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Codex der Pharmakopen. Sammlung deutscher Bearbeitungen aller officinell eingefUhrten Pharmakopen und wichtigsten Dispensatorien. Leipzig Verlag von Leop. Voss. 1844-1847. I-XIII. Lieferung

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Lilera fur.
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auch diese ist fasslich und kurz dargestellt, ohne irgend eine bedcutende Erscheinung zit iibergehen ; zugleich nimmt sic auf beide Theorien
der Lichtphlnomene Kiicksicht. Im eilften Abschnitte folgt die WBrmelehre. Wirine wird definirt als die Brzeichnung einer eigenthiimlichen
Empfindung oder des Agens, welchea dieseEmpfindung hervorruft. E s ist
aber noch eine dritte Bedciitung des Works sM‘6rmea zu unterscheiden : e s bezeichnet namlich eineu allgameinen Zustand der Katurltiirper.
Der zwulfte Abschnitt beschaftigt sich mit dem Magnetismus. Die
neueren Versuche F a r a d a y ’ s uber die Einwirkung des Rlagnetisnius
auf das Licht und iiber die sogeuannten diamagnetischen HBrper sind
aufgenommen. Die Elektricitltslehre is1 Gegenstand des dreizehnten
und letzten Abschnittes. Auch diese enthllt alle neueren hieher gehurigen Beobachtungen und Erfindungeu. - Das Buch ist durchaus klar
geschrieben, uiid s e h t nur die gervijhnlichen elementar - rnotlietoatischen
Vorltcnntnisse voraus. Zur Erltllrung des Textes sind zahlreirhe 1 1 1 1 1 ~ schnitte eingefugt.
Dr. 11. Bley.
Codex dcr Pharmakopiicn. Sammlung Jeutsclicr Bearbeit u n v n aller officincll eingefiihrtcn Pharmakopoen und
wicttigsten Dispensatorien. Lcipzig, Verlag von Leop.
Voss. 1844.--18&7. I-XIII. Liefcrung.
Auf diesen Codex, der alle gegenwlrtig mit Gesetzeskraft giiltigcn
und in der nichsten Zeit etwa noch zu erwartenden Pharinalcopden,
so >vie die 1)ispensatorie.n enthalteii soll, welche als Armee-, hlilitairund Hospital - I’harinaltopden irgend ein allgemeines Intercssc bietcn,
haben wir bereits die Leser desJahrbuchs fiir pralct. Pharmac. S,343,aufmerltsani geniacht. l)as Bediirfniss, die Siilzlichlteit, die Zweclcmissigkeit des Unternehmens anerkennend, wurde in der Kurze der dem
Ganzen zu Gruude liegende Plan mitgetheilt. Zu den (a. a. 0.)
erwiihnten, damals erschieneuen 2 Blndchen oder Lieferungen, die
Pharnialtopiie fitr Schleswig und llolstcin von 1831 und die der vereinigten Staaten von Nordamerilra von 1812 enthaltend, sind i u dein
Zeitraunie von 2 Zahren I1 wcitcre Blndchen oder Lieferungcn hinzugeltoninien. Die letztern enthalten 111. die danische I’harmaltopLie
von 1830 nebst einem Anhange, enlhaltend die Militair- und Armenpharmaltopde, 1V. die iisterreichische I’harmakopde von 1834 nelist
allen Abweichungen der iistcrreichischen nlilitairpharinaltopdc von 1811,
V. die franzdsische Pharmaltopde von 1839, VI. die hanniiversche
Pharinaltopoe von 1831, VII. die hamburgische PharinakopBe von 1815,
V111. die schwedisclie I’harmakopiie von 1815, IX. die griechische
Pharniakopoc von 1837, X. die sichsische Pharmaltopiie von 18.37,
XI. die russisclie nlilitairpharmaltop6c von 1840, XII. die badischc
Pharnialtopiie von 1911, und NIII. die preussische Pharmakopde von 1S36.
In der Vorrcde 1. Section, I. Bindchen entwickelt der Ilerausgeber der Sammlung dic wiclitigern, dcr Bearbeitung und Anordnnng
zu Grunde liegenden Punctc, so die W a h l der Sprache, die alphabetische Anordnung, die Bcarheitungsweise der einzelncn Artiltel und
die \!‘ah1 dcr Nonienclatur. Wir stimmen mit dem Verfassar iiberein,
dass in allen diesen Beziehungcn dahin gearbeitet werden niusstc, bci
nioglichster Erhaltung aller zur Beurtheilung d e r Fharmakopden erforderlichen Eigenthumlichkeiten eine solche Gleiclimlssigkeit zu ereielen,
dass alle Blndchen als Clieder c i n e s Ganzen erschcinen ond die
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Lileralur.
Orientircing mit gleicher Leiclitigkeit in jeder einzelnen Phartnnltopoe
miiglich wurde. Aus diesem Grunde konnte der wissenschahlichen
Strenge und Consequenz nicht itnmer Geniige geleistet werden und
dies ist um so mehr zu entschuldigen, als w i r leider g a r zu oft Gelegenheit, haben, wahrzunehmen, dass heiden im eineelnen fiir sich
dastehenden Pharmakopuen (und selbst den in der allerletzien Zeit
erschienenen) nicht die verdiente Aufmerlcsatnkeit gewidmet worden.
Die Griinde, die den Verfasser fiiF die Wahl der deutschen Sprache
zu entscheiden veranlassten, sind iibrigens nur tbeilweise richtig ; dor
Umstand, dass nicht alle PharmahopBen in gleicher Sprache pesclirieLen, eine Gleichheit aber in dieser Beziehung aus vielen (hiinden,
wenn auch bloss des Verstandnisses wegen. licss dem Verfasser n u s
seiner Ansicht nur die Wahl zwischen der lateinischen und deutschen
Sprache. Fur die erstere spricht scbon dcr wichtige Unistaad, dass
sie in Deutschland (auch in andern Staaten) die recipirte pbarmaceutisclie und auch niedicinische ist, und die meistep Pkarmakopiien
in der lateinischen Sprache ahgefasst sind. \\’oh1 einsehend, dass firr
die Benennungen der Pittel nur die letztere passend und bezeichnend
ist, indeni v i d e derselben durck deutsche gar nicht zu ereetzm +id,
hat sich dennoch der Verfasser fiir die deutsche Sprache entschieden.
Fur den von Vielen .adopt.irtcn Grundiatz, den Kest classischer und
humanistischer Bildung durch Beibehaltung der lateinischen Sprache
zu hewnhren, spricht nach des Verfassers Ansicht kein cinziger
vcrniinftiger und praktischer Grund und diirfte das Erlernen des sogenannten Kiichenlateins der Pharmakopoen (welches nicht immer classisch
sein lranu) die classische Bildung eher hindern, als furdern. Ohne
uns hier in eine philologische Discussion einlasseu zu wollen, kirtinen
wir docli nicht umhin, den Verfasser auf die Niitalichkeit und Rothwendiglreit des Lateins zum gediegenen Studium der Naturwissenschaften, insbesondere der Botanilr, zu erinnern. Man wird nicbt liugnen
Itonnen, dass die Droguen, insbesondere aus detn I’flanzenreiche, eioen
wiclitipen Theil einer Pharmakop6e ausmachen und zum genauen Verstandniss und Wurdigung eine moglichst genaue und bezeichnende
Description tiothig ist, welche wir aher nicht mit Hiilfe der deutschen
Sprache erreichen. Die Beibehaltung der lateinischen Sprache ist insbcsondere wichtig fur den Phamaceuten, der ohnedies das Wenige
des classischen Lateins, das er sich auf dcr Schule amgseignet, fiir
diesen Fall noch cher verschwitzen wiirde. Esist leider cine belcaunte
Thatsache, dass der zur Erlernung der pharniaceutischeu Kunst bestimmtc Jiingling zu diesem Behufe mcist kdrperlich und geistig unreif
niit eiuetn sparlichen Schatze sogenannten ltumanitiitswissens begabt,
sich seineni neuen Berufc widniet. Hier ist es, w o dieser geringe
Schatz, statt allmalig verniehrt zu werden, leider gar au oft das Gegentheil erfihrt; das bisschen Lakin wird nothdiirftig und das nicht eitiinal
iiberall, zum Uehersctzen der I’harmakopfie fortgeselzt, das Sprachstudium erstrecht sich aber haufig auf das Erlernen resp. Auswendiglernen der technischen Benennnngen und der Terminologie iiberhaupt.
I n den spatern Jahren, den Conditionsjabren, wird das wenige in
dieser Beziehung Erlernte wieder vergessen und erst auf Universtitaten,
Instituten u. s. w. insbesondere zur Vorbereitung auf die Staatspriifung
wieder einstudirt. Wenn nun die Pharmakopuen noch in dcutscher
Sprache abgefasst sind, so wird dadurch ein weiterer Sporn oder
Veranlassung zum weitern Betrieb des unentbehrlichen Lateins wegfallen. Man wird mir entgegnen, dass auf eine huhere huninnistische
Literal ur.
327
Bildung der Incipienten gedrungen und dieselbe nicht vor dem 16ten
Jahre zugelassen werden sollen, was auch ganz den Anforderungen
der Zcit enlsprechend w i r e ; allein wir wisseo, dass die meisten in
Deuischland gesetzlich giiltigen Apothekerordnungen noch den Geist
dee vorigen Jahrhunderts athmen, den Apothelterlehrliog uod Gehiilfen
gleich dem Schusterlehrling und Gesellen behandeln und heurtheilen.
Eine Umgestaltung hat sich schon langst als drinpendes Bediirfniss
fiililbar gernarlit, allein nur wenige Staaten haben dies erkannt und
einige yon diesen lassen ein Uecennium vergeblich auf Besserung
warten. Kach dieser Episode, die uns bei mehr Musee weitere Details
i n dem angeregten Capitel wird publiciren lassen, kehren wir en
unserm Codex zuriick. In den uns zu Gehote steheoden Originalpharmakopiien haben wir den vom Verfasser geriigten Mangel an
Uebereinstinimung der verscbiedenen I’harmakopoen in den Bezeichniingen derselben Operationen nicht so hiufig wahrnehmen konnen.
aUnd dennorh wiirden, sagt der Verfasser, nes nicht m6glich gewesen
sein, bei gleicher Kurze gleiclie Ueutliclilteit und a 1I g e m e i n e ,
r a s cli e Verstlndlicliheit zu erzielen, wie durch die Wahl der deutschen
Sprache, welche der Uarstellung der hier zu verhandelnden Uinge im
hBchsten Grade gewachsen is%.# Urn bei gleicher Kiirze gleiche Dentliclikeit zu erzielen, diirften wir der deutschen Sprache vor der lateinischen nur niit Unrecht den Vorzrig geben; trotzdem billigen auch
wir, ohne inconsequent zu sein, hier bei einer Bearbeitung von Pharmakopoen (und nicht von einer J’harnialtopBe), wie es der Codex
beabsichtigt, die Wahl der deutschen Sprache. Eine aus vorstehenden
Bemerkungen hervorgehende Folgerung diirfte nehen der deutschen
Beschreibung nicht die lateinischen Ramen als Korm gebend dulden,
wenn nicht, zur Verstindlichlteit, die letztcrn (oben ist das Entgegengesetzte der Fall) zwecltmgssiger erschienen, wie sie es denn auch in
der That sind.
Wir sind mit dern Yerf. vollkommcn einverstandeo, dass der einzige Weg eine durchgreifende Anordnung aller I’harrnaltopoen zu
erlangen, die Aufhebung aller Unterabtheilungen und Anwendung einer
rein alpliabetischen Polge war, auf der Hand liegt, obgleich wir f i r
eine rein alphabetische Anordnung bei Pharniakopoen iiberbaupt nicht
geradezu slininien, sontlern eine Trennung der MafeTia medica yon der
pharrnaceutica f i r geeignet halten. So lassen sicli anch wegen Unbestandiglieit der zoologischen und botanischeu Nomcnclatur, mebr aber
noch w g e n der Uiibestinimtheit der Abstammung die Droguen nicht
nach den Narnen der Illutterptlanzen U.S. w. ordnen, sondern es ist
die Zusamiiienstellung nach den einzelnen Theilen, wie Hinden, Wurzeln, Krauter U.S. w. nicht nur piaktischer, sondern auch dcr alphabetischen Anordnung iiberhaupt mehr entsprechend. nie Zwccltniassiglteit dieser Anordnung haben such die Verfasser der Phnrmacopoea
borussicn, E d i t h seztn anerkannt, indem sie das friihere Vcrfahrcn,
die Droguen unter dem Namen der Mutterpflanze anzufiihren, gegen
das eben erwshntc vertauscht Iiaben.
Die Art der Bearbeitung der einzelnen Artiliel anlangend, hat der
Verfasser die Bercitungsvorschriften fur die Priparate und die zur
Erkennung der Aechtheit und Keinheit der Mittel beigefiigten Charakteristilten ziemlich vollstandig und somit auch das Wesentliche wiedergegehen und aurh das zur Reurtheilung des Standpunctes der Pharinakop6e Hothwcndige, welches aber von einer geringcn Anzahl der
Abnehmer dcs Werltes berucksichtigt werden durfte. In viclen FAllen
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Lileralur
sind die schr weitliiufigen Beschreibungen der Droguen abgekiirzt
worden und wir billigen es da, w o es der Klarhcit und Verslindlichheit lreinen Abbrucli gethan. Dieses Verfahren begriindet der Verfasser durch das hlotiv, dass Ausfiihrlichkeit bei einer Pharmakopoe
nichts tauge, was aber eine irrige Ansicht ist. Wenn’ hegreiflicherweise das Studiuni der Yharmakop(ie, nicht jedes andere Studiuni ‘erselzen
kann, so sol1 doch eine Pharntakopiie, a h phartnaceutisches Gesetzbuch
betrachtet, in mdglichst Irurzer und biindiger Sprache (wozu sich die
lateinische a m besten eignct). eine erschiipfende Bescbreibung der einzelnen Medicaniente und somit auch die Angabe der Kennreichen und
Merlrmale, nach welchen die Aechtheit und Giite der cinfachen, wie
zusammengesetzten Arzneimittel erkannt werden, ebenso wie die Art
der Aufbewahrung enthalten. Die Folgen einer an Arzneimittcln (cinfaclien und zusattttiiragesetzten) und erschdpfenden Behandlung artnen
Pharmakopde lernt der pralrtische Apothelrer am besten lrennen und
wurdigen. Ausfiihrliche naturgeschichtliche und historische Rotizen
gehiiren nicht in das Bereich einer Phartnakopue, ebenso das Therapeutische, obgleirh eine lrurze Notiz uber die \Yirksanilreit der nlittel
(nach A r t der badischen l’harnialropiie) nicht tiberflitssig sein .diirfte,
indent dieselbe dem Apothelrer nicht ganz fremd bleiben darf.
Die Komenclatur ist ein sehr wiclrtiger Cegenstand, aber anch in
Bezug auf strenpe Consequenz und logisctie Durchfiihrung sehr schwierig
zu behandeln; eine streng wissenschaftliche Komenclatur ist bei deni
heutigen Standpuuct tinserer Kenntnisse nicht tnoglich, sn wie die Iiltere
Nomeaclatur i n vielen Fallen gar nicht melir bezeichnend und selbst
fast der Vergessenhcit anheitngelbllen ist. Bei deni vorliegenden W e d r e
rnusste das Slreben dahin gerichtet sein, in der llauptsache eine und
dieselbe ilomenclatur zu wiihlen, die moglichst stabil fur alle nlittel
sein SOH. I)em Verrasser ist es geglucltt, diesen Zweck erreiclit z u
haben, glcicliwohl liessen sich einzelne nicht unbcdcwtende Einwiirfe
niachen, deren Beriicltsichligung die Bearbeitung und Zweclimlssiglreit.
dcs Giinzen sehr crschwert haben wurde.
Rach diesen allgetncinen Bemcrkungen gehen wir zu den einzelnen Phaiinalropoeu ubcr:
I. I’harmakopiie der Heroogthdmer Sckleswig und Holstein.
In der Einleitung erwiihnt der Verfasser ganz richtig, dass die
beidcn Herzogthiimcr sich im Allgemeinen sehr gut eingerichteter Apothelten zu erfreuen haben, indessen melir in Folge der tiichtigen Bildung seiner Apotheltcr, als der staatlichen Einriclitunpen (diese iiben
doch durch die strenge Priifung cinen wohlliitigen Einfluss in dieser
Hinsicht), welche zieiulicli inangelhaft und .&elit einmal consequent
(wie dies leider in den meisten Slaaten der Fall ist) gehandhabt werden. Die Crundlage der ledicinalverfassung bildet die von B a r t h o
I i n ausgearbcitete Medicinal- und Apothckerordnung vom $. October
1672 ; dieselbe handelt iiber Quacksalberei, Selbstdispensiren, die Kcchte
der Laboranten und Droguisten, Examen und Vereidigung der Apotheker, Kevision der Apotheken durch die Physici u. 6 . w. Das Sanitiitscollegiunt in Kiel, welches unter Vorsitz eines Juristen und fiinf
litgliedern bestcht, sol1 sich dem Vernehmon nach gegenwiirtig mit
Ausarbeitung einer Apothclrerordnung beschaftigen.
Die Privilegien
sind meist nur persnnliche, werden aber in prasi wie reale behandelt.
Bis zum Jahre 1831 galt die Banische Yharmakopije -von 1772
und spiter 1805; in jener .Zeit erschien die von P f a f l bearbeitete
Pharmncopoea slescico holsalica, regin atitoritate edita, welche vor
-
-
Lileralur.
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uns licgt. Die Vorrede clcrselhen crltliirt sich dahin, doss man zur
Einfiihrung der preussischen oder hamburger Pharmalcopiie theils wegrn
besonderer localer Verhiiltnisse, denen jene nicht getlugen, thcils wegen
rnancher Fehler und abweichender Ansichten sich nicht babe entschliessen Itiinnen. Sehr wichtige Griinde! Z u innigem Danlcc sind
nicht allein Schleswig Holsteins Rlediciner und Pharnioceuten, sondcrn
auch wir den1 Verfasser verpflichtet, wenn e r seinen Zweck erreicht
bat, den er bei der Bearbeituug.imnier im Auge gehabt, dass die
Pkarmnlropde clem Arzte die Garantic geben solle, Alles, was er verschreibt, in den Apotheken imnier von g l e i c h e r Giite zu crhalten,
womit freilich die Ansicht, dass dip Pharrnaltopbe zur Darstellung dcr
Priiparate nrir eine rind nach des Verfassers Ueberzeugitng beste
Rlethode vorschreibend, nicht v e r b i e t e n SOH, dass auch eine andere
gewihlt werde, sofern sic nur das I’riiparat von derselhen Beschaffenheit liefert, ltcineswegs .in Einklanp zu bringentst. Dadurch srheint
auch die ganze Bedeutung eincr I’harmakopiie verkrnnt zu sein, indeni
dieselbe die durch cine Heihe von Versuchen erprobte, ein iniiglichst
reines Prlparat und auch cine nicbt zu geringe Menge desselben und
nicht s u f zu umstindliche Weise erzielende Rlethode auszuwihlen, als
Rorm festzustellen tiat und kcine andere Bcreitungsweise gestatten
darf. Leider ist es ein zu hiufig eingerissener Nissbrauch, bei Anfertigung von I’riiparaten u. 8 . w. die Vorschriften der Pharmakop6e zu
wenig oder fast gar nicht zu beachtcn. M i & der Wahl der Mittel
hann man im Wesentlichen zufrieden win. Die I’flanzen, welche einheitnisch und die Ihoguen, wclche allgemein bekannt sind, sind bloss
ibreni Ursprunge nach angefiihrt unrl nicht beschrieben, dagegen hei
weniger allgeniein bekannten und besonders den wichtigern ausliindischen lfroguen zienilich befriedigende, vor Verwechselung schiitzende
Besclireibung, und bei den Chernikalien die Haupteigenschaften und
Kerctionen in Bezug nuf Vertneidung von Verunreinigungen und Verfiilschungen, die i m Durchschnitt nicht zu detaillirt zu nennen sind,
angegeben. Inconsequenzen begegnet m a n aus den angcfiihrten Griinden, wic iiberall, so auch hier, wlhrend unsere wichtigsten einhcimisclien 1)roguen bloss genannt sind, findet man z. B. bci Confeclio
seu C o ~ z d i t i i n Corlicum
~
Aicrantiorum, Conf. Seniinis Cinae u. s. w.
einc ausfuhr1ic:he Bereitungsweise angefiihrt, ein Gegenstand, der heut
zu Tage gar nicht rnehr in eina Pharmakopije gehijrt und noch dazu
werden diese Sacheu, wenn sie sich noch i n Apothelten finden, auf
dem \Yege dcs llandels bezogen.
Die stark wirkenden Mittel und Gifte sind h r c h eine besondere
Auszcichnung bezeirhnet, ein Verzcichniss von Reagentien und ihrer
Bereitung angegehen, die Anordnung alphabetisch und die R’ornenclatur
itn \Yesentlichen die der Pharm. borussicn, Edit. guinta, mit der sic
iiberhaupt vie1 Uebereinstinimung zeigt, und desholb ist das Bediirfniss
einer eignen Pliarniakopiie nicht gerechtferligt. Der in1 Jahre 1812
erschienenen Taxe ist ein 24 Seiten starker Anhang beigefiigt, welcher
lauter Nachtrlge enthilt, so wic Verbcsserungen einzelner Vorschriften.
A u f die einzelnen Prlparate Itiinnen wir hier nicht eingehen; irn
Ganzen ist die Pharmakopde nach Abzug einer gewissen Zahl y o n
Extracten, Tincturen und Magistralformeln bezuglich der Auswahl der
Artiltel und der Darslellungstiiethode unter die bessern zu rechnen
und den1 Verfasser der deutschen Bearheitung ist es auch gellingen,
das W&mtliche auf eine liurze rind verstiindliche Weise wiedergegeben zu haben.
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Literalur.
11. PharmaliopCe der vereinigten Staaten von Rlordamerika, 1852.
Da in Nordarnerika die uneingeschrankteste Gewerbefreiheit und
selbst in Ausiibung der pralttischen Bledicin und pharmaceutischen
Kunst hecracht und es an .jeder Idee einer vernrinftigen Dledicinalpolizei fehlt., daher keine gesetzliche Lehrzeit, lteine Prufungen, lteine
Vorschrift iiber die erforderliche Bildung, lceino Taxe und auch lteine
mit bindender Gesetzesltraft versehene Pharmakop6e existiren, so Iisst
sich daraus ein Bild der pharmaceutischen Zustiinde dieser Linder
entwerfen. Eine natkrliche Polge dieses Zustandes ist die grosse
Ignoranz und Entartung des Apothekerstandes, dessen bessere Clieder
durch Bildung von Vereinen weiter9 Ausbildung ihrer Ziiglinge u. 8. W.
zur Hebung und Ve.rbesserung ihres Standes beitragen ; dass hieran
die Errichtung eines pharrnaceutischen Studiums a n der pennsylvanischen Universitiit (im Jahre 1821) wesentlichen Antheil genommen,
diirfte wohl nicht dezweifelt werden. In Folge dessen hat sich die
Zahl der wissenschaftlich gebildeteu Apotheker in den Hauptstidten
der Uuion in neuerer Zeit vermekrt, doch ist bei dem totalen Dlangel
einer ledicinalpolizei an eine durchgreifende Besserung des Zustandes
nicht zu denlren. Auch die Pharmacopoeia of the united Slates of
America ist das Resultat freiwilliger Convention, sie ist daher nur
publicirt wby the aufhority of the nafional convention held at Washin9ton.a Die erste Ausgabe derselben erschien 1820, die zweite
1831 und die drittc, davon die deutsche Bearheitung vorliegt, 1892, welche lelztere (zum ersten Male) nur englisch erschien. n i e Einrichtung
ist wesentlich die der fruheren; die Maferia tnedicn, i n welcher
die Artikel zwdr alphabetisch, aber bloss mit dem Genus- (bisweilen
auch dem Species-) Nanien der Mutterpflanzen aufgefuhrt sind, nur
niit lcurzer Andeutung des Ursprungs, und hi Chemiltalien niit Angabe
der Reinheitsltennzeiclien, zerfilllt in zwei Verseichnisse, deren erstes
alle unzweifelhalt wichtigen u n d alle 11s Roharzneimittel fur Herstellung der Prsparate im zweilen lheile erforderlichen Ihoguen enthiilt,
wilirend alle Artiltel zweifelhaften Werthes in dem zweiten Verzeichnisse stehen. bass diese Nomenclatur, sowie das Yrincip, das zur
Aufstellung dieser heiden Verzeichnisse Veranlassung gegeben, falsch,
unrichtig und unzulilssig sind, wird jeder Unbefangene gern zugestehen. So sind auch in die Reilie der zweifelhafien Dlittel solche
von entschiedenein Werthe und Wirkung aufgenommen. I m Wesentlichen finden sich darin die hei iins gebrtiuchlichern Droguen, denen noch
eine geringe Zahl ainerikanischer beigegeben ist ; mangelhaft erscheint
hier noch, dass bei den botauischen Kamen die Autoritbten nur in
besondern Fillen aufgefuhrt sind. Die Zahl der l'raparaie ist, mit
Ausnahme der sehr volltsthiimlidien Spiritus und Tincturen, eine ziemlich bcschrankte su nennen, so suchet man vergeblich darunter A c i dum phosphoricum, Acidum succinicum, Ammonium succinicum, Antimonium sulphuralum nurantiacum, Ferrum trichloratum, F e w . carbon.
sacch ,Sanlonin, Strychnin. nilricum u. s. w., littel, die sehr wichtig
und yon anerkannter Wirkung sind. Die Vorschriften und Auswahl
der eigentlich pbarrnaceutisclien Priiparate sind den Zeitanforderungen
itn Wesentlichen entsprechend und als Vorbild dienten in dieser Beziehung die letzten Ausgaben der Londoner und Edinburger l'harmakopiieo. Fur Bereitung der Ertracte, Infusa und Tincturen ist die Deplacements oder Verdriingungs- Pethode aufgenommen, zu dere,n Ausfuhrung das Vorwort eine dlgemeine Yorsclirift mittheill; sugleich
wird aber freigestellt, ob man nach dicser Jlethode oder nach der
-
Lilerntur.
331
iiltern Art durch Maceration verfahren will. Die Nomenclatur ist die
der neuen Londoner PharmakopGe. Auch bei diesem Bandchen hat
der Verfasser des Codex Gediegenheit seiner Leistuagen bekundet.
III. Donische Pharmakoptie von 1840 nebst einem Anhange, enthuttend die Militairpharmakopcie und Armenpharmakope.
In der, noch heute die Grundlage des gesetzlich Giiltigen bildenden, Medicinal- und Apothekerordnung von B a r t h o 1 i n vom 4. Oct.
1672 isb eiae ganz gute Apotherordnung Yorgebildet und durch Specialverordnungen Einzelnes nachgetragen oder zeitgemiiss abgeandert worden. Teotz den1 eine eigentliche durchgearbeitete Apothekerordnung
mangelt und sich das Bediirfuiss einer den Zeitanforderungen entsprechenden Revision allgcmein und inirner stiirlter kund giebt, so ist doch
das dinische Apothekerwesen ein gut geordnetes und der Znstand
der Apotheken irn Allgemeinen ein bliihender zu nennen. Die erste
Pharmakopije erschien in Diinemarlc 1772, eine neuere 1805, und 1530
die jetaige, welche dermslen gesetzlich bindende Kraft besitzt ; sie ist
lateinisch geschrieben und fiihrt den Titel: Phurmaeopoea danica,
regia auctore’tnte a collegio sanitatis regio Ilafnniensi editn. Hafniae
1810. Sic zerfallt in rwei Tbeile, wovon der erstere die Materia
pharmaceuticn und der zweite die I’rPparate enthiilt, welche der Aporheker selhst anfertigen soll. Besondcre Tahellen bereichnen die in
allen Qfficinen vorrithig zu haltenden Mittel, Gifte, so wie die grossten
Down der heroischen Mittel. Die Ronienclatur entspricht den Anforderungen in Kiicksicht auf die Consequenz der chernischen Bezeichnungen wenig ; so bei einigen Priiparaten die neuern wissenschaftlichen Benennungen, bei der griissern hlehrzahl die liingst veralteten.
Die Anordnung ist rlphabetisch, so dass alle Kinden, Kriiuter und
Wurzeln neheneinander und nicht die i n rielen killen noch unbestimmten und vcrhderlichen Ramen der I’llanzen und There voranstehen,
In deni zweiten Theile fiodet sich eine grosse Zahl von Pillen, I’flastern und andern Cowpositis, was dcr Verfasser des Codex ganz
richtig als etwas ganz Unzeitgemasses rfigt, so wie ijfter vorkommende
Anwendnng von hamen und Rohwaaren, welche sich im ersten gar
nicht finden. In der deutscheu Bearbeitung siad die zum Theil sehr
weitliuligen Beschreibungen des Originals stark abgeltiirzt, aber nichts
weggelassen, was E U F Beurlheilung der gcwiihlten Methoden erfnrderlich seio kiinnle. In der Eiuleitung werden nllgemeine Vorschriften
iiber Einsarnrnlung, Aufbewahrung und Behandlung der Droguen u. s. w.
angegeben. Alle Ptlanzen sind wildwachoend zu sammaln und in der
Zeit der griissten \VirIt.samkeit; wann dieser Zeitpunct eintrilt oder
cingetrelen, haben die Verfasser nicbt angegeben, leider sind unsere
Erfahrungen i n dieser Hinsicht noch sehr sparlich Nicht nlle Wurzeln diirfen, wie dies in der Einlei.tung vorgeschrieben, vor dem
Trocltnen gewaschen werden.
Die deutsche Bearbeitung enthalt in einein Anhange noch die
1828 erschienene Pharmacopoea i n p r a x i publica a mcdicis Danicis
seguenda, welche eine Auswahl von Jlitteln enthalt, auf welche sich
die Aerzte in alleu Fallen, wo die Kosten der Behandlung iXentlichen
Cassen (derartige Humanilltsprincipien des 19ten Jahhunderts sind
auch in andern Staateo aufgetaucht ; bei solchen Fallen heisst es denn
auch, man spart den Kreuzer, uin es mil Gulden hinauszuwerfen) zur
Last fallen, zu beschriinlten haben sollten u. s. w. Nach Erscheinen
der neucn Pharmakopiie yon 1890 wurde auch ein neuer Eleclus
dieser Art unter dem Titel : a Cdralg af Laegemidler, dor skalle bruges
332
Lilerahr.
i den o f f c n l l i p Praxis, 1843a, und dadnrch die Phhmrm. pauperctm
von 1828 ausser Kraft gesetzt.
Diese Ausgabe schiclrt in einer
Vorrede dieselben allgemeinen Bemerkungen voraus. Die Pharmncopoea mililhmris von 1810 zerfiillt in zwei Abtheilungeu, wovon die
eine die Mittel enthiilt, welche der lilitairarzt aus den Apothelten zu
hezieheu hat und die andere solche Mittel, welche er selbst mischen sol!.
In der Vorrede sind die bekannten Griinde fur Ausarbeitung einer
besondern Militairpharmaltop~e und die bei der Auswahl der Hittel
befolgten Kiiclrsichlen. Der Cadex hat durch kurzc Nittheilung dt-r
allgeineineti Verhaltnisse und von Verzeichnissen der in beiden letztern
l'harmakopden aufgef'iihrten Mittel den in dieser Beziehung zu stellenden Anforderungcn Geniige geleistet.
11'. Oesterreichisclie Phhmrniakopoe von 1834 nebst allen Abrreichuttgen
der iisferreichisehen Pharinaliopiie t o n 1841.
Die pharmaccutischen Zusliinde der ijsterreichischen Staaten sind
in1 Wesentlichen giinstig zu nennen, insbesondere in Beziehung auf
gesetzlichen Schutz und Hegulirung aller Verhaltnisse. Eine allgenirine.
unrl'assende Apothelcerordnuug exislirt zwar nicht, an deren Sklle sind
die sogenanntcn Instructionen getreten, welche fiir Apotheker wrschiedener Provinzen erlassen sind, aber Iteineswegs Alles enthalten ; die meisten der Verordnungen sind jedocb zweckni6ssig uud es bedarf nur einer
Sichtuug und Zusammenstellung derselben, uni eine zeitgemasse ApothaIrerordnung zu haben, welche auch durch die Einwirkung der in
neuerer Zeit durchgreifend organisirlen Apothekergremien bald crscheinen diirfte.
Die Ausgnbe dcr Pharnracopoca von 1631 ist die vierte, sie ist
f'iir allc deutsch illyrischen, bijhnrisch gallizischcn und itolicnischen
i'rovinzeu des nsterreichiscben Kaiserstaates gultig. Sie zerfallt ebenfalls in Simplicia, nach den Nameu der Pflanzeu, Thiere, Metalle u. s. w.,
welche jedoch nicht irnmer die streng syteniatischen sind, alphabetisch
gcordnet, und in A a e p a r a f a und Composifa, letztcre in einer Ordnung, an welcher gar lcein durchgreil'endcs Princip ersichtlich ist,
da bald die neuestcn, bald die alten Snnien benutzt siud. Beide
Abtheilungen siud mil einem Anhange neuer 3littel versehen. Bei der
Bearlwitung der einzelnen Artiltel Andct sich bei den SimpCicibus
zuerst der lateinische, dann der deutsche und endlich italienische
Nanien, znweilen init Angabe der Antoritit, m i s t aber n u r init
nBo1an.u bezeichuet, dann folgt die Augabe des zur Benutzung Ico~itinenden 'I'heils nnd endlich das Verzeichniss aller t'rlparate, in welche
der Rohstoff eingeht. Charaltteristiken und Kennzcichen fehlen. Die
Fortnen und Vorscbriften des zwcitcn Theils Find ziemlich kurz, dagegen die Zahl der S y n o n y m , cvorunter nicht selten die bei uns iiblichstc
und durchglngig die deutsche und italienische fehlen, unverhiiltuissmlssig gross. Angaben iiber Kennzeichen u. s. w. fehlen auch hier,
init Ausnahme des specifischeo Gewichts. Trotz deni das Streben nach
Einfachheit in unserer Zeit in inaneher Beziehung Anspriichc auf
Anerkennung zu uiachen bcrechtigt ist, so lisst sich doch die Schwieriglreit einer gut durchgefiihrten Consequenz nicht verkennen ; die
Lbsung dieses Problems ist auch den Verfiissern der dsterreichischen
Pharrnalropde keineswegs gelungen, indem sie anerlrannl wirkrame
Mittel wie Benzoesiure, Eisenoxydhydrat, essigsaures Kali, Strychnin
u. s. w. ganz hei Seite setzten. Uem von dem Verfasser des Codex
gespendeteu Lob iibcr die geringe Zahl und Einfachheit der oufgenommenen Composita lriinnen wir nus eigener Erfahrung nicht unbe-
-
-
Literatur.
333
dingt beistiinmen; leider kommt der Apotheker gar zu oft in den Fall,
in andern Dispensatorien nachbllttern zn miissen und nicht selten
dariiber zu entscheideu, welche von den aufgefundenen Vorschrirten
dio zweckmiissigste sei. Auch hat dieser Umsland noch den Nachtheil
zur Folge, dass die Vorschriften der gesetzlich eingeftibrten Pharmakop6e wenig heachtet werden.
Mehr den Anforderiingeu der Jetztzeit, besonders in Bezug auf
die Wahl der Nomenclatur und Aufnahme verschiedener neuerer
anerliannt wirksanier Mittel, entspricht die neue Ausgabe der Pharmnmncopoea castrensis austriaca von 1841, welche die militnirische
medicinische Josephsacademie in Wien unter der Leitung des Generalstabarztes J. N. l s s o r d i n l c v. K o s t n i t z bearbeitete.
Sie zerfallt
in drei Theile: I)Pharmaca cruda, dcnen bisweileo eine Nebenhemerkung iiber Qualitat beigegeben ist ; 2 ) Praeparata et condposila,
die Nomenclatur besser, die Bearbcitung aber dieselbe wie in der
Civilpharmakrpiie ; 3) Formulae nosocomiales, deren nur wenige und
einfache sind. Bcigefiigt finden sich nocli Verzeiclinisse der Mittel,
welche die Militairiirzte aus den Centralapotheken beziehen k h n e n ,
die Angahe einiger fiir den Seedienst besonders, so wie der fiir die
Veteriniirpraxis bestiinniten Mittel. In der deutschen Bearbeitung sind
h i d e vereinigt und die Blittel der Pharm. caslrensis dariu durcli
einen Stern ausgezeichnet.
V . Franscisiscke l'harmakopiie won 1839.
Die Einleitung der deutschen Bearbeitnng bcspricht zunachst die
Geschichte der phrrmaceutischen Zuslfnde Franhreichs bis auf die ncueste
Zeit. Nit dem pharmaceutischen IegFlen Verhiiltnisse Frankreichs sind
wir diirrh die vielen Berichte in den verschiedenen wissenschaftlichen
Journalen, SO auch in diesen Bltittern, vertraut geworden, chenso mit
den Rllngeln! welche der franzhische Apolhekerstand mit dem mancher deutschen Staaten beklagt. Bis zum Jahre 1818 w a r das I'ariser
Dispensatorium von 1748 in Geltpng; zn jenen Zeilen erschien die
Ansarbeitung eines Codex medicam.entarius seic Pharmacopoea gallica
in lateinischer Sprache nnd wurde 1827 von K a t i e r und 11 e n r y ins
Franziisische tibersetzt. Ein Abdrrick des lateinischen Originals bildet
die zweitc Section des Codex medicamentavius ezcropaeus; Lipsiae. Fr.
Neisclrer. 1819. Durch Ordonnanz vom 10. September 1835 ward
die Bildiing einer Cominission zur Redaction einer n'euen Pharmakop6e
anbefohlen; die Revision wurde nnter 0 r fi I a's (alsDecan der medicinischen Facultat in Paris) Vorsitz durch A n d r a l , D u m e r i l , R i c h a r d
yon der medicinischen Facultst, BUSS^, C a v e n t o u , R o h i q u e t ,
P e l l e t i e r , S o n b e i r a n von der e'cole de pharmacie und K o y e r C o l l a r d vorgenomincn. 1838 war das Werk heendigt und 1839
erschien die ncue Pharmakopoe, aber franzosisch, iinter dem Titel:
Codex, Pharmacope'e franpaise, redigie p a r ordre d u gowrernement
p a r une commission composte de M W . les professeurs de l a faculte
de medicine et de l'e'cole speciale de Pharmacie de Paris. 1839. 8.
Aus dcr Vorrede, welche die allgemeinen Griinde zur Erscheinung
eines neuen Codex anseinander setzt, ergiebt sich, dass bci der Bearbeitung viele directe vergleichende Versuche gemacht , das Gutachten
pharmaceutiscber Gesellschaften und einzelner Collegen herticksichtigt
worden sind. Fiir jedes Mittel ist nur eine Vorschrift gegeben und zwar
entweder die von vornhcrein oder in Folge bmonders angestellter
Versuche als die heste erlrannte ; nur bei narkotischen Extracten rind
einigen wenigen Flllen ist man dayon abgcwichen. Fiir die Wahl der
334
Lilerdur.
franzdsischen Sprache schlug hauptstichlich der unseres Erniessens keiheswegs gerechtferligte Grund durch, dms man, bei lateinischer Bearbeitong docb nicht das Erscheinen einer, vielleicht nicht einmal treuen,
franzdsischen Uehesetzung wiirde habe verhindern k h n e n . Z u r leichtern Benutzung des Codex fur Auslinder wurde der lateinische Name
jedes Mittels beigefiigt. Die Anordnung weicht von der friiheren sehr
ab, sie scheidet die Praparate in1 Allgemeinen in cheinische uhd pharmaceutische, und steigt in jeder Ahtheilung votn Einfachern Zuni Zusammengesetzteren vor. Vie1 Neues ward aufgenommen , worunter
manches Ueberfliissige und e i k grosse Aneahl von ifiagistralformeln,
(die unserer Ansicht gemsss, soviel als mdglich nus einer Pharmahopde
verhannt bleiben sollen) aber aoch manches Obsolete der iiltern Ausgabe weggelassen. i n der l a t e r i a medica wurden d l e Beschreibungen
weggelassen und auch spiiter manches Allgenieine; die’Nomenclatw ist
bei den pharmaccutischen l’raparaten die alte geblieben, bei den chemischen wurde die neue aus der der franziisischen Chemiker und der
von B e r z e l i u s combigir!e gewiihlt. Die Simplicia sind meist unter
dem franzdsischen Namen des Thieres oder der Yflanze aufgefuhrt, sobald sie ein Theil der Pflanze U.S.W. selbst sind; dagegen baben
Gummata, Gunimiharze u.s. w. ihre eignen Namen behalten ; samintlich
in alphabetischer Ordnung.
Jeder einzelne Artikel giebt erst den
franziisischen Ramen dcr Pflanze oder des Thieres, oder den Namen
der Substanz, dann den lateinischen Systemnamen, bei Pflanzen mit
Zufiigung der Familie und endlich den benutzten Theil. Auf den allgemeinen Abschnitt, der vom Gewicht und l a a s s , speeilschem Gewicht
und Temperatur handelt, folgt der eigentliche Codex, welcher in 63
Capitel Zuni Theil mit Vorausschickung allgerneiner Bemerkungen eingetheilt ist. Die Capitel sind einfache Stoffe, Siiuren, letalloxyde,
Scliwefelinetalle, Chlor-, Brom-, Jod- und Cyanmetalle, Mineralsalze,
I’flanzensiiuren, Allralnide, pflanzensaure Salze, Alkaloidsalze, Seifen,
Alltohbl und Aetherarlen , neutrale organische Substahzen, brenzliche
Stolfr, kiinstliche lioeralwasser, einfache Pulver, Pulpen, Siifte, Oele
und Fette, lisanen, Apozeme Fleischbriihen, Emulsionen, Schleime,
Potionen , weingeistipe und Btherische Tincturen , medicinische Weine,
Essige, Biere und Oele, destillirte Wesser, titherische Oele, Spititus,
Extracte, Syrupe, Ilonige, Conserven, Latwergen (Confecte und Opiate),
Gallerte, Yasten, Oelzuclrer, PlBtzchen und Kilgelchen, Species, zusammengesetzte PuIver, Pillen und Pillenmassen, Wachssalben, Salben,
(Pomaden), eigentliche Salben, Pflaster, Klebpflaster, Kerzen, Stuhleiipfchen, zubercitete SchwBmme, Umschlfige, Bdhungen, (so wie Waschwiisser, Einspritzungen und Gurgelwtisser) Augenmittel, Einreibungen,
Aelzmittel und RBuchermittel. Aus dieser Uebersicht der verschiedenen
Capitel ergiebt sich von selbst die Enthehrlichkeit eider grossen Anzahl derselben und somit die Nothwendigkeit der Redaction der gegebenen Vorschrifken. Die deutsche Bearbeitung liefert eine Uebersicht
dieser Capitel mit der Angabe der wichtigern in die fhzelnen Rubrilren
gehdrigen Mittel und den zum Verstiindniss ndthigen allgemeinen Bemerkungen hegleitet. .Da diese in der alphttbetischen Anordnung lteinen
Platz finden konnten, so wurden denselhen in det Einleitung die geeignete Stelle angewiesen. Der Verfasser hat sowohl in der Bearbtitung
dieses Theils, so wie der grnzen Pharmakopde iiberhaupt, die zu einer
solchen Arbeit nijthige theoretische und praktische Tiichtigkeit aufs
Glenrendate bewiesen.
Literalur.
335
VI. Ilannocersclre Pharmakopoe son 1831.
Die Einleituttg der deutschen Bearbeilung theilt das Wesmtlkhe
der in Honaover giiltigen Apothckerordnung von 1820 mit, welche
vor vielen andern den Vorzug der Ktirze und des nur geringen Eingehens in Einzelnheiten hat, folglich der lhtitigkeit und Bildung des
Apothekers nicht hemmend in den Weg tritt Die Pharmakopee yon
1831 fuhrt den Titel: Pharmacopoea hannocerasa nota, ist vom Medicinalcollegium in Hannover ausgegangen und in lateinischer Sprache
gescbrieben. Sie zerfSllt in 3 Ahtheilungen, wovon die erste die Simplicia, die zweite die Composita und die dritte die Reagentien enthtilt.
Die Mittel, welche stets vorrdthig sein mussen, linden sich in einem
besondern Verzeichnisse aufgefiihrt. Die Anordnung ist eine rein alphabetische; ini ersten Theil stehen alle pores, herbee, radices u. s. w.
nach der Reihenfolge hintereinander. Die Namen der Pflanzen und Thiere
sind in der Regel nach Lion& die Stellung im Sysl'eme ist nirht rngegeben, nur das Vaterland und eine kurze Charakteristik. Im zweiten
Theile ist die Nomenclatur eine chernische, der preussischeu in der
Hauptsache Bhnlich. Nicht kBnnen wir mit dem Verfasser die jedem
Mittel des ersten und zweiten Theils Rngehiingten Rubriken Vis, HeilIrrrft, als so ganz iiberfliissig, j a sogar schiidlich nnd der Bestiniinung
der Apothekerordnung iiber das Prakticiren der Apotheker gauz entgegen erkltiren. Dern Apnlheker sollen die Bestandtheile und \Virksamkeit der Arzneimittel keineswegs fremd sein, ohne drss man von
demselben verlangen kana, dass e r gerade iiber die eigentliche Materia
medica (nicht zu vcrwechseln mit Pharmacognosie) besondere Studien
machen und eigends Vorlesungen zu diesem Zwecke hesuchen soll.
Der gewissenhafte Apotheher wird trotz dieser haum entbehrlichen
Kenntniss davon nur in dringenden und Nothfillen Gebrauch machen.
Man muss nur immer seinen Nebenmenschen nicht bloss von der schtimmsten Seite betrachten wollen.
l a n c h e Vorschriften zur Darstellung pharmaceutisch-chemischer
Priparate diirften iibrigens eine zweckmiissige Verinderung erfahren,
wir verweisen, nm nur ein Beispiel anzufiihren, auf die Vorschrift
yon B a r y t a muriatica, Calcaria sulphurata u. s . w.
.VII, llainburgische I'harmakopGe son 1845.
Fur die freie Hansestadt Hamhurg und deren Gebiet ist unterm
19. Febrnar 1818 eine Medicinal-Ordnung erlassen worden, welche
die ledicinalverhaltnissc derselben vollstfindig regnlirt, wovon die fiir
die Verhiiltnisse der Apotheker wichligen i n der Einleitung der deutschen Bearbeitung mitgetheilt worden. Die zweite Ausgabe der Hamburger Pharmakopde fiihrt den Titel : Codex nedicamenlarius Hamburgensis. Auetoritale collegai sandlatis editus. 1845. Bei Perthes,
Besser und 3laulte in Hamburg erschienen. (XVIII. und 501 S. 8.)
Derselben sind allgemeine pharmaceutische Regeln als Einleitung iiber
Pflanzen, die Einsammlung derselben und deren Theile (woriiber ein
anhingendes Calendarium Auskunft giebt) vorausgeschickt. Ueber
die Zeit der gressten Krnlt, zu welcher die Pflanzen und deren Tbeile
gcsammelt werden sollen , soll dieses Calendarium Aufschluss geben ;
leider sind iibcr diesen Gegenstaud zu wcnig Erfahrungen gesammelt
worden, so dass eine solchc Zusamnienstelluiig keineswegs anf Genauiglreit und Vollstiindigkeit Anspruch machen kann. Die Bearbeitung dieses
Peldes i s t gewiss als ein verdienstvolles Unternehmen zu bczeichnen.
Zur hnfertigung von Decocten wird zweckmiissiger Weise die
Anwendung des Beindorffscheu Apparats empfohlen ; Aufgusse sollen
336
Literalur.
dorch Aufgiessen siedenden Wasserb, Coliren und Ausprcsscn bereitet
werden. Zur lralten Infusion wird Luftpumpe und die Verdrsngungsniethode .vorgeschrieben; yon ersterer kann in pharmaceutischen Lahoratorien als Erforderniss nicht die Kede sein. Das letztere Verfahren, wonach insbesondere Inf. SamLsrci und Valeriatine zu bereitcn
siiid, diirfte such bloss zur Bereitung von Aufgiissen behufs der Extractdarstellunp u. s. w. allgemeine Anwendung finden. Wir sind weit entfernt,
die Zweckmassigkeit der Verdriingungsmethode anzutasten, fibrigens
diirfte fur manche Infusa die Identitiit der nach rlcn verscliiedenen
Methoden bereiteten beziiglich der Wirksaiiikeit nachzuweisen sein.
Die Vorschriften der Extractbereitung sind recht praktisch und zweckiniissig, nur die kiiufliche Anschaflimg der Extracte, wie sie von den
n:irkotischen verlnngt wird, die von den Orten, wo die Pflanzen wild
wachsen, bedarf vieler Vorsiclit, indem wir dafiir fast keine Controle
besitzen.
Die eigentliche Pharmakopde zerfdlt in vier Theile. Der erste
enthalt die Simplicia und Crisda vennlin, der zweite die Composi/a und
lciuflichen reinen Prlparate, der dritte den Reagentiencatalog und der
vierte eine Tabellensammlung, worunter der pharmaceutische Kalendcr.
Tabelle iiber Erlractausbeule, spec. Gow. und dergleichen mehr. Der
erste Theil ist alphabetisch geordnet, init dem Systemsnamen, mit der
Autoritat, Stellung im natiirlichcn und kiinstliclien System und Vaterland bei Pflanzen und lhicren. Nur bei seltenern, wichtigern, oft verfalscht vorkonimenden Droguen sind bisweilen die Kennzeichen der
besten Sorten und die Priifungen auf Verfilschungen angegeben.
In dem zweiten Theile ist die Bereitungsmelhode nebst den chemischen Formelo, Kennzeichen und Priifungsmitteln angegeben. Die
Komenclatur ist die allgemein gebriuchliche. Die Aufnahme der alkaliinetrischen und chlorometrischen Priifungsmethode, nebst dem Marshschen Verfahren in den dritten lheil linden wir ganz passeod.
Die deutsche Bearbeitung hat hier wieder allen indglichen Anforderungen entsprochen, und sich Dank fdr die zweckmhsigste Eintheilung erworben.
V I I I . Schtoedische Plmrnialiopcie con 1815.
Die Eiuleitung der deutschen Bearbeitung bemerkt ganz richtig,
dass Schweden zu denjenigen Staaten gehiire, welche sich ziemlich
friih einer leidlichen Regulirung des Apothelcerwesens erfreuten, was
bei den1 Keictithum Schwcdens a n tiichtigen Chemikern, Physikern,
Hotanikern, Medicinern u. s. w. nicht wohl anders sein.konnte. Gleichwohl mangelt es bis heulc a n einer unifassenden, dem neuen Standpuncte entsprechenden Apotherordnung ; die Organisation ist im Wesentlichen dcr danischen Phnlich.
Die Pharmakopoe anlangcnd, so bestand seit 1686 nur eine Pharmacopoen holmiensis, welcher erst 1775 eine mit officieller Geltung
fiir den ganzen Staat versehene Pharm. sueckca folgte, die 1779 die
eweite, 1783 die dritte, if90 die vierte und 1817 die fiinfte Ausgabe
erlebte.
Diese von O l a u s S w a r t z und B e r e e l i u s bearbeitete
Pharmakopoe, welche den ersten Theil der dritten Section von F l e i s ch e r’s Codes medicamenfarim. Lips. 1821. bildet und in der Anordnung der neuesten 6ten Aullage ganz gleichkommt. Die Bearbeitung
dieser wurde voni Sanitatscnllegium einer Commission iibertragen, welche
unter B e r e e l i u s ’ Vorsilz aus den Professoren W a h l b e r g , R l o s a n d e r , R o n a n d e r , t l u s z , B i l l i n g , den Apothekern R i p p und
A k e r s t r d m und dem Dr. B e r l i n bestand. Sie ist erschienen im
337
Literatur.
Juli 1815 unter dem Tile1 : Pharmacnpoea sueciccr. Editio sexto. Stockholmiue 1815. P.A. Nerstedt et filii. VIIIu. 234 s. gr. 8. Sie lrerfallt
wie gewobnlich in eine &laberia yharmaceuticu (S. 7 - 40) und in
Pkarmaca p r w p a r a n d a (S.-43-212). Den Schluss bildet eine Uebersicht der in den stark wirkenden Compositis enthaltenen Nengcn der
wirkenden Substanzen und ein Synoayinregister. In der Vorrede finden sich einige allgemeine Anweisungen iiber Aufbewahrung untl
Dispensation der Mittel. W a s die Auswahl derselben betrifft, so ist
dieselbe im W‘esentlichen eine recht zweckmissige zu nennen ; ein
Gleiches gilt von den Vorschriften zur Darstellung der chemischen und
pharmaceutischen Prsparate. Uebrigens linden oich einige yon dem
Allgemeinen abweicliende Vorschriften. Die Anordaung ist rein alphabetisch; dabei im ersten Theil der gemischte Name Pflanzen und
Thiere, und nicht der Name des Theils als Anhaltipunct genonimen.
Irn Ganzen is1 die Komenclatur die chemische nach, B e r z e 1i u s , so
dass die Salze nicht unter dem Namen der Basen, sondern der Sauren
zu suchen sind.
Ueber die Einsammlung und Aurbewahrung der .einheimischen und
im Inland cultivirten vegetabilischen Droguen sind die allgemein bekannten Vorschriften aufgefiihrt, ebenso etwas sehr ausfiihrlich iiber
die Bereitung der Pulver ; weniger erschiipfend sind die allgemeinen,
den einzelnen Classen pharmaceutischer PrAparate vorausgeschickten
Bemerkungen.
Den der fruhcrn Ausgabe bereits vindicirten Vorzug vor vielen
andern I’harinakopiieu beziiglick der Auswahl der iMiltel, der Einfachheit, Hurze, Pricision der Vorschriften u. s. w. diirfen wir dieser neuen
Ansgabe nicht vcrsagen, und ebensowenig der deutscben Bearbeitnng
derselben durch den Verfasser des Codex.
I,!, Griechische Pharnialiopoe con 1837.
Die iTothwendigBeit,.ein eigenes Dispcnsatorium fiir das aus seinan Triimmern .erstehende Griechenland erscheinen zu lassen, wird
wohl von Nieniand bezweifelt werden, ehenso die Nothwendigkeit der
Organisation des Medicinal- und speciell des Apothekerwesens, indem
an die Existenz einer solchen unter tiirltischer Hcrrsehaft. ni’cht zu
denltcn war. \Venn auch Iceino vollstdndig ausgearbeitete Apothekercrdnung bis jelzt existirt, so sintl doch bereits manche wichtige VerLesserungen eingefiihrt. Die 1837 erscbienene I’harmakopiie wurde
im Auftrage des SanitAtscollegiuins durch Prof. B u r 0 , Prof. und LeibApotheker L , a n d e r e r und Ilof-Apotheker S a r t o r i u s . b e a r b e i t e t , und
aus den Persdnlicbkeiten und aus dem Buche selbst l a s s t sich der
deutsche, rcsp. baiersche Einfluss nicht verltennen. Die Pharmakop6e
ist in nebeneinandcr laufenden Spalten lateinisch und neugriechisch gedrucltl, und fiihrt deshalb auch einen doppeltcn Titel. Die Einrichtung ist die gewiihnliche dcr tlcutschen I’harmakopiien, und umfasst
der erste l‘heil die Materia pharmaceufica, worin die alten und neuen
Ileilinittel, deren .sich die griechischen Aerzte bedienen, so y i e andere
enthalten sind, die’ nach der Ansicht der Verfasser der Aufnahnie fiir
wiirdig eraclitet wurden. Die Anordnung ist alphabctisch, und bei den
Droguen sind die iiblichsten lateinischen I’flanzen- und Thiernamen (nicht
die Systemsnamen) als Anfangswort des Artikels benutzt, dann folgt
der iVaine des Theils, daranf dcr Systemsname, die Stellung im hiinstlichen untl natiirlichen Sistem, hierauf die italienischen, franziisischcn,
englischen, deutschen und tiirkischen Synonyme, und endlich das
Vaterland, mit darauf folgender Angabe der hanptsaclilichsten Kennzeichcn.
Arch. d. Pharrn. CV. Bds. 3. HH.
22
338
Literatur.
Der zweite Theil, Technica phnrmnceutica betitel?, enthslt alle
P m e p a r a d a . Die Vorschriften sind irn Allgemeinen dem neuen Standpuncte der Wissenschaften angemessen ausgewihlt, und es muss hier,
in Betracht der grossen Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich den
Verfassern dieser Phrmakopae darboten, die Kritik eine billige sein
und die Bemiihungen nod Beetrebungen gebiihrend wiirdigen. Priiparate, deren kiiufliche Anschaffung gestattet ist, und fiir deren Reinheit
der Apothelcer iibrigens zu bilrgen hat., finden sich in der ersten Abtheilung aufgefiihrt. Den Vorschrinen xur Bereitung der Priparate
sind die Kennzeichen des reiaen Priiparats und Vorschriften fiir Prtifung und Aufbewahrung beigeliigt. In der dritten Abtheilung sind
die wicktigsten Reagentien ihrer Bereitung und dem Gebrauche nach
angegeben.
X . Sdchsische Phsrmakopde von 1837.
Die pharmaceutischen Verhiiltniese Sachsens erfreuen sich im Wesentlichen zweclcmiissiger Bestimmungen und gehfiren in mancher Beziehung mit zu den am besten geordueteu. Aber alle Bestimmungen,
welche auf dieselben Bezug hsben, sind nur durch einzelne Verordnnngen gegeben, und es fehlt bis jetzt noch immer an einer Apothekerordnung. Diese sol1 von den Stlinden beantragt worden und i n Arbeit
sein. Wir wollen hoffen, dass es hier mit dieser Bearbeituog nicht
gehe, wie in einigen andern deutschen Staaten, wo dieselbe entweder ganz und gar der Vergessenheit iibergehcn ist, oder nach mehreTen necennien erst das Tageslicht zu erblicken verspricht, und zugleich
damit die Wahrscheinlichkeit geboten wird, dasa sie hinter den Anforderungen der Zeit zuriickbleibt, indem man nicht so leicht die Bevormundung der Pharrnacie aufzngeben sich eritschliessen kann. Was nun
die Verordnungen iiber den Arzneiverkauf betrift, so dilrfcn phsrmaceutische Mischungeu und Prsparate nur vnni Apotheker verkauft werden, allc einfachen Mittel zerfallen nach bestirnmten Verceiehnissen in
solche, welche der Kaufmann nicht unter 1 Pfd., nicht unter
Pfd.,
nicht unter i Unze, in jeder beliebigen Quantitilt oder gar nicht verkaufen darf. Eine ihnliche Verordnung existirt auch in Preussen,
allein wie es scheint nur auf dem Papier, Kiemand bindet sich daran.
Dazu lcommt noch, dass diese Verordnung keineswegs dern entspricht,
w a s sie bezweclcen sol1 ; i m Gegentheil, sie ruft Contraventionen hervor, indem sie dem Kanfmann gestattet, solche einfache Store, die nur
als Arznei verwendet werden, en verkaufen. Die Gewichtsbestimmung
wird nicht beachtet, und wir miissen bedauern, dime angeblich cum
Schutz der Apnthelcer emittirte Verordnring als eine ungliiclrliche bezeichnen zu mussen. Bei Verordnungen iiber den Arzneiverkauf muss
dao Princip als Basis dienen, dass dazu nur der Apotheker berechtigt
sein kann, und weder Aerzten, noch Thierirzten und Kaufleuten kann
und darf derselbe gestattet werden. Die Griinde fiir die Richtigkeit
d i e m Behauptung sind sckon so oft aufgestellt und narhgewiesen
worden, dass wir dieselben, ohne zn grosse Extravaganzen zu machen,
hier nur andeuten konnen.
In friihern Zeiteu galt in Sachsen. P i d e r i t ’ s Pharmacia rationalis und f l a g e n’s Apothekerbuch, erst 1820 erschien die erste Phaimakopde vom Leibarzt Dr. L e o n h a r d i und dazu 1830 einige Supplemente vom Medicinalrath Dr. S e i 1 e r, 1637 die zweite Anegabe.
Diese wurde von den Medicinairithen S e i l e r und C a r n s , den Professoren P i c i n u s und C h o n l a n t , Stadt-Apotheker S t r n v e d. 5.
und HoF-Apotheker S e i f fa r t h (nach dessen Tode S e m 1 e r) benr-
+
Lileratur.
339
beitet, und fiihrt den Titel: Pharmacopoea saxonica jussu regis et
auclordlalale publica d e m o cdila, recogrifa el emendala. Dresdae
2837. l i t der Taxe von 1841 erschienen einige kleine Zusitze und
Abanderungen.
Diese' Pharmakopde enthiilt eine ausfiihrliche Vorrede, worin dic
Grihde fiir die neue Ausgabe, Wr die gewiihlte Eintheilung, Bearbeitungsart, Nomenclatur u. s. w. entwickelt werden, und zerfillt in zwei
Theile; der erste, Cornparanda iiberechrieben, cnthslt auf 5 1 Seiten
alle vom Apothelcer vorriithig zu haltenden Droguen und kluflichen
Priparate ; der eweite, Prriparanda iiberschrieben, giebt die Vorschriften fiir die selbst zu fertigenden Mittel. Die Droguen sind theils unter
den Systemsnamen, theils unter den Usualnamen des Thiers oder der
Pflanze aufgefiihrt, dann aber alle Theile, die benutzt werdeu, hintereinander aufgefiihrt. Bei jedem Artikel findet sich ausser dem lateinischen und deutschen Namen der Systemsname, die Stellung im
natiirlichen und Itiinstlichen System, der Name des gebrauchten Theils
und kame Beschreibung der gebrauchten Drogue; der Ursprung fehlt
fast stets, ausser w o die Sorten danach verschieden sind. Die Vorschriften zur Darstellung der Prtiparatc stimmen in den meisten Fallen
mit denen der friihern preuss. Pbarmakoptie und entsprechen im Allgemeinen dem jetzigen Standpuncte der Wissenschaft. Einige Ausstellungen sind uns nicht entgangen, so die Bereitung der Blausiiure
mittelst Weingeistes, so wie, dass das Calomel bloss auf nassem Wege
dargestellt werden sol1 und einiges mehr.
Auf die Bcrcitungsart folgt eine kurze Beschreibung der Eigenschaften, die sich jedoch meist nur auf Angabe der Farbe und des
Aggregatzustandes beschriinlct und nur in einzelnen Fallen auf Priifung
der Starlce oder Erltennung yon Unreinigkeiten und Verfiilschungen
liiicksicht nimmt. Die Anordnung ist im ersten und zweiten Theile
olphabetisch, die Nomenclatur im Allgenieinen eine wissenschaftlichchemiscbe , ohne jedoch streng consequent durchgefihrt zu sein.
X I . Russkche Illililair-Plkaroakopoe con 1840.
Das Medicinalwesen in Russland gehdrt erst der neuern Zeit an
und steht in manchcn Bcziehungen dem der grdssernTheile der deutscben Staatcn nicht nach, indern man sich das deutsche und franziisische Medicinalwesen als Vorbilder wahlte. So sind auch in der That
die deutschen Einrichtungen des Apothekerwesens unbestreitbar das
Vorbild fiir die russiscben gewesen usd die Bildung der tiichtigen
Apothelcer Russlands wesentlich deutschen Charakters. Erst im December 1836 ist eine bloss in russischer Sprache existirende Apothelterordnung erschienen, friiher waren die Vorschriften fiir Apotheker in
einzelnen Paragraphen des die Bledicinalgesetee enthaltenden 13ten
Theils des allgemeinen Gesetzbuches enthalten. Nach den gesetzlichen
Bestimmungen zerfallen alle ruasischen Apotheken in Krou-Apotkeken
und freie Privat -Apothelcen. Rrstere sind theils Militair-Apothelten,
welche unter dem Kriegsministerium, und See-Apotheken, welche uuter
dem Seeministerium stehen, theils dienen sie fur deu Bedarf der Civilhospitller, oder werden auch auf Rechnung der Regierung in Stidten
fiir freie Kundschaft verwaltet. Letztere stehen unter dem Ministerium
des Innern, und die betreffeuden itlinisterien k6nnen beliebig iiber die
Errichtung von Kron-Apotheken entscheiden. Ueber Errichtung yon
Privat-Apotbeken entscheidet das Medicinaldepartement im Ninisterium
des Innern.
340
Literatur.
Die Apotheker haben das ausschliessliche Recht zum Verkauf zusammengesetzter und auch einfacher Arzneimittel, sobald sie zerkleinert
sind. Norm sol1 die Pharmacopoea rossicn w i n ; doch konnen zuc
Aushiilfe die russische iVilitairpharmakopiie, die preussische u. s. w.
benutzt werden. Von dieser Pharm.rossica ist 1778 die erste, 1782
eine zweite unverinderte, IT98 eiiie dritte durcli K a s p i a s k y und
L o w i tz besorgte, 1799 eine vierte Ausgabe (nova auctior) erschienen. Diese letztere bildet einen Theil des FI e i s c h er'schen Codes
med icamenlarius europaeus, iind ist wohl i n Bezug auf Beschreibung
yon .Rohwaaren, Komenclatur und Vorscliriften veralkt. Gleichzeitig
bestand eine in Abo 1819 erschienene sehr lcurze Pharta. feuszica fur
Pinnland und eine 1817 in \Varsrhau erschieneiie Pharm. polouica fur
I'olen ; beide sind i n den F I e i s cher'schen Codex aufgenommen, aber
chenfalls veraltet und factisch ausser Gebrauch gekomnien. Die erste
illilitairpharmakopie eriiiclt' Russland 17G5, bloss einen Catalog ent'haltend ; eine eigentliche Pharm. rossica cashensis erschien 1779, eine
Pharm. nasalis 1789 und wiederholt 1806. Beide wwrden absorbirt
durch die Pharm. castrensis ruthena von W' y l i e , 1808 in Petersburg
in der ersten, 1812 in der zweiten, 1818 in der dritt.cn und 1890 in
d e r vierten Ausgabc erschienen. Dieselhe ist allen Kron-.Apotlielten
des Militair- und Seedepartements gcsetzlich vorgoschrieben, und auch
in andcrn Kron- Apothclren arbeitet man danach, wahrend man sich
in den Privat-Apolheken fast ganz an die preussische gewohnt. Um
dieser IViIlkur ein Ziel zu sqzen, wird eine neue allgemcine, auch
fur lJin.nland und ltussland gultige Civilpharinakopiie bearbeitet ; lrider
nrbeitet man aber bis jetzt schon zehn Jnlire daran.
Die vierte Ausgabe der ~lilitairpliartnalcnp~efiihrt den Titel :
Pharnincopoea castrensis Ru!henica aucfoce Jacob0 IVylBe, Eqscite
Uaroneffo ctc. Edilio quarla. JUSSUAugusti Imperaforis. Petrop o l i . Typis Cur. K r n y . 2810. In der lcurzen Vorrede wird die
gewiililte neue fiomenclatur dadurch vcrtheidigt, dass inan ncue Mittet
nicht habe mit Vulgatnamen bezeichnen Itonnen, und Gleichformiglteit
nnthig sei. Darauf folgt eine liurze Belehrung fiber chemische Acquivalente und chemische Nomenclatur. Die Pharmakopae selhst zerfiillt
in drei Abtheilungen : 1) in die Medicamenla oegetabdlia et nnimalia,
alle Droguen des Pflanzen- und Thierreichs enthaltend; 2 ) in die
Illedicamcnfic mincralin et chemica und 31 Praeparata pharmnceutica
Die Aiifzahlung der Gegenstiinde im ersten Theile ist
ct forniwlae.
alphabetisch, jedocli in der Art, daso die Abstammung den Ausgangspunct bildet. Die C'ebersctiriften der einzelnen Ariiltel bildet demnach
der Systemsname der Pflanze oder des Thiers, nur bei Uroguen unbelcannten odcr unsichern Ursprirngs ist der Flame der Drogue gewahlt,
ein neuer Beweis, wie schwer eine strenge Consequenz bei W'erlten
d e r Art durchzufuhren ist. Auf den lateinischen Ramen folgt der russische, das Vaterland, der .Or1 im Linnbschen und naturlichen System,
die Angabe dcr gebrauchlichen Thcile u. 8. w. und deren gcnauc physikalische Beschreibung, nebst Angabe der Verfdschungen und ihrer
Erlrennung. Ausserdem handelt jeder Artilrel weitlaufig die chemische
Zusammensetzung, die medicinische Wirkung, den .therapeutischen Gebrauch und die Dosen ab.
In der zweiten Abtheilung Bind neben den mineralischen Rohstoffen alle rein chemischen h i p a r a t e , .gleirhviel o b sic voni Apotheker selhst zu bereiten sind, oder nicht, zusammengestellt. I k n
IcSuflichen derselben ist lteine Bereituiigsvorschrift beigegeben. h b e i
Lileratzrr.
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ist die Anordnung getroffen, dass zuerst die rcine Substanz, gleichviel
o b sie als solche existirt und Anwendung findet, oder nicht, nach
Vorkommen, Darstellung, Charakter u. s. w. beschrieben, und dann
erst das daraus abgeleitetc Gebrauchliche in gleicher Ausfiihrlichkeit
aufgezeichnet.
Die dritte Abtheilung enthalt grosstentheils sogenannte galcnische
Prlpanatc und Offirinalformeln.
Die Charakteristik der Stoffc und
deren Darstellungsweise ist fast dnrchgingig mit aller Urnstandlichlccit
eines ins Detail gehendcn Lehrbuchs oder Ilandbuchs der pharniaceutischen Chemie und der l a t e r i a medica bchandelt., und das Ganze
voller Unrichtiglceiten und fur den Gebrauch des Apothekers unpassend und unpralctisch, so dass w i r der Hoffiiung Raum geben, dass
die zu erwartende allgemeine Civilpharmakopoe den Anfordernngen
der Zeit an ein solches Werk niebr entsprechen werde.
X I I . Badische Pharmnkopiie von 1841.
Am 1. Juli 1804, nachdem Baden erst kurze Zeit vorher seine
jetzige politische Gestalt und Bedeutung erlangt hatte, ist die Pharm.
6orrtssica von 1799 als allgememein giiltiges Dispensatorium ini Grosshcrzogthum Bnden eingefirhrt worden, und einige Jahre spater (28. Juli
1906) auch eine Apothekerordnung, welche jetet noeb in Gultigkeit
ist, obglcich schon rnehrfaach der Wunsch ausgesprochen worden, dass
dieselbe eincr Umarbeitung nnterivorfen werden m6chte. Die jetzige
Ybarmakopoe ist. seit dem 1. R’ovember 1811 in Kraft; anfangs w a r
bestimmt, dass die G e i g e r ‘sche Universalpharmakopoe zugleich als
badisclic Landespkarmakopde gelten sollte, so. dass die in Baden eingefuhrten Arzncimittel durch die Schrift ausgezeichnet wurdeu ; allein
da jcuc Arbeit durch den Tod G e i g e r ’ s eine Unterbrechung crlitt,
so ubergab man die Auserheitung einer eignen Pharmakpde einer
Coniinission besteheitd aus dcm Prof. Di e r b a ch in Heidelberg, tlofrath
F r o m h e r z in Freiburg, Apothekcr Dr. H i n l e in Lahr, Apothelccr
H e s s e in Baden uud Privatdocent P r o b s t in Heidelberg.
Uiese’ l’harmalcopiie zerfiillt in drci Theile : 1) die Rohgtoffe,
2) kiuflichc Priiparatc und 3) pliarmaceutisahe h i p a r a t e . Die Holistoffe zerfallen in vier Abtheilungen: 1) Fossilien, 2 ) Pflanzen und
l’llanzenthcile, 3) gummjgc, harzige und siisse Pflanzensifte und 4)
Thiere und thierischc Stoffc. In eincr in diesem Jahrbucbe erschienencn Iiecension dicser Pharniakopoc ist bcsonders und lobend herrorpchoben worden, dass die Verf. die Mareria phartnaceuficn n a c h
1‘ h u n I i ell 1c c i t zu verringern gestrebt, so dass von veralteten Dingen
griisstcntheils nur tlasjcnige recipirt blieb, w a s noch in Brztliclien Fornieln vorlcomnit, und von vollig neuen Cegcnstanden nur Erprobtes
aufgenommen wurdc. Wenn auch wir niit des Recensenten Ansicht
einer miiglichen Verringerung der Mnferdn phamzaceufira, der Entfernung unniithigen Ballastes, vollig einverstanden sind, so lciinnen w i r
es aber auch auf der andern Seite niclit scin, weil die heutige nledicin
noch keineswegs so aufgeklirt ist, dass eine strenge Durchfuhrung
miiglich sei. Dem praktischcn Apothcker zeigen sich leider gar oft
die Ivlllngel, und n u r durch regelmiissige, in gewissen Zeitraumen erscheinende Supplemente, welche dcm Geiste des Fortschritts angepasst
iind die inzwischen gemachten Erfahrungen aufnehrnen, ltann diesem
Ucbelstandc abgeholfen werdcn. Solche Supplemente der badischen
I’harnialcopiic werden fur die Folge zugesichert, die, wic w i r hoft’en,
dem angedeuteten Zweclce entsprechcn wcrden.
Die cinzelncn StolFe sind, ncbst den Angaben zahlreicher Syno-
3L2
Literalur.
nyme, nach ihren physikaliechen und chemischen Eigenschaften, den
Bestandtheilen, Fundorten, ziemlich ausfiihrlieh uad genau beschrieben,
auch sind die Vernnreinigungen and Verfalschungen, so wie die Kennzeichen schlecliter Waaren angegeben. Bei Pflanzen und Thieren folgt
nach dem Namen der Drogue die Blutterpflanze nebst Synonymen, das
Vaterland und die Stellung derselben im natiirlichen und Linneschen
Systeme.
Die kiuflichen Priparate sind auf dieselbe Weise wie die Hohstoffe und wie dime und die nachfolgenden pharmaceutischen Pripsrate i n alphabetischer Ordnung abgebandelt; doch sind hier die Verunreinigungen und die Mittel zur Erkennung und Entfernung besonders
genau angegeben.
Von den Vorschriften zur Darstellung der Priparate sind die, als die
besten und erprobtesten erkannten aufgenommen, und haben sich
dieselhen bis auf eine geringe Zahl bei einer mehr denn zweijlhrigen Prufung als recht brauchbar erwiesen. Der diesen Vorschriften im Allgemeinen gemachte Vorwurf, dass dabei EU wenig Hiiclisicht
nuf die stdchiometrischen Verhiltnisse genommen, is1 nur fur einige
wenige Falle anwendbar. Dass manche Vorschrift, wie die des Lindmenttcm sapoflato-cnmphoralum u. a. m. Verbesserungen erleiden werden, dafiir biiigt das versprochene Erscheinen der Supplementhefte.
R’och ist zu erwlhnen, dass die Verfasser in Bezug s u f die Komenclatur sich nicht consequent genug geblieben sind; es sind manche
neuere Beneichnunpen aufgenommen worden, die schwerlich das Biirgerrecht sich erwerben werden; bei andern Priparaten, wie bei den
Chlorpraparaten, huldigte man bald der iltern, bald der neuern Tbeorie
u. s. w. In Bezug auf die in der Apotheke und dcr Waarenkammer
hervorsteliend zu bezeichnenden Materialien ist man zu weit gegangen,
indem zu viele in der Pharmakopcle mit einem f versehene Grgenstiinde in auffallend angestrichenen oder niit hervorrapender Schrift
und eben deshalb mit einem f bezeichneten Gefissen aufbewrbrt werden sollen, wiihrend die mit +j- bezeichneten Stoffe in den Giftschranlc
E U verweisen sind.
Einc nach dem Bnchstaben dieser Verordnung
bcschaffene Oflicin und Waarenkammer wiirde sich dein Publicum als
ein Magazin von lauter CiRen darbieten und .gewiss keinen giinstigen
Eindrucli hervorrufen.
I n i Ganzen iibrigens ist die badische Pliarmakopde als ein gelungenes Werk zu betrachten und gebiirt zu den bestcn Dispensatorien
der neuesten Zeit.
X I I I . Preussische Phnrmakopiie von 1886.
Obgleich Preussen friiher als die nieisten andern deutschen LSnder ein geregeltes Wedicinalwesen besass, so ist es doch in neuerer
Zeit nicht vorangeeilt, sondern von einzelnen Staaten iiberfliigelt worden. Die Pflichten und Rechte der preussischen Apotheker finden sich
in der revidirten Apothekerordnung von 1801 aufgezeichnet, welche
zum gr6ssern Theil dem Geiste des vorigen Jahrhunderts huldigt und
zur Wiederholung des schon so vielfach ansgesprochenen Wnnsches
der Bearbeitung einer neuen Apolhekerordnung anffordert, bereits auch
mehrfach versprochen oder zugesagt, allein nicht aus ihren Geburtswehen treten zu kiinnen scheint. Schon im Jahre 1608 crschien ein
Dispensaforivm Brandenburgicum s. norma j u x t a quam i n provinciio
MnrohioPsatus Brandenburgici medicamenta officinis fnmiliaria dispensnndn ac p r n p a m n d n sunt. Berol. Darauf folgte 1713 ein Dispensntorium regium el elocforale Borusso-Brandenburgicum, wovon 1726
Lileratur.
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und 1731, so wie 1781 neue Aullagen erschienen. Die Einrichtung
der letztern glnzlich umgearbeiteten Ausgabe war sehr Phnlich der
1799 erschienencn Pharmacopoca Borussica cum gratia et prbilegio
sacrae regiae Majestatis. Berol. 1799, wovon 1801 eiiie zweite, 1803
eine dritte, 1827 eine vierte und 1829 eine ftinfte Autlage erschien.
Die sechste Autlage, welche mit dem 1. April 1817 in Kraft trat, wurde
von B i r w a l d , G u r l t , H o r n , K l e i s t , L i n k , E. M i t s c h e r l i c h ,
K.G. # i t s c h e r l i c h , S c h a c h t , S t a b e r o h , v. S t o s c h , T r o s c h e l ,
W i t t s t o c k und W o l f f verfasst. Diese Ansgabe fahrt den Titel:
Pharmncopoea borussica. Editio scxta. Berol. apud R. D e c k e r . 1846.
Bci den friihern Ausgaben war das Werk in drei Abtheilungen,
rohe Substanzen und kiufliche I'raparate, pharmaceutische, von den
Apothekern selbst zn bereitende PrBparate, und in solche Medicemente,
zu deren Anschaffungund Anfertigungdie preuss. Apotheker nicbt verptlichtet sind, eingetheilt. I n der neuen 6. Ausgabe hat man in Bezug auf die alphabetische Ordnnng vie1 consequenter gehandelt und rein alphabetisch
geordnet. Wir stinimen nicht mit dem Verfasser des Codex in dessen
Lob iiber diese Anordnung ein, und heissen dieselbe nicht gut, um so
weniger, als der eiuzige Vortheil der Erleirhterung des Aufsuchens
durch die beliebte, bei einigen Priparatcn sonderbare und yon der
bisher iiblichen abweichende Nomenclatur wieder verringert und dadurch die Beifiigung der Register nicht iiherfliissig wird. Bei der Nomenclatur ist der wiseenschaftliche Gehrauch mehr denn j e als leitende
Norm angenommen worden, und man brmuhte sich, eine streng consequentc Durchfiihrung zu ermdglichcn, was in manchen Fillen Ireineswegs gelungen ist. So erblickt man neben IIydrargyrum amidafobichloralum den Mercurius sokbilis Hahnemannii, Liquor plumbi
hydriri-ncefici, Natro -Kale' tartaricuin .und Stibio-Kali tnrfaricum
neben Tarfarus borazafus und T. depuratus. Bei dem dermaligen
Stande der Wissenschaft ist es tibrigens nicht wohl miiglich, eine
absolut strenge Durchfiihrung des wissenschaftlichen Gebrauchs zu
errcichcn.
Die Maferia pharmaceulica ist in] Wesentlichen vertlnderl worden, indem manches iltere, weniger wirlisame und selten gebrauchte
Arzneimittel nicht mehr recipirt wiirde; unter diesen nicht mehr recipirten litteln findet sich aucli inanchcs, das nicht gestrichen zu werden verdiente. Dagegen wurde eine geringe Zahl nieistens in neuerer
Zeit in Aufnahme gekommener Droguen aufgenommen. Die Charakteristilr der einzeluen Mittel ist vie1 linger als in den friihern Ausgaben dcr preuss. PharmakopBe, j n in sehr vielen Pallen nicht geniigend und erschdpfend zu nennen. Zu den kiutlichen Stoffen gehdren
alle diejenigcn , bei welchen keine Bereitungsweise angegeben ; bei
diesen sind die gew6hnlichen Verunreinigungen angefiihrt, jedoch ziemlich spirlich, die auffallendsten Verunreinigungen, Verderbniss 11. s. w.
sind nicht angegeben, ebenso die Untersuchungsmethodeo fur Verunreinigungen. Wenn gleirh die Verfasser sehr richtig hemerkten, dass
die PharmakopCe nicbt fur Laien, sondern fiir gebildete Pharmaceuten
geschrieben sei, und daher eine pharmaceutische Bildung voraussetze,
so ist man diesem Grundsatze nicht immcr treu geblieben; denn trotzdem das Meiste sehr kurz gehalten ist, Gndet sich so manches IJebcrfliissige, wahrend hiufig genauere Bcstirnniungen sehr wiinschenswerth
waren.
Was nun die Vorschriften zur Bereitung dcr Praeparafn und
Composifa betrim, so sind an die Stelle einiger der frtihern sehr zweck-
34.6
Lileralua
missigcn neuere getreten, die nicht iinmer als die besten und cmpfehlenswerthesten sich bewirhrt haben oder erkonnt worden sind, und
scheinen dime fur die Ansicht zu sprechen, dass die friiher allgemein
der preussischen Pharmakopoe zuerkannte Prioritiib durch einige neuere
Dispensatorien streitig gemacht worden. Befremdend ist es noch, dass
so manches neuere Arzneiniitlel, das vermdge seiner Wirksamkeit sich
Anspriiche auf das Biirgerrecht erworben, in dieser sechsten Ausgabe
keine Aufnahmc pefunden. Irn Uebrigen verweisen wir auf unsero
vor Jlurzem in diesen Bl'dttern erschienene Heccnsion dcs vorliegcnden Werkes. .
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W i r glaubten bei der Wichtigkeit des Gegensiandes uns in weitliiufige Eriirtcrnngen einlassen und zugleich eine Andeutung iiber die
pharmaceutischen Verhiltnisse im Allgemeinen und den Werth der betreffenden PharmakopBen gehen zu massen. Ua es nicht allein der
Zweck und die Ursache der Bearbeitung des Codex ist, eine Zusammenstellung der Vorschriften der verschiedenen Pharmakopden zu bicten, obgleich diese heut zu Tage mehr denn j e als Bediirfniss sich
geltend macht, sondern auch eine gewisse Bekanntschaft niit den Grundsatzen zu erzielen, welche in Auswahl der in eine officinelle Yharmakopoe aufzunehmenden Blittel und vorzusehreibenden Bereitungsweisen
in den verschiedenen Landern hefolgt werden, so wird aucli dadurch
die Ausfiihrlichlteii, womit wir den vorliegendcn Gegenstand hehnndelten, gerechtfertigt werden. D a m komint noch der hochst wichtige
Umstand, dass das Vertrautsein mit diesem Gegenstande, als wescntlicher Beitrag zur Beurtheilung des Zustandes der Nedicinalverwalt.ung
der verschiedenen Lander, in unsern Tagen von uin so griisserm Belang
ist, als eine vvesentliche Reform des Medicinal- und specie11 des Apotheltenwescns in einigen L'dndern nicht mehr lange zuriickgedrangt
werden kadn. Trotz der Eingangs dieser Zeilen gemachten Ausstellunpcn ltdnnen wir die Bearbeitu.ng des Codex der I'harmakopiien, so
weit drrsclbe erschienen, als eine vollltonimen pralrtische iind gelungene bezeichnen. Wir halten es daher fiir unsere Pflicht, unsere friiher ausgesprocheoe Ansicht zu wiederholen, dass wir dem Verleger
fur das IJnternehnien zum Dank verpflichtct sind, iins zu billigeni Preise
die PharniakopCien der verschiedensten Siaaten in miiglichst kurzcr und
klwer, so wie treuer' deutscher Bearbeitung und gemeinschaftlichcr
iibersichtlichcr Anordnung verschafft zu haben, wofiir dcmselben die
verdiente Anerlrennung uni 'so weniger mangeln wird, j e eher die noch
fehlenden Lieferungen crschcine!i werden.
R i-eg e I.
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