close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Die Reform-Angelegenheiten der Apotheker.

код для вставкиСкачать
84
Zmeile (Abtheidung.
Vereins - Zeitung,
redigirt votn Directorio des Vereins.
1) Die Reform-Aagelegenheiten der Apotheker.
Widerlegung einer Beurtheilung der pharmaceutischen
Reforrn-Angelegenheilcn con dem arztlichen Standpuncte
durch Dr. M e u r e r */.
In No. 51. und 52. des medicinischen Reformblattes fur Snchsen
vum verllossenen Jahre hat die Hedaction desselben eine Beurtheilung
der Reformbestrebungen der Apotlielcer voin iirztlichen Standpuncte,
aus den Jlittheilungen des Brztliehen Vereins in Baden, Jahrgang 111.
1869. No. t 4 . abdrucken lassen, yon der ich im Interesse des iirztlichen
Standes wiinschen mbchte, dasssieuberhauptnicht gedruckt worden w i r e .
Die Einlaitung zu dem Aufsatze, welche vnn der Redaction des Reformblattes auszugehen scheint, ist ohne Kenntniss der Sachlage und eben
so parteiiscb abgefaast, wie der eigentliche Aufsatz in der Hauptsache ;
abgesehen von den darin enthaltenen Unwahrheiten und Unhltirheiten,
zeigt sich recht deutlicb, dase die Aerzte i n der Regel nicht befrihigt
Bind, iiber pharniaceiitische Angelegenheiten, besonders wenn eie bloss
die Verwaltung betreffen, zu urtheilen. Ohne tiefer auf die Sache
einzugehen, will icli das hier Bebauplete bloss aus dein, w a s in dem
angezogenen Aufsatze selbst enthalten, zu beweisen suchcn.
10 der Einleitung wird behauptat, dass . h i dem Coogresse deiitscber Apothelcer in 1,eiptig u / m e alle Ceschafkordnctng. und joglicbsn
parlamentarischen Tact wild durcheinander gefagt taorden und derhnlb kein Ceioinn fiir die Setheiligfen LU erwnrten geweren rei
Dass bei einer Versarnmlung im Herbste 1848 von Miinnern dcr verschiedenartigslen Gesinnung, aus den verschiadensten deutschen SIaaten, die vorher nicht an iiffentliche pnrlrmentarische Verhandlungen
gewdhnt waren, die parlamentarircbe Forni nicht itnmer streng inne
gehslten wurde, muss wohl jeder unparteiisch Urtheilende natiirlich
finden, und in einer kurzeii blitlheilung iiber diesen Congress (Reformblatt. No. 5. 1849.) liabe icli sclbst gesagt, dass die prtrlamentarische
Form nic6t inimer streng inne gehalten worden sei""); gewiss aber
wird init mir Jeder, der den Varhandlungen des Congresses beigewohnt
oder sich a w den dariiber gedruckten Mittheilungen i n pharmaceu-
-
*) Dieser Aufsatz ist gleichzeitig an die Redaction des medicinischen
Reformblattes zuni Abdriiclt gesandt worden.
**) Wir gesteben das zu, haben es aber doch der Wahrhaftigkeit
anEernessener gefunden, den Bericlit gcfrcii d r n Protocollen gemiss, die keine scenographischen wrtren, ausxuarlleiten, slr EU
Arch. d. Yharm. CXII. Bds. 1.Hft.
6
$2
Vereimzeitung,
tischen Journalen
*)
genau unterrichtet hat, den obigen Ausspruch,
ills sei bloss i n den Tag hinein gcsprochen und deshalb kein Gewinn
fiir die Betheiligten LU erwarlen gewesen, fiir unhaltbar oder baswillig erlcl8ren. Dasi r m Ende kein grosser Gewinn daraus hervorgehen wird,, glaube ich auch, es theilt dies Schicksal der Congress
Init der Netionalversaninilung in Frankfurt, l’iir welche im Jiihre 1818
alle deutsche Herren so begeislert schlugen ; nur mil dem Unterschiede,
dass auf den Congress der Apotheher nicht die Schuld des Fehlschlngens ihrer Hoffoungen ftillt, wic auf die Nationalversammlung in
Frankfurt.
