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Die Koralleninseln.

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Vereinsaeitmg.
krankhafl .vcrltidertcs iiiibcfruchtctes Ovariuni, noch auch einen eigenthiiinlichen, auf Kosleii desselben gebildctcn, den Ilost- und BrandArten analogen I’ilze; sonderri e r lietrachtet dasselbe nur als eine
Krankheil des Stielansiitzes, durcli welche die Coryopsis an der Achse
befcsligt is!., in Folge drrcn ihrc Eriilhrung oder vielinehr dte ihrer
Hiillcn alterirl wird. Diese werden gelblich und weich und verlndern
sirh gleichzeitig init deiii ebenfalls erweichten I’erisperni giinzlich, indem in ihnen eine durch den eigenthunilichen Geruch angezeigle Gihrung eintritt. Wiihrend dieses Vorganges wird zwischen der Coryopsis
iind ihrem Stielansatze eine klebrige, uniorphe Substanz iiusgeschiedcn,
welche die erltrankte Fruclit von ihrem Stielchen trennt und allniiilig
an d e r Basis wachsend und schichtenweis crhiirtend, zuletcl das eigenlliche Dfultetkorn darstellt. Uieses is1 dernnach ein grnz n e w s Gebilde,
durch und durch amorph, wie sich aus seiner Entstehung ergiebt, keineswegs aber yon zelliger oder schwnnmiger Structur, w i e Diejenigen
behaupten, walche i n ihm das veriindcrte I’erisperm oder einen Pilz
erblicken. An seiner Spitze silzt die eigentliche, nur wenig veriinderle
Prucht, von Hrn. I’arO1a 1119 Nosocntya bereichnct, die tneisl noch
in ihren Rnatomischen Verhiiltpissen RIs solche erkennbnr ist, und namenllich unler dem filikroskop norh die Ilaare, die I’aretichyinzellen
und da&Amylum des normalen Horns zeigt, eine Beobachtung, welche
von d e r Conimiesion beetdtigt wird.
M a rs s o n.
. ___ . . .
7) Wissenschaftliclie Nachrichlen.
Die Kornlleninseln.
Die Eristena eiiier hletige von ltleinen Inseln, die ihre Entstebung
aiischeinend d e r l’hltiplteit cines ltleinen l‘hieres verdanken, hat die
Aufnierksariilteit der Naturforscher o h niihnltend beschiftigt.
Der
hluhaniedancr I b u U a l u l i i iind M a r c 0 1’010
brachten zuerst nneh
Eiiropa die Nachricli~, dnss die wtintlcrbare Korullengruppe der Maldiven ttiehrcre lauscnd lnscln ziihle, L i n s r h o t e n , D a v i s und P e y r a r d d e L a i s a I lcnklcn die Aiil‘iiier~tsatiik~it
d r s 16. und 17. Jahrhunderts
auf denselben C;egcnstiind. Mil 1’0 o It, dcssen clcutscher Hcisegefiihrte
l i o r s t c r in sc:iiicti Ikobnchtungcn auf cincr Rcise utn die Well sich
vie1 niil der liorallenbildung heschiifligt, begann dic wisscnschafdiche
Kachforschung. Scit tlicsrr Zeit hat jedc \Vcltiinisegelunp Veranlassung
zii ltiiersuvhuiigcn der Jioritllcninscli~ pbgcbcn, einzelue Katurforscher,
z . U. E l i r e n b r r g , der das rollie hlcer z u diescttt Zweclte besuchte,
haben sich H U C ~wohl dicscni Sludiutii spccicll gewidnit:t. So ist die
Literalur durch tnehrcre st~lialzbnrcJlonopraphieii beretchert worden,
ohne dass uhrigens die nllc SIreilPrage iibcr die eigq,ntliche Art des
En 1st e h en s d r r I( o r a I lcn i n .E cI i i gii n z I icli pc Iiist w ii re. 1) i e 11ci iiia Ih d e r
inselhauenden Korallen i a t dits lllccr zuiiiichst dcni Atquator. A u l dcr
n6rdliclien Iliill‘ie dcr Halbltugcl crslrecltcn sic sich wciter vntit Aequator weg 111s aiif der siiilliclicn, i i i i IIPII Uerinuda-lnseln bis 32O 15‘ irn
rothen Meer zu S O o , wlhrettd sie siidlich voiii Gleicher selten die
Grenzen des Wendekreises ilbersclireilen. 1)ns liorallenrilr von Houtmanns e l brolhlos an der M’estkiisle yon riuslralien in 29O siidlicher
Breite tnacht eine Ausnnhnie. I n der Siidsee is1 die Zahl der Koralleninseln am grossten, ein ungeheurer R a u i t i ist dort yon ihnen besaet.
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Vereinszeitung.
Der Archipel der niederen Inseln von Duci-Insel bis Lazareff-Insel,
Gilberl’s Arcliipel und die Marschall-Itiseln bilden einen Streifen ‘yon
inehr nls 1000 deutschen Bleilen Lange, der ganz aus niedrigen Inseln,
dern Werk dcr Korallenthiere, bestcht. 1)azu Iraainit nocli tler Archipel d e r Karolincn yon 120 Bleilen 1,inge. 1m indiscbeii Ocean bilden
die Maldiven, Lakcdiven und dio Chagosgruppe eine Kette von 375
llleilen Lange. In grossen Riuinen des Oceans fehlen die lioralleninseln ginzlich, so an der Westkiiste Amerika’s, zu beiden Seiten des
Aequatora, um die Galapagos-lnseln, um viele Inseln des stillen Rleeres,
an der Westkitete von Afrikd, bei St. Ilelena, Ascension, den lnseln
des griinen Vorgehirges u. s. w. Ueber ihre vertiltale Verbreitung in
die Tiefe herrschte lhngere Zeit Irrthurn. F o r s t e r , F l i n d e r , Per o n, zum Theil auch C h a mi s s 0 , schilderten die Koralleninseln auf
eiile solche. Weise, als stiegen sie RUS tauter Korallen bestehend auo
d e r tiefsten ‘liefe des Blerres elupor. Deni widersprachen Q u o y und
G a i m a r d, die Begleitcr F r e y c i n e I’s, i n einem gedicgenen Aufsatze
der Aamdes des sciences naliirelies und E 11 r e n b e r g in seinem Werke
aUeber die Natur und Bildung der Koriilleninseln und Korallenhinlte
inn rothen l e e r e d wies den Irrthum noch griindlicher zuriich. Eh r e n b e r g fand die Korallenbinke nur an seichteo Stellen, auf Unlerbgen
yon Kalkstein. Hohe Lagen von inchreren Schicblen werden voo
ihnen dort nicht gebildet, lebende Korallen Boden sich in keiner gr6sseren Tiefe als 6 Klafler. Sie ltijnnen auF die Terrainbildung keinen
rrheblichen Einfluss geiibt hahen, denn E h r e n b e r g fand die lnseln
und Hafen des rothen Meeres nouh ganz so, wie sie J u a n d e C a s t r o w
vor 300 Jahren heschrieben h a t . Von den I’erlenfischern Yemen’s Iiiirte
E 11 r e-n h e rg, dass in einer 7iefe yon 9 Faden kcine llorallen mehr
vorltomnicn.
Alle Beobaclitungcn yon J l o r e s b y , \ V e I l s t n . e d ,
K O t z e b u e , 0 u o y und G a i m ii r d stiininen darin iiberein, dass iiber
eine l’iefe von 25 Fnden liinaus lceinerlei Arlen von riffhauenden
Koralleii mehr vorkoiiimen. Bis zii 20 Faden ist die Tiefe, worin sie
a m besten fortlcomtncn, weiter unten Bndet tnan sic nur vcreinzelt.
So oft die genannten Forscher eine Tiefsonde (eine mil Felt gefiillte
eiserne Glocke, in die sich der Boden abdriiclrt, oder einzelne Triiniiiier zuriickllsst), hinabliessen, zeigten sich von 8 - 12 Iiaden. Tiefe
ganc reine Abdrticke von Korallen, zwisclien 12 und 20 Faden Sand
und Korallen getnischt, zwischen 20 und 33 Faden Sand ohne KoraIlen. Die Astraea, die a m meisten zuin Bau der Korallenriffe beitrigt,
w u r d e nje tiefer .Is 15 Faden gefunden, und-aiich das nur in einem
einzelnen Falle, vor Darwin an der Insel Nauritius. Die Naturforscher
unterscheiden drei Art en yon Korallenbanten : FrgnzenriBe oder Uferriffe, Wallriffe und I,aguncninseln, fur welclie letztere jetzt der malaische Name ,~Atollea in der geologischen Sprache aufgeltonimen ist.
Die beiden lelzteren Arlen sind die Ilinginseln, die das eigentliche
wissensohaftliche I’roblein bilden, und nnterscheiden sich nur dadurch,
dass die W’allrilfe in den1 Binnenpewfisser, dass alle Ringinscln ausgezeichnet, eine Insel haben, die bei den Atollen felilt. I)ie Cferriffe
sin? die einfaacliste Form der Korallenrill’e. Sie erstreclcen sich in
nieistens liinglicher Potin (hin uiid wieder Ironinit auch die runde
Form vor, und dann sind sic schwer von den Atollen zu unterscheiden) yor den Kiisten, die durcli sic gegen den heftigsten Wogenschwall
geschulzt werdcn, und erhehen sich a u f den Sandblnlten, die sicb in
d e r N5he von Ufern zu bilden pflrgen. Nan findct sie sowohl an
Iiiselii, wie an liiisten von Continenten. I)ic Octlriiste von Afrika,
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Vercinszeitung.
,die Insel Madagasar, die Segchellen- und Nicobar-Inseln, die Schifferins&, die neuen Hebriden, die Salomoninseln, die Philippinen, die
Sandwichsinseln und Marianen, die O s t k ~ s t e von Amerika, Brasilien
und Westindien sind von Ufcrriffen umgeben, um den ganzen ijstlichen
Theil des Australcontinents bis zutn Wendeltreise bilden sie einen
fdrrnlichen Giirtel. Sie liegen immer in einer gewissen Entfernung
vom Lande, denn in der MAhe desselben ist das Wasser triibe und
die nladreporen, welche die Baumeister dieser Gattung von Riffen
sind, gedeihen in deniselben nicht. WO die Brandung am stirltsten
ist, gedeihen sie am bestcn tind deshalb findet nach der Seite des
z~ stets eine starkere Entwickelung slatt, als nach dem Lande.
Die Breite des K i t h hangt von der grdsseren Tiefe des Meeres ab.
W O das Ufer sich in allmAliger Senkung weit unter dem Wasser fortsetzt, sind die Ufcrriffe sehr breit, wo die Senltung jeh ist, schmal,
nur von 150-300 Fuss breit. 1st das Ufer sehr abschiissig, so entstehcn an den Stcllen an den. Riffen Luclten. Zwischen dem Riff und
der I(fiste befindet sich immer ein seichtcr Kanal, der vomLande aus
nach und nach, aber sehr langsam ausgefiillt wird. Wo sich ein Fluss
oder Bach in das Meer ergiesst, hat das Riff eine Liicke, weil hier
durch den Ausfluss triibes Wasser entsleht, was die Korallenthiere
nicht lieben. Im Allgemeinen sind die UferriKe rnit seichtetn Wasser
bedeclct, oft nur 1 - 2 Fuss hoch, und es erhcben sich selten auf
ihncn Inseln. Die Atolle oder Ringinseln erheben sich in unrlhlbaren
Rlengen, namentlich im stillen Oceane, wcshalb F 1 i n d e r s den Vorschlag gemacht hat, den Theil des Meeres, der zwischen Neucaledonien,
den Salomonsinseln, Neuguinea und dem eigentlichcn Australien liegt,
Korallenmeer zu nennen. Sie stellen sich dem ansseren Ansehen nach
als ein weisser Ring dar, der dem dunkelblauen Wasser aus grosser
Tiefe entsteigt, aber sich zu keiner grdsseren Hdhe erhebt, als Brandung und Stiirme Triimmer emporwerfen Icdnnen. Iliese Ringe umschliessen ein Binnenwasser (Lagune) zu dem durch das Riff meistens
ein fiir Scbiffe fahrbarer Eingang fiihrt. Auf dem ringformigen Rande
setzten sich in der Regel niedrige Ins& an, a u f deoen CocosbBume,
Panda- Brodfruchtbiume wachsen. Die innere Wasserflache ist yon
geringerer Tiefc, nach dem Meere zu fallt der Atoll steil ab, so dass
man i n der Entfernung weniger Schiffslangen mit 8 - 9000 Faden keinen Grund mehr findct. SO gleicht der Atoll einem vom Meeresgrunde aus aufgemauerten Thurme, der oben zu einem Kelche ausgehdhlt
ist. Bei allen Atollcn isb das Land im VcrhAltuiss zu dem Flachenraume, welche die Ringe einnehmen, ausscrordentlich gering. L ii t k e
hat berechnet, dass die 43 Ringe des Karolinenarchipels, wenn man
sie in einander steclte, nicht einmal Petersburg bedecken wiirden.
Die Grdsse der Ringe ist sehr verschieden. Capitain B e e r h e y mass
im niederen Archipel Ringinseln, die kauni &Meile im Umfange hielten, wahrend die grosste 15 Meilen lang und 5 breit war. Ein lebendiges und treues Bild der Atolle giebt die Beschreibung, welche D a r w i n
von dem Atoll Kannling entwirft, der zwischcn Java und Sumatra
unter 120 siidlicher Breite liegt. Die grdsste Breite dieser Atolls betrlgt etwas iiber zwei deutsche Meilen, die Hdhe der Insel ist 6-92
Fuss iiber dem Hochwasserstande. Der aussere Rand der Insel, der
nnr bei der Ebbe trocken liegt, ist ein 2-6 Fuss breiter, abgernndeter,
hie und da in zackige Spitzen auslaufender Wall; 450Fuss von diesem Rande entfernt, nimmt die Tiefe allmalig bis zu 25Faden zn und
jenseits dieser Tiefe stiirzt sich die Seite der Inseln unter einemwin-
.nfeeres
Arch. d. Pharm. CXV.Bds. i. Hh.
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14 4
Vereinszeo'lung.
lcel von 45O in das unergrhdliche Meer. Hinter dem abgernndeten
Wall kommt cine Fliche von Korallenfels, 225 Puss breit, die von d e r
Fluth bedeckt wird. Auf diese folgt eine hervorstehende Terrasse
von iioralkntriimmern, die nur bei Bochwasser von den Wogen erreicht wird. Dann folgt ein Abkang von locltercn Stiiclten, den das
Meer nnr bei Stiirmen erreicht. Der hdchste Theil, 6-12Fuss fiber
der Hochfluthgrenre erhaben , ist mit Vegetation bedeckt, und die
Oberflache senltt sich von da atlmalig nach dem inneren Wasserbeclten.
Die ganzeBreite des Rings von dem bei der Ebbe trochenen aosseren
Rande bis an den Rand des inneren Beclrens betrlgt 1500 Fuss. Der
Sussere Rand der Korallen bestcht fast ganz aus Poriten, die grosse
unregelmissige abgerundete Massen von 4 - S Fuss Breite bilden.
Diese Jlassen sind durch enge geltriimnite Kanlle von einander getrennt, die etwa 6 F u s s tief sind and die L i n k des Riffs in rechten
Winlteln durrbsetzen. Auf der Spitze der ltleinen Hiigel sind die
Korallen meist todt, nnd dieselhen vergrdssern slch daher nach den
Seilen. Zunlichst den Poriten ist die lPlliZZepora romplanula und eine
Ntdliporu am haufigsten. In dern Binnenwasser der Lagune leben
ebeiifdlls Korallen, aber dhnnaslige und zartgebaute. Bis zu einer
T i d e von 10-12 Faden vom ausseren Rande ist der Grund ansnehmend zackig und besteht aus grossen Massen von lebenden Korallen,
von denen D a r w i n keine erlangen Itonnte, da die Anlrer brachen.
In der Tiefe von 10-20 Faden brachte die Tiefsonde theils Korallen,
theils Korallensand herauf, in grBsserer Tiefe war der Boden mit Sand
bedecltt, wlhrend man in einer Entfernung von 6000 Fuss von der
Rrandung lteinen Grund mehr mit der Leine von 7200 Fuss fand. Diese,
Steilheit iibertrifft die eines jeden vulkanischen Kegels. Die von dem
Korallenriff umschlossene Lagune hat an der ndrdlichen Seite zwei
Oeffnungen, durch welche Schiffe einfahren Itdnnen. Bei Springfluthen
bricht das fileer iiber d a s Riff in die Lagune ein und bildet auf dem
Rande durch aufgeworfene Triimmer Inseln, deren LZInge von einigen
Ellen bis zu einer Stunde wechselt, wiihrend die Breite gewdhnlich
Q Stunde betrtigt. Diese Tnimmeriaseln gewidnen dnrch die Ansfullung
d e r Iiantile und Hdhlungen mit rementirten Stdeken eine solche Consistenz, dass sie einer glatten Pllche von Sdndstein gleichen. Wie
vie1 davon durch das Wachsen der Korallm, wie r i e l dnrch einen
mechanisch chemischen Process gebildet wordee is%, lisst sich wegen
der ungemeinen HBrte der Masse echwer nnterscheiden. Der Korallenfels unterhalb der Oberfltiche des Wassers wird h r c h die Durchsiclterung von kalkhaltigem Wasser ebenfalls in eine sehr feste Masse
verwandelt, die bald eine weisse, bald eine eisenr6thEiche Farbe besitzt. Das innere Wasserbecken ist bei Reeling Atoll seichter wie
gewohnlich. Der siidliche Theil ist fast ganz mit Schlammblnlten nnd
Korallenfelsen ausgefullt, doch giebt es vide Stellen, wo die Wassertiefe 3 -4, und einzelne, w o sie bis xu 10 Faden betrBgt. I n diesen
tiefsten Theilen findet sich ein Niederschlag, d b t im nassen Zustande
der Kreide gleicht nnd in Sliire sich vollstiirrdig aaflSst. Hier wachsen
viele Seetange nnd Seegrtiser, welche die Nehrung der SchildltrBten
ausmachen. Ausserdem leben v o r der Busseren Kt'iste nnd innerhalh
der Lagune grosse Zdge yon Fischen (Scurus), die mit ihrem starken Gebiss die Spitzen der lebenden K o r a l h abweiden, in deren
Eingeweiden man immer feinen Kalkschwamm und zertheilte Korallenfrsgmente findet. Nimmt man noch d a m die Rlenge von Seewfirmern
und Mollusken, die den Korallenfels anbohren und zerltleinern, und
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Vereinszeitung.
die Excrernente der ungeheuren Zahl Ton Holothnrien, die ebenfdls
von den Korallen leben, so erlcliirt sich die Entstehung des feirien
Ilalbschwamms nnschwer. Es existiren alte Karten von Keeling Atoll,
bei deren Vergleichung D a r w i n fand, dass bedeutende Verlnderungen statt gefunden hatten. Friihere Kanale sind jetzt geschlossen,
ganze Strecken, die friiher von der Brandung getroffen wurden, dureh
vorliegende Korallenhiinlre gedeclrt. An anderen Stellen hat das h e r
iiber die Korallenhanlte den Sieg davon getragen; an Orten, w n jetzt
ltein Baum mehr stehen konnte, erblickt m a n Yalmenstrfinlceund Baumstiinipfe, die Grundpfeiler yon Hiusern, die friiher ganz ansser dem
Bereich des Wassers sich befanden, werden j e t z t bei jeder Fluth bedeekt. Diesem Atoll gleieheu i m Allgemeinen alle andern, so dass
wir einer weitern Beschreihung enthoben sind. Die Wallriffe, die
in] Anfang dieses Aufsatzes rls eine dritte Art von den Atollen und
llferriffen unterschieden wurden, hqben das Eigenthiimliche, dass sich
in den Binnenwassern Inseln erheben,. die meist hoch und vullianischer
Natur siud. Zwischen ihnen und dem Riff ist ein fahrtiarer Kanal,
das Rift' selb'st ist theilweise oder ganz in niederes Korallenland verwandelt, d,as Cocospalmen trigtr Auffallend gering ist die Zahl solcher Atolle, bei denen die innere Lagune ganz ausgefiillt ist, so dass
das Ganze eine Insel mit ainer glatten Oberflache ist. Capitain Bees c h y fand unter den Inseln des niederen Archipels bloss zwei lcleinere, hei dencn dies der Fall war. Ein solches Eiland ist anch d i e
Romanroff-lnsel, upter 4 5'3 siidlicher Breite, die nach Cham i s s o aus
einein Damm yon Madreporedkalk besteht ,und eine diinne, mit Biumen
bedeclcte Flache einschliesst, iiber welche das Rleer auf der Seite sich
bisweilen bricht. Diese Seitenheit ausgefiillter Atolle giebt einen wichtigen Fingerzeig. Da die Ringinseln gewiss nicht seueren Ursprungs
sind, und doch ihre erste Gestalt fast regelmassig beibehalten, so lasst
sich annehmen, dass fortwahrend Einwirkungen auf sie statt finden,
und dass diese in einer Senlcu.ng desnleerbodens bestehen. Ehe wir
diese neueste Theorie entwickeln, miissen wir einen Riiclrbliclr auf die
iilteren Verrnuthungen werfen. F o r s t e r ging von der Annahme aus,
dass die Horallenthiere von dem tiefsten Grunde des Dleeres ihre Bauten auffiihrten. nSie erhehen sich auf einer scbnialen Grundlagea, sagt
er, nund breiten sich allmalig bei ihrer Erhiihung seitwiirts ans. Sie
werden dahei durch den Instinct geleitet, sich gegen den Andrang
der Wogen x u schiitzen, u n d sondern deswegen bei ihren ringfiirmigen
Rauten eine See ab, i n dern keine heftige Bewegung des Wassers statt
findet.a Gcgen diese Theorie lassen sich manche Einwande erheben.
Es ist gewiss, dass die Korallenthiere i n einer so bedeutenden Tiefe,
als F o r s t e r annimmt,, gar niclit leben k h n e n . Aber auch abgesehen
davon, wiirden sie in dieser Tiefe die Einmirkungen vnn Wind und
Wellen nicht spiiren, nnd niithin nicht durch diese Einfliisse hestimmt
werden Iconnen, so und nicht nnders xu bnnen. Endlich bauen sie
gerade nach der Wetterseite am starksten und lassen die innere Lap i n e unausgefiillt. E s c h h o l z , P o u l e t t , S c r o p e u . A. stelleneine
Theorie auf, nach welcher die Atolle aufden Randern unterirdischer Krater
erbaut sein soilen. Offenbar hat die ringformige Gestalt zu dieser Annahme gefiihrt, die sonst Vieles gegen sich hat. 1st es denlcbar, dass
es einen unterirdischen Krater geben ltann von 15 Rleilen Durchmesser,
welches die Grosse der Menschilcoff-Insel ist? Ebenso sine so viele
dicht an einander gedringte Krater denlibar, \vie die Rfaldiven, die aos
rahllosen Ringinseln bestehen. Nach einer ferneren Annahme, die
8"
Id6
I’ereinszeilung.
E h r e n b e r g versncht, existiren die Korallen nur in Untiefen. Auf
einigen Puncten, z. B an den weslindischen Inseln und irn rothen
fileere, ist dies allerdinps der Fall, doch nicht in den unermesslicben
Gebieten der Sfidsee. Viele Naturforscher neigen sich ferner zu d e r
AIisicht, dass die Korallen ihre Bauten an unterirdisrhe Gebirge anseizen, deren Kegel bis dicbt an die Oberfliiche des Rleeres emporsteigen. Dagegen spriclit aber, dass in den] ungeheuren Raume, den
die Atolle einnehmen, lteine einzige Bfsrgspitze iiber den Spiegel des
Bleeres hervorsteht. Vergebells w i d e inan a u f dcm Lande nacb einer
niehrere hundert Bfeilen laiigen und verhlltnissmlssig breiten Berplcette oder mehreren zngleich, suchen, deren Spitzen dieselbe Hdhe
zwischen 120 - I S 0 Fuss erreichten, und doch lianu man von den
Berglietten auf deni LanJe init zienilicher Sicherheit anf die unter dern
Wasser schliessen. Allerdings ist rnijglich, dass, wie Uferriffe auf Untiefen sich erheben, so einzelne Atolle auf Bergspitzen emporgewachsen
sein Ironnen. Capitaiii S m i t h leitct richtiger manche Atolle nicht
yon Ausbruchskratern, sondern von Erhebungskratern her. In seiner
Abhandlung iiber die Inseln, welche ihr Dasein unkrirdischen Vulkanen verdmlien, begriindet er seine Ansicht auf folgende Weise :
SDass die niedrigen Inseln der Siidsee durch vulkanische Gewalt
gehoben worden sind, dafur sprechen zahlreiche Beweise. In den
meisten Lagunen fiudet man Binisstein und andere vulkanische Erzeugnisse. In der N l h e von Vullianen sind I~alksteinniederschligehaufig,
und es ist daher wahrscheinlich, tiass die Korallenthiere ihre Sitze in
Gegenden suehen, die mit ihrer Natur verwandt sind. Nur rnit der
Annahme von Erhebungskratern e r k l i r t sich die betrichtliche Hohe,
welche die Koralleninseln oft erreichen. Diese Hohe iibersteigt nicht,
selten betriichtlich die Grenze, welche Anspulungen durch das Bleer
zn erreichen fiihig sind. Huhen sie auf Erhebungskratern, so ltiinnen
die ursprungliclien Krafle noch ferner niitwirlien, die Erhebung lcann
f0rtdauern.o Von S m i 1 h und Anderen sind Beweise in Fulle yon
grossen Erhebungsflichen in der Sudst.t: beigebraelit worden, das ~ A u s landa von 1818 in den Nummern 244 und 215 enlhalt davon eine gute
Zusammenstellutig Die Sandwichsinseln haben an ihren Ufern erhobene
Korallen nnd Dluscheln, die init lebenden Arten identisch sind. An
mehreren Stellen der Kuste sind sie iiber 20Fuss iiber dem Spiegel
des Bleeres und erstredten sich weit ins Land. Die Einwohner sind
noch gegenwlrtig uherzeugt, d a s s d a s Land sich hebt. Sechs von den
Cook- und Austral-Inseln sind Ton Franzenriffen umgeben, funf von
diesen sind offenbar erhobene Korallenriffe, indeni z. B. auf der Insel
Jlangaia sich Korallenfels mit Basalt 40 Fuss iiber dem Bleeresspiegel
finder. Sarageinsel, im Sudosten der Freundsrhaftsinseln, ist ungefihr
40 Fuss und besteht a u s erhobenem Korallenfels.
Dasselhe ist der
Fall mit den Freundsrhaftsinseln ; Tonga Tabu, das an einigen Stellen
100 Fuss hoch ist, besteht ganz ans Korallenkalk, ebenso Foua, Vavas
und Anamoulca in derselben Gruppe. Diese letzte Insel enthllt in
ihrem Innern einen Salzsee, d e r lieine Verbindung mit dem Dieere hat,
u n d um welchen sich das Land 30-40 Fuss erhebt und ganz aus
Korallen besteht. Im ostindischen Archipel finden sich ebenfalls v i d e
Beispiele von Erhebung. Die Nordltuste von Neuguinea in d e r N i h e
von Doryhafin ist 150 Fuss hoch, und besteht aus Iadreporenkalkstein.
