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Nachweis von Reticulin als Biosynthesevorstufe in Corydalis cava. 4. Mitt.Untersuchungen zur Biosynthese von Alkaloiden

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122
BIasch ke, Waldheim, von Schantz und Peura
Arch. Pharmaz.
Diphcnyl-butan- 2-on (2) gefunden haben, stiitzen das aus den NMR-Spektren abgeleitete, oben
) 2 laat fiir
beschriebene konformative Verhalten der Ketone 1-4. Das hohe D i p ~ l m o m e n t ' ~von
1,l -Diphenyl-akan- 2-one mit unverzweigter Alkylkette eine Konformation erwarten, in der
eine Phcnylgruppe bevorzugt synperiplanar zur Carbonylgruppe steht:
I:
€1 c
6\c/c,R
II,CG""I
I€
1-4
Die Aufnahme der NMR-Spektren bei verschiedenen Temperaturbereichen mit einem Varian
A 60 D-Kernresonanzspektrometer wurde uns von Herrn Prof. Dr. H. Prinzbach, Chemisches
Laboratorium der Universitat Freiburg, ermoglicht; wir sind ihm dafiir zu groBem Dank verpflichtet.
Anschrift:
Prof.Dr. R. HaUer, 78 Freiburg i.Br., Hermann-Herder-Str. 9
[Ph 3001
G. Blaschke, G . Waldheim'), M. von Schantz und P. Peura2)
Nachweis von Reticulin als Biosynthesevorstufe in Corydalis cava*)
4. Mitt.: Untersuchungen zur Biosynthese von Alkaloiden3)
Aus dem Pharmazeutischen Institut der Universitat Kiel und dem Pharmakognostischen Institut der Universitat Helsinki
(Eingegangen am 16. MLz 1973).
Das natiirliche Vorkommen des Reticulins (I) im Lerchensporn Corydalis cava (Papaveraceae)
wurde sowohl durch Isolierung des Morphinandienons Sinoacutin (V) als auch durch Nachweis
radioaktiv markierten Reticulins nach Fiitterungsversuchen mit markierten Aminosauren bewiesen. Damit ist in Erganzung zu friiheren Versuchen Reticulin als Biosynthesevorstufe der
Aporphin-Alkaloide festgestellt.
Detection of Reticuline as Precursor in Corydalis cava
The natural presence of reticuiine (I) in the larkspur Corydalis cava (Papaveraceae) was demonstrated by the isolation of the morphinanedienone-type alkaloid sinoacutine (V). Furthermore,
after feeding experiments with labelled amino acids, labelled reticuline was detected in the
plant. These results, combined with previous feeding experiments, provide strong evidence that
reticuline is the precursor of aporphine alkaloids.
1 Pharmazeutisches Institut der Universitat Kiel.
2 Pharmazeutisches Institut der Universitat Helsinki.
* Herrn Prof.Dr. O.E. Schultz zum 65. Geburtstag in Dankbarkeit gewidmet.
3 3. Mitt.: G. Rlaschke, Arch. Pharmaz. 303, 358 (1970).
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Reticulin als Biosynthesevorstu f e
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Aporphin-Alkaloide sind in Papaveraceen weit verbreitet. So enthalt das Rhizom des
Lerchensporns (Corydalis cava) als Hauptalkaloid Bulbocapnin (IV) und wurde friiher wegen der pharmakologischen Wirkung dieses Alkaloids als Radix Aristolochiae
cavae gegen Nervenkrankheiten angewendet4). Daneben sind aus Corydalis-Arten
zahlreiche weitere Aporphin-Alkaloide wie Corytuberin (111) isoliert worden4- ‘).
Nach Futterungsversuchen an Corydalis cava war C-14- und C-14/H-3-doppelmarkiertes Reticulin jeweils mit hoher Einbaurate spezifisch zu Bulbocapnin umgewandelt worden3?’). Damit ist Reticulin als Biosynthesevorstufe von Aporphin-Alkaloiden wie Bulbocapnin (IV) und Corytuberin (111) sehr wahrscheinlich. Zunachst konnte Reticulin (I) enzymatisch zum Diradikal Ia dehydriert werden, das aus der mesomeren Form Ib zum instabilen Dienon I1 reagiert, welches wiederum durch Enolisierung Corytuberin (111) ergibt. Daraus sollte durch Oxidation der Guajakol- zur Methylendioxygruppe*) Bulbocapnin (IV) entstehen. Gleichzeitig konnte aus der mesomeren Form Ic des Diradikals das stabile Morphinandienon V entstehen (Schema 1).
Die Reaktionsfolge I+Ic+V ist fiir Papaver somniferum nachgewiesen, wobei das
Dienon V uber Thebain zu Codein und Morphin ubergefiihrt wird’.’’).
Spater wurde eine vollig unterschiedliche RingschluBreaktion zum Aporphingerust postuliert: In Dicentra eximia wird Norprotosinomenin (VI,R = H), nicht dagegen Reticulin (I) zum Aporphin-Alkaloid Corydin (VIII) umgewandelt ‘ I ) . Danach
sollten Aporphin-Alkaloid aus Norprotosinomenin oder Protosinomenin (VI,
R = H oder CH3) durch Oxidation uber Diradikale VIa und VIb, BildungPes Aporphindienons VII und nachfolgender Dienon-Phenol-Umlagerung entstehen (Schema
2).
Als Erklarung fiir diese widersprechenden Befunde sind “multiple pathways”
diskutiert worden12), wonach ein Alkaloid selbst in nahe verwandten Arten uber
verschiedene Reaktionswege entsteht.
Das Futterungsexperiment allein reicht aber nicht zur sicheren Priifung einer Biosynthesereaktion aus und mu5 stets durch den Nachweis der applizierten Vorstufe
abgesichert und erginzt werden’). Wurde im Futterungsversuch eine markierte Ver-
4 C. H . Trabert und U. Schneidewind, Pharmaz. Zentralhalle Deutschland 98, 447 (1959).
5 R. H.F. Manske, in: The Alkaloids. Academic Press New York 1954, Bd. IV, S. 119;
M. Shamma in: The Alkaloids, Academic Press, New York 1967, Bd. IX, S. 2.
6 H . G . Boit, Ergebnisse der Alkaloidchemie bis 1960, Akademie-Verkg, Berlin 1961.
7 G. Blaschke, Arch. Pharmaz. 301, 432 (1968).
8 D. H. R. Barton, R. H.Hesse und G. W. Kirby, J . chem. SOC.(London) 1965, 6379.
9 G. Blaschke, H. I. Parker und H. Rapport, J. Amer. chem. SOC. 89, 1540 (1967); H. I.
Parker, G. Blaschke und H. Rapport, J . Amer. chem. SOC.94, 1276 (1972).
10 D. H.R. Barton, G . W. Kirby, W. Steglich, G . M. Thomas;A. R . Battersby, T. A. Dobson,
und H. Ramuz,J . chem. Soc. (London) 1965, 2423.
1 1 A. R. Battersby, J . L. McHugh, J . Staunton und M. Todd, Chem. Commun. 1971, 985.
12 E. Brochmann-Hansen, Ch. Fu und L. Y. Misconi, J . Pharmac. Sci. 60, 1880 (1971).
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Blaschke. Waldieitn. von Schantz und Peura
Arch. Pharmaz.
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Reticulin als Biosynthesevorstu f e
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bindung appliziert, die in der Pflanze normalenveise nicht enthalten ist, so kann
sie dennoch unspezifisch von Enzymen der Pflanze umgewandelt werden. 1st eines
dieser Umwandlungsprodukte zufallig der auf seine Biosynthese untersuchte Naturstoff oder dessen Vorstufe wie das Aporphin 111, so wird ein Biosyntheseweg vorget auscht ("induced pathway")') .
Weder Reticulin (I) noch Protosinomenin (VI,R = CH3) sind bisher aus Corydalis- oder Dicentra-Arten isoliert worden. Versuche zum direkten Nachweis dieser
phenolischen Benzylisochinolinderivate durch Isolierung aus frischem Pflanzenmaterial waren jedoch wegen ihrer besonderen Oxidationsempfmdlichkeit und der zu
erwartenden extrem geringen Konzentration bisher nicht moglich. Wir pruften daher indirekt auf Reticulin und Protosinomenin in Corydalis cava 1. nach Futterungsversuchen mit C-14-markierten Aminosauren durch Isotopen verdiinnungsanalyse;
2 . durch systematische Suche mch Nebenalkaloiden, die entweder aus Reticulin
oder aus Protosinomenin durch eindeutige Reaktionen gebildet worden sind.
Dur ch Is0 fopenverdiinnungsanaly se sol1ten se Ib st gerin gst e Men gen von Re t icu li n
(I) oder Protosinomenin (VI) in Corydalis cava nachweisbar sein. Zunachst wird
eine radioaktiv markierte Aminosaure als Biosynthesevorstufe dieser Alkaloide an
die Pflanze appliziert. Sind die gesuchten Alkaloide in der Pflanze als Naturstoffe
enthalten, so liegen sie nach dem Futterungsversuch in radioaktiv markierter Form
vor. Wegen der zu erwartenden extrem geringen Konzentration mischt man dem
Pflanzenextrakt bekannte Mengen der gesuchten Alkaloide zu, die anschliefiend
durch chromatographische Verfihren in reiner Form ruckisoliert werden. 1st eine
der ruckisolierten Proben radioaktiv, so kann diese Impulsrate nur von der in der
Pflanze gebildeten Verbindung stammen, die damit als Naturstoff nachgewiesen ist.
Reticulin (I) und Protosinomenin (VI) wurden durch Kondensation von 3-Benzyloxy-4-methoxy-phenylessigsaure(IX) mit 3-Methoxy-4-benzyloxy-phenylathylamin
(Xa) bzw. 3-Benzyloxy-4-methoxy-phenylathylamin
(Xb) zu den Saureamiden Xla
und XIb, RingschluB mit P0Cl3, N-Methylierung, Reduktion und nachfolgender
Hydrogenolyse der Benzyloxygruppen synthetisch hergestellt.
I: R = CHs. R ' = H
VI: It = t i , R ' = CI13
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Blosch ke, Wda'heim, yon Schonh und Peuro
Arch. Pharmaz.
Zunachst muSte eine Trennung von Reticulin und Protosinomenin ausgearbeitet
werden. Diese Isomere weisen im DC an Kieselgel und Cellulosepulver sowie im PC
in verschiedenen FlieBmittelsystemen gleiche R,-Werte auf. Auch die isomeren Diacetate (1 bzw. VI,CH3C02 statt OH), durch Umsetzung der Alkaloide mit Acetanhydrid hergestellt, waren in allen untersuchten Chromatographiesystemen nicht aufzutrennen. Erst nach Bromierung beobachtete man geringfugige Unterschiede der
RF-Werte, die fiir eine praparative Auftrennung an Kieselgelsaulen ausreichend waren+).
Zur Pritfung auf Reticulin und Protosinomenin injizierte man die Losung von
0.2 mg (30 pCi) D, L-3-(3,4Dlhydro~yphenyl)-alanin-2-'~
C als Biosynthesevorstufe
von Benzyliso~hinolinalkaloiden'~)
in die Sprosse von 10 bliihenden Corydalis cavaPflanzen. Nach 6 Tagen wurden die Pflanzen im Starmix homogenisiert. Dem Pflanzenextrakt fugte man als Tragersubstanz jeweils 20 mg Reticulin und Protosinomenin
zu und trennte saulenchromatographisch das Reticulin/Protosinomenin-Gemischsowie zur Kontrolle der Einbauraten auch Bulbocapnin (IV) und das ProtoberberinAlkaloid Corydalin (XV)wieder ab. Sowohl Bulbocapnin (410 mg, 1040 IpM/mg)
als auch Corydalin (ca. 15 mg, 1020 IpM/mg) waren radioaktiv, die applizierte Aminosaure war somit zu Alkaloiden metabolisiert worden. Zur Auftrennung von Reticulin und Protosinomenin uberfuhrte man die sc gereinigte Fraktion durch Bromierung in das Gemisch der Bromverbindungen XI1 und XIII'), aus dem man durch SC
an Kieselgel d c einheitliches Bromreticulin und Bromprotosinomenin isolierte. Das
Reticulinderivat wies mit 359 Ipm/mg eine relativ hohe Impulsrate auf, die auch
nach erneuter Chromatographie konstant blieb. Sie kann nur vom Reticulin herriihren, das nach dem Futterungsversuch in der Pflanze enthalten war und damit eindeu-
*
Bei den Bromierungsprodukten handelt es sich vermutlich um die Tribromderivate XI1 und
MII, deren Auftrennung im DC durch die unterschiedliche Bromsubstitution des Isochinolinteils an C-8 (XII) und C-5 (XIII) erklart werden konnte. Die genaue Struktur war wegen
zu geringer Substanzmengen nicht sicher festzulegen. Die intensivsten Fragmente im Massenspektrum des Bromreticulins werden bei m/e 270 und 272 (rel. Intensitatjeweds 100 %,
Monobromisochinolinfragmentmit den Brormsotopen 78 und 80) registriert. Intensive Fragmente bei hoheren Massenza,hlen (m/e 481-487,466-472,451-455) konnen sowohl aus
einer Dibromverbindung (M', M+-CH3 und M+--CH3-OH) als auch aus einer Tribromverund M+ -Ar-CH3-OH) entstehen.
