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Meine Jugendgeschichte. Selbstbiographie von Franz Arago

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Anwendung d. Wasserglaaee in
4 Indostrie.
- Biicterachau.
377
dann gepulvert und in einem Deplacirungsapparat mit Cerosolin (Petroleumessenz) erschopft. Die erhaltene Losung wird
verdunstet, und der bei looo getrocknete Ruckstand ale Paraffin gewogen. Vorher bekannte Mischungen ergaben nach
dieser Methode noch correcte Resultate bei 0,3 Proc. (Chen~.
News. - Moniteur scientific.
American Journal of Pharmacy. Vol. XLVI. 4 th. Ser. Vol. I K 1874. pag. 33.).
-
R.
Weitere Anwendungen des Wssserglases in der
Indnstrie.
Seit einiger Zeit wird Wasserglas mit bestem Erfolge
zur Darstellung von Kitten verwendet. Mit pulverisirter
Kreide innig gemischt, giebt es einen binnen 6-8 Stunden
vollstandig erhktenden Kitt. Mit pulverisirtem Sohwefelantimon vermischt, bildet es eine dunkle Masse, welche Politur
annimmt, und einen sehr schonen Metallglanz besitzt. Mischt
man es mit feiner Eisenfeile, so erhalt man eine grauschwarze
Masse von grosser Harte. Mit feinen Ziukspanen giebt es
eine graue, sehr harte Masse von metallischem Glanze , die
sich zum Zusammenkitten zerbrochener Zinkgiisse sehr gut
eignet. (Journal of the Society of arts; Wurtemberg. Gewerbeblatt 1873, Nr. 52. Dingler’s Polyt. Joum. Bd. CCXI.
p. 77.).
Kr.
C. BIicherschau.
lldeine Jngendgeschichte.
S e l b s t b i o g r a p h i e von F r a n z Arago.
(Aus dem Smithsonian Report 1870, nach den Uebersetzungen
der Werke Aragos vom Admiral Smyth, Rev. Pow’ell und
Prof. Grant, im Auszuge, von Dr. Fritz Elmer).*)
Frana Arago wurde am 26. Febr. 1786 EU Estagel, (Provinz Rousd o n , im Departemant der ostlichen Pyreniien) geboren. Sein Vater,
Licentiat der Rechte, (Advocat) beaase frochtbare Aecker, Weinberge und
-
*) Wir geben diese interessmte Mittheiluag aus dem Inhalte des
Red.
umfassenden Report’s ab Anzeige desselben wieder.
-
318
Biicherschau.
Olivenplantagen, deren Ertrage ihn in Stand eetzten, seine Familie zu
unterhalten. Arago besuchte die Elementarschule in Estagel, lernte lesen
und schreiben, und erhielt im Hause Privatunterricht in der Musik. Sein
Geburtsort war fortwiihrend ein Rustplatz durchziehender Truppen, welche
von Perpignan iiber die Pryrenaen, oder umgekehrt , marschirten, und
sein Vaterhaus fortwahrendes Quartier von Officieren und Soldaten. Das
Militairwesen erfillte sein ganzes phantasiereiches Gemiith. Mehrmals
schloss er sich Triippenabtheilungen heimlich an als kleiner Vagabond,
und musste von den bekiimmerten Eltcrn mit Aufwand von Scharfsinn,
Miihen und Kosten meilenweit zuriickgeholt werden. Einmal nahm er,
sieben Jahr alt, einen Officier und fiinf Mann gefangen.
Das kam 80. Er strolchte vor Sonnenaufgang iiber dae Feld umher.
