nur moglich war, weil verhaltnismai3ig vie1 billige auslandische Futtermittel eingefuhrt wmden sind, un8ddai3 es sich bier bei der Futtermittelversorgung um das entscheidende Problem handelt,
ist schon erwahnt worden. Spater wird darauf noch einma1 eingehender eingegangen werden.
Zunachst die Zahlen fur die wichtigsten Fleischarten.
It i n d f I e i s c h (in 1000 t):
1925
1928
1929
1932
Inlandkche Produlction . . .
Einfuhrilberschud . . . . .
Gesamtverbrauch . . . . .
davon inland. Prod. (in %)
674
196
870
77
750
173
923
81
850
148
998
85
839
18
857
98
K a l b f l e i s c h (in 1000 t):
Inlandieche Produktion . . .
EinfuhruberschuB . . . . .
Gesamtverbrauch . . . . .
davon inland. Prod. (in %)
175
1
176
99
196
1
197
99
201
2
203
99
196
196
100
S c h w e i n e f l e i s c h (in 1000 t):
Inlandische Produktion . . . 1440
93
Einfuhrtiberschud . . . . .
Gesamtverbrauch , . . . . 1533
davon inland. Prod. (in %)
94
1963
23
1986
99
1807
41
1848
98
1847
39
1886
98
Vqllstandig durch die deutsche Praduktion wird der
Bedarf an S c h a f f 1 e i s c h (Gesamtverbrauch 40 000
bis 50000 t im Jahr) und Z i e g e u f 1 e i s c h (Gesamtverbrauch 10 000 bis 15 000 t im Jahr) gedeckt. Dagegen
besteht an Gefliigel und Wild nach wie vor ein ziemlich
erheblicher Einfuhriiberschui3. Hier ist e h Gebiet, wo
noch Erhebliches geleistet werden konnte.
G e f l i i g e l f l e i s c h (in 1000 t):
1925
58
Inlandische Produktion . . .
19
Einfuhriiberschui3 . . . . .
77
Gesamtverbrauch . . . . .
davon inlaad. Prod. (in %)
75
1928
67
34
100
67
1929
71
35
106
67
1932
72
30
103
70
19
3
22
86
19
3
22
86
19
3
22
325
Erheblich groi3er als bei der Fleischversorgung ist
die Abhangigkeit vom Ausland bei der Fischversorgung,
und zwar in erster Linie bei der Versorgung mit Seefischen.
S i i B w a s s e r f i s c h e (in 1000 t ) :
1925
Inlandische Produktion . . .
80
flinfuhruberschufl . . . . .
4
Gesamtverbrauch . . . . .
84
davon inland. Prod. (in 96)
95
S e e f i s c h e (in 1000 1 ) :
Inlandische Produktion . . . 208
EinfuhriiberschuD . . . . . 325
Gesarntverbrauch . . . . . 533
davon inland. Prod. (in %)
39
558
49
1932
292
48
340
80
86
B u It e r (in 1000 t ) :
Inlandische Produktion . . .
EinfuhriiiberschuB . . . . .
Gesamtverbrauch . . . . .
davon inland. Prod. (in %)
229
96
325
71
325
126
451
72
343
135
478
72
405
70
475
85
Die deutsche Milchproduktion war also bisher so
gering, dal3 sie fur die Kaseerzeugung und Buttererzeugung in dem Umfang, wie es der Verbrauch in
Deutschland erforderte, bei weitem nicht ausgereicht hat.
Noch geringer als bei der Butter ist der Grad der
Selbstversorgung bei Talg und anderen tierischen Fetten
und bei Schmalz, von der Margarine ganz zu schweigen.
Rechnet man alle Fette (also Butter, Margarine, Talg,
andere tierische Fette und Schmalz) zusammen, dann
ergibt sich, dai3 noch nicht einmal die Halfte des deutwhen Fettverbrauchs aus der heimischen Produktion gedeckt werden konnte.
'1'alg u n d a n d e r e t i e r i s r h e F e t t e (in lo00 t ) :
1928
1929
1925
Inlandische Produktion . . .
36
40
4.5
35
EinfuhriiberschuB . . . . .
33
20
71
73
Gesamtverbrauch . . . . .
65
51
55
davon inland. Prod. (in %)
69
F l e i s c h i n s g e s a m t (in 100O.t):
Inlllndische Produktion . . . 2474
EinfuhruberschuB . . . . . 307
Gesamtwrbrauch . . . . . 2781
davon fnliind. Prod. (in %)
89
3049
90
3140
97
350
229
579
60
1929
280
64
324
Fai3t man alle Fleischarten zusammen, dann ergibt
sich folgendes Bild:
3043
232
3275
93
292
304
596
49
3928
252
60
312
81
21
389
410
3084
237
3320
93
271
287
1925
218
73
291
75
M a r g a r i n e (in 1000 1):
Idandische Produktion .
EinfuhriiberschuB . . .
Gesamtverbrauch . . .
davon inland. Prod. (in
86
1932
80
6
86
93
Inlandkche Produktion . . .
