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Ueber die sogenannte Chinarinde der Iles de Lagos in Ober-Guinea Delondres Bouchardats.

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Ueber die sogenannte Cliinnrinde der Ilea de Lagos.
25
Priifung der homoopathischen A erzto anheirnstellen, welcho
das Letztere in verdunnteni Zustande zuweilen in Anwendung bringen.
-
Ueber die sogenannte Chinarinde der Iles de Lagos
in Ober Guinea Delondres Bonchardats ;
yon
K l o c t c N o I' t i e r "1.
(Aus dern Hollandischen yon Dr. J o h a n n e s Miiller.)
__
D e l o n d r e und B o u c h a r d a t erwiihnten in ihrer
Chinalogie pag. 41. S. XX. zuerst einer Rinde von den
Lagos - Inseln, auf der Kiiste von Afrika vorkommend.
Diesclbe sollte dem Geruchte xufolge an Wirksamkeit
die amerikanische Chinarinde iibertreffen. Ila ihnen nun
durch K e s t n e r und M e n a r d in Ilavre Gelegenheit geboten, die Rinde untersnchen zu konnen, erhieltcn sie
aber solche Resultate, welche das Geriicht von ihrer Wirkssmkeit ~ e h rin Zweifel ziehen mussten, da mit grosser
hluhc aus 60 Kilogrm. Rinde nur 0,06 Yroc. schwefelssures Cinchonin gewonnen wurde. Da die Rinde dieser Untcrsuchung zufolge indess doch Cinchonin entBielt, wurde sic unter die echten Sorten, jedoch yon
gcringercr Qualit5t, gezahlt und erhielt den Namcn China
von den Lagos - Inseln.
Die ausseren pharmakognostischen Kennzeichen dicscr Rinde unterscheidcn sich so schr von dcr Chinarinde,
dass man wirklich die Auffindung von Cinchonin in derselben durch D e l o n d r c und R o u c h a r d a t von vorneherein in Zweifel ziehen muss. Mri g g e r s , welcher
cbenfalls diese Rinde besitzt (Cunstatt's Juhreshericht)
zweifelt keincn Augenblick an der Identitiit der LagosChina und der Cortex Peyeirae Hrasil. Der cinzige Widerspruch, meint er, lage nur in dem von D e l o n d r e nnd
B o u c h a r d a t gefundenen Cinchonin.
. .--. .~
*) Im Separatabdruck fiir das Archiv eingcsandt.
26 Ueber die sogenannte Chinaride der Iles de Lagos.
K 1o e t e K o r t i e r hat nun eine neue Untersuchung
der Rinde angestellt, indem ihm eine Quaiititat davon,
von D e l o n d r e herruhrend, durch Dr. d e V r y mi&
getheilt wurde. Der Baum, welcher die Lagos - Rinde
liefert, ist noch nicht bekannt, welches auch aus H o ~ a r d ' e
&anainrction of Botanic Specinzed at Kew, 1855. pag. 12
hervorgeht. Jcdoch die Rindenstiicke, welclie iiher 2 Fuss
lnng, 5 Zoll breit und ungefahr I/q Zoll dick sind,
gebeii der Vermuthung Raum, es m i k e ein sehr hoher
Bauni sein. Die Stiicke sind ganz platt, oben wenig gebogen, und bestehen griisstentheils aus derma, obwohl
vide Stiicke noch eine diinne Lage per-idernin besitzen
uiid hieran nicht selten noch sehr gut die Korklage wahrzunehmen ist. Die Farbe der peridernzn ist abwechselnd
hell und schmutzig dunkelbraun, auch wohl kastanienbraun init graufarbigen Schwammen und grunen Moosen
(eine Byacee, wahrscheinlich Leskeu detua). Ausserdem
zeigen sich noch darauf Pocken,. welche hicr und da aufgesprungen sind. Der Bruch der pen'derma ist korkartig; die derma ist ornngegelb, mehr oder weniger citronengelb, und hesteht aus dunnen, ziihen, faserartigcn
Lagen, welche sich bandfiirmig trennen lassen. Unter
dem Mikroskop zeigen sich auf dem Querdurchschnitte,
wic bei den Chinaririden, gliinzende Durchschnittsflichen
cler Bastfasern, welche auf mehreren Stellen zu Biindeln
vcreinigt sind, jcdoch auch hicr und da durch Parenchym - Zellgewebe von einander getrennt, isolirt und iinregelin>issigvorkonimen. Diese I>urchschnittsfliichcn haben
wohl einige Aehnliclikeit mit denen der Rinde von CinC I ~ M G scrobiculatn Wedd. Jedocll sincl die concentrischcn
Eingc (die Qrenzen der verschiedenen Verdickungslagen
O u d e m a n n ' s ) nicht so deutlich siclitbar, wkhrend dagegen der Centralpunct sehr deutlich wnhrgenomnien
wird. Der Geschnincli der Rinde ist sehr bitter, nicht
zusammenziehcnd, aber lange andauernd, firbt den Speichel gelb.
Uni die Itinde auf Alkaloide zu priifen, wurden von
Ueber die oogeoannte Chinarinde der Iles de Lagos. 27
K1 o e t e N o r t i e r 4 Unzen dersel ben zu Pulver gebracht,
neun Stunden bei erhiihter Temperatur rnit Ksllrmilch
digerirt, alsdann ausgepresst und durchgeseihet, der Riickstand mit dern uberschiissigen Kalk getrocknet, mit Alkohol von 0,850 ausgekocht und filtrirt, licferten eine alkoholische Flussigkeit, welche sich innctiv im polarisirten
Lichte verhielt und welche nach Abdestilliren des Alkohols niclits Krystallinisches hinterliess. Also keine Alkaloide! -Die li’liisaigkeit, welche nach Rehandlung von Kalkmilch durch Auspressen erhalten war, wurde filtrirt und
im Wasserbade zur Troclrne verdsmpft, worauf ein sehr
bitter schmeckender brauner Riickstand blieb und unloslich in absolutcm Alkohol war. Aufs Neue in destillirtem Wasser gelost, filtrirt und mit Essigsiiure versetzt,
entstand augenblicklich ein grauweisscr Niederschlsg.
Derselbe war wahrscheinlich eine in Wasscr unaufloslichc Saurc und erinnerte an Chinovasaure oder Chinovabitter. Um hieriiber Aufschluss zu erhalten, wurde der
Niederschlxg gesamnielt, aufs Neue rnit dunner Kalkmilch
behandelt, worin er sich loste, die Auflosung filtrirt und
nochmals mit Essigsiiure priicipitirt. Dcr abgewaschene
und getrocknete Niederschlng war weiss von Farbe, unliislich in Wasscr, leicht loslich in Alkohol und Aether,
schnieckte sehr bitter und wurde durch Wasser wieder in
Gestalt weisser Flocken abgeschieden. Durch concentrirte Suhwcfelsiiure wurdc derselbe beim Erwarmcn mit
sehr schiiner dunkelrother Farbe aufgeliist. (Siehe den
Avtilcel C‘liir,ovasiizirein Liebig-Poggend- Wohler’sHandwiirtb.,
Szippk. 8. 793.) E’crner war er loslich in Kalihydrat
und Animoniak und hieraus durch S#ure wiederum fallbar. Hieraus erhcllet, dass der Niederschlag wahrscheinlich aus Chinovasaure oder Chinovabitter bestand.
Da dcr erste Versuch auf Allraloidc ncgativ ausgefallen, wurde ein zweiter n i t eincr griisseren Menge
Rinde, welche von D e lo n d r e direct bezogen, angestellt,
und zwar a d die Dclondre’sche Methode. Es wurden
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lieber d i e sogennnnte Chinarinde d e r Iles d e Lagos.
175 niederl. Loth Rinde pulverisirt, viermal mit saurem
Wasser ausgekocht und zwar das erste Ma1 niit 50 (frm.
Chlnrwasserstoffsaure, dns zweite und dritte Ma1 rnit
25 Grm., das vierte Ma1 h i t 20 Grm., zum fiinften Male
cndlich mit Wasser allein zum Abwaschen. Die vereinigten colirten Deeocte wurden mit geringem Ueberschuss
von Kalkmilch gefkllt, der Pracipitat auf ein Filter gesammelt, abgewaschen, getrocknet und wiederholte Male
niit Alkohol ausgekocht, die vereinigttn alkobolisehen
Flussigkeiten filtrirt und zu 2i3 abdestillirt und nach vorsichtigem Verdainpfen und Abkiihlen zum Krystallisiren
bei Seite gesetzt. Nach 6 Tagen war noch keine Spur
von Krystallen sichtbar und wurde der Riickstand im
Wasscrbade zur Trockne verdunstet, rnit saurem Wasser
extrahirt, filtrirt und endlich mit eineni Alkali pracipitirt,
wodurch zum zweiten Male sich keine Spur von Alkaloid
abschied. Um versichert zu sein, dass das Cinchonin
nicht in der Flussigkeit aufgelost war, welche durch
Kalkmilch pracipitirt war, wurde auch diese abgedampft
rind auf dieselbc Weise mit Alkoho1,- freiem Wasser,
Alkali -u. s. w. beliandelt, ohne ein positives Resultat zu
liefern. - Die nanilichen Resultate erhielt auch H. C.
C r a in e r.
Aus diesen Arbeiten lasst sich der Schluss zichen,
dass die Lagos-Rinde mit Unrecht zu den Chinarinden
gezahlt wird, da sic keine China-Alkaloide enthalt. Der
sehr bittere Geschmack ist einer Siiurc zuzuschreiben,
wclche Aehnlichkeit hat mit der Chinovasiiure oder Chinovabitter, welche Bestandtheile manchen andern nicht zu den
Cinchonaarten gehorenden Pflanzen eigen sind, da I3 uchn e r die Siiure in Esenbeckia f e b r i f i y c , W i n k l e r in Secabe cornutiini gefunden haben.
Was die von W i g g e r s angefiihrte Identitiit der
Cbrtex P e r e i m e rnit Lagos-Rinde betrifft, so erinncrt die
C w t u €'ei*eime nur allein durch den bittcren Geschmack
nnd durch den stark faserigen Bruch an die Lagos-Kinde,
im Uebrigen aber sowohl iiusserlich, als auch niiliroskopisch
Ueber die sogenannte Chinarinde der n e s de Lagos. 29
nicht das mindeste Uebereinkommen hat, so fern die
Cortex Pereime, welche V r i j d a g Z i j n e n vom Professor
G o p p e r t in Breslau erhielt, echt ist.
Nachschrift
von Vrijdug Z;jnen iiher die vermeintliche ldentitat der
Lagos - Rinde und Cortex Pereirae.
W i g g e r s hat in Canstatt’s Jahresbericht uber die
Fortschritte der Pharmacie im Jahre 1855 uber die Identitlit der Cortex Pereirae und D e l o n d r e’s Lagos-Rinde
Mittheilnngen gemacht, woriiber ich mir einige Bemerkungen erlaube.
Nach den Untersuchungen von K 1o e t e N o r t i e r
muss man bezweifeln, dass die sogenannte in der Chinalogie von D e l o n d r e und B o u c h a r d a t angefiihrte China
des Iles de Lagos eine China - Alkaloide haltende Rinde
ist, was auch schon W i g g e r s dadurch zu erkennen gab,
dass er in Canstatt’s Jahresbericht, 1855, S. 39 die Herren
D e l o n d r e und B o u c h a r d a t aufforderte, die Rinde nochmals auf Cinchonin eu untersuchen. Auch kiinnen wir
der Ansicht von W i g g e r s , dass die Lagos-Rinde mit
der Cortex Pereirae identisch sei, nicht beipflichten, da
wir yon beiden Rinden echte Exemplare besitzen, wie
die Cbrtex Pereirae von Herrn Prof. G o p p e r t in BresIau, deren Beschreibung im Archiv der Pharmacie Juniheft von 1842 zu finden ist;
Auch aus anderen Quellen haben wir diese Rinde,
wie ein grosses Stuck aus London mit dem Namen Casl~uiv
und ein dergleichen von J o h n E l l i o t H o w a r d i n L o n don niit dern Namen Bark of Pr-osopisJtilijiora, CashawRinde (Jamaica).
Die Identitat der beiden Exemplare ist unzweifelhaft,
nur die beiden letzten, Cashaw genannt, scheinen von den1
Stamme herzuriihren. Sie besiteen ein mehr entwickeltes
Peridermium, welches von ungewohnlicher, sehr eigenthumlicher Structur ist.
30 Ueber die sogenannte C'hinulr'nde der Iles de Lagos.
Das Exemplar yon Berm Prof. c;I- o p p e r t entbelirt
des Peridermium und ist wahrscheinlich von den Zweigen herriihrend, bei welchen dasselbe noch nicht in deni
Maasse entwickelt ist.
In E n d 1i ch e r 's Bzchi+%?ion botanicunz finden wir
den Cashaiv von Algarobia Julijlora Barth abstammend
bezcichnet, welche Pflanze zu den Mimoseen gehort.
Da wir sowohl, als Prof. W i g g e r s die China des
Iles de Lagos von D e 1o n d r e selbst empfingen, glauben
wir, dass beide Exemplare nicht verschieden sind, und
konnen uns deshalb nicht erklaren, wie die Cortex Pereim e mit der Lagos - R i d e iibereinstimmen kiinne. Vermuthlich stammt die Rinde, welche Prof. W i g g e r s von
Prof. S c h r o f f in Wien und K i n d t in Bremen empfing,
voii Picraniria cilitrta Mart., welche E n d l i che r zu den
Rurseraceen eahlt und von Cortex Pereirae Giippept varschieden ist. Wahrscheinlich haben Acidurn nzimotunnicum und die adstringirenden Eigenschaften dem Cashaw
das Ansehen als fiebervertreibendes Mittel erworben.
Eine andere Meinung ist yon unserer Seite unzulassig, da nicht zu vermuthen steht, dass zwei Rinden, welche
sich in iliren physikalischen nnd mikroskopischen Eigenschsften so sehr unterscheiden, von Prof. W i g g e r s als
identisch mgesehen werden konnen.
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