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Erste allgemeine Sitzung.

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1626
23. Henptversammlung Miinchen 1910.
schwierig, unterzukomnien. Socli sei benierkt, d a l ,
wenn nicht eine geniipende Teilnehnierzalil sich
findet, die Reise natiirlich unterbleibt."
I)r. Z a n n e r : ,,Wir haben schon zu Anfang
des Jalires die Angelegenheit der Ausstellung ins
Auge gefaBt; zwei Versammlungen in Briissel und
in .Intwerpen haben sich eingehend darnit beschaftigt. Wir hatten das groBe Projekt, den ganzen
Hauptverein nach Briissel einzuladen. Es m u l t e
natiirlich diese Angelegenheit sehr unter die Lupe
genomrnen werden, denn unser Privatverniogen ist
gering und groBen Anforderungen nicht gewachsen;
andererseits haben wir keinen EinfluD auf die Ausstellungsbehorde. Das einzige, was uns geblieben
wire, ist, ev. bei den1 Kommissar des Deutschen
Reiches zu intervenieren. Wir niulten demnach
von dem Gedanken abkornmen, den Hauptverein
offiziell einzuladen, und sind schlieBlich zu dern Entschlul3 gelangt, nur ein internes Fe?t.fiir den Bezirksverein Belgien zii veranstalten und zwar Ende
September. Wenn wir den Hauptverein eingeladen
und etwm geboten hatten, was niclit geniigte, so
ware daa ja eine Blamage fur lange Zeit gewesen.
Wir haben indessen davon a.bgesehen und beschlossen, daLi vor dem 15. Juni eine kleine Sotiz in der
Vereinszeitscbrift erscheinen sol1 - friiher wird
-.
doch die Ausstellung nicht fertig
in welcher wir
uns anbieten. denjenigen Herren vom Hauptverein.
die nach Briissel lionmen, in jeder \Veise behilflicli
zu sein."
V o r s.: ,,Wir sind dem Herrn Dr. B e r e n d
vom Aachener Bezirksverein und Herrn Dr. Z a n n e r
vorn Belgischen Rezirksverein sehr dankbar fiir die
Miihe, die sie auf sich nehmen wollen; die Geschaftsfiihrung wird alles tun. sie zu unterstiitzen. Ich
hoffe, d a l der Erfolg ein guter sein wird.
M. H. ! Wir sind am Schlusse unserer Verhandlungen; wir haben vie1 schneller als in friiheren
Jahren unsere Geschafte erledigt. Daa danken wir
in erster Linie Lhnen, die Sie so ruhig und gedulhg
zugehort und die Debatten so kurz wie nur rnoglich
gestaltet haben. Ich danke Ihnen herzlich dafiir."
Dir. C r e u t z : ,,M.H.! Wir haben in kurzer
Zeit ein reiches Progranirn erledigt; daa verdanken
wir unserem Vorstande und vor allem der tiichtigen
Leitung unseres Herrn Vora. Ich bitte Sie, zum
Zeichen Ihrer Zustimmung sich von den Platzen
zii erheben." (Geschieht.)
V o r s.: ,,M. H. ! Ich danke Ihnen im Xamen
des Vorstandes und schliel3e die Sitzung."
Erste dlgemeine Sitzung.
Uounerstag, den 19. Mai 1910.
Vors.: (kheiinrat Prof. Dr. D u i s b e r g :
.,Hoehanselinliche Festvewarnmlung! Konigliche Hoheit ! Werte Giistc! Liebe Kollegen! Zum
ersten Male seit rlern 23jahrigen Bestehen des Vereins deutscher Cherniker weilt dieser in Miinchen.
Viele v o n uns kennen und lieben diesen Sarnmelpunkt de ..tschen Wisrens und Konnens, deutsclien
kiinstlerischen S c h a f f e 11s und W i r k e n s ,das
Urbild deutscher Gemutlichkeit und Arbeitsamkeit
a n der Isar. Haben wir doch h e r die schonsten
Tage unseres Lebens, die Studenten- und Dienstzeit, verbracht, oder sind auf den Ferienwanderungen ins bayerische Gebirge und Salzkamrnergut,
oder .auf der Durclireise nach Tirol und Italien durch
diese frohliche Stadt gefahren. Wer aber konnte
es iibers Herz bringen, durch hliinchen zu reisen,
d i n e auszusteigen und einige Tage h e r zu bleiben.
Daher kennen wir es alle schon, das liebe Miinchener K i n d , nicht nur sein anmutiges AuUeres.
sondern auch sein gutes Herz, sein tiefes Gerniit.
Fast mijchten wir hier wie in Heidelberg init den1
Trornpeter von Siickingen singen: ,Auch rnir stehst
d u geschrieben ins Herz gleich einer Braut, es klingt
wie junges Lieben dein Name rnir so traut.'
Aber Miinchen ist nicht nur Hochschule und
Kunstqtadt, ea ist auch die Haupt- und Residenzstadt Bayerns, des zweitgroDten Bundesstaates im
deutschen Reich. Wenn auch immer und immer
w i d e r von uns anerkannt und gewiirdigt werden
m u l , was wir alles der mit Blut und Xisen gexhmiedeten Kinigkeit der deutschen Stiinime verdanken, so darf dabei doch nicht vergessen werden,
wie wichtig es war, und wie wertvoll es'heute noch
ist, daB bei der Griindung des deutachen Reichs
die Selbstandigkeit der Einzelstaaten erhalten blieb.
Unter andereni ist dadurcli verhindert norden, daB.
wie es sonst in fast allen anderen Staaten der Fall ist,
die Hauptstadt der alleinige Samrnelpunkt wissenschaftlicher, kiinstlerischer und gewerblicher Interessen wurde. Dadurcli ist es rnoglich geweaen,
da13 neben Berlin die Residenzstadte der groBeren
Bundesstaaten nicht stelien blieben oder gar zuriick
gingen, sondern sich je nach ilirer Eigenart entwickeln und entfalten, ja in vielfaclier Beziehung
die Hauptstadt des deutschen Reiches iibertreffen
konnten. Ganz besondera was Wissenschaf t, Kunst
und Kunstgenerbe angeht, ist dies dank der Pflege,
welche ihnendie Mitglieder des Kijniglicli Bayerischen
Hauses und an der Spitze desselben, Se. Konigliche
Hoheit der Prinzregent .L u i t p o 1 d, zuteil werden
lieBen, hier in Miinchen der Fall. Deahalb ist es
uns C.hemikern auch eine hohe Ehre und Freude,
und wir betrachten es als eine.ganz besondere Auszeichnung, auf unserer diesjahrigen Hauptversamnilung Se. Konigliche Hoheit. den Prinzen L u d w i g
von B a y e r n begriilen zu konnen.
Indem wir Sr. Koniglichen Hoheit fjir die Teilnahme an unserer Versammlung herzlicbtsn Dank
abstatten, wollen wir in gewohnter W e k auch des
Schirmers dieses Landes Sr. Koniglichen Hoheit,
des Prinzregenten Luitpold von Bayern; und des
Mehrers des Reichs, des Deutschen Keiaers Wilhelm II., gedenken, indem wir folgende "618gramme
zur Absendung bringen.
Seiner Koniglichen Hoheit
dem Prinzregenten Luitpold von Bayern
B e r c h t e s g a d e n.
Eurer Koniglichen Hoheit, dern hohm Borderer
von K u m t und Wissenschaft, dessen' Hbupt- und
1627
23. Heuptversammlung Miinchen 1910.
SXUI. Jrhrgaog.
Haft 84. 28. Ailmist 1910.1
Residenzstadt Munchen wit jeher der g r o h n deutachen Chemiker Arbeitsstatte war, bringt der Verein
deutscher Chemiker gelegentlich seiner Hauptversamxnlung ehrerbietigste Huldigung dar.
1. A.: Geheimrat. D u i s b e r g ,
Vorsitzender.
Seiner Majestat deni Deutschen Kaiser
London.
Eurer Majestat, dem machtvollen Schirmherrn
friedlicher, auf wissenschaftlicher Forschung beruhender gewerblicher Arbeit bringt der Verein
deutscher Cheniiker gelegentlich seiner Hauptversammlung ehrerbietigste Huldigung dar.
I. A.: Geheimrat D u i s b e r g ,
Vorsitzender.
D a d ich Konipliche Holieit nunnielir bitten,
das Wort zu nelimen."
Seine Konigliche Hoheit Prinz L II d K i g v o n
B a y e r n : ,,I& bin gebeten worden: einige \Vorte
an Sie zu richten. Wie ich zu dieser Ehre komme,
weil ich eigentlich nicht, d a ich gar nicht Chemiker
von Beruf bin. Ich bin aber, wenn auch nicht der
.iilteste, wohl aber einer der iiltesten hier Anwesenden, die Chemie gehort haben, und zwar bei deni
unvergeBlichen L i e b i g. War er doch derjenige,
der der Clieinie einen bis dahin unbekannten Einflu13 auf unser ganzes Leben eroffnet hat. Sicht.
da13 er etwa prinzipiell S e w s gebraclit Iiitte, denn
die C!hemie ist. ja riralt. und die Einwirliung der
Cheniie spiiren n i r ja in der toten und in der leben.den Natur. und es ist kauin ein Vorgang in beiden
Gebieten vorhanden, der nicht auf clieniischer Kinwirkung beruiit. W a s er aber geschaffen hat., das
war der Einflull auf das praktisclie Leben. Icli
miiclite d a speziell a.uf die Landwirtschaft hinweisen.
die aus einer rein empirischen oder uberaiegend
empirischen Wissenschaft eine auf festm Grundlagen beruliende geworden ist. E n d das danken
wir in erster Linie L i e b i g und seinern System,
.daD man dem Hoden das wiedergeben iiiuW, was
ihrn die Landwirtscliaft ent.zogen hat.
Wir feiern heute auch noch eine andere Personlichkeit, den SaclifoIger L i e b i g s. den Hewn Geheimrat v o n H a e y e r der allerdings nach Miinchen gekommen ist. als icli nicht inelir Chemie
studierte, aber der heuer sein Jubeljalir feiert, und
.dessen Wirksainkeit fiir die Chemie und das praktische Leben eine kolossale gewesen ist. Ich kann
Ihnen ja nichta Seues sagen, aber darauf iniiclite
ich aufmerksani machen, Rorgen Sie dafiir, daB die
Chemie auch dalun wirkt, daO die vielen Iastigen
Abfallstoffe, die insbesondere die Industrie, aber
auch das menschliclie und tierische Lebefi mit sich
bringt, auf eine Art verwendet nerden, daB sie der
Allgemeinheit niitzlich und nicht schiidlich sind.
Wir haben schon groDe Fortschritte gemacht, stehen
aber noch vor einer gro13en und schweren Aufgabe.
Ich erinnere an den Rauch und a n die schweflige
Siiure, die den Essen ent.weicht und auf weite
Strwken groOen Schaden anstiftet; ich erinnere a n
die h e i t i g u n g der Abfallstoffe insbesondere der
grobn S t a t e , die ja ungemein wertvoll sind, aber
in der Art, wie sie jetzt bemitigt werden, eine Beliietigung der Fliisse und Wasserlaufe mit sich bringen. Wir sind ja im Fortschreiten begriffen, und
~
ich wiinsclie. daB da aucli noch Fortschritta geniaclit, werden. Es ist ja in der Beziehung schon
ungeheuer vie1 geleistet worden. Wenn man bedenkt, was man seit Beginn der lndustrie allea getan
hat, uni deren lastige Abfallstoffe moglichst wait
wegzubringen, und wei13, daB aus dieaen Abfdlstoffen jetzt hochst wertvolle Substanzen gewonnen
werden, so sollen wir die Hoffnung nicht sinken
laasen und niit vereinten Kraften dahin wirken, daS
das, was uns jetzt lastig fiillt, Zuni Vorteil fiir die
Menschheit umgewandelt. wird.
M. H . ! Sie sind zuin erstennial als Chemiker
hier in Miinclien, d. 11. als C'heruiker-Vemmmlung,
denn vide von Ihnen haben wohl in ihrer Studienzeit hier geneilt. Icli w-iinsclie, daB Sie sich in
Bayerns Hauptstadt wohl befinden und eine angeriehme Erinnerung mit sich nach Hause nehmen
werden. '' (,Lebhafter Beifall !)
V o r s.: ..Ich darf Liirer Koniglichen Holieit
den allerherzlichsten Dank des Vereins deutscher
C'hemiker uiid der ganxen Versamnilung dafiir aussprechen, daU Sie so schone und inhaltreiche Worte
an uiis gerichtet haben. lcli da.rf wohl stagen, dab
a i r praktischen Chmiiker die gegebenen Anreguiigen in der Zukunft nicht ncir befolgen werden,
sondern auch in der Vergangenheit schon immer
befolgt haben, indeni wir nicht nur produktiv tiitig
waren, Seues zu scliaffen, sondern auch darauf bedacht sind: alle bei der Pabrikation entstehenden
Setienprodukte zii beseitigen oder hesser zu verwerten. \vo irunier dies nur nioglich ist. Leider ist
iins liier aber ein Ziel gesetzt. nann hilft nur die
Verdiinnung sowohl, was die Luft. betrifft, in bezug
auf die Abgase, wie was die Abwasser betrifft, in
bezug auf die FluWlaufe.
\Vir sind Eurer Konigliclien Hoheit auDerordentlich dankbar, daO Sie gerulit haben, uns durch
Ilire Anwesenhdt nnd durch eine Ansprache zu
srfreuen.
Meine hochverehrten Daiiien und Herren! Weilten die ineisten von uns sclion oft in diesen Mauern,
so ist es uns diesmal besonders wertvoll und angenehm, als 3lit.glieder des Vereins deutscher Cheniiker hier zu sein. Hat doch unsere Wissenschaft,
die C'hemie, der wir unctere Stellung ini Leben verdanken, in Miinchen ihren ersten und vornehmsten
P1at.z in hutschland. Hier hat der groBte deutsche
Chemiker, J u s t u s v. L i e b i g , gelebt und gelehrt.. Hier hat. der g r o k Chemiker 31 a x v o n
P e t t e u k o f e r unsere Wissenschaft in den Dienst
der Hygiene und Medizin gestellt. Darum haben
wir heute Zuni Andenken a n diese G r o 13 e n im
Reiche unserer Wissenschaft ilire Denkmiiler auf
dem Maxiniiliansplatz mit Lorbeer geschmiickt.
Hier in Miinchen lebt und lehrt heute noch, zu
unser aller groBer Freude, der bedeutendste Forscher auf dem Gebiet der organischen Chemie, unser
Altmeister A d o 1.f v. B a e y e r. Trotz seines hohen
Alters ist der Sachfolger L i e b i g s, unser groBer
A d o l f v. B a e y e r noch immer unermiidlich
von friili bis spat, lehrend und forscliend in Horsssl
und Laboratorium tiitig. W a s verdanken wir nicht
alles ihni?
Seit 50 J a l r e n leuchtet sein Kame als .Stern
erster GroBe ani chemischen Firmament der Welt.
Seine geist vollen Arbeiten haben Rissenschaft und
l'ecbnik gieichniaBig befruchtet, uiid ihrn verdanken
204
1628
_
1
23. IIauptvememmlung Miinohen 1010.
wir mit in erster Linie die hohe Stellung, welche
unsere Wissenschaft und unsere chemische Industrie
in der Welt einnimmt. Seine groBen Erfolge beruhen auf der Fahigkeit, die ihm in so reichem
MaBe eigen ist, zuerst die Katur in ihrem Walten
und Wirken zu belauschen, sie darauf zu meistern
und ihre chemischen Kriifte der Wissenschaft und
der Technik dienstbar zu machen. So brachte er
es fertig, daB wir nicht nur zahlreiche wichtige
Industrieprodukte, die die Ka.tur erzeugt, auf s y n thetischem Wege herstellen, sondern noch besseres,
schoneres und vollkommeneres an ihre Stelle setzen
konnten.
h'eben dem Wissenschaftler und Forscher bewundern wir in ihm aber auch den groBen Lehrer.
Kein anderer Dozent kann auf eine solche Zahl
von in Wissenschaft und Technik tiitigen Schiilern
blicken, wie A d o 1 f v. €3 a e y e r. Keiner h a t so
viele Chemiker ausgebildet., die spiiter an die Spitze
von Universitatalaboratorien und gewerblichen
Unternehmungen getreten sind, wie er. Gestehen
wir es offen. Als wir im vorigen Jahre in Frankfurt
a. M. in Aussicht nahmen, unsere diesjiihrige Hauptversammlung in Miinchen abzuhalten, da hat uns
i n erster Linie der Gedanke geleitet,, unserem Lehrer
und Meister, unserem bedeutendsten Ehrenmitglied,
dem ersten Triiger unserer goldenen Liebig-Denkmiinze unsere Huldigungen darzubringen.
Gerade in diesem Jahre wollten wir ihm nahe
sein, wo er soeben a m 8. Mai in aller Stille das
!%jiihrige Doxentenjubilaum begangen hat. Wir
wollten bci ilim sein und ihm die Hand driicken.
weil er demnachst das 75. Lebensjahr erreicht, aber
noch Schmerz und Trauer um den Verlust seiner
trauten Lebensgefahrtin - unserer Freundin und
der Freundin vieler seiner Schiiler - seine Stirn
umflort. M o p er, unser A d o I f v. B a e y e r , uns
allen, seinen Freunden, seinen Schiilern, der Wissenschaft und der Technik, ja den1 ganzen deutschen
Vaterlande noch lange in derselben Riistigkeit d w
Geistes erhalten bleiben, nie n i r ihn heute in unserer
Mitte vor uns sehen.
