close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Die approximative Schnellbestimmung des Barbitalgehaltes im Harn und in Arzneimitteln.

код для вставкиСкачать
Wissenschaftlicher Teil.
671. H. Oettel:
Die approximative Schnellbestimmung des Barbitalgehaltes')
im H a r n und in Arzneimitteln.
(Aus dem Pharmakologischen Institut der Universitat Berlin.)
Eingegangen am 7. Juni 1935.
Der exakte quantitative Nachweis k 1 e i n e r M e n g e n v o n
B a r b i t u r s a u r e d e r i v a t e n im 'Harn ist recht schwierig und
exakt nicht ohne Perforations-, Elektrosublimations- und Mikroschrnelzpunktapparat ausfiihrbar. Bei Vergiftungsfiillien ist aber die
moglichst schnelle Klarung der Frage, ob iiberhaupt ein Barbitursaurederivat im H a m vorhanden ist, meist wesentlicher als die Frage
nach der absoluten Menge und der A r t der substituierten Barbitursaure. Andercrseits geniigt bei der Haufigkeit der Einnahme von
Schlafmitteln aus therapeutischen Griinden und bei der Verbreitung
cler Barbitursaurederivate in Antineuralgicis und ,,Nervenberuhigungsmitteln" der n u r q u a 1i t a t i v e Nachweis einer Barbitursaure im
Harn keineswegs zur Diagnose einer B a r b i t a 1v e r g i f t u n g. Da
einige Barbitale aul3erordentlich lange im Korper zuriickgehalten und
noch Tage und Wochen nach der letzten Einnahme ausgeschieden
werden, sind bei einer nur qualitativen Bestimmung Fehldiagnosen
Ieicht moglich.
Eine a p p r o x i m a t i v e B e s t i m m u n g s m e t h o d e der Barbitale im Harn, die Ieicht im Laboratorium jeder
Apotheke und jedes Krankenhauses ausgefiihrt werden kann, ist aber
bisher nicht bekannt.
Durch die Untersuchungen von Z w i k k e r ') wissen wir, da8 die
Barbitale mit Kobaltsalzen leuchtend gefarbte Komplexverbindungen
bilden und durch diese Reaktion in Tabletten und Pulvern erkannt
werden konnen. B o d e n d o r f 3 ) anderte die von Z w i k k e r beschriebene Methode etwas und benutzte sie zum Nachweis von
Barbitalen im H a m bei Vergiftungsfallen. Die von B o d e n d o r f
angegebene Vereinfachung der Methode ist zwar bei grofieren Mengen
von reiinen Substanzen (laut Angabe in der Arbeit 1 bis 5 mg) durchaus brauchbar, also z. B. fur den Nachweis in Tabletten. Der Nach1) Der Ausdruck ,,B a r b i t a 1 e" wird als abgekurzte Bezeichnung fur
s u b s t i t u i e r t e I3 a r b i t u r s a u r e n (Dialkylbarbitursauren) gebraucht,
da er in Deutschland nicht fur e i n ,b e s t i m m t e s Barbitursaurederivat geschiitzt ist.
2)
3)
Pharmac. Weekbl. 68, 975; 69, 1178 (1931).
Arch. Pharmaz. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges. 270, 290 (1932).
Archiv und Berichtc 1936
1
2
H. O e t t e l
weis von Barbitalen irn Harn gelingt aber nach der B o d e n d o r f schcn Abanderung nur bei sehr groi3en Mengen und auch da nur
zweifelhaft, worauf kurzlich schon M o h r s c h u 1z 4, hingewiesen
hat. Dieser fuhrte daher die Zwikkersche Reaktion so aus, da8
das Schlafmittel zunachst a n Kohle adsorbiert und von der zentrifugierten Kohle rnit Alkohol und Chloroform wieder cntfernt wird.
In dem mit Alkohol versetzten Filtrat wird dann mit der Kobaltmethode der qualitative Nachweis von Barbitursaure erbracht.
Die Hauptschwierigkeit bei der 2 w i k k e r schen Probe liegt
darin, dal3 die Kobaltreaktion nur positiv ausfallt bei absolut wasserfreien, reinen Barbitallosungen und bei cinem ganz bestimmten Verhaltnis von Barbital, Kobalt und Base. Beim Ausfuhren einer einzigen Probe schliefit also der negative Ausfall Barbital noch nicht mit
Sicherheit aus.
