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Faser- und Spinnstoffe im Jahre 1915.

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Aufeatsteil.
29. Jahrgang 1916.1
Massot: Faser- und Spinnstoffe im Jahre 1915.
Tatbestand des I n - V e r k e h r - B r i n g e n s. Die Anklage richtete sich gegen einen Apotlieker, der eine Kresolseifenlosung aus einer Flasche verabfolgte, die den geschiitzten Namen ,,Lysol" als Aufschrift trng ; allerdiiigs wnrde
die Ware von dem Angeklagten nicht aiisdrucklich ,,Lysol"
genannt, jedoch sei sie durch die Aufschrift auf der Flnsche
nach Ansicht cles Strafsenats als Lvsol gekennzeichnet,.
Das Landgericht hatte angenommen, cta8 die als Lye01 gekennzeichnete Ware jedoch nicht in den Verkehr gebrac.ht
worden sei, weil die GefaBe, in denen die Ware den Kaufern
ausgehandigt wnrde, nicht mit dem Wortzeichen ,,Lyao "
versehen waren, wahrend clas Reichsgericht sicli auf den
Standpunkt stellte, daB dadurch, daB der Verkaufer die
mit dem Wortzeichen Lysol versehene Flasche zum EingieBen
benutzte, er den Inhalt der Flasche bereits in diesem Augenblick zum Gegenstande des geschaftlichen Verkehrs machte.
Auch muBt'e der Angeklagte erkeiinen, daB die Kziufer,
welche Lysol verlangten, die ihnen verkauft'e Ware tat,sachlich auch als Lysol ansehen wiirden. (S. 113 f.)
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63
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daB die Seide die Neigung besitzt, Slturen zu adsorbieren, so
daB eher eine Verarmung a'ls eine Anreicherung 'der partiell
hydrolysierten Sta.nnichloridlosung an freier Salzsaure eintritt. Die Losung von Zinnchlorid ist niir wirksam bei zienilich hohen Honzeiitrationen, wo der grijGte Teil des Salzes
noch als SnU, vorliegen durfte. Nach F i,c h t e r und M ii 1 1 e r laBt sich die Tatsache, daB sichj Seide niit Staiuiichlorid chemisch verbindet, theoretisch folgendermaBen begrijliden. Das Fibroin der Seidenfaser ist eiii Polypeptid als
dessen Bausteine, auf Grund der Forscliungen voii E. F i a c h e r ~uidA . I", k i t a u. a., folgende Aminosauren'<in
Betra'cht koiniiien : Glyldioll, Ala,nin, Leucin, Serin, Asparagiiisiiure; Glutaiiiinsaure, Phenylalaiiin, Tyrosin, Prolin.
'CJnter diesen bilden C:lykokoll, Alaniii und Tyrosin die
iiberwiegendeii Hauptbeytandteile. Die Verfasser haben nun
ulitersucht, oh die eiiifachen Aminosauren iriistande sind,
rnit Stanilichlorid Verbindungen einzugehen, und konnten
dies a,uc.h tatskchlich feststellen. Die einfachen Aminosauren sowohl, wie ihre I~oiideiifiationsproclukte,die Polypept,ide, sincl imstande, Stannichlorid chemiscli ZII addieren,
7. Eritscheidung des Reichsgerichts, I. Zivilsenat, vom wobei im Fa'lle cler Anwendung einfacher Aminosauren
21411. 1914. - Diese Entscheidung ist bemerkenswert da- stochiometrisch einfach zusamniengesetzte Anlagerungsdurch, claB das Reichsgericht nach nochmaliger Erwagung produkte entsteheii.
an der bisherigen unterachiedlichen Behandlung des PatentDurch Hydrolyse cler Aclditionsprodukte von Aminolizenzvertrages und cles G e b r a u c h s m ti s t e r - L i - skuren und St'annichlorid, z. B. durch Auflosen des Addiz e n z v e r t r a g e s nicht mehr festhalten will. Bet'reffs tionsprociuktes von Bla.nin uncl Stannichlorid in weiiig
einer Kritik dieser Entsclieidung vergleiche oben I s a y : Wasser, erfolgt die Abscheidung einer Zinnsauregallerte.
,,Lizenzvert,rage''. (S. 104-106.)
Diese IIydrolyse kann sich, je nach den Bedingungen, unter
8. Entscheidung des Reichsgericht,s, I. Zivilsenat, vorn welchen sie erfolgt, bis zu einer totaleri Zersetzung des Addi26./10. 1914. - Zur Entscheidung vor dem Patentamt stand tioi!sproiluktes fortsetzen: sie kann aber auch in einem
die Frage: Waiin liegt eine rechtswirksame Z 11 r u c k - fruheren Stacliuiu stehen bleiben, also partiell verlaufen, so
n a l i m e d e r N i c h t i g k e i t , s k l a g e v o r ? Das Pa- da13 PsodL1kt.e entstehen, die aus Zinnoxychloriden uncl
tentamt gelangte zu dem Ergebnis, daIJ die Klage als zuruck- Aininosiinren zusaiiimenge&zt sind. Aus den Beobachtungenommeii ZII gelten habe. Nsch Ansicht des Reichsgeric.hts gen arn Glgkolioll, Alanin und Tyrosin, den wichtigsten Bewar die Klagezuruckiiahme mit, deni Eingang der Erklaruiig standt,eiler, cles Fibroins, leiten die Verfasser folgende Theovollendet, mohingegen cler Einrvand dei: Iilagerin, die Zn- rie a,b. Aniinosiiuren addieren aich an Stannichlorid in Verriicknahmee:.klarnng sei gegen den Willen tles Geschitfth- bindungen vom Typus SnCI, (Aniinosaure),, die in Wasser
fuhrers eingereicht worden, vom Pahentamt niit Recht i d s und Alkobol lijslich, in Benzol uidoslich sind. Durch gea n sich erheblich angesehen w u d e ; jedoch schhlg dier-er in1Digte Hyclrolyse lassen sich diese Verbindungen schrittEinwand nicht durch, cia die Klagerin fiir ilire Behauptung weise abbauen. Das Endwgebnis der Hycirolyse ist die Spaleinen Beweis zu fiihren nicht in der Lage war. In zweit'er tung iii Ziiinsaure unter R,uckbilclung der Ainiiiosiiure und
Linie machte die Klagerin gelbnd, die Beklagte habe in unter Freiwerclen von Salzsaure. Das in W<asser,unlosliche
einer gegen die guten Sitten verstoBenden Weise den Ge- Polypeptid Fibroin und die dara'us aufgebaute Seidenfaser
schaftsfuhrer bewogen, die Nichtigkeitsklage zuruckzu- adciiert aus wiisseriger oder aus benzolischer Losung ebennehmen. Jedoch auch diese von der Klagerin aufgestellte falls Stannichlorid. Es ist iiicht anzunehmen, daB das MaxiBehauptung erschien clurcli die Umstande nicht als aus- mum der Staiiriichloridaufnahme bei der iiblichen Behandreichend begrundet, um der Beklagten einen VerstoD gegen lung .such nur annahernd erreicht wird oder erseicht werden
die guten Sitten zur Last legen zu konnen, weiuigleich der darf, we.il sonst die Eigeiischaften des Fibroins tiefgreifend
Antrag auf Eroffnung cles Strafverfahrens gegen den &- und in einer techiiisch vermntlich verhhgnisvollen Weise
schiiftsfiihrer wegen Untreue bereits gestellt war. Obwohl vergndert wurclen. Untermirft man die in der Seideiifaser
uber diesen Antrag noch nicht endgiiltig entscliieden war, verteilte Verbindung der Hydrolyse, so wird, wie bei den
so lag dennoch nach Ansicht des Reichsgericht.s zu einer einfacheii Aminosauren, ebenfalls schrittweise das Chlor
Aussetzung der Verhandlung in der Nichtigkeitsklage kein ciurch Hydroxyl ersetzt uncl die Bindung zwischen Fibroin
und Stannisalzf.gelockert, bis nach beendeter Hydrolyse
hinreichender AnlaB vor. (S. 7 f.)
