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Gerichtlich-chemischer Nachweis einer Vergiftung mit Canthariden.

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A. Husemann,
Cerichtlich- chemischer Nztchweis einer Vergiftung
mit Canthariden ;
YOU
.\ iig u s l F1 i i s e r u a n n.
___
In einem der grosseren Orte des biindnerischen Thales Prattigau wurde zu Anfnng dieses Jahres ein Tanzfest abgelialten, bei dem von den Anwesenden beiderlei
Geschlechts in ziemlich reichlicher Weise ein siisscr Liqueur genossen wurde, welchen der Wirth eigens fur
diese Gelegenheit von einem wegcn mehrfach betriebener
Quaeksalberei nicht gerade im besten Rufe stehenden
Individuum hntte anfertigen 1:usen. Am folgenden Tage
waren mehre der Theilnehmer genothigt, den Arzt der
Thalschaft in Anspruch zu nehmen. Diesem fie1 die
Gleiclilieit ihrer Ihmkheitserscheinungen auf. Er erfuhr
bald, dass bei dern Tanzgelage sonderbare Auftritte vorgekommen waren, so wie dass eine grosse Anzahl d e r
dabei betheiligt gewesenen Personen von den namlichen
Beschwerden, . ubcr die seine Patienten klagten, wenn
auch in geringerem Grade, heinigesucht wurden. Letztere waren von der Art, dass der Verdacht, es miige
eine Vergiftung niit Cantharidcn statt gefunden haben,
gereehtfertigt erschien. Es gelang dem Arzte, sich einen
kleinen noch vorhandenen Rest des erwahnten siissen
Getrankes zu verschaffen, den er nebst einem Bericht
iiber das Vorgefallene den1 Sanitgtsrath des Cantons einschickte. Von dieser Behorde erhielt ich den Auftrag,
die ubersandte verdiiehtige E’ltissigkeit auf einen Gehalt
an Cantharidin zu prufen.
Die Fliissigkeit zeigte die Farbe des Rothweins, war
vollstandig klar, roch stark gewiirzhaft und besass einen
sehr sussen und aromatischen Qeschmack. Ihr Gewicht
betrug 5 Unzen. Ich verdatnpfte 4Unzen auf dem Wasserbade bis zur Extractconsistenz iind behandelte den
Ruckstand wiederholt mit w a r m e m A e t h e r . Die vereinigten filtrirten Aetherauszuge wurden in einem kleinen
Nachweis einer T'ergiftung "zit Canthariden.
22 1
Schalchen zur Trockne gebracht und der Ruckstand in
C h l o r o f o r m aufgenommen. Das beiin Verdunsten des Filtrats Zuriickbleibende endlich wurde in sehr wenig a b s o l u t e m W e i n g e i s t gelost. Einigel'ropfchen dieser Losung
auf einem Objectivgllischen der freiwilligen Verdunstung
iiberlassen, liessen unter dern Mikroskop eine Menge kleiner Oeltropfchen, aber keine oder doch nur sehr undeutIiche Spuren von Krystallcn erkennen. Zur Verseifung
resp. Verfliichtigung des Ocls, welches die Krystallisation
etwa vorhandenen Cantharidins nothwendig beeintrachtigen musste, j a ganz verhindern konnte, wurde nun die weingeistige Losung mit g e b r a n n t e r M a g n e s i a und etwas
Wasser versetzt, unter Umriihren und wiederholter Ersetzung des verdampften Wassers langere Zeit hindurch
h i Wasserbade erhitzt und endlich eingetrocknet. Die
trockne und zerriebene Masse wurde mit w a s s e r f r e i e m
A c t h e r ausgezogen, der beim Verdunsten der filtrirten
Ausziige blei bende Ruckstand in C h 1o r o fo r m aufgenommen und nach nochmaligem Filtriren und Verdunsten
endlich in einer sehr geringen Menge a b s o l u t e n W c i n g e i s t e s gelost. Die so gewonnene Losung rnusste daa im
Untersuchungsobject etwa vorhanden gewesene Cantharidin in einem fur deli physikalisch-chemischen Nachweis
guniigenden Zustande der Reinheit enthalten. Sie diente
zu folgenden Versuchen :
1. Einige Tropf'en wurden zuni Zweck mikroskopischer Prufung auf einem Glaspliittchen bei gewohnlicher
Temperatur verdunstet. Es zeigten sich einige feine,
rechtwinkelig vierseitige verliingerte Tafelchen, welche
die vollkommenste Aehnlichkeit mit den Iirystallen besassen, die bei einer Gegenprobe aus einer sehr verdiinnten weingeistigen Cantharidinlosung erhalten waren.
2. Etwa die Halfte der Losung wurde auf einem
Uhrglaschen verdampft und der Ruckstand fur die E b o l i s c h e P r o b e verwandt. Er wurde zu dem Zwecke mit
einigen Tropfen concentrirter Schwefelsiiure iibergossen
und damit bis zum Sieden erhitzt. Auf Zusatz eines
222
Nachcoeis einei. Vergiftung mit Canthariden.
kleinen Stiickchens zweifach- chromsauren Kalis entstand
unter heftigem Sohiiumen cine lcbhaft hellgriine Rlasse
von ganz der namlichen Ueschaffenheit, wie sie ein mit
reinem Cantharidin angestellter Gegenversuch lieferte.
3. Der Rest der Losung diente zur physiologischen
Priifung. Ich trankte damit ein Stuckchen Fliesspapier
von der Grosse eines Viertelquadratzolls und applicirte
es darauf der inneren Seite meiner Unterlippe. Nach
einer Viertelstunde wurde es entfernt, anscheinend ohne
irgend welche Wirkung hervorgebracht zu haben. Als
eine solche auch nach Verlauf von einer Stunde nicht
eingctreten war, glaubte ich bereits, das Resultat als ein
negatives bctrachten zu mussen. Aber zwei bis drittehalb
Stunden nach Beendigung des Vcrsuchcs stellte sich ein
Gefiihl von Schrinnen ein und ehe eine weitere Stunde
verflossen war, hatten sich zwci uber erbsengrosse und
mit wasseriger Fluwigkcit gefiillte Bliischen gebildet. Die
wunde Stelle war erst nach fiinf Tagen wieder vijllig
geheilt.
Auf Grund dieser Versuche hielt ich mich berechtigt, die Frage des Sanitatsraths dahin zu bcnntworten,
dass die fragliche Flussigkeit unzwcifelhaft Cantharidin
enthalten habe, wenn auch nur in geringer, viclleicht
kaum mehr als
Rlilligranim betragender Rlenge.
Die Veroffcntlichung dieses Falles glaubte ich beson.
ders deshalb nicht unterlassen zu sollen, wcil er zeigt,
in wie ausscrordentlich geringer Quantitat das Cantharidin noch mit Sicherheit nachgewiescn werden kann und
weil er ausserdem die Angabcn uber die physiologischen
Wirkungen dieses Korpers vcrvollstandigt. Ir'ach Versuchen von R o b i q u e t sol1 '/loo Gran Cantharidin in
weingeistigcr Liisung auf die Unterlippe gebracht, schon
innerhalb einer Viertelstunde Bliischen erzeugen. Im vorliegenden Falle trat aber die Blaschcnbildung erst nach
3 bis 4 Stunden ein. Freilich mochte auch die Menge
des applicirten Cantharidins weniger als
Gran betragen haben.
Untersuchung einiger renoniniirter lClilnchener Biere. 223
Zu einer gerichtlichen Verhandlung hat dieser Fall
nicht gefiihrt, da das verdachtige Individuum, als es von
der Einleitung einer Untersuchung Kunde erhielt, das
Weite gesucht hat und bis jetzt verschollen ist.
Chur, im October 1866.
-4mcc
Untersnchnng einiger renommirter Mtnchener Biere.
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SpecifischesGewicht
Extract.. .........
Alkohol ...........
Unorgan. Beetandtheile.
Stickstoff haltige Be,
standtheile :
in 100 Th. Extract..
in 100Th. Bier..
Bestandtheile der
Asche:
Kali.. ............
Natron
Chlornatrium.
Balk
Magnesia
Eieeiioxyd..
Phosphorsaure.. ...
Schwefelsaure .....
Bieselsaure
Sand
Kohle
1,01288
7,73 Yo 4,93 ?I( 437 Y o
5908 n 3,88 n 3951 n
..........
0,28
0,23
0915
n
..
h1,15
0,87
8371 n
0143
2919
0 9
n
............
29,31
1,97
4,61
33,25
0,45
..........
2,34
11,87
.......
..............
34,18
1,29
12,43
0,83
0,94
2,98
8,43
0,11
32,05
2,71
14,12
0,67
0,81
.....
.............
.......
............
1,Ol
6,OO
n
24,88
20,23
6,56
2,58
0,34
0,47
26,57
6,05
7,70
2,30
0,40
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