Plotelich kamen sechs Reiter angesprengt, die, ale sie die, von den
Hepublicanern, am Eingange des Dorfes aufgesteckte Fahne erhlickten,
rnfen: ,,Somos perditos." Arago lief schleunigst in eia Haus, kam mit
einer Lanze bewaffnet, wieder hervor, und legte sich in einen Hinterhalt
an der Strassenecke. Als die Patrouille um die Ecke hog, versetzte er
dem Anfiihrer derselben einen, natiirlich sehr schwachen Stich mit der
Lanze, und rief jetzt die Einwohnerschsft zu Hiilfe. Daa Reeilltat der
Affaire ist oben gemeldet. - Sein Vater zog spater nach Perpignan, woselbst er Miinsdirector wurde. Ihm folgte die Familie. Franz wurde auf
die dortige Stadtschule geschiekt, beschaftigte sich aber privatim mit
classischen und litterarischen Studien. Bei einem gelegentlichen Spaziergange sieht er einen sehr jungen Ingenieurofficier, nahert sich ihm, und
bittet ihn um Aufschluss, wie man es anzufangen habe, so friih, wie er,
die Epaulettcs zu erhalten. Der; junge Officier, Mr. Cressac, sagt ihm,
dass er die polytechnische Schule zu absolviren habe, dass er aber, urn
zum Besuche dieser zugelassed zu werden, ein Examen iiber gewisse
Gegenstiinde ablegen musse, die er in dem Programm verzeichnet h d e n
wiirde, welche diese 'Schule alljahrlich der Departement - Administration
zusende. Nachdem er sich das betreffende Programm zu verschden
gewusst, und aus diesem genau ersehen. welche Auforderungen man an
ihn zur Zulassung auf die polytechnische Schule stellen wiirde, liess er
sich die Werke von Legendre, Lacroix und Garnier aus Paris kommen,
und studirte aus diesen Mathematik. Die Schwierigkeiten, auf die er bei
Benutzung dieser Riicher stiess, raumte ihm ein Sonderling, Namens
Raygnal, aus dem Wege Dieser merkwiirdige Mann gab seinen zahlreichen Dienstleuten Befehle fiir den andern Tag, und studirte gleichzeitig
analytische und himmlisrhe Mechanik, sowie Wasserbaukunst. Seinen
wahren Lehrer fand er aher in dcm Umschlage von Garnier's ,,Algebra,"
der sich zufallig von dem Buche losgelast hatte. Dieser Umschlag enthielt folgende Worte von d'dlemhert an einen jungen Mann, welcher sich
bei ihm iiber die mannigfachen Schwierigkeiten beklagte, welche sich seinen
Studien entgegenstellten, und lauteten: ,,Fahren Sie fort, fahren Sie fort, und
das Verstilndniss wird von selhst kommen." Er beherzigte den Sinn dieser
Worte, und studirte bis EU seinem sechszehnten Jahre die Dinge, welche er
nothig zu hahen glaubte. Das Examen sollte eigentlich in lontpellier ahgehalten werden. Der Examinator, Mr.Monge, war aber in Toulon krank geworden, und lud die Aspiranten nach Paris ein. Da Arago eine so weite Reise
nicht unternehmen wolltc wegen seines eigencn Unwohlseins, so ging er
wieder nach Hause, studirte hier Eulers Einleitung in die Unendlichkeitsrechnung, Lagrange's Theorie der analytischen Functionen, Losung von numerischen Gleichungen, Laplace's himmliwhe Mechanik u. a. m., und bereitete sich jetzt dehitiv fiir den Artilleriedienst vor. Die Friihstunden
benutzte er zu seiner Ausbildung in der Muaik, im Fechten und Tanzen.
.
379
Biicherschau.
Endlich kam der Priifungstermin, und er bestand das Examen mit Nr. I ,
und wnrde am Schlusse desselben von dem Examinator, der ihn, seines
kecken Auftretens wegen, scharf hergenommen hatte, offentlich gelobt und
umarmt. Im Jahre 1803 wurde er in die polytechnische Schule aufgenommeu. Da er seinen Mitschulern in vielen Gegenstanden der Matbematik weit voraus war, so konnte er dem Studium der Chemie und der
Physik, welche er bis dahin vernachlassigt hatte , besondere Aufmerksamkeit widmen. Seiq lebhaftes Teqerament und seine spitze Zunge erschwerten ihm mancbes Examen. So fragt der Professor Legandre : Sie
heissen Arago? Da sind Sie kein Franzose? -, worauf Arago antwortet : Ich habe noch nie gehort, dass einem Nichtfranzosen der Besuch der
polytechnischen Schule verstattet worden wiire.
Legandre : Ich meine , der Name Arago konne keiu franzoaischer
sein.
