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Ueber Semen Strophanthi.

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Arthur Meyer: Semen Strophanthi.
362
Ueber Semen Strophanthi.
Von A r t h u r M e y e r .
(Eiogegangen den 12. VII. 1907).
Vorziiglich frilher, aber auch noch in neuerer Zeit, ist, hauptstichlich veranlallt durch die Unsicherheit der Handelsverhlltnisse der
Droge, die Frage aufgeworfen worden, welche Handelssorte der
Strophanthusdroge am zweckmllligsten Anfnahme in die ArzneibUcher
finden sollte. In dem Folgenden will ich diese Frage beleuchten und
Vorschlfge znr Besserung der herrschenden Verhffltnisse machen.
Seit 1864 galten alu Pflanzen, welche den Strophanthussamen
des Handels liefern sollten, teila Strophanthus hispidus, teils Strophanthus
kombe. Dementsprechend hat auch das Dentsche Arzneibuch 1890
in seiner 8. Ausgabe gesagt : .ISemen Strophanthi vermntlich von
Strophanthus hispidns und Strophanthus kombe". Da das Arzneibuch
die Behaarung der Droge als weilllich, gelblich bis grUnlich, vereinzelt
auch brlnnlich bezeichnet, so waren tatslchlich nach dem Arzneibuche
eine ganze Reihe von Handelssorten der Strophanthnssamen offizinell,
wie wir jetzt wissen, nicht nur die Samen von Strophanthus hispidns
und kombe.
Bei der Bearbeitung der 4. Ansgabe des Arzneibuches f i b das
Deutsche Reich schien es von vornherein zweckmLDiger zu sein, nar
eine Sorte von Strophanthussamen in das Arzneibnch aufzunehmen,
weil durch die Verwendung verschiedener, voraussichtlich nicht v6llig
gleichwirkender Drogen, auch eine Unsicherheit und Ungleichheit der
daraus hergeetellten Arzneien entstehen mullte. Da nun die Beschreibung
des Strophmt hussamens in der 3. Ausgabe des Arzneibuches verhdtnismaDig gut auf die Kombesorte palte, diese auch als besondere wirksam
galt, so wurde eine, wie man annahm, von Strophanthus kombe herrUhrende Droge allein der nenen Beschreibung zu Grunde gelegt und
ale deren Stammpflanze auch nnr allein Strophanthus kombe genannt.
Soviel ich weill, hat es sich nicht so verhalten, wie G i l g (Berichte der
Deutschen Pharm. Qesellschaft 1802, Seite 183) schreibt: .Strophanthus
hispidus war friiher teils ausschlielllich, teils mit Strophanthus kombe
gleichoerechtigt offizinell und wurde im neuen Deutschen Arzneibuch,
1900, nur deshalb gestrichen, weil sie tatslchlich vielhch verftilscht
im Handel vorkam und man glaubte, in Strophanthus kombe eine
,,sichere' Art zu besitzen". Wie G i l g zu dieser falschen Darstellung
gekommen ist, weill ich nicht. Auch die englische Pharmakopoe (1898)
und andere ArzneibUcber hsben die Kombedroge aufgenommeu.
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Arthur bfeyer: Semen Strophanthi.
Die Grolldrogenhguser brachten damals a18 Kombedroge mehr a h
heute .nnechte" und gemischte Strophanthussamen in den Handel.
Dennoch hritte schon damals in den Apotheken, bei genauer
Beriicksichtignng der Diagnose des Arzneibuches, echte Kombedroge
gefuhrt werden kijnnen. Wenn das nicht durchaus geschehen ist, so
kann das nur darin begriindet sein, dafl entweder unsere Apotheker
und Apothekenrevisoren nicht alle genilgend pharmakognostisch geschult
waren, nm die unechten Kombedrogen abweisen zn kannen, oder darin,
dab sie nicht sorgflltig genng bei der Prfifung der Drogen vorgegangen sind.
In den letzten Jahren ist eine bedeutende Besserung der Verhlltnisse dadnrch eingetreten, dal? durch die Anregnng von F r a s e r
und H 01 m e s die African Lakes Corporation, Limited, Kombefrtlchte
darch botanisch geschulte Sammler einsammeln llDt nnd als Berater
H o l m e s , den Kurator des Museums der Pharmaceutical Society in
London, znr Seite hat. Freilich liefert die Firma O p p e n h e i m e r
Son & C o m p a n y , Limited, in London, welche den Vertrieb der in
Rede stehenden Droge besorgt, keine ganzen Frtichte, sondern nur die
Samen. GeschBhe letzteres, so ware eine vollkommene Sicherheit im
Bezuge der Droge gegeben.
