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Noch ein Beitrag zur Lehre von den narkotischen Mitteln mit besonderer BerUcksichtigung eines Aufsatzes des Hrn. Professors Dr. Richter in Dresden Uber denselben Gegenstand

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ARCHIV DER PIh4RUlACIE
LXXXIX. Bandes zweites Heft.
Erste Abtlieilung.
-
1. Physik, Chemie nnd praktische
Pharmacie.
Noeh ein Beitrag zur Lehre von den narketischen Mitteln, mit besonderer Berucksichtigung eines Aufsatzes des Hrn. Professors Dr.
Richter in Dresden iiber denselben Gegenstand;
von
Dr. F r i e d r i e h M e u r e r ,
Apothelter in Dresden.
-
Zwei Aufsatze von mir, welchs im verflossenen Jahre,
der eine in Caspar’s Wochenschrift. No.d6., der andere
im Archiv der Pharmacie, Bd. 2. S. 8, erschiencn und iiber
den Werth der Aqua Opii und des Extracturn pncumaticum handeln, und in welchen nebenbei die Ansicht ausgesprochen wird, dass das Riechende von dem Wirksamen getrennt zu denken sei, haben zwei Entgegnungen
hervorgerufen, wovon sich die eine im Archiv der Pharm.
1843. Bd. 6. S. 38, die andere in H a s er’s Archiv der gesammten Medicin, Bd. 6. H. 2. S. 189 befindet.
Die erste von Hrn. Apoth. S c h n e i d e r in Dresden
beruhte auf einem Missverstandniss und ist schon durch
einen Zusatz der Redaction berichtigt, denn er handelte
von einer andern, mit Hiilfe der Luftpumpe bereiteten Art
von Extracten, als ich in den erwahnten Aufsatzen besprochen und beurlheilt habe. Auch den zweiten Aufsatz in
Haser’s Archiv, der in denselhen Fehler verfallt, dass er
Arch.d.Phann. tXXXIX.Bds.2.Hft.
9
130
Meurer,
auf der ersten Seite mein Urtheil iiber dcn mit Iliilfe der
Luftpumpe eingedickten Pflanzcnsaft auch auf die andere
Art der pneumatischen Extracte ubest,r;-igt,wurde ich nicht
zu widerlegen nothig hahen, wenn icli wusste, dass Jeder,
der densclben liest, meine friiheren Aufsatze zur IIanrl
niihme; denn er wurde dann finden, dass eine Nebensache,
die beilaufig von mir hingeworfene \rcrmuthung. weldie
allerdings auf einige Thatsachen sich stiitzt, von Hm. Prof.
Dr. R i ch t c r zur Hauptsachc, zur Principfrage gemadit
wird. Allein da vor allen die Mittheilungcn meiner angestellten Versuche nicht bloss in Zahlen, wie er jetzt sclbst
zugiebt, sondern auch der Sache nnch cntstelll sind Y), ferner, da auch die von R i c h t e r vorgenouimenen Versuche
recht wohl eine andere Deuthg zulassen, so fiihlc ich
mich zu dieser Erwiderung bcwogen.
Urn die Sache besser zu iiberschauen und nicht eins
in das andere zu mengen, wodurch auch Manchcr einen
Sieg zu erfechten sucht, will ich zuerst die Widerlegung
des Prof. R i c h t e r uber den Riechstoff und die Aqua Opii.
dann das, was er uber dieEssenzensagt, und endIich (lie
Versuche iiber narkotische Extracte niiher beieuchten.
I. Ueber das riechende PrincZp und die Aqua Opii.
Die Versuche mit Aqua Opii an Thieren sind von
R i c h t e r und von mir als Beweis fGr und wider den
Werth des Riecheeden benutzt worden; doch gehort die
Entscheidung iiber ihre Wirksamkeit mehr in die Praxis.
und in dieser Beziehung sol1 sie auch besonders hervorgelioben werden.
Den Ausspruch, dass das Riechende aIs etwas Besonderes zu denken sei, SO etwa wie die Farbe der Kijrper,
die nicht auf der chemischen Zusammensetzung, sondern
nur auf dem Aggregatzustand beruht, griindete ich auf
einige Thatsachen : auf den Bittermandclgeruch, nachdem
die Blausiiure vom Bittermandelol und ahnlichen Pliissis-
__ __--
”)
Man vergleiche zu meiner Rechtfertigung, was in Caspar’s
Wochenschrift. 1843. S. 252 etc. gcdruclit ist, mit der Rlitiheilung des Prof. R i c h t e r in Huser’s Archiv. Bd.6. €1.2. S. 105.
Ueilrng zur Lehrc! oon dei, narkolischen Mittel?,. 4 31
keiten getrennt; auf die Geruchlosigkeit der meisten Pflanzenalkaloide und auf rueine Versuche mit der Aqua Opii.
Hr. Prof. Rich t e r sucht diese Thatsache zu widerlegen :
a) durch Worte und Raisonnements,
b) durch Anfiihren von Beobaclitungen Anderer,
c) durch falsche Angabe und Benutzung meiner Versuche, und
d) durch eigne angestellte Versuche mit Aqua Opii
und Quassiae.
ad a. Hierher rechne ich die Bemerkungen, dass eder
bittre Geschmack hei den Alkaloiden den Geruch vertritt,a
dass ))diefixen Bestandtheile in die fluchtigen einer Pflanze
heyiiberscheinen (!) ,(( dass ndie Blausaure, wenn sie auch
vollkommen aus dem Bittermandelol etc. ausgeschieden
sich wieder erzeuge;(( was kann das beweisen? Was beweist der ebenfalls angezogene Ausspruch der neuern Physiologie und Pharniacodynamik : ))die Geruchswirltung ist
keine besondere Qualitat des Dinges, sondern sie ist eine
physiologische Wirkung, die Geriiche wie die Geschmacke
sind schon die Arzneiwirkung selbst!cc Ein Widcrlegen
solcher Ausspruche kann zu nichts fuhren, aber Thatsachen
werden dadurch doch nicht beseitigt; es sind Worte, bei
denen sich die Phantasie freien Spielraurn lassen kann,
die aber fur die Sache selbst gar keinen Werth haben.
Gern gebe ich dem Hrn. Prof. R i c h t e r zu, dass der
Einfluss der Chemie bei der Erklarung physiologischer
Processe ein sehr untergeordnetcr ist, d. h. nach dem jetzigen Standpuncte unsers Wisscns, aber unreoht ist es zu
behaupten, dass auch die Chemie kein Recht habe, die
Arzneistoffe nach den von ihr gefundenen Bestandtheilen zu
beurtheilen. Doch ich will mich hei Worten und Redensarten nicht Ianger aufhalten, sondern zur Sache selbst
ubergehen.
ad b. Hr. Prof. R i c h t e r fuhrt als Beweis des Wirksamen im Riechenden an, dass die Ausdiinstung des Hanfs,
Sumachs, Safrans, des chinesischcn Thees U. S. w. giftige
Wirkungen hervorbringe ; nun fehlt aber hier der Beweis,
dass hier bloss das Riechenda wirkt. 1st denn hier der
9'
132
Meurer,
Riechsloff etwa isolirt? Uebrigens habe ich auch nie Resagt, dass wirksame Stoffe des Geruchs entbehrten. Es
wird ferner angefuhrt, dass die orientalisclien Opiuni-,
Hanfextract-, Theriak- und Rtiachich -Raucher, sowie die,
ivelche Belladonna und Stechapfel rauchen, heftige Nervenzufalle erlitten : dies wird niemand bezweifeln ; hat man
cs hier aber nicht mit den Verbrennungsproducten dieser
Stoffe zu thun, also mit etwas Erreztgtcm? Was heweist
es, dass deslillirte Wasser wirkscim sind? Nichts, als dass
tiier etwas Wirksames an den fluchtigcn Stoff gebundcn
und nicht, dass es derRiechstofl sei. Noch weniger kann
cs als Beweis fur seine Behauptung gclten, wenn einmal
Jemand vom Geruch der Senncsbliitter purgirt worden ist ;
es beweist dies bloss, wie gross dcr Einfluss dcs Geistigen, der Phantasie, im Menschen nuf den Iiiirper ist, und
zwar bei einzelnen wenisen Individuen. - Auch w i d angcfiihrt, dass man vom Geruch der Speisen leben konne,
j a satt und fett werde, aber auch hicr haben wir es mit
materiellen Stoffen, Dunsten zu thun, an dcncn der Geruch
als Nebensache gebunden ist, und doch will icti recht gern
den Versuch, den HI., Prof. Rich t e r hezweifelt, mitmaclien
und von chemisch ausgeschiedenem Eiweiss , Fascrstofl
und dergleichen leben, wenn HI.. Prof. R i c h t e r sic11 mil
dem Geruch in der Kiiche begniigen will; wir wollen
sehen, wessen Iiiirper sic11 am bcsten dabei befindct.
Alle von Hrn. Prof. R i c h t e r angezogene Beobachtungen beweisen durchaus nicht, dass das Wirksame und Rjechende der Stoffe gleich sei; ja betrachten wir die Sache
ganz unparteiisch, SO muss man zugeben, dass die Frage,
ob das Riechende analog mit dem Stoffe selbst oder von
ihm getrennt zu denken sei, schwer, fast nicht mit Gewissheit zu entscheiden ist, aber glauben mochie ich doc]),
dass die von rnir angefiihrten Thatsachen vom Bittermandelol und den Alkaloiden rnehr fur meine Ansicht spr-2hen und ihr eine gewisse Beachtung gaben.
Es fallt gewiss keinem Chemiker ein zu behaupten,
dass die Pflanzenalkaloide, die Pflanzenstoffe, aus denen
sie dargestellt, selbst sind; aber dass in ihnen das We-
Beilrag
ziir
Lehre con den narkotisc/ieii Miltoh. 133
sentliche, das Hauptagens derselben, das, was die Pflanze
oder Pflanzengattung von andern unterscheidet, enthalten,
wird jeder denkende hrzt zugeben, denn es beweisen es
ja die damit angestelltcn und hinliinglich bekannnten Versuchc und ~rztlichenErfahrungen. Dass es Falle giebt,
wo die dunnen Chinarinden den stiirkern an Chinin reichern Rindcn, ja dem Chinin selbst vorzuziehen sind, wird
Jeder zugeben; dass aber die Prophezcihung R i ch t e r's,
dass bald dieZeit kommen werde, wo man trotz der Ansicht der Chemiker, welche behaupten, es sei in den starken Rinden das Wesentliche, Eigenlhumliche der China
enthalten, man doch den diinnen Hinden den Vorzug geben werde, durfte aller Erfahrung iiber das wesentliche
Princip der China widersprechen, u n d die Erfiillung dicser
Prophezeihung wurde mit einem Riickschritt in der Wissenschaft, wie sic ja bei Einzelnen und ganzen Volkern
von Zeit zu Zeit vorlcommen, zusammenfallen.
ad 3. Hr. Prof. R i c h t e r fiat die von mir angestellten
Versuche mit Opium und Opiumwasser, welche an dem
friiher angezeigten Orte dieser Zeitsclwift ausfiihrlich mitgetheilt sind, nicht bloss in Zuhlen, wie er mir mundlicli
selbst zugegeben, sondern der Sache nach entstelll, und
das Resuml davon in Baser's Archiv ungefiihrt. Er hat
z. B. gesagt : ader eine (sehr grosse) Hund habe nach ein
und einer halben Drachme Opium, der andere nach funjr
zehn Gran durchtlus keine schweren Zuriille und Nuchwirlczingcn erlitten. ITiergegen habe ich zu bcmerken, dass
der crste Hund nur eine halbe Drachme Opium auf einma1 erhalten, dass aber diese Dose, weil sie das erste Ma1
weggebrochen worden war, den folgenden Tag nochmals
gereicht worden ist. Die hiernacli entstandenen Symptome waren zwar niclit sehr heftig, dauerten aber noch
den andern Tag fort und iibertrafen die von zwei und
einer halben Unze Aqua Opii in jeder Art; ja man kann
sie nicht n i t einander vergleichcn, da man die von Aqua
Opii etwa erzeugten nichl ))nadcotis.chect nennen konnte.
Der zwcite I-iuntl, der nur funfzehn Gran Opium bekommen liatte, zeigte fblgcnde Symp~ome:
I36
Mctirer,
,Den 5. Marz 1843 *) gahen wir ihni (dem ein Jahr
alten Bologneser Hunde) eine Pille von 15 Gran Opium.
Nach einer Viertelstunde setzte das Thier zweimal IIarn
und Koth ah, war sehr unruhig, rutschte auf dem IIintern
herom, presste, als wenn es Mist entleeren wolltc, aher
ohne Erfolg; nach einer halben Stunde grosser Unruhe
wurde es sehr abgeschlagen, die Korperwiirme verringerk
sich, die Ohren wurden kalt, der Pulsschla~hiiidich, 60
Schlage in der Minute, der HeizschlaS war nur dunkcl
fuhlhar, der Blick war matt, er geiferte, taumelte, entleerte
unwillkuhrlich Harn, und schlief ein. Das Athmen war
erschwert, rochelnd, es entsland Poltern im Leibe, cler
Schlaf wurde immer unruhiger und Zuckungen begleileten
ihn. Der Appetit war ganz weg, die Darmausleerung verzogert, Harn wurde nicht wiedcr abgesetzt.((
))Den 6. Marz war das Thier noch sehr trage, schliifrig,
noch nicht Sanz seiner Extremitiiten machtig, es hatte
Zuckungen, war sehr abgeschlagen, frass nicht und setzk
niir einmal harten schwarzen Koth ab. Am 7. Marz war
es wieder munter.cc
Ich frage nun, ob hiernach Hr. Prof. R i c h t e r mit
Hecht sagen kann, es seien nach 15 Gran Opium. keine
schzoeren Zufalle und Nachwidcztngen entstanden ? Oh man
hiernach behaupten kann, ))die zu den Versuchen 6enutrten Hunde wnren offenbar wenig cmpflinglich fur Opium.
Nicht weitcr will ich auf die fernere Entstellung uncl
auf die Art, wie Hr. Prof. R i c h t e r meine Versuche fiir
seinen Zweck verarbeitet, cingehen, denn ich glaubc, class
das Angefuhrte hinreicht, Jcden, der da urtheilen will, in
den richtigen Stand zu setzen.
Nochrnals fuhre ich nur den von mir aus meinen Versuchen gezogenen Schluss an; ich halte namlich nach denselben die Aqua Opii fur nicht narkotisch, weil 45 Gran
Opium zwei Tage andauernde Symptome von Narcosis und
2 Unzen Aqua Opii, welche das Riechende von drei Drach-
*)
WBrtlich RUS Caspar’s Wochenschrift, Jahqang 1843. pag. 153
und 154 abgedruckt.
Beitray zwr Lehlre van den nurlcotischen Mitteln. 135
men zwolf Gran*) cnthalten, iiiclit ein Symptom erzeugten, welches man einem narkotischen Princip zuschreihen
kann, wenigstens keines, was Ianger als eine Viertelstunde
anhielt.
ad d. Die Versuchc des Hrn. Prof. R i c h t e r , welclie e r
mit Aqua Opii angestellt hat, widersprechen allerdings deli
meinigen zum Theil; im Allgcmeincn habe ich gegen dieselhen einzuwenden, dass an clensclbcn Thieren nicht auch
vergleichende Versuche mit Opium purum angestell t wurden. Welche Wirkung wurden wolil 4. - 5 Gran Opium
hei der nur zwei Monate alten Knfze hervorgebracht haben, die im Zeitraum von einer Stunde zzvei Unzen sechs
Drachmerb d. h. das Riechende von fast vier und einem
halben Quentclzen Opium erhielt ? Welche Wirkung ist bei
einem so kIeinen Thicrc dcr hicnge Wasser zuzuschreihen ?
Den Versuchen rnit Fliegen und Wespen kann man
wohl gar lteinen Werth beilegen, cin Ausspruch, dem der
Verfasser spater selbst beistimmt.
Da der dritte Versuch rnit den FlieSen wegfallt, und
da die zwei ersteii Versuche keine deutlichen Symptome
von Narcosis zeigen, da man ?in Verschuchtert- oder Verwundertsein nicht als solche ansehen kann, so widerspricht
nur der vierteversuch etwas gegen die zwei von mir mit
Aqua Opii angestellten, und es Seht doch vollkommen aus
dem ohen Gesagten hervor, dass die Behaiiptung von mir
noch nicht wiederlegt ist, oder wenigstens, dass die Frage
no& nicht cntschieden ist.
11. Ueber die Essenzen aus narlcotischen Pflanzen.
Hr. Prof. R i c h t e r zicht nun den Zweck, den er sich
vor Augen gesetzt, namlich den Unwerth der Chemie auf
Darstellung und Beurthcilung der Medicamente weiter zu
verfolgen und festzusetzcn, auch diese Arzneiformeln mit
in die Betrachtung; er bedenkt aber dabei nicht, dass
Sera& auch diese Formeln gegen ihn zeugcn. Ich be_3')
Aus Versehen halte ich fruher dns zu 2 Unzcn dqucl Opii nbthigc Opiuni bloss auC 8 Scrupel berectinet; also zuin N;rclillieil
meiner Ansicht.
136
Meurer,
haupte nicht, dass sie, nach der Pharmakopoe bereitet,
unwirksam sind, und habe selbst bei eincr Kritik der siichsischen Pharmakopije, gleich nach ihrem Erscheinen, in
der Zeitschrift des Hrn. Geh. hJeclicinalraths Dr. v. Ammon , die Zweckmassigkeit dieser Arzneiformel ruhmlichst
erwahnt. Ich berufe mich aber wieder auf die Versuche
und Arbeiten eines Chemikers*), dass diese Essenzen weil
kraftiger wirken, wenn man das ausgepresste Kraut noch
rnit Weingeist auszieht und diesen Auszug erst mit den1
erhaltenen Saft vermischt. Diess babe ich auch schon anderswo erwahnt, die Homoopathen allgemein eingefuhrt,
dasselbe erwahnt Gi e s e cke in der von R i ch t e r benutzten Arbeit bei der Berechnung der Dosen der Essenzen
auf Extracte.
Wie nun aber die Berechnung der Essenzen auf Extrack, welche Hr. Prof. R i ch t e r mittheilt, Jemand ehvas
nutzen sol], sehe ich nicht ein, denn man weiss j a nicht,
was der Hr. Verf. fur ein Extract bei seiner Berechnuns
zum Grunde legte. Das officinelle Extract kann es nicht
sein, denn das enthalt den geistigen Auszug des Ruckstandes; ebenso wenig das Extr. pneumatic0 spirituosum. Er
muss also den Succ. pneumatic0 - irwpis. im Sinne haben ;
den findet man aber nirgends, und wird ihn kunftighin
noch weniger finden, da er, wie die Versuche Rich ter's
beweisen, nicht starker, eher schwacher als das officinelle
Extract wirkt. Vor den Succ. pneumatic. impissat. haben
die Essenzen Vieles voraus, sie sind billig darzustellen,
verderben nicht, wed das Eiweiss. entfernt ist etc. Ob Rr.
Prof. Richter seine Versuche mit den Esscnzen init solchen angestellt hat, die nach der Vorschrift der Pharmakopoc, oder nach Art der jetzigen verbesserten Vorschrift
bereitet worden sind, wird er wohl selbst nieht genau
angeben konnen; es ist aber allerdings wohl moglich, und
zwar deshalb, weil der Apotheker die Essenzen der Pharmakopiie gar nicht, die fur Homoopathen doch eher braucht.
") Versuche von Conium nzaculatuna von G e i g e r . - Megazin der
Pharnlacie uiid die dahin ein,chlageiidenWissensr.haften YOU Gei
gcr und Liebig. 1831. 9. Jahrg. Ud. 35. S. 75.
-
Beitrag zur Lekre von den nndcotischen Mitteln. 131
III. Extmcta narcotica.
Ehe ich zur Beurtheilung der Versuche mit Extracten
narkotischer Pflanzen, welche Hr. Prof. R i ch t e r angestellt
hat und in dem angezogenen Aufsatze mittheilt, iibergehe,
miissen wir erst die Extracte nach ihrer Bereitung trennen. Hr. Prof. R i c h t e r hat zwar thcilweise auf diese
Trennung auch geachtet, aber nicht immer, z. B. auf der
ersten Seite seiner Abhandlung, wo er ganz im Allgemeinen sagt: ))ich hielte die pneumatischen Extracte fur unwirksamer als die rnit Hiilfe der Warme verdunsteten,a
und ich habe doch einzig und allein nur von dem Succ.
pneumatic. impissat., welchen man bis zum Jahre 1842 als
Extracturn pneum.atic. bezeichnete , gesprochen. Erst im
Jahre 1842 ist die zweite Art pneumatischer Extracte entstanden und doch haben vorher die Lobpreisungen der
pneumatischen Extracte schon lange statt gefunden.
Hr. Prof. R i c h t e r hat seine Versuche*) mit drei verschiedenen Arten narkotischer Extracte angestellt.
I ) mit dem Extract nach der Pharmakopoe bereitet ;
2) mit dem, mit Hiilfe der Luftpumpe eingedickten,
durch blosses Auspresseii erhaltenen Saft narkotischer
Pflanzen ;
3) mit dem nach Art der Pharmakopoe bereiteten,
aber anstatt durch Warme mit Hulfe der Luftpumpe verdunsteten Extracte.
Vergleichen wir nun die von R i c h t e r mit Eztr. officinale angestellten Versuche 6, 7, 9 und 12"*) mit den mit
"1
**)
Was die Versuche selbst betrifft, so erregt die RIittheilung des
Beobachteten auch mancherlei Bedenken, so ist I. B. in Versuch
4) ,,ein in sich gekehvtes BenehmenLL, in Versuch 7) ,,das A6magern der hintern Extientititten v n d der ganzen hintern Icorperhdlfte i n einer Nacht ben6achtet worden.LL Wie man Ersteres
bei einer Katze bemerken und w i e Lotzteres geschehen kann,
ist mir unerlrliirlich.
Es wirkten E. B. von Cnnium beider Priparatc in Dosen yon
einem halben Scrupel gleich; von Digitalis p r p t t v e a wirlrte ein
h a l b e r S c r u p e l &ti-. n@c. eben so stark, als e i n e h a l b e
D r a c h i n e Succ. inspissal.; ein arider RIal cin Scrupel des Er-
138
Meurer,
Succus pneumatic0 inspissatus angestellten, 5, It0 und 43.
so ergiebt sich doch olinc allen Widerspruch, dass dcr
schon griin aussehende, stark ricchcndc, Itintpe Zeit fur
vie1 kriiftiger wirkend angcscbcne Succ. impissat. hb. n w colic. nicht stlrker, ja in eiiizelnen Fiillen schwiiclier wirkl,
als das E&r. oficinale; und elwas anders hahe ich von
diesem kostspieligern uiid leicht verdcrbenden Mittcl weder in C a s pa r’s Woclienschrift, noch im Archiv der I’hnrmacie ausgesprocben, uncl es rechtferligen somit dicsc Yersuche meine auf chemische Principien gegriindete Ansiclrr.
Die Versuche beweisen fcrner, dass die zweilc Art
der pneumatischen Extracte wirksamer ist, als die hcideri
ersten, nrrmcntlich ist diess recht auffallend in dem 14tcn
und 15ten Versuche, welche mil Aconit angcslcllt sind.
Urn die so kriiftige Wirkung des Aconitextracts zu crkliiren und dadurch die Ansicht, wesshalb die unter der Lullpumpe bcrcileten Extracte kriiftiger wirken, weil nlmlich
die fluchtigen Stoffe, das Wirkende, nicbt entweichen, zu
rechtfertigen, wird S. 199 von Hrn. Prof. R i ch t e r gel ast,
das Aconit enthaltc flilchtige Stoffc, wie die Pulsatilla.
Dass rrber nicht in dem Zuruckhalten lluchtiger Stoffe
beim Verdunskn unter der Lufcpumpe die grosscre W i l l samkeit des Ertr. pneumatico-spiriluos. beruhe, geht rechl
deutlich aus den Versuchen mit Aconit hervor; jeder Chemiker weiss namlich, dass das Aconil nichts Fliiclitigea
enthalt, wohl aber dn Alkaloid, welclies sich sehr leicht
zerselzt.
Einen Grund, der dafur spricht, dass die Luftverdiinnung auf andere Weiso wirkt, als dass die fluchtigen, riechenden Stoffe zuruckgehaltcn wiirden, wird Jeder in dcm
feststehenden physikalischen Gesetze finden, dass die Fliichtigkeil der Korper eine verschiedene ist, j e nach dem verschiedenen Druck der Atmosphare. Wasser z. B. bedad
bcim gewohnlichen Druck der AtmosphPre SOo R.,um Zuni
Sicden zu gelangen, bei 0,309 Druck nur 100R.
trncb schwacher als die lialbe Drrchiiie Soft ; I&ln Hyoscyanrnr
nigcr wirkle das Extract vie1 aliirker, docL sulltc bier VOII der
Auflosuiig des Succ. irrp. etwar vergosscn worden sein.
Reitrag ztw Lehre con den narlcotl'schenbfiiteln. 139
Aucll die Erfahrung bestatigt es, dass die fluchtigen
organischen Stoffe im luftleeren Raume ehenfalls entweichen, denn die zur Absorption des Wassers angewendete
Schwefelsiiurc farbt sich braun, was nur durch das Hinzutreten orgnnischer Stoffe bewirkt wird und was nicht
mehr beim Ende der Arbeit beobachtet w i d , wo bloss
Wasser entweicht.
Hieraus geht doch gewiss klar hervor, dass die kriiftigere Wirkung der nach Art der Pharmakopoe, aber mit
Hulfe der Luftpumpe verdunsteten Extracte auf etwas Anderm beruht, als auf dem Zuruckhalten fluchtiger Stoffe,
dass also auch der Streit, oh das Riechende und Wirkende
gleich seien, nicht zur Hauptsache gemacht zu werden braucht;
es ist diese von mir aufgestellte, durch einige Thatsachen
begriindete Ansicht, etwas fur sich Dastehendes, woruber
die Zeit bei ruhiger Beobachtung schon entscheiden wird.
Der Grund aber, warum die Extracte, unter der Luftpumpe
verdunstet, starker wirken, liegt ausser der geringern Warme
im Abhalten des Sauerstoffs und in der dadurch verhinderten Zersetzung der orsanischen Stoffe, z.B. beim Aconit
im Nichtzersetzen des von den Chemikern als wirksamen
Bestandtheil desselben entdeckten Alkaloids.
Da die mit Hulfe der Luftpumpe einzudickenden Extractc, ihrer Kostbarkeit wegen, nie allgemein werden konnen, und da wir wissen, auf welche Weise die Anwendung
derselben niitzt, so ist wohl gut, wenn in den Pharmakopoen ein Verdunstungsverfahren allgeniein eingefuhrt wird,
wodurch die Einwirlcung der AtmosphEre mijglichst abgehalten und so eine Anwendung geringerer Warmc ermoglicht wird.
Alle drei Arten narkotischer Extracte werden im Verlauf des Sommers von mir bereitet, und hoffentlich wird
sich Zeit und Gelegenheit finden, mit denselben Versuche
im Grossen anzustellen, welche ich nicht unterlassen werde,
spater hier mitzutheilen. (0rayinalmitlheilung.j
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