Arago: Ich meinerseits meine, dass der Name nichts zur Sache thut,
und wiederhole, dsss ich Franzose bin, wie fremd h e n der Name auch
klingen mag. Nach kurzer Zeit beginnt ein ahnlicher Discurs.
Legandre: Sie sind in eiuem der, kurzlich erst mit Frankreich vereinigten Departements geboren?
Arago : Nein, mein Herr, ich bin gebofen im Departement der ostlichen Pyrentien am Fusse derselben.
Legandre: Nun, weshalb sagten Sie dss nicht vorher; jetzt ist ja
Alles klar, Sie sind spanischen Ursprunges!
Arago: Moglich; indess besitzt meine ganze Pamilie keine authentischen Documente uber die Civilverhilltnisse meiner Vorfahren. Jeder von
ihnen war das Kind seiner Eltern, und ich, mein Herr, ich bin Franzose, und dae muss Ihnen genug sein.
Natiirlich war der Examinator nicht sehr erbaut von solchen Antworten, und nahm ihn gehorig vor. Nachdem er denselben jedoch durch
gute Antworten, welche allerdings rnit Redensarten, wie 0 , das ist sehr
leicht,l' oder ,,nichts einfacher ah das I' etc. begannen, versohnt hatte,
sehloss das Examen mit der Erkliirung von Legandre: Sie haben Ihre
Zeit gut benutzt; fahren Sie so fort und wir werden gute Freunde
werden.
Arago schildert jetzt den damaligen Zustand der polytechnischen
Schule, und giebt an, dam neben den grossten Capacitiiten der Wissenschaft auch vollig energie- und respectlose Lehrer fungirten, mit denen
die Schiiler allerlei Allotria trieben. So wurden z. B. complicirte mathematische Aufgaben mit einem richtigen Facit versehen, in die dtlsfiihrung
aber 80 confuses Zeug, wie nur denkbar, hingeschrieben , und wenn dann
der Lehrer, Mr. Hapenfrag, das Resultat 188, und ZII der ganzen Ausfuhrung hemerkte ,,gut, gut, ausgezeichnet gut, I' 80 lachte natiirlich der
ganze Horaaal. Ein ander Ma1 fragte derselbe Lehrer eiuen Schiiler
(Leboullenger) : Sie haben doch d o n den Mond gesehen ?
Leboullenger : Nein, mein Herr.
Bapenfrag: Wie, Sie sagen, Sie hatten noch nie den Mond gesehen'?
Leboullenger: J a , mein Herr, ich kann es nur wiederbolen. Der
Professor, iiber diese unerwartete Antwort ausser sich, geht rnit ihm zum
Director und spricht: ,,Sehen Sie, das ist Mr. Leboullenger, welcher behauptet, noch nie den Mond gesehen zu haben. Der Director spricht
gelassen: Ja, was sol1 ich dabei thun? - Von dieser Scite also abgewiesen, kehrt der Professor mit dem Schiiler zuriick, und, von unbeschrei6lichem Gelachter des ganzen Auditorium begleitet , geht ;es folgendermassen :
,,
980
Biicherechan,
Hapenfrag: Sie bleiben also bcharrlich dabei, noch nic den Mond
gesehen zu haben?
Leboullenger : Mein Herr, ich wiirde Sie betrigen, wenn ich sagen
wollte, ich hatte noch nie davon sprechen gehort, aber gesehen habe ich
ibn noch nie.
Hapenfrag : Nun, dann gehen Sie wieder auf Ihren Plstz.
Leboullenger blieb Schiiler , Hapenfrag blieb Professor, und abnliche
Scenen wiederholten eich noch oftmale. *
Arago wurde mit Beginn deo zweiten Jahres Brigade-Chef, ein Rang,
welchen a i r in unseren Cadettenhausern etwa mit dem Klaaaenaltesten in
Vergleich bringen kcnnten. Er lernte urn diese Zeit Poisson kennen,
mit dem er jeden Abend iiber Politik und Mathematik stundenlang convereirte. Im Jabre 1804 wurde die Schule ein Raub politiacher Leidenschaften, and zwar durch einen Fehler der Regierung. Diese verlangte
einmal die Unterzeichnung einer Adresse zu Gunsten der Entdeckung
einer Verschworung, in welche Moreau verwickelt war; sodann eine oflentliche Kundgebung zu Gunsten der Einrichtung der Ehrenlegion. Zu
gleicher Zeit geschah die Urnwandlung des Consulates in das Eaiserthum.
