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II. Ueber russisches Hungerbrot

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644 G. B a u m e r t u. I(.Halpern, Ueber russisches Hungerbrot.
Das aus Chenopodiumsamen allein oder in Mischung mit Roggen
oder Weizen hergesteute Gebgck wird sich demnach stets durch
einen unnormal hohen Gehalt an Holzfaser und Mineralstoffen auszeichnen und dementsprechend physiologisch geringwertiger sein, zumal, wie aus der folgenden Mitteilung hervorgehen wird, die stickstofidtigen B e s h d t e i l e des Chenopodiumsamens in Bezug auf ihre
Verdaulichkeit den betreffenden Verbindungen des Weizen- und
Itoggenkornes sehr bedeutend nachstehen.
11. Ueber rnssisches Hungerbrot.
Von Denselben.
Nach P a l l a s 1) ist der Chenopodiumsamen schon im vorigen
Jahrhundert von den deutschen Kolonisten an. der Wolga zur Bereitung von Brod und Grutze benntzt worden; derselbe hat denn
u. A. such bei der vorjiihrigen Hungersnot in Rufsland ausgedehnts
Venvendung bei der Brodbereitung gefunden.
Eine Probe solchen sog. Hungerbrotes, welches er bei einem
Besuche des neuen Akklimatisations-Gatens in Moskau in einer Sammlung sah, brachte R. V i r c h o w im vorigen Herbst mit und lids 8s.
von E. S a 1k o w s k i auf seine Zusammensetzung untersuchen. 2)
Uas fragliche Brot stammte aus den Wolgadistrikten, woselbst
es wzlhrend der letzten Hungersnot von den armen Leuten gegevsen
worden war.
,,Es ist eine ganz ausgetrocknete, schwrirzliche Masse von torfartigem, fast verkohltem Aussehen, in der mall allerlei Ueberreste
von pflanzlichen Teilen erkennon kann. Der Angabe nach ist es
aus den Samen von Chenopodium murale gewonnen worden, einem
sehr gewtihnlichen Unkraute in der Nahe landlicher Ansiedelungen.”
Die von E. S a 1k o w s k i 0, c.) ausgeftihrte Anrilyse befindet
sich in der iolgenden Tabelle neben einer, uns von Prof. Erismann
1) Gtirtnrr, Meyer und Scherbius. 6conomisch-technische Flora der
Wetterau. Frankfiirt a. M. 1799. Bd. I S. 352
2) Vergl. Virchow’s Archiv fur patholog. Anatolnie Bd. 130.
S. 529 (1892).
G. B a u m e r t u. E.Ha lpe rn, Ueber russiechee Hungerbrot. 645
in Moskau freundlichet mitgeteilten und einer von uns selbst ansgefuhrten h a l y s e von ruasischem Hungerbrote.
Das von H e m Prof. E r i s m a n n 1) untersuchte Brod stammte
aus den Hungerdistrikten des Tulsker Gouvernements und bestand
aus i’50/0 Chenopodium und 250f0 eines Gemisches von Itoggengleie
nnd Polygonum convolvulus. ,,Esist von schwarzer Farbe, zerfiLllt
sehr leicht und hihlt sich feucht a n ; es besitzt einen siiuerlichen,
widerlichen, bitteren Qeschmack und knirscht zwischen ien Z h e n .
An den Bruchstellen lassen sich viele kleine Teile der Testa leicht
nnterscheiden.
Die von uns untersnchte Hungerbrotprobe verdanken wir H e m
Staatsrath Prof. Dr. K o b e r t in Dorpat, der sie in einer Sitzung2)
des hiesigen naturwissenschaftlichen Vereins fth- Sachsen und Thuringen vorlegte. Die llulsere Beschaffenheit dieser Brotprobe war
eine wenig appetitliche und entsprach im Allgemeinen den obigen
Angaben von V i r c h o w und E r i s m a n n. Wer nicht wuhte,
was es war, hielt diem schwarzgrilne Masse ftir trockenen Rindviehmist.
Die von russischem Hungerbrote vorliegenden Analysen zeigen
im Vergleiche zur mittleren Zusammensetzung des Roggenbrotes
Folgendes :
-
7
Baumert
Mittel
:rism&bKUi und
-Kalpern
OO’
Fett . .
. .
.
. .
Holzfaser . . . . .
Asche . . . . . .
K-freie Extrkt.-Stoffe .
3.79
15.06
23.08
36.52
49.74
15.79
2.40
12.10
6.28
13.69
1%
13.95
61.19
I
Mittel
YO
OIO
21.23
14.33
3.15
13.15
14.44
34.66
42.27
6.11
0.43
0.49
1.46
49.25
YO
4.18
15.13
Zoggenbrot,
Auf Trockensubstanz umgerechnet, ergeben obige Zahlen folgende
Uebersicht :
1)
2)
Briefliche Mitteilung.
Korrespondenzblatt des genannten Vereins 1892.
646 G. B a u m e r t u. K. Halpern, Ueber russisches Huagerbrot.
Virchow
Chenopodiumbrot
N-haltige Stoffe. . .
Fett
. , . . .
Hokfaser . . : . .
.
Aeche
.
. . .
. . .
N-freie Ertraktivstoffe . . .
.
. .[
Eriemann B a E x t
Halp ern
koweki
I 1
Mittel
Roggen-
brot,
Mittel
OIO
YO
OIO
13.07
4.20
16.69
25.57
31.42
4.77
24.07
12.49
15.79
3.41
12.82
14.56
20.09
4.13
17.86
17.54
10.59
0.74
9.85
2.53
40.47
27.23
53.42
40.37
85.31
O/O
OIO
Es folgt hieraus, dafs das Chenopodiumbrot demjenigen aus
Roggen seiner mittleren Zusammensetzung nach an stickstoffhaltigen
Bestandteilen und Fett bedeutend iiberlegen ist ; dieser Vorzug wird
aber durch den aufserordentlich hohen Oehalt des Chenopodiumbrotes an Holzfaser und Asche, eowie durch einen entaprechenden
Nndergehalt an stickstofffreien Extraktivstoff en (St&rke u. dgl.)
wieder tallig aufgehoben.
V i r c h o w urteilt tiber das von S a l k o w s k i analysierte
Hungerbrot sehr vorsichtig; er sagt, .d& es sjch um eine an Eiweih und Fett sehr reiche Substans handelt, welche, t h e o r e t i s c h
und ohne Riicksicht auf etwaige feinere Bestandteile betrachtet, einen
ungewtihnlich hohen Ntihrwert besitzt und sich dadurch den sog.
Proteinmehlen anschliefst, die seit kurzer Zeit in den Handel gebracht werden."
V i r c h o w verweist in dieser Beeiehung auf eine Mitteilung
von Dr. H. N t i r d l i n g e r in Bockenheim iiber die afrikanische
Erdnuls (Arachis Iypogaea), aus der eine Grtitze gewonnen wird,
die 47,26 pot. N-haltige Stoffe, 19,3i pCt. Fett und 19,06 pCt. N-freie
Extraktstoffe enthat und ah billigstes und zugleich kriftigstes
Nahrvngsmittel gertihmt wird.
,So hat also, schliefst Virchow seinen Bericht, die bittere Not
die Menschen auf ein amloges Nahrungsmittel gefiihrt, welches vor
jeder Thtir wiichst."
Dies die theoretische Folgerung Vi r c h o w ' 8 , mit welcher aber
die praktische Erfahrung leider in Widerspruch steht. E. S a 1
k o w a k i (I. c.) bemerkt nbdich schon zu obiger Analyse: Der
Eiweifsgehalt ist ein auffallend hoher; es bleiht allerdings zweifel-
-
G. Baume'rt u. I(. Ha lpe rn, Ueber russischee Hungerbrot. 647
haft, wieviel von demselben verdaulich ist, da das EiweiCs sicher
zum grtirsten Teile in den Samenhiillen steckt." Beztiglich der Asche
(23 pCt.) teilt dann der eben genannte Forscher noch mit, sie bestehe zum grtifsten Teile aus Thon und Sand.
Herr Prof. E r i s m a n n hat im physiologischen Institute zn
Moskau durch H e m Dr. P o p o w einige Ernthungsversuche mit
Chenopodiumbrot (Analyse 8. 0.) anstellen lassen, tiber deren Ergebnis er uns freundlichst Folgendes briefich mitteilte:
I. Versuch: Von 6 weifsen Ratten, welche cur Aufnahme grtifserer
Brotmengen einige Zeit vorher gewtihnt waren, gingen nach
mehrmaliger Gabe von Chenopodiumbrot 5 zu (;hunde. Bei
der Obduktion wurden Symptome eines starken Magen- und
Darmkatarrhs (gertitete und geschwollene Schleimhaut), vie1
Schleim im Magen nnd Dtinndarm konstatiert.
II. Versuch: Demselben wurden zwei menschliche Individuen, es
waxen eingezogene Reservisten, 6 Tage hindurch untenogen.
Das Chenopodiumbrot aber afsen sie nur 3 Tage lang. Einer
von ihnen nahm t&glich 725,67 g, im Ganzen 2177 g des Brotes
a d , der andere ttiglich 396,67 g, im Ganzen 1190 g. Nach
ihren subjektiven Beobachtungen gaben sie an, dah sie d g e meine Ktirperschwtkhe, unangenehmes Geftihl in der Magengegend, leichte Schwindelanfde wahrnehmen. Uebelkeit stellto
sich nicht ein, obzwax beide nur gezwungen und mit Widerd e n das Brot m sich nahmen. Es lieh sich eine leichte
Temperaturerniedrigg des Korpers und eine Verlangsamung
des Pulses beobachten. Der eine verlor im Laufe des Versuches 3,3 kg, der andere 2,2 kg seines Ktirpergewichtes.
Die Resultate dieses Versuches lassen sich in folgende Zahlen
zusammenfassen:
Person I Person II
In Form von Chenopodiumbrot eingeftihrt:
28,25 g 15,16 g N
In den Exkrementen wurden ausgeschieden:
50,50 ,, 34.40 ,, ,,
Der Organismus verlor also:
22,43 ,, 19,24 ,,
in einem Tage:
7,473 ,,
6,41 ,, ,,
Vom eingefbten N warden nicht assimiliert : 16.69 ,,
8,T7 ,, ,,
Assimiliert wurden :
11,58 .,
639 ,, ,,
In Prozenten:
40,96 ,, 4 2 3 ,, ,,
Mit Verdauungsfltissigkeit, Pepsin und Pankreas, angesetzt, er-
..
648
(3. B a u m e r t u. K. Helpern, Ueber Chenopodin etc.
wiesen sich die Eiweifsk6rper in fraglichem Brote zu 52,62 pCt.
verdaulich.
Zu Bhnlichen unglinstigen Resultaten ist auch S a 1m e n e w 1)
gelangt, welcher bei Versuchen an 2 Menschen fand, d a k Chenopodiumbrot ganz wertlos ist, sofern die stickstofialtigen Bestandteile eur H&lfte ,wertlose Nucle'ine" sind, und dafs vom Gesamtstickstoff nur der dritte Teil assimiliert wird. Zudem wirkt das
Chenopodiumbrot brechenerregend und verletzt den Magendarmkanal.
Zum Schlusse sei nur noch kure auf Hungerbrot anderer Ltinder
hingewiesen, zu dessen Herstellung u. a. Stroh, Baumrinden, Knochenmehl, Sauerampfersamen u. dergl. verwendet worden sind. 2)
Von kroatischem Hungerbrot, bestehend aus Roggen, Mais und
Buchenholzmehl, hat J a n e c e k 9) eine ausfiihrliche Analyse vertiffentlicht,, auf welche hier nur aufmerksam gemacht werden kann.
Fiir die meisten dieser Hungerbrotsorten ist hoher Holzfaserund Aschengehalt charakteristisch.
III. Ueber Chenopodin und den Nachwei,s des
Chenopodiumsamens in Mahlgrodukten.
Fon Denselben.
Nach den in der vorhergehenden Mitteilung enthaltenen Angaben
ist die Annahme gerechtfertigt, dafs nicht blos der hohe Holzfaserund Aschengehalt, sowie die tiuSsere Beschdenheit das Chenopodiumbrot fiir die menschliche Erntihriing ungeeignet macht. sondern es
scheint auch, als ob der Chenopodiumsamen einen giftigen Bestandteil enthalte, dem vielleicht der bittere Geschmack des aus dem genannten Materiale hergestellten Brotes zuzuschreiben ist.
Man wird in der Annahme eines giftigen Bestandteiles im Chenopodium besarkt, wenn man erfahrt, da b die in Rede stehende
1) Ueber die chemische Zusammensetzung und Ausnutzung der
Samen von Chenopodium album. Inaug. Dissert. Petersburg 1892. Bus
dieser llbermittelte uns Herr Staatsrat Prof. Dr. K o b e r t freundlichst
obige Mitteilungen brieflich.
8, Kanig, 3. Aufl., Bd. I, S. 640 ; vergl. auch : v. Bibra, Die Getreidearten und das Brot (1860).
8, Listy chem. 5. 157-159, Agram 1881, und Cheinisches Centralblatt 1883, s. 266.
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