EiafuhriiberschuB . . . . .
Gesamtverbrauch . . . . .
davon inland. Prod. ( i n %)
92
113
205
79
1
20
95
1929
80
9
89
91
Die meisten und schwierigsten Aufgaben sind im
Hinblick auf die Selbstversorgung bei den Fetten und
den Molkereierzeugnissen zu losen. Hier ist Deutschland
am starksten vom Ausland abhangig. Dai3 der Verbrauch
an Trinkmilch ausschliei3lich aus deutscher Erzeugung
stammt, ist klar. Aber schon beim Kase und bei der
Butter liegen die Dinge ganz anlders.
K a 8 e (umgerechuet auf Milch, in 1000 I):
S c h l n a l z (in 1000 t ) :
Inlandische Produktion . . .
Einfuhriiberschud . . . . .
Gesamtverbrauch . .
. .
davon inliind. Prod. (in %)
W i l d f l e i s c h (in 1000 t):
Inlandische Produktion . . .
EinfuhrtiberschuB . . . . .
Gesamtverbrauch . . . . .
davon inland. Prod. (in %)
1928
80
8
88
93
1932
45
26
71
63
118
115
233
51
125
100
225
56
115
107
222
21
487
508
43
18
507
530
22
458
480
4,5
Ihtte insgesamt (in 1000 t):
Inlandische Produktion . . . 378
Einfuhruberschufi . . . . . 633
Gesamtverbrauch . . . . . 1011
davon inland. Prod. (in %)
37
512
717
1229
42
524
749
1273
41
586
.
. .
. .
. .
%)
45
5s
5%
395
718
1304
4.6
326
Aufga'ben der Chemie im neuen Deutscbland
Bei der Margarine ist selbstverstln'dlich nur das als
idandische Produktion bezeichnet, was aus inlandkchen
Kohstoffen hergestelit wurde.
Das Sch\vergewicht des deutsclien Fettverbrauchs lag.
\vie die Zahlen zeigen, bis 1932 bei der Margarine und
der Butter. Die Bevolkermig hat bis Z U dieser Zeit sogar
inehr Margarine als Butter verbrnuclit. Margarineverbr'auch bedeutet, selbst wenn die Margarine in Deutschland hergestellt wird, Verbrauch von eingefiihrten Fetten,
da, wie sich aus der Zalileniibersicht ergibt, nur ein
verschwindend kleiner Teil der verarbeiteten Rohstoffe
aus Deutschland selbst stanimt*).
Diese auslandischen Grundlagen der Fettversorgung
durch einheimische Erzeugnisse zu ersetzen, ist die
Hauptaufgabe rler nlchsten Jahre. Der sog. Fettplan der
Reichsregierung hat sich bereits an diese Aufgabe herangemacht, und die Verhaltnisse liegen gegenwartig schoii
bedeutend giiostiger als 1932. Tmnierhin bleibt auf
dieseni Gebiet noch vie1 zu tun. Der Chemiker wird
hei den Einz~lheitenwichtige Dienste leisten konnen.
Es Iimdelt sicli in der Hauptsache uni zweierlei: erstens
einmal darutn, den dnbau . an Olfrucliten und 'die Produktion an gecigneten tierischen Fetten in Deutschland
so zu steigern, dai3 dainit die Margarinefabrikation nicht
niehr auf auslindisclie Rohstoffe angewiesen ist; zweitens
darimi, die Futtertnittelproduktioti so zu gestalten, dai3
der einheimiwhen Landwirtschaft geniigeii'd (und ausreichend billige) Futtermittel ziir Verfugung stehen, um
die Fleisch- uiid Milchprodulition noch erheblich aunzutl ehn en.
Mit der Frage der Futtermittel liiiiigt auch zuin
groBen Teil die Eiervrrsorgung zusamnien. Auch hier
klaffen noch gewaltige Liiclten, die bis i n die jungste
Zeit hinein nur durclt hohe Einfuhr uberbruckt werden
ko tin ten,
E i e r (in 1000 t):
Iulandische Produktion .
Einfuhriiberachufi . . .
Gesamtverbrauch . . .
davon inland. Prod. (in
1923
. . 219
147
. .
. . 366
%)
60
1928
274
182
456
60
1929
295
174
469
63
1932
311
144
455
68
Angewandte Chemie
[47.
.Jahrg.1934.Nr.20
Sicher wird sich in der nlchsten Zukunft der Verbrauch an Obst und Gemiise noch erheblich ausdehnen.
Vor allem der Obstverbrauch ist ziemlich ,,elastisch",
d. h. e r hangt ziemlich stark von der Einkommensentwicklung ab. Rechnet man hinzu, dafi es mehr und inehr
gelingen mui3, auch die eingefiilirten Sudfriichte durch
einheimisches Obst zu ersetzen (in erster Linie ein Problem der Sorteii und der Konservierung), so ergibt sirh,
dai3 der Bedarf an Obst wahrscheinlich gewaltig wachsen wird.
Zusammenfassung.
