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Ueber die Schdlichkeit der arsenikalische Farben enthaltenden Anstriche und Tapeten in Wohnzimmern und ihre Ursache.

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wittstein,
Ueber die Schildlichkeit der, arsenikalische Farben
enthaltenden Anstriche und Tapeten in Wohn=
zimmern nnd ihre Ursache;
von
W i t t s t e i n.
-
Daruber, ob Anstriche und Tapeten, welche mit
Sohweinfnrter Grun bedruckt sind, in Wohnzimmern auf
die darin sich Aufhaltenden einen nachtheiligen Einfluss
nusiiben, ist man keincswegs einerlei Ansicht. Die Meistcn allerdings beantworten die Frage bejahend, aber os
giebt auch Personen, welche sie verneinen; so habe ich
erst neulich (ich erinnere mich nicht genau mehr, wo)
wieder gelesen, dam es ein Vorurtheil sei, Anstriche oder
Tapeten mit arsenikalischen Farben in Zimmern fur schtidlich zu halten.
Ich fur mein Theil stimme mit Ersteren und kann
dazu zwei Belege liefern. Unter den Zimmern meiner
Wohnung, welche ich in Ansbach inne hatte und die,
beilaufig gesagt, sehr hell, hoch und durchaus trocken
war, befand sich eins, in welchem Jeder beim Eintritt
einen deutlichen Knoblauchgerncli wahrnahm, der sich
jedoch nicht immer in gleicher Stiirke bemerklich niachte
und, wie mir schien, bei feuchtem Wetter intensiver war
als bei trocknem. Dieses Zimmer enthielt bereits seit
mehreren Jahren buntfarbige Tapeten mit kleinen griinen
Hlumen. Anfangs beachtete ich den Geruch nicht und
bestimmte das Zimmer zum Schlafcabinet ; aber schon
nach einigen Tagen verspurten die darin Verweilenden
starke Eingenommenheit des Kopfes, deren Quelle indessen sofort erkannt wurde, als ich von den griinen Blumen
etwas abkratzte, vor dern Lothrohre auf Kohle beliandelte
und dabei einen starken Knoblauchgeruch wahrnnhm. Das
Zimmer wurde nun verlassen und damit horten auch die
bedenklichen Symptome auf.
Der andere Fall trug sich unliingst hier in Miinchen
iiber arsenikhaltige Amtriche und Tapeten.
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zu. Eine Familie bewohnte ein Logis, von welchem
zwei Zimmer zeitweise einen auffallenden Knoblauchgeruch verbreiteten und nicht bloss den Aufenthalt darin
liistig machten, sondern auch den betreffenden Personen
ernstliches Unwohlsein zuzogen. Die Wohnung wurde
nun sogleich gekiindigt und auch vcrlassen; der Hauseigenthiimer aber klagte wegen nicht eingehaltener Miethzeit u. 8. w., und ich wurde von der Behorde zur niihern
Priifung der Zimmer aufgefordert. Das eine Zimmer
hatte einen schonen griinen Anstrich, dessen FnIbc in
Schwcinfurter Griin bestand; das andcre war mit Ultramarin blau angestrichen, unter dieser blaucn Schicht,
welche etwa die Dicke einer Briefoblate hatte, befand
sich aber eine griine Tapete, die ebenfalls Schweinfurter
Griin enthielt. Somit konnte uber die Ursache der angegebenen Erscheinungen und Wirkungen kein Zweifel
mehr obwalten.
Wenn es also keinem Zweifel unterliegt, dass der in
Zimmern, deren Wande arsenikalische Farben enthalten,
auftretende Knoblauchgeruch, SO wie die nachtheilige Wirkung auf die darin verweilenden Personen von dem Arsenik dieser Farben herriihrt, so muss man auch zugeben,
dass ein Theil des Arsens Gaagestalt annimmt, und nur in
dieser Form, der Zimmerluft beigemischt, jene Erscheinungen hervomft. Aber welcher Natur ist das arsenikalische Gas, und auf welche Art erzeugt es sich?
Der Knoblauchgeruch deutet auf g a s i g e s Arsenm e t a l l , und in der That massen wir bci dicser Annahme
vorlaufig stehen bleiben ; zwar mochte man vielleicht in1
Allgemeinen geneigter sein, das in dcr Zirnmerluft bcfindliche Arsen als Arsenwasserstoff anzunehmen, weil
dieses ein permanentes Gas ist. Aber der Arsenwasserstoff riecht zwar widrig, jedoch nicht knoblauchartig, und
verbreitet letztcren Geruch erst, wenn man ihn anziindet.
Welche leise Spuren von Arsendampf hinreichen, ein ganzee Local auf cinige Zeit zu verpesten, weiss cin Jeder,
der arsenhaltige Verbindungen vor dem Lothrohre behan-
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Wittstein,
delt hat. Die Atome Arsen, welche man in den vom
Blasenden entferntesten Theilen des Locals wahrnimmt,
und die sich, wenn kein Luftzug gemacht wird, noch
nach Stunden durch den Geruch zu erkennen geben, sind
doc11 nichts Anderes als Gaa, des bei gewohnlicher Temperatur permanent geblieben ist. Denkt man sich nun in
der Farbe eine langsame aber ununterbrochene Quelle yon
Ausdunstung metallischen Arsengaees, so kann die Ursache
des Knoblauchgeruches niaht mehr SO rathselhaft sein.
Scliwieriger erscheint die Beantwortung der &'rage
nach der E n t s t e h u n g s w e is e des Arsengases. Dass
bei dicseni Processe Luft oder Feuchtigkeit oder beide
zusnnimen von wesentlicher Bedingung sind, darf wohl
als selbstverstiindlich angenommen wcrden; in erster Reihe
stelit aber jedenfalls die Feuchtigkeit, ohnc welche ja
hier iibcrhaupt keine chemische Thatigkeit denkbar ist,
ja niir scheint dieselbe der alleinige VermittIer der Arsengasbildung und die Luft (d.i. ihr Sauerstoff) dabei ganz
unbetheiligt zu sein. Ich maehe dabei noch auf die Thatsache anfmerksam, dass in solchen Zimmern der Knoblauchgeruch besonders bei Eintritt von feuchtem Wetter
schr deutlich wahrzunehmen ist, und dass derselbe in
Zininiern mit wirklich feuchten Wanden fast gar nie vorsch vvindet.
In den griinen Anstriahen ist die arsenikalische Farbe
stets mit Kalk vermenqt. Diese starke Base wirkt unter
Vermittelung der Feuchtigkeit (des atinosphiirischen oder
in der Wand schon vorhandenen Wassers) zersetzend nuf
das arsenigsanre Kupferoxyd, urn sich mit dessen Saure
zu verbinden; starke Uasen sind aber geneigter zur Vereinigung niit starken Sburen als init schwachen, und
suchen daher, wenn sie mit schwachen Yliuren zusammentreffen, wo moglich diese in starke Sauren zu verwandeln. Ein solcher Fall liegt nun hier vor; die schwache
arsenige Saure =As03 wird dadurch xur starken Arsensiiure = AsO5, dass ihr noch 2 Aeq. Sauerstoff hinzutreten; kame aber dieser Sauerstoff direct von Aussen
iibey amenikhaltige Artatre'che uiad Tapeten.
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(also aus der Luft), so wurde alles Arsen in der Wand
verbleiben. Die Entstehung der Arsensaure inus8 dalier
in anderer Weise erfolgen, und zwar auf Kosten des
Sauerstoffs der arsenigen Saure selbst; eine uniuittelbarc
Folge davon ieC dm Auftreten von freiem Arsen, wie folgende einfache Gleichung zeigt :
L i b 0 3 = 3AsO5
Zh.
Das Arsenmetsll ware also gebildet, auch wissen wir,
dass es fluchtig ist und dass sein Dampf knoblauohartig
riecht; es liegt daher kein Bedenken in der Annalime,
der Knoblauchgeruch in solchen Zimmern r a r e V O I ~gasformigeln metallischem Arsen her. Dass das Arsen in
der That die Fahigkeit besitzt, echon bei gewohnlicher
Temperatur Luftgecstalt anzunehmen (freilich in ahnlichen
unwaghren Spuren wie etwa der Moschus), davon liefern
die Giftschranke der Apotheken den besten Bcweis. I n
diesen Sahranken wird nebst andern Giften auch der
eogenmnnte Flieganstein (welchcr nichts Anderes ale metallisches Arsen iat) aufbewahrt, und zwar nicht hermetisch vwschloasen, sondern gewohnlich in ciner holzernen
Biiohse; offnet man einen solchen Schrank und rieclit
hinein, 80 bemerkt man innen einen deutlichen Geruch
nach Knoblaucb, der von nichta Andereni ah gasigem
Arsenmetall herrlfiren kann, denn die iibrigen dnrin befudichen Qifte mind entweder n5cht fliichtig, oder riechen
doch bei ibror Verdainpfung nicht knoblauchartig.
Auf den Tapeten trifft man aber die arsenikalische
Farbe haufig nicht in Beriihrung mit Kalk, sondern fur
sich, nur mit einem Bindemittel (Leim, Gummi oder
dergl.) aufgetragen; da ist dann freilich die obigc Erklikrung nieht anwendbar. Indessen bcgegnen wir hier eincni
andern Agens, welches denselben Effect Iiervorliringt wic
der h I k ; ich meine die organische Substanz, die thcils
in dem Bindemittel der Farbe, theils in dem Papier d w
Tapete besteht. Anch hier vermittelt die Feuchtiglieit
das gegenseitige Aufeinanderwirken, und was bei dcr E i n wirkung organischer Materien auf urscnige Qiiure in
+
40
Wittstein,
hoherer Temperatur in hochst energischer und vollstandiger Weise eintritt (Reduction der arsenigen Sauren zu
Metal1 namlich), das crfolgt in der Tapete zwar ausserst
langsam, abcr ilnrner noch in einem solchen Grade, dess
das Product durch den Geruch wahrgenommen werden
kann.
Der Knoblauchgeruch und die iiblen Wirkungen,
welchc die in einem rnit arsenikalischen Farben angestrichenen Zimmer verweilenden Personen empfinden, sind
zwar, wie rnir scheint, schon vollgiiltige Beweise von der
Gcgenwart des Arsens in der Luft eines solchen Ziminers; wem es indessen an diesen beiden Beweisen noch
nicht geniigen sollte, den1 kann ich auch noch einen chemischen liefern, so dass d a m die Gegenwart des Arsens
in der Zimmerluft physikalisch, physiologisch (resp. toxikologisch) und chemisch dargethan ist.
Im Sommer 1857 bemuhten sich nlimlich zwei Englander, Dr. H a l l e y und J. Williams"), in der Luft
eines Zimmers, welches mit arsenigsaures Kupferoxyd
enthaltenden Tapeten ausgekleidet war, die Gegenwart
des Arsens nachzuweisen, und zwar auf folgende Weise.
1 2 Bogerr feines weisses Druckpapier wurden mit einer
Losung von salpetersaurem Silberoxydammoniak (bereitet
durch Auflosen von 2 Drachmen salpetersaurem Silberoxyd in einer Pinte (16 Unzen) destillirten Wassers und
Zusatz von 2 Drachmen Ammoniakliquor) getrankt, no&
feucht, an kreuzweise dnrch das Zimmer gezogenen
Schnuren aufgehangt, dann zwei darin befindliche Gasbrenner angezundet, hierauf das Zimmer gut verschlosscn,
die Flammen nach Verlauf von 10 Stunden ausgeloscht,
aber das Zimmer noch weitere 10 Stunden verschlossen
gehalten. Jetzt nahm man die Bogen herunter, brachte
zehn dereelben, wclche bedeutend geschwarzt waren, in
5 Unzen reine Salzsaiire, liess bei einer dem Kochpunct
des Wassers nahen Temperatur eine halbe Stunde lang
*) Pharm. Journ. and Transact. (2.) 1. 407.
ilder arsenikhaltige Anetn'che u d T a p t e n .
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digeriren, trennte die Fliissigkeit von den Pspierfragmenten, legte in dieselbe ein aufgeroUtes diinnes Kupferblech,
erhitzte zum Kochen, unterhielt dasselbe 2 - 3 Minuten
und liess dann noch zweistiindige Digestion auf dem
Sandbade folgen. Das Kupfer nahm bald eine stahlgraue
Farbe an, welche indessen von einer Spur Silber, welche
in der Salzsaure gelost geblieben war, herriihrte. Das
Kupferblech wurde nun herausgenommen, mit Wasser
gut abgespiilt, getrocknet, in das hinterste Ende einer
an einem Ende zugeschmolzenen Glasrohre gebracht, diese
in der Mitte durch Ausziehen verengert und am geschlossenen Ende 10 Minuten lang einer starken Rothgluhhitze
ausgesetzt. Nach dem Erkalten bemerkte man in einiger
Entfernung von der erhitzten Stelle einen diinnen weissen
Ring, der sich mittelst einer Flamme leicht weiter treiben liess und unter dem Mikroskope als ein Aggregat
von octagdrischen Krystallen erschien. Diese Krystalle
konnten nun unter den obwaltenden Umst;inden allerdings
nichte Bnderes ale die arsenige Saure sein; doch pflegt
man sieh in einer so delicaten und wichtigen Sache mit
e i n e r Probe n i ch t zu begniigen, sondern man stellt
noch andere Proben, z. B. die Marshsche an, was indessen die Verfasser nicht gethan haben. Doch haben sie
nicht unterlassen, den Bcweis zu liefern, dass das gefundene Arsen weder von der Atmosphare an sich, noch
von dem Leuchtgase herriihren konnte. Sie liessen namlich Luft aus einem dem Zimmer naheliegenden Garten
12 Stunden lang durch eine Losung von salpetersaurem
Silberoxydammoniak streichen, fanden aber kein Arsen.
Ebenso erfolglos war ein iihnlicher Versuch mit Lcuohtgas.
In Erwiigung alles vorstehend Mitgetheilten halte ich
es fur dringend geboten, dass die Sanitatspolizei diese
Angelegenheit von jetzt an ernstlicher als bisher in die
Hand nimmt, indem sie
1) das Publicum auf die Scliadliehkeit der arsenikalischen Farben in Wohn- und Schlafzimmern aufinerksam macht; und
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Stmve, uber eine neue gri2ne Farbe.
2) den Gebrauch dieser Farben zum Anstrich und
zu Tapeten in solchen Raumen unbedingt verbietet.
Ueber eine neue grtine Farbe;
von
C. Struve.
Seit etwa drei Jahren trifft man im Handel in Form
sehr leichter lockerer Stiicke einc unter den1 Nanien
a r s e n i k f r e i e s G r i i n Y bekannte Farbe, die als Surrogat dcs Schwcinfurter Griin dienen soll und jetzt in ausgedehntem Maasse in der Industrie Anwendung findet.
Wenngleich nun dieses Grun auch nicht eine vollig
so lebhafte Farbe, wie das Schweinfurter Griin besitet,
ist es doch zu manchen Zwecken vie1 geeigneter, da es
wirklich durchaus arsenikfrei ist. Dcssen ungeachtet ist
cs aber, wenn auch vicl weniger giftig :tls jenes, keincswegs unschadlich, wic nachstehende Angabe der Bcstandtheile ergiebt, und darf es z. R. nicht zum Farben von
Backwerken und dergl. angewendet werden. Die Farbe
soll ubrigens dauerhaft sein und noch besser decken, als
das Schwcinfurtcr Griin.
In Bd. 100. S. 267 des Archivs dcr Pharmacie waren
als Bestandtheile einer in Thiiringen angewendeten piinen Farbe, dort ,,Ncugriinu genannt, die aber mit dem
sogen. arsenikfreien Griin vielleicht identisch sein diirfte,
Chromsaure und Kupfcroxydul angegeben, wabrend die
qualitative Analyse der in Hede stchendcn Farbe d s
wesentliche Bestandtheile bafiisch kohlenssures Kupferovyd und chromsaures Bleioxyd ergab.
Ruf Veranlassung meines Lehrcrs, Herrn Professors
W i c k e , fuhrte ich in dessen Laboratorio unter seiner
Anleitung dic quantitative Analyse aus. Diese crgab :
Chromsaurcs Bleioxyd. ............... 13,65 Proc.
Thisch kohleiisaiires Kupferoxyd ..... W,24 ,
Eisenoxyd ...........................
0,77
,,
Kohlensauren K d k .................. 2,65 ,,
Feuchtigkeit .........................
2,58
99,89.
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