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Zur Toxikologie. Gutachtlicher Bericht Uber die chemische Untersuchung der Leichenreste des zu Frose verstorbenen Ackersmann Gottlieb Krummhaar

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302
Bley,
des vorhandenen Eisenoxyds, beziehentlich des abgeschiedenenschwefels, sehr gering ist, so thut man besser, den
letzteren mit dem Filter durch Digestion mit Salpeterd u r e in Schwefelsaure zu verwandeln, diese durch ein
Rarytsalz zu fallen und den Sauerstoff aus dem schwefelsauren Baryt zu berechnen..
Zur Toxikologie.
CutrehfticLar Berieht ibcr die chemisehe Umbrsuehng
der LcicbeuCst+ des R Rast versterbenem Ackersmmm bttlieb Krmmmhaar;
von
Dr. L. F. B I e y.
Der Ackermann G o t t l i e b Krummhaar, ein schwiichlicher Mann, der schon lrrngjahrig an Brustbeschwerden
gelitten, bath in den nasekalten Wintertagen des Monata
Mgrz aus einem Forst am Harze eine Fuhre Holz geholt
und erkrankte nach dem Genusse eines aus Kartoffeln,
Kohl und andern Gemusen in heisser Asche (einer sog.
Grude) bereiteten Speise nebst seinen Tischgenossen, wurde
von Brechen und Laxiren befallen. Der hinzugerufene
Arzt glaubte die Zeichen einer Arsenikvcrgiftung vor sich
zu haben und behandelte sammtliche Kranke mit Eisenoxydhydrat; die jiingeren kriiftigen Familienglieder wurden
wiederhergestellt, der Vater aber, der eben gedachte Oottl i e b K r u m m h a a r , ein Mann von einigen und 50 Jahren, starb nach fiinf Tagen. Von dem zu Hulfe genifenen
Arzte war von den Speiseresten etwas einem nahe wohnenden Apotheker zur chemischen Priifung ubergeben,
welcher darin Spuren von Arsenik gefunden zu haben
vorgab. Demselben wurde auch die chemische Untermchung der Eingeweide, namentlich des Magens des verstorbenen Mannes, iibertragen, in diesen Organea aber
kein Gift gefunden. Behufa eines Obergutachtens kamen
die ergangenen Acten an die Regierungsbehorde. Auf
zur Toxihlogie.
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Veranlassung der Staatsanwaltachaft wurde eine zweite
chemische Unterenchung angeordnet und dieselbe mir
ubertragen.
Zu bemerken iet noch, dam nach Angabe der Hausgenossen aur Vergiftung vermuthlich ein Rest sogenannter Wirrmaalbe angewendet sdn konne, welcher in einem
Ychranke verwahrt gewesen, in welcher auf 1 Ume Fett
1 Drachme Arsenik geweaen sein 0011. Dieae Angabe
ist aber durch die gerichtliche Untereuchung keineewege
festgestellt worden.
Der Obductionabericht dee Phyeicns aprach eich mehr
a m fiir den durch Brustkrankheit, namentlich Lungentuberkeln, und durch groase Anstrengung erfolgte Entkrliftung herbeigefilhrten Tod dea Mannes, als f~ eine
t6didtliche Vergiftung.
Leider war von dem erbrochenen Mageninhake aller
Erkrankten nichta gesammelt, also auch nichte zur Unterauchnng gekommen, da echon vor der Anknnft dee Qa
richteamtea durch Waaohen und Scheuern die Stub gereinigt und alle Excremente und Secrete beeeitigt worden
waren.
Wenn nun auch dieuntersuchung nur ein negatives
Rasiiltat gegeben hat, 80 halte ich die Mittheilung doch
im Interesse der Giftlehre, namentlich auch in Beziehung
auf die Wirksrrmkeit des Eisenoxydhydrate, fiir nicht unzwcckmiissig.
Von der zustiindigen Gerichtsbehorde wurden mir
zur Priifung ubergeben :
1) die Leber, bezeichnet mit A;
2) die Nieren, bezeichnet mit B;
3) cin Stiick Darm,bezeichnet rnit C;
4) die Urinblaee, 80 weit sie noch vorhanden, bezeichnet mit D ;
welche in drei Steinkruken und einem aogen. Zuckeroder Einmacheglaae verwahrt, mit Leinewand und darunter mit Thierblase verbunden und mit dem Siege1 des
Kreisgerichte und Kreiaphysiab versiegelt waren, mit
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Bley,
dem Aufirage, dieselben einer sorgfaltigen chemischen
Untersuchung nach den Qrundsiitzen der Wissenschsft zu
unte'rwerfen in Gegenwart des Kreisphysicus Medicinalraths Dr. Z i e g 1e r. Nach gewonnener Ueberzeugung,
daas die Siege1 sammtlich unverletzt waren, wurden die
Gefiisse in eine mitgebrachte, gut verachliessbare Kiste
verpackt und nach meinem Wohnorte transportirt.
Am 19. September Morgene wurde die Untersuchung
im Beisein des gedschten Medicinalratha Dr. Z i e g 1e r,
Kreisphysicus aus Ballenstedt, vorgenommen. Bei Beaichtigung der die Leichenreste enthaltenden Gefasae A, B,
C, D ergab sich, dass dieselben vollkommen unverlefzt,
noch mit dem Dienstaiegel des Herzogl. Kreisgerichts und
Amtsphysicats in Ballenstedt verechlossen waren. Nach
Eroffnung der Gefiisse und Herausnahne des Inhalts wurde
zuvorderst die griinlich-schwarz gefarbte Substanz der.
Leber und Nieren, welche aufgetrieben und schwammig
anzusehen waren und einen penetrant widrig fauligen
amrnoniakalischen Qeruch verbreitete, in Arbeit genommen.
Die chemische Untersuchung wurde in meinem dazu
in gehorigen Stand gesetzten Laboratorium vorgenommen,
so dass keine Verunreinigung noch Storung statt finden
konnte. Das Durchstrgmen mit Schwefelwasserstoff und
das Auslaugen, Filtriren, Auswaschen geschah in einem
unter Verschluss gehdtenen kleinen Zimmer meines Hintergebaudes, das von mir selbst in steter Aufsicht gehalten wurde.
V e r s u ch I. -Die Leber- und Nierensubstanz
wurde auf einem rcinen Brette mittelst eines blank geputzten Messers zerschnitten und in eine reine Porcellanschale
gebracht, welche in dem Dampf-Apparate des Laboratoriums sich befand, die Masse mit reinem destillirtem
Wasser, dem eine genugende Menge chemisch reiner Salpeterasure zugesetzt worden war, ubergossen, mit Deckel
versehen und bis zum Siedeq erhitzt. Hierauf wurde etwaa
chemisch reines chlorsaures Kali beigefugt und unter ofterem Umriihren mittelst eines Glasstabes 11/, Stunde eine
ZUT
Toxihlogie.
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+
Temperatur von
760 R. erhalten, dann etwas schweflige
S h r e hinzugefigt, nach l i g e r e m Einwirken der Ueberechnss derselben durch wiederholtea Erwiirmen entfernt
und dae Ganze auf ein F'iltrum von chemisch reinem schwedischem Filtrirpapier*) gegeben, die auf dem Filter bleibenden Gewebe aber weret mit salzsilurehaltigem, dam
reinem destillirtem Waeser eorgfhltig nachgewaschen.
Durch die erhaltene Fliissigkeit wurde ein lebhafter Strom von Schwefelwasserstoffgaa, welches aus
Schwefeleisen mittelst chemisch reiner Schwefelsaure und
Wasser entwickelt wurde, geleitet, und zwar wiihrend
15 Stunden, dann eine Zeitlang erwarmt zur Entfernung
uberschussigen Hydrothiongases, darauf in wohlverschlossenen Flaschen zum Absetzen bei Seite gestellt. I)s daeeelbe nach mehreren Tagen noch wenig vorgeschritten
war, wurde die Flussigkeit nochmale erhitzt, worauf das
Sedimentiren besser vor sich ging. Der Absatz wurde
sodann auf einem Filter von schwedischem Papier gesammelt, wohl ausgewaschen und mit kaustischem Amrnoniak
behandelt, die Fliieeigkeit vom riickstiindigen Schwefel
abfiltrirt, der Schwefelrtickstand mit ammoniakhaltigem
Wasser sorgfaltig ausgewaechen und die ammoaiakalisohe
Losung im Wssserbade auf dm Behutsamste abgedunatet.
Der Ruckstand wurde nun zur Losung mit etwas S a h
d u r e behandelt, wenig chlorsaurer,Kali zugesetzt, Lis zur
Entfernung des Chlors nochnids im Dampfbade crwlrmt
und sodann die Lzieung, welche das Amen enthalten musste,
wofern iiberhaupt welches vorhanden war, in den Apparat
*) Es ist von der allergtiissten Wichtigkeit, sich bei dcrghichen
chemischen Untereuchungen einee metallfreien, vollig reinen
Filtrirpapiera eu bedienen, da namentlich nach den Untersuchungen des Dr. Vo h l in Bonn Filtrirpepier iin I-Iandel vorkommf welches in 1 Bogen 1 Gran arsenigcr 'Sliure, 5/6 Gran
Kupferoxyd, 1114 Gran Bleioxpd enthielt. (L. B1 cv, Archiv
der Pharmacie, Bd.132. Heft2, 5. 132), weil sonst gar leicht
durch Anwendung solchen Papiers Gift in die zu unterduchende
Subshnz gebracht werden kann, die anfangs gar nicht darin
gewesen.
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Bley,
von M a r s h gebracht, in welchem aus chemisch reinem Zink
und chem. reiner Schwefelsaure W asserstoffgae schon einige
Zeit entwickelt worden war, auch wurden zur quantitativen
Bestimmung zuvor gewogene Arsenikreductionsrohren angemendet. Obschon man die Einwirkung des Wasserstoffgases 1*/*-2 Stunden dauern liess, so konntc doch an
der gliihenden Reductionsrohre nichts weiter als ein geringer Anflug yon einer Spur Schwefel, aus der Hydrothionsiiure stammend, welche sich beim Zusammenkommen
von Schwefel und Wasserstoffgas bilden musste, wahrgenommen werden. Als man diesen Anflug mit Ammoniak
auszog und mit Wsaser verdiinnte, ein wenig Salpetersaure zusetzte und Schwefelwasserstoff hinzubrachte, bildete sich keine gelbe Fiirbung, noch Niederschlag, salpetersaures Silberoxyd gab keine gelbe Farbung, geschweige
Priicipitat, so daes bieraus auf das Evidenteste die Abwesenheit des Arsens dargethan ist.
V e r s u c h II. - Die aweite Portion der Eingeweide,
beetehend aus Darm und Urinblase, wurde ebenso behandelt, nur mit dem Unteracbiede, dass die Procedur in
einem Glaskolben mit Helm und Kiihlrohr von Glas versehen vorgenommen ward, um niit Riicksicht auf die Vorschriften von S c h n e i d e r und F y f e kein Amen als
Chlorarsen zu verlieren, obwohl ich durch sorgfiiltige, bei
einer andern (felegenheit angestellte Versuche mich iiberzeugt hatte, dass nur dann ein Verlust von Chlorarsen
eintritt, wenn die Erhitzung sehr stark und anhaltend
erhalten wird.
Mit dem so gewonnenen Auszuge wurde genau ebenso
verfahren, a18 im Versuche I. und genau daeselbe Resultat
erhalten, d. h. im Marsh’schen Apparate wurde keino Spur
cines Anflugs von mctallischem Amen erhalten. Auch
das erhaltene Destillat war bei Anwendung aller gebrauchlichen Reagentien sls vollkommen frei von Arsen erkannt.
V e r s u ch 111. - Als cine Portion der Leichenreste mit
verdiinnter Salpeterskure behsndelt und das Filtrat vorsichtig,
zur
Tm'hlogie.
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nicht vollig mit Ammoniak gesisttigt worden, erzeugten
weder schwefelsaures Natron, noch salzsaures Natron
einen weissen Niederschlag. Hydrothionsiiure gab keinen
schwarzen oder braunen Niederschlag, so dass hierdurch
die Abwesenheit des Bleies erkannt wurde.
Cyaneisenkalium gab keine rothlich-braune Flirbung,
noch Niederschlag, Uebehtittigung von Ammoniak keine
blaue Farbung, wodurch auch die Alwesenheit eines gelosten Kupfereahes bewiesen wurde.
V e r s u c h IV.
Die sorgfdtig von Saure befreiten
Ueberbleibsel der Nieren, der Leber, des Darms und der
Blue wurden, urn keine Spur etwa vorhandenen Giftes
zu verlieren, in einem neuen reinen Schmelztiegel, der
zum Gliihen erhitzt worden war, eingetragen, in welchen
man zuvor einige Unzen chemisch - reines salpetersaures
Kali hatte verpuffen lassen und daa Feuer so lange unterhalten, bis alle organiache Masse verkohlt worden war.
Die organische Kohle wurde in zwei Theile getheilt,
der eine derselben mit Waseer unter Zusatz von reiner
Salzsaure susgelaugt, bis fast zur Trockne verdampft
und die Mutterlauge mit Schwefelwasserstoff behandelt.
Es entatand kein Niederschlag.
Der zweite Theil wurde mit Salpetersaure behandelt
und dasselbe Resultat erhalten.
Nach Erhitzung der FlUssigkeit zur Entfernung des
Schwefelwasserstoffswurde die sammtliche salzsaure Fliissigkeit noch in den Mnrsh'achen Apparat gebracht, nachdem sie zuvor abgedunstet und der Riickstand in wenig
destillirtem Wasser aufgenommen worden war.
Dm Resultat war ein rein negatives riicksichtlich
des Arsens. Auch keine Spur wurde auf diese Weise
erhalten.
Versuch V. - Ale man die ealpetersaure oder auch
die salzsaure Losung etwas concentrirte, die freie SKure
moglichst abdunstete und don Ruckatand mit kaustischem
Amrnoniak behandelte, erhielt man eine bliuliche Farbung,
-
Arch. d. Pharm. CXXXX.Bds.3.Hft.
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308
Bh7
welche vielleicht auf einen geringen Kupfergehalt hindeuten
konnte. Indess wiirde man sehr irren, wenn mandaraus einen
Schluss auf eine Vergiftung mit Kupfer machen wollte, weil,
wenn eine aolche vorhanden gewesen; sich in dem ersten
salzsauren Auszuge der Eingeweide davon Spuren gefunden
haben mussten. Es ist aber aus der Untersuchung des
verstorbenen Geh. Hofrathes und Prof. der Chemie und
Pharmacie in Jena Dr. H. W a c k e n r o d e r : ,,Ueber daa
Vorhandensein kleiner Mengen von Kupfer im menschlichen KiirperU bekannt, dass im menschlichen Korper,
namentlich auch im Blute, geringe Mengen von Kupfer
und Blei enthalten sein konnen, ohne dam daraus ein
Schluss auf eine statt gehabte Vergiftung gemacht werden diirfe.
Soh 1u a s f o 1g e r u n g.
Aus dem vorntehend beschriebenen ohemischen Procesme, wie ich strengster Wahrheit gemhe versichern darf,
mit groseter Vorsicht und unter Ruckeicht aller mir beLand gewordenen neuen wissenschaftlichen Erfahrungen
vorgenommen wurde, geht mit der unumstasslichen Gewissheit hervor:
1) Dass die mir zur Untersuchung iibergebenen Leichenreste des Q o t t l i e b K r u m m h a a r aua Frose, namentlich dessen Leber, Nieren, ein Stiick Darm und Urinblase,
keine Spur weder von Arsenik, noch Blei, Z i n k oder
sonst ekes unorganischen Giftes enthalten haben.
2) Dass der no& fragliche, geringa Kupfergehalt
nicht yon einer mit Kupfersalzen statt gehabten Vergiftung herzuleiten sein diirfte.
3) Dass, wenn j a cine Vergiftung mit Arsenik statt
gefunden habe, wie sie die Angabc des als Chemiker
requirirten Herrn N. N. uber die Pfifung der Suppe nachweist, dieser Arsengehalt in dem Magen und den Eingeweiden der die Suppe genossen hbenden Penronen
durch die Anwendung des Eisenoxydbydrats, als Qegenmittel an dieees gebunden, dadurch die fernere Wirkung
zuv
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Toxikologie.
des Arsens aufgehoben und diese Masse durch Erbrechen,
Abftihrung, Schweiss und Urin entfernt ist, wie denn die
Angabe des Wundarztes R i i h l i n g dafiir spricht, dass
das Erbrechen sehr heftig gewesen, wie er sagt, dass
davon die gauze Stube iiberschwemmt gewesen sei. Da
aber auch der v-hene
Glottlieb K r u m m h a a r noch
fiinf Tage nach angeblich geschehener Vergiftung gelebt
hat, so ist wohl anzunehmen, dass auch bei ihm der etwa
genossene Uiftgehalt d g e d n c b t e Weiae entfernt worden ist.
4) Von organischen GZkn ist keine Andeutung noch
Rede gewesen, solche wiirden sich auch wegen der statt
gefundenen lebhaften Reaction der kranken Korper, ala
der Ausscheidungen auf verschiedenen Wegen, durch
Schweiee, Urin, Erbrechen und Excremente, und bei der
weit vorgeachrittenen Flkilniss der Leichenreste urn 80
beniger,haben aufhden lassen, veil mir nur die sogenannten zweiten Wege behufs der Priifung zu Gebote
gestanden haben.
Dieaes Guttachten ist von mir ohne alle Nebenriickaicht gewissenhaft au€@ateUt worden.
Bernburg, den 4. October 1855.
Dr. L. F. B l e y .
Far die der Vergiftung angeklagte Person erfolgte
natiirlich ein freisprechendm Urthell, zumal noch Urtinde
vorlagen, welche es als unwahmcheinlich erscheinen liessen, dass das vermutheM Verbrechen der Vergiftuw
etatt gehabt.
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