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Rudolf Buchheim.

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ARCHIV DER PHARMACIE,
13. Band, 3. Heft.
A. Originalmittheilungen.
Rudolf Buchheim.
Noch in seinen letzten Tagen hat das Jahr 1879 der Medicin
und der Pharmacie einen schweren Verlust gebracht, indem der
um beide Disciplinen hochverdiente Professor und russische Staatsrath Dr. R u d o l f B u c h h e i m am Morgen des 25. December nach
halbjahriger Krankheit zwar, aber doch ganz unerwartet rasch seinem irdischen Wirken, seiner Wissenschaft , seiner Familie, seinen
Freunden entruckt wurde.
R u d o l f B u c h h e i m wurde am 1.Miirz 1820 zu B a u t z e n ,
wo sein Vater practischer Arzt und Kreisphysikus war, geboren.
Seine Schulbildung erhielt er auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, welches er rasch durchlief, so dass er bereits i. J. 1838, mit
dem Zeugniss der Reife versehen, sich dem Studium der Medicin
widmen konnte, und dasselbe dem Wunsch seines Vaters gemass
auf der medico - chirurgischen Akademie zu D r e s d e n begann. Zu
weiterer Ausbildung ging er im Herbst 1841 nach L e i p z i g , wo
er nach glanzend bestandener Prufung am 5. Januar 1845 zum
Doctor der Medicin promovirt wurde. Schon wiihrend seiner 8tudienzeit hatten die Professoren Weber und Lehmapn, auf die eifrigen und erfolgreichen naturwissenschaftlichen Forschungen des
Jiinglings aufmerksam geworden, ihn zum Assistenten des unter
ihrer Leitung stehenden Leipziger anatomisch- physiologischen Instihuts erwahlt. Dadurch ward ihm, wenn auch unter einiger Verzogerung seines Studiencursus , reiche Gelegenheit , aus eigener
Erfahrung sich mit den Hiilfsmitteln der wissenschaftlichen Medicin
vertraut- zu machen und in den Geist der Wissenschaft selbststandig einzudringen.
Arch. d. Pharm. XVI. Bds. 3. Hft.
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Rudolf Buohheim.
Gleich nach Abschluss seiner Universitatsstudien begann Buchheim die vortreffliche Uebersetzung und Bearbeitung des von
F. Pereira in englischer Sprache herausgegebenen zweibandigen
,)Handbuches der Heilmittellehre", dem er einen selbststandig bearbeiteten chemisch - phpiologischen Theil beifiigte. Auch wurde ihni
im Jahre 1845 die Redaction des ,,pharmaceutischen Centralblattes"
und des physiologisch - chemischen Theiles der Schmidt'schen ,,Jahrbiicher der Medicin" iibertragen. Und diese Arbeiten waren es,
welche in verhaltnissmassig friihem Lebensalter bereits seine Kussere
Lage so gestalteten, dass er durch die im E r z 1845 erfolgte
eheliche Verbindung mit Fraulein Minna P e a c h e c k aus Zittau sein
bis zum letzten Athemzuge' andauerndes hausliches Gluck begriinden konnte.
Gegen Ende d. J. 1846 wurde der Lehrstuhl der Pharmacologie zu D o r p a t vacant ; die dortige medicinische Facultat
brachte zu dessen Wiederbesetzung Buchheim in Vorschlag, der
wirklich noch vor Jahresschluss zum ausserordentlichen ,,Professor
der Arzneimittellehre , Diatetik, Geschichte der Medicin und me&cinischen Literatur" gewahlt und berufen wurde. Der junge Gelehrte folgte diesem ehrenvollen Rufe, und trat im nachsten Semester, August 1847, sein neues Amt an. Zum ordentlichen Professor
wurde er bereits im Mai 1849 ernannt. Nach 1Ojiihriger Dienstzeit erhielt er dqp Titel ,,kaiserlich russischer Staatsrath", und
i. J. 1859 als besondere Auszeichnung den Stanislaus-Orden.
Seine amtsfreie Zeit verwendete er unermiidlich und in der ausgedehntesten Weise auf Forschungen uber Wirkung zahlreicher
Heilmittel und damit in Verbindung zu bringende Erscheinungen,
wie z. B. die Endosmose, woruber eine grosse Eeihe von Druckschriften und das zuerst im Jahre 1856 erschienene ,,Lehrbuch
der Arzneimittellehre " das riihmlichste Zeugniss geben. Von ersteren seien erwahnt:
Ueber das Glaubersalz und verwandte Stoffe,
Nachweisung des Alkohols bei gerichtlichen Untersuchungen;
Scharfe Stoffe : Euphorbium, Cortex Mezerei, Podophyllin, Elaterium, Radix Jalapae, Herba Pulsatillae, Aloe, Fructus Colocynthidis, Folia Sennae, Radix Rhei, Cortex Frangulae, Capsicol,
Oleum Ricini;
Wirkung des Jodkaliums und des Leberthrans ;
Wirksamer Bestandtheil des Mutterkorns;
Rudolf Buchheim.
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Pharmacologische Gruppe des Piperins ;
Kosin j Gruppe, des Piperins und Atropins ;
Ueber die therapeutische Verwendung des Sauerstoffsj
Ueber die Wirkung der Kaliumsalze;
Die Heilmittellehre und die organische Chemie ;
Ueber die Gruppe des Crotonols;
Ueber pharmacologische Untersuchungen;
Ueber die Aufgabe und Stellung der Pharmacologie an den deutschen Hochschulen;
Ueber die Einwirkung der Arzneimittel und Gifte auf das Nervensystem;
Ueber den Einfluss der Apnoe auf Strychnin - und Brucin- Vergiftungen ;
Ueber die Bedeutung des Diffusionsvermogens fur die entziindungerregende Wirkung einiger Stoffe;
Ueber den Uebergang einiger organischer Sauren in den Harn;
Ueber die Ausscheidung der Sauren durch die Nieren;
Ueber einige Abfihrmittel aus der Familie der Convolvulaceen;
Ueber die Bildung kohlensaurer Salze im Darmkanal.
Ueber seine Wirksamkeit in Dorpat bringt die dortige Zeitung unterm 18. (30.) December 1879 folgenden anerkennenden
und ehrenden Bericht :
- - - - - ,,Wahrend seines mehr als 20 jahrigen Wirkens
an unserer Hochschule hat der Hingeschiedene nicht nur dieser
durch sein fiuchtschaffendes Wirken zu ehrenvollem Ansehen
auf dem von ihm mit glanzendem Erfolge behandelten speciellen Wissenszweige der Arzneimittellehre verholfen, sondern
auch durch wesentliche Reformen auf diesem Gebiete der gesammten medicinischen Wissenschaft einen wesentlichen Dienst
geleistet. Als Buchheim im Jahre 1847 den Lehrstuhl des nach
kurzer Lehrthatigkeit hieselbst abberufenen Dr. F. Oe 8 t e r l e n
bestieg, erkannte er klaren Blickes, dass die bisher in der Materia medica verfolgten Bahnen zu rerlassen, und die Arzneimittellehre und Therapie hinfort auf feste wissenschaftliche
Principien zu stellen seien. Wie f i r die physiologische Forschung, seitdem sie auf die Bahn des Experiments geleitet
war, durch die Errichtung besonderer physiologischer Institute
der Fortschritt gesichert wurde, so konnte dasselbe auch fur
die Pharmacologie nur auf dem gleichen Wege erwartet wer11 *
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Rudolf Buchheim.
den. Desshalb errichtete Buchheim, bald nach seiner Ankunft
in Dorpat , zunachst in seiner Wohnung und aus Privatmitteln
ein zu pharmacologischen Untersuchungen bestimmtes Laboratorium, welches spater zu einer Universitiitsanstalt erhoben
worden ist. Aus diesem Institute, heisst es u. A. in dem ,,Ruckblick auf
die Wirksamkeit der Universitiit Dorpat ", sind Resultate solcher Art hervorgegangen, dass der N e u b a u d e r A r z n e i m i t t e l l e h r e dadurch darf als gesichert betrachtet werden. Das von Buchheim (in drei Auflagen) veroffentlichte
Lehrbuch der Arzneimittellehre, in welchem er die bisherigen
Resultate seiner xum Theil auch in den Dissertationen seiner
Schuler enthaltenen Untersuchungen zusammengefasst hat, giebt
auch uber die methodischcn Grundsatze Aufschluss, durch deren
Refolgung es gelungen ist, jene zu erreichen. Diese Grundsatze bestehen wesentlich darin, dass er die Arzneikorper physikalisch und chemisch zur Auffindung ihrer etwa wirksameu
BeRtandtheile zerlegt, mittelst des physiologischen Experiments
unter Beihiilfe chemischer Reactionen die Wirksamkeit der
gefundenen Bestandtheile auf den Korper priift , und den Veranderungen nachspiirt, welche die in den Korper eingebrachten
Stoffe innerhalb des letzteren erleiden (und hervorrufen). Das D o r p a t e r p h a r m a c o l o g i s c h e I n s t i t u t i s t d i e
e r s t e A n s t a l t s o l c h e r A r t ; es ist auch am vollstandigsten
eingerichtet, und selbst das, iibrigens vie1 spiiter in Wien
errichtete gleichartige Institnt hatte den Standpunkt der Dorpater Anstalt bis vor Kurzem noch nicht erreicht." - - - So aussert sich auch ein Privatbrief aus Dorpat, bestimmt,
nicht bloss dem Schmerze seines Verfassers, sondern auch dem
Gefihle der Gesammttrauer von Buchheim's dortigen Berufsgenossen Ausdruck zu geben, u. A.
,,Er war der Sc hop fe r und B e g r ii n d e r seiner Fachwissenschaft als w i s s e n s c h a f t l i c h e r Disciplin auf dem Wege der
E x p e r i m e n t a l k r i t i k , deren Leuchte Ihn die zahlreichen Irrgange und Phantasieschlosser damaliger Pharmacologie mit sicherm, festen Schritte durchwandern und sie als solche
erkennen lehrte. Zwei Jahrzehnte hindurch entsandte E r von
unserm nordlichsten Vorposten deutschen Geisteslebens aus
xahlreiche Apostel seiner Lehre in die fernden Zonen des Rei-
Rudolf Ihichheim.
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ches , dem sein Wirken die tiichtigstcn, wissenschaftlich durchgebildeten Aerzte verschafft , deren tauscnd und aber tausend
Heilerfolge auf den Schlachtfeldern des Balkan - und Kaukasus Gebietes wie in den Paliisten der Metropole mittelbar s e i n
Werk, die Frucht s e i n e r Saat sind !"
Der hohen Achtung, die seiu wissenschaftliches Wirken ihni
in den weitesten Kreisen verschaffte, entsprach die Liebe und
Verehrung, welche er als Y e n s c h in allen Kreisen sich erwarb,
mit denen er in Beziehung kam. Ruhrend ist es, wie diese Liebc
auch jetzt noch, nach 13jiihriger Trennung von Dorpat, sich in
allen von dort kommenden offentlichen und privaten Aeussernngen
seiner Berufsgenossen , Schiiler und Freunde wiederspiegelt.
Im Jahre 1863 hatte Buchheim einen Ruf nach Breslau erhalten, der wohl einen heftigen Kampf zwischen seiner Liebe Zuni
alten und zum neuen Vaterlande hervorrief, dem er jedoch aus
Pietiit fur seinen bisherigen ruhmvollen Wirkungskreis nicht Folge
leistete. Aber doch hatte die Anregring zur Ruckkehr in die
deutsche Heimath das Gemiith des gereiften Nannes heftig ergriffen; der Gedanke , seine treue Lebensgefahrtin, seine wenn aucli
im Ausland geborenen Kinder der deutschcn Muttererde wieder ziizufiihren, wurde mehr und mehr zum W u n s c h ; und so reiftc
ganz im Stillen in ihm der Entschluss, einem erneuten Rufe nach
einer d e u t s c h e n Universitiit, w e l c h e e s a n c h s e i , ohne weitere Bedenken nachzukommen. Ein solcher Ruf erfolgte im Jahre
1866 gleichzeitig nach Bonn und nach Giessen. Beide besassen
zur Zeit kein pharmacologisches Institut. Fur Bonn war auch an
alsbaldige Errichtung eines solchen unter den damaligen politischen
Verhiiltnissen nicht zu denken, nachdeni eine eben erst daraaf
gerichtete Vorstellung erfolglos geblieben war. So entschied sich
Buchheim, obwohl damit sein Wirkungskreis Kirs Erste kleiner
und seine Dotation geringer ward als bisher, fir G i e s s e n , w o
ihm sofort eine ausreichende Summe zu pharmacologischen Zwecken
bewilligt wurde. Er trat daselbst an die Stelle des, den weitesten Kreisen der Mediciuer und Pharmaceuten wohlbekannten Professor P h o e b us. Dieser, wegen vorgeriickten Alters und zunehmender Kriinklichkeit von seinem Amte zurucktretend, hatte selbst
die Wahl Buchheims, a l s d e r g r o s s t e n Z i e r d e s e i n e r F a c h w i s s e n s c h a f t , auf das Dringendste empfohlen. Wie schwer und
schmerzlich sein Scheiden von Dorpat war, klingt noch detzt, nach
166
Rudolf Buchheim.
SO vielen Jahren , aus den Trauerrufen seiner zuriickgebliebenen
Freunde zu uns heriiber. Eine spatere hochst ehrenvolle Zuriickberufung an die Universitat Dorpat lehnte er aber dennoch ab.
In G i e s s e n , wohin Buchheim mit Frau, drei SBhnen und
drei Tochtern im Herbst 1867 iibersiedelte, begann eine neue
Thatigkeit die freilich wegen mancher ausserlichen Verhaltnisse,
der beziehungsweise geringen Dotirung der Universitat und den1
erst jetzt, i. J. 1880, beseitigten Mange1 eines eigenen ausreichenden Universitatsgebaudes manche unerwartete Schwierigkeit bot.
Mit Fleiss und Ausdauer, untcrstutzt yon einer seltenen Anspruchslosigkeit murden diese Schwierigkeiten iiberwunden, und endlich
auch Zeit zur Wiederanfnahme der werthvollen physiologischen
Forschungen gewonnen , in denen Buchheim die Hauptaufgabe seines Lebens erblickte, und in deren Interesse er die Wirkungen
der Arzneistoffe oftmals sogar am eigenen Korper erprobte. Ein
Augenleiden, welches besonders im Winter 1874/75 mit grosser
Heftigkeit auftrat , ihn Monate lang an das Dunkelzimmer bannte,
und vie1 langer noch Lesen und Schreiben zu unterlassen zwang,
auch eine sehr hochgradige Rurzsichtigkeit im Gefolge hatte, stortc
zwar kaum die unermiidliche Geistesthatigkeit des Gelehrten , erschwerte aber immerhin die Fortsetzung seiner Forschungen , und
bestimmte ihn , dieselben zu einem vorlaufigen Abschluss zu bringen. Und zwar durch Herausgabe eiuer neuen Auflage seines Lehrbuches der Arzneimittellehre, dessen erste i. J. 1856 und zweite
i. J. 1859 erschienene Auflage schon seit vielen Jahren vollstandig
vergriffen aber immer neu begehrt war. Er begann das Werk im
Sommer 1875 und beendete es im Friihjahr 1878. I n ihm finden
sich die Resultate seiner langjahrigen Forschungen klar und in
bundigster Kiirze niedergelegt; und wir diirfen hoffen, dass es nicht
allein Namen und Wirken seines Verfassers ehrenvoll auf einc
spate Nachwelt bringen, sondern dass es auch durch die Wiirdigsten seiner Schiiler in seineni Geiste fort- und neu bearbeitet
werden wird, so bald und so oft die Umstande es erheischen; denn
es ist ein Ehrendenkmal , an welchem mitzuwirken Jedem eine
Buszeichnung ist.
Seit dem Jahre 1875 war Buchbeim auch zum p h a r m a c e u t i s c h e n Examinator berufen und dadurch der Pharmacie noch
naher getreten als sonst. Er nahm an dieser Disciplin, welcher
sich in den letzten Jahren auch sein jungster Sohn widmete, den
Budolf Uuchheim.
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lebhaftesten Antheil, wie dies seine letzten Veroffentlichungen :
,,Ueber die Aufgabe der jetzigen Vertreter der Pharmacie an deli
Universitaten " und ,,Ueber pharmacognostische Systeme " beweisen,
die 1879 im April - und Juniheft des Archivs der Pharmacie
erschienen, letztere zu einer Zeit, wo er schon selbst den Todeskeim in sich wahrgenominen und als solchen in seiner ganzen Gefahr erkannt hatte.
I n einem Briefe vom 8. Juni machte er mir davon die erstc
Mittheilung, nachdem er seit Anfang April, wo er mich zum letztenmal in Frankfurt besuchte, uber hartnackigen Katarrh wiederholt
geklagt hatte. Ende Mai hatte er einen Anfall von Asthma, an
dem er ersticken zu miissen glaubte. Bei genauerer Untersuchung
zeigte sich ein beginnendes Herzleiden und , schreibt er , ,,kommt
nun Alles darauf an, wie rasch das Uebel fortschreiten wird. Geht
es nur langsam, RO kann ich wohl 10 Jahre und mehr damit zubringen, vielleicht selbst ohne grosse Beschwerden , andererseits
wird dadurch die Gefahr eines Schlaganfalles sehr nahe geriickt.
- - _ - Bisher war ich ganz gesund und konnte hoffen, noch
recht alt zu werden; jetzt ist auch das vorbei - - - - aber
es ist doch immer wunschenswerther, einmal plotzlich aus dem Leben abberufen, als so langsam darauf vorbereitet zu werden." Wie
prophetisch hatte er gesprochen! Als ich ihn, seinem Wunsche
entsprechend, am 16. Juni besuchte, war er von fruh bis Abend
sehr munter, mittheilend und gesprachig ; wir machten einen mehrstiindigen Spaziergang, und nur mit Muhe konnte ich ihn dazu
bringen, etwa auf halbem Wege nach dem entfernten Bahnhofe in
Riicksicht auf sein Leiden meine Begleitung aufzugeben. Wir
hofften das Beste; da traf ihn am Nachmittag des 30.Juni, unmittelbar nach einem ersten, mit vielcm Behagen genossenen Bade in
der Lahn, ein Schlaganfall, der die rechte Korperhilfte und die
Sprache lahmte. Etwa eine Woche lang schwebte sein Leben in
hochster Gefahr , dann besserte sich allmahlich der Zustand , der
Patient konnte mit einiger Unterstiitzung wieder ausgehen, wieder
sprechen, wenn auch mit Anstrengung und ohne das gesuchte
Wort immer finden zu konnen; die rechte Hand jedoch blieb
geltihmt. Leider mussten seine Freunde nach und nach die von
ihm selbst bis zum letzten Tage festgehaltene Hoffnung, dass er
seine Einrichtungen in dem neuen Universitatsgebiiude selbst treffen, seinen Lehrstuhl aufs Neue werde besteigen konnen, aufgeben;
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Rudolf Buchheim.
ihm selbst blieb dieser Schmerz erspart. Den ungewohnlich friihen
und strengen Winter erkannte e r zwar selbst zeitweise als g e f a r lich fur srinen Zustand, aber eine eigentliche Todesahnung kam
nicht iiber ihn, iind ebenso wenig machten sich fur seine, mit der
hingebendsten Aufopferung der unablassigen Pflege gewidmeten
Familie bedenkliche Anzeichen bemerlrbar. Mit riihrender Freudc
sah er am Weihnachtsabend der Ankunft seines auswarts angestellten iiltesten Sohnes entgegen, der ihm in der Kranlrheit, soweit
die Amtspflichten es irgend erlaubten, die wohlthuendste Stutzc
gewesen war; er genoss dessen Gegenwart noch einige trauliche
Stunden, und als er am niichsten Morgen sich erhoben hatte und
Rich anzukleiden begann, sank cr plotzlich zuriick und hatte n w h
wenig Athemziigen geendet. - Die Section ergab theilweise Zerstorung des Gehirns, Erkrankung des Nervensystems, eine schr
bedeutende Herzerweiterung und Zerreissung eines Theiles am
oberen Herzen, deren Folge augenblicklicher Tod war. Die tief ergreifende Leichenrede mit dem Text ,,d a s G e s e t z
d e r W a h r h e i t war in seinem Munde, und ward kein Boses in
seinen Lippen gefunden " , nnd dcr voni Rector der Universitat
am Grabe gesprochenc Nachruf gahen ein treues Bild des Verkliirten in seinem Wirken als Mensch nnd als Gelehrter. Im Privatleben zeichnete sich Buchheim durch eine ausserordentliche Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit aus ; er war
tlurchaus wohlwollend nnd rucksichtsvoll gegen Jeden , treu , aufrichtig und wahr in seineni ganzen Umgangskreise. Wen er seiner Freundschaft gewiirdigt hatte, dem w a r er Freund ini edelsten Sinne. Fur seine Familie, dercn Glieder mit inniger Liebe
und Ehrerbietung an ihm hingen, war er das nnermiidliche und
liebevoll schaffende und sorgende Oberhaupt. Den Kindern, auch
5einer Freunde, zeigte er eine herzgewinnende Freundlichlieit , und
zing auf ihre kleinen Wiinsche rnit der grossten Liebenswurdigkeil
Kern ein, so dass anch sic, ganz besonders die meinen, rnit Zartlichkeit an ihm hingen nnd den Ruf ,,der Staatsrath kommt" nie
irhne Jubel aufnahmen. - Leider war soinem eigenen Vaterherzen
cine tiefe Trauer beschieden, indem er im Juli 1876 seinen hoffnungsvollen zweitfn Sohn, dcr eben seine Carrikre als practischer
Arzt in Berlin begonncn hatte, in Ausiibung seines Berufes durch
Ansteckung an Diphtheritis verlor ; den Schmerz iiber diesen herben
Verlast hat er mit Rich in sein Grab genommen. -
Th. IIuscniann, Ptoninino 11. ilirc Hodcut. f. d. gericlitl. Chcmie u. Touicologie. 169
Seine Erholung fand Buchheim im Schooss der Familie, in
der Musik, in der Natur und im vertranten Umgang mit einigen
wenigen Freunden, denen auch icli wahrend meines 1i/2jahrigen
Aufenthaltes in Giessen und von da an bis zum Ende mich beizahlen durfte. Was man sonst als Genuss und Vergniigen bezeichnet, war seinem diirchgeistigten Wesen nie zum Bediirfniss
geworden. Ehre seinem Andenken ! Friede seiner Asche !
Dr. B. Hirsch.
Frankfurt a/Main, d. 20. Januar 1880.
Die Ptomaine und ihre Bedeutung fur die gerichtliche Chemie und Toxicologie.
Von Prof. T h. Hus e m a n n in Gottingen.
Das Auftreten van basischen Stoffen, welche die allgemeinen
Reactionen der Pflanzenbasen geben und einzelnc Eigenthiimlichkeiten zeigen , welche dieselben bestimmten Alkalo'iden ausserordentlich nahe stellen, in Leichentheilen, insbesondere in exhumirten Cadavern, ist in der neuesten Zeit bei forensischen Untersuchungen so haufig von den verfichiedensten Gerichtschemikern
constntirt worden, dass es wohl der Miihe werth erscheint, die
getrennt gemachten und zerstreut publicirten Beobachtungen mit
cinander zu confrontiren und die Bedeutung derselben fur die
forensische Medicin und die Lehre von den Giften klar zu stellen.
Ich unterziehe mich dieser Aufgabe ganz besonders deshalb, weil
die hauptsachlichsten Arbeiten iiber diesen Gegenstand den deutschen
Gerichts - Chemikern, Aerzten und Apothekcrn entweder ganz
nnbekannt geblieben oder doc11 nur dcm Namen nach bekannt
geworden sind. Die Benennung Ptoma'ine, welche F r a n c e s c o
S e l m i in Bologna den in Frage stehenden Substanzen beigelegt
hat, urn damit ihre Abstamniung aus Cadavern zu bezeichnen, ist
dlerdings in dic wisscnschaftlichen Arbeiten unserer Landsleute
cben SO wohl wie in diejenige der Forschcr auderer Nationen, welche
den Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit werth hielten, ubergegangen. S e lm i' s hochst griindliche und verdienstvolle Untersuchungen iiber Ptomaine sind jedocli in ihren Einzelnheiten bei uns so
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