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Ueber die Flora des arktischen Ostgrnlands auf Grund der botanischen Sammlungen der 2. deutschen Nordpol - Expedition 186970

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Flora des arktischen Ostgranlands etc.
Ueber die Flora des arktischen Ostgr8nlands auf Brnnd
der botsnischen Sammlungen der 2. deutschen Norapol Expedition, 1869-70,
-
hielt Prof. Dr. Buchner in der Sitzung vom 13. August 1872
der botanischen Section bei der 45. Versammlung deutscher
Naturforscher in Leipzig folgenden Vortrag :
Die Gelehrten und Seeleute des Expeditionsschiffes
, Hansa " konnten naturlich keine Sammlungen naturwissenschaftlicher Gegenstiinde machen, da es ihnen nicht gelang,
nach der Ostkuste durch zu dringen. Sic verloren vielmehr
friihzeitig, schon am 20. October 1869, ihr Schiff und trieben
dann auf einer iinerhorten, zweihunderttiigigen Eisschollenfahrt
nach Suden, bis es ihnen gelang sich in ihren Booten nach
einer der danischen Niederlassungen in der Nahe des Cap
Farewell zu retten. Desto reichere Sammlungen wurden von
der ,,Germania" mitgebracht, welche ein volles Jahr an der
Ostkiiste Gronlands verweilte. Die Sammlungen nmfassen
89 Arten Gefasspflanzen, 71 Laubmoose, 52 Flechten, 17 Algen, 5 Gattungen hoherer Pilee, 13 endophytische Pilze und
reiche Vorrathe an Treibholz. Dieses Material ist von dem
Vortragenden in Gemeinsamkeit mit Dr. W. 0. F o c k e in
Bremen, die Laubmoose von Dr. I(. Miiller in Halle a/&,
die Flechten von Prof. Dr. X o r b e r in Breslau, die Algen
von Oberfinanzrath Z e l l e r in Stuttgart, die Pilze von
Dr. B o n a r d e n in Erfurt und L. S u c k e l in Oesterreich,
die Treibholzer von Dr. K r a u s in Erlangen bearbeitet worden. - Da die Resultate dieser Untersuchungen in dem bald
erscheinenden Reisewerke uber die Expedition niedergelegt
sind, so beschriinken wir uns hier anf einzelne kurze Notizen. - Vor der deutschen Expedition war nur der bekannte
Walfischfanger W i l l i a m S c o r e s b y jr. im Jahre 1822
einige Male voriiber gehend und General S a b i n e im Jahre
1823 fur langere Zeit behufs Vornahme geodatischer und
astronomischer Messungen auf der Ostkiiste von Gronland.
S c o r e s b y sammqlte 37, S a b i n e 57 Gefhspflanzen und
betrng die Gesammtzahl der von beiden in Ostgronland gosammelten Arten 61; diese Anzahl steigt unter Hinzurechnung
der 89 von der deutschen Expedition gesammelten SpecieR
auf im Gansen 96 Arten, doch ist es wahrscheinlich, dass
auch hiermit die Flora jener Gegenden nooh nicht erschopft
ist. Es diirften wol noch manche Arten mit lokaler Verbreitung vorhanden und einzelne , namentlich aus den Familien der Graser und Halbgraser, noch ubereehen sein.
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Flora des arktischen Ostgr6nlands etc.
I m Allgemeinen zeigt sich ein grosser Gegensatz zwischen der Flora der fast bestandig vom Kusteneis belagerten
Inseln und der Abhange des tief in das Land einschneidenden
Franz - Josephs- Fjordes. Jene ist weit durftiger, armlicher
als diese. An den Abhangen des Fjordes kommt es zur
Bildung wirklicher arktischer Garten. Birkengestrupp erreicht
dort eine Rohe von 50, j a in einzelnen Fiillen von 70 Cm.
Daneben bedeckt das Geflecht der Sumpfheidelbeere auf weiten
Strecken den Boden und reift seine Friichte in grossen Mengen; auch einzelne Griiser iiberschreiten die fur jene arktischen Gegenden ganz ungewohnliche Hohe von 50 Cm.;
dazwischen wachsen, einige durch Formenschiinheit oder Lebhaftigkeit der Farben ausgezeichnete Blumen , wie die porzellanweisse P y r o 1a, das leuchtend- rothe Epilobium oder der
weisse achtstrahlige Stern der Dryas, die schone arktische
Form der Campanula rotundifolia. Neun Arten sind Holzgewachse; von einjahrigen Pflanzen ist bis jetzt mit Sicherheit nur Koenigia islandica L. nachgewieeen.
Die Hohen der Hugel und Berge sind oft im Sommer
sehr durr; Wiesen von oft uberraschender Frische und Gero11halden nehmen grosse Strecken ein; weit verbreitet sind
schlammige, von Eiswasser durchsickerte Flachen , wahrend
es zur Bildung eigentlicher Tundren nicht kommt. - Die
relative Trockenheit des Klimas erkennt man besonders an
den Laubmoosen, welche meistens in dichten , festen Rasen
wachsen und sehr sparlich fructificiren. - Von beeonderem
Interesse ist die Untersuchung der endophytischen Pilze geworden, welche nicht allein eine Beihe neuer interessanter
Formen ergeben, sondern auch den Beweis gefuhrt haben,
dass die Zerstorung der Pflanzenleichen in jenen hohen Breitcn
ebenso wie bei uns durch endophytische Pilze besorgt wird. Ebenso wichtig sind die Resultate der Untersuchungen der
Treibholzer. Die sammtlichen Holzer (uberwiegend Nadelholzer, ausserdem zwei Erlen und ein Pappelholz) sind mit
Sicherheit als sibirischen Ursprunges nachgewiesen , ein Ergebniss , welehes besonders fur die Lehre von Meeresstromungen in jenen Gegenden von grosster Wichtigkeit ist.
Durch diese Stromungen eind wohl eine Reihe von Pflanzen
wie Dryas octopetala L. forma typica, Saxifraga Hicculus L.
Ranunculus glacialis an diese unwirthlichen Gestade gefuhrt
worden, welche in West - und Sudgronland ganz fehlen.
I m Allgemeinen bestatigen die Untersuchungen des von
der deutschen Expedition mitgebrachten Nateriales die von
J, A. H o o k e r aufgestellten SZitze uber die Flora von Gron-
Flora des arktirjeben Ostgronlands etc.
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land. Zuerst deren ausserordentliche Armuth (208 Arten
von 762, welche uberhaupt innerhalb des Polarkreises gefunden wurden) , sodann ihren rein scaadinavischen alpinen
Character und die ausserst geringe Beimischung arktiwh
amerikanischer Gewachse (auf der Sudwestkiiste) und arktisch asiatischer (auf der Ostkuste), welche zusammen nur etwa
1 2 Species betragen; endlich die sehr geringe Anzahl von
Gewachsen, welche die sudlichen Theile von Gronland den
arktischen Theilen dieser Halbinsel hinzufigen. - Die Baffinsbay bildet die einzige scharfe Grenze innerhalb der arktischen
Flora; nur sehr wenige amerikanische Gewiichee haben sie
uberschreiten konnen. Die jetzige Flora von Gronland stellt
daher einen ganz unvermischt erhaltenen Rest der vor- eiszeitlichen Polarflora dar, welche .wahrend der Eiszeit nach
&den wanderte und weite Gebiete der gemassigten Zone
bedeckte, welche sich dann bei der Wiederkehr der warmeren
Periode auf die Bergspitzen und nach dem Norden sich
zuriickzog. In Gronland blieb diese Flora besonders rein
erhalten, weil die Form dieses Landes als einer grossen nach
Suden zugespitzten Halbinsel die Einwanderung von Gewachsen siidlicherer Breiten ganz ausserordentlich erschwerte.
Noch wollen wir bemerken, dass die Expedition auch
Tertiiirversteinerungen mitgebracht hat, welche zu den miocaenen Versteinerungen von Atannkerdluk im westlichen Gronland vielfache Beziehungen zeigen. (Botanische Zeitung.
-
Nr. 42. 1872.).
H. L.
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