(SchluS folgt.)
die Seidenfaser mit ihreii urspriinglichen chemischen Eigenschaften w i d e r hergestellt, aber nun erfiillt ist von einem
farblosen gallertartigenk Niederschlag von Zinnsaure, der
sich voii der Faser nicht mehr trennt. Beim Arbeiten in
wasseriger Losung durchdringt die Stannichloridlosung die
Faser- und Spinnstoffe im Jahre 1915.
Seidenfaser bis ins Innerste. Die .;Regeneration der Seidensubstanz nach beendeter Hydrolyse erlaubt eine wenigstens
Von Prof. Dr. W. MASSOT.
theoretisch beliebig oft zu wiederholende Weiterbeschwe(SchluS von 9. 64.)
rung, indern das Fibroiii jedesrnal wieder zuniichst die AddiI m Gegensatz zu den Versuchen von H e e r m a n n tionsverbindnng eingeht, die bei der nun folgendeli Hydround L e y wurde bei diesen Feststellungen nicht gewaschen ; lyse i n t e r Zinnsaureabscheidung ~ e r f a l l t ~ ~ ) .
Hinsichtlich des Verlaufes des der Zinnchloridbehandlung
die Konzentration betrifft also das Stannichlorid selbst und
nicht etwa noch durch Waschen mitgefallte Zinnsaure. - folgenden Phosphatprozesses < kommen F i c h t e r und
Die Existenz einer chemisclien Verbindung zwischen Stanni- M i i l l e r an Hand ihrer Versuche zu der Annahme, da13
chlorid und Seide geht auch aus Beobachtungen der Praxiq die Aufiiahme von Natriumphosphat durch Zinnsauregel
der Seidenbeschwerung hervor. Wenn beispielsweise die als Adsorption verlauft, daB eine sehr auffa,llende BevorSeide die Fahigkeit besaBe, Zinnsaure dem Bade zu ent- zugung bestinniter chemischer Verbindungen seitens des
nehmen, so miiBte sich in dem Bade die Salzsaure immer Zinnrauregels vorliegt,, und daB gerade die Phosphorsaure
mehr anreichern, das Beizbad miiBte um so whksamer sein, und die loslichen Phosphate init groBer Vorliebe adsorbiert
je mehr es hydrolysiert ist. Dies ist aber nicht der Fall, und werden, wobei sich die Salze ohne hydrolytische Spaltung
R i s t e n p a r t hat bereits festgestellt, da13 aus einem
42) Siehe auch: H e e r m a n n , Monatsschr. f. Text.-Ind. 30,
basische Salze enthaltenden Bade stets Zinn und Chlor im
Verhaltnis 1 : 4 herausgezogen merclen. Auch ist bekannt, 134-135 [1915].
in Base und Saure als Ganzes umlagern. Damit diirfte allerdings erst ein neiier Gesichtspunkt gewonnen sein, iim die
Verhaltnisse der Phosphataufnahme ausfuhrlich zu Lintersuchen.
Die 'Bestiiniiiung der Hohe der Seidenbeschwerung geschieht gegenwiirtig nach zwei verschiedenen Ha.uptrerfahren43), nach der Abziehniethode und nach .dem HjeldahlStickstoffverfahreii. Bei dem erstgenannten werden alle
nicht der Seide als solcher angehorenden Bestsncit,eile,
welche also iiur durch den BeschwerungsprozeB einverleibt wnirdeii, mit Hilfe voii geeigneten Losnngsmitteln entfernt und die riickstandige Seide nach vorausgegangener
Trocluiung zur Wagung gebracht. Bus deiii ermittelteii
Gehalt an reiner Seide wird danii die Hohe der Beschwerung
berechnet. Bei deni Stickstoffverfahren legt man bekanntlich den Sticbtoffgehalt der Fibroinfaser init 18,33% zugrunde, welcher in der Regel nach deni Kjeldahlverfahreii
bestimmt wird. Aus dem festgestellten Prozentgehalt des
Stickstoffs 1aBt sich danii wiecler die Zahl fur die Beschwerungshohe ausrechnen. Das Stickstoffverfahren hat vor
den anderen Methoden den Vorzug, daB es sich bei allen
Arten von Beschwerungen anwenden IaBt, jedoch bedarf
es zur Erreichung gena.uer Resultate einer sehr exakten Ausfiihrung. Verbesserungen der Abziehn;ethoden ruckten diwe
mehr in den Vordergrund. So stellt die ini .Jahre 1903 verin dieser Beziehung
offentliclite FluBs&~reabziehmethode~~)
einen wesentlichen Fortschritt dar. Durch das d a m spater
von R i s t e n p a r t45)ausgearbeitete Verfahren zum Abziehen von schwarzeii Seiden, an dessen Bearbeitung sicli
spater auch H e e r m a n n beteiligte46),.wurde eine weitere
Verallgemeinerung und Verbesserung der Abziehmethoden
erreicht. Die oben genannten Verfasser, H e e r in a n n
und F r e d e r k i n g , habeii nun iieuerdings festgestellt,
welche Temperaturen beim Abziehen von FluBsaure noch
zulbsig sind, ohne dal3 das Material selbst in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Wirltung der FluBsaure wurde a.n
reiner Seide untersucht. Zu diesem Zwecke Bam reine unbeschwerte Seicle zur Entbastung, wurde gut ausgewaschen,
zweimal mit kalter 5yoiger Salzsaure nachgewaschen, ausgedruckt, in destillierteln Wa,sser bis Zuni Verschwinclen
der saureii Reaktion weiter gewaschen und bei 130" bis Zuni
konstanten Gewicht getrocknet. Diese vollig gebrockiiete
Fibroinfaser wurde den Versucheii zugrunde gelegt. Es
zeigte sich, daB die Verluste, welche die Pibroinfmer beim
Erwarmeri auf dem kochenden Wasserbade in 2%iger Flu&
saure erleidet, praktisch so gering sind, daa man sie vernachlassigen kann. Man arbeitet folgendermal3en : Die bei
65% relativer Luftfeuchtigkeit ausgelegte und gewogene
Probe wird in eine Platinschale mit 2%iger Fluorwasserstoffsaure eingelegt, d a m auf ein kochendes Dampfbacl gebracht.
Darauf belaBt man unter zeitweiligem Riihren etma 15 bis
20 Minuten. Daran schlieat sich in bekannter Weise die
Behandlung mit 5yoiger Salzsaure ; schlieBlich'i..wirdYgewaschen, getrocknet uncl gewogen. S t e i g e r und G r iiin b e r g haben bekanntlich vor laiigerer Zeit Tabellen zusammengestell t, welche die dem Stickstoffgehalt entsprechende Beschmerungshohe bei 20 und 24% Bastgehalt
unmittelbar veranschaulichen. Fi,ir das Abziehverfahren
sind diese Tabellen natiirlich wertlos. Den 'Verfassern schien
es daher zeitgeman, Tabellen aufzustellen, welche die dein
jeweilig festgestellten Fibroingehalt entsprechende Beschwerungshohe zur Darstellung bringeii. (Siehe%dieOriginalarbeit.)
Nach dem Verfahren des D. R. P:258 63847)siiid fur die
Beschwerung der Seide voii den Salzen der seltenen Erden
nur jene anwendbar, welche in hydratischer Form an der
Luft nicht oxydieren, weil durch den OxydationsprozeB die
Faser ungiinstig beeinfluat wird. In Mischungen unterein8
43) H e e r m a n n und F r e d e r k i n g , Chem.-Ztg. 39, 149;
Angew. Chem. 28, 11, 401 [1915].
44) G' n e h m , M ii I I e r , Z e 1 1 , Textil- und Farberei-Ztg. 1903,
131, 197, 203.
46) Fiirber-Ztg. (Lehne) 18, 295 [1907];:19, 34, 53 [1908]; Angew.
Chem. 21, 341 [1908].
46) H e e r m a n n, FLrber-Ztg. (Lehne) 20, 75 [1909]; Angew.
Chem. 22, 1326 [1909!.
47) Angew. Chem. 26,11, 294 [1913].
mder zeigen nun die Salze der seltenen Erden ein anderes
Verhalten wie das eiiizelne Salz. Stellt man z. B. aus einem
:hernisch reinen Cersalz das Oxyd her, so ist dieses beinahe
weiB uncl hat die Eigenschaft, in Saure unloslich zu 'sein.
kfischt inan jedoch clas Cersalz mit andereri Salzen dieser
Gruppe, z. B. init, Salzen cIes Didyms oder des Laiithans,
und verwandelt dieses Geiiienge in Oxyd, so ist dieses
dunkelbraun uiid hat die Eigenschaft, in SBure loslich zu
win. .Das aus reinem Cersalz hergestellte Hydrat oxydiert
a,ii der Luft, wahrend das aus einem Genienge von Cersalz
~ i n danderen scltenen Erden gewonneiie Hydra6 an der Luft
nur schwer oder uberhaupt nicht oxydiert. Dieses verancierte VerhalteD der Balzgemenge der seltenen Erdrnetalle
liegt deiii Verfahren eines Zusatzpa,tentes zugnincle *a).
Fiir die Praxis ergibt sich daraus insofern ein Vorteil,
als derartige Gemenge der Cersalze mit den Ceriterden als
Nebenprodukte bei der Gliihlichtfnbrikation erhalten werden. Solche Gemenge sincl als Ausgangsstoffe fur die Herstelluiig des Beschwerungsbades bereit.s geeignet. Wenn
diese aus Cer, Laiitlian, Neodym und Yttererdeii bestehenden Gemenge einen so hoheri Gehalt an Cer besitzen, daB
sie in der hydratischen Form an der Luft oxydieren, SO ist,
uiii sie fiir das Verfahren anwendbar zu machen, so vie1 Cer
abzuspalten, bis die Hydrate keiiie Oxydationen mehr bewirken. Das Verfahren selbst wird in der Art dnrchgefuhrt,
da13 inan die Seide in eine &ung von ungefahr 25-30' Bd.,
am besten in eine Chloridosung, 1-2 Stunden einlegt.
Nach dem Waschen folgt ein Bad von Natriiimphosphat
voii etwa 6" Bd. bei 40-50" init einer Dauer von einer
halben St'uncle. Nach aberrnaligem Waschen schliel3t sich
ein Nat,ronwasserglasbscl voii 21/," BQ.eine Stunde lang an,
urid endlich wirc! auf eineni Bl[arseilleseifenbade behandelt,
ausgerungen und niit scliwacher Salzsaiure kalt aviviert.
Ein einmaliger Zug soll eiiie Erschwerung von 9-10yo
liefern.
Angeblich uni das Seidenmaterial zu schonen, besoiiders
die durch Hydrolyse bei der Abscheidung voii Metallhydroxyd aus Chlorideii frei werdende SalzsBure zu vernieiclen, werclen an Stelle cter bisher ublichen chlorwasserstoffsauren Salze des Zinris die Salze organischer Sauren in
Vorschlag gebracht, oder es soll ein Teil des Halogens in
den Chloriden durch organische Saurereste ersetzt werden.
Die Hydrolyse wird in eiiier init Wasserdampf gesattigten
Atmosphtire vorgenoiiimen. Fur dieses Verfahren werden
besonders die basischen Ac.etate voii Zirkon nnd Zinn in
Vorschlag gebracht, weil dieselbeii schnell uncl vollstaiidig
hydrolysiert werden. Sauren wie Rhodan~~asserstoffsa~ire,
Anieisensaure, konnen alleiii oder in Kombination mit einer
Mineralsaure in gleichem Siiine Venveiiduiig finden4$).
Zum Fiseren von Eisenoxyd auf Seide und ahnlichen
Faserii wird in Vorschlag gebracht, die mit Eisenbeize behandelte Seicle init Bmtseifenlosung, Seifenlosung oder
aber, um eine Schaidignng der Faser zu vermeiden, mit
Seifenlosuiig, der man einen Z1~sat.zvoii Albuminoiden oder
Traubenzucker gegeben hat, zu impragiiieren, 5-10 Minuten zu dainpfen und mit Soda,losung oder weichem Wasser
zu waschen. Dadurch soll das sonst ubliche Verfahren, die
niit basisch schwefelsanrem Eiseil gebeizte Seide langere
Zeit irn Seifenbade zii kochen, umgangen und Ersparnisse
an Zeit und Material gemacht wercieri6O).
Ein gelbgefarbter, etwa 1 Jahr alter Seidenstoff war beim
Lagern in seineii verschiedenen Teilen sehr verschieden
inorsch geworden. Wahreiid einige Teile eine noch recht
hohe Festigkeit aufwiesen, hielt,eii andere Teile Clem Nageldruck nicht stand. Es lag einheitliches Rohmaterial (Organ48) Verfahren zuin Beschweren von Seide. D. R. P. 281 571.
Zus. zu D. R. P. 258 638. Landau & Co. und Dr. Ignaz Kreidl, Wien
(Angem. Chem. 28,II, 140 [1915].)
4 9 ) Verfahren zuin Beschweren von Seide. D. R. P. 282251.
Deutsche Ga,spliihlicht~ A.-G. (Auergesellschaft). Berlin. (Angew.
Chem. 28,11,251[1915].) Siehe auch: Verfahren zum Beschweren von
Seide durch Zinnchloridbader rnit nachfolgenden Fixierbtidern.
D. R. P. 277 431. Friedrich Johann Knibiehler, Wettingen, Aargau,
Schweiz. (Angew. Chem. 27, 11, 672 [1914].)
6 0 ) Verfahren zum Fixieren von Eisenoxyd auf Seide und ahnlichen Fwern. D. R. P. 284 853. Wilhelm Bugchhiiter, Crefeld, und
D. $1. Voigt, Traar. (Angew. Chem. 28, 11, 401 [19151.)
Aufsatzteil.
29. Jahrgang l916.l
Massot: Faser- und Spinnstoffe irn Jahre
.sin und n a m e ) , sowie einheitliche Bearbeitung und Farbung
vor. Die Untersuchung erga'b, daR es sich um ziemlich
hoch erschwerte und nach G i a n o 1 i init Thioharnstoff
impragnierte Seide handelt. Der Thioharnstoff war nun als
wasserloslicher Bestandteil, von einigen Stellen entfernt oder
teilweise entfernt, abgewandert und unqleichmiinig verteilt.
Diese Stellen waren es auch, welche die geringe Festigkeit
.aufwiesen. Offenbar hing das Morschwerde:i also mit der
Abwanderung des Thioharnstoffes von gewisseii Stellen
zusammen, und es lag eine daclurch bewirkte friihzeitig
eingetrekne Lagerniorschheit vor 61).
Zum Nachweis von Catechu auf SeidenschwarzfBrbun,gen, der in exakter Weise nicht leicht zu erbringen ist, wird
folgendes Verfahren vorgeschlagen 62). Die Seide wird in
bekannter Weise nach dem von R i s t e n p a r t vorgeschlagenen Abziehverfahren zur Feststellung der Hohe der
Erschwerung auf schwarzen, nicht eisenhaltigen Seiden,
mit Salzsaure uncl anschlieBend daran mit Normalalkali behandelt. Ein. kleiner Teil des alkalischen Auszuges wird
niit Salzsaure angesauert. Dabei entstehti zunachst ein
.schwarzvioletter Niederschlag. Auf Zusatz voii etwas konzentrierter Salzsaure verschwindet clerselbe, wobei die
Parbe der Losung in Dunkelrot umschlagt. Nach dem Aufkochen filtriert man von geringen Ausscheidungen ab, versetzt das Filtrat mit einigen Tropfen Formaldehyd und kocht
wieder. Falls Catechu vorhanden ist, soll ein kraftiger
Niederschlag entstehen, der durch langeres Kochen noch
starker wird, und der sich beim Stehen in dicken Flocken
zusammenballt. 1st kein Catechu vorhanden, so bleibt die
Lijsung beiin Kochen klar.
Urn Seidenabfalle, minderwertige Kokons usw. vor dem
Spinnprozesse, welchem sie unterworfen werden sollen, moglichst zu entbasten (vgl.S. 67), werden sie rnit der Losung eines
tryptischen Fermentes, z. B. rnit Pankreatin, Pankreasdriise
oder mit Papayotin unter Zusatz eines Ammonsalzes uiid
eines neutralen Elektrolyten, wie Kochsalz, bei etwa 40"
behandelt. Vorher mu13 das Material mit einer heiBen,
schwach alkalischeii Losung von Soda, Borax oder Seife
vorbehandelt werden 53).
Nach einem anderen Verfahren verwendet man fiir die
gleichen Zwecke Seife und Oropon, welchen ricinolsulfonsaures Alkali zugesetzt wurde, und die bei einer Teniperatur
von 80" zur Wirkung gelangen sollen. Im Hinblick auf
das sonst iibliche Faulnisverfahren werden auBerst geringe
Zeitdauer der ganzen Operation, sowie volliges Unverandertbleiben der Elastizitat und des Glanzes der Seide hervorgehoben 64).
H e e r m a n n beobachtete an gelbgefarbten, nichtbeschwerten Seiden ein vorzeitiges Morschwerden des
Stoffes und fuhrte die Ursache auf Nitrofarbstoffe zuriick,
welche unter dem Einflusse des LichtRS zur Abspaltung von
Salpetersaure fiihren konnen, clie die Faser mgreift. E r
stellte zur Auflkarung Versuche rnit Rohseide, abgekochter
unbeschwerter und abgekochter mineralisch beschwerter
Seide an uiid zwar unter Zuhilfenahme voii 3 Farbstoffen,
n a d i c h von Pikrinsaure, Naphtholgelb S und von Azoflavin
FF. Die Festigkeiten von je neun unbelichteten, sta'rk be'lichteten und uberlichkten Proben wurden untersucht und
bei den belichteten Proben SalpetersHurereaktion und ein
starkes Angegriffensein der Seidenfczsern feytgestellt 9.
A 1 1 g e m e i n e s.
Trotz langjahriger Versuche ist es vielfach noch nicht
mioglich gewesen, den aus Papier hegestellten Faden den
ihnen zukommenden Platz zu sichernS6). Erst durch Vereinfachung der Spinnmaschinen hat sich in den letzten
Jahren die Aufnahme der Papiergarne mehr und mehr
61) Aus dem Tiitigkeitsbericht des Rgl. Materialpriifungsamt zu
Berlin-Lichterfelde fiir das J ah r 1913/14.
5 2 ) P a u 1 W e y r i c h , Farber-Ztg. (Lehne) 26,317-319
[1915].
65) Vnrbereiten von Seide fiir das Spinnen. Brit. Pat. 2213/1913.
E. Gr&ger und A. Kemmler.
54) Verfahren zum Degummieren der Seidenkokons und Seidenkokonabfalle Schweizer Pat. 6773a.
h 6 ) P. H e e r rn a n n , Faserzerstorunrten durch Farbstoffe.
CChem.-Ztg. 38, 1281-1282 [1914]; Angew. Chem. Z8,II, 137 [19151.)
66) Kunststoffe 5, 24 [1915].
Angew. Chem. 1916. Aufsatzteil
(I. Band)
zu Nr. 15.
65
1915.
durchgesetzt. Dieselben werden in fortschreitendem MaBe
fiir die Herstellung von Wandbekleidungen und Matten,
Lauferstoffen und Teppichen, Sacken usw. in starkeren
Nummern sogar als Bindfaden, Fidlgarne fur Kabel, Wollpackuiigen u. clgl. verwendet.
Seit durch den Krieg die Zufuhr von Jute unterbunden
ist, diirften die Papiergarne an Bedeutung wesentlich gewonnen habeii. Das Spinnen des Pepiergarnes ist bei
manchen Firmen unabhangig von der Anfertigung des Papieres. Es geniigt eine Schneidemaschine, auf welcher die
Papierbahn in Streifen qeschnitten wird und in Scheiben
wieder zur Aufwindung kommt. Die s6 gewonnenen und
gut sngefeuchtet,en Scheiben werden in die sog. Spinnteller
gelegt und voii innen heraus abgearbeitet, so daB wahrend
des Drehens kein Feuchtigkeitsverlust entsteht. Day Anfeuchten vor dem Spinnen bietet den groRen Vorteil, daB
sich das Papier viel gleichmafliger rnit Feuchtigkeit belad,
als es wahrend des Spinnens moglich ist, ganz abgesehen
davon, daB die Anbringung eiiier wirklich zuverlassig arbeitenden Anfeuchtungsvorrichtung den Bau- und die Bedienungsweise der Spinnmas6hine erheblich umstandlicher
gestalten wiirde. Das Abarbeiten aus dem Spinnteller heraus
gewahrt weiter den Vorteil, da13 das noch ungedrehte Bandchen fast ohne Spannung von der Bandscheibe ablanft und
die erst nach dem Fslten des Bandchens auftretende Spaiinunq des in der Dreherteilung befindlichen Fadens viel geringer ist, als wenn auf Ring oder Fliigelspulen aufqewunden
wird. liierdurch sollen Fadenbriiche vermieden werden, und
die Bandrollen laufen bis zum Ende ununterbrochen ab.
K. S u v e r n57) veroffentlichte eine Zusamrnenstellung der
neueren Verfahren zur Herstellung von Papier und Zellstoffgarnen, welche zurzeit als Ersatzstoffe fur Jute besonders
im Vordergrund stehen 58). Ziir Erzeugung von Papierfaden mit Textilfaserbelag werden die Fasern in losem Zustande auf die Oberflache eines flachen Papierstreifens
wahrend seiner Drehung aufgebracht, so daB die Fasern
von dem sich einrollenden Streifen mehr oder weniger
festgehalten werden. Dadurch, daB die Fasern mahrend
der Drahtgebung rnit dem Papierfaden vereiiligt werden,
nehmen sie an der Drahtgebung teil und werden bei der Bildung des Fadens vollsthndig rnit versponnen, wodurch eine
groaere Haltbarkeit des Fadens gesichert ist. Dein Faden
wird durch die vergrooerte Widerstendsfahigkeit eine erhohte Brauchbarkeit beim Verweben verliehen. Eine Loslosung cler mit dem Faden inilig verbundenen Textilfasern
mahrend des Webprozesses soll nicht vorkommen59).
Die Konsequenzen des Krieges fuhrten dazu, beziiglich
des Ersatzes mancher iiberseeischen Pflanzenstoffe, z. B.
der .Jute, Ramie, der Nesselarten iiberhaupt, Umschau ZLI
halten60). Zunachst wandte sich das Interesse der Fasergewinnung aus den Stengeln der verschiedenen Epilobiuniarten (Weidenroschen) zu l). Ein befriedigendes Ergebnis
wurde jedoch nicht erzielt, obwohl alle bekannten Rost- und
Aufbereitungsarten angewandt worden sind. In allen Fallen
wurde festgestellt, daB die Epilobiumarten iiur eine geringe
Fasernienge enthalten, die bei Epilobium angnstifolium auf
Kunststoffe 5, 37 r19151.
Siehe ferner: Uber Papier und Zellstoffgarne: Ch. Moriondi
und M. Breslauer, Kunststoffe 5, 65 [1915]. Beschreibung der dem
belq. Pat. 262 973 und dem franzos. Pat. 466 066 zugrunde liegenden
Verbesserungen und Verfahren. Verfahren zur Herstellung von
Garnen aus Papier. D. R. P. 287 014. Alfred Leinmeber, Chemnitz
in Sachsen.
69) Verfahren und Vorrichtung zur Erzeugung von Papierfaden
und Textilfsserbelag. D. R. P. 284 074. Dr. Max Breslauer, BerlinSteelitz. Siehe ferner: Verfahren zur Herstellung von Garnen,
insbesondere Papierstoffgarnen aus kurzen Fasern, wvie Cellulose,
Holzstoff, Papierstoff usw. D. R. P. 278 944. A. Leinweber, Chemnitz. Papierersatz als Ersatz fur Stoffsiicke. Schmeizer Pet. 69 966.
Karl Hiiber & Co., St. Gallen. Verfahren zur Herstellung von staubdicht haltenden Sacken. D. R. P. 286739. Th. Nitsch, Herzberg
a. Harz. (8ngew. Cliem. 28, 11, 568 [1915].) Verfaliren zur Herstellung von pulverdichten Papiergeweben. D. R. P. 285046. A.-G.
fiir Garnfabrikation in Berlin.
60) Ober Pflanzen und Pflanzenstoffe, die als Ersatz fiir jetzt
fehlende in Betracht komnien. (Kunststoffe 5, 253-256 [1915].)