Un terschrift und Manifestation wurden verweigert, und das Kaiserthum
wurde von vielen Schiilern diseutirt. Der Gouverneur macbte Napoleon
Anzeige , und dieser verlangte Eidesleistung von den Schiilern, oder
Scbliessung der Schule. Bei der Vereidigung rufen die meisten anstatt
,,ich sehwore"
,,bier."
Ein gewisser Brossart verweigerte dem Kaiser den Bid des GehorSam8 auadriicklich, und wurde sofort von der Scbule verwieaen. Arago
wurde um diese Zeit die Stelle des eben verstorbenen Mr. MQchain voti
Poisson angetragen, welcher von Laplace beauftragt gevesen war, den
Meridian von Frankreich bis zur Insel Formentera zu verlangern. Narhdem er sich den Riicktritt in den Artilleriedienst vorbehalten hatte, nahm
er diese Rolle an. Er arbeitete nun zwei Jahre im Observatorium i n
Paris unter directer Leitung von Laplace, bereitete nebenbei densen Sohn
zur Aufnahme in die polyteehnische Schule vor, und begab sich 1806 in
Begleitung von Biot und dem spanischen Commissar Rodriguez zunacbst
nach Ibiza, urn die Arbeiten MBchain's wieder aufzunehmen. E r klagt
hier uber ungiinstige Verhiiltnisse f i r wissenschaftliche Arbeiten und begab sich sodann nach Valencia, in dessen Umgegend weiter gearbeitet
wurde. Von eeinem Aufenthalt in Spanien erzahlt er einige kleine Aneedoten.
Eincs Tages besuchte er Murviedro, das alte Sagunt. Er traf dort
die Tochter eines in Valencia wohnenden Franzosen, und nahm von dieser die Einladung zu einer kleinen Erfrischuag in ihrer Wohnung an,
zumal alle Hotels und Eai€e's uberfillt waren. Dem Wirth mochte der
franzosisehe Besueh in dieser Zeit wohl unangenehm sein, und Arago
wurde von der Dame gewarnt, bei der Hecmkehr auf der Hut sein zu
wollen. Arago kaufte sich ein Paar Pistoleu, und theilte seinem Begleiter , einem zuverlassigen Maulthiertreiber , seine Besorgnisse mit. Dieser
lacht, und zeigt auf reinen Esel. Nachdem sie in den Wald von Valencia gekommen sind, springen ein Paar Kerle aus dem Gestrauch , und
h a g o zieht seine Pistolen. Sein Begleittr stiisst einen gellenden Schrei
Bus, und Rlft ,,capitano." In demselben Augenblick baumt der Esel dcs
Begleiters hooh auf, und schkgt einen der Angreifer zu Boden; der AndIe
entweicht. Lachend spricht der Eseltreiber ,,meinen Sie nicht , meln
Herr, dass mein Esel mebr werth ist , als Ihre Pistolen? '' und sie reiten
ungestiirt naeh $awe.
-
Biicherschau.
381
Ein ander Ma1 sitzt er spat Abends rnit seinem Diener in seinem
Bureau zur Langenbestimmung. Es lap dieaes nahe bei Cullera, zwischen
den Fliissen Xiiear und Albufbra. Sic unterhalten sicb iiber die Unsicherheit im Gebirge, und iiber die Unvorsichtigkeit, sich so exponirt eu haben. Der Regen floss in Stromen vom Ximmel. Plotehch klopft es.