Das Drogenhaus C a e s a r & L o r e t z in Halle a. d. Saale hat sich
besonders fiir die Droge interessiert. Es sagt in Heinem Geschaftsbericht vom September 1906, Seite L I V : ,,Echter offizineller KombeStrophanthussamen ist fur den Klufer, welcher nicht lediglich
die billigsten Preise a18 Norm ftir seine EinkHufe betrachtet, schon
seit einigen Jahren in reiner W a r e in ausreichenden Mengen an den
Markt gebracht worden, und wir waren in der Lage, auch einen an
uns herantretenden groflen Bedart jederzeit prompt zu decken. Unter
ieinem offizinellen Kombe-Strophanthussamen verstehen wir eine mit
angedrtickten, weifllich glgnzeuden Haaren bedeckte Droge YOU ziemlich
gleichmlllig ausgeprlgt lanzettlicher F o r m nnd heller graugrilnlicher
Farbe, deren von der riulleren Samenschale befreites Endosperm beim
Bet upfen mit Schwefelsaure eine deutliche Grfinfgrbnng zeigt, die auch
nachtr&glich nicht in Rot fibergeht. Wenn von 20 Samen 18 diese
Parbung erhalten, dann ist die Droge noch als eine gute Handelsware
zu bezeichnen."
J e t z t wird es also dem Apotheker bei gentigender Anfmerksamkeit
leicht Bein, Samen yon Strophanthus kombe einzukanten. Es ist allerdings festznhalten, dall die PrUfung der Samendroge auf Echtheit und
Reinheit nicht leicht ist, und es wUrde deshalb vorteilhaft sein, wenn
in der ngchsten Ausgabe des Arzneibnches verlangt wiirde, dall die
Droge aus den FrUchten bestehen mUsse, und dafl aufler der Diagnose
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Arthur Meyer: Semen Strophanthi.
der Samen auch die des Perikarps in das Arzneibnch aufgenommen
wiirde. Diese Mallnahme wtirde allerdings auch keine sichere Gewtihr
dafiir bieten, dall in den Apotheken die echte Droge Verwendnng finden
wtirde, da leicht eine Frucht der echten Droge als Revieionsware in
der Apotheke vorrltig gehalten werden ktinnte, wtlhreod f i r die
Bereitnng der Arzneien billigere, nackte Samendroge Verwendnng
finden wiirde.
Es scheint so, als variierten die Kombesamen wie alle daraufhin
untersnchten giftige Glykoside oder Alkaloide enthaltenden Pflanzenorgane beztiglich ihres Glykosidgehaltes resp. Alkaloidgehaltes. Rine
genaue Untersuchnng sicher echter und reiner Kombedrogen kllnnte
allerdiogs den Grad dieser Variabilitlt erst feststellen. Sollte die
Fiihrnng ganz gleichmiillig wirkender Kombedroge in den Apotheken
gefordert werden, so rniiflte eine quantitative Bestimmung dee Glykoaidgehaltes, eventaell eine physiologische Prftfung des Grades ihrer
Giftigkeit fir Frosche verlangt werden. Caeear & Loretz in Halle
geben an, dall sie solche Prtifnngen durchffihren, und die geprtifte
Droge in den Handel bringen. Wird eine derartige Droge ooch von
dem Apotheker kontrolliert, so konnte der A r z t jetzt sicher sein, dtets
gleichwirkende Strophanthusprlparate zn erhalten. Sicherer wtirde
dieses Ziel erreicht werden, wenn, wie es zum Beispiel S a n t e s a o n
(Einige Bemerkungen Iiber die Wirknngsintensitlit der Semina und
der Tinctura Strophanthi aus schwedischen Apotheken. Skandinavischea
Archiv fiir Physiologie 1905, S. 389) ftir Schweden vorschlug, die
PrUfuog von einer etaatlichen Zentralanstalt iibernommen werden wtlrdb.
Diese k6nnte z. B. fiir Deutschland das KBnigliche Institnt Mr
experimentelle Therapie in Frankfurt a. M. sein.
Wie ich sagte, scheint augenblicklich nur die genannte englische
Firma die Kombedroge in reiner Form am Afrika einzuf[ihren; aber
es wiirde wohl nur eines etwaa gr6lleren Interesees unserer Kolonialverwaltang an der Kombefrage bedftrfen, um zu erreichen, dall u s e r
Bedarf an Samen von Strophanthus kombe Oliv. aus Deutsch.Oetafrika gedeckt worde. Strophanthns kombe kommt anch im sfldlichen
Teil von Deutsch-Ostafrika, von Usaramo aus bis znr Siidgrenze wr.
B u s s e (Ber. d. Deutsch. Pharm. Qes. 1902, S. 1941, der Strophanthus
kombe in der Uferflora des Dondelandes vereinzelt auffand, ist der
Meinung, daa sich Pflanzungen davon anlegen laasen wUrden. Er sagt
in seinem, dem Kaiserlichen Gonvernement von Ostafrika erstatteten
Berichte ( B u s s e : Forschungsreise durch den siidlichen Teil von
Ostafrika. Tropenpflanzer 1902, Beihefte S. 199): .Anch mit
Strophanthus kombe, der sich i n unmittelbarer Nihe der Station
Iiwale firdet, kSnnte an gleicher Stelle ein Aussaatversach gemacht
b o b d. Pbarm. CUXXXXV. Itdo. 6. Heft
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A r t h u r Meger: Semen Strophsnthi.
werden. Ich habe der Station nachtrXglich genaue Angaben iiber den
Standort dieser wichtigen Arzneipflanzen, Skizze der Frucht etc. tibermittelt, so dafl man sie unschwer wird auffinden kthnen."
Sollten an den zur Kultnr bestimmten Stellen die Kreuzungsvermittler der Pdanze fehlen, so konnte man, wie schon G i l g (Tropenpflanzer 1902, S. 557) vorschlagt, zur kiinstlichen Befruchtung d e r
Bltiten schreiten.
Uebrigens ist auch in letzter Zeit von M e r c k in Darmstadt
und von Boehringer-Waldhof aus anscheinend reiner Kombeware das
Glykosid dargeatellt und in den Handel gebracht worden und wird
nun wohl anch bald, da es anscheinend nicht schwierig krystallisiert,
in ganz reinem Zustande dargestellt und genauer chemisch untersucht
werden. Das Prliparat von B o e h r i n g e r ist auch schon klinisch studiert
worden. (Siehe Alb. F r a e n k e l , Verh. des 23. Kongr. f. inn. Med.
1906, 8. 257 und R. von d e n V e l d e n : Intraventise Digitalistherapie
mit Strophanthin, Munch. med. Wchschr. 1006, No. 44.) Vielleicht
werden wir dereinst, wenn die reinen chemisch genau charakterisierten
Strophanthnsglykoside sorgf%ltig pharmakologisch studiert worden sind,
die Droge durch eins der Glykoside ersetzen diirfen.
Vorlzlufig aber miissen wir, wie gesagt, den Englilndern nachstreben und miissen versuchen, echte Friichte von Strophanthus kombe
Oliv. einznffihreu, vielleicht ist die Pflanze in Deutsch-Ostafrika doch
nicht 80 selten wie es scheint, sodaU ein Drogenhans, welches gentigend
i-truierte und eingetibte Sammler aussenden wiirde, vielleicht unseren
ganzen Bedarf decken kllnnte.
Mehr verspreche ich mir von der Kultur. Herr Regiernngsrat
Dr. B u s s e in Berltn, den ich nochmals brieflich darum befragte,
achrieb mir 1907: ,Es lohnt sich, das Kaiserl. Gonvernement in
Daressalam dafllr zu interessieren nnd gleichzeitig zu bitten, daB das
Biologisch-Landwirtschaftliche Instftut Amani zu einem Gutachten
iiber die Frage aufgefordert werde. In den von mir beanchten
Gebieten Ostafrikas kommt Strophanthus kombe verhiltnismill?ig
selten vor, aber nnter Bedingongen, die eeine Kultnr recht leicht
erscheinen lassen. Am beaten ginge es, wenn eine Plantage im
Ktistenland, etwa eine Kautschukplantage, die Strophanthnszucht als
Nebenknltur betriebe."
Wenn eine derartige Knltur erfolgreich durchgeftihrt wird, SO
kSnnte wahrscheinlich nicht nur bald der gauze Bedarf Deutschlands
gedeckt werden, sondern auch fur den Export in andere L h d e r , welche
Strbphanthus kombe in ihre ArzneibUcher anfgenommen haben, noch
reichlich Material Ilbrig bleiben.
3a
Arthur Meyer: Semen Stropbanthi.
Meiner Meinung nach wird es, wie gesagt, zweckmanig sein,
dann die ganzen Friichte in den Handel zu bringen. Man wtirde sie
schllen und mit einem Stempel der Plantage versehen lassen, als
Garantiemarke fur die Echtheit der Droge.
Wie wir gesehen haben, haben sich nach langjlhrigem Schwanken
in den letzten Jahren die Handelsverhaltnisae der Kombedroge gefeetigt.
Drogenhandler, Apotheker und Aerzte haben begonnen, sich an die
nun gleichmlige Kombedroge zu gewghnen, und bald wird eine befriedigende Stabilittit erreicht sein. Unter diesen Verhgltnissen wiirde
es nnzweckmlflig sein, eine andere Drogensorte an Stelle der Kombedroge in das Arzneibnch aufzunehmen, wenn die Aufnahme der ersteren
nicht erhebliche Vorteile bote, da der Nachteil, den die Stornng der
jetzt gesicherten Situation der Strophanthusdroge mit sich bringen
wtirde, ein sehr groner sein wiirde. Vorzuglich wtirde es sehr bedenklich erscheinen, wenn man eine Droge an Stelle der Kombedroge
setzen wollte, welche in ihrer arzneilichen Wirknng nicht erwiesenermallen mit der Kombedroge gleichwertig wgre, denn man wtirde damit
wieder eine Unsicherheit schaffen, welche die klinische Verwendbarkeit
der Droge sehr nachteilig beeinflussen miinte.
Wenn wir nun unsere Fragestellung auf die anderen Sorten
unserer Droge anwenden, so mfissen wir uns auch von vornherein
daran erinnern, daB keine Tatsache bekannt ist, welche auch nur vermuten ltillt, dan eine andere Strophanthussorte der Kombesorte in der
Heilwirkung iiberlegen ist, sodall also vom Standpunkte des Arztes
kein Grnnd vorliegt, die Kombedroge zu verlassen, wenn die ans ihr
hergestellten Medikamente so gleichmIBig geliefert werden k h n e n ,
wie es in der T a t bei gentigender Aufmerksamkeit der Apotheker
jetzt der Fall sein mull.
1904 hat G ilg (Berichte der Deutschen Pharmazeutischen
G esellschaft 14,90, 1904) vorgeschlagen, Strophanthus gratus Franch.
statt Strophanthus kombe in das Arzneibuch anfzunehmen, aber gegen
diese Droge ist einzuwenden, dall ihr Glykosid von dem ganz verschieden
ist, welches die Kombedroge liefert.
Schon 1901 wnrde von H a r t w i c h ( H a r t w i c h , Apotheker-Zeitung
1901, S. 183) die Meinung ausgesprochen, dall es vielleicht besser sein
wifrde, der braunen Hispidusdroge eine erhghte Aufmerksamkeit zuzuwenden, da sie weniger verflilscht zu sein scheine, als die Kombedroge. Auch G i l g hat 1902 (Uerichte der Deutschen Pharmazeutischen
Gesellschaft 190, S. 182 und S. 187) vorgeschlagen, die Hispidusdroge
an Stelle der Kombedroge zu setzen. Dieaen Vorschliigen gegenliber
haben wir nns znerst zu fragen, ob die reinen Samen von Strophanthus
kornbe nud Strophanthus hispidus P. DC. chemisch und klinisch
%3*
A r t t u r Meyer: Semen Strophanthi.
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gleichwertig sind. Beziiglich des chemischen Verhaltens beider Drogen,
ist zu bemerken, dall kein Beweis dafiir vorliegt, dall die Glykoside
beider Samen identisch sind. A u s reinem Samen von Strophanthus
hispidus hat bisher niernand das Glykosid dargestellt. Auu den
zusammenfassenden Angaben von F e i 9 t (Rerichte der deutschen
chemischen Gesellschaft 1900, 8. 2063) S. 2066 kiinnte man nur die
Vermutung sch6pfen, dall die Hispidussamen ein sich mit Schwefelsiiore
rotfarbendes, die Rombesamen ein sich mit Schwefelsaure griinf i t bendes Glykosid lieferten, was den Tatsachen widerspricht, denn
beide Samen flrben sich, wie ich nochmals mit authentischen Materialien
geprtift, habe, mit Schwefelstiure (8 SchwefelsZure und 2 Wass2r)
ziemlich Shnlich, beide, k u r z gesagt, blaugriin, dann violett I). B u s
letzterer Tatsache zu schlieaen, dall beide Strophanthussamen das
gleiche Glykosid enthielten, wiirde nnrichtig sein, denn die Samen vou
Strophanthus gratus und Strophaidhus Emini flrben sich mit Schwetelsaute beide rot und enthalten anscheinend nicht das gleiche Glykosid.
T h o r n s , welclier das Glykosid von Strophanthus gratus in sch6nen
Krystallen darstellte ( T h o t n Y , die Strophanthusfrage vom chemischen
Standpunkte in: T h o r n 8, Arbeiten aus dem pharmazeutischen Institute
der Universitat Berlin 11. Bd. 1905), h a t auch das Glykosid au?
Stropbanthuv Emini (S. 80) hergestellt und sagt, dall es verschieden
yon den Oljkosiden d e r Kombe- und Hispidussainen sei. Ueber die
chemische Gleichwertigkeit der beiden Drogen wird naturlich nichts
ausgesagt, wenn C a e s a r & L o r e t z (Geschlftsbericht 1900, S. 66)
deu Strophaothingehalt der beiden Drogen annghernd gleich finden.
Wenn eine physiologische Prtifung des Giftwertes fiir Frosche
bei beiden Drogen eine lhcliche Bahl ergeben wiirde, so k6nnte das
selbstverstandlich fur die rnedizinische Gleichwertigkeit der beiden
Drogen keinen Beweis abgeben. Entscheidender konnte eine vergleichende klinische Untersuchung mit echten Kombe- und Hispidussamen seio. A b e r diese ist meines Wissens noch nicht vorgenommen
worden. L e w i n (Tropenpflanzer 1902, S. 560) hat allerdings erklart,
daO er keinen auch nur entfernt ins Gewicht fallenden pharmakologischen Unterschied zwischen Strophanthus hispidus und Strophanthus
kombe habe erkennen konnen, jedoch hat e r nur einen einzigen
klinischen Versuch gemacht, nnd es ist nicht sicher, dall e r echten
Kombesamen zum Vergleich benutzt .hat.
* J Interessant ist es, da6 sich die Kombesamen, a m denen Merck das
Glykosid dargestellt hatte, mit Schwefelsaaro (8 2) grilnlichblsa, d a m
violett filrbten, riihrend dae aa8 ihnen hergestellte Glykosid rnit SchrefelsiSure (8 2) eine gelblichgriine, dann schmatcig grane Fiirbung gab.
+
+
A r t h u r Meyer: Semen Strophanthi.
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Bisher ist es also durchaua unsicher, ob die Drogen medizinisch
gleichwertig sind. Wiirde sich die Gleichwertigkeit bei weiterer
Untersuchung herausstellen, so friige es sich, ob die Anwendung der
Hispidusdroge an Stelle der Kombedroge einen Vorteil b6te, welcher
gr6ller ware als der Nachteil, den der Wechsel, nach dem fruher
Gesagten, mit sich bringen miillte. Mir ist nur ein kleiner Vorteil
bekannt, der hier zu er6rtern ware. Strophanthus hispidus ist eine
Pflanze Westafrikas, welche vom Senegal bis zum Kongo vorkommt.
Aus einem Brief, den Dr. K e r s t i n g aus der Regierungsstation Sokod6
in Togo an G i 1g schrieb ( G i 1 g , Ueber einige Strophanthus-Drogen;
Ber. der Deutsch. Pharmazeutischen Gesellschaft 1902, S. 182: S. 184),
geht hervor, dafl Strophantus hispidus in Togo reichlich wgchst und leicht
zuglnglich ist. Dr. K e r s t i n g sagt: ,,Strophantus hispidus ist hier
Hauptbestandteil des Pfeilgiftes und wird bei allen Darfern in Halbkultur
angetroffen. Ich habe in der letzten Regenzeit in meinem Versuchsgarten auch eine betrlchtliche Menge Samen dieser Pflanze ausgeslt.
Die Eingeborenen schueiden meterlange Aststiicke ab, deren beide Enden,
wie die kleinen Tore beim Krocketspiel, in die Erde gesteckt werden
und dann ohne weiteres Blatter entwickelu und wachsen. Strophanthus
hispidus wlchst bei den Dorfern gewohnlich auf trockenen sandigen
Stellen, in freistehenden Biischen von 5-10 m Durchmesser. Wo er
gelegentlich in kleinen trockenen Hainen steht, rankt e r sich bis hoch
in die Baume hinauf. Mir sind hier nur zwei Strophantbusarten
bekannt, und jetzt, als ich auf Grund Ihres Schreibens weitere Nachfragen anstellte, wurden mir auch nur immer die zwei Arten angegeben.
Die zweite Art (Strophanthus sarmentosus P. D C ) bildet nicht rankende,
frei stehende Strlucher, 2-4 m hoch. Die Blatter siud kleiner, glatt
und unbehaart; die Friichte dicker und an den Enden nicht kelch.
artig sich ausbreitend, soudern einfach konisch. Die Eingeborenen
haben fur die Art keine Verwendung". Nicbt ganz so giinstig sind
die Erfahrungen, welehe H e r r Regierungsrat Dr. B u s s e (jetzt in der
Kaiserlichen Biologischen Anstalt fur Land- und Forstwirtschaft in
Dahlem bei Berlin) gemacht hat. Er schreibt mir folgendes: ,Mit
gleicher Post sende ich Ihnen ergebenst drei Follikel von Strophanthus
hispidus P. DC. aus meiner Sammlung, eine vom Grafen Z e c h 1900
in Kete-Kratschi (Nordtogo) gesammelt, und zwei von mir im
November 1904 aus dem ,,Kulturgarten" in Lome mitgenommene
Exemplare. Auller an diesem Plate habe ich die Pflanze in Siidtogo
nirgends kultiviert Nondern nur wild gefunden und zwar verhaltnismlflig selten in vereinzelten Exemplaren. Wenn das Gouvernement
daftir interessiert wird und die Eingeborenen mit dem Verkauf der
Frtichte ein Gesch'dft machen konnen, sollte sich m. E. die Strophanthus-
368
Arthur M e y e r : Semen Strophanthi.
kultur in Siidtogo wohl einfiihren lassen. Doch miiflte man, um
Falschungen vorzubeugen, darauf bedacht sein, nur die ganzen Fruchte
in den Handel zu bringen."
Aus beiden Mitteilungen geht hervor, daP Strophanthus hiupidus
wohl relativ leicht in gr6llerer Menge in Togo gesammelt werden kbnnte,
und eine ICultur der Pflanze in gronerem MaDstabe sich leicht in Togo
wiirde einrichten lassen. Bei der Einsammlung wurde eine FLlschung
oder Verwechselnng mit anderen Strophanthussamen leicht zu vermeiden
sein, da in Togo anscheinend nor noch Strophanthus sarmentosus P. DC.
vorkommt, dessen Friichte sich von denen des Strophanthus hispidus leicht
unterscheiden lassen. Auf diese Verhlltnisse hat auch schon G i 1g
anfmerksam gemacht. Er sagt (Her. d. Deutsch. Pharmazeutischen
Besellschaft 1902, S . 186): ,,Ich mochte mir deshalb den folgenden
Vorschlag erlauben. A u s unserer Kolonie Togo lieD sich mit Leiuhtigkeit die gesamte Meoge von Strophanthns hispidus-Sarnen beschaffen,
welche zur Herstellung von Stropbanthin gebraucht wird, da hier - wie
oben gezeigt wurde - die Pflanze in manchen Gebieten in Halbkultor
gehalten wird und es sehr leicht ware, die Kulturen entsprechend zu
vergrbllern. Es wIre so gut wie ausgeschlossen, dall diese Samen
verfglscht werden, d s die einzig andere im Gebiete noch vorkommende
A r t von Strophanthus nirgends kultiviert wird, nur verh8ltnismallig
eparlich im ,,Busch'' vorkommt und mtihsam gesammelt werden niilllte.
Sollte aber doch eine schlrfere Kontrolle notwendig sein (was ich vorllufig fur unnotig halte), so lieBe sich diese ganz aullerordentlich
leicht in der Weise durchfuhren, dall nur Sarnen in den (geschalten)
uchotenartigen Friichten zum Export nach Enropa gelangen. In den
Frtichten unterscheiden sich ngmlich die beiden Arten so leicht, dall
ein Sortieren mit der gr6Dten Schnelligkeit vor sich gehen konnte."
Der aus diesen Verhlltnissen erwachsende Vorteil wlirde nun der
sein, dall man vorzuglich, wenn die Kolonialverwaltnng sich fiir die
Sache interessieren wiirde, bei Verwendung der Hiupidus-Droge an
Stelle der Kombe-Droge, dem Handel eine Bezugsquelle fur reine
Hispidus-Droge aus deutschen Gebieten wahrscheinlich etwas schneller
ertiffnen konnte, als dieses bei der Kombe-Droge gelingen wird, fur die
wir augenblicklich anscheinend nur die sichere englische Quelle haben.
E s w&re das meiner Meinung nach ein sehr kleiner Vorteil, der die
Nachteile der Aenderung nicht ausgleichen wiirde.
Wilrde die Miiglichkeit des Bezuges sicher reiner Hispidus-Droge
wirklich so gegeben werden, so wiirde doch damit durchxus nicht gesagt
sein, dall alle Konsumenten ihre Beziige anch aus Togo machten. Das
wbrde dann selbst nicht zu erreichen sein, wenn man in das Arzneibnch den Passus aufnahme: .Die Samen van Strophanthns hispiduu,
A r t h u r Meyer: Semen Strophanthi.
369
welche in Togo gesammelt sein miissen'
Es wiirde also d a m fiihren,
dall auch hier mit Samen von anderen Strophanthusarten verfHlschte
Hispidus-Droge in den Handel kommen wilrde. Diese Verf%lschungen
sind so achwierig zu erkennen, wie die der Kombe-Droge, nnd bei dem
pollen Verbreitungsgebiete der Hispidus-Pflanze ist es zu erwarten,
dall die Beimischungen mannigfaltiger A r t werden k8nnen. Ich mache
darauf aufmerksam, dall wir nur etwa die Hglfte der Samen von den
ungefahr 40 bekannten Spezies der Gattung Strophanthus kennen, so
dall wir auf allerhand Ueberraschung6n beztiglich der Verftilschung der
Handelsaorten gefallt sein miissen. Bisher allerdings hat man nur
Samen von Strophanthus sarmentosus P. DC. und Strophanthua
Arnoldianus De Wild et Th. Dnr. in den Hispidus-Drogen des
Handels sicher nachgewiesen, die sich, wenn sie nicht in zu groller
Menge dem Samen von Strophanthus hispidas beigemengt sind, nicht
ganz leicht auffindm lassen.
Wollte man also erreichen, dall die Biepidusdroge immer in
v6llig echtem und reinem Zustande in die Apotheke gelange, SO mtiflte
die Einsammlung oder die Kultur der Droge sowie deren Priifung und
deren Verschleill vom Staate in die Hand genommen werden, genau
so, wie das bei der Kombedroge der Fall sein milllte.
Aus dem Gesagten geht hervor, dafl es unvorteilhaft sein wtirde,
die Hispidusdroge oder Gratusdroge statt der Kombedroge in daa
Arzneibuch aufzunehmen, dall wir aber daran arbeiten mllssen, die
Verhlltnisse der Kombedroge nach Mtiglichkeit zu bessern.
Es wLre also, wenn das Beste erreicht werden 8011, 1. zu erstreben,
dall die Kultur voo Strophanthus kombe Oliver iu Deutsch-Oetafrika,
baldigst in Angriff genommen wtirde, 2. daG die geschalten nnd mit
den Namen der Plantage gestempelten Frtichte in den Handel gebracht
wilrden, fiir das Ausland vielleicht auch in verschlossenen und
gestempelten Beuteln verpackte Samen, 3. dall die Priifung der von
den deutschen Plantagen eingefuhrten Samen von einer amtlichen
Stelle ausgeftihrt wilrden, und dall Samen bestimmter Wirksamkeit
unter Kontrolle dieser amtlichen Stelle in den Handel gebracht wllrden,
lhnlich wie es j a bei anderen Arzneimitteln schon ltingst geschiebt.
Da die Strophanthuasamen anscheinend weniger zahlreiche wirksame chemische Individuen enthalten, als die Digitalisbltitter, so ist zu
erwarten, dall auf dem angegebenen Wege ein gleichmgfliger wirkendes
Medikament gewonnen werden kann, ale bei einer gleichen Behandlung
der Digitalisdroge, denn deren Variabiliut ist anscheinend infolge
ihrer komplizierten chemischen Verhlltnisse eine vie1 grol3ere.
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