Von der Tatsache ausgehend, d a8 die Keaktion nur bei bestimmten Mengenverhdtnissen positiv ausfallt, bauten K o p p a n y i .
M u r p h y und K r o p 5, die Kobaltreaktion zu einer quantitativen Bestimmungsmethode aus. Nach der Arbeitsvorschrift von K o p p a n y i
(Aussohiittlung des mit Kupfersulfat geklarten, filtrierten Harns mit
der zehnfachen Menge Chloroform, Einengen auf dem Wasserbade
und Wiederaufnahme in einigen Kubikzentimetern Chloroforn) erhalt
man aber trotz der vorgeschriebenen Klarung immer gcfarbtc
Chloroformausziige, in denen das Zustandekommen der Reaktion gehemmt, bzw. die kolorimetrische Beurteilung der Farbe unmoglicli
wird.
Wie wir durch wiederholte Versuche feststellen konnten, lafit
sich diese Fehlerquelle leicht vermeiden, wenn die Klarung und mehrmalige Ausschiittlung mit groDen Chloroformmengen unterbleibt. Bei
kraftigem Schiitteln mit einem geringen Chloroformiiberschun gehen
die Barbitale fast quantitativ ohne Mitnahme einer storenden Menge
von Verunreinigungen bereits in das erste Chloroformextrakt.
Wiederholtes Ausschutteln schadet also mehr als es nutzt, zumal sicli
dabei meist Emulsionen bilden.
Unter Verwendung der durch K o p p a n y i e, ausgebautcn
Z w i k k e r - Reaktion, mit der bei Benutzung von Lithiumhydroxyd
noch kleinste Mengen von Barbitalen nachweisbar sind (20 y im ccm),
fiihren wir die approximative Schnellbestiinmung von Barbitalen im
Harn in folgender Weise aus:
M e t h o d c : 10 ccm 'Harn werden mit einigen Tropfen "/io-Salzsaure angesauert und in einem kleinen Scheidetrichter rnit 20 ccm
Chloroform 15 Sekunden lang kriiftig geschiittelt. Nach Trenriung
der Schichten wird das Chloroform durch ein mit Chloroform benetztes Hartfilter filtriert und je 2 ccm der vollig klaren, fast farblosen Chloroformlosung in drei Reagenzglaser A, B. und C gegeben.
4)
5)
0)
(1933).
Munch. med. Wschr. 1934, S. 672.
Arch. int. Pharmacodynam. ThCrap. 46, 76 (1933).
K o p p a n y i , M u r p h y , K r o p : Proc. Exp. Biol. and Med. 31, 373,
Die approximative Schnellbestimmung des Barbitalgehaltes
3
Von einer O.Z%igen absolut-methylalkoholischen Kobaltazetatlosung gibt man
zu A 0.05, zu €3 0.1 und zu C 0.15 ccm
und nach dem Umschutteln die gleichen Mengen (0.05, 0.1, 0.15 ccm)
einer 0.2%igen absolut-methylalkoholischen Lithiumhydroxydlosung.
Alle Losungen mussen in Mikropipetten oder -buretten abgemessen werden. Das LiOH darf nicht - wie bei Z w i k k e r und
B o d e n d o r f - durch KOH oder Ba(0H)z ersetzt werden, da die
Empfindlichkeit dann zehnmal schwacher ist, noch darf das Extrakt
in Alkohol iiberfuhrt werden, da die Reaktion mit LiOH nur in
Chloroformlosung in der angegebenen Weise positiv ausfallt.
Entsteht in allen drei Proben oder nur in den Proben B und C
eine intensive Blaufarbung, so enthalt {der Ausgangsharn mehr als
20 mg % eines Barbitursaurederivates (1 ccm der Chloroformlosung
= ca. 0.1 mg Barbital).
1st die Probe in A und B positiv, in C dagegen negativ oder in
ctwa einer Minute schwindend (@), so enthalt der Harn etwa 10 mg%
Barbitursaure (1 ccm der Choroformlosung = ca. 0.05 mg Barbital).
1st nur A deutlich positiv, die Blaufarbung aber schon in B sehr
verganglich (@), so enthalt dcr Harn etwa 5 mg% Barbitursaure
(1 ccm der Chloroformlosung = 0.025 mg Barbital).
Bei geniigender Ubung konnen auch die Zwischenwerte nach der
Schnelligkeit des Farbenschwundes geschatzt werden.
