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Hauptversammlung der Gesellschaft Deutscher Chemiker Kln vom 24.Ц29. September 1951

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ANGEWANDTE C H E M I E
H E R A U S G E G E B E N
V O N
DER
63. Jahrgang
G E S E L L S C H A F T
Nr. 20 Seite 477-500
D E U T S C H ER
C H E M I K E R
21. Oktober Ig5I
PORTSETZUNG DER ZEITSCHRIPT .DIE CHEMIEa
~
HauptversarnmI ung der Gesellschaft Deutscher Chemiker
Koln vorn 24.-29. September 1951
Nachdem einzelne Fachgruppen der GDCh bereits vorher Fachsitzungen abgehalten hatten, wurde a m 26. September die Hauptversammlung
irn festlich geschmiickten Saal des Hauses Sartory offiziell eroffnet.
Prof. Dr. Dr. e. h. Karl ZiegZer, Miilheirn/Ruhr, der Vorsitzende der
Gesellschaft Deulscher Chemiker, begriiDte in seiner Eroffnungsansprache
die etwa 2000 zur Hauptversammlung erachienenen Chemiker aus dern
In- und Ausland, den Oberbiirgermeister der Stadt Kdln, die Vertreter
der Bundes- und Landesregierung, der Universitat Koln, die'Prasidenten
des Verbandes der Chemischen Industrie und des Verbandes TechnischWissenschaftlicher Vereine, die Kollegen aus Mitteldeutschland und Gaste
aus 1 4 verschiedenen Nationen.
,,Die Miinchener Tagung vor 2 Jahren stand unter dem Zeichen der
Schaffung unserer einheitlich westdeutschen Gesellschaft Deutscher Chemiker. Die vorjkhrige Tagung in Frankfurt brachte zum ersten Male
nach dem Krieg wieder die Kombination der Hauptversamrnlung mit
der ACHEMA. Unter welchem besonderen Zeichen stehen wir heute hier
in Koln? Ein grolles, nach aullen sichtbares Ereignis von besonderer
Bedeutung fur die deutsche Chemie fehlt. Die Kolner Tagung ist sozusagen die erste ,,normale" Hauptversamrnlung unserer jungen Gesellschaft
seit ihrer Griindung. Auch das h a t seine Vorziige. Denn beirn Fehlen
groBer besonderer Ablenkungen werden wir von der Kolner Tagung besonders reichen Gewinn fur u s e r Fach erwarten diirfen.
Allein unsere Kolner Tagung steht auch ohne weithin sichtbares
aulleres Beiwerk gleichwohl unter ihren besonderen Auspizien. Man muB
den Blick nur tiefer senken, um sie zu erkennen. Wenn uns die erste
,,vollig normale" Tagung ohne iiuBere Zeichen sprunghafter Aufwartsentwicklung gerade heute und hier in Koln versarnrnelt, so mag das bedeuten, drO uns hier der Hauch dieser uralten Statte westlicher Kultur
zu besinnlichem Nachdenken anregen ~011. Nach der uberwindung der
ersten und grabsten Schwierigkeiten der unmittelbaren Gegenwart, in
die wir gestellt sind, mogen wir uns in diesern J a h r in Kaln wieder dariiber
Mar werden, wie sehr auch unsere anscheinend so ganz der Materie und
dem Heute gewidmete Arbeit doch letzten Endes i m Geiste und in den
Werten der zweitausendjahrigen abendlandischen Kultur wurzelt. Sehen
Sie hierin den tieferen Sinn des vielleioht befremdlioh anmutenden Umstands, daB wir nachher die Reihe der Plenarvortrage unserer der Chernie
dienenden Tagung mit dem Vortrag des Kunsthistorikers der hiesigen
Universitiit, Prof. Kauffmann, iiber Kunstschatze Kolns einleiten.
Wenn so nachher die Zeugen einer langen und reichen Geschichte
dieser Stadt uns a n die Quellen unseres geistigen Seine in vergangenen
Zeiten erinnern sollen, 80 gibt es doch andererseits auch Ereignisse aus
jiingster Zeit, aus denen wir mit dankbarer Freude ersehen konnen, daD
unsere Verbindung und unser Beitrag zur abendlandisohen Kultur in
Jahren des Ungliicks zwar gestort, aber nicht verschiittet werden konnten.
Ich darf zuniichst rnit Befriedigung und Freude feststellen, daB gewisse uns noch irn Vorjahr zutiefst bedruckende Sorgen gemildert oder
ganz von uns genommen und darnit Hindernisae beseitigt worden sind,
die unseren Weg in ein besseres Morgen erschwerten. Es bleibt gewill im
Bereiche der Betatigungsfreiheit in unserer Wissenschaft und der rnateriellen Sicherung deutscher Forachung und Lehre, deutscher Forscher
und Lehrer, deren wir zur Wiedererlangung unseres fruhcren Platzes in
der abendlandischen Welt dringend bediirfen, noch vie1 zu wiinschen
iibrig. Aber nachdem ich oft genug meine warnende und mahnende
Stirnrne erheben rnullte, mag es mir heute einmal erlaubt sein, hier nur
die Wendungen zum besseren anzudeuten, die unzweifelhaft eingetrcten
und die Ihnen bekannt sind.
Und wenn ich weiter a n einen unmittelbaren Eindruck von heute
anknupfe, so darf ich auf die mit jeder neuen Tagung steigende Beteiligung
auslandischer Fachgenossen hinweisen. Ich darf verrnerken, daD urngekehrt i m vergangenen Jahre auch Deutsche i n besonders groBer Zahl
auslandische Kongresse besuchen konnten, und daD Hernrnnisse ficlen,
die vor kurzern noch den Austausch geistigen Gutes erschwerten. Ich
besitze weiter zwar noch keine offizielle Nachricht dariiber, aber ich habe
gleichwohl Grund zu der Annahrne, daB die Deulsche Bunsengesellschaft,
die Xolloid-Gesellschaft und die Gesellschaft Deutscher Chemiker, gerneinSam vertreten durch unsere, die letztgenannte Gesellschaft, Anfang September in New York wieder i n die Union Internationale de Chimie pure
el appliqube aufgenomrnen worden sind. Und wenn es noch eines Zeichens
der lulleren Anerkennung deutscher wissenedhaftlicher Leistungen in der
Chemie bedurfte, 80 konnte die Verleihung des Nobel-Preises fur Chemie
an unsere beiden deutschen Kollegen Diels und Alder im Herbst 1950 zu
Angew. Chem. 163. Jahrg. 1951 1 Nr. 20
gar keinem glhcklicheren Zeitpnnkt kornmen. Zufall oder eine Fiigung
des Schicksals, dall diese Tagung in Koln schon beschlossen war, als wir
noch gar nicht wullten, daO einern Burger dieser S t a d t binnen kurzern
diese un8 alle mitehrende Auazeichnung zufallen sollte, wornit diese Versarnmlung in Kbln nach den schon vorausgegangenen Fciern gleichsam
zu einer letzten und durch die grolle Zahl der Teilnehrner besonders eindrucksvollen Ovation fur unseren jiingsten deutschen Nobel-Preistrager
wird und darnit auch zu einer Huldigung fur das Andenken des grollen
Schwedischen Philanthropen, der so viel fur die Erweckung und Erhaltung des Gefiihls der Zusammengehorigkeit aller freien Geister tat."
Prof. Ziegler dankte sodann allen denjenigen, die sich um das Gelingen
der Tagung besonders bemiiht hatten, insbesondere Herrn Prof. Alder,
seinen Mitarbeitern und Helfern sowie Herrn Dr. Berkenfeld und Gattin,
fur den Orts- und DamenausschuD, den verschiedenen Werken des Kolner
Raumes, die in vorbildlicher Weise zur Ausgestaltung beitrugen, allen
Stellen der Stadt und Universitat fiir ihre bereitwillige Forderung und
dern Kolner Karnrnerorchester Erich Kraack fur die musikalische Urnrahmung der Hauptversammlung.
Sodann begriiBte Oberbiirgerrneister Gbrlinger, auch als Vorsitzender
des Kuratoriums der Universitat Koln, die Tagungsteilnehmer und wies
darauf hin, daD die Tagung der Deutschen Cherniker, die seit 17 Jahren nicht rnehr in Kbln stattgefunden hat, fur die S t a d t von besonderer Bedeutung sei. ,,Gerade Sie auf Ihrern Fachgebiet finden hier
bestirnrnte Merkrnale vor. Man konnte namlich, wenn man wollte, auf
die alten Rorner zuriickgehen, d. h. auf die Wasserleitung, die sie van drr
Eifel bis nach hier gebaut haben. Eine Leistung eigener Pragung, die
wir heute noch bewundern. Ich darf weiter daran erinnern, daD irn Mittelalter auf den groBen Markten bestimmte Nuancen und Qualitaten von,
Farben, und zwar Blau, Rot, Braun und Schwarz ah ,,kolnisch" bekannt
waren. Ich erinnere a n Albertus Magnus, den grollen Philosophen und
Naturforscher, der 1280 in Koln gestorbcn ist. E r leitete van 1248-1252
das neue studium generale. E r besaB fur die damalige Zeit ungewohnliche
KenntnisRc in der Physik, Chernie und Mechanik. An diese grolle Vergangenheit erinnern heute vielfach die Erzeugnisse der Chernischen Induatrie, die i m Raum Koln beheimatet ist."
Im Auftrag der Bundesregierung und in Vertretung von Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard spracb Dr. Theurer, Bonn, Referent der Abteilung Chemie i m Bundeswirtschaftsrninisterium: ,,Wenu sich a n diesem
Tage die Forscher und Techniker einer geistigen Disziplin und Industrie
versammeln, deren Ausiibung Deutschland in die erste Reihe aller Kulturvolker gestellt hat, so bedeutet dies unendlich viel mehr als eine Tagung
irgendeiner Interessenvereinigung, denn hier treten deutsche und auslandisehe Wissenschaftler in die C)ffentliohkeit, urn einen uberblick iiber
eine geleistete Arbeit zu geben, deren Friichte der gesarnten ziv
Menschheit zugute kommen." E r iiberbrachte die Griille und Wiinsche
des Bundesministers fur Wirtschaft, der leider a n der Teilnahme verhindert war. ,,Das vergangene J a h r war reich an Arbeit, reich- an Yiihen
und Sorgen! Es h a t der chernischen Industrie Westdeutschlands eine
Lockerung der Bestirnmungen iiber die verbotenen Industrien gebracht
und es besteht die Hoffnung, daB in absehharer Zeit die groDen Werke
der friiheren I G wieder freier und unabhangiger arbeiten kannen als bisher. Noch aber ist viel zu tun, um Vorurteile und Schwierigkeiten, die
uns der Ausgang des Krieges gebracht haben, zu beseitigen. Aber wir
sind heute 80 weit, daO wir w h e n , dall uns dies gelingen wird, weil die
wirtschaftlichen Forderungen uud Gegebenheiten starker sind als Theorien.
und weil wir nach dem Zusarnrnenbruch nicht resignierend die Hiinde in
den SchoD gelegt haben, sondern uns frisch an den Wiederaufbau gewagt
haben. Wenn wir heute die Umsatzzahlen der chernischen Industrie vergleichen und beobachten, daD beirn AbsohluB van Handelsvertragen die
chemische Industrie eine bedeutende Rolle spielt, dann sehen wir, daB
wir auf dem richtigen Wege sind."
Ministerialrat Dr. Rhode, Diisseldorf, Ministerium fur Wirtschaft und
Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, fiihrte u. a. aus: ,,Die Landesregierung van Nordrhein-Westfalen fiihlt sich der Arbeit Ihrer Gesellschaft, die sich j a die Forderung der chemischen Wissenschaft in weitestern Rahmen als unentbehrlicher Grundlage der industriellen Entwioklung zur Aufgabe gesetzt hat, in hohem MaBe verbunden. 1st sie EiCh
doch dessen bewuDt, daB der hohe Umsatzwert, den die ohemische Industrie dieses Landes hervorbnngt und der zur Zeit etwa 50% der gesarnten westdeutschen ohemischen Erzeugung betragt, nur duroh eine
lebendige Wecheelwirkung zwischen wissenschaftlicher Forschung und
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groBtechnischer Anwendung erzielt werden konnte. Ich habe aus der
Presse erfahren und aueh soeben wieder gehort, da5 in diesem Kreis die
Notwendigkeit einer finanziellen Unterstiitzung der Forschung durch
Zuschiisse und Kredite mehrfach hervorgehoben worden ist. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen h a t dieser Forderung schon im voraus
dadurch Rechnung getragen, daB sie wie bisher auch im liufenden IIaushaltsjahr einen angemessenen Betrag fur Forschungszwecke in den Haushaltsplan eingesetzt hat."
I n Vertretung des erkrankten Rektors der Universitat Koln; hie0
Prof. Dr. Dr. Schiiller, Dekan der medizinischen Fakultat der Universitat
Koln, die Teilnehmer willkommen. In seiner Ansprache ging er insbesondere auf das Problem Grundlagenforschung - Zweckforschung ein:
,,Studiert man im Vortragsprospekt Ihrer Gesellschaft und der angeschlossenen wissenschaftlichen Gesellschaften die iibergrooe Fiille der
Vortrage, so liegt meines Erachtens der Unterschied der iiberaus vielseitigen und verschiedenartigen Vortragsthemen einmal natiirlich i m behandelten Gegenstand, seien es anorganische, organische, physikalischchemische, kolloid-chemische, teehnische Probleme, dariiber hinaus aber
vor allem in der Denkrichtung, rnit der die verschiedenen Themen angegangen worden sind.
Damit ist ein Unterschied gemeint, der also nicht im materiel1 bearbeiteten 0 b j e k t liegt, sondern der im wesentlichen in der Psychologie
des Bearbeiters, d. h. in dessen geistig-seelischer Verfassung seinen Grund
hat. Auf diesen letzteren Unterschied, auf den psychologischen Faktor
des Bearbeiters, hat vor mehreren Jahrzehnten, an einer wenig beaehteten Stelle der bekannte Professor der Physik an der UniversitLt Prag,
Ernst Mach, in klassischer Form einmal naher hingewiesen - zu einer
Zeit, in der die Begriffe: Grundlagenforschung und Zweckforsehung
noch keine allgemein gangbaren Miinzen waren. Ernst Mach analysiert
die gedankliche Arbeit und das wissensehaftliche Streben nicht nach dem
behandelten Objekt, sondern fragt ganz allgemein nach den Loekzielen
oder Lockpunkten, die den Flue des menschlichen Denkens uberhaupt
in Bewegung setzen, die das Treibende unserer Gedankenreihen sind.
I m GroDen gesehen glaubt er, zwei besondere Lockziele der menschlichen Gedanken zu erkennen. Mach h a t sie genannt: das W u n d e r b a r e
und das N i i t z l i c h e . Das Wunderbare vereint rnit dem Kausalmotiv:
W a r u m ? Das Niitzliche vereint -mit dem Zweckniotiv: Wozu? Oder
an einem Einzelbeispiel erlgutert: Wenn ein und dasselbe anschauliehe
Faktum, sei es nun ein statisch-materielles Ding oder ein Vorgang, von
zwei versohiedenen Menschen gleiehzeitig beobachtet wird, van denen
der eine ein forscherisch reranlagter und drr andere ein mehr technisch
veranlagter Mensch ist, so haben die beiden bei demselben Eindruck
doch ganz verfichiedene Gedankengange. Der e i n e fragt: Wie laBt
sich das deuten und erklaren? Warum verlPuft der Vorgang so und nicht
anders? E r folgt in seinem Streben dern Kausalmotiv. Der a n d e r e
fragt: Was 1aBt sich aus dieser Beobachtung schaffen? Wozu kann ich'
das Neuerkannte benutzen? Er folgt in seinem Streben dem Zweckmotiv. Wissen, um zu schauen, zu begreifen, und Wissen, urn zu handeln,
stehen sich gegeniiber. Der cine ist in1 Grunde ein mehr besehaulicher
'Mensch, eiri Forscher, der andere rnehr ein Mensch des Willens, der Tat, rnit
dern Ziel der Synthese. Weil sich aus der Natur etwas schaffen k B t , deshalb
will er van der Natur etwas wissen. Und so vollzieht er die groBe Umnertung von der rein wissenschaftliehen Erkenntnis zu praktisch brauchbarem Handeln. Diese Eigentiimlichkeiten des rein wissenschaftlichkausalen Denkens auf der einen Seite und des mehr praktisch-zweekvollen Denkens auf der anderen Seite finden sich nun aufs innigste vereint im Arbeiten der heutigen Chemiker. Noch bis zur Renaissance wurden die technischen Fortschritte im wesentliehen nur erzielt auf der Basis
der reinen Empirie. Aber seit dieser Zeit verlagert sich das Schwergewicht des Fortschrittes langsam mehr und mehr und immer weiter und
weiter fortschreitend auf die Einschaltung theoretisch-experimenteller
Forschung. Und heute ist die innige Verwobenheit van theoretisehen
Forscliungsergebnissen und praktischer Anwendung fast zur SelbstverstLndlichkeit geworden."
Als Vertreter des durch einen Unfall verhinderten Dekans der philosophischen F a k u l t i t der Universitit Koln sprach sodann Prof. Dr. RQSsow zu den Teilnehmern und entbot ihnen den GruB der philosophischen
Fakultat.
Direktor W. A. Menne, Prasident des Verbandes der Chemischen
Industrie, iibermittelte die GriiDe und Wunsche des Verbandes der Chemisehen Industrie. ,,Es liegt in der Eigenart der c h e m i s c h e n I n d u s t r i e , da5 sie als universeller Lieferant f u r alle Bereiche unseres Wirtschaftslebens aus dem Zusammenwirken von wissenschaftlicher Leistung
und wirtschaftlichem Einsatz stets ihre starksten Impulse erhalten h a t
und auch kiinftig immer wieder einpfangen mu5. Sic steht heute unter
dem Druck, auf nianchen Gebieten eine Entwicklung nachzuholen, die
sich nach zehn Jahren der Unterbrechung unserer Eeziehungen zum
Weltmarkt nur durch groDe Anstrengungen aufholen 1aBt. Erschwerend
kommt hinzu, daB der Wiederaufbau und die weitere Entwicklung unserer Werke ohne die friiheren Kapitalreserven unternommen werden
mull. Es ist ein Beweis hervorragender unternehmerischer Initiative,
daB es i m Laufe der letzten Jahre gelungen ist, Investitionsmittel aus
eigener Kraft aufzubringen, die etwa den gleichen Betrag ausmachen
wie die vom Staat und aus ERP-SIitteln zur Verfiigung gestellten Kredite. Trotz der immer wieder neu auftretenden Engpasse, wie zur Zeit
bei Kohle, Stahl und Eisen, zeigt die Produktionsentwicklung der chemischen Industrie einen bemerkenswerten Fortscliritt. Diesen Leistungsstand zu halten und trotz der augenblicklich riicklaufigen Konjunktur
auf den Weltmarkten zu verteidigen, ja sogar noch auszuweiten, verlangt
besondere Anstrengungen. Wenn wir auch mit dem bisher Erreichten
zufrieden sein kijnnen, so ist doch unsere Produktion i m Vergleich zu
der anderer fiihrender Nachbarlander auf einigen Gebieten noch durch-
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aus unzureichend. Wir alle sind uns der GroBe der Aufgabe bewuBt, zur
Sicherung unseres Lebensstandards den Chemieanteil des westdeutschen
AuBenhandels gerade im Hinblick auf die standige Kiirzung der Marshallplanhilfe zii erhohen. Der intelligenz-intensive Chemieexport in Form
von hochwertigen Spezialitaten mull gegeniiber dem konjunkturbedingten
Export von Grundstoffen und Zwischenprodukten kiinftig gesteigertwerden. Wir haben im Jahre 1950 erstmalig die Milliardengrenze in der
c h e m i s c h e n A u s f u h r uberschritten und damit rund 1 3 % des gesamten
Ausfuhrergebnisses der Bundesrepublik gestellt. I m ersten Halbjahr 1951
h a t sich diese konstante Zunahme fortgesetzt, womit der Chemieanteil
wieder die Ziffern der letzten beiden Vorkriegsjahre erreicht hat, nLmlich
15%. Wie ich bereits eingangs andeutete, ist die wichtigste Voraussetzung
fur daa Gedeihen der chemischen Industrie die enge und planma5ige Zusammenarbeit zwisclien chemischer Wissenschaft und Wirtschaft. Sie
wissen, daIJ unser Verband einen F o n d s d e r C h e m i e begriindet hat.
Er wird aus SonderbeitrLgen unserer Mitgliedsfirmen gespeist und h a t
als Jahresergebnis den Betrag van fast 1,3 Millionen DM erbracht. Es
kann aber nur unsere Aufgabe sein, der chemischen Forschung zusatzliche
Unterstiitzung zu geben, denn in erster Linie ist es eine Pflicht der staatlichen Instanzen, die finanziellen Grundlagen fur die Leben und Zukunft
unseres Volkes sichernde Forschung zu schaffen. Bei der Knappheit der
Mittel mu0 sieh die Chemiewirtschaft hinsichtlich der Verfiigung auf die
angewandte Forschung beschranken. Sie betont aber immer wieder die
Notwendigkeit, da5 die dem deutschen Wesenszug entsprechende Grundlagenforschung vom S t a a t in gleichem MaBe gefordert werden mu0 wie
die reine Zweckforschung. Mit diesem Fonds der Chemie haben wir einen
Weg beschritten, die dringendsten Probleme der Forderung des wissenschaftlichen Naehwuchses anzupacken, der in Ihre Reihen hineinwschst
und einst berufen sein wird, das hohe Ansehen der deutsehen Chemie zu
bewahren.
Das grol)e Opfer der -4ufbringung dieses Fonds gibt uns aber aueh das
Recht zur Kritik. AuDer der Tatsache, daB GroDbritannien das Sechsfache und die Vereinigten Staaten das Fiinfzigfache i m Vergleich zu Westdeutschland fur die Forschung ausgeben, hemmt uns in der Chemie ganz
besonders die alliierte F o r s c h u n g s - u n d P r o d u k t i o n s k o n t r o l l c .
Manche Gebiete der Chemie sind uns aueh heute noeh ganz verboten.
Bei vielen anderen miissen wir laufend genaue Aufklarung iiber den Stand
unserer Arbeiten geben und gar erst Genehmigungen einholen, die haufig
erst nach gro5em Zeitverlust erteilt werden. Wir erkennen gern an, daB
den politischen Veranderungen entsprechend vieles Nachteilige geandert
worden ist, aber auch diese Dinge sollten jetzt aufhoren. Wir geben daher
der Erwartung Ausdruck, daB die Ende dieses Jahres kommende Neuregelung des Verhaltnisses zwischen Westdeutschland und den Alliierten
die Aufhebung dieves unertraglichen und unwiirdigen Zustandes fur unsere ehemische Forsehung mit sich bringt."
Im Namen der Kollegen aus Brandenburg, Sachsen, Thiiringen und
Mecklenburg wiinschte Prof. Dr. A. Simon, Dresden, der Tagung einen
erfolgreichen Verlauf. ,,Wir sind heriibergekommen und viele Kollegen
aus dem Westen haben uns im Osten besucht. Wir haben hier und
Sie haben bei unr! vorgetragen. Nun halten wir vom 17.-20. Oktober
in Leipzig eine Taguug Deutscher Chemiker ab, zu der ich Sie hiermit
herzlichst einlade und an der ich Sie bitte, recht zahlreich teilzunehmen.
Wir brauchen Ihnen nicht zu versichern, daO Wir Ihnen den Aufenthalt
bei uns so angenehm wie nur irgendmoglieh gestalten werden und ich heine
Sie schon jetzt als unsere Giste willkommen."
I m Namen aller auslandischen Tagungsteilnehmer wiinsehte sodann
der Prasident des Vereins 8sterreichischer Chemiker, Direktor Dr. Bicche,
daB die Tagung durch die personlichen Beziehungen und fachlichen Anregungen die gerade heute so notwendige Zusammenarbeit fordern und
erfolgreich ausbauen moge.
Bergwerksdirektor Dr. Broche entbot der Tagung seine besten Wiinsche im Namen der Deulsrhen Gesellschaft /iir Chewiisches Apporafewesen, des Deutschen Verbandes Technisch-u.issenschaftZ~cher Vereine
sowie im Namen der I~olloid-Gesellschaft. E r wies sodann auf die nLchste
Hauptversammlung der Gesellschaft Deutscher Cheniiker in FrankfurtMain anlaBlich der ACHEMA X hin: ,,Ich zweifle nicht daran, daB die
Tagung im nachsten J a h r besonders eindrucksvoll wird, da nicht nur Sie
und die Dechema ihre Hauptversarnmlungen in Frankfurt abhalten, sondern aueh die SociBtB de Chimie Industrielk ihre 2 5 . Jahrestagung in
Frankfurt begehen wird. Aber auch eine ganze Reihe weiterer chemischer
Vereine und Organisationen des benachbarten europaischen Auslandes
wird in Frankfurt zur gleichen Zeit Tagungen veranstalten. Somit ist
die beste Aussicht f u r erfolgreiches Wirken i m Sinne einer echten und
darum fruchtbaren und notwendigen europaischen Zusarnrnenarbeit geschaffen."
Ehrunge n
Prof. Dr. Dr. e . h. Ziegler ergriff sodann das Wort zu den Ehrungen
der Gesellschaft Deutscher Chewiker. ,,Die Gesellschaft Deulscher Cheniiker
gibt ihren Hauptversammlungen dadureh eine besondere Note und ein besanders festliches Geprage, daB sie bei Gelegenheit dieser Versammlungen
Auszeiehnungen an bedeutende und verdiente Gelehrte erbeilt. Von diesen Auszeichnungen ist eine, die jiingste, erst seit kurzem. wahrend des
Bestehens der Gesellschaft Deutscher Chenriker, gestiftet worden. Die
anderen h a t die Gesellschaft Deulscher Cheniiker aus alter Tradition
iibernommen, und zwar aus den Traditionen des Vereins Deutseher Chemiker, der friiher die Lieb<g-Denkmiinze und i m Rahmen der Cad-Duisberg-Stiftung die Adolf-con-Baeyer-Denkmiinze und Emil-Fischer-Medaille verliehen hat.
' Es ist im Vorstand und im Vorstandsrat dariiber gesprochen worden,
daB die Gesellschaft Deutscher Chepniker aueh wieder eine Auszeichnnng
iibernehmen soll, die friiher van der Deulschen Chemischen Gesellschaft
Angew. Cheni. I 63. Jahrg. 1951 h'r. 20
verliehen wurde und dem Andenken an August Wilhelw w n Hofmatin
gewidmet war. Dem wird in spateren Jahren entsprochen werden. I n
diesem Jahre sind die Vorbereitungen, die dazu notwendig waren, nicht
mehr zum Zugc gekommen. Die Ncustiftung eines Preises betrifft die
Alfred-Slock-Gedachtnis-Stiftung, deren Preis im yorigen J a h r zum ersten Ma], und zwar in Frankfurt vergeben wurde. Weiter hat es friihcr
eine besondcre Medaille der Lebensmittelchemiker gegeben, die dcni
Andenken anJosephIidniggewidmet war und die jetzt auf Antrag der sehr
aktiven Fachgruppe Lebensmittelchemie r o n der Cesellschaft Deufscher Chemiker iibernommen worden ist. Ich mrjchte die diesjahrigen
Preistrager jetzt bekanntgeben sowie die Auszeichnungen, und zwar in
der Reihenfolge des Alters dieser Stiftungen, wobei einerseits das absolute Alter und andererseits der Zeitpunkt der Ubernahme durch die
Gesellschaft Deutscher Chemiker ma0gebend sein sollen. Die Blteste
dieser Stiftungen ist die Jusfus-i.on-Liebig-Denkmiinze. Sie wurde gestiftet vom Verein Deufscher Chemiker a m 12. Mai 1903, dcm hundertjahrigen Geburtstag Liebigs, zu Ehren des deutschen Altmeisters und
Chemikers, der neue Bahnen wies in Horsaal und Werkstatt, dem Schbpfer des modernen Laboratoriums, dem klassischen Schriftsteller und Denker auf weiten Gebieten des Naturerkennens zum GedAchtnis, als Ansporn und Lohn f i r schaffende und forschende Chemiker in Erfiillung
des Vereinszweckes : der Forderung der Chemie.
Die Denkmiinze ist nach dem Vorschlag eines Ausschusses, der sieh
rnit der Frage der Auswahl der Personlichkeit des Preistragers beschaftigt
hat, vom Vorstand in diesem Jahre zuerkannt worden: Herrn Prof.
Dr. phil. W i l h e l m K l e m m .
Die Verleihungsurkunde h a t folgenden Wortlaut:
Die Gesellschaff Deutscher Chemiker verleiht auf ihrer HauptveTsammlung in Kbln a m 26. 9. 1951
Herrn Prof. Dr. phil. Wilhelnt Klemm
Direktor des Anorganisch-chemischen Instituts der Universitat Miinster, der durch systematische Weiterentwicklung der praparativen
Methodik und der Vervollstindigung der theoretisohen Vorstellungen
entscheidend das Lehrgebaude der Anorganischen Chemie ausgebaut
hat, dessen Arbeiten auf dem Gebiet der seltenen Erden wesentlich
zur Erkenntnis der Stellung dieser Elemente i m Periodischen System
beigetragen haben, der an der Entwicklung der magneto-ohemischen
Lehre maDgebend beteiligt war, die
Liebig- DenkmQnze
Prof. Dr. phil. Wilhelm Klemm, Miinster, dankte fiir die Ehrung.
,.Ich betrachte diese Ehrung nicht als etwas, was mir zuteil geworden
ist, sondern als eine Auszeichnung des wissenschaftlichen Arbeitakreises, der mit mir arbeitet. Ich hatte das Gliick, sehr vie1 tiichtige
und selbstandig arbeitende Mitarbeiter zu haben. Ein groBer Teil dessen,
w a ~
bei mir erarbeitet worden ist, kommt allein auf das Konto der Mitarbeiter. Der Anteil meiner eigenen Person ist gering. Ich bin somit i m
wesentlichen der Brieftriger, der den Mitarbeitern diese Ehrung iibermittelt.
Als vor 16 Jahren mein verehrter osterreichischer Kollege Hiitlig die
gleiche hohe Auszeichnung erhalten hat, galt sein erstes Wort der Erinnerung an Wilhelm Bilk, bei dem er lange gearbeitet hat. Ich kann
nur das Eleiche wiederholen. Bilk h a t die vornehmste Aufgabe des reiferen H&hschullehrers, akademischen Nachwuchs heranzubilden. vor- *
bildlich zelost. Es arbeiteten etwa 1933 bei ihm W. Geilmnnn, W. Fischer, R - J u a , H. Haraldsen und F . Weibke t, die dann spiter alle anerkannte Hochschullehrer geworden sind. Es ist selbatverst%ndlich, daB
ein Arbeiten in einem solchen Kreise, unter der klugen Fiihrung und anregenden Leitung einer Personlichkeit wie W. Bilk, fur meine gauze
wissenschaftliche Entwicklung entscheidcnd gewesen ist.
Dementsprechend habe ich mich, sobald ich ein eigenes Institut
erhielt, bemiiht, auch einen solchen Arbeitskreis heranzuziehen. Das
ist nicht leicht und braueht Zeit. Den ersten Ansatz dazu in Danzig
hat der Ausbruch des Weltkrieges zunichte gemacht, durch den ich
schliefilich meinen Arbeitsplatz in Ostdeutschland verloren habo. Ich
mul) daher jetzt wieder von vorn anfangen. Dabei erhebt sich die
Frage, wie iiberhaupt die Aussichten sind, einen akademischen Nachwuchs heranzubilden. Das ist letzten Endes die Kernfrage, ohne die
eine gedeihliche Entwicklung nicht nur der Hochsehulen, sondern auch
der Technik unmoglich ist. Die wichtigsten Voraussetzungen dazu sind
die folgenden:
1) Sind iiberhaupt die geeigneten Menschen d a ? Diese Frage mochte
ich bejahen. Nach meiner personlichen Erfahrung und nach der uberzeugung vieler meiner Kollegen gibt es eine durchaus ausreichende Zahl
hochbegabter junger Menschen, die auch genug Idealismus haben, sich
rrnsthaft ftir die akademische Laufbahn zu interessieren.
2) Gibt es Institute, in denen gearbeitet werden k a n n ? E s mu0 anrrkannt werden, daL? ein groBer Teil der Lander die Aufgabe des Wiederaufbaues der zerstorten chemischen Institute bzw. dcs Neubaues solcher
Institute rnit groBer Energie angepackt hat. Ich danke besonders dem
Lande Nordrhein-Westfalen, das in Miinster ein sehr schones Institut
gebaut und nahezu fertiggestellt hat. Auch an anderer Stelle geht es
yorwirts, so daB in einigen Jahren die Institutsfrage krin ernstes Problem
mehr sein wird.
3) Es geniigt aber nicht, Wande und Tische zur Verfiigung zu stelleii,
zum Arbeiten geh6ren auch Apparate und laufende Mittel. Hier scheint
sich in den Ministerien die Erkenntnis noch nichf durchgesetzt zu haben,
daB ee nicht geniigt, einmal etwas zu geben - und wenn es Millionen
sind -, sondern daB es wesentlich ist, ein solches Institut lebensfihig zu
erhalten, indem man ihm eine entsprechende Erstausrustung und vor
allem auch ausreichend laufende Mittel gibt. Diese laufenden Mittel sind
die groBe Sorge aller Institutsleiter.