61) Verhandlungsbericht der Generalverssmmlung des Verbandes
Deutscher Jute-Industrieller vom 26./10. 1915.
57)
68)
11
66
Massot: Faser- und Spinnstoffe im Jahre
1915.
[&Z%h*e-
etwa 3y0,bei Epilobium hirsutum auf 6% geschatzt wurde. Tauwerk in Vorschlag gebracht. Ah Stopfmatenalien
Die gewonnene Faser erwies sich als wenig widerstands- kommen die Samenfasern der Disteln, zerfaserte Tannenfahig. Es kommt noch hinzu, daD die Aufbereitung rnit nadeln, der Samenschopf des Weidenroschens in Betrachtgrol3en Schwierigkeiten verbunden ist. Danach kann von
Fur die Gewinnung von Nesselfasern ist hauptsiichlich
einem geeigneten Ersatzmaterial hier nicht die Rede sein. Urtica dioica von Wichtigkeit, ihre Fasern sind nach
In zweiter Linie kam fiir die Spinnfasergewinnung die Hop- M e r r i t M a t t h e w s als schwedischer Hard Handelsfenranke in Frage.
produkt. Urtica urens soll weniger Fasern liefern als Urtica
Fiir d w Jahr 1915 mu5te diese Faser aul3er Betracht dioica. Die in der Rinde der Nesselpflanze enthaltene spinnbleiben. Einmal ware es sehr schwer, vielleicht unmoglich bare Faser wird dadurch gewonnen64), daB man die die Faser
gewesen, die erforderlichen Mengen Hopfenranken zu be- begrenzende Pektinlamelle durch Mazerieren in schwaaher
schaffen, da die Bauern auf dieselben als Futtermittel nicht Ammoniaklosung bei gelinder Warme zerstort, sodann d i e
verzichten wollten, und weiter hates sich herausgestellt, daB freigelegte Faser in trockenem oder nassem Zustande e h e m
auch hier die vorhandene Fasermenge mit 8% eine nur HechelprozeB unterwirft, hierauf in einem Seifenbade
geringe, die Aufbereitung eine sehr schwierige, die Faser kocht und schliel3lich in nassem oder trockenem Zustande
selbst von nur geringer Haltbarkeit ist. Trotzdem werden wiederholt bricht oder hechelt. Das Ergebnis der fabrikdie Versuche mit diesem Material fortgesetzt, um bei etwaiger mal3igen Nesselverarbeitung in Osterreich-Ungarn ist bisher
noch langerer Kriegsdauer fiir die Zukunft unterrichtet zu f0lgendes6~):
bein. Vielleicht laBt sich durch verbesserte AufbereitungsReinnesselgarne :Tow-Garn Nr. 6 (Nesselinegarn Nr. 12)
verfahren eine brauchbarere Faser gewinnen. Das AufNesselmischgarn : Tow-Garn Nr. 10 und 12 (Nessel : Leibereitungsverfahren der Brennesselfasern, welches nur auf nenabfklle 70 :30).
chemischem Wege moglich ist, und die weitere Ausarbeitung
Tow-Garn bis Nr. 20 (Nessel: Leinenabfalle 50 :50).
im Handbrechverfahren stellt sich nach den Angaben des
Nesselgewebe, Plachen, Sack, Zwillichhosenstoffe bei
Berichtea des Verbandes Deutscher Juteindustrieller so Verwendung des Nesselgarnes als SchuI3 allein oder mit,
teuer, daI3 dime Faser als Ersatz fiir die Jute und Hanf- SchuB und Kette.
industrie zuniichst wegen der hohen Kosten nicht in Frage
Nesselmischgarne Nr. 1 und 11/*(Nesselfaser zu Baumkommen kann, wohl aber als Ersatz fiir Baumwolle. Mit wolle 80 : 20).
dem Baste von Korbweiden und wildwachsenden Weiden
Nesselmischgarne Nr 16. (Nesselfaser zu Baumwolle
wurden eingehende Versuche angestellt, und zwar rnit 95 :5).
lufttrockenem und mit frischem, ungetrocknetem Bast.
Die Nessel wird nach Angaben des Wiener UniversitatsDiesen Bemiihungen ist es tatsachlich gelungen, ein Faser- professors 0 s w a 1 d R i c h t e r fiir Textilzwecke zuerst.
material zu gewinnen und zwar auf kurzcm, mit geringen 1800, erwahnt, wo in Leipzig eine Manufaktur mit sieben
Kosten verbundenem Wege, das als Streckungsniittel f i i r Gesellen Brennesselgarne herstellte. Piir die Verarbeitung
grobere Garne in Frage kommen kann. Es besteht sogar im Groljen kam sie gegenuber der Baumwolle durch die
die Moglichkeit, die Weidenbastfasern fiir feinere Garn- damalige Unsicherheit ihrer Rotte nicht in Betracht. Daran
nummern verwertbar zu machen.
anderte auch nichts das Bestreben der Deutschen NesselDen vorstehend erwahnten Spinnfaserpflanzen gegenuber kommission in den Jahren 1870-1884 und die von d e r
zeigt der Weidenbast den Vorteil, daB die Holzteile bereits deutschen Regierung ausgesetzten Preise von 1000 M.
entfernt sind, und daB die vorhandene Fasermenge eine rela- b a s osterreichische Eisenbahnministerium stellte im letzten
tiv groBere ist, etwa 30% betragt. Da es sich bei dem Jahre die Eisenbahndamme zum Anbau von Nesselpflanzen
Weidenbast weiter um ein Abfallprodukt der Weiden und zur Verfugung, nachdem sich das Verfahren von R i c h t e r
Korbflechtereien handelt, so ist anzunehmen, daB derselbe zu zur Gewinnung des Fasermaterials bewahrt hatte. Von
maI3igen Preisen erhaltlich sein wird. Die Hauptschalzeit landwirtschaftlichem Standpunkt ist es interessant, daI3
fur die Weidenindustrie liegt in den Monaten April bis Juli, nach vorliegenden Erfahrungen ein Brennesselfeld 10 J a h r e
es werden jedoch auch groljere Mengen Weidenruten im nicht gediingt zu werden braucht, ohne daB seine ErtragsWinter geerntet, so daB das erforderliche Material bald zu fahigkeit geschadigt wird. Nach R i c h t e r ist auch das
beschaffen ist. Mit Ginster imrden nach den Angaben des Problem fur die AufschlieBung des Fasermateriales d e r
Berichtes keine erfreulichen Ergebnisse erhalten. Die indischen Nessel, der Ramie, so weitgehend gelost, daB.
Schwierigkeiten scheinen sich auf die Aufbereitung zu be- nicht mehr zukiinftig so groBe Mengen Holz beim Transport
ziehen. Die ermittelte Fasermenge betrug 8%. Anderen- der Pflanze nach Europa geschleppt werden mussen, ein
ortsG2)wird jedoch mitgeteilt, dalj die Bastfasern von Sa- Moment, welches die Ramieprocluktion sehr verteuerte.
rothamnus bereits auf Tauwerk verarbeitet wurden, also Unter den als Ersatzstoffen fur Jute eingefiihrten Faserals Ersatz fiir Hanf zur Herstellung von Seilerwaren in Be- produkten ist auch auf die sog. Stranfafaser hinzuweisen,
tracht kommen konnten. Zur AufschlieRung der brauchbaren den Strohfaeerstoff, der von der mechanischen Weberei
Faserstoffe wird die Pflanze mit verdiinnter Lauge gekocht, Groning und Rlesseni bei Rheine i. W. hergestellt wircia6).
dann gercttet, gerostet, gebrochen und gehechelt. Gaiiz be- Jede Strohart kann verwendet werden. Die gewomene
sonders feine als Ersatz fur Baumwolle und Flachs geeignete Faser wird fur den SpinnprozeB in gleicher Weise \vie J u t e
Fasern aus Ginster werden dadurch erhalten, dalj die vor- vorbereitet. Sie wird zunachst gebatscht und d a m kardiert.
getrockneten Pflanzen einem wiederholten Kochprozelj in Die Kardierung erfolgt auf besonderen Maschinen, d e r
reinem Wasser unter Druck unterworfen werden, worauf man Abfall ist verhaltnismal3ig gering. Man mischt meist rnit
die Fatern durch Bursten von dem Holz und durch einen Jute oder einem anderen Faserstoff, worauf die weitere VerFaiilnisprozeB von den Rindenteilchen trennen kann, um sie arbeitung auf den gewohnlichen Jutemaschinen stattfindet.
schlieljlich zii bleichen und durch Lagern in schwach feuch- Auch fur sich allein kann die Stranfafaser verarbeitet wertem Zustande geschmeidig zu machen. Ginsterfmern sollen den. Reine Stranfa soll f i i r die Herstellung von grobcn
auch in dem unter dem Namen Kosmosfaser bekannten Stricken, auch als Nlniaterial fur Polsterzwecke, ferner
Produkt enthalten sein. Zur Gewinnung neuer Faeerstoffe fur die Filz- uncl Kabelfabrikation in Frage kommen.
wurde ferner das Schilfrohr Typha angustifolia in Betracht Angeblich soll die Starke der Strohfaser der von Jute entgezogen, welches relatjv vie1 Faserstoff enthalt. Die Ver- sprechen. Zur Gewinnung von Faserstoff aus H01~67)wird
suche sind jedoch zurzeit noch nicht abges~hlossen6~). gas letztere in einer Atmosphare von Wasserstoff unter
Spinnbare Langfasern sollen aus Riedgras, Carex stricta, gewinnbar sein, auch aus Schilf, Calamagrostis, Phragmites.
64) D. R. P. 284704. Richter und Pick, (Angew. Chem. 28, 11,
Sogar die Fasern der Sonnenblume sind zur Verarbeitung auf 3 5 4 p9151.)
Kunststoffe 5, 253-256.
63) Verfahren zur gleichzeitigen Verarbeitung von Schilf, Rohr
und anderen Halmfasern ouf spinnbare Lnngfasern und einen fiir
dio Papierfabrikation sich eignenden Halbstoff. D. R. P. 285 539.
B. v. Ordody und B. Schottik & Co., Budapest. (Angew. Chem. 28,
IT, 440 [1915].)
62)
6 6 ) Auffindung und Vermertung neuer Textilpflanzen.
(2. ges.
Text.-Ind. 18, 587 [1915].)
66) Papier-Zeitung 12, v. 11.12. 1915; vgl. Angew. Chem. 28, 11,
1.95 [19151.
67) Gewinnung von Faserstoff aus Holz oder anderen pflanzlichen
Stoffen. D. R. P. 288019. Walter R. Freemann, Oskawana. V.
St. A. (Angew. Chem. 28, 11, 647 [1915].)
29. Johrgsng 1916.1
Druck mit Alkalilauge .van verschiedener Konzentration
behandelt. Der Wasserstoff SOU reduzierend wirken, in die
kleinsten Poren des Holzes eindringen und den darin befindlichen Sauerstoff verdrangen. Dabei sollen die fluchtigen Stoffe abdestillieren und durch Kondensation gewonnen werden. Wiederholtes Kochen mit diinnen alkalischen
Laugen endigt den ProzeB.
Die bekannten Verfahren, Hanf, Flachs, Jutepflanzen
ww. fiir die Weiterverarbeitung vorzubereiten, schlieBen
gewisse Nachteile f i i r das Fasermaterial selbst ?in. Versuche
haben gezeigt, daR die nachteilige Wirkung der Roste durch
Faulnis hauptsiichlich in der Arbeit derjenigen Fermenh
liegt, welche in jenem Anteil der Inkrusta zugegen sind,
der bei der Samenreife noch in wasserloslichem Zustande
vorhanden istss).Meist innerhalb 72 Stunden kommen diese
Fermente in sehr verschiedener Weise 'zur Entwicklung
und veranlassen je nach Temperatur, Zutritt oder Absperrung von Sauerstoff. eihe Reihe komplizierter Vorgange,
die sich in teils zufriedenstellender Rostung, teds aber
Uberriistung, grol3em Gewichtsverlust u. dgl., kund geben
konnen. Eine Regelung der Vorgange lediglich nach der
nutzbringenden Seite wird f i i r ausgeschlossen gehalten,
weil ein genauer Zeitpunkt nicht zu beobachten ist, und die
Produkte der ersten Stufe der Fermentation Nahrstoffe fiir
die neuen, wieder nach anderer Richtuiig arbeitenden Fermente darbieten, die teils in den Pflanzen schon vorhanden
sind, oder deren Zutritt in keiner technisch durchfiihrbaren
Weise verhindert werden kann. Dadurch wird nicht nur
die zweite Gruppe der inkrustierenden Stoffe, die nicht
wasserloslich ist, und welche zu entfernen als Endzweck der
Rostung gdt, gelost, bzw. verarbeitet, sondern es werden
dadurch gleichzeitig die Vorbedingung f u r . eine Faulnis
geschaffen, die zur Misfarbung der Faser, 'Herabsetzung
ihrer Featigkeit und zur Auflosung der clritten Gruppe der
Inkrustastoffe fiihrt, welche jedoch bei richtiger Arbeit
der Faser verbleiben sollen. Diese Korper souen die Geschmeidigkeit .und geringere Fahigkeit der Feuchtigkeitsaufnahme
gewahrleisten. Entfernt man nun nach dem Verfahren des
vorliegenden Patentes durch Kochen mit Wasser oder clurch
fortgesetztes Abspiilen in kurzen Zeitraunien, so daB die
Fermentation niemals zur vollen Entwiclilung kommeii kann,
die wasserloslicheii Bestandteile, so genugt eiii ferneres
Kochen mit kohlensauren Alkalien, um die zweite Korpergruppe der Inkrusta so zu losen, daJ3 weder die dritte Korpergruppe, noch die Faser angegriffen werclen kann.
Von Interesse ist ferner eiii V e r f a h r e ~ i ~welches
~),
die
Verwertung der in der Seidenintlustrie reichlich erzeugten
Abfalle, Strusen, Cocoiis perc& usw. miter Umgehung der
bisher in der Florettindust,rie gebriiuchlichen Ent~bastungsmethoden, welche auf einein FaulnisprozeDberulien, anstrebt,.
(Siehe auch oben S. 65.) Der FaulnisprczeB ist zeitraubenci
und gesundheitsschadlich uiid laGt sich scliwer derart uberwachen, daJ3 der gewiinschte untl fiir die weitere Verarbeitung notige Bast.gehalt der Seide erhalten bleibt. Durch
besondere Ansfuhrungsfornieii 1aJ3t sich das vorliegeiide Verfahren als wertvoller Ersatz des Rostens auch bei roheii
Pflanzenfasern anwenden, wobei eiiie bisher unerreichte
Vorbleiche und becleutender Zeitgewinn erzielt werderi sollen.
Als Enzymlosungen konnen Pankreassekret oder Lbsmigen
der in der Gerberei vielfach gebrauchten, unter Zuhilfenahiiie von Bakterienkulturen gewonnecen Enzympraparate, wie Oropon, Purgatol, Erodin unci Diamalt, Verwendung finden. Bei der praktischen Durchfiihrung macht 111a11
den Losungen einen Zusatz von Amnioniak und Koclisalz
usw., ferner von Wasserstoffsuperoxyd. Es aerden z. B.
20 g Neapeler Manf roh gebrochen, in einem Bade aus
1000 g Wasser, 3 g calcinierter Soda, 3 g Borax und 2 ccni
technischem Ainmoniak wahrend eicer Stunde bei GO bis
65" vorbehandelt. Das Ba.d u-ird abgezogen, hiermf wird
in einer Lijsung von 2,4 g Oropon B R (sahnialihaltig),
2,4 g Kochsalz, 1,2 ccm Ammoniak, 0,2 g Bomx und 1 ccin
,
68) Verfahren zur Vorbereitung von Pflanzenfasern jeglicher Art.
D. R. P. 286 270. Camillo Melhardt, Starnberg. (Angen. Chem. 28,
11, 495 [1915].)
69) Verfahren zur Gewinnung von Textilfasern.
Schweiz. Pat.
68 167. Jakob Rleister, Basel.
Wasserstoffsuperoxyd (20o/d'g) in einem Liter Wasser bei
40-50"
weiter behandelt ; die Gummi- und Harzstoffe
werden durch Abwassern und Spiilen vollends entfernt.
Oder es werden 3 kg Cocons perc6s in einem ungefahr auf
60" gehaltenen Bade von 60 g calcinierter Soda, 60 ccm
Ammoniak und 30 g Borax in 60 bis 100 I Waaser wahrend
einer Stunde vorbehandelt. Man laBt die Flotte eblaufen
und setzt, ohne zu spiden, 6&100 1 Wasser zu, in welchem
120 g Oropon N (normal), 120 g Kochsalz, 60 ccm Ammoniak, 10 g Borax und 20 g Wasserstoffsuperoxyd (20%ig)
gelost sind. Nach fiinfstiindiger Behandlung bei 40-50"
wird die Ware gespiilt und getrocknet. Der Bastgehalt
betragt dann noch 8% des Seidengewichtes.
I n neuerer Zeit haben hervorragende Ckirurgen wieder
auf die Scharpie zuriickgegriffen, weil die Leinenfaser die
Warme besser leitet a19 die Baumwolle und daher die Wunden kiihler halt. Da der verfiigbare AbfaU der Flachsspinnerei nicht geniigt, bilden Leinenlumpen das wichtigste
Rohmaterial. Von neueren Faserstoffen konnte auch die
Kapokwolle in Betracht gezogen werden, obwohl sie sich
schwer weiB bleichen laBt70).
Nach M. F r e i b e r g e r'l) enthalt die Rohbaumwolle
hauptsachlich Wachs und daneben erstarrende ole. Die
Fettkonstanten des Wachses nahern sich denjenigen des
Carnauba, bzw. des Japanwachses. Besonders schwierig
verseif bar sol1 das Wachs der persischen Baumwolle sein.
Das Fett der Samenkapseln ist hauptsachlich aus &Lure,
Linolsaure und aus Glyceriden der Palmitinsaure und anderer Sauren zusammengesetzt. Beim langeren Lagern der
Game und Stiicke konnen durch Ranzigwerden der Fette
Aldehyde, Ketone und Oxysauren entstehen. Der Verfasser
fand in Rohgeweben bis zu 6,22 alkohollosliches, neben
0 , l l yo petrolatherlosliches, im chuB eines Nesselstoffes
0,9%, in der Kette 1,34y0 mit Tetrachlorkohlenstoff extrahierbares Fett, wobei die aus der Weberei herriihrenden Fettkorper mit zu berucksichtigen sind.
Im AnschluB an h f u n g e n , durch welche die Einwirkung
verschiedener Waschmittel auf die Festigkeit uiid Dehnung
von Leinen und Baumwollgeweben festgestellt werden sollte,
wurden auch Versuche vorgenoninien zur Ennittlung des
Eiiiflusses der Appretur auf die Bestigkeit und Dehnung der
genannten Gewebe. Zu clieseni Zwecke wurde eine Reihe
gebleichter L i n e n und Baumwollwaschestoffe ini Verkaufszustande, also appretiert, sowie nach Entfernung der Appretur, auf Gewicht, Festigkeit und Dehnung gepriifti2). Die
2
70) Verbandmaterialien aus Leinenfaser. Osterreichs Wollen- und
Leineninclustrie 1914, 34, 335. Siehe auch Angew. Cheni. 28, 11, 431
19151. Auf folgende Literaturstellen sei kurz hingewjesen: Verwenlung ron Fasrrtorf. (Iiunststoffe 5, 55.) Verfahren zur Herstellung
?iner bildsnmen RIasse aus Torf. D. R. P. 2 8 3 4 a . A. Gasser,
Neumiihlr. 17erfahren zur Herstellung von Plachsfilz. V. St. A.
Pat. 1 125 347. J. E. Lappen. Le Roy, Rlinn. Northern Insselasing
clomp. 8t. Paul.
Herstellung wollahnlicher Bsumnollstoffe. Franz. Pat. 468 821.
Heberlein t c)o.
Vertcilen, Entfetten und Bleichen von Strohfasern. V. St. A.
Pat. 1 112 873. Leon de Wolf Wante, St. Nicolas Waas, Belgien.
Verfnhren zur Eritfettung roher oder bearbeiteter Farserstoffe
nit Fettlcsungsmitteln. D. R. P. 284 125. C. Netz 8 Co., Breslau,
ind D. F. Koch, Eerlin. (Angew. Chem. 28, 11, 355 [1915])
Reinizen von Rohwolle. D. R. P. 282 675. Franz Koch. (Aneew.
31ieni. 28, 11, 226 [1915].)
Die Rarniefaser. ihre Verwendbnrkeit und ihre Vorteile fiir die
Strumpf und Strickmaren. (Monatsschr. f. Text.-Ind. 30, 41-42,
. "
3 3 4 4 [1915].)
Verfahren, urn Baumwollgeweben und andqren vegetablischen
Fasern cinen seidenartigen Glanz zu verleihen. Osterr. Pat. 68 41 9.
Hermann Miiller, Grottau-Donis.
Weitere Erfahrungen mit den geltenden Prufungsverfahren fur
harte Kammgarne. G. Herzog. (Monatsschr. f. Text.-Ind. 30, 21ff.,
19151; Angew. Chem. 28, 11, 244 [1915].)
Die C r o s s B e v a n sche Jutereaktion und ihre Anwendung
iuf die rohe Raumwolle. R. Haller, Traun. (Farber-Ztg. [Lehne]
26, 157ff [1915]; Angew. Chem. 29, 11, 49 [1916].)
7 1 ) Uber die Rolle der Fette in den Reinigungsprozessen dor
rohen Baumwolle. (Farber-Ztg. [Lehne] 26, 285 [1915]; Angew.
Chem. 29, 11, 50 [1916].)
72) EinfluB der Appretur auf die Festigkeit. Monatsschr. f.
rextind. 30, 33 nach Mitteilg. uber textiltechnische Untersuchungen
Lm Kgl. Iviaterialpriifungsamt der technischen Hochschule Berlin.
11*
65
[
Zeitschrift ffir
angewandte Chemie.
Winkler: Der Bromid-Iongehalt des Meerwassers.
Versuche zeigten kein einheitliches Verhalten der Stoffe.
So hatte die Festigkeit bei einigen Stoffen nach Entfernung
der Appretur zugenommen, bei anderen Stoffen derselben
Art aber abgenommen. Nur die Bruchdehnung zeigte bei
den weitaus meisten Stoffen ein gleichartiges Verhalten,
sie war fur den appretierten Zustand geringer als nach Entfernung cler Appretur. Dieses Resultat bestatigt die bisherigen Erfahrungen, wonach durch die hier in Frage kommende Appretur ein Zusammenkleben von Fasern im Faden
stattfindet, und das Gleiten der Fasern aneinander vor dem
Bruch des Fadens, wie es ohne Appretur moglich ist, verhindert oder erschwert wird. Sonst haben die Versuche noch
gezeigt, da13 wegen der grol3en Verschiedenheit der Appreturarten und der dabei aufgewandten Arbeitsverfahren,
Sder EinfluB der Appretur kaum in fur alle Faille zutreffender
Weise angegeben werden kann.
Untersuchungen haben dargetan, da13 Losnngen von
Mczlz, Malzpraparazten, von Traubenzucker, ganz besonders
aber die hochdiastatischen Malzpraparate stark verfilzende
Eigenschaften besitzen und entweder fur sich allein oder in
Verbindung mit Soda, Seife, zum Walken tierischer Fasern
Verwendung finden konnen. Diese Erscheinung sol1 rnit
leiner starken Aufquellung der Fasern in Verbindung stehen,
welche das Verfilzen wesentlich erleichtert, so da13 angeblich
der Walkprozee um ein Drittel der friiheren Zeit verkurzt
[A. 5.1
werden kann.
Der Bromid-Iongehalt des Meerwassers.
Von L. W. WINKLER,
Budapest.
(Eingeg.
all2 1916.)
In dieser Zeitschrift wurden unlangst einige Bestimmungsverfahren des Broms besprochenl), welche nun dazu verwertet wurden, i m M e e r w a s s e r d a s g e n a u e v e r haltnis zwischen Chlorid- und BromidI o n zu bestimmen.
Die zu den Untersuchungen benutzte Meerwasserprobe,
welche ich dem U n g a r . A d r i a - V e r e i n bzw. Herrn
Sektionsrat E. v. R o e d i g e r verdanke, stammt aus der
A d r i a . Das spezifische Gewicht betrug bei 17,5", auf dest.
Wasser von demselben Warmegrad bezogen, 1,0251. In
1000ccm Wasser wurden die folgenden Mengen an Haloiden,
in Chlorid-Ion ausgedriickt, gefunden2):
Um moglichst genaue Ergebnisse zu erhalten, wurden
unter denselben Verhaltnissen wie bei den miirklichen Bestimmungen mit kiinstlichem Meerwasser von bekanntem Gehalte
an Bromid-Ion (62,5 mg im Liter) je drei Bestimmungen
ausgefuhrt, wobei es sich ergab, da13 der Versuchsfehler im
Mittel bei Verfahren a) 0,04 ccm 1/20-n.Lauge, bei Verfahren b) -0,07 ccm yz0-n. Silbernitratlosung und bei Verfahren
1,2 mg Silberbromid entspricht. Die hier folgenden
c)
Zahlen sind schon durch diese Werte verbessert :
+
+
1. a )
1. b)
8,02 ccm
8901 ,,
7992 ,,
7,92 ),
7995 ,,
8,11 ,,
8,05 ccm
8,01 ,,
7398 :,
7,93 9 ,
8,02 ,,
8,13 ,,
1. c)
75,3
7595
748
73,4
732
7691
mg
9,
,,
9,
,>
,,
B e s t i m m u n g d e s B r o m i d - I o n s n a c h dern
V e r f a h r e n 2. a ) u n d b).
Die Bestimmungen erfolgten mit je 100 ccm Meerwwer,
das bei der Bromanreicherung mit 25 ccm 50yoiger Schwefelsaure und 5--6 ccm 1/20-n. Permanganatlosung destilliert
wurde. Bei dem j o d o m e t r i s c h e n V e r f a h r e n
(2. a) war der Verbrauch an l/loo-n. Thiosulfatlosung 8,06,
8,06, 7,98, 8,06, 8,04 und 7,87 ccm. Bei dem b r o m o m e t r i s c h e n V e r f a h r e n ( 2 . b)wurdenbeideAusfiihrungsformen benutzt ; beim Titrieren bis auf farblos m d e n 7,82,
7,88 und 7,84 ccm, beim Titrieren mit Verwendung von Jodlosung als Anzeiger 8,03, 8,11 und 8,05 ccm l/,oo-n. Arsentrioxydlosung verbraucht.
Aus den analytischen Ergebnissen berechnen sich €01gende Zahlen:
I n 1000 c c m M e e r w a s s e r s i n d e n t h s l t e n
B r o m i d - Ion.
1. a)
1. b)
1. c)
2. b)
2. a)
64,lO mg 64,34 mg 64,09 mg 64,42 mg 62,50 mq
64,02 ,, 64,OZ ,, 64,26 ,, 64,42 ,, 62,98 1,
63,30 ,, 63,78 ,, 62,98 ,, 63,78 ,, 62,66 ,,
63,30 ,, 63,38 ,, 62,47 ,, 64,42 ,, 64,18 ,,
63,54 ,, 64,lO ,, 62,30 ,, 64,26 ,, 64,82 ,,
64$2 ,, 6438 ,, 64,77 ,, 6 2 9 ,, 6434 ,,
63,85 mg 64,lO mg 63,48 mg 64,03 mg 63,58 mg
Der Mittelwert aller Zahlen fiihrt zu dem Ergebnis, daB
in 1000 ccm des untersuchten Meerwassers 63,81 mg Br' entMaBanalytische Bestimmung
, Gewichtsanalytische Bestimmung
halten sind.
18431 mg
18403 mg
Der Bromidiongehalt des Meerwassers wurde z u r
18449 ,,
18437
18365 ,,
18377
K o n t r o 1 1 e auch dadurch bestimmt, da13 in die nach dem
18432 ,,
Anhaufen erhaltenen schmefeldioxydfreien Fliissigkeit so vie1
18364 ,,
Permanganatlosung getraufelt wurde, bis das Destillat eben
B e s t i m m u n g d e s B r o m i d - I o n s n a c h d e m noch gelblich gefarbt war, bzw. die rosenrote Farbe der Fliissigkeit sich 1-2 Minuten lang unverandert hielt (vgl. a. a. 0.).
V e r f a h r e n 1. a), b) und c).
Aus 6 Versuchen mit je 500 ccm Meerwasser wurde in 1000 ccm
Die Bestimmungen wurden mit 500 ccm Meerwasser vor- im Mittel 64,lO bzw. 63,9-6 mg Br' gefunden.
genommen, das bei der Bromanreicherung mit 12Sccm M)yOiger
I m Mittel m r d e der s c h e i n b a r e C h l o r i d Schwefelsaure und 20 ccm 1/20-n.Permanganatlosung destil- I o n g e h a l t in 1000 ccm Meerwasser zu 18407 mg geSiert wurde. Beim zweiten Destillieren wurde das Brom rnit funden; aus diesern Wert ergibt sich die Menge des Broms
sich fiihrende Destillat in ein schlankes Flbchchen geleitet, (63,81 mg im Liter) durch Teilen mit 288,54). Diese Zahl
welchea einige Kubikzentimeter Perhydrol und 5 ccm Wasser kann also dazu benutzt werden, um in einem Meerwasser
enthielt. Es wurde dann derverbrauch an 1/20-n.L a u g e anderer Starke, aus dem auf analytischem Wege ermittelten
(a) und an 1/*,-n. S i 1 b e r n i t r a t 1o s u n g (b) bestimmt, scheinbaren Chloridiongehalte durch Teilen mit dieser Zahl
sowie auch das gebildete S i 1b e r b r o m i d (c) gewogen3). die Menge des vorhandenen Bromid-Ions zu berechnen6).
Der w a h r e C h l o r i d - I o n g e h a l t des unter1) Angew. Chem. 28, I, 477 [1915].
suchten Meerwassers, darauf bezugnehmend, da13 das Wasser
2) Zu den Einzelbestimmungen murden Anteile des RImrwaasers
eon je 5 ccm genommen, die dann auf der analytischen Wage genau im Liter 63,81 mg Br' enthalt, wurde in 1OOOccm durch MaBabgemogen wurden. Die rnaBanalytische Bestimmung erfolgte da- analyse zu 18 349 mg, durch Gewichtsanalyse zu 18 400 mg,
durch, da13 die auf 100 ccm verdiinnte Meermasserprobe, mit Verwen- im Mittel zu 18 375 mg gefunden. Es verhalt sich also im
dung einer Vergleichslosung und 1 ccm 10yoiger Kaliumchromat- Wasser der Adria die Menge des
losung als Anzeiger, bei kiinstlichem Lichte mit
SilbernitratBr' : C1' = 1 : 288,O & 0,36
losung titriert wurde; von der verbrauchten Silbernitratlosung
Dieses Verhaltnis diirfte mit groBer Annaherung auch fur
wurde der eigenst bestimmte Verbesserungswert 0,20 ccrn in Abzug das Wasser der Weltmeere giiltig sein.
[A. 140.1
1
LJ
1
gebracht. Bei der gewichtsanalytischen Bestimmung wurde der aus
Silberchlorid und -bromid bestehende Niederschlag nach dem !hocknen bei 150' gewogen.
3) Da die Ausfiihrungsform der Bestimmunqen in der erwahnten
Abhandlung bereits eingehend beschrieben wurde, geniigt es hier,
diem nur anzudeuten.
Verlan von 0 t t o S p a m e r , Leipzia.
- Veraotwortlicher
4) Die friiheren Untersuchungen des Vf. (Vortrag in d. Ungar.
Adria-Gesellschaft am 27./III. 1915) ergaben die Zahl: 292,l.
6 ) Der Bromquotient betriigt also in der von K n u d s e n benutzten Ausdrucksweise 63810 :18407 = 3,467; die friiheren Untersuchungen fiihrten zu 3,424.
Redaktelir Prof. Dr. B. R a s a n w. Leipzlg.
- Spamersche Buchdruckeref
in Leipzie.
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