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Ueber die gerichtlich chemische Untersuchung bei einer Arsenikvergiftung.

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ARCRIV DER PHARMACIE.
CV. Bandes erstes Heft.
Erste Abtheilung.
I. Physik, Chemie nnd praktische
Pharmacie.
Ueber die gerichtlich chemische iintersucliiing
bei einer Arsenilivergiftung ;
yon
Dr. G. Reich in Kiinigsberg in Preussen.
Obgleich ich einiges Bedenken trage, mcine Erfahruniiber diesen Gegenstand mitzutheilen, da die Aufmerksamkeit der Tosikoiogen und Chemiker an vielen Orten
auf diesen Gegenstand oft nicht ohne Erfolg gerichtet
gewesen ist; so durfte es doch vielleicht von einigem
Interesse sein, das hei cinem kurzlich hier vorgekommenen Falle von mir mit Erfolg ausgeluhrte Verhliren mitzutheilen.
Von dem hiesigen Inyuisitoriat wurde mir nkmlich
eine in eine Blase eingeschlossene thierische Suhstanz
zur gerichtlich chemischen Untersuchung mit der Bemerkung dhersandt, dass die grosste Sorgfalt bei der Untersuchung beobachtet werden miichte, da, wenn Arsenik
vorhanden sei, nur ausserst wenig darin enthalten sein kiinne.
Diese nur 2 Unzen 30 Gran wiegende thierische Substanz war aus der Leiche eines zehn Monate alten Kindes
herausgenommen, welche bereits acht Monate im Grabe
gelegen hatte, und durch die Fiulniss schon ziemlich
metamorphosirt war.
Es kam also hier darauf an, ein so sicheres Yerfah1
Arch. d. Pharm. CV. Bds. 1. Ilft.
u
2
fieich,
ren einzuschlagen, dass durch dasselbe nicht eine Spur
von Arsenik verloren gehen konnte.
Wenn nun das Bestreben des Chemikers bei einer
solchen Unt'ersuchung hauptsachlich dahin gerichtet sein
muss, die Anwesenheit des mineralischen Giftes, z. B. Arsenik, in dem ihm eingehandigten gewohnlich mit organischen Substanzen vermischten Gegenstande, hier in dem
vorliegenden Falle die in der Leiche noch vorgefundenen
Ruckstande der Organe, unumstosslich chemisch nachzuweisen; so muss eben so sehr sein Augenmerk darauf
sorgfaltig gerichtet sein, dass durch die Behandlung der
zu untersuchenden Substanz von dem etwa darin enthaltenen Gifte nichts verloren gehen kann. Nur durch eine
richtige und sorgfaltige Behandlung der fraglichen Substanzen kann ein unrichtige9, negatives Resultat vermieden
werden. Der Untersuchende muss auch deshalb seine
Aufmerksamkeit auf die vollstandige Zerstorung der organischen Substanzen lenken, weil bei einem geringen Inhalt von Arsenik der storende Ballast von organischen
Subst.anzen entfernt, und dann der Arsenikgehalt in ein
kleineres Volumen gebracht werden kann. Auch ist erst
dann moglich, das Arsenik mit Sicherheit abzuscheiden,
wenn durch geeignete Reagenticn die organischen Substanzen aufgeliist und ganzlich zerstort sind. Nach einigen bisher befolgten Verfahren, die organischen Substanzen aufzuliisen und zu zerstoren, kann nicht leicht ein
Verlust vermieden werden, ja bisweilen die ganze vorhandene Quantitat Arsenik wahrend der Arbeit durch die
angewandte hlethode selbst verloren gelien. Vorzugsweise
ist dieses dann zu befurcliten, wenn das Arsenik nicht
mehr in Substanz vorhanden, sondern nur in geringer
Menge aufgelost, oder innig und unsichtbar den Contentis
beigemischt, oder bereits Alles schon rcsorbirt und in die
Blutmasse, oder in verschiedene Organe ubergegangen ist.
Da die Mange1 dcr verschiedencn Methoden, die organischen Snbstanzcn zu loscn und zu zcrstiiren, schon schr
oft besprochen worden sind, so mag die Bemerkung geniigen, dass von mir die Anwendung des chlorsauren Kali
mit Salzsaurc vorgezogen wurde.
ge,.iclitZich-chenaische Unlersuchung bei Arseniliceqiftung. 3
Zu dem Ende schlug ich folgendes Verfahren ein:
Nachdem die Masse aus der Blase mit einem Porcellanloffel herausgenommen und in einer Porcellansch.ale ausgebreitet und durch die Lupe betrachtet etwas Besonderes darin nicht bemerkt werden konnte, wurde dieMasse
mit 16 Unzen destillirtem Wasser nach und nach in ein
anderes Porcellangefass vorsichtig geschlemmt. Nach
dieser Manipulation blieben kein schweres Pulver oder grobere Stuckchen zuruck. Nachdem die grosseren Stucke
der organischen Suhstanz mit einer Scheere zerschnitten
waren, wurde das Gemisch in 4 Theile getheiit. Ein Viertel davon stellte ich in einem reinen Glase verschlossen
fur den Fall zuruck, wenn in Folge eines Verschens hei
der Untersuchung die Substanz verloren gehen sollte.
Von den ubrigen drei Vierleln brachte ich zwei Viertel in
den Kolben A und ein Viertel in das Glasgefass B. Hachdem ich zu dem Gemisch im Kolben A 3 Drachmen
reines chlorsaures Kali gesetzt hatte, welches sich bei
einer geringen Erwarmung einer Spirituslampe sehr bald
loste, schloss ich den Apparat durch festes Aufsetzen der
mit Wachs durchzogenen Korke mit den dazugehorigen
Glasrohren auf die Glasgefiisse A und B, und durch das
Ansetzen des Verschlussglases C, welches bis zur Halfte
rnit . einer wiisserigen Lijsung von kohlensauerm Katron
gefullt war. Durch den Trichter a goss ich nun 31 Unzen
reine Salzsiiure und verschloss nach Abnahme desselben
die Glasrohre e mit einem Kork. Vcrmittelst der Spirituslampe D wurde allmalig mit Vorsicht der Inhalt des
Kolbens A erhitzt. Es entwickelte sich sehr bald Chlorgas, welches im statu nascenti die organischcn Substanzen
im Kolben -4 sehr leiclit zerstorte und die Flussigkeit vollkommen entfarbte, wahrend das ubrige Chlorgas durch
die Rohre b in das Glasgefass B gelangend, die darin
enthaltencn organischen Substanzen ebenfalls vollstiindig
zerstorte und entfarbte. Nach und nach brachte ich die
Flussigkeit im Kolben A zurn Sieden, wodurch das iiberschussigc Chlor mit den heissen Wasserdimpfen aus dem
Gemisch entfernt und durch Letztere das Gemisch in dem
Glasgefiisse B sehr bald his zum Sieden gebracht und
14:
4
Rel'ch,
dadurch auch aus diesem Gernisch der Ueberschuss an
Chlor entfernt wurde, welches durch die Rohre c von der
wasserigen Auflosung des kohlensauern Natrons in dem
Verschlussglase C aufgenommen wurde, gleichzeitig das
sich etwa gebildete Chlorarsenik, welches dort zersetzt
in Chlornatriurn und arseniksaures Katron umgebildet,
sich nicht weiter verfluchtigen, mithin auf die Weise nichts
von dem Arsenikgehalt verloren gehen konnte.
Diese Behandlungsweise bietet auch noch den Vortheil dar, dass man weder von dcm hisweilen uncrtraglichen Leichengeruch, noch von dem Chlor helastigt wird.
Die organischen Subslanzen in dem Gernisch der Gefiisse
A und B waren vollstandig zerstort und gaben filtrit ein
vollkommen klares, gelbliches, fast wasserhelles Filtrat,
welches nebst der Flussigkeit in dem Verschlussgekiss in
dem blarshschen Apparat auf bekannte Weise gcpriift,
deutliche Metallringe absetzten, die sic11 in ciner concentrirten alkalischen Losung von unterchlorigsaurern Natron
leicht und vollstandig losten. so wie der Rletallring nacl;
VerIauf von 6 Stunden verschwancl, wenn an der Nunclung
der beiden Oeffnungen der abgeschnittenen rnit den] Metallrinse versehenen Glasrohre ein Stuckchcn Phosphor
gelegt worden war. Beidcs sind ganz vorziigliche Mittel,
Arsenikflecken von Antimonflecken zu unterscheiden, da
Antimonflecke von einer alkalischen Losung untcrchlorigsauren Natrons nicht zerstort werdcn und durch Phosphor
letztere erst nach mehrercn Wochcn vollstiindig verschwinden. Die ubrige Flussigkeit aus dern Gefiisse behandelte ich mit Schwefclwasscrstoffgis bis zur \-ollltomrnenen Sattigung, wodurch ich cincn gelben Niederschlag
von Schwefelarsenik erhielt, der auf dcm Filtrum gesammelt, ausgewaschen und vollkornmen getrocknet nach der
vortrefflichen und bekannten Fresenius'schen Methode vermittelst Cyankaliurns und trockcner Soda reducirt wurde.
Dieser Gang der gerichtlich chemischen Untcrsuchung
kann als ein vollkommen sichcrcs niemals zu Tuuschungen Veranlassung geben, und diirfte somit rneincrscits
empfohlen werden.
gerichtlish-chemische L’ntersuchung bei Arsenikvergiflung. 5
0
6
Reich,
gmichtlich-chemische Ciztersuchung t e i A1.setiil;cel.glTtung. 7
ZU Tab. I.
E stabile Rohrenverbindung durch einen Iiork cler
Verbindung ft bei welcher die unten dunnere Rohrc in die
oben weitere Rohre hineinreicht, auf welche Weise ein
vollstandiger Verschluss hervorgebracht wird.
Z u Tab. 11.
Verbesserte Einrichtung des Jlarsh’schen Apparats.
Fig. I. unterscheidet sich von dem der wissenschafilichen Deputation empfohlenen Apparat durch
a) eine Glastrichterrohre;
6) statt eiries liupfernen Drathgewindes durch eine
Zinkstange festgehalten w i d , einen halbdurchbohrten und unversehrten Kork, in welchcn die Zinlistange gestellt ist und somit ein fremdes Rletall vermieden wird, aucl: die Glasriihre nicht SO leicht
zerbricht ;
c) ein Glasrohr mit Seschmolzenem Chlorcalcium zum
Trocknen des Gases:
d) eine besser eingerichtete messingene Knierijhre mit
cinem Glase;
e) ein Verschlussgefiiss mit eincr wiisscriscn Aufliisuns
von salpetersaurem Silberoxyd.
Der ganze Apparat ist stahil, indem die S’erbindung
mit Kaut.schuk vermieden ist.
Fig. 11. und 111. 1st die messingene (die Knierohre mit
Glas von Messing) vermieden, und diesc tlurch a und B,
ICork mit Glasrohre, ersetzt.
c ist ein Kork mit einer Glasrijhre, dessen JIundung
rnit cincm Goldsclil~gerli~utclien
oder einer Blase uberbunden ist. Durch das IIin- und IIerscliieben der Glasrijhre wird der Apparat geoffnet und gcschlossen.
Fig. IV. A Gasentwickelungsflasclie.
B Chlorc~alciumriihre.
C S’erschlussgefiis.; niit ciner wiisscrigcn Lijsung von salpc~crsaurcmSi1l)er.
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