Auf die Frage ,,wer ist da?" erfolgt die Antwort ,,ein Zollhauswachter,
der um ein Unterkommen fur die Nacht bittet." Nachdem geoffnet, tritt
ein, bis an die Zahne bewaifneter , colossaler Mensch ein, grusst , und
legt sich schweigend in die Ecke. Am andern Morgen friih erscheinen
zwei Personen am Abhange der Berge. Diese waren der Alkade von
Cullera rnit einem Chef der Gensd'armerie , welche Arago besuchen wollten. ,,Mein Herr," spricht jetat der Fremde, ,,nur die Dankbarkeit,
welche ich Ihnen schalde, kam mich abhalten, mich augenblicklich von meinem grossten und grausamsten Feinde zu befreien. Leben Sie wohl!" und verschwindet, von Fels zu Fels, wie eine Gazelle springend. Arago
erfuhr nun, dass er die Ehre gehabt hatte, den Chef aller Brigantenbanden der ganzen Provinz beherbergt zu haben. Der freche Mensch
wiederholte seinen Besucb, und Arago traf ein Abkommen rnit ihm, demznfolge er in Zukunft bei blosser Ncnnung seines Namens von jeder Rauberbande unbehelligt bleiben sollte.
Eine andere Geschichte erzahlt er von zwei Carthauser Monchen, die
ihn, und zwar zuerst jeder einzeln, besucht hatten. Ale sie jedoch zufallig einmal zusammen gekommen sind, habe Einer dem Andern das Wort
abgenommen, sich nicht zu verrathen, da der Bruch des Geliibdes, das
Schweigen, wohl bose Folgen fur sie gehabt haben wiirde. Der Eine von
ihnen, ein im Gcsicht von Sabelhiehen stark entstellter Mann, sei ein
polithaher Agitator gewesen , der im Kloster Aufnahme gefunden hahe;
der Andre war gegan seinen Willen in's Kloster gesteckt worden. Sie
erzahlten allerlei religiose Geschichten , und Biot driickte sein Missfallen
Bus. Er mochte das wohl in etwas scharfen Worten gethan haben, dcnn
plotzlich lief der eine Monch ohne Abschied fort, und kam, rnit einer
Flinte bewafbet, wieder zuriick. Arago, von dem ilteren Monch auf die
Absichten des jungeren aufmerksam gemacht, ging ihm entgegen und
sagte ibm, 60 cine Meinung zur Geltung bringen zu wollen, ware Art
der Briganten, aber nicht die einea Dieners der Religion. Beide Monche
verschwanden sodann.
Er erzahlte sodann vom Asylrecht der Geistlichkeit. Ein, in eine
Eirche gefluchteter, ganz gemeiner Mdrder und Strauchdieb sei von der
Einwohnerschaft des Ortes jahrelang auf das Reste verpflegt worden, ohne
dass die weltliche Gerechtigkeitspfl ege es hatte wagen durfen', Hand an
ihn zu legen.
Wiihrend seines Aufenthaltes in Valencia existirte dort die Inquisition noch. Im Jahre 1807 sah er auf Befehl der ehrwiirdigen Vater
eine angebliche Zauberin total nackend, riickwiirts auf einen Esel gesetzt,
durch die ganze Stadt treibcn. Die Ungliickliche hatte sich, nm der
Schaam einigermassen gerecht zu werden, iiber und iiber rnit einer klebrigen Substam bestrichen und in Federn gewdzt, sodaee sie auseah, wie
ein Vogel mit Menachenkopf.
Zur AusFuhrung ihrer geodatischen Operationen schien es ihnen angeeeigt, aich an die Priester zu wenden, um durch diese die Mitwirkung
der Landbewohner zu erreichen. Es begaben aich daher der franzosische
Vice Coneul Lannsse, Biot und Arago eum Erzbischofe von Vdencia,
um ihm einen Besuch en machen. Dieser machte einen sehr echmierigen
Eindruck, sodass Lanusse und Biot sich nicht entschliessen konnten, ihnt
-
382
Riicherschau.
seine, ihnen patios. hingehaltene Hand zu kiissen. Der erziirnte Erzbischof liess Arago das entgeltcn. Er fuhr ihm rnit der geballten Faust
derartig in’s Gesieht , dass letzterer glauhte, e r wollte ihm die Zahne
einschlagen, und sich einen lautcn Aufschrei nur verbiss, um nieht den
gmzen Zweck ihrcs Bcsuches illusorisch zu machen.
Arago erzahlt vorlaufig von den Ergebniseen dieser Arbeiteu nichts
weiter, - Biot ging nach Paris, nm einige neue Instrumente EU holen,
wahrend Arago nach Majorca ging, urn Breite und Azimuth dort zu bestimmen. Um dieselbe Zcit begann die politieche Giihrung in Spanien
wegen der Einmischung Frankreichs i n seine Verhiiltnisse. Arago hatte
seine Station auf einem hohen Berge, nnweit des Hafcns von Palma, errichtet, und wurde, da man allabendlich Licht bei ihm sah, der Spionage
beschuldigt , und dass e r der herannahenden franzoeischen Flotte Zeichen
gabe. Der Verdacht mehrte sich, als einee Tages ein franzosiecher Officier ankam , welchcr den in Mahon (auf Minorca) stationirten Truppen
den Befehl uberbrachte , sich schlcunigst nach Toulon einzuschiffen. Die
Volkswuth richtetc sich gegen ihn, und er vcrsuchte mit eiuem kleinen
Fahrzeuge , welches die spanische Regierung ihm zur Disposition gestcllt
hatte , nach Barcelona, wo franzosische Sesatzubg stand, zu entkommen.
Der Fuhrer des Schiffes war aber cin Schurke, und brachte ihn nach der
Bergvestc Belfcr, wosclbst er sich d m Gouverneur eur Verfigung stellte,
nnd um scine Oetention bat, um sich vor der Volkswuth zu schutzen.
Der Gouverneur Viv6e war ein hunraner Mann, der sich stundenlang mit
Arago iiber die wohlthatigen Heilwirkungen des Wassers unterhielt , ihm
auch durch den friihcr genannten Nr. Rodriguez Zeitungen und Journale
allcr Art zukommcn licss. I n einem Journale fand Arago eines Tagea
einen Artikel iiber die Uinrichtung des Sennor Arago und des Sennor
Berthblemie. Letzterer solltc Hugenott gewesen sein , nnd die Religionsgebrauche vcrspottet haben, whhrend erstcrer sich zwar in Rcligionssachen
decentor aufgefiihrt habc, sich aber hatte missbrauchen lassen, unter der
Maske wissenschaftlicher Arbciten als Spion der franzosischen Regierung
zu diencn. Arago sagto sich, dass wenn man erfiihre, dass er trotzdem
nooh am Leben sci, sein letztes Stiindleia doch wohl mochte geschlagen
haben und beschloss, zu entfliehen. Der Gouverneur ebnete ihm selbst
den Weg. Rodriguez besogte ihm und Barthblemie Fischerkleidung, und
Mr. Damiau, der Besitzer eines Bootes, welcher auch iibernommen hatte,
die werthvollen Instrumente aus seiner Station in das Boot zu bringen,
hrachte Beide gliicklich nach Algier. Sie landeten bier am 3. August
1808. Vom franzosischen Consul, Mr. Duboir Thainville freundlichst
aufgenommen, wurrlc h e n von dieaem selbst Gelegenheit verschafft. zehn
Tage spiiter mit cinem nach Marseille gehenden Schiffe ihre Heimath zu
erreichen. Sie wurden rnit fdschen Piissen versehen, als deutsche Kauflente unter osterreichischen Schutz gestellt. Die andern Passagiere waren
eigenthiirnlichur Art. Ausser einigen Juden , wirklichen Kautleuten und
gestrandeten Schitfscapitanen, befanden sich zwei Lowen, und zahllose
Affen an Bord, Geschenke des Day von Algier an den franzosischen
Kaiser.
Daa Schiff wurde von eincm spanischen Ereuzer in der Niihe von
Palamos aufgebracht und des Blokadebruches der Kiiste beschuldigt,
nach Bosaa geschleppt. Die Besatzung musste in einer, am Wege nach
Bigueras belegenen Windmiible , Quarantainc abhalten , wirhrend die
spanische Behorde dss reich beladene S c h S , fur dessen Eigenthiimer sie
Arago hielten, als gute Prisc zu betrachten Lust hatten. E i n Examen,
das mit ihm abgehalten ward, um seine Landsmannschaft festeustellen, ist
aehr spasshaft. Da er die verschiedensten Sppaohen und Dialecte fertig
,
Biicherschau.