Waren alle drei Proben oder nur B und C positiv, so wird die
restliche Chloroformlosung mit der gleichen Menge Chloroform versetzt (= aa CHCL), nochmals in der gleichen Weise testiert und umgerechnet. Falls auch da noch alle drei Proben positiv sind, wird
weiter mit Chloroform verdiinnt (= Z2l CHCL) und umgerechnet.
Auch bei sehr groDem. UberschuB an Barbitalen kann die Reaktion in allen drei Glasern zunachst negativ oder wenigstens undeutlich sein (grau). Es mu3 also auch dann die Chloroformlosung
jcweils soweit verdunnt werden, bis inan in den Bereich der erwiihnten positiven Reaktion kommt.
Im Folgenden sind Ausfiihrung und Ausfall der Reaktion kurz ZUzusammengestellt :
Je 2 ccm CHCL-Extrakt wird versetzt mit:
(0.2%ig)
A 0.05 B 0.1 C 0.15 ccm Kobnltazetat
A 0.05 B 0.1 C 0.15 ccm Lithiumhydroxyd (0.2%ig)
Blaufarbung in:
ca. 20 mg% Barbital im Harn
A@ Bf C+
-%+B+ C@} entspricht
ca. I0 mg%
,,
,, ,,
A+ B e CO
ca. 5 mg%
,,
,, ,,
[
In dieser Ausfiihrung ist die Methock geeignet, bei Vergiftungsfallen in wenligen Minuten durch Nachweis der annaherndcn Barbitalinenge im Harn die Diagnose zu klaren.
Die Reaktion ist so empfindlich, daB auch nach therapeutischen
Dosen von Verona1 langere Zeit Barbitursaure nachgewiesen werden
1*
4
H. O e t t e l
kanii und dais sogar nach der einmaligen Einnahme einer therapeutischen Dose eines leichter abbaubaren Barbitals, wie etwa Phanodorm, die Probe mit 10 ccm des ersten Nachtharns positiv ausfallt.
Die Schnellbestimmung ist fur alle Barbitale in derselben Weisc
auswertbar, was besonders betont werden muD, da einige Barbitursaurederivate in reinem Zustande in Chloroform nur sehr schwer 10slich sind bzw. unlosliche Komplexverbindungen bilden, wie Pernocton
und Noctal.
A. K o n t r o 11 b e s t i m m u n g e n.
i. 12 mg. V e r o n a 1 - Na gelost in 100 ccm Harn (= 11 mg%).
Schnellbestimmung mit 10 ccm Harn.
Testierung des Chloroformauszuges:
Probe
A+ B+ CCE
aa CHCl, A+ BCE GO
-
(i)
(11)
Berechnung: Probe I1 entspricht einem Barbitalgehalt von ca. 5 mg%
I
,, ,, 10 mg%
Daher: Barbitalgehalt des Harm ca. 10 mg%.
t1
9,
2. 23 mg L u mfin a 1- Na gelost in 100 ccm Hram (
=
21 mg!%o).
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Testierung des Chloroformauszuges:
A@ B H CST
Probe:
a a CHC13: A+ B+ C@
aa CHC13: A+ B e C 0
[I)
(11)
(111)
Berechnung: Probe I11 entspricht einem Barbitalgehalt von ca. 5 mg%
,, rr
.,
,. ,. 10 mg%
1
,, ,, 20 mg%
Daher: Barbitalgehalt des Harns ca. 20 mg%.
.9
1,
3. 30 mg V e r o n a 1 mit NaOH gelost in 100 ccm I-lam
(=- 30 mg%).
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Testierung des Chloroformauszuges:
A@ BSf C++
Probe:
a% CHClS: A+
a;
B+
CHCI,: A+ BfB
C f
CU
(I)
(11)
(111)
Herechnung: Probe III entspricht einem Barbitalgehalt von
>3 mg%
,, 11
,, 10-20 mg%
,.
I
,,
>20 mg%
Barbitalgehalt des Harns 25-30 mg%.
(1
.?
4. 11 rng P h a n o d o r m - C a l c i u m gelost in 100 ccm Harn
(= 10 mg%).
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Die approximative Schnellbestimmung des Barbitalgehaltes
5
Testierung des Chloroformauszuges:
Probe:
A+ Bf C@ (I)
a; CHC13: A+ B e CO (11)
Berechnung: Probe I1 entspricht einem Barbitalgehalt yon ca. 5 mg%
I
,, ,, 10 mg%
Barbitalgehalt des Harm ca. 10 mg%.
1,
,I
5. 20 mg N o c t a1 mit NaOH gelost in 100 ccm Harn (= 20 mg%).
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Testierung des Chloroformauszuges:
A 0 B+ C$ (I)
aa CHCl,: A t B+ C@ (11)
CHC13: A+ B@ CO (111)
Probe:
-
Berechnung: Probe 111 entspricht einem Barbitalgehalt von
5 mg%
,, 11
,,
,, ca. 10 mg%
I
,, ,, 20 mg%
Barbitalgehalt des Harns ca. 20 mg%.
1,
,I
6. 41 mg N o c t a 1 mit NaOH gelost in 50 ccm Harn (==82mg!%).
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Testierung des Chloroformauszuges:
Probe:
-
aa CHCls:
a
% CHCI,:
a; CHCl,:
aa CHCl,:
A 0 B S i C++
A 0 BS-i- C++
A+ B+ C+
(I)
(II)
A+ B+
At BB
(IV)
C@
CO
(111)
(V)
Berechnung: Probe V entspricht einem Barbitalgehalt von ca. .,mg%
,. IV
,,
,, ,, 10 mg%
111
,, ,, 20 mg%
11
,,
40 mg%
I
,,
,, .. 80 mg%
Barbitalgehalt des Harns ca. 80 mg%.
9,
,I
7,
I,
.,
PI
B. S c h n e 11b e s t i m m u n g d e s H a r n b a r b i t a 1 g e h a 1 t e s
nach einmaliger Einnahme einer therapeutischen
Dosis.
7. V e r o n a 1 v e r s u c h. Einnahme von 0.56 g Veronal-Na abends
21 Uhr. Harnportionen der nachsten 48 Stunden einzeln gesammelt.
Harn I, 21-23 Uhr: 70 ccm.
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn <5 mg%.
Harn 11, 2S11.30 Uhr: 360 ccrn.
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Probe 1: AS B+ C@
Probe 11: A+ B@ C O
Rarbitalgehalt des Harm ca. 10 mg%.
6
H. O e t t e l
Harn 111, 113.@-15
Uhr: 160 ccm.
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Probe I: A-t B+ C@
Probe 11: A+ BQ Cf
Barbitalgehalt des Harns ca. 10 mg%.
Harn IV, 15-19 Uhr: 455 ccm.
Schnellbestirnmung in 10 ccrn Harn.
Probe I: A+ B@ CO
Probe 11: A@ 130 (:(I
Barbitalgehalt des Harns ca. 5 mg%.
Harn V, 19-22 Uhr: 390 ccm.
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Probe: s4@B@ <: 11
Barbitalgehalt des Harm ca. 5 mg%.
Harn VI, 22-23 Uhr: 390 ccm.
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Probe: A@ t3@ CO
Barbitalgehalt des Harns ca. 5 mg%.
Harn VII, 23-7 Uhr: 230 ccm.
SchnelIbestimrnung in 10 ccrn Harn.
Probe : A@ l3Q C 0
Barbitalgehalt des Harns ca. 5 mg%.
Harn VIII, 7-12 Uhr: 150 ccm.
SchneIlbestiminung in 10 ccm Harn.
Probe: A 0 B 0 ( : O
Barbitalgehalt des Harns <5 mg%.
Harn IX, Nachtharn: 280 ccm.
Schnellbestimmung in 10 ccm I-Iarn.
Probe: A 0 H 0 C 0
Rarbitalgehalt des Harns < 5 mg%.
E r g e b n i s : Nach der e i n m a l i g e n E i n n a h m e v o n 0.5 6
V e r o n a 1 lassen sich also mit der Schnellbestimmung 10 - 5 mg ‘ro
V e r o n a 1 i m H a r n etwa 36 Stunden lang nachweisen.
Bei einer Kontrollbestimmung mit einer quantitativen Methodc
konnten wir nach der Einnahme von 0.5 g Veronal auch nur in d m
ersten drei Tagen gr6iSere Barbitalmengen finden. Jedoch wurden
noch i4 Tage nach der Einnahme von Veronal kleinste Bwbitalmcngen aus dem Harn isoliert (0.1-0.05 mg%!).
8. N o c t a l v e r s u c h I. Einnahme von 0.5 g Noctal abends.
Nachtharn 600 ccm.
Schnellbestimrnung in 10 ccm.
Testierung des Chloroformauszuges:
A 0 BO CO
Probe:
zia CHC13: A 0 BO CO
Im Harn des folgenden Tages der gleiche Befund.
Die approximative Schnellbestimmung des Barbitalgehaltes
7
E r g e b n i s : Nach E i n n a h m e v o n 0.5 g N o c t a l konnte
mit der Schnellbestimmungsmethode auch im ersten Nachtharn
Barbital nicht nachgewiesen werden.
Die q a n t i t a t i v e B e s t i m m u n g ergab im ersten Nachtharn
18 mg ( 3 mg%) Barbital, wovon aber n u r e i n T e i l u n v e r a n d e r t e s N o c t a 1 (Fp. 177 bis 178O) war. Der grol3ere Teil war ein
nochunbekanntes A b b a u p r o d u k t v o n B a r b i t a 1 c h a r a k t e r
(Fp. 207 bis 209O).
36 Stunden nach der Noctaleinnahme enthielt der Harn nur noch
1 mg% Barbital. (Quantitative Bestimmung.)
9. N o c t SL 1v e r s u c h 11. Einnahme von 1 g Noctal.
Auch nach dieser relativ hohen Noctaldosis war mit der Schnellbestimmungsmethode Barbital selbst im ersten Nachtharn nur eben
noch nachweisbar. Die Testierung der Chloroformausziige der
einzelnen Harnproben fielen folgendermaflen aus:
Harn I (1. bis 16. Stunde nach der Einnahme).
I'robe: A@ B 0 C 0 also < 5 mg%
Harn I1 (17. bis 25. Stunde nach der Einnahme).
Probe: A@ B e CO also ca. 5 mg%
Harn 111 (26. bis 36. Stunde nach der Einnahme).
Probe: 8 0 BO CO also < 5 m g %
Harn IV (37. bis 55. Stunde nach der Einnahme).
Probe : A@ B e C 0 also ca. 5 mg%
Harn V (56. bis 71. Stunde nach der Einnahme).
Probe: A@ BO CO also < 5 m g %
Harn VI (72. bis 80. Stunde nach der Einnahme).
Probe: A 0 BO CO also <5mgo/"
Die quantitative Untersuchung der Harnproben bestatigte die
Ergebnisse der Schnellbestimmung:
Der Harn enthielt nie mehr als 5 mg% B a r b i t a 1, das nur zum
Teil aus Noctal bestand. Auch das Abbauprodukt mit dem hoheren
Schmelzpunkt konnte neben Noctal gefunden werden. Der Harn VI,
also 7 0 b i s 8 0 S t u n d e n nach der Einnahme von Noctal, enthielt
noch etwa 3mg% Barbital. Erst der 1 2 0 b i s 1 4 0 S t u n d e n nach
der Noctaleinnahme gelassene Harn war frei von Barbitalen.
10. Harn eines Patienten, der drei Tage in einem Sanatorium
wegen Benommenheit, Ataxie usw. unbekannter Genese lag. Naoh
der Uberweisung in die Klinik erhob sich dort der V e r d a c h t a u f
c h r o n i s c h e L u m i n a l v e r g if t u n g.
Harn vom Aufnahmetag = 225 ccm (Farbe rotbraun).
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Testierung des Chloroformauszuges:
Probe:
A@ B+S- C+
aa CHC1,: A+ B e C@
aa CHCls: Af B e CO
(I)
(11)
(111)
8
H. O e t t e l
Berechnung: Probe 111 entspricht einem Rarbitalgehalt von ca. 5 mg%
,*
,. ,, 7.5 mg%
11
,, ,, 15 mg%
I
11
9,
3,
,I
E r g e b n i s : Der d r e i T a g e nach der wiederholten E i n n a h m e u n b e k a n n t e r L u m i n a 1 m e n g e n ausgeschiedene
Harn enthielt nach der approximativen Schnellbestimmung also noch
15 mg% B a r b i t a l .
Im H a m des f u n f t e n T a g e s war das Ergebnis der Schnellbestimmung folgendermaDcn
Probe:
A t WE C@
aa CHC1,: A@ BO C O
Dieser Harn enthielt also ca. 7.5 mg%.
Auch in dem am s e c h s t e n u n d s i e b e n t e n T a g e nach der
Luminaleinnahme gelassenen Harn konnte mit der Schnellbestimmung
noch Barbital gefunden werden. Die Testierung des CHCL-Auszuges
ergab:
Pr:)be:
A
1
C0
Der Harn enthielt also noch ca. 5 mg% B a r b i t a 1.
Erst der Harn vom achten Tage an enthielt weniger als 5 mg%
Barbital.
11. P h a n o d o r m v e r s u c h . Einnahme von 0.54 g P h a n o d o r m - C a 1 c i u m abends. Nachtharn 280 ccm.
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Testierung des Chloroformauszuges:
Probe:
A+ R++
aa CHC13: A@ B@
aa CHC13: A@ B 0
Berechnung: Probe I T entspricht einem
1
,,
,,
CCB
CO
(I)
(11)
C0
fIII)
>5 mg%
Rarbitalgehnlt von
,, ca. 10 mg%
Der Nachtharn nach Einnahme von 0.5 g Phanodorm enthielt
9,
sornit etwa lOmg% B a r b i t a l , die Ausscheidung in der Nacht
betrug also etwa 28 mg Barbital.
U'ie die quantitative Untersuchung des H a r m ergab, enthielt der
erste Harn n u r S p u r e n P h a n o d o r m , dagegen konnten etwa
10mg% eines P h a n o d o r m a b b a u p r o d u k t e s in typischen
Barbitalkristallen isoliert werden, die durch die positive Kobaltprobe
als Barbitursaurederivat identifiziert wurden, sich aber durch vie1
hoheren Schmelzpunkt scharf vom Phanodorm unterschieden.
Im Harn des f o 1 g e n d e n T a g e s fie1 die Schnellbestimmung
bereits negativ aus. Bei der quantitativen Bestimmung konnten aus
diesem 'Harn nur noch 2 mg% A b b a u p r o d u k t e isoliert werden.
Der Harn des dritten Tages war frei von Barbitalen.
12. Harn einer Patientin, die im Verdacht stand, heimlich
g r o i 3 e r e M e n g e n P h a n o d o r m eingenommen und dadurch bestimmte Krankheitssymptome erzeugt zu haben.
Die approximative Schnellbestimmung des Barbitalgehaltes
9
240 ccm Harn 2 8 S t u n d e n n a c h der letztmoglichen E i n nahme.
Schnellbestimmung in 10 ccm Harn.
Testierung des Chloroformauszuges:
Probe:
A 0 B S S C t + (1,
aa CHC13: A 0 B f t - CSS (11)
aa CHCl,: A 0 B+-t Ci- (HI)
.aa CHCI,: A+ E@ C@ (IV)
a< CHC1,: A@ BO CO
(V)
Berechnung: Probe \' entspricht einem Barbitalgehalt von <5 mg?&
IV
,,
,, ca. 7,5 mg%
,, 111
,, ,, 15 mg%
11
,, ,, 30 mg%
It
1
,, ,, 60 mg%
,I
31
11
3,
9,
Also enthielt der Harn ca. 60 mg% B a r b i t a 1 ; in dem untersuchten Harn waren etwa 150 mg Barbital enthalten. Da die Patientin
am Tage vorher etwa 1500 ccm Harn gelassen hatte, hatte sie an
diesem Tagc fast 1 g Barbital ausgeschieden.
Bei der quantitativen Untersuchung des Harns konnten aus der
obigen Harnprobe 70 mg% R o h b a r b i t a 1 isoliert werden. Dieses
enthielt nur S p u r e n r e i n e n P h a n o d o r m s und keine anderen
bekannten Barbitursaurederivate. Dagegen bestand es, genau wie im
Phanodorm-Selbstversuch, zum groi3ten Teil aus A b b a u p r o cl u k t e n
d e s P h a n o d o r m s , die in typischen Barbitalkristallen erhalten
werden konnten. Sie gaben die Kobaltreaktion in der gleichen Starke
wie unverandertes Phanodorm.
Es muB also betont werden, dai3 mit der approximativen Schnellbestimmung nur die Diagnose , , B a r b i t u r s a u r e d e r i v a t e "
gestellt werden kann, die Art dcr Barbitursaure bleibt ungeklart,
ebenso auch die Frage, ob die Barbitale noch unverandert oder schon
abgebaut ausgeschieden werden.