bindung (M+-Br, M'-Br-CH3
1 3 K. Mothes und €1. R. Schutte, Biosyntheseder Alkaloide. Berlin 1969.
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Reticulin als Biosynthesevorstufe
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tig als Inhaltsstoff von Corydalis cava nachgewiesen wurde. Das ebenfalls isolierte
Protosinomeninderivat XI11 war mit nur 65 IpM/mg sehr vie1 schwacher radioaktiv,
wobei die stiulenchromatographische Reinheitspriifung wegen der zu geringen spezifischen Aktivitat nicht mehr durchgefuhrt werden konnte. Protosinomenin als Alkaloid von Corydalis cava ist somit nicht exakt auszuschliekn, aber wenig wahrscheinlich.
Zur Absicherung dieses Befundes wurde der Alkaloidextrakt von Corydalis cava
systematisch auf Nebenalkaloide untersucht, die in der Pflanze entweder aus Reticulin oder aus Protosinomenin durch eindeutige Reaktionen gebildet worden sind.
Somit wiirde durch Isolierung des Morphinandienons V (Schema 1) indirekt auch
Reticulin nachgewiesen werden. Entsprechend w2re die Isolierung des Dienons
VII ein Nachweis des Protosinomenins (Schema 2).
Charakteristisches Merkmal der Dienone V und VII ist neben der phenolischen
Hydroxylgruppe die Carbonylfunktion, welche IR-spektroskopisch durch intensive
Banden im Bereich von 1600 - 1700 cm- nachweisbar ist 14) und eine gezielte Suche nach dieser Verbindungsklasse ermoghcht. Zur Identifizierung eines solchen
Dienons wurde das DC eines Alkaloidextraktes von Corydalis cava zunachst mit
Echtblausalzlosung angespriht, wobei die phenolischen Verbindungen als tiefrote
Azofarbstoffe sichtbar wurden. Diese Zonen wurden von einer im Parallelversuch
entwickelten, nicht besprlihten Platte abgeschabt, mit Methanol eluiert und nach Abdampfen des Liisungsmittels IR-spektroskopisch in KBr untersucht. Nur in einer
dieser Fraktionen war deutlich eine Carbonylabsorption nachzuweisen, die von
einem phenolischen Dienon hercihren konnte. Allerdings war die Konzentration dieser Verbindung in der in Norddeutschland gesammelten Droge fiir eine praparative
Isolierung zu gering. Eine grokre Menge dieses fiir Corydalis cava neuen Alkaloids
war in Rhizomen nachzuweisen, die wahrend der Blutezeit der Pflanze in Hessen gesammelt worden waren. Aus ca. 6 kg dieser Rhizome isolierte man 132 mg dc einheitliche, farblose Kristalle des Alkaloids vom Schmp. 197’. Nach den Ergebnissen
der Strukturaufldarung ist es das “Reticdin”-dienon V mit S-Konfiguration, das
als Sinoacutin zuerst aus Sinomenium acutum9) und spater auch aus anderen PflanZen isoliert worden ist” -‘”I.