Drum Heil, dreimal Heil und herzlichsten WillkommengruB unserem hochverehrten Meister und
Lehrer. (St.iirmischer Beifall.)
Hochverehrte Exzellenz! Gestatten Sie. daB
ich zur Erinnerung an diesen Tag und a n Ihren
demnachstigen 75. Geburtatag Ihnen, meinem hochverehrten Lehrer, den1 ich soviel verdanke, heute
eine ganz personliche Huldigung darbringe, indem
ich eine A d o l f B a e y e r - P l a k e t t e stifte,
die, mit Ihrem Bildnis versehen, mit Einwilligung
des Vorstandes demjenigen verliehen werden soll,
dem alle zwei Jahre die Zinsen der von mir aus
AnlaB rneines vorjahrigen Geschiiftsjubiliiums dem
Verein gemachten Stiftung fur die beste Arbeit auf
dem Qebiete der Farben- und-pharm. Chemie, alno
der organischen Chemie, zufallen. .Zu diesem Zwecke
habe ich heute daa Stiftungskapital um loo00 M
auf 30 OOO M erhoht und merde mir gestatten, Ihnen
demnachst daa erste Exemplar in Gold zu iiherreichen.
Ich bitte nunmehr, Se. Exzellenz Herrn Geheimrat A d o l f v. B a e y e r daa Wort zu nehmen."
Geheimrat A d o 1 f v. B a e y e r , Exzellenz:
,,Hochansehnliche Veraammlung! Ich. sollte nun
eigentlich wohl mich bedanken fur all daa Schone,
[*,8?&dYcLa.
was Sie von mir gehort haben.' Das ist aber eine
sehr d l i c h e Sache, und ich will es lieber mit Stillschweigen iibergehen und gleich zu meiner eigentlichen Aufgate fichrriten, die darin besteht, daB
ich den ehrenvollen Acftrag habe. den Verein deutscher Chemiker im Namen dea Ausschusses hier in
Miinchen zu begriikn.
Mir wird daa nicht schwer, denn als im vorigen
Jahr die Sachricht kam, daB der Verein seine
Hauptversamnilung hier in Miinchen abhalten
wollte, d a war eitel Jubel im Laboratorium. Dieaer
Jubel erklart sich dadurch. daB, wie ich fiir die
Nichtchemiker hier bemerken will, der Verein deutscher Chemiker wesentlicli ein Verein praktischer
Cheniiker ist, dem auch nissenschaftliche Chemiker
angehoren, aber der doch im wesentlichen die Anwendung der Cheniie vertritt; und in dieser Beziehung lehen wir hier in Miinchen eigentlich auf
einer Art von Insel. Das einzige Band, daa uns
mit der chemischen Industrie verkniipft, ist ja allerdings ein schones, daa ist die Bierbrauerei. (Heiterkeit.) Aber im iibrigen will eine chenlische Industrie
in Miinchen nicht recht gedeihen. Es liegt wohl
an der geograpliiischen Lage, daB namentlich der
Westen unseres Vaterlandes uns darin sehr weit
iiberfliigelt hat. Also offen gestanden, der wissenschaftliche Chemiker lebt hier in Miinchen gewissermaBen auf einer Insel, wie es die alte Vorstellung
von der Welt war, einer Insel, umflossen von einem
groDen Meere von Bier. (Heiterkeit..) Komrnt dann
endlich einrnal eine Veranlassung nie die heutige,
die uns so liebe G L t e aus der praktischen Chemie
bringt, so freuen wir uns und begriiBen das mit
besonderer Liebe und Dank, und so haben wir uns
die ganze Zeit iiEer schon gefreut, daB wir die
Herren Vertreter der angewandten Chemie hier
sollten bewillkomrunen und begriillen konnen.
Das hat auch noch einen anderen Wert. I m
allgemeinen pflegt man ja eine groI3e Hochachtung
vor der Wissenschaft. zu haben, und es ist gute
Sitte, sie sich so vorzystellen, als wenn das nur etwas
ganz besonders Schones und Hohm w-are. Wenn
man aber so recht zusieht, so ist es niit dem Gebaude unserer Wissenschaft doch eine eigene Sache.
R i c a r d a H u c h hat in ihrer Geschichte der
Romantik gesagt: ,,Die Wissenschaft ruht auf dem
Unbegreiflichen, je weiter-man vorwarts schreitet,
um so mehr sieht man, daB das Fundament unter
unseren FiiBen schwankt. und zittert." Wir wissen
nicht, was Materie ist. Wenn man dem Laien ein
Messer zeigt.. dann sagt er: Das ist Eisen. Aber
ich sage: Ich weiB nicht, was das ist; denn das Eisen
besteht aus Atomen, und was Atome sind, weiB ich
nicht. ich weiB also auch nicht. was das Ganze ist.
Das veriteht der h i e allerdings nicht, der sagt:
Daa ist doch eben Eisen.
Soch vie1 schlimmer sieht es niit der Physik
aus. Das Publikum denkt sich immer, daO in der
Physik alles ganz sonnenklar ist.. Aber je weiter
wir fortachreiten, umso unklarer wird alles, urn SO
mehr schwankt das Fundament. Daa Publikum
allerdings fordert etwas Festes. Da hat der verstorbene Prof. L o m m e 1 hier zu der Zeit, &IS
R o n t g e n seine Strahlen entdeckt hatte, einenvortrag vor dem B'inanzauaschuB des Landtagea gehalten; er wollte damit erreichen, daO der FinamausschuB ihm Geld fur die Beschaffung der notigsten
XXIU. Jshrgang.
€id?
84. %. August 1910.1
23. Hnuptverssmmlung Miinohen 1910.
Apparate bewilligte. So waren damals die Zeiten.
Nachdeni der Prof. L o m in e 1 seine Rede geredet
hatte, kani der Vorsitzende des Finanzausschusses
zu ihm heran. L o in m e 1 sagte: Na, bekornnie ich
nun auch das Geld? Ja, Herr Professor, sagte der
andere, wissen Sie denn, was Elektrizitat eigentlich
ist. Nein, sagte L o m m:e 1 , das weiB ich nicht.
Dann kriegen Sie auch kein Geld. (Heiterkeit.)
So sieht es in den Augen des Publikums aus. Bei
uns ist eine tiefe Resignation einget.reten; wir sehen
gar keine Moglichkeit ein, uns von der Xatur der
Dinge eine wirkljche Vorstellung zu machen; weder
das Atom, noch der Ather, noch die Elektrizitat
sind uns verstandlich; je weiter das Vordringen,
urn so ferner scheint uns der Gegenstand, und wir
kommen imrner naher zu den alten Vorstellungen
der griechischen Philosophen zuriick, daO das, was
wir von der Natur sehen, nur Schatten sind. Es
i..t daher fur den Theoretiker ein erhebendes Gefiihl,
den Blick auf des praktische Gebiet zu werfen, auf
dem die Menschheit so g r o k s geleistet hat. Der
Techniker behemcht die Puatur, gestiitzt auf die
Wissenschaft, welche sicherlich ein besseres Kopfkissen ist, als das Unbegreifliche, auf dem die
Wissenschaft r u ht . (Heiterkeit.)
Jetzt gehe ich zum zweiten Teil rneiner BegriiDung iiber. Ich rnochte Ihnen gern erzahlen,
wie ich hier in Miinchen aufgenommen worden bin.
Den Umstand, da5 ich hier Nachfolger von
L i e b i g geworden bin, verdanke ich der Elberfelder Industrie. Die Meisten werden denken, daO
das mit den Farbenfabriken meines Namens,
F r i e d r i c h B a y e r , zusammenhingt, das ist
aber nicht der Fall. DaB das Publikum wirklich
so denkt, will ich Ihnen beweisen. Es war im!Jahre
1900 bei Gelegenheit der R;aturforscher-Versammlung in Aachen. Da kam V i r c h o w auf mich zu,
der mich von Kindesbeinen an gekannt hatte, und
eagta zu mir: Jetzt habe ich aber Achtung vor Ihnen
bekommen. Nun, sagte ich, Herr Geheimrat, das
ist ein bil3chen spat (Heiterkeit), aber warurn haben
Sie denn jetzt erst Achtung vor mir bekommen?
Ja, sagte er, als ich durch Elberfeld fuhr, und ihre
vielen Darnpfschornsteine sah . . . (Heiterkeit.) Ich
habe ja mit den Farbenfabriken driiben in Elberfeld nichts zu tun, aul3er daB niich innige Freundschaft mit den Direktoren verbindet..
Ich komme jetzt w i d e r darauf zuriick, wie ich
hier in Miinchen Nachfolger von L i e b i g geworden
bin. Das ging folgenderrna5en zu: In Elberfeld war
eine Schwester von rnir verheiratet an den Professor
am Gymnasium, R i b b e c k , der spiiter in Leipzig
geatorben iat. Er lud Freunde der Familie ein, unter
anderen einen Kattundrucker, A d o 1 f S c h 1 i e p e r , welcher nocli bei L i e b i g in Gie5en gearbeitet und die Arbeiten von L i e b i g und
W o h 1 e r iiber Harnsaure fortgesetzt hatte. Diese
Arbeit verlief im Sande. E r hatte noch eine Menge
Praparate und gab mir einige Medizinschachteln.
Auf der einen stand H ydurilsaure, auf der anderen
Dilitursaure, auf der dritten Pseudoharnsaure. Die
sollte ich einmal untersuchen. Diese Sixhen nahm
ich mit nach Gent zu meinern Lehrer K e k u l k
und habe dann angefangen, dort darsn zu arbeiten.
Als nun im Jahre 1873 L i e b i g starb, wurden
Vorschliige wegen seines Nachfolgers gemacht. In
enter Linie wurde K e k u 1 6 genannt., in zweiter
'
-
1629
Lime H I a s i w e t z , in dritter Linie ich. Ich erkundigte mich: warurn ich auf der I.iste stande und
erfuhr, L i e b i g hatte irnrner davon erzahlt, daB
ich seine Arbeit iiber die Harnsaure fortgesetzt
liiitte. So verdanke ich also dem Herrn S c h 1 i e
p e r aus Elberfeld, daB ich hier stehe und vor
Ihnen eine Rede halten kann. (Heiterkeit.)
Mein Kommen nach Miinchen hatte dann noch
eine andere Seite. Ich war 7 Semester in StraDburg,
war rnit einer der Griinder der Univemitiit StraBburg und nach so kurzer Zeit fortzugehen, als der
Ruf wirklich an mich gelangte, das wurde mir recht
schner. Es kam mir wie eine Art Fahnenflucht vor,
da damals noch kein anderer der Kollegen Stra5burg verlassen hatte. I n nieiner Herzensangst reiste
ich nach Berlin, ging in daa Reichsarnt, das die
Regierung iiber ElsaO-Lothringen fiihrte, stellte
mich dem Referenten vor und klagte ihm meine
Not. Ach, sagte der, wenn Sie gehen, dann nehmen
wir eben einen anderen. (Heiterkeit.) Ich sagte:
Herr Geheirnrat, noch nie in meinem Leben hat mir
jemand so etwas Angenehmes gesagt. (Heiterkeit.)
Ich reiste nach Miinchen, wurde von dem damaligen
Kultusreferenten Herrn v o n V 6 1 k aufs freundlichste aufgenommen. Er 1ud mich gleich zum Diner
ein, feierte mich mit Stromen von Sekt, kurzum
ich war iibergliicklich und stolz darauf, Nachfolger
des beriihmtesten Chemikers Deutschlands zu werden.
So wurde ich aufgenommen. Allerdings war
das, was ich hier vorfand, nicht gerade sehr gliinzend. AuBer dem gro5en Namen L i e b i g war
eigentlich gar nichts vorhanden. Ein Laboratorium
auch nicht, denn L i e b i g hatte sich, als er hierher
kam, ausgemacht, daB er keinen chemischen Unterricht zu erteilen brauchte; er lebte ganz fur seine
praktischen Ideen, fur landwirtschaftliche und in.
dustrielle Aufgaben. Das Laboratorium war in den
Raumen des kleinen Auditoriums; die Herren, die
hier bekannt sind, wissen, wie groB das ist. Das
war das ganze hboratorium. Wenn man hineinblickte, sah ea aus, wie eine Folterkammer, nicht
wie ein cbemisches Laboratorium. I n dem Laboratorium gab es weder Studenten noch Assistenten,
nur 2 Diener waren da, von denen will ich noch eine
kleine charakteristische Geschichte erziihlen. Ich
revidierte die Biicher iiber die Ausgaben fiir das
Laboratorium und stie5 da auf die sonderbarsten
Sachen: So und so viel Kilo Mehl, Eier, Butter,
Rosinen, kurz allea Mijgliche. Ich rufe einen der
Diener und sage: Horen Sie einmal, wie kommt
denn das unter die Laboratoriumsrtusgaben? Ja,
sagte der, unser Chef, der Herr v o n L i e b i g ,
hat kiinstliche Siiuglingssuppen gemacht und kiinstlichen Rahrn und kiinstlichen Kaffee, und da haben
wir Diener versucht, kiinstlichen Gugelhopf zu
machen. Ich gewiihrte den Dienern fiir diesen guten
Witz Verzeihung und habe die Sache nicht weiter
verf olgt.
Die Unterrichtsverwaltung und der Referent
haben ea nicht bloB rnit einem schonen Diner bewenden lassen, sondern haben mich in der ganzen
Zeit auf das Wohlwollendste und Fhgiebigste unterstiitzt, so daD es moglich gewesen ist, auf diesem
wegen seiner geopraphischen Lage nicht beaonders
giinstigen Boden ein g r o h und viel beauchtes
Laboratorium zu errichten.
1630
23. Hsuptversammlung Miinahen 1910.
Wenn ich auf die 35 Jahre meiner Tiitigkeit
hier in Miinchen zuriickblicke, so kann ich sagen:
Es war eine sclione &it, und ich wiinsche, daB,
wenn Sie Munchen wieder verlassen, Sie von Ihrem
Aufenthalt auch sagen mogen: Fa war eine sclione
Zeit." (Lebhafter anhaltender Reifall.)
V o r s.: , , h e r Exzellenz werden auf den Gesichtern aller Anweaenden geaehen und gelesen
haben, welche groBe Freude Sie uns niit Ihrer Ansprache machten. Sie haben den heutigen Tag zu
eineni chemisch-historischen gestempelt , der uns
unvergeBlich sein a i d , und dessen wir in der Geschichte unseres Vereins ganz beaonders gedenken
werden. Wenn Sie der Meinung waren, Miinchen
sei zurzeit eine von Bier umflossene Insel der,Wissenschaft ohne Industrie, so lioffe ich, w i d die Zeit
nicht allzufern sein, wo vermoge der ErschlieBung
der bayerischen Wasserkriifte es doch gelingt, eine
chemische Industrie nach Miinchen oder in seine
Nahe zu ziehen. (Bravo!)
Nun, meine hochverehrten Herren, begriikn
wir am heutigen Tage auBerdem von unseren Ehrenmitgliedern den Herrn Geheimrat Prof. Dr.G r a e b e,
dem wir im ,vorigen Jahre in Frankfurt a. M. unsere
hiichate Auszeichnung, die Ehrenmitgliedschaft verliehen haben, und den friiheren langjahrigen Vorsitzenden unseres Vereins, H e m Medizinalrat Dr.
E. A. M e r c k aus Darmstadt, der uns seit kurzem
seine Tochter, welche Chemie studiert, als jiingstes
Vereinsmitglied zugefiihrt hat, und so auch nach
dieser Richtung hin vorbildlich fur viele Viiter
wirkt. (Heiterkeit. )
Leider ist das iilteste unserer Ehrenmitglieder,
Herr Geh. Regierungsrat Prof. Dr. J a k o b V o 1 h a r d zu Halle a. S. inzwischen abberufen worden,
nachdem er noch kurz vor seinem Tode daa Lebensbildseineshhrers, J u s t u s v . L i e b i g , i n d e r
bei ihm gewohnten meistervollen Weise vollendet
und sich damit selbst einen nie verwelkenden
Lorbeerlmanz urn Haupt gewunden hat. Uns, den
friiheren und jetzigen Mitgliedern dea Vorstandes,
ist sein Tod besonders nahe gegangen, weilte er doch
viele Jahre als stellvertretender Vors. in unserer
Mitte, und hatten wir dadurch Gelegenlieit, ihn,
auch als Menschen, ganz beaondem zu wiirdigen. Hier
in Miinchen werden wir wieder an ihn erinnert, hier
war er im Friihjahre 1856 zuerst als Vorlesungsassistent L i e b i g s tiitig und habilitierte sich dann,
nachdem er bei A. W. H o f m a n n in London
in gleicher Eigenschaft amtiert und darauf bei
H e r m a n n K o 1 b e in Marburg gearbeitet
hatte, 1863 an der hiesigen Universitiit. Einen Ruf
als Professor f i i r Agrikulturchemie nach Turin
lehnte er ab, wurde dafiir aber 1869 zum Extraordinarius fiir organische Chemie ernannt. Schon
einige Jahre vorher, seit 1864, hatte er L i e b i g
vertreten und die Experimentalvorlesungen iiber
organische Chemie an seiner statt gehalten. Als
L i e b i g dam 1873 starb und auch schon wahrend
dessen Erkrankung wurde ihm interimistiscli die
Leitung des Lahoratoriums iibertragen, die im
Herbste 1375 auf den von StraDburg berufenen
Adolf B a e y e r iiberging. Zwischen dieseni und
dem um ein Jahr alteren V o I h a r d haben seitdern
die freundschaftlichsten Beziehungen beatanden.
€3 a e y e r iibertrug V o 1 h a r d die Leitung der
anorganischen Abteilung. ,Er wurde', wie Kollege
V o r 1 a n d e r in deni in unserer Zeitschrift erschienenen Nekrolog schreibt, ,Lehrer von Hunderten
von Srhiilern, die ihn wegen seiner geraden und
humorrollen, nohl auch ungestiimen, doch ininier
von Herzen kommenden, w.011 Iiiieinenden Weise
verehrten. wie keinen anderen. Die hohe Gestaltund die imponierende Erscheinung dcs Verstorbenen. der niit seinen ausdrucksvollen Augen oft mehr
als mit vielen Worten zu sagen wuBte, werden in
unserer Erinnerung fortleben.'
Dimes um die Wissenschaft und unseren Verein
so rerdienstvollen Verstorbenen und der iibrigen
Mitglieder unseres Vereins, die seit Frankfurt nicht
mehr unter uns sind, wollen wir gedenken, indem
wir uns von unseren Sitzen erheben. (Geschieht).
Und nun lassen Sie uns unsere GriiBe unseren
iibrigen Giisten bringen.
Werte Vereinsgenossen!
Wir haben die Freude, am heutigen Festtage
in unserer Mitte zu sehen:
Als Vertreter des Staatsministeriums den Vore.
im Ministerialrat, Se. Exzellenz H e m Ministerialdirektor Ritter v o n R a u c k.
Als Vertreter des Staatsministeriums des Innern
Herrn Ministerialdirektor R e v e r d y , H e m Ministerialrat S t e n g l e r , Herrn Ministerialrat Prof.
Dr. D i e u d o n n 6. , Herrn Regierungsrat v o n
G r u n d h e r r.
Als Vertreter des Kultusministeriums Se. Exzellenz Herrn Staatsrat Dr. v o n S c h a e t z.
Als Vertreter dea Justizministeriums Herrn
Ministerialrat Dr. U n z n e r.
Als Vertreter dea Ministeriums fur Verkehrsangelegenheiten Herrn Oberregierungsrat Dr.
G 1 e i c 11 m a n n , HerrnDirektionsrat Dr. C a s s ini i r.
Als Vertreter dea Kriegsministeriums Hefin
Hauptmann B e c k h.
AuBerdem begrunen wir Se. Exzellenz den
Staatsminister Herrn K r a f f t , Graf v o n C r a i l s h e i m und den Priisidenten der Generaldirektion
der Zolle und indirekten Steuern, Herrn Dr. Ritter
von Hoechstetter.
-41s Vertreter der Technischen Hochschule Se.
Magnifizenz Herrn Geh. Hofrat Prof. Dr.S c h r 8 t e r.
Als Vertreter des Magistrats dieser Stadt Herrn
Magistratarat H o r b u r g e r.
Als Vertreter der Handelskaninier Herrn v o n
P f i s t er.
Als Vertreter des deutschen Museums den
lebenslanglichen Reichsrat und Konigl. Baurat,
Herrn Dr. O s k a r v. M i l l e r .
Von b e f r e u n d e t e n Vereinen konnen wir
begrii0en:
Den Verein zur Wahrung der Interemen der
chemischen Industrie Deutschlands, vertreten duroh
Herrn C. G o p n e r .
Die deutsche chemische Geaellschaft, vertreten
durch Herrn Prof. Dr. 0. D i m r o t h.
Den Verein Chemische Reichsanstalt, vertreten
durch Se. Exzellenz Herrn Wirkl. Geh. R a t Prof.
Dr. A d o l f v o n B a e y e r .
Den Verband selbstandiger offentlicher Chemiker Deutschlands, vertreten durch Herrn Dr.
W o y , der g l e i c h z e i t i g auch
XXUI. Jahrgang.
Heft 84. 28. August 1810.1
23. Heuptveraammlung Miinchen 1910.
den Verein offent.lirlier analytisoher Cherniker
Sachsens vert ritt.
Die freie Vereinigung Deutscher Sahrungsniittelchemiker. vertreten durch Herrn Prof. Ih..
S e n d t n e r.
Den Ve.rein osterreichischer Chemiker. vertreten
durch Herrn Prof. Dr. W e g s c h e i d e r aus Wien.
Die Siederlandische Chemische Vereinigung,
vertreten durch Herrn Ingenieur Chemiker H.
B a u c k e aus -4msterdarn.
Den Verein Deutscher Ingenieure, vertreten
durcli Herrn Geheimrat Prof. Dr.-ing. C. R i t t e r
van Linde.
Den Dentschen Verein fiir den Schutz des gewerblichen Eigentums, vertreten durch Herrn
Patentanwalt ,M i n t z.
Den Verein der Deutschen Kali-Interessenten,
vertreten durch Herrn Bergassessor K a r a u.
Den Verein der Papier- und Zellstoffcherniker,
vertreten durch H e n n Dr. M ii 1 1 e r und Herrn
Prof. Dr. C. G . S c h w a I be."
Staatsrat Dr. v o n S c h a e t z : ,,Konigliche
Hoheit, hochansehnliche Festversammlung! I m
Namen der Konigl. bayerischen Stmtsregierung
und ihrer hier anwesenden Vertreter iiberbringe ich
der 23. Hauptversammlung des Vereins deutscher
Chemiker die besten GriiDe. Wir danken in erster
Link fiir die freundliche Einladung zu der heutigen
Festversammlung; der Herr Kultusminister im besonderen bedauert, daB er durch die Verhandlungen
im Landtage abgehaltan ist., der heutigen. Featversammlung beizuwohnen. Ich brauche wohl nicht
zu versichern, daB wir von seiten der Konigl. Staatsregierung Ihren Verhandlungen das groBte Interesse
entgegenbringen. Der Verein deutscher Chemiker
vereinigt in seiner imposanten, andererseits wohl
selten erreichten Mitgliederzahl Wissenschaft und
Industrie, Theorie und Praxis in sich. Welche Bedeutung die Chernie fur das gesamte offentliche und
Privatleben hat, brauche ich in diesem Kreise wohl
nicht besonders hervorzuhehen. Sie durchdringt
alle Berufe, alle Eirwerbrzweige; ey ist kaum zu
denken, wie unser Leben sich gestalten sollte, wenn
wir die Chernie nicht liiitten. Ich erwahne aus dem
Gebiet des offentlichen Lebens namentlich die Nahrungsmittelfiirsorge und die sonstige offentliche
Gesundheitspflege, iiberhaupt die offentliche Wohlfahrtspflege, die wesentlich auf die Chemie angewiesen sind. Daraus wollen Sie entnehmen, wie sehr
wir auf Seite der Regierung Ihren Verhandlungen
Interesse und Teilnahme bekunden. Es ist ja heute
schon hervorgelioben worden, daB der Verein der
deutschen Chemiker hier in Miinchen auf klassischem
Boden tagt, a n der Stat.te, wo ein L i e b i g , ein
P e t t e n k o f e r gewirkt, und ihrer Wissenschaft
die Bewunderung und die Anerkennung der ganzen
Welt eingebracht haben, an der Statte, wo der Altmeister der deutschen Chemie, Exzellenz Geheimrat
v o n B a e y e r , noch in so bewundernswerter
Frische seines Antes waltet.. Mogen Ihre diesjahrigen Verhandlungen von dem Geist dieser grol3en
Heroen der Wissenschaft getragen sein und mogen
sie einen gedeihlichen Fortachritt und ein ersprieBliches Ende nehmen; das ist der lebhafte Wunsch,
den ich namens der Koniglichen bayerischen Staatsregierung zu iiberbringen habe." (Lebhaftes Bravo!)
1631
-
Se. Magnifizenz der Rektor. der Technischen
Hochschule. Geh. Hofrat S c h r o t e r : ,,Konigliche Hoheit. liochansehnliche Veraammlung! Gestatten Sie mir nur ein kunes Wort der herzlichsten
BegriiBung, zu der ich die Berechtigung aus dem
-4mt eines Rektors der Technischen Hochschule
entnehnie, das ich gegenwartig zu fihren die Ehre
habe. Dasselbe legt mir Ihnen gegenuber auch die
Pflichten eineg Hausherrn auf, und ich freue niicli
ganz besonders, daB wir in der h g e waren, Ihnen
fur Ihre Tagung die Raume unsepes neuen chemischen Instituts zur Verfiigung zu stellen, die allerdings noch nicht ganz vollendet sind. Ich zweifle
nicht daran, daB die Einrichtung und die game
Anordnung vor Ihrer autorit,ativen Kritik in vollkommenen MaBe bestehen wird. Indem ich der
Tagung den beaten Erfolg nach jeder Richtung
wiinsche, gestatte ich mir als Gastgaschenk fur daa
-4rchiv des Vereins die Beschreibung des neuen
chemischen Instituts lhrem Herrn Vors. zu uberreichen. ''
Itechtsrat H o r b u r g e r : ,,KoniglicheHoheit,
hochansehnliclie Festversammlung! Mir ist der
ehrenvolle Auftrag geworden, die 23. Hauptversammlung des Vereins deutacher Chemiker namens.
der Haupt- und Residenzatadt Miinchen bei uns
willkommen zu heihn. M. H. ! Es hat uns unendlich
gefreut, daD die 23. Hauptversammlung Miinchen
als KongreDort gewiihlt hat. Zum erstenmal ist es.
der Fall, daB deutsche Chemiker in Miinchen tagen,
in Miinchen, das doch als eine Stadt der Chemiker,
als die Statte \vo L i e b i g , P e t t e n k o f e r und
B a e y e r gewirkt haben, einigermaDen eine Be-reclitigung hat, Chemiker bei sich zu beherbergen..
Es ist ja richtig, wir haben in Miinchen keine
chemische Industrie zu zeigen. Es hat insbesondere
die Stadt kaum Gelegenheit, sich irgendwie chemisch
zu betatigen, es sei denn, daD man die chemischen
Laboratorien ins Auge faBt., die wir in den Schulen.
und Krankenhiiusern eingerichtet haben, oder die
Gasanstalt, die man hier nennen diirfte. DaB aber
die St.a.dt.ein groBeu Interesse an der chernischen
Wissenschaft hat, das hat Se. Konigl. Hoheit Yrinz
Ludwig schon in t,reffendster Weise ausgefiihrt,..
Alle groBen Stadte Rind auf die chernische Wissen-.
schaft angewiesen, alle grollen Stadte warten rnit
Schmerz und Sehnsucht, daB ihnen die chemische
Wissenschaft an die Hand geht, ihre Abfallstoffe,.
die eine groBe Belastigung fur sie sind, bei Seite
zu schaffen.
&I. H.! Sie liaben fiir Ihre Tagesordnung ein
reiches Programm aufgestellt ;Sie werden eine Reihe
von Vort.ragen horen, die weit iiber Deutschlands
Grenzen hinaus Bedeutung haben; Sie werden innerhalb der Stadt Miinchen eine Keihe von Fabriken
besuchen, werden das Deutsche Museum sehen,
eine Schopfung, auf die wir Miinchener mit ganz
besonderem Stolz blirken. Als Vertreter der Stadt
Miinchen mochte.ich Ihnen aber zurufen: Vergessen
Sie nicht, daD Miinchen in erster Linie Fremdenund Kunststadt ist, und daB Sie manches hier sehen
werden, was Sie anderwarts kaurn oder nicht in
dem MaBe sehen konnen. Siitzen Sie die %it, die
die offizielle KongreBleitung iibrig IiiBt, recht dazu
&us, Miinchen niiher kennen zu lernen, und fassen
Sie den Vorsatz, recht bald und recht oft w i d e r
zu kommen; Sie werden uns imme r willkommen sein
1632
23. Heuptveraemmlung Miinchen 1910.
Ihren Verhandlungen aber wiinschen wir von Herzen
d e n groBten Erfolg." (Bravo!)
Handelskammerpriisident v o n P f i s t e r :
,,M. H. ! Xamens der Handelskammer Miinchens
entbiete ich der liohen Versarnmlung GruB und
Willkommen. Es ist noch nicht lange her, daB die
Handelskammer Se. Exzellenz den Herrn Geheimrat
v o n B a e y e r zu seinern 50 jahrigen Doktorjubi%um gratulieren durfte. Es kam damals zum Ausdruck, wie sehr Wissenschaft und Industrie in
Deutschland von dem BewuDtsein getragen sind,
daB in keineni anderen Lande die gegenseitige
Durchdringung eben von Wissenschaft und Industrie
i n so weitgehendem MaBe vorhanden ist, wie bei
uns. Diesem VerhaltniR zwischen Wissenschaft und
Industrie verdankt die deutsche Industrie zum
groDen Teil ihr Ubergewicht auf dem Weltmarkt
und nicht zum mindesten ist es gerade die deutsche
chemische Industrie, die davon ihre hohe Bedeutung
in der Welt herleitet. Dime Praponderanz ist Gegenstand unverhohlener Bewunderung und auch unverhohlenen Xeides bei allen anderen Volkern; uns
.aber gereicht sie zum groDten Segen; und namens
.der Handelskammer spreche ich den Wumch aus,
daB alle Zeit dieses gegenseitige Durchdringen,
dieses gegenseitige giinstige Verhaltnis f i r die wirt.schaftliche Verwertung dessen, was die Wissenschaft
vorbereitet hat., uns erhalten bleiben moge. Das
ist der Wunsch der kaufmannischen und indu.striellen Kreise, die ich hier vertrete." (Bravo!)
Prof. Dr. D i rn r o t h : ,,Konigliche Hoheit!
Hochansehnliche Versammlung! I m Namen aller der
xhemischen Gesellschaften Deutschlands, die der
Herr Vorsitzende so freundlich begriiBt hat, und der
niederlandischen Vereinigung von Chemikern habe
ich den Dank auszusprechen fur die freundliche
Einladung zu diesem KongreB. Von diesen Geaellschaften hat die eine sum Ziel die Forderung der
.chemischen Wissenschaft, die andere bezweckt die
Pflege der chemischen Technik, eine dritte bearbeitet
.spezielle Gebiete aus der angewandten Chemie,
wieder eine andere beriicksichtigt besonders die
physikalisclie Chernie, und wir alle sind zusammen.gekommen hierher, wo die Versammlung des Vereins deutscher Chemiker alle diese Interessen gemeinsam zusamrnenfaBt. Wir wiinschen diesem
KongreI3 vollen Erfolg, der nach den1 Programm
der Vortrage wie nach der Zusammensetzung der
.'Teilnehmer in Wahrheit die Symbiose von Wissen.schaft und Technik manifeatiert." (Bravo!)
Prof. Dr. W e g s c h e i d e. r : ,,Konigliche
Hoheit! Hochverehrte Festversamrnlung! Es ist
heut,e schon hervorgehoben worden, da5 Deutschland in der Chemie eine fiihrende Rolle hat, insbeaondere auch in der chemischen Industrie. Es ist
-cine anerkannte Tatsache, daI3 diese Rolle darauf
beruht, daI3 die Wissenschaft die Technik durch.drungen hat. Denken wir z. B., was uns hier nahe
liegt, an die Rrauerei. Auch in die Brauhauser hat
der Chemiker seither Einzug gehalten. Der Chemiker in der Brauerei unterscheidet sich von dem
alten Braumeister nur dadurch, daB er die Zufalligkeiten dea ganzen Gebietes auf Grund seiner
wissenschaftlichen Kenntnisse beaser beherrscht und
daher ein gleichrnaBigeres Produkt liefert; aber im
iibrigen macht er gerade so wie der alte Braumeister
.sein Bier atis Hopfen und Malz.
Es ist natiirlich. daD bei der Stellung, die
Deutschland in der Chemie einnimmt, eine ganze
Reihe von chemischen Vereinen sich gebildet hat.
So GrooOes manche dim: Vereine leisten, so nimmt
der Verein deutscher Chemiker doch eine ganz besondere Stellunq ein. Denn er ist nicht e i n e ,
er ist peradezu d i e Standeavereinigung der deutschen Chemiker. Man konnte vielleicht fragen, ob
die Chemiker iiberhaupt eine Standesvereinigung
brauchen. Die Chemiker, so stellt es sich das Publikum vor, sitzen doch in nachster Nahe der Quellen,
aus denen das Gold reichlich hervorsprudelt. Wer
aber die Verhaltnime niiher kennt. weiD wohl, daB
auch die Chemiker eine Standesorganisation brauchen. Die handwerksmaDige, schablonenhafte Arbeit, die auch in der chemischen Industrie nicht
fehlt, ist rnit Recht soviel wie moglich auf untergeordnete Hilfskrafte abgeschoben worden. Daraus
ergibt Rich aber, daB der Chemiker selber nicht
Schablonenarbeit zu leisten hat, und d a 5 daher
seine Aufgaben an den Scharfsinn und die Arbeitsh a f t die hochsten -4nforderungen stellen. Ein
Chemiker mittlerer Begabung kann in seinem Beruf
vie1 schwieriger zu befriedigenden Stellungen gelangen, als ein Mann mit mittlerer Eegabung in
den meisten anderen Rerufen. Daa ist in dem p O e n
Publikum wenig bekannt: daher der gro5e Zudrang
zu dem Studium der Chemie, der die Auasichten
des Chemikers in einer Weise verschlechtert, wie
sie nicht im Einklang stehen mit der groBen Bedet.tung dieses Standes und den groBen Leiitungen,
die er zu vollbringen hat.
Es gibt noch viele andere Schwierigkeiten, die
dern Chemikemtand zu schaffen machen; ich nenne
u. a. die Frage des geistigen Eigentums. Die
Kunstler und Literaten haben den Schutz des
geistigen Eigentums in einer Weise ausgebaut, daB
man fast schon fragen muB, ob man nicht gegeniiber dem Interesse der offentlichkeit e t w e zu weit
gegangen ist. Anders steht es bei dem geistigen
Eigentum in der chernischen Industrie. Ich will
nicht behaupten, daB die Liisung der Frage, die
das osterreichische Patentgeaetz gebracht hat, ohne
jeden Nachteil sei; jedenfalls liegt hier eines der
schwierigsten Probleme vor. Und so sehen Sie
wohl, daB die Standesorganisationen groBe und
wichtige Aufgaben zu erfiillen haben.
Der Verein osterreichischer Chemiker, den ich
hier zu vertreten die Ehre habe, verfolgt iihnliche
Ziele wie Sie. Es liegt in der Natur der Sache, d a B
solche Standesorganisationen nach den Staatsgebieten abgegrenzt sein miissen, denn die verschiedenen Gesetzgebungen &dingen natiirlich auch
ein verschiedenes Verhalten. Nur wo ea sich um
wissenschaftliche k'ragen handelt, liegen die Verhaltnisse uberall gleich. Aber auch der Schutz des
geistigen Eigentums ist in den verschiedenen Liindern verschieden geregelt. Wenn wir demnach auch
durchaus selbstandig vorgehen miissen, so ist es
doch fiir uns von hochstem Interesse, zu verfolgen,
in welcher Weise Sie den Schwierigkeiten beikommen, die Sie zu iiberwinden haben; denn es
ist klar, d a 5 daa Beispiel dea einen Landes immer
auf daa andere zuriickwirkt, besonders in unserem
Fall, d a die Mehrzahl der iisterreichischen Chemiker
deutscher Nationalitat ist und die regen Wechselbeziehungen ein fortwahrendes Hin- und Her-
X H I L Jahrgang.
Heft 84. 26.August 191O.l
wandern der Cliemiker hervorrufen. So haben wir
das liochste Interesse an Ihrer Arbeit. Darum
wiinschen nir Ihrer 'l'agung einen erhebenden und
frohlichen Verlauf ; denn Frohlichkeit gehort auch
dazu, daniit schlieBlich etwas Gutes herauskommt;
und diesem Wunsch entspringt auch die Freude
daran, daB unsere St.andesgenossen hier eine so
prachtige Organisation haben und ihre Interessen
in so wirksarner Weise wahrnehmen. Ich schlieBe
mit dem Wunsche: Der Verein deutscher Chemiker
moge bliihen, wachsen und pedeihen!" (Lebhafter
Beifall !)
Geheimrat v o n L i n d e : ,,Konigliche Hoheit.!
Hochverehrte Festversammlung! Ich habe die Ehre,
im Namen des Vereins deutscher Ingenieure den
Verein deutscher Chemiker bei seiner diesmaligen
Hauptversammlung zu begriiDen. Der Verein deutscher Chemiker und der Verein deutscher Ingenieure
sind Waffenbriider auf dem Gebiete der Auswertung
der erkannten, und wie wir es eben gehort haben,
auch der nicht erkannten Naturgesetze zur Schaffung von Grundlagen fiir das wirtschaftliche Gedeihen unserer rasch heranwachsenden Nation.
Ingenieure und Chemiker streben diesem Ziele' zu,
teils auf verschiedenen, aber vielfach untereinander
verbundenen StraBen und Wegen, teils auf gemeinsarnen StraBen. Ich brauche nur zu erinnern an
die modernen Errungenschaften der Elektrochemie
und der Thermochemie. Mogen die gegenwartigen
Verhandlungen einen Schritt vorwarts in dicqer
Richtung bedeuten, das ist der briiderliche Wunsch
des Vereins deutscher Ingenieure."
V o r s : ,,Wiinscht noch einer der Herren das
Wort? Das ist nicht der Fall! Dann, meine hochverehrten Caste, danke ich Ihnen herzlich im Xarnen
des Vereins fur die freundlichen Worte der Anerkennung, die Sie an uns gerichtet, und fur alles
Gute, das Sie uns gewiinscht haben.
Ich danke besonders auch noch den Vertretern
dieser Stadt, die uns fur fast 8 Tage in ihren gastlichen Mauern aufnehmen will, dem Vorstande des
deutschen Museums und der hiesigen Kunstsammlungen fur die liebenswiirdigen Einladungen, die
man uns zu Teil werden lieO, und vor allem dem
Ehren- und PestausschuD fur die schwere Arbeit,
die geleistet wurde, um die Vorbereitungen fiir den
Empfang zu allen featlichen und gevchaftlichen
Veranstaltungen in so vollendeter Weise zu treffen.
Es ist uns ganz besonders ein Herzensbediirfnis
Sr. Magnifizenz dern Herrn Rektor der 'Technischen
Hochschule den Dank des Vereins zu iibermitteln
fur die freundliche uberlassung dieser herrlichen
Riiume zu unseren allgemeinen Sitzungen und zu
den zahlreichen Sitsungen unserer Pachgruppen
mit ca. 60 Vortragen.
Waren wir schon im voraus iiberzeugt, daD
Miinchen uns freundlich aufnehmen und wir schone
Tage hier zubringen wiirden, so sind wir durch
den von Herzen kommenden Empfang unserer
hiesigen Kollegen, der Staats- und stadtischen Behorden, sowie nicht minder der hiesigen hochentwickelten und weltberiihmten Industrie, die zumeist
auf dem Spezialgebiete der Garungschemie beruht,
tief geriihrt, und ich zweifle nicht daran, daD die
Miinchener Hauptversammlung im Kranze der
schonen Zusammenkiinfte, wie wir sie in den letzten
Ch. 1R10.
1633
23. Hauptversammlung Miinchen 1010.
Jahren in steigendem MaDe abhalten durften, die
schonste Blume sein wird.
Indem ich noch mitteile, daO uns auch zahlreiche Schreiben und Telegramme zugegangen sind,
darunter in gewohnter Weise das unsems Newyorker
Bezirksvereins, welcher kabelt: ,,NeuYork sendet
G r h , wiinscht frohes Gelingen", gebe ich hiermit
im Namen des V o r s t a n d e s b.ekannt,
daB wir im Einvernehmen mit den
E h r e n m i t g 1 i e d e r n b e s c h 1o s s e n h a ben, ausnahmsweise die seit ihrer
S t i f t u n g r e g e l mii B i g z u r V e r l e i h u n g
g e brachte goldene L i e b i g d e n k m i i n z e
in diesem J a h r e n i c h t zu vergeben.
Ich eroffne nunrnehr die 23. Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker mit dern
Wunsche: Moge unser Verein weiter wachsen,
bliihen und gedeihen.
S u n kommen wir zu unseren Vortriigen. Ich
darf wohl Herrn Prof. C a m e r e r bitten, seinen
Vortrag iiber die Bedeutung der Wasserkrafte f i i r
die chemische Industrie zu halten."
Vgl. das Referat auf S. 962 dieser Z.
(Lebhafter anhaltender Beifall!)
Vors.: ,,Hochverehrter Herr Professor! Sie haben
den Dank der Versammlung gehort. M'ir Techniker
freuen uns vor allem, daB Sie auch die wirtschaftliche
Seite der Frage beriihrt haben, nachdem in den
letzten Jahren die Hoffnungen, welche a n die Verwertung der Wasserkrafte gekniipft werden, nach
unserer Ansicht weit uber die Moglichkeit einer
Realisierung hinaus getrieben worden sind. Bayern
ist ja dasjenige deutache Land, das die meisten
Wasserkrafte hat. Man hat geglaubt, daB sich ein
Goldstroru aus den Wasserkraften aller Lander iiber
die Welt ergieDen wiirde. Man h a t gefunden, daB
zwar Krafte geniigend d a sind, daD aber im Vergleich zu den Wasserkraften anderer Liinder,
s p i e l 1 Norwegens, die Preise des Ausbaus und der
Unterhaltung bei uns sehr hoch sind und daher
der Betrieb nicht so lohnend sein wird. Vor allem
aber, und das ist das Wichtigste, fehlt es rneist a n
Abnehrnern. die das ganze Jahr hindurch, vom
l . / l . bis Zuni 31./12., vom Morgen bis zum Abend
und die Nacht hindurch gleichmaDig die Krafte
brauchen konnen, und d a kann als Retter in der
Sot, fur Bayern wenigstens, die chemische Industrie,
speziell die Salpeterindustrie gelten, die tatsachlich
infolge ihrer Anpassungsfahigkeit am meisten fur
diese gronen Kraftquellen geeignet ist. Ein crux
freilich steht dabei: Sie kann die &aft nur dann
brauchen, wenn sie auBerordentlich billig ist, denn
der Luftsalpeter hat auf dem Weltmarkt zu konkurrieren mit dem natiirlich vorkommenden Chilesalpeter, und der heutige Preis fur Chilesalpeter
kann noch erheblich sinken. Wenn uns Bayern
also seine weiBe Kohle so billig zur Verfiigung stellt
wie Xorwegen, dann wird sich die Hoffnung erfiillen, der ich vorhin schon Ausdruck gegeben habe.
Bayern wird dann recht bald eine groI3e chernische
Industrie erhalten, die aunerdem seiner Landwirtschaft zum Segen gereichen kann."
Vortrag des Geheirnrat Prof. Dr. T h e o d o r
( ' 11 r t i u s.
Vgl. das Referat auf S. CG3 dieser 2.
( 1.e b hafter. an ha1tender Beifall !)
206
1634
23. Heuptversammlung Munohen 1010.
V o r 8.: ,,Ich danke dem Herrn Vort.ragenden
fur seinen hochinteressanten geistvollen und klaren
Vortrag. Uns Techniker hat er erneut auf die praktische Verwertung des heute hillig darzustellenden
Hydrazins hingewiesen und sicherlich werden viele
von uns seinem R a t folgen. Was die Verwendung
der Stickstoff-Wasserstoffsiiure angelit, so iiberlassen wir es am besten der Sprengstofftechnik. sich
ihrer anzunehmen. Ich wenigstens lehne es ab, diese
in ihren Salzen so explosive Verbindung auf ihre
teclinische Verwertung fur andere Zwecke zu priifen.
(Heiterkeit.)
Geschiiftssitzung
Donnerstag, den 19. Mai 1910, nachruittags 1/23 Uhr, im gro6en chemischen Horsaale
d e r Technischen Hochschule.
Vow.: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. C. D u i s berg:
,,Meine sehr verehrten Herren! Durch das Vertrauen der vorjiihrigen Hauptversammlung zu
Frankfurt a. M. haben Sie mich fur die niichsten
drei Jahre wieder zu Ihrem Vorsitzenden erwiihlt.
Diesmal ist es die letzte Periode meiner Amtatiitigkeit. Da rnochte ich den heutigen Tag nicht voriibergehen laasen, ohne in kunen Worten der Aufgaben zu gedenken, welche den Verein Deutacher
Chemiker zukiinftig zu beschaftigen haben, um dabei auf die Ziele hinzuweisen, die wir uns weiter
setzen miissen.
Heute friih in festlicher Sitzung bot sich keine
Moglichkeit, dies zu tun. Deshalb bitte ich urn
Entachuldigung, wenn ich fur einige Minuten Ihre
Aufmerksamkeit in Anspruch nehme.
Unser Verein hat sich in einer Weise entwickelt, wie wir es vor zwei Dezennien, als er gegriindet wurde, kaum erwarten konnten. I m abgelaufenen Jahre sind zwar manche Mitglieder namlich 272 - ausgetretan, wie dies bei einem
jetzt mehr als 4000 Mitglieder ziihlenden Verein
nicht iiberraschend ist, aber zahlreiche neue Mitglieder - namlich 433 - haben die Liicken geschlossen und dariiber hinaus die Zahl der Vereinsmitglieder auf die Hohe von ca. 4300 gebracht.
Zwar stehen noch viele Berufskollegen draukn,
und wir werden nicht ruhen noch rasten, bis wir
auch sie in unseren Rann und Kreis hineingezogen,
bis wir auch ihnen die Ubeneugung beigebracht
haben, daO es zur Berufspflicht eines jeden deutschen Chemikers gehort, Mitglied unserea Vereins
2-1sein. Darum dar: unsere erste Aufgabe, die Werbetiitigkeit, auch fur die Zukunft nicht ruhen. Jedes
Mitglied muO hier mithelfen, mu13 weiter mitwerben, und vor allem sollten dies die Mitglieder
der Vorstande unserer Bezirksvereine und Fachgruppen in noch regerem MaBe als bisher tun.
Wir sind, das habe ich schon oft konstatiert,
zurzeit die groDte chemische Vereinigung nicht nur
Deutachlands, sondern der Welt. Diese GroDe legt
uns aber auch in doppelter Beziehung Verpflichtungen auf. Man will von uns nicht nur schone
Worta horen, sondern auch Taten sehen. Jeder
mu0 daher nach seinem Vermogen zur Mitarbeit
herangezogen werden. Als wichtigstes gilt es, die
Interessen unseres Standes zd fordern, daa Ansehen
unseres Berufs zu heben, und zu diesem Behufe
fest und treu zusammen zu stehen. Voraussetzung
dafiir ist, daD jedes Mitglied unseres Vereins, a u h r
einer dauernden Vervollstiindigung seiner Kenntnisse, in bezug auf charaktervolles Verhalten und
ehrenvolle Betiitigung innerhalb und aul3erhalb
seines Berufes dem Stande Treue leistet.
Unermiidlich und andauernd waren wir in der
Vergangenheit tiitig, die jahrelange Forderung: ,Als
Voraussetzung f i i r das Studium der Chemie muD
ausnahmslos daa Abiturientenexamen gelten', z u r
Durchfiihrung zu bringen. Vieles haben wir hier
erreicht, aber manches bleibt noch zu tun iibrig.
Wir werden also auch hier nicht ruhen diirfen. In
Ergiinzung dieser Aufgabe wollen wir weiter bemiiht sein, Verstiindnis fiir alle naturwissenschaftlichen, speziell chemischen Fragen in den hoheren
Schulen und in allen Kreisen der Bevolkerung,
zumal in denen der Juristen und Verwaltungsbeamten, zu wecken. Wichtiger aber noch ist neben
der Vorbildung die griindliche Ausbildung der angehenden Chemiker in der theoretischen und praktischen Wissenschaft, nicht nur der Chemie, sondern
vor allem auch in der Physik und Mineralogie und
in manchen anderen naturwissenschaftlichen und
philosophischen Flichern. Nur keine allzu friilie
Spezittlisierung. Das ware der groGte Fehler, den
wir machen konnten. Wenn es auch zuweilen bestritten wird, wir sind der festen Uberzeugung, daD
die Bedeutung der deutachen chemischen Industrie
nicht nur dem kaufmiinnischen Geschick und dem
gronen Organisationstalent unserer kaufmannischen
und technischen Kollegen zu verdanken ist, sondern
zumeist der griindlichen wissenschaftlichen Ausbildung und der unermiidlichen Forschertatigkeit
der deutschen Chemiker. Hier liegt unsere Stiirke,
hier diirfen wir nicht rasten und rosten, hier miissen
wir unerrniidlich weiter fortschrittlich uns betiitigen,
die staatlichen Einrichtungen zu beasern und zu
mehren suchen und die Anforderungen a n uns selbst
steigern.
Fiir tiichtige Leistungen anstandige Behandlung, soziale Gerechtigkeit iind gute Rezahlung.
Durch die vermittelnde Tatigkeit unseres Vereins
hat sich in dieser Hinsicht vie1 gebeasert, aber an
Arbeit ist hier noch am meisten zu tun. Manche
zu Agitationszwecken aufgestellte Behauptung ist
auf ihren richtigen Wert zuriickgefiihrt worden.
Sicherlich werden wir nie dahin kommen, daD BUSnahmlos Zufriedenheit in unseren Kreisen herrscht.
I n allen sozialen Fragen ist BB unmoglich, eine volle
Ubereinstimmung siimtlicher Anschauungen herbeizufiihren. Klarend und vermittelnd hat hier die
Tiitigkeit unseres paritiitisch aus angestellten und
selbstiindigen Chemikern zusammengesetzten S o
z i a l e n A u s s c h u s s e s gewirkt.
Daher ist es uns eine angenehme Pflicht, den
Mitgliedern desselben unseren warmsten Dank fur
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