Die Teudenz zur Selbstversorgung Deutschlands mit
Nalirungsmitteln hatte in den hinter uns liegenden Jahren
bereits erhebliche Fortschritte gemacht. Die Erfolge beruhten aber zum grofien Teil uur darauf, dai3 auf der
einen Seite der Verbrauch durch Krise un'd Depression
gesunken oder jedenfalls nicht dem natiirlichen Wachstum entsprechend gestiegen war, wahrend auf der anderen Seite die Landwirte unter deni Druck der sinkenden
Preise gezwungen waren, moglichst grofie Mengen ZII
produzieren und auf den Markt zii bringen. Wenn sich
nun in den kommenden Jahren die Nachfrage mit wachsender Bevolkerung und zunehmendem Wohlstand erhoht, konnten wieder einpfindliche Liicken entstehen.
Die Hauptaufgabe besteht dabei darin, die Versorgung mit Veredlungsprodukten, d. h. in der Hauptsache die Versorgung mit Fleisch, Molkereierzeugnissen,
Fetteu und Eiern vom Ausland unabhiingig zu machen.
Es gilt aber nicht allein die Einfuhr an diesen Produkten
selbst durch heimische Erzeugung zu ersetzen. Es kommt
entscheiden>d darauf an, dafi die Erzeugung dieser Produkte nicht mehr mit fremden, sondern mit heimischen
Futtermitteln und Rohstoffen durchgefiihrt werden kann.
Wie grofi der Bedarf an Futtermitteln ist, der dabei
crsetzt werden mui3, zeigen folgende Zahlen :
E i n f u h r i i b e r s c h u D (in lo00 t),
Getreidefuttermitteli)
1925 . . .
1668
2783
1928 . . .
1929 . . .
1741
1932 . . .
1205
Hulsenfriichte2)
14,3
33,4
38,l
23,8
Fischniehl
46
94
118
79
Ohne Zweifel wird der Eierverbrauch noch stark
1 Fultergerste, Futterhafer, Futtermdls, Reisabfalle und Hirse
steigen, wenn es die Kaufkraft der stadtischen Bevolke21 Futterbohnen, Wicken, Lupinen
rung zulafit. Denn der Eierverbrauch ist in Deuts~hlan~d
im Verhaltnis zu seiner Bevolkerung gegenwartig ziemDazu kommt, was das Wichtigste ist, der ganze Belich niedrig, im Vergleich etwa mit anderen Landern darf an 8 1 k u c h e n , der bisher zum allergrofiten Teil
(England, U.S.A.).
eiagefiihrt werden mufite, und der Bedarf an pflanzlichen
SchlieBlich nocli die Versorgung mit Obst un,d Ge- Olen und Tran fur die Margarineproduktion, der bisher
tniisen. Selbst wenii inan die Sudfriichte ganz aui3er Be- gleichfalls zum allergroi3ten Teil aus dem Ausland betracht lafit, werden von deni gesamten Obstverbrauch in zogen wurde. Eingefiihrt wurden in der Hauptsache OlDeutschland selbst nur rund 80% hergestellt; alles ubrige fruchte und dlsaaten (in den letzten Jahren beinahe
stammt aus dem Auslansd. Bei 'der Gemuseversorgung 2% Mill. t, die dem Wert nach nicht ganz den zehnten
liegt die Quote etwas giinstiger. Immerhin mu5te auch Teil der gesamten deutschen Einfuhr ausmachten), aus
in den letzten Jahren noch inimer etwa der zehnte Teil denen einmal die pflanzlichen Fette fur die Margarinedes in Deutschland verzehrten Gemiises eingefiihrt erzeugung, dann aber auch die Olkuchen anfielen, die
die Landwirtschaft an das Vieh verfiitterte. An Tierfett
werden.
und Tran fur gewerbliche Zweclte sind 1932 noch rund
0 b 8 t (in 1000 t ) :
1925
1928
1929
1932 220000 t im Werte von nicht ganz 60 Mill. RM. eingeInlandhche Produktion . . . 1800
1800
2310
1800 fiihrt worden.
Einfuhruberachul3 . . . . . 389
477
441
481
Das Jahr 1933 hat gerade auf dem Gebiet der FutterGesamtverbrauch . . . . . 2189
2277
2751
2281
mittelversorgung gro5e Umwalzungen gebracht. Die
davon inland. Prod. (in % )
82
79
84
78
ganze Agrargesetzgebung des Nationalsozialismus verr i e m i i s e (in 1000 t ) :
sucht hier, die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu
Inlandische Produktion . . . 2691
2608
2704
2900 schaffen; vor allem auf dem Gebiet der Fettversorgung
Einfuhriiberschufi . . . . . 441
492
502
331
Gesamtverbrauch . . . . . 3132
3100
3206
3231 sind umfangreiche und durchgreifende Mafinahmen erdavou inland. Prod. (in % )
86
84
a4
90 griffen worden, um die Produktion an Fetten (pflanzlichen und tierischen), soweit es inoglich, zu steigern.
2) Vgl. hierzu da6 unter Futterlnittel Gesagte.
[A. 62.1
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