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Ueber die Versammlung des Apotheker-Vereins in Norddeutschland zu Dresden.

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Vereins zeitting.
bei Berathung der Apothclterordonng in den Ktmmern der Minister
mit Beredsamlceit den Interessen der Pharinacie das Wort reden SOH,
fiir das vaterlandische Apotlielcerwesen haben Itiinnen, wenn er in
den Relirlsentanten des Faches das gefunden hstte, was er erwartete
und wiis ihni die eingegangenen Bericlite der Unterbehordcn iiber
Pharmacie vielleicht berichtet hattcn. Nicht zu verwundern ist es,
dass er sich dem Vernehnien nach niclrt hat abmtkigen IcBnnen, dieser Versammlung bis zti Endc beizuwohncn.
Nacli meinerii Dafiirhalten ist es ein sehr zii beltlagcnder Riicli
schritt der Pharmacie als wisscnsclinftlicher Kunst, wenn sie sich verleiten li~sst, einzelne Branchcn ihrer Wissenschaft vorzugsweisc zii
cultiviren, wie dies jetzt augciisclicinlich niit der Chemie dcr Fall ist;
ein solrhes Bevorzugen eiuer einzclnen Wissenschaft lcann stets nur
auf Koslen der iibrigen gessheheii ; jeniehr jede einzelne IVissenschdt
sich ansdehnt, um so niithiger niacht es sich, dass sich die Pharmacie
c o o cell t r i r e , nicht abcr i n einzclnen Branchen extravagirc. Was
sol1 aus der Ylinrniacie als Kunst werdcn, wenn die Repriiscnt.anten
des Faclies sich mit Dingen besrhsftigen, die fur die pralrtische Pharmacie durcliaus' lceinen Werth h a b e n ? wenn der Oberdirector sic-li
mit F e r nien t o l e n ahquiilt, ohne jc eine Elementar-Analyse derselben zu bringen, wodurch doch wenigstens die Chemie hereichert wurde !
wenn ein Anderer den Arsenilc in den zweiten Wegcn aufsucht?
Wird nicht dadurcli dic ganze jiingere Nation zu gleichen ExtravaganZen genqithigt? Giebts nicht im I'ache selbst noch so manche wichtige Frage zn Iiisen? \Venn die jctzt cingcschlagene Riclitung dea
Apothelrer-Vereines beibehalten w i d , so haben wir nach einigen Jahren alles Andere, nnr lceine Apothelwr mehr, wir werden entweder
Gelehrte odcr Krainer odcr Handwerlcer haben. Die Pharinacie als
Kunst gcht demsethen Schilcsal entgegen, wie die Kiinstc der Aegyptier im grauen Alterthume. Es ist selir zu wunschen, dass es dem
Directoriuin des Apothelcer -Vercines in Nord-Deutschland gefallen niiige,
seine Blrinung dariiber auszusprechen, welclie Bewandtniss es mit den1
pharmaccutischen Institute zu Dresden habe und ob iiberhaupt die
Existenz solcher Institute als Nothwendiglteit anerlcannt werde odcr
nicht?
Die boffentlich bald zu erwartende Recension des Abendroth'schen
Programmes bietet dem Kedacteur des Archivs Gelegenheit dar, sich
erschbpftmd dariiber auszusprechen ; nidgc hierbei jede Personlichkeit
aus dem Spicle bleibeii, denn d a wo es sich um Principien handelt,
mussen personliche Riiclcsichten flir oder wider schweigen niiisscn
Offenheit und Unpartheilichlteit die Richter sein.
8. Y
-
,
2) Ut!ber die Versammlung des Apotheker -Vereins
in Norddeutschlaiid zii Dresden.
(Entgegnung wider den Correspondenten iin siidden tsrhen Correspondcnzblatte jW 13 )
In J@ 13. des Corrcspondenzblaltes f i r S i ~ t l t l ~ ~ ~ ~ ~ sist
c h liiber
and
die zu Di esden in1 Sapteniber 1845 abgchaltenc Gcneralversammlung
des norddeutschen Apothelcer-Vereins ein Urtheil gefallt, das uni so
mehr einer naheren Beleuclitnng bederr, als in demselben nicht allein
Vevciiiszeztting
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der genannten Versaninilung, sondern auch dein norddeutschen Apothelter -Vereioe iiberhaupt unbegriindete und unverdiente Vorwiirfe
gemacht sind. Schon der Umstand, dass der Herr Verfasser der Beurtheilung die Dresdener Versaninilung in eine Streitsache verflechten
will, zeigt, dass ihm der Sinn und die Absicbt, in denen der Apotheker -Verein in Norddeutschland seine Versaininlungen hllt, unbekannt
sind. Nach b. 56. der Vereins-Statuten sol1 insbesondere die Generalversammlung dazu diencn, die Angelegenheiten des Vereins zu berathen und das wissenschaftliche Interesse der Theilnehmer durch Vortriige, Ausstellungen etc. zu erhiihen. Ein wissenschaftliches Interesse
hat nun fur die Dresdner Versammlung allerdings auch das Institut
des Hrn. Dr. A b e n d r o t h dargeboten und das Direclorium des Apothelter -Vereins in Norddeutschland hat auch nicht ermangelt, zum Besuche desselben aufzufordern. Hiermit ist aber vollstiindig der Pfliclit
geniigt, welche die Ordner der Versammlung dem Abendroth'schen
Institute schuldig waren, hiitten sie zu einer offentlichen Debatte iiber
die Beschaffenheit des Instituts Veranlassung gegeben, dann wiirden
sie Hrn. Dr. A b e n d r o t h , der bei den Sitzungen selhst gegenwiirtig
war, doch offenbar gelrrlnlrt haben, dann hatten sie auch leicht Verrllher werden kdnnen an der friedlichen und iicht collegialischen Gesinnung, welche die Theilnehnier an den Versamniluogen des norddeutschen Apothelter -Vereins sich bisher nach Innen und Aussen hin
bewahrt haben. Diese Absicht aber haben wahrscheinlich alle Theilnehiner an der Dresdner Versammlung gehabt, denn lteiner hat, obgleich dies Jedem frci stand, das Wort genommen, um dffentlich iiber
das Abendroth'sche Institut zu sprcchen. Weit entfernt also, an dein
Streite, den Herr Professor KGhn uud der Herr Dr. A b e n d r o t h
wcgen der pharmaceutischen Institute zu Leipzig und zu Dresden,
ftiliren, Theil zu nehmen, haben die zu Dresden versaminelt gewesenen Apothelrer vielmehr jede IIindeutung auf diesen Streit absichtlich
vermieden, nicht auf den Wunsch Einzelner, sondern nach einer, wenn
auch stillschweigenden, doch cinmiithigen Uebereinstininiung. Hnben
sie dadurch aber ein Zengniss abgelegt von dem in derversammlung
herrschenden Geiste des Friedens, haben sic dadnrch bewiesen, dass
sie die Berathungen iiber die Angelegenheiten des Yereins und dic
ErOrterungen iiber den Zustand desselben nicht aus ihren offentlichen
Sitsungen verdriingt, sondern den Statuten g e m h fiir dieselben erhallen wissen wollcn, so hiitten sic sicli selbst nnd den Zweck ihrer
Versaininlung erst ganz unibilileii iniissen, wenn sie, wie der Hr. Beurtheiler der Versainiiiluiig verlangt, zur Erledigung der obschwebenden
Inslitutenfrage einen Versucli iiiachcn wollten. Dies Alles hat der
Hr. Beurtheiler nicht erwogeii, inithin von vorn herein eiuen Mange1
an der niithigen Ueltanntschart iiiit den Verhiltnissen an den Tag
gelegt.
Wie aber d i e m Blangel scliori deni Verdantmungsurtheile der
Dresdner Versaininlung seine Scliiirfe nimnit, so wird sie ihm noch
riiehr geuominen durch den Umstand, dass dcr 1Ir. Urtheilssprecher
nicht cinmal Tlieilnehmer a n der Versammlung gewesen ist, sondern
scin Urtheil allein auf den ini Octoberhefte des Archivs der Pharmacie enthaltenen Versaminluiigsbericlit gegriindet hat. Voii einer Versainnilung, wie die zii Dresden war, ltann selbst der beste Berielit nur
ein unvollltommcnes Bild gebcn, er lraun nur enthalten, was offentlich
unter den Augen Aller geschehen ist, allenl'alls das noch, wovon der
Rericlitcrstattcr selbst Augen- ond Ohrenzeugc gewesen ist, wenn er
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Vereinszeilung.
an diescr oder jener Unterhaltung in kleineren Kreisen sich hetheiligt
hat. Ucber den in einer solchen Versammlung waltenden Geist, uber
die Pragen, die in engeren Zirkeln besprochen und erledigt sind, iiber
die Intrressen, die einzelne Theilnehmer der Versammlung verfolgt
und durch Berathung mit freundlichen und gleichgesinnten Collegen
sich rulaukliren gesucht hahen, iiber die Anregung, die der Eine auf
diese, der Andere auf jene Weise erlialten hat, lisst sich nicht b e
r i c h t e n . Nur w e r gegenwiirtig gewesen ist, kann hiernacb wissen,
ob den Anspriichen der Varsammelten im Allgemeinen genugt sei oder
nicht, wenn gleich auch sein Urtheil immer rls ein subjectives wird
betrachtet werden miissen, wer aber ribwesend gewesen ist, den1 steht
gar lcein Urtheil iiber die Versainmlung zu, der darf, wenn er den
Versamnilungsbericlit gelesen hat, nur diesen beurtheilen 1st sonach
aller Tadel, den der Herr Beurtheiler im Correspondenzblatt iiber die
Versammlung ausspricht, mf den Bericht zu ubertragen, so ist eigentlich ouch jede weitere Besprechung des Urtheils iiberfliissig, da die
Mangelhaftiglteit des Berichts zum Theil eisen natiirlichen Grund hat,
zum Theil von jedem Billigdenkenden auch ohne weitere Rechtfertigung c*ntschuldigt werden wird. Aus vielen Grunden erscheint es
mir aber aIs Fflicht, den in dem Urtheil ausgesprochenen Tadel noch
niiher ZII beleuchten.
Als der grosste, durch das ganze Urtheil sich hinzieliende Vorwurf wird zunichst der zu bezeichnen sein, dass die Versammlung
dem Abi!ndroth'schen Institute nicht die verdiente Aufmerksamlteit geschenkt, die vorgefundene Beschaffenheit desselben nicht erdrtert und
die durth den Streit zwisrhen diesem und dem Leipriger Institute
hervorgrrufene Principfrage niclit erledigt habe, ob pharmaceutische
Institute, die sich nicht in Unirersititsstadten befinden, den jetzigen
Anspruclien genigen kiinnen oder nicht. Ilierauf ist zu erwiedern,
dass dic Versammlung allerdings die gr6sste Aufinerlcsamlceit dem
Abendroth'schen Institute gewidmet hat, indem dasselbe von fast allen
Thcilnehmern der Versammlung besucht morden ist, und zwar urn es
besser und griindlicher ltenncn zu lernen, in verschiedenen Abtheilungen. Ferner ist zii sagen, dass iiber die Beschaffenheit und Einrirhtung unrl zwar tiller die vortreffliche vie1 gesprochen worden ist,
dass aber uber die sogenannte Principfrage im meinem Beisein lteine
Verhandlungen statt gefunden haben, wahrscheinlich deshalb nicht,
weil sie den Verhandelnden, wie mir selbst lceine w i r k l i c h e Principfrage zu sein whien. WRre der llr. Beurtheiler bei der Besichtigung des Instituts und bei den Gesprichen, an denen ich Theil nahm,
zugegen gewesen, so wiirde r r nur dic vortheilhaftesten Aeusserungen
iiber die Einrichtung des Institots gehort, er miirde diese aber auch
geh6rt haben, wenn e r uberhaupt selbst nur an der Versammlung
lheil genommen und einen andern Theilnehmer gefragt hitte, es w i r e
ihm gewiss auch nicht schwer geworden, sich selbst die aufgeworfene
Frage zu beantworten, auf die ich spiiter noch zuriiclcgehen werde.
Fur jetzt will ich zur Entschuldigung des Verfassers des im Archive
mitgetheil ten Versammlungsbericllts nur noch anfuhren, dnss er wahrscheinlirh deshalb nicht des Abendroth'schen Instituts weitliiufiger erwahnt hiit, weil eine ausfiihrliche Beschreibung desselbeii im Buchliandel erschienen und Allen, die sich dafiir interessiren, fiir aenige
Groschen zugznglich ist. Dem Hrn. Beurtheiler ist dieses Schriftchen
auch hekannt, er meint rber, dass darin gewindbeutelt sein kdnne ;
ich kann ihm versichern, dass alles das, was ich im Abendroth'schen
-
verei?uzeilung.
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Institute gesehen habe, vollstindig init der Bcscl~reibungiibcreinstininit.
1st nun iiberdies noch, wic es in der Vorbcmerltnng zu dcr iii Rede
stehenden Beurtheilung heisst, bckannt. dass einc Anzalil wackerer junger Miinner aus der Schule des Hrn. Dr. A b e II d r o t h hervorgegangen
ist, so wiisste ich nicht, BUS welchem Grunde drr Berichterstatter dcr
Dresdner Versanimlung sich liiitte gedrungen fiihlcn sollen, sich weitliiufiger iiber das Abendroth'sche Institut auszusprechen, so wiisste
ich uber auch nicht, wcshalb iiian an der Vortreffliclilreit des genannten Instituts zwcifeln solltc. Zu eineni solchen Zweifcl giebt aber
auch der Bericht iiber die Dresdner Versamnilung uni so weniger Gelegenheit, als e r eben iiber das Abendroth'sche Institut schweigt und
der Herr Verfasser der Beurtheilung sHgt dalicr niit Hecht, dass dies
Schweigen dem genannlen Institute zur Ehre gereiche. Hat die Dresdner
Versamnilung nach Allem, was liier angcfulirt is[, also den Wiinschen
des Hrn. Beurtheilers bis auf die sogcnannte l'rinciphage entsprochen,
so beruhen die der Versanimlung in Bezug auf das Abendroth'sche
lnstitut geinachten Vorwiirfc nur auf Ihkunde und fallen in sicli zusammen, jr es wird selbst das einerseits getadelta Schwcigen tles
Berichts andrerseits von dem lirn. Beurtheiler selbst gerechtfertigt.
Wir haben jetzt iiur noch die sogenannte Principfrage zu er6rtern,
in so fern sie sich ebenhlls an das oft genannte Institut anlrniipft.
Schon oben habe ich erwshnt, dnss die Versanimlung zu Dresden
dime Frage iiicht beantworten lronnte und wollte, indein ich aber
jetzt die Beurtheilung ini Correspondenzblatt noch einmal durchlese,
Gnde ich anch, dass dcr Ilr. Beurtlieiler das Verlangen, die sogenannte
Principfrage von der Versanimlung beantwortet ZII sehen, zwar zuerst
ausspricht, dann abcr auch wieder zuriiclrnimmt, durch die Work:
,,es wiirde cin dem Augenschein entlehnter competenter Bericht iiber
die vorgefundene Beschafenhcit des pharniaceutischcn Instituts zu
Dresden das entfernte pharmaceutische Publicum in den Stand setzen,
das richtige Mittel aue deni vielen Fiir und Wider herauszufinden."
Man sieht hieraus, dass der Hr. Beurtheiler selbst die Entscheidung
iiber die sogenannte Principfrage nicht mehr verlrngt, mit der Versammlung also einverstanden ist und sie selbst nicht mehr wegen der
unterlassenen Entscheidung, sondern nur noch wegen des unterlassclien Bericlits, der, wie oben gezeigt, iiberllussig war, tadelt. So
sehen wir also auch von dicser Seite her lteinen begriindeten Vorwurf mehr fur die Versammluiig zu Dresden.
Es wird indessen weiter auch noch von dcni llerrn Beurtheiler
die Behauptung aufgcstellt, dass dcr norddeutsche Apothelter-Verein
die Principfrage: ,,Kdnnen etc.? " verneinend beantwortet habe, und
zwar sowohl in der Denltschrift iiber den derzeitigen Zustand der
Pharmacie in Deutschland, alsdann im Septemberhefte des Arcliivs der
Pharmacie bei Gelegenheit der Heccnsion des Yiihn'schen I ' r o g ~ n ~ i n s .
Hier waltet ofl'enbar ein Irrthum ob. In der Denlrschrift ist nur zusammengestellt, was von den verschiedenen Seiten her (siehe die Vorrede der Denlrschr.) dem Directorium des norddeutschen ApothekcrVereins mitgetheilt; dann aber ist auch zu erwtigen, in welcher Verbindung und zu welcheni Zwecke die S. 4. der Denltschrift zu findenden Worte, ilass die pharnlaccutischen Inslitule, iiur wenn sie mit
Universitiiten verbunden sind, noch den jetzigen Bedurfnissen der Zeit
Geniige leisten ktinnen, gescliriebeli sind. Es ist, indem dies in der
Uenltschrift angefiihrt wrrd, davon die Hede, wie sehr die Ausbildungsweise der Fharniaceiitcn ini Vergleich niil Diihcren Zeitcri siclr
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Vereiiiszeitung.
verlndert habe, wie zuerst pharinaceulisclie Institute nothwendig geworden seien, wie aber diese natiirlich niir BUS dein Grunde, weil sie
nicht die niithigen aiisgcdehnten Lehr- und €Iiilfsmittel darbiiten, und
dann geniigen Iriinnten, wenn sic mit Universititen, die diese Lehrund tliillsinittel gewiihren, verbunden sind. Unzweifelhaft hat hiermit
docli nor ausgesprochcn werden sollcn, was die Erfahruug gelehrt
hat, das:: niinlich i n Deutschland fast alle pharmaceutische Institute
jetst in Universilaten gegriindet sind; an die Aufstellung der sogenannten Principfrage, rind an eine Vereinigung derselben hat man gewiss niclit iin Entferntesten gedacht, noch vie1 weniger daran, pharniaceutisrhe Institute, die, sei es durch tleranziehung vieler Krlfte und
Mittel, s t i es durch Verbindung init einer hoheren Lehranstalt, dasselbe daibieten, was eine Universitit in Bezug auf pbarmaceutische
Aasbilduiig gewiihrt, herabzusetzen. W e aber uberbaupt in der Denkschrift niich deal oben Angefiihrten sich nicht der gesaminte norddeutsche Apotheker -Verein niit seinen inehr als 1400 Blitgliedern ausspriclit, s o spriclit er sich in seiner Gesammtheit noch vie1 weniger
aus in dor in1 September- llefte des Archivs enthaltenen Recension
des liiihn’achen Progrumms. Diese Recension ist, wie die R’amensunterschrift zeigt, von tlrn. Dr. B l e y verfasst, und es ist nichts in
derselben gesagt, was darauf hindeuten Itiinnte, dass sie im Namen
oder iin Auftrage des norddeutschen Apotheker -Vereins verfasst sei.
Oline sich auf ein Weiieres cinzulassen, hat daher der genannte Verein
ein unzweifelhafies Rechi, den l‘adel, der ihn nicht triflt, zuriickzuweisen, ja es hat dies Recht jedcs einzelne Rlitglied des Vereins.
Indem ich inich aber dieses Rechts bediene, fiihle ich mich zugleicli
gedrungcii in rneincin und iin Namen der vielen Milglieder des Vereins, die mir persiinlicli bekannt sind, hiermit zn erltliren, dass wir
in Hrn. Dr. B I e y den wiirdigcn und ehrenhaften Oberdirector unscrs
Vereins schatzen und hochachten und in ihni einen Rlann erltannt ‘haben, deni nichts mehr am Herzen liegt, als die Fiirderiing pharmaceutischer Interessen. Das Gegentheil davon deni gesammten norddeutwhen Apotheker-Vereine gegeniiber zn behaupten, durfte nur ein
Kainenloser wagen.
Zieht sich nun gleich durch das ganze Urtheil im Correspondenzblatte fast nur die bis jetzt hier besprochene Institutenangelegenheit,
wlrd gleich iminer nur von ihr ausgegnngen und zu ihr zuruckgekchrt,
so sind nebenher docli auch noch andere Hiigen iiber die Versammlung ZII Dresden ausgesprochen, die ebenfalls niher zu betrachten
sind.
Rehmcn wir zuerst die Aeusserung, dass die zur Versamnilung
geladenen Giste drei Stunden hindurch gelangweilt seien mit einem
Berichte iiber die Frequenz und Finanzverhiltnisse des Vereins etc.,
so iniichteii wir fast daran zweifeln, dass der Herr Beurtheiler den
Versainmlu:igsbericlit aufmerltsam gelesen hat. Die ganze Dauer der
ersten Ver:;ammlung belrug nach diesein Berichte nur drei Stunden ;
es sind aber nach eben diesem Berichte wiihrend dieser Zeit auch
noch inehrere andere Vortriige gehalten worden, die der Hr. Beurtheiler ignorirt. Wiire er zugegen gewesen, so wiirde er der anziehenden Sclrilderung des Lebens und Wirkens S e r t ii r n er s seinen
Beifall nicht haben versagen Iciinnen, er wiirdc ferner beherzigungswerthe Lehren und Winkc vernoinmen haben, die der erfahrene D u
BI & n i l an eine vorgctragene Biographic 15 i 11 d h e in1 s kntipfte, er
wiirde befriedipt worden sein, mic so viele befriadigt waren. Abcr
Vereinsaeit ung.
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gesetzt auch, es hiitte Alles Vorgetragcnc h i den anwesenden Bochverehrten Gonnern des Yercins gar ltein Interesse erregt, so bleibt
immer zu bedenken, dass der Verein seine Verhandlungen nur um
seiner Mitglieder willen hilt und nicht wegen anwesender Gistc.
Von den in den spiitern Sitzungen des Vereins behandelten Gegensttinden wird in der Beurtheilung gar niclits erwiihnt, es wird nur
iiber den Eifer gespottet, den der Oberdirector den Fermentolen und
ein anderes RIitglied des Vereins der Auffindung der Gifte in den
zweiten Wege zuwendet. Wer miichte sich hierbei nicht daran erinnern, dass B er z e l i u s in seinen Jahresberichten der Fermerrtole
als sehr interessanter Korper erwiihnt? wer nicht erliennen, dass die
Auflindung der Gifte in den zweiten Wegen zu einer fiir Aerzte sowohl, wie fiir Apotheker sehr anriehenden Beschiiftigntig rnit der physiologischen Chemie auffordert? nnd wer niclit einsehen, dass gerade
die Cultor der physiologischen Chemie deni Zweclie, utn dessen willen
Aerzte und Apotheker iiberhaupt vorhanden sind, in einein hohen
Grade entspricht? Wenn nun aber, in Bezug aid die Beschiftigung
des Oberdirectors nocJi in der Beurtheilung gesagt wird, dnss er sich
mit F e r m e n t o l e n abquiile, so geht aus diesem Ausdrucke wohl
wiederum deutlich hervor, dass cs darauf abgesehen ist, Hrn. Dr. B l e y
perscnlich zu krinlten und dessen vielfache Verdienste herabzusetzen.
Das ist gewiss nicht zu billigen und stinirnt wenig iiberein mit dem
von dern Hrn. Beurtheiler selbst aufgestellten Grundsatze, dass parsbnliche Riicksichten schweigen und Offenlieit und Unpartheilichkeit
die Richter sein mussen. Eine Persiinlichlreit liegt wahrscheinlich
auch zu Grunde, wenn der Hr. Beurtheiler sagt, dass papierne
Ehrenstellen ausgetheilt seien, nnd dass der Antheil an der Wissenschaft im Weine bethiitigt sei. Es kann nur ein wirklicher Theilnehmer (nicht aber ein von der Versammlung Abwesender, wie der
Rr. Beurtheiler) wissen, dass gerade bei dem gemeinschaftlichen Mahle,
die zur Beforderung der von dem Vereine ersirebten iichten Collegialitiit ein niclit Geringes beigetragen, in Dresden die Freunde sich zusammenschaarten und Gegenstinde, die dern Einen oder dem Andern
nahe am Herzen lagen, zur Berathung und Besprechung brachtan,
und namentlich die wissenschaftliclie Ausbildung der Sbhne und Fachgenossen vielfach eriirterten. Gewiss fiihrten diesc Gespriclle zu bessercn Resultaten, gewiss waren sie in den engeren Kreisen von Freunden nicht am Orte, als in dcr offcntlichen Versatnmlung vor den Ehrengiisten, wohin sie der Hr. Beurtheiler unserer Versammlung verweiset.
Jeder Unbefangene wird liiermit iibereinstiniinen und ebenso auch
einen iibersichtlichen Vortrag iiber den Einfluss der einzelnen Naturwissenschaften a u l die Pharmacie als Hunst fiir die Generalversammlung des Apothelter -Vcreins unpassend halten. Wie dieser Einfluss
unzweifelhab dem Ilrn. Beurtheiler beltannt ist, so ist er auch den
in Dresden versammelt gewesencn Vereins -8litgliedern bekannt, und
sie hiitten mit Recht Itlagen Itonnen, wenn ihnen Allbeltanntes , aufgetisclit wire. Um wie vie1 interessanter niusste es fiir alle Anwesenden sein, von der innigen Verbinduug, die der Verein gewiihrt,
von der Anerkennung und Verbreitung desselben, von der zweckmtissigen Verwendung der Beiirige, von den wissenschaftlichen und
praktischcn Erfahrnngen dcr Rlitglicdcr zu hiiren, von der SO vielfach
gewihrten Anregling licnntniss zit nehmcn nnd sich selhst anregen
zu Iasscn'? Und fragen wir nun wciter, nus welchetn Grtinde denn
eigentlicli der Hr. Beurihcilcr ciucn Vortrag ilbcr dcn Einfluss ctc.
.
90
Vereinszeilung.
gewiinscht hat, so iniissen wir staunen iiber die Antwort, weil nur
der anwesende Hr. Minister in den Heprlsentanten des Fachs (wie
der Hr. Beurtheiler die Personen nennt, die er so tief herabsetzt) das
gcfunden hitte, was er erwartete!!!!
Gern nibchte ich hierrnit scliliessen, es ist, glaube ich, zur Genuge erwicsen, dass der im Correspondenzblatte ausgesprochene Tadel
unbegrundet uiid unverdient ist. Indem icli aber nocli eiiimal das
liarte Urtheil iiber die Versammluug zu Dresden und nainentlich deli
Schluss desselben ansehe, fiihle ich mich gedrungen, mein i n n i g e s
B e d a u e r i r daruber nochnials auszuspreehen, dass der Ilr. Beurtheiler
den Zweclc und die Tendenz des norddeutschen Ayothelter-Vereins
so wenig erltannt hat. nrenn unser Verein die \~issenschaftlichlieit
unter seinen Mitgliedern iinnier mehr und mehr zu verbreiten bestrebt
ist, wie dcr Hr. Beurtheiler zugiebt, so gescliieht dies doch nur aus
dem Grunde, weil nur durch die Wissenschaft die Kunst erltannt und
beurtheilt werden kann, und es kann daher von Extravaganzen nicht
die Rede seio, noch weniger davon, dass die Richtung des norddeutschen Apothelter-Vereins die Apotheker entweder zu Gelehrten oder
zu Krriniern mache, wie der Hr. Beurtheiler ebenfalls behauptet. 1st
es ilim wahrer aufrichtiger Ernst mit dieser Aeusserung, in der ich
einen Widerspruch finde, liegt ihm in der That etwas an dein Gedei
hen der Pharmacie, ist er in der That der Illeinung, dass zu diesem
Gedeihen :mch der Apothelter-Verein in Norddeutschland mehr noch
beitragen kdnne, wenn er die von ihrn gewunschte Richtung einschllgt,
dann zeige er uns die Richtung in unserrn Sprechsaal, in dem Archive
der Pharmacie, dessen Spallen sich ihni gern dllneh werden, wenn
er mil ,offenem Visir, wie es dort ein schdner Beruf isl, diese Schranken zu bctreten geneigt ist. Niemand wird ihn dort krinlcen, niemand beleidigen, B U S einem dort gefiihrten Streite wird und kann
nur ein schoner Friede hervorgehen, denn wohl wissen wir, dass
auch unser Verein noch inaunigfache Miingel hat, diese Mingel aher
immer mehr und mehr zu entfernen, das ist das grdssteBemiihen aller
Vereinsmitglieder, und wir sind danlrbar cineni Jeden, der uns dazu
freundlich die Hand bietet, anch wenn er uiis einnial vielleicht aus
Uebereilung geltrinkt und beleidigt hat. Wir vergeben und vergessen,
j a ich glaube es aussprechen zu Itdnnen, jeder Theilnehmer an der
Dresdner Versarnmlung, ja der gesaminte norddeotsche ApolhekerVerein nntl selbst der scliwer und lief gelrriinltle Oberdirector verzeiht
dem hart& Urtheilssprecher irn Correspondenzblatte um so williger,
sls von andern gewichtigern Seiten her andere und giinstigere Urtheile
gefiillt sind. W a c l t e n r o d e r und E h r m a n n , langjiihrige, vielerfahrene Bildner der Pharmaceuten, Itnndige Manner in Dresden in grosser
Zahl waren von der Versammlung befriedigt; B u c l i n e r , der unisichtige, griisdliche und gelehrte Kenner aller pharmaceutischen Zusllnde, riihnit fort und fort die Bestrebungen unsers Vereins, uud
selbst Se. Majestit der Kdnig von Sachsen haben gegen das Directorium sich gunstig und @dig iiber den Apothelter-Verein in Norddeutschland und die Vcrsamnilung zu Dresden ruszusprechen geruhet.
Dr. G e i s e l e r .
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