close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Verhalten einiger organischen Suren zur Vegetation der Schimmelpilze.

код для вставкиСкачать
522 11. Werner, Organische Sauren zur Vegetation der Schimmelpilee.
Den neueren Ansichten gemass wurde die Siiure eine
zweibasische Saure d. h. eine solche, in welcher zwei Atome
Wasserstoff durch zwei Atome eines einatomigen , oder durch
ein Atom eines zweiatomigen Elementes zu ersetzea ist. Die
lypische Formel wurde folgende sein :
Die typischen Formeln fur das Blei -Magnesium - und
Baryumsalz wiirde folgende sein :
Das Zinksalz wiirde ein saures Salz sein; seine Pormel:
nnd die Formeln fur die Jod- und Bromverbindungen ergeben sich von selbst:
Verhaltcn einiger orgsnischcn Sluren zur Vegetation
der Schimmelpilze.
Yon H e r m a n n W e r n e r , Apotheker in Breslau.
Vorgetragen in der schlesischen Gesellschaft fir vaterlandische Cultur zu
Breslau am 13. Narz 1873.
Im Laufe des vergangenen Sommers bekam ich durch
die konigl. Regierung wiederholt Gelegenheit, Wasser - Analysen vorzunehmen. Zucker- und Stiirkefabriken liessen Producte der faulen Gahrung, mit Wasser gemengt, ohne vorher
die nothwendige Desinfection der Waschwasser in geniigender
Weise vosgenommen zu haben, eu Unrecht in benachbarte
GrSiben fliessen, deren Wasser den Adjacenlen zum Haus und Kiichenbedarf diente, welches aber durch das Zufliessende
nach allen Richtungen hin total unbrauchbar wurde. Die
Sdjacenten wurden klagbar, und sandten Proben van dem
H. Werner, Organische Sliuren zur Vcgetation der Schinimelpilzo. 523
verdorbenen Wasser zur Untersuchung ein. Es handelte sich
hierbei vorzugsweise um die Bestimmung von Salpetersaure
und organischen Substanzen. Die quantitative Bestimmung
der letzteren geschieht bekanntlich am besten mit ubermangansaurem Knli, dessen Titer mit einer Losung von Oxalsaure, 4 Decig. im Liter, bestimmt wird.
In der Neinung, die Oxalsiiure wurde sich unverandert
halten, bewahrte ich dicselbe bis zur nachstcn Analyse, welche
nach etwa sechs Wochen mir iibergeben wurde, auf. Ohne
auf den Inhalt der Flasche besonders zu achten, entnahm ich
die bestimmte Quantitat, um den Titer der frisch bereiteten
Chamaleonlosung zu stellen. Zu meiaer grossen Verwunderung blieb die Flussigkeit beim Zusatz des ersten Kubikcentimeters Chamaleonlosung roth gefarbt. Fur diese Erscheinung hatte ich keine Erklkrung. Die Oxdsaurelosung war
vollkommen klar , doch zeigte sich bei genauerer Betrachtung
am Boden der Flasche ein ziemlich bedeutendes Quantum von
Schimmelpilzen. Sollten diese bei ihrer Vegetation die Oxalsaure verzehrt haben? Sofort stellte ich eine frische Losung,
selbstverstindlich mit destillirtem Wasser dar - schon um
die mir ubertragene Analyse ausfiihren zu konnen, - und
liess dieselbe, den Kork ofters offnend, stehen, um den in der
Luft herumschwarmenden Pilzsporen den Eintritt in die
Flasche, und somit K e i m p g in der Losung zu gestatten.
Nach kurzer Zeit zeigte sich Schimrnelbildung, welche ziemlich schnell fortschritt, und nach etwa fiinf W ochen, wahrend
welcher Zeit die Losung klar blieb, war die Saure vollkommen verschwunden. Reagenspapier blieb unverandert , Kalkwasser damit gemischt, blieb klar; beim Verdanipfen auf Platinblech zeigte sich nicht der geringste Ruckstand. In der
Hitze beim schmachen Gluhen zerfillt zwar bekanntlich die
Oxalsiiure in Wasser , Kohlenoxyd und Kohlensaure, drei
fliichtige Korper , welclie einen koliligen Ruckstand nicht hinterlassen; sie hatte j a aber wiihrend der Vegetation der Yilze
in eine andere Kohlenstoffverbindung ubergehen konnen,
welchq vor der vollstandigen Verfliichtigung einen kohligen
Ruckstand zuriioklassen konnte j abcr nicht die geringste
.
524 H. Werner, Organische Sauren zur Vegetation der Schimmclpilze.
Farbung war vor der vollstiindigen Verfliichtigung wahrzunehmen. Was ist aus der Oxalsaure geworden, in wdcher
Weise hat sie sich zersetzt? Hatte sie sich inBKohlensaure
verwandelt, ware gewiss ein Theil derselben im Wasser
gelost erhalten geblieben, und es hatte beim Vermischen mit
Kalkwasser ein Niederschlag , oder wenigstens eine Triibung
von kohlensaurem Kalk entstehen miissen ; denn Kalkwasser
ist bekanntlich ein gleich scharfes Reagenz auf Oxalsaure wie
auf Kohlensaure; - oder ist die Oxalsaure als solche von
dem Pilz aufgenommen , und durch das Wachsthum desselben
unter Wasserzersetzung in Cellulose verwandelt worden, oder
hat sie irgend eine andere Verwandlung erlitten? Gegen
die Umwandlung in Cellulose unter Wasserzersetzung mag
erwahnt werden, dam, um die nothwendige Menge von Kohlcnstoff und Wasserstoff zu einem Aequivalent Cellulose,
C 12H10010, zu bekommen, 6 Aequivalente Oxalsaure und
4 Aequivalente Wasser verbraucht werden miissen.
Denn: 6(H0.C203)
= C12H6024
4H0
- ~ 4 0 4
Cl2HlO 0 2 8 .
Kohlenstoff und Wasserstoff sind in hinreichender Menge
vorhanden; aber es sind 18 Aequivalente Sauerstoff zu viel,
welche als Blasen hatten in die Hohe steigen miissen. Ich
habe davon nichts bemerkt, jedenfalls ist mir diese Erscheinung entgangen, wenn sie sich gezeigt haben sollte! Ich stellte jetzt die Frage: Zcigt nur Oxalsaure, die
einzige organische Saure , welche nur aus Kohlenstoff und
Sauerstoff besteht, die Eigenschaft : den Schimmelpilzen so
weit zur Nahrung zu dienen, dass sie von denselben ganz
aufgezehrt wird, oder theilt sie diese Eigenschaft noch mit
anderen organischen Sauren? Am dritten September vorigeu
Jahres stellte ich mir verdiinnte Losungen von verschiedenen,
mir augenblicklich zu Gebote stehenden organischen Sauren :
von Bernsteinsaure, Citronensaure, Gerbsaure, Weinsteinsaure,
Benzocsaure uad Pyrogallussiiure in dem Verhaltniss von
1 : 1000 dar, also awei und einhalbrnal so stark, als ich die
H. Wernef, Organische diiuren zur Vegetation der Schirnmelpilze. 526
LSsung der Oxalsaure zur Bestimmung des Titers der Chamaleonlosung anwendete. Eine frische Losung der Oxalsaure
in demselben Verhaltniss 1 : 1000 bereitete ich mir ebenfalls,
und beobachtete shmmtliche Losungen unter zeitweiligem
Oeffnen der Korke taglich. Ohne dass eine bemerkbare
Triibung sich zeigte, wurde am Boden der Flaschen die Vegetation der Schimmelpilze zuerst an der Oxaleaure, der
Bernsteinslure und der Citronensaure bemerkt. Sie ging in
der Oxalsaure ziemlich schnell vor sich , blieb fortwahrend
am Boden und hatte nach etwa sechs Wochen die Saure
ganzlich verzehrt. Das Wachsthum der Pilze ging in der
Bernsteinsaure - , wie Citronenslurelosung auch ziemlich
schnell vorwarts , hat auch ein ziemliches Quantum von PilZen gezeigt, ist aber wohl seit Anfang November auf derselben Stelle stehen geblieben. Auch hier gewahrte ich die
Pilze, so oft ich nachsah, was spater nicht tiglich geschah,
nur am Boden der Flasche. Diese beideu 8auren sind noch
nicht aufgezehrt , wie ein hineingehaltenes Stuck Lackmus Papier ganz deutlich bewies. Weshalb vegetiren nun hier
die Pilze nicht weiter; lieben sie diese Jahreszeit nicht zu
ihrer Entwickelung, oder ist die Vegetation aus anderen Ursachen unterbrochen worden ? Gerbsaure und Weinsteinsaure scheinen den Pilzen am
wenigsten geschmeckt zu haben. Ihr Wachsthum ist auf
einem Minimum beschrankt geblieben. Bei der Weinsteinsaure habe icb diese Erscheinung nicht erwartet. Im Gegentheil, ich glaubte annehmen zu diirfen, dass die Weinsteinsaure in dieser Hinsicht der Oxalsiiure sehr nahe stehen
wiirde, weil es eine bekannte Thatsache ist, dass Losungen
von weinsteinsauren Salzen sehr leicht schimmeln. Benzoesaure und Pyrogallussiiure sind bis heutigen Tag noch ohne
jede Pilzbildung.
Anfang Januar 1873 erlaubte ich mir, Herrn Professor
Dr. F e r d i n a n d C oh n auf meine Beobachtung aufmerksam
zu machen. Dieser hatte die Giite, die Pilze in der Oxalund Citronensiiure - LSsung zu bestimmen, und erkannte Beide
fur Schimmel. In jeder Losung fand sich nur eine Species;
526 II. Werner, Organischo Sluren zur Vegetation der Schimmclpilze.
ohne jedoch gleiche Eigenschaften mit der anderen zu zeigen.
Diese Erscheinung diirfte wohl zu der Annahme hinfuhren,
dass derselbe Same, in diesem Fall dieselbe Spore, auf verschiedenem Bodgn , Pflanzen von verschiedenen Eigenschaften
zeigt. Dass in die verschiedenen Flaschen verschiedene
Sporen hineingekommen sind, ist nicht gut anzunehmen , da
sammtliche Flaschen dicht bei einander gestanden haben.
Auf Geheiss desselben Herrn stellte ich am zehnten Januar
d. J. concentrirtere Losungen, und zmar von Oxalsaure sowohl,
als von oxalsaurem Ammoniak, in dem VerhCltniss von 1 :100
auf, aber keine von beiden hat trotz ofterem Oeffnen des
Korkes irgend welche Vegetation gezeigt. N a s h s c h r i f t den 11. M a r z 1873.
So war die Lage, als ich diese Zeilen niederschrieb,
Ende Januar d. J. Heut ist die Pilzbildung bei einzelnen
Sauren weiter vorgeschritten ; am wenigsten wieder merkwiirdigerweise bei der Weinsteinsaure, diese giebt sowohl mit
Kalkwasser, als mit essigsaurem Bleioxyd einen Niederschlag,
llisst auch beim Verbrennen einen schwachen Geruch nach
Weinsteinsaure erkennen, so weit ist sie jedoch aufgezehrt,
'dass sie auf blaues Lackmuspapier wenig einwirkt.
Weit mehr aufgezehrt ist die Citronensaure und die
Bernsteinsaure. Beide reagiren kaum mehr auf blaues Lackmuspapier, die blaue Farbe wird eigentlich nur ein wenig
heller. Doch ist die Anwesenheit der Citronensgure durch
essigsaures Bleioxyd und durch Verbrennen auf Ylatinblech
zu erkennen.
Bernsteinsaure ist soweit aufgezehrt worden, dass essigsaures Bleioxyd, noch so vorsichtig zugesetzt, keine Trubung
mehr zeigt, und ein Gemisch BUS Weingeist, Ammonialr und
Chlorbarium erst nach langerer Zeit einen sehr geringen Niederschlag giebt. Die ubrigen SBuren zeigen bis zur Stunde
noch keine Verknderung.
Aus den angestellten Versuchen scheint also rnit Gewissheit hervorzugehen , dass ein nicht unbetrschtlicher Theil der
organischen Sliuren - vielleicht siimmtliche - durch Schim-
H. Werner, Organische Sauren zur Vegetation dcr Schimmelpilze. 527
melpilze vollstiindig aufgezehrt werden ; unter welchen Umstanden, und unter welchen Zersetzungen und Umwandlungen,
dariiber wird voraussichtlich die Zukunft Aufschluss geben. A n me r k u n g . Die leichte Zersetzbarkeit der Oxalsaure in verdiinnter wassriger Losung kann ich nur bestatigen, wiederholt miissen Priifungen
angestellt werden, ob das nothige Titre bei der Analyse noch vorhanden ist.
Die weitere Beobachtung des Hrn. W e r n e r ist sehr interessant; die Oxalsaure konnte wohl direct ale Nahrungsmittcl dienen, da sie der von
den Pflanzen stets aufzunehmenden Kohlensiure so nahe steht und d i e
leichte Zersetzbarkeit an und fiir sich bekannt, andererseits enthalten
gerade die hoher organisirten Pilze oft sehr reichlich Oxalsaure und
oxalsaure Salze.
Bei Einwirkung von Fermenten auf Alkali- Salze der organischen
Sauren beobachtete B i i c h n e r (Anzeigen der Miinchener Acadcmie 1821.
Nr. 19 u. 20) den Uebergang in kohlensaure Salze, so bei citronensaurem,
weinsaurem, bernsteinsaurem, essigsaurem Salze, a m l a n g s a m 8 t e n g i n g
d i e B i l d u n g b e i o s a l s a u r e m A l k a l i v o r sich.
W i t t s t e i n , (Neues Jahrb. f i r Pharmacie 11, 229) beobachtete, dass
Weinsaure in der 5 fachen Menge Wassers gelost, trotz der eingetretenen
Scbimmelbildung , nach Jahresfrist noch denselben Sauregehalt besass;
Citronensaure hielt sich in wassriger Losung iiber 3 Jahre unverandert.
Dies sind aber jedenfalls weit concentrirtere Losnngen , wie die bier
gebrauchte der Oxalsaure. W e r n e r bestatigt nach Obigem auch die
Haltbarkeit von starkerer Losung.
S t a d e 1 e r und K r a u s e fanden endlich , dass eine Weinsiiurelosung
nach langerem Stehen Kupferoxyd in alkalischer Fliissigkeit reducire.
(Mitth. der naturforschenden Gesellsch. in Zurich 1854, 473.).
J o a. M ii l l e r , (Vierteljahrsschrift fur pract. Pharmacie VIII, 460)
untersuchte auch die Asche von Pilzen, welcbe in Weinsaurelosungen
sich erzeugt hatten und fand darin Kalk, Kieselerde und Thonerde, von
denen er vermuthet, dass sie dem Glasgefasse entzogen worden seien.
Bei dem Interease der von Werner gegebenen Beobachtung sind
viellcicht diese nachtraglichen Notizen hier nnd da brauchbar.
Rdt
.
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
2
Размер файла
280 Кб
Теги
schimmelpilzen, der, zur, verhalten, organischen, vegetation, einigen, suren
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа