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Die Quellen von Neuragoczi bei Halle a. S

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ARCHIV DER PIIARMACIE,
CXCV. Baiides zweites Heft.
C,iZI_
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A. Originnlmittheilungen.
I. Chemie
und Pharmacie.
Die Qnellen yon Neiiragocei bei Halle a. 8.
Von Dr. S t e i n b r i i c k . * )
Eine Meile von Halle, am Saalufer, liegt das Bad N e ii r a g o c z i an einem Porphyrfelsen in reizender Umgebung, die
einst die Verwunderuug Priedrich Wilhelm’s IV. erregte. Das
Bad ist auf Veranlassung des verstorbenen Professors der
Chemie M a r c h a n d von Dr. R u n d e begriindet. Jetzt hat
es nach zwaneigjahrigem Bestehen eincn hubschen Park, gute
Baulichkeiten und Badeeinrich tungen, so dass fur Wohnungen
und Comfort gesorgt ist.
Die tellurischen Verhiiltnisse sind folgende : In der Tiefe
von 60 Fuss liegt ein Porphyrstock, in dem eine Spalte durch
den Park des Bades unter der 8aale durchgeht. Aus dieser
Spalte entstromt Gas in grosser Menge. Ueber diesem Yorphyr liegt eine Zechsteinformation, in die Salz- und Eisenqiiellen in grosser Zahl und verschiedener Starke verlaufen,
die Gas aus der Spalte aufnehmen. Ueber dem Zechstein,
der stellenweise zii “age tritt, liegt wieder Porphyr.
Dies Jnhr habe ich die vorhandenen zwei Brunnen tiefer
legen und in Cement aufinauern lassen, wodurch die NebenwasRer und die Damrnerde aiisgeschlossen worden sind. In1
*) Von Herrn Dr. S t e i n b r ii c k in Neuragoczi bei Halle a. S. ala
Sepnratabdruck ,, W i c h t i g f i i r d i e H e r r e n B e r l i n e r A e r z t e , “
Berlin 187U, in1 Selbstverlage des Verfaswra, ringesandt.
El. L.
Arch. d. 1’1i:trm. CXCV 1h1.1. 2. l i l t .
r
98
Die Quellen von Neuragood bei Halle a. 5.
IIerbst will ich zuniichst das Terrain in der Richtung der
Erdspalte und der Gasentstromung abbohren lassen, um dann
j e nach dem Befunde die erschlossenen Quellen zu benutzen,
oder iiberhaupt die Spalte blosslegen, urn Auswahl unter den
Quellen zu bekommen. Liisst man jetzt durch Sperrung des
Abflusses den Brunnen um vier Fuss steigen, so hort das
bestandig sichtbare Ausstromen des Gases auf durch den
grosscrcn Wasserdriick ; wird dann der Brunnen schnell urn
vier Fuss nbgelassen, so entweicht das Gas in solcher Menge,
dass Wellenschlag auf der Oberflachc des Wnssers cntsteht.
Bringt man also das Gas unter stiirkeren Wellendruck, so
ist es in den untcren Schichten des Wassers in grosserer
Menge vorhsnden. Leider ist diese Becitimmung des Gasreichthums in der Tiefa des Brunnenci in diesem Jalire versaumt worden, da die Gasbestinimnng der Analyse sich nur
auf die oberste Wasserschicht erstreckt.
Professor S i e w e r t in Hnlle hat folgende Analyse der
zwei Brunnen gemacht: I n 1 Litr. Wasser = 1000 CC. = 2 Pfd.
sind enthalten:
in Nr. I.
in Nr. I1.
Kieselstiure
0,0316 Grm. Kieselsiiure
0,0300 Grm.
Thonerde
0,0212 ,, Thonerde
0,0134 ,,
Kohlensaurcs EisenKohlensaures Eisenoxydul
0,0268 ,
oxydul
0,0406 ,,
Schwefelsaur. Kali 0,3006 ,, Schwefelsaur. Kali 0,3210 ,,
Kohlensaurer Kalk 0,2130 ,, Kohlensaurer Kalk 0,1368 ,,
Schwefels. Kalk 0,3224 ,, Schwefels. Kalk 0,3519 ,,
Schwefels. MagClilormagnesium 0,0536 ,,
nesia
0,1447 ,, Kohlensaure Mag8chwefels. Natron 0,5008 ,, nesia
0,0670 ,,
Chlornatrium
10,1000 ,, Chlornatrium
4,7205 ,,
Organische SubOrganische Substanz
0,0549 ,, stanz
0,0266 ,,
Summa 11,7160 Grm.
Summa 5,7614 Grm.
Freie Kohlensaure 0,2521 ,, Freie Kohlenstiure 0,2470 ,,
oder 127,G Cubilrcentimeter. oder 124,4 Cubikcentimeter.
Temperatur 1 1,6 -9,0 Gr. R,
Dio Quellen von Neuragoczi hci Halle a. S.
99
Das aus der Quelle aufsteigende Gas, welches in grosson
Blasen entweicht, ist zu
98,8 Proc. Stickstoffgas,
0,9 ,, Kohlensaure,
Spur ,, Sauerstoffgas.
Die Quelle Nr. I. wiirde demnach zwischen Marienbader
Kreuz - und Homburger Elisabeth- Brunnen stehen. Sic wird
trotz des Reiohthums an Kochsalz vorzuglich vertragen , da
erdige Substanzen, die in den meisten Mineralwassern die
Wirkung auf den Korper erschweren, oder gar der Kur hinderlich entgegentreten, in ihr ganz fehlen, worin sie selbst
den Kissinger Ragoczi iibertrifft, der dadurch gerade den
Vorzug vor allen iibrigen Heilquellen hat. Die arsenige Siiure,
die in vielen eisenhaltigen Quellen in nicht unbedeutender
Menge enthalten ist, hat in ihr trotz genauer Untersuchung
darauf nicht nachgewiesen werden konnen.
Seinen Hauptbestandtheilen nach wirkt also Nr. I. wegen
des Kochsalzgehaltes, an dem sie unter allen trinkbaren Quellen am reichsten ist, stark auflosend, blutreinigend, wobei sie
noch durch die anderen abfuhrenden Salze unterstitzt wird.
Das kohlensaure Eisenoxydul ist in solcher Menge und
Verbindung vorhanden, in der es erfahrungsgemass am meisten
und leichtesten der Blutbereitung zu Gute kommt, so dass
trotz der eigreifenden Wirkung der Salze sich doch der Korper wahrend der Kur schon kraftigt.
Das kohlensaure Gas bewirkt, wie bei den Thermen die
Warme, eine feinere Losung der festen Bestandtheile, eine
innigere Verbindung derselben unter sich und mit dem Wasser, ertheilt den Quellen einen fluchtigeren Charakter und
rnodificirct hierdurch wesentlich die Natur der einzelnen Bestandtheile wie die Mischung des Ganzen, so dass, obgleich
an antiphlogistischen Salzen reich, sic nicht in dem Grade
schwachend wirken und besser vertragen werden , a18 man
erwarten sollte. Durch die Kohlensiiure erhalten daher diese
zwei Quellen eine fliichtig reizende, aber zugleich auch eine
hochst eindringliche Wirkung, ohne dass sie in zu grosser
Quantitat in ihnen enthalten ist, wodurch leicht die Ver7"
100
Die Quellen von Neuragoczi bei Halle a. S.
dauung, zumal wenn sie schwach i d , beliistigt wird, nnd
Congestionen nach Brust und Kopf verursacht werden.
Der Brunnen Nr. I. wird daher in vielen Fallen anznwenden sein, wo bis jetzt Marienbader benutzt wurde, weil
eine solche Quelle wie Nr. I. nicht bekannt war, namentlich
diirfte er bei vielenGebarmutterleiden unbedingt vorzuziehen sein.
Nr. 11. aber emetzt die trinlrbaren Kissinger Brunncn,
also namentlich den Ragoczi vollstiindig und wird den nieisten
Eisenwassern ohne Weiteres vorzuziehen sein, da das in ihin
enthaltene Kochsalz a m besten die Verdauiing unterstutzt,
den Tonus der Muskeln steigert, den Herzschlag kraftigt, die
C2irculation belebt, worin es dwch seinen Reichthuni an Eisen
iind Xohlensaure iinterstutzt wird.
N e u r a g o c z i ist von Berlin 21 Meilen und ist das einzige Bad in dieser NGhe der Hauptstadt, welches Gase enthalt ; es ist mithin das werthvollste Bad Norddeutschlands
seiner Lage nach, da die giiten Bader Westphalens und
Schlesiens 40 bis 70 Neilen von der Hauptstadt abliegen.
Die anderen Biider aber ohne Gas sind N e u r a g o c z i
gegenuber von untergeordneter Bedeutung und haben einen
sehr beschrankten Anwendungs - und Wirknngskreis.
Den werthvollen Riidern gegeniiber nimmt aber N e u r a g o c z i eine hervorragende Xtelle ein, da es dar einzige
niiiriatische Eisensiiuerling in Norddeutschland ist , und als
Eisenquelle den Vorzug vor Pyrmont , Driburg , Liebenstein u. 8. w. verdient.
Den allein gleichstehenden Quellen von Homburg und
Kissingen gegeniiber hat es eine berechtigte und ebenburtige
Stellung und wird bald N e u r a g o c z i , bald jene, bei einzelnen Patienten den Vorzug verdienen.
Die ausserordeii tliche Heilkraft bewahrt Quelle Nr. I. bei
s e r o s e r P l e t h o r a , bei L e i d e n d e r L e b e r u n d M i l z ,
bei u-&hen gleichzeitig die Schleimhgute des Digestions- und
Respirations - Apparats in Mitleidenschaft gezogen sind , bei
der S c r o f u 1o s e und allcn Leiden die niif derselben beruhen, bei (3 i c h t nnd R h e u m a t i R mu R , B 1 a s e n l e i d e n ,
F r a u e n k r a nk h e i ten
nanientlich G e b iirm u t t e r a n -
Die Qiiellen von Neuragoczi h i IIalle a S.
101
s c h w e l l u n g e n , bei Y c h w e i s s e n , die auf Atonit: der
Haut beruhen , 11a u t k r a n k h e i t e n, besonders bei A c e n e
r o s a cea und P s o r i a s i s g u t t a t a. Besonders erfolgreich erweist sich in vielen Fallen die Combination der Trink - u. Badekur.
Nr. II. findet hauptsachlich Anwcndung bei a11 g e m e’i n e r E r s c h l a f f u n g und E r s c h l a f f u n g e i n z e l n e r O r g a n e , namentlich des Unterleibes, und wird theils fir sich
allein, tbeils mit Nr. I. gemischt getrunken. Oder es wird
auch Nr. 111. gewahlt, welche Quelle in der Zusammense tzung
Nr. 11. entspricht , aber etwas reicher an festen Bestandtheilen ist nnd deren Analyse noch vorbehalten bleibt.
Der Gebrauch dieser Quellen ist indicirt bei v i e l e n
K r a n k h c i t e n d e r G e s c h 1e c h t s - 0 rga n c , namentlich
Unfruchtbarkeit , Blutflusscn , Neigung zu Fehlgeburten , bei
sparsamer, schmerzhafter Menstruation, Bleichsucht, bei allgenieiner Schwache und Erschopfung nach Safteverlusten , entstanden durch langwierige Krankheiten , bei Lahmungen,
Ruckenmarkleiden, Hysterien, Anlage zu Krampfen und sonstigen auf Schwache beruhenden Nervcnkrankhciten , deren
Grundcharakter Schwachc ist, habituellen Durchfallen.
Schliesslich mi bemerkt, dass das Bad im alleinigcn Besitz cines Arztes ist und desshalb die Interessen der Patienten anders wahrgenommen werden konncn, als wenn Badedirectionen und Rcstauratenre willkiirlich wirthschaften. Ans
dem Grunde sind auch die Preise sehr billig gestellt.
Zum Schluss das Wichtigste.
Keine bis jetzt bekannte Quelle hat so vie1 Stickgas wie
die hiesigen. Ueber die calmirendc Wirkung dieses Gases bei
floriden Lungenkrankheiten , Herzleiden nnd Hysterien stehen
die Ansichten schon fest, und ist Lippspringe bis jetzt das
einzige Bad, das bei diesen Lciden so iiberaus giinstige Resultate erzielt hat. Ein vergleichender Blick auf dic Qucllen - Analyse zeigt , welchem Bade der Vorrmg gebiihrt und
wo bessere Resultate zu erzielen sind.
So diirfte N e u r a g o c z i in seinen Qnellen schon jetzt
einen so mannigfaltigen Heilapparat darbieton, wie er anderswo
nicht gefunden wird.
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