Die Struktur wurde durch spektroskopische Methoden bestimmt. Im Massenspektrum ist der Molekiilpeak bei m/e 327 der intensivste Peak. Die Verbindung zer-
’
zwischen 1605 und 1650 cm-’ : K.
14 vM-Bande zwischen 1656 und 1673; V--Bande
Bernauer und W. Hofheinz, in Fortschritte der Chemie organischer Naturstoffe, Bd. 26,
Springer-Verlag,Wien-New York 1968, S. 246.
15 I . S. Hsu, S.-Y. Lo und J.-H. Chu, Sci. Sinica (Peking) 13, 2016 (1964), zit. in C. A. 62,
9183 (1965).
16 S. Johns, J . A . Lamberton und A. Sioumis, Australian 1. Chem. 19, 2331 (1966).
17 T. Kametani, M. lhara und T. Honda, Phytochemistry 10, 1881 (1971); J . chem. SOC.(London) C 1970,1060.
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Arch. Pharmaz.
fallt unter Abspaltung einer Methylgruppe (M-1 S), von CO (M-28) sowie unter Abspaltung von CO und CH3. Im unteren Massenbereich werden keine weiteren Frag
mente registriert. Das Massenspektrum ist vollig identisch mit dem Spektrum des
enantiomeren Salutaridins (V, R-Konfiguration), welches zum Vergleich aus Thebain
partialsynthetisch dargestellt wurde''). Ebenso stimmen UV-, NMR- und IR-Spektrum sowie der Schmelzpunkt des Alkaloids sowie dessen Pikrats mit den Daten
des Salutaridins vollig uberein. Die Verbindung unterscheidet sich vom Salutaridin
nur durch das Vorzeichen des Drehwertes.
Sinoacutin (S-V) kann in der Pflanze nur aus Reticulin (S-I) entstanden sein,
womit Reticulin der S-Konfiguration indirekt fur Corydalis cava nachgewiesen ist.
Ein ,,Aporphin"-dienon wie VII war dagegen nicht zu isolieren.
h e Akaloidbiosynthese in Corydalis cava mui3 daher stereoselektiv verlaufen.
Alle aus der Pflanze isolierten Aporphin-Alkaloide sind wie Sinoacutin S-konfiguriert und werden damit aus S-Reticulin (S-I) gebildet. Dagegen besitzen die beiden
in grotkrer Menge enthaltenen Rotoberberin-Alkaloide Tetrahydropalmatin (XIV)
und Corydalin (XV) R-Konfiguration. Sie entstehen damit stereospezifisch aus
R-Reticulin (R-I).
Beschreibung der Versuche
Die Schmp. sind im Biichi-Apparat bestimmt und korrigiert. Zur DC vawendet m a n Kieselgel
G (E. Merck) auf Platten 10 x 20 cm und entwickelte unter Kammerdttigung. Adsorbens zur
SC war Kieselgel H, das mit Wasser zu einem dicken Brei angeriihrt, 1 2 Std. bei 80'getrocknet
und durch 48 Std. Aufbewahren an der Luft desaktiviert wurde. Radioaktivitatsmessungen erfolgten mit dem Scintillationsspektrometer der Firma Packard, Mod. 3375, wobei die MeDwerte
sowohl nach dcm Kanalratenverhaltnis als auch durch interne Standardisierung mit n-Hexadecan-l-I4C korrigiert wurden.
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Rericulin als Biosynthesevorsm f e
1. Isotopenverdiinnungsanalyse
Reticulin (I): Die synthetisch hergestellte Verbindung') wurde vor dem Versuch durch SC an
Kieselgel H mit dem Fliefimittcl Chloroform/Xthanol 911 gereinigt.
l+otosinomenin (Vt, R = CH3): Die beschriebene Synthese'*-P) wurde zur Erhohung der Aus(Xb)
beuten bei folgenden Reaktionen abgewandelt. 3-Benzyloxy-4-methoxy-phenylathylamin
rnit Lithiumalanat in
stellte man durch Reduktion von 3-Benzyloxy-4-methoxy-~nitrostyrol
absol. Tetrahydrofuran in 72 proz. Ausbeute her. Das Amin Xb wurde durch Erhitzen mit einer
aquimol. Menge an 3-Benzyloxy-4-methoxy-phenylessigsiiure (IX)') in Xylol und azeotroper
Abtrennung des Wassers in 90 proz. Ausbeute zum Amid XIb umgesetzt.
Acetylierung: Die Losungen von 33 mg (0.1 mMol) Reticulin (I) bzw. Protosinomenin (W,
R = CH3) in der Mischung von 0.5 ml Acetanhydrid + 5 Tropfen Pyridin wurden untcr Feuchtigkeitsausschlua 8 Std. auf SOOerwlmt. Nach Abdampfen des Losungsmittels i. Hochvak. erhielt man die dc einheitlichep, oligen Acetylierungsprodukte.
Bromierung: Zur geriihrten Losung von 33 mg (0.1 mMol) Reticulin (I) in 2 ml kthanol tropfte
man unter Eiskiihlung die Losung von 56 mg (0.35 mMol) Brom in 3.5 ml Chloroform zu, wonach aufgrund des positiven Bromnachweises mit KJ-Stkke die Bromierung des Reticulins unter Bildung cines dc einheitlichen Bromicrungsproduktes beendet war. Entsprechend wurde aus
Protosinomenin ein d c einheitliches Bromierungsprodukt hergestellt. DC:RF-Werte wurden an
Kiexlgel G mit den FlieDmittelsystemen Chloroform/Athanol 95/5(a), Chloroform/Xthanol
90/10(b) und Benzol/Athanol 70/30(c) bestimmt.
Substanz
RFWerte im FlieDmittelsystem
Reticulin (I)
Protosinomenin (VI)
0.05
0.05
0.16
0.16
0.25
0.25
Acetylreticulin (I, CH3C02 statt OH)
Acet ylprotosinomenin
(VI,CH3C02 statt OH)
0.30
0.62
0.73
0.30
0.62
0.73
Bromret icu lin
Bromprotosinomenin
0.26
0.32
0.54
0.60
0.85
0.90
Fiirrerungsversuch: Die Losung von 0.2mg (30 pCi) D,L-3-(3,4-Dihydro~yphenyl)-alanin-2-'~C
(Buchler, Braunschweig) in 0.2 ml Wasser wurde mit einer Hamilton-Mikroliterspritzein die
Sprosse bliihender Corydalis cava-Pflanzen injiziert. Nach 6 Tagen homogenisierte man die
Pflanzen unter Zusatz von jeweils 20 mg Reticulin (I) und Rotosinomenin (VI) mit 200 ml Methanol im Starmix und trennte aus dem Extrakt die Alkaloide Bulbocapnin, Cordalin und das
Reticulin/Protosinomenin durch SC ') ab. Die spez. Aktivitaten des Bulbocapnins (410 mg,
1040 IpM/mg) und des Corydalins (a.
15 mg, 1020 IpM/mg) blieben auch nach wiederholter
Umkristallisation konstant.
18 R. Robinson und S. Sugasawa, J. chem. SOC.(London) 1931, 3163.
19 R. Robinson und S. Sugasawa, J. chem. SOC.(London) 1933. 280.
20 D. H. R. Barton, A. J . Kirby und G . W. Kirby, J . chem. Soc. (London) C 1968. 929.
21 R. Grewe und H. Fischer, Chem. Ber. 96, 1520 (1963).
130
Hlasckke. IValdlieim, von Schanrz und Peura
Arch. Pharmaz.
-.
Auffrennung des Reficulin-Protosinotnenin-Gemisches:
Das nach dem Fiitterungsversuch erhaltene Reticulin-Rotosinomcnin-Cemisch
wurdc durch SC an Kieselgcl H mit dcm I~licfimittel
Cliloroform/Athanol 95/5 gcreinigt. Die dc cinheitliche Fraktion (30 mg) wurde, wie im Vorverwch bcwhricben, bromicrt und durch SC a n Kieselgel H in eincr Saule von 15 x 0.9 cm mit
Chloroform al\ I:lieMmittel aufgetrennt. Hierbei wurden Fraktionen von jewcils 5 ml aufgefangcn. von dcncn die 16. 24. Fraktion nach Eindampfen 15.0 mg d c reines Bromprotosinodcr spez. Aktivitlit von 65 lpM/mg, die 28. - 40. Fraktion 14.9 mg d c reines Bromrcticulin der
c p w . Aktivitlit von 359 IpM/ mg ergab. Da wegen dcr niedrigen Impulse des Bromprotosinomenin\ die gcsarntc Substanz zur Radioaktivititsmessung c i n g e c t z t worden war, konnte nur
dic radiochcmische Rcinheit des Bromreticulins gepriift werdcn: Nach crncuter SC rnit dem
FlieDmittelsystem Chloroform/b;t hanoi 95/5 blieb die spezifische Aktivitat konstant.
2. lsolicrung und ldentifizierung von Sinoacutin
Die a m 15. April 1972 wihrcnd der Blutezeit der Pflanze am Stauffenberg bei Lollar (Kreis Giet k n , Hehsen) geummelten Rhizome von Corydalis cava (6 kg) wurden gefriergetrocknet (925 g
'l'rockenwbctanz) und mit insgeumt 3 I bithanol im Starmix homogenisiert. Die i. Vak. eingedampften Filtrate wtpcndicrte man in 100 ml halbgesiitt. Natriumcarbonatlowng und extrahierte die Alkaloidbawn portionsweite crschopfend mit insgesamt 400 ml Chloroform. Die vercinigten Chlorot'ormextrakte wurden I . Vak. eingcengt, auf cine Chromatographiesfule mit
180 g Kicsel~elH aufgctragen und mit Chloroform eluicrt, wobei man Tetrahydropalmatin und
Corydalin eluicrte. Line Mischung von Chloroform/bithanoI 9 5 / 5 eluierte zuerst Bulbocapnin,
spiter die Mischung von Bulbocapnin und Sinoacutin. Die Sinoacutin enthaltenden Fraktionen
wurdcn vereinigt. i. Vak. eingcdampft und erneut an eincr Saule mit 5 0 g Kieselgel H mit dem
I~lie8mittelChloroform/Methanol 97/3 chromatographiert, wobei Fraktionen mit chromatographisch rcincm Sinoacutin erhalten wurden. Aus dicsen Fraktionen erhielt man nach Abdampfen einrn krictallinen Ruckstand. der a u Athanol
~
umkristallisicrt wurde: 132 mg farblose Nadcln vom Schmp. 197O.
DC ( C h l o r o f o r m / ~ c t h a n o I97/3): R F 0.1 7, mit Echtblausalzlosung zu eincm tiefroten Farbstoff anflirbbar.
NMR (60 MHz, CDC13): 6 ( p p m ) = 7.51 ( 1 H s), 6.65 ( 1 H s), 6.61 ( 1 H s), 6.32 ( 1 H s), 3.82 und
3.74 Cjewcils 3 H 5 , OCH3), 2.42 ( 3 H s, NCH3), ca. 2 - 4 (7H m, CH und CH2).
MS+): m/e (rel. Intensitit): 327 (M', 100 %), 31 2 (M 1 5 , 77 a),299 (M .- 38, 34 %), 284
( M - 43, 79 ?A).
~
1K (KBr): 1672,1645. 1615. 1585, 1485, 1438, 1394, 1378, 1 3 2 8 , 1 2 8 5 , 1 2 2 9 , 1 2 1 2 , 1 1 7 8 ,
1170, 1110, 1065, 1 0 4 8 , 1 0 1 2 , 9 7 9 , 9 7 2 , 9 2 0 , 8 8 5 , 8 5 8 ,8 2 0 , 7 9 8 . 7 6 1 , 7 5 0 , 712 cm-'.
UV-Absorption:
= 278, 241 nm (log E = 3.81, 4.30) (Athanol).[&]
= -. 105O
( c = 1.38. Athanol).
&
~
*
~~~
Herrn Dr. H.-M. Schiebel. Gesellschafl fur Molekularbiologischc Forschung, Braunschwcip
Stockheim, dankcn wir fur die Aufnahme von Massenspektren.
Anshrift: Priv.-Doz. Dr.G . Bhwhke, D 2300 Kiel, Gutenbergqtr. 76
78
[Ph 301
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