383
apricht, und hinter einander Sachverstandige behaupten, er miisse geboruer Ivicaer, Majorcaer, Spanier, Franzose sein, bis er zuletzt selbst
erkliirt, er sci ein jiidischw Marionettenspieler, unter grossem Gelachter
der Leidensgefihrten und zum Aerger der inquirirenden Behorde. Sie
wurden schliesslich in die Festung Rosas hmeingefihrt und bczogen hier
die Kasematten, d a m ein Beinhaus, vor welchem Landbewohner aus Cadaqu6s Wache halten mussten. Es ging ihnen sehr schlecht, und Arsgo
verkaufte seine Uhr, ein werthvolles Geschenk seines Vaters fur 60 Franks,
um sich und seinen Genossen den Hunger vom Leibe zu halten. Er
kniipfte mit seinen Wiichtern aus Cadaques ein Gespriich an, &uhr ihre
Wohnung, Lebcnsweise und Beschaftigung. Am andern Tage erzihlte er
der Ablosung, er sei els Reisender auch einmal i n Cadaqu6s gewesen,
und weiter, was er gestern erfahren hatte. Die biedern Provincaler hielten ihn, der so gut bei ihnen Bescheid wusste, nicht mehr fiir einenReisenden, sondern fiir den Sohn ihres Apothekers, der vor mehreren Jahren
nach Afrika gegangen und aeitdem verschollen sei. Es erschien d e m auch
eine Dame, die sich trotz seiner Abwehr ihm als seine Schwester vorstellte, ihn herzlich umarmte und abkiisste, und veranlasstc, dass ihm und
. Barthelemie tiiglich ein exquisites Essen zugeschickt wurde. Bald wurde
die Gesellschaft nach Palanios abgefuhrt, woselbst Arago die Hereogin von
Orleans Mutter Ludwig Philipps kennen lerntc. Nach allerlei Chicanen
wurde ihnen plotzlich criiffnet, dass sie frei scien. Die plotzliche Befreiung
war die Folge cines llriefes, welchen Arago an den Day von Algier
geschrieben hatte, in welchem er iiber die unrechtmassige Beschlagnahme
des Schilfes und den dadurch erfolgten Tod eines Laien Klage fiuhrt, auf
Gruud welcher Mittheilung der Day vom spankchen Consul eine ungeheure
Entschadigungssumme und die sofortige Freigabe des Schiffes veranlasst
batte. Das Schiff sollte aber Marseille nicht erreichen. In der nacbsten
Nahe dieser Stadt erhob sich ein ungiinstiger Wind und trieb das S c h 8
steuerlos umher. Arago lag in dcr Cajiite seekrank, und die Lootsen,
welche glaubteu, den Cours nach den Balearen zu haben, fanden sich und
ihr Schiff am 5 . December in Bougie an der africanischenKiiste. Arago,
begleitet von Bartbelemie und dem Capitain des Schiffes, begaben sich
zum Kadi und erfuhren hier, dnss es bei der vorgeschrittengn. Jahreszeit
nicht moglich sein wiirde, Algier zur See zu erreichen. Sie beschlossen
daher, den Landweg dorthin anzutreten, erbielten jedoch hierzu die Erlaubniss nicht, bevor sie folgenden Revers ausgestellt hatten. ,,Wir, die
Unterzeichneten, bezengen, dass der Kadi von Bougie uns abzureden
suchte, eine Landtour nach Algier einzuschlagen, dass er uns versichert
hat, wir wurden unterwegs todt geschlagen werden, dass, t.rotedem er
sein Bedenken zwanzig Ma1 wiederholt h a t , wir auf unscr Vorhaben
bestanden sind. Wir bitten, falls sich das Schlimmste mit uns ercignen
sollte , die algierische Regicrung , besonders unsern Consul, den Kadi fir
Nichts verantwortlich zu machen. Wir wiederholen nochmals die Reise
gegen seinen Wdlen unternommen zu haben.
Arago und Barth6lemie."
Nach mancherlei Abenteuern kamen sie am 25. December gliicklich
in Algier a n , woaelbst man ihrer Aussage , die Reise betreffend, keinen
Glauben schenken wollte dieselbe fur eine Unmoglichkeit erkliirend.
Der Day war inzwischen enthauptet worden, und ein neuer Day regierte.
Dieser 5ng Streitigkeiten mit der franzosischen Regierung an, sodass
sich der franzosische Consul genothigt sah, das Lana zu verlassen. Mit
ihm und seiner Familie schiffte sich Barthdemie ein und erreichte nun
endlich am 2. Juli 1809 Marseille, wo auf der kleinen Insel Pomague
Quarantine bezogen wurde. Die ersten Naohrichten an seine Freunde
,
,
384
Cucherschau.
waren fur diese Zeichen seiner Auferstehung, da man ihn allseitig todt
geglaubt hatte. Der erste Brief, den er erhielt, war von A. v. Humboldt, der ihni seine Yreundschaft fur das Leben snbot.
Nach beendeter Quarantaine besuchte er seine Eltern in Perpignan,
uuri 'ging dann nach Paris, wo er von seinen Freunden mit offenen Armen,
empfangen und ihm ein Plate in der Academie des scienses angcboten wurde.
Seine Wahl zum Mitgliede dieser Korperschaft ging nicht ohne Schwierigkeit von Statten, eumal sein alter Freund Laplace seinen Ehfluss
gegen ihn geltend machte rnit der Behauptung, Arago sei noch zu jung
fur diese Ehre. Indessen wurde sein Bedenken durch die Bemiihungen
der Lagrange, HaU, Biot, Delambre und Legendre aus dem Weg geriiumt, und Arago wurde am 18. September 1809, dreiundzwanzig Jahre-alt,
rnit 47 gegen 5 Stimmen , die auf Poisson fielen, zum Mitgliede der Academie gewahlt.
E s schliesst hiermit ein grosser Abschnitt eines vielbewegten, inhaltareichen Lebens. Seine Leistungen in diesem bestanden in folgenden Arbeiten:
1) In Verbindung mit Biot war eine ausfiihrliche und sehr genaue
Untersuchung iiber die Bestimmung der CoEBicienten der Tabellen der
atmosphiirischen Refraction gemacht worden.
2) Beide hatten auch gemeinschaftlich die Refraction verschiedener
Gase gemessen, welche bis dahin noch nicht in Angriff genommen worden
waren.
3) Eine genaue Bestimmung iiber das Verhdtniss des Gewichtes der
Luft zu den des Quecksilbers hatte ermoglicht, den CoEfficienten der barometrischen Formel zur Hohenbestimniung einen directen Werth eu supponiren.
4) Arago hatte zwei volle Jahre hindurch zu den regelrecht und sehr
fleiesig angestellten Beobachtungen rnit dem Durchgangeteleskop und dem
Mauerquadranteu am Pariser Observatorium beigetragen.
5 ) Mit Bouvard zusammcn hatte er Untcrsuchungen angestellt eur
Priifung der Qesetze uber dic Schwankungen des Mondes.
6 ) E r hatte Planeten beobachtct und ihre Bahn berechnet.
7) Er hatte, im Verein rnit Bouvard , nach Lnplace's Formeln die
llichtigkeit der Refractionstabcllen gcpriift , welche von dcm Bureau fk
Gradmessung in dem R6cueil des tables und der Connaissance des temps
veroffentlicht worden waren. Untersuchungcn iiber die Schnelligkeit des
Lichtes hatten gezeigt , dass dieselben Refractioustabellen fir Sonne und
alle Sterne gebraucht werden konnen.
8 ) Endlich hatte er unter den schwierigsten Verhaltnissen, und unter
Ausfihrung der grassten Triangulation, welche jemals ausgefiiw ,worden
war, einen Meridian von Frankreich bis Formentera verlangert .und
bestimiut. Weitere Arbeiten waren seinem Mannesalter vorbehalten.
D r u c k f e h l e r b e r i c h t i g u n g.
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14 von iinten: Jobi statt Sobi.
14 von unten: Leutholf statt Lent-holf.
6 von unten: Therapeutics statt Therapetior.
9 von oben: Hagewia statt Hagerie.
4 von oben: Pavesi statt Paresi.
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