Fur eine exakte Bestimmung der Barbitale solltc daher wie in den
obigen Versuchen eine q u a n t i t a t i v c U n t e r s u c h u n g angeschlossen werden. Besonders bei Verdacht auf Schlafmittellabusus ist
eine exakte quantitative Bestimmung unbedingt notwendig. Uber die
quantitative Bestimmung kleiner Barbitursauremengen, die zugleich
die Trennung von ihren Abbauprodukten erlaubt, sol1 demniichst
berichtet werden.
C. U n t e r s u c h u n g v o n A r z n e i m i t t e l n a u f B a r b i t a l c .
Die beschriebene Schnellbestimmung kann selbstverstandlich in
entsprechender Weisc auch zur Bestimmung des a p p r o x i m a t i v e n
B a r b i t a l g e h a 1 t e s v o n A r z n e i m i t t e 1 n angewandt werden.
Sic bewahrt sich besonders dann, wenn neben vielen anderen,
gefarbten Stoffen nur relativ wenig Barbitursiiurederivate vorhanden
sind. Die Extraktion kann je nach dem Untersuchungsmaterial etwas
abgeandert werden; so braucht man bei flussigen Arzneimitteln zur
10
Die approximative Schnellbestimmung des Barbitalgehaltes
Untersuchung meist weniger als 10 ccm, da ja die Arzneien, selbst
wenn sie efiloffelweise genommen werden, bedeutend mehr als 10 mg%
Barbitale enthalten. Das Ergebnis des Chloroformtestes braucht dann
zur Ermittelung des Barbitalgehaltes nur cntsprechend umgerechnet
zu werden, was besonders bei Ausgang von 1 ccm Untersuchungsmaterial und Auffullen auf 10 ccm Untersuchungslosung recht einfach ist.
Uber Einzelheiten solcher Untersuchungen soll an andercr Stelli:
berichtet werden.
Naturlich ist der mit dieser Methode gefundene Barbitalgehalt
immer nur approximativ, wenn er auch durch Kontrollbestinimungen
mit verschiedenen Ausgangsmengen oder durch Abanderung der Verdunnungsweise des Chloroformextraktes genauer ermittelt werden
kann. Fur exakte Analysen von Arzneimitteln mussen also wie beim
Harn quantitative Methoden herangezogen werden.
Da es aber viele Hersteller von Arzneimitteln und Mixturen f u r
richtig halten, durch abwegige Phantasienanien den Gehalt des
Wttels an Barbitursaurederivaten zu verschleiern, ist oft die Schnellbestimmung des approximativen Barbitalgehaltes recht wichtig. Es
gelingt jedenfalls schneller, mit Hilfe dieser Methode hinter das Geheimnis mancher ,,Dsklaration" zu kommen als dusch langes, oft vergebliches Suchen in Zentralblattern und Kodizes.
Durch die approximative Schnellbestimmung kann also die
kritische Beurteilung vieler Arzneimittel erleichtert werden, so da13
sich diese Methode auch bei der Arzneimitteluntersuchung im Apothekenlaboratoriuni in vielen Fallen als brauchbar erweiscn diirfte.
672. R. Dietzei und E. Schmidt:
Uber die Inhaltsstoffe von Orthosiphon stamineus Benth.
(Aus dem Pharmazeutischen Institut der Universitat Miinchen und dem Institut fur pharmazeutische und angewandte Chemie der Universitat Erlangen).
Eingegangen am 1. August 193.5.
Gelegentlich einer langeren Untersuchungl) iiber die Inhaltsstoffe
von Orthosiphon stamineus Benth.") wurde eine nicht unwichtige
Feststellung gemacht, die bereits jetzt mitgeteilt sei. Beobachtungen
im Laufe dieser Untersuchung liefien die Vermutung aufkommen, da13
die Droge harnstoffhaltig sei; eine daraufhin durchgefuhrte syste1) Hieriiber soll spater berichtet werden, da sie wegen einer in der
Zwischenzeit von 0. K e 11 e r (Arch. Pharmaz. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges. 272,
242 [1934]) iiber diesen Gegenstand veroffentlichten Arbeit einiger Nachpriifungen und Erganzungen bedarf.
2) Vgl. E. S c h m i d t , Dissertation, Universitiit Munchen 1935.
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
1
Размер файла
529 Кб
Теги
die, arzneimittel, harn, approximation, schnellbestimmung, des, barbitalgehaltes, und
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа