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Otto N. Witt. Gestorben am 23. Mrz 1915

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Aufsatzteil.
28. Jahrgang 1916.
1
Otto
N. Witt t.
193
Zeitschrift,ftir angewandte Chemie
Aufsatzteil
I
I. Band, Seite 193-208
20. April 1916
-
Otto N. Witt.
Gestorben am 23. Marz 1915.
Nachruf von A. Binz.
W i t t s Vater, ein aeborener Holsteiner. war Pharmazeut in Ditmarschen mud in Hamburg, spater Lehrer der
Chemie an der Apothekerschule zu St. Petersburg, Professor
der theoretischen und technischen Chemie, sowie Vorstand
cles Laboratoriums am technischen Staatsinstitut zu St. Petersburg und zuletzt Ministerialbeamter fiir chemische Auftrage und Zuckerbesteuerung. Er starb 1872 zu Zurich.
Seine Originalmitteilung an Poggendorffs biographisch-literarisches Handworterbuch, der d m e Notizen entnommen
sind, beginnt mit der Feststellung, daB er S o h eines Bauern
war. Man kennt diese Bauern aus dem Holsteinschen:
sechs FUR hoch, von starkem Korper- und Geistesbau, so
wie F r e n s s e n sie gezeichnet hat. Diese Eigemchaften
gingen auf den Enkel tiber, ebenso die Vorliebe fiir den Beruf des Vaters.
O t t o N i k o l a u s W i t t , geboren am 19./31. Marz
1853 in St. Petersburg, evangelischer Konfession, besuchte,
nachdem sein Vater sich 1866 in Zurich niedergelassen hatte,
die dortige Kantonschule, die er mit dem Zeugnis der Reife
verliel3. Er genugte seiner militarischen Dienstpflicht als
Schweizer und studierte auf dem eidgenossischen Polytechnikum. Sein erstes wissenschaftliches Auftreten fand 1873
in der Ziiricher chemischen Gesellschaft mit einem Vortrage
uber eine verbesserte Darstellung der a-Naphthoesaure
statt. Der Technologe Prof. E m i 1 K o p p hatte das Thema
gestellt. Bald darauf nahm W i t t , ohne promoviert zu
haben, eine Stelle als Analytiker in der Eisenhutte Vulkan
in Duisbnrg an. Diese Ttitigkeit genugte ihm auf die Dauer
nicht; 1874 wurde er Colorist in der Kattundruckerei von
G. S c h i e 13 e r bei Zurich.
Es war dies gerade die Zeit, in der sich in Farberei und
Zeugdruck eine durchgreifende Wandlung vollzog, indem
die Teerfarben, insbesondere das Alizarin, die naturlichen
Farbstoffe zuruckdrangten, und die Ausarbeitung der Verfahren zur Anwendung der neuen Produkte eine Fulle von
Anregung bot. Ein so regsainer Geist wie W i t t muBte
hierdurch in einer Weise beeinfluat werden, die ihn dauernd in den Bann der Teerfarbenindustrie zog, obwohl die
Ravtlosigkeit seiner Jugend ihm auBerlich zunachst nirgends
gestattete, Wurzel zu fassen. Noch in demselben Jahre, in
dem er in die Kattundruckerei eingetreten war, ging er
wieder an das Polytechnikum Ziirich zuriick und beschaftigte sich mit dem Inhalt eines Zirkulars der Farbentechniker W i r t h & C 0 . in Frankfurt a. M., wonach es C r o i s s a n t und B r e t o n n i 6 r e gelungen war, aus Sagespanen
und anderen billigen Abfallen Farbstoffe zu machen. W i t t
trug hieriiber auf der 47. Versammlung der Naturforscher
und Arzte zu Breslau vor, und es kennzeichnet sein Begabung, da13 er das Thema als ein bedeutungsvolles erkannte, lange bevor die Farber sich ernsthaft fur Schwefelfarben interessierten, und ferner, da13 er das geheim gehaltene Fabrikationsverfahren fast ganz durchschaute, indem
er die neuen Farbstoffe als ,,Mercaptosauren" ansprach,
die durch Verschmelzen von Kohlenhydraten mit Alkalisulfhydraten erzeugt seien. Auch eine Publikation iiber die
Sebacylsaure fallt in diese Zeit.
Es ist sehr selten, da13 ein Studierender der Chemie vor
Beginn der Doktordissertation eine Eeihe von Themen bearbeitet und so vie1 von der Technik sieht, wie der junge
W i t t es getan hat. Es war also an ihm schon damals
nichts Schablonenhaftes. Seine Promotionfand am 13.17.1878
Angew. Chem. 1916. Aufsatzteil (I. Band) zu Nr. 313.
in Ziirich statt auf Grund einer Arbeit uber Derivate des
m-Dichlorbenzols und aromatischer Nitrosamine, die, als
zum Teil aus V i c t o r M e y e r s Laboratorium stammend,
in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft
wiedergegeben ist. Im Herbst desselben Jahres wurde W i t t
Chemiker in der Anilinfarbenfabrik von W i 11i a m s , T h o m a s und D o w e r in Brentford und Fulham bei London
und bald erster Chemiker in deren S t a r C h e m i c a 1
W o r k s. Hier erfand er im Januar 1876 das Chrysoidin
und wurde damit als 22jahriger einer der Fiihrer auf dem
Gebiete der Azofarben. Trotz des Erfolges des Chrysoidins
und der bald darauf erfundenen Tropaoline gab W i t t
auch die Stellung in England nach einigen Jahren auf, arbeitete 1879 voriibergehend bei C a s s e 11a & C 0.in Frankfurt a. M. und dann an der C h e m i e s c h u l e i n M u l h a u s e n . I n diese Zeit fallen seine Arbeiten uber Indophenol, Neutralrot und Neutralviolett. 1882-1885 war
W i t t Direktor des V e r e i n s c h e m i s c h e r F a b r i k e n i n M a n n h e i m. Am 1./4. 1886 habilitierte er sich
alsfiivatdozentan der k o n i g 1i c h e n t e c h n i s c h e n
H o c h s c h u 1e z u B e r 1i n fiir ,,Bleicherei, Farberei und
Zeugdruck mit besoiiderer Berucksichtigung der Farbstoff fabrikation", ferner ,,Die Gespinstfasern, ihr Vorkommen
und ihre Gewinnung." Am 1/10. 1888 erfolgte die Anstellung als remunerierter Dozent, am 1./4. 1891 die als etatsmaBiger Professor f i i r technische Chemie als Nachfolger von
Prof. Dr. W e b e r. 1893 besuchte W i t t in staatlichem
Auftrag und als Mitglied der Jury die Weltausstellung in
Chicago, 1900 in ahnlicher Eigenschaft die Weltausstellung
zu Paris fur die dortige Sammelausstellung der deutschen
chemischen Industrie, die er in einem klassischen Kataloge
beschrieb. 1903 war er Prbident des internationalen Kongresses fiir angewandte Chemie in Berlin, den er mit auBerordentlicher Gewandtheit leitete. Auf jede Rede der einheimischen, sowie der fremdlandischen Teilnehmer antwortete er in deren Muttersprache. Im Jahre 1906 konnte
W i t t das neue t e c h n i s c h - c h e m i s c h e I n s t i t u t an der technischen Hochschule zu Berlin einweihen.
Es ist das eines der schonsten Institute Deutschlands. 1906
war W i t t Vertreter des Deutschen Reiches auf dem interiiationalen KongreB fur angewandte Chemie zu Rom. 190'3
in der gleichen Eigenschaft zu London. Fur dasselbe Jahr
wurde er zum Prasidenten der Deutschen Chemischen Gesellschaft gewahlt.
Aus dieser kurzen Schilderung eines an Arbeit und Erfolgen reichen Lebens geht schon hervor, daB sich aus ihm
bleibende Werte fiir die chemische Industrie, fiir die wissenschaftliche Forschung und Lehre ergeben muBten.
Die chemische Industrie verdankt W i t t in erster Linie
zwei bahnbrechende Jugendarbeiten. Im Jahre 1876 erschien in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft eineAbhandlung: , , Z u r K e n n t n i s d e s B a u e s
und der Bildung farbender Kohlenstoffv e r b i n d u n g e n", in der die Farbstoffnatur aromatischer Substanzen auf die gleichzeitige Anwesenheit eines
Chromophors und einer salzbildenden Gruppe zuriickgefiihrt wird. Als Chromophore werden die Nitro-, Azo- und
Carbonylgruppen genannt, als Salzbildner die Hydroxylund Amidogruppen. Beim Alizarin ist die Orthostellung
eines Hydroxyls zum Carbonyl von Wichtigkeit. All das
klingt heute vie selbstverstandlich, weil es durch hundert26
194
Otto
N. Witt t.
fache Erfahrung bewiesen ist. Um so erstaunlicher ist der
intuitive Scharfblick, mit dem W i t t diese Satze aussprach,
obgleich das Material, auf das er sich stiitzen konnte, damals noch ein recht spiirliches war. E s gab nur einige wenige
Nitrofarben, die meisten der u 1 ~ 4bekannten Azo- und Anthrackinonfarben waren noch nicht erfunden, und die konstitutionellen Fragen betreffs anderer Farbstoffgruppen und
h e r Chromophore harrten noch der Klarung. Trotzdem
hat W i t t mit jedem Wort das Richtige getroffen, und die
zahlreichen spateren Arbeiten iiber den Zusammenhang
zwischen Konstitution und Farbstoffnatur haben seine
Theorie zwar vertieft, aber in keinem Punkte konigiert
oder gar widerlegt. So hatte W i t t mit einigen wenigen
Satzen in die regellos anwachsende Farbenchemie die Ordnung gebracht, wie sie spater in N i e t z k i s bekanntem Lehrbuch zum Ausdruck kam. Der Teerfarbenindustrie war
damit eine theoretische G m d l a g e gegeben, deren praktischer Nutzen darin bestand, da13 man voraussagen konnte,
ob eine neue Substanz von bestimmter Konstitution ein
Farbstoff sein werde oder nicht.
Die Chromophortheorie stammt aus W i t t s Londoner
Periode und laBt den inneren Grund vermuten, warum er
spaterhin England den Riicken kehrte : Ein derartig wissenschaftlich veranlagter Kopf konnte in dem unwissenschaftlichen Betriebe einer enghchen Fabrik keine Befriedigung
finden.
Die zweite groBe Tat W i t t s war, ebenfalls im Jahre
1876, die Darstellung des C h r y s o i d i n s durch Diazotieren von Anilin und EinflieBenlassen der Liisung des Diazobenzolsalzes in eine solche von salzsaurem m-Phenylendiamin. Es war der dritte technisch wesentliche Azofarbstoff, der erfunden wurde. Anilingelb ( G r i e s s 1859) und
Bismarckbraun (M a r t i u s 1866) waren vorausgegangen.
Aber letzteren Produkten, so wertvoll inbesondere das Bismarckbraun war, kam aus dem G m d e nicht die Bedeutung
des Chysoidins zu, weil die Verfahren zu ihrer Darstellung
besondere sind, wahrend erst am Chrysoidin das fiir die
Folgezeit Typische, auf eine Unzahl anderer Basen und Azokomponenten Ubertragbare in den Operationen des Diazotierens und Kuppelna zutage trat. Jetzt erst konnte sich die
Industrie der Azofarben voll entwickeln, wie W i t t richtig mit den Worten voraussagte, nach dem Verfahren der
Chrysoidindarstellung lasse sich eine unabsehbare Reihe
gelber Farbstoffe aller Schattierungen gewinnen. Er selber
erfand solche, die er nach dem botanischen Namen der Kapuzinerkresse T r o p a o 1 i n e nannte, wed sie die manhigfachen Orangetone dieser Blume wiedergebenl) ; aber er
unterschatzte die Tragweite seines Verfahrens, denn eine
nahe Zukunft lehrte, daB durch Diazotieren und Kuppeln
nicht nur Gelb und Orange, sondern auch die so wertvollen
satten Purpurtijne zu erhalten seien. Allerdings wurden
diese Erfindungen wie alle folgenden auf dem Teerfarbengebiete nicht mehr in den S t a r C h e m i c a 1 W o r k s gemacht, obwohl W i t t zunachst dort tatig blieb. Wir sind
hier vielmehr bei einem der kritischen Punkte angelangt,
wo die deutsche Teerfarbenindustrie als AUeinherrscherin
einsetzte, und der Grund zu dern heutigen schicksalsschweren
britischen Geschaftsneid geleqt wurde. Weder die Herren
W i l l i a m , T h o m a s und D o w e r , noch irgendwelche
andere bristische Industrielle erkannten die Gunst des
Augenblicks und schufen diejenigen ausgedehnten Pabrikanlagen mit angegliederten wissenschaftlichen Laboratorien,
die zum Ausbau der Azofarbentechnik notig waren. Ohne
Zaudern aber geschah das in Deutschland, insbesondere
unter der Fiihrung C a r o s 2). Zu den Fuchsin- und Alizarinbetrieben gesellten sich jetzt die Azobetriebe, und man
kann sagen, daB von diesem Zeitpunkte an die deutsche
Teerfarbenindustrie in ihren Grundziigen
fest und unbesiegbar dastand.
Durch die Darstellung des Chrysoidins war das fehlende
Glied zwischen Anilingelb und Bismarckbraun gefunden,
indem jetzt die Beziehung zwischen Mono-, Di- und Triaminoazobenzol zutage trat. W i t t schlol3 aus dem VerChem.-Ztg. 4, 437 [1880].
Vgl. A. B e r n t h s e n, Nschruf auf H. C a r 0 , Ber. 45, 1987
[1912].
Zeitschrift ftir
anwwrndte Ctieiijle.
gleich der drei Farbstoffe, dal3 der Farbton sich in bestimmter
Richtung rnit dem Molekulaxgewicht andere. Auch dieser
Satz wurde der Farbenindustrie zum Wegweiser.
Der Bedeutung seiner Chrysoidinarbeiteng) war W i t t
3ich wohl bewuBt, wie aus der Stelle seiner temperamentvollen Polemik mit A. W. H o f m a n n hervorgeht, wo der
24jahrige seinen groBen um 35 Jahre alteren Gegner kurzweg a h ,,beriihmteren Fachgenossen" anredet. Wenn e r
sich durch diese Wendung in jugendlichem Uberwallen auch
als beruhmt hinstellte, so entsprach das den Tatsachen;
denn a h ein Jahr spater der im Laboratorium geniale, aber
technisch unbewanderte Entdecker des Azogebietes, P e t e r
G r i e s s , offenbar unter dem Eindruck der Chrysoidinfabrikation, ebenfalls technische Friichte ernten wollte und ein
Patent nahm4), zeigte es sich, daD alle van ihm angemeldeten Kombinationen farberisch wertlos waren. W i t t war
also selbst diesem Manne iiber den Kopf gewachsen und
blieb ihm auch in der Folge als Praktiker iiberlegen, indem
er nach seiner Vbersiedlung nach Mannheim durch erstmalige Anwendung der von N e v i 1 e und W i n t h e r beschriebenen l-4-Naphtholsulfos~ure wiederum wertvolle
Kombinationen, das A z o c o c o i n , das 0 r s e i 11 i n und
das E c h t r o t C erfand 5). Auf der AussklIung anlaBlich
dea Jubilaums der Konigin V i c t o r i a in Manchester im
Jahre 1887 kam eine gewisse Rivalitat zwischen G r i e s Eund W i t t zum Ausdruck, die ah zur Geschichte der chemischen Technologie gehorig hier vermerkt werden sollG r i e s s hatte zusammen mit R o s c o e , P e r k i n ,
S c h u n c k und S c h o r l e m m e r chemische Praparate
ausgestellt und war auf einem der Schauklisten mit goldenen
Lettern als ,,Exfinder der Azofarbstoffe" bezeichnet. W i t t.
ubte daran in seinem Bericht uber die Ausstellung eine
halb schonende, halb scharfe, jedenfalls aber berechtigte
Kritik, indem er es eine Inschrift nannte, die wohl geeignet.
sei, ,,eine gewiB nicht beabsichtigte Tauschung des Publikums iiber den Anteil des Schaustellers a n dieser Erfindung
hervorzuruf en"g).
Auf dem Pfade der Chromophorforschung weiterscheitend,
suchte W i t t nach neuen Chromophoren, womit gemaB seiner
Theorie auch neue Farbstoffklassen gegeben sein muBten.
Der Erfolg dieses Gedankens kann als ein Xchulbeispiel dafiir
gelten, wie die Wissenschaft zur Fiihrerin der Teerfarbenindustrie geworden ist, denn W i t t erfand auf diesern Wege
das N e u t r a 1r o t. Seine diesbeziigliche Publikation7) eathalt, beilaufig bemerkt, eine Notiz iiber die erstmalige Verwendnng des Zinkstaubes in der Teerfarbenfabrikation.
Vor allem wurde diese Arbeit, sowie die damit zusammenhangende iiber die E u r h o d i n e8) dadurch von groIjter
Bedeutung, daB der Scharfsinn B e r n t h s e n s in Verfolg
seiner Untersuchungen iiber das Acridin und Thiodiphenylamin das Chromophor in den Wittschen Produkten in
Gestalt des A z i n r i n g e s erkannte9), womit ein neues
groBes Gebiet erschlossen war. Eine andere Witt sche
Erfindung, die zusammen mit dem beriihmten Kattundrucker H o r a c e K o e c h 1i n in Mulhausen ansgearbeitete Darstellung der I n d o p h e n o 1 e 10) brachte eine Enttauschung. Die Leukoindophenole sind Kiipenfarbstoffe,
und die Erfinder glaubten, damit das Indigogebiet erweitern
zu konnen. Das ist bekanntlich erst in unserer Zeit durch
ganz andere Produkte gelungen. Unwissentlich aber hatten
W i t t und K o e c h 1 i n dennoch die Teerfarbenindustrie
um sehr wertvolle Zwischenprodukte bereichert, da seit
1900 wichtige Schwefelfarben, wie Immedialreinblau und
andere, mit Hilfe der Indophenole gewonnen werden.
Kermit schlieBen W i t t s arbeitsreiche Wanderjahre,
und seine fernere Tatigkeit geht von der technischen Hochschule Berlin am: Damit verband sich notwendigerweise
eine tiefgehende Anderung seines Schaffens. Der unmittelbare EinfluB auf den Entwicklungsgang der Industrie mnBte
3)
4)
5)
6)
7)
1)
2)
[
-
9)
10)
Ber. 10, 350, 656 [1877].
D. R. P. 3224 [1878].
D. R. P. 26012 [1883].
-
-
Chem. Industr. 10, 450 138871.
Ber. 12, 931 [1879].
Ber. 18, 1119 [1885]; 19, 441, 914 [1886].
Ber. 19, 2604 [1886]. Liebigs Ann. 236, 332 [1886].
D. R. P. 15 915 [1881].
A ufsatzteil.
28. Sahrgang 1916.1
-
Otto
N. Witt 4.
19<5
.__
aufhoren, wenn er auch mittelbar noch bestehen blieb, in.
sofern er von einem Manne ausging, der einen groRen Namen
hatte und sich mit dem Gewicht eines solchen in vierfachei
Weise betatigte: als Gutachter, als Forscher, als Lehrer dei
Technologie und als Schriftsteller, alles dieses unterstutzt
durch eine hervorragende Begabung der Rede und del
Feder.
W i t t s g u t a c h t l i c h e T a t i g k e i t entzieht sich
naturgemll3 der Besprechung, da Gutachten in den meisten
Fillen fur immer in den Aktenschranken der Gerichte
und der Fabriken begraben bleiben. Wohl aber 1aRt sich
aus W i t t s patentrechtlicher Studie ,,C h e m i s c h e
H o m o l o g i e und I s o i n e r i e in ihrem E i n f l u D
auf Erfindungen aus dem Gebiete der org a n i s c h e n C h e m i e'' (Berlin 1889) ermessen, wie tief
der Verfasser in diejenige Materie einzudringen vermochte,
deren Kenntnis zum Rtistzeug des technologischen GutachterR
gehort. Die Schrift enthalt mehr, als der Titel verspricht,
insofern Dinge darin kritisiert und erlautert werden, die
damals zum Ted noch in der Entwicklung begriffen waren
und f6.r den weitgehenden EinfluB dm Patentwesens auf
die chemische Industrie entscheidend geworden sind : der
Begriff des chemischen Verfahrens ; die Abhingigkeitserfindung; die Einfiigung eines Erfindungsaquivalenb fur ein
anderes ; der neue technische Ef fekt ; milde und strenge
Praxis des Patentamtes ; die PatentrechtIjchen Fehler, die
bei der Erfindung der Alizarindarstellung gemacht und bei
der Erfindung des Benzopurpurins vermieden worden
waren ; das erstmalige Eingreifen des Reichsgerichts bei
Gelegenheit des Kongopatentes, und anderes.
W i t t s w i s s e n s c h af t l i c h e A r b e i t e n seit
seinem Ubertritt ins akademische Leben schliel3en naturgemiiI3 zunlichst a n seine technische Vergangenheit an. Hervorzuheben sind aus den Jahren 1 8 8 6 1 8 9 6 folgende Veroffentlichungen in den Berichten der Deutschen Chemischen
Gesellschaft : ,,Die isomeren a-Naphthylaminsulfosiiuren".
,,Zur Konstitution der Naphthionsaure und des Kongorotes". ,,uber eine neue Bildungsweise der Azine". ,,Zur
Kenntnis der isomeren Tolunaphthazine und des Wollschwarz." ,,ZW Kenntnis der Azoniumbasen". ,,Uber
Eurhodine und Saffranine". ,,Reduktionsprodukte aus Azofarbstoffen der Naphthalinreihe". ,,Vber die Cyanamine".
(Zusammen mit N o e l t i n g und G r a n d m o u g i n . )
,,Uber Abkommlinge des Indazols". ,,uber die Reduktionsprodukte alkylierter Azofarbstoffe der Naphthalinreihe".
,,tfber Azoderivate des Brenzcatechins". ,, m e r einige neue
Laboratoriumsapparate" (Presse, Riihrwerk). ,,ober die
Reduktionsprodukte alkylierter Azofarbstoffe der Naphthalinreihe". ,,Uber naphthylierte Benzolsulfamide und Toluolsulfamide". ,,Naphthacetol". In dieselbe Periode fallt
eine Publikation, die nicht in den Berichten, sondern in
Lehnes Farber-Zeitung (Heft 1, Jahrgang 1890/91) erschien:
,,Theorie des Farbeprozesses." Der Vf. bezeichnet hier sowohl die chemische a h auch die mechanische Theorie des
Farbens als ungenugend und stellt ihnen seine Auffassung
entgegen, wonach die Farbungen insgesamt Losungserscheinungen seien. Daraus, da13 Fuchsin auf Seide durch Seifenwasser nicht abgezogen werde, wohl aber durch Alkohol,
ergebe sich die Fuchsinfarbung als eine feste Losung des
Fsrbstoffes in der Faser, denn nur so sei es zu erklaren, dal3
nicht die Seife, wohl aber der Alkohol, der als Losungsmittel
der Seide uberlegen sei, den Farbstoff aufnehnie. Diese Arbeit ist fiir W i t t charakteristisch. Sie zeigt, wie er ankniipfend an geringes, aber gut gewahltes experimentelles
Material rnit weitschweifender Phantasie und blendender
Diktion eine Fiille von Erscheinungen zu erklaren sucht.
Darauf beruhte der groDe Erfolg seiner Chromophortheorie.
Einen ahdichen ErEolg hatte seine Farbetheorie allerdings
nicht. Die Farbevorgange sind zu verwickelt, als dal3 man
ihnen von einern gemeinsamen Gesichtspunkt,e aus beilrommen konnte, und selbst die Wittsche Deutung des einen
von ihm untersuchten Falles hat Widerspruch erfshren, d a
es angeblich nicht Fuchsin ist, was sich im Alkohol lBst,
sondern eine chemische Verbindung von Fuchsin mit Seiclensubstanz 11). Trotzdem ist W i t t s farbetheoretische Ar-
beit hoch zu werten, da sie anregend gewirkt hat und zahlreiche spatere Untersuchungen anderer Forscher hervorrief
Sie gleicht einer Reibflache, an der sich vieles entziindet.
Nach dem Jahre 1896 und zum Teil schon vorher bemerkt-man in der Richtung, die W i t t s Arbeiten nahmen,
eine Anderung. Zwar ist er der Teerfarbenchemie lebensliinglich treu geblieben, wie mehrfache hier nicht aufgefihte
Mitteilungen aus den letzten Jahren und noch der neuesten
Zeit beweisen, die er a n die ,,Berichte" gelaagen lie& Der
Rauptsache nach aber wendete er sich a n o r g a n i s c h e n
Themen zu. Anknupfend an das Mondsche Verfahren des
Eindampfens salmiakhaltiger Ablaugen vom Solvay schen
Bicarbonat wollte W i t t den Salmiak durch Behandeln
mit Phosphorsaure in Salzsaure und Ammoniumphosphat
zerlegen und aus letzterem in der Gliihhitze Ammoniak
austreibenlz). Die daraufhin angestellten Versuche, welche
eines der wesentlichsten Probleme der anorganischen GroBindustrie beriihrten, scheiterten leider daran, dal3 auf die
Dauer kein Material gegen schmelzende m-Phosphorsaure
bestandig ist. Unter anderen Arbeiten sollen noch genannt
werden : ,,Beitrage zur Kenntnis der Ceriterden13)'', ,,Uber
ein einfaches Verfahren zur Herstellung von Bariumnitrit"14), und die Vortriige : ,,Uber die Nutzbarmachung
des Luftstickstoffs" l5), ,,tfber die Entwicklung der Keramik"l6). Letzteren Vortrag hielt er in der Festsitzung bei
Eroffnung der Ausstellung der Tonwaren-, Zement- und
Kalkindustrie a m 3. Juni 1910. Uberhaupt hat W i t t
sich vie1 mit Keramik beschaftigt. Mit groRer Klarheit bezeichnete er die Ziele dieser Industrie bei Gelegenheit der konstituierenden Sitzung der technisch-wissenschaftlichen Abteilung des Verbandes keramischer Gewerbe
in Deutschland zu Charlottenburg a m 13. Juni 1913.
Als L e h r e r d e r T e c h n o l o g i e machte W i t t
auf seine Schiiler durch seine Personlichkeit und die Kunst
der Darstellung einen tiefen Eindruck. Der Studierende
merkte, daR diesem Manne die Technik etwas Erlebtes,
nicht nur etwas Erlerntes war. Die Arbeiten, die aus den1
Inatitut hervorgingen, suchte er stets technologisch z u
orientieren. Dabei verwarf er durchaus die Art von Unterricht, die aus dem Studierenden einen Spezialisten mit
engem Horizont macht. Ebenso wie sein Institut und die
jarin befindliche prachtvolle Unterrichtssammlung das
Ganze des technisch-chemischen Schaffens versnschaulicht,
50 sollte der Schiiler die Anwendungen der Chemie sls
Ganzes erfassen lernen.
W i t t nahm es ernst mit seinem technologischeri
Lehrberuf und vertrat darin einen ganz bestimmten Standpunkt. ,,Die Technik", sagte er17), ,,spricht eine andere
Yprache als die reine Wissenschaft, und derjenige, der die
rechnik befruchten will, muB vor allem die Kunst erlernen,
seine wissenschaftliche Kenntnis dem Wesen der Technik
mzupassen . . Ich hoffe, dal3 die Zeit kommen wird, in
lvelcher der chemische Technologe eine ausgestorbene
Ypezies, eine Art wissenschaftlicher Archaeopteryx oder
[chthyosaurus darstellen wird - nicht, weil man diese
3orte von Chemikern nicht mehr brauchen wird, sondern
~ e l m e h rdeshalb, weil aller chemischer Unterricht unter
Berucksichtigung technischer Gesichtspnnkte erteilt werlen wird, weil es keine Cherniker mehr geben wird, welche
Tlauben, die Chemie bloR als sogenannte reine oder theoreische Wissenschaft betreiben oder unterrichten zu konnen.
Denn je hoher wir emporsteigen in der wissenschaftlichen
grkenntnis, je weiter die Kreise unseres Verstiindnisses
iir die alluberall sich abspielenden chemischen Vorgange
verden, desto mehr miissen wir erkennen, daR die Wissenchaft an sich tot und unfruchtbar ist, dal3 sie ihre Bzleutung und ihre Fruchtbarkeit erst gewinnt in ihrer Anvendung auf Natur und Leben."
Diese Wort= elithalten mehr als ein Bekenntnis. Sie
ind eine Kriegserklarung a n eine bestimnite wissenschaft-
.
.
Rer. 19, Ref. 952 [1886].
Ber. 33, 1315 [1909].
l+) Ber. 36, 4384 [1993].
1 6 ) Chem. Industr. 28, 699 [1905].
16) C!hem. Industr. 33, 387 [1910].
17) Chem-ZtS. 30, 293, 312 [19131, vg!. Anyw. Chcm. 14, 651
la)
13)
L9011.
"LG*
196
~
--Rassow: --Deutschlands
~Versorgung
~rnit
lichc Richtung, die i n Doutschland ubcrniachtig gcworderi
ist und zum Teil bis auf den heutigen Tag dem technologischcn Unterricht hochmutig ablehnond gegcnuber steht.
Man braucht nicht so weit zu gehen wie W i t t und ,,die
Wissenschaft an sich t o t und unfruchtbar" x u nennen, und
doch wird man sich, besonders in heutiger Zeit, wo dic
Eiristellung chernischer Arbcit a u f praktischc Zielc der
Nation eiii gcwaltigcs Riistzcug geliefcrt hat, i i b s die E n t schicdenhcit freuen. mit tier er auf die Xotwendigkeit hinweist, daU die Studicrendcn der Chemie tcchnologisch
tlenken lernen, und den fanatischen Theoretikcr, der das
nicht einschcn will, zii den vorsintflutlichen Ungeheucrn
vcrwcist. Denn das ist der Sinn seiner palaontologischen
Anspielung.
W i t t s s c h r i f t s t c l l e r i s c h e T a t i g l r e i t war
cine sehr ausgedehnte, weil zu scinen vielfachen Veranlagringen auch die dcs echtcn Schriftstcllcrs gchijrte. Xr
war nicht glucklich, wenn cr ilicht schrciben und rcdigieren
konntc. So cntstanden seine fachwissenschaftlichen Werkc :
,,C h c m i s c h e T c c h n o 1 o g i e d c r CI c s p i n fi t f a s e r n " ; ,,Die c h o m i s c h e I n d u s t r i e d e s
Deutschen Rcichcs i n neginnc des
z w a n z i g s t c n J a h r h u n d e r t s"; die Zeitschrift:
,,D i e. c h c m i s c h e I n d u Y t r i e"; fcrner sein ,,P r o m e t h c u s", cine popularc Zeitschrift, rnit dem er dcm
Bediirfnis wciter, hauptsachlich nichtchemischer Kreise
nach naturwissenschaftlicher Bclehrung cntgegen kam ; und
schlieBlich die Zusa.mmenfassung dcr von ihrn selber im
Prometheus geschricbenen Aufsatze, dic er ,,Ka r t h e nachdenkI iche
I3 e t r a c h t u n g c n
kion ,
e i n e s h' a t u r f o r s c h e r s" nannte. Eine gutc popularriatiirwissenschaftlichcLiteratur ist etwas durchaus Sotwendiges, und trotzdcm gibt es sic in 1)eutschland in gronerem
MaBe erst seit vcrhaltnismaBig kurzcr Zcit. Friiher hieltcn
Naturwissenschaftler von Ruf es meist fur unter ihrcr Wiirdc,
anders als strcng sachlich und fur dcn engen G e i s der Eingeweibtcn zu schreiben. W i t t h a t das Verdicnst, unter
den ersten gewesen zu sein, die mit dicscm Vorurteil brachen.
Daa lctzte Schriftstellerischc, das W i t t uns hinterlassen hat, sind seine KricgsaufsatzclB). Sie gehoren zu
I*)
Chem.-Ztg. 38, llli, 1130 [1914]; 39, 117 [L915].
Deutschlands Versorgung mit Pflanzennahrstoffen.
Vori B. K A ~ S O WLeipzig
,
1).
Dcutschland hat im Laufc des 19. Jahrhiindcrts ehien
gewaltigcn industrielleri Aufschwurig gerioinrnen. Zugleich
hat sich seine Bevblkerung stark verrnehrt; sic betrug vor
50 Jahrcn (1867) rund 40 Mill. Menschen, wahrcnd gcgenwartig 67 Mill. gezablt wertlcii.
Wahrend dieser Zeit haben sich auch die Erwerbsverhaltnisse der Bevolkerung sehr crheblich versehoben.
Wahrend die Deutschen urn die Mitte dcs vergangenen Jahrhunderts noch ubermicgend in der Landwirtschaft tatig
warcn, so beschaftigt jetzt dic Landwirtschaft nur noch
etwa ein Drittel dcr Bcvolkcrung, zwei Urittel finden ihren
Lebensunterhalt in Handel und Industrie, sowjc im Dienste
dcs Staates und der Gemeinden.
Dcr Zuwachs von 27 Mill. ist hauptsachlich der gcwerblichen hvolkerung Deutschlands zugute gekommen; nur
etwa 4 Mill. davon cntfallcn auf die Landwirtschaft.
Die zunehniende Hev6lkerungsdichte konnte nathrlich
nicht ohne Einflun a u f die Versorhung dcr Einwohner rnit
Sahrstoffen bleiben. Urn die Mitte des vergangenen Jahrhundvrts war I>eutschland noch wesentlich ein Agrarstaat,
dcr einen grofien Ubcrschun an Cetreidc und anderen landwirtschaftlichen Eizeugnissen baute und diesen CberschuB
1) Vortrag, gehalten am .,Vatcrliindinchen Abend in der Aula
der Universitat laipzig" am 16. Jan. 1915; zueret abgedruckt im
2. Kriegsheft der Monatshefte fiir naturrrisscnschaftl. Untcrricht,
herausgegebcn von Prof. I)r. B. S c h m i d. Leipzig, B. G.Teubner.
[ *Il~~~:,"d":,"Ie.
Pflanzennahrstoffen.
-
-scinem Besten und kennzeichnen zuglcich sciue Persiinlichkeit. W i t t war cin vielgewandtcr Weltrnann, iind d a e r
mehrere Sprachcn akzentfrei sprach und irri Auslande geborcn und erzogcn war, so hattc man ihn auch f i i r eineii
Wcltbiirgcr halten konncn. Und doch, wie urdcutsch ist
dieser Mann. Wie freut er sich, ,,frei herrtus sagcn zu
diirfcn, was man in Fricdcnszeiten aus internationaler Hiiflichkcit verschweigt". I n dem, was cr u b x di? TJrsachen
von Englands industridlem Sicdergang schrcibt, iiber ,,seine
Freilieit, die i n Wirklichkeit seine Zerfahrenhcit ist", huficrt
sich die gcwichtige Stimmc cines der Sachkundigsten in
der Vorgeschichte tlcs traurigen deutsch-britifichen Zwicspaltes. Mit vernichtender Kritik halt W i t t den Engl a n d c n einen Spicgcl vor und ltennzeichnet dic Griinde
ihrer Feindschaft gcgen Deutschland, und doch wahrt er
dabci die Vornchmhcit der Form in wohltiiendem Gegcnsatz zu dcr pathologischen Entglcisung von S i r W i 1 liam Ramsayis).
I n d.cser Aufsatzreihe20) 1:criihrt W i t t auch das, ,,woriiher er ein Lnben Iang nachgedacht habe, welches Erziehungssystem das bessere ist", das deutsche, bestehend
in der ,,Produktion einer moglichst groBen Zahl von
bravcn ordentlichen Durchschnittsmenschen mit einem
mijglichst geringen Frozentsatz an vollig verfehlten", oder
das bequemerc britiache, welch= auf die miihsame Erringung der GleichmaBigkeit verzichtet, dafiir aber cinzclncn gronen Talentcn mehr Spielraum gewahrt, Was
W i t t hier kurze Zeit vor seincm Tode geschrieben hat,
klingt wie ein Vermachtnis und zeigt dio Schwere unseres
Verlustes. Denn s-inc Vaterlandsliobe erschopftc sich nicht,
wie cs so vielfach der Fall ist, darin, daB cr das Verhaltnis
Deutschlands zurn Auslande rnit ,,Gott strafe England" oder
cincrn an-icrcn Kriegsschlagwort crledigte. W i t t hatte
viclmehr cine tiefgehendc Kenntnis vom Wesen unserer
Peindc; er war in dzr Lage, ihre Schwachen und Starkcn
mit dcri unsrigen zu vergleichcn und auf diescr Grundlagc
dariiber zu urteilen, was uns not tut. Er hatte zu denjenigen gehort, die in erster Linic berufcn sind. die schwierigen Fragen im neucn Deutschland losen zu helfen. [A. 42.1
-~
1 9 ) Knglische Veriinglimpfu~~gder deutschen chemischen Induutrie, Chem-Ztg. 39, 173 119151.
2 0 ) Chem.-Ztg. 39, 181 [1915].
an das industriercicherc Auslantl, insbcsondere England, abgab. Das anderte sich in den 60er Jahrcri des vergangencn
Jahrhunderts sehr schncll. Die Bevolkcnmg wuchs, die zunehmcride Dichte dcr Eisenbahnlinicn sorgte f i i r bessere
Verteilung clcs Nrntcscgens im Inlandc, und dic uberseeischen Gebietc, die Getrcide und Fleisch billigcr zu produxiercn vcrmochtcn, lieferten mit Hilfc der sich stLndig vcrmehrenden Soeschiffahrt immtr steigendo Mengen von landwirtschaftlichen Produkten nach Europa.
So wurde Deutschland aus cinem Getrcide exporticrendcn
ein importierendes Land.
Wcrui abcr die deutsche Landwirbchaft sieh iiberhaupt
noch gegeniibcr dem Import aus Landcrn mit geringcren
Produktionskoston bekauptcn konnte, so vcrdankt sie daa
in der Hauptsache zwei Umstandcn. Das sind:
1. die Ihrchdringung der Landwirtschaft mit dern
Gciste und der Arbcitsweisc dcr modernen Xaturforschung
und
2. die von B i s m a r c k im Jahre 1879 cingeleitete
Zollpolitik. Nur dic Schutzzijllc habcn cs unserer Landwirtschaft ermoglicht, dcm Wettbcwcrb des Auslandes mit
Reinen viclfach ungleich giinstigeren Produktionsbedingungen standzuhalten.
Die Einfuhruiig voii Schutzzollen kt bckanntlich ein
zweischneidigcs Schwert. Die Zolle konnen dazu ftihren,
daB die dadurch gcschutztcn Gewerbe sich auf die faule
Haut legen, rniihelos die erhohtcn Verkaufspreise einheimsen und sich so auf Kosten der Vcrbraucher bereichern.
Wenn die Zolle aber von einer weitblickenden Regierung
SO bememen werden, da13 sie niir eben die allzu groBen Verschiedcnheiten der Erzeugangskosten zwischen der Heimat
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