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Neue Arzneimittel.

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Zeitschrift fur angewandte Chemie
-
I
35. Jahraana S. 633-640
Inhaltsverzdchnis Anzeigenteil S. VII.
ober die Methananreicherung aus Cirubenwettern.
Von E. BERL und 0. SCHMIDT.
(Mittellung aus dem chemisch-technlschen und elektrochemischen Institut der Technischen Hochschule Oarmstarlr.)
(Eiogeg. 18.19. 1922.)
Von wichtiepm wirtsrhaftlichen Interesse ist die Gewinnung von
Methan aus Grubenwettern, die mit einem Gehalte von 1-2°10 Methan
bin jetzt unausgentitzt aus den Kohlenbergwerken in die freie Atmosphlre gelassen werden. Das aus den Fltizen entweichende schlagende
Welter wird durch Luft auf diesen gerinpen Methangehalt verdllnnt,
um mit Sicherheit unter der unteren Explosionsgrenre von etwa 6°/0
Methangehalt zu bleiben, die ja durch Vorhandensein von Kohlenstaub, ferner diirch den im Bergwerke vorhandenen htiheren Druck
noch weiler nach unten verschoben wird. Wenn man Uberlrgt, welch
ungeheure Menpen des heizkraftigenMethans mit 8560Kd. auf j e l Kubikme'er (unterer Heizwert) auf diese Weise verlorengehen, da aus den
Bergwerken tlglich hunderttausende Kubikmeter Reinmethan als
l-201pige Wetterluft unawgenutzt ausgestoaen werden, dann ist
die wirtschaftliche Bedeutung der Ltisung des Problems: das Metban
soweit anzureichern, dab es unter Gewinnung von kalorischer, mechaoischer und elektrischer Energie verbrannt werden kann, zu verstehen. Auf Grund der angebtellten Versuche kann gesagt werden,
daD mittels fraktionierter Adsorption durch groDoberflachige Ktirper
und weiterem fraktionierien Erhitzen des beladenen Adsorbens eine
Anreicherung soweit getrieben werden kann, dad man i n d e n oder
i i b e r d e n E x p l o s i o n s b e r e i c h (6,2--12,7O/, CH,-haltige Luft) der
Methanluftgemische gelangt. Im Explosionsmotor ist der Energiegehalt
des explosiblen Methanluftgernisches auszunutzen. und die heiden Auspuffga*e sind zur Erhitzung deu mit Methan beladenen Adsorbens wirtschafdich zu verwerten. Wenn z. B., wie dies bei schlagwrtterreichen
Gruben der Fall ist, werkilglich bis zu 250000 cbrn Reinmethan als
1-2Oi0ige Wetterluft geftirdert werdcn, und dieee eine Anreicht rung auf
in Gaskraftmaschinen verbrennbares Methanluftgemisch erfIhrt, dann
sind bei verltistloser Anreicherung aus den 250000 cbm Reinmetban dauernd 50-25000 kW erzielbar, demnach eine ganz betrlchtliche Energiemenge, deren Erzeugung das gr6)bte lntei esbe beanspruchen sollle.
100OOO cbm Reinmethan in je 1 Tag entsprechen einer stiiudlichen Kalorienmenge von 100000x8560
-- 35670 Kal. Bei einem
I
7. November 1922, Nr. 89
ablesung Null zeigte. Neben der Methananreicherung wurde die Bildung
von Kohlendioxyd infolge der Verbrennung des leicht verbrennlichen
Kohlenstoffes der aktiven Kohle durch den hohen Saueratoffpartialdruck der Wetterluft festgestellt, woiUber noch spater ausflihrlicher
berichtet werden wird. Das entstandene Kohlendioxyd kann R U S dem
adsorbierten, ausgetriebenen Gase, wenn ntitig, leicht pebunden werden.
Die adsorbierten Gase wurden aus jedem Rolir mit Wasserdampf
ausgetrieben und getrennt analysiert.
Aus Verauch 4 eigibt sicb, daD der TemperatureinfluS nicht so
grot3 ist, als daS Tiefktihlung im technischen Betriebe wirtschafllichen
Vorteil aufweisen wlirde.
Es hat sich gezeigt, daS eine weitere Anreicherung an Methan
dadurch leicht zu erreichen ist, daS man nach der Adsorption die
Kohle fraktioniert erbitzt und dadurch zunachst ein niedrigprozeniiges
Methanluftgemisch austreibt, das man wieder zu der anzureichernden
Wetterluft pibt. Durch htiheres Erhitzen oder Verdrtingen durch
Wasserdampf erreirht man dann ein bedeutend htiherprozentiges Methanluflgemisch als beim ,,einstufigen' Arbeiten.
Zu dem Versuch der M e t h a n a n r e i c h e r u n g d u r c h f r a k t i o n i e r t e s E r h i t z e n der beladenen Kohle wurden 32 g trockene, mit
Luft beladene Kohle verwandt. Nach Durchsatz von 950 ccrn 1,4°/oiger
Wetterluft (enthaltend 13,3 ccm Reinmethan) mit einer Strtimungsgeschwindigkeit von 0,4 Liler Stunde war der Gleichgewichtszustand
erreicht, das heidt weiteres Durchlriten des Methanluftgemrsches hatte
eine weitere Methanaufnahme durch die Kohle nicht mehr zur Folge.
Die beladene Kohle wurde zuerst auf 10Oo, dann auf 175O C erhitzt
und schlieDlich mit Wasserdarnpf abgeblasen. Die erzielten Gasmengen
und ihre Zusammensetzung sind in nachstehender Tabelle wiedergegeben:
ccm
I
I:
1
1 ::I
100
I
I
CH,
1,85
5,06
11,48
I
CO,
-
1,03
26,85
Luft
1
I
98,15
93,91 I
61,67
I
,
enthalten
ccm Rein1,85
2,50
8.60
12,Y6
erhalten durch
I Erhitzeo auf looo
"
1750
~
Abblasen m.Wasserdaplpf
--cx - _
wirtscbafilichen Wirkungsgrad von 42-0,25, wie er in Explosionsmotoren erzielt wird, ergibt sich eine Snergieleistung von
(0,Z-0,25) *670000x4'27 = 10800-13400 PS oder 7850-9800 kW.
-A
?
-
60x60~75
Bei Verbrennung des Methans unter Dampfkesseln und Erzeugung
von mechanischer und elektrischer Energie mittels Dampfmaschinen
oder Dampfturbinen ergeben sich im Hinblick auf den schlechteren
Ausntitzungsgrad ungefahr nur die Halfte der oben angeftihrten Werte.
--
Versuchsergebnisse:
.
Str6mnngs-
Versuch
- __
Nr.
-
remp.
II
II
Durchge- Zusammensetzung des ?p
Remergaugenes angereicherten Gases
gescbwionigkeit
Gas
kungen
Nr.
LiterIStunde
ccrn
CO,
200 =0,45
0,25cm/Sek.
4500
27
200 = 0.35
0,19 cm/Sek.
2250
3
0,90
200 = 0,6 cmjSek.
4500
- 16O
*) Bei
Nr.
,
--
I
1
4
r
0,60
= 0,28cm/Sek.
1600
I
89,67 11
90,02 111
91,27 I
92,48 11
1I1 n. expl.
8,03 88,18 I
I1 nicbt ex-
6,ll
, 4,38
3,87
2,70
1,93
1,22
3,79
3,16
3,32
4,07
5,95
6,11
6,03
5,59
-
111 plodiert
!
I
Neue Arzneimittel.
-
7,62 ' 88,31
I
I
Versuch Nr. 2 wurde urn die Hiilfte der Gasmenge von Versuch
und 3 angewandt.
Es wurden drei Kohlerohre rnit je 10 g aktiver, rnit trockener Luft
geL-tti ter Kohle hintereinander geschallet, ucd die 2Ol0 Methan enthaltenfe, rnit Was3erdarnpf ges8itipte Luft bis zur vollkommenen
Sxttjgung der Kohle durchgeleitet. Dieser Zustand wurde als erreicht
brtrachtet, wenn die Ablesung des. Ha b e r - Ltiweschen Gasinterferometers, durch dessen eine Gaskarnrner I das Ausgangsgas, durch densen
andere Kammer II das dureh die Kohle gegangene Gas gerchickt wurde,
keinen Brechungsunterschied mehr aulwies, demnach die TrommelAngew. Chemie 1922. Nr. 89.
Von Dr. J. MESSNER, Darmstadt.
(Fortsetzung u. SchluS v. S. 631.)
Besonderem Interesse begegnen in der Praxis neue ArsenprBpzrate und neben diesen auch Antimon- und Wismutpraparate. Darunter finden sich aber solche, welche weiter nichts sind als Nachahmungen bereits eingefiihrter Arzneistoffe oder Kombinationen.
denen nur ein anderer Name gegeben wurde. Als etwas Neues kann
es auch nicht betrachtet werden, wenn langst bekannte uud eingefiihrte
Arsenprlparate nur rnit unwesentlicher Abanderung oder Substitution
im Molekul unter neuen Namen in den Verkehr gebracht werden,
wie das z. B. beim , M o n a r s o n" der Fall ist. Dieses Praparat ist
Dinatriumathylarseniat, unterscheidet sich von den1 bekannten Dinatriummethylarseniat oder Arrhenal also nur durch Ersatz der Methylgruppe durch eine Athylgruppe. DaD damit nicht vie1 erreicht werden
kann, liegt auf der Hand").
Von der Besprechung solcher Neu28)
Vgl. Wright, Jo:rnal de Pharm. Chim. 23, 284 [1921].
100
634
-
Messner: Neue Arzneimittel
e i ~ ~ h e i n u n g ekann
n abgesehen werden. Erwahnen mochte ich nur das
schon von E h r 1 i c h unter der Bezeichnyng 592 genannte Arsenpraparat, das dem Salvarsan nahe verwandt ist. Es wird als Ersatz des
Salvarsans in Frankreich nunmehr unter dem Namen ,,E p a r s e n o 1"
eingefiihrt, nachdem es angeblich gelungen ist, die friiher beanstaiideten unangenehmen Eigenschaften des Praparates, wie Schwerloslichkeit und rascher Zerfall in sehr giftige Produkte, zu modifizieren ?'). Mehr Aussicht auf Anwendung hat das ,,T r y p a r s a m i d",
das Katriumsalz der N-Phenylglycinamid-p-arsonsaurevon der Formel
OH- As -ONa
\/
NH-CH,-CO.NH,.
Bei pharmakologischen Vemuchen zeigte es sich gegeniibsr Trypanosomiasis anderen Arsenpraparaten, wie dem Atoxyl, Arsacetin,
Salvarsan und Neosalvarsan iiberlegen, dabei anscheinend weniger
giftig. Es wurde intraveniis und intramuskular bei Eingeborenen rnit
Trypanosomiasis gambiensis in Dosen bis zu 5 g verabreicht, wobei
die Krankheitserreger verschwanden und das Allgemeinbefinden eine
Besserung erfuhr. Erblindung wurde in keinem Falle beobachtet, wohl
aber traten Sehstorungen auf (Unfahigkeit schaarf zu sehen). Die
Fortsetzung der Behandlung ergab oft keine neuen Sehstorungen z 8 ) .
In der Veterinarpraxis wurden zwei neue Arsenpraparate, das
,,T r n p h i I" und das ,,R e v o n a I", beides Kombinationspraparate,
eingefuhrt. Das Trophil
ist eine Knlk-Araenverbindung, die gebraucbsfertig als sterile Losung in den Handel kommt. In 1 ccin
enthalt diese 0,015 g Arsen, entsprechend 0,02 g Arsenik und
0,0056 g CaO. Sie ist demnach gerade doppelt so stark wie die offizinelle Arsenikliisung, der Liquor Kalii arsenicosi. Dabei soll sie
sich durch geringe Giftigkeit und absolute Reizlosigkeit auszeichnen
und desbalb fur die parenterale Applikation sehr geeignet sein. Fki
anamiscben Zustanden und Erschopfung sowje bei Pyamien der Pferde
(Serumpferde) und Rinder hat R e c k e r damit . a t e Ergebnisse erzielt3O). I n gleicher Weise hat sich das Revonal bei Erschopfungszustanden der Pferde und Rinder sowie bei Hundestaupe bewahrt.
Dieses Mittel ist eine Kombination von Methyldinatriumarseniat rnit
Strychnin und GlycerinpHosphorslure und kommt gebrauchsfertig in
Ampullen (zu 10 ccm) in den Verkehr.
Da Germanium im periodischen System dem Arsen nabestebt,
ist es nicht uninleressant zu wissen, daf3 es auch pharmnkologisch
hbnliche Wirkungen auszulosen imstande ist. Voii H a m m e t und
N o w r e y wurde das in Wasser schwer lijsliche , , G e r m a n i u m d i o x y d" (Ge02) qeprlift. Die Injektion von 0.4 Oloiger wasseriTsr
Losung erpab im Tierversuch eine bedeutende Steiqerung der Zahl
der roten Blutltorperchen, ohne daf3 giftipe oder atzende Nebenwirkungen in Erscheinung traten. Somit diirften auch die Germaniumverbindungen Aussirht auf tberapeutische Verwendung haben. (Vgl.
Journ. of experim. Med. 35, 173 T19221).
Stiefmiitterlich sind bis jetzt immer noch die Antimonverbindunpen
i r der Therapie behandelt worden. Man hat keine besseren oder
geeigneteren finrlen konnen als das Kalium- nrler Natriumantimonvltartrat (Brechweinstein), das ja in den letzten Jahren in England und
seinen Kolonien sehr vie1 wrwendet worden istS1). Zwar hat sich
schon vor Jahren U h 1e n h u t h rnit einer Reihe von organischen
Antimonverbindungen befafit 32), es hat bisher aber keines in der
Therapie festen Fu13 fassen kBnnen, mit Ausnahme des Acetvl-p-amidoplienylstibinsauren Natriums, das jetzt a1s ,S t i b e n y 1" und in
Eugland in Ampullenform als , , A z o u l e" in den Handel kammt.
Seine Konstitution ist folgende:
ShO.HNa
\/
NH - CO- CH,
Sein Gehalt an 'Antimon wird in der Literatur versehieden angegeben, und zwar zu 33-38,5 O/O 'I). Es lost sich bis zu 10 '/o in Wasser
bei gewohnlicher Temperatur zu einer Felben bis rotlichpelben
Fliissigkeit, die beim Erhitzen Zersetzunp erleidet. Intramuskullr i n
Dosen von 0,i-0,3 g und intravenos in Dosen von 0,i-0.6 g wurde
es bereits bei Trypanosomiasis, Kala-Azar und t u b e r k u l h r Lepra
mit Erfolg verwendet, soll aber auch bei den iibrieen Tndikationen
des Antimons, wie bei Syphilis, Leishmaniosis, Bilharzia, Filariasis
Vel. UePskr. f. Laeger, Nr. 1 r19221.
Vgl. P e a r c e . Journ. o! experim. Med. 34, Nr. 6 [1921]: Zentralbl f.
innere Med. 2.56 r19221.
Vgl. Berliner tierantl. Wochachr. 61 rl9221.
ao) Vel. M e l z e r , Berliner tierantl. Wochschr. 632 [1920]: B r i e r , ebends
162 r192nl: K r a c k , Dissert., KBnigsberg 1920 ; Mercks Jahresberichl
33, 248 rigzoi.
Vgl. Mcrcks Jahresbericbte [1911-1921].'
Vgl. Mercks Jahresberichte 107 119131 u. 138 r19141.
as) VgI. Mercks Jahreebericht 33, 69 [1920] u. Vierte1j.-Scbr. f. prakt
Pharm. 156 [1921].
91)
SB)
Zeitschrift fir
[angewandte m e .
ind Frambosie, Nutzen stiften s4). Vor dem Brechweinstein soll das
itibenyl den Vonug besitzen, dad es weniger unangenehme Nebenvirkungen erzeugt. Dasselbe gilt auch fur das kolloidale Antimoil,
las sogenannte , , O s c o l - S t i b i u m " , das in Dosen von 1-12 ccm
11 tramuskular und intravenos gegeben werden kann '9. Weniger
[iftig, aber trotzdem wirksamer soll ferner auch das ,,k o 11 o i d a 1 e
1n t i m o n s u 1 f i d" sein, dessen Herstellung in folgender Weise
mwerkstelligt werden kann: Man sattigt eine Losung von 1 g Brech\ einstein in 200 ccm Wasser mit gewaschenem Schwefelwasserstoff,
wobei eine tiefrote Losung von kolloidalem Antimonsulfid entsteht.
Xese wird durch Dialyse vom gebildeten Kaliumbitartrat befreit, der
jehalt durch Titration mittels Jodlosung festgestellt, und die Losung
iuf einen Gehalt von 1 : 500 Sb2S3gebracht. Zur Isotonisierung dieser
-osung macht man einen Zusatz von 5 Glucose, zur Haltbarmachung
?inen Zusatz von 0,5 O l 0 arabischem Gummi und zur Konservierung
?inen Zusatz von 0,5 O l 0 Phenol. Zur Sterilisierung kann diese Mischunq
xhitzt werden. Sie wird in Dosen bis zu 20 ccm intravenos appli.iert. h i Kala-Azar hat das Mittel gute Dienste geleistet, es diirfte
iber auch bei den anderen Indikationen des Antimons in Betracht
wmmen In). Ob neben den genannten Antimonverbindungen auch
ias ,,A n t i m o n y 11 a k t a t" Aussicht auf Verwendung in der
rherapie hat, l l d t sich noch nicht rnit Bestimmtheit angeben. Bisher
,at es keine Beachtung gefunden, eine pharmakologische Untersucnung
les Praparates wurde aber neuerdings vorgenommen und dabei seine
ivirkung bei Trypanosomiasis niiher bestimmt 37).
Wie Arsen- und Antimonverbindungen haben auch Wismutveriindungen eine ausgesprochene Wirkung bei Syphilis. Es fehlt aber
loch an einem geeigneten, den Wiinschen des Therapeuten entjprechenden Wismutpraparat. In jilngster Zeit wurden pharmakoloZische und klinische Versuche mit Kalium-Wismuttartrat oder Natrium-Wismuttartrat pemacht, die gute Resultate zieitieten "). Auf
liese Erfahruneen stutzt sich die Einfiihrung eines franzosischen Praparates, des ,,Tr 6 p o I", das angeblich eine Suspension von KaliumYalrium-Wismuttartrat darstellt. Es kommt in Ampullen zu 4 ccm
einer 10°/oigen Aufschwemmung in Olivenol in den Handel. Es beeinflul3t die Symptome der Syphilis in gleich giinstiger Weise wie
Salvarsan, bewahrt sich aber ganz besonders bei hypertrophischen
Papeln
Eine pharmakolopische Gruppe, der man im verflossenen Jahre
besondere Beachtung peschenkt hat, ist die Gruppe d e r Benzvlabkommlinge 'O), welche von D. 1. M a c h t auf Grund ihrer cbemischen Verwmdtschaft mit dem Papaverin der therapeutischen Anwendung emplohlen wurde. Hiernach haben sich die Benzylverbindungen als Mitt4
erwiesen. welche auf die glatte Muskulatur ahnlich dem Papaverin
pine tonusherabsetzende und lahmende Wirkung ausiiben. Sie kommen deshalb bei einer Reihe von Krankbeiten, wie Aneina pectoris,
BI oncbialasthma, Pertussis, Sinmltus, Spasmophilie, Pylorospasmus,
Blasen- und Nierenkolik, Intestinalkolik, Enterospasmus, Diarrhoen,
DJ senterie, Dvsmenorrhoe usw. in Frage. Das am meisten verwendete
Benzvlpraparat war bisher der Benzoesaurebenzvlester, CRH~-COO-CH2-CnHa, auch ..S p a s m o d i n" genannt, auoerdem werden aber
nuch noch folgmde Ester genannt:
Essies#ureben7ylester. CH,-CO-O-CHo-C,H,
Milchdurebenzylester, CH,-C~~OH~-CO-O-CH,-C,H,
CH,- CO-O-CH,-C,H,
Bernsteinsliuredibenzylester, I
CH~-CO-O-CHo-CoH5
T ~ u r i n s l u r e b e n ~ l ~ a tC,,HPI-CO-O-CHn-C,H,
er,
MyriutinPlurehenzylester, C,,H,,-CO-0-CH,-C,H,
Palmitinslurebenzvleater, C,,H,,-CO-0-CH,-C,H,
Sterrrinslurehenzvlester. C,.H,,-CO-O-CH,-C,H,
C)lslurebensrylester, C,,H,,--0-0-CH,-C,H,
Nitrohenzoesliurehenzvlester(m- und p4, NO9-CrH4-CO-0-CHo-CC,H
Amidobenzoesliurebenzylester(m- u. p-), NH,-C,H,-CO-0-CH,-C,H
Die Anwendung dieser Ester erfolgt zumeist innerlich, gelost in
Alkohol oder Lebertran, in Dosen von 10-30 Tropfen der 2O0Oloiqen
Losung. Fiir Dysenterie und DurcFfalle wird auch das ,,A r t o D O n"
(Resorcinylcarbinol oder Dioxybenzylalkohol), CaH3-OH-OH-CH20H,
in Dosen von 0,25 g empfohlen"). Da die genannten Verbindungell
"1
Vel. Brit. Med. Jonrn. I. Epit., 25 r19221.
Vgl. C a w s t o n , Rrit. Med. Journ. 11. 76 u.865[1920]: ebenda 1.419[1921].
Vgl. R o g e r s , The Lancet I, 605 [1919]; Brit. Med. Journ. 1. Epit.,
26 r19221.
Vpl. V o e g t l i n u. S m i t h , Journ. Pharrnacol. and experim. Therap.
15. 453 ris201.
Vgl. S a z e r ' a c - L e v a d i t i , Compt. rend. de I'acad. des RC. 1921:
Preasa mhd. 1004 r19211: F o o r n i e r - G u B n o t , ebenda 878 u. 925 [1921];
M a r i e , ebenda 965 r19211.
'
9 Val. T h e L a n c e t 1. 1001'[1922]: M f i l l e r , MUnchener me& Wochscbr
547 [1922]. (Nach The Lancet Generd Adverther \ ~ m
26. August 1922 irt
Tr6pol eine Sliqe Snspension von Wismut-Kalium-Natriumtartrat mit 64O/,.
Wismnt znm Gebrauch bei primantr und sekundarer Syphilis, Nbo-TrBpol
dieselbe Verbindune in ieotoniecbem Serum mit 96O/,, Wismut zom Gebrauch
bei tertitirer Syphilis.)
40) Vgl. M e S n e r , Angew. Chem. 31, 224 [1921] und Mercks Jahresherichte 3-23 [1919/20].
*l) Vierte1j.-Schr. f. prakt. Pharm. 64 [1921].
36)
in Wasser uur sehr wenig loslich sind, hat man sich nach wasserloslichen Benzylverbindungen umgesehen. Als solche klmen z. B.
Ovybenzylalkol~ol (Saligenin) und Benzylharnstoff in Betracht. Voii
P a 1 wird das Natrium- oder Calciumsalz des Phthalsauremonobenzylamids, COOH-CeH~-C0hH-C€l~-CCaH5,
das sogenannte ,,A k i n 13
t o n" vorgeschlagen, das gleichfalls wasserl6slich ist "). Das Calciunis d z ist fur innerliche Zwecke bestimmt (Dosis: 0,5-4 g), das Natriumsalz f u r die parenterale Applikation in 25 "ioiger wasseriger Liisung
(Dosis: 0;25-2 g). Angezeigt ist das Praparat besonders be]
l;ronchialasthma, Cholelilhiasis, Nephrolithiasis, Hyperemesis, Tenesmen, Stenokardie, Dysmenorrhoe usw. Es soll weniger toxisch seiii
nls Benzylalkotol und Benzylbenzoat, die an und fur sich schon
wenig toxisch sein diirften. Es diirfte deshalb auch nichts dagegen
eiiizuwenden aein, wenn man diese Flussigkeiten als Extraktionsmittel von Drogen benutzt, um gegebenenfalls die Wirkung der Benzylverbind,ung mit der in gleicher Richtung liegenden birkung der
Droge zu kombinieren, wie das im , , A a t h m a c i d " der Fall ist.
Dieses Praparat ist ein aus dem Kraute von Grindelia robusta Nutt.
niit Benzylbenzoat htergestelltes Fluidextrakt, in dem das Benzylbenzoat den sorlst ublicnen Alkohol ersetzt. Voraussetzung ist natiirlich bei solchen Praparaten, daU das Benzylbenzoat aus der Droge geradeso wie der Alkohol die wirksamen Stoffe herauslost. Das Asthinacid enthalt d a m zwei gegen Bronchialasthma wirksame Stoffe,
nlimlich die Extraktivstoffe der Grindelia und das Benzyllbenzoat
selbst. Es ist nicht unwahrscheinlich, daO das Asthmacid das Prototyp
fur neue Spezialmittel abgeben wird. Dann konnte man allerdings
verlangen, dai3 zuerst Untersuchungen angestellt werden, ob Benzylalkohol und Benzylester auch einen vollwertigen Ersatz des Alkohols
oder des verdiinnten Spiritus darstellen. Bemerkt sei noch, daD
B e n z y 1 a 1 k o h o 1 und o-Oxy,benzylalkohol als Lokalaniisthetika in
Vorschlag gebracht worden sind. Man hat bisher eine 1-4"/0ige
Lijsung von Benzylalkohol in physiologischer Salzlosung in Ampullenform fur Injektionszwecke benutzt 43).
DaB die Benzylpraparate bei ahnlicher pharmakologischer Wirkung
das Papaverin verdrangen werden, ist kaum anzunehmen. Es muiJ
auch erst durch Erfahrungen ermittelt werden, ob man den therapeutischen Wert der Benzylpraparate nicht ubenchatzt hat 44). KombinaLionen von Papaverin 'mit anderen Medikamenten sind das . , S p a s m a 1g in" und das ,,T r o p a r in". Spasmalgin besteht aus 0,02 g
Papaverin, 0,001 g Atrinal (Schwefelaaureatropinester) und 0,Ol g
Pantopon in Tablettenform. Es soll sich bei Dysmenorrhoe bewahrt
liaben 9. Troparin enthalt als wirksame Substanzen Papaverin und
Novatropin iii Tablettenform oder in Ampullen. Seine Anwendung
beruht auf der synergetischen Wirkung der beiden Komponenten
Es soll bei spastischen K r h p f e n , wie sie bei chronischen Nerven.
Ieiden bestehen, insbesondere bei Tabes und multipler Sklerose Verwendung finden ").
Ein Benzylabkommling ist auch das neue Wurmmittel ,$ u t 0 .
1 a n", das chemisch den Carbaminsaureester des Benzylbenzols (odzr
Diphenylmethans) darstellt :
C~I&~-CH~-C~H~-~-CO-NHZ.
Es hildet farb- und geruchlose Kristalle, die in Wasser schwer 16s.
lich sind, sich hingegen leicht in heii3em Alkohol und Benzol losen
Es schmilzt bei 142-144O. Seine Wirkung beruht auf der Verseifunf
im Diiniidarm, wobei Benzylphenol entsteht:
C,H,-CH,-C,H,-O-CO-NHe
NaOH = C,H,-CCH,-CBH4-OH
NaCOO-NH,
CH
+ +
) a r a t e" ist nicht angegeben worden, angeblich handelt es sich um
iydroxylierte, mit Essigsaure gekuppelte Mittel '9. Andere Wurmnittel enthalten a19 wirksame, d. h. wumtotende Stoffe Alurniniumialze, wie Oxymors, Ugalumin u. a. 0 x y m o r s '7 ist eine Verbinlung von Benzoesiiure mit basischem Aluniiniumacetat, ein weiijes,
uftbestandiges Pulver, daa erst im Darm in seine Komponenten
{espalten wird und dort zur Wirkung gelangt. U g a 1 u m ins0) ist
:in Tablettenpraparat, dessen wirksame Bestandteile basisches Aluninumacetat, Kaliumoxychinolinat (Chinosol) und Phenolphthalein
sind. ,,V e r m a 1" e n t h a t neben Rainfarnextrakt Petersillensamen
ind Petersilienwurzel 51), ,,A n t o x u r in" ein gechlortes Benz6l in
lteratinierten Pillen '*), ,,N o e m i n " Chenopodlumol, Granatwurzel?xtrakt, 8-Naphthol, Sozojodolchinin und HizinusUl 53) und P a I a+ i t o z i d in" Thymianol, Hefe und Hefeextrakt in Pillenform 54).
Das ,,S a n t o p e r o n i n " genannte Wurmmittel ist nach neueren
Literaturangaben 5 b ) angeblich ein an Kupferoxyd oder Aluminium3xyd gekettetes Naphthalinphenolat.
Rei der Wichtigkeit des Camphers bei Henschwache war man
bisher bestrebt, eine geeignete Campherlosung fur parenterale Applikation zu finden, welche rascher zur Wirkung gelangt als das bekannle
Campherol. Bis zu einem gewissen Grade hat das Campherwasser
den gestellten Anforderungen an ein brauchbares und wirksames Praparat geniigt, es muD nur in verhsltnismiiBig groaen Mengen injiziert
werden, da es nur wenig Campher (O,l42O/o),enthalt, dagegen ist im
,,C a m p h e r s o 1" ein Praparat gefunden, das 3 % Campher in kolloiialer Losung enthalt. AlsDispersionsmittel dient hierbeiLecithin (10'(0).
Bei intravenoser Applikation zeigte dieses Praparat ausgesprochene
Campherwirkung, wie Steigerung der AtemgroDe, Hebung der HerLtltigkeit usw., wenn auch die das GroDnirn erregende Wirkung
geringer war a19 bei reinen Campherlosungen 56). Vielversprechend
sind auch zwei andere Campherabkommlinge, das Para-Diketocamphan
und der Para-Oxycampher
:
Das ,,P a r a - D i k e t o c a m p h a n" bildet weGe, geruchlose
Kristalle, die in Wasser leicht loslich sind. Die pharmakologische
Untersuchung ergab die volle Campherwirkung, seine krampferregende
M'irkung und seine daa GroDhirn erregende Wirkung sind sogar
etwas starker. Als Vorzuge vor dem Campher kommen aber nicht nur
seine Wasserlhlichkeit in Betracht, sondern auch die Moglichkeit, konzentrierte Losung und damit geringere Fliissigkeitsmengen injizieren
zu konnen, ferner seine die Atmung vertiefende Wirkung. Da es
nicht als indifferent bezeichnet werden kann, ist bei seiner Anwendung Vorsicht am Platze. Auch der ,,P GI r a - 0 x y c a m p h e r" ze@
volle Campherwirkung, er diirfte nach L e o sogar den Vorzug verdienen, denn er weist eine aul3erordentlich starke Wirkung auf das
geschwachte Hem auf, starker als die ublichen CampherlGsungen und
das Para-Diketocamphan. Seine toxische Krampfwirkung ist auDerdem gering, wenn sie iiberhaupt vorhanden kt. Auch dieses Praparst
bildet weae, geruchlose und wasserlosliche Kristalle.
Zwei weitere Campherpraparate, die aber fur die perorale Anwendung bestimmt sind, liegen im ,,C a d e c h o I" und ,,C a m p h o 7 h o 1"
vor. Das Cadechol 57), angeblich eine Verbindung des
Camphers mit Desoxycholsaure %) oder mit Choleinsaure O 0 ) von der
Lusammen.etzung (C,,H4n0,),C,,H,,0
ist ein PrBparat, in dern der
Campher durch d e n Zusatz von Desoxycholsaure wasserloslich gemacht
werden soll. Das Praparat selbst bildet ein wasserunlosliches,
kristallinisches Pulver vom Schmelzp. 180 '. Im alkalischen Darmsaft
geht es unter Bildung von Natriumdesoxycholat in Losung, da dieses
CH
CH
.
Dieses Verseifungsprodukt weist eine hohe deletlre Wirkung auf
Oxynren a d . Dementsprechend hat sich das Mittel bei Oxyuriasis
bewahrt. Es wird in Dosen von 0,5 g verabreicht I'). Ein anderes
zur Beklmpfung der Oxyuren bestimmtes Praparat griindet seine Wirkung auf hydroxyliertes Naphthalin. Es k m m t in Form von Tablette!],
in Salbenform und als Flussigkeit fur die rektale Applikation in den
Handel. Die genaue Zusammensetzung dieser ,,0x y u r a t u m P r a -
48)
Lo) Vgl.
302 [1922].
51) Vgl.
ey Vgl.
63) Vgl.
") Vgl.
Vgl.
be) Vgl.
-
Wiener klin. Wochschr. 435 [1921].
Vgl. Mercks Jahresbericht 16 [1919/20].
") Vgl. Emge-Jensen, Jonm. of Pharm. and experim. Therap. 17,
416 [1921]; Californ. St. Jonm. of Med. 19, 374 [1921] (Mercks Jahresbericht
167 [19213).
Schweizer med. Wochschr. 324 [1921].
4*)
"')
Klh therap. Wochschr. 2 79 [ I OZZ].
Vgl. Deutache med. Wochscbr. 401 [1920]: Mihchener med. Wochschr.
722 [1920]; Med. Klinik 768, 931 [1920]; 384 [l92l]; Therap. Halbmonatah.
700 [1920]; 82 [1921].
Vgl. Vierte1j.-Schr. 1. prakt. Pharm. 126 [1921].
"3 Vgl. Therap. d. Gegenw. 184, 1219 [1920].
47)
1
Vierte1j.-Schr. f. prakt. Pharm. 129 [1921,]; Klin. Wochschr.
Therap. Monatsh. 458 [1920].
Wiener med. Wochschr. 879 [1920].
Ber!. tieriirztl. Wochschr. 461 [1921].
Ztschr. 1. Vet.-Runde 199 [1922].
Pharm. Ztg. 498 [1922].
Deutsche med. Wochschr. 377 [1922].
,)' Vgl. B&ihm. Miinchener med. Wochschr. 833 [1920]; Nonnenbruch,
ebenda 836 [1920]; Demmer, Berl. klin. Wochachr. 704 [1921]; Pototzky,
Deutsche med. W ochschr. 730 119221.
9 Vgl. MUnchener med. Wochschr. 833 [1920].
Vgl. ;Viertelj.-Schr. 1. prakt. Pbarm. 92 [1920]; Ztschr. f. physiol.
Chem. 97, 1 [1916].
100.
Salz Campher in Loswig zu halteii vernrag. Die dadurch erhohk
Kesorbierbarkeit des Camphers bewerkstelligt eine intensivere wirltung, so daB man das Mittel bei sich langsam entwickelnden Kreislaufschwaclieii niit Sutzen verwenden kann, wahrend bei akuten
Fallen Camplierinjektionen nicht entbehrt werden konnen. Auf derselben tlieoretischen Grundlage ist das Campliochol aufgebaut '"). Es
ist eine Verbindung von Campher mit Apocholsaure (Dioxycholenslure) von der Zusanimensetung C,,H,,O, -CloHloO, voin SchnielzWie Cadechol ist es in Wasser unltklich, I6slich
punkt ,li8-180°.
hingegen in alkalischen Fltissigkeiten , wird somit erst im Darni
gelost und resorbiert. Bei Herzinsuffizienz, Angina pectoris, Pneumonie, Tuberkulose und Erysipel hat das Mittel in Dosen von futif
Dienste geleistet. Eine Tablette entspricht
Tabletten pro Tag_ gute
_
0,028 g Campher.
Eine Kombination von Cadechol rnit Papaverin (pro Tablette
0 , l g Cadechol und 0,03g Papaverhi), die unter der Bezeichnung
,,P e r i c h o I" in den Handel kommt, zeigt eine verstarkte Wirkung
und bewahrt sich bei stenokardischen Anfallen @I). Als Kardiotonikum wurde auch eine Mischung von Campter, Monobromcanipher un.1
Hexamethylentetramin, das ,,D i u r s e p t i n " empfohlen ").
Von neuen Purinstoffen und Harnstoffderivaten sind folgende
zu nennen: ,,A 11 y 1t h e o b r o m i n" bildet farblose Nadeln- voni
Schmelzp. 140 '. Seine Konstitution entspricht der Formel
O=C
I
I
1
C-N(
I1
CH, -N- C -N
3CH
I n Wasser ist es 150 ma1 leichter loslich als Theobromin, in Alkohol
und Chloroform ist es leicht loslich. I n 1 'loiger wiisseriger Losung
mit eineni Zusatz von 2 Ol0 Lithiumbenzoat kommt es als ,,T h e o b r y 'I
fiir Injektionszwecke gebrauchsfertig in Ampullen zu 2 ccm in den
IIandel. Es dient als Diuretikum und kann subkutan, intramuskular
und intravenos in Dosen von 0,2-0,6g sowie innerlich in Dosen von
03-1 g pro die verabreicht werden 'I).
,,S p a s m o p u r i n" ist eine Mischung von 662/3O/O 1,bD)imethylxan t h in (Tbeophyllin) und 33' /3 lo 3.7-D im et hylxan tli in-Natriumsalicylat (Theobromin-Natriumsolicylat = Diuretin).
Infolge seiner
kranipfliisenden Einwirkung auf die Bronchialmuskulatur eignet sicb
dieses Dimethylxanthingemisch vonuglich zur prophylaktischen und
kurativen Behandlung von Dyspnoe, die durch Spasmen d e r Bronchialmuskeln bedingt sind, wie alle Arteii von Asthma, besonders
auch im Verlauf der chronischen Kreislaufinsuffizienz im hoheren
Lebensalter (Emphysem und Stauungskatarrhe)
,,Theocal ist ein krislallwassethaltiges Doppelsalz des Theobromincalciums und Calciumlaktates nach der Formel (C,H,N,O,\,Ca
2[(C,HbOJ,Ca]
H,O. Es ist wasserltklich und kommt in Tabletten
hO.5gin denverkehr. Seinelndikationen sind die desThenbromins, dessen
Wirkung angeblich durch die styptischen Eigenschaften des Calcium
oder seiner Ionen unterstutzt wird. Tabletten A 0,5g Theocal mil
einem Zusatz von 0,0002 g Nitroglycerin werden ,,K 1 i m a s a n" genannt. Diese Kombination setzt die Erregbarkeit des sympathischen
Nervensystems herab und wird sls ein Spezifikum gegen Wallungen
des Klimakteriums bezeichnet 65).
. J o d d i u r e t a l " ist ein Tablettenprffparat. bestehend ans 0,5 g
Theobromin, 0,l g Natriumbicarbonat, 0,l g Talk und 0,2 g Natriumjodid. Nach A s k a n a z y ist es ein meist prompt wirkendes Mittel
bei Angina pectoris, Asthma cardiale, chronischer, kardialer Dyspnoe,
Asthma bronchiale, Sklerose der CerebralgefaBe und bei Abdominalsklerose. Dosis: 3-4 ma1 taglich 94 Tablette, in schweren Fallen
6 ma1 % oder 3 ma1 1 Tablette ").
Das bekannte Nirvanol (Phenylathylhydantoin), dessen Wert bei
Sclilaflosigkeit, Epilepsie usw. vielfach geriilimt wurde 87), hat in der
Literatur zuweilen Veranlassung zu Klagen gegeben, weil es unangenehme Nebenwirkungen, wie Exantheme usw., eneugen kann. Diese
sollen bei Verwendung des acetylierten Produktes, des ,,A c e t y 1 N i r v a n o 1 s" selbst bei Verabreichung groBerer Dosen und langerer
Verabreichung in Wegfall kommen. Nach M i c h a 1 k e kommt man
in der Irrenpraxis mit Dosen von 0,3 g aus@). Die ubrigen neuen
Praparate aus der Harnstoffgruppe betreffen nur Kombinationsprapnrate, wie das Dialacetin, Veramon, Didial, Hemypnon und Somnospaamosan. Das ,,D i a 1 a c e t i n" ist eine Zusammensetzung von Dial
(Diallylbarbitursaure) mit dem narkotisch, sedativ und antineuralgisch
+
+
.-
Bo)
-
Taschenberg, Deutsche med. Wochschr. 1624 [1921]; Pharm. Ztg.
10 [1922].
01) Vel. Arch. f. experim. Phath. 88, 134 [1920]; Mlinchener med.
Wochschr.106 [192 I].
0,) Klin. Wochschr. 1136 [1922].
Vel. Schweizer med. Wochschr. 1009 -r19211;
- Arch. internat. de pharmacod: ecde th6rap. 52, 486 [1921].
64) Vgl. Klin. Wochschr. 616 [1922].
ti5) Vgl. Med. Klinik 434 [1922].
u'') Vgl. Miinchener med. Wochschr. 967 [1922].
67) Vgl. Mercks Jahresberichte 1916- 1921; Aogew. Chem. 32, I, 394
[1919]
'Miinchener rned. Wochschr. 303 [1921].
wirkenden , A c e t.!i ni i n o p h e n o l a l I 18 t h e r ', CH3C0 - NH -C,H,-0
-C,H,.
Uieser Atiier bildet weiBe, in kalteni Wasser fast unlosliche,
in Alkohol und anderen organischen Liisungsmitteln leicht liisliche
Iiristallblattclien vom Schmelzp. 93 O. Dialacetin koninit bei Insomnie
in Betracht, bei der Sclimerzen der Gruiid der Schlaflosigkeit sind 09).
Auch das ,,He m y p n o n " ist eine Dialkombination'O). Es ist eiii
Tablettenpriiparat, das 0,0018 g Dial, 0,0032 g Heroin (Acetylmorphin)
uiid 0,s g Anesoii (Acetonchloroform) enthalt. Das Mittel wurde zur
Erzeuguug von Diimmersclilaf wahrend der Geburt versucht. Demselben Zwecke dienen Tabletten, welche 0,0078 g Dial, 0,015 g Dionin
(Athylnwrphin) und 0,Bg Aneson enthalten. Es ist aber neben
dieser Mischung von Dial und Dionin, auch ein diallylbarbitursautes
Athylmorphin, das ,,D i d i a 1" als Hypnotikum und Analgetikum in
Vorschlag gebracht wordenT1). Als eine chemische Verbindung wird
nach S t a r k e n s t e i n auch das durch Zusammenschmelzen voa
eineni Riolekul Diallylbarbitursiiure mit zwei Moleltulen Dimethylaniidoantipyrin (Pyramidon) gewonnene ,,V e r a m o n" bezeichnet 7*),
Es SOUals Analgetikum bei Tabes, Migrane, Ischias, Trigeminusneuralgie,
Zahnschmerzen, iLienstruationsschmeizen usw. gute Dienste leisten und
nur vom Norptiin in seiner Wirkung iibertroffen werden. (Dosis:
0,4-0,G g, 4-10stundl.).
Das ,,S o m n o s p a s m o s a n" ist eine
Kombination des ,,S o m n a c e t i n s o 1 u b i 1e", eines flussigen Arzneimittels, dessen hauptsachlichste Bestandteile diiithylarbitursaures
Natrium, Antipyrin und Codeinphosphat sind. Das Somnospasmosan
ist ebenfalls ein fliissiges Praparat, das aui3er den genannten Stoffen
nocb katriumbromid und Calciumglyceropnosphat entnalt. Indiziert
ist es bei leichter Schlaflosigkeit und Epilepsie 7'). E r w q n t sei noch
das ,,S o m n if e n" i4), das aus einer Losung von Dilthylaminsalzen
der Diathylbarbitursaure und der Dipropenylbarbitursaure besteht.
