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Ueber Medicinalreform.

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108
Vereinszeitung.
Unterstiitzungs-Came gezahlt werden piisste, was Ireinen Gehiilfen
driicken kann. Diese Angelrgenheit, welclie SO sehr der Untersliilzung
auch der Gehiilfen wiirdig ist und hedarf, diirfte in den Augen der
jungen Fachgenossen uin so h6her im Werthe steigen, wenn sie sirh
selbst durch ein Opfer dabei betheiligten. Leider schenken die Jiingern oft alle dem Guten sellen die geh6rige Wbrdigung, welche sie
beim Herannahen der Pltern Tage demselben eugewendet zu haben
wiinschen. Ich bin 32 Jahre beirn Fache, habe 28 Jahre conditionirt
und wiirde mich frenen, wenn mein Vorschlag, der nur euf Billigkeit
beruhet, Anlrlang und Ausfuhrung fiinde.
.__
--
5) Ueber Medicinalreform.
1st einmal die Aussicht auf Einheit und Vereinigung in Deutschland gescheitert beeiiglich der staatlichen Verhaltnisse, und fehlt leider
alle Einiglreit zurn Zusammenhalten des Ganzen, auf dass Deutschland
ein machtiger, auch dem Auslande gcgeniiber liraftiger Staat werde,
SO ist mit den1 Scheitern dieses Planes, der dem Wunsche aller redlichen Vaterlandsfrcnnde entsprochen hatte, auch die Hoffnung zu Grabe
getragen, dass hineichtlich der Medicinalreform Uebereinstimmendes
geschieht. Ueberall sehen wir wieder Sonderbestrebungen, und vielleicht bald wieder wird jedes Landchen seine eigene neue Medicinalverfassung haben, so buntscheckig wie nur jemals. Es ist dieses
natiirlich nicht den ledicinalbeamten zur Last zu legen, denn unter
diesen, so weit sie einsichtsvolle Msnner sind, die sich nicht von particularistischen Ideen leiten lassen, hat sich die Einsicht kund gegeben,
dass dem Ganzen und Grossen ern iibereinstimmendes Medicinalwesen
erspriesslich sein wii.rde. Kdnnte man die ausgezeichnetsten Mlioner
der verschiedenen Branchen der ledicin im weitern Sinne auf eiuem
Congresse vereinigen, es slinde zu hoifen, dass man in kurzer Zeit
sich iiber die Hauptfragen einigen und eine gute Grundlage for eine
eintritchtige und gute Medicinalverfassung erhalten wiirde.
Einstweileo bleibt nun dem Einzelnen nichts iibrig, als seinerwits
nach Elraften beizutragen, dass die Hauptpuncte der erscheinenden Entwiirfe fiir Medicinalgesetzgebung beleuchtet und ins rechte Lichl gestellt
werden. Zu den seit einiger Zeit in dem Archiv der Pharmacie besprochenen Entwiirfen ltommen gegenwiirtig zwei neue, einer fiir des
Grossherzogthum Baden, ein anderer fiir das Herzogthum Nassau.
I. B a d e n .
Schon seit mehreren Jahren hat sich in Baden eine rege Bestrebung gezeigt, des dortige Medicinalwesen giinstig uwzugestalten. Der
badische Verein f i r Staatsarzneilrunde hiclt im Februar des Jahrea
1819 eine vorbereitende Verscimmlung, einigle sich iiber die Bearbeitung eines Entwurfs der Grundztige einer Medicinalverfassnng , stellte
denselben den Hreisversammlungen der Medicinalpersonen zur weitern
Berathung zu, nnd iibergab durch den Vereins-Ausschuss in Offenburg
im MPrz drrn Ministeriurn des Innern den festgestellten Entwurf.
Wir wollen uns hier darsuf beschriinken, das Wichtigste des vorliegenden Entwurfs hervorzuheben und mit eioigen Bemerkuagea eu
begleiten.
I. 1. Aerziliches t’ersonal. Es 8011 nur herzte geben, derea
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109
Vereinsceilung.
Befugniss die gesammten Zweige der Heilkiinst umfasst, weshalb die
Licenz zur Ausubung kunftig an das vollendete Studium der Medicin,
Chirnrgie und Geburtshiilb, nacli desfallsiger Prufung, als Conddtio
sine qua non geknfipft sein soll.
$. 4. Nach beendigter Licenz hat jeder Arzt das Recht der freien
Niederlassung an jedem ihrn beliebigen Ortc des Landes.
$. 5. Zu den Przllichen Staatsbiutern sind alle Aerzts gleichberechtigt und bei gleicher Qualification das Receptions- oder Dienstalter entscheidend.
J. 15. Es ist sehr zu wiinschcn, die Zeit der hisherigen Gymnasialstudien um I Jahr ZII mindern und einen Jahrescoars der Fhtlosophie an der Universitat zu verweisen. Es ist inelir Riicltsicht auf
lebende Sprachen zu nehmen und die Anordnung zu trelfen, dass im zweiten philosophischen Lehrcours Botanik, Chemie, Physik studirt werden
konnen
$. 16. Die praktivche Ausbildung in der gerichtlichen Medicin
und medicinisclien Polizei, der Ysychiatrie rind Thierheilkunde ist besser a h bisher ins Auge zu fassen.
$, 20. Es soll kiinftig nur ordentliche Professoren und Privatdocenten an dsr Uuiversiat geben.
8. 2 1 Die Staatrcpriifung soll mekr praktisch werden.
5. 23. Die Priifungsgebuhren sollen wegfallen.
8. 25. Es siod gerichtliche und Startsiirzte init Besoldung anzustellen.
%.38 Zor Leitung des gesammten Medicinalwesens sol1 eine
oberste Beh6rde als Centralstelle mit deni Narneu 0 ber-Medicinal-Cotlegium bestehen.
$j.39. Das Ober-Medicinal-Collegiiiiii sol1 hestehen aus 1 Director, der Arzt ist, 3 Rathen, 2 Assessoren, wovon der eine dem pharmaceutischen, der andere dem lhieriirztlichen Personal angehoreu soll.
J . 40. Der Director soll ordcntliehes Illitglted des Ministeriums
und Referent in Medicinalssahen sein.
$. 43. Sein Gehalt sol1 das eines Directors im Ministeriuin scin.
J 42. Die Rathe sollen den Rang tind Gehalt von Mintsterialrathen haben, aber eben so wenig als der Director sndere Brrtliche
Praxis als consultative treiben.
J. 44. Das Ober-Medicinal-Collegium habe in Gemeinschaft mit
dem Miniaterium die oberste Leitung dcs gesarnrnten Medicinalwesens
des Landes, ea ist die oberete Iostanz filr alle gerichtlich-medicinischen
Gutachten.
I. 45, Das Vereinsrecht iet ein freies. Kein Arzt sol1 moralisch
oder auf irgend eine Weise gen6thigt worden, i n einen aretlichen oder
staatsfirztlichen Verein zu treten.
J. 46. Diese Vereine kdnnen our als eine iiffentliche Meinung
erscheinen, in so fern sie' Ansichten und Wiinsche anssprechen. Ihr
Zweck ist Fdrderung der WissenschaT~undAufrechthaltung der Wurde
dss arztlichen Standes in iiioralischer Beziehung.
$. 47. Die Fdrderung der Wissenschaft werde erzielt a) durch
Lesezirkel, b) durch regelmassige Zusenimenkuufk, c) durch Ilerausgabe wissenschafllicher Arbeiten. Dm Aufrechterhaltung der Wurde
des Standes durch Erhaltung a) des richtigen Yerhiiltnisses der Aerzte
als Kunslgenossen unter sirh in dcr Collegialitif, 6) des richtigen Verhiltnisees der Aerzfe als Kfinstler und Gelehrte zu den Laien
dem
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Vereinszeitung .
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Publieum, c ) des richtigen Verhaltnisses der Aerzle als solche zu den
Medicinalbehiirden.
J . 48. Diese Vereine sollen vcrpflichtet w i n , aaf Anforderung
der Rledicinalbchorden Gutachten uber Gcgenstande des Medieinalwesens
z u gcben.
$. 49. Die Erriclitung der Apolhelien is1 nicht der Concurrenz
freigegeben. Der Zustand der Privilcgien ist anfrecht zu erhalten.
In dieseii Reforinvorschligen ist das pharinncentische Gebiet sehr
gering bedacht worden. Die Yharinacie ist a u f cine durchnus armliche Weise abgespeist worden, so dass inan deutlich genug siebt,
dicse Hefnrmvorschlige des badischen Vereins fiir Slaalsarzneibunde
sind ohnc Mitwirltung von pharinaceutischen Mitgliedern entworfen.
Man will auch hier der Pharinacie nur allenfalls das m6glichst kleinste
Maass von Rechlcn zugestehen, was wir weder gerecht noch billig
findcn konnen.
11. N a s s a u .
Wir finden diese Vorschlage vollstindiger, als die badischen, wie
die nachsteliend rnitgetheilten $§. erweisen wcrdcn.
I . Von den Aemten.
$. I.Der Staat ist verpflichtet, durch Anstellung m d entsprecliende Besoldung einer dein Bediirfnisse genugenden Anzahl von gepruftcn A erzten allen Staatsbiirgern ohne Unterscbied des Standes und
Verinogens die Lrztliche Iliilfe zu sicbern, und ist berechtigt, im Dienste
dcr Sanilitspolizei, der Civil- und Strafrechtspflege iiber die angestellten und in Ermangelang derselben fiber die praktischen Acrzte zu
vcrfiigen.
Kein Arzl liann eine Asstellung im Staatsdiensk oder die Concession zur Ausubung der gesamniten Heilkunde oder auch nur eines
Z weiges derselhen erhalten, welcher nicht eine Staatspriihng in allen
Zweigen der Heilkunde hestanden hat.
$. 2. Die Priifung der Candidaten der Heillcunde geschieht durch
die gesetzlich hestehende Priifungseommission.
$. 3. Die obere Leitung des Medicinalwesens wird eineni Medicinal Collegiuni ubertragen.
8. 4. Das Rledicinal-Collegium bcsteht aus einern irztlichen Dirigenten und 2 3 Aerzten, 1 Pharrnaceuten und i 1hierarzt.e.
J. 5. In den Geschiftskreis des Rledicinal-Collegiums gehoren :
1) die Leitung siimiotlicher Verwaltungs Angelegenheiten iin
Medicinalfache ;
2) die Anordnung der Priifung der Aerzte, ThierArzte oder
Apotheker durch die gcsetzlich bestehende Priifungscommission ;
3) Vorschliigc zur Besetzung erledigter Stcllen, zu Beftirderungen, Gehaltszulagen und Peusionirungen ;
4) Ueberwachung der Berufslhltigkeit dcs gesamniten Medicinalpersonals;
5) Priihng und Beurtheilung der uber Gegenstinde der gerichtlichen Medicin und Dledicinalpolizei von den Bezirks-Medicinal beamten erstatleten Berichte und Gutachten, resp. Verfnssung von Superarbitrien auf Hequisition der Gerichtsoder Verwaltungs-Behdrden ;
6) Erstattung von Anlrlgcn und Gutachten iiber alle Gegenslinde der Gesundheitspolizei;
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Vereinszeiluizg,
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7) Uniersuchung der Apnthelcen durch ein tcchnisches Rilitglicd
des Collegs;
8) Eiritiehung der halbjahrigen Sanitkbsberichte der Aerste und
Thierhrzte, der Berichte iiber Schutzpoclceniinpfung, uber
die Prbfung der Hebainmen der periodischen Berichte
uber die Kurorle und Ilospttaler, uber die Hebammenlehrund Entbindungs -Anstnlt, uber die Irren-Anstalt, iiber den
Gesundhcitszustaud in dem Znrhtliause, dem Correctionshrose
und den Criminalgefargnissen und dcrcn Benutzung zu wissenschafrlichen Zwecken, resp. Ver6flentlichung in den aassauischen mediciniselten Jahrbuchern.
$. 7. Ftir jeden Medicinalberirk wird 1 Mcdirinalrath, 1 Assistent, und nach Maassgabe des Bediirfnisses 1 oder 2 Accessisten a n gestell t.
$. 9. Die gepriiften Candidaten der Medicin, welchc niclit in
den Staatsdienst gelangen, und die praktischen Aerzte, lrounen sich
den Ort der Niederlassung wlhlen und sich durch Erwerbung des
Biirgerrechts die durch drs Medicinalcolleg eu gcwiihrende Erlaubniss
zur Ausiibung der Praxis daselbst verschaffen.
9. 12. Die bestandene dtaatsprfifung giebt die Bereehtigung zu
einer Anstellung. Die gepraften Candidaten werden dein Bediirfnisse
cntsprechend nach dein Zeilpunct des bestandenen Examens als Medicinal- Accessisten angestellt ; bei den gleichzeitig gepriiften entscheidct
die Qualification und bei gleicher Qualification das Loos.
9. 13. Weon eib Cnodidat die i h m rngetragene erste Anstellung
ausschligt, so wird derselbe seiner Anspriiche anf Anstellung verluslig ;
wer eine Beforderung auf eine ltlihere Dieuststelle ausschlggt, verliert
seine Anciennetatsinspriiche gegen die durch seine Weigerung i h i n
Vorgeriickten.
9. 14. Die Normalgehahe des angestellten Rledirinalpersonals solten denen der mit ihnrn in gleiclirr Dienstkalegorie stehenden Justizund Verwalturigsbeanitrn vollkornmen gleichgestellt werden. Die Bade%rate erlialten einen ihrein Dienstaller entsprecliciiden Nornialgehalt.
Q. 15. Bei Besoldungen sol1 das Uienstaller, jcdoch unter gleichceitiger Berbcbsichtigung der Beschwerlichkeit und Eintraglrchkeit der
versehiedenen Stellen, manssgebend sein.
I. 16 Die Normalgehalte werden bis Zuni vollendeten 35sten
IXenstjahre eu a/3 und von da nn zu 3/4 R U B der Landessteuercasse in
vierteljahrigen Ratcn vorausbezaklt und zu 1/3 resp.
auf den Ertrag
der Praxis bingewiesen.
17. Das angestellle Medicinalpersoual hat nach dcr Grosse der
Normalgehalte Ansprliche auf Pension fiir sich und seine Relicten nach
nlaassgabe des bestehenden Pensionsgesetzes fiir die Civilbeamten.
$j.20 Simiutlicheu Aerzten des tlerzogthums, niit Einschluss dcr
HomSbpathen, ist es untersagt, eine Apotheke cu besitzen, uberhaupt
Artneien zu dispensiren und E U verknufen. In hrsoiideren PHllen kano
jedoeh das Medicinal Collegium einzeluen Aerztcn die Verpflichtuog
auferlbgen, die fiir Nothfalle erforderlichen Arzneien, welche RUB der
Apotheke dcs Bezirks fdu beeiehen sind, vorrathig zu halten iind sie
nach bestehender Taxe abzupeben.
5. 21. Als allgemeioe Obliegenheiten des angestelltea Medicinalpersonals riicksichtlich der Medicinalpolizei werden bezeichnet :
1) Vorsorge gegen aasterkende Mensehealtranlrhrilen, insbesondere
auch die Leitung und Aushlmng der Schutzblatterniinpfung, SO
,
s.
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1112
Vereanszeilung.
wie Anordnung und Ueberwachung dcr Rluassregeln bei ansteclrenden Kranlrheiten ;
2) Aerztlicbe Obsorge fur die bei Feuershrunsten Beschadigten ;
3) Vorkehrungen gegen die uribefugte Ausiibung der arzllicben
Praxis i n allen ihren Zweigen und gegen unbefugten Verlrauf
von Arzneimitteln ;
3) Anordnung des Hettungsverfahrens und Anstellung nolhwendiger
Wiederbelebungsversuclre hei Ertrunkenen, Erstickteii, Erhaagten, Erfrorenen nnd auf andere Weise in plutzliche Lebcnsgefahr
(;erathenen, so wie Aufsicht iiber die Institute und Inslrunrente
zur Wiederbclebung jener Verungliickteu und tiber den fiir jeden
Becirk erforderlichen niedicinisch-chirurgischen Apparat;
5) Beaufsichtigung des Verkaufa und Verbrauchs von giftigen Substanzcn, Giflpflanzcn, Geheiinmitleln n. s. w. ;
6) AuLicht uber alle in den1 Medicinalbezirke gclegenen, einer
tnedicinisch-policeilichen Aubicht bediirfenden dffentlichen Anstalten, als Apothelren, Hospitaler, Gefangnisse, Bade-Anstalten,
Leicheahauser, Todtenhiife u. s. w.;
7) Sorgfiilt fur Erkrankle, Verwundete oder anf andere Weise
korperlich beschiidigte Personen, so wie fur arme Waisen und
Geisteslrranke, und erforderlichen Fallcs deren aretlicho Behandlung ;
8) Untersuchungen der verk5uflichen Nahrungsniiltel und Getrinke,
sodrnn von neuen Gebiiuden in llinsicht des Einflnsscs auf die
Gesundheit der Consunlenten resp. Bewohner, auf Requisition
der Polieeibehiirde, oder nach eigenem Ermessen mit deren
Zuciehung.
s. 25. Der Isdicinalrath ist verpflichtet, die Vollziehung aller
hinsichtlicb des Rledicinalwcsens Iiestehenden gesetzlichen Anordnungen
zu iiberwachen und vorkoniincnde Abweichungen von denselben den
hoheren Verwaltungsbehiirden zu berichten.
In Beziehung auf Medicinalpolizei und geriehtliche Rledicin ist das
ubrige Medicinal personal dernselhen unbedingt untergeordnet, er bildet
allein das Organ der oheren Landesbehbrden, so dass nur er Berichle
a n dieselben erdattet ond Resolutionen von derselben empfhngt.
Der Rfedicinalrath h a t I'ertier in allen GegensGnden der Medicinalpolizei und der gerichtlichen Medicin die einschlagenden Behorden z u
requiriren oder deren Requisitionen zu empfangen und fiir die Ansfiihrung derselben zu sorgen.
I I . Von den Apothekern.
f3. 29. Der Grundsatz der Gewerbefreilreit ist auf das Apotheltenwesen nicht anwendbar.
s, 30. In jedenr Medicinalbezirlre sol1 eins Apotheke bestehen.
Keicht diese nicht aus, das Bedtirfniss der Einwohner des Bezirks zu
behiedigen, so lrann auf das, die ortlichen Verhiiltnisse und die Subsistenz der bestehenden nnd neu anzulegenden Apotheke erorlernde
Gutachten des Illedicioal-Collegs auf eine Bevdlkerung von 8-10,000
Seelen eino weitere selhststandige Apotheke, und auf einc Bevolkerung
v o n 5- 6000 Seelen eine Filial-Apotheke angelegt werden.
f$. 31. Der Apolbeher des betreffenden Bezirlrs ist berechtigt resp.
verpflichtel, auf Weisung der Staatsbehorde die erforderliche FilialApotheke anzulegen und sie dnrch einen gepriiften, von der Staatsbehorde bestatigten Candidrten der Pharniacie verwalten zu lassen.
113
Vereznszeatuag.
fj. 33. Greift die zu errichtende selbststiindige oder Filial-Aputhekc i n den Geschaltskreis einer bestehenden Apotheke ia der. Art
benachtheiligend ein, dass letzterer rnindestens ein Viertlieil ihrcr Kundschaft entzogen wird, so hat der Besitzer der neueu Apotheke deui
beeintrachtipten Apotheker eino tiach hlaassgabe des Verlustes an Kundschaft zu berechnende uhd durch eine Commission yon drei Sachverstandigen festzusatzende billige Geldentschldigung zn Ieiskn.
llas Hecht, eioe Apotheke zu fiibreo, kenn nur durch eine h2ichsten Orls zu erwirkende Codcession erworben werden uud setzt den
reelitlichen Besitz einer Apotheke voraus. Der bititrerige Uiikrscliied
zwischen Amts-Apolheliern und concessionirten Apothekern ist aufgehoben.
$. 31. Kein Apothelier darf zwei selbststlndige Apolheken besitzen. Ebenso ist den Apothekern der Betrieb eines andern Gewerbes oline Genehmigung der obern Verwsltungsbehiirden nicht gestattet.
Ej. 35. Den zum Dienste nicht mehr befiihigten Apothekern, so
wie den M'iltwen slmmtlicher Apotheker ist gestattet, wlhrend ihrer
Lebenszeit die Apotheke durch einen gepriiften und von der obern
Verwaltungsbehdrde besftitigtcn frovisor verwalten zu lassen. Gleiches Recht hrben die hinterlassenen Kinder aller Apotheker so lange,
his das jiingste voiljahrig ist. Der Provisor ist jedoch in den beiden
letzten Fiillen zwei Monete nach dem Ahlehen des Apothelters zur
Bestatigung bei der vorgesetzten Staatshehorde in Vorschlag zu bringen.
$. 36. Den Apothekern und deren Erbeu steht das Hecht zu,
die Apotheke an eineu inllndischen gepriiften Candidaten der Pharmacie, jedoch nnter Vorbehalt der Genehmigung der hoheren Verwaltungsbehorde, zu verlussern. Diese Vertiusserung muss, i m Fall das
Recht zur Fortftihrnng der Apolheke erloschen ist, lfingstens iunerhalb
6 Monate yon dern Zeitpuncle dieser ErlBschung a n bewirlct sein.
J. 37. Die Verpachtung einer Haupt- oder Filial-Apothelie ist
itn Allgemeinen nicht gestattet; der libheren Verwaltungsbehbrde bleibt
es jedoch vorbehalten, wenn es nach dem Gutachten des hledicinalraths im tjffentliclien Interesee erforderlich sein sollte, die Verpacbtung
einer Apoihelie auf eine bestiinmle Zeit, m t e r Yorbehalt der Genehinigung der Pachtbedingungen, ausnahmsweise zu gestalten.
$ 3s. Die Rledicinalbenmten haben die medicinisch- polizeiliche
Aufsicht iiber die Apothcken ihres Bezirks. Die Apotheker sind daher
diesen in dienstlicher Beziehung untergeordnet und haben den Weisungen derselhen zu cntnprechen.
s. 39. Die Apothekerlehrlinge, welche in den Gehiilfenstand iibertreten wollen, haben eine Priifung vor dem Medicinal-Colleg zu bestehen. Diejenigen, welche die Gehulfenpriifung in andern deutschen
Staaten bestanden haben, sind gehalten, dies durch Vorlage von Zeugnissen bei den betreKenden Medicinalbeamten nachzuweisen.
s. 40. J e d e r A p o t h e k e r i s t v e r p f l i c h f e t , e i n e n G e h i i l f e n z u h a l t e n , and derf nur fiir je 1 Gehiilfen 1 Lehrling annehmeu.
In Filial Apotlielien dfirfen iiberhaupt lieine Lehrlinge angeoomnien
werden.
9;. $1. Die Priifung der Candidaten der Pharrnacie gescbieht nach
Wasssgabe der bestehenden Priifungsordnung durch die medicinische
Priiftrrigscoitiniission. \Venn eiu gepriifter Candidat, welcher wiihrend
LI Ishre nach bestandenem Ehatnen die Pharinacie niclit ausgeiibt hat,
rriti Coiiccsaiun Z U I I I Ratriebc oiler zur Verweltuug einer Apotheke
-
Arch. d. Pharm. CXIV. Bds. 1. Hft.
8
116
Vereinsaedung.
nachsuchl, so h a t derselbe sich einer nochmaligen Staatsprufung z u
unterwerfen.
I. 42. Nur den concessionirten Apothekern steht das Reeht zu,
Arznciinittel zu bereiten und zu verkaufctr. Hinsichtlich der Bandelslmfugnisse der Materialisten und des Verkaufs dor Arzneiwaaren, der
Gifte und heftig wirkenden Substanzen durch die Materialisten und
andere llandelsleute bleibt die Verordnung voni 18. Deceiitber 1834
inaassgebend.
I. 43. Der Apotheker ist verpflichtet, alle von approbirten Aerzten verordneten Arzneien nach Vorschrift zuznbereiten und abzugeben.
Wegen des von Seiten des Apothekers zu gebenden Credits sind die
In dieser llinsicht bestehenden gesetzlichen Bestiinmungen den neuen
Verhaltnissen anzupassen.
s. 44. Die Revision der Instruction fiir die Apotheker so11 dem
Medicinal-Collegium vorbehallen bleiben.
Zu diesem Entwurfe einer Medicinal-Ordnung fiir das Herzogthum
Nassau erlauben wir uns folgende Bemerkungen :
In das Medicinal -Collegium wiirde, des Formellen wegen, docli
wohl ein Jurist als berathendes Mitglied zu stellen sein.
Wenn das Medicinal-Collegium auch die Prdfungs-Commission sein
soll, so wiirde fiir die Priifung von Apotbekern wohl die Zuziehung
wenigstens noch eines Apothelrers zweclrnilssig sein.
Bloss die Einwohnereahl zum Maasstabc der Regelung der Zahl
der Apothelren zu nehmen, ist schwerlich das richtige Princip; es
iniissen dabei auch das mehr oder mindere Bediirfniss, die grirssere
oder geringere Wohlhabenheit in Betrachl kommen.
Die Verpachtung der Apotheken sollte unter geh6riger Garantie
gesiattet sein; sie ist einer der wenigen Wege, welche es giebt, jungen Pharmaceuten, denen dns zum Ankauf nbthige Capital fehlt, zu
eincr Selbststlndigkeit zu verhelfen.
Dass alle Apothelrerlehrlinge ans dem ganzen Lande ihr Exanien
vor deni Medicinal-Collegiuni bestehen sollen, seheint etwas weitliufig.
Es diirfte die Priifung vor einem Apotheker im Beisein eines Staatsarzles und des kiinftigen Principals genugen. Btsser noeh scheint es,
wenn der eintretende Lehrling sich durch Zeugnisse der Schnldirection geniigend ausweist als Schiiler der zweiten Classe eines Gymnasiums, befahigt, in die erste iiberzugehen.
Dass jeder Apotheker einen Gehiilfen halten soll, ist gewiss sehr
gut, wenn die Staatsregierung nur dafiir sorgt, dass er dic hinreichende Beschiiftignng und Mittel dazu hat.
Die Priifung der Candidaten der Pharmacie sol1 durch die medicinische Priifungs-Commission geschehen. Zu wiinschen is&, dass in
selbiger mindesiens zwei Apotheker a h Examinatoren milwirken.
Das Herzogthum Nassau hat sich hinsiehtlich seiner bisberigen
!dedicinalgesetee vortheilhaft vor mehreren nndern SIaalen ausgereichnet. Es steht zu wiinschen, dass durch die vorgescblagenc Reform
dieses gunstige Verhfiltniss aufrecht erhalten werde.
Dr. B l e y .
Vereinsaeilung.
445
Die neue Hannoversche Apolhekera- Ordrazrng.
Es is1 allen Colleeen bekannl, dass unsere Regierung das Urtheil
dcs phartnaceiitischen Pultlicunis iiber den vorliegenden Entwurf einer
neuen Apotheken-Ordnung zu hdren wiinscht.
Es ni6ge erlaubt sein, dazu fdgendcn, von einsiclltsvollen Collegen hier i n Vorscblag gebrachten Weg simnitliclicn geehrten tlerrert
Collegen unsers Landes zur Priifung vorzulegen.
Es sollten in jeder Provinz die Apnthelrer zusamiiientreten, und
sowohl per majora iiber ein gemeinschafiliches Gutachten sicli einigen, als auch event. dissenlirende Meinungen zu Protocoll zu erkliirea.
Weil aber dabei nur die verschiedenen provinzicllen Bedijrfnisse geniigeud beherzigt, die allgenieinen Verhiltnisse unsers Faches iin gaazen Konigreiche aber nicht iibersehen werden Iconneii, so niiisste eine
allgeineine Versammlung von Delegirten utisers Slandes in Hannover
statt linden.
Sollten etwa aus jeder Provinr zwei Apothelcer mit Vollinacbt
und den1 als Instruction dienenden Protocol1 ihrer Provinzialversanitnlung versehen, in Hannover zusammenkommen und auf Grund beider
sich fiber ein generelles Gutachten des gesammten Hannoverschen Apothekerstandes einigen, so geht die diesseitige Ansicht dahin, dass auk'
diem Weise am sichersten sich fiir die Entwickelung unserer Verhaltnisse erfreuliche Hesultate erreicheu lassen, welche die fiir den Einzelneir unerheblichen Kosten dieses Verfahrens reichlich aufwiegen.
Pewsum, ite September IR50.
F. S c h r a g e .
6) Medicinalpolizei.
Uer unbefugte Handel mit Arzneimitteln, nainentlich tnit Piebertropfen, Choleratropfen, Pflastern aller A r t u. s w , durch Handelund Oewerbetreibende, welcbe votii Staate daau nicbt aulorisirt sind,
hat in neuerer Zeit SO um sich gegriffen, dass das Polizei-Prlsidium
sich veranlasst sieht, das betreffeode Publicum auf die
693. u. 694.
Tit. 90. Th. TI. des Allgem. Landrecbts, welche die Zubereilung u n d
den Verkauf der Arzneien, ohne ausdrtckliche Erlaubniss des Staates,
bei Confiscation des Vorraths und bri einer Geldstrafe von 20--200 'l'blr.
uetersagen, und auf das Allerh6chat bestatigte Reglement voni 16. September 1836, worin diejenigen Arzneimittal, mit denen Kicht-Apotheker iiberhaupt nichl, und diejonigen, mil welchen sie nur unter gewissen Bedingungen I-landel treiben diirfen, nnnihaft gernacht sind,
hinzuweisen, und jede Uebertrctnng dieser geselrliclten Bestimmungen
bei Vermeidung der darin angedrohten Strafe zu verbielen.
Berlin, den 29. Juli 1850.
Konigliches Polizei - Prasidium.
I1 in ck e Id e y.
ss.
I a n hat allerdings seil Jatren diese Langmuth bewundern mussen,
mil welcher Medicinalpolitei-Beh6rden dem Unfuge zugesehen haben,
der tegttiglirh in den Anklndignngen der Provinzial- und Loealblatter
sich kund gab. Alle Pfuscher und Marktsehreier scheinen seit einigen
Jahren sich des ungestdrten Ausbietens und Verkaufa ihrer oft krioeswegs unschadlichen Mittel a h einer Erruogenschaft erfreuen eu dtir-
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