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Pharmacognostische Notizen aus Alexander Trallianus.

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ARCHIV DER PHARMACIE.
13.'Band, 2. He&
A. Originalmittheilungen.
Phammoognosfiaohe Nathe~a
TlmllhmUs.
Alexander
Von F. A. Fliickigsr.
Einer der hemorragendsten Aerzte in jener Friihzeit ,zwischen
dem Ausgange des Alterthums und dem&ginnq, dee @t+laI,@y
war A l e x a n d e r TraLlianue. Seipe vwnutl$ch zu Rom grie
chisch abgefassten Schritten warden wet 4SRs in Paris in derselben
Rprache gedruckt, dann 1656 griechisch und lateinisch zu Baeel
durch Johannes G u i n t e r u s A n d e r n a c e n s i s (Winter aue AT
dernach, geetorben 1574 in Straseburg) heramgegeb+
Andep
lateinkche Uebareetzungw ereabienen $mer 1604 in Llppn, 163s
in Baeel, 1649 in Streeeburg, 1660 I@ 1676.in Lyoq, Davop
abgesehen, dam H a l l e r die Winter'sche Uebersetzung in seine
,,Artie medicae Principes " (Laueanne 1772) aufnahm, blieb Alexander Trallianue wlihrend $ee XVH.und XVIII. Jahrhun&hts rubJene wenig verbreiteten und nicht eben baniUiaqn B-n
seiner
Schriften, die eich mehr durch gedieg.ene Selbstiindigkeit ale dabah
Umfang auezeichnen, wiederum anfgebgt zu sehen, war liingst
ein Wunsch derjenigen, die ei,& mit der Geeohichte der Medicin
befassen. Anoh die Geechi*
den Pharmaoie hat zu priifen,
welche der aahlreichem vom Alterthum uberlieferteq H@mittel von
einem so. ansgezeichneten Praktiker 881: Anwedung ,pzogen worden mnd und ob dereelbe daneben a d wohl new.SMe benutzt
habe.
>
An eine derartige Auagabe stiJlt die !&genwyt mit $epl;t
hohe Anforderungen. Nioht nur wind ,e&, lsriiscb Heqy#bqg
r
des besten Textme verlangt, eondern jay& sine genang, von @idlicher Sachkenntnise nnd v o w awmkhemder phdobgiaoher D d Arch. d. Pbrm. XVI. Bds. 4. Eft.
6
82 F. A. Fliickiger, Pbannacognostieche Notisen aus Alexander Trallianua.
bildung gqtragene Uebemetzung. Damit noch nicht genug , wird
auoh noch ferner eine iibereichtliche Daretellung der Resultate des
betreffenden Schriftetellere in aneprechender Form erwartet. Diems
allee ist nunmehr in ganz vorziiglicher Weiee geleietet worden voh
Dr. T h e o d o r P u e c h m a n n , Profeeeor an der Wiener Univereitat, in den 2 Biinden: A l e x a n d e r von T r a l l e e , Originaltext
und Uebersetzung nebet einer einleitenden Abhandlung. Ein Beitrag zur Geechichte der Medicin. Wien, Braumiiller. Band I (1878).
XI1 und 617 tleiten, Band 11 (1879). V I und 620 Seiten.
A1 ex a n d e r etammte, vermuthlich zu Anfang dee VI. Jahrhunderfe, an8 der Handeleetadt T r a l l e e , dem heutigen Aidin
Giieilhieear, siidoetlich von Smyrna und mit dieeem Hafen durch
eine Eieenbahn verbunden. Nkhet Smyrna iet Aidin auch jetzt
noch weit und breit der bedeutendete Induetrieplatz; die Stadt
liegt eehr schon am Techakyrly-Sen, der eich in geringer Entfernung in den Menderes (Maeander) ergieeet.
Alexander'e Vater St e p h a n o 8 war ein angeeehener A n t in
Trallee; aueeer Alexander hatte er 4 auegezeiahnete Sohne, niimlich A n t h e m i n s , den Erbauer der herrliahen Sophiepkirche zu
Konetantinopel oder doch Erfinder die Planes der Hagia Sofia,
Met rod o r u 8 , ale Grammatiker in Konstantinopl bekannt , den
Jurieten O l y m p i u e und D i o e k o r u e , welcher ale Arzt in Trallee gelebt hat. Ueber Alexander'e aueeerlich wohl niaht bedentenden Lebenegang vermochte auoh Puechmann nicbt neue Thateachen
aufznfinden; vermuthlioh verdankte Alexander die medicinieahe
Richtung hnd den ereten Unterhht eeinmn Vater. Ale h i s widmete Alexander eein Buch in gemiithvoller Anhiinglichkeit einem
Freunde Coemae und dem (niaht niiher genannten) Vater dee
letetern, welchem Alexander eeinen Dank aueeprioht. Derselbe eei
ihm nicht nur Lehrer in der iirztlichen Praxis, eondern ancb, wie
Coemae, lange Jahre bewiihrter Freund gewesen. Puechmann hiilt
ee fiir moglich, daee Coemae kein andeqr eei ale der Kaufmann
Coemae , , I n d i k o p l e u e t e e , " der Indienfahrer. Dieeer merkwiirdige Mann (etwae niher geechildert in Meyer'e Gteschiabte
der Botanik 11, 381) iet fiir die Geeohichte der Yharmakognoeie
von Bedeutung, indem er der erste Omidentale (- wenn er hier
80 genannt mrden dad, obwohl er hauptekhliah schlieeelich ale
Yonoh in Aegypten lebte, daher er auch Ooemm Alexandrinue
heieet -) zu eein scheint, welcher dae Pfefferland auf der U
a-
F. A. Fluckiger, Phannscognostische Notisen aue Alexander Trallianue. 83
barkuste besuchte. Ausserdem verdanken wir Cosmas Berichte
uber Gewiirznelken, Sandelholz und a f r i c a n i 8 c h e n Weihrauch,
welche bei aller Kurze doch wegen der f r i e n Zeit, in welcher
sie von einem Besucher Indiens (Wie wenigetene zu vermuthen ist)
verfasst worden sind, ganz besonders beachtenewerth erscheinen.
Auf Alexander's weitere Auebildung waren liingere Reisen in
Italien, Africa, Gallien, Spanien, welche derselbe vielleicht ale Militiirarzt unternahm, wahrscheinlich von grosser Bedeutung. In rei
fern Jahren lebte er ale Arzt, vermuthlich gleichzeitig ale Lehrer
seines Fmhes oder sonst in amtlicher Stellung zu Rom. Alexander scheint dem christlichen Glauben angehort zu haben, wie Puechmann aus gelegentlichen, freilich in dieser Richtung nur sehr unbestimmten Aeusserungen schlieset; dafur spricht anoh einigermaassen
der Urnstand, dase seine Briider, namentlich der Architekt der
Sophienkirche, hochst wahrscheinlich Christen geweaen sein museen.
Die Schriften , welche Alexander's Ruhm begriinden, zugleich
auch nach Puechmann'e Urtheil sehr vortheilhaftes Zeugniss fiir
seine Anspruchslosigkeit uud Bescheidenheit, wie nicht minder fk
nchrift~tellerischenTakt ablegen, schrieb der Verfaseer in hohem
Alter, als er den Anstrengungen der Praxis nicht langer gewachsen
war. Den Leistungen seiner Vorgiinger lies13 er volle Gerechtigkeit angedeihen ohne irgend in AutoritZitsglauben befangen zn eein.
Die Zeit der Abfassung dieser Schriften laest eich nicht ermitteln;
der Uebersetzer beniitzte zu seiner Arbeit griechieche Yanuscripte
der Bibliotheken zu Paris, Florenz (Laurentiana)', Rom (Vatican,
Biblio teca Vallicelliana), Mailand (Ambrosiana), Venedig (8an Yarco),
Cambridge (Cajue - College), Oxford (Bodleyan library). Schon vor
dem IX.Jahrhundert echeinen Alexander's Schriftan in die lateininche Sprache ubertragen worden zu eein, bald auch in die arabische, hebriiische und wohl anch in die syrische. In seiner 8118gezeichneten Geschichte der Botanik beklagte E r n st Y e y er 1866
den Mangel einer ,,neuen Ausgabe mit tiichtigen bgistem."
Damals niimlich lag als eine der neuesten hauptsiichlich vor:
,,Alexandri T r a l l i a n i medici libri XII, graece et latime, multo
quam antes auctioree et integriores : Joanne Guintero Andernam
interprete et emendatore etc. Basileae, 1666,per Henrioum Petrum."
Heute darf man eich nun dariiber frenen, b e e eich seither kein
Uebereetzer an dieees Werk gewagt hat, sonet hiitte Pnechmann
leicht von seiner Arbeit abgehalten werden konnen. Von der An6*
84 F. A. Fltokiger, Pbarmaoognortieche Notiren nu8 Alexander !hallianue.
e
sicht ausgehend, dass in solchen Fallen nicht nur eine gute Ausgabe des Textes, scndern auch ein getrene Uebertragnng in eine
der lebenden Cultursprachen zum vollen Verstiindniss unerliieslich
sei, hat Puschmann dem griechischen Originale den deutschen
Wortlaut gegeniibergestellt. Eine sehr werthvolle Zugabe liegt
ferner in der kurzen Schilderung der Entwickelung der hellenischen
Medicin bis zu der Zeit, aus welcher Alexander hervcrging. Auf
diesem Hintergrunde zeichnet der Uebersetzer dann in scharfem
Umrisse das wissenschaftliche Bild Alexander’s, indem er in ubersichtlichen Zugen seine Leistungen vorfuhrt. Dazu gehorte eine
so eingehende Durchdringnng der Schriften Alexander’s, wie sie
nur bei einem Uebersetzer vorausgesetzt werden kann, welchem in
gleich ausgezeichneter Weise medicinische und philologische Kenntnisse zu Gebote stehen. Wie vie1 bemerkenswerthes vom medicinischen Standpunkte aus dieser lichtvolle Ueberblick der Ansichten
und Heilmethoden Alexander’s auch darbietet, so kann es an dieser Stelle doch nicht gestattet sein, darauf einzugehen. Den Pharmaceuten interessirt e g sich nach den Heilmitteln umzueehen, deren
sich dieser auqpzeichnete Arzt vor 13 Jahrhunderten bedient hat,
und sich eine Vorstellung davon zu machen, was derselbe von den1
Apotheker verlangte, - vcransgesetzt dass Alexander nicht etwa
selbst seine hochst einfachen Priiparate anfertigte oder doch seine
eigeue Apotheke besass. Unter andern Freiheiten wird das spiitromische Reich vermuthlich auch die Dispensirfreiheit der Aerzte
besessen haben.
Die Formen, in welchen Alexander seine Drogen ZIW Anwendung brachte, haben eine sehr grosse Zahl von Salben, Strenpulvern, Pflastern, WaschAiissigkeiten aufzuweisen , neben denen die
zum innerlichen Gebrauche bestimmten flussigen Mischungen, so wie
Pastillen, Pillen, P u h r die Minderzahl bilden. Es versteht sich,
dass die Recapte iiber die eigentliche pharmaceutische Technik
keinerlei Andeutung enthalten.
Die Auswahl der Amneimittel im Einzelnen ist eine ziemlich
reiche, wie es bereits ans den iiltern Ausgaben wohl bekannt war;
P u s c h m a n n erleichtert nun aber dnrch ein sehr sorflaltig angelegtes Register die Auffindung der einzelnen Btoffe in hchem
Grade; eu ist chne Vergleich bequemer, diese vom Verleger gsnz
ausgezeichnet schon hergestellte Ausgabe zu durchbliittern, als die
ehrwiirdige Winter’sche. Alexander hat nicht etwa eine Anzahl
P. A. Fliickiger, Pharmrcognoetische Notisen
aus Alexander Trallianue.
85
von Heilmitteln neu eingeffirt; wir treffen bei ihm einen Arzneischatz , welcher den Hauptbestandtheilen nach sich im einzelnen
schon z. B. bei D i o s c o r i d e s und P l i n i u s vorfindet. Auch
dad man begreiflich bei Alexander's Recepten keinerlei pharmacognostische Erlauterungen erwarten. Dennoch gewahrt die Durchmusterung seiner Ileceptformeln da und dort einige Anhaltspunkte
zur Geschichte der Arzneietoffe. Wonn es einmal moglich sein
wid, alle heworragenden medicischen Praktiker jener Zeiten in so
bequemer Weise zu Rathe zu ziehen, wie jetzt Alexander von
Tralles , dann erst werden die nachstehenden Bemerkungen zu
ihrem vollen Rechte gelangen und vervollstiindigt und berichtigt
ale Bausteine zur Geschichte der Arzneistoffe dienlich sein konnen.
Sie mogen daher hier in der ungeregelten Reihenfolge niedergelegt
werden, wie sie sich bei der Durchblatterung des Buches dargeboten haben.
Am m o n i s c h e's S a 1z findot sich als Ingrediens eines Niesemittels , rnit Pfeffer und Euphorbium als Lnxans, als Kaumittel,
als Bestandtheil eines Pulvers gegen Augenleiden, sowie in einigen
andern Recepten. b u s allen diesen Stellen lasst sich in keiner
Weise erkennen, was dieses ammonische Salz war. In Band I,
496 stehen die beiden folgenden Vorschriften gegen Verstopfung,
einerseits : Ammonisches Salz 2 Drachmen , Pfeffer 1 Dr., Euphorbium 1 Dr., und anderseits: Gewohnliches gedorrtes Salz 3 Dr.,
Pfeffer 2 Dr., Scammonium 1 Dr. Ferner wird in Bd. 11, 576 die
Reihe der nicht weniger als 19 Ingredientien eines Pulvers, genannt Mittel des Buphatus, eroffnet durch gewohnliches Salz und
ammonisches Salz. Kaum diirfte es hiernach pmpfehlenswerth sein,
mit K o p p (Geschichte dor Chemie 111, 237) in diesem ammoniwhen Salze eine Art Steinsalz zu erblicken.
Eine friihere bestimmte Verordnung des F r uc h t f 1e i s c h e s
d e r C i t r o n e , dzeov zoB h&,ist mir nicht erinnerlich, gleichvie1 ob hier (11, 174) die Citrone oder die Limone gemeint ist.
Gegen Nierenleiden verordnet A 1e x a n d e r, II, 355, unter
anderem a u sg e s c h a l te C a r d a m o m e n, A mo m u m t r a u b e
(&pdpm , 9 h q u ~,) Keltische Narde, Nardostachys , Kostus, Aethiopischen Kummel u. 8. w., ein Recept, das allerdings dafur spricht,
dass Puschmann Racht hat, die Patienten Alexander's fur reiche
Leute zu halten. Sind unter den Amomum-Trauben die Fruchtstande von Amomum Cardamomum L. aus Hmterindien zu verstehen
86 F. A. Fliickiger, Pharmaoognoitisohe Notieen an8 Alexander Trallianue.
wie es wohl nicht unwahrscheinlich iet (siehe Pharmacographia,
2. Adage, 648), so ist diesee bemerkenswerth genug. Nicht minder interessant ist die Zusammenstellung der Valeriana celtica und
dee Nardostachye Jatamansi aus dem Himalaya.
Warum Puschm a n n 11, 664 den a t h i o p i e c h e n Kiim mel fur Ptychotis coptica erklart, iet nicht ersichtlich; es iet doch wohl wahreoheinlicher, wie er selbst 11, 354 annimmt, dase nnter dieser Droge die
Friicbtchen dee im obern Nilgebiete allerdings heimischen Cuminum
Cyminum verstanden waren. Als Stammpflanze des K o s t u s
ware I, 424 nicht ,,Costus L." zu nennen gewesen, sondern Aplotaxis auriculata DC. (Sauasurea Bentham et Hooker).
-
TI, 302 begegnet uns neben isaurischem Storax auch l e b e r f a r b i g e A l o e und f r i s c h e s E u p h o r b i u m . Da diem Lebera106 noch ofter vorkommt, weit haufiger aber einfach 8106, so muss
Alexander aich des Unterschiedes sehr wohl bewusd gewesen sein,
wie iibrigens auch echon Dio so o rid es. Was unter dem St07
r a x a u s I e a u r i a im siidlichen Kleinaeien zu verstehen iRt, muss
unentachieden bleiben; vielleicht unser Styrax liquidus, vielleicht
das Hare von Styrax officinalis. Ob in dem f r i e c h e n Enphorbium , &cpo&w
veaeoli, vielleicht eine Erinnerung Alexander8 an
seinen Aufenthalt in Nordafrica , die Heimath dieses Harms, verwer konnte diesee entscheiden!
steckt iet
-
K o 1o p h o n i a kommt nicht allzu h a d g in Salben und Hastern
vor; bezieht sich der Name unmres heutigen Colophoniums in der
That auf die kleinesiatieche Stadt Kolophon, welche unweit Alexander's Vaterstadt lag, so musete er freilich mit diesem Harze wohl
bekannt sein. Das in Alexander's Raoepten eeltener genannte
Fichtenharz, mzvhq, war vermuthlich eine verschiedene Substanz.
R h a b a r b e r kommt ohne und mit den Zueatzen barbaricum
und ponticum ( ~ E ' o Y ) vor, ohne irgend welohen niihern Aufschluss.
Der G a l l a p f e l bediente eich A l e x a n d e r nicht nur zum
Schwiirzen der Haare und weiseer Flecken, I m d p m a , sondern
auch (II, 271) zu einem Magenpflaeter, (11, 98) als blutetillendeR
Mittel, in Angina und Ruhr. Pillen gegen Unterleibsleiden und
Ruhr erhalten als Ingrediene (11, 430) unreife Galliipfel, welche
noch n i c h t d u r c h b o h r t Bind, x~,Gdosdpipadcidw &pfrov; auch
sonet werden ausdriicklich da und dort unreife GaUpfel vorgeschrieben, wie dies iibrigens auch schon P1 i n iu s empfiehlt.
F. A. Fluokiger , Pharmaoognostisohe Notisen aus Alexander TraUianua. 8'1
In Betreff des Mittels M a m i r a (11, 37) tragt P u s c h m a n n
noch die fr'&rn verworrenen Ansichten vor. Nach den Erorterungen in Pharmacographia ist wohl kein Zweifel mehr, dass diese
Wurzel das Rhizom von C o p t i s T e e t a oder T h a l i c t r u m f o l i o l o s u m war. Ebenso ist L y c i u m (II, 10. 39 etc.) und Lycium
indicum (11, 21. 91) nicht von Rhamnus infectoria oder Acacia
Cateehu abzuleiten , sondern wie in Pharmacographia gezeigt ist,
von indischen Berberisarten.
Diese Beispiale zeigen mie vorsichtig bei der Deutung verschollener oder wenigstens der europaischen Praxis entriickter
Heilmittel vorgegangen werden muss. Einzelne Fragen hat der
Uebersetzer zum Theil mit Recht unentschieden gelassen. Wenn
er jedoch z. B. auch M y r o b a 1a n e n von Moringa pterygosperma
frageweise ableitet, so kann hier denn doch die positive Auskunft
gegeben werden, dass diem Friichte theils von Terminalia, theils
von Phyllanthus Emblica abetammen ; auch in L i b y s ti c u m darf
wohl eher Levisticum ale Laserpitiurn Siler vermuthet werden,
kaum aber wird S t r u t h i o n 11, 643 anf Gypsophila Eltruthium zu
beziehen sein.
Indem P u s c h m a n n das hadig vorkommende N i t r o n , so
wie auch H a 1o s a n t h o s , f
d Natriumcarbonat erklLt, befindet er
sich in Uebereinstimmung mit K o p p (Geechichte der Chemie IV,
25). Eine drastische Illustration zu dieser Deutung wiirde sich
aus dem Recept Alexander's (11, 94) ergeben, daa 811 gegen Schmutz
in den Ohren empfiehlt. Man sol1 namlich gerostetes Nitron,
v i q o u 'drrzov, in die Ohren strewn, Essig darauf giessen und das
Ohr am folgenden Tage mit warmem Hydroleum (Oel und Wasmr)
ausspiilen.
Ob (11, 577) L a s a r o n mit Baa foetida zu ubersetzen ist,
diirfte wohl fraglich bleiben; Asarum, das auch sonst h a d g verrchrieben ist, wiirde besser zu Ingwer, Anis, Kostua und Pfeffer
psssen.
Ausser W e i h r a u c h pennt Alexander auch mehrmals Weihrauch -Manna , p h q Aq96vov , wofur wohl der vom Uebersetzer
gewahlte Ausdruck (11, 110) Korner- Weihrauch im Hinblick auf
P l i n i u s , XIT, 32, weniger genau erscheint, da letzterer die Manna
Olibani fiir Krusten, micas concussu elisas, erkliirt. Anch das an
gleicher Stelle bei Plinius erwiihnte Olibanum atomum wird von
Alexander einmal (II, 270, ilit9avov Eccopov) in ein Master vor-
88 P. A. Fliickiget, Pharmacognoetiacbe Notken aua Alesander Trallianua.
geschrieben. Ob wohl diem Weihraucheorten damale noch thatsiichlich im Handel vorkamen, oder ob darin n u Ankliinge an
jene altern Schriften su erblicken eind?
Ma B t i x w ein, 6bw pami&oS, ist auch heute no& in Griechenland sehr gewohnlich; auffallend iet dagegen umgekehrt g e g y p s t e r , oder vielmehr nicht gegypeter Wein, ozvos &pqw,
welcher I, 535 phrenetiechen Kranken gestattet und 11, 45 zu
einem Kollgrium vorgeechrieben wird. Gyps selbet wird im iibrigen von Alexander gar nicht genannt; kaum durfte in der ge.
nannten Stelle etwas anderee ale Calciumsnlfat en verstehen eein.
Gegen Eingeweidewiirmer wurde nach D ioe co r i d e 6 echon
im Alterthnm eine Droge gebraucht , worin wir wohl eine A r t e m i s i a erblicken diirfen; auch P1 i ni u s X X V I I , 28 erwiihnt, obgleich
nur gane beiliinfig, dam die Abkochung einer Artemisia (Abeinthium) ,,ventria animalia pellit." A 1e xa n d e r bingegen widmete
(11, 586 -599) den Eingeweidewiirmern eine in Briefform abgefasete ausfiihrlche Abhandlung , worin er gegen Bandwurm Wermut und gegen A~carislumbricoidee das Decoct der YeerstrandeArtemieia, 3 h a u i a dt,!m&ia, empfiehlt. Es iet sehr wohl moglich,
daes man damale mehr die ganzen Spitzen der Pflanse benutzte
und auch wohl nicht gerade diejenigea jetzt aueechlieeelich gebraiichlichen aus den Kirgieensteppen. Doch gedenkt echon S e r a p i o n e e n i o r 8. D a m a s c e n u s , 1 eigentlich Jahiah ben Serabi,
im IX. oder X.Jahrhundert ansdriucklich der kleinen Samen (Bliithenkopfchen) dee Krautae Schea oder Sandonica , deeeen Wirksamkeit gegen Wiirmer grijeeer eei ale die des Wermuts. Vielleicht war %. B. echon S e m e canto, welchen 1379 wie ee ecbeint
die in Pisa aneassigen Catalanen in dem (liioget nicht mehr beetehenden) Hafen Talamone einfiirten,a 60 wie Semen eanctum, Semen alexandrinum, welche Auedriicke in der Mitte des XV.Jahrhunderts vorkommen (eiehe Pharmacographia. 2. Aufl. p 388),
bereits uneer heutiger Wurmsamen. Noch wahrscheinlicher wird
diesee gelten von ,,Eepice o u e e m e n c e c o n t r e l e e v e r e , "
1) Practica Jo. S e r a p i o n i 8. De nimplici medicina eumpts a plantia animalibusque et aialibus. Lugduni 1125. Fol. 169.
2) Lucian0 Banchi. I porti della maremma Seneee durante la repubblica.
Archivio storico italiano XII, parte 11, Firenre 1870. p. 90. - Ueber Tala,mone vergl. X e y d , Oerohichte den Levantebandele im Mittelalter I1 (1879) 297.
'
F. A. Fliickiger , Phrrmacognortieohe Notisen aue Alexander T r d l h u s . 89
womit nach einer Verordnung Herzog Karl's des Xiihnen vom
4. Miirz 1469 1 fremde .Kautleute in Briigge Handel treiben durften. Dae gleiche wird von ,,1u m b r i c o r u m B e m en " anzunehmen
sein, welchen ich im Nordlinger Register, ungefiibr znm Jahr 1480,
(brchiv der Pharm. Bll, 1877, p. 102) nachgewiesen habe. Die
Italiener benannten dann dime Droge mit der Diminutivform dee
Wortee eernenza (Samen) ale semenzina , woraue endlich dae uns
jotzt noch gelaufige Semen Cinae entetand.
Aber auch das ,,Wormecrut", von welchem im Jahr 1380
die Italiener (Lumbarde) in Briigge einen Einfuhrzoll zu erlegen
hatten, wird nach dem obigen nichts anderes ale sogenannter
Wurmsamen gewesen win. Ebenso vermuthlich ,,W o r m c r u d e,"
das schon 1358 im Zolltarif von Dordrechts vorkommt. D a f i
darf man sich wohl auf B a r b o s a beziehen, welcher noch um 1511
unter den Ausfuhrartikeln von Calicut ,,Herba da vermi che ei
chiama semenzina" anfuhrt.4 Semenzina findet eich in der merkwiirdigen Waarenliete des Venetianere Pa x i (Pharmacogr. 760)
p. 6 1 der Auegabe von 1521. Im ,,Sommario di tutti li regni" etc,
Ausgabe von Ramusio, Venedig 1654, fol. 364 eteht semenzina ale
indischer Ausfuhrartikel. Nach Gesner's Notiz, fol. 288 der
,,Horti Germanici ," Argentorati 1561, cultivirte Petrue Michaelis
in Tic0 8. Gervaeii in Venedig die Pflanze S e m e n t i n a ex
0 r i e n t e. Dass darnnter eine wurmtreibende Artemisia zn verstehen ist, ergiebt eich mit Sicherheit z. B. aue Adam L o n i c e r ' s
Kreuterbuch, Frankfurt 1577, wo die Abbildung einer eolchen,
Fol. 183', bezeichnet ist: Santonicum, Semen sanctum, semenzina
- aus Alexandria eingefiihrt.6 Auch Leonhard B a u w o l f , 6 der
wackere Augsburgor Ilrzt, welcher 1673 bis 1676 dae Heilige
Land besnchte, echildert das dort haufig wacheende ,,Absin t h i u m
San t o n i c u m", mit aschgrauen ,,bletlein, denen unseree Wermiite
ziemlich gleichend, and vil diinne etengelein vol kleiner gelbde la Flandre 11 (1836) 449.
2) Rccesse nnd anckre Akten der Hanaetage VOP 1356 bis 1480. II
(1878) 836.
3) L a p p e n b e r g , Geschiqhte der deutrrohen H m e I1 (1830) 448.
4) Vergl. meine Documente sur Oeschichte der Pharmseie. Halle 1876. 16.
6) Nach T r a g u e uber Genus, tiehe Pharmacogr. 2 edit. 888.
1) W a r n k o e n i g , @toire
6) Aigentliohe beeiohreibung der BPira, u) er vor direr reit gegen A d gang in die Morgenlhdex
rolbracht 1688 p. 466.
.. . .
-
90
Ad. Andrk, Btudien uber den Farbntoff der Wein- u. HeitIelbeeren.
lechter siimlein, ist eines unlieblichen gernche, sehr bitter, mit einer
gesaltznen scherpffe, demnach es fir das Scheha Arabum zu halten, darvon unser Wurmsamen wird geeamlet." Es muss allerdings
dahingestellt bleibem , ob: letztere Angabe wortlich genau zu nehmen ist, oder ob es sich nicht vielmehr nur um Wurmsamen handelte, welcher aus Innerasien durch Palastins in den Handel kam.
Auch die G e wii r zn e 1k en , welche der alten Welt unbekannt
geblieben waren, eind schliesslich aus dem Arzneischatze Alexander's zu erwahnen. Sein Freund K o s m a s I n d i k o p l e n e t e e ,
dessen schon oben gedacht wurde, f ~ r t eungefahr urn das Jahr 547
die Nelken als in Ceilon transitirenden Artikel auf. Es scheint,
(vergL auch Pharmacogr. 2. Aufl. 28l), dam dieselben zu Alexanders Zeit, urn die Mitts des gleichen Jahrhunderts, Rom noch nicht
allzu haufig erreichten. Denn er verschreibt dieselben, xupoqdilh v xdxmus, I, 431. 613 eu 5 und 8 Stuck in Pillenmaseen, II,
646 allerdings auch unzenweise. In der Stelle 11, 291, wo von
einem gegen Magenleiden empfohlenen Quittenkuchen die Rede ist,
welchem einige auch Nelken zueetzen wollon, erkliirt Alexander,
dieses (es ist ausserdem von Kostus nnd Ingwer die Rede) hiesse
mehr ale nothwendig die Arzneistoffe in Anspruch nehmen.
So gewahrt denn in der That der Einblick in die Heilmittel
dieses auegezeichneten Arxtes einige merkwurdige Beitriige zur
Geschichte der Pharmacognosie, welche ewar verhaltnissmiissig
wenig zahlreich eind, aber daduroh einen Werth erhalten, dass sie
wohl zweifellos der Wirkliohkeit entepreohen. A n reinen Aufziihlungen von zum Theil sehr fraglicher praktiacher Bedentung ist
allerdings anderwarts kein Mangel, wenn wir etwa an Plinins,
Dioecorides und manche Araber denken. Als Neuerer in der Auswahl der Drogen etellt sich A l e x a n d e r T r a l l i a n u s , nach den
obigen Proben zu eohliessen, keineswegs heraus.
Studien iiber den Farbatoff der Wein- und Heidelbeeren, aowie iiber die kiinstliohe Fiirbung der
Rothweine.
'
Von Ad. A n d r h , Apotbeker
111
M h d e r a/Dointer.
Ee ist in diesen Blattern so vielfach von der betriigerimhen
Fiirbung der Weine und deren Erkennung die Rede geweeen, dam
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