Angew. Cheni. / 63. Jahrg. 1951 /.Nr. 20
4 ) Was bietet der Beruf? l)as kann und mu0 man zunachat von der
ideellen Seite sehen. Wer diesen Idealismus nicht besitzt, sol1 gar nicht
erst anfangen. Aber der Beruf eines Privat-Dozenten ist so risikoreich,
dal) sich ein junger begabter Forscher iiberlegen wird, ob auch materiel1
etwas dahinter steekt, was sich lohnt; denn ein Teil bleibt auf der Strecke.
Das war friiher aueh so und laBt sich auch gar nicht vermeiden. Aber
friiher war ein Institutsdirektor Konig in seinem Reich, finanzielle Sorgen kannte er nicht. Ein Hochschullehrer von heute h a t auf der einen
Seite die Sorge, wie er rnit einem unmoglichen E t a t sein Institut durch
die Institutsschulden hindurchsteuert, zum anderen ist auch sein personliches Einkommen bescheiden." - ,,Dan iiberlegen sich die jungen
Leute natiirlich auch. Es scheint mir daher ein Appell an die hier erschienenen Vertreter der Ministerien unbedingt notwendig, daB man diese
Fragen, die nicht leicht zu losen sind, einmal griindlich durchdenkt. Man
sollte iiberlegcn, wie man die lanfenden Mittel der Institute erhbhen u n d
wie man die finanzielle Stellung eines Hochschullehrers so gestalten kann,
daB es sich auch auf der materiellen Seite fur einen jungen begabten Menschen lohnt."
Sodann ergriff Prof. Dr. Dr. e. h. Ziegler erneut das Wort: ,,Die Gesellschnft Deutscher Cherniker h a t weiter, wie schon erwahat, die beiden
Auszeichnungen der Carl-Duisberg-Stiftung zu verleihen, nimlich dip
Adolf-aon-Baeyer-Denkmtinze und die Emil-Fischer-Medaille. Beide Medaillen haben eine gemeinaame Stiftungsurkunde vorn 30. Mai 1912. Sie
sollten urspriinglich rnit der gleichen Begriindung, die ich verlesen werde,
abwechselnd J a h r u m J a h r verliehen werden. Nachdem in der Verleihung der Auszeichnungen eine lange Unterbrechung vorgelegen hat,
werden in diesem J a h r beide Medaillen gleichzeitig vergeben. PreistrHger
sol1 derjenige deutsche Chemiker sein, der im Laufe des Jahres nach dem
Urtcil dcs Vorstandes unter voraufgehender Beratung rnit den Ehrenmitgliedern des Vereins die beste Arbeit auf dem Gebiet der organischen
Chemie, besonders der experimentellen Farben- oder pharmazeutischen
Chemie veroffentlicht oder sich durch die Darstellung organischer Priiparate, wichtiger Farbstoffe oder pharmazeutischer Priparate, Riechstoffe oder sonstiger Produkte um die deutsche chemische Industrie besonders verdient gemacht hat.
Die Gesellschaft Deutscher Chemiker hat, wiederum nach eingehender Priifung uad Wiirdigung des gesamten Tatbestandes, beschlossen,
die Adolf-aon-Bneyer-Denkmiinze an Herrn Prof. Dr. phil. nat. Dr. rer.
nat. h. c. O t l o B a y e r , Leverkusen, zu vergeben.
Die Urkunde h a t folgenden Wortlaut:
Die Gesellschafl Deutscher Chenaiker verleiht auf ihrer Hauptversammlung in Koln a m 26. 9. 1951
Herrn Prof. Dr. phil. nat. Dr. rer. nat. h. 0 . 0th Bayer
Leiter des wissenschaftlichen Hauptlaboratoriums der Farbenfabriken
Bayer, Leverkusen, dem groBen Chemiker, dem auf vielen Gebieten
der organischen Zwischenprodukte und Farbstoffe wesentliche Fortschritte zu verdanken sind, der vor allem neue wissenschaftlich und
technisch bedeutsame Wege zum Aufbau hochmolekularer Verbindungen beschritt, dem grogziigigen Forderer und Reorganisator der
Deutschen Chemie in schwerer Zeit, die
Adolf-von-Baeyer-DenkmQnze
Prof. Dr. Dr. h. c. 0th Bayer, Leverkusen, dankte fiir die erwiesene
Ehrung: ,,Herr Prilsident! Ich danke Ihnen und der Gesellschaft Deutscher Chemiker fur diese ungewohnliche Ehtung, die mir durch die Verleihung der Adolf-aon-Bneyer-Denkmiinze soeben zuteil geworden ist. Es
gehort rnit zu den Erscheinungen unserer Zeit, dal) man versucht, fur die
schbne Leistung einer Gemeinschaft nur eine Person zu glorifizieren. Das
miindet letztlich im Staronwesen. Das Veraahnliche bei dieser Tatsache
ist aber, daI3, wenn eine Sache schief geht, auch nur ein Siindenbock verantwortlich gemacht wird fur Dinge, fiir die viele die Schuld tragen.
Verehrter Herr Professor Ziegler! Ich bin ilber die iibertriebenen
Worte etwas beklommen, die Sie fur meine Ehrung gefunden haben, beklommen auoh, wenn ich daran denke, welche glanzvollen Namen in
friiheren Zeiten auf die gleiche Wcise geehrt worden sind. Ich denke a n
Richard Willst6fter und Windaus. Auch mein Amtsvorganger Dr. Bernhard Heymann und seine erfolgreichen Mitarbeiter Kolhe und Dressel sind
vor 27 Jahren rnit der gleichen Denkmiinze auagezeichnet worden fur
ihre erfolgreichen Forschungsarbeiten auf dem Gebiete des Germanins,
jener Korperklasse, die kurz nach dem Krieg dazu beigetragen hat, das
deutsche Apsehen im Ausland wieder herzustellen. Moge una das im
gleichen MaBe auch jetzt wieder gelingen!
SodanR wurde die Emil-Fischer-Medaille Herrn Prof. Dr. phil. B u r c k h a r d t H e l f e r i c h , Bonn, einem der letzten i m akademischen Leben
stehenden Schiiler Emil Fischers, zuerkannt.
Der Text der Urkunde lautet:
Herrn Prof. Dr. phil. Burckhardt Helferich
Direktor des Chemischen Instituts der Universitat Bonn, dem hervorragenden Forscher auf dem Gebiet der Kohlenhydrate und Fermente,
dem vorbildlichen, um die Ausbildung des Chemikernachwuchses
hochverdienten Hochschullehrer, verleiht'die
Gesellschaft Deutscher
Chemiker auf ihrer Hauptversammlung in K d n a m 26. 9. 1951 die
E m i l - F i s cher- M e d a i l l e
Prof. Dr. Helferich, Bonn, hrachtc bierauf seinen Dank zum Ausdruck:
,,Wenn man als Wissenschaftler an der Front seiner Wissenschaft mitarbeiten darf, dann kommt einem der Anteil, den man zu den Erfolgen
beitragen durfte und konnte. gering vor, verglichen mit dem, was andere
zu den Erfolgen beigetragen haben. Besonders gering aber gegentiber
der Fiille von Problemen, die noch der Lasung harren und die wie grolle
Fragezeichen vor uns stehen. Auch als Wissenschaftler ist man gelegentlich Mensch und deshalb dankbar fiir Anerkennung von Kollegen, die die
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eigene Leistung wohl besser beurteilen konnen a18 man selbst. Ich darf
der Gesellschaft Deutscher Cherniker und ihrem Vorstand ganz besonders
herzlich dafiir danken, daO sie rnir heute diesc groOe Auszeichnung verleiht! Herr Ziegler, Sie sagten schon, daO Inhaber der Emil-FischerMedaille zu sein fur mich natiirlich eine ganz besonders grol3e Freude und
Ehre ist. Ich habe jahrelang rnit Emil Fischrr - erst als Doktorand, dann
als Assistent - zusammenarbeiten diirfen. Wenn ich heute der Gesellschaft Deutscher Chemiker fur diese Medaille danke, dann verdanke ich
das in erster Linie Emil Fischer, durch den ich zu dem gefiihrt wurde, was
ich leisten konnte. Auch ich empfinde - das m6chte ich ausdriicklich
sagen - diese Ehrung nicht fur mich allein, sondern fur die grolle Zahl
von tiichtigen Mitarbeitern, die an den Erfolgen, die errungen werden
konnten, Anteil gehabt haben! - Ein jeder von uns, der das Gliick hat,
Doktoranden in die WiEEenEChaft der Chemie einzufiihren, h a t einen Arbeitskreis, dessen einziger Nachteil vielleicht ist, daD die jiingeren Mitarbeiter rasch, manchmal etwas zu rasch wechseln. Auf der anderen Seite
liegt gerade in der Ausbildung als Doktorand das entscheidende Schwergewicht der Chemikerausbildung an unseren deutschen Hochschulen.
Man darf sagen: Was der Student bis zum Beginn seiner Doktorarbeit
lernt, ist letzten Endes Vorbereitung fur den wichtigsten Teil seiner AUEbildung, fur seine Doktorandenzeit. EE wLre ein schwerer Nachteil fur
diem Ausbildung und damit auch fiir die deutsche chemische Industrie,
wenn in irgendwie groOerem Umfang fur den Chemiker die Doktorarbeit
und die Doktorpromotion in Wegfall kame. Es wiirde das Niveau der
Ausbildung erschreckend senken. D o k t o r a n d e n z e i t u n d D o k t o r promotion gehoren zum S t u d i u m der Chemiker a n unseren
d e u t s c h e n H o c h s c h u l e n und sind nicht wie in manchen anderen, vor
allem geisteswissenschaftlichen FLchern, eine erfreuliche, aber entbehrliche Erganzung."
Prof. Dr. Dr. e. h. Zieglet verlas sodann den wesentlichen Abschnitt
aus der Satzung der Alfred-Slock-GedLchtnis-Stittung:
,.Von der Stiftung sollen jihrlich hervorragende selbstLndige
wissenschaftlich-experimentelleArbeiten auf dem Gebiet der anorganischen Chemie rnit einer goldenen Gedenkmiinze mit dem Bildnis
Alfred Stocks ausgezeichnet werden."
Die Auszeichnung wurde verliehen an Herrn Prof. Dr. rer. nat.
W a l t e r H i e b e r , Miinchen.
Die Verleihungsurkundc h a t folgenden Wortlaut:
Die Gesellschaft Deutscher Chemiker verleiht anlaDlich ihrer Hauptversammlung in KBln a m 26. 9. 1951
Herrn Prof. Dr. rer. nat. Walter Hieber
Direktor des Anorganisch-chemischen Laboratoriums der Technischen
Hochschule Miinchen, dem hervorragenden Forscher auf dem Gebiet
der Komplexverbindungen, der rnit meisterhafter Beherrschung der
praparativen Methoden und tiefem VerstLndnis der theoretischen
Pr-obleme das Gebiet der Carbonyl- und Nitrosyl-Verbindungen ausgebaut und fur WiEEenEChaft und Technik gleich wertvolle Ergebniaee
erhalten hat, den
Alf~ed-Stock-Gedachtnispreis
Prof. Dr. Hieber dankte fiir die ihm zuteil gewordena Anerkennung und die Unterstiitzung seiner Arbeiten und seiner Mitarbeiter.
,,Eine besondere Ehre ist es mir, daB die schbne Medaille Bild und
Name des Meinters und Forschers, Alfred Stock, tragt, dessen Sohopfungen rnir oft Leitstern auf meiner wissenschaftlichen Laufbahn gewesen
sind. Ich kann mich zwar nicht zu seinen direkten Schiilern rechnen,
aber es war rnir vergonnt, wihrend meiner Heidelberger Zeit ihn manchma1 in Karlsruhe zu besuchen, dort auf seinen Wunach iiber unsere Arbeiten, besonders die gerade entdeckten Carbonylwaeserstoffe, denen er
gr6Otee Interesse entgegenbrachte, vorzutragen und rnit ihm dariiber zu
diskutieren, sowie durch Besichtigung seiner Apparate, gewissermallen
durch seine Hand, experimentelle Anregungen zu empfangen. Ich gedenke hier dieser Zeit mit besonderer Dankbarkeit auch an Herrn Direktor Dr. Mittasch, der unsere Arbeiten rnit Nachdruck unterstiitzte und
uns so die Aufklgrung von Problemen ermoglichte, a n die sonst wohl
kaum heranzukommen geweeen ware. Aucb die nachdriickliche und regelmHBige Unteretiitzung von Seiten der Notgemeinschaft der Deutschen
wissenschaft mechte ich hier rnit warmem Dank hervorheben."
EE folgte die Verleihung der J o s e p h - K d n i g - G e d e n k m i i n z e , zu
der Prof. Ziegler folgendes ausfiihrte: ,,Die neuere Entwicklung der
Lebensmittelchemie in Deutschland, die rnit der Griindung des Reichsgesundheitsamtes zwischen 1870 und 1880 und der Schaffung den eraten
deutschen Nahrungsmittalgesetces p m 1879 beginnt, ist ganz wesentlich
durch den Altmeister Joseph Kdnig beeinfluDt worden. E r hat, wie nur
wenige, dieser WiEEenEdiSZiph Inhalt und Ziel und damit Anerkennung
verschafft. Joseph Kdnig, 1843 in Westfalen geboren, war ein Schiiler
von Justus con Liebig und Friedrich Wo'hler. E r leitete 40 Jahre die landwirtschaftliche Versuchsstation Miinster in Westfalen. Sein eigentliches
Lebenswerk war die Erforschung der chemischen Zusammensetzung unserer Lebensmittel und Futtermittel sowie die Schaffung von brauchbaren, exakten Verfahren zu deren Untersuchung. Sein in mehrfachen
Auflagen erschienenea siebenbandiges Hauptwerk: ,,Die Chemie der
menschlichen Nahrunga- und Genufimittel" ist das heute noch zuverllssigste Kompendium von internationalem Rang. EE ist fur den Lebensmittelohemiker wie fur den ErnHhrungsphysiologen unentbehrlich. Seit
1899 auch ordentlicher Professor an der UniversitLt Miinster, baute
Kdnig die Lebensmittelchemie immer starker zu einem abgeschlossenen
Sondergebiet der Chemie aus. E r starb 1930 irn Alter von 87 Jahren als
Geh. Regierungsrat, Professor, vielfacher Ehrendoktor und Ehrenmitglied
vieler in- und auslandischer wissenschaftlicher Gesellschaften. 1934
setzte der damalige Yerein Deutscher Nahrungs,nittelchemiker diesem
rerdienstvollen Gelehrten durch die Stiftung der Joseph-Kdnig-Gedenkmiinze fur hervorragende Verdienste um die Lebensmittelchemie ein
dauerndes Erinnerungszeichen. Bis 1945 wurden die besten Lebensmittelchemiker rnit dieser Gedenkmiinze ausgezeichhet. Ich muD rnir
versagen, hier alle Preistriger zu nennen, aber wir finden unter ihnen
z. B. Adolf Beythien, Wilhelm Fresenius, Adolf Juckenack und Jose/
Tillmanns. Heute beateht der Verein Deutscher Nahrungsmitlelchemiker
in seiner alten Form nicht mehr. E r war schon friiher in der Deutschen
Gesellschaft fiir Lebensmitlel-, dffentliche und gerichtliche Chemie aufgegangen. Die Berufsvereinigung der deutschen Lebensmittelchemiker
ist Wit 1946 mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker verschmolzen und
lebt a h deren Fachgruppe Lebensmittelchemie als erste und eine ihrer
groOten Fachgruppen weiter. Gern ist der Vorstand der Gesellschafl
Deutscher Chemiker dem Antrag seiner Fachgruppe Lebensmittelchemie
gefolgt, diese Ehrung in den Kreis der von der Gesellschaft Deukcher
Chemiker zu vergebenden Ausceichnungen aufzunehmen, zum Zeichen
der engen Verbundenheit der Nahrungsmittelchemiker mit der gesamten
Chemie, deren selbstlndiges Fachgebiet sie ist und bleiben muO.
Bei der ersten Verleihung nach seehsjlhriger Unterbrechung hette
die Joseph-Kdnig-Gedenkmiinze a n erster Stelle dem 80 auOerordentlich
verdienten Kollegen Prof. Dr. Johann GrossfeZd, einem Schiiler und Mitarbeiter von Joseph Kdnig, verliehen werden miissen. E r i E t leider gegen
Kriegsende verstorben. I h m gebiihrt heUte unser besonderes Gedenken,
wenn wir die Joseph-K(inig-Gedenkmiinze erneut deli Lebenden weihen.
Der Vorstand der Fachgruppe Lebensmittel-Chemie und die Leiter der
brtlichen Arbeitskreise haben duroh einen aus ihrer Mitte gewahlten AUEschuD dem Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker vorgeschlagen
und d i e m h a t den Vorschlag angenommen, die Joseph-Kdnig-Gedenkmiinze 1951 a n Herrn Prof. Dr. Dr. W i l l i b a l d Diemair. FrankfurtMain, zu verleihen."
Die Urkunde h a t folgenden Wortlaut:
Herrn Prof. Dr. Dr. Willibald Diemair, Frankfurt a m Main,
Leiter des Instituts fur Lebenemittelohemie der Universitlt Frankfurt/Main und Direktor des Stldtischen Lebensmitteluntersuchungsamtes Frankfurt a m Main verleiht die Gesellschafl Deutscher Chemiker
auf Vorschlag der Fachgruppe ,,Lebensmittelchemie" anlalllich ihrer
Hauptversammlung in KBln a m 26. 9. 1951 fur seine richtungsweisenden Arbeiten zur Einfiihrung moderner, biochemischer, chemischer
und physikalisch-chemischer Erkenntnisse in Lebensmittelohemie und
Analyee und fur seine Ifntersuehungen iiber die VerLnderungen von
Lebensmitteh und deren Inhaltabestandteilen, wie z. B. Vitamine,
bei technologischen Prozessen, womit er fur die ernpinsoh arbeitendc
Industrie exakte wissenschaftliche Grundlagen schuf, die
Joseph-Kdnig-Gedenkmiinze
Prof. Dr. Dr. Diemair dankte sodann fur die Auszeichnung und gedachte seiner friiheren Lehrer, insbesondere Geheimrat Prof. Dr. Hans
Fischer, Prof. Dr. Benno Bleyer, Geheimrat Prof. Dr. Heinrich Wieland,
der Proff. Liiers nnd Riidiger, die ihm die Wege in seine wissenschaftliohe
Arbeit und den inneren Impuls fiir Lehre und Forschung gegeben haben.
,,Moge es rnir gelingen, auch iiber den modernen entseelten Materialismus
hinweg eine akademische Jugend heranzuziehen, die gewillt, aber auch
fBhig ist, a m Werk unserer groOen dcutschen Chemiker mitzuarbeiten,
in ihrem Sinne zu wirken und zu schaffen und i m Geiste eines Emil Fischer zu forschen, der einmal sagte: ,Nur wer sich bebcheidenen und einfachen Sinnes an die Wunder der Natur heranwagt, darf einmal hoffsn,
ihre Schleier zu liiftenl' I'
Fes t v o r t r Pge u n d Fac h v o r t riige
Plenarvortrlige am 26. September 1061
H. K A U FF M A N N , KBln : Kunstschdlze K61ns.
SLureester bsw. der Lactone das basischere ist, also das additionsfreudigere, unverbundene Elektronenpaar besitzt, ob also den Oxoniumsalren
der Saureester die Formeln I oder I1 zuzusohreiben sind.
H. M E E R W E I N , Marburg: lfber Oxo8iumverbindungen der SBure-
aster und Laetons.
Seit den klassisohen Untersuchungen von Collie und Tickls und A.
u. Baeyer iiber die basischen Eigenschaften des Sauerstoffs ist es bekannt.
daO die Skureester und Lactone ebenso wie die Ather und sndere sauerstoff-haltige organisohe Verbindungen basische Eigenschaften besitzen
und sich mit SLuren und elektrophilen Metall- und Nichtmetallhaloiden
zu oxoniumealzartigen Verbindungen vereinigen. Dagegen besitzt man
keinerlei Anhaltspunkte dafiir, welohee der beiden Sauerstoffatome der
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0-H
I
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[R>o-/x
Rf
Duroh E i n w i r h n g von Trimethyl- bsw. TriLthyl-oxoniumfluoborat
auf Butyrolacton erhalt man leicht vorsllglioh knstallimerende tertiire
Angew. Chern. 63. Jahrg. 1951 Nr. 20
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