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Geschichte des Ozons.

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Goschichte des Ozons.
zu wiinschen, dass man Versuchc anfitelle, um in diesem
Punkte ein besseres Einvernchmcn hervorzurufcn. F u r den
Studirenden ist die Annahme einer allgemein bekannten Nomenclatur von vielleicht grosscrm Nutzcn als die einer allgenicin angenommenen Formel. Fur jetzt scheint die Einfuhrung einer allgemeinen Formelbczcichnung unmoglich , aber
mit einigen Zugestandnissen von Sciten der Coryphaen der
Wissenschaft und noch mchr von Sciten der Schriftsteller
wird die Hoffnung sich aufrecht erhalten, cine Einheit der h'omenclatur bei allen Chemikern errcicht zu sehen. ( Fr a n k 1a n d).
R. Bender.
11. Anorganische Chemie.
Geschichte des Ozons.
Im Jahre 1774 entdeckte P r i e s t l e y den S a u e r s t o f f ,
und bald beschiiftigtcn sich mit den Wundern des neu gefundenen Elements alle europiiischen Chemikcr. Ausser den
solchergestalt hervorgerufenen Porschungen, die bestimmt
waren, eine so edle Frucht zu tragen, wurdc eine Menge
abgesondcrtcr Versuchc angestellt, und einer von diesen war,
nachdom man ihn genauer kenncn gclernt, von der hochsten
Wichtigkeit. I m Jahre 1785 gericth v a n M a r u m , der sich
vorzugsweisc dcm Studium dcr Electricitit widmete, auf den
Gedanken , e 1 e c t r i s c h e F u n k e n d 11 r c h S a u e r s t o f f
g e h e n z u 1a s s e n , wahrscheinlich als ein blosscs Versuchsexperiment, um zii sehen, was gcschehen werde. Er fand,
d a s s d e r Sauerstoff cingn eigenthiitnlichen G e ruch e r l a n g t c und damit die Kraft, unmittelbar
a u f Q u e c k s i l b e r z u w i r k e n . Er erhiclt also Ozon;
allein da die chemische Methode noch jung, SO wurde durch
den Versuch nur wenig wirklichc Kcnntniss gewonnen. Der
Geruch war der namliche wic derjcnige, den man in dor Kihe
einer in Thatigkeit befindlichen electrischen Maschine in dcr
Luft beobachtetc. Van Marum bcgniigte sich daher mit dcr
Annahme, dass es der natiirlichc Geruch dcr ,,clectrischen
Materie" sei. In diescm Zustandc blicb die Sache bis 1840,
als Prof. S c h o n b c i n in Basel sic in dio Hand nahm und
bald eine Anzahl merkwurdiger Thatsachen ans Licht brachte.
Er fand, dass bich die ricchende Substanz durch mehre abgesonderte Processe bildcn lasse, dnes sic in dcm Sauerstoffgase
vorhanden sei , wclches man durch die Volta'sche Wasscrzcr-
Geschichte des Ozons.
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setzung erhiclt, und dass man sic sogar erzeugen konne
ohne blitwirkung von Electricitat, durch langs a m e O x y d a t i o n y o n P h o s p h o r , oder, mit anderen
Worten, dass, wenn ein Thcil Sauerstoff durch Phosphor aufgesaugt sei, cin anderer Thcil stets sich in O z o n verwandele.
Die Eigenschaftcn des Ozons, oder richtiger gesagt, des
o z o n i s i r t e n S a u c r s t o f f s , wurden von S c h o n b e i n mit
grosser Sorgfalt und vielem Soharfsinn studirt. Die bei weitem merkwurdigete dieser Eigenschaftcn ist , wie er fand,
s e i n e ausserordentlichoxydirende Kraft.
Eine
grosse Menge Substanzen, welche die Fahigkeit nicht besitzen
sich unmittclbar mit Sauerstoff zu vereinigen, selbst nicht
bei hohcr Tcmperatur , werden augenblicklich von Ozon oxydirt und zwar nicht nur oxydirt, sondcrn zugleich i n i h r e n
hochs t e n bek a n n ten Oxy d at i o n s z u st a n d er hobe n ;
so z. E das Silber. Aus demsclben Grunde ist Ozon ein
k r a f t i g e s B 1e i c h u n g s - u n d D e s i n f i c i r u n g s m i t t e l ,
indem cs in dicsen Beziehungen eine s o grosse Aehnlichkeit
mit Chlor hat, dass Schonbein anfangs glaubte, e s s e i e i n
n e u e s A n a l o g o n d i e s e s E l e m e n t s . Allein dies widerlegte sich durch die Thateache, dass die durch die VereiniBung von Ozon mit anderen Korpern entstandencn Verbindungen O x y d c waren, die in keiner Hinsicht von den durch
andere Mittel erhaltenen Oxydcn abwichen. Auf die thatige
Oxydationskraft des Ozons griindete S c h o n b c i n ei n e
h o c h s t e m p f i n d l i c h c P r o b e auf dasselbc.
Die bekannte Blauung dcs Stiirkekleisters durch Jod
kann nur durch f r e i e s Jod erlangt werden. Man kann
Jodkalium niit Starkcklcistcr mischen, ohne die Erzeugung
irgend einer Farbc, und der Sauerstoff der Luft ist durchaus
nicht im Skdnde, das Jodkalium zu zcrsetzen, wogegcn die
lileinste Spur von Ozon augcnblicklich die Zersctzung bcwirkt ;
cs entsteht Aetzkali und die Mischung wird dcr Bildung des
Jodamylum wcgcn blau. - Diese Mischung (Jodkalium - Xlcister) wird, auf Pttpierstiicke ausgebreitet, zum 0 z o n r c a c t i o ns Y a p i e r , das jetzt 60 starke Verwendung findet, und die
,,0 z o n o m e t e r " sind blow Instrumente zur Registrirung
der Tiefe dcr Flrbung, die sich dadurch erzeugt, dass man
eines der Papicre eine gewisse Zeit lang ciner gewissen
Quantitat T,uft auseetzt. Die Angaben der Ozonometcr sind
b 1 o s s v e r g 1 e i c h e n d e , indcm sie auf einer willkiirlichen
Scala von 1 bis 10 ausgedriickt sind. Ueber die sonstigen
Eigenschaften des Ozons kann man fur jetzt mit wcnig Worten hinweggehen. Es ist u n l o s l i c h in Wasser und ohne
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Geschichte des Ozons.
Einwirknng auf dasselbe. E s w i r d d u r c h H i t z e z e r s t o r t - eine Temperatur, welche ungefahr gleich ist der
von schmelzendem Zinn, reicht hin, es ganz in gewohnlichen
Sauerstoff zu verwandeln - und endlich wird es durch
schwarzes Manganoxyd und einige andere Subutanzen, die von
ihm selbst nicht oxydirt werden, zerstijrt.
Der erste Schritt zur wahren Theorie der Ozonbildung
wnrde von M a r i g n a c und d e l a R i v e gethan, welche
bewiesen, dass Ozon kein anderes Element enthalte, als Sauerstoff und dass es sonach nur eine etwas geiinderte, oder
a 1 1o t r o p is c h e (' Form dieses Elementes sein konne. Im
$ahre 1852 wurde eine andere wichtige Fortschrittsstufe von
B e c q u e r e l und F r Q m y erreicht , welclie nicht nur die
Schlussfolgerungen llarignacs und de . la Rive's bestatigten,
sondern auch zeigten, d a s s m a n d u r c h d i e v e r l a n g e r t e
E l e c t r i c i t i i t s e i n w i r k u n g r e i n e n S a u e r s t o f f giinzl i c h i n O z o n v e r w a n d e l n k o n n e . Es ist wahr, dass
diess nur geschehen kanu, wenn das Ozon ebenso schnell
aufgesaugt als erzeugt wird (wenn man z. B. die electrischen
Funken durch eine iiber Quecksilber oder Jodkalium aufgerichtete Sauerstoffrohre hindurchziehen lasst) und dass man cs
bisher f k unmoglich hielt, von gewohnlichem Sauerstoff freies
Ozon zu bereiten; allein die ganzliche Umwandlung ist dessnngeachtet bedeutungsvoll fur die wahre Natur der Substanz.
Im Jahre 1856 zeigte Dr. A n d r e w s aufs Bundigste,
d a s s Ozon immer eine und dieselbe S u b s t a n z s e i ,
d u r c h welches Verfahren man e s auch bereite,
und widerlegte endlich vollkommeu die Beweisgriinde, durch
welche Wi 1 1 i a m s o n und B a u m e r t darziithun gesucht
hatten, dass es ein d r e i f a c h o x y d i r t e r W a s s e r s t o f f sei.
In einem Briefe an Faraday, d. d. 25. Juni 1858, wagte
S c h o n b e in , obgleich er die quantitativen Xethoden , auf
welche allein sich eine Theorie sicher griinden lasst, kaum
beriihrte , doch die Aufstellung einer neuen Hypothese , der
er Reitdem treu geblieben und der es nie an Vertheidigern
gefehlt hat, obwohl sie bestimmt und formlich verworfen worden ist. E r nahm das Vorhandensein z w e i e r v e r s c h i e d e n e r und e n t g e g e n g e s e t z t e r A r t e n von S a u e r s t o f f a n , e i n e r n e g a t i v e n u n d e i n e r p o s i t i v e n Ark
Die erstere - die durch Electricitat , die Phonphoroxydation u. s. w. erhaltene - nannte er fortdauernd O z o n , die
letztere unterschied er als A n t o z o n , und behanptete, d a s s
gewohnlicher oder n e u t r a l e r Sauerstoff durch
die Vereinigung beider Arten gebildet werde.
Geschichte des Ozons.
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Von diesen hypothetischen Bestandthcilen des Sauerstoffs
wurde ferner angenommen, dass sie in einer grossen Mannigfaltigkeit von Oxyden vorhanden seien. Diejenigcn Oxyde,
welche Ozon enthielten , wurden 0 z o ni d e genannt und zu
denselben die hoheren Oxyde des Nangans, Chroms und
Eisens, so wie die Oxydc der Edelmetalle gezahlt. Die entgegengesetzte Classe von Oxyden , die A n t o z o n i d e , umfamten die Dioxyde der Metalle der Alkalien und Erdslkalien,
das Wasserstoffhyperoxyd und einige anderc Substanzen.
Diese scharfsinnige Hypothese war fast ganz auf den Umstand gegriindet, dam, wenn eines der sogenannten O z o n i d e nnter passenden Bedingurgen mit einem A n t o z o n i d e gemischt wird, g e w o h u l i c h e r S a u e r s t o f f entwickelt werde, indem Herrn Schonbein zufolge, das Ozon
des einen sich mit dem Autozon des anderen verbinde. Ohne
jedoch in Abrede stellen zu wollen, dass Schonbeins Hypothese fahig ist, Thatsachen wie diese zu erklaren, sind wir
durch die Forschnngen S i r B. C. B r o d i e ' s genothigt zu
glauben , dass sie sich ebenso befriedigend und e i n f a c h e r
durch eine Verweisung auf d i e g e w o h n l i c h e n G e s e t z e
c h e m i s c h e r V e r a n d e r u n g erkliiren lassen.
Die neuerlich ausser Zweifel gesetzte D i c h t i g k e i t des
Ozons ist iiberdiess ganz unvertraglich mit der Schonbeinschen Hypothese, die man mit Stillschweigen hiitte iibergehen konnen, nur bernerkend, dass immer noch eine betrachtliche Anzahl Manner der Wissenschaft sich zu ihr bekennt.
Wir kommen nun zu einer vie1 wichtigeren und achteren
Anzahl von Entdeckungen. Im Jahre 1860 veroffentlichten
A n d r e w s und T a i t in den , , P h i l o s o p h i c a l T r a n s a c t i o n s " eine Abhandlung ,,iiber d i e v o l u m e t r i s c h e n
V e r h a l t n i s s e d e s O z o n s (on the volumetric relations
of ozone,") die als die wichtigste Denkschrift uber den Gegenstand betrachtet werden muss, welche seit dcr urspriinglichen Entdeckung Schonbeins erschienen ist. Sie fanden,
dass wahrend der Bildung des Oaons mittclst des Durchgangs
der electrischen Entladung durch Saiierstoffgas e i n e V e r dichtung stattfinde, dass sonach Ozon schwerer
s e i n m i i s s e a l s S a u e r s t o f f . Dcr Betrag der Verdichtung stand in directem Verhaltniss zum Betrag des Ozons,
das sich gebildet. Sie war am grossten, wenn die s t i l l e
En t 1 a d u n g angewendet wnrde, welche gleichfalls die grosste
Menge Oxon entwickelte, in keincm Falle aber ein Zwolftel
des urspriinglichen Volumens des Sauerstoffs iiberschritt. Bei
Erhitzung des Gases, welch das Ozon zerstorte , w u r d e
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Geschichte des Ozons.
d a s ursprungli6he Volumen g e n a u w i e d e r h c r g e s t e 11t. Dann gingen sie daran, zu bestinmien , melche w c i t e r e V e r d i c h t u n g durch die Entfernung des friiher erzeugten Ozons mittclst Queckuilbers odcr irgend eines anderen
dasselbe absorbirendcn Stoffes hcrvorgebracht werden kijnne.
Diese zweite Vcrdichtung werde, vermutheten sie, das Volumen des Ozons geben, welches rom Quecksilber aufgesaugt
worden, und da man iiber seine Schwerc leicht dadurch Gewissheit erhalten konne, dass man den Betrag finde, welchen
das Quecksilber gewonnen hatte, so werde es auch leicht
sein, die wirkliche Dichtigkeit des Ozons zu finden. Das Ergebniss ist cin sehlagendes.Beispie1 der Art und Weise, in
welcher das Experiment oftmals der Hypothese widerspricht.
Die E n t f c r n u n g d e s Ozons iindcrte nicht im ger i n g s t e n d a s V o l u m e n d e s G a s e s - (Ein imaginares
Beispiel wird diess cinleuchtendcr machen. Wir nchmcn
100 Kubikzoll Sauerstoffgas ; durch die Einwirkung der electrischcn Entladung wird dieses vcrmindert auf 92 K. - Z. oeonisirtcn Sauerstoffgases , wolclies wirklich einc Mischung von
Ozon und Sauerstoff ist. Nach Aufsaugung des Ozons durch
Quecksilber bleibcn noch ubrig - 92 Kubikzoll Sauerstoffgas), - so dass das Ozon iiberhaupt kein Volumen cinznnehmcn und seine Dichtigkeit absolut unendlich zu sein schien.
Dieses mcrkwurdige Expcrinient wurdc von R n d r c w s und
T a i t in rnchren Fornien wiederholt , das Ergcbniss war aber
stets das niimliche. Sic driickten sclbst auf‘richtig ihr Erstannen und ihre Verlegenheit iibcr dss Phiinomen aus iind
warcn sehr behutsmn in ihren Versuchcn cs zu crklarcn.
Bald indess ergoss sich iieucs Licht ubcr dasselbe. Die
Experimente waren zu schlagcnd und dabei zu sorgfiltig vorgenommcn worden, urn lsnge unfruchtbar zii bleibcn, und
gerade die Absurdittit, welche sic in sich xu schliessen
sehienen , brachte den schartkinnigcn Gcist 0 d 1 i n g’s
auf eine einfache Losung des l’roblems. Urn den Werth dieser Losung zii wiirdigen, darf man den theorctischen Begriff
von der h’a t u r d e r G a s c nicht vergessen. Jedes Gas,
sei es ein elementares oder ein zusanimengesetztes , besteht
aus winzigen Theilchen , Yolckiile genannt
Die Molckiile
aller Gase , ob nun clcnicntar oder zusammengesetzt , h R b e n
e i n e g l e i o h e G r i i s s c , und bei dcrselben Temperatu; und
demsulben Druck enthilt ein gegebenes Volumen stets die
niimliche Anxahl derselben. Daher wcrdcn alle Gase durch
rein physische Operationen, wie z. 13. diirch Vermehrung oder
Geechiehte des Ozons.
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Vermindernng dcr Tcmperatur oder des Drucks, in gleicher
Weisso afficirt.
Der Unterschied zwischen Gasen hangt ganz von der
Natur, oder, so zu sagen, von der S t r u c t u r der Molekiile
ab. Die M o 1e k i i 1c sind in TC’irklichkcit Anhiiufungen oder
Biindel von letzten untheilbaren A t o m e n . Die Natur, die
Anzahl und die Anreihung der Atome in jedem Molekiil
bestimmen sein Gewicht und seine Eigenschaften. E 1e m e n t a r e Molekiile enthalten Atome von nur e i n e r Art, indem
die Anzahl in verschicdenen Elementen Tersehieden ist. So
enthalten die Quccksilbermolekule und einige andere Elcinente
n u e i n Atom, die Molekiile von Wasserstoff, Sauerstoff,
Xali u. s. w. z w c i Atome, und die Molekiile von Phosphor
und Arsen v i e r Atome. Die Molekiile z u s a m m e n g e s e t z t e r G a s e enthalten z w e i o d e r m e h r e v e r s c h i e d e n e A r t e n v o n A t o m c n , dercn Gesammtzahl nur zwei
sein , deren Summe aber auch scchzig odcr achtzig , oder selbst
mehr betragen kann. Die von den Chemikern gebrauchton
Formeln sind jetzt stets so eingerichtct, dass sie e i n M o l e k ii 1 jcdes Elementes oder jeder Zusammensctzung bezeichnon,
indem jedes Symbol e i n A t o m andeutet. So reprasentiren
Hg, HB, 0 2 , P4 einzelne Molekiile von Quecksilberdampf, Wasserstoffgas, Saucrstoffgas und Phosphordampf, und HCI, HZOz, HSN
einzelne Molekiilc von Chlorwasserstoffgas , Wasscrdampf und
Ammoniakgas. Die Hypothese ist naturlichcrweise nur cine
passende Erklarung wohlbckannter und suverlassiger Thatsachen, allein selbst wenn die Atomentheoric aufgegeben
wiirde, konnten die Formeln immer noch gebraucht werden,
um Thatsachen auszudriicken.
Dr. O d l i n g ’ s O z o n t h e o r i e liisst sich nun in sehr
wenig Worten geben. D a s S a u e r s t o f f m o l e k i i l e n t h l l t
zwei Atome, d a s Ozonmolekiil c n t h l l t d e r e n drei,
so dass die Bildung des letzteren Korpers einfach die Verdichtung des Sauerstoffs in zwei Dritttheile seines friiheren
Volumens bedeutet. Wie die Formel fur Sauerstoff O a ist,
so ist die fur Ozon 0 3 , und seine osydirende Kraft riihrt von
der Leichtigkeit her, womit jedes Molckiil sein drittes Sauerstoffatom verliert. Unter diesern Gcsichtspunkte werden Andrew’s und Tait’s Ergebnisse bloss selbstverstlndliche Dinge,
wie man an unserem friiheren Beispiele leicht sehen kann.
100 Kubikzoll Saucrstoffgas gaben 92 Kubiksoll ozonisirten
Sauerstoff, weil 8 Kubikzoll sich mit 16 vereinigten, urn
16 Kubikzoll Ozon zu bilden. Wenn das Gas erhitzt wird,
stellt sich das ursprungliche Volumen wieder hcr, weil
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Geschichtc des Ozons.
die 1 6 Kubikzoll Ozon, 0 3 , 24 Kubikzoll Saucrstoff, oz,
liefern.
Wird das Ozon durch Quecksilber aufgesogen, so ist es
wirklich nur das drittc Atom, welches sich rnit dcm Quecksilber
verbindet; die 1 6 K.-Z. Ozon werden dabei zu 1 6 K.-Z. Sauerstoff
und das Volumen bleibt unverandert. Diese schone Hypothese
war, obgleich sie vollkommen alle bekannten Thatsachen erklarte,
doch nur eine Wahrscheinlichkeit. E i n Glied fehlte in der Beweiskette, und gerade dieses Glied ist es, welchcs Herr So r e t
(1865) durch ein gliicklich ersonnenes Experiment erganzt
hat. Er entdeckte, dass , wahrend die meisten Substanzen
bloss das dritte Atom Sauerstoff vom Ozon entfernen, das
T e r p e n t h i n o l die Fiihigkeit besitzt, d a s g a n z e O z o n m o l e k i i l a u f z u s a u g e n . R e n n man die 92 K.-Z. ozonisirten Sauerstoffs in unserem imaginaren Experiment, anstatt
rnit Quecksilber mit Terpenthinol behandelte, so wiirde cine
weisse Wolke erzeugt und man fande, dass der zuriickbleibende Sauerstoff ein Volumen von nur 76 K.- Z. einnahme.
Die einzige mogliche Erkliirung hier ist, dass die 92 K.-Z.
ails 16 Ozon, 03,und 76 unveriinderten Sauerstoff, Oz, bestanden, und dass das crstcre darch das Terpenthinol ganz aufgesaugt und in tropfharfliissiger Form entfernt wurde. Es
kann kanm cin Zwcifel obwalten, dass dieses bestatigende
Experiment die Frage bereinigt, und dass man die Natur des
Ozons, so wie die Ursache seiner eigenthiimlichen Krifte
hinfort als festgestellt bctrachten wird.
Ausgestattet mit dieser Kenntniss und ciner sehr betriichtlichen Masse wcrthvoller Bclehrung iiber die Eigenschaften
des Gases, konncn die Cheniikcr jetzt mit einigem Yertrauen
an die schr schwierige Frage i i b e r d a s V o r h a n d e n s e i n
und die F u n c t i o n e n des O z o n s in d e r A t m o s p h a r e
herantreten. Kaum sollte man es glauben - allein es ist
dennoch wahr - erst in den letzten wenigen Monaten hat
man b e s t i m m t bewiesen, dass iiberhaupt Ozon in der Lnft
vorhanden ist. Schijnbein fand im Jahre 1840, dass sein
Reactionspapicr blau wurde , wenn er es der Luft aussetzte,
und er folgerte daraus, dass Ozon in derselben vorhanden
sei. Hier war ein neues und l e i c h t e s Feld fur wissenschaftliche Entdeckiingen! Reactionspapiere wnrden allerwarts der Lnft ausgesetzt und zahllose Beohachtungen iiber
den Betrsg der Luft an Ozon aufgezeichnet. Ungliicklicher
Weise aber habcn einige radicale Fehler und Zwcifel d h e n
mohlgemeinten Anstrengungen Eintrag gethan und der grossere
Geschichtc des Ozons.
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Theil derselben ist daher w e r t h 1o s. Ozon ist keineRwegs
das einzige Gas, welches die Papierc afficirt. C o n c e n t r i r t e
r a u c h e n d e S a 1p e t e r s a u r e , s a l p e t r i g e S a u r e und
C h 1o r haben eine gieiche Einwirkung auf dieselben, j a d a s
S o n n e n 1i c h t a 11e i n ist im Stande die Zersetzung zu bewirken, selbst wenn das Papier in eine zugeschmolzene Itohre
eingeschlossen ist. Uaher war es bei der grossen Mehrzahl
der Porschungen ganz unmoglich zu sagen, ob die Farbung
und wenn irgend welche, wie vie1 davon - wirklich von
Ozon herriihre (da jedenfalls salpetrige Saure in der Atmosphare vorhanden ist). Selbst bei denjenigen Versuchen , bei
denen man mit der grossten Umsicht und Sorgfalt allen Zweifel zu vermeiden suchte, wie bei den neusten Forschungen
Dr. D a u b e n y ’ s , blieb immer noch einige Ungewissheit , so
dass die vorsichtigeren Chemiker Bedenken trugen auszusprechen: O z o n s e i e i n B e s t a n d t h e i l d e r A t m o s p h a r e .
Innerhalb der letzten Monate hat indessen Dr. An d r e w s ,
dem wir in diesel. Beziehung bereits zu grossem Dank verpfichtet sind, der Konigl. Societat die Ergebnisse einiger
sorgfaltigen Experimente mitgetheilt , welche zu beweisen
scheinen, dass die beobachteten Wirkungen n u r v om 0 z o n
herriihren konnen. Der entacheidendste Beweis besteht i n
dern D u r c h g a n g d e r L u f t d u r c h e i n e m a s s i g e r hitzte Rohre, wodurch alle Spuren ihrer Kraft
a u f d a s R e a c t i o n s p a p i e r z e r s t o r t g e f u n d e n wurden.
Was die Art und Weise d e r E r z e u g u n g v o n O z o n
i n d e r L u f t betrifft, so sind wir hierbei nur auf Wahrscheinlichkeiten angewiesen. Es kann kaum ein Zweifel obwalten,
dass es in gewissem Maasse d u r c h E i n w i r k u n g d e s
H 1i t z e s gebildet wird und dass dies moglicherweise die einzige Art seiner Erzeugung ist. 80 vie1 ist gewiss, dass
Ozon in der Luft vorkommt und dass es, obgleich an Menge
gering, seiner ausserordentlichen Thitigkeit halber wichtige
Functionen in der Natur zu erfiillen haben muss. Allein
geradc diese Gewissheit ist ungliicklicherp.eise eine sprudelnde
Quelle p h a n t a s t i s c h e r A n n a h m e n u n d b l o s s e r s p e c u l a t i v e r M u t h m a s s u n g e n gewesen, welche dem Fortschritt wahrer Renntnisse unendlichen Schaden gebracht
haben. Einige haben behauptet, dass Ozon der Ansteckung
Einhalt thue und die Keime epidemischer Krankheiten zerstore; es ist hochst wahrscheinlich, dass solches der Fall ist
und es ist gewiss, dass sein Vorhandensein unvertraglich ist
mit dem Vorhandensein vieler schadlicher Gase. Aber es ist
n i c h t gewiss, dass Epidemien von schiidlichen Gasen her-
-
110
-
Ueber Trinkwasser A d y 8 e
riihren, und wenn sie , wie wahrscheinlicher , durch S p o r e n
verbreitet werden, so haben wir noch zii beweisen, dass die
winzige Spur von Osron in der Luft aiich im Stande ist, diese
Sporen zu zerstoren. Wir konnen es ebensowenig annehmen, als
wir annehmen konnten, dass es Vogel todtete. Xoch unbestimmter und unwahrscheinlicher ist die mehrfach geautlserte Meinung:
d a s s e i n U e b e r s c h u s s v o n Oxon in d e r L u f t e i n e
W o h l t h a t f u r u n s s e i . Alan hart die Leute sagen: Nan
miisse ans Meeresgestade hinabgchen ,,urn etwas mehr Ozon
zu bekommen," gerade a19 ob es nicht moglich wlire, dass
eine etwas griissere Menge Oxon ihnen schaden statt nutzen
konnte, wenn sie es bekamen. I n grosser Xenge ist es
sicher ein i n t c n s i v m i i c h t i g e s r e i z e n d e s G i f t , und
dass es in kleinen Quantitaten nutzlich sei, ist vorlaufig nur
eine Vermuthung.
Was die Xeinung betrifft, d a s s e s d e n P r o c e s s d e r
B 1u t o x y d a t i o n u n t e r s t u t z e , SO iet die Wahrscheinlichkeit eine ganz entgegengesetzte, denn es wiirde durch seine
Energie viel wahrscheinlicher die Lunge zerstoren, als dass
es ruhig in das Blut uberginge und die durch d e n s a n f t e r e n S a 11 c r s t o f f verrichtete Arbeit bewerkstelligte. Die
einfache Thatsacbe ist , dass wir n a h e z u n i c h t s iiber diesen Zweig des Gcgenstandes wissen, und wenn wir, statt
aufs Gerathewohj zu miithmassen , daran gingen , einige der
Dunkelheiten aufzuhellen , von denen er umgeben ist, oder
ein wenig warteten, bis andere es fur uns gethan, so wurden
wir eine viel verniinftigere und bescheidenere Rolle spielen.
(Aus dem I n t e l l e c t u a l Observer, i m A u s l a n d , vom
9. April 2868.).
H. L.
Ueber Trinkwasser - Analyse.
Dic bisherigen Methoden zur Restimmung der organischen Bestandtheile des TrinkN-assers crklart F r a n k 1a n d alle
fur ungeniigend. Statt derselben bringt er ein Verfahren zur
Anwendung, welches aus drei verschiedenen Operationen
besteht. Die organische DIaterie wird nicht selbst dem Gewichte nach bestimmt, sondern swei ihrcr Bestandtheile, Stickstoff und Kohlenstoff; dann bestimmt man den Gehalt an salpetrigsauren und salpetersauren Salzen , endlich das Ammoniak. Auf diese Weise ergiebt sich die Gesammtmenge des
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