Hinter d e r Stadr Koepang auf d e r Insel Timor erhebt sich das Land
bis zur Hohe von 500-600Fuss in sanft ansteigenden Hugeln, deren
Zusammensetzung man in einem engen Thale wahrnimmt. Diese Klip-
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Vereinszeitung.
pen und das Ufer selbst bestehcn RUS einer sehr jugendlichen Tertiarformation, die ein erhobenes Korallenriff ist, das Astraea, Riacandrinn
und porites, mit Schalen von Strombus, Nerila, Arca, Pcctcn, Venus
und Lucina enthilt. Die Sudltiistc des Ostcndes von Java, Sumatra,
ein Theil der Westltiiste von Borneo, die Philippinen, Lu Tachu-lnsein
haben grosse Iialkformationen, die gelegentlich Korallenstructur zeis e n . I n der Nahe von diesen erlrobcnen Kiisten und Uferriffen zeigen
slrh gewohnlich Vullrane, die in anderen Gegenden nnd z w a r solchen,
die sich durch Atolle auszeichnen, fchlcn. Diese Atolle konnen nicht
durch Vulkane entstanden sein, uin so wahrsrheinlicher ist aber, dass
sie einer Senlrung der Erdoberfliche ihr Dasein verdanlten. Solche
Senkungen sind nicht selten, wie grosse Streclcen dcr Erdrlnde beweien, w o aufrechtstehendc, verltieseltc BIiume in Schichten aller Arten
von mehreren tausend Fuss Diclre begraben sind Freilirh lassen sich
Senkungen der Erdoberflache schwer nachweisrn ; von Srandinavien,
das einc so alte Cultur besitzt, ist erst jetzt bestininit belcannt geworden, dass eine Senlrung statt gefunden hat. Es spricht blanches daldr,
dass die massenhaften Atolle der Siidsce die lctzten Spuren einer Inselwelt sind, die theils plotzlich, theils nach und narh in d i e l i e f e sank.
Bei einzelnen Gruppen, bei den Reelings, Karolinen, b e i e niederen
Archipel, hei den laldiven, bci der Chagos-Gruppe llsst es sich nachweisen, dass einzalne Inseln unter den Fluthen verschwunden sind.
Es sind theils Erdbeben, theils und hauptstichlich Siiirme, wodurch
diese Verinderungen bewirltt wurden. K o t z c b u e , C h a m i s s 0 ,
F i l z r o i , K u c h b u r y erzahlen yon Inseln, die wihrend ungewohnlicher Stiirme hinweggewaschen wurden. Moch vor wenigen Jahren
zerst6rte ein Sturm zwei yon den Kerolineninseln und verwandelte sie
in Untiefen. Von den neuern Forschern wird angenommen, dass die
Wallriffe und Atolle urspriinglich Uferriffe einer Insel waren. Die
Insel sank allmllig, die Korallen bauten fort und erreichten von ihrer
Unterlage, die aus anderen Korallen und ihrcn festgewordenen Triimmern gehildet w a r , lcicht die Oberflaehe wieder. U R SWasser gcwnnn
nun fiber das Land, die Insel w u r d e niedrigcr und Itleiner, der Raum
zwischen dem Riff und den1 Kande des IJfers breiter, cs w a r cine
Insel mit einem Wallriff cntstandcn. Ging die Senliung eincr wit einem
Riff unigebenen Insel nocb weiter, fuhr das Land allmiilig fort 211 versrhwinden, so entstand zuletzt ein f6rmliches Atoll. Diese Theorie
wird noch dadurch bestarkt, dass die Atollen-Gruppen Inselpruppen
auf das vollstindigste gleichen. Die drei Hauptgruppen der Atolle
liegen in einer Kichtung von Nordwest nach Sudost, und in derselben
Kichtung licgt alles Land im stillen Neerc. Alle grosseren Gruppen
sind verlangert, und die grosscre Zahl der einzelnen Atolle erstreckt
sich in derselben Richtung, wie die Gruppc, i n der sic stehen. Im
l a r s c h a l l - und Maldisen-Archipel erstreclcen sich die Atolle in parallelen Linien, wie die Berge in einer grossen doppelten Bergkette. Es ist nnn abzuwarten, in wic weit diese neuestc ‘rbeorie durch fortgesetzte Beobachtungen Bestatigung finden wird. Dass solche Beobachtungen nieht fehlen werden, dafiir biirgt uns die Thcilnahme, mit der
die Naturforscher aller Nationen die interessante Erschcinung der Atolle,
Wallriffe und Uferriffe verfolgen. (Stegers Erg. BI. d . C. L . 1849.)
G.
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