Dass ein vorliufiges Programm vorlag, beweist No. 2. dcs ReformMattes \‘om Jahre 1848; dass aber das erste Geschafi der VersamIneltea, eachdenr sich die Versammlung constiluir~d. h. nachdem sie die
ii6thigen Beainten gewtihlt, die Berathung und Feststellung einer von
iiiir vorliiufig eiitworfeneo Geschiiflsordnung wer, kann inan i n der
genauen Aufzeichnung der Verhandlungen im vorhin angegebenen ArchivBande finden.
Die Reaultate der Berathung des Congresees waren: eine Petition
(iiicht Programm, wie filschlich mehrmals im Reformblatt No. 51. 1,. J.
1949 gesagt wird) an die Nationolversrmmluog in Frankfurt
eine
zweite an die Regierungen und Volksvertreter der einrelnen deutachen
Staaten ***), ferner ein Schreiben an den Congress zur Berathung der
Reform deutscher Universittiten in Jena f ) und ein Aufruf a n Deutschlands Apothelcer riir Grdndung eines Denkmals fdr B e r r e I i u s’ Andenkeo t+),endlich Besprechungen iiber die Apothekerordnuiig, Ober
eine Unterst~tzungsanstali fiir ausgedieote brave Gehiilfen und, wan
vor Allem hoch anzuschlagen, dber die Vereinigang aller Apotheker
Deutschlands in Einen Verein, der nur seines Umfangs wegen in einen
sad- und norddeutschen zerfallen sollte. An allen diesen Dingen ist
bis jetrt noch fortgearbeitet worden und wird noch fortgearbeitet,
und hoffentlich die Bildnng eines einzigen Apotheker-Vereins erreicht.
Grande dafilr anzufiihren, dass alle die ech6nen PIBne noch in weiter
Ferne stehen, bedarf es wohl far Niemand.
Was is1 nun an dem im Reformblatt NO. 51. v. J. 1649 und daraus oben in aller Kiirze Angefiihrtea noch Wahres?
Ich aotworle:
~ N i c ht s! I uiid hiermit muss jeder Unparteiische tibareinatimmen, der
sich die hldhe giebt, eich durch die angefiihrten Citate vollbommen
zu unterrichten.
Nach der Beurtheilung der Einleitung will ich das, was der badische Arzt iiber einrekne pharmacentische Angelegenheitea ausspricht,
**),
-
___
Gunsten der Bussern Form Verinderuogen vorzunehmen, die nur
auf Kosten der Wahrheir hiitten geschehen milesen. Man mnsr
dahei etwtigen, dass die Versammlung eine zahlreiche war, uad
nur rehT wenige Mi&lieder bir dahin Gelegenheit gehebt battm,
in psrlmentarischer Weise IU verkehren dam aber deanoch
die Ruhe ond Ordaung bewsr gehandhabt worden h d , alr in
mandbem grossen Volksparlarnente.
D i e Red.
*) Archiv des norddeulechen Apothekcr-Vereins. 11. Reihe. Bd. 56.
S. 8 1 124.
Ebendas. S. 110-112.
***) Ebeodas. S. 113-li6.
+) Ehendae. S. 122-124.
tf) Ebendas. S. 117 u. 118.
,
**)
-
Vereiqszeilung.
83
nilher beleuchten und jedes von ihni gestellte Thelna an die Spitre
meiner Beurtheilung setzen.
Der erste Satz lauiet: Eine con den Apothekern fcst~uatellende
Apotheker ordnutig.
Nach einaelnen in der Vorsammlung gefallenen Reden und nach
oberflichlichen llliitheilungen des Verhandelten in verschiedeneti Bliitern scheint allerdings der Ausdruck, als wollten die Apothelrer ganz
allein eine hpothekerordnung entwerfen, gerechtfertigt ; doch werden
diese falschlicheu Ansicliteti unrl llliithetlutigen E'inzelner durch die
Gesammtbeschltisse und durch das i n der Petition an die Regierungon
der einzelneu Stanten fur Alle Ausgesprochene vollkommen widerlegt.
Ausser der achon fruhar citirten Petition finden wir in der Ilenkschrift iiber den Zustand der Pharmacie, welclie das Directorium dee
norddeutschen Apotheker Vereins im Jahre 1815 herausgegeben, Bd
mehrmals deutlich ausgesprochen, dass die Apoiheker nur verlangen,
bei den Verhandlungen und der Gesetzgebung in pharntaceutischen
Angelegenheiten zu Rathe gezogen zu werden uiid an der Entscbeidung Theil nehmen zu kbnnen. Ueberall wird von sachverstindigen
Apothelrern nnerkannt, dass Aerzte die Heilkunde, Juristen den Staat
bei solchen Verhrndlungen vertreten mtissen; dass aber diese allein
nur Unvollstandiges liefern, dass die \'on Apotheltern etwa eingeholten
Gutachten, wenn nicht Phartnaceulen an den Eutscheidungen selbst
Theil nehmen, doch noch falsch benutzt werden, daftir liefert die ganze
Gesetzgebung fiir dieses Fach den deutlichsten Beweis. Ich erinnere
mich noch recht wohl aus frtiherer und spiiterer Zeit, wie die bei
der Berathung der Pharmakopde, der Taxe iind lhnlicher Cegenstinde
befragten Sachversttitidipn in Sachsen, als das Uing zu Tage kam,
behaupteten, dass ihre Vorschl6ge und Auaspriiche nicht beachtet worden. Ea rupft da jeder juristische und medicinisehe Ralh damn
herum, nimmt weg und setzt hinzu, bis endlich etwns darrus wird,
wns fiir die praktische PharinRcie unhrauchbar ist. Nehmen Pharmaceuten an der Berathung, a n der Abstitnmung selbst Theil, eo wiirds,
10 m(iaste das Endresultat doch besser ausfallen.
Der Beurtheiler dieses oben angcfiihrten Satzes stellt n u n aIs
Hauptzweclr der Phrrmacie: die kunstgerechte und tadelfreie Anfecrtigung der worn Arste gcschricbenen R e c e p k dar; wenn man nun auch
zugeben muss, dass dies der endliche Zweck der Pharmacie ist, 10
wird dnch Jeder
und es sollte wenigstens jeder Arzt wiasen,
dass, um diesen endlichen Zweck zu erreichen, der Phartnaceut die
Nalurwissenschaften ordenllich sludiren und praktisch treiben muss.
Die Anfertigung eines Receptes erfordert, wenn das dazu h'athige
#chon vorltnnden, selten mehr als Sorgfalt und Arcurntesse; a b s r dar
Sampleln der einheiinischen Vegetnbilien, das Anschafrn der Droguen,
daa Darstellen der phartnaceutischen und cheniischen Priiparate, nlle
diese Dinge aufzubewahren, iin ndthipen Falle zu prdfen, crfordert
die Kenntnise der Botrnik, Zoologie, hlinernlogie, Mathematilr, Pliyrik
und Cheinie; das erfordert, dagsder Apotheker sich nirht bloss tbeoretisch mit allem diesem heschihige, soitderii dass e r auch die nolhige
Praxis darin besilzt; dies niacht ihn nber niich geschickt, nicht bloss
ein Hecept L U fertigen, sondern dem Arzre und den Behordeti die
chemischen Unlersuchungen Ruf Verlatigen zu liefern und der Rathgeber des Publkutqs in fraglichrn Fillen, wcnn es Cegenstinde aum
den yrolttischen Naturwjssensctiiifleii betrirt, sein zu Itonnen. Es khnn
daber ,such wohl nio einem Sacbverslandigen einbllen, das bnfertigen
-
-
-
61
88
Vereinszeilung.
cines Receples a h das Hdchste hinzustellen. Die Apotheker selbst
winsen dies am besten, dnher strebt jeder geistig Krlftigere, das Anachaffen, Darslellen zu besorgen, die Scbwacheren kann man aber zur
I{eceptur verwenden. - Es ist wohl nie dem Apotheker eingefallen,
den Aerzten vorzuschreiben, was sic vcrordnen sollen, wie der Verf.
daraus zu folgern scheint,. dass die Apothelcer verlangen, an der Ausarbtilung der Pharmakopde Theil zu nehmen; denn iiberall, in Gesetzen
und von Pharniaceuten, wird ausgesprochen und .anerkannt, d i w der
Apotheker ftir dns Ilerbeischaffzn rller ledicainente, welche der Arzt
zu Heilzwecken f i r ndthig erachtet, Sorge tragen mtisse; gut w i r e
es aber gewiss oft, wenn der A r z t den Apothelcer zuweilen fragte und
hdrte, zoie elmas su oerordnen sei. lcli will hier nicht Beispiele anffihren, aber meine volle Ueberzeugung ist es, dass, weiin die Aerzte
fiber die Formen und hliscbungen, in welchen die Medicamente zu
verabreichen, stets mit dem Apotheker die nathige Riicksprache nlhInen, es tnit der Kenntniss iiber die Wirkung der Medicanlentc vie1
Lesser steben wtirde, als es wirklich steht.
Wenn eine Pharmnkopbe bloss von Apothekern ausgearbeitet wiirde, so gebe ich sehr
gern zu, dass dieselbe eine mangelhafte sein inasste *), und ich hrbe
selbst der preussischen Pharmakop6e an irgend einem Orte den Vorwurf gemacht, dass nian ihr den zu grossen Einflusn der Pharmaceuten anmerke; vielleicht ist dies in Baden ebenso, aber ganz feet steht
es, dass, wenn eine PharmakopGe bloss von Aerzten bearbeitet wtirde,
dieselbe erbtirinlich ausfallen nidsste. Es muss deshalb auch hier, wie
es auch von Sachveretendigen dherall beansprucht wird, das Brztliche
und pharmeceutische Wissen Hand in Hand geben.
Der rweite Satz, den der Verf. vor sein Forum zieht, lautet:
* D i e Apotheken Reaisionen sollen in den Handen prakfischer Pharmacculen seinr.
Daes die Kevisionen von Apothekern, d. h. von
Leuten, welche daru vollhommen bettihigt sind, angestellt werden, sollte
Jeder verlangen, dem daran gelegen ist, dasa die Revision einen wirklichen Werth babe. Wenn man freilich, wie der Verf. des angerogenen Aufsatzes, blose die Verfertigung der Recepte oder tiberhaupt den
Verkauf der hledicemente zu beriicksichligen fiir ndthig halt, daan
bedarf man k a u m, aber auch nur k a u m , wissenschaftlich und praktisch ausgebildete Apotheker dnzu; da es aber hier mehr auf die
Untereuchung und Priifung der vorhandenen Droguen und pharmaceutisch-chemisrhen Prlprrale, und auf die Art, wie sie anfbewahrt
und verarbeitet werden, ankoinmt, so kann nur ein Apotheker irn
besten Sinne des Worts eine Apotheke revidiren. Dass bei den
Hevisionen der Bezirks- oder Physikatsarzt dabei sei, dose es jedem
praktischen Arzte frei stehsn muss, fich fiber den Werth und die Beecbaffenbeit irgend eines MedicRnients zu jeder Zeit in der Apotheke
cu unterrichten, wird Niemand wegleugnen, iind ee wird dem Apotbeker nur lieb win, wenn der Arzt ee mit Sachkenntniss zu thun
vermag, und der Apotheker wird dem A n t e gewiss freuodlicbst die
Hand daru bieten.
-
-
__ ____
*)
-._
Dagegen spricht die Ausarbeitung des Coder medicnmcntariur
Hamlurgensis durch den Apotheker Dr. 0 b e r d 6 r f f e r , ein
ebenso zwechmfissiges als grllndlieh abgehsst'es Werk: Wir
halten aber eine nu1 Apothekern und Aerzten zusammengeserte
Commission rur Bearbeitung einer PharmakopBe Wr pasaend.
Bley.
Vereinszei'tung.
85
Dass, wie der Verf. behauptel, con Seifen drr Apotlieker f o r t rdbrcnd gegen die Visitationen ein Ceschrei erhobcn werde, ist mir
nie bekannt geworden, ausser in den Fiillen, wo die Revisionen von
Aerzten auf unvollstfindige und unzwecltmiissige Weise vorgenomnien
wurden. Eine solche Revision Iiabe ich selbst im medicinischen Argos
voin Jahre 1831 geschildert und, wie icli glaube, dadurch indirect niit
dnhin gewirlct, dass in Sachsen die Revisioneo der Apotheken nicht
inehr von Aerzten, sondern von frcher p r a k h c h gebildeten Apothekern
unternommen werden. Fur y e i t zweckmiissiger hake ich es lreilich
noch, wcnn man noch praktisch thiiligen Apotbekern, wie r. B. in
Preussen, die Hevisionen ubertriigt, nicht allein weil diese, da sie inimer
im pharniaceutischen Geschifte bleiben , besser dazu geeigiiet sind,
sondern noch inehr, weil ein solches Ver.trauen der Hegierung, eine
rolche Ausreichnung wohlthiitig auf den ganren Strnd riickwirkt.
-Der V.erf. des frrglichen Aufsatzes giebt nun cwnr cu, dass es
auch Apotheker gabe, welclie die Aufgabe, eine Apotheke zu revidiren, LU lasen vermochten, und ich will ihin deshall, schon aus Hoflichkeit, auch einriumen, dass es einzelne Aerzte giebt, welche ein
Gleiches vermbgen ; doch werden diese Ausnahinen sehr aelten sein,
da selbst diejcnigen, welche friiher Apotheker 'waren, durch den ungeheuren Umfang des medicinischen Wissens gehindert sind, den Fortschritten der Naturwissenschalten so, wie es absolut fur einen Apotheken-Revisor 06thig ist, tu folgen.
Uer Verf. nennt die durch die Entwirklung der Wissenachaft in
der l'harmrcie 'gefolgten Verbesserungen, worunter er wohl nanientlich die durch die Fortschritte in der Annlyae ermdglichte Entdeckung
von Verunreinigungen der verschiedenelen Art nnd die hieraus hervorgehende Verinderung in der Prtifung und L)nrslellung der l e d i camente versteht, rpharmaceulische Filigmn-Arbeila. Man muss ihn
dieses Ausspruchs und der Behauptung wegen, dass der Arrt durch
den Besitr eines eignen Instincls belahigt sei, die Apotheken zu revidiren, innigst beklrgen, aber noch mehr seine Krankea, fiir die er
wohl nuch nur durch Instinct befihigt ist zu sorgen. - Ein Arrt, der
den Werth, den die Wissenschaft im Verlauf der Zeit auf die Fort- und
AusbiMung, j a man kann sagen auf die Veredelung .der Pharmacie und
mithin auf dio rweckmissigere Bereitung und 'grossere Reinheit ddr
Medicaniente ausgeubt, nicht anerkennt, der verdient nicht den Namen
nArztr, noch weniger aber ist er befiihigt, iiber pharmeccutische
Angelegenheiten ru artheilen, und aus diesem Grunde is\ es unbegreiflich, wie ein Aufsatz,' der von solchen Principien ausgeht, eines
Druckes -iiberhaupt, und noch mehr, wie er eines Wiederabdruckes
werth gehalten werden konnte.
Zur Beurtheilung wird vom Verf. drittens die Frage aufgeworfen :
Sol1 die Aplegung neuer Apotheken nur unler Begulachtung durch
unpnrteiische und saehverstandige Phnrmpceuten beslimmt werdetr?
Hierauf rntworte ich mit P N e i n! u und behaupte, dass nirgends von
Pharmaccuten, wenigstens nicht 1x3 der i n Leipzig s l a t t gefundenen
Versammlung oder in einer dort beschlolurenen oder t u r Auafiihrung
gebrachten Petition. diese unbillige Forderiing gestellt worden. Die
Apotheker verlangen, wenn es sich uni die Aeleguug einer neuen
Apotheke handelt, nur, dass man auch ihre Griinde dalar oder dawider hdrt und ihrem Werthe nach beachtet.
Endlich hespricht der Verf. des fraglichen Aufsntres noch die
Bitte der Apotheker: uum collkommenen Schutz ihrw Rschlr im
Allgernmnsn wnd dcr Hcmdasrkaufsr. Die Unlrlarheit des Verf. in
reinen Bagriffen, die Unbekanntschaft mit den Verhiilfnisaen und dem
Zustande der Pharmacie, welche im Ganzen sich kund giebt, tritt am
Nach des Verf. Ansicht iat
stirksten in diesem Abschnilte hervor.
die Phariiiacie entstanden, weil sich die Aerzte nicht mehr mit der
Bereitung der Medicamente abgeben wollten. Ich bin anderer hleinung,
ich meine, die Pharrnacie (die Bereitung der Medicamcnte) mussle von
der Medicin getrennt werden, weil der Umfang des medicinischen
Wiasens r u gross wurde; dieses Wissen ist niin irn Laufe der Zeit
fortgewachsen, und p i t ihm das pharmaceutische, und 6 0 is1 es jctct
eine Unmbglichkeit geworden, .beides ru vereinigen, d. h. gleichzeitig
Hat m a n freilich so betiichtiger Arzt und Apotheker zu sein.
rchrinkte Begriffe vom Apothelrer, wio der Vcrf., der als Hdchstes
an~ieht,wenn der Apotheker die schrlftliche Verordnung eines Arztes
ausfohren kann, so macht man gewiss auch bescheidene Anforderungen an das Wissen uad Kbnnen des Arztes; man nennt Jeden, der
eine Medicin zusammenbraut und ausgiebt, einen Apothelrer, und jeden
Qoacksalber einen Arrt. Apotheker und Aerzte dieser Art haben keiii
Hecht, einen Schutr von der Behdrde filr ihr W’irlien in Anspruch zu
nehmen. Aber ein Apotheker, der den Ansprcchen der Behdrden,
des wiaseoschaftlich gebildeten A n t e s iind des Publirums entspricht,
der nicht rllein grorse Opfer gebrachl hat, urn sich hierfar zu befiibigea, sondern bei sorgfaltiger Verwaltung seines Geschafts noch tAglich grorse Opfer bringt, hat das vollkdmrnene Recht, die BehBrde
um Scbutr rozurufen, und besonders fiir den Alleinhandel mit Medicamenteh ini Detail. Durch dies Recht, i n welches so viele Eingriffe
gescheken, wird dem Apotheker nicht bloss die Enlschidigung f d r so
viele Leistuogen eotrogen, sondern es wird auch das Wirken der
Aerate dadurch nnaicher und das Wohl den Publicums geflihrdet, denn
Hreuterweiber und Kaufleute haben weder die Kenntniss, noch die
Verptlichtung, nur ladicamente von bester Boschaffenheit ru jeder
Tagerreit auszugeben.
Den von den Apothekern verlangten Schutz machi ihnen der
Verf. aber derbalb streitig, weil nuch seinen Begriffen Hnndaerkauf
und QuaekrnZbcrn. gleich iet. Die Zeit des Curirens (Quwksalberns)
ber Apotheker ist wohl ganz voraber, denn hieher darf man doch
nicht rechnen, wenn der Apolheker i n Ermangelung eines Arzter,
oder wenn elwas Unzweckmiissiger stark Wirkendea von ihm verlangt
wird, oder wenn er Auskunll giebt, wie irgeml ein -yon ihm gefordertes Medicament rubereitet wwden soll, ‘einen R a t h giebt, den jeder
h i e , wenn er duvon unterriehtet is:, auch giebt. Sollte der Unfog
den Curirens noch an einzelnen Orten vorkomnien, so wird es gewiss
nicht dem einzelnen betreffenden Apotheker und noch weniper dem
ganren Slande einfallen, dies unbefugte Verfahren R I ~ein Recht in
.Unter llandverhnuf ist bloss L U verstehen:
Aniprueh zu oehmen.
das Verabreichen einrelner oder rusaniniengesetzter Medicamente yon
milder, durchaus nieht drastischer, narkotischer oder gar gifliger Wirkung, ohne besondere schriftliche iirztliche Verordnunp, nber aiif beronderes V e r h g e n -des Bediirfenden. - Ein solcher Handverkauf ist
im Interease des Publicurns nicht zu enlbehren, uiid selbst die Aerate
beddrfen desselben, uip sieh ihre Arbeit zu erleirlitern; aber i m Interesse beider muss es liegen, dass derselbe von hierfflr Gebildeten
betrieben wsrde, die ratbend und warnend das Verlangle in bester
Qualittit verebreichen oder im R’othlall auch verweigern. Leider
a-
-
-
,
Vereinszeilung.
87
rcheint von den Aerzten die Kothwendiglieit, dass der Handverlrauf
der Medicaniente niir in den Hfinden der Apothelter sei, nicht oder
nichl ordentlich erkannt zu sein und beachtet zu werden.
Zur Reriihigung f i r dns Brztliche Publieuin kann ich schliesslicll
noch versichern, dnss alle ReforitiIieatretungen d r r Apothclter nur
dahin gelieri : geincinschaf&-h mi; den Aerzten d i e Pharmacie i n
ilrrem toissenschafllichen und gcioerblicheir Theile z u ceroollhommncn,
d a m i t rainniflichen Staatstiirgehuriycn d e r grosslmogliclrste Nictzeti darnus erioachse. - Zu miinscheii vcare hierfur tiur, dass d i e A e r i t e auch
zu d e r Einsicht gelanyten, dnss e i n M(in(l-in-Mand-geheir orit d e n
Apoflrckei*n niclrt bloss der Plcnrmacie, sowdern der gesnmmleir bfedediciir
zuni grcisstetr Vortlreil gereiclife.
Entwur f einer A pot heher- Ordnung fiir dns KonigveicR
TViirtenzberg.
Auch in Wiirteinberg hat der von den Apothekern erwihlte Ausschiiss dent betreffenden hiinisterio einen Entwurf einer ApothckerOrdnunp vorgelegt und im Julikefte des Jshrbuchs der I’harmacio fiir
Siiddeutschland verbffentlicht, und soniit wollen wir auch diesen besprechen, da es j a allgemein gewiinscht wird, mdglichste Uebereinstimiiiung in iler nledicinal-Gesetzgebung fur alle deutachen Strnten zii
erzielen.
In der I. Abth. E i n r i c h t u n g u n d B e s i t c y o n A p o t h e k e n ,
werden ($. 1.) wie iiberall, die Apotheken -Institute unter die Aufsicht des Staates gestelll, jedoch wird die Anwendung allgenieiner
Gewerbegesetze auf die Apotheker ausgeschlossen.
Die dinglichen
2 . ) resp. deren h i e s Verknufsrecht soil erhalten,
Concessionen
fiir die Zukunl’t resp. f i r n e w Anlagen sollen, wie bereits in nrucster
Zeit geschehen, nur personliche Concessionen ausgegeben werden und
in der Kegel mil dem Tode des betreffenden Concessionnrs erloschen,
demniichst neu verliehen werden. Dies I’rincip erscheint uns auf keinen Fall seitgemiiso, denn das Slreben nech einer seit Jahren schon
als nothwendig erkannten Rechtsgleicbheit der Besitzverhiiltnisse tier
Apotheker ist eben Folge der j e t z t noch beslehenden Rechtsausnahmen
(t’rivilegien), deren Aulhebung auch in dem k’reussischen, wie in deni
Oeterreichischen Entwurfe
dringend und unerlisslich bczeichnet
ist. Weswegen ferner (s.8.)den Witlwen die F o r t s e t z u n g d e s
A p o t h e k e n b e t r i e b e s durch Haltung eincs Provisors, auf Lebenszeit, den niinorennen Kindern aber nur walirend 3 Jnhre (S. 9.) geatattet, und nur zu Gunsten d e s Sohnes eine Ausnahine eintreteti SOII,
welcher die Apothelie zu iibernehinen bestimmt ist, ist niclit abzilsehen. Dagegen sol1 laut S. 13. sogar den Apothekenbesitzern dra
Hecht der Verwaltung durch Administration zustehen , wenn diese
durch Altersschwiiche, Krnnkheit, oder andere trirtige Griinde dauernd
abgohalten sind, oder denselben rechtskriiftig die gesetzliche Befijhigung entsogen ist. Auch V c r p a ch t u n g ist unter ahnliclien Verhiiltnissen zuqelassen.
Durch die 11. Abth.: v o n d e n g e w e r b l i c h e n V e r h i i l t n i s s e n d e r A p o t h e l i e r , wird ($17.)
der Apoiheker als ausschlierslich berechtigt erklart, Arzneien zu bereiten, zu dispensiren, so wie
Arzneiwuaren zu verkaufen, und (0.16.) sicli dem Gifthandel zu unw-
(s.
88
vercinSz&:?mg.
-
ziehen, wobei in den sg. 19 21. Vorschriften fiir den Ciftverkauf
g e p b e n rind. Im 9;. 22. ‘wird Aerzten und Thiergrzten dar Dispensiren u n d Ausgeben yon Arzneien rusdriiclrlich untersagt und (s.33.)
nur den sehr enlfernt wohnenden Aerzten nachgegeben, einige weoige
Sachen fiir den h’olhhedarf ~u h61ten.
111. A b t h . A u s b i l d u n g u n d B e f i i l i i g u n g d e r A p o t h e k e r .
Das Plinimiini der Lehrzeit ist ruf 3 - 4 Jahre festgesezt, Schulreife
fiir . die .Universilit wird nicht verlangt. In lieiner Apotheke sollen
zur selben Zeit inehr als zwei Lehrlirlge gebildet werden. Nach 9. 31.
werden Zeugnisse fiir Gehitlfen und Lrhrlilige auch aus andern Slaaten reipectirt, was allgemein zu ciripfehlrn ist. Fur das Conditioniren werden 4 Jnhre, fiir Universiliitsstudien 1 Jahr festgesetzt, und
Jeder, welcher 6 Jahre ausser Geschah war, sol1 eincr neuen Profung
unterworfen werden.
.Die 1V.Abth.: E i n r i c h t u n g d e r A p o t h e k ’ e n , giebt nurselir
rllgenieine Andeutungen.
Die Ablh. V. beruht auf dem Princip, dass bei der Oheraufsicht,
welche der Staat iiber die Apotheker u n d deren Inslitule f i h r t , vorcugsweise Apotheker wirl~sam,diese rnilhin i n allen Stadien der Verweltuag durch Fachgenossen vertreten sind, ein Princip, welches jetzt
allgelnein als die nothwcndigste Bedingung wnhrhaft niltrlirher Reform
hingeitellt wird. Die Apothekenrevisionen sollen durch die phnrmaceutischen Nitglieder der betreffehden StaatsbehOrden aurgefiihrt werden.
Die Abth.VI., d i e O b l i e g e n h e i t e n u n d B e f u g n i s s e d e r
A p o t h e k e r betreffend, haben wir rnit der allgemeinen Observanz
ilbereinstimmend gefunden.
Abth. VII.:. A p o t h e k a r - V e r - e i n e . SCimmtlichen Apothekern
wird der Beitritt cur Pflicht gemacht, die Beamten werden durch Wahl
berufen. Laut I. 79. sollen die Vereine das Lehrlingswesen iiberwscben und deren Prafungen vornehmen, ausgerdem der Centralstelle
als berathende und begutachtende Corporation beistehen. Wir yermianen dabei. aber, dass weder von Stiftungen eines Gehiilfenpensionsfonds, noch eioes fiir Stipendien Erwhhnung geschehen; daas ferner
nicht bemerkt ist, o h und wie weit approbirten Gehiilfen die Theilnahme an den Vereinsversammlungen zustehen soll.
Halberstadt, den i. PBrz i850.
Dr. Fr. L n c a n u s ,
.
2) Medicinalweseu.
Dan Hercogl. Sacbeen-Altenburgischo Amtr- und Nachtichtsblatt
No. 15. vom Dienstag den 19. Februar 1650, bringt folgende Bekanntmachung :
Mit hocbster Genehrnigong werdeo von jetzt an ceitweilige Revirionen
der Apotheken den hienigen L a d e s durch Hrn. Hofr. Prof. Dr. W a e k e n r o d e r nun Jean atatt firden, welcher hirrzu jederzeit rnit besonderm,
die ca revidirende Apotheke namentlich bezeiohnendem pegierungAuRrage versehen werden wird. Zur Nachachtung der . Apotheksr
und der Becirksilrzte, welche lelztere sich der Revirrion jedesmal auf
vom Herrn Revisionscommissar erhaltene Veranlassung anzuschliessen
habeo, wird d a b Solches hierdarch Offentlich bekannt gemacht ; auch
warden gleiohreitig die betreffenden Ortspoliceibehorden angewietcn,
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
2
Размер файла
444 Кб
Теги
angelegenheiten, reformy, apotheke, die, der
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа