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Der Verwitterungsprocess.

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'Vereimzeitung.
6) Der Verwitteruiigsprocess.
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Der Landwirth belt es filr ein grimtigee Zeichen, wenn sein Feld
im Winter ordentlieb mit Sehnee rugedeckt ist und der Boden, wie er
er nennt, tiichtig ausfriert; der Boden, sagt er, kann sich dabei ausruben. Fragen wir aber weiter, was das Ausfrieren niitzen kann, ro
antwortet er uns, der Boden werde dadurch mirbe gemacht. Diese
letzte Erkllrung llsrt rich hbren, wiewohl auch dabei immer noeh
erst zu erkliiren bliebe, auf welche Weise denn das MOrbewerden cu
Stande kommt und inwiefern das Wachsthum dadurch geffirdert wird.
Digegen den Sehnee fiir eine Ruhedecke zu halten, ist geradezu unrichtig. Wenn der Boden im Winter unthitig rubt, so wird daraur
rehwerlich ein besreres Gedeihen der Saat hervorgehen. I m Gegentheil, wo das Feld einen Mehrertrag bringen soll, da muss zuvor der
Boden nothwendig einen Zuwachs von animalischen Stoffen erhalten
baben. Dieser aber wird nicht anders herbeigefiihrt, als dureh eine
recht energische Thltigkeit derjenigen chemischen Processe, welche
eine erneuerte Bodenkrunie schaffen helfen, so dass aucb hier wieder
der alte Satr seine Anwendung findet, dass init Jem Capital auch die
Zinnen wachsen.
Wie hlngt dies nun zusammen? Der Sehnee als ein lockerer
K6rper besitzt gleich andern portisen Stoffen, als der Kohle, dem
schwammf6rmigen Platin, dem Bimstein etc., in hohem Grade die Flbigkeit, die Case der Atmosphlre in eich zu condensiren. Werfen
wir 2. B. eine Handvoll Schnee in Kalkwasser, so sehen wir sofort
an der eintretenden Triibung, wie gross die lllenge Kohlensiiure ist,
welche der Schnee nufgenommen hat ; es ist unlBslicher kohlensnurer
Kalk, welcher sich auf dieee Weise gebildet hat. Dieser Reichthum
an Kohlensiure erkliirt nun aucb nanienllich die fruchtbringende Eigensehaft des Schneewassers. Um bei dem oben erwiihnten Beispiele
etehen ru bleiben, so ist der kohlensaure Kalk, den wir entstehen
eehen, fast iiberall schon fertig gebildel im Boden vorbereitet. Er ist
aber noeh einer ferneren Veriinderung durch freie Kohlensiiure ftihig,
in der Art, dass wenn lcohlensiiurehaltiges Wasser mil kohlensaurem
Kalk in Beriihrung kommt, derselbe sich auflbst, weil sich doppeltoder rweifneh kohlensaurer Kalk bildet. Ein solches kohlensiiurereiches Wasser is1 nun, wie erwiihnt, das Schneewasser; aufgeidst aber
in Wasser kann der Kalk jetzt zu einem Nahrungsmittel f i r die PflanLen werden.
Ein einfaches Experiment macht den ganzen Vorgang leicht anschaulich. Liisst man nlmlich mittelst eines Glasrohres die Luft, welche
wir aueathmen und die, da sie zur Respiration gedient hat, reich an
Kohlensiiure ist, durch Kalkwasser streichen, so entsteht eine Triibung, welche bis zu einem gewissen Puncte zu-, dsnn aber wieder
abnimmt, bis die Fiiissigkeit wieder ihre urspriingliche Hlarheit erlangt
hat. Hier entstand ziierst einfach-kohlensaurcr Halk, der in Wasscr
unltislicb isti die ferner zugefiigte Kohlensaure erzeugte den im Wasaer lbslichen doppelt- kohlenssuren Kalk und mnchte daher die Triibung wieder verschwinden, Erhitrt man die wieder lilnr gewordene
LBsung, SO entweicht das eine Atom freier Kohlenslure und eiufachkohlensaurcr Kalk wird wiederum abgeschieden. Dasselbe geschieht,
wiewohl weil Irngsarner, wean man die klwe LBsuog liingere Zeit
an der Luft stehen liisst. Auf diese,.Weise erkllrt sich die reicbliche
Arch. d. Phnrm. CXXIX. Bds. 3. Hft.
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Vereinszeitztng.
hlenge kohlensauren Kalks, welche Quellen absetren, die aus Iralkbaltigem Boden entsprinten ; auch die Bildung des Kalksinters und
Kalktuffs beruht auf dem8elben Vorgange.
I n andern Fillen kann das kohlensiurehaltige Wasser eine Zersetcung und Abscheidung welthvoller Mineralstoffe nus unldslicben
Verbindungen herbeifiihren. Ein Beispiel hierfiir liefert der Feldspath,
ein Silicat, in seiner einfachsten Zusanimensetritng aus kieselsaurem
Kali und kieselsaurer Thonerde bestehend. Die Kohlensiiure bemiichtigte siclt des Kalis und bildet kohlensaures Kali, jeaes untCr dem
Namen Pottasche bekannte, im Wasser leicht ldsliche Salr. Die freigewurdene Kieselerde ist ober ebenfalls im Wasser, so wie in dem
entstandenen koblensauren Kali l6elich und kann also jetrt ebealalls
von den Pflanzen aufgenommen werden.
In dem Idslichen Kalisalc bat der Boden einen sehr wichtigen
Nahrnngsstoff fiir die Pflanren erhalten ; Beobachtungen lasaen vermuthen, dasr in gewissen Perioden des Wachsthums das Alkali eine
sehr wichtige Function vollrioht. Narnentlich schreibt man demselben
das Reifwerden der Frfichte cu, weil es die freien orgonischen Siuren
neutralisirt ; auch vermuthet man, dass es durch ebendieselbs Wirksrmkeit die Bildung des Stirkmehls in den Kbrnerfriichten bef6rdert
oder vielleicht gar erst moglich macht.
Die ldslich gewordene Kieselerde kommt ebenfalls der Vegetation
zu Cute, vorziiglich den Griisern, wozu j a auch die Cerealien gehbren.
Der Lebensprocess dieser Gewachse erheischt eioe gewifise Menge
dieses Stoffes; es scheint, dass die Kieselerdc bei ihnen vorrugsweisc
rnecbanischen Zweclren dient. Sie hediirfen gewissermaassen eines
Ceriistes, urn sich aufrecht zu erhalten, eines Stoffes, durch den ihrc
allru diinnen und schwanken Halme eine grossere Featigkeit gewinnen. Die Kieselerde entspricht diesem Bediirfniss ; sie ihernimmt bei
den in Rede ateheaden Pflanren dieselbe Rolle, welcbe bei den Wtrbelthieren der phosphorsaure Kalk spielt: sie bildet ihnen eine Art Skelet.
Ihre Ablagerung geschieht vorrugsweise in den peripherischen Organen, also ausser i n dcr Oberhaut der Halme auch in den Rjindern der
Bltitter. Die schneidende Schirle der letrteren, welche man hei unvorsichtigern Ahrupfen gewahr wird, riihrt eben von der Kieselerde
her, die sich an diesem iiussersten Umfange abgelagert hat. Bei den
Bambosaceen kann die Menge der Kieselerde sogar so anwachsen,
dass sie ahgeschieden in kleinen Ballen in den Knotenpuncten der
Schifte anrutreffen ist. Verbrennt man einen Halm von Eguioetun,
so bleibt ein vollstiindiges Skelet der Pflanze zuriick, das fast nur aus
Kieselerde besteht. Auch die bekannte Anwendung des Schachtelhalms rum Poliren des Holres beruht glcichfalls auf seinnm Reichthum
an Kieselerde.
In dem ruerst betracbteten Falle also wirkte die Kohlens6ure
aufldsend, i n dem letrtgenannten dagegen zersetrend j wir kommen
nun zu einein dritten Beispiele, in welchem beide Processe gleichzeitig auftreten. Nimlich der im Wasser aufgeldste kohlensaure Kalk
lrann auf den Feldspath auch i n der Art zersetrend einwirken, dass
ein wechselseitiger Austausch der Bestandtbeile statt findel, in Folge
dessen sich unliislicher kieselsaurer Kalh und ldsliches kohlensaures
Knli bildet. Auch durcb diesen Process ist der Boden also wieder urn
eio ldslicbes Kalisalz reicber gcworden.
Was endlich die kieselsaure Thonerde betrilft, so wird dieselbe
durch den Verwitterungsprocees nicht weiter veriindert. Doch besitren
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Vereinszeitung.
wir in ihr ein sehr werthvolles technisches Illaterial. Sie liefert nimlich im reinen Zustande die sogenannte Porcellanerde, deren Lager
f i r manche Gegenden, z. B. fiir Sachsen, iin eigentlichen Sione zu
Goldgruben geworden sind.
In den oben erwiihnten Fillen wurde die Einwirkung der Kohlensiiure dnrch das Wasser vermittelt. Dnsaelbe finden wir auch bei
der Einwirlcung des Sauersloffs; j a die Erhhrung hat gelehrt, dass
diese Gase im vollkomnien trocknen Zustande eich ganr indilt'erent
verbalten, wiihrend ihre verwandtscbaftlicben Beriehungen erregt nnd
gesteigert werden, sobald Feuchtigkeit hinzutritt.
Uin ein Bedeutendes vermehrt wird der zersetzende Eintlusr,
welcben die Kohlcnsiiure auf pewisse Gesteine an sich iibt, wenn zu
gleicher Zcit ein vermehrter Druck mitwirkt. Irii Innern der Erde
kann der Druck demjenigen von mehreren Atmosphiren gleichkommen; auageiibt wird e r durch doe Waaser, das sich in den Hissen
und Spalten der Gesteine ansammelt. I n dieser Beriehung ist besonders ein Versuch sehr lehrreich gewesen, welchen man anstellte urn
das beriihmte Carlsbader Wasser lriinstlich hervorzubringen.
Das
Wasser kommt aus granitiscbem Gestein uud hat aus ihin mine wirks a m n Bestandtheile aufgenoinmen ; die Auflbsung derselben ist durch
die im Wasrler enthaltene Kohlensgure herbeigefiihrt worden. Man
nahm demnach gepulverten Granit und liess ihn Iiingere Zeit in Beriihrung mit koblensiiurehaltigem Wasser
aher ohne Erfolg. Man
liess nun auf das Wasser gleichreitig einen Druck von drei Atmosphgren einwirken, und siehe da, es qelang soglaich vollkommen.
Der grosse Reichthum an mineralischen Stnffen
niit andern Worten
also, der Beweis einer energiscben Verwitterung
welchen die aur
grosser Tiefe kommenden Quellen oft mit sich Whren, riihrt deninach
nicht nur yon dem kohlensiiurehaltigen n'asser, sondern rugleich nuch
von dem gleichreitig mitwirkenden Druclre her. l i t der Vermehrung
des letrteren findet zugleich eine Erhiihung der Temperatur statt, was
gleichfalls von grossem Eintlusse ist. Schon an sich wird durcb erhdhte Temperatur unter Stossen die bei gewBhnlicher Temperntur
aehr wenig auf einander einwirlren, ein wecheelseiliger Austausch
ihrer Bestaodtheile hervorgebracht.
Kocht man eine Lbsung von
kohlenaaurem Natron Nit schwefelsourem Kalk, SG bildet sich Idsliches schwefelsaures Natron nebst kohlensaurem Kalk, der, wie schon
erwiihnt, durch kohlenstlurehaltiger Wasser aufgeldst wird. Wie sich
aber i m lnnern der Erde die Temperatur steigern kann, davon liefern
die heissen Quellen, so wie die im geschmolzenen Zustande befindlicben Lavamassen binlangliche Beweise.
Wir wenden uns weiter zuin Sauerstoff. Auch hier w i r e er
leicht, eine Reihe von Beispielen anrufiihren, wo derselbe eine Verwitterung veranlasst.
Doch beruben diese F611e alle mehr oder
weniger auf demselben Principe, niimlich dass der SauerstoC mit an
sich unldslicben Substanzen Verbindungen eingeht, welche in Wasser
ldslich sind; aufldsend an sich, wie die Koblensiure, vermag er nicbt
einruwirken. Em oinriges Beispiel mag daher geniigen. Ein sebr
verbreitetes Mineral, das in den ilteren wie in den jiingeren Gebirgslagern auftritt, ist der Schwefelkies, d. h. Eisen, verbunden mit
Scbwefel. E r tritt oft nur in so kleinen Partikelchen auf, dass er
wie eingesprengte schwarze Piinctchen erscheint. ,Durch den Saueritoff der Luft wird das Eisen nun zu Eisenoxydul, der Schwefel LU
Schwefelstiure oxydirt; es eotsteht schwefelsaures Eisenoxydul, das
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VereCcszeitung.
vom Wasser leicht auegezogen und fortgefiihrt wird. Fiir die Vegetation ist durch die Entstekung dieses Salzes freilicb noch wenig
gewonnen. Wohl aber sind dem Wasser Wege gebffnet, auf welchen
es weiter vordringen kann ; werthvolle Bestandtheile sind dem Einflusre der Kohlenstlure blossgelegt, mil einem Worte, dem Verwitterungeprocesse ist ein Heerd bereitet, von wo aus er sich weiter verbreiten kann.
E s ist nun noch ilbrig, die ThPtigkeit des Wassers filr die Verwitterung kennen zu lernen. Ausaer der directen Vermittelung, die
es, wie wir aus dem Vorigen gesehen haben, der Wirkung der Kohlensiure und des Sauerstolfs erweist, hat es auch noch eine ihm eigenthiimlicbe Wirhsamheit. Dieselbe ist von aolcher Bedeutung, dass wir
danach allein schon das Wasser ale das eigentliche Factotum der Verwitterung bezeichnen diirfen. Ein wichtiger, wenn auch bis jetzt
noch wenig aufgekliirter Punct dabei ist noch der, dass das Wasser
als feuchter Leiter fur die elektriachen StrBmungen dient, welcbe im
lnnern der Erde durch die Beruhrung heterugener Substanzen entstehen; ein elektrischer Strom, selbst wenn er nur schwach ist, vermag nichts desto weniger ein feuchtes Feldspathyulver in seine Bestandtheile, Kieselerde, Thonerde und Hali, welches rufgeldst bleibt,
zu zersetzen. Dies ist Alles, was wir bis jetzt iiber diesen so interessanlen Gegenstand wissen ; doch werden weitere Versuche und
damit auch weitere Entdeckungen ohne Zweifel nicht ausbleiben.
Grundlos dagegen ~ c h e i n tdie Annnhme, dass auch von den Wurreln der PBanzen wisserige Fliissiglieiten ausgesondert werden, welche
sauer reagiren und insbesondere cur Zersetzung der kohlensauren
Salze des Bodens dienen diirften, also gewissermaassen als wenn die
Pflanren fiir ihren eigeuen Unterhalt Sorge tragen. Rach B e c q u e r e l
sol1 die secernirte Slure Essigslure sein, was aber durch M a c a i r e ' s
Versuche nicht bestiitigt ist.
Wenn auch bei gehrenden und verwesenden Pflantenstoffen die
Essigsiiure als Zersetzungsproduct hlufig genug auftritt, so bat man
sie doch bis jetzt noch nicht in gesunden lebenden Pflanzen angetroffen, und miissen wir diese Annahmen bis auf Weiteres in das Reich
der Hypothesen verweisen.
Ueber das chemische Verhalten des Wassers bei der Verwitterung hier einigermaassen erschdpfend EU handeln, wiirde uns weit
iiber die gestatteten Grenzen fiihren. Wir hegniigen uns our Eins
hervorzuheben. Verschiedene Salze, welcbe hilufig bei der Verwitterung entstehen, wiirden sich nicbt bilden, wenn nicht eine bestimmte
Menge Wasser, dessen sie zu ihrer Constitution bediirfen, vorhanden
wBre; aobald ihnen dieser nolhwendige Bestandtheil durch kiinstliche
nlittel entzogen wird, oder durch lgngeres Liegen an der Luft verloren
geht, zerfallen aie.
Wir wollen noch einigc Worte iiber die mechaniache Wirksamkeit des Wareers hintufiigen. ZuvBrderst begegnen wir einer so einfachen als bewnndernswiirdigen Einrichtung, welche sich kurz genug
beschreiben, aber in ihren Folgen nicht so leicht iibersehen 18sst. Das
Wasser zeigt nimlich darin ein sehr merhwiirdiges Verbalten, dass es
aich bei fortgesetztem Verlust an WPrme nicht continuirlicb bis zu
seiner Verwandlung in Eis rusammenziehl, sondern von einem gewissen Puncte an, der ungeffahr bei
40 C. liegt, dehnt es sich wieder
Bas. Es sei also beispielsweise das Wasser eines Fluases bis auf
4" in seiner ganzen Masse abgekiihlt, und ee erleide einen ferneren
+
+
Vereinsreitung.
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Verlust an Wiirme, so sind es runiichst die oberen Schichtrn, welche
Wiirme abgeben. Die oberen Scbichten bleiben aber, weil von da
an Ansdebnung eintritt, an d e r OberRlche. Sie sind jetet leichter
geworden nnd schwimmen derhalb gleichsam ruf den unteren dichteren Schichten. Bei Oo endlich tritt die Erstarrung des Wassers ein
und wir haben nun in dem kalten Eise eine Decke vor uns, welche
unter sich ein reges munteres Leben birgt; dabei ist das Eis rudem
noch ein schlechter Wiirmeleiter und hann erst allmiilig sich verdicken.
Obne diese sinnreiche und einfache Einrichtung wiirden unsere Seen
und Teiche im Winter bis auf den Grund ausfrieren and das Wasser
kdnnte kein Medium filr organisches Leben abgeben.
Die Hausfrauen mlgen murren, wenn ihnen im Winter iiber Nacht
an den Regenfiissern ein Band nach dem andern rerreisst; der Schaden, den sie dadurch erleiden, ist ausserordentlich klein gegen den
Vortheil, der damit iibrigens cusammenhaingt. Und da iet es wiederum
der Verwitterungsprocsss, der durch das Ausdehnungsbestreben des
Wassers beini Uebergange in den starren Zustand wesentlich gefbrdert wird. Die Gesteine kbnnen der rertriimmernden \Virkung des
Eises eben so wenig widerstehen, als dies jene Kanooe vermochte,
deren Schlund in die Erde gegrabeu war und die durch das darin
gefrierende Wasser gesprengt wurde.
In den Gebirgen nun, wie in der Ackerkrume, sprengt und xerkleinert das Wasser beim Gefrieren gene auf dieselbe Weise die
grossen Blacke, wie die kleinsten Kriimchen. Dort sind es die Axtschlaige, welche das roheMaterial fallen, hier ist es ein feines Instrument, welches unhlrbar, aber nicht minder unwiderstehlich arbeitet.
Kein Gesteio ist so dicht, dass das Wasser nicht einrudringen
vermbchte. Hier ist es der Tropfen, welcher in eine Spalte einschliipft,
und andere folgen nach, die denselben Weg ziehen; ein andermal ist
es der Wasserdampf, fiir welchen selbst das festeste Gestein weich
wie ein Schwamm ist. Zur Herbstzeit fiillen sicb die Spalten, Risse
und F'oren der Gesteine mil Wasser; kommt der Winter, so Bind die
verborgenen Minen gelegt und die Sprengarbeit beginnt. Stellen wir
uns den Vorgang vor Augen! Das sprengende Eis hat hereits einen
Stein blank aus seinem tausendjiihrigen Verhande geldst. Noch liegt
er auf seiner alten Stelle, als wollte er seinen alten Plate behaupten.
Jetzt aber springen durch ein pldtrlich eingetretenes Thauwetter wilde
Wassergiisse auf ibn herab und unterwiihlen den Boden, auf dem e r
liegt. Der erste Angriff wird gliicklich iiberstanden; aber neue folgen und immer neue, und siehe da, der Stein faingt an zu wanken,
seine Ruhereit is1 voriiher, er wird geweltsam hineingeachleppt in die
Werhstatt eines ruhrigen, thiltigen Lebens. Von dem Wasser von
einer Stelle cur andern gefiihrt, bald in wallende, bald in citternde
Bewegung gesetct, wird seine Marse kleiner und kleiner; grosse und
kleine Triimmern beceichnen seinen Weg, den er genommen; jedes
derselben wird wieder rum Spielball fiir die neckischen Fluthen. So
stellen sich uns in den sogenannten Wasserrissen an den Gebirgewanden wahre Pochwerke dar, in denen das grassere Gestein in immer
kleioere und kleinere Stiicke, in Brocken, Gries, Hriimchen zermrlmt
wird. J e weiter aber die mechanische Zerkleinerung gediehen ist,
om so erfolgreicher wird auch die Einwirkung der chemiscben Kriifte,
welche ihrer Narur nach an den Atomen haften, und mithin nicht in
die Ferne reicben, sondern ikre Thhtigkeit nur bei unmittelbarer Beriihrung aussern k6nnen.
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Vereinszeitung
Dies ist in wenig Ziigen eine Darstellung dee Verwitterungrprocesses, iiber dessea Wichtigkeit fiir die lebende Natur hiernach
v p h l Niemaad in Zweifel eein wird. Die Natur ist ein so kiinstlichei,
SO wunderbares Gefiige, dass auch nicht die kleinste, die unscheinbarate Feder daraus entbehrt werden kann, ohne sofort den Zusammensturr der ganren Weltgeblludes herbeirufiihren. Die Sonne am
Himmel, die den Cesch6pfen Licht und Wiirme giebt, iet der ganren
belebten Schepfung nicht unentbehrlicher, ale dieser leis wirkende,
gerlluschlose Verwitterungeprocesa. Denken wir uns iho hinwcg aus
dem Haushalt der Natur und derselbe wiirde ebenfalls ins Stocken
gerathen, mit derselhen Schnelligkeit und eben so uowiederherstellbar, ale wenn die Sonne vom Himinel gefallen wllre.
Es miisete ein hartes Herr oder ein bldder Verstand sein, der
von dieser Erhabenheit in der Natur in der Gr6sse SOWOhl, wie in
der acheinbaren Kleinheit ihrer Mittel nicht ergriffen wtirde, und darin
nicht sittliche Anregung finde fiir unaer eigenes persdnlichee Thun.
(Deutscbes Museum. No. 21. 1854.
H. Wickc.)
G.
7) Neue Lederbereitung.
Das Archiv der Pharmrcie enthilt in Bd. 128. S. 117 BUS englischen Bliittern einen Aufsatr iiber eine neue Lederbereitung, welchem der Unterzeichnete, ale init dem Gang der fraglichen Erfindung
genau bekannt, im Interesse der Wahrheit und des deutschen Namens
einige Berichtigungen beirufiigen sich erlaubt.
Die fragliche Erfindung, ein in vielfaclier Deziehung ausgereichnetes Leder, dessen Vorziige im Einrelnen in dem genannten Artikel
ganr richtig angegeben sind, ohne Lohsiiure mittelst edlerer vegetabiliscber und animalischer Stoffe und in weit hiirzerer Zeit, ale seither geschah, fertig zu machen, ist, wie nus vollgfiltigen Documenteii
erwieaen werden lrann, nicht i n England, sondern in Deutschland
gemacht wordea, und der Erfinder ist sicht Herr C. A. P r e l l e r in
London, eondern Herr T h e o d o r K l e m m , friiher in Stuttgart, jetzt
in Pfullingen, KiSnigr. Wiirtemberg. Herr K I e m m , welcher fiir sein
neues Gerbverfahren schon im Jahre 1849 ein Patent in Wiirtemberg
erbielt und bei der Industrie-Ausslellung in London mit Herrn P r e l 1 e r bekannt wurde, theilte diesem gegen ein entsprechendes Honorar
seine Erfindunq init, richtele ibm sodann, nachdem auch ein englisches
Patent erlangt worden, die Factorei in Landsreet (Southwark) ein, und
hat seit einem Jahre in Pfullingen ein eigenes Etablisseinent gegriindet,
in welchem nach noch weiter gemachten Verbesserungen hauptslchlich schwere Zeughiiute gegerbt werden. Die von diesem Leder ,pafertigten Treibriemen erfreuen sich bereits in verschiedeneo Fabriken
Wiirtembergs und der Nachbarstaaten eines ausgereichneten Beifab,
und Proben eowohl yon ganren Hauten, als von Treibriemea, siod
auf der Iudus(rie-Ausstellung in liinchen ausgestellt.
Hiernach diirfte es nicht niSthig sein, die Uebersiedelung der
Pre~lec’schen Leders auf deutschen Markt erst abruwarten, oder von
Herrn P r e l l e r eia futent, r u dessen Verkauf auseerbalb der grossbritannischen Besitzungen er nach dem rnit HI e m m geschloseenen
Vertrage nicht einmal berechtigt ist, anrukaufen, sondern es kann
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