I n 1 ccni der Liisung ist je 0,l g der beiden Salze enthalten. D ~ l s
blittel wird als Hypnotikuni in Dosen von 30-45 Tropfen innerlich, in
Dosen von 3-4 ccm subksutan oder intravenos gegeben. Als Hypnotics, wenii auch nicht zur besprochenen Gruppe gehorig, ltommeii
iioch das , , H y p n o d o i i a l " und das ,,Met o n a l " in E'rage. Das
Hypnodonal 7 b ) besteht hauptsachlich aus Methylpropylcarbinolurethan,
das wesentlich starker schlafbringend wirkt als das Athylurethan und
dabei leiclit diuretisch zur Geltung gelangt, und aus pAcetphenetidin,
das an und fur sich n u - geringe, in Verbindung rnit Beruhigungsmittelii
aber deutlich schlafmachende Wirkung auslost. Aui3erdem entnalt das
Prapnrnt nocli etwas Codein. Dosis: 2-4 Tabletten vor deni Schlafengehen. Das Metonal
ist Dimethylsulfondimethylmethan, das durch
Kondensation von Methylmerkaptan mit Aceton und darauffolgende
Oxydation mittels Kaliumpermanganat gewonnen wird.
Irn AnschluW an die Schlafmittel seien einige neue Narkotica,
Analgetica und Anasthetica angefiihrt, nanilich Butyn, Athanesal, Solasthia, Chlorylen, Apothesin, Novalgin, Novacetyl und verschiedene
Salicylsaurederivate.
,,B u t y n" ist p-Amidobenzoyl-;.dinormalbutylamddopropanolsu~~t,
KH2CeH4COO(CH2)gN(C~Ha)~.
HzSOP, ist demnach nahe verwandt mit
dem Procain (Novocain), dem p-Amidobenzoyl-diathylamidoathanol,
KHzC~H~COO.
CZHE.N(CzH&. Es wird als Cocainersatz in der otolaryngologischen und ophthalmologischen Praxis (in 2 'loiger Losung)
angewendet und soll in seiner anasthesierenden Kraft das Cocain und
das Eucain iibertreffen, hingegen weniger wirksam sein als das Holocain 7 7 ) . In Amerika wird neuerdings auch der Zimtslnreester des
y-Diathylpropylalkohols, das sogenannte ,,A p o t h e s i n", als Lokalanasthetikum empfohlen '9. Noch nicht einwandfrei definiert ist hingegen das englische Narkosemittel ,,A t h a n e s a l", angeblich eine
Losung von Ketoneri in Ather, deren Wirkung durch Behandlung mit
Kohlendioxyd und Athylen verstlrkt sein soll. Bei der Einfiihrung
dieses zur Allgemeinnarkose bestimmten Praparates ging man von der
Ansicht aus, daB die narkotisierende Wirkung des Athers auf einer
Verunreinigung rnit Ketonen beruhe. Auch sonst soll es Vorziige vor
dem Narkoseather aufweisen, es soll die Atmungsorgane weniger
reizen, rascher wirken, angenehmer riechen, weniger Erbrechen verursachen und selbst bei Herzfehlern anwendbar sein, da es Puls und
Rlutdruck weniger ungunstig beeinfluI3t a19 der Ather 'O).
Von den Chlorderivaten der Methylen- und Athylengruppen wurden Versuche rnit ,,S o 1a s t b in" *O) und ,,C h 1o r y 1e n" gemacht R1),
68)
")
'*)
Vgl. Schweizer med.Wochschr. 171,173 [1920]; ProgrAsm6d.632 [1921].
Vel. Schweizer med. Wochschr. 241 [1921].
Vgl. Preese m6d. 600 [1921].
Vgl. Therap. Halbmonatsh. 629, 636 [1021]; Deotsche med. Wochschr.
1686 [1921].
'3)
Vgl. Mercks Jahresberichte 292 [1919/20]; Berliner klin. Wochschr.
329. [1921].
Vgl. Schweizer med. Wochschr. 1093 [1920]; 926 [1921]; Therap.
Balbmonatsh. 699 [ 19211; Monatsschr. f. Obrenheilk. 887 [1921]; Schweizer
Arch. 1. Neurol. 131 [1921J.
") Vgl. Therap. d. Gegenwart 116 [1922].
7e) Vgl. Giorn. Farm. Chim. 70, 48 [1921].
') Vgl. The Journal of the Americ. Med. Assoc. 78, 431 [1922].
'*) Vgl. Klin. Wochschr. 1238 [1922].
Vgl. Proceed. of the R. SOC.of Med. 14, 37 [1921] und The Lancet
I, 1173 [1921].
Vgl. Mtlnchener med. Wochschr. 138 [1922].
R1) Vgl. Beilinar klin. Wochschr. 149 [1921].
welche diese Praparate als Narkotioa erkennen lassen. Das Solasthi
ist das bekannte Methylenchlorid, CHICIS, eine farblose, chloroforn
Zhnlich riechende Fliissigkeit vom Siedep. 40-41 O. Es bewirkt be
der Iphalation Analgesie und raschen Verlust des BewuBtseins, diirfl
aber fur die Vollnarkose weniger geeignet sein a1s zur Einleitung un
Fortsetzung von Rauschnarkosen. Frei von unangenehmen Nebenwir
kungen ist es aber nicht. Das Chlorylen ist zunachst als Analgetikur;
fur die Behandlung der Trigeniinusneuralgie gedacht, bei der es in de
Regel in Mengen von 25-30 Tropfen auf Watte eingeatmet werdei
soll. Es besitzt aber auch anasthesierende Eigenschaften 12) und finde
dementsprechend Anwendung bei Augenentziindungen, wie Horn
hnutgeschwiiren, ekzematosen Kornealaffektionen, Randgeschwiire:
usw. Auch hier wurde das Mittel in Gestalt von Inhalationen ver
ordnet.
Ein iieues Analgetikum und zugleich Antipyretikum und Anti
rheumatikum ist das ,,N o v a 1 g i n " (Methylmelubrin), das phenyl
dimethylpyrazolonmethylamidomethansulfonsaure Natrium, von de
Formol
A
N
CH,N,' C
\'O
Es ist ein weilles, gersuchloses, fast geschmackloses kristallinischea
Pulver, das sich in Wasser rnit neutraler Reaktion und gelber Flirbung
l o t . Seine analgetische Wirkung wurde prophylaktisch vor Opera
tionen zur Verhutung von Schmerzen und bei menstruellen und
dysmenorrhoischen Beschwerden mit Erfolg versucht. AuDerdem is!
es bei akuter und subakuter Polyarthritis, Neuralgien und als Fiebermittel bei Influenza, Typhus, Lungenentziindung, Erysipel usw. verwendet worden. Die gewohnliche Dosis betragt 0,5 g und pro
die 3-4 g@). Es kann auch parenteral verabreicht werden.
Unter der Bezeichnung ,,A p y r o n'' (auch ,,Novacetin") kommt
jetzt das acetylsalicylsaure Magnesium, (CaHp-O-CH&O-COO)SMg,
in den Handel, das' sich gegeniiber dem bisher gebriiuchlichen Lithiumsalz (Hydropyrin) und Natriumsalz durch Haltbarkeit in wasseriRer Losung auszeichnen soll. Es ist in Wasser rnit neutraler Reaktion
loslich. Seine Indikationen sind die des Aspirins oder der Acetylsalicylsaure. Da e8 94'/0 Acetylsalicylsaure enthalt, kann es wie die
SHure dosiert werden "). Ein anderes Acetylsalicylsaurepraparat i R t
das ,,A p o c h i n" (friiher ,,AspocW genannt), der acetylsalicylsaure
Acetylsalieylsaure-Chininester, ein weiBes, kristallinisches Pulver vom
Schmelzp. 162 '. In Wasser ist ea nur wenig, besser in Alkohol Ioslich.
EY kommt erst im Darm durch Spaltung in seine Komponenten zur
Resorption und entbehrt der unangenehmen Nebenwirkungen des
Chinins auf den Verdauungstrakt usw., wobei es alledings auch nur
eine schwache antifebrile Wirkung entwickelt
Als Antipyretikum
und Antineuralgikum kommt nosh .das ,,A s p a r o 1" in Betracht, eine
Mischung von acetylsalicylssurem Coffein und acetylsalicylsaurem Caloium (pro Tablette 0,l g Coffein. acetylsalic. und 0,4 g Calc. acetylsalic.). In Dosen von 2-3 Tabletten pro die wird es bei Influenza,
Neuralgien, Migrane, Dysmenorrhtje usw. verabreicht
Kurz erw a n e n miiehte ich noch das franzosische Praparat ,,Ur a z i n e",
Piperazinsalicylat, also gewissermden ein durch Salicylslure verstarktes Piperazin zur Behandlung von Gicht, Rheumatismus, Nierenkolik usw. Bi), das , , A s p i p h e n in", ein Tablettenpriiparat, bestehend
aus 0,3 g Acetylsalicylsaure (Aspirin) und 0,2 g Phenacetin, bei dem
die Komponenten ihre Toleranz gegenseitig erhohen, ohne daD dadvrch
eine AbschwBchung der Wirkung stattfindet e e ) , das ,,R o 8 m a r o l",
eine aus 10 Teilen Methylsalicylat, 1 Teil Rosmarinol und 89 Teilen
Mitin bestehende Salbe, bei welcher die antiPheumatkche Wirkung
des Salicylpraparates durch die hautreizende Eigenschaft des ROS
marinols gesteigert werden sol1 and eine iihnliche Zusammensetzungdas ,,P e r n i o n in", eine aus 10 Teilen Methylsalicylat, 1 Teil Salbeiol
und 89 Teilen Mitin zusammengesetzte Salbe gegen Frostschaden
Besonderer Beachtung erlreuen sich in letzter Zeit die Kieselslurepraparate "). Das beachtenswerteste ist wohl das ,,Si 1 i s t r e n",
der Orthokieselsauretetraglykolestervon der Zusammensetzung:
-_
OH -CH,CH,O,
\Si
'\ ,O~ CCH,,CH,-OH
~ZCH,--OH
OH-CH,CH,O/
Es bildet eine weingelbe, ziihe Fliissigkeit mit eineni Ciehalt von
18-20 */o SiOa. Das rriiparat reagiert sauer, zeigt einen angenehmen
Geruch und sclimeckt suW. Es wlrd bereits durcn Wasser, namentlich
in der WLme zersetzt, wobei sich gallertartige liieselsiiure abscheidet. Es ist, wie alle neuen Kieselsaurepriiparate, in erster Linie
fur die Behandlung der Lungentuberkulose vorgesehen. Die Anwendung erfolgt per 0s in Dosen von 26-30 Tropfen"'). Denselben
Zwecken dient das ,,S i 1t e r n u m", ein wasserlosliches auch gut
injizierbares Kieselsaure-Kalk-Praparat. Seine Zusammensetzung wird
nicnt naher angegeben p'). Als ,,G u a s i 1" werden Pillen bezeichnet,
welche a1s Hauptbestandteil Guajakolkieselsaureester enthalten u3). In
Pillenform wird auch das Praparat ,,C h I o r o p h y 11 o s e" gelicfert,
das neben Chlorophyll und Eisenalbuminat aucn organisch und anorganisch gebundene Kieselsaure enthalten soll. Es wird fur die Behandlung von Tuberkulose und Anamie vorgeschlagen 04). Gleichen
Zwecken dient das ,M u t o s a n", ein Sirup, der eine ChlorophyllPolysilikat-Kombination darstellt 0 6 ) . In organischer Bindung soll die
Kieselsaure ferner in den Praparaten ,,L a d i t a n", ,,P o 1 i s i 1'' und
anderen enthalten sein. Bei fehlender naherer Deklaration konnen sie
kein weiteres Interesse beanspruchen 9.
Eine standige Zunahme erfahren die Calciumpri4parate, deren es
an und f i r sich schon tiberfliissige genug gibt. Von den folgenden
aerden wold nur wenige Bedeutung erlangen. Das wirksamste und
zuverliissigste Calciumsalz ist ohne Zweifel das Calciumchlorid. Bei
iritravenoser Applikation kommt seine Wirkung auf die Gerinnungsfiihigkeit des Blutes rasch zur Geltung, geht aber auch in der Regel
wieder rasch voruber. Dem SOU eine 10 % ige Losung von Calciumchlorid in 3 % iger Gummi-arabicum-Losung abhelfen, die gebrauchsfertig in Ampullen unter dem hamen ,,M u g o t a n" in den Verkehr
gebracht wird. Sie wird deshalb bei Blutungen, wie Hamoptoe und
Uterusblutungen, gute Dienste zu leisten vermiigen 9. Zur Erhdhung
der Blutgeriunbarkeit soll auch das ,,T r a n s a n n o n" dienen, das fir
4ie Bekampfung klirnakterischer Storungen .bestimmt ist. Es enthalt
nicht naher genannte Calcium- und Magnesiumsalze neben einem
vegetabilischen Abfiihrmittel (Aloeextrakt) und ichthyolsulfosaurein
Calcium zwecks Forderung der Kesorbierbarkeit der Lipoide des
Dvarialsekretes. Es wird in Perlenform geliefert O e ) . Die genannte
Wirkung der Calciumsalze kommt auch bei akutem Schnupfen in
Betracht. Ein hierfiir geeignetes Praparat ist das ,,C a 1 c i h y d", eine
:hemische Verbindung von Calciumchlorid und Hexametliylentetramin
von der Zusammensetzung CaCl&oH12N,-t- 10 H20. Es bildet luft,estiindige, wasserlosliche Kristalle von bitterlichsalzigem Geschmacli.
jowohl bei kurativer wie prophylaktischer Anwendung leistet es bei
2oryza gute Dienste "). Eine molekulare Mischung ist hingegen das
,C a 1 c i r i l", das aus Calciumchlorid und Natriuniacetat (49 '/a CaClr)
)esteht, in Wasser leicht loslich, aber niclit so hygroskopiscli ist wie
las Calciumchlorid. Man nimmt an, daf3 es die Magen- und Darmichleimha,ut weniger reizt als Calciumchlorid, weil es auf die Augenichleimhaut milder mirkt. In Verbindung mit Hexamethylentetramin,
? h e Mischung, die ,,U r o - C a 1 c i r i l" genannt wird, wird es bei
3lasenentziindung und den durch Colibakterien verursacl: ten Ksarrhen der Harnwege gebraucht. ,,B r o m C a 1 c i r i 1" nennt sich
!ine Mischung von Calciumchlorid, Calciumglykocholat, NatriuniLlykocholat und Kaliumbromid (50 "o), die bei Epilepsie und Nerveneiden versucht wird
,,C a m a g o l" und ,,U v a c o 1" enthalten
hlciumphosphat, desgleichen das ,,E u k e p h a 1 in". Camagol entialt pro Tablette 0,44 g Calcium phosphoricum und 0,08 g Magnesium
itricum. Es wird bei ungeniigender Entwicklung der Kinder, bei
tachitis, Spasmophilie usw. verordnet. Uvacol enthalt ebenfalls Dialciumphosphat neben Eisenzucker und Calciumlaktat. Seine IndiLationen sind Rachitis und Osteomalacie. Eukephalin ist hingegen
donocalciumphosphat, gemischt mit Natriumhypopnosphit, hlagnesiumnrbonat und Kaliumphosphat, das gem50 seiner Zusammensctzung
lei Neurasthenie, Hyperthyreoidismus usw. in Frage kommt l a * ) .
Klinisch noch nicht gepriift ist eine eigenartige neue Calciumvertindung, das Calciumsalz des Phosphorigsaurebisoxypropionsauresters, (CaHsOiP&as, ein .wasserlosliches Salz, das sich in alkalischer
tosung unter Bildung von Calciumphosphit zersetzt. Darauf beruht
denfalls die erhoffte Wirkung, indem man annimmt, daij das Phosphit
ei parenteraler Applikation von den Geweben leicht und rasctl resor-
-
Miinchener med. Wochwhr. 741 [1922]; Therap. d. Gegenw. 38 [I9221
9 Med. KIioik 1266 r19211.
so) Vgl.
"7
Deutsche med Wochschr. 748 [1921].
Vgl. MUochener med. Wochschr. 132 [1922]; Deutsche med. Wochechr.
91 r19221: Therau. Halbmonatsh. 488 r19211.
*&) .Vgl. Therap. d. Gegenw. 277 [i921]:
'$) .Vgl. Therap d. Gegeow. 216 [1921]; Pharm. Ztg. 124 (19221;MInchener
med. Woch-chr. 132 [1922].
88) Klin. therap. Wochschr. 206 [1922].
8') Klin. Wochscbr. 668 [1922].
88) Pharm. Ztg. 79 119221.
Deutsche med. Wochscbr. 318, 366 [1921]; MUnchener med. Wochechr.
1226 119211.
") Vgl. MoSner, Angew. Chem. 36, 317 [1922].
Viertelj.-Schr. f. prakt. <harm. 167 [1921].
Vierte1j.-Schr. t prakt. Pharm. 117 [1921].
Phann. Zentralh. 340 [1922].
") Vgl. auch Eligol. Vierte1j.-Schr. f prakt. Pharm. 118 [1921J:
Caldos,
lin. Wochscbr. 247 (19221; Silacan, ebenda 1135 [192~].
97) Deutsche rned. Wochschr. 966 [1921].
Med. Klinik 997 [1921]; Deutsche med. Wochschr. 1069 [1921].
88) Klin therap. Wochachr. 246 [1921].
'00) Allg. med. Zentralztg. 206, 230 [1921]; Berliner klin. Wochschr.
9*)
w,
19 [1921].
101) Med. Klinik 291 [1921]; Klin. therap. Wochschr. 266 [lOZl]; Wioner
14.
Wochechr. 1773 (19211.
638
Messner: Neue Arzneimittel
~
I
_
-
-
_
~
biert wirdLo2).Ein fur die Veterinarpraxis beachtenswertes Praparat ist
das h u m a 1 s a u r e C a I c i u m , das bei Lecksucht und Tiioniasp1;osphatmehlseuche in 5 % iger Losung niit Erfolg intravenos versucht
wurde. Jedenfalls regt das Mittel den StoffwecmA stark an. Was die
Humalsaure selbst anbetrifft, so ist ihre Konstitution .noch nicht genau
erforscht; sie ist aber eine wohlcharakterisierte Saure mit einer Carboxylgruppe und vermutlich auch einer aldehydartigen Gruppe. Sie
reduziert ammoniakalische Silberlosung und steht vielleicht ctiemisch
den Zuckern nahe. Das Calciumhumalat bildet ein hellbraunes, fast
geschniacltloses, in Wasser mit neutraler Reaktion losliches Pulver,
das etwa 16 '/o CaO enthalt lo').
Wie beliebt die Fabrikation von Calciumpraparaten (zumeist in
Tablettenform) geworden ist, mag folgende Blutenlese dartun: B r o n c h o c a 1c i n, eine Losung von Calciumchlorid und Calciumlaktat wird
Zuni Inhalieren bei Pneumonie und Broncnialastnma sowie bei .Heufieber, S k 1 e r o c a 1 c i n , eine Mischung von Calciunichlorid untl
Calciumlaktat bei Arteriosklerose und S t y p t i c a 1 c i n , eine Cotariiin enthaltende Mischung von Calciumchlorid und Calciumlaktat bei
Blutungen benutzt lo'). - N e r c u t o c a 1 c i n besteht aus Calciumchlorid und Calciumphospholaktat neben Eisen und Mangan und soll bei
Kervenleiden Anwendung finden. Zur Knochenbildung dient hingegdn
ein Gemisch von Calciumlaktat, Calciumphosphat und Ferrolaktat, das
sogeiiannte 0 s s i c a 1 c i n , wahrend das U r i c a 1 c i n , eine Kombiiiation von Calciumcarbonat und Calciumchlorid mit Piperazin,
Colchicin und Phenolphthalein bei arthritischen und rheumatischeri
Affektionen Anwendung finden soll lo5).- 0 s s a stellt ein Geniisch
von Calciumlaktat, Calciumphosphat,
Calciumchlorid,
Calciumglycerophosphat und Zucker dar lo6). - E g e s t o g e n besteht RUS
Calcium- und hlagnesiumcarbonat rnit einem Zusatz von Bobs al,ba
und Pflanzenschleirn. Man verordnet es bei Darnikatarrten, Darmkrlmpfen, saurer Garung im Darm usw. lo;). - C a 1 c a o n a ist ein
elwa 0,5 "/o Calciumchlorid enthaltender Kakao, der angenehm im
Gebrauch ist und bei den bekannten Indikationen der Kalksalze in
Hetracht kommt l"). - K a 1k - A p p e t o n , eine Kombination von
ferrialbuminsaurem Calcium, Calciunilaktophosphat und Magnesiumperoxyd, ist angeblich ein den Appetit und das Allgerneinbefinden
gunstig beeinflussendes Mittel, das entsprechende therapeutische Anwendung findet lW). M a t u s a 1 bezweckt, dem Organismus die notige
Kalkmenge fur die Erhaltung der Zahiie zuzufiihren. Es ist angeblich
ein ,,Turnera aphrodisiaca und Laminaria digitata" enthaltendes Kalkpraparat ll0). Vom H e c a 1 c i n wird nur angegeben, dab es ein Calciumprlparat mit 15O/, Calcium ist, das Zuni 'lei1 als Ion abgespalten
wird und zum Teil a n einen groben organischen Komplex gebunden
ist. Das Praparat dient zur intravenbsen Einspritzung, wenn es sich
urn die Beeinflussung des Nervensyntems und von Entziindungs.
erscheinungen handelt"'). A r n o tan112)ist eine 5O/, CaCI, und Gummi
arabicum enthaltrnde Lbsung ftir die intravenuse Anwendung, demnach eine Modifikation des Mugotan.
Beachtung verdienen auch einige neue Querksilberprlparate,
namentlich das Cyarsal, Mercurosal und Depogen. . C y a r s a l " ist
cyanmercurisalicylsaures Kalium, ein weiaes, in Wasser leicht (mit
neutraler Rehktion) losliches, 46O/, Quecksilber enthaltendes Kristallpulver. Es eignet sirh besonders in Kombination rnit Neo*alvarsan
zur Syphilisbehandlung a n Stelle des von L i n s e r in Vorschlag gebrachten Sublirnat-Neosalvarsangemisches113). ,,M e r c u r o s a l ' , Dinatriummercurisalicylacetat, soll eine gute spirochalenabtatende
Wirkung aufweisen und in wlsseriger Lbsung 0,l:5 ccrn in Zwischenriumenvon 2-3Tagen Ufterintravenasinjiziert werden'"). .Depogen"
ist eine lO0joige 6lige Emulsion von besonders reinem Quecksilbersalicylat. Es enthllt angeblich keine freien Quecksilberionen, sondern
nur organisch gebundenes Quecksilber und verursacht deshalb weniger
Reizungen. Als Grundsubstanz dient ein besonders raftiniertes englisches Paraffinbl, was gleichfalls dazu beitriigt, da8 die Emulsion gut
vertragen wird ll').
Das seineneit von R o s e n t h a l e r und AbelmannllO) zuerst hergestellte M e r c a f f i n ist die Quecksilberoxydulverbindung des Trimethyldioxypurins (Coffeins), die in Tabletten und Ampullen fur innerliche und parenterale Anwendung in den Handel kommt. ES wurde
bei gastrischer Hundestaupe und anderen Magen- und Darmaffektionen
der Hunde mit Erfolg angewandt ll'). ,,Mercedan" wird ebenfalls
l'J2) Vgl. Compt. rend. SOC. biol. 84, 303 [1921]; Therap. Halbrnonatsh.
605 [1921]; Berichte uber d. ges. Physiol. 7, 266 [1921].
lo*) Chem. Ztg. 1079 [1921]; Pharm. Zentralh. 706 j19211.
lW)
Vgl. Klin. Wochschr. 1135 [1922].
Io5) Vgl. Klin. Wochschr. 1238 [1922].
l@) Vgl. Miinchener med. Wochscbr. 132 [1922].
lo7) Med. Klinik 167 [1921]; Klin. therap. Wocbschr. 5 1 [1921].
108) Vgl. Klin. tberap. Wocbschr. 330 [1921].
'OB, Vgl. Med. Klinik 1038 [1920].
Vgl. Pharm. Ztg. 698 [1921]; Pharm. Zenlralh. 533 [1921].
111) Vgl. Pbarm. Ztg. 4 0 8 [1922].
111) Vgl. Pharm. Ztg. 498 [1922].
'la) Vgl.Miinchener med. Wochschr. 271 [1921]; Dermatol. Wochschr. 1318;
1195: 1285; 1307 [1921]; Med. Klinik 1200 [1921].
11() Vgl. The Lancet I, 1001 [1922].
115) Vgl. Med. Klinik 725 [1922].
'la) Vgl. Chem. Zentralbl. I, 582 [1915].
'I7) Berliner tierlntl. Wochschr. 260 [1921]': 195 [1920].
-_
[
_____
Zeitschrift fllr
~ anpewandte
_ _ _Chemie
_ _
in Tabletten und Ampullen peliefert. Es ist para-nukleinsaures Queck-ilbernatrium, d w ftir die Syphilistherapie vorgesehen ist. Bei geringen
Nebenwirkungen soll es von guter Wi, kung sein118). Hei gonorrhoischer
Urethritis und Cystitis sowie bei Pyelitis bat sich das .Mercuroc h r o m " in Form von Spiilungen in 0,5-lo/oiger Lbsung bewahrt.
Das Praparat stellt eine Quecksilberverbindung des Di bromtluoresceins
dar 'lo). Nicht geniigend dekldriert in ihrer Zusammensetzung sind
die beiden Praparate Mercuphan und Diadin. Das " M e r c u p h a n " ist
angeblich eine Phenofquecksilbersalbe, die bei Pferden nach der Begasung mit Schwefeldioxyd am Kopf der Tiere aufgetragen werden
soll, um die Raudemilben trbzutUtenL20). Die .Diadin"-Behandlung
besteht in der Applikation von Jodlinktur und einer teerhalligen (?)
Salbe, die Jod und Quecksilber irn Verhaltnis 4:2,5 enthiilt. K u n d m t i l l e r hat sie bei Bartflec.hte, Furunkeln, Karbunkeln, Ekzemen,
Folliculilis, Impetigo usw. angewandt"3.
Synthetisch hergestellte Jodpraparate, wenigstens solche, deren
Konstitution oder Zusammensetzung genau definiert ware, hat die
neuere Literatur nicht aufzuweisen. Von denen, die sich Beachtung
erworben haben, seien zunachst ,,I bol" und . J o d i n c a r b o n " genannt,
beides Praparate, deren Wirkung a u f Jodkohle beruht. Das Ibol ist
eine Misrhung von Tierkohle, a n die Jod adsorbiert ist, rnit Bolus
und Talkum. Sie enthalt 5% Jod und zeigt trotzdem eine dern 97°/0
Jud enthiiltendeo Jodoform gleichgute Jodwirkung. Das Priiparat
kommt deshiilb als Jodoformersatz in der Wundbehandluno in Betrachtl,?). bas Jodincarbon ist hingegen f u r die intravenbae Anwendung bestimmt. In dieseni Praparat ist Jod durch Adsorption
so an hbchst fein verteilte Tierkohle pebunden, da8 es bei Beiiihrung
mit den Geweben oder Gewebsflilssigkelten nur langsam Jod abgibt
und dai3 in ihm die Adsorptionskraft der Kohle nicht geschwacht ist.
In der Tierheilkunde hat sich das Mittel bei septischen Affektionen,
Druse, Brustseuche der Pferde, Hundestaupe, Pohlenlahme, Enteritiden,
Lumbago usw. sehr gut bewahrt'2".
Vie1 genannt wird auch das
.Presojod", die .Preglsche J o d l U s u n g " . E+ ist das eine Lbsung
von Jod und Jodsalzen, deren Zusammensetzung nicht genau angegeben wird. Angeblich enthllt sie 0,035-0,04°~, freies Jod neben
Jodionen, Natriumionen, Hypojoditionen und Jodationen. Die bakterizide Eigenschaft dleser Lbsung beruht sowohl auf dem freien Jod
als auch dem Jod, das beim Zusammenfreffen mit saurebildenden
pathogenen Bakterien aus der Lbsung i n Freiheit gesetzt wird. In
solchen Fallen wird das bei der Wundbehttndlung verbrauchte Jod
stets wieder regeneriert. Das Mitlel kann auberiich zu Spiilungen und
Verbanden, sowie intravenus und intraperiioneal appliziert werden, so
z. B. bei Puerperalfieber, Magenperforationen, Darmverletzungen,
Appendicitis, Pel itoilitis usw. p24). Organisch gebunden iat das Jod
iingeblich im .Jodozym", einer loo/, Jod enthaltenden Hefe, welche bei
der Verdauung das Jod nur allmlhlich abspaltet. Seine Indikationen
sind die der Jodsalze, wie Arteriosklerose, Asthma, Bronchitis, Syphilis,
Skrolulose und 'labes1*5). Vom ,,Mirjon" verlautet weiter nichts,
als dd3 es ein organisches .Jodpraparat ist, bei dem das Jod in einem
primlren Kern enthalten ist, der in ein Kolloid eingefiihrt ist. Es
ist eine gelbliche, schwach nach Jodoform net-hende Fliissigkeit mit
1,7O/, Jod. Die damit bei Syphilis angestellten Versuche sind nur
zum Teil befriedigend ausgefallen"3.
Scblieljlich seien no1.h einige neue Praparate erwahnt, welche
sich in die oben aufgefiihrten Gruppen nicbt gut einfugen lassen:
Das .Neucesol" ist ein durch Hydrierung des bekannten Cesole
gewonnener Kbrper, der dem Arecolin niiher steht als das Cesol und
deshalb auch eine stiirkere Wirkung aufweist. Die Verschiedenheit beider
Kbrper ergiht sich aus ihrer Zusammensetzung:
CH
HC+C
-COOCH,,
CHZ
CH,+CH
-COOCH,
HC,)CH
N
H,C/\Cl
Cesol = Nikotinsluremethylesterchlormethylat.
B i CH, ?H3
Neucesol =Methylhexahydropyridin-p-carbonsiiuremethylesterbromrnethylat.
Das Indikationsgebiet dieses Mittels erstreckt sich auf pathologische Durstzustande und in der Tierheilkunde auf Verstopfungskoliken der PferdelY?). Als Dosis kann man bei Menschen 0,25-1 ccm
der 2O0loigen LUsung ansehen, bei Pfeiden kommen Dosen von
Ile)
118)
Berliner klin. Wochschr. 761 [1920]; Chem. Ztg. 326 119211.
Jouro. o! the Americ. Med. Assoc. 77. 93 [1921].
Berliner tierarztl. Worhschr. 55 [1922].
Med. Klinik 78 [1921].
'"3 Vgl. Mercks Jahrrsber. 258 [1921].
Ier)
Vgl. ebenda 259 [1921].
le4) Vgl. Zlschr d. osterr. Apoth. Ver. 94, 99 [1921]; Wiener klin.
Wochschr. 286 [1921]; Mercks Jahresbericht 267-272 [1921].
lZs) Klin. therap. Wochschr. 185 [1922].
Vgl. Wiener klin. Wochschr. 106 [1921]; Med. Klinik 416 [1921];
Orvosi Hetilap Nr. 46 [ 19211.
\
I Z i ) Vgl. Mercks Jahresberichte 94 [1919/20]; 197 [1921].
loo)
85. Jahrgang 19221
_~
Aus Vereinen und Versammlungen
0,5- 0,8 g Neucesol in Betracht. Die Applikation geschieht zumeist
subkutan oder intramuskullr.
.Degalol' wird eine Kombination von Oleum Menthae piperitae
rnit Dioxycholansaure (CP4HJ004),einer kristallinischen, farblosen Substanz, die in Wasser unlblich ist und keinen scharfen Schmelzpunkt
zeigt, genmnt. Das Priiparat, das in Tabletten zu 0,012 g PtefferminzS1 und 0,084 g Dioxycholanslure in den Handel kommt, passiert
den Magen unverlndert und wird im alkalischen Darmsaft gelost und
dann resorbiert. Es ist ein gutes Cholagogum, das Cholesterin lSst
und gelclstes in Wsung erhalt. Es wird deshalb als wertvolles Mittel
gegen Cholelithiasis empfohlrn lZ8).
Auch bei Obstipation , Darmdyspepsie und Fettstiihlen ist es brauchbar.
Das neue Antigonorrhoikum , G o n o c y s t o l " ist Milchslure-Santalolester (CH,-CH -0H-COO- C,,H,,) in Verbindung rnit Kawaextrakt,
ein Gemisch, das in Pillenform geliefert wird. Die auch noch andere
diuretische und anlsthesierende Stoffe enthaltenden Pillen sind keratiniert, damit sie erst im Darm zur Losung gelangen konnen, wo der
Ester in seine Bestandteile, Milchslure und Santalol, gespdten wird p29).
Ein anderes neues Antigonorrhoikum, das "Pel1 agony, besteht aus
Gelatinekapseln, die Litherisches Cubebeno1 und BernsteinSl enthalten
und sich angeblich durch Wirksamheit und gute Vertrlglichkeit auszeichnen. Als neu kann man hingegen die therapeutische Anwendung
des Cubebennles nicht hezeichnen, wie das S e i d l tut, da dieses Praparat schon lange in Kapselform gegen GonorrhSe gebraucht wird 13@).
, , H y p o t o n i n " ist ein neues, den Blutdruck herabsetdendes Mittel,
dessen Zusammenseteung nicht genau angegeben wii d. Angeblich ist
es ein Athylendiaminisovalerianat oder eine Aminoverbindung der
Isovaleriansiiure, ein weii3es kristallinisches Pulver von siialichem
Geschmack und an Raldrian und faulen Kase erinnernden Geruch.
Es schmilzt bei ungefiibr 120-130" und ist in Wasser sehr leicht
lbslich. Man verabreicht es innerlich bei hypotonischen Zustanden,
bei Arteriosklerose, Erregungszustgnden, Schrumpfniere, Depressionen,
Schlatlosiekeit, im Klimakterium usw. Die Dosis betragt 0,s glal).
,,M et h y 1 h y d r a s t i n i n M e r c k" ist ein Hamostyptikum, das als
Ersatz der Cotarninprgparate Verwendung findet. Es kommt als salzsaures Salz in den Handel:
CH CH,
Schwach gelblirhes oder griingelbliches, hygroskopisches, in Wasser
und Alkohol lbslirhes Pulver, das bei 213O unter Zersetzung schmilzt.
Die wasserige Losung zeigt gel be Fiirbung und blaue Flunreszenz und
ist neutral gegen Lackmus. Pharmakologisch verhalt sich das Prlparat wie das Hydrastinin, therapeutisch kommt es iiberall in Betracht,
wo sonst Hydrastisextrakt * Hydrastinin oder Hydrastin verwendet
werden, also bei anormal starken Menstruationen ohne anatomische
Ursache, bei Blutungen des Uterus und der Adnexe, als Uterustonikum
im Wochenbett und bei Hlmoptoe. Dosis: 1-2 Tahletten ti 0,025 g
peroral oder 1,2 ccm der 2@/,,igen LUsung subkutan13').
[A. 198.1
I
Aus Vereinen und Versammlungen.
I
Bund angestellter Chemiker und Ingenieure.
In der Monatsversammlung der Ortsgruppe Hamburg wurde Uber
die soziale Lage der Akademiker im allgemeinen und der akademisch
gebildeten Techniker im besonderen referiert. Fernerhin wurde Stellung
genommen zu einem neuen, zwischen dem Arbeitgeberverband einerseits
und dem Bund angestellter Chemiker und Ingenieure anderseits abzuschliefienden Tarifvertrag.
Monatsversammlungen jeden zweiten Dienstag im Monat. Niihere
Auskunft erteilen: Dr. W a g n e r , Chemisches Staatslahoratorium,
Fernruf: Hansa 4128, sowie Dr. N o r r i n g , BarcastraSe 4.
Verband Deutscher Patentanwalte, Berlin.
In einer Sitzung vom 6./10. in Berlin sprach Patentmwalt K e l e m e n
aus Budapest Uber : ,,Patentbeschreibung und Patentanspruch' sowie
iiber die ,Sreitentscheidung durch die Erteilungsbehorde in Ungafn". Die PrZisidenten des ungarischen und deutschen Patentamtes,
der ungarische Generalkonsul und die Vertreter der interessierten deutschen BehUrden und Vereine waren erschienen.
Der Vortr. fuhrte ein logisch geschlossenes System vor, das die
Abfassung der Patentbeschre.bung und Patentansprliche auf wissenschaftlicher Gruadlage ermclglichen soll, und zeigte die Anpassungsftihigkeit seines Systems an die Formulierungspraxis des nngarischen
und deutschen Patentamtes. Davon ausgehend, ddd auch die Patenterteilung eine Art von Streitentscbeidung zwischen dem Erfinder und
dem Patentamt ist, hat das ungarische Patentgesetz das Patentamt nnd
~
.___
"7 Vgl..Klin. Wochschr. 1078 [1922];
Pharm. Ztg. 566 [1922].
Vgl. Klin. therap. Wochschr. 144 119221.
lS0) Wiener med. Wochschr. 834 [1922]; vgl. Mercks Index-I46 [1897].
lal) Pharm. Ztg. 327 [1922]; D r e s e , Diss., Berlin 1921; Mercks Jahresbericht 257 [1921].
]I2)
Vgl. Chem. Ztg. 326 [1921].
l29)
- Neue
BUcher
-____--
639
die iiber Patentstreitigkeiten entscheidenden Senate in einer BehUrde
vereinigt. In dieser sind entsprechend der groBen Bedeutung der
technischen Fragea die Ingenieure den Jurislen gleichgestellt, auch
im Hinblick auf die Besetzung der Vorsiizenden der Senate und des
Patentamtes. In der Anmeldeabteilung sind von drei Richtern zwei
Ingenieure, in den richterlichen Abteilungen beim Dreiersenat zwei,
beim Ftinfersenat drei Ingenieure. Nur im Obergericht ist das technische Element noch nicht gebiihrend vertreten, da dort von den ftinf
Richtern nur zwei Professoren der Technischen Hochschule Budapest
seien. Bei dieser BehSrde sei noch eine Verbesserung wiinschenswert.
Dns System habe sich trotz anfanglicher Anfeindung von juristischer
Seite gut bewahrt. - Bekanntlich wird auch von der deutschen Patentanwaltschaft erstrebt, den Ingenieuren und Chemikern eine gebuhrende
Stellung im PAtentamte zu geben und ibnen in der Rechfsprechung
eine angemessene Mitwirkung einzuraumen, sowie die Rechtsprerhung
des gewerblichen Rechtsschutzes zu vereinfnchen und zu zentralisieren.
Die Berechtigung dieser Bestrebungen ist auch wieder durch den
Vortrag dargetan worden.
Neue Biicher.
I
EinfUhrung i n die Chemie. Von W a l t h e r B e c k e r . I. Teil: Anorganische Chemie. 110 Seiten mit 6 Ahbildungen. 11. Teil: Organische Chemie. 95 Seiteo. Lehrmeister Riicherei Nr. 621-623 oder
Nr. 624-626. Verlag Hachmeister & Thal. Leipzig 1921.
Die beiden Bandchen sind nach der Vorrede ,,fur den Laien beI echnet, der ohne jede chemische und physikalisrhe Vorkenntnisse
sich mit dieser Wisstnschaft befassen will.' und sollen .,eine Einfiihrung in das chemische Denken, in die Art der Betracbtung und die
Eigentiimlichkeit der Behandlungsweise der Chemie geben". Diese
verantwortiingsvolle und reizvolle Aufgabe ist von dem Verfasser in
einer Weise zu ISsen versucht worden, die verpflichtet, vor dern Gebrauch der Hefte zu warnen. Es ist nicht moglich, die nach Dutzenden
zahlenden direkt falschen Angaben hier im einzelnen aufzuziihlen,
die sich im anorgankchen Teil finden; sie betreffen nicht etwa nur
Dinge minderer Bedeutung, sondern stellen auch gelegentlich grundlegende chemische Prozesse auf den Kopf (man lese z. B. die Ausfiihrungen Uber den BleikammerprozeB oder das Solvayverfabren,
wo das Magnesium als unlSsliches Magnesiumchlvrid ausgefallt und
das in Losung gehliebene Bicarbonat durch Eindampfen gewonnen
wird; Calcium findet sich hauptsachlich als Nitrat in der Natur,
Schmiedeeisen ist weder hammerbar noch walzbar u. dgl. m.). Die
Behandlung der theoretischen Grundlagen bietet das gleiche Bild;
eelbst fiir das Temperaturgesetz der Gase hat der Verfasser eine direkt
falsche Darstellung zu finden gewuBt. Die Auswahl des Stoffes ist
ohne jede Kritik getroffen; wicbtige Dinge werden in wenigen Zeilen
erledigt. dafiir z. B. samtliche Oxyde des Chlors und des Stickstoffs
aufgezahlt und besprochen. Darstellung und Sprache lassen an vielen
Stellen sehr zu wiinschen iibrig, selbst wenn man dem Verfaaser das
erbetene Zugestandnis macht, dafi ,,der Stil in den ersten Kapiteln
nicht streng wissenschaftlich und exakt sein kann". Eine Neigung
des Verfa-sers, unrichtige Artikel zu gebrauchen (d e r Ammoniak, d e r
Aceton, dattir d a s Indigo) sei als besondere Seltsanikeit erwtihnt. Das
organische Bindchen scheint, an der anorganischen Halfte gemessen,
zunachst einen etwas gunstigeren Eindruck zu machen, zeigt bei
niiherem Zwsehen aber die gleichen Fehler, wenn auch die einzelnen
Beispiele nicht derart gehluft sind wie im anorganischen Teil. Das
sind alles Mangel, die auch der billige.Preis der Hefte nicht entschuldigen kann. Dem Verlag ist der Vorwurf nicht zu ersparen, daB
er bei der Auswahl des Verfassers die nUtige Sorgfalt hat vermissen
lassen, zu der er nach Ansicht des Referenten besonders verpflichtet
war, wenn er sich rnit einem billigen Buch an ein zur Kritik nicht
befiihigtes Laienpublikum wenden wollte.
F. Straus. [BB. 247.1
Hsndbueh der Feuerungsteohnik u d des Dampfkesselhetriehes rnit
einem Anhang iiber allgemeine Warmetechnik. Von Dr.-Ing.
G e o r g H e r b e r g, Stuttgart. Dritte, verbesserte Auflage. Mit
62 Textabbildungen, 91 Zahlentafeln sowie 48 Rechnungsbeispielen.
geb. Preis M 90
Berlin 1922, Julius Springer.
,.Den Ingenieur in die Bedeutung der sozialen Arbeit einzufiihren,
ist gerade die Warmewirtschaft so recht geeignet, denn sie, welche
den gemeinsamen Schatz der Menschheit, die Kohle, verwertet, mit
ihrer Hilfe Kraft erzeugt und die Warmevorginge leitet, ist nicht
allein eine technische Frage, sondern in erhohtem MaBe eine soziale." ,,Kraftwirtschaft in der gesamten Industrie allein, ohne
Riicksicht auf Warmewirtschaft, ist nicht mehr denkbar." Diese zwei
Satze, in einem einleitenden Abschnitt des vorliegenden Buches ausgesprochen und ausgefuhrt, kennzeichnen die Gesichtspunkte, unter
denen die dritte Auflage desselben herausgegeben ist. Immer wierler, in allen Abschnitten, tritt der Gedanke, dafi die Technik nicht
Selbstzweck ist, sondern nur ein ,,dienendes Glied des gesamten
Volksorganismus", deutlich hervor. Dieser groBziigige Rahmen, in
den die technischen Einzelheiten sich wie Mosaik einfugen, macht
das Buch so lesenswert und bewirkt, dafi man auch beim Eingehen
auf die speziellsten Details niemals die gro5en Aulgaben des Buches
und des behandelten Gegenstandes aus dcn Augen verliert. - Eine
ganze Reihe von Abschnitten, nelche die neuesten Fortschritte der
Technik betreffen. ist teil.: umgearbeitet, teils erst neu aufgenommen.
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